8. Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms – Lungenkarzinom
8.1 Bedeutung von Alter, Komorbidität, prognostischer Einschätzung und Symptomlast als Selektionskriterium für Therapiemaßnahmen
Ein höheres Lebensalter sollte kein alleiniger Ausschlussgrund zur Behandlung mit einer Therapiemodalität (Chemotherapie, Radiotherapie, Operation) sein.
Von größerer Relevanz ist das Spektrum der Komorbiditäten.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
In verschiedenen retrospektiven Kohortenanalysen wurde, bezogen auf Registerdaten bzw. auf Daten einer Institution, beim NSCLC analysiert, welchen Einfluss Komorbidität, Aktivität im täglichen Leben und Lebensalter auf
- Indikationsstellung für eine intensive Therapie und
- Outcome haben.
Zur Erfassung von Komorbidität/Aktivität im täglichen Leben wurden unterschiedliche Scores eingesetzt (Cumulative Illness Rating Score – Geriatric; Charlson Comorbidity Index; Simplified Comorbidity Score). Die Analysen zeigen, dass:
- Ein höheres Lebensalter sollte kein alleiniger Ausschlussgrund zur Behandlung mit einer Therapiemodalität (Chemotherapie, Radiotherapie, Operation) sein.
- ein Komorbiditätsscore ein besserer Prädiktor für postoperative Komplikationen ist als einzelne Komorbiditäten [633] und ältere Patienten (> 75 Jahre) ohne relevante Komorbidität gleichermaßen von einer Resektion profitieren wie jüngere [634].
- im Hinblick auf die Radiotherapie bzw. Radiochemotherapie ein ungünstiger Komorbiditätsscore prädiktiv ist für ein ungünstigeres Outcome (nicht aber ein höheres Alter), allerdings die Indikationsstellung für eine Radiochemotherapie nicht nur vom Komorbiditätsscore, sondern auch vom Alter beeinflusst wird [635].
- ältere Patienten – unabhängig vom Komorbiditätsprofil –seltener eine Chemotherapie erhalten als jüngere [636].
- unter definierter Therapie ein Komorbiditätsscore prädiktiven Charakter für das Outcome hat, nicht aber das Alter [637].
Diese Daten zeigen, dass höheres Lebensalter kein alleiniger Ausschlussgrund zur Behandlung mit einer Therapiemodalität (systemische Therapie, Radiotherapie, Operation) bzw. Durchführung einer intensiven Therapie sein sollte. Von größerer Relevanz ist das Spektrum der Komorbidität. Angesichts der Bedeutung von Komorbidität bzw. dem Aktivitätsprofil im täglichen Leben sollten entsprechende Scores in Studien prospektiv geprüft werden.
8.2 Konzept der frühzeitigen Integration palliativmedizinischer Versorgung
8.2.1 Einleitung
Die frühe und routinemäßige Integration der Palliativversorgung versteht sich als eine Verbindung onkologischer und palliativmedizinischer Versorgung in einem Behandlungskonzept - in Abhängigkeit von der Phase der Krebserkrankung, kontinuierlich angepasst an den Bedarf und die Belastungen der Patienten und seiner Angehörigen im Verlauf [605], [638]. Hierbei handelt es sich um einen kooperativen und nicht konkurrierenden Charakter der Fachbereiche durch die Hinzuziehung einer weiteren Disziplin und die Therapieführung durch den primär behandelnden Pneumologen bzw. Onkologen.
Das Konzept der frühzeitigen Integration von Palliativversorgung bei Patienten mit nicht-heilbarer Lungenkarzinomerkrankung umfasst ein komplexes Angebot medizinischer und kommunikativer Kompetenz mit dem Ziel, für die jeweilige Patientensituation individuell angepasste und angemessene Therapieempfehlungen zu geben, eine rasche Symptomkontrolle zu erreichen und durch eine vorausschauende Versorgungsplanung (ACP – siehe Kapitel 6.6) die Lebensqualität und erheblich einschränkende Begleitsymptome zu verbessern. Mehrere positive Studien konnten eine signifikante Effektstärke der frühzeitigen Integration von Palliativversorgung auf Lebensqualität und Depression bei Patienten mit metastasierten Lungenkarzinom belegen [605], [639], [640], [641], [638]. Außerdem ließ sich eine Reduktion onkologischer Therapien, ein verlängerter Zeitraum zwischen der letzten Chemotherapie und dem Versterben und damit der Zeitraum der hospizlichen Begleitung, ein verbessertes Verständnis der Prognose, eine geringere Belastung von Angehörigen sowie eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens zeigen. Des Weiteren wurden mehr Vorausverfügungen bezüglich Reanimationssituationen erstellt und es wurden weniger Patienten in der Notaufnahme oder im Krankenhaus aufgenommen [642], [643], [644], [645], [646]. Als Nebeneffekt fiel auf, dass durch die frühzeitige Einbeziehung palliativer Strukturen Kosten reduziert werden konnten [642], [647],[648]. Temel et al haben 2024 gezeigt, dass das gestufte Modell der Palliativversorgung ei-ne bedarfsorientierte Betreuung mit geringerem Ressourceneinsatz ermöglicht– bei gleichzeitig positiven Effekten auf die Lebensqualität der Patient:innen. Es bietet ins-besondere in ressourcenlimitierten Kontexten eine skalierbare Alternative zur frühzei-tigen, kontinuierlichen Mitbetreuung [638]. In diesem Modell wird die spezialisierte Palliativversorgung bei definierten Auslösern integriert; ein kontinuierliches Symptomassessment ist hierbei Voraussetzung.
Für die Empfehlung einer frühen Integration der Palliativversorgung ist die Studienlage für das metastasierte Lungenkarzinom beispielhaft, da bereits zum Diagnosezeitpunkt 40% aller Patienten mit Lungenkarzinom Fernmetastasen aufweisen. Die Symptomlast ist hoch und oft diagnoseführend. Das mediane Gesamtüberleben der Patient:innen hat sich unter den veränderten Therapiemöglichkeiten auf ca. 12 bis 20 Monate verbessert. Neuere Therapieansätze erhöhen die 5-Jahres-Überlebensquote auf bis zu 23,6 % (https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Datenbankabfrage/datenbankabfrage_stufe1_node.html). Dennoch sind die Belastungen der Patient:innen weiter hoch. Somit stellt der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität ein wesentliches Therapie/Interventionsziel dar.
Die Erkenntnis des Nutzen eines frühzeitigen integrativen Konzeptes zwischen onkologischer Standardtherapie und palliativer Behandlung führte in den USA bereits zu offiziellen Empfehlungen onkologischer und pneumologischer Fachgesellschaften, Lungenkrebs-Patienten im fortgeschrittenen Stadium eine frühzeitige palliativmedizinische Mitbetreuung anzubieten [649] . Auch in der S3-Leitlinie für Palliativmedizin wird dieses Konzept empfohlen, Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung, Langversion 2.2, 2020, AWMF-Registernummer: 128/001OL, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/palliativmedizin/.
Patienten mit einer nicht-heilbaren Lungenkarzinomerkrankung sollen nach Diagnosestellung frühzeitig das Angebot einer Integration von Palliativberatung und -versorgung erhalten.
Das Angebot zur Integration von Palliativberatung und -versorgung bei Patienten mit einer nicht-heilbaren Lungenkarzinomerkrankung sollte frühzeitig (innerhalb der ersten 2 Monate) nach Diagnosestellung erfolgen.
Die palliative Versorgung sollte durch palliativmedizinische qualifizierte Fachkräfte in allen palliativmedizinisch relevanten Dimensionen (physische, psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse) erfolgen und dokumentiert werden.
Im Rahmen der Palliativberatung und -versorgung von Patienten mit nicht-heilbarer Lungenkarzinomerkrankung sollten folgende Aufgaben bewältigt werden:
- regelmäßiges Einschätzen physischer, psychosozialer und spiritueller Belastungen und Behandlung der entsprechenden Symptome
- Beratung und Koordination von Hilfestellungen
- aktive Initiierung von Gesprächen über Vorausverfügungen mit Blick auf mögliche Komplikationen und auf Aspekte des Lebensendes
- Wahrnehmung von Belastungen in der Familie und bei Freunden mit Angebot der Unterstützung
Beratungen und Vermittlung hospizlicher, pflegerischer und anderer Versorgungsangebote.
Neben einer frühzeitigen Palliativberatung sollte ein standardisiertes Symptomassessment regelmässig durchgeführt werden, um eine bedarfsorientierte In-tegration von Palliativversorgung zu ermöglichen.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [638]
Änderungshinweis
In Studien wurden die positiven Effekte der frühzeitigen Palliativberatung und -versorgung dann erzielt, wenn: (a) die Kontakte wenigstens in monatlichen Abständen und (b) nach einem Primärkontakt 3 Folgekontakte erfolgten.Strukturierte Palliativversorgung sollte in Entscheidungsprozesse bei Patienten mit einer nicht-heilbaren Lungenkarzinomerkrankung integriert werden (z.B. durch Beteiligung an interdisziplinäre Tumorkonferenzen oder durch einen palliativmedizinischen Konsildienst).
- Konsens
- Konsens (93%)
Hintergrund
Die nicht-heilbare Lungenkarzinomerkrankung ist die erste Tumorentität, für die der Nutzen einer frühen Einbeziehung der Palliativmedizin in die Behandlung wissenschaftlich belegt ist [605], [611], [642], [650]. In bewährten Modellen zur Umsetzung findet diese Integration innerhalb von wenigen Wochen nach Diagnose eines unheilbaren Erkrankungsstadiums statt [605], [652], [653], [654], [655].
Die kooperierende palliative Mitversorgung muss durch qualifizierte palliativmedizinische Fachkräfte in allen palliativmedizinisch relevanten Dimensionen (physische, psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse) erfolgen. Sie ist zu dokumentieren. Sollte in diesen Beratungen eine hohe Komplexität festgestellt werden, soll die spezialisierte Palliativversorgung aktiviert werden. Die Einbindung von spezialisierten Fachkräften der Palliativversorgung muss sich an den Bedürfnissen der Patient*innen orientieren, sollte aber auch Fragen der Verfügbarkeit berücksichtigen [656], [638].
Die Multidimensionalität legt nahe, dass ein multiprofessioneller Ansatz der palliativen Mitbetreuung sinnvoll ist. Die Beratung soll als eigenständiger Termin mit definierten Rahmenbedingungen stattfinden. Die Studienlage legt nahe, dass es definierte Kriterien geben muss, die eine frühzeitige palliative Mitbetreuung auslösen. Die Symptome und Belastungen werden v. a. dann erkannt und behandelt, wenn die Patienten aktiv, routinemäßig und strukturiert befragt werden [657].
Aus der Erfahrung heraus, dass allgemeine Empfehlungen nicht ausreichen, wurden von Gärtner et al diagnosespezifische Kriterien für den optimalen Zeitpunkt palliativer Interventionen für verschiedene Malignome entwickelt [658], [659]. Bei Lungenkarzinompatienten wurden in dieser Arbeitsgruppe folgende Kriterien festgelegt: jede Neuerkrankung im metastasierten Stadium und jedes inoperable Rezidiv. Hier zeigten sich nach Einführung der definierten Auslösekriterien positive Hinweise für eine gelungene frühere Integration der palliativen Mitversorgung [658]. Als primärer Auslöser für die Integration von spezialisierter Palliativversorgung wurden von Ferrell et al folgende Kriterien identifiziert [8]: (1) Überraschungsfrage: Sie wären nicht überrascht, wenn der Patient innerhalb der kommenden 12 Monate versterben würde? (Antwort: Nein), (2) häufige Krankenhaus-Einweisungen, (3) stationäre Einweisung aufgrund schwer zu kontrollierender körperlicher oder psychischer Symptome, (4) komplexe Pflegeanforderungen, (5) zunehmende Gewichtsabnahme (6) komplexe soziale Belastungen [660]. Lakhani et al. stellen in ihrer retrospektiven Single-center-Studie fest, dass die Nutzung digitaler Hilfsmittel zur Detektion palliativer Bedürfnisse, das strukturierte Assessment von Symptomen sowie die Schulung der Mitarbeitenden der onkologischen Zentren hinsichtlich der Behandlung von Symptomen die Integration von Palliative Care Palliativversorgung verbessern. Auch die Bewertung der Versorgungsqualität am Lebensende durch das onkologische Zentrum kann den frühzeitigen Einsatz von PC Palliativversorgung vergrößern [655], [661].
Zum Effekt einer frühzeitigen Integration von Palliativversorgung bei Patienten mit einem Lungenkarzinom konnten im Rahmen einer systematischen Recherche der Leitliniengruppe mehrere prospektive, randomisierte Studien identifiziert werden [605], [611], [650], [652] (siehe Tabelle 31).
Die Studien belegen statistisch signifikante Effekte auf die Lebensqualität und Depression bei Patienten mit metastasiertem Lungenkarzinom [605], [611], [650], [652]. Außerdem konnte in einer Studie eine signifikante Reduktion unnötiger Chemotherapien (60 Tage vor dem Lebensende) [642]) und in zwei Studien eine signifikante Verbesserung der Überlebenszeit gezeigt werden [611], [651].
Regelmässige standardisierte Symptomerfassung
Nationale und internationale Empfehlungen unterstützen ein strukturiertes Symptomscreening als Teil der klinischen Routine und Studien zeigen, dass hierdurch eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden kann [662], [663]. Auch durch eine regelmäßige digitale Selbsterfassung von Symptomen kann in Koope-ration mit Palliativversorgern eine bessere Lebensqualität erreicht werden [664].
Der routinemässige Einsatz standardisierter Assessments zur Erfassung der Symp-tomlast und nachfolgendem bedarfsgerechten Einsatz (erhöhte Symptomlast, Stadi-enwechsel) palliativer Behandlungsstrategien ist eine Ergänzung der palliativen Erst-beratung in den ersten 8 Wochen nach Diagnosestellung („Stepped Palliative Care“). Das gestufte Palliativversorgungsmodell ermöglicht eine bedarfsorientierte Betreuung mit weniger Ressourcenaufwand, ohne die Lebensqualität der Patient:innen zu beein-trächtigen. Es stellt somit eine skalierbare Alternative zur frühzeitigen, regelmäßigen Palliativversorgung dar, insbesondere in Settings mit begrenzten Ressourcen. Diese Methode ist dem turnusmässigen Konzept der Palliativberatung nicht unterlegen in Bezug auf Lebensqualität und EoL-Kommunikation [638], [665], [666].
Eine zusätzliche Säule der integrierten frühzeitigen Palliativversorgung ist die routinemäßige Einbindung eines Palliativmediziners bzw. einer medizinisch-pflegerischen Palliativfachkraft in die Tumorkonferenzen. Nach den Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft soll in jedem Organzentrum mindestens einmal pro Woche eine interdisziplinäre Tumorkonferenz stattfinden, an der die Hauptbehandlungspartner regelmäßig teilnehmen und in der alle Patienten mit Erstmanifestation oder Rezidiv eines Lungenkarzinoms prätherapeutisch vorgestellt werden müssen. In Tumorkonferenzen ergeben sich häufig Fragestellungen in palliativer Behandlungssituation, die neben der Einleitung tumorspezifischer Maßnahmen auch Anlass für ein palliativmedizinisches Konsil sein sollten. Somit kann die Tumorkonferenz auch Ausgangspunkt einer strukturierten Einbeziehung der Palliativmedizin, z.B. im Sinne der Frühintegration im Tumorstadium IV sein.
Inzwischen liegen mehr Studien vor: zwei Metaanalysen aus 2017 zeigen, dass ein signifikanter Nutzen für die Lebensqualität der Patienten bei frühzeitiger PC besteht. [617], [640]. Die RCT von Vanbutsele et al. [667] berichtetet über statistisch signifikante und klinisch relevante Vorteile für die Integration von spezialisierter Palliativversorgung bei Krebspatienten.
Tabelle 31: Studienübersicht zur frühzeitigen Integration von Palliativversorgung
| Studie | Studienpopulation | Intervention/ Kontrolle | Ergebnisse |
|
Badr, H., et al., 2014 |
Fallzahl: N=39 Setting: USA, single center, home based care Patientencharakteristika: 74% weiblich, Alter im Mittel: 68 Jahre, 85% kaukasisch SCLC (5): 16 NSCLC (Stage 3-4) (%): 84 |
Intervention(s): Manual with six items: Content: strategies for balancing autonomy with soliciting/accepting support, disclosing care/support needs, and supporting/acknowledging the caregiver. 6 weekly 60-minute telephone counselling sessions with a trained interventionist Kontrolle Usual palliative care |
Sign. Reduktion von Depressiviät und Ängstlichkeit nach Wochen (gemessen mit (Patient Reported Outcomes Measurement Information System) Depressivität 11.65/16.00; SMD=-1.8; < .0001 Ängstlichkeit 12.35/14.84; SMD=-1.3; <.0001> |
|
Bakitas, M. et al., 2009 |
Fallzahl: N=161 Setting: USA, 2 sites Patientencharakteristika: 62% männlich, Alter im Mittel: 65 Jahre, 98% kaukasisch married or living with partner: 73% lung: 34% |
Intervention(s): Advanced practice nurses with palliative care specialty training conducted 4 initial structures educational and problem solving sessions Manual for: Kontrolle Usual palliative care |
Mittleres Überleben 14/8,5 mo Gesamtüberleben 30,4/26,1 mo mittleres follow up 10,7 mo Biasrisiko: unvollständige outcome-Daten |
|
Temel, J.S. et al., 2010 |
Fallzahl: N=77 Setting: USA, single center Patientencharakteristika: 55% weiblich, Alter im Mittel: 64 Jahre, 95% kaukasisch ECOG 0 41% ECOG 1 47% Hirnmetastasen: 26% |
Intervention(s) Early palliative care, monthly, with palliative care team routine oncology care Kontrolle standard palliative care and routine oncology care |
QoL(tFAC-L) 98,0/91,5/59/53,21/19 Gesamtmortalität 12,9/22,9 % Biasrisiko: |
|
Zimmermann, C. et al., 2014 |
Fallzahl: N=461 Setting: Canada, single center, 16 medical oncologists, 24 clinics Patientencharakteristika: 74% weiblich, Alter im Mittel: 68 Jahre, 85% kaukasisch 22% lung cancer (4 clinics) |
Intervention(s) Early palliative care intervention with pc physician and nurse once monthly, more often necessary Content: Kontrolle usual cancer care |
Kein sign. Unterschied in der LQ weitere Studien notwendig zur richtigen Patientenauswahl für die Intervention Biasrisiko: keine komplette Verblindung möglich, nur ein Zentrum |
|
Temel et al., JAMA 2024 Randomisierte, offene Nichtunterlegenheitsstudie („stepped“ vs. frühe Palliativversorgung) |
Fallzahl: N = 507 Setting: Boston, Philadelphia, Durham Patientencharakteristika: Diagnose innerhalb der letzten 12 Wochen: 78 % NSCLC, 16 % SCLC, 2 % Mesotheliom, Alter Ø 66,5 Jahre, 51 % weiblich, 85 % kaukasisch |
Stepped Palliative Care – Erstbesuch <4 Wochen nach Einschluss – Weitere Besuche nur bei Stadienwechsel (Behandlung, Hospitalisierung) oder QOL‑Abfall ≥10 Punkte (FACT‑L, alle 6 Wochen) Early Palliative Care – Standard: monatliche Besuche nach Einschluss, plus bei Krankenhausaufnahme
|
• Mittelwert Palliativbesuche bis Woche 24: 2,4 vs 4,7 (Δ –2,3; P < .001) |
Inzwischen liegen mehr Studien vor und im Jahr 2017 zeigten zwei Metaanalysen [573, [640] dass ein signifikanter Nutzen für die Lebensqualität der Patienten bei frühzeitiger PC besteht. Die RCT von Vanbutsele et al. [667] berichtetet über statistisch signifikante und klinisch relevante Vorteile für die Integration von spezialisierter Palliativversorgung bei Krebspatienten.
8.3 Stadium I
8.3.1 Therapie bei funktionell grenzwertig operablen und inoperablen Patienten
Ist bei Patienten mit NSCLC im klinischen Stadium I eine Lobektomie aufgrund von Komorbiditäten oder Lungenfunktionseinschränkung nicht möglich, soll eine anatomische Segmentresektion oder eine stereotaktische Strahlentherapie angeboten werden.
Bei Empfehlung zur chirurgischen Therapie kann bei Tumoren ≤ 2cm im äußeren Drittel des Parenchymmantels und zytologisch oder histologisch gesichertem N0-Status eine atypische Keilresektion angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A/0
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [668] [669] [670] [671] [672] [673] [674] [515] [636] [675] [676] [677] [678] [679] [680] [681] [682] [683] [684] [685] [686] [687] [688] [689] [690] [691] [692] [693] [694] [695] [696] [697] [698] [699] [700]
Änderungshinweis
Ist bei Patienten im klinischen Stadium I eine Lobektomie aufgrund von Komorbiditäten oder Lungenfunktionseinschränkung nicht möglich, soll eine anatomische Segmentresektion oder eine stereotaktische Strahlentherapie angeboten werden.Um eine Pneumonektomie zu vermeiden, sollte bei zentralen Tumoren, falls die technische Operabilität dafür vorliegt, eine parenchymsparende Manschettenresektion durchgeführt werden.
Änderungshinweis
Manschettenresektionen werden für Patienten empfohlen, bei denen angesichts der Tumorausdehnung eine parenchymsparende Resektion möglich ist.Bei allgemein oder funktionell inoperablen Patienten mit einem NSCLC Stadium I soll eine stereotaktische Strahlentherapie angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [699] [693] [701] [702] [703]
Änderungshinweis
Bei allgemein oder funktionell inoperablen Patienten mit einem NSCLC Stadium I und IIA soll eine stereotaktische Strahlentherapie angeboten werden.Evidenztabellen (1)
stereotaktische Strahlentherapie NSCLC Stadium I/IIBei der Dosisverschreibung für die Lungenstereotaxie soll die Tumorlokalisation berücksichtigt werden.
Für zentrale Tumoren sollen angepasste Dosisregime mit mindestens 4 Fraktionen und einer BED10 von 100-135 Gy angewendet werden.
Davon sind sehr zentral gelegene Tumoren im proximalen Bronchialbaum oder in enger Lagebeziehung zum Ösophagus ausgenommen. In diesem Fall kann eine Lungenstereotaxie mit strenger Dosislimitierung der entsprechenden Risikoorgane an spezialisierten Zentren durchgeführt werden, andernfalls eine Bestrahlung in konventioneller Fraktionierung erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Bei fehlender pathologischer Diagnosesicherung auf Grund zu hohem Risiko soll eine Lungenstereotaxie durchgeführt werden, wenn CT-morphologisch malignitätstypische Kriterien vorliegen, der Befund FDG-PET malignomtypisch ist und mindestens eine Persistenz im Verlauf von mindestens einem Monat besteht. Weiterhin soll eine entsprechende Empfehlung in einem Thorax-Onkologischen Tumorboard gestellt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrund
Limitierte Resektionen schließen sowohl Keilresektionen als auch anatomische Segmentresektionen ein. Sie werden angewendet zur Entfernung kleinerer Tumoren in der Lungenperipherie und erfordern die intralobäre Durchtrennung von Lungenparenchym in gegebenenfalls zu geringem Abstand zum Tumor mit der Gefahr der inkompletten Resektion (R1/R2) und des Lokalrezidivs.
In einer aktuellen kontrolliert-randomisierten Studie, welche Lobektomie und limitierte Resektionen im Stadium I vergleicht, konnte die Ebenbürtigkeit limitierter Resektionen wie anatomischer Segmentresektion und atypischer Keilresektion im Vergleich zur Lobektomie bei nodalnegativen T1a/b Tumoren bezüglich 5-Jahresüberleben und Rezidivrate nachgewiesen werden [700]. Andere Studien unterstreichen den funktionellen Vorteil gegenüber der Lobektomie [669], [670] oder zeigen die Gleichwertigkeit zur Lobektomie in Bezug auf die Langzeitprognose im Falle von Tumoren mit einem Durchmesser von unter 2 cm , [671] [672]. Patienten, die aufgrund ihrer Komorbidität keine Lobektomie tolerieren, sollten einer limitierten Resektion zugeführt werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass eine atypische Keilresektion nur bei peripheren Tumoren kleiner 2 cm im äußeren Drittel des Parenchymmantels und gesichertem N0 Status erfolgen sollte, wobei der Resektionsabstand zum Tumor größer als der Tumordurchmesser sein sollte.
Die Hospitalletalität nach limitierter Resektion wird in einem Bereich von 0 bis 6 Prozent berichtet. Die 30-Tage-Hospitalletalität nach Lobektomie wird mit 3 Prozent in einem Bereich von 0 bis 9 Prozent berichtet [674], [673].
Manschettenresektion versus Pneumonektomie
Bei Tumoren, die aufgrund des zentralen Sitzes eine Pneumonektomie erfordern, stellt die Manschettenresektion eine Alternative zur Pneumonektomie dar. Bronchus-Manschettenresektionen wurden erstmals eingeführt, um bei Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion möglichst viel gesundes Lungenparenchym zu erhalten. Heutzutage stellt sich die Frage, ob Manschettenresektionen auch für Patienten mit normaler Lungenfunktion, bei denen auch eine Pneumonektomie möglich wäre, empfohlen werden sollten [515].
Die Manschettenresektion erlaubt ein parenchymsparendes Vorgehen und bietet sich als Alternative zur Pneumonektomie an, sofern unter Schnellschnittbedingungen ein tumorfreier Rand der Absetzungsebenen erzielt werden kann. Es existieren keine randomisiert-kontrollierten Studien, die die Pneumonektomie mit der Manschettenresektion vergleichen.
Es wurden systematische Reviews in diese Empfehlung eingeschlossen, die die Manschettenresektionen mit der Alternative einer Pneumonektomie bei kurativer Resektion von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen vergleichen.
Es wurden 2 Übersichtsarbeiten gefunden, die Manschettenresektionen mit der Alternative einer Pneumonektomie bei kurativer Resektion von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen vergleichen [636], [515]. Die eine Übersichtsarbeit stellt Arbeiten zusammen, die eine Manschettenresektion auch bei eingeschränkter Lungenfunktion einschließen, die andere Übersichtsarbeit schließt nur Studien ein, bei denen Patienten mit Manschettenresektionen lungenfunktionell auch eine Pneumonektomie toleriert hätten.
Die erste Übersichtsarbeit fasst 10 retrospektive Studien zusammen (n=1083), wobei nicht immer der pT- oder pN-Status angegeben wurde und somit die Studien hinsichtlich der therapierten Tumorstadien schlecht beurteilt werden können. Die durchschnittliche 5-Jahresüberlebensrate nach Manschettenresektion im Stadium II betrug 41 %. Die Lokalrezidivrate nach Manschettenresektion betrug durchschnittlich 15 % [636].
Bei der zweiten Übersichtsarbeit handelt es sich um eine Metaanalyse, die 860 Manschettenresektionen mit 746 Pneumonektomien aus 12 Studien vergleicht [515]. In dieser Arbeit zeigt sich ein signifikanter Unterschied der therapierten Tumorstadien zwischen den beiden Gruppen (p=0,001). Die durchschnittlichen 5-Jahresüberlebensraten waren in den beiden Gruppen vergleichbar (51,4 % bei Manschettenresektionen vs. 49,1 % bei Pneumonektomien). Die durchschnittliche mediane Überlebenszeit war jedoch bei Patienten mit Pneumonektomien signifikant geringer als bei Patienten mit Manschettenresektionen (70 mo. vs. 50 mo.; p=0,02).
In der zweiten Übersichtsarbeit wird auch die Letalität genauer betrachtet, jedoch nicht auf die Morbidität eingegangen. Die durchschnittliche Letalität betrug 4,1 % nach Manschettenresektion und 6 % nach Pneumonektomie (p=0,3) [515]. Die Letalität nach Manschettenlobektomie ist damit mit der nach Standard-Lobektomie vergleichbar (siehe Risiko der Operation).
Der Vorteil von Manschettenresektionen ist der Erhalt von gesundem Lungengewebe, der sich auf die mediane Überlebenszeit auswirkt, aber keinen Einfluss auf die 5-Jahresüberlebensrate hat. Die Letalität nach Manschettenlobektomie ist mit der nach Standard-Lobektomie vergleichbar und tendenziell geringer als nach Pneumonektomie.
Die Manschettenresektion ist trotz etwas höherer Lokalrezidivrate eine Alternative zur Pneumonektomie nicht nur bei funktionell eingeschränkten Patienten, da sie durch Parenchymerhalt die spezifischen Komplikationen und Spätfolgen der Pneumonektomie verhindert und mit einer signifikant verlängerten medianen Überlebenszeit assoziiert war.
Stereotaktische Radiotherapie im Stadium I
Etwa 12 – 25 % der Patienten mit NSCLC sind auf Grund von Komorbiditäten funktionell inoperabel [690], [678]. Die Lungenstereotaxie (SBRT) erreicht bei Patienten in den frühen Stadien I und IIA hohe Raten an lokaler Kontrolle in der Größenordnung von 79 – 95 % und einen kurativen Erfolg im Sinne eines krankheitsspezifischen Überlebens nach 5 Jahren in 73 – 82 % [675]. Auf Grund ihrer therapeutischen Überlegenheit im Vergleich zur hochdosierten, konventionell fraktionierten 3D-konformalen Strahlentherapie [676], stellt die SBRT nun den Therapiestandard für die inoperablen frühen Stadien dar.
Die Durchführung der SBRT setzt eine entsprechende für Hochpräzisionstechniken geeignete Ausstattung und Erfahrung des Zentrums sowie eine anspruchsvolle Qualitätssicherung voraus. Für die Körperstereotaxie werden üblicherweise dedizierte stereotaktische Lagerungsmittel wie etwa individuell abformbare und formstabile Vakuumsysteme verwendet. Darüber hinaus ist zur Zielvolumendefinition eine bildgebende Kontrolle der Atemexkursion des Tumors durch atemgetriggerte 4D-Computertomographie-Serien in Bestrahlungsposition notwendig. Detaillierte Standards zur Zielvolumendefinition, Dosisverschreibung und medizinphysikalischen Qualitätssicherung in der Hochpräzisions-Strahlentherapie des Lungenkarzinoms sind u. a. in Leitlinien bzw. Positionspapieren der Fachgesellschaften EORTC [704], DEGRO [675] und AAPM [679] definiert. Bei den im Folgenden genannten Dosierungsangaben handelt es sich in der Regel um die Referenzdosis, die das Zielvolumen umschließt. Die tatsächliche Dosisverteilung ist dabei durch weitere Parameter wie die Zielpunktdosis, den Berechnungsalgorithmus und die Planungstechnik definiert. Daher ist die exakte dosimetrische Umsetzung klinisch validierter Protokolle und Qualitätsstandards unumgänglich. Generell wird üblicherweise zwischen zwei SBRT-Fraktionen ein Intervall von mindestens 40 Stunden eingehalten.
Zur SBRT gibt es eine Vielzahl klinischer Studien, in denen z.T. sehr unterschiedliche Dosis- bzw. Fraktionierungsregime angewendet wurden. Es existieren klinisch hinreichend validierte Dosisverschreibungen, die ein klinisch sinnvolles Verhältnis von Tumorkontrolle und Nebenwirkungen aufweisen. Bedeutsam ist der BED10 – Wert als Maß für die biologisch effektive Dosis und zur Definition eines therapeutischen Zielbereichs. In einer retrospektiven japanischen Studie an 257 mit SBRT behandelten Patienten mit NSCLC im Stadium I zeigte sich eine signifikant geringere Lokalrezidivrate mit einer BED10 ≥ 100 Gy vs. BED10 < 100 Gy (8,4 % vs. 42,9 %, p [691]. Stahl et al. führten eine größere retrospektive, multizentrische Analyse durch zur SBRT des NSCLC im Stadium T1-2 N0 [680]. Die höhere BED10 ≥ 105 Gy (n = 581) vs. BED10 < 105 Gy (n =166) war auch nach Adjustierung von Prognosefaktoren in beiden Gruppen mit einem signifikant verbesserten medianen Überleben assoziiert (28 Monate vs. 22 Monate, p [681].
Für die Wahl eines entsprechenden Dosiskonzeptes sind weiterhin die Tumorlokalisation und die Nähe zu kritischen Normalgeweben entscheidend. Eine kritisch erhöhte Toxizitätsrate bei zentraler Tumorlokalisation zeigte sich in einer prospektiven Studie, in der mit 3x 20 Gy (T1-Tumore) bzw. 3x 22 Gy (T2-Tumore) sehr hohe Dosen appliziert wurden [682]. Als „zentral“ werden dabei alle Tumoren innerhalb eines 2 cm großen Saumes um den proximalen Bronchialbaum klassifiziert. In einer retrospektiven Analyse von 63 Patienten mit zentraler Tumorlokalisation oder Tumoren nahe dem Perikard oder Mediastinum, die mit 8x 7,5 Gy behandelt wurden, zeigte sich keine exzessive Toxizität im Vergleich mit 445 Patienten mit aggressiver dosierter SBRT von Tumoren in peripherer Lokalisation (3x 20 Gy oder 5x 12 Gy) [683]. Beide Gruppen hatten eine vergleichbare lokale Kontrolle nach drei Jahren (92,6 % für zentrale vs. 90,2 % für periphere Lokalisationen, p = 0.9). In einer Dosisfindungsstudie der RTOG für zentrale Lokalisationen wurde mit 5x 12 Gy die höchste Dosisstufe (n=33) erreicht; diese war effektiv bezüglich der lokalen Kontrolle (87,9 % nach 2 Jahren) und führte zu einer akzeptablen dosislimitierenden Toxizität bei 7,2 % der Patienten [684]. Entsprechend wurde auch in einem systematischen Review von 20 Studien (315 Patienten mit zentralen Tumoren) bestätigt, dass bei Wahl angepasster Dosisregime und Berücksichtigung definierter Normalgewebsgrenzen die SBRT auch in zentralen Lokalisationen mit moderatem Risiko durchführbar ist [685]. Die „ultrazentrale“ Tumorlokalisation, d. h. die Überlappung des Zielvolumens mit dem proximalen Bronchialbaum, oder die unmittelbar an den Ösophagus angrenzenden Tumoren sind hiervon allerdings ausgenommen. Für solche Patienten sollte die Durchführbarkeit einer SBRT mit abgeschwächten Dosisregimen an Hochvolumen-Zentren individuell geprüft werden.
Eine für periphere Lokalisationen häufig verwendete Dosierung ist die Gabe von 3x 15 Gy wie von der AG Stereotaxie der DEGRO empfohlen und spezifiziert [675]. Unter Beachtung eines adäquaten Korridors in der Wahl der BED können prinzipiell auch alternative Dosierungsschemata eingesetzt werden. Die insgesamt günstige Langzeitverträglichkeit der SBRT in peripheren Lokalisationen wurde in einer zentrumsübergreifenden Analyse von 505 Patienten [686] bestätigt. Eine Pneumonitis ≥ Grad II wurde lediglich in 2 %, Rippenfrakturen wurden in 8 % der Fälle beobachtet. Dosis- und volumenabhängig lag das 2-Jahres-Risiko für ein Schmerzsyndrom im Bereich der Thoraxwand bei 140 Patienten mit einer SBRT für periphere Tumoren bei 20,1%, die mediane Dauer bis zu dessen Auftreten betrug 12,6 Monate [687].
Eine größere Anzahl von retrospektiven wie prospektiven Studien beinhaltet Patienten, bei denen die SBRT ohne vorangehende histologische Sicherung durchgeführt wurde. Dieses Vorgehen ist in begründeten Ausnahmefällen zu rechtfertigen, wenn bei massiv eingeschränkter funktioneller Situation des Patienten das Pneumothorax-Risiko einer CT-gesteuerten Punktion unverhältnismäßig ist. Zusätzlich müssen bildgebende Kriterien eindeutig auf ein Lungenkarzinom hinweisen, z. B., wie in einer prospektiven kanadischen Studie definiert, der CT-basierte Größenprogress in einem Intervall von mindestens einem Monat und/oder FDG-PET-positive Befunde und eine entsprechende Empfehlung durch ein Thorax-Onkologischen Tumorboard erfolgen [688]. In einer prospektiven niederländischen SBRT-Studie wurden 209 Patienten mit pathologischer Diagnose und 382 Patienten ohne Histologie mit streng definierter radiologischer Diagnose eines Lungenkarzinoms behandelt. Die beiden Subgruppen unterschieden sich nicht signifikant bezüglich des medianen Gesamtüberlebens und der lokalen Kontrolle nach 3 Jahren [689]. Mittels validierter Diagnosemodelle unter Einbindung des FDG-PET (19) ergab sich in einer post-hoc Analyse für die nur klinisch diagnostizierten Patienten im Vergleich zu jenen mit pathologischer Diagnose kein signifikanter Unterschied in der Malignitätswahrscheinlichkeit (92.5 % vs 94.8 %).
Vergleich von SBRT und Resektion bei funktionell grenzwertigen Patienten
Die Kriterien zur zuverlässigen Abschätzung der Operabilität – bezüglich unterschiedlicher Resektionsausmaße sind in Kapitel 6.7 dieser Leitlinie ausführlich dargelegt. In der ACOSOG Z4032–Studie wurde – noch restriktiver – bereits Patienten mit einer FEV1 ≤ 50 % und/oder einer DLCO ≤ 50 % ein hohes Risiko für eine Lobektomie attestiert [698].
Es liegen keine prospektiven Studien zum Vergleich zwischen SBRT und (limitierter) Resektion bei funktionell eingeschränkt operablen Patienten vor. Palma et al. haben die Ergebnisse der SBRT vs. OP bei Patienten mit COPD GOLD III-IV in einem systematischen Review mit Einschluss einer eigenen Serie verglichen [692]. Die 30-Tages-Mortalität war bei den operierten Patienten (gewichtet) 10 %, bei den Patienten, die mit SBRT behandelt wurden, betrug sie 0 %. Mit beiden Modalitäten konnten hohe lokale Kontrollraten von ≥ 89 % und ein jeweils vergleichbares 1-Jahres- bzw. 3-Jahres-Überleben erzielt werden.
Mittels Propensity-Score-Matching konnte allerdings gezeigt werden, dass das Langzeitüberleben bei Patienten, die mit parenchymsparender Operation behandelt wurden, über dem der Patienten mit stereotaktischer Strahlentherapie lag [703], [705], [706], [707].
Die Ergebnisse mehrerer retrospektiver Studien zum Vergleich von SBRT und limitierter Resektion sind in ihren Ergebnissen insgesamt nicht eindeutig und offenbar einem ausgeprägten Selektionsbias unterworfen [693], [694], [695], [696], [697]. Wesentlich ist in diesen therapeutischen Grenzsituationen, über die Empfehlung der Tumorkonferenz hinaus, den Patienten adäquat in die Entscheidungsfindung bezüglich operativer und strahlentherapeutischer Alternative einzubinden.
8.3.2 Therapie bei funktionell operablen Patienten
Patienten mit NSCLC im Stadium I soll bei adäquater Lungenfunktion und fehlenden Kontraindikationen eine radikale Resektion angeboten werden, deren Ziel die R0-Tumorentfernung ist.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [636] [708] [709] [710] [711] [712] [713] [714] [715] [706] [716] [717]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium I / II soll bei adäquater Lungenfunktion und fehlenden Kontraindikationen eine radikale Resektion angeboten werden, deren Ziel die R0-Tumorentfernung ist.Evidenztabellen (1)
Stereotaktische Strahlentherapie vs. Lobektomie Stadium IBeim NSCLC im Stadium I soll bei ausreichender kardiopulmonaler Funktion die radikale Resektion als Lobektomie durchgeführt werden.
Bei Tumoren ≤ 2cm im äußeren Drittel des Parenchymmantels und zytologisch oder histologisch gesichertem N0-Status ist eine anatomische Segmentresektion der Lobektomie hinsichtlich Kuration ebenbürtig, sofern am Lungenparenchym ein Resektionsabstand erzielt werden kann, der größer ist als der Tumordurchmesser.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [708] [709] [480] [636] [711] [718] [714] [719] [720] [721] [722]
Änderungshinweis
Beim NSCLC im Stadium I/II soll bei ausreichender kardiopulmonaler Funktion die radikale Resektion als Lobektomie durchgeführt werden. Bei Tumoren ≤ 2cm im äußeren Drittel des Parenchymmantels und zytologisch oder histologisch gesichertem N0-Status ist eine anatomische Segmentresektion der Lobektomie hinsichtlich Kuration ebenbürtig, sofern am Lungenparenchym ein Resektionsabstand erzielt werden kann, der größer ist als der TumordurchmessBeim NSCLC im Stadium I werden nach minimal-invasiver VATS- oder RATS-Lobektomie im Vergleich zur konventionellen offenen Lobektomie - bei gleichwertigem onkologischem Ergebnis - weniger postoperative Komplikationen und weniger postoperative Schmerzen beobachtet, woraus eine verbesserte Lebensqualität und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt resultiert. Deswegen sollte die minimalinvasive Lobektomie der konventionellen offenen Lobektomie beim NSCLC im Stadium I vorgezogen werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [723] [724] [725] [726] [727] [728] [729]
Änderungshinweis
Beim NSCLC im Stadium I und II werden nach minimal-invasiver VATS- oder RATS-Lobektomie im Vergleich zur konventionellen offenen Lobektomie - bei gleichwertigem onkologischem Ergebnis - weniger postoperative Komplikationen und weniger postoperative Schmerzen beobachtet, woraus eine verbesserte Lebensqualität und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt resultiert. Deswegen sollte die minimalinvasive Lobektomie der konventionellen offenen Lobektomie beim NSCLC im Stadium I und II vorgezogen werden.Evidenztabellen (1)
VATS vs. offene LobektomieBei Patienten, die einer kurativen Resektion zugeführt werden, soll eine systematische Lymphknotendissektion erfolgen, um ein genaues Staging zu ermöglichen und um möglicherweise die Prognose zu verbessern.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [730] [731] [732] [733] [734] [735] [736]
Änderungshinweis
Bei allen operierten Patienten soll eine systematische Lymphknotendissektion erfolgen, um ein genaues Staging zu ermöglichen und um möglicherweise die Prognose zu verbessern.Bei Patienten mit Brustwandinfiltration ist eine R0-Situation entscheidend und es soll eine en bloc Resektion angestrebt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [636] [737] [738] [739] [740] [741] [742]
Änderungshinweis
Bei Lungenkarzinomen mit Brustwandinfiltration ist eine R0 Situation entscheidend. Bei einer Pleurainvasion ohne Rippeninfiltration ist eine extrapleurale Lyse erlaubt und bei tieferer Infiltration eine Vollwandresektion obligat.Nach R1-Resektion sollten im Thorax-Onkologischen Tumorboard die weiteren Therapiemöglichkeiten (z.B. Nachresektion oder Strahlentherapie) besprochen werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [743]
Änderungshinweis
Bei R1-Resektion sollte, wenn möglich, die Nachresektion erfolgen. Ist eine Nachre-sektion nicht möglich wird die volldosierte Nachbestrahlung des OP-Bettes (etwa 60 Gy in 6 Wochen) empfohlen: Die Entscheidung zum bestmöglichen Vorgehen sollte interdisziplinär unter Beteiligung von Entscheidungsträgern mit hinreichender Erfahrung erfolgen.Hintergrund
Die Operation in kurativer Absicht ist bei funktionell operablen Patienten im Stadium I und II das Verfahren der Wahl. Voraussetzung ist eine adäquate kardiopulmonale Reserve.
Die Lobektomie einschließlich systematischer Dissektion ipsilateraler Lymphknoten ist die empfohlene chirurgische Maßnahme. In seltenen Fällen ist eine Pneumonektomie erforderlich. Bei bestimmter Tumorlokalisation ist eine Manschettenresektion zulässig, sofern ein ausreichender Sicherheitsabstand gewährleistet werden kann.
In einer aktuellen randomisierten Multicenterstudie konnte für Tumoren ≤ 2 cm im Stadium IA1/2 gezeigt werden, dass eine anatomische Segmentresektion der Lobektomie in Bezug auf das Gesamtüberleben gleichwertig ist [720]. Dies konnte in zwei weiteren kontrolliert randomisierten Multicenterstudien bestätigt werden [700]. Morbidität und Letalität waren in diesen drei genannten Studien bei beiden Resektionsformen vergleichbar.
Anhand der aktuellen Datenlage ist somit eine anatomische Segmentresektion nur bei Tumoren kleiner/gleich 2 cm sowie Lokalisation im äußeren Drittel des Parenchymmantels bei invasiv gesichertem N0 Status und einem Resektionsabstand vom Tumor größer als dessen Eigendurchmesser zu rechtfertigen. Falls dies nicht gegeben sein sollte bleibt weiterhin die empfohlene Standardresektionsform die Lobektomie.
In die Entscheidungsfindung zur Durchführung einer sublobären Resektion sollten allerdings weitere Parameter mit einfließen:
1. Das Verhältnis zwischen Milchglasanteil und solidem Anteil des Tumors in der Bildgebung (GGO). Tumoren mit einem Milchglasanteil in der Schnittbildgebung haben eine bessere Prognose als vollständig solide Tumoren [721].
2. Der histologische Nachweis einer Tumorzelldisseminissation über die Alveolarräume (STAS). Adenokarzinome mit nachgeweisener STAS-Positivität haben im Falle einer sublobären Resektion ein deutlich erhöhtes Rezidivrisiko im Vergleich zu STAS-negativen Adenokarzinomen [722].
Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt für das postoperative Stadium IA 80% bis 90%, für das Stadium IB 73% und für das Stadium II 56% bis 65%. [744]
Die Standarddefinition der Operationsletalität bezieht sich auf Todesfälle innerhalb von 30 Tagen postoperativ. Sie wird auch als perioperative Letalität bezeichnet. Die Operationsmorbidität definiert unerwünschte Folgen der Operation innerhalb von 30 Tagen postoperativ. Sie kann unterteilt werden in geringfügige und schwerwiegende Folgen.
Eine systematische Übersichtsarbeit [636], die 15 Studien [637], [745], [746], [747], [748], [749], [750], [751], [752], [753], [754], [755], [756], [674], [757] zusammenfasst und weitere 4 Artikel [710], [711], [712], [713] zeigen für offene Operationen bei Lungenkarzinomen eine durchschnittliche Letalität von 3,5 % (Minimum 1 %, Maximum 7,6 %) (Evidenzgrad 2b). Mit zunehmendem Alter nimmt auch die perioperative Letalität zu. Dies ergab eine weitere Review von 37 Studien [718] (Evidenzgrad 2b)
Die o.g. systematische Übersichtsarbeit [636] und weitere 3 Artikel [710], [714], [711] zeigen für offene Operationen bei Lungenkarzinomen eine durchschnittliche Morbidität von 30 % (Evidenzgrad 3b). Die höchste Morbidität findet sich bei ausgedehnten Resektionen wie Pneumonektomien (Evidenzgrad 3b) [715].
Die durchschnittliche 30-Tage-Letalität für offene Resektionen bei Lungenkarzinomen beträgt 3,5 % und die durchschnittliche 30-Tage-Morbidität 30 %.
Hintergrund VATS/RATS
Die Entwicklung der minimal-invasiven videoassistierten thorakoskopischen Operationstechnik (VATS/RATS) hat die Diagnostik und Behandlung von Patienten mit unklaren Lungenherden stark beeinflusst. So wird die VATS/RATS heutzutage als Standardverfahren zur Rundherdabklärung eingesetzt. Zusätzlich jedoch wird die VATS/RATS immer häufiger auch für Lungenkarzinomresektionen eingesetzt. Hier wurden insbesondere Artikel berücksichtigt, welche die Rolle der VATS/RATS-Lungenresektion hinsichtlich der onkologischen Radikalität, technischen Durchführbarkeit und Sicherheit untersuchen. Wenige Artikel gingen auf die Kosteneffizienz der VATS/RATS-Resektion im Vergleich zur konventionellen offenen Lungenresektion ein. Des Weiteren ist aufgefallen, dass die verschiedenen VATS-Techniken einer klaren Definition bedürfen. So wurden auch videoassistierte Lungenresektionen über eine Minithorakotomie in dieser Übersichtsarbeit als VATS Resektionen mit eingeschlossen. Nur wenige Publikationen gehen auf die Qualität der geforderten Lymphknotendissektion ein. Mithin sind die Publikationen kaum vergleichbar.
Zur Überprüfung der Effektivität der VATS-Lobektomie im Vergleich zur offenen Lobektomie im Stadium I/II wurden zwei systematische Übersichten [729], [723] und vier randomisiert kontrollierte Studien [724], [725], [726], [728] eingeschlossen. Alle Studien haben Patienten im Stadium I und II untersucht und die VATS-Lobektomie mit der offenen Lungenresektionen hinsichtlich Langzeitüberleben und Auftreten von Rezidiven analysiert. Die 5-Jahres Überlebensrate nach VATS Resektion im Vergleich zur offenen Lobektomie bei nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen betrug 72% vs. 67%. Kein Unterschied im 5-Jahres DFS. Zudem kam es nach VATS-Lobektomie zu einem geringeren Auftreten von Rezidiven 15% vs. 19% [729]. (Evidenzgrad 2a)
Alle oben genannten Studien zeigen nach VATS-Lobektomie ein geringeres Auftreten von Schmerzen [724], einen geringeren Blutverlust und einen kürzeren Krankenhausaufenthalt [725], Yang 2019) und weniger postoperative Komplikationen [726], Yang 2019). Widersprüchliche Ergebnisse existieren zur Operationszeit. Während Palade 2013 eine längere Operationszeit mit VATS im Vergleich zur Thoraktomie beschreibt, berichten Long 2017 und Yang 2019 über eine kürzere Operationszeit mit VATS im Vergleich zur Thoraktomie.
Die VATS/RATS-Lobektomie scheint im Vergleich zur konventionellen offenen Lobektomie im Tumorstadium I/II eine mindestens genauso sichere Operationstechnik mit tendenziell geringerer Morbidität und Letalität zu sein. Es ist wichtig, dass auch bei VATS-Techniken die systematische Lymphadenektomie durchgeführt wird, und zwar genauso sorgfältig wie bei offenen Operationen. Die Überlebensanalysen zeigen eine Tendenz zu einer verbesserten Überlebensrate im Vergleich zur offenen Lungenresektionen, wobei die Patienten mit VATS-Resektion hier sicherlich eine selektionierte Gruppe darstellen. Zur weiteren Evaluation sind hier mehr prospektive randomisierte Studien erforderlich.
Die Daten zum Einsatz der SBRT im operablen Stadium I als Alternative zur Lobektomie sind limitiert. Die Erfahrungen hierzu stützen sich im Wesentlichen auf ein retrospektives japanisches Kollektiv sowie die kombinierte Analyse von zwei abgebrochenen prospektiv randomisierten Studien.
Onishi et al. publizierten 2010 die retrospektiven Daten von 87 Patienten (Stadium IA: n = 64; Stadium IB: n = 23), die medizinisch für eine Lobektomie qualifiziert waren, sich jedoch für die SBRT entschieden [758]. Die kumulative lokale Kontrolle 5 Jahre nach SBRT (mediane BED10: 116 Gy) war bei 92 % für T1-Tumoren und 73 für T2-Tumoren. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben lag bei 72 % bzw. 62 % (Stadium IA bzw. IB).
Es wurden zwei Versuche unternommen, die Effektivität der SBRT in prospektiv-randomisierten Studien im Vergleich zur Lobektomie zu untersuchen: die STARS-Studie sowie die ROSEL-Studie. Es erfolgte eine Veröffentlichung der zusammengefassten Daten dieser zwei Studien, nachdem beide wegen schlechter Rekrutierung abgebrochen worden waren [759]. Insgesamt wurden 58 Patienten ausgewertet, von denen 31 eine SBRT erhielten und 27 Patienten operiert wurden. Bestrahlte und operierte Patienten waren gut balanciert, allerdings war bei 8 bestrahlten Patienten aus der ROSEL-Studie keine histologische Sicherung erfolgt. Die mit SBRT behandelten Patienten zeigten ein günstigeres aktuarisches 3-Jahres-Überleben als die operierten Patienten (95 % vs 79 %, p = 0.037); das geschätzte rezidivfreie Überleben nach 3 Jahren betrug 86 % in der SBRT-Gruppe und 80 % bei den resezierten Patienten (p = 0.54). Auf Grund der insgesamt kleinen Fallzahl müssen diese Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden.
Die günstigen Ergebnisse der STARS-Studie wurden in einer Weiterführung dieses Konzepts („revised-STARS-trial“) an 80 operablen Patienten bestätigt [760]. In diesem Kollektiv, in dem mehrheitlich Patienten mit Adeno-Ca (79 %) und peripherer Lokalisation (67 %) mit einer SBRT behandelt wurden, betrug das 3-Jahres-Überleben 91 % und das 5-Jahres-Überleben 87 % (die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 5,1 Jahren). Diese Ergebnisse wurden mittels propensity score matching mit einer chirurgisch behandelten Patientengruppe des MD Anderson Cancer Center verglichen. In diesem Kollektiv, in dem eine VATS-Lobektomie mit mediastinaler Lymphknotendissektion durchgeführt wurde, wurden ein 3-Jahres-Überleben von 91 % und ein 5-Jahres-Überleben von 84 % berichtet. In der multivariablen Analyse zeigten sich keine Überlebensunterschiede zwischen der mittels SBRT und der operativ behandelten Kohorte. Trotz der limitierten Fallzahl unterstreicht der reivised-STARS-trial die relativ guten Aussichten, die mittels SBRT erzielt werden können bei Patienten, die eine Operation verweigern oder bei denen auf Grund grenzwertiger Operabilität die SBRT als Alternative proaktiv diskutiert werden muss.
Weitere systematische Übersichten [699], [761], [717] zeigen zwar auf Grundlage von popensity gematchten Kohortenstudien einen Vorteil für die operierten Patienten im Gesamtüberleben und weniger Rezidive. Dennoch kann aufgrund der geringen Fallzahlen für eindeutig operable Patienten keine überzeugende Empfehlung in diesem Zusammenhang ausgesprochen werden (Evidenzgrad 2a).
Hintergrund Lymphadenektomie
Die wichtigsten Faktoren bei der Bewertung, welche Form der Lymphadenektomie zu favorisieren ist, sind Überleben, Rezidivrate und Morbidität. Die systematische Lymphadenektomie, wie sie erstmals von Naruke 1976 beschrieben wurde, steht dem Lymphknotensampling von tumorverdächtigen Lymphknoten gegenüber.
Es wurden ausschließlich prospektiv randomisierte Studien eingeschlossen, die eine systematische Lymphadenektomie mit einem Lymphknotensampling bei kurativer Resektion von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen vergleichen.
Es wurden 3 prospektive Studien gefunden. Eine prospektiv randomisierte Studie verglich die systematische Lymphadenektomie mit einem Lymphknotensampling bei 471 Patienten mit nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen im Stadium I-IIIA [735]. Im a posteriori bestimmten postoperativen Stadium I (n=58 vs. 98) war die 5-Jahresüberlebensrate mit 82 % vs. 58 % signifikant durch die systematische Lymphadenektomie [734], [733], [762] erhöht worden (p=0,01). Eine intent to treat Analyse wurde nicht vorgelegt (Evidenzgrad 2b). Die anderen 2 prospektiven Studien zeigten keinen signifikanten Überlebenseinfluss der systematischen Lymphadenektomie. Eine Metaanalyse der o.g. Studien zeigte, dass keine signifikante Heterogenität zwischen den Studien besteht und daher eine gepoolte Analyse durchgeführt werden konnte. Diese ergab, dass das Überleben insgesamt nach systematischer Lymphadenektomie signifikant besser war als nach Lymphknotensampling [763] (Evidenzgrad 1b). Zur Genauigkeit des Lymphknotenstagings existiert eine prospektive, nicht randomisierte [732] (Evidenzgrad 2b) und eine prospektive, randomisierte Studie [731] (Evidenzgrad 1b). In beiden Arbeiten wurde eine Multilevel N2-Situation signifikant häufiger nach systemischer Lymphadenektomie als nach Lymphknotensampling aufgedeckt [732] [731].
Der Vergleich der Komplikationen nach systematischer Lymphadenektomie und Lymphknotensampling zeigt keine signifikanten Unterschiede (38 % vs. 47 %) (Evidenzgrad 1b) [733]. Wenn die spezifischen Komplikationen, die durch eine systematische Lymphadenektomie verursacht werden können (Nachblutung, Chylothorax, Rekurrensparese) im Detail betrachtet werden, so finden sich tendenziell, aber nicht signifikant mehr Komplikationen nach der systematischen Lymphadenektomie [733]. Eine weitere prospektiv randomisierte Studie zeigte jedoch signifikant mehr Komplikationen nach systematischer Lymphadenektomie (27 % vs. 3 %) [734]. In keiner der drei Studien fanden sich Unterschiede in der Letalität zwischen Lymphadenektomie und Lymphknotensampling [735], [736], [733], [762] (Evidenzgrad 1b).
Da die tendenziell gehäuften Komplikationen nach systematischer Lymphadenektomie gut beherrschbar sind und durch die systematische Lymphadenektomie im Stadium I evtl. eine Prognoseverbesserung und auf jeden Fall ein akkurateres Staging erreicht werden kann, wird sie als Standardverfahren empfohlen. Die systematische ipsilaterale Lymphknotendissektion ist unveräußerlicher Anteil einer Operation in kurativer Absicht, sei es durch limitierte oder nicht-limitierte Resektion. Unabhängig von T-Faktor und Tumorlokalisation sollte die Dissektion stets vollständig und nicht selektiv vorgenommen werden. Unterschiedliche Bezeichnungen, Begrifflichkeiten, Inhalte der Lymphkotendissektion sowie unterschiedliche Zuordnung derselben Lymphknotenkompartimente erschweren jedoch die Beurteilung der Literatur zur Lymphknotenevaluation.
Hintergrund Brustwandinfiltration
Lungenkarzinome mit Brustwandinfiltration zählen zu den T3 Tumoren. Eine besondere Untergruppe stellen die Pancoast-Tumoren dar, welche eine andere multimodale Therapie erfordern als die sonstigen Lungenkarzinome mit Brustwandinfiltration. Daher werden in diesem Kapitel die Pancoast-Tumoren nicht mit eingeschlossen und in Kapitel 8.4 separat aufgeführt. Die hier vorliegende systematische Übersicht der Literatur fasst ausschließlich Brustwandinfiltrationen durch Lungenkarzinome zusammen.
Etwa 10 % der resektablen, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome weisen eine Brustwandinfiltration auf [636]. Ca. 60 % dieser Patienten weisen einen pN0 Lymphknotenstatus und ca. 40 % einen pN1 Lymphknotenstatus auf [636].
Es liegt eine systematische Übersichtsarbeit vor, welche 12 Studien beinhaltet, die das 5-Jahresüberleben nach Resektion von Lungenkarzinomen mit Brustwandinfiltration beschreiben. Die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate war 40 % für alle pT3 Tumore mit Brustwandinfiltrationen, 44 % für pN0 Patienten und 26 % für pN1 Patienten (Evidenzgrad 3a) [636]. In dieser Übersichtsarbeit zeigte sich ein Trend zu einer besseren Überlebensrate in den Studien, die nur Patienten mit R0 Resektionen analysierten im Vergleich zu anderen Studien die auch Patienten mit R1 Resektionen einschlossen. In einem weiteren systematischen Review von 4 Studien betrug die 5-Jahres-Überlebensrate nach inkompletter Resektion 7 %, im Vergleich zu 27 % bei R0 Resektion (Evidenzgrad 3b) [737]. Das Langzeitüberleben scheint daher von der Radikalität abzuhängen. Zwei retrospektive Studien [738], [739] haben gezeigt, dass bei Patienten mit kompletter Resektion (R0) die Tiefe der Brustwandinfiltrationen ein prognostischer Parameter ist (Evidenzgrad 3b). Zusätzlich scheint auch die Technik der Brustwandresektion eine Rolle zu spielen. Mehrere kleine Fallstudien zeigten, dass ein aggressiveres Vorgehen, im Sinne einer en-bloc Resektion mit einem besseren Überleben assoziiert war als weniger aggressive Methoden (Evidenzgrad 3b) [740], [741]. Eine spätere Studie zeigte jedoch keine Überlebensunterschiede zwischen Patienten mit einer en-bloc Vollwand-Brustwandresektion oder einem weniger aggressiven Vorgehen, falls eine komplette Resektion erreicht wird [742] (Evidenzgrad 3b).
Hinsichtlich der Aggressivität des operativen Vorgehens zeigen alle Studien keinen signifikanten Unterschied in der Letalität (Evidenzgrad 3b).
Die Radikalität der Brustwandresektion ist ein signifikanter prognostischer Faktor (Evidenzgrad 3). Die Tiefe der Brustwandinfiltration könnte die Prognose beeinflussen, wobei hier eine größere Rolle die chirurgische Technik spielt, die lediglich bei einer Pleurainvasion ohne Rippeninfiltration auch eine extrapleurale Lyse erlaubt und bei tieferer Infiltration eine Vollwandresektion erfordert (Evidenzgrad 3b).
Hintergrund inkomplette Resektion (R1/R2-Situation)
Im Fall einer inkompletten Resektion (R1/R2-Situation) sollte – wenn technisch möglich – eine Nachresektion mit dem Ziel der R0-Resektion erfolgen. Ist diese nicht möglich, wird trotz fehlender vergleichender Daten eine Strahlentherapie in konventioneller Fraktionierung (60 Gy in 6 Wochen) empfohlen. Aufgrund der generellen Wirksamkeit der Bestrahlung für die Reduktion lokaler Rezidive kann diese bei Brustwandinfiltration trotz histologisch dokumentierter R0-Resektion im Einzelfall in Frage kommen [743]. Prinzipiell sollte die weitere Vorgehensweise allerdings im Thorax-Onkologischen Tumorboard diskutiert und die weiteren Therapieoptionen (z.B. Nachresektion, Strahlentherapie, systemische Therapie) nach Abwägen von Nutzen und Risiko für den Patienten festgelegt werden.
8.3.3 Präoperative Systemtherapie
Beim NSCLC im Stadium I führte eine präoperative Chemotherapie in randomisierten Studien bislang weder zu einer Verlängerung der rezidivfreien noch der Gesamtüberlebenszeit und wird deshalb außerhalb von Studien nicht empfohlen.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [764] [765] [766] [767] [768]
Evidenztabellen (1)
Nivolumab plus Ipilimumab neoadjuvant, Evidenzprofil_Checkmate 816Hintergrund alleinige neoadjuvante Chemotherapie
Die neoadjuvante Chemotherapie zur präoperativen Tumorreduktion als Bestandteil der „multimodalen“ Therapie ist bislang überwiegend im Stadium III untersucht worden. In einer randomisierten Studie zeigte sich in der Multivarianzanalyse eine signifikante Überlebensvorteil zugunsten einer neoadjuvanten Chemotherapie für Patienten im Stadium N0 oder N1 (p = 0.027, RR: 0.68) jedoch nicht für Patienten im Stadium N2 (p = 0.85, RR: 1.04) [764]. In zwei weiteren randomisierten Phase-III-Studien wurde die Effektivität einer neoadjuvanten Chemotherapie bei Patienten mit einem NSCLC im Stadium I – IIIA geprüft, wobei die meisten Patienten sich im Stadium I und II befanden. Während in der einen Studie weder für die progressionsfreie Überlebenszeit (HR 0.98; 95 % CI 0.77, 1.23) noch für die Gesamtüberlebenszeit (HR 1.04, 75 % CI 0.81, 1.35) ein Vorteil zugunsten einer präoperativen Chemotherapie gezeigt werden konnte [765], wurde in der anderen Studie ein Trend zu einer Verlängerung der progressionsfreien Überlebenszeit im Chemotherapiearm beobachtet (Med. PFS: 33 M versus 21 M, präop. Chemotherapie + Operation versus Operation, HR 0.79, 75 % CI 0.60, 1.04), wobei die Gesamtüberlebenszeit vergleichbar war (HR 0.83; 75 % CI 0.61, 1.14) [769].
Seit 2009 wurden zwei weitere Studien und zwei Meta-Analysen zur Induktionstherapie veröffentlicht sowie eine weitere Studie zum Stellenwert der Strahlentherapie im Rahmen einer Induktionstherapie [766], [767].
Kein Unterschied im Überleben wurde in der Gesamtgruppe bei allerdings überwiegend Stadium I Patienten (75,1%) beobachtet, für die jedoch auch in der adjuvanten Therapie kein Überlebensvorteil belegt ist (5 Jahre Krankheitsfreies Überleben 38,3% vs. 32,1%, HR 0,92, p=0,176). Überleben im adjuvanten Arm vs. Operation war 36,6 vs. 34,1% (HR 0,96 p=0,74).
Zwei Metaanalysen untersuchten den Stellenwert einer Induktionstherapie und Operation vs. Operation. In der Metaanalyse von Song et al [770], wurden 13 randomisierte Studien mit insgesamt 3224 Patienten berücksichtigt. Die HR für das OS betrug 0,84 (95% CI 0,77-0,92, p<0,0001). Bei einer Subgruppenanalyse von Pateinten im Stadium III betrug die HR 0,84 (95% CI 0,75-0,95, p<0,005). Subgruppenanalysen für Stadium I und II waren aufgrund fehlender OS-Daten für die Gruppen in den allermeisten Studien nicht möglich.
Die zweite Meta-Analyse inkludierte 15 Studien mit 2385 Patienten. Diese konnte eine HR von 0,87 (95% CI 0,78-0,96, p=0,007) für das Gesamtüberleben zeigen. Der absolute Effekt bzgl. des Gesamtüberlebens wurde mit 5 % nach 5 Jahren (40 % vs. 45 %) angegeben [768].
Aufgrund der Veränderungen der TNM Klassifikation werden aktuell Tumoren mit einer Größe von >4cm im Stadium T2b klassifiziert, welches mindestens einem Stadium IIA entspricht. Diese Änderung ist bedeutsam, da Tumoren mit einer Größe 4-5cm und N0 vormals im Stadium Ib eingruppiert waren. Jüngere Studien schlossen zwar das Stadium Ib teilweise mit ein (bei Verwendung einer älteren TNM Klassifikation) allerdings mit dem zusätzlichen Kriterium einer Tumorgröße ab 4 cm.8.3.4 Postoperative Systemtherapie
Patienten mit NSCLC im Stadium I soll nach R0-Resektion und systematischer Lymphknotendissektion eine adjuvante Chemotherapie nicht angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [771] [772] [773] [774] [775]
Änderungshinweis
Nach R0-Resektion und systematischer Lymphknotendissektion soll Patienten mit NSCLC im Stadium II in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0/1) eine adjuvante Chemotherapie angeboten werden, wenn keine neoadjuvante Therapie durchgeführt wurde.Patienten mit NSCLC im Stadium IB und einer aktivierenden EGFR-Mutation (nur Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R), sollte nach primärer R0-Resektion eine adjuvante Therapie mit Osimertinib über 3 Jahre angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊕⊕⊝
siehe Evidenzbericht
- Konsens
- Konsens (94%)
- Literatur
- [776] [777]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IB und einer aktivierenden EGFR-Mutation (nur Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R), soll nach primärer R0-Resektion eine adjuvante Therapie mit Osimertinib über 3 Jahre angeboten werden.Evidenztabellen (1)
Osimertinib -adjuvant NSCLC IB-IIIA -ADAURAHintergrund adjuvante Chemotherapie
Die Wirksamkeit einer adjuvanten Chemotherapie wurde in einer Reihe von randomisierten Studien untersucht. Darüber hinaus liegt eine zusammenfassende Auswertung der Daten in Form von verschiedenen Metaanalysen vor [771], [774], [775].
Alle Studienergebnisse wurden mit Hilfe einer früheren TNM-Klassifikation ausgewertet. In der aktuellen 8. Klassifikation werden beispielsweise Tumoren mit einer Größe zwischen 4 und 5 cm (T2b) und N0 Status nicht mehr als Stadium IB sondern als IIA eingeordnet.
In 2 Studien wurde eine kombinierte adjuvante Chemoradiotherapie gegen eine alleinige adjuvante Strahlentherapie untersucht [778], [732].
In mehreren Studien wurden die Ergebnisse möglicherweise durch die Verwendung von alten Chemotherapiekombinationen beeinflusst [778], [779], [780], [781], [782], [783].
Alle Studienergebnisse wurden mit Hilfe einer früheren TNM-Klassifikation ausgewertet. In der aktuellen 8. Klassifikation werden beispielsweise Tumoren mit einer Größe zwischen 4 und 5 cm (T2b) und N0 Status nicht mehr als Stadium IB sondern als IIA eingeordnet.
Der positive Effekt der adjuvanten Chemotherapie wurde beobachtet bei Kollektiven mit Patienten im Stadium IB, II und IIIA inzidentell (d.h. operativ diagnostizierter mediastinaler Lymphknotenbefall bei unauffälliger zytologisch/histologisch oder bildgebender präoperativer mediastinaler Diagnostik). Nicht geklärt ist die Wirksamkeit der adjuvanten Chemotherapie im Stadium IB [784], [785]. Subgruppenanalysen aus Phase-III-Studien zeigten keine signifikante Verlängerung der Überlebenszeit im Stadium IB. Explorative Analysen deuteten zunächst an, dass möglicherweise Patienten mit Tumoren mit einem Durchmesser ≥ 4 cm einen Überlebensvorteil bei Durchführung einer adjuvanten Chemotherapie haben könnten [784], [786]. In einer Langzeitanalyse einer randomisierten Studie, die ausschließlich bei Patienten im Stadium IB durchgeführt worden war, konnte ein signifikanter Einfluss der Chemotherapie auf die Überlebenszeit nicht bestätigt werden im Gegensatz zu den früher publizierten 4-Jahres Überlebensraten [786]. Allerdings zeigte sich weiterhin eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von 78 auf 89 Monate (p = 0.03). Bestätigt wurden diese Daten durch die Metaanalyse von Pignon mit einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit im Stadium II (HR 0.83) und komplett reseziertem IIIA (HR 0.83), nicht jedoch im Stadium IA (HR 1.41) oder IB (HR 0.92) [787]. Demgegenüber stehen die Ergebnisse einer randomisierten Phase-II-Studie mit signifikanter Verlängerung sowohl von tumorfreiem (p = 0.02) und Gesamtüberlebenszeit (5-Jahres Überlebensrate: 45 % versus 63 %, p = 0.04) [788] und einer monozentrischen randomisierten Phase-III-Studie ebenfalls mit signifikanter Verlängerung der tumorfreien (p = 0.0001) und Gesamtüberlebenszeit (5-Jahres Überlebensrate: 42 % versus 62 %, p = 0.02) [783].In einer weiteren Studie wurde die Kombination von Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (200 mg/m2) im Stadium IB verwendet. Allerdings zeigte diese Studie keinen signifikanten Überlebensvorteil zugunsten einer adjuvanten Chemotherapie [786]. Eine andere, noch nicht voll publizierte, prospektive Studie war das Gesamtüberleben bei 1278 Patienten mit pathologischem Stadium I (8. TNM Klassifikation) durch eine adjuvante Chemotherapie nur bei Patienten mit Risikofaktoren (Alter ≥70 Jahre; invasive Komponente > 2 cm; viscerale Pleurabeteiligung; lymphatische oder Gefäßinvasion) verbessert [789].
Hintergrund adjuvante zielgerichtete Therapie
Mit Osimertinib ist im Mai 2021 auch der erste Tyrosinkinaseinhibitor als adjuvante Therapieoption durch die EMA zugelassen worden: Die Phase III Studie ADAURA [790] untersuchte bei 682 NSCLC Patienten im Stadium Ib-IIIA und nachgewiesener EGFR-Mutation (Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R) den adjuvanten Einsatz von Osimertinib nach ggfs Durchführung einer adjuvanten platinhaltigen Chemotherapie gemäß Standard of Care. In der ersten Datenauswertung nach einem medianen Nachbeobachtungszeitraum von 22,1 Monaten für Osimertinib-behandelte Patienten wurde das primäre Studienziel, die Verbesserung des Krankheits-freien Überlebens im Stadium II-IIIA signifikant erreicht (hazard ratio 0,17; 99,06% CI, 0,11-0,26; P<0,001). Das Ausmaß der Verbesserung des DFS im Stadium IB war etwas geringer (hazard ration 0,39; 95% CI 0,18-0,76). Nach zwei Jahren waren 89% der Patienten in der mit Osimertinib behandelten Studie am Leben und krankheitsfrei gegenüber 53% unter Placebo. Konsistente DFS-Ergebnisse wurden in allen Untergruppen beobachtet, einschließlich Patienten, die mit einer Operation mit anschließender Chemotherapie behandelt wurden, und Patienten, die nur eine Operation erhielten, sowie bei asiatischen und nicht-asiatischen Patienten. Auch das 5-Jahres Gesamtüberleben war signifikant verbessert (hazard ratio 0,49, p<0,001; 85% versus 73%) in der Patientengruppe im Stadium II-IIIA. In der Gesamtpopulation (Stadium IB-IIIA) war der Überlebensvorteil ähnlich (hazard ratio 0,49, p<0,001) [777]. Die Sicherheit und Verträglichkeit von Osimertinib in dieser Studie war konsistent mit früheren Studien im metastasierenden Setting. Unerwünschte Ereignisse des Grades 3 oder höher aller Ursachen traten nach Einschätzung des Forschers bei 10% der Patienten in der Osimertinib-Gruppe gegenüber 3% in der Placebo-Gruppe auf. Aufgrund der Zulassung ist nun die molekulare Testung auf EGFR-Mutationen (Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R) auch in den frühen Stadien zwingend notwendig. Da in dieser Studie (wie auch in der Zulassung) Patienten mit Stadium IB ohne weitere Beschränkung der Tumorgröße eingeschlossen wurden, können daher Patienten mit einer Tumorgröße von 3 cm und < 4 cm bei N0 Status eine adjuvante Therapie mit Osimertinib angeboten werden. Eine Subgruppenanalyse für diese Teilpopulation wurde in der Studie nicht durchgeführt.
Mit Alectinib wurde im Juni 2024 der erste ALK-Inhibitor für die adjuvante Therapie bei ALK positiven NSCLC Patienten zugelassen. Die Zulassung beruht auf der ALINA-Studie, eine Phase III Studie, die bei 257 Patienten mit NSCLC im Stadium IB-IIIA (7. TNM Klassifikation) und ALK Translokation nach kompletter Resektion randomisiert eine adjuvante, Platin-basierte Chemotherapie mit einer 2-jährigen Therapie mit Alectinib verglich. Einschlusskriterium war u.a. eine Tumorgröße ≥ 4 cm was sich auch in der Zulassung widerspiegelt.
8.3.5 Postoperative Radiotherapie
Hintergrund
Die postoperative Strahlentherapie ist eine der ältesten supplementären Therapien nach Resektion des NSCLC. In einer Cochrane Analyse wurde die Effektivität und Toxizität der adjuvanten Radiotherapie anhand der Daten von 2232 Patienten aus 10 randomisierten Studien bzw. anhand der publizierten Studien untersucht [791]. Der Stellenwert einer simultanen postoperativen Chemoradiotherapie wurde in einer randomisierten und in einer nicht randomisierten Studie sowie in einer retrospektiven Analyse untersucht [792], [793], [794].
Die randomisierten Studien zur Radiotherapie, die in der initialen PORT-Metaanalyse aus dem Jahre 1998 zusammengefasst wurden, und den Hauptteil der verfügbaren Evidenz ausmachen, rekrutierten Patienten zwischen 1965 und 1995 mit dem Hauptteil der Patienten in den 70iger und 80iger Jahren und verwendeten eine heute veraltete Strahlentherapietechnik. In der adjuvanten Situation wurden Strahlendosen von 30-60 Gy in 10-30 Fraktionen verwendet. Ein Überlebensvorteil wurde in diesen Studien für die postoperative Strahlentherapie nicht gefunden. Wohl durch die therapieassoziierte Morbidität wurden die Überlebensraten durch die postoperative Strahlentherapie in der Gesamtanalyse der Patienten im Stadium I – III tendenziell und in der letzten Analyse von 2006 nicht signifikant vermindert (HR 1.1 (1.00-1.22, p=0.058)). In einer Subgruppenanalyse war dieser Effekt am deutlichsten im Stadium I (HR 1.42 (1.1.6-1.75)) und im Stadium II (HR 1.26 (1.04-1.52)), nicht aber im Stadium III (HR 0.97 (0.57-1.47)) ausgeprägt. Es gab signifikante Inkonsistenzen zwischen den Resultaten der verschiedenen Studien im Stadium I und II. Die letzte in der initialen PORT Metaanalyse von 1998 noch nicht eingeschlossene italienische Studie [795] zeigte mit moderner Strahlentherapietechnik einen signifikanten Vorteil bezüglich des rezidivfreien Überlebens bei Patienten im Stadium I.
Weder eine postoperative Radiotherapie noch eine postoperative Radiochemotherapie führen nach der vorliegenden Evidenz im Stadium I oder II zu einer Verlängerung der Überlebens- bzw. der rezidivfreien Überlebenszeit.
8.3.6 Flowchart Stadium I
8.4 Pancoast-Tumor
Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) in Form des Pancoast-Tumors (Sulcus-superior-Tumors) der Stadien T3-4 N0-1 M0 sollten im Thorax-Onkologischen Tumorboard (Pneumologen, Onkologen, Thoraxchirurgen, Strahlentherapeuten, Pathologen, Radiologen und Nuklearmedizinern) bezüglich der Durchführbarkeit eines trimodalen Therapiekonzeptes (Induktionstherapie basierend auf einer simultanen Radiochemotherapie gefolgt von Resektion) evaluiert werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei Pancoast-Tumoren im Stadium II-IIIB wird eine neoadjuvante Radiochemotherapie mit anschließender Resektion empfohlen. Bei Kontraindikationen zur Chemothera-pie sollte eine neoadjuvante Strahlentherapie mit anschließender Resektion erfol-gen. Bei einer R0-Resektion ist nach aktueller Datenlage keine postoperative Che-motherapie oder Ganzhirnbestrahlung erforderlich, kann aber im individuellen Fall zur Anwendung kommen. Die Entscheidung zum bestmöglichen Vorgehen sollte interdisziplinär unter Beteiligung von Entscheidungsträgern mit hinreichender Erfahrung erfolgen.Bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) in Form des Pancoast-Tumors (Sulcus-superior-Tumors) der Stadien T3 N0-1 M0 sollte abweichend von den allgemeinen Vorgehensweisen für diese Stadiengruppe bei vorhandener technischer und funktioneller Operabilität eine Induktionstherapie basierend auf einer simultanen Radiochemotherapie gefolgt von einer Resektion durchgeführt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [796] [797]
Änderungshinweis
Patienten mit technischer oder funktioneller Inoperabilität sollten eine definitive Radio-/Chemotherapie erhalten. Die Entscheidung zum bestmöglichen Vorgehen sollte interdisziplinär unter Beteiligung von Entscheidungsträgern (Thoraxchirurgie, Radioonkologie, Pneumologie) mit hinreichender Erfahrung erfolgen.Bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) in Form des Pancoast-Tumors (Sulcus-superior-Tumors) der Stadien T4 N0-1 M0 sollte abweichend von den allgemeinen Vorgehensweisen für diese Stadiengruppe bei potentiell erreichbarer technischer und funktioneller Operabilität eine Induktionstherapie basierend auf einer simultane Radiochemotherapie, eine unmittelbare erneute Evaluation bezüglich der Operabilität und dann entweder die Resektion oder bei Inoperabilität die unmittelbare Komplettierung der Radiochemotherapie erfolgen.
Bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) in Form des Pancoast-Tumors (Sulcus-superior-Tumors) der Stadien T3-4 N0-1 M0 und nicht vorhandener sowie auch nicht potentiell erreichbarer technischer und funktioneller Operabilität sollte die Therapie wie bei Tumoren dieser Stadiengruppe an anderer Lokalisation erfolgen (Kapitel 8.5.6).
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [798]
Evidenztabellen (1)
Konsolidierungstherapie NSCLC Stadium IIIAls Pancoast-Tumoren werden Lungenkarzinome (T3 bzw. T4) mit Pancoast-Syndrom (z.B. Infiltration von Plexus brachialis, Ganglion stellatum, Rippen, Wirbelkörper) bezeichnet. Sie entstehen im Lungenapex und wachsen per continuitatem in die o.g. Strukturen. Dabei infiltrieren sie häufig die obere Thoraxwand mit Rippen und Wirbelkörpern. Ein Wachstum in den Plexus brachialis, das Ganglion stellatum und die subklavikulären Gefäße ist ebenfalls häufig. Je nach den infiltrierten Strukturen können Armschmerzen, Armparese, Hornersyndrom (23 % der Patienten) oder Armvenenthrombosen das klinische Leitbild sein. Pancoast-Tumoren stellen eine prognostisch eigenständige klinische Entität dar, die aber dennoch in sich eine große klinische Heterogenität aufweist. Die entscheidenden Faktoren dafür sind hierbei die unterschiedlichen Tumorstadien. Ein besonderer Nutzen eines trimodalen Vorgehens konzentriert sich auch auf die Tumorstadien T3-4 N0-1, da hier die Operation in das Gesamtbehandlungskonzpet einbezogen werden kann. Patienten mit einem Pancoast-Tumor des Stadiums cTX N2 oder N3 gelten als onkologisch inoperabel und werden deshalb analog dem üblichen Vorgehen (Kapitel 8.5) behandelt. Aufgrund der Seltenheit dieses Krankheitsbildes gibt es bislang keine prospektiv-randomisierten, klinischen Untersuchungen. Vor diesem Hintergrund kommt den einerseits monozentrischen Daten aus großen interdisziplinären Arbeitsgruppen bzw. den ersten multizentrischen Phase-II-Untersuchungen aus Nordamerika (Southwest Oncology Group Trial 9416) [796] die entscheidende therapeutische Relevanz zu.
Die Aktualisierungsrecherche für den Zeitraum 2010 bis 2019 erbrachte insgesamt 179 Treffer. Einschlusskriterien waren systematische Übersichtsarbeiten und vergleichende Studien bzw. prospektive Serien. Nach Sichtung interessierender Treffer wurden keine neuen prospektiven Studien zum Thema identifiziert. Bisherige Studien sind in den identifizierten Übersichtsarbeiten zusammengefasst, die jedoch methodisch nicht die Kriterien eines systematischen Reviews erfüllen [797] oder nur eine kleine Teilgruppe des Kollektivs betrachten (Pancoast-Tumor mit Wirbelkörperinfiltration; [799]). Die Erkenntnisse aus der Aktualisierungsrecherche bestätigen die Bedeutung des trimodalen Behandlungskonzeptes basierend auf den Daten der SWOG-Studie 9416 (Integroup 0160).
Das histopathologische Ansprechen (pathologische CR) nach Vorbehandlung mittels Radiochemotherapie ist bei dieser Entität typischerweise deutlich günstiger als bildgebend im CT vermutet. In der SWOG-Intergroup-Studie hatten von den 32 Patienten mit pathologischer Komplettremission nur 53% zuvor bildgebend eine messbare partielle Remission aufgewiesen. In aktuellen histopathologischen Serien wird sowohl das Vorliegen der pathologischen Komplettremission (vs. keine pCR; 5-Jahres-Überleben 70% vs. 20%) als auch der Nachweis von <10% vitalen Tumorenzellen (vs. >10% vitale Tumorzellen; 5-Jahres-Überleben 65% vs. 18%) als Prognosefaktor bestätigt [800].
Die bisher publizierten Daten umfassen einerseits konventionelle Fraktionierungsschemata mit 1,8 bzw. 2 Gy pro die bis präferentiell 40 bis 50 Gy. Die best etablierte Gesamtdosis beträgt 45 Gy (SWOG/Intergroup-Studie) Andererseits sind dosisdichte Radiotherapieschemata mit hyperfraktioniert akzelerierter Therapie (2 x täglich 1.5 Gy bis 45 Gy mit simultan Cisplatin / Etoposid, nach drei Zyklen Cisplatin plus Etoposid oder Paclitaxel) berichtet worden, wobei die 30-Tages-Mortalität 6,9% betrug, das 5-Jahres-Gesamtüberleben 46%. [801].
Die eingesetzten Chemotherapieprotokolle umfassen die typische Chemotherapiekombination aus Cisplatin und Etoposid. Mitomycinhaltige Protokolle sind aufgrund berichteter perioperativer Toxizitätsdaten nicht präferentiell einzusetzen [803]. Aus Daten zu neueren Chemotherapiekombinationen (z.B. Cisplatin und Taxol-Induktion/Cisplatin und Vinorelbin simultan) kann ein optimales Behandlungsschema nicht definiert werden. Präferentiell sollte aber Cisplatin der Kombinationspartner der Strahlentherapie sein.
Nach den Daten des Southwest Oncology Group Trials 9416 stellt die simultane Radiochemotherapie präoperativ den Goldstandard in der multimodalen Behandlung der Pancoast-Tumoren dar [796]. Konzepte mit hyperfraktionierter Bestrahlung (2 x 1,5 Gy bis 45 Gy) erreichten mindestens vergleichbare pCR-Raten (45% in der Serie Marra, 2007 [801]).
In einer Folgestudie zur SWOG 9416-Intergroup 0160-Studie der Phase II wurde eine konsolidierende Docetaxel-Behandlung im Anschluss an das trimodale Konzept evaluiert [804]. Hier zeigte sich kein Hinweis auf eine weitere Verbesserung des Gesamtüberlebens (3-Jahres-Gesamtüberleben 61%) im Vergleich zum SWOG-9416-Protokoll. Die Autoren der Folgestudie stellten in Frage, ob irgendeine Form von Konsolidierungstherapie die Effektivität verbessert [804].
Die inzwischen als Standard geltende konsolidierende Immuntherapie mit Durvalumab bei PDL1 positiven, nicht operablen Patienten im Stadium III (Kapitel 8.5) wurde bei Patienten mit Pancoast Tumoren bisher nicht untersucht. Patienten mit inoperablen Pancoasttumoren sollten analog zu anderen nicht operablen Patienten im Stadium III bei Nachweis von PDL1 mit Durvalumab als konsolidierender Therapie behandelt werden.
In der prospektiven Studie der Southwest Oncology Group [796] bestand eine perioperative Morbidität von 52,9 % nach der neoadjuvanten Radiochemotherapie und anschließender Tumorresektion. Es handelte sich überwiegend um Atelektasen (15%), Pneumonien (14%), Vorhofarrhythmien (11%) und Empyeme (6%). Diese erhöhte Morbidität wird auf die aggressive Vorbehandlung und auch auf die baldige postoperative Chemotherapie zurückgeführt [796]. Die perioperative Letalität betrug 2,3 % und ist damit mit der Letalität nach Standard-Lungenresektion vergleichbar.
8.5 Stadium II/III
8.5.1 Therapiewahl NSCLC Stadium II-III – Klinische Diagnose, Stadieneinteilung und relevante prognostische Faktoren unter klinisch-therapeutischen Gesichtspunkten
Bei Patienten mit NSCLC im klinischen Stadium II/III soll im Rahmen des Thorax-Onkologischen Tumorboards im Konsens die Operabilität festgelegt und dokumentiert werden. Diese umfasst sowohl die chirurgisch-technische Resektabilität als auch die funktionelle und die onkologische Operabilität.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Die Unterscheidung von Subgruppen hat beim NSCLC im Stadium III A/B/C für Therapiewahl und Prognose eine große Bedeutung. Hierzu soll die aktuelle TNM –Klassifikation (Version 9 inkl. der neuen T- und N-Deskriptoren) die Grundlage darstellen.
Änderungshinweis
Die Unterscheidung von Subgruppen hat beim NSCLC im Stadium III für Therapiewahl und Prognose große Bedeutung. Hierzu sollen die klinische TNM –Klassifikation (Version 8) und die Unterteilung des N2 Stadium nach Robinson verwendet werden.Bei Patienten mit NSCLC Stadium IIIA/IIIB und unsicherer Resektabilität sollte die Empfehlung zur Art der multimodalen Therapie, insbesondere Konzepte mit vs. ohne OP, erst nach erweiterter Diagnostik und eingehender Diskussion im Thorax-Onkologischen Tumorboard sowie unter besonderer Berücksichtigung der Patientenpräferenz ausgesprochen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Zur Beurteilung der onkologischen Resektabilität im Stadium II/III soll die folgende Diagnostik (nicht älter als 4 Wochen) vorliegen:
- hochauflösendes diagnostisches CT im i. v. KM
- FDG-PET/CT
- systematische EBUS/EUS-Diagnostik mit Punktion und Zytologie-Diagnostik im Zellblock aus: LN Station #2 rechts und links, LN Station #4 rechts und links, LN Station Nr. 7, LN Station #10 und #11 ipsilateral
- alternativ (ggf. ergänzend) zur EBUS/EUS-Diagnostik mediastinales Staging mittels MESK, VAMLA oder VATS
- Konsens
- Starker Konsens (95%)
Ausgehend von diesen Befunden soll in einem initialen Thorx-Onkologischem Tumorboard die Entscheidung aufgrund von Risikokonstellationen (N0, Anzahl der N1 LK, Größe der N1 LK, Anzahl N2 LK, Größe der N2 LK, infiltrativer Befall der Lymphknoten mit Einwachsen in das umgebende Gewebe, N3-Befall, T3 bzw. T4-Befall, T1-Befall, Resektionsmöglichkeiten, PET-CT Befund, EBUS/EUS Befund, Tumorlokalisation) getroffen werden, ob primäre Resektabilität, ob Notwendigkeit Pneumonektomie oder fehlende R0-Resektabilität vorliegt. Diese Festlegung soll dokumentiert werden.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Änderungshinweis
Das Ausmaß einer notwendigen Zusatzdiagnostik, die Stadienzuordnung und optimale Behandlungswahl für den einzelnen Patienten soll vor Therapiebeginn durch ein Thorax-Onkologisches Tumorboard (mindestens Beteiligung von Pathologie, Pneumologie, Onkologie, Thoraxchirurgie, Radioonkologie und diagnostischer Radiologie, Nuklearmedizin) festgelegt werden.Nach neoadjuvanter Therapie soll ein CT mit i. v. KM zum Ausschluß Progress durchgeführt, sowie erneut die funktionelle Operabilität überprüft werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Für Patienten mit NSCLC im klinischen Stadium III, die für eine kurativ intendierte Therapie vorgesehen sind, soll nach der zuvor durchgeführten PET/CT-Diagnostik, eine systematische mediastinale Ausbreitungsdiagnostik präferentiell mittels EBUS/EUS (bei unklarem Befund Ergänzung durch Mediastinoskopie oder VATS) und eine feingewebliche Sicherung erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Für Patienten mit NSCLC im klinischen Stadium III, die für eine kurativ intendierte Therapie vorgesehen sind, soll eine mediastinale Ausbreitungsdiagnostik präferentiell mittels EBUS/EUS (bei unklarem Befund Ergänzung durch Mediastinoskopie oder VATS) und eine feingewebliche Sicherung erfolgen.Das Lebensalter soll kein alleiniges Ausschlusskriterium für eine definitive multimodale Therapie beim NSCLC im Stadium IIIA/IIIB/IIIC sein. Dies erfordert eine besondere, auch internistisch/geriatrische Begleitevaluation mit kardiopulmonaler Risikoabschätzung.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [810] [811] [812] [813] [814] [815] [816] [817] [818] [819] [820] [821] [822]
Änderungshinweis
Das Lebensalter sollte kein alleiniges Ausschlusskriterium für eine definitive multimodale Therapie beim NSCLC im Stadium III sein. Dies erfordert eine besondere, auch internistisch/geriatrische Begleitevaluation.Relevante Prognosefaktoren, wie z.B. Gewichtsverlust, ECOG, LDH, sollen besonders bei Patienten mit NSCLC im Stadium III erfasst und bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [823] [824] [825] [826] [827] [441] [828] [829] [830] [831] [832] [833] [834] [835]
Änderungshinweis
Relevante negative Prognosefaktoren, wie z.B. Gewichtsverlust, ECOG 2, LDH, snten mitollen besonders bei Patie NSCLC im Stadium III erfasst und bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden.Das Stadium III des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms beinhaltet lokal fortgeschrittene Tumorformen. Es umfasst prognostisch heterogene Gruppen, die auch unterschiedlich in multimodalen Konzepten behandelt werden.
Aktuell wird das Stadium III nach der Version 9 der TNM-Klassifikation [438] [447] eingeteilt. Für das Stadium III ergeben sich dadurch eine Unterteilung in IIIA, IIIB und IIIC. Aber auch diese Untergruppen sind bezüglich der Tumorausbreitung noch heterogen und rechtfertigen teilweise ein unterschiedliches Vorgehen. Das Stadium III A umfasst die Kategorien T4 N0, T3 N1, T3 N2a, T4 N1, T1 N2a und T1 N2b. Stadium III B beinhaltet T3 N2b, T4 N2a, T4 N2b, T1 N3 und T2 N2b sowie T2 N3. Im Stadium IIIC werden die T3- und T4-Tumoren mit kontralateralem mediastinalem Lymphknotenbefall (N3) zusammengefasst. Die prognostische Relevanz ist anhand der IASLC-Daten in Tabelle "5-Jahres-Überlebensraten in Abhängigkeit von der Untereinteilung im Stadium III" dargelegt. Die Prognose hängt auch davon ab, mit welcher Genauigkeit das Stadium erhoben wird, wie sich hier nach der Klassifikation „klinisches“ versus „pathologisches“ zeigt, sowie die Selektion zur Lokaltherapie unter Einschluß der Chirugie im Rahmen der multimodalen Therapie.
Tabelle 32: 5-Jahres-Überlebensraten in Abhängigkeit von der Untereinteilung im Stadium III nach der Datenbank der International Association for the Study of Lung Cancer.
| TNM 9 |
Klinisches Stadium | Pathologisches Stadium |
| III A | 44 | 50 |
| III B | 31 | 35 |
| III C | 21 | 21 |
| Modifiziert nach Daten von [447] | ||
In der 9ten Revision der TNM Klassifikation wurde in zwischen dem Befall einer einzi-gen Lymphknotenstation (N2a) und mehreren Lymphknotenstationen bei ipsilateralem mediastinalem Lymphknotenbefall unterschieden, deren Abgrenzung prognostische Bedeutung nach hat [442]; [836]. Zwischen den klinischen und pathologischen N-Kategorien finden sich in der IASLC Datenbank deutliche Unterschiede im Überleben, die in Tabelle "5-Jahres-Überleben in Abhängigkeit vom mediastinalen ipsilateralen Lymphknotenbefall" dargestellt sind.
Tabelle 33: 5-Jahres-Überleben in Abhängigkeit vom mediastinalen ipsilateralen Lymphknotenbefall
|
Art des N2-Befalls |
5-Jahres-Überleben (%) |
| pN2a | 54 |
| pN2b | 40 |
| pN3 | 28 |
| cN2a | 42 |
| cN2b | 31 |
| cN3 | 25 |
|
cN2a/b: Nachweis des Befalls einer oder mehrerer ipsilateraler mediastinaler Lymph-kontenstationen im klinisch Staging. |
|
Neben der Unterscheidung in N2a, N2b und N3 sind auch die Feststellung von bulky mediastinalen Lymphknoten mit einem Durchmesser von mehr als 2.5 cm im kleineren Durchmesser oder ein infiltratives Wachstum ins Mediastinum oder Hinweise auf extrakapsulären Lymphknotenbefall relevant für die Prognose und die Wahl der Therapie [837]; [838]; [839]; [840].
Definition der Resektabilität bei lokal fortgeschrittenem NSCLC
Die Beurteilung der Resektabilität, insbesondere im Stadium III, ist für die Festlegung eines evidenz-basierten Therapiekonzeptes von elementarer Bedeutung. Sämtliche zulassungs-relevanten Phase-III- Studien zur Untersuchung multimodaler Therapiekonzepte unter Einschluss der Operation [841], [842], [843], [844][845] oder der Radiochemotherapie (PACIFIC-Regime) [846], [847], [798] hatten als grundlegendes Einschlusskriterium entweder die Resektabilität oder die Nicht-Resektabilität gefordert. Eine klare Definition der Resektabilität anhand von objektiven Kriterien findet sich dagegen in keinem der Studienprotokolle und ist nicht in internationalen Leitlinien einheitlich verankert.
Die Beurteilung der Resektabilität hängt damit maßgeblich von der individuellen Erfahrung des Zentrums und der Interpretation der diagnostischen Bildgebung ab. Dies resultiert in heterogenen Behandlungsempfehlungen [848], [849] und steht auch einem objektiven Studienvergleich entgegen. Die EORTC und weitere nationale Fachgesellschaften bemühen sich deshalb derzeit um die Etablierung eines internationalen Konsenses zur Definition der Resektabilität [837], [838][850].
In den bislang publizierten Leitlinien und Consensus-Statements besteht Übereinstimmung, dass die Beurteilung der Resektabilität des Lungenkarzinoms im lokal fortgeschrittenen Stadium sowohl die technische Resektabilität als auch die funktionelle und die onkologische Operabilität umfassen muss und im Konsens im multidisziplinären Tumorboard festgelegt werden soll [838], [851]. Die Beurteilung der funktionellen Operabilität soll sich an den bekannten fachübergreifenden Leitlinien orientieren [852], [853], [854]. Die onkologische Operabilität wird durch Krankheitsstadien definiert, bei denen ein prognostischer Vorteil durch eine chirurgische Therapie zu erwarten ist und umfasst auch die Definition der vollständigen lokalen Tumorresektion. Eine vollständige Tumorresektion (R0) soll bei allen Patienten nach IASLC Kriterien an den Resektaten überprüft werden, um die Lokaltherapie im Stadium III zu optimieren. Eine R0 Resektion liegt nur dann vor, wenn der Primärtumor in sano mit mikroskopisch freien Absetzungsrändern reseziert wurde, mindestens drei mediastinale und mindestens eine hiläre Lymphknotenstation disseziert wurde und der am weitesten kranial und kaudal entfernte mediastinale Lymphknoten in der abschließenden Untersuchung negativ war [855], [438], [856]. Eine extranodale Ausbreitung eines hilären oder mediastinalen Lymphknotens entspricht einer R1 Resektion. Patienten mit inkompletter Resektion (R1/R2) oder Patienten mit unsicherer residualer Tumorsituation R(un) weisen eine signifikant schlechtere Gesamtprognose auf [438], [856].
Nur wenn alle der oben genannten Voraussetzungen mit hoher Wahrscheinlichkeit erfüllt werden können, ist der Tumor als resektabel einzustufen. Konsens besteht ferner darin, dass diese Beurteilung vor Therapieeinleitung erfolgen muss und hierfür eine erweiterte Diagnostik mit invasiver systematischer Untersuchung der mediastinalen Lymphknoten durchzuführen ist [850], [857].
Die weiter ausgeführte Beurteilung zur technischen und onkologischen Resektabilität gilt zudem nur für funktionell operabel eingestufte Patienten.
Technische Resektabilität
Die technische Resektabilität des Primärtumors wird wesentlich durch das lokale Wachstum bestimmt, das sich im T-Deskriptor widerspiegelt. Die Frage der lokalen technischen Resektabilität wird häufig kontrovers beurteilt, da eine hohe Heterogenität hinsichtlich der technischen Expertise, aber auch der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen verschiedenen chirurgischen Disziplinen bei komplexer Lokalsituation besteht. Von Aigner et al. wurde deshalb vorgeschlagen, zwischen einer „Standard-Resektabilität“ und einer „Resektabilität mit erweiterten technischen Anforderungen“ zu differenzieren [858].
cT3 Tumore sind in der Regel als technisch resektabel einzustufen, wobei die R0-Resektion einen entscheidenden Faktor für das Langzeitüberleben darstellt. Bei allen in der IASLC-Datenbank erfassten Patienten mit T3-Tumoren aufgrund der Größe wurde eine R0-Resektion in 97,1 % der Fälle erreicht, bei parietaler Pleurainfiltration in 91,6 %, bei Thoraxwandinfiltration in 90,2 % sowie bei separaten Tumorknoten im selben Lungenlappen in 96,7 %. Bestanden multiple T3-Kriterien, lag die R0-Rate bei 83,8 % [23]. Tumoren mit Infiltration des parietalen Perikardiums oder des N. phrenicus wurden nur wenige operiert. Die Pneumonektomierate lag bei 0,2%. Obwohl die chirurgische Literatur die lokale Resektabilität in einer Vielzahl unterschiedlicher T3-Tumorsituationen bestätigt, zeigte eine EORTC-Umfrage eine erhebliche Variabilität in der Einschätzung der Resektabilität bei T3-Tumoren [11]. Diese ergibt sich zum einen aus dem N2-Status. Zum anderen wurde die Resektabiltät von invasiven Tumoren in die Brustwand, den Nervus phrenicus oder das Perikard zurückhaltender beurteilt. Nicht in diese Strukturen invasive T3N1 Tumoren wurden mit großem Konsens als grundsätzlich resektabel eingestuft [837], [838], [851].
T4-Tumoren stellen eine heterogene Gruppe dar, die sich durch eine Tumorgröße von > 7 cm, Satellitenherde in einem anderen ipsilateralen Lungenlappen oder durch Invasion benachbarter Strukturen wie Mediastinum, große Gefäße, Trachea, Nervus recurrens, Herz, Ösophagus, Wirbelkörper oder Carina unterscheiden [440]. Diese Heterogenität spiegelt sich in einer variablen Prognose wider: Ohne Berücksichtigung der Therapiemodalität variiert das 5-Jahres-Gesamtüberleben (OS) in Abhängigkeit des klinisch festgestellten T-Kriteriums, bei nodal-negativen Patienten zwischen 27 % und 43 % [440] (Supplement Fig. S-16). Fünf-Jahres-Überlebensraten über 35% hatten jedoch nur Patienten mit den T4-Kriterien Tumorgröße oder Satellitenherde. Bis auf Tumoren nach den ersten drei Kriterien der oben genannten Aufzählung waren Tumoren nach den übrigen Kriterien in der IASLC Datenbank mit unter 100 Patienten selten, so dass es sich um Ergebnisse an hochselektionierten Patienten handelt. Bei Betrachtung der chirurgisch therapierten Patienten lag die 5-Jahres-Überlebensrate bei präoperativer cT4 Situation (N any, R any) bei 48% [440] (Suppl. Fig. S18). Nach erfolgter Operation zeigt das Gesamtüberleben eine eindeutige Abhängigkeit vom T-Kriterium: Die höchste 5-Jahres Überlebensrate (49%) zeigten Patienten mit T4 Tumoren aufgrund der Tumorgröße während in der Gruppe mit multiplen T4 Kriterien die 5 Jahres Überlebensrate bei 37% lag. Ungünstige prognostische Faktoren umfassen Lymphknotenmetastasen, inkomplette Resektion sowie Infiltratives Wachstum im Vergleich zum T4 Kriterium aufgrund der Tumorgröße.
In der aktuellen EORTC-Umfrage bestand eine gewisse Heterogenität bei der Beurteilung der Resektabilität von T4 Tumoren [837]. T4-Tumoren nach jedwedem Kriterium mit Multilevel-N2, N2-bulky oder N2-invasion-Befall wurden mit großer Mehrheit als inoperabel eingestuft. Bis auf T4-Tumoren nach dem Größenkriterium wurden T4 Tumoren mit single level N2 Befall mehrheitlich als inoperabel eingestuft. Bei N1 Befall hielt eine Mehrheit der befragten T4 Tumoren nach dem Größenkriterium für resektabel, während bei in Nachbarstrukturen invasive T4 Tumoren von 43% der Befragten als nicht resektabel eingestuft wurden, 44% waren unentschieden. Während eine Invasion des Herzens mehrheitlich als unresektabel eingestuft wurde, sahen bei T4-Tumoren mit Infiltration von Ösophagus, großen Gefäßen, Trachea, Carina, Wirbelsäule, Mediastinum, Nervus recurrens und Zwerchfell weniger als 75% der Befragten eine primäre Resektabilität als gegeben an. An High-volume Zentren wurden cT4-Tumoren häufiger als operabel eingestuft, was vermutlich auf eine größere Erfahrung mit komplexen Fällen und dem Zugang zu extrakorporalen Verfahren wie der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) zurückzuführen ist [837]. Komplexe Rekonstruktionen der Atemwege mit ECMO-Unterstützung oder unter Jet-Ventilation bei cT4-NSCLC mit Hauptkarinabefall gelten als machbar und sicher und können nach R0-Resektion und bei fehlenden mediastinalen Lymphknotenmetastasen mit einer guten Langzeitprognose assoziiert sein [859],[860]. Allerdings war die Pneumonektomierate bei Lungenkarzinomen mit 69% sehr hoch und die postoperative 30-Tage Letalität betrug 7.5%. Die Evidenz bezüglich technischer Machbarkeit, R0-Resektionsrate und onkologischem Langzeitergebnis beruht allerdings auf retrospektiven Kohortenanalysen mit vergleichsweise geringen Fallzahlen. Prospektive, randomisierte Studien zur Untersuchung des Nutzens der chirurgischen Therapie im direkten Vergleich zu multimodalen Therapiekonzepten mit Einschluss der Radiotherapie und der Immuntherapie liegen derzeit nicht vor.
Zusammengefasst können nodal negative T4 Tumore aufgrund einer Tumorgröße von >7cm oder aufgrund von einem Satellitenherd in einem anderen ipsilateralen Lappen meist als resektabel eingestuft werden, sofern das Resektionsausmaß keine Pneumonektomie erfordert. T4 Tumoren aufgrund von Invasivität sollten außerhalb von High-Volume Zentren mit Zugang zu erweiterten technischen Möglichkeiten primär als nicht-resektabel eingestuft werden. T4 Tumore mit N2 Metastasierung sind als primär nicht-resektabel einzustufen [838].
Onkologische Operabilität
Die onkologische Operabilität wird hauptsächlich durch die lymphatische und hämatologische Ausbreitung des Tumors und die daraus folgende Überlebensprognose nach operativer Resektion bestimmt. Die N2-Lymphknotenbeteiligung wird gemäß TNM9 in Abhängigkeit der Anzahl der befallenen Lymphknotenstationen in die Subgruppe N2 single-Station (N2a) und N2 multi-Station (N2b) unterteilt [442]. Die Subgruppen sind von bedeutender prognostischer Relevanz für das Gesamtüberleben. Aufgrund des lokalen Wachstumsmusters ist eine weitere Differenzierung in N2-"bulky" sowie N2-invasiv in zahlreichen Leitlinien üblich. Die Charakterisierung der Lymphknotenmetastasierung variiert jedoch in den Leitlinien [848]. Unter einer „non-bulky“- Metastasierung werden meist positive Lymphknoten mit einem Durchmesser von weniger als 3 cm beschrieben, die leicht messbar und abgrenzbar von größeren mediastinalen Strukturen wie der Trachea oder den großen Gefäßen sind oder ein geringes Volumen zeigen. Auf die Kurzachse bezogen wird ein Durchmesser von > 2.5 cm als Kriterium für einen "bulky" Lymphknoten genannt [838]. Eindeutige Volumengrenzwerte sind jedoch nicht festgelegt [850].
Patienten mit einem technisch resektablen cT1-3 Primärtumor und N1 hilärer Lymphknotenmetastasierung sind Kandidaten für eine onkologische Resektion im multimodalen Therapiekonzept. In den aktuellen Umfragen und Consensus-Statements besteht hohe Übereinstimmung, dass Patienten mit intrapulmonalen cT1-3 Tumoren und N1 Lymphknotenbefall als onkologisch und technisch resektabel einzustufen sind [837], [838], [851]. Hingegen stuften in der EORTC-Umfrage eine Mehrheit der Befragten T3 Tumoren mit Einwachsen in die Thoraxwand, den N. Phrenikus, oder das Perikard mit N1 Befall nur als möglicherweise (43%) und oder als nicht resektabel (11%) ein [837].
Die Resektabilität bei Patienten mit non-bulky und nicht-invasiver N2-Metastasierung wird in den Umfragen und Consensus-Statements heterogen und teilweise kontrovers beurteilt. Die Resektabilität sollte deshalb bei diesen Patienten immer im Einzelfall sehr differenziert nach vollständigem Staging im Tumorboard beurteilt werden und neben dem genauen Ausmaß und Muster der mediastinalen Lymphknotenmetastasierung auch den T-Status, das Resektionsausmaß und weitere prognoserelevante tumorbiologische Faktoren wie beispielsweise den PDL-1 Status berücksichtigen.
Der Anteil an rekrutierten Patienten mit als resektabel eingeschätzter N2-Erkrankung lag in den aktuellen Phase III Studien zur Untersuchung neoadjuvanter oder perioperativer Therapiekonzepte zwischen 40% [845] und 74% [861] Patienten mit cT1-2 Tumoren und single-station non-bulky N2 Metastasen ohne Hinweis auf kapselüberschreitendes Tumorwachstum wurden in der EORTC-Umfrage von 60% der Befragten als resektabel eingestuft, von 35% als vielleicht resektabel und von 5% als nicht resektabel [850]. Bei cT3 Tumoren mit N2-single Station Befall war die Einschätzung der Resektabilität abhängig vom T3-Kriterium. Bei einem T3 Kriterium aufgrund der Größe hielten 42% die Resektabilität für gegeben, 45% für vielleicht gegeben und 13% für nicht gegeben. Bei T3 Tumoren aufgrund von Invasivität wurde der Tumor dagegen nur von 20% als resektabel, von 51 % als vielleicht resektabel und von 29% als nicht resektabel eingestuft. Bei T4 Tumoren aufgrund der Tumorgröße wurde die Resektabilität von 22% positiv bewertet, von 47 % als vielleicht resektabel und von 34% als nicht resektabel. T4 Tumore aufgrund von Invasivität wurden nur von 5% als resektabel eingestuft während 66% die Tumore als nicht-resektabel einstuften.
Das Expert Consensus Dokument der amerikanischen thoraxchirurgischen Fachgesellschaft, an dem neben Thoraxchirurgen auch Strahlentherapeuten und Onkologen beteiligt waren, empfiehlt für Patienten mit T1-3 Tumoren mit single station non-bulky N2 Metastasierung eine Operation im multimodalen Behandlungskonzept und stuft diese Tumore damit als resektabel ein [838]. Diese Einschätzung deckt sich mit der Consensus Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie, an der im Gegensatz zum amerikanischen Consensus Statement jedoch keine Strahlentherapeuten oder Onkologen beteiligt waren [851].
Bei Patienten mit N2b-Metastasierung wird die onkologische Operabilität kontrovers diskutiert. Operierte Patienten mit N2b-Befall haben im Vergleich zu Patienten mit N2a-Befall gemäß der IASLC Überlebensdaten eine signifikant schlechtere Prognose [442]. Die schlechtere Prognose stellt ein Argument gegen eine sinnvolle onkologische Operabilität bei dieser Patientengruppe dar. Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Überlebensanalysen auf einem Patientenkollektiv vor der Zulassung der neoadjuvanten Chemoimmuntherapie basieren. Es bleibt deshalb abzuwarten, in wie weit sich diese Ergebnisse auf die Zeit nach der breiten Zulassung der neoadjuvanten und perioperativen Chemoimmuntherapie außerhalb von klinischen Studien auch prospektiv übertragen lassen. Aus den aktuellen Phase-III-Studien sind bislang wenige Subgruppenanalysen mit Stratifizierung nach dem Ausmaß der N2-Lymphknotenmetastasierung bekannt. Der Anteil an eingeschlossenen Patienten mit multi-station N2-Metastasierung lag in der AEGEAN-Studie im Therapiearm bei 9,3% und in der CM77T Studie bei 13,5%. Für Patienten mit multi-station-N2-Befall konnte in der Subgruppenanalyse der AEGEAN-Studie ein EFS-Vorteil nach perioperativer Durvalumab/Chemotherapie im Vergleich zur Kontrollgruppe gezeigt werden (HR 0,69 [95 %-KI: 0,33–1,38]) [843]. Der Effekt war im Vergleich zur Gruppe mit single-station Befall jedoch geringer ausgeprägt (HR 0,61 [KI 0.39-0.94]) und die Rate an pathologisch kompletter Remission (pCR) lag bei Patienten mit multi-station Befall mit 8.8% (95 %-KI: 1,9 to 23,7) rund 10% niedriger als bei Patienten mit single-station Metastasierung (18,4%; 95 %-KI: 12,4-25,8). Die pCR-Rate unterschied sich damit nur marginal von der pCR-Rate in der Kontrollgruppe (5.0%; 95 %-KI: 0.6-6.9).
In der CM77T-Studie betrug die pCR-Rate in der Subgruppe mit multi-station N2 dagegen 29.0% (vs. 2,7% im Placebo-Arm) und war damit bei einer geringen Fallzahl von 31 Patienten mit multi-station N2 Befall numerisch höher als bei Patienten mit nur einer betroffenen N2-Lymphknotenstation (dort 18,6%) [862]. In der Subgruppenanalyse der CM77T-Studie lag die HR für das EFS bei Patienten mit multi-station-Metastasierung bei 0.43 (0.21–0.88) und bei Patienten mit single-station-Metastasierung bei 0.49 (0.29–0.84) [845]. In diesem Zusammenhang gilt es auch zu berücksichtigen, dass die neoadjuvante Nivolumab/Chemotherapie in Europa nur für PD-L1 positive Tumore zugelassen ist.
Die Daten zeigen noch einmal die sehr große Heterogenität des Stadium III. Bisherige Studien im Stadium III zum randomisierten Vergleich der simultanen Radiochemotherapie mit einer neoadjuvanten Chemo- oder Radiochemotherapie und Operation bei potentiell resektablen Tumoren zeigten keinen Unterschied im Langzeitüberleben zwischen den Armen [802], [863]. Diese wurden allerdings mehr als 10 Jahre vor der Einführung der neoadjuvanten Chemoimmuntherapie durchgeführt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit der äußerst differenzierten gemeinsamen Einzelfallbetrachtung im Tumorboard.
Nach der EORTC Erhebung wurden Lungenkarzinome mit N2 multi-station Lymphknoten-Befall in Kombination mit allen T-Stadien von der Mehrzahl der Befragten als nicht-resektabel eingestuft. T1-2 und intrapulmonale T3 Tumoren wurden von bis zu 40% der befragten Experten als vielleicht resektabel eingestuft. Für resektabel hielten Tumore mit N2b Befall weniger als 10% der Befragten für alle T-Kategorien [837]. Das amerikanische Consensus Dokument empfiehlt aufgrund der ungünstigen Prognose insbesondere bei N2-bulky kein operatives Therapiekonzept und stuft die Gruppe deshalb als nicht-resektabel ein. In Einzelfällen kann bei non-bulky N2b Situation mit 2-3- betroffenen Stationen Im Tumorboard eine Resektion erwogen werden, wenn die Resektion mittels Lobektomie erfolgen kann [838]. In der DGT-Umfrage wird bei non-bulky und nicht-invasiver multi-station N2 Situation mit hohem Konsens eine Operation im multimodalen Behandlungskonzept befürwortet und damit auch N2b Tumore mit non-bulky und non-invasivem Lymphknotenmetastasen als resektabel eingestuft.
Die dargelegten Ergebnisse sprechen im Kontext einer neoadjuvanten Chemoimmuntherapie derzeit dafür, dass Patienten mit N2b-Metastasierung ohne bulky“ oder invasives Wachstumsmuster nur in gut selektionierten Einzelfällen im Konsens im Tumorboard als resektabel eingestuft werden können, wenn die vollständige Tumorresektion nach IASLC Kriterien [855] keine Pneumonektomie oder andere extensive, komplexe operative Therapieverfahren erfordert.
Patienten mit N2-Lymphknotenmetastasen mit invasivem oder "bulky" Wachstumsmuster sind dagegen primär als nicht-resektabel einzustufen, unabhängig davon, ob es sich um eine N2a- oder N2b-Situation handelt. Hierüber besteht breiter Konsens in allen derzeit verfügbaren Konsensus-Statements [837], [838], [851].
Im Zeitalter verbesserter systemischer Therapien und damit verbundenen höheren Ansprechraten auf eine neoadjuvante Therapie besteht der Bedarf, die Definition der onkologischen Operablität kontinuierlich zu überdenken und den Entwicklungen der neuen multimodalen Behandlungskonzepte anzupassen.
Für Evidenz-basierte Empfehlungen bezüglich der Beurteilung der Resektabilität im Verlauf einer neoadjuvanten Therapie mit dem Ziel des Downsizings oder Downstagings bei Boderline-Resektabilität liegen bislang keine Ergebnisse aus prospektiven Studien vor. Bei Orientierung an den aktuell zu Verfügung stehenden Einschlusskriterien und Ergebnissen aus den Phase-III-Studien sind diese Patienten in der klinischen Routine als primär nicht-resektabel einzustufen und sollten nur im Rahmen von klinischen Studien in Therapieregimen mit neoadjuvanter Chemoimuntherapie oder neoadjuvanter Radiochemotherapie unter Einbeziehung der Immuntherapie in das Gesamtkonzept und anschließender Reevaluation der Resektabilität behandelt werden (z.B. MDT-BRIDGE Studie NCT05925530, ESPADURVA NCT04202809).
Hintergrund multimodale Therapien
Im lokal fortgeschritten Stadium des NSCLC stehen verschiedene definitive multimodale Therapie-Regime zur Verfügung. Welches zur Anwendung kommt, wird wesentlich von der genauen Tumorausdehnung bestimmt. Neben dem Ausschluss einer extrathorakalen Fernmetastasierung ist die Ausdehnung der Tumorerkrankung im Mediastinum von entscheidender Bedeutung für die Prognose und das weitere interdisziplinäre therapeutische Vorgehen [864], [809], [808], [865], [866].
Eine präoperative PET-CT-Untersuchung ist für einen mediastinalen Lymphknotenbefall sensitiver und spezifischer als ein Computertomogramm und korreliert signifikant mit dem histopathologischen Befund. Allerdings kommen falsch positive Befunde insbesondern im kontralateralen Hilus in einer relevanten Häufigkeit vor, so dass eine weitere Abklärung mittel Feinnadelbiop-sie zur exakten Stadieneinteilung notwendig ist [Guberina et al. 2021 PMID: 33547554; Vilmann PMID: 26030890; de Leyn PMID: 24578407]. Trotz negativem PET-CT ist eine feingewebliche Abklärung empfehlenswert, wenn im CT verdächtige N1-Lymphknoten vorliegen oder der Primärtumor im Durchmesser größer als 3 cm ist und hohe FDG-Aktivität aufweist, da in diesen Situationen häufig okkulte mediastinale Lymphknotenmetastasen vorhanden sind [867]; [868]; [869].
Ebenso werden mit dem PET/CT in 10 bis 15 % nicht mit den Standardmethoden gefundene Fernmetastasen nachgewiesen [870], [327]. Damit ist die PET-CT für eine exakte bildgebende Ausbreitungsdiagnostik unerlässlich. Nach Induktionschemotherapie ist ein PET-CT zur Beurteilung der N2-Lymphknoten sogar besser geeignet als eine Re-Mediastinoskopie [871].
Insgesamt liegt eine reichhaltige Literatur und Diskussion zu den Vorteilen des PET-CT zur Ausbreitungsdiagnostik vor [865], [327], [839], [872], [873].
Für die feingewebliche Untersuchung des mediastinalen Lymphknotenbefalls stehen verschiedene Techniken zur Verfügung. Die am häufigsten verwendeten sind der endobronchiale Ultraschall mit Feinnadelaspiration/ - Stanze (EBUS-TBNA) und die Mediastinoskopie. Primär wird der endobronchiale Ultraschall zum Einsatz kommen. Der endobronchiale Ultraschall hat eine Sensitivität zwischen 83 % und 94 % [839]. Im randomisierten Vergleich zwischen EBUS-TBNA und Mediastinoskopie ergaben sich keine relevanten Unterschiede in Sensitivität und negativem prädiktiven Wert [874]. Da die Komplikationen und die Belastung für den Patienten mit EBUS-TBNA niedriger sind als mit der Mediastinoskopie wird diese als erster Schritt empfohlen. Ob nach negativer EBUS-TBNA noch eine Mediastinoskopie angeschlossen wird, hängt u.a. von der lokalen Qualität der EBUS-Diagnostik [875][876], [877], 20) und den zu ziehenden therapeutischen Konsequenzen ab. In thoraxonkologischen Zentren sollte aber in Deutschland eine entsprechende Qualität der EBUS-Diagnostik dokumentiert sein. Falls sich eine therapeutische Konsequenz für die Durchführung einer Operation ergeben kann und weiterhin der klare Verdacht auf einen mediastinalen Lymphknotenbefall besteht, sollte ein negativer EBUS Befund bei positiver PET-Anreicherung mediastinoskopisch oder durch VATS abgeklärt werden.
Deshalb bot es sich an, Immun-Checkpoint-Inhibitoren zusätzlich zur Chemostrahlentherapie zu prüfen [878], [879], [880], [881]. Es laufen derzeit noch eine Reihe von Studien, die weitere Antworten geben werden. Es sind aber bereits die Daten einer Phase-III-Studie mit Durvalumab, einem PD-L1-Antikörper nach Chemostrahlentherapie publiziert [882][883]. In der PACIFIC-Studie wurden Patienten mit NSCLC im Stadium III nach Abschluss der Chemoradiotherapie und zumindest stabiler Erkrankung für ein Jahr in einen Arm mit Konsolidierungstherapie mit Durvalumab oder einen Arm mit Beobachtung randomisiert. Die Daten zum Staging und exakten TNM-Stadium fehlen. Es zeigte sich ein signifikanter PFS-Vorteil mit im Median 16,8 Monaten (95% CI 13,0–18,1) versus 5,6 Monate (95% CI 4,6–7,8) mit einem stratifizierten HR von 0.52 (95% CI 0.42–0.65; p<0.001). Das Gesamtüberleben war mit einem stratifizierten HR von 0,68 ebenfalls signifikant verlängert (p=0.0025). Die Nebenwirkungsraten waren etwas vermehrt. In den EORTC-Fragebögen QLQ.C30 und QLQ-LC13 fand sich keine wesentliche Beeinträchtigung durch die zusätzliche Gabe von Durvalumab [884]. Daten zur Rezidivtherapie fehlen. 15,4 % der Patienten im Durvalumab-Arm und 9,8 % der Patienten im Beobachtungsarm beendeten die Studie wegen Nebenwirkungen. Eine von der EMA geforderte Subgruppen-Analyse zeigte keinen Überlebensvorteil für die Patienten, die keine PD-L1-Expression aufwiesen [885]. Entsprechend wurde die Zulassung im EMA-Bereich auf Tumoren beschränkt, die eine PD-L1-Expression aufweisen. Im operablen Stadium III zeigen sich in Studien der Phase I und II vielversprechende Ergebnisse in der Induktionstherapie durch Zugabe von PD-1- und PD-L1-Inhibitoren [886][887][888][889][890][891]. Randomisierte Phase-III-Studien sowohl im neoadjuvanten als auch adjuvanten Ansatz sind aktiv. Eine Studie mit Atezolizumab nach adjuvanter Chemotherapie zeigte im resezierten Stadium II – IIIA gegenüber best supportive care einen Vorteil im krankheitsfreien Überleben. Dieser Effekt war stärker bei vorhandener PD-L1-Expression [892].
Aufgrund dieser Daten ist im inoperablen Stadium III beim Nachweis von PD-L1 die Chemoradiotherapie gefolgt von Durvalumab derzeitiger Standard. Im operablen Stadium wird sich vermutlich die Inhibition von PD-1 bzw. PD-L1 ebenfalls etablieren. Die Frage des besten multimodalen therapeutischen Vorgehens ist meistens im Thorax-Onkologischen Tumorboard zu klären. Die Frage, ob ein operatives Vorgehen gewählt werden soll, ist bei der Diagnostik meistens noch nicht abschließend beantwortbar. Somit soll der PD-L1-Status bei Patienten im Stadium III erhoben werden.
In der multimodalen Behandlung des NSCLC hat die molekular gezielte Therapie bisher bei Patienten mit lokal-begrenzter oder lokal-fortgeschrittener Erkrankung noch keine etablierte Rolle gespielt [893], [894], [895], [896], [897], [898]. Es gab allerdings für Patienten im Stadium IB bis IIIA schon erste Daten aus randomisierten Studien, die allerdings nur Subgruppenanlysen dieser Studien darstellten [893], [898]. Diese Studien waren nicht primäre für Patienten mit molekularer Alteration (z.B. EGF-R Mutation) konzipiert, sondern hatten zum Teil noch EGF-R Expressionsanalysen als Einschlusskriterien [898]. Nur eine Chinesische Studie hatte primär Patienten mit EGF-R Mutation als Einschlusskriterium [899]. Die Daten dieser Studie zeigten einen Benefit beim Disease-free Survival aber nicht beim Overall-Survival [899]. Eine Adjuvante Therapie mit EGF-R TKI hat sich deshalb bisher nicht durchgesetzt. Nun sind aktuell erste Daten der ADAURA-Studie vorgestellt und publiziert worden, die bei Patienten mit klassischer EGF-R Mutation (del 19, L858R) in den Stadien IB, IIA und IIIA randomisiert die adjuvante Gabe des EGF-R TKI Osimertinib gegen Placebo getestet hat [790]. Nicht alle Patienten hatten davor adjuvant eine Chemotherapie bekommen. Die Daten zeigen einen erheblichen Benefit beim Disease-free Survival für den Arm, der die molekular-gezielte Therapie erhalten hat [900]. Allerdings sind die Ergebnisse noch präliminär, was das Gesamtüberleben anbetrifft. Wir rechnen erst in diesem oder nächsten Jahr mit den abschließenden Daten des Gesamtüberlebens [900]. Da der Benefit beim DFS aber schon jetzt auf die Bewertung von ADAURA als Landmark-Studie hinweist (extrem günstige Hazard Rate für die Osimertinibgabe) ist diese Behandlung nach kritischer Bewertung des Risiko-Nutzen-Profils Als Standardtherapie bereits von der EMA zugelassen worden [900], [901]. Darüber hinaus ist es jetzt schon von erheblicher Bedeutung, frühzeitig die molekularen Befunde der Patienten im Stadium III vorliegen zu haben. Es wurde deshalb als Expertenempfehlung nach Abstimmung in die Leitlinie aufgenommen, bei Patienten im Stadium III diejenigen molekularen Marker zu bestimmen, bei denen eine konsekutive medikamentöse Behandlungsoption als relevante, evidenzbasierte Maßnahme nachgewiesen wurde. Daten zu Patienten mit ALK-Translokation und ROS1-Mutation sowie Braf-Mutation V600E sind bisher noch nicht im randomisierten Vergleich vorliegend.
Hintergrund Alter und multimodale Therapien
Studien der multimodalen Therapie im Stadium III, die spezifisch das Alter als wesentlichen Parameter für Effektivität und Nebenwirkungen prüfen, sind selten. Insbesondere wird das Alter nicht unabhängig von Komorbiditäten betrachtet. Ebenso wird im klinischen Alltag in der Regel kein geriatrisches Assessment durchgeführt. Von der thoraxchirurgischen Situation wissen wir, dass Alter per se keine Kontraindikation gegen eine Operation darstellt, dass aber Alter häufig mit Komorbiditäten assoziiert ist. Ähnliches ist von der systemischen Therapie im Stadium IV bekannt.
Für die Chemoradiotherapie gibt es vier retrospektive Subgruppen-Analysen von randomisierten Studien. Diese zeigten ähnliches Überleben und höhere Toxizität [813], [814], [815], [816]
Ältere Patienten (70 Jahre oder älter) hatten in einer zusammenfassenden Analyse der simultanen Chemoradiotherapie-Studien der US-amerikanischen Studiengruppen beim NSCLC ein ungünstigeres Gesamtüberleben, eine höhere Toxizitätsrate und mehr Therapie-assoziierte Todesfälle [817]. In die Analyse wurden 2768 Patienten unter 70 Jahren mit 832 älteren Patienten verglichen.
In der japanischen Phase-III-Studie JCOG0301 wurden 200 Patienten >70 Jahre zwischen Strahlentherapie und Radiochemotherapie mit täglichem niedrig dosierten Carboplatin randomisiert [818], [819]. Hierbei zeigte sich ein besseres Gesamtüberleben nach Radiochemotherapie (HR 0,743, p=0,0239) bei vergleichbarer höhergradiger Toxizität in beiden Armen.
In einer prospektiven Studie wurde der Wert eines comprehensive geriatric assessments (CGA) [820] und des vulnerable elders survey VES-13 [821] für den Einsatz einer platin-basierten simultanen Radiochemotherapie an 85 Patienten analysiert [822]. 15 % der Patienten wurden als nicht für diese Therapie geeignet eingestuft. Diese Tests waren bezüglich des Überlebens prognostisch. Der VES-13 sagte zusätzlich Toxizität voraus. Der VES-13 könnte als Screening-Instrument verwendet werden, um die Patienten zu finden, die kein CGA benötigen.
Damit kann bei beschränktem Wissen derzeit im höheren Alter eine definitive multimodale Therapie im Stadium III durchgeführt werden, wenn Komorbiditäten berücksichtigt werden und eine geriatrische Einschätzung erfolgt,.
Hintergrund Prognosefaktoren
Hinweise auf deutliche Krankheitsaktivität („Tumorkrankheit“) wie prätherapeutischer Gewichtsverlust, prätherapeutischer Allgemeinzustand (nach ECOG: ECOG 2) oder die Befunde der prätherapeutisch bestimmten Serum-LDH als allgemeiner Hinweis auf Tumor-bulk und Tumorvolumen haben auch im Stadium III Relevanz bezüglich Gesamtüberleben (OS) [828], [829], [830], [835], [831]. Auch Tumordurchmesser (T-Faktor im Staging, mittlerweile nach Durchmesser in cm gruppiert) bleibt ein klassischer prätherapeutischer Prognosefaktor wie bei allen soliden Tumoren [832], [833], [441], [834]. Bezüglich der gesamten Befunde des Stagings zur prognostischen Einteilung im Stadium III siehe die Ausführungen zur modifizierten aktuellen Stadieneinteilung nach TNM und UICC9/IASLC oben [441][447]. Weitere Parameter wie CRP, Tumormarker oder zirkulierende Tumor-DNA als Krankheitsaktivitätsmarker werden intensiv wissenschaftlich analysiert, sind aber noch nicht abschließend bezüglich prognostischer Relevanz validiert worden [824], [825], [826], [827]. Interessanterweise gibt es bisher keine klaren Aussagen zu dem prognostischen Effekt unterschiedlicher Tumorhistologien im Stadium III [823].
8.5.2 NSCLC Stadium II/III - primäre Operation
Um eine Pneumonektomie zu vermeiden, sollte bei zentralen Tumoren im Stadium II oder III, falls die technische Operabilität dafür vorliegt sowie eine OP erfolgt, eine parenchymsparende Manschettenresektion durchgeführt werden.
- Konsens
- Konsens (83%)
Eine Pneumonektomie sollte vermieden werden, sofern durch eine Manschettenresektion (broncho- und / oder angioplastische Operation) eine R0-Resektion erreicht werden kann. Sollte eine Manschettenresektion technisch nicht möglich sein, ist die Pneumonektomie insbesondere an thoraxchirurgischen Zentren eine therapeutische Option, die ein Langzeitüberleben für Patienten mit fortgeschrittenen NSCLC ermöglichen kann. Exemplarisch sei auf die Publikation von Riquet et al. [902] verwiesen. Für 1121 Pneumonektomien (davon 345 erweiterte Pneumonektomien) lag die perioperative Letalität bei (6.3%). Das 5-Jahres bzw. 10-Jahres – Gesamtüberleben lag bei 32 bzw. 19%, wobei 250 Patienten länger als 10 Jahre nach der Operation lebten. Aktuellen Studien zufolge beträgt die 30-Tage-Letalität 4.6 bis 7% und die 90-Tage-Letalität 7 to 12% [903].
Auf Grund der höheren perioperativen Letalität, der höheren Komplikationsrate und der signifikant stärkeren Einschränkung der Patienten nach Pneumonektomien im Vergleich zu anderen anatomischen Resektionen sollten Pneumonektomien möglichst vermieden werden [903]. Broncho- und / oder angioplastische Operationen zeigen zumindest vergleichbare onkologische Ergebnisse bei deutlich geringerer Morbidität und Letalität [904]; [905]; [906]. In einer retrospektiven Analyse von Deslauriers et al. [904] lag die perioperative Letalität bei 1,6% (3/184) nach Manschettenresektion gegenüber 5,3% (55/1046) nach Pneumonktomie, das 5-Jahres OS bei 52% gegenüber 31%. Die Lokalrezidivrate war nach Manschettenresektionen mit 22% geringer gegenüber 35% nach Pneumonektomien. Eine Meta-Analyse aus 2007 (12 Studien aus den Jahren 1996 bis 2006) bestätigt ein besseres Gesamtüberleben nach Manschettenresektion und zeigt keinen Vorteil durch eine größere Radikalität i.S. der Pneumonektomie bei höheren Tumorstadien [907]. Bei entsprechender Expertise sind auch erweiterte Manschettenresektionen mit guten Ergebnissen möglich [908].
Beim NSCLC im Stadium II/III werden nach minimal-invasiver VATS- oder RATS-Lobektomie im Vergleich zur konventionellen offenen Lobektomie - bei gleichwertigem onkologischem Ergebnis - weniger postoperative Komplikationen und weniger postoperative Schmerzen beobachtet, woraus eine verbesserte Le-bensqualität und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt resultiert. Deswegen sollte die minimalinvasive Lobektomie der konventionellen offenen Lobektomie beim NSCLC im Stadium II/III vorgezogen werden.
Es liegen derzeit keine Ergebnisse von prospektiv randomisierten kontrollierten Studien zur Analyse der Kurz- und Langzeitergebnisse nach minimal-invasiver Operation im Vergleich zur offenen Operation beim Lungenkarzinom im Stadium II oder III vor. Die ausgesprochene Empfehlung zur Präferenz eines minimal-invasiven Operationsverfahrens basiert überwiegend auf den Ergebnissen von retrospektiven Kohortenstudien, häufig mit Propensity-Score-Matching, sowie aus systematischen Reviews und Metaanalysen dieser Studien [909]; [910]; [911].
Bezüglich der onkologischen Langzeitergebnisse zeigen die meisten Studien für das Stadium II und selektierte Stadium-III-Patienten keinen signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben oder krankheitsfreien Überleben zwischen minimal-invasiven und offenen Verfahren [909]; [910]; [911]; [912]. Mehrere Propensity-matched-Studien und Metaanalysen belegen, dass VATS- oder robotische Lobektomien onkologisch nicht unterlegen sind. Dies trifft auch auf erweiterte Resektionen [913] oder auf das onkologische Langzeitergebnis nach neoadjuvanter Chemoimmuntherapie zu [914]. Die Ergebnisse nach neoadjuvanter Chemoimmuntherapie müssen jedoch aufgrund der noch vergleichsweise kurzen Nachbeobachtungszeit vorsichtig interpretiert werden und beziehen sich häufig lediglich auf Überlebens- und Rezidivraten 2 Jahre nach Operation [914].
Ein zentraler onkologischer Aspekt ist die Radikalität der Resektion. Die verfügbare Evidenz zeigt, dass R0-Resektionsraten sowie Anzahl und Qualität der systematischen Lymphknotendissektion zwischen minimal-invasiven und offenen Verfahren vergleichbar sind [915]; [916]. Damit gibt es keine überzeugenden Hinweise darauf, dass die minimal-invasive Technik im Stadium II–III zu einer schlechteren onkologischen Qualität der Operation führt.
Bezüglich der kurzfristigen perioperativen Ergebnisse zeigen nahezu alle Studien konsistent Vorteile der minimal-invasiven Chirurgie gegenüber der Thorakotomie, auch bei fortgeschritteneren Stadien. Zu den Vorteilen zählen eine geringere postoperative Morbidität, weniger pulmonale Komplikationen, geringerer Blutverlust, kürzere Drainage- und Krankenhausverweildauer sowie eine schnellere postoperative Erholung [909]; [910]; [915]; [914]. Die perioperative Mortalität ist in den meisten Analysen vergleichbar.
Die derzeitige Datenlage rechtfertigt damit den Einsatz minimal-invasiver Verfahren im Stadium II und III, solange eine vollständige anatomische Resektion mit systematischer Lymphknotendissektion technisch gewährleistet werden kann. Die fehlenden randomisierten Studien stellen jedoch weiterhin eine Limitation bei der Interpretation der Ergebnisse dar. Die Wahl des Operationsverfahrens sollte sich deshalb maßgeblich an der individuellen Expertise der Operateurin und der Erfahrung des Zentrums orientieren.
Ist bei Patienten mit NSCLC im klinischen Stadium II eine Lobektomie aufgrund von Komorbiditäten oder Lungenfunktionseinschränkung nicht möglich, soll als chirurgisches Verfahren eine anatomische Segmentresektion angestrebt werden.
Für NSCLC im Frühstadium sind gute onkologische Ergebnisse nach Segmentresektionen belegt. Für diese Karzinome (<2cm, N0) stellt die anatomische Segmentresektion unter Beachtung der Indikationskriterien bereits den Standardeingriff dar. Es konnte gezeigt werden, dass nach minimalinvasiven anatomischen Segmentresektionen eine schnellere Erholung der Patienten und eine geringere Einschränkung der Lungenfunktion erreicht werden kann [917]. Insbesondere ältere Patienten und Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion scheinen von der Segmentresektion zu profitieren [917]; [918]. In einer Studie zu Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko zeigte sich ein größerer Sicherheitsabstand und eine vollständigere Lymphadenektomie in der Segmentresektionsgruppe im Vergleich zu atypischen Keilresektionen [920]. Bei Karzinomen >2cm konnte eine geringere Lokalrezidivrate im Vergleich zu Keilresektionen nachgewiesen werden [919]. Die Segmentresekion ist für Patienten mit einem NSCLC im Stadium II und eingeschränkter Lungenfunktion bzw. relevanten Co-Morbiditäten mit guten Ergebnissen möglich [919] und wird in klinischen Leitlinien empfohlen www.albertahealthservices.ca
Bei Patienten, die einer kurativen Resektion zugeführt werden, soll eine systematische Lymphknotendissektion nach ESTS-Kriterien erfolgen, um ein genaues Staging zu ermöglichen und um möglicherweise die Prognose zu verbessern.
Die Kriterien der ESTS (European Society of Thoracic Surgeons) hinsichtlich der intraoperativen Lymphadenektomie im Rahmen der onkologischen Resektion von Lungenkarzinomen basieren auf einem Konsensus unter Berücksichtigung relevanter Publikationen und den Erfahrungen / Meinungen der ESTS Mitglieder. Die Empfehlung für die hier betrachteten NSCLC im Stadium II/III ist eine systematische Lymphadenektomie die mindestens die Entfernung von 3 hilären und interlobären LK (N1) sowie 3 mediastinalen LK aus 3 verschiedenen N2-Stationen (darunter immer die Station7 - subkarinal) erfordert [921]. Zusammen mit den Empfehlungen zur histologischen Untersuchung der LK könnte so eine belastbare Grundlage für die Indikationsstellung zur adjuvanten Therapie und eine Vergleichbarkeit von Studien gewährleistet werden [921]. In einem randomisierten Vergleich (479 Patienten wurden randomisiert) zwischen systematischer Lymphadenektomie und LK-Sampling zeigte sich ein Vorteil im medianen Überleben von 59 Monaten gegenüber 34 Monaten zugunsten der Gruppe mit systematischer Lymphadenektomie [735]. In einem systematischen Review basierend auf 5 randomisierten Studien sowie Metaanalysen zeigte sich ein Vorteil hinsichtlich OS und perioperativer Letalität zugunsten der systematischen Lymphadenektomie im Vergleich zu einem LK-Sampling, bei tendentiell höherer Komplikationsrate im Zusammenhang mit der systematischen Lymphadenektomie [922]. Durch eine sich anatomisch am N. phrenicus und N. vagus orientierenden en-bloc-Resektion der mediastinalen Lymphknoten mit dem umgebenden Fettgewebe [923] kann eine vollständige Entfernung der Lymphknoten mit geringer Komplikationsrate erreicht werden [924].
Bei einer Pleurainvasion ohne tiefere Brustwandinfiltration kann eine extrapleurale Lyse erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Bei tieferer Brustwandinfiltration soll eine Vollwandresektion durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Etwa 10 % der resektablen, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome weisen eine Brustwandinfiltration auf. Ca. 60 % dieser Patienten weisen einen pN0 Lymphknotenstatus und ca. 40 % einen pN1 Lymphknotenstatus auf [636].
Die en-bloc-Resektion von Lungenkarzinomen mit Anteilen der Brustwand ist mit einer höheren Morbidität im Vergleich zu einfachen Lobektomien assoziiert [925]. Auf der anderen Seite ist die R0-en-bloc-Resektion entscheidend für das onkologische Outcome im Falle einer vorliegenden Brustwandinfiltration [742]. In der retrospektiven Studie von Downey et al. [742] lag die 5-JÜR nach R0-Resektion bei 32% (n=175) gegenüber 4% nach R1 oder R2-Resektion (n=94). Allerdings wurden in dieser Studie auch die Tiefe der Brustwandinfiltration und die Lk-Beteiligung als wichtige Prognosefaktoren herausgearbeitet. Hinsichtlich der OP-Technik erscheint eine extrapleurale Auslösung (Lyse) ausreichend, sofern eine R0-Resektion erreicht werden kann. Die Unterscheidung zwischen chronisch entzündlichen Verwachsungen und einer Infiltration der Strukturen durch das Karzinom kann im Einzelfall schwierig sein [925] In einer retrospektiven Analyse wurden 63 Patienten mit einer extrapleuralen Auslösung und 47 Pateinten mit einer en-bloc-Brustwandresektion verglichen. Wesentlicher negativer Prognosefaktor waren Lymphknotenmetastasen (sowohl N1 als auch N2). Für Patienten mit einer N0-Situation zeigte sich ein Überlebensvorteil nach Brustwandresektion [926]. Operationstechniken mit erweiterter Resektion von Brustwandstrukturen unter Erhalt der Rippen wurden beschrieben [927]. Zusammenfassend ist die en-bloc-R0-Resektion prognostisch entscheidend. Sofern Zweifel an der sicheren R0-Resektion durch eine extrapleurale Auslösung bestehen, sollte die vollständige Brustwandresektion durchgeführt werden.
Bei allen NSCLC-Patienten mit Resektion im Stadium II/III soll das Thorax-Onkologische Tumorboard den detaillierten R-Status im Bereich der Lymphknoten und lokal (IASLC-Klassifikation) betrachten und die lokalen und systemischen Rezidivrisiken betrachten und eine Empfehlung zu einem multimodalen Therapiekonzept unter Evaluation lokaler Verfahren (Nachresektion, Strahlentherapie) abgeben.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [802] [928] [929] [930] [931] [932] [933] [934] [935] [936] [727] [456] [732] [794] [937] [938]
Änderungshinweis
Für Patienten mit inkompletter Resektion soll primär die Möglichkeit einer Nachresektion geprüft werden. Sofern keine R0-Resektion sinnvoll zu erzielen ist, soll innerhalb eines multimodalen Gesamtkonzeptes nach Indikationsstellung im Thorax-Onkologischen Tumorboard eine postoperative Strahlentherapie angeboten werden.NSCLC-Patienten mit postoperativem Stadium II/III (ohne EGFR- oder ALK-Alteration) und R0-Resektion, ohne neoadjuvante Vorbehandlung, soll - bei fehlenden Kontra-Indiktionen - eine adjuvante Kombinationschemotherapie angeboten werden. Die Chemotherapie soll nach Abschluss der Wundheilung innerhalb von 60 Tagen nach Resektion erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [939] [940] [941] [942] [943] [944] [945] [774] [808] [781] [946] [784] [785] [947]
Änderungshinweis
Beim NSCLC im Stadium III mit inzidentellem N2-Status (IIIA1 bzw. IIIA2) soll nach kompletter Resektion (R0) und systematischer Lymphknotendissektion, bei fehlender Kontraindikation, eine adjuvante Kombinationschemotherapie erfolgen. Die Chemotherapie soll nach Abschluss der Wundheilung innerhalb von 60 Tagen nach Resektion erfolgen.Evidenztabellen (1)
Postoperative Chemotherapie NSCLC Stadium IIIDie adjuvante Chemotherapie beim NSCLC im Stadium II/III sollte bei fehlender Kontraindikation als eine cisplatinhaltige Kombination über 4 Zyklen erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [802] [942] [943] [948] [949] [950] [951] [952] [953] [954] [955] [956] [957] [958] [959] [960] [961] [781] [946] [784] [785] [962] [963] [835] [964] [947]
Änderungshinweis
Die adjuvante Chemotherapie beim NSCLC im Stadium IIIA1 und IIIA2 soll bei fehlender Kontraindikation als eine cisplatinhaltige Kombination über 4 Zyklen erfolgen. Nur bei Kontraindikation gegen Cisplatin soll der Einsatz von Carboplatin erwogen werden.Evidenztabellen (1)
Postoperative Chemotherapie NSCLC Stadium IIINur bei klaren Kontraindikation gegen Cisplatin bzw. erwartbarer schwerer Toxizität soll der Einsatz von Carboplatin erwogen werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [802] [942] [943] [948] [949] [950] [951] [952] [953] [954] [955] [956] [957] [958] [959] [960] [961] [781] [946] [784] [785] [962] [963] [835] [964] [947]
Änderungshinweis
Die adjuvante Chemotherapie beim NSCLC im Stadium IIIA1 und IIIA2 soll bei fehlender Kontraindikation als eine cisplatinhaltige Kombination über 4 Zyklen erfolgen. Nur bei Kontraindikation gegen Cisplatin soll der Einsatz von Carboplatin erwogen werden.Evidenztabellen (1)
Postoperative Chemotherapie NSCLC Stadium IIIBei Patienten mit NSCLC im Stadium II/III mit klinisch relevanter Komorbidität aufgrund der vorangegangenen Resektion oder vorbestehender Erkrankungen sollte die Durchführung einer adjuvanten Kombinationschemotherapie individuell geprüft und in einem interdisziplinär ausgerichteten Team mit entsprechender Erfahrung erfolgen.
Änderungshinweis
Bei Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA1 und IIIA2 mit klinisch relevanter Komorbidität aufgrund der vorangegangenen Resektion oder vorbestehender Erkrankungen sollte die Durchführung einer adjuvanten Kombinationschemotherapie individuell geprüft und in einem interdisziplinär ausgerichteten Team mit entsprechender Erfahrung erfolgen.Patienten mit NSCLC im Stadium II/III und einer aktivierenden EGFR-Mutation (nur Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R) soll nach primärer R0-Resektion und adjuvanter Chemotherapie eine adjuvante Therapie mit Osimertinib über 3 Jahre angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊕⊕⊝
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [790] [777]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA und einer aktivierenden EGFR-Mutation (nur Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R) soll nach primärer R0-Resektion und adjuvanter Chemotherapie eine adjuvante Therapie mit Osimertinib über 3 Jahre angeboten werden.Evidenztabellen (1)
Osimertinib -adjuvant NSCLC IB-IIIA -ADAURAPatienten mit NSCLC im Stadium II/III und einer aktivierenden EGFR-Mutation (nur Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R), bei denen nach primärer R0-Resektion keine adjuvante Chemotherapie durchgeführt werden kann, soll eine adjuvante Therapie mit Osimertinib über 3 Jahre angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊕⊕⊝
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [975] [777]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA und einer aktivierenden EGFR-Mutation (nur Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R), bei denen nach primärer R0-Resektion keine adjuvante Chemotherapie durchgeführt werden kann, soll eine adjuvante Therapie mit Osimertinib über 3 Jahre angeboten werden.Evidenztabellen (1)
Osimertinib -adjuvant NSCLC IB-IIIA -ADAURAPatienten mit NSCLC im Stadium II/III und einer ALK-Translokation sollte nach primärer R0-Resektion eine adjuvante Therapie mit Alectinib über 2 Jahre angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝ bis ⊕⊕⊝⊝
siehe Evidenzbericht
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [976]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA und einer ALK-Translokation sollte nach primärer R0-Resektion eine adjuvante Therapie mit Alectinib über 2 Jahre angeboten werden.Evidenztabellen (1)
Alectinib - Evidenzbericht ALINA StudiePatienten mit NSCLC im Stadium II/III mit einer PD-L1 Expression ≥ 50 % (ohne EGFR- oder ALK-Alteration) soll, nach primärer R0-Resektion und durchgeführter adjuvanter Chemotherapie, eine adjuvante Therapie mit Atezolizumab über 1 Jahr angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊕⊕⊝
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [892] [977]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA mit einer PD-L1 Expression ≥ 50 % (ohne EGFR- oder ALK-Alteration) soll, nach primärer R0-Resektion und durchgeführter adjuvanter Chemotherapie, eine adjuvante Therapie mit Atezolizumab über 1 Jahr angeboten werden.Evidenztabellen (1)
Atezolizumab, adjuvant nach OP NSCLC, IMpower010Patienten mit NSCLC im Stadium II/III (ohne EGFR- oder ALK-Alteration) sollte, nach primärer R0-Resektion und durchgeführter adjuvanter Chemotherapie, unabhängig vom PD-L1 Status eine adjuvante Therapie mit Pembrolizumab über 1 Jahr angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [978]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA (ohne EGFR- oder ALK-Alteration) sollte, nach primärer R0-Resektion und durchgeführter adjuvanter Chemotherapie, unabhängig vom PD-L1 Status eine adjuvante Therapie mit Pembrolizumab über 1 Jahr angeboten werden.Für Patienten mit R0 Resektion und mediastinalem Lymphknotenbefall im NSCLC-Stadium III(N2a oder N2b) sollte zusätzlich zur adjuvanten Chemotherapie die Indikation zur postoperativen Mediastinalbestrahlung individuell geprüft aber nicht routinemäßig gestellt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [979] [980] [981] [982] [983] [984] [985]
Änderungshinweis
Für Patienten mit R0 Resektion und mediastinalem Lymphknotenbefall im NSCLC-Stadium IIIA1 bzw. IIIA2 sollte zusätzlich zur adjuvanten Chemotherapie die Indikation zur postoperativen Mediastinalbestrahlung individuell geprüft aber nicht routinemäßig gestellt werden.Patienten mit NSCLC im Stadium II soll nach R0-Resektion eine adjuvante Strahlentherapie nicht angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrund kurative Resektion siehe Kapitel 8.3.2
Hintergrund Resektionsstatus
Kontrollierte Studien für diese seltene Situation und des Randomisierungshindernisses für einen Kontrollarm existieren nicht. Wichtiges Ziel und Ergebnis der prätherapeutischen, interdisziplinären Absprachen und Konzeptplanung in den zertifizierten Zentren ist, die Zahl der inkompletten Resektionen weiter zu reduzieren [986], [987], [988].
Bei Vorliegen einer R1- oder R2-Resektion soll in der interdisziplinären Gruppe der Tumorkonferenz eine gemeinsame Entscheidung basierend auf dem intraoperativen Befund sowie dem pathologischen Befund des Resektates für das mögliche weitere Vorgehen erfolgen [937]. Der Operateur soll in Absprache mit dem Pathologen evaluieren, ob eine radikalere Nachresektion möglich ist [928], [929], [456]. Zweiteingriffe sind nicht einfach. Dennoch können Nachresektionen wie Bilobektomien oder Pneumonektomie in Einzelfällen sinnvoll und machbar sein [456]. Wegen des Stadiums III muss auch gemeinsam mit dem thorakalen Onkologen die anschließende Durchführbarkeit einer adjuvanten Chemotherapie bejaht werden. Adjuvante Chemotherapie nach Pneumonektomie ist prinzipiell möglich, aber nicht unproblematisch [930], [931]. Der Patient soll in diese Entscheidungen transparent eingebunden werden.
Im Falle einer inkompletten Resektion soll ebenfalls interdisziplinär in der Tumorkonferenz eine postoperative Strahlentherapie diskutiert werden [937], [928]. In einer monoinstitutionellen Auswertung aus China hatten 113 von 1547 Patienten im Stadium IIIA-N2 eine R+ Resektion, davon waren 76 Patienten R1. Das mediane Überleben betrug 52 Monate für Patienten mit Nachbestrahlung versus 22 Monate für Patienten ohne Lokaltherapie. Patienten mit R2 Resektion profitierten nicht. In der Registerstudie des NCI (3395 Patienten mit R1 Resektion zwischen 2005 und 2011) erhielten 1207 Patienten eine postoperative Bestrahlung zwischen 50 und 74 Gy. Unabhängig vom Lymphknotenstatus war das Überleben in der bestrahlten Gruppe signifikant besser (5-Jahres-Überleben 32.4% versus 23.7 %; HR 0.8 (CI 0.7 – 0.92) [ Wang EH]. In einer Fallserie aus Warschau(81 bestrahlte Patienten nach R1 Resektion) betrug die In-Feld Kontrolle 85 % bei einem 3 Jahresüberleben von 36 %. Isolierte, angrenzende Lymphknotenrezidive waren erhöht, wenn nur die R1-Region bestrahlt wurde.
Derzeit typische Vorgehensweisen sind die Durchführung der adjuvanten Chemotherapie über vier Zyklen und danach sequentiell die Gabe einer alleinigen Radiotherapie von 50-60 Gy über fünf bis sechs Wochen [932], [933]. Bei Überwiegen des lokalen Risikos kann eine umgekehrte Sequenz oder ein simultanes Vorgehen diskutiert werden. Solche Entscheidungen können nur individuell unter Abwägung der Strahlentherapierisiken vorgenommen werden. Eine nordamerikanische randomisierte Studie im operierten Stadium IIIA(N2), die eine alleinige postoperative Bestrahlung mit einer simultanen, platinbasierten Radiochemotherapie verglich ergab keinen Unterschied zwischen den Studienarmen, jedoch ein 5-Jahres Überleben von 35 %. In dieser Studie wurde postoperativ die Radiotherapie simultan zur Chemotherapie eingesetzt [732]. In der Langzeitnachbeobachtung waren interkurrente Todesfälle nicht erhöht [794].
Die enge Absprache zwischen Operateur und Strahlentherapeut kann die Komplikationsrate der postoperativen Radiotherapie im Vergleich zu alten Daten, die meist aus den 90er Jahren stammen, deutlich reduzieren. [938], [934], [935], [936].
Hintergrund adjuvante Chemotherapie
Insgesamt ist die präoperative Diagnostik in den letzten zehn Jahren durch die flächendeckende Einführung des PET-CT sowie die deutlich häufigeren Möglichkeiten des endobronchialen Ultraschalls in Deutschland eindeutig exakter geworden [939], [940], [989], [990], [941]. Dies bedeutet, dass man bei deutlich weniger Patienten erst intraoperativ oder nach der Aufarbeitung der Resektate der mediastinalen Lymphadenektomie (LAD) einen mediastinal ipsilateralen Lymphknotenbefall mikroskopisch oder makroskopisch bestätigt bekommt [990], [941]. Die Selektion dieser Patienten lässt mittlerweile hoffen, dass durch ein multimodales Vorgehen in dieser Situation durchaus sehr günstige Langzeitergebnisse zu erwarten sind [941], [808]. Seit der Publikation der LACE-Metananalyse ist klar, dass diese Patienten postoperativ im optimalen Fall einer adjuvanten Chemotherapie bedürfen [781], [942], [991], [784], [785], [947], [774].
Die LACE-Metaanalyse fasste die wichtigsten in den 90er/2000er Jahren mit moderner supportiver und antiemetischer Therapie durchgeführten Studien zur adjuvanten Chemotherapie nach kompletter Tumorresektion versus Best Supportive Care zusammen [781], [942], [991], [784], [785], [947], [774], [943].
Im Stadium II und III waren die Daten für die postoperative Chemotherapie signifikant, so dass bei Patienten mit makroskopischem oder mikroskopischem N2 intraoperativ – über die wir hier in dieser Stellungnahme reden - die Empfehlung eindeutig zu einer adjuvanten Chemotherapie ausgesprochen werden kann. Das Zeitfenster von 60 Ta-gen ergibt sich aus den Einschlusskriterien aller Phase-III Studien, die jeweils bei zwei Monaten/60 Tagen von der Operation bis zum Beginn der adjuvanten Chemothera-pie-Applikation lagen [774]. Für einen späteren Beginn der adjuvanten Chemotherapie gibt es aus der Datenlage der randomisierten Studien keine valide Evidenz, allerdings die doch sehr interessanten Daten aus einer großen Propensity Score Matched Vergleichsanalyse in einem retrospektiven Kollektiv [944]. Man sollte also in so einer Situation die Entscheidung zur adjuvanten Chemotherapie sehr individuell gestalten und immer überlegen, ob alternativ auch ein eher engmaschiges Nachsorgeschema möglich ist, um ein Rezidiv der Erkrankung möglichst frühzeitig zu entdecken und dann eine First-line Therapie für eine metastasierte Erkrankung zu wählen gegebenenfalls unter Einschluss von lokal-therapeutischen Maßnahmen je nach Ausdehnung und Lokalisation des Rezidivs [945].
Hintergrund adjuvante Chemotherapie, Wahl der Substanzen
Cisplatin ist und bleibt die wichtigste zytostatische Substanz, die vor allem in der Kuration der Hodentumoren beim Mann eine herausragende Bedeutung hat und ohne deren Einsatz die dort mögliche Kuration in 98% der Patienten nie möglich geworden wäre [948], [949], [950], [951]. Worauf genau diese hohe Effektivität dieser Substanz bei dem geschilderten Tumor letztendlich beruht, ist heute immer noch nicht abschliessend geklärt [950], [951]. Dennoch gab und gibt es auch beim Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom Hinweise zur hohen Effektivität des Cisplatin gegenüber seinem Derivat, dem Carboplatin.
- In der metastasierten Erkrankung ergeben Cisplatin-haltige Kombinationen versus Carboplatin-basierte Kombinationen signifikant höherer Remissionsergebnisse (Metaanalyse Ardizzoni et al - basierend auf individuellen Patientendaten) [964]
- Bei neueren Substanzkombinationen aus Platin + Neue Substanz ist in dieser Meta-Analyse in der metastasierten Situation auch ein signifikanter Überlebensvorteil durch die Cisplatin-basierte Kombination darstellbar [964].
- Cisplatin wirkt bei Tumorzellen auch auf G0-Zellen (außerhalb des Zyklus, nicht proliferierend) zytotoxisch [952].
Alle diese Punkte lassen es sinnvoll erscheinen, dass in der adjuvanten Chemotherapiesituation - bei einem Einsatz gegen die minimal-residuelle Erkrankung - die Cisplatin-basierte Therapiekombination den Vorzug erhalten sollte.
In der Tat konnte die LACE-Meta-Analyse genau diesen Punkt herausarbeiten. Für einen Benefit beim Gesamtüberleben war besonders eine kumulative Cisplatin-Dosis von 300 mg/m2 notwendig (Subgruppenanalyse) [947]. Basierend auf diesen Daten ist die weiterhin bestehende Empfehlung zur adjuvanten Chemotherapie basiert auf Cisplatin-kombinationen eindeutig.
Die aktuelle Empfehlung kann deshalb nur Cisplatin-basierte Kombinationen zum Einsatz in der adjuvanten Chemotherapie umfassen.
Die einzige Studie, die Carboplatin/Paclitaxel primär in dieser Situation geprüft hat (CALGB-Studie), ist prompt negativ bezüglich des Überlebensendpunktes verlaufen und nur eine Subgruppenanalyse von Patienten mit Tumoren über 4 cm zeigte einen gewissen positiven Effekt der Chemotherapie [943]. Dennoch bestand in allen randomisierten Studien mit primärem Cisplatineinsatz unisono die Option bei Intoleranz der Cisplatintherapie auf die Carboplatin-Kombination zu wechseln [781], [942], [946], [784], [785].
Mit den heutigen Standards der Antiemese und der Hyperhydratation als Supportion unter Cisplatin sowie der einfachen Möglichkeit der Splittung der Cisplatin-Dosis auf zwei bis drei geteilte Dosierungen (33-50 mg/m2) sollte allerdings die Compliance zur Cisplatintherapie deutlich zugenommen haben [784], [785]. Wir würden heute eher die höheren Cisplatindosierungen an einem Tag verlassen (80-100 mg/m2) und dafür Tag 1 und Tag 8 Applikationen präferieren (50 mg/(m2 d 1+8) oder Dreitagesregime durchführen (33 mg/m2 d1,d2,d3) [784], [785], [953], [954], [835], [955], [802], [963], [956]. Bei anderen soliden Tumoren sind solche Applikationsweisen des Cisplatin bereits seit den 80er Jahren voll akzeptiert und anerkannt [992], [961], [957], [958]. Beim Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom spricht nichts dagegen, die Cisplatingabe entsprechend zu modifizieren. Einzelne Studien in der Adjuvanz (NCI-Canada-Studie) haben dieses Vorgehen bereits sehr erfolgreich und mit hoher Patientencompliance und letztlich auch mit hervorragenden Überlebendsdaten vorgeführt [784].
Typische Regime zur postoperativen Chemotherapie als adjuvante Chemotherapie sind die Kombinationen aus Cisplatin und Vinorelbin und die (alte) Kombination aus Cisplatin und Etoposid. Cisplatin und Pemetrexed ist leider für diese Indikation nicht zugelassen worden [784], [959], [960]. Bisher ist nur eine randomisierte Phase-II Studie für diese Kombination publiziert worden, aus deren Daten natürlich keine validen Survival-Ergebnisse abgeleitet werden können. Die zusätzliche Einführung einer antiangiogenetischen Substanz (Bevacizumab) ist in einer grossen randomisierten Phase-III Studie getestet worden [962]. Es ergab sich kein Benefit für die Zugabe von Bevacizumab zu einer Cisplatin-basierten Kombinationschemotherapie, so dass der Standard Cisplatin + X (Vinorelbin) sich hiernach aktuell auch nicht geändert hat [947], [784].
Da die momentane Situation an den Deutschen Lungenkrebszentren relativ klar aufzeigt, das die Durchführung der adjuvanten Chemotherapie nach kompletter Resektion im Wesentlichen aufgrund von relevanten Comorbiditäten (kardial, vaskulär, pulmonal, endokrin, Infektion, verzögerte operative Wundheilung, operative und postoperative Kompliktionen)nur in zirka 35 bis 65% der Patienten wirklich stattfindet, macht es dennoch Sinn, bei solchen Patienten auch die primäre Gabe einer Carboplatinkombination zu erwägen [964]. So ein Vorgehen sollte aber Einzelfall, und nicht die Regel sein.
Hintergrund adjuvante Chemotherapie bei Komorbidität
Charakteristisch für das operierte Lungenkarzinom im Vergleich zu anderen operierten soliden Tumoren (z.B. Mammakarzinom, Kolonkarzinom, Ovarialkarzinom) ist das deutlich höhere mediane Alter der Behandlungskollektive und die Anzahl und klinische Bedeutung der vorhandenen Komorbiditäten der Patienten [989][987][988][937][937]. Da weiterhin mehr als 85% der Lungenkarzinompatienten eine jahrelange Raucheranamnese besitzen, stehen im Vordergrund pulmonale Grunderkrankungen (COPD, Emphysem) und kardiale Befunde (KHK) [993].Wenn man hierzu die aktuellen Daten der Deutschen Lungenkrebszentren zu Rate zieht, wird klar, das nur etwa ein Anteil von 35 bis ca. 65% der Patienten nach kompletter Resektion in den entsprechenden Stadien letztlich wirklich eine adjuvante Chemotherapie erhält [989][987][988][937]. Faktoren, die hier eine relevante Rolle spielen, sind einerseits der Wunsch des Patienten, andererseits aber auch die ganz objektive Einschätzung des potentiellen Risikos einer adjuvanten Chemotherapie (z.B. Sepsis, Pneumonie, Lungenembolie, Herzinfarkt, Schlaganfall) durch das behandelnde interdisziplinäre Team.
Insbesondere ist auf allgemeine Risiken wie eine stark eingeschränkte kardiopulmonale Reserve, die jede komplikationsträchtige Zusatztherapie verbietet und spezifische Risiken abzuheben:
- Niereninsuffizienz und Cisplatin/Pemetrexed
- Diabetes mellitus und Taxan/Pemetrexed (wenn keine höherdosierten Kortikosteroide möglich sind)
- Embolien oder Thrombosen und Vinorelbin
- Pneumonitis / COPD und Gemcitabin
Es versteht sich, dass eine Entscheidung interdisziplinär zu fällen ist. In den zertifizierten Zentren wird in der gemeinsamen Tumorkonferenz durch Onkologen, Pneumologen, Strahlentherapeuten, Thoraxchirurgen und Radiologen eine gemeinsame Absprache vorgenommen [994]. Anhand dieses Votums wird dann der Patient aufgeklärt und ihm die Durchführung einer adjuvanten Chemotherapie nahegelegt oder alternativ abgeraten. Bei den Patienten mit hohen Risiken für Komplikationen muss natürlich die Kuration durch die adjuvante Chemotherapie mittlerweile auch – im Falle eines Rezidivs – einer möglichen Langzeitbehandlung durch Immuntherapie oder molekular-gezielter Therapie gegenübergestellt werden [974], [966], [967], [972], [965], [968]. Bei den Patienten, bei denen eine adjuvante Therapie nicht durchgeführt wird, sollte deshalb mittlerweile auch eine enge Überwachung durchgeführt werden, damit auftretende Rezidive frühzeitig erneut behandelt werden können und eine zwar „palliativ“ intendierte systemische Behandlung durchaus noch jahrelanges Überleben bei guter Lebensqualität möglich machen kann [973], [969], [970], [971]. Postoperative Komplikationen nach der Resektion können den frühzeitigen Beginn der adjuvanten Chemotherapie innerhalb des 60-Tage-Zeitfenster eventuell unmöglich machen. Auch hier sollte dann als Alternative eine engmaschige Nachsorge angeschlossen werden, ohne den Patienten unkalkulierbaren Infektionsrisiken oder erneuten Komplikationen auszusetzen. Bei späterer Evaluation zur adjuvanten Chemotherapie als nach 60 Tagen kann dies nur basierend auf einer sehr individuellen Einzelfallentscheidung geschehen (siehe Zitate und Abschnitt unter F10). Da die adjuvante Chemotherapie bereits seit zirka 2008 zum Standard beim R0-resezierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom geworden ist und die zertifizierten deutschen Lungenkrebszentren seit zirka 2009 dies auch anhand der Daten evaluieren, ist in den größeren Zentren mittlerweile auch eine ausreichende Kompetenz der Einschätzung dieser sensiblen Entscheidung vorhanden [995][989][987][988].
Hintergrund adjuvante zielgerichtete Therapie
Mit Osimertinib ist im Mai 2021 auch der erste Tyrosinkinaseinhibitor als adjuvante Therapieoption durch die EMA zugelassen worden: Die Phase III Studie ADAURA [900] untersuchte bei 682 NSCLC Patienten im Stadium Ib-IIIA und nachgewiesener EGFR-Mutation (Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R) den adjuvanten Einsatz von Osimertinib nach ggfs Durchführung einer adjuvanten platinhaltigen Chemotherapie gemäß Standard of Care. In der ersten Datenauswertung nach einem medianen Nachbeobachtungszeitraum von 22,1 Monaten für Osimertinib-behandelte Patienten wurde das primäre Studienziel, die Verbesserung des Krankheits-freien Überlebens im Stadium II-IIIA signifikant erreicht (hazard ratio 0,17; 99,06% CI, 0,11-0,26; P<0,001). Das Ausmaß der Verbesserung des DFS im Stadium IB war etwas geringer (hazard ration 0,39; 95% CI 0,18-0,76). Nach zwei Jahren waren 89% der Patienten in der mit Osimertinib behandelten Studie am Leben und krankheitsfrei gegenüber 53% unter Placebo. Konsistente DFS-Ergebnisse wurden in allen Untergruppen beobachtet, einschließlich Patienten, die mit einer Operation mit anschließender Chemotherapie behandelt wurden, und Patienten, die nur eine Operation erhielten, sowie bei asiatischen und nicht-asiatischen Patienten. Auch das 5-Jahres Gesamtüberleben war signifikant verbessert (hazard ratio 0,49; 85% versus 73%) in der Patientengruppe im Stadium II-IIIA. In der Gesamtpopulation (Stadium IB-IIIA) war der Überlebensvorteil ähnlich (hazard ratio 0,49) [777]. Die Sicherheit und Verträglichkeit von Osimertinib in dieser Studie war konsistent mit früheren Studien im metastasierenden Setting. Unerwünschte Ereignisse des Grades 3 oder höher aller Ursachen traten nach Einschätzung des Forschers bei 10% der Patienten in der Osimertinib-Gruppe gegenüber 3% in der Placebo-Gruppe auf. Aufgrund der Zulassung ist nun die molekulare Testung auf EGFR-Mutationen (Exon 19 Deletion, Exon 21 L858R) auch in den frühen Stadien zwingend notwendig.
Mit Alectinib wurde im Juni 2024 der erste ALK-Inhibitor für die adjuvante Therapie bei ALK positiven NSCLC Patienten zugelassen. Die Zulassung beruht auf der ALINA-Studie, eine Phase III Studie, die bei 257 Patienten mit NSCLC im Stadium IB-IIIA (7. TNM Klassifikation) und EML-ALK Translokation nach kompletter Resektion randomisiert eine adjuvante, Platin-basierte Chemotherapie mit einer 2-jährigen Therapie mit Alectinib verglich. Als Chemotherapie waren die Kombinationen Cisplatin/Pemetrexed, Cisplatin/Vinorelbine oder Cisplatin/Gemcitabine erlaubt; allerdings wurden basierend auf Erfahrungen der Profile 1007-Studie, die die Überlegenheit von Pemetrexed gegenüber Docetaxel eindrücklich aufzeigte, 80% der Patienten mit Platin/Pemetrexed behandelt. Die Phase III JIPANG-Studie zeigte zudem die Überlegenheit einer adjuvanten Chemotherapie mit Cispaltin/Pemetrexed versus Cisplatin/Vinorelbine bei Stadium II-IIIA nicht-squamösen NSCLC Patienten mit Verbesserungen des medianen Progressionsfreien Überlebens um 5,9 Monate (hazard ratio 0,95) und des 5-Jahres Gesamtüberlebens von 87% versus 75%. In der ALINA-Studie wurde der primäre Endpunkt (Krankheits-freies Überleben) bei einem medianen Follow-up von 29,95 Monaten für die Gesamtpopulation erreicht (Stadium IB-IIIA 7. TNM-Klassifikation, hazard ratio 0,24 (95%, CI 0,13-0,43; p<0,001); 3-Jahres DFS 88,7% versus 54,0%). Die Verbesserung des DFS wurde in allen Stadien beobachtet (Stadium IB: harzard ratio 0,21; Stadium II: 0,24; Stadium IIIA: 0,25), wobei im Stadium IB nur 20 Patienten eingeschlossen waren. Auch das ZNS-spezifische Krankheitsfreie Überleben war deutlich besser (hazard ratio 0,22). Es gab keine neuen Sicherheitsaspekte [976].
Auch für diese Patientengruppe mit molekularer Treiberalteration ist damit die adjuvante Therapie mit einem niedermolekularen spezifischen Alk-Inhibitor (Alectinib) deshalb zur Standardbehandlung geworden. Patienten mit kompletter Resektion in den Stadien IB bis IIIA sollten deshalb auf jeden Fall vor Therapieentscheidung routinemäßig auf das Vorliegen von ALK-Translokationen getestet werden.
Hintergrund adjuvante Checkpointinhibitortherapie
Für die adjuvante Therapie nach kompletter Resektion eines NSCLC sind die Check-pointinhibitoren Atezolizumab (basierend auf den Daten der IMpower010-Studie [892]; [977]; [996] und Pembrolizumab (basierend auf den Daten der KEYNOTE-091-Studie [978] zugelassen.
Die IMpower010-Studie ist eine randomiserte, open-label Phase-III-Studie, in der 1005 Patienten mit komplett reseziertem NSCLC in den Stadien IB bis IIIA nach obligatorischer cisplatin-basierter Chemnotherapie (ITT-Population) randomisiert wurden zur Gabe von Atezolizumab für ein Jahr oder zu best supportive care. Primärer Endpunkt war das vom Investigor erhobene DFS. Das DFS wird hierarchisch getestet: zunächst (a) in den Stadien II und IIIA mit einer PD-L1-Expression von mindestens 1%, dann (b) in allen Stadien II und IIIA und schließlich (c) in der ITT-Population. Wichtige sekundäre Endpunkte waren das OS in der ITT-Population und das DFS in den Stadien II und IIIA mit einer PD-L1-Expression von mindestens 50%.
In der ersten Interimsanalyse fand sich das DFS (a) in den Stadien II und IIIA mit einer PD-L1-Expression von mindestens 1% mit einer stratifizierten HR von 0,66 (95% CI 0,50–0,88; p=0,0039) und (b) in allen Stadien II und IIIA mit einer HR von 0,79 (0,64–0,96; p=0,020) signifikant verlängert, während (c) das DFS für die ITT-Population die Signifikanz nicht erreichte [892]. Auch in der finalen DFS-Analyse war dieses in der ITT-Population nicht signifikant. Ebenso das OS war in dieser Interimsanalyse nicht signifikant verlängert [996]. In dieser jüngsten Analyse fand sich für die Stadien II und IIIA mit einer PD-L1-Expression von mindestens 50% die unstratifizierten HR für das DFS mit 0,48 (95%CI, 0,32-0.72) und für das OS mit 0,47 (95%CI, 0,28-0,77). Nach Ausschluss der Tumore mit onkogener EGFR- und ALK-Alteration betrugen diese HR 0,49 (95% CI, 0,32-0,75) bzw 0,44 (95% CI, 0,26-0,74) [996].
Atezolizumab ist zur adjuvanten Therapie des NSCLC nach kompletter Resektion und nach platinbasierter Chemotherapie bei hohem Rezidivrisiko zugelassen für Tumore, die und eine PD‑L1‑Expression von mindestens 50% auf denTumorzellen aber keine onkogene EGFR- oder ALK-Alteration aufweisen.
Die KEYNOTE-091-Studie ist eine radnomiserte, dreifach blinde Phase-III-Studie, in der 1177 Patienten mit komplett reseziertem NSCLC in den Stadien IB (ab 4 cm Durchmesser) bis IIIA nach erfolgter platin-basierter Chemnotherapie oder ohne Che-motherapie (ITT-Population) randomisiert wurden zur Gabe von Pembrolizimab oder Plazebo für ein Jahr. Duale primäre Endpunkte waren das DFS in der Gesamtpopulati-on und das DFS bei Tumoren mit einem PD-L1-TPS von mindestens 50% [978].
Das DFS in der Gesamtpopulation war in der vorliegenden Interimsanalyse mit einer HR von 0,76 [95% CI 0,63–0,91], p=0,0014 signifikant verlängert. In der Population mit einem PD-L1-TPS von mindesten 50% war das DFS nicht signifikant verlängert (HR 0,82 [95% CI 0,57–1,18]; p=0,14). Die Subguppenanalyse zeigt, dass nur Patienten nach adjuvanter Chemnotherapie von der Therapie mit Pembrolizumab profitieren.
Pembrolizumab ist zur adjuvanten Therapie des NSCLC nach kompletter Resektion und nach platinbasierter Chemotherapie bei hohem Rezidivrisiko zugelassen.
Hintergrund postoperative mediastinale Radiotherapie
Eine postoperative Bestrahlung im Stadium III mit N2-Befall führt zu einer signifikanten Reduktion lokoregionärer Rezidive. Ein Überlebensvorteil für unselektionierte Kollekti-ve ist jedoch nicht gesichert. Historisch hatten die PORT-Metaanalyse [984] sowie spätere Daten gezeigt, dass das Risiko eines Lokalrezidives unter der postope-rativen Radiotherapie bei N2-Situation vermindert werden kann [979]. Nach Erfolgen der perioperativen Chemotherapie in den 2000er Jahren wurde die Frage der adiuvanten Bestrahlung erneut aufgeworfen, da aufgrund konkurrierender Risiken bei Verbesserung der systemischen Kontrolle das lokale Risiko wieder stärker in den Vordergrund rücken könnte.
In den Studien zur neoadjuvanten Chemotherapie von Patienten im Stadium IIIA be-trägt die Rate kompletter Resektionen unter den operierten Patienten 70-85% [997], [992], [998]. Isolierte lokoregionale Rezidive wurden nach neoadjuvanter Chemotherapie und Operation in 25-30% beobachtet, wobei 16-21% der Patienten in diesen Studien eine postoperative Strahlentherapie bei Vorhandensein von Risikofak-toren erhalten haben [992], [998], [999]. Die postoperative Strahlentherapie senkt nach der Metaanalyse randomisierter Studien von Billiet die Häufigkeit lokoregi-onaler Rezidive bei Patienten im Stadium IIIA deutlich, um etwa die Hälfte [999]. Dies wird auch durch neuere, randomisierte Studien zur postoperativen Chemothera-pie versus Chemotherapie und Strahlentherapie bei Patienten mit komplett resezier-ten NSCLC im Stadium IIIA [1000], [1001] bestätigt. In der ANITA-Studie zur postope-rativen Chemotherapie wurde die postoperative Strahlentherapie im Stadium IIIA nach einer grundsätzlichen Entscheidung jeder teilnehmenden Institution vor Beginn der Studie eingesetzt oder nicht eingesetzt, wobei 60% der Patienten im Stadium IIIA/pN2 eine postoperative Strahlentherapie erhielten. Insgesamt war nach postoperativer Strahlentherapie die Rate lokoregionaler Rezidive etwa halb so hoch wie ohne posto-perative Strahlentherapie [980]. Dies war aber eine ungeplante Subgruppenanalyse und kein randomisierter Vergleich. Auch eine retrospektive Auswertung auf dem Boden der National-Cancer Center-Database zeigte Vorteile für zusätzliche postoperative Radiotherapie [981]. Zudem ergab die Analyse der SEER Initiative - also ein sogenannter „Outcome Rese-arch“ Ansatz- mit 7465 zwischen 1988-2002 behandelten Patienten einen signifikan-ten Vorteil für die postoperative Bestrahlung im Stadium N2 bei nicht erhöhter Be-gleitmortalität [985]. In einer Metaanalyse der randomisierten Studien zur postoperativen Strahlentherapie konnte ein Vorteil bei breiter Anwendung auf alle komplett resezierten Patienten im Stadium IIIA nicht gefunden werden, wonach die postoperative Strahlentherapie nicht unselektioniert in diesem Stadium eingesetzt werden sollte [1002]. Allerdings flossen in diese Metaanalyse auch sehr alte Studien mit einer veralteten Strahlentherapietechnik ein. Für den einzelnen Patienten mit hohem individuellem, lokoregionalen Rückfallrisiko kann jedoch eine Risikoreduktion durch die postoperative Strahlentherapie sehr wohl von erheblicher Bedeutung sein.
In 2021 wurde durch die internationale Phase-III LUNG-ART Studie hierzu neue randomisierte Evidenz publiziert. Es wurden 501 Patienten mit N2-Erkrankung (komplett reseziert), überwiegend (96%) nach perioperativer Chemotherapie, in eine Weiterbehandlung mit Radiotherapie (54 Gy in 5.5 Wochen) versus BSC randomisiert. Bei knapp 40 % der Patienten erfolgte die N2-Diagnose erst postoperativ und in knapp 50% war nur eine Lymphknotenstation im Mediastinum betroffen [1003]. Die Studie ergab zwar einen hochsignifikanten Vorteil bezüglich der lokoregionären Rezidivfreiheit für die bestrahlte Gruppe (mediastinale Rezidive 25 vs. 46 %), jedoch keinen Überlebensvorteil. Die Rate nicht tumorbedingter Mortalität und die pulmonale Toxizität waren erhöht. Wichtige Diskussionspunkte zu dieser randomisierten Phase-III Studie sind allerdings in der weiteren wissenschaftlichen Aufarbeitung deutlich gewor-den. So ist das Gesamtkollektiv der Studie heterogen, insbesondere bezüglich des ini-tialen N2-Nachweises und der perioperativen Chemotherapie. Auch wurden viele Pati-enten mit aus heutiger Sicht veralteten Bestrahlungstechniken (89% 3D-CRT) behan-delt. Es wurde allerdings 2021 eine ähnliche chinesische Studie (PORT-C) zur postope-rativen Strahlentherapie bei Patienten mit pIIIA-N2 publiziert [1004], die unter Einsatz modernerer Bestrahlungstechniken ebenfalls keinen Vorteil der postoperativen Strahlentherapie bezüglich Gesamtüberleben zeigen konnte. Insgesamt wird aufgrund von sekundären Analysen vor allem die Dosisbelastung thorakaler Normalgewebe als Ursache dafür gesehen, dass der klare Vorteil der postoperativen Bestrahlung bezüglich der lokoregionären Kontrolle nicht zu einem Überlebensvorteil führte.
Eine obligate postoperative Bestrahlung für jedes N2 Stadium nach R0 Resektion ist aufgrund der obigen Datenlage nicht mehr als Standard anzusehen. Die internationale wissenschaftliche Diskussion nach Publikation der LungART-Daten, wie z.B. interdisziplinäre Übersichtsarbeiten [1005] oder eine decision-tree Analyse [1006] unter 22 internationalen radioonkologischen Experten ergibt jedoch weiterhin eine klare Empfehlung zur mediastinalen Strahlentherapie bei R+-Resektion (diese Situation wurde in der LungART-Studie nicht abgebildet). Die interdisziplinäre Falldiskussion im Tumorboard zur Indikationsstellung für eine adjuvante Mediastinalbestrahlung sollte zunächst das Vorliegen von Risikofaktoren wie extrakapsulärer nodaler Tumorextension, inkompletter Lymphadenektomie, Multilevel- N2- Befall, hoher mediastinaler Tumorlast (z.B. illustriert durch die Rate positiver vs. resezierter Lmyphknoten nahe 1), Befall des obersten disseziierten Lymphknotens, und Ineligibilität für eine adjuvante Systemtherapie evaluieren. Postoperative Risikofaktoren sind eine R1-R2 Resektion oder ein unsicherer R(un) Resektionsstatus [1007], [929]. Dabei führt ein Lymphknotenbefall mit extrakapsulärer Extension zu einem R1 Status. Folgende Kriterien führen zu einem R(un)-Status: weniger als 3 analysierte N1 oder N2 Lymphknoten; der höchste entfernte mediastinale Lymphknoten ist positiv; ein Carcinoma in situ am Bronchusabsetzungsrand; weniger Lymphknotenstationen wurden disseziert als bei einer Lappen-spezifischen Lymphknotendissektion. Auch ist die Anzahl von befallenen Lymphknoten oder das Verhältnis aus positiven zu entfernten Lymphknoten ein wichtiger Prognosefaktor für das Überleben [806], [1008], [1009].
Zudem sind zur Abwägung einer drohenden Normalgewebs-Toxizität cardiopulmonale Risikofaktoren in Betracht zu ziehen.
Das Zielvolumen richtet sich nach den postoperativ identifizierten Hochrisikoregionen. Billiet et al 2016 zeigten die Rezidivlokalisationen bei 150 Patienten im Stadium IIIA/N2 nach Induktionschemotherapie und Operation auf, wobei 86 Patienten eine postoperative Strahlentherapie erhielten [1010]. Die Rezidivlokalisationen entsprachen dem bekannten lappenspezifischen Lymphknotenbefallsmuster, wobei Rezidive im Level 7 bei allen Primärtumorlokalisationen mehr als 10% aller Rezidive ausmachten. Bei linksseitigen Unterlappentumoren fanden sich in 19% aller Rezidive kontralaterale Rezidive in Level 4R, was bei der Zielvolumenwahl Berücksichtigung finden kann. Insgesamt wurden bei 7 von 58 Patienten mit postoperativer Strahlentherapie regionale Rezidive außerhalb des Zielvolumens beobachtet, das auf den bronchialen Absetzungsrand, den ipsilateralen Hilus, die Lymphknotenstation 7 und die befallenen Lymphknotenstationen gerichtet war. Die Risikoregionen für regionale Rezidive lagen in dem vom Sitz des Primärtumors abhängigem, Lungenlappen-spezifischen Lymphabflussgebiet [1010]. Insgesamt soll die postoperative Strahlentherapie eng an die Region mit hohem Risiko angepasst werden, um Toxizitäten zu minimieren. Hierzu gehört auch der Einsatz der intensitätsmodulierten Strahlentherapie, um den Hochdosisbereich eng an das Zielvolumen anzupassen und damit das Risiko einer Pneumonitis oder Herzbelastung zu minimieren [1011]. Während die Analysen der Daten des „Surveillance, Epidemiology, and End Results“ (SEER) Registers oder der „International Association for the Study of Lung Cancer“ (IASLC) keine Hinweise auf eine Übersterblichkeit an kardiopulmonalen Ursachen nach postoperativer Strahlentherapie gefunden haben [1012], [1013], gab es Hinweise darauf aus der Adjuvant Navelbine International Trialist Association Studie und der LungArt Studie [980], [983].
Bezüglich der Dosierung der postoperativen Strahlentherapie in konventioneller Fraktionierung wurden in den verschiedenen Studien Gesamtdosen von 50-56 Gy am häufigsten verwendet [983], [1000], [1001], [1010], NSCLC Meta-analysises Collaborative Group 2010), wobei in den Studien mit simultaner postoperativer Strahlentherapie 50 Gy verwendet wurden. Nach R1/R2-Resektion und alleiniger postoperativer Strahlentherapie ist aber auch eine kleinvolumige Dosiserhöhung bis zu einer Gesamtdosis von 54-60 Gy vertretbar [1014].
8.5.3 NSCLC Stadium II und Stadium IIIA/IIIB – Multimodale Therapiekonzepte inklusive Operation
Beim NSCLC im Stadium II (N1) sollte interdisziplinär diskutiert werden, ob eine systemische, anti-neoplastische Induktionstherapie, gefolgt von Resektion, als alternative Therapieoption durchgeführt wird. Entscheidungskriterien sind Expression von PD-L1, Risiken R1/R2-Resektion, Komorbiditäten, Compliance-Einschätzung und Patientenwunsch.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
NSCLC-Patienten mit resektablen Tumoren im Stadium II (N1, und ohne EGFR- und ALK-Alteration) und Empfehlung einer Induktionstherapie, soll eine kombinierte Immunchemotherapie angeboten werden. Die Checkpointinhibitortherapie kann, abhängig vom Zulassungsstatus, postoperativ fortgesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- A/0
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Evidenztabellen (1)
Nivolumab plus Ipilimumab neoadjuvant, Evidenzprofil_Checkmate 816Patienten mit NSCLC im Stadium II soll nach R0-Resektion eine adjuvante Strahlentherapie nicht angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA/IIIB sollen, bei technischer und funktioneller und onkologischer Operabilität, multimodal behandelt werden. Derzeitige multimodale Optionen sind Konzepte mit Operation nach neoadjuvanter Therapie oder die definitive Radiochemotherapie ohne OP +/- Durvalumab oder Osimertinib je nach Zulassung.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [1015] [1016] [941] [1017] [1018] [1019] [1020] [1021] [863] [1022] [955] [992] [934] [1023] [1024] [1025] [1026] [1027] [1028] [1029] [1030] [1031] [1032] [462] [835] [938] [1033] [1034]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA3 und technischer und funktioneller Operabilität sollen multimodal behandelt werden. Derzeitige multimodale Optionen sind die definitive Radiochemotherapie +/- Durvalumab und die Operation nach neoadjuvanter Therapie.Wird bei Patienten mit NSCLC Stadium IIIA (N2a) im Rahmen einer Neoadjuvanz eine Phase alleiniger Chemotherapie eingesetzt, sollte präferentiell eine Kombination aus Cisplatin und einem Taxan eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Konsens (95%)
- Literatur
- [802] [955] [992] [1035] [1036] [1037] [1038]
Änderungshinweis
Wird bei Patienten mit NSCLC Stadium IIIA3 im Rahmen einer Induktion eine Phase alleiniger Chemotherapie eingesetzt, sollte präferentiell eine Kombination aus Cisplatin und einem Taxan eingesetzt werden.Evidenztabellen (1)
Neoadjuvante Chemotherapie NSCLC Stadium II/IIIBei NSCLC Patienten mit resektablen Tumoren im Stadium IIIA/IIIB (ohne EGFR- oder ALK-Alteration) und Empfehlung einer neoadjuvanten rein medikamentösen Induktionstherapie soll eine kombinierte Immunchemotherapie angeboten werden. Die Checkpointinhibitortherapie kann postoperativ, abhängig vom Zulassungsstatus, fortgesetzt werden.
Änderungshinweis
Bei NSCLC Patienten mit resektablen Tumoren im Stadium IIIA3 (ohne EGFR- oder ALK-Alteration) und Empfehlung einer medikamentösen Induktionstherapie soll eine kombinierte Immunchemotherapie angeboten werden. Die Checkpointinhibitortherapie kann abhängig vom Zulassungsstatus fortgesetzt werden.In den Subgruppen NSCLC T4N0 und T4N1 des Stadiums IIIA ist nach interdisziplinärer Evaluation im Thorax-Onkologischen Tumorboard je nach T4-Lokalisation auch die primäre Operation bzw. die Integration der Operation in das Gesamtbehandlungskonzept bei technischer und funktioneller Operabilität möglich. Dies sollte gegen die Vorteile eines neoadjuvanten Vorgehens abgewogen werden.
- Evidenzlevel
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [1039] [1040] [1041] [1042] [1043] [1044] [1045] [1046] [1047] [1048] [802] [1049] [1028] [956] [1050] [1051] [1052] [1053]
Änderungshinweis
In den Subgruppen T4N0 und T4N1 (jeweils Stadium IIIA) ist die primäre Operation bzw. die Integrationo der Operation in das Gesamtbehandlungskonzept bei technischer und funktioneller Operabilität möglich. Dies sollte gegen die Vorteile eines neoadjuvanten Vorgehens (siehe Empfehlungen 8.52 und 8.53) abgewogen werden.Bei primär eingeschmolzenen Tumoren sollten Risiken einer Radiochemotherapie oder einer neoadjuvanten Systemtherapie gegenüber denen einer primären Operation abgewogen werden.
Änderungshinweis
Bei primär eingeschmolzenen Tumoren sollten Risiken einer (Radio)chemotherapie gegenüber denen einer primären Operation abgewogen werden.Bei unsicherer Resektabilität im Stadium IIIB ist die definitive Radiochemotherapie + Durvalumab oder Osimertinib, je nach Zulassung, eine in kurativer Intention breit einsetzbare Behandlungsoption. Patienten mit NSCLC Stadium IIIB (N2a oder N2b) können bei interdisziplinär konsensueller Feststellung der technisch/funktionellen und onkologischen Operabilität multimodal unter Einschluss der Operation behandelt werden, sofern eine R0-Resektion sehr wahrscheinlich ist.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [882] [1057] [798] [1058] [1021] [863] [1049] [956] [1050] [1028] [1059] [802] [1060] [992] [835] [1061] [1062] [929]
Änderungshinweis
Für selektierte Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA4 / IIIB kann nach interdisziplinärer Evaluation im Thorax-Onkologischen Tumorboard ein multimodaler Behandlungsansatz unter Integration der Operation erfolgen, sofern eine R0 Resektion sehr wahrscheinlich ist.Bei alleiniger neoadjuvanter rein medikamentöser Therapie sollte nach Operation und R0-Resektion eines NSCLC im Stadium III eine Evaluation im Thorax-Onkologischen Tumorboard und bei erhöhtem lokoregionärem Rezidivrisiko eine mediastinale Radiotherapie erfolgen. Die Dosis sollte 50-54 Gy in 5-6 Wochen betragen.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [992] [998] [999] [1000] [1001] [983] [980] [1002] [1010] [1011] [1012] [1013] [1007] [929] [809] [1008] [1009]
Änderungshinweis
Bei alleiniger Induktionschemotherapie sollte nach Operation und R0-Resektion eines NSCLC im Stadium IIIA3 eine Evaluation im Thorax-Onkologischen Tumorboard und bei erhöhtem lokoregionärem Rezidivrisiko eine mediastinale Radiotherapie erfolgen. Die Dosis sollte 50-54 Gy in 5-6 Wochen betragen.Hintergrund multimodale Therapiekonzepte
In der Checkmate 816 Studie wurden die Rezidivlokalisationen bei den Patienten weiter analysiert, die eine definitive Operation erhalten haben. Für Patienten im Stadium IIIA betrug die Häufigkeit loko-regionaler Rezidive nach Chemo-Immuntherapie und Resektion 24.5% und nach alleiniger Chemotherapie und Resektion 31%, wobei Rezidive in Lymphknoten am häufigsten waren. Fernmetastasen traten bei 12.8% bzw. 19.0% der Patienten auf und waren damit in beiden Armen deutlich seltener als lokoregionale Rezidive. Eine geringe Fernmetastasierungsrate lässt auf eine günstige Patientenselektion im Stadium III schließen (Forde 2025). Von der Keynote 671 Studie wurde die Häufigkeit isolierter Lokalrezidive über alle Patienten mit 17% im Chemo-Immun-Arm und mit 28% im Arm mit alleiniger neoadjuvanter Chemotherapie angegeben, wobei das Stadium III in dieser Studie 70% der Patienten ausgemacht hat. Die Rate an Fernmetastasen betrug in dieser Studie jeweils14% und 24% in den entsprechenden Armen [844].
Chemo-Immuntherapie-bedingte letale Nebenwirkungen traten in den genannten vier Studien um 1% (0.0% - 1.7%) der Patienten auf [845], [842], [1063], [843].
Letale Komplikationen während oder bis zu 24 Stunden nach Operation traten bei 1,7% der Patienten in Checkmate 77T, bei 1.4% der Patienten in der Checkmate 861 und bei keinem Patienten in der Aegean Studie auf [845], [842], Mitsudomi 2025). Innerhalb von 90 Tagen nach Operation betrug die Frühsterblichkeit in der Keynote 617 Studie 5.0% im Chemoimmun-Arm und 1.6% im alleinigen Chemotherapie-Arm [1063]. Die entsprechenden Raten betrugen in der Aegean Studie 4.4% und 3.7% [1064].
Die Autoren schlossen, dass die Immuntherapie keine wesentliche Erhöhung der postoperativen Komplikationen im Vergleich zur alleinigen neoadjuvanten Chemotherapie zur Folge hat [1064], [1065].
Tabelle 34: Resultate der zulassungsrelevanten Studien zur neoadjuvanten Chemoimmuntherapie
| neoadj. ARM | N total | N2 (IIIA) |
Definitive Chirurgie |
pCR |
pCR bei SCC |
Pneumon-ektomierate | Ereignis-freies Überleben nach 24 M | Gesamt-überleben | |
|
KEYNOTE-671 |
4xCTx+Pembro
|
397
|
42,3%
|
82,1%
|
18,1%
|
n.g.
|
11,4%
|
62,4%
|
71% (3 J)
|
|
CheckMate 816 |
3xCTx+Nivo
|
179
|
63,1%
|
83,2%
|
24,0%
|
25,3%
|
16,2%
|
63,8%
|
65.4% (5 J)
|
|
AEGEAN |
4xCTx+Durva
|
366
|
49,5%
|
77,6%
|
17,2%
|
21,3%
|
7,4%
|
63,3%
|
|
|
CheckMate 77T |
4xCTx+Nivo
|
229
|
39,7%
|
77,7%
|
25,3%
|
28,4%
|
9,0%
|
65.0%
|
In der nordamerikanischen Intergroup-Studie 0139 (n = 396) zur definitiven Radiochemotherapie versus neoadjuvanter Radiochemotherapie und zeigten sich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen den Therapiearmen (p = 0,67) [863]. Diese Studie zeigte im operativen Arm nach Lobektomie günstigere Überlebensraten als nach Pneumonektomie. Auf dem sekundären Endpunkt isolierter loko-regionaler Erstrezidive zeigte sich eine Reduktion im operativen Arm mit 10% versus 22% nach definitiver Radiochemotherapie.
Die randomisierte SAKK 16/00-Studie zur neoadjuvanten Chemotherapie und Resektion gefolgt von einer Strahlentherapie bei postoperativen Risikofaktoren im Stadium IIIA versus neoadjuvante sequentielle Radiochemotherapie plus Operation zeigte, das die Raten postoperativer Komplikationen nach neoadjuvanter Radiochemotherapie und Chemotherapie gleich waren [992].
Während die Durvalumab-Konsoliderung nach definitiver Radiochemotherapie bei Patienten mit einer PD-L1 Expression im Tumor von >1% Standard geworden ist; ist die Integration der Immuntherapie bei neoadjuvanter Radiochemotherapie Gegenstand laufender und zukünftiger Studien (EudraCT number 2019-000058-77). Eine adjuvante Immuntherapie nach Induktionschemotherapie und Chemostrahlentherapie und R0 Resektion in Anlehnung an die Pearls/Keynote-091 Studie [978] oder bei hoher PD-L1 Expression > 50% nach der IMpower10 Studie [892] bleibt der nach individuellen Risiko-Nutzenabschätzung dem behandelnden Zentrum überlassen.
Hintergrund eingeschmolzene Tumore
Das Vorliegen einer Tumorraumforderung mit Einschmelzungen schon vor Beginn einer simultanen Radiochemotherapie ist ein Risikofaktor für schwere und schwerste Komplikationen. Einschmelzungen finden sich vermehrt bei Plattenepithelkarzinomen und Tumoren grösser 8 cm. In drei retrospektiven Patientenkohorten lag das Risiko für tödliche Lungenblutungen im ersten Jahr nach Behandlung zwischen 30% und 37 %, wenn eine initiale Tumoreinschmelzung vorhanden war gegenüber 2 – 5 % bei Patienten ohne diesen Risikofaktor [1054]. In einer weiteren grossen retrospektiven Studie fanden die Autoren, dass das Vorhandensein von Tumorkavitäten mit einer schlechteren Prognose, nicht aber mit einer signifikant erhöhten Rate akuter oder chronischer Nebenwirkungen der verbunden ist [1068]. Tödliche Blutungen nach simultaner Radiochemotherapie wurden hier bei keinem von 95 Patienten mit eingeschmolzenen Lungentumoren gesehen. Insgesamt stellen das Vorhandensein von Tumorkavitäten keine Kontraindikation gegen eine Radiochemotherapie dar, ist aber ein Risikofaktor für ein schlechteres Therapieergebnis.
Die Operation einschmelzender NSCLC (bzw. von NSCLC mit intratumoraler Abszedierung) ist technisch anspruchsvoll und im Gegensatz zu einem elektiven Eingriff besteht durch die Infektsituation eine ungünstigere Ausgangssituation [1069], [1070]. Für diese Patienten besteht ein deutlich erhöhtes perioperatives Risiko, so dass eine verantwortungsvolle interdisziplinäre Indikationsstellung essentiell ist [1069]. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können auch fortgeschrittenere Karzinome mit deutlich erhöhter Komplikationsrate aber vertretbarer Letalität und akzeptablen onkologischen Ergebnissen reseziert werden (z.B. Yamanashi et al.: 11 Pat., keine perioperative Letalität, 5-JÜR 43.3%, Stad. IIa bis IV) [1070]. Es gibt derzeit keine belastbaren Leitlinien zur Therapie von einschmelzenden Lungenkarzinomen [1071]. Die Koinzidenz von Lungenkarzinomen und intratumoralen Einschmelzungen bzw. Abszedierungen stellen eine besondere Risikokonstellation dar [1071]. Die Ergebnisse von Operationen wegen einschmelzender Lungenkarzinome finden sich häufig in Publikationen zur „Rescue Surgery“ (Ziel ist die Kontrolle akuter lebensbedrohlicher Situationen, die durch den Tumor selbst, systemische Behandlungen oder Strahlentherapie hervorgerufen wurden ohne onkologische Intention) [1072] oder zur „Salvage Surgery“ (Operation nach kurativ intendierter System- oder Strahlentherapie) [1073]. Diese Publikationen, hier stellen Patienten mit einschmelzenden Karzinomen nur einen Teil des Gesamtkollektivs dar, belegen bei korrekter interdisziplinärer Indikationsstellung gute Ergebnisse [1069], [1073]. Die geringe perioperative Letalität, die sichere Beherrschung der Infektsituation und die guten Langzeitergebnisse sprechen bei gewissenhafter interdisziplinärer Indikationsstellung für das zeitnahe operative Vorgehen [1070], [1071].
8.5.4 NSCLC Stadium II/III – Multimodale Therapiekonzepte bei klarer Inoperabilität
Die definitive Radiochemotherapie ist bei NSCLC im Stadium III eine in kurativer Intention breit einsetzbare Behandlungsoption. Patienten sollen in der Regel – wenn Allgemeinzustand und Tumorausdehnung dies zulassen – eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie und ggf. einer Konsolidierungstherapie mit Durvalumab oder Osimertinib, je nach Zulassung, erhalten.
Die Chemotherapie soll bei definitiver Radiochemotherapie simultan und nur bei medizinischer Kontraindikation allein sequentiell durchgeführt werden.
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA4 / IIIB und IIIC sollen in der Regel– wenn Allgemeinzustand und Tumorausdehnung dies zulassen – eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie erhalten. Die Chemotherapie soll bei definitiver Radiochemotherapie simultan und nur bei medizinischer Kontraindikation allein sequentiell durchgeführt werden.Evidenztabellen (1)
Konsolidierungstherapie NSCLC Stadium IIIBeim NSCLC Stadium III sollten sowohl bei der simultanen als auch einer sequentiellen Radiochemotherapie mindestens zwei Zyklen einer voll-dosierten Cisplatin-basierten Kombinationschemotherapie (Zyklusdauer 3-4 Wochen) appliziert werden. Kombinationspartner ist in der simultanen Therapie in der Regel Vinorelbine.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1078] [1079] [1080] [1081] [1082] [1083] [1084] [1085] [1086] [955] [802] [1087] [1088] [770] [817] [818] [1089]
Änderungshinweis
Beim NSCLC Stadium IIIA4, IIIB und IIIC sollten sowohl bei der simultanen als auch einer sequentiellen Radiochemotherapie zwei Zyklen einer voll-dosierten cisplatinhaltigen Kombinationschemotherapie (Zyklusintervall 3-4 Wochen) appliziert werden. Kombinationspartner sind bei simultaner Therapie in der Regel Vinorelbine oder Etoposid.Die Strahlentherapie sollte nach dem involved field Prinzip auf der Basis eines aktuellen prätherapeutischen, im Rahmen der Bestrahlungsplanung, durchgeführten-PET-CT und des feingeweblichen Stagings erfolgen. Herz-und Lungenschonung sollten nach dem Stand der Technik optimiert werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1077] [1090] [1091] [1092] [704] [1011] [1093] [1094] [1095]
Änderungshinweis
Die Strahlentherapie sollte nach dem involved field Prinzip auf der Basis eines aktuellen prätherapeutischen PET-CT und des feingeweblichen Stagings erfolgen. Herz-und Lungenschonung sollten nach dem Stand der Technik optimiert werden.Die Dosierung der Strahlentherapie soll biologisch einer Gesamtdosis zwischen 60 und 70 Gy bei konventioneller Fraktionierung (1,8-2 Gy/die) entsprechen.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [802] [1096] [1097] [1098] [1099] [1100]
Änderungshinweis
Die Strahlentherapie sollte typischerweise eine Dosis zwischen 60 und 66 Gy bei einmal-täglicher Fraktionierung haben.Eine Prolongierung der Strahlentherapie durch Unterbrechungen soll vermieden werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [802] [1096] [1097] [1098] [1099] [1100]
Änderungshinweis
Eine Unterbrechung der Strahlentherapie sollte vermieden werden.Patienten mit NSCLC Stadium III nach definitiver Radiochemotherapie ohne Progress, die keine typische aktivierende EGFR-Mutation (del 19, L858R) aufweisen, soll bei PD-L1 Expression von ≥1% auf Tumorzellen eine Konsolidierung mit dem PD-L1 Antikörper Durvalumab über 1 Jahr angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [798] [885] [1101] [1102] [1103] [1058] [1104] [1105]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium III nach definitiver Radiochemotherapie ohne Progress soll bei PD-L1 Expression von ≥1% auf Tumorzellen eine Konsolidierung mit dem PD-L1 Antikörper Durvalumab über 1 Jahr angeboten werden.Evidenztabellen (1)
Konsolidierungstherapie NSCLC Stadium IIIPatienten mit NSCLC Stadium III nach definitiver Radiochemotherapie ohne Progress, die eine typische aktivierende EGFR-Mutation (del 19, L858R) aufweisen, sollte eine Konsolidierung (bis zur Krankheitsprogression) mit dem EGFR-TKI Osimertinib angeboten werden, unabhängig von der PD-L1 Expression.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [1106]
Nach definitiver Radiochemotherapie beim NSCLC Stadium III sollte keine konsolidierende Chemotherapie erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1107] [863] [1021] [1108] [1109] [1110]
Änderungshinweis
Im Vergleich zur alleinigen simultanen Chemo- / Radiotherapie ist der Stellenwert einer zusätzlichen konsolidierenden Chemotherapie in randomisierten Studien bis-her nicht belegt. Die zusätzliche Konsolidierung in Form der Monotherapie mit ei-nem Taxan nach stattgehabter Radio-/Chemotherapie führt zu deutlicher und inak-zeptabler Toxizität und wird nicht empfohlen.Bei allgemein oder funktionell inoperablen Patienten mit einem NSCLC Stadium IIA (N0) soll eine stereotaktische Strahlentherapie angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Evidenztabellen (1)
stereotaktische Strahlentherapie NSCLC Stadium I/IIBei Patienten mit NSCLC im Stadium III und fehlender Möglichkeit einer multimodalen Therapie oder einer Radiochemotherapie kann die alleinige Radiotherapie angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1115]
Änderungshinweis
Bei Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA4, IIIB und IIIC und fehlender Möglichkeit der simultanen oder sequentiellen Radiochemotherapie kann die alleinige Radiotherapie evaluiert werden.Patienten mit NSCLC Stadium III, für die kurative Therapiekonzepte trotz lokaler Krankheitssituation nicht geeignet sind, sollte bei bestehender oder bevorstehender thorakaler Symptomatik eine palliative thorakale Strahlentherapie angeboten werden.
Verkürzte Fraktionierungsschemata sollten in Abhängigkeit vom Zustand und Wunsch des Patienten eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1116] [1117] [1118] [1119] [1120] [1121] [1122] [1123] [1124]
Änderungshinweis
Eine palliative thorakale Strahlentherapie sollte bei Patienten mit NSCLC Stadium IIIA4, IIIB und IIIC, für die kurative Therapiekonzepte trotz lokaler Krankheitssituation nicht geeignet sind, bei bestehender oder bevorstehender thorakaler Symptomatik durchgeführt werden. Verkürzte Fraktionierungsschemata sollten in Abhängigkeit vom Zustand und Wunsch des Patienten eingesetzt werden.Patienten mit NSCLC im Stadium III, die nach Entscheidung im Thorax-Onkologischen Tumorboard, nicht für eine Operation oder Radio-Chemotherapie geeignet sind, kann, abhängig vom PD-L1 Status, eine alleinige Immun-Monotherapie oder eine Chemo-Immuntherapie angeboten werden:
- Cemiplimab + platinbasierte Chemotherapie (bei PD-L1 Expression ≥1%), alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von Cemiplimab alle 3 Wochen oder
- Cemiplimab (bei PD-L1 Expression ≥50%), alle 3 Wochen
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝ bis ⊕⊕⊝⊝
- Konsens
- Konsens (89%)
- Literatur
- [1125] [1126] [1127]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium III, die nach Entscheidung im Thorax-Onkologischen Tumorboard, nicht für eine Operation oder Radio-Chemotherapie geeignet sind und eine PD-L1 Expression ≥ 50 % aufweisen, kann eine Therapie mit dem PD-1-Antikörper Cemiplimab angeboten werdenHintergrund Radiochemotherapie
Die Metaanalyse von Auperin et al. 2010 von 7 zu diesem Zeitpunkt verfügbaren randomisierten Studien bildet die Evidenzgrundlage für die Aussage, dass eine simultane Kombination aus Strahlentherapie und simultaner platinhaltiger Chemotherapie effektiver ist als eine sequentielle Kombination [1074]. Es wurde ein signifikanter Überlebensvorteil in den Armen mit simultaner Radiochemotherapie gefunden (HR 0,84: 95% CI: 0,74-0,95) sowie eine Verbesserung der lokalen Tumorkontrolle. Diese Aussage wird in einer aktuelleren Metaanalyse auf dem Endpunkt der Überlebensraten nach 2-5 Jahren bestätigt [1075]. An Nebenwirkungen war die Hämatotoxizität und das Risiko einer Ösophagitis vom Grad 3-4 bei simultaner Radiochemotherapie erhöht [1074], [1075]. Seither wurden die großen randomisierten Studien zur definitiven Radiochemotherapie mit sehr guten Langzeitergebnissen mit simultaner, platinhaltiger Kombinationschemotherapie durchgeführt [798], [1058], [802], [1076], [1077], [1021].
Inoperable Patienten mit Kontraindikation gegen sowohl eine simultane als auch eine sequentielle Radiochemotherapie können dennoch für eine kurativ intendierte alleinige Strahlentherapie infrage kommen. Beispielhaft sei die T4-Situation aufgrund eines ipsilateralen Zweitbefundes genannt, hier können ggf. beide Läsionen einer ablativen stereotaktischen Strahlentherapie (SBRT) zugeführt werden. Auch für große Tumorläsionen > 5cm können mit angepassten Dosiskonzepten (4 bis 10 Fraktionen) Tumorkontrollraten von 64 bis 96% nach ein bis zwei Jahren erreicht werden [1115].
Hintergrund Radiochemotherapie - Wahl der Chemotherapie
Unter den sechs randomisierten Studien, auf denen die Metaanalyse von Auperin et al. 2010 und der Standard einer simultanen Strahlenchemotherapie beim NSCLC im Stadium III beruht, wird eine simultane Zweierkombination aus Cisplatin/Etoposid [1078] oder Cisplatin und einem Vinca-Alcaloid als Grundgerüst der simultanen Chemotherapie über 2 Zyklen verwendet [1079], [1080]. Etoposid/Cisplatin zeigte in einzelnen randomisierten Studien im Vergleich zu Carboplatin/Paclitaxel bei simultaner Radiochemotherapie ein günstigeres Toxizitäts- und Effektivitätsprofil [1081], [1082]. Die Studie von Bi et al. wurde mit Patienten im Performance-Status ECOG2 durchgeführt [1081]. Eine erhöhte Wirksamkeit von Etoposid/Cisplatin im Vergleich zu Paclitaxel/Platin-Derivat wurde im direkten Vergleich auch in einer Metaanalyse gefunden [1083]. In der internationalen Registerstudie von Palma et al. 2013 mit 819 Patienten wurden nach simultaner Radiochemotherapie mit Carboplatin/Taxol höhere Raten von therapieassoziierten Pneumonitiden gefunden als mit Cisplatin/Etoposid [1084]. Dies wurde in den randomisierten Studien von Bi et al. (2020) und Liang et al. (2017) bestätigt. Größere randomisierte Studien mit Cisplatin/Etoposid oder Cisplatin/Vinorelbin simultan zur Strahlentherapie wurden von Fournel et al. 2005 und Senan et al. 2016 bzw. Zatloukal et al. 2004 und Eberhardt et al. 2015 durchgeführt. Im Vergleich der Vinca-Alakaloide als Kombinationspartner mit Cisplatin zeigte Cisplatin/Vinorelbin im Stadium IV eine höhere Wirksamkeit als Cisplatin/Vindesin [1085]. Cisplatin/Vinorelbin als palliative Chemotherapie im Stadium IV ist weniger hämatotoxisch als Cisplatin/Vindesin/Mitomycin [1086]. Nach vorausgegangener Induktionschemotherapie mit Cisplatin/Taxol war die Rate an Grad 4 Thrombozytopenien unter Cisplatin/Navelbine simultan zur Strahlentherapie mit 3% deutlich niedriger als unter Cisplatin/Etoposid mit 22% [955], [802].
In der PACIFIC-Studie erhielten 208 Patienten ein Taxan, 114 Patienten Etoposid und 125 Navelbine als Kombinationspartner von Cisplatin oder Carboplatin simultan zur Strahlentherapie [1087]. Die unter der Durvalumab-Konsolidationstherapie beobachteten Toxizitäten unterschieden sich in Abhängigkeit von den verschiedenen vorausgegangen Zytostatikakombinationen nicht [1087].
Der Nutzen einer Induktions- oder Konsolidationschemo(immun)therapie über eine simultane Radiochemotherapie hinaus wurde bisher nicht direkt durch randomisierte Studien nachgewiesen [1088], [1128], [1129], [1130].
Da eine Durvalumab-Konsolidation Standard für Patienten mit PD-L1 exprimierenden Tumoren geworden ist, wird aktuell nur die Induktionschemotherapie zusätzlich zur simultanen Radiochemotherapie von einigen Gruppen eingesetzt. Unter den in die Pacific-Studie aufgenommenen Patienten erhielten 27% der Patienten eine Induktionschemotherapie. Bemerkenswert war, dass Severe Adverse Events unter der Durvalumab-Konsolidation bei Patienten mit Induktionschemotherapie seltener beobachtet wurden als bei Patienten ohne Induktion (18% vs. 33%, [882]. Eine Effektivität der Induktionschemotherapie wurde hingegen in randomisierten Studien vor OP bei Patienten mit NSCLC im Stadium III gefunden. Hier wurden 2-3 Zyklen appliziert [770].
Insgesamt müssen Allgemeinzustand und Komorbidität und Alter der Patienten bei der individuellen Therapieauswahl Berücksichtigung finden. So haben ältere Patienten mehr Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen unter simultaner Radiochemotherapie [817]. Im Einzelfall kann auch eine niedrigdosierte tägliche simultane Carboplatin- oder Cisplatin-Therapie bei älteren Patienten oder Patienten mit Komorbiditäten erwogen werden, die nicht für eine volldosierte Kombinationschemotherapie geeignet sind. Entsprechende Schemata haben in randomisierten Studien Ihre Effektivität im Vergleich zur alleinigen Strahlentherapie gezeigt [818], [1089].
In den vergangenen Jahren haben mehrere Phase II [1131] und eine Phase-III-Studie zur simultanen Gabe von Immuncheckpoint-Inhibitoren während der Radiochemotherapie (cCRT) – insbesondere PACIFIC-2 [1132] – keinen Vorteil gezeigt.
In der PACIFIC-2-Studie [1132], [1133], [1134] – wurden 328 therapienaive Patientinnen und Patienten mit inoperablem NSCLC im Stadium III eingeschlossen, darunter etwa ein Drittel mit einer PD-L1-Tumorzell-Expression <1 %. Die Randomisierung erfolgte zu cCRT mit simultanem Durvalumab und anschließender Durvalumab-Konsolidierung bis zur Progression oder zu cCRT gefolgt von Placebo. Der experimentelle Arm zeigte weder im progressionsfreien Überleben (median 13,8 vs. 9,4 Monate; HR 0,85; p = 0,2) noch im Gesamtüberleben (median 36,4 vs. 29,5 Monate; HR 1,03; p = 0,8) einen signifikanten Vorteil. Pneumonitiden traten bei bis zu 30 % der Patientinnen und Patienten auf, ohne relevante Zunahme höhergradiger Nebenwirkungen unter Durvalumab.
Hintergrund Strahlentherapie
Eine aktuelle PET-CT Untersuchung und eine minimal invasive Ausbreitungsdiagnostik des mediastinalen Lymphabflusses, in der Regel mittels endoskopisch ultraschallgesteuerter transbronchialer Nadelaspirationsbiopsien (EBUS-TBNA), sowie der Bronchoskopie-Befund bilden die Grundlage der Bestrahlungsplanung für Patienten mit NSCLC im Stadium III. Bei etwa 5-10% der Patienten kann mittels EBUS-TBNA ein Befall PET-negativer Lymphknoten histopathologisch nachgewiesen werden [1090]. Auch kann die Falscherkennungsrate des PET/CT insbesondere in vom Primärtumor entfernt gelegenen Lymphknoten und außerhalb des lappenspezifischen Lymphabflusses recht hoch sein [1091], [1090]. Insgesamt ist eine Bestrahlungsplanung auf der Basis eines PET/CT ergänzt durch eine minimalinvasive mediastinale Ausbreitungsdiagnostik nach den Ergebnissen vergleichender Untersuchungen präziser als die Bestrahlungsplanung mit elektiver Lymphknotenbestrahlung nach einer Lungenlappen-spezifischen Ausbreitungswahrscheinlichkeit. Die loko-regionalen Tumorkontrolle war in der PET-Plan-Studie nach PET-basierter Bestrahlungsplanung einer größervolumigen Strahlentherapie mit Einbeziehung elektiver Lymphknotenareale und von CT-positiven Lymphknoten in einer per Protokoll Analyse nicht unterlegen [1077]. In dieser Studie wurde die gesamte befallene, Lymphknotenstation mit einem PET-positiven Lymphknoten ins klinische Zielvolumen einbezogen. Das Planungszielvolumen enthielt zur Berücksichtigung von Lagerungsabweichungen und internen Bewegungen einen zusätzlichen Saum von 8-10 mm. Im PET-basierten Behandlungsarm wurden gering höhere Gesamtdosen appliziert, was bei den etwas kleineren Zielvolumina innerhalb der Organtoleranzen möglich war. Die RTOG 0617 Studie beruhte auch auf einer PET-basierten Bestrahlungsplanung, bei der PET- oder CT-positive Lymphknoten ins Gross Target Volume einbezogen wurden. Dieses wurde zur Erfassung mikroskopischer Tumorausläufer um 0,5 -1,0 cm zum klinischen Zielvolumen expandiert. Zusätzlich wurden Atmungsbewegung und Set-up Fehler bei der Festlegung der Planungszielvolumens großzügig berücksichtigt (Bradley 2020). Zur Zielvolumenkonturierung nach dem Involved-field-Prinzip nach PET-CT und klinisch-pathologischen Befunden sei auf die Konsensus-basierten Reports der ESTRO-ACROP und der EORTC Arbeitsgruppen verwiesen [704], [1092].
Zur Herz- und Lungenschonung kann der Hochdosisbereich mittels Intensitätsmodulierter Strahlentherapie (IMRT) mit statischen Feldern oder der volumenmodulierten-Rotations-IMRT (VMAT) eng an das Zielvolumen angepasst werden und damit das Risiko einer Pneumonitis oder auch die Herzbelastung im Vergleich zur 3D-konformalen Strahlentherapie gesenkt werden [1011]. Daten über einen Zusammenhang zwischen Dosis-Volumen-Parametern der Herzbelastung und dem Langzeitüberleben der Patienten sind widersprüchlich [1093]. Welche Substrukturen des Herzens besonders bei der Formung der Dosisverteilung zu berücksichtigen sind, ist Gegenstand laufender Untersuchungen [1094]. Interaktionen zwischen medikamentöser Tumortherapie und Strahlentherapie sind besonders zu berücksichtigen [1095].
Eine Dosis von 60 Gy in sechs Wochen ist effektiver als niedrigere Gesamtdosen [1096], [1097]. Die CHART-Studie (ohne gleichzeitige Chemotherapie) legte nahe, dass eine Steigerung der biologisch effektiven Dosis über 60 Gy hinaus eine Verbesserung der Langzeitergebnisse bringen kann [1098]. Mit der Entwicklung hochkonformaler Bestrahlungstechniken wurden teils erhebliche Dosiseskalationen (bis 90 Gy, meist in Phase I/II Studien) untersucht. Die Metaanalyse von Ramroth (3795 Patienten aus 25 randomisierten Vergleichen zur Frage der Strahlendosis) kam aber zu dem Ergebnis, dass eine Dosiseskalation über 70 Gy bei simultaner Chemotherapie zu einem schlechteren Überleben führt. In den Studien mit alleiniger Radiotherapiekorrelierte die Erhöhung der biologisch effektiven Dosis mit einer besseren Tumorkontrolle und einem Überlebensvorteil.
Die RTOG 0617 randomisierte zwei Dosisstufen (n = 544; 60 Gy/30 Fraktionen versus 74 Gy /37 Fraktionen) einer simultanen Radiochemotherapie (2 Zyklen Carboplatin / Paclitaxel) gefolgt von zwei weiteren Gaben von Carboplatin/Paclitaxel. Der Hochdosisarm zeigte ein signifikant schlechteres Überleben (HR 1.8 CI 1,09-1,76). Es kam zu vermehrten Protokollverstössen und einer schlechteren lokalen Tumorkontrolle (p=0,07), aber auch zu erhöhter kardialer und ösophagealer Toxizität.
Die referierten Daten beruhen auf einer sogenannten konventionellen Fraktionierung mit täglichen Einzeldosen von 1.8 -2 Gy. Eine Erhöhung der biologischen Wirksamkeit wurde auch durch eine Änderung der Fraktionierung, meist mit Verkürzung der Gesamtbehandlungszeituntersucht. Die akzelerierte hyperfraktionierte Strahlentherape bis zu einer Gesamtdosis von 65 Gy -71 Gy in 5,5 Bestrahlungswochen liegt im selben effektiven Dosisbereich wie eine konventionell fraktionierte Strahlentherapieserie bis 60-70 Gy und führte mit der Trimodalität einschließlich Operation zu vergleichbaren Ergebnissen [802]. In der Metaanalyse von Mauguenetal. (1637 Patienten im Stadium III NSCLC; 10 Studien) war das 5 Jahresüberleben geringfügig besser (10.8 vs. 8.3 %), allerdings ohne Vorteil für das progressionsfreie Überleben. Die Ösophagustoxizität war relevant höher (> 3: 19 versus 9 Prozent) und der logistische Aufwand erheblich. Inwieweit moderne integrierte Boostkonzepte das Nutzenverhältnis verbessern, bedarf kontrollierter Studien. Eine Verlängerung der Behandlungszeit durch geplante oder unvorgesehene Unterbrechungen der Strahlenbehandlung ist strahlenbiologisch aufgrund der schnellen Repopulierung von Lungenkarzinomen ungünstig [1099] und hat zu einer Verschlechterung der Ergebnisse geführt [1100].
Hintergrund medikamentöse Konsolidierung nach definitiver Radiochemotherapie
Die Hinzunahme von Immuntherapie zur definitiven Radiochemotherapie stellt einen der erheblichen therapeutischen Fortschritte im Stadium III dar. Das randomisierte STAR Trial (Vaccinierung mit Tecemotide nach Radiochemotherapie jeglicher Art; n = 1239, 2:1 Randomisierung) hatte bei insgesamt fehlendem Überlebensvorteil ein starkes Signal in der Gruppe der Patienten mit simultaner Radiochemotherapie ergeben (p= 0,016; medianes Überleben 30,8 versus 20,6 Monate). Im PACIFIC Trial (713 Patienten 2:1 Randomisierung gegen Placebo) wurde der PD-L1 Inhibitor Durvalumab (3-wöchentlich über 12 Monate nach Ansprechen auf eine platinbasierte simultane Radiochemotherapie untersucht. Die Randomisierung erfolgte nach Abschluss der Radiochemotherapie für nicht progrediente Patienten. Ein prätherapeutisches PET-Staging war nicht obligat und die Stagingmodalitäten waren nicht festgelegt. Diese Aspekte sollten für Interstudienvergleiche bewusst sein, dürften aber für Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen nachrangig sein. Sowohl das mediane Überleben (48 vs. 29 Monate) wie das 4 Jahres Überleben (50 vs. 36%) waren für die Konsolidierung mit Durvalumab signifikant besser. Ein ausgeprägter Effekt war für das metastasenfreie Überleben nachweisbar. In multivariater (post hoc) Analyse hatten nur die Patienten mit einer PD-L1 Expression< 1% keinen Vorteil. Nebenwirkungen waren geringfügig erhöht (G3/4 31% vs. 26% im Placebo-Arm, speziell Pneumonien und Schilddrüsenveränderungen). [798], [885].
Die einarmige Phase-II-Studie PACIFIC-6 [1135] untersuchte eine Konsolidierungstherapie mit Durvalumab über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten bei Patientinnen und Patienten ohne Krankheitsprogression nach sequentieller Radiochemotherapie (sCRT). Dabei zeigte sich eine vielversprechende Wirksamkeit mit einem medianen progressionsfreien Überleben (PFS) von 13,1 Monaten, einem medianen Gesamtüberleben (OS) von 39,0 Monaten sowie einer 2-Jahres-OS-Rate von 67,2 %. In der randomisierten, doppelblinden Phase-III- PACIFIC 5 (Wu et al, PMID: 41354932) Studie bei inoperablem NSCLC im Stadium III ohne Progress nach cCRT oder sCRT verbesserte Durvalumab das progressionsfreie Überleben im Vergleich zu Placebo signifikant (median 14,0 vs. 6,5 Monate; HR 0,75; p = 0,038).
In einer Subgruppenanalyse des PACIFIC Trial wurden nur Patienten mit lokal bestätiger EGER-Mutation betrachtet (n.35) und in dieser Subgruppe betrug das mediane progressionsfreie Überleben im Durvalumab-Arm 11,2 Monate (95% CI: 7,3-20,7) sowie im Kontrollarm 10,9 Monate (95% CI: 1,9 - nicht ermittelbar) (HR 0,91, 95% CI: 0,39-2,13). Das mediane Gesamtüberleben betrug im Durvalumab-Arm 46,8 Monate (95% CI: 29,9 Monate - nicht ermittelbar) sowie im Kontrollarm 43,0 Monate
(95% CI:14,9 Monate - nicht ermittelbar) (HR 1,02, 95% CI: 0,39.2,63) [1105]. Der Vorteil von Durvalumab in der Gesamtkohorte war somit in der kleinen Subgruppe der Patienten mit EGFR-Mutation nicht erkennbar.
Die Phase-III-Studie GEMSTONE-301 [1136] zeigte bei inoperablem NSCLC im Stadium III ohne Progress nach cCRT oder sCRT einen signifikanten Vorteil von Sugemalimab gegenüber Placebo im progressionsfreien Überleben (median 10,5 vs. 6,4 Monate; HR 0,65). Ein PFS-Benefit bestand sowohl nach cCRT als auch nach sCRT. Zudem verbesserte Sugemalimab das Gesamtüberleben (3-Jahres-OS 55,0 % vs. 29,5 %). Eine PD-L1-Subgruppenanalyse war aufgrund fehlender obligater Testung nicht möglich; höhergradige therapierelatierte Nebenwirkungen traten häufiger unter Sugemalimab auf (11,4 % vs. 5,6 %).
Im Gegensatz zur Immuntherapie zeigten Ansätze mit zielgerichteten Substanzen (EGFR-Inhibitoren, Antiangiogenese) bisher keine positiven Ergebnisse (Übersicht bei Reck et al.) Viele Studien (Phase I/II) mit gleichzeitiger Gabe wurden vorzeitig aufgrund von teils schwerwiegenden Komplikationen abgebrochen.
In 2024 wurden die Daten der LAURA-Studie publiziert, in der 216 Patienten im Stadium III mit aktivierender EGFR-Mutation (del 19, L858R) und ohne Progression während oder nach der Radiochemotherapie auf die Gabe von Osimertinib 80 mg täglich bis zum Progress oder Placebo 2:1 randomisiett wurden [1106]. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 39,1 Monate im Osimertinib-Arm und 5.6 Monate im Placebo-Arm (HR 0.16, 95% CI: 0,10 - 0,24, p<0.001). Das 1-Jahres-progressionsfreie Überleben betrug 74% (95% Cl: 65 - 80%) im Osimertinib-Arm und 22% (95% CI: 13 - 32%) im Placebo-Arm. Vorläufige Daten zum 3-Jahres-Gesamtüberleben betrugen 84% für Osimertinib und 74% für Placebo (HR 0,81, 95% Cl 0,42 - 1,56, p=0,53). Toxizitäten Grad 3 oder höher traten in 35% bei Osimertinib und in 12% bei Placebo auf.
In der RTOG-Studie 0617 (n = 544) wurde neben einer Dosiseskalation die Hinzunahme von Cetuximab in einem 2x2 (faktoriellen) Design geprüft. Cetuximab wurde parallel zu Carboplatin/Paciltaxel während der Strahlentherapie gegeben. Diese wurde von einer Konsolidierung mit weiteren 2 Zyklen Carboplatin/Paclitaxel gefolgt. Cetuximab führte zu keiner Verbesserung des Überlebens (HR 1,07 CI 0,84-1,35). Grad 3-5 Nebenwirkungen waren signifikant erhöht. (86 versus 76 %).
Während eine Induktionschemotherapie mit Carboplatin-basierten Protokollen zur simultanen Chemo-/Radiotherapie die Ergebnisse nicht verbessern konnte, wurde in einer multizentrischen Phase-II-Studie mit einer Konsolidierungschemotherapie (3 Zyklen Docetaxel) im Nachgang zu einer volldosierten simultanen Radiochemotherapie (61 Gy, 2 Zyklen Cisplatin Etoposid) ein medianes Überleben von 26 Monaten und ein 3-Jahres Überleben von 37 % erreicht [1107]. Dieses Konzept wurde in der randomisierten Studie INT 0139 (IIIA) als Standard für den Radiochemotherapie Arm übernommen [863]. Auch in der PROCLAIM-Studie zum Stellenwert von Pemetrexed/Platin für die simultane Radiochemotherapie war eine Konsoliderungschemotherapie Teil des Protokolls [1021].
Ein randomisierter Phase-III-Vergleich der Hoosier Oncology Group [1108] des obigen Konsolidierungsprotokolls gegen die alleinige simultane Radiochemotherapie wurde allerdings nach 203 Patienten vorzeitig abgebrochen, da gemäß einer Interimsanalyse keine signifikante Ergebnisverbesserung mehr erreicht werden konnte. Das mediane Überleben betrug in beiden Armen 21.7 Monate, das 3-Jahres Überleben 27 %. Im Konsolidierungsarm war die Morbidität erhöht und die therapieassoziierte Letalität mit 7 % auffällig. Auch die koreanische KCSG—Lu05-04 (Konsolidierung mit Docetaxel) [1109] und die deutsche GILT-Studie (Konsolidierung mit cisPT/Vinorelbine) [1076] zeigen keinen Vorteil für eine Konsolidierungschemotherapie, sodass alle 3 zur Frage der Konsolidierungschemotherapie randomisierten Studien mit volldosierter Chemotherapie während der Strahlentherapie negativ ausfielen. Ungeklärt ist die Bedeutung zusätzlicher Chemotherapie nach einer schwächer dosierten Radiochemotherapie (z.B. wöchentliche Gabe von Carboplatin/Taxanen).
Hintergrund prophylaktische Ganzhirn-Bestrahlung
Zwischen 20 und 40 % der Patienten mit NSCLC entwickeln Hirnmetastasen [1111]. Im Gegensatz zur Situation beim kleinzelligen Lungenkarzinom führt eine prophylaktische Ganzhirnbestrahlung beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom jedoch zu keiner Verbesserung des Gesamtüberlebens, obwohl eine hoch signifikante Reduktion für das Auftreten von Hirnmetastasen in allen bisher publizierten 8 randomisierten Studien nachweisbar war. Mehrheitlich wurden Dosen von 30 Gy in 10-15 Fraktionen verwendet. In der Metaanalyse von Li etal. [1113] unter Erfassung von 1462 Patienten wurde das Risiko für das Auftreten von Hirnmetastasen durch die PCI reduziert - (RR 0,37, 95% CI 0,26-0,52). Das Gesamtüberleben war jedoch gleich (HR 1,01, 95% (CI 0,87-1,22).
Hintergrund thorakale Strahlentherapie
Etwa 20-35% der Patienten mit lokal fortgeschrittenem NSCLC können aufgrund Tumorgröße, Allgemeinzustand und Komorbiditäten keine definitive multimodale Therapie erhalten [1116].
Prinzipiell kommt bei Patienten mit NSCLC Stadium II oder III, die weder für eine operative Therapie noch für eine multimodale Behandlung einschließlich einer Systemtherapie geeignet sind, eine alleinige Strahlentherapie in kurativer Intention in Frage.
Patienten im Stadium IIA (N0) nach der 9. Version der TNM-Klassifikation soll eine stereotaktische Strahlentherapie entsprechend den Empfehlungen bezüglich Stadium I angeboten werden. Es handelt sich hierbei um Tumore des T-Stadium 2b (Tumorgröße 4-5 cm), für diese gelten die Anforderungen an die stereotaktische Strahlentherapie wie im Kapitel Stadium I dargelegt.
Auch sonstige Patienten des Stadium II, die nicht für ein stereotaktisches Konzept geeignet sind, sowie Patienten des Stadium III erhalten mit einer voll dosierten alleinigen Strahlentherapie eine potentiell kurative Therapie. So zeigt eine retrospektive kanadische Analyse von Therapiergebnissen im Stadium II, dass die Subgruppe mit alleiniger kurativ intendierter Strahlentherapie (n=132), definiert als stereotaktische Therapie oder normofraktierte Strahlentherapie mit mindestens 50 Gy, ein 5-Jahres-Überleben von immerhin 26% erzielte, gegenüber 5% in der rein palliativ behandelten Subgruppe (n=158) [1137]. Analog zeigte sich in einem koreanischen Kollektiv von Patienten im Stadium II oder III, die keine Kombinationstherapie erhalten konnten, nach alleiniger volldosierter Strahlentherapie (66 Gy in 30 Fraktionen) ein 3-Jahres-Überleben von 23% [1138].
Wenn eine kurativ dosierte Strahlentherapie nicht eingesetzt werden kann, ist eine thorakale Bestrahlung zur Symptomlinderung oder Verhinderung von kurzfristig drohenden Komplikationen ist ausgesprochen wirksam (Übersicht bei [1117]). Verkürzte Fraktionierungsschemata mit reduzierter biologisch effektiver Gesamtdosis (z.B. 1 x 10 Gy, 2 x 8.5 Gy, 5x 4 Gy, 10 x 3 Gy, 13-15x 3 Gy) wurden in prospektiv randomisierten Studien validiert. Bezgl. Effektivität fanden sich sowohl im Cochrane Review von Stevens et al. [1118] wie in der Metaanalyse von Fairchild et al. [1119] keine signifikanten Unterschiede zwischen den untersuchten Fraktionierungen. Das mediane Überleben lag bei knapp 9 Monaten. Allerdings scheinen Patienten in gutem Allgemeinzustand bzgl. 2 Jahresüberleben von höheren Gesamtdosen (> 35 Gy BED10) zu profitieren. Auch die aktualisierte ASTRO-Leitlinie zur palliativen thorakalen Strahlentherapie von 2018 [1120], die auf der Basis von 3 randomisierten Studien [1121], [1122] und [1123] auf einen möglichen Überlebensvorteil durch simultane Radiochemotherapie bei Patienten, die für eine Chemotherapie in Frage kommen, hinweist, empfiehlt, die Dauer und Intensität der Bestrahlung zu individualisieren. Allerdings sind die Kriterien für eine entsprechende Patientenselektion noch nicht klar definiert. Inwieweit der gezielte Einsatz von Immun-Check-Point Inhibitoren die Krankheitsdynamik und Indikation zur umschriebenen lokalen Therapie verändert, ist derzeit noch unklar (siehe auch Kapitel Oligometastasierung). In einer großen retrospektiven Studie betrugen die symptombezogenen Ansprechraten auf eine palliative Strahlentherapie 68% für Hämoptysen, 54% für einen tumorbedingten Husten, 51% für Thoraxschmerzen, 38% für Dyspnoe und 8% für eine Dysphagie [1124].
Hintergrund Cemiplimab
In der Zulassungsstudie EMPOWER-Lung-1, die platinbasierte Chemotherapie gegenüber Monotherapie mit Cemiplimab geprüft hatte, waren auch 87 Patienten mit einem Stadium III mit PD-L1-Expression ≥ 50% eingeschlossen, die nicht für eine definitive Radiochemotherapie in Frage kamen. Eine zusätzliche palliative Radiotherapie war erlaubt. Patienten, die Cemiplimab erhalten hatten, profitierten sowohl hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens (HR 0,564 (95% CI 0,336-0,946)) als auch im Trend bezüglich des Gesamtüberlebens (HR 0,683 (95% CI 0,398-1,173)) gegenüber Patienten mit platinhaltiger Chemotherapie [1127][1139].
In der EMPOWER-Lung-3-Studie wurden, bei nicht für eine definitive Radiochemotherapie geeigneten Patienten mit jeglichem PD-L1-Status, eine Chemotherapie (Platin-Dublette) mit Chemotherapie plus Cemiplimab verglichen. Es wurden 69 Patienten im Stadium III eingeschlossen, für welche eine Subgruppenanalyse einen Vorteil im Gesamtüberleben für die Kombination Chemotherapie plus Cemiplimab (HR 0,50 (95% CI 0,27-0,95); p=0,0293; mOS 24,1 vs. 13,8 Monate) zeigte [1127].
8.5.5 Flowcharts Stadium III
8.6 Stadium IV (ohne Indikation zur definitiven Lokaltherapie)
8.6.1 Allgemeine Prinzipien (inkl. molek. Testung und Erhebung des Performance Status)
Die mediane Überlebenszeit von Patienten mit NSCLC im Stadium IV beträgt bei unselektionierter Behandlung 8-18 Monate und ist deutlich günstiger bei der zielgerichteten Therapie von ausgewählten, therapeutisch angehbaren molekularen Veränderungen (Median bis > 4 Jahre).
In dieser Situation sollte von Beginn der Behandlung an ein stabiler und zuverlässiger Betreuungskontext hergestellt werden. Dafür sollte auch der unmittelbare Zugang zu einem interdisziplinären Betreuungskonzept (z. B. in zertifizierten Krebszentren) ermöglicht werden.
- Konsens
- Konsens (93%)
Neben der medizinischen Behandlung sollten die Möglichkeiten zur Rehabilitation, psychoonkologischen Unterstützung, Sozialberatung bzw. Unterstützung durch Selbsthilfegruppen und der frühen palliativen Therapie angesprochen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Im gesamten Krankheitsverlauf sollen bei Bedarf lokale Maßnahmen rasch eingeleitet werden, z.B. bei Hirnmetastasen, Pleuraerguss, drohender Querschnittslähmung, Bronchialobstruktion.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Bei prätherapeutischer Vorstellung in einem interdisziplinären Zentrum sollte eine zeitnahe Entscheidungsfindung (möglichst innerhalb 10 Arbeitstagen nach Diagnosestellung) und -Umsetzung (interdisziplinäre Tumorkonferenz; Dokumentation der empfohlenen Therapie) gewährleistet sein.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Vor Einleitung der Therapie soll der ECOG Performance Status erhoben werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Vor Einleitung einer Therapie soll geprüft werden, ob eine OMD (oligometastatic disease) Situation mit einem potentiell kurativen Ansatz vorliegt.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Tabelle 35: Empfehlungen zur molekularen Testung
| EK |
Anhand des zur Verfügung stehenden Tumorgewebes / der Tumorzellen von allen NSCLC im Stadium IV sollen molekularpathologische Untersuchungen hinsichtlich aller therapeutisch relevanten molekularen Veränderungen (nach derzeitigem Stand vor Erstlinientherapie als Mindestanforderung EGFR-Mutationen in den Exonen 18-21, BRAF V600 Mutationen, ALK-Fusionen, ROS1-Fusionen, RET-Fusionen, NTRK 1-3-Fusionen, KRAS-Mutationen (insbesondere KRAS-G12C-Mutation), MET-Exon 14-Skipping-Mutationen, NRG1-Fusionen und HER2 (ERBB 2)-Mutationen in den Exonen 8, 18, 19, 20 und 21) eingeleitet werden. |
| EK |
In den Gewebeproben von Therapie-naiven Patienten im Stadium IV soll parallel zu den molekularpathologischen Untersuchungen eine immunhistochemische Untersuchung auf PD-L1-Expression durchgeführt werden*. Soweit nur zytologische Präparate mit Tumorzellen zur Verfügung stehen, soll bei entsprechenden Patienten eine Aufarbeitung in Zellblocktechnik mit nachfolgender immunzytochemischer Untersuchung auf PD-L1-Expression (TPS, s.u.) erfolgen. Das Ergebnis ist als Prozentsatz membranös positiver Tumorzellen (Tumour Proportion Score, TPS) und als Prozentsatz positiver Immunzellen (Immun Cell Score, IC-Score) anzugeben. Eine externe Qualitätssicherung im Rahmen von Ringversuchen soll nachgewiesen werden. *Die Empfehlung zur Untersuchung der PD-L1-Expression gilt für alle histologischen NSCLC-Typen (siehe auch Therapiealgorithmus NSCLC IV) |
| EK |
Bei den molekularpathologischen Untersuchungen soll eine Methodik eingesetzt werden, die innerhalb von 10 Arbeitstagen zu einer definitiven Diagnose kommt, und die sensitiv genug ist, um Mutationen auch in Geweben mit nur 10 % Tumoranteil nachweisen zu können. Für den Nachweis von Fusionen sollen Fluoreszenz-in-situ Hybridisierungen und immunhistochemische Nachweise oder Sequenzierverfahren nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie verwendet werden⁵. Es soll eine qualitätsgesicherte, gewebesparende und umfassende (therapierelevante Targets) Methodik zum Einsatz kommen. Eine externe Qualitätssicherung im Rahmen von Ringversuchen soll nachgewiesen werden. ⁵ siehe [1140] |
| EK |
Bei nicht ausreichendem Gewebe für eine molekulare Diagnostik, und wenn eine erneute Biopsie nicht mit vertretbarem Risiko durchgeführt werden kann, soll eine Liquid Biopsy durchgeführt werden, vorausgesetzt eine histologische/zytologische Diagnosesicherung ist gegeben. |
|
Empfehlungen zur molekularen Testung (siehe Kapitel 6.6.10) |
|
Hintergrund
Im Gesamtkollektiv der Patienten im Stadium IV sowie Stadium IIIB ohne Indikation zur definitiven Lokaltherapie (altes Stadium IIIB, welches aufgrund der Größe bzw. Lage des Tumors oder Vorliegen eines Pleuraergusses nicht einer kurativen Radiotherapie zugeführt werden kann) liegt die mediane Überlebenszeit bei 8-18 Monaten [1141], [1142], [1143]. Im Vergleich zum metastasierten Kolon- oder Mammakarzinom (mediane Überlebenszeit 20-24 Monate) ist diese Zeitspanne deutlich kürzer und der Altersmedian (67 Jahre) sowie die Frequenz von Komorbiditäten (COPD, KHK, pAVK) höher. In diesem Zeitfenster treten neben sonstigen Manifestationen häufig schmerzhafte oder frakturgefährdete Skelettmetastasen sowie Hirnmetastasen (meist mit zunächst diskreter Symptomatik) auf. Zum Erhalt der Lebensqualität ist eine rasche Diagnostik und Therapieeinleitung notwendig; gleichermaßen auch bei einer lokoregionären Progression mit interventioneller Behandlungsnotwendigkeit (Pleuraerguss; endobronchial okkludierendes, intramural stenosierendes oder extrabronchial komprimierendes Tumorwachstum in Lappen- oder Hauptbronchus bzw. Trachea) oder der Notwendigkeit zur palliativen lokoregionären Kontrolle (Einschmelzung mit drohender Infektion oder Blutung; Brustwandinfiltration). Hierzu bedarf es des Zugangs zu einem Betreuungskontext, in dem schnell, kompetent und sicher entschieden und therapiert wird. Voraussetzung dafür ist ein rascher Zugang zu interdisziplinär mit adäquater Expertise getroffenen Entscheidungen (Tumorkonferenz). Grundsätzlich sollten hier onkologisch erfahrene Pneumologen, Thoraxchirurgen, Radioonkologen, internistische Onkologen und im Bedarfsfall Palliativmediziner einbezogen sein.
Für eine gute Lebensqualität ist neben der kompetenten Durchführung der symptomorientierten, spezifischen Therapiemaßnahmen auch die adäquate Information des Patient und seiner Angehörigen notwendig, um Sicherheit im Behandlungsablauf zu vermitteln und zugleich die Möglichkeit einer aktiven und betreuten Auseinandersetzung mit der begrenzten Lebensperspektive zu eröffnen. Voraussetzung hierfür ist die Information über Art, Charakter, Prognose und Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung für Patient und Angehörige, sowie die fortlaufende Reflexion hierzu im Behandlungsverlauf. Die Herausforderungen in physischer, psychischer, sozialer und spiritueller Dimension sind komplex. Präferenzsensitive Betreuung bedeutet, die für den einzelnen Patienten notwendigen Maßnahmen, die individuellen Ziele und die individuellen Präferenzen während des Krankheitsverlaufes auf den genannten Ebenen jeweils adäquat zu erfassen und darauf einzugehen. Grundlage ist eine realitätsbezogene, stützende Kommunikationslinie (Prognose der Erkrankung; potentieller Nutzen krankheitsspezifischer Maßnahmen; potentielle Bedeutung palliativmedizinischer Maßnahmen mit oder ohne Verbindung zu alternativen Behandlungskonzepten) [599], [651], [1144].
Die so strukturierte Kommunikation sollte frühzeitig beginnen – spätestens innerhalb von zwei Monaten nach Diagnosestellung einer metastasierten Erkrankung mit einem Erwartungswert für die mediane Überlebenszeit unter 12 Monaten (siehe Kapitel 8.2). Durch die so strukturierten Kontakte werden positive Effekte (Lebensqualität; Management von Symptomen; psychische Belastung bei Patient und Angehörigen) dann erzielt, wenn diese wenigstens in monatlichen Abständen über zumindest drei Folgekontakte geführt werden (siehe Kapitel 8.2).
Eine Besonderheit beim metastasierten Lungenkarzinom, im Vergleich zu anderen metastasierten Karzinomen, ist, dass das verfügbare Zeitfenster oft vergleichsweise kurz ist. Für den betreuenden Haus- oder Facharzt sollte die Möglichkeit bestehen, Patienten und Angehörige an eine hierfür kompetente Beratungsstelle zu vermitteln. . Dafür sollte der Zugang zu einem entsprechend ausgerichteten Zentrum (Einbindung von Pneumologie; Radioonkologie; Thoraxchirurgie; Onkologie; Ernährungsberatung und -therapie; psychologische Beratung und Betreuung; Sozialdienst; Palliativmedizin; sowie im Bedarfsfall Tumororthopädie und Neurochirurgie) ermöglicht werden. Angesichts der kurzen Lebenszeit ist es wichtig, diesen Betreuungskontext vom Diagnosezeitpunkt an verbindlich und kontinuierlich herzustellen. Damit wird ein von gegenseitigem Kennen und Vertrauen geprägtes Umfeld etabliert, das den Patienten bis hin in die terminale Lebensphase trägt [785].
In der metastasierten Situation existieren potentiell kurative Situationen, die als OMD (oligometastasierte Erkrankung) bezeichnet werden und von dem rein palliativen Ansatz im Stadium IV klar abgegrenzt werden sollten, Diese Patienten sind wie Patienten in den limitierten Stadien unter kurativem Konzept zu führen (siehe Kapitel 8.6.15).
8.6.2 Systemtherapie bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom ohne therapierbare genetische Alterationen
Die Behandlung von NSCLC-Patienten Stadium IV mit plattenepithelialer Histologie soll systemisch erfolgen.
Die initiale Beurteilung der Symptomlast des Patienten, der Tumorgesamtlast und der daraus resultierende Remissionsdruck sind neben dem ECOG-PS und der Patientenpräferenz wichtige Parameter für die Auswahl der Substanzen bzw. Substanzkombinationen.
Komorbiditäten der Erkrankten spielen bei plattenepithelialer Histologie eine wichtige Rolle und sind in der Wahl der Therapie in Bezug auf die Nebenwirkungen zu berücksichtigen, um eine effektive Fortführung der Therapie zu gewährleisten.
8.6.2.1 Systemtherapie (Erstlinie) bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom ohne therapierbare genetische Alterationen
Bei NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im UICC Stadium IV sowie ECOG 0-1, welche keine therapierbaren Mutationen und keine Kontraindikation gegenüber Checkpoint-Inhibitoren aufweisen, soll, unabhängig vom PD-L1 Status, in der Erstlinientherapie eine Chemo-Immuntherapie angeboten werden:
- Carboplatin + Paclitaxel oder NabPaclitaxel + Pembrolizumab, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab
- platinbasierte Chemotherapie + Nivolumab + Ipilimumab über 2 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Nivolumab + Ipilimumab über 2 Jahre.
- platinbasierte Chemotherapie + Durvalumab + Tremelimumab, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Durvalumab alle 4 Wochen und einer 5. Dosis Tremelimumab; zusammen mit der 6. Dosis Durvalumab
- platinbasierte Chemotherapie + Cemiplimab (bei PD-L1 Status ≥1%), alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von Cemiplimab alle 3 Wochen
- Carboplatin + Paclitaxel oder NabPaclitaxel + Tislelizumab, alle 3 Wochen über 4 bis 6 Zyklen, gefolgt von Tislelizumab Erhaltungstherapie
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊕⊕⊝
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [1145] [1146] [972] [1147] [1148] [1149] [125] [1150] [1151] [1152]
Änderungshinweis
Bei NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im UICC Stadium IV sowie ECOG 0-1, welche keine therapierbaren Mutationen und keine Kontraindikation gegenüber Checkpoint-Inhibitoren aufweisen, soll, unabhängig vom PD-L1 Status, in der Erstlinientherapie eine Chemo-Immuntherapie angeboten werden: Carboplatin + Paclitaxel oder NabPaclitaxel + Pembrolizumab, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab platinbasierte Chemotherapie + Nivolumab + Ipilimumab über 2 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Nivolumab + Ipilimumab über 2 Jahre. platinbasierte Chemotherapie + Durvalumab + Tremelimumab, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Durvalumab alle 4 Wochen und einer 5. Dosis Tremelimumab; zusammen mit der 6. Dosis Durvalumab platinbasierte Chemotherapie + Cemiplimab (bei PD-L1 Status ≥1%), alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von Cemiplimab alle 3 WochenEvidenztabellen (6)
Nivolumab plus Ipilimumab plus Chemotherapie Erstlinie NSCLC Stadium IV, CheckMate 9LA; Pembrolizumab mit und ohne Chemotherapie Erstlinie - Keynote 407- AMNOG; Cemiplimab plus Chemotherapie NSCLC Stadium III oder IV Erstlinie, EMPOWER-Lung 3; Nivolumab+Ipilimumab plus Chemotherapie NSCLC Stadium IV Erstlinie, CheckMate 9LA; Tremelimumab + Durvalumab plus Chemotherapie NSCLC Stadium IV Erstlinie, Poseidon; Tislelizumab + Chemotherapie Erstlinie NSCLC Stadium IVBei NSCLC-Patienten im Stadium IV mit Plattenepithelkarzinom, welche keine therapierbaren Mutationen (z. B. EGFR, EML4-ALK, ROS1) aufweisen, und welche in Gewebeproben eine PD-L1-Expression von ≥ 50 % der Tumorzellen oder >10% auf Immunzellen aufweisen, soll eine Monotherapie mit
- Atezolizumab (≥ 50% der Tumorzellen oder 10% der tumorinfiltrierenden Lymphozyten),
- Cemiplimab (≥ 50% der Tumorzellen) oder
- Pembrolizumab (≥ 50% der Tumorzellen)
als Erstlinientherapie angeboten werden, sofern nicht patienten- oder tumorbezogene Gründe für eine Kombinationsbehandlung sprechen.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1145] [1147] [1149] [1148] [125]
Änderungshinweis
Bei Therapienaiven Patienten im Stadium IV, welche keine therapierbaren Mutationen (z.B. EGFR, EML4-ALK, ROS1) aufweisen, und welche in Gewebeproben eine PD-L1-Expression von >50 % der Tumorzellen aufweisen, sollte Pembrolizumab (200 mg i.v. alle 3 Wochen) als Erstlinientherapie angeboten werden.In aller Regel sollte bei NSCLC im Stadium IV nach 2 Zyklen Therapie (6 Wochen), spätestens aber nach 3 Zyklen (9 Wochen) eine radiologische Verlaufskontrolle erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (97%)
Bei NSCLC-Patienten im Stadium IV mit radiologischem Ansprechen oder Stabilisierung und entsprechender Verträglichkeit soll nach studienanaloger Zyklenzahl der platinhaltigen Chemo-/Immuntherapie eine Erhaltungstherapie erfolgen.
Die Gesamtdauer der Chemo-Immuntherapie in der Erhaltung bzw. der Immun-Monotherapie bei NSCLC Stadium IV ist noch nicht hinreichend geklärt. Die Checkpointinhibitoren Pembrolizumab und Cemiplimab wurden in den zulassungsrelevanten Studien über zwei Jahre verabreicht. Eine Fortsetzung der Therapie über dieses Intervall hinaus kann bei weiter bestehender Tumorkontrolle und Verträglichkeit dem Patienten angeboten werden. Für Atezolizumab und Tislelizumab wurde in der Zulassungsstudie keine Begrenzung der Therapiedauer festgelegt.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Änderungshinweis
Die Gesamtdauer der Chemo-Immuntherapie bzw. der Immun-Monotherapie bei NSCLC Stadium IV ist derzeit noch nicht hinreichend geklärt. Die Checkpointinhibitoren Pembrolizumab und Cemiplimab wurden in den zulassungsrelevanten Studien über zwei Jahre verabreicht. Eine Fortsetzung der Therapie über dieses Intervall hinaus kann bei weiter bestehender Tumorkontrolle und Verträglichkeit dem Patienten angeboten werden. Für Atezolizumab wurde in der Zulassungsstudie keine Begrenzung der Therapiedauer festgelegt.Patienten mit NSCLC Stadium IV mit besonderen Risikofaktoren für eine Immuntherapie
Patienten mit Autoimmunerkrankungen und gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) kann eine Immun- (Kombinations-) Therapie angeboten werden, wenn die Autoimmunerkrankung nicht lebensbedrohlich und nicht aktiv ist. Ein engmaschiges Monitoring ist in solchen Fällen besonders notwendig. Bei der Wahl der immunonkologischen Therapie sollte das relevante Nebenwirkungsspektrum berücksichtigt werden.
Patienten mit kontrollierter Hepatitis B oder C oder einer kontrollierten HIV Erkrankung und gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) kann eine Immun- (Kombinations-) Therapie angeboten werden. Ein engmaschiges Monitoring ist in solchen Fällen besonders notwendig.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit besonderen Risikofaktoren für eine Immuntherapie Patienten mit Autoimmunerkrankungen und gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) kann eine Immun- (Kombinations-) Therapie angeboten werden, wenn die Autoimmunerkrankung nicht lebensbedrohlich und nicht aktiv ist. Ein engmaschiges Monitoring ist in solchen Fällen besonders notwendig. Patienten mit kontrollierter Hepatitis B oder C oder einer kontrollierten HIV Erkrankung und gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) kann eine Immun- (Kombinations-) Therapie angeboten werden. Ein engmaschiges Monitoring ist in solchen Fällen besonders notwendig.NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im UICC Stadium IV sowie ECOG 0-1, welche keine therapierbaren Mutationen aufweisen und für eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren nicht geeignet sind, sollen 4-6 Zyklen einer platinbasierten Kombinationschemotherapie angeboten werden.
Folgende Schemata werden empfohlen:
- Carboplatin + nab-Paclitaxel,
- Cisplatin/Carboplatin + Paclitaxel,
- Cisplatin/Carboplatin + Vinorelbine,
- Cisplatin/Carboplatin + Docetaxel,
- Cisplatin/Carboplatin + Gemcitabin.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1159] [964] [1160] [1161] [1162] [1163] [1164] [1165] [1166] [1167]
Änderungshinweis
Bei NSCLC-Patienten im Stadium IV mit Plattenepithelkarzinom in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) und Kontraindikationen gegen eine Immuntherapie soll eine platinbasierte Kombinationschemotherapie angeboten werden.Therapie von Patienten mit Plattenepithelkarzinom und PD-L1-Expression ≥ 50 % sowie ECOG 0-1
In einer Phase-III-Studie (KEYNOTE-024 [1147] mit 305 unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC wurde platinbasierte Standardchemotherapie (investigator´s choice) mit Pembrolizumab Monotherapie (200 mg i. v. alle 3 Wochen) verglichen. Eingeschlossen wurden Patienten, die auf mindestens 50 % ihrer Tumorzellen PD-L1 exprimierten. Ausgeschlossen wurden Patienten mit aktivierender EGFR-Mutation oder ALK-Fusion. Ein Crossover vom Chemotherapiearm zu Pembrolizumab-Therapie bei Krankheitsprogression war erlaubt. Primärer Endpunkt war das mediane PFS im zentralen Review. Das mediane PFS mit Pembrolizumab betrug 10,3 Monate (95 % KI 6,7 bis nicht erreicht) und war damit signifikant dem Chemotherapiearm überlegen (6,0 Monate, KI 4,2-6,2). Die Hazard Ratio für Progression betrug 0,5 (95 % KI 0,37-0,68, p<0.001). Das Überleben nach 6 Monaten betrug 80,2 % in der Pembrolizumab-Gruppe vs. 72,4 % in der Chemotherapie-Gruppe (HR 0,6, 95 % KI 0,41-0,89, p=0.005). Überlebensdaten nach einer medianen Beobachtungszeit von 25,2 Monaten zeigten eine mediane Überlebenszeit von 30,0 Monaten in der Pembrolizumab- Gruppe und 14,2 Monaten in der Chemotherapie-Gruppe (HR 0,63; 95 % CI 0,47 - 0,86). Die Ansprechrate betrug in der Pembrolizumab-Gruppe 44,8 % vs. 27,8 % in der Chemotherapie-Gruppe. Die Therapie mit Pembrolizumab war weniger toxisch sowohl bezüglich aller gelisteten Nebenwirkungen (adverse events grade 1-5; Pembrolizumab 73,4 %, Chemotherapie 90,0 %) als auch bezüglich der schweren Nebenwirkungen (adverse events grade 3,4,5; Pembrolizumab 26,6 % vs. Chemotherapie 53,3 %). Neue Signale bezüglich der Art der Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Die Überlegenheit des Pembrolizumab war in allen Subgruppen gegeben (Histologie, Alter, Ethnizität u. a.). Eine Lebensqualitätsanalyse erfasste 299 der 305 in der KEYNOTE-024-Studie untersuchten Patienten. Eine Verschlechterung der Lebensqualität trat unter Pembrolizumab seltener auf und die Zeit bis zur Verschlechterung der Lebensqualität war unter Pembrolizumab länger als unter Chemotherapie. In der Pembrolizumab-Gruppe, nicht aber in der Chemotherapie-Gruppe wurde eine Verbesserung der Lebensqualität nach 15 Wochen berichtet.
Nach Versagen der Erstlinientherapie mit Pembrolizumab wird den Patienten als Zweitlinientherapie vorzugsweise eine Kombination aus Zytostatika angeboten – entsprechend einer „Erstlinien-Kombinationstherapie“.
In einer Phase-III-Studie (Impower 110, [1148]) wurden 572 Patienten mit unbehandeltem, fortgeschrittenem NSCLC zu einer Monotherapie mit Atezolizumab (1200mg i.v. alle 3 Wochen) oder Platin-basierter Chemotherapie (4 oder 6 Zyklen) mit Cisplatin (75mg/m2) bzw. Carboplatin AUC 5 in Kombination mit Gemcitabine (1250mg/m2 bei Kombination mit Cisplatin, 1000mg/m2 bei Kombination mit Carboplatin) bei einer Plattenepithelhistologie oder Cisplatin (75mg/m2) bzw. Carboplatin AUC 6 in Kombination mit Pemetrexed (500mg/m2) bei einer nicht-plattenepithelen Histologie randomisiert.
Der Primärendpunkt war Gesamtüberleben bei Patienten mit hoher PD-L1 Expression (50% der Tumorzellen oder 10% der tumorinfiltrierenden Lymphozyten) und EGFR- sowie ALK-Wildtyp. Gesamtüberleben war signifikant länger in der Subgruppe mit hoher PD-L1 Expression und EGFR/ALK-Wildtyp (20.2 Monate) verglichen mit Chemotherapie (13.1 Monate) (HR, 0.59; 95% confidence interval [CI], 0.40 to 0.89; P=0.01.
Eine randomisierte Phase III Studie (EMPOWER-Lung 1 [1125]) untersuchte den PD-1 Inhibitor Cemiplimab, vs. Platin-basierte Chemotherapie bei Patienten mit NSCLC. Nie-Raucher wurden ausgeschlossen. Cross-over war erlaubt und erfolgte bei 74% der Patienten. Bei der finalen Auswertung nach 5 Jahren Nachbeobachtungszeit [1168] zeigten 565 von 712 eingeschlossenen Patienten eine Tumor PD-L1 Expression von mindestens 50% (22C3 Assay). Eine geplante Analyse dieser Subgruppe zeigte einen Vorteil für Cemiplimab gegenüber Chemotherapie im OS (OS Cemiplimab 26,1Monate (95% CI 22,1-31,9); Chemotherapie 13,3 Monate (95% CI 10,5-16,2); hazard ratio HR 0,585 (95% CI 0,48-0,72), p<0,0001). Das mediane PFS betrug 8,1 Monate (95% CI 6,2-8,8) unter Cemiplimab gegenüber 5,3 Monate (95% CI 4,3-6,1) unter Chemotherapie (HR 0,500 (95% CI 0,41-0,61), p<0,0001). Eine Subgruppenauswertung mit 245 Patienten mit plattenepithelialem NSCLC und PD-L1 Expression von mindestens 50% [1169] ergab ein medianes OS unter Cemiplimab (n=123) von 22,7 Monaten (95% CI 17,3-31,5) gegenüber 13,5 Monaten (95% CI 10,0-16,2) unter Chemotherapie (n=122; HR 0,51 (95% CI 0,38-0,69)).
In einer Phase-III-Studie (CheckMate 026; [1170]) wurden 541 Patienten mit unbehandeltem fortgeschrittenem NSCLC randomisiert zwischen platin-basierter Standardchemotherapie (Histologie-abhängig) und Nivolumab (3 mg/kg i. v. alle 2 Wochen) verglichen. Eingeschlossen in die Studie wurden Patienten mit einer PD-L1-Expression auf mindestens 1 % der Tumorzellen. Ausgeschlossen wurden Patienten mit aktivierender EGFR-Mutation oder ALK-Fusion. Primärer Endpunkt ist das PFS im zentralen Review in der Patientengruppe mit ≥ 5 % PD-L1 positiven Tumorzellen. Die Studie war negativ. Bei den 423 Patienten mit einer PD-L1 Expression ≥ 5 % zeigte sich ein medianes PFS von 4,2 Monate im Nivolumabarm vs. 5,9 Monate im Chemotherapiearm (HR 1,15; 95 % CI 0,91-1,45). Auch bezüglich Gesamtüberleben zeigte sich kein Unterschied: 14,4 in der Nivolumabgruppe vs. 13,2 Monate in der Chemotherapie-Gruppe (HR 1.02; 95 % CI 0,80-1.30).
Eine gepoolte Analyse der KEYNOTE-001, -024 und -042 Studien [1171] untersuchte das Nutzen der Pembrolizumabmonotherapie bei älteren Patienten > 75 Jahre. 132 ältere Patienten mit einer PD-L1-Expression > 50 % wurden in der Analyse berücksichtigt. Die Erstlinientherapie mit Pembrolizumab führte zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens im Vergleich mit Chemotherapie. Dabei traten Nebenwirkungen unter der Pembrolizumabmonotherapie im Vergleich zu Chemotherapie seltener auf.
Die KEYNOTE 407 [1172] untersuchte die gleichzeitige Gabe von Chemotherapie (Carboplatin und Paclitaxel oder nabPaclitaxel) mit Pembrolizumab vs. Chemotherapie allein bei unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom der Lunge unabhängig von der PD-L1 Expression. Eine Subgruppe der Patienten hatten PD-L1 Expression auf mehr als 50 % der Tumorzellen in der Biopsie. Alle untersuchten PD-L1-Subgruppen profitierten von der Kombinationstherapie im Vergleich zu Chemotherapie allein. Der Vorteil war in der Subgruppe mit mehr als 50 % PD-L1 Expression besonders stark (HR 0,37; 95 % CI 0,24-0,58). Bisher gibt es keine Studie, die eine Monotherapie mit Pembrolizumab mit einer Chemotherapie/Pembrolizumab-Kombination vergleicht.
In die Checkmate9LA-Studie waren ebenfalls Patienten mit Plattenepithelkarzinom eingeschlossen worden. Hier wurden in einem 2:1-Design 2 Zyklen einer platinhaltigen Chemotherapie mit Nivolumab und Ipilimumab gegen Chemotherapie allein geprüft. Im experimentellen Arm wurden Nivolumab und Ipilimumab bis zum Progress oder Auftreten inakzeptabler Toxizität als Erhaltungstherapie verabreicht [1145]. Durch Hinzunahme der Immuncheckpointinhibitor-Kombination zeigte sich eine Verbesserung des Gesamtüberlebens für alle alle Histologien von 15,6 Monaten vs. 10,9 Monaten (HR 0,66) gegenüber der Standardchemotherapie.
Therapie von Patienten mit Plattenepithelkarzinom mit einer PD-L1-Expression < 50 % und ECOG 0-1
In einer Phase-III-Studie (KEYNOTE-407) wurden 559 Patienten mit gutem ECOG-PS 0 oder 1 in einem 1:1-Design entweder mit einer Kombination von Paclitaxel bzw. NabPaclitaxel, Carboplatin und Pembrolizumab oder Chemotherapie allein, unabhängig von der PD-L1-Expression, behandelt. Nach einem medianen Follow-up von 7,8 Monaten zeigte sich eine signifikante Verbesserung des medianen Gesamtüberlebens von 15,9 vs. 11,3 Monaten {HR 0,64; p<0,001} durch die Hinzunahme von Pembrolizumab. Der Vorteil war unabhängig von dem Grad der PD-L1-Expression. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 6,4 vs. 4,8 Monate {HR 0,56; p<0,001}. Unerwünschte Nebenwirkungen der Grade 3 und höher traten in 69,8% bei Patienten in der Pembrolizumab-Gruppe und 68,2% im Vergleichsarm auf. Nebenwirkungsbedingte Therapieabbrüche waren mit 13,3% vs. 6,4% häufiger im Pembrolizumab-Arm [1172].
In einer Analyse der Subgruppe mit einem PD-L1-Status von 1bis 49 % betrug die HR für das progressionsfreie Überleben 0,8 und das Gesamtüberleben 0,74 zugunsten der Therapie mit Pembrolizumab [1146].
Im Rahmen der Pembrolizumab-Erhaltung nach 4 Zyklen Kombinationstherapie ist eine erhöhte immunassoziierte Toxizität zu berücksichtigen.
In der EMPOWER-Lung-3-Studie erhielten Patienten in einer 2:1-Randomisierung Cemiplimab und bis zu 4 Zyklen platinhaltige Kombinationschemotherapie oder Placebo und Chemotherapie, anschließend Cemiplimab aller 3 Wochen bzw. Placebo. Eingeschlossen waren auch 146 Patienten mit plattenepithelialer Histologie. Es konnte eine signifikante Verbesserung des Ansprechens (47,9 vs. 22,7%), progressionsfreien (8,3 vs. 5,5 Monate, HR 0,48) und Gesamtüberlebens (23,5 vs. 12,1 Monate, HR 0,51) gezeigt werden. Patienten mit plattenepithelialer Histologie und Nicht-Plattenepithelkarzinom profitierten gleichermaßen. Kein Vorteil im Gesamtüberleben ergab sich bei PD-L1-Negativität, weswegen eine Zulassung nur für Patienten mit mindestens 1% PD-L1-exprimierenden Tumorzellen ausgesprochen wurde [1150].
Die Ansprechraten waren in der Patientengruppe mit einer PD-L1-Expression zwischen 1 und 49 % sowohl mit der Dreifachkombination (Keynote 407) als auch mit dem Vierfach-Regime (Checkmate9LA) niedriger als bei der Gruppe der Patienten mit mehr als 50% PD-L1-exprimierenden Tumorzellen.
In der längerfristigen Beobachtung zeigte sich allerdings, dass insbesondere Patienten mit weniger als 1% PD-L1-exprimierender Tumorzellen von der doppelten Checkpointinhibition gegenüber Chemotherapie profitieren.
Die immunassoziierte Toxizität war bei der Vierfachkombination, gefolgt von der Erhaltungstherapie mit Nivolumab und Ipilimumab höher als bei der Therapie mit nur einem Checkpointinhibitor. Insbesondere kam es vermehrt zum Auftreten von endokrinologischen (vornehmlich Schilddrüse) und gastrointestinalen (Kolitis, Hepatitis) Nebenwirkungen kommen.
Eine weitere Kombination zweier Checkpoint-Inhibitoren mit Chemotherapie wurde in der POSEIDON-Studie [1151] untersucht und führte 04/2023 zur Zulassung. Bei Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom wurden Platin/Gemcitabine oder Nab-Paclitaxel mit Durvalumab und Tremelimumab kombiniert. In der Subgruppe mit plattenepithelialer Histologie wurde (nach Ausschluss einer EGFR-Mutation und ALK-Fusion und entsprechend der Randomisierung) bei 124/128/122 Patienten die Kombination aus Chemo- und doppelter Immuntherapie, Chemotherapie und Durvalumab bzw. Chemotherapie allein verglichen. Subgruppenanalysen ergaben Hinweise auf ein besseres progressionsfreies Überleben, sofern die Chemotherapie Paclitaxel enthielt. Die Mehrheit der Patienten erhielt jedoch aufgrund der globalen Verteilung Gemcitabine. Vorteile im progressionsfreien Überleben (HR 0,77 95%KI 0,58-1,01) und Gesamtüberleben (HR 0,88 95%KI 0,68-1,16) waren deutlich geringer als in der Subgruppe mit nicht-plattenepithelialer Histologie (PFS HR 0,66 95%KI 0,52-0,84; OS HR 0,70 95%KI 0,56-0,87). Die 5 Jahres OS Daten bestätigten den Langzeit-Vorteil der 4-fach Kombination gegenüber der Chemotherapie (HR ITT 0.76, KI 0.64-0.89) Peters et al 2023.
Die Kombination aus doppelter Immuntherapie mit Chemotherapie führte zu einer deutlich höheren Abbruchquote von 15,5 % versus 9,9 % bei alleiniger Chemotherapie. Die Gruppe mit Durvalumab plus Chemotherapie wies Vorteile hinsichtlich des bestätigten Ansprechens (41,5 vs. 24,4%), progressionsfreiem Überleben (HR 0,68 95%KI 0,52-0,90) und Gesamtüberleben (HR 0,84 95%KI 0,64-1,10) gegenüber alleiniger Chemotherapie auf. Die Abbruchquote betrug 14,1%. Die Dreifachkombination kam aber nicht zur Zulassung.
Best Supportive Care (BSC) versus Kombinationschemotherapie und BSC
In die 1995 publizierte Metaanalyse eingeschlossen waren 11 Studien, darunter 8 mit einer cisplatinbasierten Kombinationschemotherapie (778 Patienten). In den Studien mit cisplatinbasierter Kombination belegt die Metaanalyse eine signifikante, wenn auch absolut geringe Verbesserung der medianen Überlebenszeit im Vergleich zu BSC (HR 0,73; p<0,0001; mediane Überlebensverlängerung 6 Wochen bzw. 10 %ige Verbesserung des Überlebens nach einem Jahr 5 % vs. 15 %) [678]. Dies zeigt auch eine randomisierte Phase-III-Studie (725 Patienten) im Vergleich von 4 verschiedenen cisplatinbasierten Chemotherapieregimen gegenüber BSC (HR 0,77; p=0,0006, medianes Überleben 8 vs. 5,7 Mon.) [352][675]. Zudem belegen zwei weitere kleinere Phase-III-Studien einen signifikanten Überlebensvorteil zugunsten einer cisplatinbasierten Kombinationschemotherapie [676], [677]. In einer dieser Studien wurde die Lebensqualität bewertet; es zeigte sich eine Verbesserung unter cisplatinbasierter Kombinationschemotherapie, nicht aber unter BSC [676]. Für Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0,1) kann somit die Evidenz für einen Überlebensvorteil einer cisplatinbasierten Kombinationschemotherapie gegenüber BSC als sicher angesehen werden.
Somit kann bei Patienten im Stadium IV eine Chemotherapie zur Verbesserung der Überlebenszeit, der Krankheitskontrolle und der Lebensqualität als Therapieoption angeboten werden.
Platinfreie versus platinhaltige Kombinationschemotherapie
Die Frage des Stellenwerts einer platinfreien Kombinationstherapie gegenüber einer platinhaltigen Kombinationstherapie wurde in einer Metaanalyse, die 37 Studien mit 7633 Patienten einschloss, untersucht [691]. Demgemäß ist die Behandlung der Wahl eine platinbasierte Kombinationstherapie. Bei Kontraindikationen gegen eine platinhaltige Chemotherapie kann eine platinfreie Drittgenerations-Zytostatika-Kombinationstherapie empfohlen werden.
Evidenz zu nab-Paclitaxel
Der Nutzen von nab-Paclitaxel (=nab = nanoparticle albumin bound) wurde in einer Phase-III-Studie bei 1052 Patienten mit Stadium IIIB und IV untersucht [1173], [1174]. Geprüft wurde eine Therapie mit nab-Paclitaxel 100mg /m2 wöchtentlich und Carboplatin AUC 6,0 alle 3 Wochen im Vergleich zu Paclitaxel 200mg/m2 und Carboplatin AUC 6,0 alle 3 Wochen. Der primäre Endpunkt war die objektive Ansprechrate. Die Studienpatienten waren stratifiziert nach Stadium IIIB vs. IV, Alter (unter oder über 70 Jahre), Geschlecht, Histologie (Plattenepithel- vs. Adeno karzinom vs. andere) und geographische Region (Nordamerika vs. Russland/Ukraine vs. Japan vs. Australien). Nab-Paclitaxel zeigte eine signifikant höhere Ansprechrate (ORR 33 vs. 25%, ORR Ratio 1,313, 95 % CI der Response Ratio 1,082 – 1,592, p < 0,005). Bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom betrug die Ansprechrate 41 vs. 24 % (Response rate ratio 1,680, 95 % CI 1,271 – 2,221, p=0,001. Bezüglich des progressionsfreien und des Gesamtüberlebens zeigten sich keine signifikanten Unterschiede im Gesamtkollektiv. Bei Patienten über 70 Jahre ergaben sich im Rahmen einer Subgruppenanalyse Hinweise auf einen deutlichen Überlebensvorteil (19,9 vs. 10,4 Monate, p<0,009). Grad-3-Neuropathien, Neutropenien, Arthralgien und Myalgien traten signifikant weniger häufig unter nab-Paclitaxel als unter Paclitaxel auf. Im Paclitaxel-Arm traten weniger Thrombozytopenien und Anämien auf.
Ein Vorteil von nab-Paclitaxel scheint die kürzere Infusionsdauer sowie wegen der veränderten Darreichungsform und damit besserer Akutverträglichkeit die fehlende Notwendigkeit der Komedikation mit hochdosierten Steroiden zu sein.
Stellenwert von Drittgenerationszytostatika
Als Kombinationspartner stehen die Zytostatika der zweiten Generation wie Etoposid, Vindesin, Mitomycin und Ifosfamid oder der dritten Generation, wie Gemcitabin, Paclitaxel, nab-Paclitaxel, Docetaxel und Vinorelbin zur Verfügung. Im Vergleich zu Best-Supportive-Care haben die Drittgenerationszytostatika in der Mono-chemotherapie ihren Vorteil für das Gesamtüberleben gezeigt [679], [682], und sind mittlerweile in der Kombination mit Cisplatin als untereinander äquieffektiv [683], [684], [685].
Die Frage der Überlegenheit von Drittgenerations-Cisplatin Kombinationen gegenüber Zweitgenerations-Cisplatin-Kombinationen wurde in einer Reihe von Phase-III-Studien ohne einheitliches Ergebnis überprüft [687] , [688], [736], [689], [698], [692].
Drei prospektiv randomisierte Studien zeigen einen signifikanten Überlebensvorteil von Drittgenerations-Kombinationen gegenüber Zweitgenerations-Kombinationen (Cisplatin/Vinorelbin versus Cisplatin/Vindesin [792]; Carboplatin/Gemcitabin versus Mitomycin, Cisplatin, Ifosfamid) [692]; Cisplatin/Docetaxel versus Cisplatin/Vindesin [693].
In zwei Metaanalysen wurden Effekte von Drittgenerations-Zytostatika gegenüber Zweitgenerationszytostatika untersucht. Eine Metaanalyse überprüfte die Effektivität von Gemcitabin-Kombinationen gegenüber einer Monotherapie sowie einer Zwei- bzw. Dreifachtherapie von II. und III. Generationssubstanzen. Die getrennte Analyse der Studien mit Kombinationschemotherapie zeigt einen statistisch signifikanten Vorteil für die Kombination Gemcitabin und Cisplatin gegenüber der Kombination von Platinderivat und Zweitgenerationszytostatikum [694][Yerokun, BA et al. 2017]. In einer zweiten Metaanalyse wurde in der platinbasierten Kombinationstherapie Docetaxel gegen Vincaalkaloide (Vinorelbin oder Vindesin) verglichen. Docetaxel war statistisch signifikant überlegen gegenüber Vinkaalkaloiden hinsichtlich Überleben und Toxizität [695]. Diese Metaanalyse wurde auf Basis individueller Patientendaten aktualisiert und kommt zum identischen Ergebnis hinsichtlich der klinischen Effektivität [696].
Mono- versus Kombinationschemotherapie
Zweitgenerationszytostatika
Zwei Metaanalysen, überwiegend mit Zweitgenerationszytostatika durchgeführt, belegen einen signifikanten Vorteil einer Kombinationstherapie im Vergleich zur Monotherapie [709], [697]. Die Kombinationstherapie ergibt ein besseres Ansprechen (20 - 35 %) und ein minimal verbessertes 1-Jahres -Überleben (24,4 % bzw. 21,7 %), allerdings bei gesteigerter Toxizität und therapieassoziierter Mortalität (< 1 % vs. 2-3 %).
Drittgenerationszytostatika
Auch für die Drittgenerationszytostatika wurde ein Vorteil der Kombination gegenüber einer Cisplatin-Monotherapie mit verbessertem Ansprechen und Überleben gezeigt [1175], [764], [765], [769].
In einer Metaanalyse wurde die Frage einer Monotherapie vs. Kombinationstherapie untersucht. Die platinhaltige Kombinationstherapie war gegenüber III. Generations-Monotherapien hinsichtlich Ansprechen (OR= 2,62; 95 % CI, 2,22 bis 3,09; P< 0.0001) und Überleben (OR= 1,38; 95 % CI, 1,17 bis 1,63; P=0,0001, OS nach einem Jahr 35 % vs. 25 %) signifikant überlegen [691].
Therapiedauer
In zwei randomisierten Studien wurde die Zeitdauer der Chemotherapie geprüft. Eine Studie sollte einen Unterschied der 6-monatigen Überlebensrate von > 33 % bzw. der medianen Überlebenszeit (MÜZ) von 4 auf 6 Monate beim Vergleich von 3 versus 6 Zyklen Mitomycin/Vinblastin/Cisplatin zeigen. Ein Unterschied wurde nicht festgestellt (MÜZ 6 versus 7 Monate; p = 0,2); allerdings erhielten im Vergleichsarm nur 31 % der Patienten 6 Zyklen Chemotherapie [766]. In einer weiteren Studie sollte ein Unterschied in der 1-Jahres-Überlebensrate von 15 % gezeigt werden. Geprüft wurde die Gabe von 4 Zyklen Carboplatin/Paclitaxel versus fortlaufender Gabe von Carboplatin/Paclitaxel bis zur Erkrankungsprogression. Im Falle der Erkrankungsprogression wurde in beiden Armen auf wöchentliche Gabe von Paclitaxel umgestellt. Weder für die Überlebenszeit noch Lebensqualität konnte die Überlegenheit eines Therapiearmes nachgewiesen werden [767]. Aus beiden Studien wird kein Vorteil im Hinblick auf Überlebenszeit oder Lebensqualität für eine über vier Therapiezyklen hinausgehende Behandlung offensichtlich. In einer auf IPD-Basis (individual patient data) geführten Metaanalyse unter Einschluss aller randomisierten Studien, die in der Erstlinie sechs Zyklen versus eine niedrigere Zyklenanzahl einer platinbasierten Kombinationschemotherapie prüften, wird dies bestätigt [767][1176]. Auf Basis von vier eingeschlossenen Studien (1139 Patienten) zeigt die Analyse (3-4 Zyklen versus 6 Zyklen) lediglich einen Unterschied für das pro-gressionsfreie Überleben (Median) von 23 Tagen (5,33 vs. 6,09 Monate; HR = 0,79, p = 0,007); nicht jedoch für die Remissionsrate (36,5 % vs. 41,3 %; p = 0,16) bzw. das Gesamtüberleben (8,68 vs. 9,54 Monate; HR = 0,94, p = 0,33). Die Ansprechrate ist mit 41,3 % vs. 36,5 % geringfügig höher, wobei dieser Unterschied statistisch nicht signifikant ist (p=0,16). Hinsichtlich der Nebenwirkungen zeigt die Metaanalyse eine höhere Rate von schweren Anämien (> Grad 3) bei Therapieregimen mit 6 Zyklen 7,8 % vs. 2.9 %)
Stellenwert der Erhaltungstherapie
Das Konzept einer Erhaltungstherapie wurde in mehreren randomisierten Studien bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand (PS 0 und I) getestet. Hier wurden zur Verlängerung des Effektes einer Erstlinientherapie entweder eine Fortführung der Therapie mit einer Substanz der Erstlinientherapie (continuation maintenance) oder ein Wechsel der Substanz nach 4 Zyklen einer platinhaltigen Erstlinientherapie (switch maintenance) untersucht. Hintergrund dieser Therapiestrategie ist das Ziel Chemotherapie-Resistenz zu vermindern, den Tumor mittels einer verlängerten Exposition gegenüber einer wirksamen Substanz zu kontrollieren sowie antiangiogene Effekte und eine Veränderung der Antitumorimmunität möglicherweise zu nutzen.
Die Studie von Fidias et al. setzte einen Meilenstein in der Entwicklung der Erhaltungstherapie. 566 Patienten wurden in dieser Phase-III-Studie untersucht [1143]. Nach 4 Zyklen Carboplatin und Gemcitabin erfolgte eine Switch Maintenance (d. h. die sofortige Gabe von von Docetaxel) vs. einer Standard-Zweitlinientherapie mit Docetaxel bei Progress. Es zeigte sich eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens von 2,7 auf 5,7 Monate (p=0,001), jedoch konnte kein Überlebensvorteil nachgewiesen werden (12,3 vs. 9,7 Monate (p=0,0853). Die Studie war jedoch auch nicht gepowert, um einen Überlebensvorteil nachzuweisen. Nur 31 % der Patienten konnten eine Zweitlinientherapie mit Docetaxel erhalten, was für einen Vorteil der Substanz bei frühem Einsatz spricht.
Eine Therapie mit Paclitaxel, Gemcitabin oder Vinorelbin konnte keinen Überlebensvorteil in der Erhaltungstherapie nachweisen, wobei ein signifikanter Vorteil für Gemcitabin im PFS in der IFCT-GFPC 0502-Studie nachgewiesen wurde [1177], [1178], [1179], [1180], [1181][Smith, I. E. et al. 2001], [1182]. [1183]. Hier wurde eine Continuation-Maintenance mit Gemcitabin mit einer Switch Maintenance mit Erlotinib und Best Supportive Care vergliche. Das Mediane PFS für Gemcitabin vs. Erlotinib vs. Best supportive Care war 3,8 Monate (p < 0.001, HR = 0.56, 95 %CI: 0.44-0.72) vs. 2,9 Monate (p = 0.003, HR = 0.69, 95 % CI: 0.54-0.88) vs 1,9 Monate. Das mediane OS betrug für Gemcitabin vs Erlotinib vs Best Supportive Care 12,1 Monate vs. 11,4 Monate vs. 10,8 Monate. Patienten mit Plattenepithelkarzinom zeigten ebenfalls ein Ansprechen auf die Therapie ohne signifikanten Überlebensvorteil.
Faktoren, die somit für einen Erfolg der Erhaltungstherapie sprechen, sind Grad des Ansprechens auf die Erstlinienchemotherapie, Performance Status, Histologie und molekulare Marker. Erheblicher Diskussionsbedarf besteht weiterhin bezüglich der Studienendpunkte, der Anzahl der Patienten, die eine Zweitlinientherapie erhielten, der Lebensqualität, dem Stellenwert einer Therapiepause sowie den Kosten der Therapie.
Ziele der Behandlung im Stadium IV sind:
- die Reduktion tumorbedingter Symptome und
- die Verlängerung der Überlebenszeit.
Die in diese Studien/Analysen eingeschlossenen Patienten hatten in der Regel einen guten Allgemeinzustand (ECOG 0-1).
Im Rahmen von retrospektiven Meta-Analysen von Chemotherapiestudien wurden Faktoren identifiziert, die prädiktiven Charakter für den Effekt der Chemotherapie auf das Überleben zeigen. Positive Faktoren für das Überleben waren Einsatz einer Kombinationschemotherapie und Einsatz von Cisplatin und/oder Taxan sowie ein guter Performance-Status (ECOG 0,1), Oligometastasierung, Hämoglobin > 11 g/dl, Alter < 70 Jahre, Normalwerte für LDH, Lactat und Calcium.
Auch unter einer laufenden Therapie müssen regelmäßige Kontrollen erfolgen, um eine akute Symptomatik, die einer Intervention (bronchologische Intervention; palliative Radiotherapie; palliative Operation) bedarf, frühzeitig zu erkennen. Für alle Patienten mit Lungenkarzinomen muss der Zugang zu den oben genannten Techniken und Verfahren zeitnah gewährleistet sein.
8.6.2.2 Systemtherapie (Zweitlinie) bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom ohne therapierbare genetische Alterationen
Ziel einer Zweitlinientherapie ist die Verbesserung der Überlebenszeit sowie die Kontrolle von tumorassoziierten Symptomen. In Phase-III-Studien, die den Stellenwert einer Zweitlinientherapie überprüften, wurden Patienten mit ECOG 0-1 untersucht. Die Therapiemöglichkeiten sind differenzierter geworden, sodass eine Darstellung nach immunhistochemischem Phänotyp vorgenommen wird.
NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Stadium IV in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0,1) mit einer Erkrankungsprogression nach primärer Kombinations-Chemotherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitor Therapie soll eine Zweitlinientherapie bis zum Progress oder Auftreten von Toxizitäten angeboten werden.
NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Stadium IV nach Erstlinien-Kombinations-Chemotherapie in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0,1) und ohne Kontraindikationen gegenüber einer Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie, soll ein PD1-bzw. PD-L1 Antikörper in der Zweitlinientherapie angeboten werden.
NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Stadium IV mit einer PD-L1 Expression ≥50% und ECOG 0-2 ohne Kontraindikation, die in der Erstlinie einen Immuncheckpoint-Inhibitor als Monotherapie erhalten haben, sollte für die Zweitlinie eine platinbasierte Chemotherapie angeboten werden. Therapieoptionen sind: Cis-oder Carboplatin + Taxan oder Gemcitabine oder Vinorelbin.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Bei NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Stadium IV nach Erstlinien-Kombinations-Chemotherapie mit ECOG 2 ohne Kontraindikationen gegenüber einer Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie kann
- Atezolizumab oder Nivolumab (unabhängig vom PD-L1 Status) oder
- Pembrolizumab (PD-L1 ≥1%) oder
- Tislelizumab (unabhängig vom PD-L1 Status)
in der Zweitlinientherapie angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 5
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1197] [974] [1198]
Änderungshinweis
Bei NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Stadium IV nach Erstlinien-Kombinations-Chemotherapie mit ECOG 2 ohne Kontraindikationen gegenüber einer Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie kann Atezolizumab oder Nivolumab (unabhängig vom PD-L1 Status oder Pembrolizumab (PD-L1 ≥1%) in der Zweitlinientherapie angeboten werden.NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom Stadium IV nach Erstlinien-Kombinations-Chemotherapie mit/ohne Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0,1) und ohne Kontraindikationen gegen einen Angiogenese-Inhibitor sollte eine Zweitlinientherapie mit Docetaxel +/- Ramucirumab angeboten werden.
Eine Drittlinientherapie bis zum Progress oder Auftreten von Toxizitäten, mit einer Monotherapie wie Gemcitabine oder Vinorelbine, kann bei gutem ECOG (0-1) angeboten werden
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Konsens (92%)
- Literatur
- [1196]
Bei NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Stadium IV, die als Zweitlinientherapie eine Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie erhalten haben und keine Kontraindikationen gegen eine Drittlinientherapie aufweisen, kann Docetaxel +/- Ramucirumab angeboten werden.
Hintergrund
Die Rezeptoren, die beim Lungenkarzinom eine klinisch relevante Rolle spielen, sind PD-1 und PDL-1: Der Rezeptor PD1 wird typischerweise auf T-Zellen exprimiert, der dazugehörige Ligand auf dendritischen Zellen und Tumorzellen. Die Rezeptor-Ligand-Interaktion führt zu einer Inhibition der zytotoxischen Effektorfunktion von T-Lymphozyten. Der erste Immun-Checkpoint-Inhibitor, der für die Therapie des Lungenkarzinoms zugelassen worden ist, war der voll humanisierte anti-PD1 Antikörper Nivolumab. Dieser PD-1 Antikörper inhibiert die PD1-PDL1-Interaktion und aktiviert das Immunsystem gegen den Tumor. In der Studie Checkmate 17 [974], wurde Nivolumab in der Zweitlinientherapie beim Plattenepithelkarzinom gegenüber der Standard-2nd line-Chemotherapie Docetaxel 75 mg/m2 alle 3 Wochen in einer Phase-III-Studie geprüft. 272 Patienten mit Progress nach einer Erstlinien-Kombinations-Chemotherapie und PS 0,1 wurden in die Studie eingeschlossen, der primäre Endpunkt war das Überleben. Das mediane Überleben betrug 9,2 Monate im Nivolumab-Arm versus 6,0 Monate im Docetaxel-Arm (HR 0.59, p<0.001). Das 1-Jahres-Überleben betrug 42 % mit Nivolumab versus 24 % mit Docetaxel. Das Ansprechen stieg von 9 % (Docetaxel) auf 20 % (Nivolumab) (P= 0.008). Das mediane PFS war statistisch signifikant mit 3,5 vs. 2,8 Monate (Nivolumab vs. Docetaxel) (HR 0.62; p<0.001) verbessert. Die Expression von PDL-1, die in einer explorativen Analyse retrospektiv untersucht wurde, war weder prognostisch noch prädiktiv für den klinischen Verlauf. Die Verträglichkeit war mit Nivolumab deutlich besser als mit Chemotherapie, therapiebezogene Grad 3 Nebenwirkungen wurden bei 7 % vs. 55 % der Patienten beobachtet (Nivolumab vs. Docetaxel). Auch die Lebensqualitätsanalysen waren signifikant günstiger für Nivolumab als für Docetaxel.
Formell liegen Daten zur Wirksamkeit von Nivolumab bei Plattenepithelkarzinomen PS 2-4 nicht vor, da diese in die Zulassungsstudien mit Kontrollarm Chemotherapie nicht eingeschlossen wurde. In Anbetracht des Toxizitätsprofils sollte jedoch auch bei Patienten in einem schlechteren Allgemeinzustand als PS 0 und 1 ohne Kontraindikationen gegen eine Immuntherapie eine Behandlung mit Nivolumab erwogen werden.
In der Zweitlinientherapie führt Pembrolizumab Monotherapie gegenüber Docetaxel zu einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit (HR 0,71; median 1,9 Monate), zu einer Steigerung der Remissionsrate und zu einer Reduktion schwerer Therapienebenwirkungen. Das progressionsfreie Überleben wurde nicht signifikant verlängert. Pembrolizumab ist in der Zweitlinientherapie nur zugelassen bei Patienten mit immunhistochemischem Nachweis einer PD-L1- Expression bei mindestens 1% der Tumorzellen. Nebenwirkungen im CTCAE Grad 3/4 unter Pembrolizumab sind Appetitlosigkeit (1 %), Fatigue (1%), Diarrhoe (1%), Anämie (1%), Übelkeit (<1 %), Hautausschlag (<1 %) und Asthenie (<1 %). Appetitlosigkeit und Fatigue waren auch die häufigsten aller Nebenwirkungen (jeweils 14 %) unter Pembrolizumab, gefolgt von Übelkeit (11 %), Hautausschlag (9 %) und Diarrhoe (7 %).
Atezolizumab ist ein monoklonaler Anti-PD-L1. Atezolizumab führte in der Zweitlinientherapie von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC in der Zulassungsstudie und einer weiteren randomisierten Studie gegenüber Docetaxel zur Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit (OAK: HR 0,73; Median 4,2 Monate; POPLAR: HR 0,73; Median 2,9 Monate), unabhängig vom Nachweis einer PD-L1-Expression auf den Tumorzellen [1198][1200]. Atezolizumab führte nicht zur Steigerung der Remissionsraten und nicht zur Verlängerung des progressionsfreien Überlebens. Die Rate schwerer Nebenwirkungen unter Atezolizumab ist niedriger als unter Docetaxel. Nebenwirkungen im CTCAE Grad 3/4 traten mit insgesamt 37 % unter Atezolizumab deutlich seltener auf als unter Docetaxel mit 54 %. Fatigue (14 %), Übelkeit (95 %), Appetitlosigkeit (9%) und Asthenie (8 %) waren die häufigsten aller Nebenwirkungen unter Atezolizumab.
In der Phase-III-Studie [1197] wurde der Anti-PD-1-Antikörper Tislelizumab im Vergleich zu Docetaxel untersucht. Von der Studie ausgeschlossen waren unter anderem Patienten mit vorheriger PD-(L)1-Inhibitor- oder CTLA-4-Inhibitor-Behandlung. Insgesamt 805 Patienten wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert zu Tislelizumab alle 3 Wochen oder Doxetacel alle 3 Wochen. 57,0 % der Patienten hatten einen PD-L1-TC-Wert < 25 % und 42,5 % einen PD-L1-TC-Wert ≥ 25 %. Bei der Endauswertung wurde im PD-L1-Score ≥ 25 %-Analyseset eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens zugunsten des Tislelizumab-Arms (stratifizierte HR = 0,53; 95-%-KI: 0,41, 0,70; p < 0,0001) mit einem medianen Gesamtüberleben von 19,3 Monaten im Tislelizumab-Arm und 11,5 Monaten im Docetaxel-Arm beobachtet. Bei der Endauswertung betrugen die medianen Nachbeobachtungszeiten nach der umgekehrten Kaplan-Meier-Methode 31,1 Monate im Tislelizumab-Arm und 27,9 Monate im Docetaxel-Arm. Im IIT-Analyseset betrug das mediane Gesamtüberleben im Tislelizumab-Arm 16,9 Monate (95-%-KI: 15,42; 19,09) vs. 11,9 Monate (9,63; 13,54) mit einer Hazard Ratio von 0,66 (95-%-KI: 0,56; 0,79).
In der Revel-Studie wurde der anti-VEGFR 2 Antikörper Ramucirumab in einer Dosis von 10 mg/kg KG alle 3 Wochen in Kombination mit Docetaxel bei 1253 Patienten mit einem vorbehandelten NSCLC mit der Kombination Placebo/Docetaxel verglichen. Sowohl für die Überlebenszeit (Gewinn mediane Überlebenszeit 1.4 Monate, HR 0.86) wie auch für das PFS (Gewinn medianes PFS 1.5 Monate, HR 0.76) zeigte sich eine signifikante Verbesserung bei verstärkter Knochenmarkstoxizität und Fatigue [1196]. In der Subgruppe der Patienten mit Plattenepithelkarzinom wurde das Überleben signifikant von 8,2 Monaten (Docetaxel) auf 9,5 Monate (Docetaxel und Ramucirumab) erhöht, die HR betrug 0,88 [1196].
In der LUNAR-Studie wurde der Einfluss von Tumor Treating Fields (TTFields) mit systemischer Therapie vs. systemischer Therapie allein an 276 Patienten mit metastasiertem NSCLC (Plattenepithelkarzinom: 42 %) nach Platin-basierter Therapie untersucht. Dabei wurde das NovoTTF-System für mindestens 18 h/Tag eingesetzt. Die Patienten wurden 1:1 randomisiert. Die Standardtherapie bestand in Doxetaxel oder einem Immuncheckpoint-Inhibitor (Nivolumab, Pembrolizumab oder Atezolizumab). Das mediane Gesamtüberleben war unter der Therapie mit TTFields und systemischer Therapie signifikant verlängert (13,2 Monate (95-%-KI: 10,3; 15,5) vs. 9,9 Monate (95-%-KI:8,1; 11,5) mit Standardtherapie allein). TTFiels-bezogene Nebenwirkungen wurden in 71 % der Patienten berichtet, diese bestanden zu 85 % in Grad 1 – 2 Irritationen der Haut und des Unterhautgewebes [1201]. Da die derzeitige Datenlage auf einer Situation beruht, welche nicht mehr dem aktuellen Standard entspricht, kann momentan keine entsprechende Empfehlung zur TTFields Therapie abgegeben werden.
In einer weiteren Studie wurde bei Plattenepithelkarzinom eine Therapie mit Afatinib gegen Erlotinib, eine für die Zweitlinientherapie zugelassene Substanz bei Plattenepithelkarzinom geprüft [1195]. In die Studie wurden 795 Patienten mit Plattenepithelkarzinom im ECOG PS 0,1 nach mindestens 4 Zyklen einer Kombinationschemotherapie eingeschlossen. Der primäre Endpunkt PFS war statistisch signifikant besser unter Afatinib im Vergleich zu Erlotinib (2,4 vs. 1,9 Monate, HR 0,82, p = 0,0427). Das Gesamtüberleben betrug 7,9 vs. 6,8 Monate (HR 0,81, p= 0.0077). Die Ansprechrate war in beiden Armen identisch (6 % vs. 3 %, p=0,0551). Das Nebenwirkungsprofil war in beiden Armen ähnlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Afatinib Grad 3 Diarrhoe 10 % vs. 2 % bei Erlotinib, Grad 3 Stomatitis 4 % vs. 0 %). Akneiformes Exanthem war bei Erlotinib häufiger mit 10 % vs. 6 % bei Afatinib. Afatinib ist für die Zweitlinientherapie des Plattenepithelkarzinoms seit 2016 zugelassen.
In Anbetracht der Studienlage besteht eine Empfehlung, bei Patienten, die keine Kontraindikationen gegen eine Immuncheckpoint-Therapie haben, bei Progress nach einer Erstlinien-Kombinations-Chemotherapie ohne immunoonkologische Partner eine Behandlung mit PD1-PD-L1 Inhibitoren einzuleiten. Diese Therapie hat im direkten Vergleich zu Docetaxel einen Vorteil für alle klinisch relevanten Endpunkte gezeigt. Die anderen in der Zweitlinientherapie zugelassenen Substanzen und Substanzkombinationen (Docetaxel, Ramucirumab, Docetaxel, Afatinib) stehen ebenfalls zur Verfügung und können nach einer Immuntherapie in der Zweit- bzw. Drittlinie eingesetzt werden. Obwohl hierzu keine formellen Studiendaten vorliegen, wird diese Empfehlung aufgrund unterschiedlicher Toxizitätsprofile von Immuntherapie und Chemotherapie sowie der Tatsache, dass Patienten in den Immun-Checkpoint-Inhibitor-Studien eine nachfolgende Chemotherapie erhalten haben, ausgesprochen (40 % in der Keynote10 Studie [1199], 36% in der Checkmate-17-Studie [974]).
8.6.2.3 Systemtherapie bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom ohne therapierbare genetische Alterationen und ECOG 2 oder ältere Patienten
Höheres Alter (> 70 Jahre) allein, sollte kein Ausschlussgrund von einer platinbasierten Kombinationstherapie ± Immun-Checkpoint-Inhibitor-Therapie sein. Hier spielt weniger das biologische Alter eine Rolle als vielmehr weitere prognostische Faktoren, die häufig mit höherem Alter assoziiert sind. Dazu zählen ein schlechterer Allgemeinzustand (ECOG >1) und/oder Komorbiditäten. Zudem können Chemotherapeutika aufgrund einer schlechteren Verträglichkeit bzw. einer langsameren Metabolisierung oftmals nicht so hoch dosiert werden und/oder es müssen Therapiepausen eingelegt werden.
Der ECOG-PS 2 umfasst eine heterogene Patientengruppe. Die Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit können sowohl durch die Tumorerkrankung als auch schwerwiegende Co-Morbiditäten verursacht sein. In Studien sind diese Patienten unterrepräsentiert.
Real-World-Daten zeigen einen positiven Effekt der Checkpointinhibitor-Therapie bei Patienten mit ECOG-PS 2 und mindestens 50% PD-L1-exprimierenden Tumorzellen [1202].
Nach den Erfahrungen zahlreicher Behandler profitieren Patienten mit weniger als 50% PD-L1-exprimierenden Tumorzellen, deren ECOG-PS überwiegend durch die Tumorerkrankung und weniger durch Co-Morbiditäten beeinträchtigt ist, von einer Immunchemotherapie-Kombination.
Daher können diese Patienten analog zu den Empfehlungen im Kapitel 8.6.2.1 behandelt werden.
Bei NSCLC-Patienten im Stadium IV mit Plattenepithelkarzinom und ECOG 2, welche in Gewebeproben eine PD-L1-Expression von ≥ 50 % der Tumorzellen oder >10% auf Immunzellen aufweisen, sollte eine Monotherapie mit
- Atezolizumab (≥ 50% der Tumorzellen oder 10% der tumorinfiltrierenden Lymphozyten) oder
- Cemiplimab (≥ 50% der Tumorzellen) oder
- Pembrolizumab (≥ 50% der Tumorzellen)
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Stadium IV sowie ECOG 2 mit Komorbiditäten, welche eine platinhaltige Kombinationstherapie nicht erlauben, kann eine Mono-Chemotherapie angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
NSCLC-Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Stadium IV und ECOG 2-3 oder ältere Patienten ≥ 70 Jahre kann in der palliativen Erstlinientherapie unabhängig vom PD-L1 Status eine Monotherapie mit Atezolizumab angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Hintergrund
Patienten mit Plattenepithelkarzinom mit einer PD-L1-Expression von < 50 % und ECOG-PS 2
Die Indikation, NSCLC-Patienten in reduziertem Allgemeinzustand (PS 2 oder ECOG 2) eine palliative Chemotherapie anzubieten, ist interdisziplinär zu beraten. ECOG 2 beschreibt gehfähige und selbstversorgende Patienten, die nicht arbeitsfähig, aber mehr als 50 % der Wachzeit auf den Beinen, außerhalb von Bett oder Sessel, sind [1203]. In den ECOG Performance Score gehen tumorbedingte Symptome, aber auch vorbestehende Komorbiditäten ein, sodass zwischen reversiblen Tumorsymptomen und generellen Einschränkungen des Gesundheitszustandes unterschieden werden muss.
Vermutlich 30 – 48 % der tatsächlich behandelten NSCLC-Patienten befinden sich im ECOG Performance Score (PS) 2 [1204], wobei die Einschätzungen der Patienten (48 % ECOG 2) und Behandler (34 % im ECOG 2) nur mäßig übereinstimmten. Im Vergleich zu anderen Malignomen ist bei Lungenkarzinompatienten die Rate an PS 2-Patienten deutlich erhöht [1204].
Üblicherweise werden ECOG-2-Patienten von Therapiestudien ausgeschlossen, sodass die Datenlage zu diesem Patientenkollektiv limitiert ist. Für ECOG 3-4-Patienten existieren keine ausreichenden Daten zur Therapie. Für einige große Phase-III-Studien existieren Subgruppenanalysen von eingeschlossenen ECOG-2-Patienten, es gibt einige Phase II- und III – Studien und eine Metaanalyse. In einigen Studien werden ECOG-2-Patienten und Ältere (über 65 oder über 70 Jahre) gemeinsam betrachtet, wobei es Überschneidungen, aber auch Unterschiede zwischen diesen Patientengruppen gibt. Bei Älteren werden im Vergleich zu Jüngeren mehr Komorbiditäten und zum Teil höhere Toxizitäten beobachtet, sodass bei Älteren, ähnlich wie beim ECOG 2, lange die Monotherapie als Therapie der Wahl galt.
Nicht zuletzt aufgrund der eingeschränkten Datenlage bleibt die aktuelle ASCO- Leitlinie 2017 bezüglich der ECOG-2-Patienten unbestimmt und erlaubt für diese Patienten die Kombinations-Chemotherapie, die Mono-Chemo- oder eine alleinige palliative Therapie [1205].
Die Evidenz zur Empfehlung von Atezolizumab unabhängig vom PD-L1 Status (IPSOS; Phase III Studie; NCT 03191786) findet sich ausführlich im Kapitel 8.6.3.3
Weitere Evidenz zu Patienten mit ECOG 2 findet sich ebenfalls im Hintergrundtext in Kapitel 8.6.2.2
Immunchemotherapie versus Kombinationschemotherapie bei ECOG 2
2018 publizierten Paz-Ares und Kollegen ([972]) eine Studie, in der Pembrolizumab oder Placebo in Kombination mit Paclitaxel oder nab-Paclitaxel sowie Carboplatin verglichen wurde. Die Chemotherapie wurde nach 4 Zyklen beendet. In dieser Studie zeigte sich ein Vorteil beim OS mit einem HR von 0,56 [95 % KI 0,38; 0,82] p=0,003 (AD: + 3,3 Monate), dem patientenberichteten Symptom Dysphagie mit einem HR von 0,52 [95 % KI 0,31; 0,86] p=0,011, patientenberichteter körperlicher Funktion mit einem HR von 0,71 [95 % KI 0,52; 0,96] p=0,028 und schweren unerwünschten Ereignissen mit einem HR von 0,69 [95% 0,53; 0,90] p=0,006 bei einem HR von 3,09 [95 % KI 1,66; 5,77] p< 0,001 bei immunvermittelten UEs [1176].
Stellenwert der Monochemotherapie bei älteren Patienten
Bei älteren Patienten (> 70 Jahre) wurde in einer randomisierten Studie (ECOG 2, 24%; > 2 Komorbiditäten, 21%) der Stellenwert einer Monochemotherapie (Vinorelbin) im Vergleich zu BSC geprüft. Tumorbedingte Symptome (Schmerz, Dyspnoe) und mediane Überlebenszeit waren signifikant gebessert bzw. verlängert, während chemotherapiebedingte Nebenwirkungen (Neuropathie; Obstipation) signifikant zunahmen. In einer weiteren randomisierten Studie bei älteren Patienten (> 70 Jahre; ECOG 2, 19%; > 2 Komorbiditäten, 66 %) wurde eine Kombinationstherapie aus Gemcitabin und Vinorelbin im Vergleich zur Monotherapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin geprüft. Eine Überlegenheit (Verbesserung der medianen Überlebenszeit) der Kombination im Vergleich zur Monotherapie konnte nicht gezeigt werden [682]. Die Studien zeigen, dass Patienten, bei denen aufgrund von Komorbidität oder Allgemeinzustand eine platinbasierte Kombinationschemotherapie nicht möglich ist, von einer Monotherapie mit einem Drittgenerationszytostatikum profitieren (Symptomenkontrolle; mediane Überlebenszeit).
Stellenwert der Kombinationschemotherapie bei älteren Patienten
Höheres Alter (> 75 Jahre) allein sollte kein Ausschlussgrund von einer platinbasierten Kombinationstherapie sein. Die retrospektiven Kohortenanalyse einer Phase-III-Studie, in der Cisplatin mit verschiedenen Kombinationspartnern geprüft wurde, zeigt, dass bei Patienten > 70 Jahre ohne relevante Komorbidität die cisplatinbasierte Kombinationschemotherapie gleiche Effektivität/Nebenwirkungen hatte wie bei Patienten < 70 Jahre [768]. Die Frage, ob eine orale Therapie mit Vinorelbin einer intravenösen Vinorelbin-Therapie unterlegen ist, wurde in einer randomisierten Phase-II-Studie überprüft. In dieser Studie war die orale Vinorelbin-Applikation statistisch signifikant schlechter für Überleben und progressionsfreies Überleben als die intravenöse Vinorelbin-Applikation. Dies traf insbesondere auf die PS2-Patienten zu [771].
Aus der Subgruppenanalyse einer Phase-III-Studie ergaben sich zudem Hinweise auf Vorteile bezüglich des Überlebens bei Patienten über 70 Jahre unter nab-Paclitaxel plus Carboplatin vs. Paclitaxel plus Carboplatin (siehe Evidenz zu Nab-Paclitaxel).
8.6.3 Systemtherapie bei Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom ohne therapierbare genetische Alterationen
8.6.3.1 Systemtherapie (Erstlinie) bei Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom ohne therapierbare genetische Alterationen
Die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC Stadium IV sollte systemisch erfolgen. Eine Ausnahme kann das oligometastasierte NSCLC darstellen (vergleiche hierzu Kapitel zur Oligometastasierung. Bei der Auswahl der geeigneten Medikamente müssen folgende Faktoren berücksichtigt werden: Histologie (Plattenepithel-Karzinom versus nicht-Plattenepithel-Karzinom) Nachweis einer therapierbaren Mutation oder Translokation (z.B. EGFR, BRAF, ALK, ROS1, NTRK, RET, MET, KRAS, NRG1, HER2 (ERBB2)), die immunhistochemische PD-L1 Expression sowie Alter, Ko-Morbiditäten und der Allgemeinzustand (nach Karnofsky oder ECOG). Die Erstlinien-Therapie eines nicht plattenepithelialen NSCLC mit therapierbarer Mutation oder Translokation sollte, wenn nicht wichtige Ausschlusskriterien vorliegen, mit geeigneten und zugelassenen Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) als orale Therapie erfolgen.
Für Patienten mit einem nicht plattenepithelialen NSCLC ohne therapierbare Treibermutation und in palliativer Therapiesituation, war die platinbasierte Kombinations-Chemotherapie mit einem Pemetrexed haltigem Schema, gefolgt von einer Mono-Erhaltungstherapie, bislang der Standard in der Erstlinien-Behandlung.
In den letzten Jahren wurden Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) entweder als Monotherapie, oder als Kombinationstherapie gegenüber alleiniger Chemotherapie in Phase II und III Studien getestet. Die Ergebnisse dieser Studien waren zum großen Teil so eindeutig, dass eine ICI-basierte Therapie den derzeitigen Standard der palliativen Erstlinien-Therapie von Patienten mit gutem Allgemeinzustand (ECOG 0 oder 1) und ohne weitere Ausschlusskriterien darstellt.
Immun-Checkpoints werden von einer Reihe co-stimulierender und co-inhibitorischer Moleküle orchestriert, die die Aktivität und Effektorfunktionen von T-Lymphozyten regulieren. Dieses komplexe Konstrukt steuert sich unter normalen physiologischen Bedingungen selbst, wird aber während der malignen Transformation manipuliert [1206] Immun-Checkpoints, die vor allem durch die Oberflächenproteine CTLA-4 und PD-1 sowie dessen Liganden PD-L1 repräsentiert werden, hemmen die T-Zell Funktion. So führen die Immun-Checkpoint vermittelten Signalwege etwa zu einer Verringerung der T-Zell Proliferation, des Zytokin-Ausstoßes sowie der Sekretion zytotoxischer Granula [1207] . In den letzten Jahren wurden Antikörper, so genannte Immun-Checkpoint Inhibitoren (ICI) entwickelt, die die T-Zell Funktion wiederherstellen sollen. Beim NSCLC wurden ICI gegen PD-1 und PD-L1 sowie CTLA-4 getestet. In Phase III Studien wurde des Weiteren der Einsatz von ICI bzw. ICI+ICI in Kombination mit Chemotherapie und Chemotherapie+Antiangiogenese überprüft. Eine Monotherapie mit Pembrolizumab (bei Vorliegen einer PD-L1 Expression bei ≥50% der Tumorzellen (TC)) oder Atezolizumab (bei Vorliegen einer PD-L1 Expression bei ≥50% der Tumorzellen oder ≥ 10 % der tumorinfiltrierenden Immunzellen (IC)) sowie mehrere ICI+Chemotherapie(+Bevacizumab)-Kombinationen sind mittlerweile für die palliative Erstlinientherapie des nicht-plattenepithelialen NSCLC (ohne Treibermutation) zugelassen.
Bei NSCLC-Patienten mit nicht-plattenepithelialer Histologie im UICC Stadium IV sowie ECOG 0-1, welche keine therapierbaren Mutationen und keine Kontraindikation gegenüber Checkpoint-Inhibitoren aufweisen, soll, unabhängig vom PD-L1 Status, in der Erstlinientherapie eine Chemo-Immuntherapie angeboten werden.
- Cisplatin/Carboplatin + Pemetrexed + Pembrolizumab, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Pemetrexed und Pembrolizumab
- Carboplatin + Paclitaxel + Bevacizumab + Atezolizumab, alle 3 Wochen über 4-6 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Bevacizumab und Atezolizumab
- Carboplatin + nab-Paclitaxel + Atezolizumab alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Atezolizumab
- platinbasierte Chemotherapie + Nivolumab + Ipilimumab über 2 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Nivolumab +Ipilimumab über 2 Jahre
- platinbasierte Chemotherapie + Durvalumab + Tremelimumab, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhatlungstherapie mit Durvalumab alle 4 Wochen und einer 5. Dosis Tremelimumab; zusammen mit der 6. Dosis Durvalumab. (In der Zulassungsstudie konnte zudem Pemetrexed in der Erhaltung alle 4 Wochen fortgesetzt werden, wenn es als Kombinationspartner zu Platin in den ersten vier Zyklen eingesetzt wurde.)
- platinbasierte Chemotherapie + Cemiplimab (bei PD-L1 Status ≥1%), alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von Cemiplimab alle 3 Wochen. (In der Zulassungsstudie konnte zudem Pemetrexed in der Erhaltung alle 3 Wochen fortgesetzt werden, wenn es als Kombinationspartner zu Platin in den ersten vier Zyklen eingesetzt wurde.)
- Carboplatin + Pemetrexed + Sugemalimab* alle 3 Wochen über bis zu 4 Zyklen, gefolgt von Sugemalimab und Pemetrexed als Erhaltungstherapie alle 3 Wochen
- Platinbasierte Kombinationschemotherapie mit Pemetrexed + Tislelizumab (bei PD-L1 Status ≥ 50%) über 4-6 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Pemetrexed und Tislelizumab
* Cave: momentan nicht marktverfügbar in DE (Stand 04/2026)
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊕⊕⊝
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [773] [1145] [1155] [1208] [1156] [1209] [1158] [1153] [965] [125] [1149] [1154] [1148] [1150] [1151] [1210] [1211] [1136]
Änderungshinweis
Bei NSCLC-Patienten mit nicht-plattenepithelialer Histologie im UICC Stadium IV sowie ECOG 0-1, welche keine therapierbaren Mutationen und keine Kontraindikation gegenüber Checkpoint-Inhibitoren aufweisen, soll, unabhängig vom PD-L1 Status, in der Erstlinientherapie eine Chemo-Immuntherapie angeboten werden. Cisplatin/Carboplatin + Pemetrexed + Pembrolizumab, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Pemetrexed und Pembrolizumab Carboplatin + Paclitaxel + Bevacizumab + Atezolizumab, alle 3 Wochen über 4-6 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Bevacizumab und Atezolizumab Carboplatin + nab-Paclitaxel + Atezolizumab alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Atezolizumab platinbasierte Chemotherapie + Nivolumab + Ipilimumab über 2 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Nivolumab +Ipilimumab über 2 Jahre platinbasierte Chemotherapie + Durvalumab + Tremelimumab, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhatlungstherapie mit Durvalumab alle 4 Wochen und einer 5. Dosis Tremelimumab; zusammen mit der 6. Dosis Durvalumab. (In der Zulassungsstudie konnte zudem Pemetrexed in der Erhaltung alle 4 Wochen fortgesetzt werden, wenn es als Kombinationspartner zu Platin in den ersten vier Zyklen eingesetzt wurde.) platinbasierte Chemotherapie + Cemiplimab (bei PD-L1 Status ≥1%), alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von Cemiplimab alle 3 Wochen. (In der Zulassungsstudie konnte zudem Pemetrexed in der Erhaltung alle 3 Wochen fortgesetzt werden, wenn es als Kombinationspartner zu Platin in den ersten vier Zyklen eingesetzt wurde).Evidenztabellen (7)
Nivolumab plus Ipilimumab plus Chemotherapie Erstlinie NSCLC Stadium IV, CheckMate 9LA; Pembrolizumab mit und ohne Chemotherapie Erstlinie - Keynote 407- AMNOG; Cemiplimab plus Chemotherapie NSCLC Stadium III oder IV Erstlinie, EMPOWER-Lung 3; Nivolumab+Ipilimumab plus Chemotherapie NSCLC Stadium IV Erstlinie, CheckMate 9LA; Tremelimumab + Durvalumab plus Chemotherapie NSCLC Stadium IV Erstlinie, Poseidon; Sugemalimab + Chemo Erstlinie NSCLC Stadium IV; Tislelizumab + Chemotherapie Erstlinie NSCLC Stadium IVBei NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom im Stadium IV, welche keine therapierbaren Mutationen (z. B. EGFR, EML4-ALK, ROS1) aufweisen, und welche in Gewebeproben eine PD-L1-Expression von ≥ 50 % der Tumorzellen oder >10% auf Immunzellen aufweisen, soll eine Monotherapie mit
- Atezolizumab (≥ 50% der Tumorzellen oder 10% der tumorinfiltrierenden Lymphozyten) oder
- Cemiplimab (≥ 50% der Tumorzellen) oder
- Pembrolizumab (≥ 50% der Tumorzellen)
als Erstlinientherapie angeboten werden, sofern nicht patienten- oder tumorbezogene Gründe für eine Kombinationsbehandlung sprechen.
In aller Regel sollte bei NSCLC im Stadium IV nach 2 Zyklen Therapie (6 Wochen), spätestens aber nach 3 Zyklen (9 Wochen) eine radiologische Verlaufskontrolle erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei Patienten unter einer laufenden Therapie sollten auch regelmäßige bildgebende Kontrollen erfolgen (z.B. alle 6-8 Wochen), wenn dies zu einer Änderung des Behandlungskonzeptes führen kann.Bei NSCLC-Patienten im Stadium IV mit radiologischem Ansprechen oder Stabilisierung und entsprechender Verträglichkeit soll nach studienanaloger Zyklenzahl der platinhaltigen Chemo-/Immuntherapie eine Erhaltungstherapie erfolgen.
Die Gesamtdauer der Chemo-Immun-Therapie bzw. der Immun-Monotherapie bei NSCLC Stadium IV ist derzeit noch nicht hinreichend geklärt. Die Checkpointinhibitoren Pembrolizumab und Cemiplimab wurden in den zulassungsrelevanten Studien über zwei Jahre verabreicht. Eine Fortsetzung der Therapie über dieses Intervall hinaus kann bei weiter bestehender Tumorkontrolle und Verträglichkeit dem Patienten angeboten werden. Für Atezolizumab wurde in der Zulassungsstudie keine Begrenzung der Therapiedauer festgelegt.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit besonderen Risikofaktoren für eine Immun-Therapie
Patienten mit Autoimmunerkrankungen und gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) kann eine Immun- (Kombinations-) Therapie angeboten werden, wenn die Autoimmunerkrankung nicht lebensbedrohlich und nicht aktiv ist. Ein engmaschiges Monitoring ist in solchen Fällen besonders notwendig.
Patienten mit kontrollierter Hepatitis B oder C oder einer kontrollierten HIV Erkrankung und gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) kann eine Immun- (Kombinations-) Therapie angeboten werden. Ein engmaschiges Monitoring ist in solchen Fällen besonders notwendig.
- Konsens
- Konsens (93%)
Patienten mit einem NSCLC im UICC Stadium IV und mit nichtplattenepithelialer Histologie, die für eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren nicht geeignet sind und einen guten Allgemeinzustand aufweisen (ECOG 0-1) sollen 4-6 Zyklen einer platinbasierten Kombinationschemotherapie angeboten werden.
Folgende Schemata werden empfohlen:
- Cisplatin/Carboplatin+Pemetrexed über 4 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Pemetrexed,
- Carboplatin+Paclitaxel+Bevacizumab über 4-6 Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Bevacizumab bei geeigneten Patienten,
- Carboplatin + nab-Paclitaxel,
- Cisplatin/Carboplatin + Paclitaxel,
- Cisplatin/Carboplatin + Vinorelbine,
- Cisplatin/Carboplatin + Docetaxel,
- Cisplatin/Carboplatin + Gemcitabin.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1212] [786] [788] [1213] [1214] [713] [1215] [1216] [1217] [1218] [792] [795] [1219] [1220] [1221] [1143] [1177] [1178] [1179] [1180] [1181] [1182] [1183] [1222] [1223] [1224] [1225]
Änderungshinweis
Bei Patienten im Stadium IV (neu: IV B) in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) soll eine platinbasierte Kombinationschemotherapie angeboten werden, vorzugsweise mit Cisplatin.Hintergrund Chemo-Immuntherapie, Erstlinientherapie
In einer Phase III Studie (Keynote 189, NCT02578680) [1155], [1226], [967] wurde bei unbehandelten NSCLC Patienten mit nicht-Plattenepithel-Ca die Kombination einer Chemo-Immuntherapie bestehend aus Platin plus Pemetrexed (PP) plus Pembrolizumab verglichen mit PP. In einem 2:1 Schema wurden insgesamt 616 Patienten randomisiert. Die primären Endpunkte waren Gesamtüberleben und progressionsfreies Überleben. Die Therapie erfolgte unabhängig vom PD-L1 Status, wurde aber stratifiziert (<1% vs >1%). Weitere Stratifikationsmerkmale waren das verwendete Platin (Cisplatin versus Carboplatin) und der Raucherstatus. Im PP Arm war das cross-over nach Progress zu einer Pembrolizumab Monotherapie möglich, was von 40,8% der Pat. in diesem Arm wahrgenommen wurde. Das Ansprechen der Gesamtgruppe lag im PP Arm bei 19,4 %, im Chemo-Immuntherapie-Arm war es mit 48 % mehr als doppelt so hoch. Der co-primäre Endpunkt PFS wurde erreicht mit einem mPFS von 9,0 Monaten versus 4,9 Monaten im PP Arm (HR 0,49). Auch der andere co-primäre Endpunkt OS wurde erreicht mit einem medianen Gesamtüberleben von 22 Monaten versus 10,6 Monaten im PP Arm (HR 0,56). Des Weiteren waren sowohl PFS als auch OS für alle drei PD-L1 Expressionsgrade (<1%, 1-49 % > 50 %) signifikant für den Kombinations-Arm. Bei Patienten mit hoher PD-L1 Expression (>50%) lag dabei die hazard ratio bei 0,59 für das OS und 0,36 für das PFS. Bei Patienten ohne PD-L1 Expression zeigte sich eine HR von 0,51 für das OS und 0,64 für das PFS. Die Toxizität (CTC Grad 3-5 betrug im PP Arm 66,8 %, im Chemo+Pembrolizumab-Arm 72,1 %; wobei CTC Grad 5 (Tod) in beiden Armen bei etwa 7 % lag. Mit 33,6 % mussten im Kombinations-Arm mehr als doppelt so viele Patienten zumindest einen Teil der Therapie abbrechen als im PP Arm. Es traten keine überraschenden Nebenwirkungsereignisse auf, die Nebenwirkungen waren beherrschbar.
In einer Phase III Studie (ImPOWER 132, NCT 026573434) [1156] wurde ebenfalls eine platinbasierte Chemotherapie mit Pemetrexed (PP) verglichen mit dieser Chemotherapie plus in dieser Studie Atezolizumab (APP). Nach 4-6 Therapiezyklen konnte eine Erhaltungstherapie mit Pemetrexed im PP Arm oder Atezolizumab+Pemetrexed im APP Arm durchgeführt werden. 578 Patienten wurden 1:1 randomisiert. Die co-primären Endpunkte waren PFS und OS (durch den Investigator beurteilt). Der PD-L1 Status war kein Einschlusskriterium und wurde auch nicht stratifiziert. Stratifizierungsmerkmale waren das Geschlecht der Raucherstatus der Allgemeinzustand nach ECOG sowie das eingesetzte Chemotherapie-Regime. Der primäre Endpunkt PFS in der ITT Population war signifikant positiv für die Chemo-Immuntherapie mit einem PFS von 7,6 Monaten (versus 5,2 Monaten im Chemotherapie-Arm); HR 0,60, P<0.0001. In der Subgruppenanalyse waren alle stratifizierten Patientencharakteristika ebenfalls signifikant in Bezug auf ein besseres PFS unter Chemoimmuntherapie. Lediglich die Patientengruppe mit Lebermetastasen zeigte mit einer HR von 0,77 keine Signifikanz (PFS unter PP 4,0 Monate vs 4.4 Monate unter APP). Im co-primären Endpunkt Gesamtüberleben konnte für die ITT Population jedoch keine Signifikanz erreicht werden. Hier zeigte sich ein medianes Überleben von 18,1 Monaten unter der 3-fach-Therapie versus 13,6 Monaten unter Chemotherapie (HR 0,81, P = 0,0797). In der Subgruppenanalyse der stratifizierten Merkmale zeigte sich für das Gesamtüberleben lediglich die Gruppe ohne Lebermetastasen signifikant mit einer HR von 0,76 (medianes Überleben 19,9 Monate (APP) versus 14,2 Monate (PP)).
In einer Phase III Studie (ImPower 130, NCT02367781) [773] wurde die Kombination aus einer Chemotherapie (Carboplatin plus nab-Paclitaxel (CnP) und Atezolizumab verglichen mit der alleinigen Chemotherapie (CnP). In einem 2:1 Schema wurden insgesamt 723 Patienten randomisiert. Der PD-L1 Status war kein Einschluss- aber Stratifikationsmerkmal. Weitere Stratifikationsmerkmale waren Geschlecht und das Vorhandensein von Lebermetastasen. Die co- primären Endpunkte waren PFS und OS. Als Erhaltungstherapie wurden im CnP Arm Pemetrexed alle drei Wochen oder beste supportive Maßnahmen (BSC) angeboten, im Atezolizumab+CnP Arm war es Atezolizumab. 40,8% erhielten im CnP-Arm nach Progress eine Zweitlinien-Therapie mit Atezolizumab. Stratifikationsmerkmale waren das Geschlecht, Lebermetastasen bei Studieneinschluss sowie die PD-L1 Tumorexpression. In beiden Armen hatten knapp 20 % eine hohe PD-L1 Expression; PD-L1 negativ waren etwa 52 %. Das Ansprechen lag in der Gesamtgruppe bei 49,2 % für die Kombinationstherapie; bei 31,9 % für den CnP Arm. Das PFS lag im CnP-Arm bei 5,5 Monaten, im Chemo-Immuntherapie-Arm bei 7 Monaten (HR 0,64; P<0.0001). Auch der andere co-primäre Endpunkt OS war für die EDT Population signifikant positiv mit einer HR von 0,79 (P = 0.033). Das mediane Gesamtüberleben lag im CnP Arm bei 13,9 Monaten, im CnP+Atezolizumab-Arm bei 18,6 Monaten. Das PFS war für alle drei unterschiedenen PD-L1 Gruppen (hoch/niedrig/ negativ) signifikant besser für die Dreifach-Therapie mit jeweiligen hazard ratios von 0,41, 0,61 und 0,72. Im Gesamtüberleben konnte jedoch im Gegensatz zur Gesamt-Population in keiner der drei PD-L1 Gruppen eine Signifikanz erreicht werden. Die CTC Grad 3-5 Toxizität (behandlungsbedingt) lag im Kontrollarm bei 60,7 %, im Chemo-Immuntherapie-Arm bei 74,9 %. Dabei verstarben im CnP+ Atezolizumab-Arm acht Patienten (1,7 %), im CnP Arm ein Patient (0,4 %). Unerwünschte Nebenwirkungen, die zum Abbruch der Therapie führten, lagen im CnP-Arm bei 22 % vor, im Dreifach-Therapie-Arm bei 26,4 %. Das Sicherheitsprofil von Atezolizumab plus Chemotherapie stimmte mit den unerwünschten Ereignissen der Einzelsubstanzen überein, ohne neue Sicherheitssignale.
In einer Phase III Studie (ImPOWER 150, NCT02366143) [1227], [1209], [1228], [1229] wurden 1.202 Patienten mit NSCLC im Stadium IV in drei Arme randomisiert: Arm A: Carboplatin+Paclitaxel+Atezolizumab, Arm B: Carboplatin+Paclitaxel+Bevacizumab+Atezolizumab, Arm C: Carboplatin+Paclitaxel+Bevacizumab (sog. „Sandler-Schema“). Stratifikationsmerkmale waren das Geschlecht der PD-L1 Status sowie Lebermetastasen. Co-primäre Endpunkte waren das PFS in der ITT Population, das PFS in einer molekularen Subgruppe (Expression der Gene PD-L1, CXCL9 und Interferon-g (Teff-high)) sowie das Gesamtüberleben der ITT Population. Das statistische Design sah vor, zunächst Arm B versus Arm C zu testen. Falls hier das Gesamtüberleben signifikant positiv ist, dann auch Arm A versus am C auszuwerten. Das PFS war signifikant positiv für die 4-fach Kombination im Vergleich zum Sandler Schema (Arm C). Das mediane PFS lag bei 8,3 Monaten versus 6,8 Monaten; HR 0,59; P<0.0001. Auch das Gesamtüberleben als co-primärer Endpunkt war signifikant positiv mit einem medianen OS von 19,2 Monaten für die 4-Therapie im Vergleich zu 14,7 Monaten für das Sandler Schema, HR 0,78; P = 0.0164. Schließlich war auch der dritte co-primäre Endpunkt TEFF-high in Bezug auf das PFS zwischen Arm B und C signifikant positiv (HR 0,505, P<0.0001). In allen drei getesteten PD-L1 Subgruppen (PD-L1 negativ/niedrig/hoch) zeichnete sich ein Trend für die 4-fach Therapie ab mit diesbezüglichen hazard ratios von 0,82, 0,80 und 0,70, es zeigte sich jedoch kein statistisch signifikanter Vorteil. Auch das Gesamtüberleben zwischen Arm C (4-fach Therapie) gegenüber Arm A (Chemo+Immuntherapie) zeigte sich lediglich ein Trend zur Signifikanz mit einer hazard ratio von 0,88 und einem P-Wert von 0.2041. Das Ansprechen war in Arm B (4-fach Therapie) am höchsten mit 56 %, in Arm A und C niedriger mit jeweils 40 bzw. 41 %. Eine besonders hohe Ansprechrate zeigte die Subgruppe der PD-L1 hoch exprimierenden Tumore mit 69 % (versus 49 % im Sandler Schema Arm). Nebenwirkungen der CTC Grade 3-5 waren im Arm der 4-fach Therapie mit 60 % am höchsten, gefolgt vom Arm C (Sandler-Schema) mit 51 %. Die niedrigste Toxizität wies Arm A (Chemo+ Immuntherapie) mit 44 % auf. Auch behandlungsbedingte Todesfälle zeigten sich im Arm B mit 3 % am häufigsten, im Arm C mit 2 % und im Arm A mit 1%. Es traten keine neuen oder überraschenden Toxizitätssignale auf. Die 4-fach Therapie führte nicht zu einem häufigeren Therapieabbruch als die 3-fach Therapie. Für diese Studie liegen auch Auswertungen zur Lebensqualität vor. Bis Zyklus 13 gab es in keinem Arm eine klinisch relevante Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes oder der körperlichen Funktionsfähigkeit. Durchschnittlich verschlechterten sich beide Parameter während der Zyklen 2-6 und verbesserten sich nach der Chemotherapie (ab Zyklus sechs) wieder. Des Weiteren waren die Mittelwerte für den allgemeinen Gesundheitszustand und die körperliche Funktionsfähigkeit in beiden Armen ähnlich.
In einer sehr komplexen Phase III Studie (CheckMate 227 Part eins) [1230], [1153] wurde versucht in einem 6-armigen Design verschiedene Fragestellungen bzgl. der Effektivität einer kombinierten Immun-Checkpoint-Inhibitor-Therapie bestehend aus Nivolumab 3 mg/kg alle zwei Wochen Plus Ipilimumab 1 mg/kg alle sechs Wochen zu beantworten. Verglichen wurde diese Immun-Immun-Therapie mit Chemotherapie. In der ≥1% PDL-1 exprimierenden Kohorte gab es einen weiteren Arm mit Nivolumab-Monotherapie. In der <1% PDL-1 Kohorte war ein weiterer Arm mit Nivolumab+Chemotherapie vorhanden. Die sechs Arme wurden in zwei Gruppen aufgeteilt mit PDL-1Expression ≥1% (N = 1.189 Patienten) und einer Gruppe <1% PDL-1 Expression (N = 550 Patienten). Die co-primären Endpunkte waren das Gesamtüberleben in PDL-1 selektierten Patientengruppen, sowie das PFS in TMB (Tumor mutational burden; Mutationslast) selektierten Populationen, die mit Nivolumab und Ipilimumab versus Chemotherapie behandelt wurden. Einschlusskriterien waren ein bisher unbehandeltes NSCLC im Stadium IV ohne EGFR/ALK Alteration und ein Allgemeinzustand ECOG 0-1. Stratifiziert wurde nach Plattenepithel-versus Nicht-Plattenepithel-Karzinom-Histologie. Die Daten zum progressionsfreien Überleben der Kohorte mit <1% PDL-1 Expression zeigen unabhängig von der Histologie, einen signifikanten Vorteil für das progressionsfreie Überleben der Patienten, die mit Chemotherapie+Nivolumab behandelt wurden, im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie. Das mediane PFS betrug 5,6 Monate im Chemotherapie+ Nivolumab-Arm und 4,7 Monate im Chemotherapie-Arm (HR 0,73; 95%KI 0.56-0,93). In der Subgruppe der nicht-plattenepithelialen NSCLC war die HR mit 0,68 signifikant in Bezug auf das PFS. Zudem zeigte sich für Nivolumab + Ipilimumab vs. Chemotherapie eine Signifikanz für das PFS von Tumoren mit einer TMB ≥ 10 mut/MB (0.58 (97.5% CI, 0.41–0.81). In Tumoren mit einer niedrigeren TMB <10 mut/MB verliefen die Kaplan-Meier-Kurven für das PFS für Nivolumab + Ipilimumab vs. Chemotherapie nahezu identisch mit einer HR von 1,07 (95 KI 0,84-1,35). Das mediane PFS lag bei 7,2 Monaten für die Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab (bei Vorliegen einer TMB ≥ 10 mut/MB). Das Gesamtüberleben der Nivo-Ipi Kohorte mit einer PD-L1 Expression <1% lag bei 17.2 Monaten versus 12.2 Monaten für die Chemo-Kohorte (HR 0.62; 95%CI 0.48-0.78). In der Kohorte mit einer PD-L1 Expression ≥1% wurde der primäre Endpunkt OS erreicht. Die Nivo+Ipi Kohorte zeigte hier ein mOS von 17,1 Monaten im Vergleich zum Chemo-Vergleichsarm mit einem mOS von 14,9 Monaten (HR 0.79; p=0.007). In der Gruppe der Patienten mit einer PD-L1 Expression von ≥ 50% zeigte sich ein mOS von 21.2 Monaten; der Kontrollarm blieb vom mOS unverändert (HR 0.70).
Fazit: Die CheckMate 227 Studie erreichte den primären Endpunkt OS in der Gruppe der Pat. mit PD-L1 Status ≥1%. Auch für die Gruppe der Pat. mit PD-L1 Status <1% konnte in Bezug auf das mOS ein deutliches Signal generiert werden. Der Zulassungsantrag für die Kombination von Nivolumab und Ipilimumab bei der EMA wurde jedoch von der Firma zurückgezogen, so dass hier keine Zulassung kommen wird.
In einer Phase III Studie (CheckMate 9LA)[1145] wurden 719 Patienten mit NSCLC im Stadium IV in zwei Arme randomisiert: Arm A Nivolumab 360 mg alle 3w und Ipilimumab 1 mg/kg aller 6w sowie eine systemische Chemotherapie aller 3 Wochen über 2 Zyklen. Arm B: Chemotherapie (bei nicht-Plattenepithel-CA Pat. war dies wie in Arm A Platin + Pemetrexed alle 3w, allerdings 4 Zyklen mit einer Möglichkeit der Pemetrexed Erhaltungstherapie. Stratifiziert wurde nach PD-L1 Status, Geschlecht und Histologie, der primäre Endpunkt war das OS. Dieser wurde erreicht mit einer HR von 0,66, p=0,0006. Dabei lag das mediane OS in Arm A bei 15,6 Monaten und in Arm B bei 10,9 Monaten. In der Subgruppe der Nicht-Plattenepithel-Karzinome lag das mOS in der Chemo-ICI-ICI Gruppe bei 17,0 Monaten, das der Kontrollgruppe bei 11,9 Monaten (HR 0,69). Die OS Daten waren sowohl für die PD-L1 negative Gruppe als auch für die Gruppe mit PD-L1>1% positiv mit HR Raten von 0,62 und 0,64. In der PD-L1 Gruppe >50% lag die HR bei 0,66. Auch die mPFS Daten zeigten sich positiv gegenüber dem Behandlungsarm mit 6,7 Monaten vs 5,0 Monaten (HR 0,68). Die Länge des Ansprechens lag in Arm A bei 11,3 Monaten vs 5,6 Monaten in Arm B, wobei sich die Kurven bereits nach 3 Monaten trennen. Hinsichtlich der Toxizität zeigte sich eine Rate von CTC Grad 3 /4 Nebenwirkungen von 47% im Behandlungsarm vs 38% im Kontrollarm. CTC Grad 5 Nebenwirkungen traten in beiden Armen mit 2% auf. Aufgrund der niedrigeren Zyklenzahl an Chemotherapie im Behandlungsarm zeigten sich weniger hämatologische Nebenwirkungen, jedoch immun-bedingte Toxizität mit CTC Graden 3/4 bezüglich Haut (4%), endokrine Organe (3%), Gastro-Intestinum (6%) und Leber (4%). Es liegen 5 Jahres Daten vor (OS ITT HR 0,73 KI 0,62-0,85, OS in nicht-plattenepithelialer Histologie HR 0,77 KI 0,64-0,94) [1231].
In einer Phase III Studie (EMPOWER-Lung 3, NCT 03409614) [1150] wurde eine platinbasierte Chemotherapie verglichen mit dieser Chemotherapie plus Cemiplimab(CEM). Nach 4 Zyklen ohne Progress konnte eine Erhaltungstherapie mit CEM alle 3 Wochen für 108 Wochen oder bis zum Progress fortgesetzt werden (in der Zulassung wurde der Passus 108 Wochen entfernt). Außerdem konnte Pemetrexed ebenfalls als Erhaltungstherapie alle 3 Wochen fortgesetzt werden, wenn dies als Kombinationspartner zum Pemetrexed während der ersten vier Kurse verabreicht wurde. 466 Patienten wurden 2:1 (zugunsten der Chemo-CEM Kombination) randomisiert. Der primäre Endpunkt war das OS, besonders wichtige sekundäre Endpunkte PFS und RR. Die Patienten wurden nach Histologie und PD-L1 Status stratifiziert. Es konnten auch Patienten in den Stadien IIIB und IIIC eingeschlossen werden, wenn diese für eine definitive Radiochemotherapie nicht in Betracht kamen. EGFR-Mutationen sowie Translokationen im ALK und ROS1 Gen mussten vorher ausgeschlossen sein. Der primäre Endpunkt OS in der ITT Population war signifikant positiv für die Chemo-Immuntherapie mit einem mOS von 21,9 Monaten (versus 13 Monaten im Chemotherapie-Arm); HR 0,71, P=0.014. Das PFS war ebenfalls signifikant besser im Chemo-CEM Arm mit 8,2 Monaten (versus 5 Monaten im Chemotherapie Arm); HR 0,56, P<0.0001. In der stratifizierten Subgruppe der Pat. mit PD-L1 Expression <1% zeigt sich für das OS eine HR von 1,01 (für die PD-L1 Expressionsgrade 1-49% und ≥50% ergab sich eine HR von 0,52 und 0,51 zugunsten der Chemo-Immuntherapie). Daher ist in der Zulassung die Gruppe der Pat. mit PD-L1 <1% nicht enthalten. Auch der zweite wichtige Endpunkt RR wurde erreicht und war signifikant positiv (OR 2,68 (95%KI 1,72-4,19); P<0,0001.
In einer Phase III Studie (POSEIDON, NCT 03164616) [1151] wurde in einem drei-armigen Design (1:1:1) eine platinbasierte Chemotherapie mit platinbasierter Chemotherapie und Durvalumab (DUR) sowie mit platinbasierter Chemotherapie und DUR und Tremelimumab (TRE) verglichen. In den Interventionsarmen wurden 4 Zyklen (alle 3 Wochen) der Immunchemotherapie in der Induktionsphase verabreicht; im Chemotherapie Kontroll Arm konnten bis zu 6 Zyklen (alle 3 Wochen) appliziert werden. Als platinbasierte Chemotherapie standen bei nicht-plattenepithelialer Histologie Cis- bzw. Carboplatin in Kombination mit entweder Pemetrexed oder Carboplatin mit nab-Paclitaxel zur Auswahl. Als Erhaltungstherapie erhielten die Patienten im Chemo-DUR Arm bis zur Progression oder inakzeptabler Toxizität DUR (alle 4 Wochen). Im Chemo-DUR-TRE Arm wurde in der Erhaltung zusätzlich zu DUR (alle 4 Wochen bis zum Progress oder inakzepabler Toxizität) eine einmalige 5. Dosis TRE (zum Zeitpunkt der 6. Gabe von DUR) appliziert. Patienten, die in der Induktionsphase die Substanz Pemetrexed erhalten hatten, konnten in allen Armen alle 4 Wochen mit Pemetrexed (bis zum Progress oder inakzeptabler Toxizität) weiterbehandelt werden. EGFR oder ALK Alterationen waren ausgeschlossen; neben dem Stadium (IVA vs. IVB) wurde nach Histologie sowie PD-L1 Status (≥50% vs. < 50% Expression) stratifiziert. Die gemeinsamen primären Endpunkte waren PFS und OS (jeweils Chemo und DUR versus Chemo). PFS und OS (Chemo+DUR+TRE versus Chemo) waren alpha kontrollierte sekundäre Endpunkte.Der primäre Endpunkt PFS wurde für Chemo+DUR erreicht mit einem mPFS von 5,5 Monaten (vs. 4,8 Monaten im Chemo-Arm); HR 0,74 (95%KI 0,62-0,89), P=0,00093; der zweite primäre Endpunkt wurde noch nicht erreicht (HR 0,86 (95%KI 0,72-1,02), P=0,07581. Bei den alpha kontrollierten sekundären Endpunkten waren sowohl das PFS als auch das OS für die Chemo+DUR+TRE behandelten Patienten signifikant besser als für die Patienten im Chemo Arm. Das mPFS lag hier bei 6,2 Monaten (vs. 4,8 Monaten Chemo), HR 0.72 (95%KI 0,60-0,86), P=0,00031 und das mOS bei 14,0 Monaten (vs. 11,7 Monaten Chemo) HR 0,77 (95%KI 0,65-0,92), P=0,00304. Die Histologie, die ein Stratifizierungsmerkmal war, zeigte lediglich für die Gruppe der Nicht-Plattenepithel-Karzinome einen signifikanten Unterschied für das OS (Chemo+DUR+TRE 17,2 Monate (vs 13,1 Monate Chemo)) HR 0,70 (95%KI 0,56-0,87); nicht jedoch für die Plattenepithel Karzinome (HR 0,88 (95%KI 0,68-1,16)). Für die Kombination aus Chemo+DUR war in keiner histologischen Subgruppe das OS signifikant verbessert (im Vergleich zu Chemo). Der PD-L1 Status war im Chemo+DUR+TRE Arm in Bezug auf das OS sowohl für die ≥50% als auch für die <50% exprimierenden Tumoren signifikant mit einem Vorteil gegenüber dem Chemo Arm belegt. Daher erfolgte die Zulassung für die Kombination aus Chemo+DUR+TRE, unabhängig vom PD-L1 Status.
In einer Phase 3 Studie (RATIONALE-304, NCT 03663205) wurde bei unbehandelten NSCLC Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom die Kombination einer Chemoimmuntherapie bestehend aus Platin + Pemetrexed (PP) + Tislelizumab verglichen mit PP. In einem 2:1 Schema wurden insgesamt 332 Patienten behandelt. Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben, überprüft durch ein unabhängiges Review Komitee. Die Therapie erfolgte unabhängig vom PD-L1 Status, wurde aber stratifiziert, in <1%, 1-49% und ≥50%; ein weiteres Stratifikationsmerkmal war das Stadium (IIIB versus IV). Im PP-Arm war das Cross over nach Progress in eine Tislelizumab Therapie möglich, was von insgesamt 26 Patienten wahrgenommen werden konnte. Das Ansprechen lag im PP-Arm bei 36,9%, im Chemo-Immun-Arm bei 57,4%. Der primäre Endpunkt PFS wurde erreicht mit einem medianen PFS von 7,6 Monaten im PP Arm und 9,7 Monaten im Chemo-Immun Arm (HR 0,645; 95% CI 0,462 bis 0,902; P = 0,044). In der stratifizierten Subgruppe der Patient mit einem PD-L1 Status ≥ 50% lag das PFS bei 4,6 Monaten im PP-Arm und 11,5 Monaten im Chemo-Immun-Arm (HR 0,308; 95% CI: 0,167 bis 0,567). Das median Gesamtüberleben war in beiden Armen in der 1. Analyse noch nicht erreicht (mediane Nachbeobachtungszeit 9,8 Monate). Bzgl. der Toxizität zeigte sich ein TEAE (Treatment emergent adverse event) CTC Grad 3 und höher im PP Arm von 53,6%, im Chemo-Immun Arm von 67,6%. Zum Abbruch der Therapie kam es im PP-Arm bei 9,1%, im Chemo-Immun Arm bei 25,7%. Die Studie wurde an einem rein chinesischen Kollektiv durchgeführt [1210].
In einer Phase 3 Studie (Gemstone-302, NCT 03789604) wurde bei unbehandelten Patienten mit NSCLC im Stadium IV die Kombination einer platin basierten Chemotherapie (bei nicht-Plattenepithel Karzinomen Platin+Pemetrexed (PP)) + Sugemalimab verglichen mit PP. In einem 2:1 Schema wurden insgesamt 479 Patienten behandelt. Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben, welches durch die Investigatoren beurteilt wurde. Weitere Stratifikationsmerkmale waren der Allgemeinzustand (ECOG 0 versus 1, die PD-L1 Expression <1% und ≥1% sowie die Tumorhistologie (Platte versus nicht-Platte). Sugemalimab wurde im Studienarm für max. 35 Zyklen appliziert. Jedoch konnten Patienten mit einem klinischen Benefit auch über die 2 Jahre hinaus behandelt werden, was bei 18% der Patienten der Fall war. Ein cross over war möglich, was 46 Patienten genutzt haben. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 16,9 Monaten im PP-Arm und bei 25,2 Monaten im Chemo-Immun-Arm (HR 0,68; 95% CI 0,54 bis 0,85). In der präspezifizierten Subgruppe der Pat. mit Nicht-Plattenepithelkarzinom lag das mediane Gesamtüberleben bei 26 Monaten, im Kontrollarm bei 19,8 Monaten (HR 0,72; 95%CI 0,53 bis 0,98). Das mediane Gesamtüberleben war vom PD-L1 Status deutlich abhängig und zeigte im Studienarm für einen PD-L1 Status ≥50% 39,2 Monate, bei 1-49% 24,8 Monate und PD-L1 <1% 19,4 Monate). Das progressionsfreie Überleben als primärer Endpunkt war ebenfalls positiv mit einem medianen PFS von 4,9 Monaten im Kontrollarm und 9,0 Monaten im Studienarm (HR 0,49 – 95%, CI 0,39 bis 0,60). Die behandlungsbedingten Nebenwirkungsrate der CTC Grade 3 und 4 lagen bei 57% im Studienarm und 56% im Kontrollarm. Die häufigsten Nebenwirkungen (in beiden Armen) waren erniedrigte Neutrophile, Leukopenie, Anämie und Thrombopenie. Die Studie wurde nur an chinesischen Patienten durchgeführt [1211], [1136].
Therapie bei PD-L1 Expression von ≥50% und ECOG 0-1
In einer Phase IB Multi-Cohorten-Studie (KEYNOTE-001, NCT01295827) [965] wurde eine Pembrolizumab Monotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC getestet. Dabei erfolgte die Behandlung sowohl in der palliativen Erstlinie als auch in weiteren Therapie-Linien. Pembrolizumab wurde in einer Dosis von 2 oder 10 mg/kg über 30 Minuten alle drei Wochen bzw. 10 mg/kg alle zwei Wochen infundiert. Das Ansprechen wurde zunächst als zentrale Beurteilung in 2016 bewertet; in der letzten Auswertung 2019 als „immun-related“ Ansprechen (irRC) durch die Investigatoren. 550 Patienten mit fortgeschrittenen NSCLC wurden eingeschlossen, davon 101 Therapie-naiv. Nur diese Subgruppe wird im Weiteren erläutert. Das Ansprechen lag hier bei 41,6 %, die Tumorkontrollrate (DCR) bei 84 %. Es konnte ein medianes Gesamtüberleben von 22,3 Monaten (17,1-32,3 Monaten) erreicht werden. Dabei lag das mediane Gesamtüberleben der Gruppe mit einer hohen PD-L1 Expression ≥50% bei 35,4 Monaten, das der Gruppe mit einer PD-L1 Expression von 1-49 % bei 19,5 Monaten. Das 5-Jahres Überleben für die Gruppe mit einer hohen PD-L1 Expression ≥50% wurde mit 29,6% angegeben, das der Gruppe mit einer PD-L1 Expression von 1-49 % mit 15,7%.
In einer Phase-III-Studie (KEYNOTE-024, NCT02142738) [125], [1149], [1232], [1149] mit 305 unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC wurde platinbasierte Standardchemotherapie (investigator´s choice) mit Pembrolizumab Monotherapie (200mg i.v. alle 3 Wochen) verglichen. Eingeschlossen wurden Patienten, die auf mindestens 50 % ihrer Tumorzellen PD-L1 exprimierten. Ausgeschlossen wurden Patienten mit aktivierender EGFR-Mutation oder ALK-Fusion. Crossover vom Chemotherapie-Arm zur Pembrolizumab-Therapie bei Krankheitsprogression war erlaubt. Primärer Endpunkt war das mediane PFS im zentralen Review. Das mediane PFS mit Pembrolizumab betrug 10,3 Monate (95 % KI 6,7 bis nicht erreicht) und war damit signifikant dem Chemotherapiearm überlegen (6,0 Mon., KI 4,2-6,2). Die Hazard Ratio für Progression betrug 0,5 (95% KI 0,37-0,68, p<0.001). Das mediane Gesamtüberleben war 30 Monate (95 % CI, 18,3 Monate bis noch nicht erreicht) im Pembrolizumab-Arm verglichen mit 14,2 Monaten (95% KI, 9,8-19 Monate) im Chemotherapie-Arm; HR 0,63; P = 0.002. Die Ansprechrate betrug in der Pembrolizumab-Gruppe 44,8 % vs. 27,8 % in der Chemotherapie-Gruppe. Die Therapie mit Pembrolizumab war weniger toxisch, sowohl bezüglich aller gelisteten Nebenwirkungen (adverse events grade 1-5; Pembrolizumab 73,4 %, Chemotherapie 90,0 %) als auch bezüglich der schweren Nebenwirkungen (Toxizität nach CTC 3-5; Pembrolizumab 26,6 % vs. Chemotherapie 53,3 %). Neue Signale bezüglich der Art der Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Die Überlegenheit von Pembrolizumab war in allen Subgruppen gegeben (Histologie, Alter, Ethnizität u.a.). Zusätzlich wurden Lebensqualitätsdaten dieser Studie berichtet. Die Lebensqualität wurde untersucht mit den QLQ-C30, QLQ-LC13 sowie EQ-5D-3L Fragebögen. Im QLQ-C30 Fragebogen zeigte sich ein Score von 6,9 für Pembrolizumab und -0,9 für die Chemotherapie mit einer Differenz von 7,8, (P = 0.0020). Auch die Zeit bis zur Verschlechterung der Symptome war signifikant länger unter Behandlung mit Pembrolizumab als unter Chemotherapie (HR 0,66, P = 0.029). Zuletzt wurde eine 5-Jahresüberlebensrate von 31,9% für die Pembrolizumabgruppe berichtet [1232].
In einer weiteren Phase III Studie (KEYNOTE-042, NCT02220894) [1154] wurde Pembrolizumab versus einer platin-basierten Chemotherapie als Erstlinientherapie bei NSCLC Patienten mit fortgeschrittenem/metastasiertem Tumor untersucht. Im Kontrollarm waren als Chemotherapie-Schemata Carboplatin und Paclitaxel oder Carboplatin und Pemetrexed erlaubt. Ein cross-over nach Progress war nicht zulässig. In einem 1:1 Schema wurden jeweils 637 Patienten in die beiden Arme randomisiert. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben bei Patienten mit PD-L1 Status ≥50 %, ≥20 % und ≥1%. Stratifikationsmerkmale waren die Region der Allgemeinzustand nach ECOG-PS, die Histologie sowie der PD-L1 Status. Das Gesamtüberleben der Patienten mit einem hohen PD-L1 Status ≥50 % war signifikant besser im Pembrolizumab-Arm als im Chemotherapie-Arm (20 Monate versus 12,2 Monate, HR 0,69; P = 0.0003). Signifikant waren auch die Gesamtüberlebensdaten für die PD-L1 Subgruppen ≥20 % und ≥1%. Nicht unterschiedlich aber klinisch relevant war die Kohorte der Patienten mit einem PD-L1 Status von 1-49 %. Hier zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Gesamtüberleben der Gruppen (13,4 Monate für Pembrolizumab versus 12,1 Monat für Chemotherapie, HR 0,92 (95 % KI 0.77-1.11)). Das progressionsfreie Überleben der PD-L1 hoch positiven Patienten war ebenfalls signifikant länger im Immuntherapie-Arm als im Chemotherapie-Arm (7,1 versus 6,4 Monate, HR 0,81, P = 0.0170). Für die anderen Subgruppen (PD-L1 ≥20 und ≥1%) zeigte sich kein signifikanter Unterschied im progressionsfreien Überleben. Die Toxizität CTC Grad 3-5 lag bei 17,8 % im Pembrolizumab-Arm und bei 41,0 % im Chemotherapie-Arm. Mit ca. 9 % lag die Abbruchrate in beiden Armen gleich hoch.
In einer Phase-III-Studie (ImPower 110; NCT02409342) [1148] wurden in einem 1:1 Design 572 unbehandelte NSCLC Patienten aller Histologien randomisiert in einen Arm A mit Atezolizuamb Monotherapie oder in den Arm B mit Standardchemotherapie (Platte: Ciplatin/Carboplatin + Gemcitabin; Nicht-Platte: Cisplatin/Carboplatin + Pemetrexed). Nach 4 oder 6 Zyklen wurde eine Erhaltungstherapie mit Atezolizumab (Arm A) oder Pemetrexed (Arm B Nicht-Platte) durchgeführt. Ein Cross-over war nicht erlaubt. Es wurden alle PD-L1 Expressionsgrade eingeschlossen, aber stratifiziert. Der primäre Endpunkt war das OS der Wildtyp Patienten (also ohne EGFR-Mutation oder ALK Translokation). Es zeigte sich insbesondere für die Gruppe der PD-L1 Hochexprimierer (TC3 oder IC3; N=205) ein signifikanter OS Unterschied von im Median 20, 2 Monaten im Atezolizumab Arm vs 12.1 Monaten im Chemotherapie Arm (HR 0,59; p=0.0106). Auch für die erweiterte Gruppe der TC2/3 oder IC2/3 exprimierenden Patienten zeigte sich noch eine Signifikanz (HR 0,72; P=0.0416). Diese dürfte aber, ähnlich wie in der KEYNOTE-042-Studie von den hoch-PD-L1 positiven Patienten beeinflusst sein. Auch das PFS als sekundärer Endpunkt war für die TC3 / IC3 Atezolizumab Gruppe signfikant (mPFS 8,1 Monate Arm A vs 5,0 Monate Arm B) (HR 0,63; P=0.0070). Es zeigten sich keine unerwarteten Toxizitäten in beiden Gruppen. In einer Phase-III-Studie (CheckMate 026; NCT02041533) [1170] wurden 541 Patienten mit unbehandeltem fortgeschrittenem NSCLC randomisiert zwischen platinbasierter Standardchemotherapie (Histologie-abhängig) und Nivolumab (3mg/kg i.v. alle 2 Wochen) verglichen. Ein cross-over nach Progress war möglich und wurde von 60% der Patienten im Chemotherapie-Arm genutzt. Eingeschlossen in die Studie wurden Patienten mit einer PD-L1-Expression auf mindestens 1 % der Tumorzellen. Ausgeschlossen wurden Patienten mit aktivierender EGFR-Mutation oder ALK-Fusion. Primärer Endpunkt war das PFS im zentralen Review in der Patientengruppe mit ≥5 % PD-L1 positiven Tumorzellen. Der primäre Endpunkt dieser Studie war negativ mit einem PFS von 4,2 Monaten im Nivolumab Arm versus 5,9 Monate im Chemotherapie-Arm (HR 1,15, P = 0,25. Auch das Gesamtüberleben war statistisch nicht signifikant mit einem medianen OS von 14,4 Monaten unter Nivolumab versus 13,2 Monaten für Chemotherapie (HR 1,02). Auch für die Subgruppe der PD-L1 hoch positiven Tumore (≥50 % PD-L1 Expression) zeigte sich weder für das PFS (HR 1,07) noch für das OS (HR 0,90) eine Signifikanz.
In einer Phase III Studie (EMPOWER Lung 1; NCT03088540) [Sazer et al., Lancet 2021] wurden in einem 1:1 Design 710 unbehandelte NSCLC Patienten aller Histologien mit einem PD-L1-Status ≥50% randomisiert in einen Arm A mit Cemiplimab Monotherapie oder in den Arm B mit einer Standardchemotherapie. Ein Crossover von Chemotherapie zu Cempilimab war bei Progress erlaubt. Co-primäre Endpunkte waren das PFS und OS nach Beurteilung durch ein unabhängiges Review Komitee. In der Intent to treat Population fanden sich aber auch 56 Patienten, die in einem validierten Retest einen PD-L1 Status <50% aufwiesen und 91 Patienten bei denen der PD-L1 Status unklar war, da eine validierte Retestung nicht möglich war. Die gesichert PD-L1 ≥50% Gruppe bestand aus 563 Patienten, die gezielt ausgewertet wurden. Das mediane OS ist zum Zeitpunkt der Publikation (Februar 2021) für den Cemiplimab Arm (Pat mit PD-L1 Status ≥50%) noch nicht erreicht; im Chemotherapie Arm betrug es 14,2 Monate (HR 0,57). Das PFS betrug 8,2 Monate (Cem) versus 5,7 Monate (Chemotherapie) (HR 0,54, p<0,001). CTC Grad 3/ 4 Nebenwirkungen traten in 28% der Patienten im Cemiplimab Arm und in 39% der Patienten im Chemotherapie Arm auf. CTC Grad 5 Toxizitäten die mit der Therapie assoziiert werden konnten traten in Cemiplimab Arm in 9 Patienten (3%) auf und waren in 4 Patienten kardiologischer Natur.
Fazit: für Pembrolizumab liegen zwei randomisierte Phase-III-Studien vor (für Atezolizumab und Cemiplimab eine), die die Überlegenheit der ICI in der Monotherapie gegenüber einer platin-basierten Chemotherapie in der Erstlinientherapie bei Patienten mit einem NSCLC mit einem PD-L1-Status ≥50 % bzw. TC3/IC3 zeigen. Außerdem ist die Nebenwirkungsrate unter ICI (ausgenommen immun-bezogener Nebenwirkungen) deutlich niedriger gewesen als unter Chemotherapie; zudem bei Pembrolizumab die Lebensqualität signifikant besser (für Atezolizumab liegen noch keine Ergebnisse vor). Zusammen mit einer 5-Jahres Überlebensrate von 29,6% für PD-L1 hoch positive Patienten in der Erstlinie (aus einer Phase IB Studie) stellt die Pembrolizumab-Monotherapie eine wichtige Therapieoption bei Patienten mit nicht-plattenepithelialen NSCLC und PD-L1-Überexpression (≥50 %) dar. Auch Atezolizumab kann als Monotherapie in dieser Gruppe eingesetzt werden. Für Patienten mit einem PD-L1 Status von 1-49 % (analog TC2/3 IC 2/3) ist die Therapie bestenfalls als gleichwertig zur Chemotherapie einzustufen. Für diese Subgruppe von Patienten mit mittlerer PD-L1 Expression liegt derzeit jedoch keine Zulassung vor. Die neueste Zulassung stellt Cemiplimab dar, das bei NSCLC Patienten mit einer PD-L1 Expression von ≥50% einer Chemotherapie überlegen war. Eine Zulassung liegt hier auch für Patienten im Stadium III vor, bei denen eine Radiochemotherapie nicht durchgeführt werden kann. Nach einer negativen Studie gibt es für den Einsatz von Nivolumab (oder andere ICI) in der palliativen Erstlinientherapie als Monotherapie derzeit keine Empfehlung und keine Zulassung.
Hintergrund Dauer der Systemtherapie
Bezüglich der Dauer der Systemtherapie liegen lediglich die Studiendaten vor, die in aller Regel 4 Zyklen einer Kombinationstherapie aus Chemotherapie + ICI vorgaben, gefolgt von einer Erhaltungstherapie bis zur Progression oder nicht tolerablen Toxizität. In den Kombinations-Studien mit Atezolizumab waren 4 oder 6 Zyklen Therapie möglich.
In Phase-III-Studien variierte die Dauer der ICI Therapie von zwei Jahren bis hin zum Tumorprogress oder zum Verlust des klinischen Benefits. Daten von Phase-I-Studien zeigten unabhängig von der Dauer der Behandlung keinen Unterschied im Langzeitüberleben.
In den explorativen Analysen zum Überleben der Checkmate 153 Studie (Waterhouse), bei der die kontinuierliche Nivolumab-Gabe (Arm A) bis zum Progress versus Beendigung nach einem Jahr (Arm B) untersucht wurde, zeigte sich ein signifikant verlängertes PFS (HR 0,42;) und OS (HR 0,63) für Arm A. Dieser Benefit war unabhängig vom Ansprechen auf die Therapie. Auch wenn die Studie nicht adäquat gepowert war, die Effektivität zu überprüfen (der primäre Endpunkt waren Sicherheitsaspekte), zeigen die Ergebnisse doch, dass das Stoppen der Therapie nach einem Jahr das Risiko für einen Progress erhöht.
Das große Risiko eines Therapie-Stopps ist die Unwirksamkeit der ICI bei einer Re-Induktion. Es zeigt sich jedoch in Studien, dass, eine Re-Induktion bei Progress bei 70 % der Patienten zu einem erneuten klinischen Ansprechen führt. Allerdings scheint der klinische Benefit auf Patienten beschränkt zu sein, die A) alle Zyklen der Therapie per Protokoll erhalten haben, B) die frühestens ein Jahr nach ICI Stopp progredient werden und C) bei solchen Patienten die unter ICI Therapie ein Ansprechen hatten. Nach wie vor ist es jedoch im individuellen Fall eine große Herausforderung für die behandelten Kliniker zu entscheiden, wann die ICI-Therapie gegebenenfalls gestoppt wird.
Fazit: im palliativen Setting sollen in aller Regel 4 Zyklen der Chemo-ICI verabreicht werden. Nach Zwischenstaging ohne Progress sollte sich eine Erhaltungstherapie anschließen. In klinischen Studien wurden in aller Regel 2 Jahre Gesamtbehandlung durchgeführt. Da es aber bisher keine ausreichenden Daten zum Langzeitüberleben gibt, muss der Kliniker bei guter Verträglichkeit und Fehlen von Zeichen eines Progresses individuell mit dem Patienten über eine Fortführung der ICI sprechen. Die ICI Behandlung kann dann im Einzelfall bis zum Verlust des klinischen Benefits weitergeführt werden.
Hintergrund Autoimmunerkrankungen und virale Infektionen
In allen Studien zur palliativen Erstlinientherapie des NSCLC mit ICI oder Chemo-Immuntherapie waren bisher Patienten mit Autoimmunerkrankungen (wie etwa einer rheumatischen Arthritis oder einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung) ausgeschlossen. Auch Patienten mit Hepatitis oder HIV konnten nicht eingeschlossen werden. Es gibt aber neuere Erkenntnisse zu Patienten mit diesen Risikofaktoren, die im Folgenden dargestellt werden, um im Einzelfall eine Therapieentscheidung abzuwägen.
Autoimmunerkrankungen
Die Prävalenz von Autoimmunerkrankungen beim NSCLC beträgt 14 % und die meisten Erkrankungen betreffen die rheumatoide Arthritis, die Psoriasis und die Polymyalgie [1233]. Real World Daten zeigen, dass bis zu 22 % der Patienten mit NSCLC, die ICI erhalten, eine Vorgeschichte mit Autoimmunerkrankungen haben [1234][1235]. Autoimmun-erkrankungen beim NSCLC sind des Weiteren nicht mit einer verstärkten Mortalität assoziiert [1236].
Jedoch ist die Aussagekraft der Daten zur Effektivität und Sicherheit von ICI bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen sehr eingeschränkt, Sicherheitsdaten zeigen dennoch, dass Tumor Patienten mit Autoimmunerkrankungen zwar eine höhere Inzidenz von immun bedingten Nebenwirkungen hatten, diese waren jedoch meist mild und gut zu beherrschen. Darüber hinaus führten sie sehr selten zum Abbruch der ICI Therapie [1237][1238][1235][1239] Die Inzidenz von Nebenwirkungen der CTC Grade ≥3 ist ähnlich zu denen der Gesamtpopulation ohne Autoimmunerkrankung [1237][1239][1238].
Patienten mit NSCLC und Autoimmunerkrankung haben eine Inzidenz von Nebenwirkungen der CTC Grade ≥3 von 11 %, sowie eine Abbruchrate von 14 %. Diese ist damit leicht höher, als die Raten, die in klinischen Studien berichtet werden. [1237]. Die Effektivität der ICI-Therapie bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen war dabei ähnlich zu der von Patienten ohne diese Erkrankungen; die Ansprechrate lag bei 22 % in einer NSCLC Kohorte [1237] und bis zu 39 % in anderen Kollektiven, die auch NSCLC Patienten beinhalteten [1239][1238]PFS und OS waren ähnlich für Patienten mit und ohne Autoimmunerkrankung. Patienten mit einer aktiven Autoimmunerkrankung jedoch hatten ein kürzeres Gesamtüberleben [1235][1237][1239][1237]. Dabei bleibt weiterhin unklar, ob eine immunsuppressive Behandlung zu Beginn der Therapie für symptomatische Patienten, die mit ICI behandelt werden, einen möglicherweise ungünstigen Überlebenseffekt darstellt [1237][1239]. Derzeit laufen prospektive Erhebungen für diese Patientenpopulation (NCT03656672, NCT 03816345).
virale Infektionen, vor allem Hepatis B und C sowie HIV
Klinische Studien beim hepatozellulären Karzinom, bei denen ICI eingesetzt wurden, zeigten eine Effektivität unabhängig vom Virusstatus und es wurden keine Fälle mit HPV/HCV Aktivierung berichtet [1240][1241]. In einer weiteren Studie mit 14 Tumorpatienten die eine Hepatitis B aufwiesen, konnte keine vermehrte Toxizität in Bezug auf Viruslast gefunden werden [1242]. 223 Patienten mit Hepatitis C und fortgeschrittenen soliden Tumoren erhielten eine ICI Therapie. Keiner der Patienten hatte eine HCV Reaktivierung oder eine HCV assoziierte Hepatitis [1243].
Beim NSCLC wurden in einer Studie 237 Patienten mit ICI behandelt; davon hatten 14 % eine HPV Infektion. Die Inzidenz von immun-bedingten Nebenwirkungen war ähnlich zu der Gruppe von Patienten ohne HPV. Es zeigte sich aber häufiger eine CTC Grad ≥3 Hepatitis. (12,5 % versus 1,9 %; P = 0,0021) [1244].
Die Inzidenz von Lungenkarzinomen war bei HIV-Patienten generell höher als in der Kontrollgruppe ohne HIV (IRR 2,38); möglicherweise bedingt durch die höhere Prävalenz des Rauchens bei HIV infizierten Personen [1245]. Insgesamt sind bis zu 40 % der HIV Patienten Raucher, also etwa doppelt so viele wie in der allgemeinen Bevölkerung [1246]. Zusätzlich ist das generelle Überleben der Patienten mit HIV und Lungenkarzinomen schlechter als außerhalb dieser Subgruppe [1247].
In einer retrospektiven Auswertung von Tumorpatienten mit HIV, die eine ICI Therapie erhalten haben (davon waren 30 % NSCLC Patienten), konnte gezeigt werden, dass der HIV Status die Effektivität der ICI nicht einschränkt. Sie waren grundsätzlich gut toleriert worden und bei 93 % der Patienten blieb das HI Virus unter der Therapie weiterhin unterdrückt [1248]. Zusätzlich zeigten zwei prospektive Studien ein gut tolerables Sicherheitsprofil ohne virale Reaktivierung sowie eine gute Aktivität bei fortgeschrittenen Tumoren, einschließlich dem NSCLC [1249][1250]. Die ICI Therapie kann hypothetisch sogar die HIV spezifische Immunität erhöhen, da das durch die Immuntherapie gestärkte Immunsystem HIV Reservoirs zerstören kann, die trotz retroviraler Therapie im Körper verbleiben [1171]. Es wird empfohlen CD 4 und CD8 während der ICI Therapie engmaschig zu monitorieren.
Hintergrund Nicht-ICI-basierte Therapien
Wenn eine ICI basierte Therapie nicht in Frage kommt, der Patient aber in einem guten Allgemeinzustand (ECOG 0-1) ist, soll im Einzelfall eine platinbasierte Chemotherapie oder Monotherapie angeboten werden. Im Folgenden werden daher noch einmal einzelne Aspekte der palliativen Chemotherapie/Kombinations-Chemotherapie beleuchtet.
Platin-basierte Kombinationschemotherapie
In die 1995 publizierte Metaanalyse eingeschlossen waren 11 Studien, darunter 8 mit einer cisplatinbasierten Kombinationschemotherapie (778 Patienten). In den Studien mit cisplatinbasierter Kombination belegt die Metaanalyse eine signifikante, wenn auch absolut geringe, Verbesserung der medianen Überlebenszeit im Vergleich zu BSC (HR 0,73; p<0,0001; mediane Überlebensverlängerung 6 Wochen, bzw. 10%ige Verbesserung des Überlebens nach einem Jahr 5% vs. 15%) [787]. Dies zeigt auch eine randomisierte Phase-III-Studie (725 Patienten) im Vergleich von 4 verschiedenen cisplatinbasierten Chemotherapieregimen gegenüber BSC (HR 0,77; p=0,0006, mediaes Überleben 8 vs. 5,7 Mon.) [1212]. Zudem belegen zwei weitere kleinere Phase-III-Studien einen signifikanten Überlebensvorteil zugunsten einer cisplatinbasierten Kombinationschemotherapie [786], [788]. In einer dieser Studien wurde die Lebensqualität bewertet; es zeigte sich eine Verbesserung unter cisplatinbasierter Kombinationschemotherapie, nicht aber unter BSC [786]. Für Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0,1) kann somit die Evidenz für einen Überlebensvorteil einer cisplatinbasierten Kombinationschemotherapie gegenüber BSC als sicher angesehen werden.
In Anbetracht der absolut gesehen nur geringen medianen Überlebensverlängerung ist die Evaluation des Allgemeinzustands und der Patientenpräferenz sowie die sorgfältige Aufklärung über Nutzen und Schaden der Therapie von besonderer Bedeutung.
Als Kombinationspartner stehen die Zytostatika der zweiten Generation wie Etoposid, Vindesin, Mitomycin und Ifosfamid oder der sog. dritten Generation, wie Gemcitabin, Paclitaxel, nab-Paclitaxel, Docetaxel, Vinorelbin und Pemetrexed zur Verfügung. Im Vergleich zu best-supportive-care haben die Drittgenerationszytostatika in der Monochemotherapie ihren Vorteil für das Gesamtüberleben gezeigt [1213], [1214] und sind mittlerweile in der Kombination mit Cisplatin als untereinander äqui-effektiv etabliert [1215], [1216], [1217]. Für die Kombination Cisplatin/Pemetrexed wurde in einer randomisierten Studie Äquieffektivität zu Cisplatin/Gemcitabin gezeigt; eine explorative Subgruppenanalyse zeigte für nicht-Plattenepithelkarzinome eine um 1,4 Monate bessere mediane Überlebenzeit mit Cisplatin/Pemetrexed [1218] und führte zur Zulassung zur Behandlung von Nicht-Plattenepithelkarzinomen.
Die Frage der Überlegenheit von Drittgenerations-Cisplatin Kombinationen gegenüber Zweitgenerations-Cisplatin-Kombinationen wurde in einer Reihe von Phase-III-Studien ohne einheitliches Ergebnis überprüft [1217], [792], [767], [793], [794], [795].
Drei prospektiv randomisierte Studien zeigen einen signifikanten Überlebensvorteil von Drittgenerations-Kombinationen gegenüber Zweitgenerations-Kombinationen (Cisplatin / Vinorelbin versus Cisplatin / Vindesin [792]; Carboplatin / Gemcitabin versus Mitomycin, Cisplatin, Ifosfamid) [795]; Cisplatin / Docetaxel versus Cisplatin / Vindesin [1022].
In zwei Metaanalysen wurden Effekte von Drittgenerations-Zytostatika gegenüber Zweitgenerationszytostatika untersucht. Eine Metaanalyse überprüfte die Effektivität von Gemcitabin-Kombinationen gegenüber einer Monotherapie sowie einer Zwei- bzw. Dreifachtherapie von II. und III. Generationssubstanzen. Die getrennte Analyse der Studien mit Kombinationschemotherapie zeigt einen statistisch signifikanten Vorteil für die Kombination Gemcitabin und Cisplatin gegenüber der Kombination von Platinderivat und Zweitgenerationszytostatikum [1219]. In einer zweiten Metaanalyse wurde in der platinbasierten Kombinationstherapie Docetaxel gegen Vincaalkaloide (Vinorelbin oder Vindesin) verglichen. Docetaxel war statistisch signifikant überlegen gegenüber Vinkaalkaloiden hinsichtlich Überleben und Toxizität [1220]. Diese Metaanalyse wurde auf Basis individueller Patientendaten aktualisiert und kommt zum identischen Ergebnis hinsichtlich der klinischen Effektivität [1221].
Therapiedauer
In zwei randomisierten Studien wurde die Zeitdauer der Chemotherapie geprüft. Eine Studie sollte einen Unterschied der 6-monatigen Überlebensrate von > 33% bzw. der medianen Überlebenszeit (MÜZ) von 4 auf 6 Monate beim Vergleich von 3 versus 6 Zyklen Mitomycin/Vinblastin/ Cisplatin zeigen. Ein Unterschied wurde nicht festgestellt (MÜZ 6 versus 7 Monate; p = 0,2); allerdings erhielten im Vergleichsarm nur 31% der Patienten 6 Zyklen Chemotherapie [1251]. In einer weiteren Studie sollte ein Unterschied in der 1-Jahres-Überlebensrate von 15% gezeigt werden. Geprüft wurde die Gabe von 4 Zyklen Carboplatin / Paclitaxel versus fortlaufender Gabe von Carboplatin / Paclitaxel bis zur Erkrankungsprogression. Im Falle der Erkrankungsprogression wurde in beiden Armen auf wöchentliche Gabe von Paclitaxel umgestellt. Weder für die Überlebenszeit noch Lebensqualität konnte die Überlegenheit eines Therapiearmes nachgewiesen werden [1252]. Aus beiden Studien wird kein Vorteil im Hinblick auf Überlebenszeit oder Lebensqualität für eine über vier Therapiezyklen hinausgehende Behandlung offensichtlich. In einer auf IPD-Basis (individual patient data) geführten Metaanalyse unter Einschluss aller randomisierten Studien, die in der Erstlinie sechs Zyklen versus eine niedrigere Zyklenanzahl einer platinbasierten Kombinationschemotherapie prüften, wird dies bestätigt [1253]. Auf Basis von vier eingeschlossenen Studien (1139 Patienten) zeigt die Analyse (3-4 Zyklen versus 6 Zyklen) lediglich einen Unterschied für das progressionsfreie Überleben (Median) von 23 Tagen (5,33 vs. 6,09 Monate; HR = 0,79, p = 0,007); nicht jedoch für die Remissionsrate (36,5% vs. 41,3%; p = 0,16) bzw. das Gesamtüberleben (8,68 vs. 9,54 Monate; HR = 0,94, p = 0,33). Die Ansprechrate ist mit 41,3% vs. 36,5% geringfügig höher, wobei dieser Unterschied statistisch nicht signifikant ist (p=0,16). Hinsichtlich der Nebenwirkungen zeigt die Metaanalyse eine höhere Rate von schweren Anämien (>Grad 3) bei Therapieregimen mit 6 Zyklen 7,8% vs. 2.9%) [1253].
Erhaltungstherapie (Maintenance)
Das Konzept einer Erhaltungstherapie wurde in mehreren randomisierten Studien bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand (PS 0 und I) getestet. Hier wurden zur Verlängerung des Effektes einer Erstlinientherapie entweder eine Fortführung der Therapie mit einer Substanz der Erstlinientherapie (continuation maintenance) oder ein Wechsel der Substanz nach 4 Zyklen einer platinhaltigen Erstlinientherapie (switch maintenance) untersucht. Hintergrund dieser Therapiestrategie ist das Ziel Chemotherapie-Resistenz zu vermindern, den Tumor mittels einer verlängerten Exposition gegenüber einer wirksamen Substanz zu kontrollieren sowie antiangiogene Effekte und eine Veränderung der Antitumorimmunität möglicherweise zu nutzen.
Die Studie von Fidias et al. setzte einen Meilenstein in der Entwicklung der Erhaltungstherapie. 566 Patienten wurden in dieser Phase-III-Studie untersucht [1143]. Nach 4 Zyklen Carboplatin und Gemcitabin erfolgte eine Switch Maintenance (d.h. die sofortige Gabe von von Docetaxel) vs. einer Standard-Zweitlinientherapie mit Docetaxel bei Progress. Es zeigte sich eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens von 2,7 auf 5,7 Monate (p=0,001) jedoch konnte kein Überlebensvorteil nachgewiesen werden (12.3 vs. 9,7 Monate (p=0,0853). Die Studie war jedoch auch nicht gepowert, um einen Überlebensvorteil nachzuweisen. Nur 31% der Patienten konnten eine Zweitlinientherapie mit Docetaxel erhalten, was für einen Vorteil der Substanz bei frühem Einsatz spricht
Eine Therapie mit Paclitaxel, Gemcitabin oder Vinorelbin konnte keinen Überlebensvorteil in der Erhaltungstherapie nachweisen wobei ein signifikanter Vorteil für Gemcitabin im PFS in der IFCT-GFPC 0502-Studie nachgewiesen wurde [1177][1178][1179][1180][1181][1182][1183]. Hier wurde eine Continuation-Maintenance mit Gemcitabin mit einer Switch Maintenance mit Erlotinib und Best Supportive Care verglichen wurden Das Mediane PFS für Gemcitabine vs. Erlotinib vs. Best supportive Care war 3,8 Monate (p < 0.001, HR = 0.56, 95%CI: 0.44-0.72) vs. 2,9 Monate (p = 0.003, HR = 0.69, 95% CI: 0.54-0.88) vs 1,9 Monate. Das medianes OS betrug für Gemcitabine vs Erlotinib vs Best Supportive Care 12.1 Monate vs. 11.4 Monate vs. 10.8 Monate. Patienten mit Plattenepithelkarzinom zeigten ebenfalls ein Ansprechen auf die Therapie ohne signifikanten Überlebensvorteil.
Pemetrexed zeigte in zwei randomisierten Phase-III-Studien eine Verbesserung des Überlebens (OS) und des progressionsfreien Überlebens (PFS) in der Erhaltungstherapie. In der ersten Studie (JMEN) wurde nach 4 Zyklen einer Kombinationschemotherapie und bei ausbleibendem Progress in einen Pemetrexed oder Placebo Arm randomisiert (switch maintenance). Pemetrexed verbesserte das PFS (4,3 gegen 2,6 Monate, HR 0.50 (95% CI 0,42–0,61); p<0,0001) und das Gesamtüberleben (13,4 gegen 10,6 Monate, HR 0,79 (95% CI 0,65–0,95); p=0,012). In einer geplanten Subgruppenanalyse zeigte sich kein Vorteil für Patienten mit Plattenepithelkarzinom (n= 128) jedoch bei Nicht-Plattenepithelkarzinomen ein 5-monatiger Überlebensvorteil mit Pemetrexed (15,5 Monate vs 10,3 Monate; HR, 0,70; 95% CI 0,56-0,88; P= 0,002). Im Kontrollarm lag der Anteil der Patienten, die bei Progress mit Pemetrexed behandelt wurden, unter 20%. Somit lässt die Studie formal keine vergleichende Aussage über einen Maintenance-Einsatz von Pemetrexed vs. einem frühen Einsatz im Rezidiv zu.
In der zweiten Studie (PARAMOUNT) wurde Pemetrexed nach 4 Zyklen mit Cisplatin und Pemetrexed als Monotherapie (continuation maintenance) fortgeführt im Vergleich zu einem Placebo-Arm [1222] [1223] [1224] [1225]. Hier zeigte sich eine Verbesserung des PFS (4,1 vs. 2,8 Monate, HR 0,62 (95% CI 0,49–0,79); p<0,0001) und des Gesamtüberleben (13,9 versus 11,0 Monate, HR 0,78 (95% CI 0,64–0,96); p=0,0195). Allerdings erhielten weniger Patienten eine Zweitlinientherapie mit Pemetrexed-Arm bzw. eine Zweitlinienchemotherapie als im Therapiearm. Die Chemotherapie-assoziierten Grad 3,4 Nebenwirkungen betrugen im Pemetrexed /Placebo Arm: 9%/<1%, p<0·0001. Nicht-hämatologische NW der Grade 3-5 waren im Pemetrexed-Arm höher als im Placebo-Arm: 9 vs. 4%, p=0,080). Die häufigste Therapie-assoziierte NW Grad 3-4 im Pemetrexed-Arm war Anämie (4%), Granulozytopenie (4%) und Fatigue (4%), im Placebo Arm (<1%), (0%), (<1%). Die Lebensqualität war mit der Pemetrexed-Erhaltungstherapie nicht negativ beeinflusst
Eine weitere Studie prüfte das Prinzip einer Switch Maintenance mit Erlotinib vs. einer Continuous Maintenance mit Gemcitabin nach einer Induktionstherapie mit Gemcitabin und Cisplatin [1254]. Primärer Endpunkt war das PFS, sekundärer Endpunkt das OS. Im dritten Arm wurde keine Erhaltungstherapie appliziert. Alle Patienten erhielten bei Progress eine Therapie mit Pemetrexed. Der primäre Endpunkt PFS war signifikant mit Gemcitabine (Median, 3,8 v 1,9 Monate, HR 0,56, p <0.001) und mit Erlotinib (Median, 2,9 vs 1,9 Monatem HR, 0,69, P= .003) gegenüber Beobachtung verbessert. Das Überleben war nicht-signifikant verbessert.
Der Tyrosinkinase-Inhibitor Erlotinib wurde in der SATURN-Studie in der Erhaltungstherapie untersucht [1255]. Nach 4 Zyklen einer Platindublette wurde Erlotinib gegen Placebo randomisiert. Das PFS verbesserte sich (12,3 vs. 11,1 Wochen, HR 0,79 (95% CI 0,51–0,82); p<0,0001) und das Gesamtüberleben bei Patienten die kein Progress entsprechend RECIST nach der Erstlinientherapie hatten (11,9 vs. 9,6 Monate, HR 0,72 (95% CI 0,59–0,89); p=0,0019). Nicht jedoch bei Patienten die eine partielle Remission oder besser erreichten (HR 0,94; 95% CI, 0,74-1,20; p=0,618; medianes Gesamtüberleben 12,5 bzw. 12,0 Monate). Dies führte zunächst zur Zulassung von Erlotinib als Switch Maintenance bei Patienten mit stabiler Erkrankung nach Induktionstherapie.
In einer retrospektiven, explorativen Auswertung der Saturn Studie zeigte sich bei Patienten mit einer EGFR-Mutation ein deutlich besserer Effekt im PFS (HR 0,1, p<0.01; Erlotinib vs Placebo) als bei den Patienten mit deinem EGFR-Wildtyp (HR 0.78; p 0.019). Allerdings stand nicht bei allen Patienten Material für eine molekulare Analyse zur Verfügung [1256].
In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie IUNO wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Erhaltungstherapie mit Erlotinib nach vier Zyklen einer platinbasierten First-Line-Standardchemotherapie bei Patienten mit nicht mutiertem NSCLC im Vergleich zu Erlotinib bei Progress nicht mehr positiv bewertet (HR = 1.02; 95% CI: 0.85, 1.22; p = 0.8183). Die Zulassung der First-Line-Erhaltungstherapie wurde deshalb beschränkt auf Patienten mit unverändertem Krankheitszustand nach Erstlinien-Chemotherapie, deren Tumoren eine aktivierende EGFR-Mutation aufweisen.
Faktoren, die somit für einen Erfolg der Erhaltungstherapie sprechen sind Grad des Ansprechens auf die Erstlinienchemotherapie, Performance Status, Histologie und molekulare Marker. Erheblicher Diskussionsbedarf besteht weiterhin bezüglich der Studienendpunkte, der Anzahl der Patienten, die eine Zweitlinientherapie erhielten, der Lebensqualität, dem Stellenwert einer Therapiepause sowie den Kosten der Therapie.
Stellenwert der Monochemotherapie
Bei älteren Patienten (> 70 Jahre) wurde in einer randomisierten Studie (ECOG 2, 24%; > 2 Komorbiditäten, 21%) der Stellenwert einer Monochemotherapie (Vinorelbin) im Vergleich zu BSC geprüft. Tumorbedingte Symptome (Schmerz, Dyspnoe) und mediane Überlebenszeit waren signifikant gebessert bzw. verlängert, während chemotherapiebedingte Nebenwirkungen (Neuropathie; Obstipation) signifikant zunahmen. In einer weiteren randomisierten Studie bei älteren Patienten (> 70 Jahre; ECOG 2, 19%; > 2 Komorbiditäten, 66%) wurde eine Kombinationstherapie aus Gemcitabin und Vinorelbin im Vergleich zur Monotherapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin geprüft. Eine Überlegenheit (Verbesserung der medianen Überlebenszeit) der Kombination im Vergleich zur Monotherapie konnte nicht gezeigt werden [1214]. Die Studien zeigen, dass Patienten, bei denen aufgrund von Komorbidität oder Allgemeinzustand eine platinbasierte Kombinationschemotherapie nicht möglich ist, von einer Monotherapie mit einem Drittgenerationszytostatikum profitieren (Symptomenkontrolle; mediane Überlebenszeit).
Cisplatin versus Carboplatin in der Kombinationschemotherapie
In einer Metaanalyse auf non-IPD (Individual Patient Data) Basis wurden 8 randomisierte Studien eingeschlossen, die Cisplatin (75-120 mg/m2) + Kombinationspartner mit Carboplatin (in 3 Studien 300-500 mg/m2; in 5 Studien AUC 5-6) + Kombinationspartner verglichen. Kombinationspartner war in 3 Studien Etoposid, Vindesin, Vinblastin oder Mitomycin C und in 5 Studien Gemcitabin oder Taxan. Die Analyse aller Studien zeigt für Cisplatin eine signifikante Verbesserung der Remissionsrate (HRa 1,36; p < 0,001) ohne signifikante Verbesserung der Überlebenszeit. Die Subgruppenanalyse der Studien, in denen Gemcitabin oder Taxan als Kombinationspartner eingesetzt wurde, zeigt für Cisplatin eine signifikante Verbesserung der Remissionsrate (HR 1,38; p = 0,001)und eine signifikante Verbesserung der Überlebenszeit (HR 1,1; p = 0,04) [1257].
In einer weiteren Metaanalyse auf IPD (Individual Patient Data) Basis wurden 9 randomisierte Studien eingeschlossen (Altersmedian der Patienten 60 Jahre; ECOG 0,1 83%). Für Cisplatin zeigt sich eine signifikante Verbesserung der Remissionsrate (30% vs. 24%; OR 1,37; p < 0,001) ohne signifikante Verbesserung der Überlebenszeit (OR 1,07; p = 0,1). Die Subgruppenanalyse der Studien in denen Gemcitabin, Vinorelbin oder Taxan als Kombinationspartner eingesetzt wurde zeigt für Cisplatin eine signifikante Verbesserung der Remissionsrate wie auch signifikante Verbesserung der Überlebenszeit (OR 1,11; p < 0,05) [1258].
Die Metaanalysen belegen, dass Cisplatin im Vergleich zu Carboplatin in der Kombinationstherapie mit einer weiteren Substanz zu einer signifikant höheren Remissionsrate führt und bei Kombination mit Gemcitabin, Taxan oder Vinorelbin auch die Überlebenszeit signifikant länger ist. Daher wird in der Erstlinientherapie bei Patienten ohne ausschließende Komorbidität bevorzugt die Behandlung mit Cisplatin empfohlen. Bei relevanter Komorbidität (Herzinsuffizienz; Niereninsuffizienz) sollte Carboplatin bevorzugt werden).
Ein aktuelles Update der Cochrane-Metaanalyse [1259], in der 2 weitere randomisierte Studien inkludiert wurden, relativiert den Vorteil von Cisplatin gegenüber Carboplatin weiter. Erneut konnte kein signifikanter Überlebensvorteil für Cisplatin festgestellt werden (HR 0.99, 95% CI: 0.82-1.20; 10 randomisierte Studien, n=2515). Auch die Subgruppenanalysen für Gemcitabine, Paclitaxel und Docetaxel blieben ohne signifikanten Überlebensvorteil. In einer weiteren Subgruppen(meta-)analyse von 6 randomisierten Studien zeigte sich ein signifikanter Überlebensvorteil für Carboplatin, wenn im Vergleichsarm niedrige Cisplatindosen (40-80 mg/m2) zum Einsatz kamen (HR 1.15, 95% CI 1.03-1.28).
Allerdings sind in den publizierten Metaanalysen bislang weder die Studien mit Bevacizumab, bei denen als Kombinationspartner häufig Carboplatin eingesetzt wurde, noch die Daten der Pemetrexed-Kombinationstherapie enthalten, welche als Chemotherapiestandard für das nicht-plattenepitheliale NSCLC in erster Linie gelten und auch die Basistherapie für die zugelassenen Chemo-Immuntherapien in dieser Indikation darstellen. Auch die Daten zur Kombination von nab-Paclitaxel und Carboplatin sind in der Metaanalyse nicht berücksichtigt. Die Frage, ob die vermeidlichen Unterschiede der Platinderivate in Bezug auf Wirksamkeit und Verträglichkeit durch die Hinzunahme einer (oder zweier) ICI zur Erstlinientherapie betont oder abgeschwächt werden bleibt abzuwarten und kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Daher sind bei erwarteten Komplikationen durch Cisplatin oder auch Patientenwunsch wegen der höheren Nebenwirkungen Kombinationen mit Carboplatin empfehlenswert.
8.6.3.2 Systemtherapie (Zweitlinie) bei Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom ohne therapierbare genetische Alterationen
NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom im Stadium IV mit ECOG 0-2 ohne Kontraindikationen sollte eine weitere Therapielinie angeboten werden. Diese richtet sich nach der erfolgten Erstlinientherapie.
NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom im Stadium IV mit einer PD-L1 Expression ≥50% und ECOG 0-2 ohne Kontraindikationen, die in der Erstlinie Atezolizumab oder Cemiplimab oder Pembrolizumab, erhalten haben, sollte für die Zweitlinie eine platinbasierte Chemotherapie angeboten werden. Therapieoptionen sind:
- Cis- oder Carboplatin, Pemetrexed, Gemcitabin oder Vinorelbin
- Carboplatin, (nab-) Paclitaxel ± Bevacizumab
NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom im Stadium IV, die in der Erstlinie eine Immunchemotherapie erhalten haben, sollte eine weitere Therapielinie angeboten werden.
Therapieoptionen sind:
- Docetaxel ± Nintedanib oder Ramucirumab
- Pemetrexed
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1267] [1196]
Änderungshinweis
Bei Patienten (ECOG 0-1) mit Nicht-Plattenepithelkarzinom und PDL1-Negativität soll eine 2. Linientherapie angeboten werden. Therapieoption sind: - Docetaxel-Nintedanib, - Docetaxel-Ramucirumab, - Pemetrexed, - Docetaxel, - Erlotinib - Nivolumab.Hintergrund
Zum Zeitpunkt der Erstellung der Leitlinie haben die meisten Patienten in der Erstlinie abhängig vom PD-L1 Status eine Immun-, bzw. Immunchemotherapie erhalten. Einschränkend muss daher erwähnt werden, dass für diese Therapiesituation keine prospektiv-randomisierten Studiendaten herangezogen werden können. Die Studien zu Docetaxel, ggf. in Kombination mit Angiogenese-, bzw. Multikinaseinhibitoren erfolgten sämtlich nach platinbasierter Chemotherapie.
In der Behandlung von vorbehandelten Patienten mit einem fortgeschrittenen nicht-plattenepithelialen NSCLC konnte in zwei randomisierten Phase-III-Studien eine verbesserte Wirksamkeit einer Kombination eines Angiogenese-Inhibitors mit einer Chemotherapie gegenüber einer alleinigen Chemotherapie nachgewiesen werden [1196], [1262].
Nintedanib wurde in der LUME-Lung-1-Studie in Kombination mit Docetaxel bei 1314 Patienten mit einem vorbehandelten NSCLC mit der Kombination Placebo/Docetaxel verglichen. Die Nintedanib-Dosis betrug 200 mg zweimal täglich an den Tagen 2 bis 21 eines 3-wöchentlichen Behandlungszyklus mit Docetaxel.
In dieser Studie war das PFS zugunsten der Kombination mit Nintedanib signifikant verbessert (medianes PFS +0.7 Monate, HR 0.79, in der Population der Patienten mit einem Adenokarzinom: median 4,2 vs. 2,8 Monate, HR 0,84)) [1262].
Bei vergleichbarer Überlebenszeit in der ITT fand sich eine signifikante Verlängerung der Überlebenszeit bei Patienten mit einem Adenokarzinom (Mediane Überlebenszeit: 12.6 versus 10,3 Monate, HR 0.83). Zusätzlich zeigte sich in einer präspezifizierten Analyse der Überlebenszeit von Patienten mit einem Adenokarzinom, die innerhalb von 9 Monaten nach Beginn der Erstlinientherapie einen Progress hatten, eine zusätzliche Verlängerung der Überlebenszeit für die Kombination Docetaxel/Nintedanib im Vergleich zu Docetaxel (Mediane Überlebenszeit: 10.9 versus 7.9 Monate, HR 0.75) [1262]. In einer weiteren explorativen Analyse für primär progrediente Patienten betrug die HR für das Überleben 0,62 (Mediane Überlebenszeit: 9.8 versus 6.3 Monate). Unter der Kombination wurden gehäuft gastrointestinale Nebenwirkungen und ein transienter Anstieg der Leberenzyme beobachtet.
Die Kombination Docetaxel/Nintedanib nach vorangegangener Immuntherapie wurde in einer prospektiven nicht-interventionellen Studie untersucht, Ergebnisse sind bislang für 22 Patienten publiziert worden (Grohé C et al., Future Medicine 2019; DOI: 10.2217/fon-2019-0262). Das PFS betrug 5.5 Monate (95% CI: 1.9–8.7), die Ansprechrate lag bei 58%.
In der Revel-Studie wurde der anti-VEGFR 2 Antikörper Ramucirumab in einer Dosis von 10 mg/kg KG alle 3 Wochen in Kombination mit Docetaxel bei 1253 Patienten mit einem vorbehandelten NSCLC mit der Kombination Placebo/Docetaxel verglichen. Sowohl für die Überlebenszeit (Mediane Überlebenszeit: 10.5 versus 9.1 Monate, HR 0.86) wie auch für das PFS (Gewinn medianes PFS 1.5 Monate, HR 0.76) zeigte sich eine signifikante Verbesserung bei verstärkter Knochenmarkstoxizität, Mukositis und Fatigue. In der Subgruppenanalyse der nicht-Plattenepithelkarzinome betrug das Überleben 11,1 Monate vs. 9,7 Monate, HR 0,83) [1196].
Für Patienten ohne Immuntherapie in der Erstlinie liegen Daten zu den PD-1 Inhibitoren Nivolumab und Pembrolizumab sowie für den PD-L1 Inhibitor Atezolizumab vor.
Die Checkmate 57-Studie [1261] überprüfte die Effektivität einer Zweitlinientherapie mit Nivolumab bei Nicht-Plattenepithelkarzinomen gegenüber der Standard-Chemotherapie Docetaxel. 592 Patienten wurden auf eine Behandlung mit Nivolumab 3 mg / kg KG alle 2 Wochen bzw. einer Chemotherapie mit Docetaxel 75 mg/m2 alle drei Wochen randomisiert. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben. Dieses war mit Nivolumab gegenüber der Chemotherapie signifikant verlängert (12,2 vs. 9,4 Monate, HR 0,73, p = 0.002). Das 1-Jahres-Überleben betrug 51 % vs. 39 % (Nivolumab vs. Docetaxel). Mit Nivolumab zeigte sich ebenfalls eine signifikant verbesserte Ansprechreate 19 % vs. 12 % (p=0.02). Hinsichtlich des PFS zeigte sich kein einheitliches Bild, dieses war mit Nivolumab kürzer als mit Docetaxel 2,3 vs. 4,2 Monate), allerdings war der Anteil an Patienten ohne Progress nach einem Jahr unter Nivolumab höher als mit Docetaxel (19 % vs. 8 %). Der Effekt von Nivolumab war abhängig von der PD-L1 Expression, die in einer retrospektiven Analyse explorativ ermittelt wurde. Bei Patienten mit einer Expression < 1 %, 5 % oder 10 % bestand kein Überlebensunterschied zwischen beiden Armen. Hingegen zeigte sich bei Patienten mit PD-L1 Expression > 1 %, 5 % oder 10 % ein signifikanter und mit dem Ausmaß der Expression zunehmender Überlebensvorteil gegenüber Docetaxel. Behandlungsassoziierte Nebenwirkungen traten unter Nivolumab deutlich seltener auf (54 % vs. 10 %) [1261].
Offensichtlich sind immuntherapeutische Ansätze mit Checkpoint-Inhibitoren somit vor allem bei Nachweis einer PD-L1 – Expression erfolgversprechend. In explorativen Analysen zeigte sich bei Patienten mit einer aktivierenden EGFR-Mutation und Nie- bzw. Wenigrauchern kein Vorteil einer Behandlung mit Nivolumab. Nivolumab ist bei nicht-plattenepithelialen NSCLC unabhängig vom PDL1-Status zugelassen.
Der zweite in der Zweitlinientherapie geprüfte Immun-Checkpoint-Inhibitor ist der nicht voll humanisierte anti-PD1 Antikörper Pembrolizumab. In einer Phase-I/II-Studie betrug das Ansprechen bei PD-L1 Hochexprimieren (≥50 %) 45,2 % [1268]. Diese Daten wurden in einer Phase-III-Studie gegenüber Docetaxel überprüft [1260]. Es wurden nur PD-L1 positive Patienten eingeschlossen, das Ergebnis der zentralen Testung musste abgewartet werden, dies führte zu einer Rekrutierung von etwa 60 % der gescreenten Patienten. 1034 Patienten wurden eingeschlossen, 345 erhielten Pembrolizumab 2 mg/kg, 346 Pembrolizumab 10 mg/kg, und 343 Docetaxel 75 mg/m2. Das mediane OS betrug 10,4 Monate mit Pembrolizumab 2 mg/kg, 12,7 Monate mit Pembrolizumab 10 mg/kg, und 8,5 Monate mit Docetaxel. Die Unterschiede zwischen Pembrolizumab und Docetaxel waren jeweils signifikant (HR 0,71, 2 mg /kg KG, p=0·0008, HR 0·61,p<0·0001). Das mediane PFS betrug 3,9 Monate mit Pembrolizumab 2 mg/kg, 4,0 Monate mit Pembrolizumab 10 mg/kg, und 4,0 Monate mit Docetaxel, diese Unterschiede erreichten nicht das in der Studie präspezifizierte Signifikanzniveau von p<0,001. Bei Patienten mit einer PD-L1 Expression von mehr als 50 % war das mediane OS signifikant durch Pembrolizumab verlängert, 14,9 (2 mg) (HR 0,54, p= 0,0002) bzw. 17,3 (HR 0,5, p<0,0001) vs. 8,2 Monate (Docetaxel). Grad 3–5 behandlungsassoziierte Nebenwirkungen traten unter Pembrolizumab seltener auf (13 % bei 2 mg/kg, 16 % bei 10 mg/kg, 35 % bei Doceteaxel). Die Rate immunvermittelter Nebenwirkungen war mit Immuntherapie jedoch deutlich höher (21,5 vs. 9,1 %).
Der dritte Immuncheckpoint-Inhibitor, für den Phase-III-Daten vorliegen, ist der anti-PD-L1-Antikörper Atezolizumab. Dieser wurde in der OAK-Studie in der Zweitlinientherapie bei Patienten mit metastasiertem NSCLC aller Histologien und unabhängig von der PD-L1-Expression gegen den Zweitlinienstandard Docetaxel überprüft. Im Gegensatz zu den Studien mit Nivolumab und Pembrolizumab wurde sowohl die Expression von PD-L1 auf Tumor (TC)- als auch Immunzellen (IC) untersucht und die Patienten anhand des Expressionsniveaus in drei Strata eingeteilt: Hohe Expression (TC3/IC3), mittlere Expression (TC1-2/IC1-2) und fehlende Expression (TC0/IC0). Von 2050 gescreenten Patienten wurden 1225 Patienten in die Studie eingeschlossen und auf Atezolizumab 1200 mg i.v. alle 3 Wochen und Docetaxel 75 mg/m2 i.v. alle 3 Wochen randomisiert. Das statistische Design wurde im Laufe der Studie geändert und die Anzahl der rekrutierten Patienten von 850 auf 1225 erhöht. Der primäre Endpunkt war die Überlebenszeit in der ITT Population (850 Patienten) bzw. der TC1/2/3 oder IC 1/2/3 Population. Das mediane Überleben in der ITT-Population betrug mit Atezolizumab 13,8 gegenüber 9,6 Monaten für Docetaxel (HR 0,73, p= 0,0003), bzw. 15,7 vs. 10,3 Monate in der TC1/2/3 oder IC 1/2/3 Subgruppe. Somit wurden die koprimären Endpunkte erreicht. In der Chemotherapiegruppe erhielten 17 % der Patienten nachfolgend eine Immuntherapie, in der Regel mit Nivolumab. Eine weitere Chemotherapie erhielten 41% der Patienten in der Atezolizumabgruppe gegenüber 31 % in der Docetaxelgruppe. Das PFS war ähnlich wie in der CheckMate 057-Studie mit einer HR von 0,95 nicht verbessert und betrug nominal 2,8 Monate mit Atezolizumab gegenüber 4,0 Monaten mit Docetaxel. Das mediane Überleben war unabhängig von der PD-L1 Expression in allen Subgruppen verbessert. Die deutlichste Verbesserung zeigte sich bei Patienten mit der höchsten PD-L1 Expression (TC/IC3, 16% der ITT, HR 0.41). EGFR-mutierte Patienten hatten wiederum keinen Nutzen durch die Immuntherapie (HR 1.24). Grad 3/4 Nebenwirkungen traten bei 37 % der Patienten mit Atezolizumaba und 54 % mit auf. Schwere immunvermittelte Nebenwirkungen (CTCAE-Grad ≥ 3) waren unter Atezolizumab deutlich häufiger (6,2% vs. 1 %).
Daten zur Lebensqualität (Patient-reported outcomes, PRO) liegen für Nivolumab, Pembrolizumab und Atezolizumab vor. Diese wurden mit den standardisierten Lebensqualitätsfragebögen LCSS, EORTC QLQ C30, LC13 und eEUROQoL-5D erhoben.
Zeit zur Symptomverschlechterung/Health-related quality of life (HRQoL):
Eine Behandlung mit Nivolumab führte zwar zu keiner signifikanten Verbesserung des LCSS-Scores in Woche 12, anschließend verschlechtern sich die Symptome unter Docetaxel jedoch statistisch signifikant stärker als unter Nivolumab. [1264]
In der Keynote-010 Studie zeigte sich nach 12 Wochen Behandlung ein statistisch signifikanter Vorteil von Pembrolizumab gegenüber Docetaxel von 8,3 Punkten [95% CI, 2,42-14, 26]; P = 0.006 [1265]
Atezolizumab führte in der OAK-Studie zu einer Verzögerung der Verschlechterung körperlicher Symptome (HR 0.75) und verbesserte numerisch die HRQoL, Insgesamt zeigten sich jedoch in beiden Armen nur moderate Unterschiede [1263].
TTFields in der Zweitlinientherapie
Bei der Therapie mit TTFields (Tumor Treating Fields) handelt es sich um eine Behandlung, die lokal über Arrays verabreicht wird, die auf der Haut platziert werden. TTFields erzeugen elektrische Wechselfelder. Diese üben physikalische Kräfte auf elektrisch geladene Bestandteile aus, die an der Teilung von Tumorzellen beteiligt sind. Sie verlangsamen oder stoppen die Zellteilung, verursachen dadurch Zellstress und Zelltod, was zu einer Aktivierung des Immunsystems gegenüber Tumorzellen führen kann.
Die Wirksamkeit beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom wurde in der LUNAR-Studie [1201] gezeigt. Dabei handelte es sich um eine randomisierte Phase-III-Studie, in der die Behandlung mit TTFields mit einer Frequenz von 150 kHz in Kombination mit einem Immun-Checkpoint-Inhibitor (ICI) oder Docetaxel gegenüber der Systemtherapie allein geprüft wurde.
Eingeschlossen wurden Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom im Stadium IV nach Versagen einer platinbasierten Kombinationschemotherapie. Ebenfalls teilnehmen konnten Patienten, die in einem früheren Stadium eine Platinkombination erhalten hatten und progredient waren. 276 Patienten erhielten in einer 1:1-Randomisation TTFields und die Systemtherapie entsprechend der Auswahl des Prüfarztes oder die alleinige Systemtherapie. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS). Sekundäre Endpunkte umfassten das OS in den ICI- bzw. Docetaxel-Subgruppen, die Lebensqualität sowie Sicherheit. Stratifikationsmerkmale waren die Systemtherapie (ICI vs. Docetaxel), die Histologie (Plattenepithelkarzinom vs. Nicht-Plattenepithelkarzinom) und die geographische Region.
Der primäre Endpunkt wurde erreicht. Die TTFields-Therapie erbrachte in Kombination mit einem ICI oder Docetaxel einen signifikanten Vorteil im medianen Gesamtüberleben in der ITT-Population von 13,2 Monaten im Vergleich zu ICI oder Docetaxel allein mit 9,9 Monaten (HR: 0,74 [95% KI: 0,56; 0,98]; p = 0,035). Die 1-, 2-, und 3-Jahres-Überlebensraten betrugen 53%, 27% und 18% für die Population im experimentellen Arm gegenüber 42%, 21% und 7% in der Standardpopulation.
Das mediane OS der Subpopulation, die mit TTFields und ICI behandelt wurde, wurde mit 18,5 versus 10,8 Monaten signifikant gegenüber ICI allein verlängert (HR: 0,63 [95% KI: 0,41; 0,96]; p = 0,030). Das mediane OS der Subpopulation, die TTFields und Docetaxel erhalten hatten, wurde gegenüber Docetaxel allein nicht statistisch-signifikant verlängert. Der tendenzielle Vorteil betrug 11,1 vs. 8,7 Monate (HR: 0,81 [95% CI: 0,55; 1,19]; p = 0,28).
Der allgemeine Gesundheitszustand, der über den EORTC QLC-C30 erhoben wurde, blieb in beiden Studienarmen während der 54-wöchigen Nachbeobachtungszeit stabil. Es gab keinen statistischen Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. In der LUNAR-Studie gab es unter TTFields keine neuen Sicherheitssignale hinsichtlich der systemischen Toxizitäten der ICI oder von Docetaxel. Die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse der CTC-Grade 3 und höher war zwischen den Armen vergleichbar (59% bzw. 56%). Eine Besonderheit bei der Anwendung der TTFields das vermehrte Auftreten einer Dermatitis, die bei 48% der Patienten auftrat, die TTFields plus ICI erhalten hatten und bei 38% der Patienten mit TTFields plus Docetaxel gegenüber 2% bzw. 3% der Patienten, die mit ICI oder Docetaxel allein behandelt worden waren.
Die mediane Anwendungsdauer der TTFields-Therapie betrug bei Patienten, die gleichzeitig mit ICI behandelt wurden 15 Wochen und bei Patienten, die Docetaxel erhalten hatten, 13 Wochen. In den ersten 3 Monaten war die mediane TTFields-Anwendungsdauer pro Tag in den Subpopulationen vergleichbar (56% ICI vs. 57% Docetaxel.
Die Ergebnisse der LUNAR-Studie [1201]haben zur Zulassung durch die FDA und zur CE-Kennzeichnung in der EU geführt für Erwachsene mit metastasiertem NSCLC, begleitend zur Systemtherapie mit ICI oder Docetaxel, bei denen es zum Progress während oder nach einem platinbasierten Behandlungsregime gekommen ist. Da die derzeitige Datenlage auf einer Situation beruht, welche nicht mehr dem aktuellen Standard entspricht, kann momentan keine entsprechende Empfehlung zur TTFields Therapie abgegeben werden.
8.6.3.3 Systemtherapie bei Patienten mit nicht-Plattenepithelkarzinom ohne therapierbare genetische Alterationen und ECOG2 oder ältere Patienten
Höheres Alter (> 70 Jahre) allein, sollte kein Ausschlussgrund von einer platinbasierten Kombinationstherapie ± Immun-Checkpoint-Inhibitor-Therapie sein. Hier spielt weniger das biologische Alter eine Rolle als vielmehr weitere prognostische Faktoren, die häufig mit höherem Alter assoziiert sind. Dazu zählen ein schlechterer Allgemeinzustand (ECOG >1) und/oder Komorbiditäten. Zudem können Chemotherapeutika aufgrund einer schlechteren Verträglichkeit bzw. einer langsameren Metabolisierung oftmals nicht so hoch dosiert werden und/oder es müssen Therapiepausen eingelegt werden.
Der ECOG-PS 2 umfasst eine heterogene Patientengruppe. Die Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit können sowohl durch die Tumorerkrankung als auch schwerwiegende Co-Morbiditäten verursacht sein. In Studien sind diese Patienten unterrepräsentiert.
Real-World-Daten zeigen einen positiven Effekt der Checkpointinhibitor-Therapie bei Patienten mit ECOG-PS 2 und mindestens 50% PD-L1-exprimierenden Tumorzellen [1202].
Nach den Erfahrungen zahlreicher Behandler profitieren Patienten mit weniger als 50% PD-L1-exprimierenden Tumorzellen, deren ECOG-PS überwiegend durch die Tumorerkrankung und weniger durch Co-Morbiditäten beeinträchtigt ist, von einer Immunchemotherapie-Kombination.
Daher können diese Patienten analog zu den Empfehlungen im Kapitel 8.6.3.1 behandelt werden.
Bei NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom im Stadium IV und ECOG 2, welche in Gewebeproben eine PD-L1-Expression von ≥ 50 % der Tumorzellen oder >10% auf Immunzellen aufweisen, sollte eine Monotherapie mit
- Atezolizumab (≥ 50% der Tumorzellen oder 10% der tumorinfiltrierenden Lymphozyten) oder
- Cemiplimab (≥ 50% der Tumorzellen) oder
- Pembrolizumab (≥ 50% der Tumorzellen)
als Erstlinientherapie angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom im Stadium IV sowie ECOG 2 mit Komorbiditäten, welche eine platinhaltige Kombinationstherapie nicht erlauben, kann eine Mono-Chemotherapie angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
NSCLC-Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom im Stadium IV und ECOG 2-3 oder älteren Patienten ≥ 70 Jahre kann in der palliativen Erstlinientherapie unabhängig vom PD-L1 Status eine Monotherapie mit Atezolizumab angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Hintergrund ältere Patienten
Höheres Alter (> 70 Jahre) allein sollte kein Ausschlussgrund von einer platinbasierten Kombinationstherapie ± Immun-Checkpoint-Inhibitor-Therapie sein. Hier spielt weniger das biologische Alter eine Rolle als vielmehr weitere prognostische Faktoren, die häufig mit höherem Alter assoziiert sind. Dazu zählen ein schlechterer Allgemeinzustand (ECOG >1) und/oder Co-Morbiditäten. Zudem können Chemotherapeutika aufgrund einer schlechteren Verträglichkeit bzw. einer langsameren Metabolisierung oftmals nicht so hoch dosiert werden und/oder es müssen Therapiepausen eingelegt werden.
Immun-Checkpoint-Inhibitor±Chemotherapie
Patienten die 70 Jahre und älter sind, machen ca. die Hälfte des NSCLC Patientenkollektives aus. Allerdings ist diese Patienten Gruppe in klinischen Studien häufig unterrepresentiert. Daher ist auch bzgl. der ICI Therapie wenig bekannt. In einer Meta-Analyse bei Patienten unter ICI Therapie war das Alter kein prognostischer Faktor für das OS (< 65 Jahre HR 0,71; >65 Jahre HR 0,69) [1269].
Eine gepoolte Daten-Analyse dreier randomisierter Studien (KEYNOTE-010, -024 und -042) verglich Pembrolizumab mit Chemotherapie und legte dabei den Schwerpunkt auf Patienten > 75 Jahre [1171]. Es zeigte sich, dass Pembrolizumab auch in dieser Altersgruppe das Gesamtüberleben gegenüber Chemotherapie verlängerte (Gesamtpopulation PD-L1 >1, HR=0,76, PD-L1 >50% HR 0,41) mit einer 1 Jahres OS, die vergleichbar war mit jüngeren Patienten dieser Studien. Auch am Nebenwirkungsprofil einschließlich der immun-bedingten Nebenwirkungen gab es keinen Unterschied zu der jüngeren Altersgruppe.
Auch in der Checkmate 153 Studie, die Nivolumab bei vortherapierten Patienten untersuchte, zeigte sich in der Altersgruppe >70 Jahre (39% des Kollektivs) kein Unterschied zu jüngeren Patienten [1270]. Das mediane OS lag in der Gesamtgruppe bei 9,1 Monaten; bei Patienten >75 Jahre sogar bei 10,3 Monaten.
Real-world Daten bestätigen, dass ältere Patienten keinen Nachteil durch die ICI Therapie haben. Eine retrospektive Studie, die 175 NSCLC Patienten einschloss, die mit Nivolumab behandelt wurden, zeigte keinen Unterschied zwischen älteren (75> Jahre) und jüngeren Patienten [Bagley S. et al. 2017].
In einer Phase III Studie (IPSOS; NCT 03191786) [1271] wurden in einem 2:1 Design (zugunsten des ICI) 453 Therapie naive Patienten randomisiert in einen Arm A mit Atezolizumab Monotherapie 1200 mg alle 3 Wochen oder in den Arm B mit einer Chemo-Monotherapie (entweder Vinorelbin oder Gemcitabin nach Entscheid des jeweiligen Studienzentrums). Die Therapie wurde bis zum Progress oder dem Verlust des klinischen Benefits fortgeführt. Der primäre Endpunkt war das OS; Stratifikationsfaktoren die Histologie, die PD-L1 Expression und das Vorliegen von Hirnmetastasen. Eingeschlossen wurden Patienten mit ECOG PS 2 oder 3 oder mit ECOG 0 oder 1 ab mind. 70 Jahren und mit relevanten Komorbiditäten, die nach Ermessen des Prüfarztes dazu führen, dass der Patient nicht für eine platinhaltige Therapie geeignet ist. EGFR oder ALK Alterationen waren ausgeschlossen. Der primäre Endpunkt wurde erreicht mit einem mOS unter Atezolizumab von 10,3 Monaten (vs. 9,2 Monaten unter Mono-Chemotherapie) HR 0,78, P=0.028. Das 2-Jahres Überleben war unter Atezolizumab fast verdoppelt (24,3% (vs. 12,4% unter Chemotherapie). In Bezug auf das Gesamtüberleben zeigte sich Atezolizumab gegenüber Chemotherapie überlegen in der Subgruppe der Pat. in der Altersklasse 70-79 Jahre (HR 0,68). Für die PD-L1 Subgruppen zeigte sich kein wesentlicher Unterschied, alle waren in Bezug auf das OS auf der Seite von Atezolizumab (HR 0,81 TC <1%, HR 0,84 bei TC 1-49% und HR 0,87 bei TC ≥ 50%). Ebenso profitierten alle EOCG PS Subgruppen von der Therapie mit Atezolizumab (HR 0,64 bei PS 0-1, HR 0,86 bei PS 2 und HR 0,74 bei PS3). Es zeigten sich unter Atezolizumab keine neuen oder unerwarteten Toxizitäten. Außerdem waren Toxizitäten der CTC Grade 3-4 unter Atezolizumab mit 16,3% geringer als unter Chemotherapie (33,3%). Seit August 2024 ist eine Atezolizumab Monotherapie bei erwachsenen Patienten zur Erstlinienbehandlung zugelassen, die für eine platinbasierte Therapie ungeeignet sind.
Fazit: ICI können bei älteren Patienten >70 Jahre eingesetzt werden. Auch die Toxizität und die immun-vermittelten Nebenwirkung sind im Wesentlichen nicht unterschiedlich zu einem jüngeren Patientenkollektiv. Bisher gibt es für die Erstlinientherapie jedoch nur eine Zulassung für die Patienten mit PD-L1-überexpremierenden Tumoren (PD-L1 ≥50% ). Bei älteren Patienten mit einer hohen PD-L1 Expression von ≥50% scheint eine Erstlinien Therapie mit Atezolizumab einer Mono-Chemotherapie in Bezug auf das mOS und das 2 Jahres OS überlegen zu sein. Allerdings sollten ältere Patienten auch vermehrt in prospektiven Studien mit ICI behandelt werden.
Alleinige Chemotherapie
Die retrospektive Kohortenanalyse einer Phase-III-Studie, in der Cisplatin mit verschiedenen Kombinationspartnern geprüft wurde, zeigt, dass bei Patienten > 70 Jahre ohne relevante Komorbidität die Cisplatin-basierte Kombinationschemotherapie gleiche Effektivität und Nebenwirkungen hatte wie bei Patienten < 70 Jahre [661]. Die Frage, ob eine orale Therapie mit Vinorelbin einer intravenösen Vinorelbin-Therapie unterlegen ist, wurde in einer randomisierten Phase-II-Studie überprüft. In dieser Studie war die orale Vinorelbin-Applikation statistisch signifikant schlechter bezogen auf Gesamtüberleben und progressionsfreies Überleben verglichen mit der intravenösen Vinorelbin-Applikation. Dies traf insbesondere auf die PS2-Patienten zu [691]. Aus der Subgruppenanalyse einer Phase-III-Studie ergaben sich zudem Hinweise auf Vorteile bzgl. des Überlebens bei Patienten über 70 Jahren unter Nab-Paclitaxel plus Carboplatin vs. Paclitaxel plus Carboplatin.
Bei älteren Patienten (> 70 Jahre) wurde in einer randomisierten Studie (ECOG 2, 24%; > 2 Komorbiditäten, 21%) der Stellenwert einer Monochemotherapie (Vinorelbin) im Vergleich zu BSC geprüft. Tumorbedingte Symptome (Schmerz, Dyspnoe) und mediane Überlebenszeit waren signifikant gebessert bzw. verlängert, während chemotherapiebedingte Nebenwirkungen (Neuropathie; Obstipation) ebenfalls signifikant zunahmen. In einer weiteren randomisierten Studie bei älteren Patienten (> 70 Jahre; ECOG 2, 19%; > 2 Komorbiditäten, 66%) wurde eine Kombinationstherapie aus Gemcitabin und Vinorelbin im Vergleich zur Monotherapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin geprüft. Eine Überlegenheit (Verbesserung der medianen Überlebenszeit) der Kombination im Vergleich zur Monotherapie konnte nicht gezeigt werden [1214]. Die Studien zeigen, dass Patienten, bei denen aufgrund von Komorbidität oder Allgemeinzustand eine platinbasierte Kombinationschemotherapie nicht möglich ist, von einer Monotherapie mit einem Drittgenerationszytostatikum profitieren (Symptomenkontrolle; mediane Überlebenszeit).
Hintergrund NSCLC-Patienten in reduziertem Allgemeinzustand (ECOG 2)
Die Definition von NSCLC-Patienten in reduziertem Allgemeinzustand (ECOG 2) zur Indikation einer palliativen Chemotherapie ist schwierig. ECOG 2 beschreibt gehfähige und selbstversorgende Patienten, die nicht arbeitsfähig sind, aber mehr als 50% der Wachzeit auf den Beinen, außerhalb von Bett oder Sessel, sind [1203]. In den ECOG Performance Score gehen tumorbedingte Symptome, aber auch vorbestehende Komorbiditäten ein, sodass zwischen ev. reversiblen Tumorsymptomen und generellen Einschränkungen des Gesundheitszustandes unterschieden werden muss.
Vermutlich 30-48% der tatsächlich behandelten NSCLC-Patienten befinden sich im ECOG Performance Score (PS) 2 [1204], wobei die Einschätzungen der Patienten (48% ECOG 2) und Behandler (34% im ECOG 2) nur mäßig übereinstimmten. Im Vergleich zu anderen Malignomen war unter Lungenkarzinompatienten die Rate an PS 2-Patienten deutlich erhöht [1204].
Üblicherweise werden ECOG-2-Patienten von Therapiestudien ausgeschlossen, sodass die Datenlage zu diesem Patientenkollektiv knapp ist. Für ECOG 3-4-Patienten existieren keine Daten zur Therapie. Für einige große Phase-III-Studien existieren Subgruppenanalysen von eingeschlossenen ECOG-2-Patienten, es gibt einige Phase II- und III – Studien und eine Metaanalyse.
In einigen Studien werden ECOG-2-Patienten und Ältere (über 65 oder über 70 Jahre) gemeinsam betrachtet, wobei es Überschneidungen, aber auch Unterschiede zwischen diesen Patientengruppen gibt. Bei Älteren werden im Vergleich zu Jüngeren mehr Komorbiditäten und zum Teil höhere Toxizitäten beobachtet, sodass bei Älteren, ähnlich wie beim ECOG 2 lange die Monotherapie als Therapie der Wahl galt.
Immun-Checkpoint-Inhibitoren±Chemotherapie
Alessi et al. stellten am ASCO 2020 eine retropsektive Analyse von Patienten vor, die in der Erstlinie bei PD-L1 >50% Pembrolizimub erhielten [1272]. 16,7 % (N=39) hatten einen ECOG-PS 2. Es zeigte sich ein deutlicher Unterschied im mOS, wobei die Gruppe der PS-2 Patienten mit einem mOS von 7,4 Monaten signfikant schlechter abschnitt als die Patienten mit einem besseren AZ (20,3 Monate (HR 0,42; p<0.001). Auch für das mPFS zeigte sich ein Trend zur Verschlechterung (4 vs 6,6 Monate) für die Gruppe der PS2 Patienten (p=0.091, HR 0,7).
Fazit: ICI basierte Studien von Patienten mit PS2 sind selten. Es liegen hier weitgehend nur einzelne retrospektive Untersuchungen vor. Während einzelne Patienten unter ICI Monotherapie profitieren können, so ist dies – anders als bei alten Patienten mit gutem AZ – nur als individuelle Therapieentscheidung zu empfehlen. Die Beeinträchtigung des Gesamtüberlebens rührt auch daher, dass meist keine Zweitlinientherapie mehr verabreicht werden kann.
Alleinige Chemotherapie
Nicht zuletzt aufgrund der eingeschränkten Datenlage bleibt die aktuelle US-ASCO-Guideline 2015 bezüglich der ECOG-2-Patienten unbestimmt und erlaubt für diese Patienten die Kombinations-Chemotherapie, die Mono-Chemo oder eine alleinige palliative Therapie [1273].
A) Subgruppenanalysen größerer Phase III Studien
- Quoix 2011[1274] : Ältere, davon 27% ECOG 2: Eine französische Studie verglich an 451 NSCLC Patienten (Quoix 2011) zwischen 70 und 89 Jahren die Monotherapie (VRB oder GEM) mit der Kombination Carboplatin AUC6 / wöchentlich Paclitaxel (Pacli) (90 mg/m²). Unter der Zweifach-Kombination war die Toxizität mit mehr Neutropenien und Asthenie höher, das mediane Überleben (10,3 vs. 6,2 Monate), und das Einjahresüberleben (45% vs. 25%) waren unter der Kombination signifikant verlängert. Dieser Überlebensvorteil zeigte sich auch bei den über 80-Jährigen und bei den ECOG2-Patienten (27% der Gesamtgruppe, 121 Pat.).
- Le Chevalier T [1275]: Eine große Phase III-Studie mit 612 Patienten, hiervon 20% der Pat. im PS 2, verglich Cisplatin (Cis) 120 mg/m² alle 4 Wochen/Vinorelbine (VRB) mit Cis/Vindesin (VDS) und VRB-30 mg/m² wöchentlich Mono. Subgruppenanalysen zeigten, dass nur die Patienten im PS 0-1 von der platinhaltigen Kombination profitierten, beim PS 2 war die Monotherapie aufgrund geringer Toxizitäten bei gleichem Überleben (1-Jahresüberleben 15%/17%/13%); vorteilhafter. Evidenzlevel 2b.
- Bilingham (2001) MIC im PS2 oder 0-1[1276]: Eine Subgruppenanalyse von PS 2-Patienten aus 2 randomisierten Studien mit Cis/Ifosfamid (IFO) /Mitomycin (MM) (MIC) zeigte einen Überlebensvorteil nur im PS 0-1. Bei den Patienten im PS2 unter der Kombinationstherapie fand sich eine deutlichere Verbesserung der Lebensqualität als bei den PS 0-1-Patienten unter MIC in den ersten 6 Wochen. Von 797 Patienten waren 159 im PS 2, die Subgruppenanalyse war nicht vorgeplant
- Sweeney 2001, ECOG-2-Subgruppe [1277]: In die ECOG-Studie 1594, die verschiedene platinhaltige Kombinationen verglich (Cis/Pacli vs. Cis/Gem vs. Cis/Doce vs. Carbo/Pacli), wurden anfangs auch Pat. im ECOG 0-2 eingeschlossen (Sweeny 2001). Weil bei den ersten 64 EGOC-2-Patienten die Rate an unerwünschten Ereignissen mit Grad III/IV-hämatologischen Toxizitäten mit über 50% der Patienten sehr hoch war, wurden diese im Folgenden aus der Studie ausgeschlossen. Man beobachtet 5 Todesfälle unter der Therapie (7,5%), von denen 2 als therapieassoziiert eingeschätzt wurden. Die Ansprechrate der PS2-Patienten betrug 14%, das mediane Überleben betrug 4,1 Monate.
- Lilenbaum ECOG 2-Subgruppe [1278]: 2005: Beim Phase-III-Vergleich Carboplatin/Paclitaxel gegen Paclitaxel-Mono (Lilienbaum 2005) wurden auch PS2-Patienten eingeschlossen. Die Subgruppenanalyse der PS- 2-Patienten (18% der Gesamtgruppe) zeigte im Vergleich zu dem PS 0-1-Patienten ein schlechteres Überleben. Beim Vergleich der Mono- mit der Kombinationstherapie ergab die Kombination ein signifikant besseres 1- und 2-Jahresüberleben (1-J-ÜL: 10% vs.18%; HR = 0.60). 9% der Pat. im PS2 unter der Zweifach-Therapie überlebten 2 Jahre, aber keiner der Pat. im PS 2 unter der Mono-Therapie. (Evidenzlevel: 2b)
B) Phase II Studien im ECOG 2:
- Langer 2007 [1279]: Die ECOG-Phase-II-Studie 1595 verglich an 100 ECOG- 2- Patienten Carbo AUC6 /Pacli 200 (CP) mit Cis 60/Gem 1000 (CG). Unterschiedlich waren zwar die Toxizitäten (CP verursachte mehr Neutropenien (Grad III/IV): 53% vs., 39% und mehr Grad III Neuropathien (10% vs. 0%), CG verursachte mehr Thrombopenien, Fatigue und Niereninsuffizienzen), aber die Ansprechraten, progressionsfreie Zeit, das mediane Gesamtüberleben (6,2 vs. 6,9 Monate) und die 1-Jahresüberlebensrate unterschieden sich in beiden Armen nicht. Fazit der Studie ist, dass eine platinbasierte Therapie auch im ECOG II praktikabel ist mit aber schlechteren Ergebnissen als in besserem Allgemeinzustand.
- Kosmidis 2007 [1280]: In einer Phase II Studie wurde an 90 eingeschlossenen und 83 ausgewerteten PS2-Patienten mit einem mittleren Alter von 73 bzw. 70 Jahren Gemcitabine (1250 mg/m² an Tag 1+4) als Monotherapie oder Gem 1250 in der Kombination mit Carbo (AUC3 d1+14, Wh. d28) verglichen. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Effektivität, wobei in der Kombinationsgruppe Ansprechrate (RR: 4% vs. 14%) und Gesamtüberleben OS (4,8 vs. 6,7 Mon. p=0,49), 1- Jahresüberelben 17.8% vs. 20%; einen günstigeren Trend zeigten, bei allerdings auch höherer Toxizität. Die Autoren sahen keinen Vorteil der Kombinationstherapie bei Pat. im PS 2 und wiesen auf die höhere Toxizität mit mehr Neutropenie und Thrombopenie unter der Kombination hin. (Evidenzlevel: 2b)
- Lilenbaum 2008 PS 2 [1204]: Eine Phase II Studie an 103 unselektionierten Patienten im ECOG 2 verglich Erlotinib mit 4 Zyklen Carbo AUC6 / Paclitaxel 200 mg/m²: Hier war die Kombinationschemotherapie signifikant überlegen: Das PFS betrug 1,9 vs. 3,5 Monate, das OS 6,5 vs. 9,7 Monate , HR = 0.58 [1204]. Ergebnis dieser PS2-Studie war, dass unselektionierte PS2-Patienten von der Chemotherapie mit Carbo/Pacli mehr als von einer EGFR-TKI-Therapie profitieren.[1281]
- Goss 2009 [1281]: verglich in einer rand. Phase II Studie 201 unselektionierte Patienten im ECOG 2 und 3, (hiervon 50% über 75 Jahre alt, 45% Adeno-CA) mit Gefitinib versus Placebo und sah bei den Chemotherapienaiven Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand keinen signifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben, Gesamtüberleben oder Ansprechen. Bei 38% der Patienten konnte die EGFR-FISH-Testung erfolgen. In dieser Subgruppe der EGFR_FISH-positiven Tumore (n=32) war das PFS signifikant verlängert.
- ABOUND-PS2-Studie: In die ABOUND-PS2-Studie wurden ausschließlich chemotherapienaive Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC eingeschlossen, die einen ECOG 2 aufwiesen (n=40). Ziel dieser Phase-II-Studie ist es, Verträglichkeit und Wirksamkeit eines für dieses Patientenkollektiv modifizierten Regimen bestehend aus 4 Zyklen Nab-Paclitaxel (Tag 1 und 8, alle 3 Wochen) und Carboplatin (AUC 5, Tag 1 alle 3 Wochen) gefolgt von einer Nab-Paclitaxel Monotherapie (Tag 1 und 8, alle 3 Wochen) zu untersuchen. Vollpublizierte Daten zur Studie liegen bislang nicht vor
(https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02289456)
C 1) Phase III-Studien im ECOG 2 Unselektioniert:
- Reynolds PS2 [1282]: Eine Phase III-Studie an 170 PS-2-Patienten mit dem Vergleich Gem mit oder ohne Carbo ergab lediglich einen Trend zugunsten der Kombination, aber keinen signifikanten Überlebensvorteil für die Kombination (OS: 5.1 Mon. unter Gem vs. 6.7 Mon. unter Gem/Carbo (P = .24), 1-Jahresüberleben 31.3% vs. 21.2%;. Die Prognosemarker ERCC1 und RRM1 korrelierten zwar mit den Ansprechraten, aber nicht mit dem Überleben.
- Langer (2008) [1283] verglich an 400 ECOG 2-Patienten mit NSCLC Carboplatin AUC6 mit Paclitaxel alle 3 Wochen, entweder als Standard-Paclitaxel (200 mg/m²) oder mit einem Paclitaxel-Konjugat (Paclitaxel Poliglumex) und fand keinen Unterschied in Ansprechen oder Überleben. Bemerkenswert war das relativ günstige Überleben von 8 Monaten mit einem 1-Jahresüberleben von 31% in beiden Armen im ECOG 2.
- Zukin 2013 ECOG-2-Studie [1284]: In der überwiegend in Brasilien durchgeführ-ten randomisierten Phase III Studie bei Pat. im ECOG 2 zum Vergleich zwischen Pem und Carbo/Pem waren Ansprechen (10,3% vs. 23,8%) und PFS (2,8 vs. 5,8 Monate) unter Kombination signifikant besser. Auch das Gesamtüberleben war unter der Kombination signifikant besser mit 9,3 gegenüber 5,3 Monaten und einem besseren 1-Jahresüberleben von 40,1% vs. 21,9%. Die therapie-assoziierte Letalität im Kombinationsarm betrug 3.9%, im Mono-Arm trat keine Grad 5 Toxizität auf. Fazit: Beim ECOG 2 ohne behandelbare Mutation sollten Patienten mit Therapiewunsch die Kombinations-Chemotherapie angeboten werden. Die Kombination Carbo/Pem ist der Pem-Monotherapie überlegen. (Evidenzlevel 1b)
- Lee, TOPICAL 2012 [1285]: EGFR-TKI bei unselektionierten Patienten: In der TOPICAL-Phase III Studie aus UK an molekular unselek. Patienten (38% Adeno-CA, 39% PLECA) in schlechtem Allgemeinzustand ECOG (≥2) und/oder multiplen Komorbiditäten, die als nicht-Chemogeeignet eingestuft wurden, waren 15% im ECOG 0-1, 55% im ECOG 2 und 29% im ECOG 3. Eine EGFR-Testung erfolgte bei 58% der Patienten, 7% waren EGFR-mutiert. Der Vergleich von Erlotinib (ER) mit Placebo bei diesen überwiegend älteren Patienten (63% > 75 Jahre alt), ergab zwar einen signifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben (2,8 vs. 2,6 Monate), aber keinen Unterschied im Gesamtüberleben (OS): OS: 3.7 versus 3.6 Monate, (HR=0.94; p value=0.46). In der vordefinierten Subgruppe von Patienten mit Exanthem (Rash) nach 28 Tagen wurde ein signifikanter OS- und PFS-Vorteil beobachtet: (OS HR=0.76; p=0.0058, PFS: HR=0.66; p <0.001); medianes OS: 6,2 vs. 4,1Monate; einen Hautausschlag entwickelten 178 von 302 Patienten (60%). (Topical Lee).Der Vorteil für Patienten mit Rash zeigte sich in allen prognostischen Subgruppen, wie z.B. beim ECOG 3 oder Älteren (über 75 Jahre). Die Pat. mit nachgewiesener EGFR-Mutation hatten unter Erlotinib den größten OS-Vorteil gegenüber BSC (OS 10,4 Mon. vs. 3,7 Mon. siehe Kapitel 8.6.5)). Alle Pat. EGFR-Mutation entwickelten den Hautausschlag.
- Morabito 2013 [1286]: Die italienische Phase III CAPPA-2-Studie beim PS2 verglich Gem 1200 mg/m² mit Cis 60 mg/m² /Gem 1000mg/m². Die Studie wurde vorzeitig nach Einschluss von nur 57 Patienten beendet und zeigt einen klaren Überlebensvorteil für die Kombination mit einem sign. besseren OS von 3.0 Monaten (Mono) vs. 5.9 Mon. Unter der Kombination waren auch das PFS und das Ansprechen besser ohne wesentlich stärkere Toxizität. Die Autoren schlussfolgern, dass Cisplatin zusätzlich zu Gemcitabine das Überleben im PS 2 verbessert.
D) Metaanalyse
- Eine Metaanalyse von Mörth et al. 2014 [1287], die die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Mono- oder Kombinations-Erstlinientherapie beim fortgeschrittenen NSCLC im PS 2 untersuchte, kam unter Berücksichtigung von 11 Studien zu dem Ergebnis, dass die platinhaltige Kombinationstherapie einen signifikante Überlebensvorteil (HR 0,79) im Vergleich zur Monotherapie verspricht. (11 Studien, 1114 Patienten, Hazard ratio (HR), 0.79, 95% confidence interval (CI): 0.71-0.88). Der Überlebensvorteil zeigte sich nur unter platinhaltiger Therapie (HR: 0.71, 95% CI: 0.61-0.81), platinfreie Kombinationen zeigten keinen Überlebensvorteil (HR: 0.96, 95% CI: 0.80-1.15). Grade >3 Anämie OR: 3.12, 95% CI: 1.55-6.27), Thrombopenie und Neutropenie (OR: 7.91, 95% CI: 3.97-15.78) waren häufiger unter der Kombinationstherapie. Die Metaanalyse spricht für die platinhaltige Kombinationstherapie bei NSCLC-Patienten im PS2. Es wird unter Hinweis auf die Toxizität auf die Wichtigkeit der Aufklärung über ev. Toxizitäten und die Diskussion der Therapieziele mit dem Patienten hingewiesen.
Fazit
Die Studienergebnisse zum ECOG 2 zum Vergleich der Mono- mit der Kombinationstherapie sind widersprüchlich.
Zwei Phase-III Studien und die Metaanalyse zeigen einen Vorteil für platinbasierte Kombinationen (Carbo/Pem, Cis/Gem) gegenüber Monotherapien hinsichtlich des Überlebens bei allerdings gesteigerter Toxizität [1287], [1284], [1286], sodass die höchste Evidenz für die Kombinationstherapie im ECOG 2 spricht.
Zwei Phase-II Studien (Langer, Lilienbaum) empfehlen die Kombinationstherapie mit Carbo/Pacli oder Cis/Gem, hingegen empfiehlt eine weitere Phase-II-Studie (Kosmidis) die Monotherapie Gem im Vergleich zu Carbo/Gem.
Auch die PS-2-Subgruppenanalysen sind widersprüchlich: So empfehlen Quioix (Carbo/weekly Pacli) und Lilenbaum (Carbo/Pacli) die Kombination, während Le Chevallier für PS 2-Patienten die Monotherapie mit VRB empfiehlt.
Platinbasierte Kombinationen sind bei adäquater Organfunktion auch für PS-2 Patienten anwendbar und tolerabel, erzielen aber im Vergleich zu PS 0-1 Patienten schlechtere Resultate [1277], [1279]. Bevorzugt eingesetzt werden Carbo / Pacli oder Carbo/Pem. Kandidaten für eine Monochemotherapie sind Gemcitabin, Vinorelbin, Carboplatin, Paclitaxel und Pemetrexed.
Vermutlich bedingen unterschiedliche Patientenselektionskriterien im ECOG 2 die zum Teil widersprüchlichen Studienergebnisse.
Zukünftig zu entwickeln wäre eine genauere Kategorisierung anhand von Kriterien, wie z.B. Alter, Nieren- und Herzfunktion, und anderen Komorbiditäten zur besseren Einschätzung des ECOG und zur Frage, ob sich ein Patient vermutlich für eine cis- oder carboplatinhaltige Chemo, eine Monotherapie oder lediglich best supportive care eignen wird. Zum Teil bereits eingesetzt wird z.B. der Charlson-Komorbiditäts-Index (CCI) [1288])
8.6.4 Systemtherapie bei Patienten mit aktivierender Mutation des EGF-Rezeptors (ECOG 0-4)
Im Deutschland werden etwa bei 10% der Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom aktivierende EGFR-Mutationen festgestellt. Die größten untersuchten Gruppen für den europäischen Bereich sind die französischen Daten von Barlesi et al. [1289], die REASON Studie [1290], sowie die Daten des Netzwerks Genomische Medizin [1291]. Prospektive Daten aus 130 spezialisierten Lungenkrebszentren und –Praxen aus dem CRISP Register zeigen ebenfalls eine Inzidenz von 10 bis 12% (CRISP Referenz).
Die genetischen Alterationen sind mit dem Raucherstatus assoziiert, allerdings würde die alleinige Testung von Patienten, die nie oder nur leicht (unter 10 Packyears und mehr als 15 Jahre Raucherstopp) geraucht haben, dazu führen, dass 1/3 der Mutationen nicht detektiert würden [1290]. Daher wird empfohlen, alle Patienten mit NSCLC unabhängig vom Raucherstatus auf EGFR Rezeptor-Mutationen zu testen, dies schließt Patienten mit Plattenepithelkarzinom, unabhängig vom Raucherstatus ein. Die Testung auf EGFR-Mutationen muss vor Beginn der Erstlinientherapie erfolgen.
Für Empfehlungen zur molekularpathologischen Testung siehe Kapitel 6.6.10.
8.6.4.1 Erstlinientherapie
Bei NSCLC Stadium IV und Vorliegen einer typischen aktivierenden EGFR-Mutation (del 19, L858R) soll Patienten mit ECOG 0-2 in der Erstlinientherapie ein EGFR-TKI angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1292] [1293] [1294] [1295] [1296] [1297] [1298] [1299] [1300] [1301] [1302] [1303] [1304]
Änderungshinweis
Bei Vorliegen einer aktivierenden EGFR Mutation soll bei Patienten mit ECOG 0-2 in der Erstlinientherapie ein EGFR-TKI abgeboten werden.Bei NSCLC Stadium IV mit einer EGFR Exon 19 Deletion oder Exon 21 Mutation (L858R) soll entweder
a) Osimertinib Monotherapie oder
b) Osimertinib + Pemetrexed + Cisplatin/Carboplatin gefolgt von Osimertinib + Pemetrexed oder
c) Lazertinib und Amivantamab
angeboten werden.
Die Auswahl der Therapie sollte unter Berücksichtigung des Nebenwirkungsprofils und der weiteren Sequenztherapie sowie unter Berücksichtigung von klinischen und molekularen Parametern erfolgen (s. Hintergrundstext).
- Empfehlungsgrad
- A/B
- Evidenzlevel
- 1
zu a)
⊕⊕⊕⊕zu b)
⊕⊕⊕⊕zu c)
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1305] [1306] [1307] [1308] [1309]
Änderungshinweis
a) Bei NSCLC Stadium IV sollte bei EGFR Exon 19 Deletion bevorzugt Osimertinib in der Erstlinientherapie angeboten werden. b) Bei NSCLC Stadium IV mit EGFR Exon 19 Deletion, insbesondere in der Gruppe mit ZNS-Metastasen, kann eine Kombination von Osimertinib und Chemotherapie (Pemetrexed und Platin mit Pemetrexed Erhaltungstherapie) angeboten werden. c) Bei NSCLC Stadium IV mit EGFR Exon 19 Deletion kann eine Kombinationstherapie mit Lazertinib und Amivantamab angeboten werden.Bei NSCLC Stadium IV und Vorliegen einer aktivierenden EGFR-Mutation sollte bei Patienten mit ECOG 3 in der Erstlinientherapie ein EGFR-TKI angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei Vorliegen einer aktivierenden EGFR Mutation sollte bei Patienten mit ECOG 3-4 in der Erstlinientherapie ein EGFR-TKI angeboten werden.Bei NSCLC Stadium IV und Vorliegen einer aktivierenden EGFR-Mutation kann bei Patienten mit ECOG 4 in der Erstlinientherapie ein EGFR-TKI angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei Vorliegen einer aktivierenden EGFR Mutation sollte bei Patienten mit ECOG 3-4 in der Erstlinientherapie ein EGFR-TKI angeboten werden.Patienten mit NSCLC Stadium IV und uncommon mutations im EGFR der Gruppe 1 sollte die Behandlung mit den EGFR-TKI Afatinib oder alternativ Osimertinib angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1303] [1310] [1311]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium IV und uncommon mutations im EGFR der Gruppe 1 sollte die Behandlung mit den EGFR-TKI Osimertinib oder Afatinib angeboten werden.Bei Patienten mit NSCLC Stadium IV mit EGFR T790M soll die Behandlung mit dem EGFR-TKI Osimertinib angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1312]
Änderungshinweis
Bei Patienten mit seltenen EGF-R Tumormutationen der Gruppen 2 sollen T790M spezifische Substanzen angeboten werden.- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊝⊝⊝
- Konsens
- Starker Konsens (97%)
- Literatur
- [1313]
Änderungshinweis
Bei NSCLC Stadium IV mit Exon-20-Insertionsmutation soll nach Versagen einer platinhaltigen Erstlinienkombinationstherapie eine zielgerichtete Behandlung angeboten werden - zugelassen derzeit (02/2022) ist Amivantamab.Evidenztabellen (1)
Amivantamab mono, Evidenzprofil_CHRYSALISHintergrund
Die Evidenzen der ersten Studiengeneration (Phase III Studie: IPASS [1292][1314]; FIRST Signal: Phase III [1293]; NEJ002 Studie von Maemondo et al. [1294]; WJTOG3405 Mitsudomi et al., Lancet Oncology 2010 [1315]; EURTAC, Rosell et al., Lancet Oncology 2012 [1316]; OPTIMAL [1302]; LUX LUNG 3 [1299], [1301]; Lux Lung 6 [1317]; Phase IIB Studie Head to Head Vergleich TKI: Lux Lung 7 [1318], [1319]; Phase III Studie Head to Head Vergleich TKI Erst- vs. Zweitgeneration: ARCHER [1320]) wurden zuletzt in der Version 3.0 detailliert besprochen (siehe Leitlinienarchiv unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom)
FLAURA
Phase III Studie Head to Head Vergleich TKI Erst- vs. Drittgenerations-TKI: FLAURA
Die Flaura Studie verglich die Behandlung mit Erstgenerations-EGFR-TKI (Gefitinib oder Erlotinib) mit dem Drittgenerations-TKI [1321]. 556 Patienten mit common mutations (Exon 19, Exon 21) wurden randomisiert, Primärer Endpunkt war das PFS. Stratifikationsmerkmale waren Ethnizität (Asiaten vs. non-Asiaten), Exon 19 vs. Exon 21 Mutationen und ZNS-Metastasen. Das mediane PFS im Osimertinib-Arm war signifikant länger als im Erst-Generations-TKI Arm (18,9 Monaten vs. 10,2 Monate, HR 0,46; 95% CI: 0,37 bis 0,57; p<0,001) [1321]. Die Ansprechrate (ORR) war vergleichbar mit 80% für Osimertinib und 76% mit Erst-Generations-TKI (OR (odds ratio): 1,27; 95% CI, 0,85 bis1,90; p = 0.24). In der finalen OS Analyse betrug des mediane OS 38,6 Monate (95% CI: 34,5 bis 41,8) im Osimertinib-Arm und 31,8 Monate (95% CI, 26,6 bis 36,0) im Kontroll-Arm HR: 0,799; 95,05% CI: 0,64 bis 1,00; p = 0,046) [1305]. In der präspezifizierten Subgruppenanalyse betrug die HR für das OS für Asiaten 1,0 (95% CI 0,75-1,32), für nicht-Asiaten 0,54 (0,38-0,77). Für die präspezifizierte Subgruppen Exon 19 vs. 21 betrug die HR für Exon 21 1,00 (0,71-1,4), für Exon 19 0,68 (CI 0,51-0,9). Diese Unterschiede ließen sich nicht durch die post-study Behandlung erklären, da diese niedriger lag bei Asiaten und Exon 21 als bei nicht Asiaten und Del 19 Patienten.
Keine differentiellen Signale für das OS konnten für Patienten mit oder ohne ZNS-Metastasen erhoben werden, in der FLAURA Studie wurde das PFS im ZNS nicht obligatorisch mit regelmäßiger Bildgebung überprüft.
FLAURA 2
Phase III Studie Head to Head Vergleich TKI Erst- vs. Drittgenerations-TKI: FLAURA2
In der FLAURA 2 Studie wurden Patienten mit common mutations eingeschlossen (Exon 19 und Exon 21, uncommon mutations inklusive, T790M waren ausgeschlossen). Die Patienten erhielten entweder den Standard Osimertinb oder eine experimentelle Therapie mit Osimertinib und Chemotherapie Pemetrexed und Platin (Cis oder Carboplatin) gefolgt von einer Pemtrexed Erhaltungstherapie). Der primäre Endpunkt der Studie war das PFS per „Investigator“, sekundäre Endpunkte waren Überleben, Ansprechen, Länge des Ansprechens, Lebensqualität, Sicherheit und PFS2. Die Daten wurden beim WCLC in 2023 erstmalig vorgestellt. Es ergab sich für die Gesamtpopulation ein Unterschied im PFS (unabhängiges Review und Investigator) mit einer HR von 0,62 (95% CI 0,48-0,80, p<0,0002), das PFS wurde von 19,9 auf 29,4 Monate verbessert. Es wurde kein differentieller Vorteil von E19 vs. E 21 Mutationen beobachtet (EGFR Exon 19 del: HR 0,60 (95% CI 0,44 – 0,83); L8585R: HR 0,63 (95% CI 0,44-0,90)). Die Subgruppe der Patienten mit einer ZNS Metastasierung bei Einschluss in die Studie hatte einen PFS Vorteil mit einer HR von 0,47 (95% CI 0,33-0,66), so dass diese Population einen besonderen Benefit von der Kombinationstherapie haben könnte. Das PFS 2 war mit einer HR von 0,7 (95% CI 0,52-0,93, p=0,0132) statistisch signifikant verbessert. Eine weitere Auswertung beim ESMO 2023 konnte zeigen, dass sowohl die Patienten mit messbaren ZNS Metastasen als auch Patienten mit messbaren und nicht messbaren ZNS Metastasen von der Kombinationstherapie profitierten (messbare Metastasen: HR 0,40, 95% CI 0,19-0,84), messbare und nicht messbare ZNS Metastasen: HR 0,58, 95% CI 0,33-1,01). Die komplette Remissionsrate im ZNS war durch die Kombinationstherapie von 43 auf 59% (messbare und nicht-messbare ZNS Metastasen) und von 16 auf 48% (messbare Metastasen) verbessert [1307]. Das Risiko, innerhalb von 24 Monaten im ZNS einen Progress zu erleiden (MRT Untersuchungen wurden bei Patienten mit initial nicht nachweisbaren ZNS Metastasen nur anlassbezogen durchgeführt) wurde von 23% auf 9% durch die Kombinationstherapie gesenkt. Die reifen OS Daten für die Gesamtstudie wurden im Jahre 2025 publiziert. Hier ergibt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für das Überleben mit einer HR von 0,77 (CI 0,61-0,96) (p=0,02) mit einem medianen OS von 47,5 Monaten für den experimentel-len Arm vs. 37,6 Monate für den Kontroll-Arm mit Osimertinib. Bei der Bewertung der OS Daten ist zu beachten, dass 81% der Patienten im Kontrollarm mit einer Kombina-tions-Chemotherapie behandelt wurden, was einem Cross-Over entspricht. In der Sub-gruppenanalyse hatten alle unterschiedlichen Gruppen einen Vorteil, bis auf nicht-Chinesische Asiaten. In den Subgruppen ZNS Metastasen, Lebermetastasen, Knochen-metastasen, ct-DNA im Plasma oder TP53 Mutationen im Gewebe ergab sich kein diffe-rentieller Vorteil für eine spezifische Subgruppe, d.h. alle Subgruppen profitierten von der Osimertinib-Chemotherape Kombination [1309]. Insbesondere ergab sich kein Unterschied des Benefits in den beiden Subgruppen der common mutations, HR 0,76 für Exon 19 und Exon 21). Die Nebenwirkungen waren insbesondere während der Phase der Pemetrexed Platin Kombination höher als bei der Monotherapie, inbesondere betreffs der hämatologischen Toxizität. [1306] [1307] Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Kombinationstherapie von Osimertinib und Chemotherapie für Subgruppen von Patienten mit common EGFR Mutationen einen Vorteil bieten kann, dieser ist besonders klar bei ZNS Metastasen. Inwieweit ZNS Metastasen Ausdruck einer höheren Tumorlast sind, und inwieweit andere Subgruppen mit potentiell ungünstiger Prognose (L858R, Komutationen, hohe Tumorlast) einen Vorteil haben, muss durch weitere Analysen geklärt werden.
MARIPOSA
Phase III Head to Head Vergleich Amivantamab + Lazertinib vs. Osimertinib: MARIPOSA
In die Phase III Studie MARIPOSA [1308] wurden, wie in der FLAURA 2, Patienten mit einer common EGFR Mutation (EGFR Exon 19 Deletion, L858R Mutation) eingeschlossen, die Studie prüfte in einem dreiarmigen Konzept Osimertinib Monotherapie gegen die Kombinationstherapie Lazertinib + Amivantamab. Der dritte Arm (Randomisierung 2:2:1) war Lazertinib Monotherapie, der als explorativer Arm gestaltet war. Der primäre Endpunkt war das BICR PFS von Osimertinib vs. Lazertinib und Amivantamab, sekundäre Endpunkte waren Überleben, Ansprechrate, Dauer des Ansprechens, PFS2, Zeit bis zur symptomatischen Progression, intrakranielles PFS mit einer systematischen Anlass-unbezogenen MRT Bildgebung, und Sicherheit. Die Studie wurde auf dem ESMO 2023 vorgestellt. Der primäre Endpunkt wurde erreicht mit einem statistisch signifikantem PFS Vorteil mit einer HR von 0,7 (95% CI 0,58-0,85, p<0,001), 23,7 vs. 16,6 Monate zugunsten der Kombinationstherapie. Die Lazertinib Monotherapie zeigte mit 18,5 Monaten ein ähnliches PFS wie die Osimertinib Monotherapie. Der PFS Benefit für die Kombinationstherapie war in der Gruppe der Exon 19 mutierten Patienten etwas ausgeprägter mit einer HR von 0,65 (95% CI 0,51-0,85) als in der Exon 21 mutierten Gruppe (HR 0,78, 95% CI 0,59-1,02). In der Subgruppenanalyse profitierten insbesondere Patienten in einem Alter unter 65 Jahren (HR 0,5, 95% CI 0,39-0,65) und Patienten unter 75 Jahre (HR 0,7, 95% CI 0,57-0,85) von der Kombinationstherapie. Kein differentieller Effekt hinsichtlich des PFS Vorteils wurde für den ECOG beobachtet (ECOG 0 vs. 1). In dieser Studie wurde auch bei Patienten ohne ZNS Metastasen bei Einschluss eine systematische Bildgebung des ZNS durchgeführt. Die HR für Patienten mit und ohne ZNS Metastasen war identisch mit 0,69 (mit ZNS Metastasen 95% CI 0,53-0,92), ohne ZNS Metastasen 95% CI 0,53-0,89). Das PFS 2 war mit einer HR von 0,75 (95% CI 0,58-0,98, p=0,03) statistisch signifikant verbessert. Während die Interims-OS Daten noch unreife Ergebnisse zeigten mit einem HR bei 0,77 (95% CI 0,61-0,96, p=0,019), sind die finalen OS Daten jetzt publiziert worden: das mediane Überleben im experi-mentellen Arm mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 37,8 Monaten ist noch nicht erreicht, das Überleben bei 42 Monaten betreägt 56%. Im Kontrollarm ist das mediane OS erreicht mit 36,7 Monaten. Die Unterschiede sind mit eine p Wert von un-ter 0,05 signifikant, die HR beträgt 0,75 (CI 0,61-0,92). Alle prognostisch ungünstigen Subgruppen profitieren von der Kombinationstherapie. In der Analyse der präspezifi-zierten Subgruppen haben die Patienten mit einem Alter von über 65 Jahren keinen Vorteil, aber die Patienten mit einem Alter von über 75 Jahren und unter 75 Jahren. Diese Subgruppenanalyse ist nicht zu verstehen. Die Subgruppe der L858R hat eine HR von 0,9 (CI 0,67-1,21) und scheint somit keinen Vorteil von der Kombinationstherapie zu haben, allerdings ist die Studie nicht auf diesen Unterschied gepowert gewesen, so dass diese Analyse höchstens Hypothesen-bildenden Charakter hat [1322]. Für die Interpretation der OS Daten ist relevant, dass ein Cross-over zu Amivantamab in der Zweitlinie nicht möglich war. Amivantamab war auch außeralb der Studie nicht einsetzbar wegen fehlender Zulassung. Die Zeit bis zur symptomatischen Progression oder dem Tod war bereits früh mit einer HR von 0,72 (95% CI 0,57-0,91, p=0,005) statistisch signifikant verbessert [1323]. Die Rate an während der Therapie auftretende Nebenwirkungen (TEAE) >Grad 3 war im Kombinationsarm mit 75 vs. 43% deutlich erhöht. Die Abbruchrate war ebenfalls im Kombinationsarm mit 35% vs. 14% für Osimertinib deutlich erhöht. Die Rate an Therapie-assoziierten Nebenwirkungen, die zum Abbruch der Therapie führten, war mit 10% im Amivantamab Lazertinib Arm höher als im Osimertinib Arm (3%). Die Applikation von Amivantamab i.v. ist mit einer hohen Rate von Infusionsreaktionen während des ersten Zyklus vergesellschaftet, so dass eine adäquate Überwachung von Patienten in dem Setting erfolgen sollte. Eine präemptive Therapie gegen die EGFR assoziierten kutanen und gastointestinalen NW sollte durchgeführt werden. Die Kombination von Amivantamb und Lazertinib führt insbesondere in den ersten 4 Monaten zu einer erhöhten Rate von thromboembolischen Ereignissen, so dass eine Thromboseprophylaxe durchgeführt werden muss. Der mediane Zeitpunkt bis zum Auftreten von thromboembolischen Ereignissen betrug 84 Tage, innerhalb von 4 Monaten waren 62% aller thromboembolischen Ereignisse aufgetreten. Bei Patienten, die unter Antikoagulantien standen, traten in 1% (5/421) thromboembolische Ereignisse auf, bei Patienten ohne Antikoagulation in 152/421 entsprechend 36%.
Die Mariposa Studie ist die zweite Studie, die belegt, dass eine Kombinationstherapie in der Erstlinientherapie hinsichtlich des PFS und des OS gegenüber einer Monotherapie überlegen ist. Die am besten geeignete Sequenz in der Erst- und Zweitlinientherapie unter Berücksichtigung der Zweitlinientherapie mit Mariposa 2 [1324] ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar.
Weitere TKI + Chemotherapie vs. TKI Studien (Erstgenerations-TKI)
Phase III Gefitinib vs. Gefitinib + Pemetrexed + Carboplatin NEJ009 [1325] [1326]
Die NEJ009 Studie schloss ausschließlich japanische Patienten mit EGFR-Mutationen ein und randomisierte zwischen Gefitinib in Kombination mit Carboplatin und Pemetrexed versus Gefitinib allein. Endpunkte waren PFS, PFS2, und OS, diese wurden sequentiell hierarchisch analysiert. Der experimentelle Arm (Gefitinib + Chemotherapie) zeigte eine höhere Ansprechrate als der Gefitinib Kontroll-Arm: ORR, 84% vs 67% (p<0,001)- Das PFS war im experimentellen Arm mit 20,9 vs 11,9 Monaten und einer HR von 0,490 (p< 0,001) hochsignifikant überlegen. Das PFS2 war nicht signifikant unterschiedlich 20,9 vs 18,0 Monate; p = 0,092). Das mediane OS im experimentellen Arm war signifikant länger als im Kontroll-Arm: 50,9 vs 38,8 Monate, HR 0,722, p = 0,021, medianes Follow-up 45 Monate). Die Rate an Grad 3 therapieassoziierten Nebenwirkungen wie hämatologische Toxizität war mit 65,3 vs. 31,0% im experimentellen Arm höher als im Kontroll-Arm. Keine Lebensqualitäts-Unterschiede konnten zwischen den beiden Armen detektiert werden. Der Anteil von Patienten, die eine post-study Behandlung erhielten, betrug im experimentellen vs. Kontrollarm 87,2% (116/133) vs. 95% (151/159). Eine Platin-Doublette erhielten 77,4 % der Patienten im Kontrollarm, der Anteil von Osimertinib-Nachbehandlung betrug 29/133 (31,6%) im experimentellen Arm und 37/159 (23,3%) im Kontroll-Arm. Das mediane Überleben von Patienten, die Osimertinib im experimentellen Arm erhalten haben, wurde nicht erreicht, im Kontrollarm betrug es 74,4 Monate. Das mediane OS für Patienten ohne Osimertinib betrug 43,8 vs. 29,8 Monate (experimenteller Arm vs. Kontroll-Arm). Im Update, das 2022 publiziert wurde, konnte kein OS Vorteil mehr für die Kombinationstherapie gegenüber der Monotherapie nachgewiesen werden, das OS betrug 49,0 (CI 41,8-56,7) vs. 38,5 Monate (CI, 31,1-47,1), HR 0,82; CI, 0,64-1,06; P=0,127).
Phase III Studie monozentrisch Gefitinib vs. Gefitinib + Chemotherapie bei EGFR-mutierten Patienten (Indische Studie)
Patienten mit einer sensitivierenden EGFR-Mutation, zu 97% (Kombination) bzw 96% (Gefitinib allein) Exon 19 bzw. 21 Mutationen wurden randomisiert und erhielten entweder Pemetrexed und Carboplatin und Gefitinib für 4 Zyklen, dann Pemetrexed und Gefitinib Erhaltung (experimenteller Arm) oder Gefitinib allein. Primärer Endpunkt war das PFS, sekundärer Endpunkte OS, ORR und Toxizität. 174 Patienten erhielten die Kombination, 174 Gefitinib allein. 18% der Patienten hatten ZNS-Metastasen. Die mediane Nachbeoachtungszeit war mit 17 Monaten sehr kurz. ORR war significant unterschiedlich zugunsten des experimentellen Arms: 75% vs. 63%, p=0,01. PFS war signifikant länger im experimentellen Arm vs. dem Kontrollarm: 16 (CI 95% 13,5-18,5) vs. 8,0 Monate (CI 95% 7,0-9,0) mit einer HR von 0,51 (CI 95%: 0,39-0,66, p<0,001). Medianes OS war ebenfalls signifikant länger im experimentellen Arm vs. dem Kontrollarm: nicht erreicht vs. 17 Monate (95% CI 13,5 -20,5 Monate), HR 0,45 (95% CI 0,31 – 0,65, p<0,001. Grad 3 Toxizitäten wurden bei 51% der Patienten im experimentellen vs. 25% im Kontrollarm beobachtet (p<0,001). Die Post-study Behandlung war mit 20 und 39% gering, nur 11 bzw. 15% der Patienten erhielten Osimertinib.
EGFR-TKI nach 1st line Chemotherapie
Es ist darauf hinzuwirken, dass die Systemtherapie erst nach Eintreffen der molekularen Befunde gestartet werden soll. In Fällen, in denen ein hoher Therapiedruck besteht, kann bei molekular unbekanntem Status die Therapie mit einer Chemotherapie oder Chemo-Immuncheckpoint-Inhibitor Therapie begonnen werden. Dann stellt sich die Frage der Fortsetzung der Chemotherapie oder Chemotherapie und Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie. Generell ist diese Frage bisher in Studien nicht geprüft worden. Eine Studie mit Erlotinib konnte für die Patienten, die Erlotinib in der 1st line oder 2nd line erhalten haben, keinen Unterschied in der Effektivität des EGFR-TKI finden. Dennoch wird empfohlen, wegen der bessern Verträglichkeit, geringeren Toxizität und höheren Effektivität die Therapie von der Chemotherapie auf den EGFR-Inhibitor zu wechseln [1327]. In jedem Fall sollte das Patientenmanagement so gestaltet sein, dass der Einsatz eines TKI nicht gefährdet ist.
Uncommon mutations [1303]
Die atypischen EGFR-Mutationen
Diese repräsentieren ca. 10% der EGFR-Mutationen und umfassen mehrheitlich Mutationen in Exon 18 (v.a. G719X) und Exon 21 (v.a. L891Q), aber auch seltene Mutationen in Exon 19 und 20 sowie compound mutations. Eine retrospektive Analyse von 32 Patienten aus den LUXLung 2,3 und 6 Studien ergab eine Ansprechrate von 66%, die DOR-Rate nach 12Mon. betrug 52%, eine Zulassungserweiterung der FDA wurde hierauf ausgesprochen. In einem großen retrospektiven Datenpool von 693 Patienten zeigte die Behandlung mit Afatinib eine ORR von 60% und eine DOR von ca. 17 Mon [1328]. Die einzige prospektive Studie wurde 2019 veröffentlicht mit Osimertinib bei 36 Patienten und einer ORR von 50% und einem med. PFS von 8.2 Mon. [1329]
Die Achilles Studie prüfte bei 109 Patienten aus Japan mit uncommon mutations der Gruppe I eine Therapie mit Afatinib (n=76) gegen eine platinhaltige Chemotherapie (n=36). Primärer Endpunkt war das PFS. Ein statistisch signifikanter Vorteil für das PFS wurde für Afatinib erreicht mit einer HR von 0,422 p=0,0007, medianes PFS 10,6 Monate vs. 5,7 Monate. Die Ansprechrate betrug 61% vs. 47% für Afatinib vs. Chemotherapie, die Krankheitskontrolle war jedoch mit 82% für beide Arme gleich. Grad 3 Toxizitäten traten mit 44% häufiger im Afatinib Arm auf als im Chemotherapiearm (37%), allerdings ist unklar, ob eine Prävention gegenüber den klassischen Afatinib-assoziierten Nebenwirkungen in der Studie vorgeschrieben war. Die Daten belegen, dass eine TKI in der Erstlinientherapie eingesetzt werden sollte, die Datenlage ist für Afatinib umfangreicher als für Osimertinib.
Exon 20 Insertionsmutationen
Bei Exon 20 Insertionen sind die Erst- und Zweit-Generations-TKI unwirksam und sollten nicht eingesetzt werden (ORR (8,7%), PFS (2,7 Monate), OS 9,2 Monate). Eine Ausnahme können Patienten darstellen mit einer EGFR A763_Y764insFQEA Insertion [1330]. Mit dem bispezifischen Antikörper Amivantamab konnten nach Versagen mindestens einer platinhaltigen Vortherapie ein Ansprechen in 40% mit einer medianen Ansprechdauer von 11,1 Monaten, ein medianes progressionsfreies Überleben von 8,3 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben von 22,8 Monaten erreicht werden [1313]. Weitere Exon20-spezifische Substanzen, die auch bei EGFR Exon 20 ins zu einer wirksamen Inaktivierung des mutierten EGFR führen, werden derzeit in Studien überprüft [1303]. Eine Wirksamkeit hatte auch die Behandlung mit mit Osimertinib in der doppelten Dosis von 160 mg täglich in einer Phase 2 Studie mit einer Ansprechrate von 25% und einem medianen PFS von 9.7 Monaten gezeigt [1331].
Der bisherige Standard in der Erstlinientherapie einer Chemotherapie oder ggf. Chemotherapie und Immuncheckpoint-Inhibitor Therapie ist jetzt abgelöst worden durch die Daten der Papillon Studie [1332]. In dieser Phase III Studie wurde eine Chemotherapie-Kombination gegen Chemotherapie und den bispezifischen Antikörper (gegen EGFR und MET) Amivantamab bei Exon20 ins geprüft. Primärer Endpunkt war das BICR PFS, sekundäre Endpunkte die Ansprechrate, die Dauer des Ansprechens, das Überleben, das PFS2, die Zeit bis zur symptomatischen Progression, die Zeit bis zur nächsten Therapie und die Sicherheit. 153 Patienten erhielten Amivantamab + Chemotherapie, 155 reine Chemotherapie. Die Chemotherapie bestand aus Pemetrexed und Carboplatin, nach 4 Kombinationszyklen schloss sich die Pemetrexed Erhaltungstherapie bis zum Progress oder Toxizität an. Ein Cross-over zu Amivantamab Monotherapie war im Kontrollarm als optionale Komponente integriert. Der primäre Endpunkt PFS durch unabhängiges Review wurde hoch statistisch signifikant erreicht mit einer HR von 0,4 (CI 0,3-0,53, p<0,001). Das mediane PFS war im experimentellen Arm bei 11,4 vs. 6,7 Monate im Kontrollarm. Alle präspezifizierten Subgruppen hatten einen statistisch signifikanten Vorteil durch die Kombinationstherapie, einzig die kleine Gruppe der Patienten mit ZNS Metastasen hatten einen PFS Benefit von 0,63 (CI 0,38-1,06). Die Ansprechrate stieg von 47 auf 73%, die mediane Dauer bis zum Ansprechen betrug im Kombinationsarm 6,7 Wochen, im Chemotherapie-Arm 11,4 Wochen. Die Dauer des Ansprechens war hoch statistisch signifikant zugunsten der Kombinationstherapie verbessert mit 9,7 vs. 4,4 Monaten. Das PFS2 war statistisch signifikant verbessert mit einer HR von 0,49, CI 0,32-0,76, p=0,001), trotz eines signifikanten Cross over zu Amivantamb in der Zweitlinie im experimentellen Arm: 71 der 94 Patienten, die eine Zweitlinientherapie begannen, erhielten Amivantamab. Die Daten für das Überleben sind noch nicht reif, derzeit wurde eine HR von 0,67 (CI 0,42 -1,09, p=0,11) berichtet. Die Zeit bis zur symptomatischen Progression oder dem Tod war mit einer HR von 0,67 (CI 0,46-0,98, p=0,0388) statistisch signifikant verbessert [1333]. Die Nebenwirkungen waren für den Kombinationsarm erhöht, Grad >3 75 vs. 54%. Die Abbruchrate war jedoch in beiden Armen mit 8% vergleichbar. Von der subkutanen Applikation von Amivantamb ist zu erwarten, dass die Nebenwirkungen hinsichtlich der Infusionsreaktionen, die bei der i.v. Gabe insbesondere im ersten Zyklus auftreten, deutlich reduziert werden. Eine präemptive Gabe von Antibiotika, Hautsalben zum Coupieren der kutanen Nebenwirkungen ist empfehlenswert, die exakte Applikation wird derzeit in weiteren Studien geprüft. Wegen der deutlichen Verbesserung der Ansprechrate sowie des PFS sollte ein off label use Antrag in der Erstlinie gestellt werden. Weitere spezifische TKI sind derzeit in der Erprobung, Patienten mit Exon 20Ins sollten ggf. Studienkonzepten zugeführt werden.
Für Patienten ECOG 3 und 4 liegen keine Daten vor. Diese Patienten sind i.d.R. keine Kandidaten für eine Chemotherapie und oft auch nur bedingt für eine Immuntherapie. In Anbetracht der guten Verträglichkeit der TKI Therapie sollte daher gerade auch bei diesen Patienten eine Testung auf eine EGFR-Mutation durchgeführt werden und bei Nachweis einer aktivierenden EGFR-Mutation eine TKI Therapie angeboten werden.
EGFR-TKI in Kombination mit Antiangiogenese-Inhibitoren
In einer rein japanischen Phase-II-Studie wurde die Effektivität einer Erstlinientherapie mit Bevacizumab und Erlotinib vs. Erlotinib geprüft [1334]. In der Studie waren etwa 1/3 der Patienten aktive Raucher, was bei EGFR-mutierten kaukasische Patienten sehr selten ist. Der primäre Endpunkt war PFS. Das mediane PFS betrug 16,0 Monate vs. 9.7 Monate im Kombinationsarm vs. Erlotinib (HR 0,54, log-rank test p=0·0015) Die Toxizität war im Kombinationsarm deutlich gegenüber dem Erlotinib-Arm erhöht, z.B. Bluthochdruck (60 vs. 10 %), Proteinurie (8 vs. 0 %), Blutungen (72 vs. 29 %), Fatigue (13 vs. 4 %) [1334].
(Auch die schweren Nebenwirkungen (=/> CTC Grad 3) waren im Kombinationsarm häufiger als im Kontrollarm: Bluthochdruck (60% vs 8%)), Hautausschlag (25% vs 19%), Proteinurie (8% vs 0%), Blutungsereignisse (3% vs 0%). Die Häufigkeit der SAEs war in beiden Armen vergleichbar (24% vs 25% im Kontrollarm) [1334].
Die Ansprechrate war mit 69 % vs. 63 % nicht verbessert, wobei sich allerdings ein Unterschied in der Tumorkontrollrate fand (99% vs. 88%, p 0.018). Für die Überlebenszeit zeigte sich in einer vorläufigen Analyse mit einem hohen Anteil an zensierten Patienten kein Unterschied. Lebensqualitätsanalysen liegen nicht vor. Der Vorteil von Bevacizumab bzgl. PFS war in der Gruppe der Raucher mit einer HR von 0,35 (95 % CI 0,17–0,74) besonders ausgeprägt, bei den Nicht-Rauchern war die HR nicht signifikant (HR 0,64, 95% CI (0,40–1,03). Der Wirkmechanismus der Kombination ist nicht durch eine erhöhte Ansprechrate erklärt, über die nach Versagen auftretenden Resistenzmechanismen (s. u.) ist nichts bekannt. Die Kombination wurde 2016 durch die EMA zugelassen. Ein Einsatz sollte wegen der unsicheren Datenlage, der fraglichen Übertragbarkeit der Daten auf kaukasische Patienten betreffs insbesondere Toxizität, des fehlenden Überlebensvorteils sowie der fehlenden Lebensqualitätsanalysen sehr wohl gegen den Standard einer TKI Monotherapie abgewogen werden.
In einer zweiten Phase III Studie wurde ein Anti-VEGFR2 Antikörper, Ramucirumab, zusammen mit Erlotinib bei Patienten mit common (Exon 19 oder Exon 21) EGFR-Mutationen, ECOG 0 oder 1 und Fehlen von ZNS-Metastasen gegen Erlotinib alleine getestet. Stratifikationsmerkmale waren Geschlecht, geographische Region, EGFR-Mutations-Typ und EGFR Testmethode. Primärer Endpunkt war PFS. 499 Patienten wurden eingeschlossen und randomisiert, 224 zum experimentellen Arm (Erlotinib + Ramucirumab) und 225 zum Kontrollarm (Erlotinib allein). Das mediane Follow-up betrug 20,7 Monate. PFS war signifikant länger im experimentellen Arm vs. dem Kontrollarm: 19,4 Monate (95% CI: 15,4–21,6) vs. 12,4 Monate (11,0–13,5), HR 0,59 (95% CI: 0,46–0,76) p<0,0001. Die Toxizität bezogen auf Grad 3–4 Behandlungs-assoziierte Nebenwirkungen war im experimentellen Arm höher als im Kontrollarm: 159/221 (72%) vs 121/225 (54%). Überlebensdaten liegen nicht vor, die Rate an T790M Resistenzmutationen als Ausdruck einer akquirierten Resistenz war in beiden Armen vergleichbar. Die Datenlage für EGFR-TKI und Anti-angiogenese-Inhibitoren hat sich mit der Studie nicht verändert, die finalen OS Daten waren negativ. Daher ist der Einsatz von TKI + Antiangiogenese-Substanzen derzeit nicht durch OS Daten belegt und sollte kritisch abgewogen werden.
Eine weitere Studie von Geftinib und Apatinib, einem VEGFR-TKI wurde beim ESMO 2020 vogestellt: 313 Patienten wurden eingeschlossen (AG Arm, n=157; G Arm, n=156). Mediane Nachverfolgung betrug 15,8 Monate. Das mediane PFS durch unabhängiges radiologisches Review betrug 13,7 vs 10,2 Monate im AG vs. G Arm (HR = 0,71, 95% CI 0.54-0.95; p = 0.0189). Die OS Daten sind unreif mit einer Reife von nur (29,4% Ereignissen. ORR war 77,1% vs. 73.7% im AG vs. G Arm (p = 0,5572). Pts mit einer ex19del hatten eine besser HR für das PFS als Patienten mit Exon 21 Mutation L858R (HR = 0,67, 0,45-0,99; 0,72, 0,48-1,09). Pts mit einer TP53 exon 8 Mutation hatten einen signifikanten Benefit von der dualen Blockade (HR = 0,24, 0,06-0,91). Grad 3-4 Nebenwirkungen waren in den beiden Armen vergleichbar, mit Ausnahme eines Anstieges von Bluthochdruck und Proteinurie (46,5%; 17,8%) im AG Arm. Diese Studie ist die erste, die prospektiv einen Vorteil für komutierte Patienten durch eine Kombinationstherapie aufzeigt. Zukünftige Studien sollten daher TP53 Mutationen als Stratifikationsmerkmal inkludieren [1335].
Eine Phase II Studie, die die Kombination von Osimertinib +/- Bevacizumab bei T790M + Patienten untersuchte, war sowohl für das PFS als auch für das OS negativ [1336] 87 Patienten wurden randomisiert, die ORR war mit 68 vs. 54% besser, das PFS war mit 9,4 vs. 13,5 Monaten nicht besser, HR 1,44, p=0,2, der Unterschied war nicht statistisch signifikant. Angiogenese-typische Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Proteinurie waren wie erwartet erhöht im Kombinationsarm.
8.6.4.2 Resistenzmechanismen auf Erst-/Zweit-Generations-TKI vs. Drittgenerations-TKI und entsprechende Zweitlinientherapie bei EGFR mutierten Patienten
Bei NSCLC Stadium IV mit Nachweis einer erworbenen EGFR-TKI-Resistenz durch Akquisition einer EGFR-T790M-Mutation und wenn Osimertinib nicht in der Erstlinie eingesetzt wurde, soll eine Therapie mit Osimertinib angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1318] [1337]
Änderungshinweis
Bei Nachweis einer erworbenen EGFR-TKI-Resistenz durch Akquisition einer EGFR-T790M-Mutation soll eine T790M spezifische Substanz angeboten werden.Bei Nachweis von Resistenzmechanismen, die potentiell therapierbar sind, sollten EGFR positive NSCLC-Patienten Stadium IV in Studien eingeschlossen werden. Falls dies nicht möglich ist, sollte der Einsatz von potentiell wirksamen Substanzen, ggf. nach Diskussion in einem Thorax-Onkologischen Tumorboard, unabhängig vom Zulassungsstatus erwogen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei Resistenzmechanismen, die potentiell therapierbar sind, sollten Patienten in Studien eingeschlossen werden. Falls dies nicht möglich ist, sollte der Einsatz von potentiell wirksamen Substanzen unabhängig vom Zulassungstatus erwogen wer-den.Bei oligoprogredienten Fällen sollte eine adäquate Bildgebung und ZNS-MRT erfolgen und die Möglichkeit einer Lokaltherapie interdisziplinär geprüft werden.
Wegen der Möglichkeiten der lokalen Therapie bei ZNS-Metastasen sollte eine adäquate Bildgebung von ZNS-Metastasen in regelmäßigen Abständen, z.B. alle 6 oder 12 Monate auch bei asymptomatischen Patienten erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- eine Chemotherapie Kombination mit Amivantamab oder
- eine Kombinationstherapie mit Paclitaxel, Carboplatin, Bevacizumab und Atezolizumab
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊝⊝ bis ⊕⊝⊝⊝
- Literatur
- [1229] [1324] [1338]
Änderungshinweis
Nach Versagen einer Therapie mit Osimertinib bei Patienten mit EGFR-mutiertem NSCLC Stadium IV und ECOG 0-1 kann eine Chemotherapie Kombination mit Amivantamab oder eine Kombinationstherapie mit Paclitaxel, Carboplatin, Bevacizumab und Atezolizumab oder eine Chemotherapie Kombination (ohne Immuncheckpoint-Inhibitor) angeboten werdenIm Falle einer SCLC-Transformation sollte eine Therapie mit Platin-Etoposid erwogen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Tabelle 36: Empfehlungen zu Biopsie und Rebiopsie bei einer akquirierten EGFR-TKI-Resistenz
| Empfehlungen zu Biopsie und Rebiopsie bei einer akquirierten EGFR-TKI-Resistenz (siehe Kapitel 6.6.10.) | |
| Bei akquirierter EGFR-TKI-Resistenz sowie auch bei akquirierten Resistenzen nach ALK-, ROS1- oder RET-Inhibitor-Therapie sollte eine Gewinnung von Tumorzellmaterial zur Bestimmung von Resistenzmechanismen durchgeführt werden. | |
| Bei akquirierter TKI-Resistenz und negativer Biopsie oder klinisch nicht vertretbarer Biopsie in Bezug auf den Resistenzmechanismus sollte ergänzend eine Liquid Biopsy zur Bestimmung von Resistenzmechanismen durchgeführt werden. | |
Hintergrund
Patienten mit einer aktivierenden EGFR-Mutation entwickeln zu einem hohen Prozentsatz detektierbare Resistenzmechanismen. Nach Behandlung mit Erst-/Zweitgenerations-EGFR-Inhibitoren tritt am häufigsten eine akquirierte Resistenz durch eine EGFR-T790M-Mutation auf. Diese führt zu einer alterierten ATP-Bindungstasche, die die Bindung von ATP erlaubt, aber die Erst- und Zweitgenerations-TKI (Afatinib, Erlotinib, Gefitinib) aus der Bindungstasche verdrängt. Auch weitere Resistenzmechanismen, z.B.MET Amplifikationen, HER2 (ERBB2) Amplifikationen oder Mutationen, und BRAF Mutationen, kommen in ca. 20% der Fälle vor. Auch nach Behandlung mit dem Drittgenerationsinhibitor Osimertinib werden zunehmend on- und off-target Resistenzmechanismen beschrieben. Beispiele für on-target Mechanismen sind die C797S und die G428S EGFR-Mutation, off-target Mechanismen umfassen MET Amplifikationen, HER2 (ERBB2) Amplifikationen, RET-Fusion, FGFR-Fusion, BRAF Mutationen u.a. mit einer Häufigkeit von ca. 20%-30% vor [1339], [1340]. Demnach sollte die molekulare Aufarbeitung der Rebiopsie mit einem breiten NGS Panel erfolgen, welches eine möglichst umfassende Analyse potentieller Resistenzmechanismen erlaubt. Zielort der Rebiopsie sollte eine progrediente Tumormanifestation sein, damit möglichst resistente Zellklone erfasst werden können. Der Zeitpunkt der Rebiopsie sollte eher klinisch als nach RECIST-Kriterien festgelegt werden, da häufig die Therapie mit dem Erst-Zweit- oder Dritt-Generations-TKI „beyond progression“ fortgeführt werden kann. Eine Geweberebiopsie ist vorzuziehen, da sie eine höhere Sensitivität für den Nachweis einzelner Mutationen, inkl. EGFR T790M, als eine "Liquid biopsy" (Sensitivität ca. 65-70 % im Vergleich zu der Gewebeanalyse [1341]) hat und auch eine SCLC Transformation direkt erfassen kann. Bei fehlender Durchführbarkeit einer Gewebebiopsie und auch bei Verdacht auf unterschiedliche Resistenzmechanismen sollte eine Liquid Biopsy (NGS Analyse von zellfreier, zirkulierender Tumor-DNA) durchgeführt werden, um die Chancen des Patienten für weitere zielgerichtete Therapien zu maximieren (siehe Kapitel 6.6.10 Untersuchungen auf molekulare Zielstrukturen). Die Sensitivität der Liquid Biopsy gegenüber der Gewebetestung für den Nachweis von T790M und anderen Mutationen ist inzwischen in mehreren Originalarbeiten und Metaanalysen beleuchtet worden. In allen Studien findet sich die zunächst von Oxnard et al [1341]. berichtete eine False Negative Rate der Liquid Biopsy von ca. 30-35%. In einer Metaanalyse [1342] wird die gepoolte Sensitivität der ctDNA Untersuchung mit 0.67 (95% CI: 0.64–0.70), die ge-poolte Spezifität mit 0.80 (95% CI: 0.77–0.83), die gepoolte positive predictive value (PPV) mit 0.85 (95% CI: 0.82–0.87), und die gepooled negative predictive value (NPV) mit 0.60 (95% CI: 0.56–0.63) angegeben. Allerdings wird die Sensitivität der Liquid Biopsy zunehmend besser, so dass eine höhere Akkuratess der Liquid Biopsy zu erwarten ist.
Die Systemtherapie von EGFR+ NSCLC Patienten nach der ersten Linie richtet sich nach dem Biopsiebefund: falls eine therapierbare Mutation nachgewiesen wird, sollte möglichst versucht werden, entsprechend zielgerichtet zu behandeln. Zulassung in dieser Konstellation besteht aktuell nur für das Osimertinib bei Nachweis einer T790M Mutation bei Versagen von Erst-/Zweitgenerationsinhibitoren. Für andere zielgerichtete Optionen sind mehrere Studien aktiv oder ggf. bestehen zulassungsüberschreitende Therapiemöglichkeiten (off-label oderim Rahmen von Compassionate-Use bzw. Extended Access Programs).
Für Patienten mit einer aktivierenden Mutation und einer T790M Resistenzmutation ist eine Reihe von T790M spezifischen Substanzen in klinischer Erprobung. Osimertinib (AZD 9291) ist die erste T790M spezifische Substanz, die durch die EMA aufgrund von Phase I/II Daten zugelassen ist. AZD 9291 wurde in einer expandierten Phase I und II Studie an 253 Patienten geprüft, 31 Patienten wurden in einer Dosis-Eskalationsteil der Studie behandelt, 222 im Expansionsteil der Studie. In der T790M positiven Gruppe erreichten 61% (78/121 Patienten in der Phase I/II Studie) bzw. 64% (68/107 in der Expansionskohorte) eine CR oder PR, in der T790M negativen Gruppe nur 21% (13/61 Patienten). Das präliminäre PFS in der T790M + Gruppe betrug 9.6 Monate, das PFS in der T790M negativen Gruppe 2,8 Monate [1318]. Das Nebenwirkungsspektrum war mit Grad 3-5 Diarrhoe, Ausschlag, Übelkeit und Inappetenz < 2% ausgesprochen moderat, Therapieabbrüche wurden bei 6% der Patienten in der therapeutischen Dosis von 1x 80 mg beobachtet. Diese Daten führten zu einer Zulassung durch die EMA auch ohne Phase-III-Daten.
Im Februar 2017 wurden die Ergebnisse einer unverblindeten Phase-III-Studie (AURA3, NCT02151981) veröffentlicht, in der die Phase-II-Daten bestätigt wurden [1343]. Es wurden 419 Patienten mit T790M-positivem NSCLC mit Progress nach EGFR-TKI-Therapie entweder mit Osimertinib (80 mg/Tag) oder mit Permetrexed +Caboplatin/Cisplatin behandelt. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 8,3 Monaten zeigte sich in der Osimertinib-Gruppe ein statistisch signifikant längeres PFS (primärer Endpunkt, 10,1 Monate vs. 4,4 Monate, HR: 0,30 [95 %KI 0,23-0,4]). Zum Zeitpunkt der Datenerhebung wurde bei 50% der Patienten unter Osimertinib und bei 79 % in der Kontrollgruppe ein Progress festgestellt. Signifikante Unterschiede zeigten sich auch bzgl. ORR (OR 5.39, 95 KI 3,47 – 8,48) und bzgl. Lebensqualitätsparametern. Die Vorteile von Osimertinib zeigten sich in allen untersuchten Subgruppen (Alter > 65 Jahre, Geschlecht, Asiatisch vs. nicht Asiatisch, Raucher/Nichtraucher, ZNS-Metastasierung, Exon 19 deletation vs.L858R). Nebenwirkungen (nach NCI CTCAE 4.0) traten unter Osimertinib bei 98 % und unter platinhaltigen Chemotherapie + Pemetrexed bei 99 % auf, allerdings mit deutlich weniger schweren Nebenwirkungen unter Osimertinib (Grad 1: 33 % vs. 11%, Grad 2: 42 % vs. 41 %, Grad 3: 23 % vs. 47 %). Zu den häufigsten Nebenwirkungen (alle Schweregrade/ > Grad 3) unter Osimertinib-Therapie gehörten auch in dieser Studie Diarrhoe (41 %/1 %), Ausschlag (34 %/1 %), Inappetenz (18 %/1 %), Übelkeit (16 %/ 1 %) und Fatigue (16 %/1 %). In der Osimertinib-Gruppe kam es zu weniger Therapieabrüchen aufgrund von Nebenwirkungen (7 % vs. 10 %) aber auch zu mehr tödlich verlaufenden Nebenwirkungen (n=4 [2 x Lungenversagen, 1x Pneumonitis, 1x ischämischer Schlaganfall vs. 1 [hypovolämischer Schock)]. Daten zum Gesamtüberleben (sekundärer Endpunkt) wurden auf dem ESMO 2019 Kongreß vorgestellt und zeigten einen numerischen Vorteil für Osimertinib (HR=0.87, p=0.18, 2-Jahres Gesamtüberleben 55% vs. 43%), wobei die große Mehrheit der in den Chemotherapie-Arm randomisierten Patientenanschließend auch Osimertinib erhalten haben (cross-over Rate 71%).
Bei NSCLC Patienten mit EGFR und anderen Treibermutationen kommt relativ häufig (zu ca. 50% durchschnittlich in verschiedenen Serien) vor, dass sich die Progression an einen-zwei Orten beschränkt („Oligoprogression“, OPD), die sich durch Lokaltherapien, vorwiegend Bestrahlung oder Operation, behandeln lassen [1344], [1345], [1346], [1347]. Ein derartiger Einsatz von ablativen Verfahren unter Fortführung der bisherigen molekular-zielgerichteten Systemtherapie hat in mehreren retrospektiven Studien zu einem Time-to-Next-Treatment Benefit (d.h. Hinauszögern des Systemtherapiewechsels) von ca. 5-10 Monate im Median geführt und ist stets von einem Wechsel der Systemtherapie zu prüfen. Vorausssetzung für die Diagnose und Therapie einer Oligoprogression ist eine adäquate Bildgebung, idealerweise mit PET/CT und Hirn-MRT.
Nach Ausschöpfen der zielgerichteten Therapieoptionen war bisher eine Chemotherapie, oder eine Chemo-Immun-Antiangiogenese Therapie Standard. Die Checkpoint-Inhibitor-Monotherapie mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren hat in mehreren Studien eine geringere Wirksamkeit als bei NSCLC Patienten ohne Treibermutation und einen fehlenden Überlebensvorteil gegenüber der alleinigen Chemotherapie gezeigt [1348], [1199], [1349], [1250]. Die einzige Ausnahme bisher ist die Impower150 Studie, bei der Atezolizumab in Kombination mit Bevacizumab, Paclitaxel und Carboplatin gegeben wurde [1350]. Unter der Vierfachtherapie war die Ansprechrate von (in der Mehrzahl TKI-vorbehandelten) EGFR+ NSCLC Patienten 71%, das mediane PFS 10.2 Monate und das mediane OS > 2 Jahre [1157]. Das IMpower150 Regime ist als enzige Form der Immuntherapie explizit für TKI-vorbehandelte EGFR+ und ALK+ NSCLC Patienten von der EMA zugelassen ist. Allerdings war die Studie nicht für einen Überlebensvorteil der Patienten mit Treibermutationen gepowert, eine weitere Studie aus China konnte keinen OS Vorteil nachweisen (Literatur) Chemotherapie in Kombination mit Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapien (Nivolumab und Pembrolizumab) wurden in Phase III Konzepten geprüft und zeigten gegenüber der Chemotherapie-Kombination ohne CPI keinen Vorteil (Literatur).
Mit der Mariposa 2 ist jetzt erstmalig die reine Chemotherapie-Kombination gegenüber einer Chemotherapie mit Amivantamab überprüft. Diese Studie wurde beim ESMO 2023 erstmalig vorgestellt [1324]. In diese dreiarmige Phase III Studie wurden Patienten bei Versagen von Osimertinib in der Erst- oder Zweitlinie eingeschlossen. Sie erhielten eine Therapie mit Amivantamab+ Chemotherapie oder Chemotherapie oder Chemotherapie + Amivantamab + Lazertinib. Der 4-fach Arm erwies sich als zu toxisch, u.a. wegen des Auftretens von thromboembolischen Ereignissen, so dass dieser Arm nicht weiter von dem pharmazeutischen Unternehmen verfolgt wird. Primärer Endpunkt nach Amendment ist das BICR PFS von Chemotherapie vs. Chemotherapie + Amivantamab. Sekundäre Endpunkte sind Ansprechrate, Dauer des Ansprechens, Überleben, intrakranielles PFS, Zeit bis zur nächsten Therapie, PFS2, Zeit bis zur symptomatischen Progression und Sicherheit. Der 3-fach Arm hatte gegenüber der Chemotherapie den primären Endpunkt PFS erreicht mit einer HR von 0,48 (CI 0,36-0,64, p<0,001), 6,3 vs. 4,2 Monate. Die Ansprechrate wurde von 36 % (Chemotherapie) auf 64 % (Amivantamab + Chemotherapie) statistisch signifikant erhöht. Alle präspezifizierten Subgruppen profitierten von der Kombinationstherapie. Die Effektivität im ZNS war mit einer HR von 0,52, CI 0,35-0,78, p=0,001) verbessert. Die intrakranielle Progressionsfreiheit war mit einer HR von 0,55 (CI 0,38-0,79, p=0,001, mPFS 12,5, vs. 8,3 Monate statistisch signifikant verbessert. Die Subgruppe der Patienten mit L858R hatte einen besonderen Benefit mit einer HR von 0,3 (CI 0,17-0,54). Die OS-Daten sind noch unreif, die HR betrug 0,73, CI 0,54-0,99) p=0,039. Die Zeit bis zur symptomatischen Progression oder dem Tod war mit einer HR von 0,73 (CI 0,55-0,96, p=0,026) statistisch signifikant verbessert [1338]. Die Applikation von Amivantamab i.v. ist mit einer hohen Rate von Infusionsreaktionen während des ersten Zyklus vergesellschaftet, so dass eine adäquate Überwachung von Patienten in dem Setting erfolgen sollte. Eine prophylaktische Therapie gegen die EGFR-assoziierten kutanen Nebenwirkungen gemäß des COCOON-Schemas soll durchgeführt werden, da in der COCOON-Studie gezeigt werden konnte, dass die kutanen NW durch eine konsequente Prophylaxe signifikant reduziert werden können.
Eine histologische Transformation zu SCLC findet in ca. 3-10% der Fälle statt und geht mit einem aggressiven Verlauf und medianem Gesamtüberleben <1 Jahr einher. In retrospektiven Studien hat die Chemotherapie mit Platin-Etoposid oder Taxanen hohe Ansprechraten von ca. 50% ermöglicht, aber die Prognose ist schlecht mit einem medianen PFS < 4 Monaten und einem medianen Gesamtüberleben <1 Jahr [1351].
8.6.5 Systemtherapie bei Patienten mit ALK-Translokation (ECOG 0-4)
ALK-Fusionsgene finden sich in ca. 3-4% der NSCLC mit Adenokarzinom-Histologie. Eine Testung vor Beginn der Erstlinientherapie ist obligat (zu Methodik und Qualitätsanforderungen der Diagnostik siehe Kapitel 6.6.10 ).
8.6.5.1 Erstlinientherapie bei Chemotherapie-naiven Patienten
Patienten mit NSCLC im Stadium IV mit einer ALK-Translokation soll in der Erstlinientherapie die Therapie mit einem zugelassenen ZNS-wirksamen ALK-Inhibitor angeboten werden, unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen bevorzugt Lorlatinib, alternativ Alectinib oder Brigatinib.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝
für Lorlatinib
1für Alectinib oder Brigatinib
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1352] [1353] [1354] [1355] [1356] [1357] [1358] [1359] [1360] [1361] [1362] [1363] [1364] [1365]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC im Stadium IV mit einer ALK-Translokation soll in der Erstlinientherapie die Therapie mit einem zugelassenen ZNS-wirksamen ALK-Inhibitor (bevorzugt Alectinib, Brigatinib oder Lorlatinib) angeboten werden.Evidenztabellen (1)
Evidenzprofil_LorlatinibBei akquirierter Resistenz auf einen ALK-Inhibitor sollte eine umfassende Resistenztestung erfolgen. Das Ergebnis der Resistenztestung sollte bei der Auswahl der Folgetherapie berücksichtigt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei akquirierter Resistenz auf einen ALK-Inhibitor sollte eine umfassende Resistenztestung erfolgen. Das Ergebnis der Resistenztestung sollte bei der Auswahl des nachfolgenden ALK-Inhibitors berücksichtigt werden.Hintergrund
Alectinib (Zweitgenerations-Inhibitor)
Alectinib wurde in einer Dosierung von 2x600 mg p.o. gegen Crizotinib 2x250 mg p.o. in der ALEX Studie hinsichtlich des Untersucher-bestimmten PFS als primären Endpunkt geprüft [968]. Weitere Endpunkte waren durch ein unabhängiges Komitee bestimmtes PFS, Zeit bis zur ZNS-Progression, Ansprechrate und Überleben. Mit einer medianen Follow-up Zeit von 17,6 Monaten (Crizotinib) und 18,6 Monaten (Alectinib) war das Prüfer-bestimmte PFS unter Alectinib signifikant günstiger als mit Crizotinib (12 Monate ereignisfreies Überleben: 48,7 vs. 68,4 %, HR 0,47 [95 % CI, 0,34 bis 0,65]; P<0,001); das mediane progressionsfreie Überleben war mit Alectinib nicht erreicht (95 % CI, 17,7 Monate bis nicht bestimmbar), das mediane progressionsfreie Überleben mit Crizotinib betrug 11,1 Monate (95 % CI, 9,1 bis 13,1 Monate). Das durch ein unabhängiges Komitee bestimmte PFS betrug 25,7 Monate (95 % CI, 19,9 bis nicht bestimmbar) vs. 10,4 Monate [95 % CI, 7,7 bis 14,6 Monate] mit einer HR für Progression oder Tod von 0,50 (95% CI, 0,36 bis 0,70; P<0,001.) Das Risiko für eine ZNS Progression betrug 12 % im Alectinib Arm vs. 45 % im Crizotinib Arm mit einer HR von 0,16; 95 % CI, 0,10 bis 0,28; P<0,001). Die Ansprechrate betrug für Alectinib 82,9 % (95 % CI, 76,0 bis 88,5) und für Crizotinib 75,5 % (95% CI, 67,8 bis 82,1 %, p= 0,09). Patienten mit ausmessbaren ZNS-Metastasen hatten eine Ansprechrate im ZNS von 17/21 (81 %, 95% CI, 58 to 95 %) im Alectinib Arm) und von 11/ 22 (50 %) im Crizotinib Arm (95% CI, 28 to 72 %). Eine intrakranielle komplette Remission erreichten 8/21 Patienten unter Alectinib (38 %) und 1/22 Patienten (5 %) mit Crizotinib. Die mediane Dauer des Ansprechens im ZNS betrug 17,3 Monate (95 % CI, 14,8 bis nicht bestimmbar) und 5,5 Monate (95 % CI 2,1 bis 17,3) für Alectinib bzw. Crizotinib.
In einer Auswertung, die beim ESMO 2017 vorgestellt wurde (spätere Publikation), war das Risiko für Patienten mit ZNS-Metastasen nach einem Jahr einen ZNS einen Progress zu erleiden 58,3 % für Crizotinib und 16 % für Alectinib (HR 0,18, 95 % CI 0,09-0,36, p<0,0001). Für Patienten, die keine ZNS-Metastasierung hatten bei Einschluss in die Studie war das Risiko, einen ZNS-Progress zu erleiden 31,5% für Crizotinib und 4,6 % für Alectinib (HR 0,14; 95% CI 0,06-0,22; p<0,0001). Für Patienten, die keine ZNS-Metastasierung hatten bei Einschluss in die Studie war das Risiko, im ZNS einen Progress zu erleiden 31,5% für Crizotinib und 4,6 % für Alectinib (HR 0,14; 95% CI 0,06-0,22; p<0,0001). Beim Datenschluss waren 35 Patienten (23 %) im Alectinib-Arm und 40 Patienten (26 %) im Crizotinib-Arm verstorben. Die 12 Monate Überlebensraten betrugen 84,3 % (95% CI, 78,4 bis 90,2) für Alectinib und 82,5 % (95 % CI 76,1 bis 88,9) für Crizotinib. Die HR für das OS betrug 0,76 (95 % CI, 0,48 bis 1,20) und war nicht signifikant unterschiedlich. Die medianen Überlebensraten waren in beiden Armen nicht erreicht. Grad 3 bis 5 unerwünschte Ereignisse waren insgesamt mit Alectinib seltener als mit Crizotinib (41 % vs. 50 %).
Unerwünschte Ereignisse traten unter Alectinib häufiger auf als unter Crizotinib für folgende Parameter: Anämie: 20 % vs. 5 %, Myalgie: 16 % vs. 2 %, erhöhtes Bilirubin: 15 % vs. 1 %, Gewichtszunahme: 10 % vs. 0 %, Muskel und Knochenschmerzen: 7 % vs. 2 %, erhöhte Lichtempfindlichkeit: 5 % vs. 0 %. Unter Crizotinib traten die folgenden unerwünschte Ereignisse häufiger auf: Übelkeit: 48 % vs. 14 %, Durchfall: 45 % vs. 12 %, Erbrechen: 38 % vs.7 %. Unerwünschte Ereignisse, die zu einer Dosisreduktion, Unterbrechung oder Abbruch der Therapie führten, traten bei der Alectinib-Therapie bei 16 %, 19 %, und 11 % der Patienten auf und im Crizotinib-Arm bei 21 %, 25 %, und 13 % der Patienten.
In der finalen Studienanalyse betrug das Investigator-ermittelte mediane PFS 34.8 Monate (95% CI 17.7–NR) für Alectinib vs. 10.9 Monate (95% CI 9.1–12.9) für Crizotinib (ITT stratified HR 0.43, 95% CI 0.32–0.58;) Das mediane Follow Up des OS betrug 48,2 Mon. bei Alectinib und 23,3 Monate bei Crizotinib. Die OS-Daten verbleiben noch unreif (37% Events). Das mOS wurde mit Alectinib nicht erreicht vs. 57,4 Monate mit Crizotinib (stratified HR 0,67, 95% CI, 0,46-0,98). Das 5-Jahres-Überleben war 62,5% (95% CI 54,3-70,8) mit Alectinib und 45,5% (95% CI 33,6-57,4) mit Crizotinib, mit 34,9%, bzw. 8,6% der Patienten in der Studienbehandlung verbleibend. Der OS-Vorteil von Alectinib bestand auch bei Patienten mit ZNS-Metastasen bei Beginn der Studie [HR 0,58 (95& CI 0,34-1,00] und bei Patienten ohne ZNS-Metastasen [HR 0,76 (95% CI 0,45-1,26]. [1366]
Brigatinib (Zweitgenerations-Inhibitor)
Brigatinib ist ein Inhibitor von ALK und von EGFR. Es ist zugelassen für die Erst- und Zweitlinientherapie des ALK+ NSCLC. Brigatinib führte in der Phase III Zulassungsstudie ALTA-L1 gegenüber Crizotinib zu einer signifikanten Erhöhung der Remissionsrate und zu einer signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens mit einer Hazard Ratio von 0,48. Brigatinib führte in der Gesamtpopulation nicht zu einer signifikanten Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit bei allerdings noch nicht finalen Daten und hoher Crossover-Rate. In der Gruppe der Pat. mit einer primären ZNS Metastasierung konnte ein signifikanter Überlebensvorteil gegenüber Crizotinib gezeigt werden (HR 0,43; p=0,02) [1358]; [1359]; [1360]. In der Erstlinientherapie führte Brigatinib gegenüber Crizotinib zu einer Senkung des kombinierten Endpunktes progressionsfreien Überlebens und Tod (HR 0,49; Median noch nicht erreicht). Schwere Nebenwirkungen im CTCAE Grad 3/4 traten in der Zulassungsstudie bei 69,1% der Pat. unter Brigatinib auf. Schwere Nebenwirkungen, die bei mehr als 5% der Pat. auftraten, waren Hypertonie und Erhöhung der CK. Ebenfalls beobachtet wurden eine Erhöhung von Amylase und Lipase. Pulmonale Nebenwirkungen Grad 3/4 traten früh in der Behandlung in 2,7 % der Pat. auf.
Brigatinib in der Zweitlinientherapie nach Crizotinib wurde in der ALTA Phase I/II Studie geprüft, hierbei wurden 2 Dosen (90 und 180 mg randomisiert). 79/137 hatten ein ALK + NSCLC, von denen 71 eine Vortherapie mit Crizotinib hatten. Mit einem medianen Follow up von 27,7 Monaten war das investigator evaluierte PFS bei 14,5 Monaten (95% CI]: 10.8-21 Monate), das OS bei 47,6 (95% CI: 28,6 – nicht erreicht). Die Outcome Daten waren in dem 180 mg Arm günstiger als im 90 mg Arm: medianes PFS 9,2 Monate (7.4-11.1) vs. 15,6 Monate (11.1-18.5) , Medianes Überleben 25,9 (18.2-45.8) vs. 40,6 (32.5-nicht erreicht) Monate. Das mediane intracranielle PFS für Patienten mit Hirnmetastasenbetrug 12,8 (9.2-18.4) vs. 18,4 (12.6-23.9) Monate. [1361]
In der einarmigen Phase II ALTA 2 Studie wurden Patienten mit Progress nach Alectinib oder Ceritinib eingeschlossen. Von 103 Patienten war die independent review committee erhobene ORR 26,2% (95% CI: 18.0-35.8), die mediane Ansprechdauer betrug 6,3 Monate (95% CI: 5.6-nicht erreicht, das mediane PFS 3,8 Monate (95% CI: 3.5-5.8). Von 86 Patienten, die unter Alectinib progredient waren, betrug die IRC-ORR 29,1% (95% CI: 19.8-39.9); das mPFS war 3,8 Monate (95% CI: 1.9-5.4). Somit ist von einer limitierten Effektivität von Brigatinib nach Alectinib oder Ceritinib Versagen auszugehen.Die häufigsten AE’s waren CK Erhöhungen (32%) und Durchfall (27%). [1362]
Lorlatinib (Drittgenerations-Inhibitor)
Lorlatinib in einer Dosierung von 100 mg tgl. p.o. wurde in der randomisierten Phase-III-Studie CROWN mit Crizotinib (2x250mg tgl. p.o.) verglichen (n = 296). Primärer Endpunkt war das durch ein zentrales verblindetes Komitee beurteilte progressionsfreie Überleben. Die primäre Analyse erfolgte nach einem medianen Follow-up für das PFS von 18,3 Monaten, auf dem AACR 2022 wurde ein Update mit einem medianen Follow-up von 36,7 Monaten präsentiert [1363], [1364] und auf dem ASCO 2024 das 5-Jahres Update der Studie vorgestellt https://meetings.asco.org/abstracts-presentations/232406.
Beim verblindet beurteilten PFS zeigte sich in der primären Analyse ein signifikanter Vorteil von Lorlatinib gegenüber Crizotinib, die Hazard Ratio lag bei 0,28 (95% KI: 0,19-0,41; p<0.001). Die objektive Ansprechrate (ORR) lag im Lorlatinib-Arm bei 76% (95% KI: 68%-83%), im Crizotinib-Arm bei 58% (95% KI: 49%-66%). Bei Patienten mit messbaren ZNS-Metastasen lag die intrakranielle ORR bei Patienten, die Lorlatinib erhielten, bei 82% (95% KI: 57%-96%), bei Patienten, die Crizotinib erhielten, lag sie bei 23% (95% KI: 5%-54%). Eine CR (Komplette Rremission) zeigte sich unter Lorlatinib bei 71% der Patienten, unter Crizotinib bei 8% der Patienten. Die Hazard Ratio für die Zeit bis zur intrakraniellen Progression unter Lorlatinib im Vergleich zu Crizotinib lag bei 0,07 (95% KI: 0,03-0,17). Die häufigsten unter Lorlatinib aufgetretenen unerwünschten Ereignisse waren Hyperlipidämien, Ödeme, Gewichtszunahme, periphere Neuropathie und kognitive Effekte. Unerwünschte Ereignisse von Grad 3 oder 4 traten unter Lorlatinib häufiger auf als unter Crizotinib (72% vs. 56%), mehr als die Hälfte der Grad 3-4 Ereignisse im Lorlatinib-Arm waren hierbei Erhöhungen von Cholesterin, Triglyceriden oder beidem. Die Rate der Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen lag bei Lorlatinib bei 7%, bei Crizotinib bei 9%. [1363]
Die Analyse, die beim AACR 2022 vorgestellt wurde, bestätigte die zuvor gezeigte Wirksamkeit mit einem medianen Follow-up von 36,7 Monaten. Die PFS Hazard Ratio lag in dieser Analyse bei 0,27 (95% KI: 0,184-0,388), eine Landmarkanalyse bei 36 Monaten zeigte eine PFS-Rate von 63,5%. Die Hazard Ratio für die Zeit bis zur intrakraniellen Progression lag bei 0,08 (95% KI: 0,040-0,174). In dieser Analyse wurden Ergebnisse auch separat nach dem Stratifizierungsfaktor Baseline-Hirnmetastasen präsentiert. Von den Patienten mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn hatten nach 36 Monaten 72,8% noch keine zerebrale Progression erlitten (Hazard Ratio: 0,10; 95% KI: 0,037-0,268), von den Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn waren nach 36 Monaten noch 99,1% frei von einer intrazerebralen Progression (Hazard Ratio: 0,02; 95% KI: 0,002-0,136). Es zeigten sich in dieser Analyse keine neuen Sicherheitssignale, die Raten von Grad 3-4 unerwünschten Ereignissen lagen bei 76% vs. 57% für Lorlatinib bzw. Crizotinib, die toxizitätsbedingten Abbruchraten bei 7% vs. 10% für Lorlatinib bzw. Crizotinib [1364].
Das auf dem ASCO 2024 vorgestellte 5-Jahres Update bestätigte weiterhin die sehr niedrige PFS HR von Lorlatinib gegenüber Crizotinib (HR, 0.19; 95% CI, 0.13-0.27). Ferner war das mediane PFS nach 5 Jahren immer noch nicht erreicht und die 5-Jahres PFS Rate betrug 60%, was sich nur geringfügig vom 63.5% unter Lorlatinib nach 3 Jahren (s.o.) unterscheidet und deutlich höher liegt als die bislang beobachteten PFS-Raten mit anderen ALK-Inhibitoren. Bei Patienten mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn führte Lorlatinib nach 5-jähriger Nachbeobachtungszeit in der CROWN-Studie zu einem hohen intrakraniellen Ansprechen, bei der es sich größtenteils um ein vollständiges und dauerhaftes Therapieansprechen handelte, und nur 5 von insgesamt 35 Patienten erlebten eine intrakranielle Progression, und zwar alle innerhalb der ersten 30 Monate. Bei Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn entwickelten in der Lorlatinib-Gruppe nur 4 der 114 Patienten intrakranielle Läsionen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Lorlatinib sowohl bei der Kontrolle bereits bestehender Hirnmetastasen als auch beim Schutz vor der Entwicklung neuer Hirnmetastasen wirksam ist. In Bezug auf Sicherheit ergaben sich keine neuen Aspekte. [1365]
Crizotinib (Erstgenerations-Inhibitor)
Mit Crizotinib wird in der Erstlinienbehandlung ALK positiver NSCLC Patienten im Vergleich zu platinbasierter Standardtherapie ein signifkant besseres PFS, eine höhere ORR, eine bessere Symptomreduktion und eine höhere Lebensqualität erreicht [1352]. Ein Vorteil für das Gesamtüberleben konnte aufgrund des erlaubten Crossovers in der randomisierten Studie nicht gezeigt werden. Ein Überlebensgewinn durch Crizotinib bei ALK + NSCLC Patienten wird jedoch durch Registerdaten nahegelegt. So betrug in einer Kohorte des Netzwerks Genomische Medizin von 168 ALK+ Patienten das mediane Überleben mit Chemotherapie alleine (n=42) 9 Mon., bei Einsatz von Crizotinib (n=71) 31 Monate (HR 0.235 (95% CI 0.4-61.6, p<0.001)[1354].
In der Profile-1014-Studie [1352], einer Phase III Studie (n=343) in Patienten mit fortgeschrittenem nicht vorbehandeltem Nicht-Plattenepithelkarzinom der Lunge, wurde eine Behandlung mit Crizotinib-Monotherapie (2x250 mg täglich) mit Platinbasierter Chemotherapie (Cisplatin 75mg/m2 oder Carboplatin AUC 5,6) in Kombination mit Pemetrexed 500mg/m2 alle 3 Wochen, bis zu 6 Zyklen) verglichen. Crossover nach Chemotherapieversagen zu einer Crizotinib-Behandlung war erlaubt. Das mediane PFS (primärer Endpunkt) war für Crizotinib mit 10.9 Mon. vs. 7.0 Mon. signifikant überlegen (HR 0.45), die ORR ebenfalls mit 74% vs. 45% (p<0.001). Eine Verlängerung des Gesamtüberlebens konnte aufgrund der Crossover-Option nicht beobachtet werden (70% der Patienten im Chemotherapiearm wurden bei Progress mit Crizotinib behandelt). Crizotinib-spezifische Nebenwirkungen beinhalteten Sehstörungen, gastrointestinale Nebenwirkungen, Ödeme, Bauchschmerzen und asymptomatische Leberwerterhöhungen. Bis auf die Laborveränderungen waren schwere (CTC grade 3,4) symptomatische Nebenwirkungen alle im niedrigen einstelligen Prozentbereich (Häufigkeit Grad 3,4 NW: Erhöhte Transaminasen 14%, Sehprobleme 1%, Diarrhoe 2%, Ödeme 1%, Erbrechen 2%, Kopfschmerzen 1%). Ein Crizotinib-assoziierter Todesfall in der gesamten Studie war durch eine Pneumonitis verursacht. Lebensqualitätsuntersuchungen ergaben einen hochsignifikanten Vorteil für Crizotinib. Lebensqualitätsanalysen wurden mit den QLQ-C30-, QLQ-LC13 und EQ-5D Scores gemessen. Die Verbesserung der LQ, ausgehend vom Therapiebeginn, war unter Crizotinib signifikant besser (p<0.001). Auch die Verbesserung physikalischer, sozialer und emotionaler Funktionsbereiche war, ausgehend vom Therapiebeginn, unter Crizotinib signifikant besser (p<0.001). Ein signifikanter Vorteil (p<0.001) wurde auch für die Symptomkontrolle (Dyspnoe, Husten, Atemnot, Schmerzen (QLQ-LC13)) gesehen [1352].
Ceritinib (Zweitgenerations-Inhibitor)
Mit Ceritinib wird in der Erstlinienbehandlung ALK positiver NSCLC Patienten im Vergleich zu einer platinbasierter Standardtherapie ein signifikant besseres PFS, eine höhere ORR, eine bessere Symptomreduktion und eine höhere Lebensqualität erreicht [1353]. Ein Vorteil für das Gesamtüberleben konnte (vermutlich aufgrund des erlaubten Crossovers) in der randomisierten Studie nicht gezeigt werden.
In der ASCEND-4 Studie [1353], einer Phase-III-Studie (n=376) bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht vorbehandeltem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom, wurde eine Behandlung mit Ceritinib-Monotherapie (1x750 mg täglich) mit Platinbasierter Chemotherapie (Cisplatin 75mg/m2 oder Carboplatin AUC 5,6) in Kombination mit Pemetrexed 500mg/m2 alle 3 Wochen, bis zu 6 Zyklen) verglichen. Crossover nach Chemotherapieversagen zu einer Ceritinib-Behandlung war erlaubt. Das mediane PFS (primärer Endpunkt) war für Ceritinib mit 16.6 Mon. vs. 8.1 Mon. signifikant überlegen (HR 0.55). Die ORR war mit 72,5% vs. 26,7% ebenfalls deutlich überlegen. Eine Verlängerung des Gesamtüberlebens konnte nicht beobachtet werden (aufgrund eines erlaubten Cross-overs wurden 72% der Patienten im Chemotherapiearm bei Progress mit Ceritinib oder einem anderen ALK-Inhibitor behandelt). Ceritinib–spezifische Nebenwirkungen beinhalteten gastrointestinale Nebenwirkungen und asymptomatische Leberwerterhöhungen. Bis auf die Laborveränderungen waren schwere (CTC grade 3,4) symptomatische Nebenwirkungen alle im einstelligen Prozentbereich (Häufigkeit Grad 3,4 NW: Erhöhte Transaminasen 17-31%, Diarrhoe 5%, Erbrechen 5%) Lebensqualitätsuntersuchungen ergaben einen signifikanten Vorteil für Ceritinib. Lebensqualitätsanalysen wurden mit den LCSS, QLQ-C30-, QLQ-LC13 und EQ-5D Scores durchgeführt. Die Verbesserung der LQ, ausgehend vom Therapiebeginn, war unter Ceritinib signifikant besser. Auch die Verbesserung physikalischer, sozialer und emotionaler Funktionsbereiche war, ausgehend vom Therapiebeginn, unter Ceritinib signifikant besser. Ein signifikanter Vorteil wurde auch für die Symptomkontrolle (Dyspnoe, Husten, Atemnot, Schmerzen (QLQ-LC13)) gesehen. Nur in den Bereichen die mit gastrointestinalen Beschwerden verknüpft waren, zeigte sich eine Verschlechterung für Ceritinib [1353]. Die Ergebnisse der Lebensqualitätsanalysen unterliegen allerdings einem hohen Verzerrungsrisiko, da bereits nach dem 2. Zyklus der Chemotherapie nur noch wenige Responder für die Lebensqualitätsanalysen berücksichtigt werden konnten.
Gastrointestinale Nebenwirkungen einer Ceritinib Therapie lassen sich durch Einnahme einer verringerten Dosis von 450 mg zusammen mit einer leichten Mahlzeit reduzieren [1356]. Die Bioverfügbarkeit von Ceritinib steigt durch die gleichzeitige Nahrungsaufnahme an. Die Dosierung „450 mg mit einer leichten Mahlzeit“ ist bioäquivalent zu einer Dosis von „750 mg auf nüchternen Magen“. Ein head-to head Vergleich zwischen Crizotinib und Ceritinib liegt nicht vor.
8.6.5.2 Zweitlinientherapie nach Versagen einer platinbasierten Standardchemotherapie
ALK positiven NSCLC-Patienten Stadium IV mit Progress nach platinbasierter Standardchemotherapie, die in der Erstlinie keinen ALK-Inhibitor erhalten haben, soll ein ALK-Inhibitor analog der empfohlenen Erstlinientherapie angeboten werden.
(siehe Kapitel Erstlinientherapie bei Chemotherapie-naiven Patienten)
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1367] [1291] [1368]
Änderungshinweis
ALK positiven NSCLC-Patienten mit Progress nach platinbasierter Standardchemotherapie, die in der Erstlinie keinen ALK-Inhibitor erhalten haben, soll Crizotinib an-geboten werden.Evidenztabellen (1)
Evidenzprofil_LorlatinibHintergrund
Im direkten head-to-head Vergleich gegen Crizotinib haben sowohl Alectinib als auch Brigatinib eine deutliche Überlegenheit gezeigt, weswegen diese beiden Medikamente als initialer ALK TKI dem Crizotinib vorzuziehen sind, selbst wenn nur die ALTA-1L [1368], aber nicht die ALEX Studie Chemotherapie-vorbehandelte Patienten eingeschlossen hat (siehe Kapitel zur Erstlinientherapie). Mit Crizotinib (2x250mg täglich) wiederum wurde in ALK-Inhibitor naiven Patienten nach platinbasierter Standardchemotherapie in der randomisierten Profile-1007-Studie mit 374 Patienten ein signifikant besseres PFS (7.7 Mon. vs. 3.0 Mon., signifikant überlegen, HR 0.49), eine höhere ORR (65% vs. 20%; p<0.001), eine bessere Symptomreduktion und eine höhere Lebensqualität als mit Pemetrexed (500 mg/m2 oder Docetaxel (75mg/m2), jeweils alle 3 Wochen erreicht [1367]. Ein Vorteil für das Gesamtüberleben konnte aufgrund des erlaubten Crossovers in der randomisierten Studie nicht gezeigt werden, es gibt jedoch entsprechende Hinweise aus Registerdaten [1291].
8.6.5.3 Therapie nach Crizotinib-Versagen
ALK-Inhibitoren der zweiten oder dritten Generation sollen ALK-positiven NSCLC-Patienten Stadium IV bei Crizotinib-Versagen angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1369]
Änderungshinweis
ALK-Inhibitoren der zweiten Generation sollen ALK positiven NSCLC Patienten bei Crizotinib/ALK-TKI Versagen angeboten werden.Bei NSCLC Stadium IV mit akquirierter ALK-TKI-Resistenz sollte vor Wechsel der Systemtherapie eine Gewebebiopsie und/oder eine Liquid Biopsy zur Bestimmung von Resistenzmechanismen durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei Zulassung neuer-ALK Inhibitoren sollte eine Rebiopsie in Analogie zur akquirierten EGFR-Resistenz erfolgen.Bei Nachweis von "off-target", ALK-unabhängigen Resistenzmechanismen, die potenziell therapierbar sind, sollten ALK positive NSCLC-Patienten Stadium IV in Studien eingeschlossen werden. Falls dies nicht möglich ist, sollte der Einsatz von potenziell wirksamen Substanzen, ggf. nach Diskussion in einem Thorax-Onkologischen Tumorboard, unabhängig vom Zulassungsstatus erwogen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
ALK positive NSCLC-Patienten mit Versagen von zugelassenen ALK-Inhibitoren soll-ten nach Möglichkeit in klinische Studien oder Compassionate-Use-Programme mit weiteren ALK-Inhibitoren eingeschlossen werden. Falls dies nicht möglich ist, wer-den sie mit Chemotherapie entsprechend Wildtyp-Patienten behandelt. Pemetrexed hat die höchste intrinsische Effektivität bei ALK + Tumoren.Hintergrund
Nach Versagen einer Therapie mit dem Erstgenerations-ALK-Inhibitor Crizotinib haben ca. 50-70% der Patienten eine weiterhin ALK-abhängige Erkrankung und werden auf eine Folgetherapie mit einem anderen, potenteren ALK-Inhibitor ansprechen [1370]. Durch eine Tumorrebiopsie können ALK-Resistenzmutationen in ca. 20-30% der Fälle nachgewiesen werden, es sprechen aber auch viele „negative“ Fälle (d.h. Fälle ohne Nachweis einer ALK-Resistenzmutation in der Rebiopsie) auf einen weiteren ALK-Inhibitor an. Daher sind sämtliche Zulassungen von ALK-Inhibitoren ab der Zweitlinientherapie nicht an den molekularen Ergebnissen einer Rebiopsie gekoppelt.
Nichtdestotrotz wird eine Rebiopsie mit NGS-Testung generell empfohlen, da im Falle eines positiven Befundes, die Art der nachgewiesenen ALK-Resistenzmutation (z.B. die Gatekeeper G1202R Mutation in ca. 10% der Fälle) oder einer sonstigen, off-target Resistenz (ggf. Genamplifikationen) eine rationale Priorisierung der Nachfolgetherapieoptionen ermöglicht und ggf. auch prognostische Informationen liefert. Im Falle, dass der NGS-Befund aus der Rebiopsie eine sonstige, potentiell therapierbare akquirierte Alteration ergibt, kann der Patient ggf. im Rahmen einer Studie oder ggf. off-label oder im Rahmen von Compassionate-Use bzw. Extended Access Programs weiterbehandelt werden. Die Therapiesteuerung des ALK+ NSCLC basierend auf den molekularen Eigenschaften des Tumors ist eine sehr dynamisches Feld und Gegenstand von laufenden Studien, daher ist auf jeden Fall empfohlen, die Patientenbehandlung im Austausch mit einem spezialisierten Zentrum durchzuführen.
Basierend auf Phase-II-Studiendaten sind inzwischen sind mehrere Zweit- (Ceritinib, Alectinib, Brigatinib) und Drittgenerations (Lorlatinib)-ALK-Inhibitoren für die Behandlung von Patienten nach Crizotinib-Versagen zugelassen. Unten werden diese in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet:
- Alectinib zeigte in einer Phase II Studie eine Ansprechrate von 50%, ein medianes PFS von 8.9 Monaten (n=138) [1371]. Bei Patienten mit evaluierbaren Hirnmetastasen war die intrakranielle Anpsrechrate 57% (n=35). In einer anderen Phase II Studie war die Ansprechrate 48% und das mediane PFS 8.1 Monate (n=87) [1372]. Die intrakranielle Anpsrechrate war 43% gepooled in beiden Studien [1373]. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Obstipation (36% der Patienten, n=31/87), Fatigue (33%, n=29/87), Myalgie (24%, n=21/87), und peripheres Ödem (23%, n=20/87) [1373]. Die häufigsten Grad ≥3 AEs waren Laborveränderungen inkl. Erhönung der CPK (8%, n=7/87), ALT (6%, n=5/87), und AST (5%, n=4/87)[1372].
- Brigatinib zeigte in einer randomisierten Phase II Studie ein medianes PFS von 16.7 Monaten in der Dosis von 180mg/Tag (mit einem 7-tägigen lead-in von 90 mg/Tag, n=110) und 9.2 Monaten in der Dosis von 90 mg/Tag (n=112) [1374]. Die Ansprechraten waren 55% und 51% entsprechend. Bei Patienten mit messbaren Hirnmetastasen war die intrakranielle Anpsrechrate 67% (n=18) und 50% (n=26) entsprechend. In einer früheren mehrarmigen Phase I/II Studie wurden in der Kohorte von Crizotinib-refraktären Patienten (n=42) eine Ansprechrate von 74% und ein medianes PFS von 14.5 Monaten beobachtet [1375]. Die häufigsten Nebenwirkungen im 180mg/Tag Arm waren Übelkeit (40%) und Durchfall (38%), Kopfschmerzen (27%), Husten (34%) [1374]. Die häufigsten Grad ≥ 3 TEAEs waren Hypertonie (6%), CPK Erhöhung (9%), Pneumonitis (5%), und Lipaseerhöhung (3%) .
- Ceritinib zeigte in der randomisierten Phase III ASCEND-5 Studie eine Anpsrechrate von 39% und ein medianes PFS von 5.4 Monaten (n=115) in Crizotinib-refraktären Patienten [1376]. In den früheren ASCEND-2 (Phase II, n=140) und ASCEND-1 (Phase I, n=163) Studien zeigte Ceritinib eine Apsrechrate von 39-56% und ein medianes PFS von 5.7-6.9 Monaten [1377]. Die intraktranielle Ansprechrate in der ASCEND-2 Studie war 45% (n=20 analysierte Patienten). Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit (58 %), Diarrhö (68 %), Erbrechen (44 %), Fatigue (22 %) und erhöhte Transaminasen (22-23 %) sowie Gewichtsabnahme (27 %) allerdings im Wesentlichen nicht schwerer Graduierung. Schwere Nebenwirkungen (Grad 3,4) beinhalteten Transaminasenerhöhung (1-3 %) und Dyspnoe (2 %)[1376].
- Lorlatinib hat in einer mehrarmige Phase II Studie eine Anpsrechrate von 70% und ein medianes PFS von 11.1 Monaten in der Kohorte von Crizotinib-refraktären Patienten (EXP2+EXP3A, n=59) gezeigt. Für Patienten mit Hirnmetastasen war die intrakranielle Ansprechrate 87% (n=23) [1378][1378][1379]. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Hypercholesterolaemie (224 [81%] von 275 Patienten), Hypertriglyzeridämie (166 [60%] Patienten), Ödem (119 [43%] Patienten), und periphere Neuropathie (82 [30%] Patienten). Die häufigsten Grad 3–4 Nebenwirkungen waren Hypercholesterolämie und Hypertriglyzeridämie (jeweils in 43 [16%] von 275 Patienten). Schwerwiegende therapieassoziierte Nebenwirkungen wurden in 19 (7%) von 275 Patienten beobachtet, und die häufigsten waren kognitiver Natur (zwei [1%] Patienten). Unter den 262 Patienten, welche bzgl. Gewichtszunahme evaluiert wurden, 80 (31%) hatten eine Gewichtszunahme von 10–20% verglichen mit ihrem Baseline Gewicht und 33 (13%) hatten eine Zunahme von 20% or mehr [1379].
8.6.5.4 Therapie nach Versagen von Zweit- und Drittgenerations-ALK-Inhibitoren
Bei oligoprogredienten Fällen soll die Möglichkeit einer Lokaltherapie interdisziplinär geprüft werden.
- Konsens
- Starker Konsens (95%)
Bei ALK+ NSCLC-Patienten Stadium IV mit Versagen eines Zweitgeneration-TKI (Ceritinib, Alectinib, Brigatinib) soll die Behandlung mit dem Drittgenerations-ALK-Inhibitor Lorlatinib angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1378]
Bei Nachweis von "off-target", ALK-unabhängigen Resistenzmechanismen, die potentiell therapierbar sind, sollten ALK+ NSCLC-Patienten Stadium IV in Studien eingeschlossen werden. Falls dies nicht möglich ist, sollte der Einsatz von potentiell wirksamen Substanzen, ggf. nach Diskussion in einem Thorax-Onkologischen Tumorboard, unabhängig vom Zulassungsstatus erwogen werden.
- Konsens
- Konsens (94%)
Hintergrund
Nach Versagen einer Therapie mit Zweitgenerations-ALK-Inhibitoren (Ceritinib, Alectinib, Brigatinib) besteht heutzutage als einzige zugelassene Therapieoption die Behandlung mit Lorlatinib. In den entsprechenden Armen der globalen Phase-II-Studie (EXP3B-5) war das Ansprechen 40% und das mediane PFS 6.9 Monate [1378]. Bei Fällen mit Nachweis einer ALK-Resistenzmutation in einer Geweberebiopsie waren sowohl die Ansprechrate (69% vs. 27%) als auch das mediane PFS (11.0 vs. 5.4 Monate) besser als bei Fällen mit negativem Befund. Die Häufigkeit von ALK-Resistenzmutationen in Rebiopsien nach Versagen von Zweitgenerations-ALK-Inhibitoren ist auch höher (50-60%) als in Rebiopsien nach Crizotinib-Versagen. Wiederum spricht auch nach Versagen von Zweitgenerations-ALK-Inhibitoren ein wesentlicher Anteil von Patienten mit negativen NGS-Befunden auf eine Nachfolge-TKI-Therapie, diesmal mit Lorlatinib, an (ca. 30%), so dass diese in jedem Fall erwogen werden sollte. Die Zulassung von Lorlatinib in dieser Situation ist nicht gekoppelt an molekularen Befunden einer Rebiopsie. Nichtdestotrotz ist eine Rebiopsie mit NGS-Testung bei Progreß unter einem Zweitgenerations-ALK-Inhibitor generell empfohlen, weil sie je nach Art der nachgewiesenen ALK-Resistenzmutation (z.B. die Gatekeeper G1202R Mutation in ca. 35% alle getesteten Fälle) oder einer sonstigen, off-target Resistenz (z.B. MET Amplifikation) eine Priorisierung der Nachfolgetherapieoptionen ermöglicht und ggf. auch prognostische Informationen liefert. Im Falle, dass der NGS-Befund aus der Rebiopsie eine sonstige, potentiell therapierbare akquirierte Alteration ergibt, kann der Patient ggf. im Rahmen einer Studie oder ggf. off-label oder im Rahmen von Compassionate-Use bzw. Extended Access Programs weiterbehandelt werden. Die Therapiesteuerung des ALK+ NSCLC basierend auf den molekularen Eigenschaften des Tumors ist ein sehr dynamisches Feld und Gegenstand von laufenden Studien, daher ist auf jeden Fall empfohlen, die Patientenbehandlung im Austausch mit einem spezialisierten Zentrum durchzuführen.
Brigatinib ist der potenteste derzeit verfügbare Zweitgenerations-ALK-Inhibitor und wird im Rahmen einer Phase-II-Studie (BRIG-2002) als Nachfolgetherapie von Patienten mit Versagen der weniger starken Zweitgenerations-ALK-Inhibitoren Ceritinib oder Alectinib getestet [1380]. Von den Ergebnissen dieser Studie wird abhängen, ob eine Empfehlung auch für Brigatinib als Folgetherapie nach Versagen von anderen Zweitgenerations-ALK-Inhibitoren erteilt wird. Real-world Daten aus dem Brigatinib Compassionate-Use Program zeigen allerdings dass Brigatinib eine klinisch relevante Wirksamkeit bei vielen Patienten mit Lorlatinib-Versagen zeigt mit einer medianen Time-to-Next-Treatment von 7.5 Monaten [1381]. Da Brigatinib auch besser verträglich als die Chemotherapie, kann daher eine Therapieversuch mit Brigatinib nach Lorlatinib-Versagen bei Fällen, die zuvor kein Brigatinib hatten, erwogen werden.
Ähnlich zu EGFR+ NSCLC kann auch bei ALK+ NSCLC zum Zeitpunkt des TKI-Versagens eine an 1-2 Orten beschränkte Oligoprogression in ca. 50% der Fälle auftreten. Unter Anwendung von Lokaltherapien, vorwiegend Radiotherapie oder Chirurgie, beträgt der Benefit in der Time-to-Next-Treatment (d.h. das Hinauszögern des Systemtherapiewechsels) im Median ca. 5-10 Monate [1345][1382]
8.6.5.5 Therapie nach Versagen der zugelassenen ALK-Inhibitoren
Bei oligoprogredienten Fällen soll die Möglichkeit einer Lokaltherapie interdisziplinär geprüft werden.
Wegen der Möglichkeiten der lokalen Therapie bei ZNS-Metastasen sollte bei ALK + Tumoren eine regelmäßige Bildgebung des ZNS, auch bei asymptomatischen Patienten, alle 3-9 Monate erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Bei Nachweis von "off-target", ALK-unabhängigen Resistenzmechanismen, die potentiell therapierbar sind, sollten ALK+ NSCLC-Patienten Stadium IV in Studien eingeschlossen werden. Falls dies nicht möglich ist, sollte der Einsatz von potentiell wirksamen Substanzen, ggf. nach Diskussion in einem Thorax-Onkologischen Tumorboard, unabhängig vom Zulassungsstatus erwogen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Nach Ausschöpfen der molekular zielgerichteten Therapieoptionen sollte bei ALK+ NSCLC-Patienten Stadium IV analog zur Erstlinientherapie Wildtyp vorgegangen werden.
Als Chemotherapie hat Pemetrexed die höchste intrinsische Effektivität bei ALK+ Tumoren. Als Chemoimmuntherapie kann eine Kombinationstherapie mit Paclitaxel, Carboplatin, Bevacizumab und Atezolizumab (IMpower150) angeboten werden.
Änderungshinweis
ALK positive NSCLC-Patienten mit Versagen von zugelassenen ALK-Inhibitoren sollten nach Möglichkeit in klinische Studien oder Compassionate-Use-Programme mit weiteren ALK-Inhibitoren eingeschlossen werden. Falls dies nicht möglich ist, wer-den sie mit Chemotherapie entsprechend Wildtyp-Patienten behandelt. Pemetrexed hat die höchste intrinsische Effektivität bei ALK + Tumoren.Hintergrund
Nach jedem Therapieversagen unter einem ALK-Inhibitor ist eine Rebiopsie mit NGS-Testung anzustreben. Im Falle, dass der NGS Befund eine sonstige, potentiell therapierbare akquirierte Alteration ergibt, kann der Patient ggf. im Rahmen einer Studie oder ggf. off-label oder im Rahmen von Compassionate-Use bzw. Extended Access Programs weiterbehandelt werden. Ist keine molekuler zielgerichtete Therapieoption mehr möglich, werden diese Patienten in Abhängigkeit von ihrem Allgemeinzustand analog Patienten mit EGFR/-ALK-negativen NSCLC behandelt.
Für vorbehandelte EGFR+/ALK+ NSCLC Patienten hat die Immuntherapie mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren in mehreren Studien eine geringere Wirksamkeit als bei NSCLC Patienten ohne Treibermutation und einen fehlenden Überlebensvorteil gegenüber der alleinigen Chemotherapie gezeigt [1348][1349][1250][1198][1199]. Die einzige Ausnahme bisher ist die Impower150 Studie, bei der Atezolizumab in Kombination mit Bevacizumab, Paclitaxel und Carboplatin gegeben wurde [1350]. Unter der Vierfachtherapie war die Ansprechrate von (in der Mehrzahl TKI-vorbehandelten) EGFR/ALK+ NSCLC Patienten 71%, das mediane PFS 10.2 Monate und das mediane OS > 2 Jahre [1157]. Es muß hier angemerkt werden, dass die Anzahl der ALK+ Patienten in der Impower150 sehr gering war (n=31). Nichdestotrotz ist diese Vierfachtherapie aktuell die einzige vertretbare Strategie, Immuntherapie bei ALK+ Patienten durchzuführen und als einzige von der EMA explizit für TKI-vorbehandelte ALK+ NCSLS Patienten zugelassen. Andere Therapiemöglichkeiten sind eine platinbasierte Chemotherapie (ggf. als Tripple in Kombination mit Bevacizumab) oder eine Monochemotherapie (siehe Kapitel 8.6.3 und Kapitel 8.6.4). Pemetrexed scheint die höchste intrinsische Aktivität unter den Monotherapien zu haben, da in der Zweitlinienstudie zum Einsatz von Crizotinib vs. Zweitlinienchemotherapie die Ansprechrate (29% vs. 7%) und das PFS (4.2 vs. 2.6 Monate) mit Pemetrexed höher lagen als mit Docetaxel [1367].
8.6.6 Systemtherapie bei Patienten mit ROS1-Fusionsgenen (ROS1 + NSCLC)
ROS1-Fusionsgene finden sich in ca. 1-2 % der NSCLC mit Adenokarzinom-Histologie. Eine Testung vor Beginn der Erstlinientherapie ist obligat (zu Methodik und Qualitätsanforderungen der Diagnostik siehe Kapitel 6.6.10 Untersuchungen auf molekulare Zielstrukturen).
8.6.6.1 Erstlinientherapie
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit ROS1-Fusionsgenen (ROS1 + NSCLC) soll als Erstlinientherapie Crizotinib oder Entrectinib oder Repotrectinib (in alphabetischer Reihenfolge) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 4
- Literatur
- [1383] [1384] [1385] [1386] [1387] [1388] [1389]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit ROS1-Fusionsgenen (ROS1 + NSCLC) soll als Erstlinientherapie Crizotinib oder Entrectinib angeboten werden. Bei ZNS metastasierten ROS-1 + NSCLC soll Entrectinib angeboten werden.Hintergrund
Crizotinib
Drei prospektive Studien belegen die hohe Wirksamkeit von Crizotinib in Patienten mit fortgeschrittenem ROS1-Fusionsgen-positivem NSCLC.
Eine US-amerikanische Phase I Studie rekrutierte in der Expansionskohorte 50 ROS1 + Patienten, davon 7 Patienten in der Erstlinientherapie [1383]. Die Effektivität war wie folgt: 6% CR, 66% PR, 18% SD, somit 90% DCR. Das mediane PFS war 19.2 Monate (95% CI, 14.4 – NR). Das Sicherheitsprofil entsprach dem bei der Behandlung von ALK + NSCLC Patienten mit Crizotinib [1383]. In der finalen Analyse betrug das mediane OS 51.4 Monate (95% CI, 15.2-45.3) [1390].
Eine Phase II Studie in 127 vorbehandelten ostasiatischen ROS1 positiven Patienten ergab eine ORR (investigator-assessed) von 71.7% (95% CI, 63.0% - 79.3%), mit 17 kompletten Remissionen und ein medianes PFS von 15.9 Monaten (95% CI, 12.9 – 24) bei guter Verträglichkeit [1385]. In der finalen Analyse dieser Studie betrug das mediane OS 54.8 Monate (95% CI, 20.3-n.r.) [1391].
Entrectinib
Seit Mai 2020 ist auch der Tyrosinkinaseinhibitor Entrectinib für die Erstlinientherapie des ROS1 positiven metastasierten NSCLC zugelassen. Die Zulassung beruht auf der integrierten Auswertung von 3 frühen (Phase I,II) Studien [1384]. Die Ansprechrate (ORR) betrug bei 53 auswertbaren Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasierten ROS1 positivem NSCLC, die zum großen Teil vorbehandelt, aber TKI-naiv waren, 77%; 05% CI 64-88), die mediane Ansprechdauer (DOR) 24.6 Monate (95% CI 11.4-34.8). Das Medikament war gut verträglich, ca. ein Drittel hatte Grad 3,4 Nebenwirkungen, häufig Gewichtszunahme und Neutropenie. 11% der Patienten hatten schwere Nebenwirkungen (SAEs), tödliche Nebenwirkungen traten nicht auf. Bemerkenswert war die ZNS-Wirksamkeit mit einer intrazerebralen Ansprechrate von 55% (95% CI 32-77), darunter 20% komplette Remissionen und einer Ansprechdauer von 12.6 Monaten [1384].
Auch wenn zum Vergleich von Crizotinib und Entrectinib mit Chemotherapie keine randomisierten Studienergebnisse vorliegen, ist die Empfehlung aufgrund der im Vergleich sowohl zu Erstlinien- als auch zur Rezidivchemotherapie (s.o.) überragenden Wirksamkeit und der guten Verträglichkeit in den prospektiven Phase 1 und 2 - Studien eindeutig zugunsten der ROS 1-Inhibitoren in ROS1-TKI naiven Patienten.
Aufgrund der hohen ZNS-Wirksamkeit, kann Entrectinib als Mittel der Wahl bei ROS1 positiven Patienten mit ZNS-Metastasen angewendet werden, allerdings ist der Vorteil gegenüber Crizotinib bisher nicht belegt. Eine Phase III Studie Entrectinib vs. Crizotinib ist voll rekrutiert.
Repotrectinib
Repotrectinib ist beim ROS1 positiven Lungenkarzinom aufgrund einer Phase I / II Studie zugelassen worden, die im NEJM 2024 [1392] publiziert wurde. In die Studie wurden 71 TKI naive Patienten aufgenommen. Die Ansprechrate betrug 79%, die mediane Ansprechdauer betrug 34,1 Monate, das mediane PFS 35,7 Monaten. In der TKI vorbehandelten, chemotherapienaiven Kohorte (n=56) betrug die ORR 38%, die mediane Ansprechdauer 14,8 Monate und das mediane PFS 9,0 Monate. In der ROS G2032R resistenten Kohorte betrug die ORR 59%, die DoR und das PFS für diese Kohorte ist nicht mitgeteilt. Das intrakranielle Ansprechen betrug 98% (8/9) bei Patienten mit messbaren ZNS Metastasen zu Studienbeginn und TKI Naivität. Die ZNS Ansprechrate betrug 38% in der TKI vorbehandelten Gruppe. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Schwindel (58%), Geschmacksstörungen (50%), Paraesthesien (30%). In 29% wurden Grad 3 und höher NW beobachtet, mit den häufisten Anämie (4%), CK (4%). In 38% wurde wegen AE’s eine Dosisreduktion durchgeführt, und in 7% wurde die Therapie abgebrochen.
In einer Expansonskohorte, die im EMA Bericht berücksichtigt wird, wurden 121 Patienten (TKI Naiv) und 107 Patienten (vorbehandelt) mit Repotrectinib behandelt. Die ORR betrug 77% vs. 49%, die DOR 33,6 vs. 14,8 Monate, die 12, 18 und 24 Monate Ansprechrate 77 vs. 53%, 70 vs. 44% und 64 vs. 38%.
8.6.6.2 Zweitlinientherapie (bei Crizotinib-Versagen)
Bei NSCLC Stadium IV mit akquirierter ROS1-TKI-Resistenz sollte eine Gewebebiopsie und/oder eine Liquid Biopsy zur Bestimmung von Resistenzmechanismen durchgeführt werden.
- Konsens
- Konsens (92%)
Bei systemischem Progress (mit und ohne ZNS-Metastasen) unter Therapie mit Crizotinib sollte, sofern keine G2032R-Resistenzmutation vorliegt, primär eine Therapie mit Lorlatinib (Cave: Off-Label-Use) angeboten werden.
Bei G2032R- Resistenzmutation sollte die Behandlung mit Platin-basierter Chemotherapie angeboten werden. Alternativ sollte die Vorstellung im molekularen Tumorboard erfolgen, um einen Nächstgenerations-ROS1-Inhibitor (z. B. Repotrectinib, Zidesamtinib oder Talectrinib) oder die off-label Behandlung mit dem Multikinase-Inhibitor Cabozantinib anzubieten.
- Konsens
- Starker Konsens (97%)
Änderungshinweis
Bei systemischem Progress (mit und ohne ZNS-Metastasen) unter Therapie mit Crizotinib sollte, sofern keine G2032R-Resistenzmutation vorliegt, primär eine Therapie mit Lorlatinib (Cave: Off-Label-Use) angeboten werden. Bei G2032R-Resistenzmutation sollte die Behandlung mit Platin-basierter Chemotherapie angeboten werden. Alternativ kann der Einschluss in eine Studie mit einem Nächstgenerations-ROS1-Inhibitor (z. B. Repotrectinib) oder die Behandlung mit dem Multikinase-Inhibitor Cabozantinib angeboten werden.Bei Nachweis von "off-target", ROS1-unabhängigen Resistenzmechanismen, die potentiell systemisch therapierbar sind (z.B. aktivierende KIT-Mutation, high-level MET Amplifikation), sollte der Einsatz von potentiell wirksamen Substanzen, nach Diskussion in einem molekularen Tumorboard, unabhängig vom Zulassungsstatus angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei Nachweis von "off-target", ROS1-unabhängigen Resistenzmechanismen, die potentiell systemisch therapierbar sind (z.B. aktivierende KIT-Mutation), sollte der Einsatz von potentiell wirksamen Substanzen, nach Diskussion in einem Thorax-Onkologischen Tumorboard, unabhängig vom Zulassungstatus angeboten werdenBei oligoprogredienten Fällen soll die Möglichkeit einer Lokaltherapie interdisziplinär geprüft werden.
Wegen der Möglichkeiten der lokalen Therapie bei ZNS-Metastasen sollte bei ROS1+ Tumoren eine regelmäßige Bildgebung des ZNS, auch bei asymptomatischen Patienten alle 3-9 Monate erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei oligoprogredienten Fällen sollte eine adäquate Bildgebung mittels CT und MRT des ZNS erfolgen und die Möglichkeit einer Lokaltherapie interdisziplinär geprüft werden.NSCLC Patienten mit ROS1+ Fusion sollen auf ein erhöhtes Risiko für venöse und arterielle thromboembolische Ereignisse hingewiesen werden. Bei Fehlen von Kontraindikationen kann Ihnen eine prophylaktische Antikoagulation mit einem niedermolekularen Heparin oder einem direkten oralen Antikoagulans angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrund
Bei ROS1+ NSCLC nach Crizotinib-Versagen kommt als häufigster Resistenzmechanismus die gatekeeper G2032R Mutation in ca. 40% der Fälle mit Nachweis einer Resistenzmutation vor [1393]. Hier ist der Next-Generations-ROS1-Inhibitor Repotrectinib (TPX-0005) wirksam, der ein Ansprechen in der Mehrheit (60%, n=5) der G2032R-positiven Crizotinib-resistenten Fälle in der first-in-human Phase I/II Studie TRIDENT-1 erzielt hat [1394]. Dagegen wurden mit Lorlatinib unter G2032R-positiven Fällen zwar Krankheitsstabilisierungen (n=4/4), aber keine partielle Remissionen in der Phase I/II Studie erreicht [1395]. Die Ansprechrate bei Crizotinib-resistenten Fällen war 44% für Repotrectinib in der Dosis ≥160mg/Tag (n=9) und 35% für Lorlatinib [1396]. Eine weitere Therapieoption in der Crizotinib-resistenten Situation ist Cabozantinib, welches eine Anpsrechrate von ca. 25% (n=4) gezeigt hat und auch Aktivität gegen die G2032R Mutation [1397], [1398]. Aufgrund der nicht unerheblichen Toxizität von Cabozantinib, welches in Deutschland zur Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms zugelassen ist, sollte, v.a. bei Chemotherapie-naiven Patienten, eine Platin-basierte Chemotherapie im Rezidiv nach Crizotinib erwogen werden. Patienten mit ROS1 Fusion scheinen besser auf Chemotherapie anzusprechen als ROS1-Wildtyp Patienten, in 2 retrospektiven Analysen, wenn auch mit sehr kleinen Fallzahlen, wurde ein hohes OS von z.T. mehreren Jahren für nur mit Chemotherapie behandelte ROS1 positive Patienten, bevorzugt für Pemetrexed-haltige Chemotherapien, berichtet [1399], [1400].
Für Patienten im Crizotinib-Versagen und non-G2032R Resistenzmutation oder ohne Resistenzmutation in ROS1 stellt Lorlatinib die erste Therapieoption dar, auch aufgrund der guten ZNS-Gängigkeit. In einer Phase I/II Studie mit 69 ROS1 positiven Patienten war die Effektivität stark von der Therapielinie abhängig. Die ORR bei TKI naiven Patienten war in 21 Patienten 62% (95% CI 38-82), in 40 Crizotinib-vorbehandelten Patienten nur noch 35% (ohne Kenntnis des Resistenzmutations-Status). Das intrakranielle Ansprechen war vergleichbar mit 64% in TKI-naiven Patienten und 50% in Crizotinib-vorbehandelten Patienten. Alternativen und Optionen bei sequentieller Therapie, sind, wie oben beschrieben, Chemotherapie. Cabozantinib (off-label) und Repotrectinib (klinische Studie).
Entrectinib (Kapitel 8.6.8) ist nicht gegen die bekannten Resistenzmutationen gegen Crizotinib wirksam.
Repotrectinib ist insgesamt gut verträglich mit Schwindel (49%), Dysgeusie (48%), Parästhesie (28%) und Obstipation (20%) als Hauptnebenwirkungen in der Phase I/II Studie [1394]. In einem Update dieser Studie mit 71 auswertbaren ROS1-TKI naiven Patienten betrug die ORR 79% (95% CI, 68-88) und das mediane PFS 35.7 Monate (95% CI, 27.4-n.e.) [1392]. Repotrectinib ist in den USA bereits linienunabhängig für das fortgeschritten ROS1+ NSCLC zugelassen.
Die Nebenwirkungen von Lorlatinib sind ähnlich wie bei der Behandlung von ALK+ NSCLC (s. dort). Häufigste Grad 3 Nebenwirkungen von Cabozantinib sind eine Erhöhung der Lipase (15%, asymptomatisch), ALT (8%), AST (8%), Thrombopenie (8%) und Hypophosphatämie (8%), und es erfolgt die Notwendigkeit einer Dosisreduktion in ca. 73% der Patienten [1401].
Analog zu der Therapiestrategie bei EGFR+ und ALK+ NSCLC sollte auch bei ROS1+ NSCLC eine Lokaltherapie nach umfassender Bildgebung mittels PET/CT und Hirn-MRT erwogen werden (s. Kap. xx) [1402]. Im Falle, dass der NGS Befund eine sonstige, potentiell therapierbare akquirierte Alteration ergibt, kann der Patient ggf. im Rahmen einer Studie oder ggf. off-label oder im Rahmen von Compassionate-Use bzw. Extended Access Programs weiterbehandelt werden; allerdings ist das bei ROS1+ NSCLC noch selten er als bei EGFR+ und ALK+ NSCLC [1393], [1403]. Ist keine molekular zielgerichtete Therapieoption mehr möglich, werden diese Patienten in Abhängigkeit von ihrem Allgemeinzustand analog Patienten mit EGFR-/ALK-negativen NSCLC behandelt (Chemoimmuntherapie oder Chemotherapie).
In einer retrospektiven Analyse in 5 akademischen Zentren in den USA und China von 95 Patienten mit ROS1 Fusion, 193 mit ALK Fusion, 300 mit EGFR Mutation und 152 mit KRAS Mutation war die Inzidenz von thromboembolischen Ereignissen in einem Zeitraum von 365 Tagen nach der Diagnose 34.7%, 22.3%, 13.7% und 18.4%. In der multivariaten Analyse dieser Studie war die odds ration (OR) 2.44 (95% CI 1.31-4.57, p=0.005) für ROS1+ vs. EGFR+ and ALK+. Das Gesamtüberleben unterschied sich in dieser Zeit nicht zwischen den Gruppen [1404].
8.6.7 Systemtherapie bei Patienten mit BRAF-V600-Mutation
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit nachgewiesener BRAF-V600-Mutation sollte eine Kombination aus Dabrafenib und Trametinib oder Encorafenib und Binimetinib angeboten werden.
Alternativ kann eine kombinierte Immunchemotherapie angeboten werden. Bei Versagen dieser, sollte eine Kombination aus Dabrafenib und Trametinib oder Encorafenib und Binimetinib angeboten werden.
Nicht-V600 Mutations+ NSCLC Patienten sollten in einem molekularen Tumorboard besprochen werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Konsens (94%)
- Literatur
- [1405] [1406] [1407]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit nachgewiesener BRAF-V600-Mutation sollte eine Kombination aus Dabrafenib und Trametinib angeboten werden. Nicht-V600 Mutations+ NSCLC Patienten sollten in einem Thorax-Onkologischen Tumorboard besprochen werden.Hintergrund
Bei ungefähr 2 bis 4 % der NSCLC-Patienten liegt eine Mutation der BRAF-Kinase vor. In wiederum ca. 65 % dieser Patienten lässt sich eine BRAF-V600E-Mutation nachweisen. Damit geht eine Aktivierung des entsprechenden Signalweges daher, welches wiederum Voraussetzung ist, dass eine antitumoröse Behandlung mit einem BRAF- und einem MEK-Inhibitor erfolgsversprechend ist.
BRAF und MEK sind Bestandteile der RAS-RAF-MEK-ERK-Signalkette, welche zu dem MAP-Kinase-Signalweg gehört. BRAF Inhibitoren wie Dabrafenib und Encorafenib hemmen selektiv die BRAF-Kinase, während MEK Inhibitoren wie Trametinib und Binimetinib die im Signalweg nachgeschalteten Mitogen-aktivierten Kinasen 1 und 2 (MEK1 und MEK2) inhibieren.
Im April 2017 hat die Europäische Kommission die Kombination aus Dabrafenib und Trametinib für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC mit einer BRAF-V600-Mutation zugelassen. Die Kombination aus Encorafenib und Binimetinib wurde im August 2024 von der Europäischen Kommission für Patienten mit BRAF-V600E mutiertem, fortgeschrittenem NSCLC zugelassen. Beide Kombinationen sind seit Jahren bei Patienten mit Melanom und einer BRAF-V600-Mutation zugelassen.
In einer retrospektiven europäischen Kohortenstudie von n=35 Patienten mit fortgeschrittenem BRAF-positivem NSCLC (83 % V600E, 17 % andere Mutationen) zeigte sich bei Behandlung mit verschiedenen BRAF-Inhibitoren (Vemurafenib 29x, Dabrafenib 9x, Sorafenib 1x), die in der Erstlinie (14 %) oder im Rezidiv (86 %) eingesetzt wurden, eine Ansprechrate (ORR) von 53 % (95% CI: 35-70) und eine Krankheitskontrollrate (DCR) von 85 % (95% CI: 69-95 % ). Im Falle von BRAF-V600E betrug das PFS 9.3 Monate, und das mediane Gesamtüberleben (OS) 25,3 Monate [1406]
In einer prospektiven Phase-II-Basket-Studie wurden 20 Patienten (davon 95 % vorbehandelt) mit fortgeschrittenem BRAF-V600 positivem NSCLC (90 % V600E) mit dem BRAF Inhibitor Vemurafenib behandelt. Die Ansprechrate war 42 % (95 % CI: 20-67), das mediane PFS 7.3 Monate (95% CI: 3,5-10,8 Mo) [1407].
Daten der Zulassungsstudien
In der für die Zulassung von Dabrafenib/Trametinib maßgeblichen Studie wurden die Daten von insgesamt 135 Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom und einer BRAF-V600-Mutation ausgewertet. Die Studie beinhaltete zwei Studienarme: in dem einem Arm erhielten n=78 Patienten Dabrafenib, in dem anderen Arm erhielten n=57 Patienten eine Kombination aus Dabrafenib und Trametinib.
In der Monotherapiestudie mit Dabrafenib betrug die Ansprechrate 33 % (95% CI: 23-45 %) bei n=26 von 78 vorbehandelten mit BRAF V600E positivem rezidiviertem NSCLC [1408] Das PFS betrug 5,5 Mo (95 %CI: 3,4 – 7,3 Mo), die mediane Überlebenszeit (OS) betrug 12,7 Mo (95% CI: 7,3 – 16,9 Mo). Schwerwiegend unerwünschte Wirkungen (UAW) traten bei 42 % der Patienten auf. An Grad >3 UAW sind zu nennen: kutanes Plattenepithelkarzinom (12 %), Asthenie (5 %) und Basalzellkarzinom (5 %).
Für den Vergleich zu einer zytostatischen Zweitlinienchemotherapie bei BRAF-mutiertem NSCLC-Patienten steht eine historische Kohorten zur Verfügung: bei 59 Patienten zeigte sich eine Ansprechrate von 9 % und ein medianes PFS von 3,1 Mo (95% CI 1,4- 6,1 Mo) [1409].
In dem anderen Studienarm wurde die Kombination aus dem BRAF-Inhibitor Dabrafenib (150 mg zweimal täglich) und dem MEK-Inhibitor Trametinib (2 mg einmal täglich) bei vorbehandelten BRAF-V600E positiven NSCLC Patienten eingesetzt. Die Ansprechrate (=primärer Endpunkt) betrug 63,2 % (95 % CI: 49,3-75,6 %; 36/57 Patienten). Das PFS betrug 9,7 Monate (95 % CI: 6,9-19,6 Mo). Eine Angabe zum Gesamtüberleben war noch nicht möglich, wobei nach 6 Monaten 82 % der Patienten lebten [1410]. Schwerwiegend UAW wurden bei 57 % der Patienten beobachtet. An Grad >3 UAW traten auf: Neutropenie (9 %), Hyponatriämie (7 %), Anämie (5 %). Plattenepithelkarzinome der Haut traten bei 2 Patienten (4 %) auf. Ein Patient starb an einer intrakraniellen Blutung. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit von Dabrafenib/Trametinib in der Erstlinientherapie des BRAF-V600E-positiven NSCLC wurden 2017 publiziert [1405]. Bei 36 therapienaiven Patienten war die (investigator-assessed) ORR mit 64% (95% CI 46-79), darunter 6% Komplettremissionen, nahezu identisch mit der Effektivität in der Zulassungsstudie bei vorbehandelten Patienten.
In der für die Zulassung von Encorafenib/Binimetinib maßgeblichen Phase 2 Pharos Studie wurden insgesamt 98 Patienten (59 therapienaiv, 39 vorbehandelt) mit BRAF V600E-mutierten NSCLC 450 mg Encorafenib einmal täglich sowie 45 mg Binimetinib zweimal täglich verabreicht https://ascopubs.org/doi/full/10.1200/JCO.23.00774. Die mediane Therapiedauer war 9.2 Monate mit Encorafenib and 8.4 Monate mit Binimetinib. Die Ansprechrate gemäß dem unabhängigen Reviewkomitee (IRR) betrug 75% (95% CI, 62 to 85) für therapienaive und 46% (95% CI, 30 to 63) für vorbehandelte Patienten. Das mediane PFS war für therapienaiven Patienten nach einer medianen FU-Zeit von 18,2 Monaten im letzten publizierten cut-off vom September 2022 immer noch nicht erreicht (95% CI, 15.7 to NE) und betrug für vorbehandelte Patienten 9.3 Monate (95% CI, 6.2 to NE). Die mediane Ansprechdauer war für therapienaive Patienten ebenfalls nicht erreicht (NE; 95% CI, 23.1 to NE) und betrug für vorbehandelte Patienten 16.7 Monate (95% CI, 7.4 to NE). Häufigste therapieassoziierte Nebenwirkungen (TRAEs) waren Übelkeit (50%), Diarrhö (43%), und Fatigue (32%). TRAEs hatten eine Dosisreduktion in 24 (24%) und einen Therapieabbruch von Encorafenib plus Binimetinib in 15 (15%) Patienten zur Folge. Es wurde noch ein einziges Grad 5 TRAE mit intrakranieller Blutung beobachtet.
Diese Studien verdeutlichen, dass
- die zielgerichtete Systemtherapie bei BRAF-Mutation an Wirksamkeit der zytostatischen Chemotherapie deutlich überlegen sein könnte (direkter Vergleich fehlt)
- die duale MAPK-Pathway Blockade (MAPK=Mitogen-Activated Protein Kinase) mit Dabrafenib und Trametinib bezogen auf Ansprechraten und progressionfreies Überleben wirksamer ist als die Monotherapie mit Dabrafenib
- die Verträglichkeit einer Kombinationstherapie deutlich besser ist als die einer Monotherapie mit Dabrafenib
- die Kombination Dabrafenib und Trametinib aufgrund ihrer Wirksamkeit eine wichtige Therapieoption bei BRAF-V600E-positivem NSCLC darstellt.
Entsprechend der Zulassung können die Kombinationen aus Dabrafenib und Trametinib bzw. auch Encorafenib und Binimetinib linienunabhängig eingesetzt werden, d.h. die Kombination kann sowohl im Rahmen einer Erstlinien- oder z.B. Zweitliniensystemtherapie zur Anwendung kommen.
8.6.8 Systemtherapie bei Patienten mit NTRK-Fusion
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit nachgewiesener NTRK 1-3 Fusion soll eine Therapie mit Entrectinib oder Larotrectinib oder Repotrectinib (in alphabetischer Reihenfolge) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1383]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit nachgewiesener NTRK 1-3 Fusion soll eine Therapie mit Larotrectinib oder Entrectinib angeboten werden.Bei oligoprogredienten Fällen soll die Möglichkeit einer Lokaltherapie interdisziplinär geprüft werden. Wegen der Möglichkeiten der lokalen Therapie bei ZNS-Metastasen sollte eine regelmäßige Bildgebung des ZNS, auch bei asymptomatischen Patienten, alle 3-9 Monate erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrund
Genfusionen, die die NTRK (neurotropher Tyrosinkinaserezeptor) 1-3 Gene betreffen und zur Aktivierung der Tropomyosinrezeptorkinasen 1-3 (TRK 1-3,) führen, finden sich in einer Vielzahl von Krebserkrankungen. Beim fortgeschrittenen NSCLC liegt die Häufigkeit unter 1% (REF). Die TRK-Inhibitoren der 1. Generation Larotrectinib und Entrectinib sind tumoragnostisch für die Behandlung fortgeschrittener solider Tumore mit NTRK-Fusionen, die nicht reseziert werden können und für die keine bessere Behandlung zur Verfügung steht, zugelassen.
Der Zulassung von Larotrectinib lag die integrierte Auswertung von 3 frühen Studien (Phase I,II) zugrunde, in die insgesamt 55 Patienten (Kinder und Erwachsene) mit einem breiten Spektrum an fortgeschrittenen, zumeist rezidivierten soliden Tumoren und NTRK1-3 Genfusionen eingeschlossen wurden [1411]. Die Ansprechrate betrug 75% (95% CI 61-85). Die PFS-Rate nach 12 Mon. betrug 67% (95%CI 58-76), das Gesamtüberleben nach 12 Mon. 88% (95% CI 83-94). Die Verträglichkeit war augezeichnet, nur wenige Grad 3,4 Toxizitäten wurden beobachtet. Erhöhte Leberwerte, Müdigkeit, Schwindel, gastrointestinale Symptome und Gewichtszunahme waren die häufigsten Nebenwirkungen. Ein spätere Subgruppenanalyse von Lungenkarzinompatienten (14, davon 7 mit ZNS-Metastasen) ergab eine ORR von 71% (95% CI 42-92) in allen Patienten und von 57% (95% CI 18-90) in den Patienten mit ZNS-Metastasen [1412].
Der Zulassung von Entrectinib lag ebenfalls die integrierte Auswertung von 3 Phase I-II Studien zugrunde [1413], in denen Entrectinib bei erwachsenen Patienten mit einer Vielzahl von Tumorerkrankungen evaluiert wurde. Bei 54 Patienten betrug die ORR 57% (95% CI 43-71), die Dauer des Ansprechens 10.1 Mon. (95% CI 7 – n.r.). Das Sicherheitsprofil war dem des Larotrectinib vergleichbar (s.o.). Die Subgruppenanalyse beim NSCLC (10 Pat.) ergab eine ORR von 70% (95% CI 34.8 – 93), beim intrakranielle Ansprechen vom 67%. Das med. PFS betrug 14.9 Mon [1414].
Die Dritte Substanz, die seit 2025 eine Zulassung erhalten hat, ist Repotrectinib, das in der Erstlinie (nach Versagen konventioneller Therapien) oder in der Zweitlinie, nach Versagen eines anderen NTRK Inhibitors (Larotrectinib oder Entrectinib) eingesetzt werden kann. Für die Zulassung relevante Daten ist eine Phase 1/2 Studie [1415], in die Patienten mit einem ECOG von <2 eingeschlossen wurden, die mindestens einen Follow-up von 8 Monaten hatten. Von den 51 TKI naiven Patienten hatten 53% ein NSCLC, von den 69 TKI vorbehandelten Patienten hatten 25% ein NSCLC. Die ORR betrug für die Gesamtpopulation betrug 59% bzw. 48%, die DOR war nicht erreicht bzw. 9,8 Monate. Die 6, 9 und 12 Monate Ansprechrate betrug 92,7 vs. 72,7%, 89,1 vs. 62,8% und 89,1 vs. 41,6 % ( für die Gesamtgruppe). Die ORR für die TKI naiven vs. TKI vorbehandelten NSCLC betrug 63% und 52,9%.
8.6.9 Systemtherapie bei Patienten mit RET-Fusion
RET-Fusionen finden sich in ca. 1-2 % der Patienten mit Adenokarzinom der Lunge. Eine Testung vor Beginn der Erstlinientherapie ist obligat (zu Methodik und Qualitätsanforderungen der Diagnostik siehe Kapitel 6.6.10 Untersuchungen auf molekulare Zielstrukturen).
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊝⊝⊝
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1369] [1416] [1417] [1418]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit nachgewiesener RET-Fusion soll spätestens nach Versagen einer Erstlinientherapie eine Therapie mit einem spezifischen RET-Inhibitor (Selpercatinib oder Pralsetinib) angeboten werden.Evidenztabellen (1)
Evidenzprofil_LIBRETTO-001_SelpercatinibBei oligoprogredienten Fällen soll die Möglichkeit einer Lokaltherapie interdisziplinär geprüft werden.
Wegen der Möglichkeiten der lokalen Therapie bei ZNS-Metastasen sollte eine regelmäßige Bildgebung des ZNS, auch bei asymptomatischen Patienten, alle 3-9 Monate erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrund
Die Tyrosinkinaseinhibitoren Selpercatinib und Prasetinib sind in der EU zur Behandlung des RET Fusions-positiven fortgeschrittenen NSCLC, das zuvor nicht mit einem RET-Inhibitor behandelt wurde, unabhängig von der Therapielinie, zugelassen. Angesichts der hohen Wirksamkeit, der ausgezeichneten Verträglichkeit und der ZNS- Wirksamkeit dieser Substanzen, sollte die RET-Inhibitor-Therapie bereits in der Erstlinie empfohlen werden.
Der Zulassung von Selpercatinib lag eine Phase I/II Studie in therapienaiven und rezidivierten Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und RET-Fusion zugrunde [1412]. In 105 mit Platin-haltiger Chemotherapie vorbehandelten Patienten war die ORR 64% (95% CI 54-73), die mittlere Dauer des Ansprechens (DOR) war 17.5 Mon. (95% CI 12.0 – n.e.). In 39 therapienaiven Patienten war die ORR 85% (95% CI 70-94) und 90% waren nach 6 Monaten ohne Progress. Bei 11 Patienten mit ausmessbaren ZNS-Metastasen war die Ansprechrate 91% (95% CI 59-100). Die Therapie war gut verträglich, die häufigsten Grad 3,4 Nebenwirkungen waren Leberwerterhöhung, Hyponatriämie und Lymphopenie. Nur 2% der Patienten brachen die Therapie wg. Therapie-assoziierter Nebenwirkungen ab.
In einer randomisierten Phase III Studie [1418] wurden Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC in der Erstlinie entweder mit Selpercatinib oder mit Platin-basierter Chemotherapie mit oder ohne Pembrolizumab behandelt. Das mediane PFS (primärer Endpunkt) betrug für Selpercatinib 24.8 Monate (95% CI 16.9 – n.e.) vs. 11.2 Monate (95% CI 8.8 – 16.8)(HR 0.46; 95% CI 0.31-0.70, p<0.001). Der Vorteil für Selpercatinib gegenüber dem Kontrollarm betrug für die ORR 84% CI 76-90) vs. 65% (95% CI, 54-75). Die HR für die Zeit bis zur Progression im ZNS betrug 0.28 (95% CI, 0.12-0.68). Die Ergebnisse zur Überlegenheit von Selpercatinib waren in der intention-to-treat-pembrolizumab Population vergleichbar der Gesamtpopulation. Das Nebenwirkungsspektrum entsprach dem bereits bekannten (s.o.).
Der RET-Inhibitor Pralsetinib zeigte in einer Phase-I/II-Studie vergleichbare Ergebnisse [1419][1416][1417][1420][1421]. Bei 281 Patienten mit fortgeschrittenem RET-Fusions-positivem NSCLC war das ORR (primärer Endpunkt) 72% (95% CI, 54-75) in der Erstlinie und 59% (95% CI, 80-136) nach Vorbehandlung mit Platin-basierter Chemotherapie. Das PFS betrug 13.0 und 16.5 Monate, die intrakranielle Ansprechrate 70% bei Patienten mit messbaren ZNS-Metastasen. Die häufigsten Grad 3-4 treatment-related adverse events (TRAEs) waren Neutropenie (18%), arterielle Hypertonie (10%), Serum-CK Erhöhung (9%) und Lymphopenie (9%). Die Abbruchrate betrug 7%.
8.6.10 Systemtherapie bei Patienten mit MET Exon14 skipping Mutation
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit nachgewiesener MET exon 14 skipping Mutation soll spätestens nach Versagen der Erstlinientherapie eine Therapie mit einem MET-Inhibitor (Tepotinib) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊝⊝⊝
- Literatur
- [1422] [1423]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit nachgewiesener MET exon 14 skipping Mutation soll spätestens nach Versagen der Erstlinientherapie eine Therapie mit einem MET-Inhibitor (Capmatinib*, Tepotinib oder Crizotinib) angeboten werden. * momentan nicht marktverfügbar in DEEvidenztabellen (1)
Evidenzprofil_VISION_TepotinibBei oligoprogredienten Fällen soll die Möglichkeit einer Lokaltherapie interdisziplinär geprüft werden.
Wegen der Möglichkeiten der lokalen Therapie bei ZNS-Metastasen sollte eine regelmäßige Bildgebung des ZNS, auch bei asymptomatischen Patienten, alle 3-9 Monate erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrund
MET exon 14 skipping Mutationen (METex14) kommen mit einer Frequenz von 3-4 % in Adenokarzinomen und von 1-2% in Plattenepithelkarzinomen vor.
Zwei spezifische MET-Inhibitoren, Capmatinib und Tepotinib, sind in den USA und weiteren Ländern für die Erstlinien- und Rezidivbehandlung des fortgeschrittenen METex14 NSCLC zugelassen. Tepotinib ist seit dem Februar 2022 und Capmatinib seit dem Juni 2022 in der EU für die Behandlung des fortgeschrittenen METex14 NSCLC nach Platin-basierter Chemotherapie und/oder einer Behandlung mit Immuntherapie zugelassen.
In der GEOMETRY mono-1 Phase II Studie wurden in 69 vorbehandelten METex14 Patienten mit Capmatinib eine ORR von 41% (95% CI 29-53) beobachtet, die mediane Ansprechdauer (mDOR) betrug 9.7 Mon. (95% CI 5.6 – 13). In 28 Behandlungs-naiven Patienten war die ORR 68% (95% CI 48-84), die m DOR 12.6 Mon. (95% CI 5.6 – n.e.). Das PFS war in den vorbehandelten Patienten 5.42 Mon. und in der Erstlinie 9.7 Mon. Von 13 Patienten mit ZNS-Metastasen sprachen 7 (54%) gut an. Die Behandlung war relativ gut verträglich, die häufigsten Nebenwirkungen waren periphere Ödeme in 42% der Patienten (7% Grad 3,4) und Übelkeit in 45% der Patienten, zumeist Grad 1,2. [1424]. In 11% der Patienten musste die Therapie wg. Nebenwirkungen dauerhaft abgebrochen werden.
In die VISION-Studie (Phase II) zu Tepotinib wurden Behandlungs-naive sowie vorbehandelte Patienten mit METex14 NSCLC eingeschlossen, der Nachweis der METex14-Mutation erfolgte entweder durch Gewebebiopsie oder durch Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy) [1]. Für 275 Patienten, die teils Behandlungs-naiv (137) und teils vorbehandelt (138) waren, zeigte sich unter Tepotinib-Therapie eine Gesamt-ORR von 49.1 % (95% CI 43 – 55.2), die mediane Ansprechdauer (mDOR) betrug 13.8 Mon. (95% CI 9.9 – 19.4). In 137 Behandlungs-naiven Patienten war die ORR 54% (95% CI 45.3 – 62.6), die mDOR 32.7 Mon. (95% CI 9.0 – n.e). In vorbehandelten Patienten war die ORR 44.2% (95% CI 35.8 – 52.9), die mDOR 11.1 Mon. (95% CI 8.4 – 18.5) [1].
Das mediane PFS (gesamt) betrug 10.8 Mon. (95% CI 8.5 – 12.4), in der Erstlinie 10.4 Mon. (95% CI 8.4 – 15.3) und bei den vorbehandelten Patienten 11.0 Mon. (95% CI 8.2 – 12.4) [1]. Von 15 Patienten mit ZNS-Metastasen (evaluiert mittels RANO-BM-Kriterien) erreichten 13 Patienten (87%) eine intrakranielle Krankheitskontrolle [1425]. Von 7 Patienten mit messbaren Zielläsionen zeigten 5 Patienten (71%) ein Ansprechen, bei 3 Patienten verschwanden die Zielläsionen vollständig [1425].
Die Behandlung war relativ gut verträglich, die häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren periphere Ödeme in 60.1% der Patienten (10.0% Grad 3,4) sowie Übelkeit (22.7% der Patienten) und Durchfall (21.3% der Patienten), beides zumeist Grad 1,2. In 14.2% der Patienten musste die Therapie wg. Nebenwirkungen dauerhaft abgebrochen werden [1].
In Anbetracht des Alters und der Komorbiditäten dieses Patientenkollektivs sowie in Anbetracht der guten Verträglichkeit und hohen Effektivität der TKI gegenüber Chemotherapie ist zu erwägen, die TKI-Therapie in der Erstlinie einzusetzen.
8.6.11 Systemtherapie bei Patienten mit KRAS-G12C-Mutation
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊝⊝⊝
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [1426] [1427]
Änderungshinweis
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit einer KRAS-G12C-Mutation soll nach Versagen mindestens einer Systemtherapie eine zielgerichtete Therapie angeboten werden - zugelassen ist derzeit (02/22) Sotorasib.Evidenztabellen (1)
Sotorasib KRAS-Mutation, Evidenzprofil_CodeBreaK100Patienten mit NSCLC Stadium IV und einer KRAS-G12C-Mutation sollte nach Versagen einer Kombinations-Chemotherapie und Immuncheckpoint-Inhibitor Therapie eine zielgerichtete Therapie mit dem KRAS-Inhibitor Adagrasib* angeboten werden.
* Cave: momentan nicht marktverfügbar in DE (Stand 04/2026)
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
In einer Phase-II-Studie mit Patienten, von denen mehr als 80% eine Vortherapie mit platinhaltiger Chemotherapie und Immuncheckpointinhibitor erhalten hatten, konnten eine Ansprechrate von 37,1%, eine mediane Ansprechdauer von 11,1 Monaten, ein medianes progressionsfreie Überleben von 6,8 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben von 12,5 Monaten erreicht werden. [1426]
Phase III Studie zu Sotorasib 2nd line [1427]
In diese Phase III Studie wurden 375 Patienten mit einer KRAS G12C nach einer vorhergegangenen Therapie mit einer Platinhaltigen Kombinationstherapie und einem Immuncheckpoint-Inhibitor in der Zweit- oder Drittlinientherapie 1:1 randomisiert für Sotorasib 960 mg p.o. pro die oder Docetaxel 75 mg/m2 alle 3 Wochen i.v. Primärer Endpunkt war das PFS durch unabhängige Beurteilung, sekundäre Endpunkte das OS, die Ansprechrate, die Dauer des Ansprechens, die Krankheitskontrollrate, sowie die Lebensqualität. Die Studie war ursprünglich gepowert für das OS, aus ethischen Gründen wurde jedoch der Cross-over vom Kontrollarm zu Sotorasib erlaubt, sodass der primäre Endpunkt zu PFS geändert wurde und die Anzahl der eingeschlossenen Patienten reduziert wurde. Von 171 für Sotorasib randomisierte Patienten erhielten 169 die Therapie, von 174 für Docetaxel randomisierte Patienten erhielten nur 151 die Therapie mit Docetaxel. Die Patientencharakteristika waren balanciert, das mediane Alter betrug 64 Jahre. Der primäre Endpunkt PFS wurde statistisch signifikant erreicht mit einer HR von 0,66 (p=0,002), der mediane Unterschied des PFS betrug 1,1 Monate zugunsten von Sotorasib. Subgruppenanalysen zeigten keine Unterschiede betreffs unterschiedlichen Benefits hinsichtlich des primären Endpunkts PFS auf. Das Ansprechen war mit 80,4 vs. 62,8% signifikant besser, das ORR war mit 28,1 vs. 13,2 signifikant besser, die DCR mit 82,5 vs. 60,3 % und die Tiefe der Response bei konfirmiertem Ansprechen ebenfalls besser zugunsten von Sotorasib. Die mediane Dauer des Ansprechens war mit 8,6 Monaten vs. 6,8 Monaten ebenfalls zugunsten von Sotorasib besser. Ein Überlebensvorteil konnte nicht gezeigt werden, vermutlich wegen des Cross-overs zu einem KRAS Inhibitor im Kontroll-Arm (34% des Kontrollarms). Trotz der Vortherapie aller Patienten mit einem Immun-Checkpoint-Inhibitor war die Anzahl von Behandlungs-abhängigen AE’s > Grad 3 nach WHO signifikant weniger unter Sotorasib (10,7%) vs. Docetaxel (22,5%). Der klinisch relevante Parameter Abbruch der Therapien war mit 9,5 vs. 11,3, Dosisreduktionen mit 15,4 vs. 26,5 zugunsten von Sotorasib, nur Dosis-Pausen waren mit 35,5 vs. 15,2 zugunsten der Chemotherapie verteilt. Die häufigsten Behandlungs-abhängigen AE’s unter Sotorasib waren Diarrhoe und erhöhte Leberenzyme, die häufigsten unter Docetaxel Granulozytopenien, Fatigue und febrile Granulozytopenien. Eine tendentielle Verbesserung im „global health status, physical functioning“ und Atemnot wurde mit Sotorasib gesehen, keine Unterschiede wurden betreffs des Leitsymptoms Husten beobachtet. Die Zeit bis zur Verschlechterung des „global health status“, des „physical functioning“, der Luftnot sowie des Hustens wurden gesehen, kein Unterschied gab es für den Endpunkt Thoraxschmerz. Diese Studie belegt den Vorteil einer Zweitlinientherapie bei KRAS G12C mutierten Patienten mit Lungenkarzinom gegenüber dem Standard Docetaxel, so dass diese Therapie der präferierte Standard in der Therapie nach Chemotherapie und Immuntherapie sein sollte.
In der zweiten Phase III Studie, die einen KRAS G12C Inhibitor gegen Chemotherapie prüfte (Adagrasib, KRYSTAL-12) wurden 453 Patienten nach Kominationschemotherapie und CPI 2:1 randomisiert zu Adagrasib 600 mg 2x/ die vs. Docetaxel 75 mg/m2 iv. alle 3 Wochen. Der Primäre Enpunkt war das PFS, sekundäre Enpunkte Ansprechen, Dauer des Ansprechens, Überleben, Sicherheit, PRO’s. Ein Cross-over vom Kontrollarm zu Adagrasib bei einem durch das unabhängige Komitee bestätigten Progress war möglich. Das mediane Alter der Patienten betrug 64 Jahr im Adagrasib- und 65 Jahr im Chemotherapie-Arm, die meisten Patienten hatten einen ECOG von 1 und eine Adenokarzinom, ZNS Metastasen (behandelte und stabile) waren bei 17 und 18 % der Patienten vorhanden. Die Verteilung der PD-L1 Expression war etwas zugunsten der PD-L1 Expressoren unter 50% verschoben. Der primäre Endpunkt (PFS durch BCIR) wurde mit einer HR von 0,58 (CI 0,45-0,76) erreicht, p<0,0001. Sekundäre Endpunkte Ansprechen war mit 32% vs. 9% hoch statistisch signifikant verbessert (Odds Ratio 4,68, CI 2,56-8,56, p<0,0001). Die DCR Rate wurde mit 78 vs. 59% ebenfalls verbessert, sowie die mediane Dauer des Ansprechens von 5,4 auf 8,3 Monate. Die intracranielle Response wurde von 11 auf 24 % bei Patienten mit Läsionen durch Adagrasib verbessert. Die Zeit bis zur Verschlechterung von Symptomen betrug 1,5 Monate im Kontrollarm und 3,0 Monaten. In der Phase III Studie wurden keine neuen Sicherheitssignale entdeckt, die Abbruchrate von Adagrasib wegen therapie-bezogener NW betrug 8 % im Adagrasib Arm und 14% im Docetaxel Arm [1428].
Weitere KRAS Inhibitoren sind in der klinischen Prüfung mit weniger ausgeprägtem NW Profil, die u.U. Sotorasib und Adagrasib in Zukunft ablösen könnten.
8.6.12 Systemtherapie bei Patienten mit HER2-Mutation
Patienten mit NSCLC Stadium IV mit einer HER2 Mutation sollte nach Versagen mindestens einer Systemtherapie eine zielgerichtete Therapie mit dem Antikörper-Drug Konjugat Trastuzumab deruxtecan angeboten werden.
In einer Phase-II-Studie mit 91 vorbehandelte Patienten, welche NSCLC mit aktivierenden Mutationen in den Exonen 8 oder 17-20 von HER2 (ERBB2) hatten, konnten unter 6.4 mg/kg Trastuzumab deruxtecan (T-DXd) alle 3 Wochen eine Ansprechrate von 55%, eine mediane Ansprechdauer von 9,3 Monaten, ein medianes progressionsfreie Überleben von 8,2 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben von 17,8 Monaten erreicht werden (DESTINY-Lung01)[1429].
Zulassungsstudie zu T-DXd für vorbehaldente Patienten (DESTINY-Lung02) [1430]
In dieser Phase II Studie (DESTINY-Lung02) wurden 152 Platinum-vorbehandelte NSCLC Patienten mit einer aktivierenden HER2 Mutation (im Exon 8 oder 17-22) in der ≥ zweiten oder späteren Therapielinie 2:1 randomisiert für T-DXd 5.4 mg vs. 6.4 mg i.v. alle 3 Wochen. Primärer Endpunkt war die bestätigte Ansprechrate (cORR) durch unabhängige Beurteilung, sekundäre Endpunkte u.a. das PFS, das OS, die Dauer des Ansprechens, die Krankheitskontrollrate, sowie die Rate von AEs, AEs Grad ≥3 und AEs von besonderem Interesse (AESI). Die Studie war gepowert für die Ansprechrate, welche die obere 95%-Konfidenzintervallgrenze von der Ansprechrate unter Docetaxel und Ramucirumab in der REVEL Studie (ORR, 22.9%; 95% CI, 19.7 to 26.4%) übersteigen sollte. Insgesamt war die Studie positive für beide Arme. Die finale Analyse zeigte eine cORR von 50% (95% CI, 39.9 to 60.1) bzw. von 56% (95% CI, 41,3 to 70,0) für T-DXd 5.4 bzw. 6.4 mg/kg, sowie ein medianes PFS von 10,0 Monaten (95% CI, 7,7 to 15,2) bzw. von 12,9 Monaten (95% CI, 7,2 to 16,7) und ein medianes OS von 19,0 Monaten (95% CI, 14,7 to NE) bzw. 17,3 Monaten (95% CI, 13,8 to NE) [1432]. Sowie medianer Ansprechdauer von 16,8 (95% CI, 6.4 to nicht-erreicht [NE]) bzw. NE (95% CI, 8.3 to NE), medianer Therapiedauer 7,7 (Spannweite 0.7-20.8) bzw. 8.3 Monate (Spannweite 0.7-20.3); Grad ≥ 3 therapieassoziierte AE in 39/101 (38.6%) bzw. 29/50 (58.0%) Patienten und therapieassoziierte interstitielle Lungenerkrankung in 13/101 (12.9%) bzw. 14/50 (28.0%) Patienten (2.0% grade ≥ 3 in jedem Arm).
Diese Ergebnisse haben zur FDA und EMA Zulassung von T-DXd für platinum-vorbehandelte NSCLC Patienten mit aktivierenden HER2 Mutationen in der Dosis 5,4 mg/kg alle 3 Wochen geführt. Zu beachten sind die Empfehlungen für die Diagnose und Behanldung einer therapie-assoziierten ILD [1431].
Die gepoolten Ergebnisse explorativer Analysen der DESTINY-Lung01 und DESTINY-Lung02 konnten zudem eine intrakranielle Wirksamkeit von T-DXd in beiden Dosierungen nachweisen. Die Ergebnisse demonstrierten eine IC-cORR von 50% (95% CI, 23.0 - 77.0) bzw. 30% (95% CI, 14.7 to 49.4) für T-DXd 5.4 bzw. 6.4 mg/kg bei Patienten mit Baseline-Hirnmetastasen [Annals of Oncology (2023) 34 (suppl_2): S755-S851. 10.1016/S0923-7534(23)01943-9].
Für T-DXd sind derzeit die Ergebnisse der Erstlinienstudie vs. Chemoimmuntherapie (DESTINY-Lung04) ausstehend, während weitere vielversprechende HER2-gerichtete Medikamente ebenfalls in der ersten und/oder in späteren Therapielinien ebenfalls in klinischen Studien geprüft werden.
8.6.13 Therapie bei sonstigen Treibermutationen beim NSCLC
Neben den unter zuvor behandelten Alterationen gibt es weitere zielgerichtet behandelbare Treibermutationen beim NSCLC. Die Evidenz ist hier jedoch noch nicht ausreichend, um Empfehlungen für eine Erstlinienbehandlung auszusprechen. Für einen Teil dieser Treibermutationen zeigen Ergebnisse aus frühen klinischen Studien (Phase I und II) im Vergleich zur Rezidivchemotherapie bessere Ergebnisse für die Ansprechrate, das PFS und das Toxizitätsprofil. Für diese Mutationen sollte spätestens bei Versagen der Standardtherapie (Immuntherapie oder Immunchemotherapie) der Status bestimmt werden. Im Falle einer aktivierenden Mutation in diesen Genen sollte versucht werden, dem Patienten eine zielgerichtete Therapie zu ermöglichen, z.B. in klinischen Studien oder durch eine off-label Behandlung.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
In Anbetracht der Dynamik der Entwicklung neuer personalisierter Therapieansätze sollte angestrebt werden dass jeder Patient mit NSCLC Stadium IV vor der Erstlinientherapieentscheidung eine umfassende NGS-basierte Molekulardiagnostik erhält. Bei Patienten mit Wildtypkonfiguration für EGFR, ALK, ROS1, BRAF V600 , NTRK, RET, METex14 sollte eine umfassende Genotypisierung auf weitere bekannte Treibermutationen stattfinden, um bei dem Nachweis einer solchen eine zielgerichtete Therapie im Rahmen der Zulassung (ggf. für weitere Mutationen mit zugelassenen Medikamenten) , einer Studie oder im Off-Label-Use zu ermöglichen. Diese Analyse sollte insbesondere KRAS Mutationen, HER2(ERBB2)-Mutationen und MET-Amplifikationen beinhalten. Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung in der Präzisionsonkologie soll hierdurch eine umfassende Analyse von potentiell therapierbaren Treibermutationen und ein auf dem Ergebnis der Mutationsanalyse basierendes Therapieangebot an den Patienten (inklusive Thorax-Onkologisches Tumorboard und besonders die Aufnahme in klinische Studien) ermöglicht werden.Hintergrund
An Anbetracht der Dynamik bei der Entwicklung von treibermutationsgerichteten Therapien wird empfohlen, bei Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom-Histologie und Wildtyp-Konfiguration von EGFR, ALK, ROS1, BRAF V600, NTRK1-3, RET, METex14 spätestens im Rezidiv nach Platin-basierter Chemotherapie eine Testung auf alle bekannten Therapie-relevanten Treibermutationen anzustreben. Dies betrifft insbesondere KRAS-Mutationen (v.a. KRAS G12C), HER2 (ERBB2) Exon 20 Insertionsmutationen (HER2 (ERBB2) ex20), MET-Amplifikationen sowie FGFR Mutationen und Fusionen.
Hierzu sollte ggf. mit einem Zentrum, das solche umfassenden Genotypisierungen durchführt, Kontakt aufgenommen werden. Ggf. ist hier auch eine Rebiopsie zu erwägen. Bei Nachweis einer Treibermutation sollte versucht werden, die Patienten in eine entsprechende klinische Studie einzuschließen. Falls dies nicht möglich ist und eine off-label Medikation zur Verfügung steht, sollte ein solches Vorgehen individuell erwogen und mit den Chancen eines Ansprechens auf eine Therapie mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor abgeglichen werden.
Hinsichtlich der durchgeführten molekularpathologischen Untersuchungen soll eine externe Qualitätssicherung im Rahmen von Ringversuchen nachgewiesen werden, soweit entsprechende Ringversuche verfügbar sind.
8.6.14 Diagnostik und Therapie des oligometastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms
Das Stadium der Oligometastasierung ist charakterisiert durch eine begrenzte Metastasierung, in dem eine lokal ablative Therapie aller Tumorherde zusätzlich zur Systemtherapie ein kuratives Therapieziel verfolgt. Eine begrenzte Anzahl an Metastasen in der Bildgebung wird als Surrogat für eine begrenzte Metastasierungskapazität verwendet. Die Definitionen des oligometastasierten NSCLC variieren zwischen einer solitären Fernmetastase gemäß Stadium M1b nach UICC-Klassifikation (8. Ed) und maximal 3-5 Fernmetastasen als Einschlusskriterium der prospektiven Studien. Die Evidenz beruht mehrheitlich auf Patienten mit maximal zwei Fernmetastasen, was die Basis zur Indikationsstellung einer lokal ablativen Therapie in Kombination mit einer adäquaten Systemtherapie des oligometastasierten NSCLC bilden sollte.
- Konsens
- Konsens (83%)
Änderungshinweis
Patienten mit einer isolierten Fernmetastase unabhängig von ihrer Lokalisation (Organe: Gehirn, Leber, Nebenniere, Knochen, Haut, Lunge und nicht-lokoregionäre Lymphknoten) sollen bei dem Vorliegen der Bedingungen des M-Descriptors M1b als „oligometastasierte Erkrankung“ (OMD) nach IASLC 2016/2017 eingruppiert wer-den. In Einzelfällen kann das Vorliegen von mehreren Metastasen in einem Organ (insbesondere Gehirn) das Kriterium einer OMD erfüllen.Eine synchrone Oligometastasierung des NSCLC ist definiert durch die zeitgleiche Diagnose des lokoregionären Primärtumors sowie der Oligometastasierung, während bei der metachronen Oligometastasierung ein Intervall von mindestens 6 Monaten zwischen Primärdiagnose eines nicht-fernmetastasierten NSCLC mit kurativ intendierter Therapie und Auftreten der Oligometastasierung liegt.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Zur Bestätigung der Diagnose einer Oligometastasierung sollte eine Ganzkörper FDG-PET CT Untersuchung sowie eine kranielle MRT durchgeführt werden. Bei Verdacht auf das Vorliegen einer solitären Lebermetastase sollte zusätzlich eine MRT und ggf. KM-Sonographie der Leber durchgeführt werden und bei möglichen isolierten Pleura-Metastasen in der Bildgebung sollte die Thorakoskopie mit Biopsie durchgeführt werden. Das lokoregionäre Staging soll wie bei nicht metastasierten Patienten erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Patienten mit OMD (nach IASLC 2016/17) sollen, wenn im weiteren Verlauf eine multimodale (interdisziplinäre) Behandlung in Erwägung gezogen wird, im initialen Staging ein Ganzkörper-PET-CT und MRT Schädel erhalten. Patienten mit OMD (nach IASLC 2016/17) sollten, wenn im weiteren Verlauf eine multimodale Behandlung in Erwägung gezogen wird, bei unklarem Befund (eg. PET-Positivität) ein adäquates mediastinales Staging erhalten (eg. EBUS, Mediastinoskopie, VATS).Bei oligometastasiertem NSCLC soll eine Systemtherapie angeboten werden. Die Indikation zur Systemtherapie und die Kriterien zur Wahl der Systemtherapie sollten sich nach der aktuellen Zulassung und Leitlinien im metastasierten Stadium IV des NSCLC richten.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei Vorliegen einer OMD sollte die Behandlung – unter Berücksichtigung allgemeiner und funktioneller Patientenvoraussetzungen -unter Integration einer definitiv Lokal-therapie und einer cisplatinbasierten Kombinationschemotherapie angeboten wer-den.Bei synchroner Oligometastasierung sollte eine lokal ablative Therapie aller Oligometastasen sowie des lokoregionären Primärtumors zusätzlich zu einer Systemtherapie durchgeführt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [1433] [1434] [973]
Änderungshinweis
Bei Vorliegen einer OMD sollte die Behandlung – unter Berücksichtigung allgemeiner und funktioneller Patientenvoraussetzungen -unter Integration einer definitiv Lokaltherapie und einer cisplatinbasierten Kombinationschemotherapie angeboten wer-den.Die lokal ablative Therapie beim oligometastasierten NSCLC soll mit einer systemischen Therapie in ein multimodales Behandlungskonzept integriert werden, welches im Thorax-Onkologischen Tumorboard festgelegt wird.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1434] [1433] [973]
Änderungshinweis
Patienten mit OMD sollen in einer interdiziplinären Tumorkonferenz im Konsens eine multimodale Therapieentscheidung erhalten.Eine optimale Sequenz aus Systemtherapie und lokal ablativer Therapie ist beim oligometastasierten NSCLC nicht etabliert. Eine Induktionstherapie über 3-4 Monate sollte vor einer lokal ablativen Therapie des lokoregionären Primarius sowie der Oligometastasen bei fehlendem Progress durchgeführt werden.
Beim oligometastasierten NSCLC kann in Abhängigkeit der Tumorlast, Vorliegen von Hirnmetastasen oder lokalen tumorbedingten Komplikationen, nach interdisziplinärer Diskussion, die lokal ablative Therapie vor der Systemtherapie erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Als Modalität für die lokal ablative Therapie des lokoregionären Primärtumors sowie der zerebralen und extrazerebralen Oligometastasen sollten strahlentherapeutische und chirurgische Verfahren interdisziplinär evaluiert werden. Die Auswahl des geeigneten Lokalverfahrens sollte im Thorax-Onkologischen Tumorboard entschieden werden und orientiert sich dabei an der Lokalisation der Metastasen, der chirurgischen Resektabilität sowie der Machbarkeit einer lokal ablativen Radiotherapie, der Notwendigkeit einer histologischen Sicherung, dem Toxizitätsprofil, der Möglichkeit zur Kombination mit Systemtherapie und dem Allgemeinzustand des Patienten.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
In Abhängigkeit der Tumorlast, Vorliegen von Hirnmetastasen oder lokalen tumorbedingten Komplikationen kann nach interdisziplinärer Diskussion die lokal ablative Therapie vor der Systemtherapie erfolgen.Ein genereller Vorteil der (insbesondere) stereotaktischen Strahlentherapie im Vergleich zur Chirurgie beim oligometastasierten NSCLC ist nicht etabliert, so dass trotz geringerer Evidenz bezüglich des Stellenwertes der Chirurgie im Vergleich zur Strahlentherapie im oligometastasiertem Stadium beide Optionen als ergänzend betrachtet und interdisziplinär evaluiert werden sollten.
Die Prinzipien der Therapie des metachron oligometastasierten NSCLC orientieren sich am Algorithmus des synchron metastasierten NSCLC.
Einleitung
Im metastasierten Stadium hat das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom eine schlechte Prognose. Rückgrat der Behandlung ist eine palliative Systemtherapie, ggf. ergänzt durch palliative Strahlentherapie; palliative Operationen sind selten.
Das oligometastasierte nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (OM-NSCLC), im Weiteren als „OMD“ für „oligometastatic disease“ benannt, ist davon in der Regel durch eine reduzierte systemische Tumorausbreitung abzugrenzen. Zu beachten ist, dass die Bildgebung nur ein Surrogat sein kann und keine Biomarker für eine OMD existieren.
Erstmalig beschrieben Hellmann und Weichselbaum, dass mit Eradikation der Metastasen ein potenziell kurativer Therapieansatz für diese Patientengruppe besteht. https://ascopubs.org/doi/10.1200/JCO.1995.13.1.8
Definition
Eine einheitliche Definition der OMD mit den notwendigen diagnostischen Kriterien ist erforderlich, um die Patienten für eine lokal radikale intensivierte Behandlung zu identifizieren.
In der 8. Edition der TNM Klassifikation wurde beim M-Deskriptor erstmalig zwischen M1b (eine einzige Metastase in einem Organ) und M1c (multiple Metastasen in einem oder mehreren Organen) differenziert. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26536193 Während im Stadium M1c kein Langzeitüberleben >5 Jahre beobachtet werden konnte, so scheint im Stadium M1b ein Plateau bei etwa 10% Langzeitüberlebenden nach 5 Jahren zu existieren.
Da es bislang keinen internationalen Konsens dazu gab, ist die existierende Studienlage heterogen [1435].
Mehrheitlich haben die prospektiven klinischen Studien zur OMD Patienten mit 3-5 Metastasen als Einschlusskriterien zugelassen, tatsächlich wurden in diesen Studien jedoch überwiegend Patienten mit nur median 1-2 Metastasen eingeschlossen. Die publizierten prospektiven Studien sind in Tabelle zusammengefasst. [1436] Auch die vorab erfolgte Diagnostik ist uneinheitlich, wobei nicht immer eine FDG-PET/CT und MRT des Schädels durchgeführt wurde. https://academic.oup.com/annonc/article/29/Supplement_4/iv192/5115264
Die EORTC hat 2019 erstmals in einem vorausgehend breit angelegten Konsensus Prozess (2017-2018) eine Definition und dazu diagnostische Kriterien für das synchron oligometastasierte nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (sOM-NSCLC) beschrieben. [1437]
Ein sOM-NSCLC liegt vor, wenn eine radikale Therapie aller Tumormanifestationen technisch und funktionell mit akzeptabler Toxizität möglich erscheint und dies mit dem Ziel einer langfristigen Tumorkontrolle verbunden ist. Dabei werden maximal 5 Metastasen in 3 Organen als Oligometastasenerkrankung definiert, wenngleich ein Behandlungsvorteil im Oligometastasenkonzept für Patienten mit mehr als zwei Metastasen sich durch das Fehlen entsprechender Studien nicht belegen lässt. Dennoch wird die umfassende Definition mit Erweiterung der Metastasenanzahl auf bis zu 5 Metastasen in bis zu drei Organlokalisationen, sowohl im Hinblick auf zukünftige Studienplanungen als auch bei potentiell kurativen Strahlentherapieoptionen bei Patienten mit bis zu vier Hirnmetastasen, als sinnvoll erachtet. Mediastinale Lymphknotenmanifestationen werden nicht als Fernmetastasen, sondern in Anlehnung an die 8th Edition der TNM Klassifikation im N-Staging gewertet. Der diffuse Befall mit serösen Metastasen (Meningen, Perikard, Pleura, Mesenterien) und des Knochenmarks gelten dabei nicht als sOM-NSCLC. Im Falle einer solitären Pleurametastase sollte die Thorakoskopie/Videothorakoskopie zum Ausschluss einer diffusen Pleurametastasierung durchgeführt werden. Ebenfalls werden dabei Patienten mit einem malignen Pleuraerguss von einem potentiell kurativen Oligometastasen-Behandlungskonzept ausgeschlossen. [1437]. Ipsilaterale synchrone pulmonale Metastasen sind als eine Organlokalisation zu werten und werden ebenso, wie kontralaterale Lungenmetastasen, in der 8th Edition der TNM Klassifikation abgebildet. Simultan entstandene Tumore der Lunge sollten histo-pathologisch und ggf. unter Verwendung von molekular-genetischen Methoden als Lungenmetastasen oder Zweitkarzinome identifiziert werden.
Tabelle 37: Studien zur Oligometastasierung
|
Studie |
# Patienten |
Definition Oligometastasierung gemäß Ein- und Ausschlusskriterien |
Mediane / maximale Anzahl an Fernmetastasen der inkludierten Patienten |
|
Einarmige Phase II Studien |
|||
|
De Ruysscher 2018 [1434] |
N=39 |
Maximum 5 Fernmetastasen Keine Limitation der Anzahl befallener Organe Regionäre LK Metastasen im N Stadium |
Maximum n=3 |
|
Collen 2014 [1438] |
N=26 |
Maximum 5 Fernmetastasen Keine Limitation der Anzahl befallener Organe Jede befallene LK Station zählt als eine Lokalisation |
Median n=1 Maximum n=5 |
|
Petty 2018 [1439] |
N=29 |
Maximum 5 Fernmetastasen, davon max. 3 extrakraniell Keine Limitation der Anzahl befallener Organe; bilaterale NN Metastasen ausgeschlossen Regionäre LK Metastasen im N Stadium; N3 ausgeschlossen |
Median n=2 Maximum n=4 |
|
Arrieta 2019 [1440] |
N=37 |
Maximum 5 Fernmetastasen Keine Limitation der Anzahl befallener Organe |
Median n=2
|
|
Bauml 2019 [1441] |
N=51 |
Maximum 4 Fernmetastasen Keine Limitation der Anzahl befallener Organe Regionäre LK Metastasen im N Stadium |
Median n=1 Maximum n=4 |
|
Randomisierte Phase II Studien |
|||
|
Iyengar 2018 [973] |
N=29 |
Maximum 6 extrakranielle Läsionen (einschließlich Primarius) Keine Limitation der Anzahl befallener Organe Maximum 3 Läsionen in Lunge oder Leber |
Median n=2 Maximum n=3 |
|
Goemez 2019 [1442] |
N=49 |
Maximum 3 Fernmetastasen Keine Limitation der Anzahl befallener Organe Thorakale LK Metastasen zählen als eine Fernmetastase |
Median n=1 Maximum n=3 |
|
Palma 2019 [1443] |
N=99 |
Maximum 5 Fernmetastasen Keine Limitation der Anzahl befallener Organe Maximum 3 Fernmetastasen in einem Organ |
Median n=2 Maximum n=5 |
|
Randomisierte Phase III Studien |
|||
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Wang 2022 [1444] |
N=133 |
Maximum 5 Fernmetastasen Keine Limitation der Anzahl befallener Organe Maximum 2 Metastasen in einem Organ |
Median n=2 Maximum n=5
|
Neben der Metastasierung im zeitlichen Kontext wird von der synchronen Oligometastasierung, mit Diagnosestellung der Metastasen im Rahmen der Primärtumordiagnostik, die metachrone Metastasierung mit Auftreten einer limitierten Metastasenanzahl im weiteren Krankheitsverlauf unterschieden. Dabei wird das im Rahmen der onkologischen Nachsorge, nach primärer kurativer Behandlung des Lungenkarzinoms, auftretende Rezidivgeschehen als „Oligorecurrence“ bezeichnet [1445]. Der allgemeine Begriff der metachronen Oligometastasierung ist eher deskriptiv und beschreibt die limitierte Metastasierung an Anzahl (<5) und Organlokalisationen im Krankheitsverlauf, meist definiert mit einem Intervall von >6 Monaten nach Primärdiagnose. Die metachrone Metastasierung ist dabei unabhängig vom onkologischen Status des Primärtumors: kurativ behandelt und kontrolliert oder weiterhin vorhanden/Tumorprogress. Das Auftreten einer begrenzten Anzahl metachroner Metastasen erlaubt dabei, falls das primäre Lungenkarzinom kurativ behandelt und ohne Lokalrezidiv kontrolliert erscheint, die lokale kurative/ablative Therapie der Metastasen [1445].
Aktuell wird unter dem Einfluss wirksamer Systemtherapien in der Behandlung des Lungenkarzinoms die induzierte oligometastasierte Erkrankungssituation beschrieben. Dies definiert den Folgezustand nach systemtherapeutischer Eradikation bestehender Metastasen von einer polymetastasierten Tumorerkrankung hin auf eine mit wenigen verbliebenen Metastasen vorliegende Oligometastasierung. In dieser Situation ist die Möglichkeit der konsolidierenden Lokaltherapie verbliebener Metastasenlokalisationen im Tumorboard zu entscheiden. Für Patienten mit Progression einzelner Metastasen unter Systemtherapie ist der Begriff der Oligoprogression geprägt worden. Hier können diese in Progress befindlichen Metastasen mittels einer lokal ablativen Therapie behandelt werden, sofern die weiteren Metastasen unter Systemtherapie kontrolliert/stabil verbleiben.
Diagnostik
Patientenauswahl
Die Patientenauswahl umfasst die funktionelle Eignung für die zu planenden Therapieverfahren. Es existieren keine Studiendaten, die abweichend von den geltenden Empfehlungen zur funktionellen Voraussetzung des jeweiligen Behandlungsverfahrens sind, z.B. Lungenfunktion, Einschätzung der Co-Morbiditäten vor Operation oder Strahlentherapie (ETS-Guidelines). Der Allgemeinzustand sollte nach den Studien ECOG-PS ≤2 sein.
Staging
In der Diagnostik sind eine 18F-FDG-PET/CT und eine MRT-Schädel Voraussetzung. Zur Beurteilung einer solitären Leber-Metastase ist eine MRT der Leber und bei möglichen isolierten Pleura-Metastasen ist die Thorakoskopie mit Biopsie empfohlen. Die pathologische Sicherung der in der 18F-FDG-PET/CT festgestellten Metastasen ist grundsätzlich empfohlen, richtet sich aber nach therapeutisch erforderlichen Aspekten und dem Nutzen-Risiko Verhältnis, das in einem interdisziplinären Team bewertet werden sollte. [1437]
Therapie
Ziel der Therapie ist eine langfristige Tumorkontrolle.
Dazu ist es erforderlich, alle Tumormanifestationen lokal radikal zu behandeln bei gleichzeitig systemischer Tumorkontrolle. Somit ist eine multimodale Behandlung indiziert.
Verschiedene Methoden der lokal-ablativen Therapie (LAT) sind in den bisherigen Studien eingesetzt worden, die Evidenz prospektiver Studien beruht überwiegend auf strahlentherapeutischer Behandlung sowohl des Primärtumors als auch der Oligometastasen, oder mit geringerer Evidenz der chirurgischen Therapie. Andere lokaltherapeutische Verfahren sind prospektiv nicht untersucht und sollten daher außerhalb von Studien nicht angewendet werden.
Tabelle 38: Ergebnisse prospektiver Studien bei oligometastasierten Patienten
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Studie |
# Patienten |
Lokale Therapiemodalität |
PFS |
OS |
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Einarmige Phase II Studien |
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De Ruysscher 2018 [1434] |
N=39 |
100% konventionelle RT bei extrazerebralen Metastasen |
Median 12.1 Mo |
Median 13.5 Mo |
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Collen 2014 [1438] |
N=26 |
100% SBRT mit 50Gy in 10 Fx |
Median 11.2 Mo |
Median 23 Mo |
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Petty 2018 [1439] |
N=29 |
100% Bestrahlung: SBRT (verschiedene Fraktionierungen) und konventionelle RT erlaubt |
Median 11.2 Mo |
Median 28.4 Mo |
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Arrieta 2019 [1440] |
N=37 |
Primarius: 27% Op; 50% R(C)T; 19% SBRT Oligometastasen: 39% Op; 100% R(C)T; 6% RFA |
Median 23.5 Mo |
Median OS nicht erreicht |
|
Bauml 2019 [1441] |
N=51 |
67% Op; 67% SBRT; 51% RCT; 33% RT; |
Median 19.1 Mo |
Median 41.6 Mo |
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Randomisierte Phase II Studien |
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Iyengar 2018 [973] |
N=29 |
100% Bestrahlung: SBRT in 1Fx (21-27Gy), 3Fx (26.5-33Gy), 5Fx (30-37.5Gy) RT 45Gy in 15Fx |
3.5 vs 9.7 Mo |
12-17 Mo vs. Median OS nicht erreicht |
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Gomez 2019 [1442] |
N=49 |
48% RT & SBRT; 24% RT & Op; 8% RCT; 12% RT & RCT; 4% Op |
4.4 vs 14.2 Mo |
17.0 vs 41.2 Mo |
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Palma 2019 [1443] |
N=99 |
100% SBRT: 16-24Gy in 1Fx; 30-60Gy in 3-8 Fx |
6 vs 12 Mo |
28 vs 41 Mo |
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Randomisierte Phase III Studien |
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Wang 2022 [1444] |
N=133 |
100% SBRT 25-40Gy in 5 Fx |
12.5 vs 20.2 Mo |
17.4 vs 25.5 Mo |
Seitens der Systemtherapie sind bisher nur in der Studie von Bauml et al. 2019 Immuncheckpoint-Inhibitoren eingesetzt worden. [1446]
Strahlentherapie bei OMD
In einer randomisierten Phase-II-Studie verglichen Gomez et al. die Wirksamkeit einer systemischen Behandlung gefolgt von einer lokalen konsolidierenden Therapie versus einer alleinigen systemischen Behandlung bei (synchron oder metachron) oligometastasierten NSCLC [1433]. Eingeschlossen wurden Patienten mit maximal drei Oligometastasen nach Erstlinien-Systemtherapie. Die Körperstereotaxie war dabei die am häufigsten verwendete lokale Therapiemodalität. Diese Studie wurde nach der Randomisierung von 49 Patienten durch das Data Safety Monitoring Committee vorzeitig abgebrochen. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 38,8 Monaten betrug das mittlere progressionsfreie Überleben bei Patienten mit zusätzlicher lokal konsolidierender Therapie 14,2 Monaten gegenüber 4,4 Monaten mit alleiniger Systemtherapie. Auch wurde die mittlere Zeit bis zur Entwicklung neuer Metastasen von 6,0 Monaten auf 14,2 Monaten gesteigert, während die unerwünschten Ergebnisse in beiden Gruppen vergleichbar waren. Das Gesamtüberleben wurde durch die lokale konsolidierende Therapie von 17,0 auf 41,2 Monaten signifikant verbessert.
Eine zweite, randomisierte Phase II Studie schloss NSCLC Patienten mit maximal 5 Oligometastasen (zusätzlich zum ev. progredienten Primärtumor) nach Erstlinien Chemotherapie ein [973]. Als lokal ablatives Verfahren war ausschließlich SBRT erlaubt. Die Studie zeigte ein signifikant verbessertes progressionsfreies Überleben von median 9.7 Monaten vs. 3.5 Monaten (p=0.01). Auch diese Studie wurde aufgrund des großen PFS Vorteils im experimentellen Arm nach Randomisation und Auswertung von nur 29 Patienten vorzeitig abgebrochen.
Die randomisierte Phase-II-Studie von Palma et al. untersuchte den Einfluss einer stereotaktischen ablativen Radiotherapie zusätzlich zur palliativen Chemotherapie im Vergleich zu einer alleinigen palliativen systemischen Behandlung; primärer Endpunkt was das Gesamtüberleben [1443]. Eingeschlossen wurden metachron-oligometastasierte Patienten (n=99; maximal 5 Metastasen bei kontrolliertem Primärtumor) unabhängig von der Histologie des Primärtumors; 18/99 Patienten hatten ein Bronchial-Karzinom. Das Gesamtüberleben betrug 28 Monate in der Kontrollgruppe versus 41 Monate in der SBRT Gruppe (p=0.09); das progressionsfreie Überleben war signifikant mit einem HR=0.47 (p=0.0012) verbessert.
Stereotaktische Bestrahlung von Oligometastasen verschiedener Organsysteme
Die stereotaktische Bestrahlung ist der konventionell fraktionierten mehrwöchigen Strahlentherapie bezüglich lokaler Effektivität überlegen. Während ein randomisierter Vergleich bei Oligometastasen fehlt, wurde die normofraktionierte Radiotherapie mit der SBRT beim lokalisierten inoperablen Lungenkarzinom im Stadium I verglichen: nach SBRT wurde eine signifikante Reduktion der lokalen Tumorrezidivrate (HR 0.32; p=0.008) ohne erhöhte Nebenwirkungen festgestellt werden was in einem verbesserten Gesamtüberleben resultierte (HR=0.53; p=0.027) [676].
Bei limitierter Hirnmetastasierung erzielt die Radiochirurgie ein verbessertes Überleben im Vergleich zur alleinigen Ganzhirnbestrahlung [1447]: die RTOG 9508 Studie randomisierte 333 Patienten mit maximal 3 Hirnmetastasen zu alleiniger Ganzhirnbestrahlung versus Ganzhirnbestrahlung und zusätzlich Radiochirurgie: in der multivariaten Analyse verbesserte die Radiochirurgie das Gesamtüberleben in den Subgruppen der Patienten mit RPA Klasse I (p<0.0001) und günstiger Histologie (p=0.01). Ganzhirnbestrahlung zusätzlich zur Radiochirurgie versus Radiochirurgie erzielte in drei randomisierten Studien keinen Überlebensvorteil, resultierte jedoch in einer signifikant erhöhte Neurotoxizität [1448], [1449], [1450]. Allerdings kommt es nach alleiniger Radiochirurgie zu signifikant vermehrten intrakraniellen Progressen, was eine engmaschige kraniale MRI Nachsorge alle 2-3 Monate notwendig macht.
Eine retrospektive Multi Center Analyse basierend auf 24 Zentren und 301 Patienten untersuchte die SBRT zur Behandlung von pulmonalen Oligometastasen des NSCLC [1451]: das 2-Jahres Gesamtüberleben betrug 62% bei einer 2-Jahres lokalen Tumorkontrolle von 82%. Eine Match-pair Analyse von 110 Patienten mit Resektion (n=68) oder SBRT (n=42) von pulmonalen Oligometastasen ergab ein identisches Langzeitüberleben nach 5 Jahren von 41% (Resektion) vs. 45% (SBRT) bei identischer lokaler Metastasenkontrolle von 81% vs. 83% [1452]. Eine retrospektive Studie der Arbeitsgruppe Stereotaktische Radiotherapie der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) untersuchte 637 Patienten die bei pulmonalen Oligometastasen mittels SBRT behandelt worden waren, wovon 145 Patienten an >1 Metastase bestrahlt wurden: Gesamtüberleben sowie Mortalität nach 3 und 6 Monaten waren nicht erhöht bei Bestrahlung von >1 Lungenmetastase vs. Bestrahlung einer solitären Lungenmetastase [1453].
Zur Behandlung von Nebennierenmetastasen fasst eine systematische Übersichtsarbeit die überwiegend retrospektiven Daten zusammen [1454]. Bis 2014 wurden 178 Patienten mittels SBRT an Nebennierenmetastasen behandelt, wovon 68% eine NSCLC Histologie hatten. Die 2-Jahres Lokalkontrolle betrug im gewichteten Mittelwert 63%, das 2-Jahres Gesamtüberleben 19%. Die Autoren diskutieren die Ergebnisse unter den Gesichtspunkten, dass die Patienten überwiegend als medizinisch inoperabel eingestuft worden waren und damit eine reduzierte Lebenserwartung hatten und dass teils palliativ und nicht radikale SBRT Bestrahlungsdosen angewendet worden waren. Die größte retrospektive Analyse untersuchte 43 Patienten (n=36 NSCLC) mit 49 Nebennierenmetastastasen, die 2009 bis 2015 stereotaktisch an einem einzelnen Zentrum behandelt worden waren [1455]. Die 2-Jahres lokale Tumorkontrolle betrug im Gesamtkollektiv 57% und 100% in der Subgruppe der Patienten, die mit einer Bestrahlungsdosis von >100Gy BED behandelt worden waren. Das mediane Gesamtüberleben betrug 19 Monate, das 2-Jahres Gesamtüberleben 42%.
Die größte Arbeit zur stereotaktischen Strahlentherapie von Oligometastasen der Leber ist eine retrospektive Multi Center Analyse der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie, Arbeitsgruppe Radiochirurgie und Stereotaxie, basierend auf 474 Patienten die an 623 Läsionen behandelt wurden [1456]; 29 Patienten hatten eine NSCLC Histologie. Akute oder chronische Grad III Toxizität wurde bei 1% bzw. 1.4% der Patienten beobachtet. Die lokale Metastasenkontrolle nach 3 Jahren betrug 55.7%, das 3-Jahres Gesamtüberleben betrug 29%. Eine prospektive Studie an 220 Patienten, die bei primären oder sekundären Lebertumoren stereotaktisch bestrahlt wurden, zeigte keine Einschränkung der Lebensqualität als Folge einer hochdosierten stereotaktischen Radiotherapie [1457].
Basierend auf eine Analyse der SEER Datenbank ist das Vorliegen einer alleinigen ossären Metastasierung mit einer vorteilhaften Prognose des metastasierten NSCLC verbunden [1458]. In einer prospektiven multi-institutionellen Phase II Studie (n=57 Patienten; 20% NSCLC) betrug nach SBRT von schmerzhaften Metastasen der Wirbelsäule (57% Oligometastasen) die lokale Tumorkontrolle 83.9% nach 2 Jahren [1459]. In einer retrospektiven Analyse von 301 Patienten, (16% NSCLC; 23% solitäre Metastase) die an 387 spinalen Metastasen stereotaktisch bestrahlt wurden, wurde eine 2-Jahres lokale Tumorkontrolle von 83.9% beschrieben was in einem median Gesamtüberleben von 19.5 Monaten resultierte [1459].
Prospektive Studien zur lokalen Strahlentherapie des oligometastasierten NSCLC
Einarmige Studien
De Ruyscher et al. untersuchten in einer prospektiven Phase-II-Studie (n=40) die radikale Strahlentherapie bei Patienten mit synchron oligometastasierten NSCLC [1434]. Dabei litten etwa ¾ der Patienten an einer lokoregionär fortgeschrittenen Erkrankung im Stadium IIIA und IIIB und bei über 85% der Patienten lag eine solitäre Oligometastasierung vor. In dieser Studie konnte ein medianes Gesamtüberleben von 13,5 Monaten und ein medianes progressionsfreies Überleben von 12,1 Monaten beobachtet werden. In der Langzeitanalyse nach im Minimum 7 Jahren follow-up blieben lediglich 2.5% der Patienten krankheitsfrei [1434].
Collen et al. untersuchten in einer einarmigen Phase II Studie den Effekt einer stereotaktischen Bestrahlung, sowohl des Primärtumors als auch von maximal 5 Oligometastasen [1438]. Die stereotaktische Bestrahlung wurde entweder nach Induktionschemotherapie (n=17) oder primär (n=9) durchgeführt. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 16.4 Monaten wurde ein FDG-PET basiertes komplettes Tumoransprechen bei 30% der Patienten beobachtet, das mediane PFS und Gesamtüberleben betrugen 11.2 Monate bzw. 23 Monate.
Petty et al. untersuchten in einer einarmigen Phase II Studie eine konsolidierende Radiotherapie bei Patienten mit oligometastasierten NSCLC (maximal 5 Metastasen, maximal 3 extracerebral) [1439]. Nach 3-6 Monaten einer platinhaltigen Chemotherapie ohne anschließende Progression (n=27/29) erfolgte die Radiotherapie entweder in stereotaktischer oder konventioneller Fraktionierung. Medianes PFS und Gesamtüberleben betrugen 11.2 Monate bzw. 28.4 Monate.
Arrieta et al. untersuchten in einer prospektiven einarmigen Phase II Studie die Wirksamkeit einer radikalen konsolidieren Lokaltherapie (Strahlentherapie oder Operation) bei Patienten (n=37) mit synchron oligometastasierten NSCLC (maximal 5 Metastasen) [1440]. Alle Patienten erhielten initial 4 Zyklen Systemtherapie gefolgt von lokal konsolidierender Lokaltherapie bei fehlender Progression. Nach Lokaltherapie erzielten 51% der Patienten eine CR im FDG-PET, was in einem medianen PFS von 23.5 Monaten resultierte.
Bauml et al. untersuchten in einer einarmigen prospektiven Phase II Studie bei n=51 Patienten mit oligometastasierten NSCLC eine Therapie mit Pembrolizumab nach abgeschlossener lokal ablativer Therapie. Bei 46/51 Patienten wurde die Strahlentherapie als alleinige lokal ablative Therapie oder in Kombination mit Chirurgie angewendet. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 25 Monaten betrug das mediane PFS 19.1 Monate, signifikant länger als im historischen Vergleich. Das Gesamtüberleben betrug 77.5% nach 2 Jahren.
Randomisierte Studien
In einer randomisierten Phase-II-Studie verglichen Gomez et al. die Wirksamkeit einer systemischen Behandlung gefolgt von einer lokalen konsolidierenden Therapie versus einer alleinigen systemischen Behandlung bei (synchron oder metachron) oligometastasierten NSCLC [1433]. Eingeschlossen wurden Patienten mit maximal drei Oligometastasen nach Erstlinien-Systemtherapie. Die Körperstereotaxie war dabei die am häufigsten verwendete lokale Therapiemodalität. Diese Studie wurde nach der Randomisierung von 49 Patienten durch das Data Safety Monitoring Committee vorzeitig abgebrochen. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 38,8 Monaten betrug das mittlere progressionsfreie Überleben bei Patienten mit zusätzlicher lokal konsolidierender Therapie 14,2 Monaten gegenüber 4,4 Monaten mit alleiniger Systemtherapie. Auch wurde die mittlere Zeit bis zur Entwicklung neuer Metastasen von 6,0 Monaten auf 14,2 Monaten gesteigert, während die unerwünschten Ergebnisse in beiden Gruppen vergleichbar waren. Das Gesamtüberleben wurde durch die lokale konsolidierende Therapie von 17,0 auf 41,2 Monaten signifikant verbessert.
Eine zweite, randomisierte Phase II Studie schloss NSCLC Patienten mit maximal 5 Oligometastasen (zusätzlich zum ev. progredienten Primärtumor) nach Erstlinien Chemotherapie ein [973]. Als lokal ablatives Verfahren war ausschließlich SBRT erlaubt. Die Studie zeigte ein signifikant verbessertes progressionsfreies Überleben von median 9.7 Monaten vs. 3.5 Monaten (p=0.01). Auch diese Studie wurde aufgrund des großen PFS Vorteils im experimentellen Arm nach Randomisation und Auswertung von nur 29 Patienten vorzeitig abgebrochen.
Die randomisierte Phase-II-Studie von Palma et al. untersuchte den Einfluss einer stereotaktischen ablativen Radiotherapie zusätzlich zur palliativen Chemotherapie im Vergleich zu einer alleinigen palliativen systemischen Behandlung; primärer Endpunkt was das Gesamtüberleben [1443]. Eingeschlossen wurden metachron-oligometastasierte Patienten (n=99; maximal 5 Metastasen bei kontrolliertem Primärtumor) unabhängig von der Histologie des Primärtumors; 18/99 Patienten hatten ein Bronchial-Karzinom. Das Gesamtüberleben betrug 28 Monate in der Kontrollgruppe versus 41 Monate in der SBRT Gruppe (p=0.09); das progressionsfreie Überleben war signifikant mit einem HR=0.47 (p=0.0012) verbessert.
Operation bei OMD
Grundsätzlich besteht im metastasierten Tumorstadium des NSCLC die Indikation zur Systemtherapie, dies sowohl bei primärer Diagnosestellung als auch in der metastasierten Rezidivsituation. Ableitend aus den Erfahrungen dort, wird auch für die Oligometastasierung neben der lokalen ablativen Therapie mittels Operation, Strahlentherapie oder Radiofrequenzablation, die Systemtherapie empfohlen. Dabei konnte auch für die metachrone Oligometastasenbehandlung ein signifikanter Behandlungsvorteil für die Patienten mit der Kombinatonsbehandlung aus lokal ablativer Therapie und Chemotherapie belegt werden [1460]. Sollte jedoch eine Kombinationsbehandlung vom Patienten abgelehnt werden oder nicht möglich erscheinen, so besteht weiterhin die Indikation zur lokalen Behandlung der Oligometastasierung. Hinsichtlich der Gleichwertigkeit der Verfahren Chirurgie und Strahlentherapie in der Behandlung der Oligometastasen konnte Mordant an einem historischen Kollektiv von 94 Patienten keinen Behandlungsvorteil der Metastasenresektion nachweisen [1461]. Die Auswahl des geeigneten Lokalverfahrens sollte im Thorax-Onkologischen Tumorboard entschieden werden und orientiert sich dabei an der Lokalisation der Metastasen, der chirurgischen Resektabilität, der Notwendigkeit einer histologischen Sicherung und dem Allgemeinzustand des Patienten. In einer Metaanalyse retrospektiver Daten von 757 Patienten mit überwiegend chirurgischer Resektion der Oligometastasen (62.3%) konnte Ashworth et al. einen signifikanten Behandlungsvorteil für Patienten mit einem metachronen Auftreten (5-Jahres-Überleben: 47,8%) gegenüber Patienten mit synchroner Metastasierung (5-JÜL: 36.2%) oder einer synchronen Metastasierung und N1/N2 Lymphknotenbefall des primären NSCLC (5-JÜL: 13,8%) nachweisen [1446].
Neben der chirurgischen Resektion von Lungenmetastasen sind die Resektion von Nebennierenmetastasen die am häufigsten durchgeführten lokal ablativen Therapien extrakranieller Metastasenlokalisationen. Wenngleich die Inzidenz der isolierten Nebennierenmetastasierung in historischen Kollektiven mit 1,6%-3,5% angegeben wird [1462], so muss für Patienten mit Nebennierenvergrößerung und Malignomanamnese mit einer Wahrscheinlichkeit von 50-75% [1463] von einer malignen Nebenierenpathologie ausgegangen werden. Die histologische Sicherung sollte dabei angestrebt werden. In der umfassenden retrospektiven Metaanalyse konnte Tanvetyanon T et al. [1464] über 114 Patienten von 1986-2006 für Patienten mit metachroner Metastasierung ein günstigeres medianes Gesamtüberleben nachweisen (12 vs. 31 Monate). In einer weiteren umfassenden retrospektiven Analyse von 59 Patienten mit Resektion der Nebennierenmetastasen nach PET und MRT Staging erreichte die mediane Überlebenszeit 77 Monate (5-Jahres Gesamtüberleben: 59%); als signifikanter Prognosefaktor konnte der mediastinale Lymphknotenbefall ermittelt werden. Das rezidivfreie mediane-Überleben lag bei 15 Monaten und das 5-Jahre-rezidivfreie-Überleben bei 30.3% [1465]. Im Vergleich der Zugangswege zur Resektion von Nebennierenmetastasen, kommen heute neben der offenen Adrenalektomie, laparoskopische und roboter-assistierte Verfahren gleichwertig zum Einsatz [1466].
Untersuchungen über die chirurgische Behandlung extra-kranialer, extra-adrenaler Metastasenlokalisationen finden sich nur in kleinen Fallserien berichtet. Die durchgeführte Metaanalyse von Salah S et al [1467] konnte zwischen 1980 und 2011, 51 Arbeiten mit 62 Patienten identifizieren. Metastasenlokalisationen waren dabei Knochen-, Leber-, Niere- und Milzmetastasen mit einem 5-Jahres-Gesamtüberleben von 50%. Als klinisch relevant und statistisch signifikant prognosewirksam zeigte sich der N-Status des primären Lungenkarzinoms (N0/1 versus N2/3). Untersuchungen nach lokaler Therapie von Lebermetastasen finden sich nur kasuistisch mit geringer Behandlungsmorbidität. In einer Metaanalyse von 27 Arbeiten mit 32 Patienten einer Oligometastasierung des Pankreas konnte von DeLuzio MR et al. [1468] ein 5-Jahres-Überleben von 21% nach kurativer Resektion gezeigt werden.
Für Patienten mit einem weiteren pulmonalen Tumornachweis synchron oder mit einem nach kurativer Therapie metachron detektierten Befund, bleibt die Frage, inwieweit es sich hier um ein pulmonales Zweitkarzinom oder eine Lungenmetastase des Primarius handelt. Hier sollte die Biopsie angestrebt und die histologische, immun-histochemisch und molekularbiologische vergleichende Analyse mit dem Primärtumor erfolgen. Die Behandlung des primären Lungenkarzinoms sollte hier, entsprechend der Behandlung ohne Oligometastasierung, kurativ erfolgen. Nach lokaler ablativer Behandlung von 176 Patienten mit pulmonaler und extrapulmonaler synchroner Mono-Metastasierung ergab sich ein signifikanter Vorteil im Langzeitüberleben für die Patienten mit pulmonaler Metastasierung von 45.7% vs. 27.1% [1469]. In einer weiteren Betrachtung von 76 Patienten konnte für Patienten mit einer synchronen ipsilobären Metastase ein 5-Jahres Gesamtüberleben von 79,6% erreicht werden. Patienten mit der Lungenmetastasierung in einem differenten Lungenlappen wiesen hingegen ein 5-Jahres-Gesamtüberleben bei synchronem Auftreten von 30,7% bzw. bei metachroner Metastasierung mit 34,8% auf [1470].
Die Behandlung solitärer ossärer Metastasen im Oligometastasenkonzept konnte bisher die in retrospektiven Studien anderer Lokalisationen günstigen Ergebnisse nicht im gleichen Umfang bestätigen. [1471]. [1472]. [1461].
Dennoch konnte die randomisierte SABR-COMET Studie mit einem Anteil von 31% bzw. 35% der Patienten mit Knochenmetastasen ein signifikant günstigeres progressionsfreies Überleben von 12 Monaten in der stereotaktisch behandelten Gesamtgruppe gegenüber 6 Monate ohne lokal ablativer Therapie bestätigen [1443]. Grundsätzlich stellt eine häufige operative Behandlungsindikation die notwendige Rückenmarkdekompression bei einer spinalen Metastasierung dar.
Systemtherapie bei OMD
Die Prinzipien der Systemtherapie (Auswahl der Substanzen, Konzepte mit oder ohne Erhaltungstherapie, Kombinationstherapie aus Chemotherapie-Regimes mit Immuncheckpoint-Inhibitoren, Einsatz zielgerichteter Therapien) bei Patienten mit OMD sollte sich nach den aktuellen Empfehlungen beim NSCLC im Stadium IV richten (siehe da).
In der Systemtherapie beim OMD wurden in Studien bisher Chemotherapie-Regime als auch zielgerichtete Substanzen eingesetzt. Erfahrungen zur additiven Anwendung von Immuncheckpoint-Inhibitoren gibt es bisher nicht. Die Überlegenheit dieser Immun-Chemotherapie Regime im Vergleich zur platinbasierten Chemo-Dublette ist jedoch klinisch relevant und somit vorbehaltlich nicht-erhöhter Toxizität unter der Kombination mit lokalen Therapiemaßnahmen auch für Patienten mit OMD einzuschätzen und empfohlen.
8.6.15 Flowcharts zum NSCLC Stadium IV
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