14

Qualitätsindikatoren

Qualitätsindikatoren sind Messgrößen, deren Erhebung der Beurteilung der Qualität der zugrunde liegenden Strukturen, Prozesse bzw. Ergebnisse dient. Qualitätsindikatoren sind ein wichtiges Instrument des Qualitätsmanagements. Ziel ihres Einsatzes ist die stetige Verbesserung der Versorgung, indem die Ergebnisse der Versorgung dargestellt, kritisch reflektiert und wenn nötig verbessert werden. Die vorliegende Auswahl von Qualitätsindikatoren wurde gemäß der Methodik des Leitlinienprogramms Onkologie erstellt [1337]. Für den Ableitungsprozess konstituierte sich eine „Arbeitsgruppe Qualitätsindikatoren“ (AG QI). Diese erstellte das finale Set der Qualitätsindikatoren auf Grundlage der starken Empfehlungen („soll“) der neu erarbeiteten Leitlinie Schilddrüsenkarzinom, sowie der Ergebnisse der Recherche nach bestehenden internationalen Qualitätsindikatoren. Die genaue Vorgehensweise und die Zusammensetzung der AG QI sind im Leitlinienreport dargelegt.

Nach zwei Online-Sitzungen dieser AG wurde das finale Set von 7 Qualitätsindikatoren (QI) definiert und angenommen.

Die Qualitätsindikatoren 1, 2, 4 und 5 sind mit dem onkologischen Basisdatensatz der Krebsregister zu dokumentieren (Stand: 10/2023).

Verhältnis von tumorbefallenen zu untersuchten Lymphknoten

Zähler

Patienten des Nenners mit Angabe des Verhältnisses „tumorbefallene zu insgesamt untersuchte Lymphknoten"

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose eines Schilddrüsenkarzinoms mit Resektion und mit histopathologisch untersuchten Lymphknoten

Qualitätsziel / Referenzbereich

Konsensbasierte Empfehlung
starker Konsens

Anmerkung

Qualitätsziel:
Möglichst häufig Angabe des Verhältnisses „tumorbefallene zu insgesamt untersuchte Lymphknoten“

Referenz-Empfehlungen

4.4
Konsensbasierte Empfehlung
2025
EK ⓘ

Der histopathologische Befund soll die Zahl der tumorbefallenen im Verhältnis zu den insgesamt untersuchten Lymphknoten aufführen.

Starker Konsens (100%)

Empfehlung im Kapitel

Keine histologische Sicherung eines anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms (ATC) oder intrathyreoidalen Lymphoms durch Feinnadelbiopsie

Zähler

Patienten des Nenners mit Feinnadelbiopsie

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose anaplastisches Schilddrüsenkarzinom oder intrathyreoidales Lymphom

Qualitätsziel / Referenzbereich

Konsensbasierte Empfehlung
starker Konsens

Anmerkung

Qualitätsziel:
Möglichst keine histologische Sicherung eines anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms oder Lymphoms durch Feinnadelbiopsie

Referenz-Empfehlungen

4.11
Konsensbasierte Empfehlung
2025
EK ⓘ

Bei Verdacht auf ein anaplastisches Schilddrüsenkarzinom oder ein Lymphom soll keine Feinnadelbiopsie, sondern eine histologische Sicherung durchgeführt werden – z. B. durch eine Stanzbiopsie.

Starker Konsens (100%)

Empfehlung im Kapitel

Angabe von TNM-Klassifikation, histologischem Typ und extranodalem Tumorwachstum in histopathologischem Befundbericht

Zähler

Patienten des Nenners mit sämtlichen Angaben im histopathologischen Befundbericht: - Stadieneinteilung nach aktueller TNM-Klassifikation der UICC - Klassifikation der histologischen Typen des Schilddrüsenkarzinoms entsprechend d. jeweils aktuellen WHO-Klassifikation, ggf. histologische Subtypen - soweit sie in der aktuellen WHO-Klassifikation beschrieben werden. - Kapselüberschreitendes Wachstum von Lymphknotenmetastasen.

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose eines Schilddrüsenkarzinoms und Resektion

Qualitätsziel / Referenzbereich

Konsensbasierte Empfehlung
Starker Konsens

Anmerkung

Qualitätsziel:
Möglichst häufig vollständige Befundberichte mit Angabe von TNM-Klassifikation, histologischem Subtyp und Kapselüberschreitendem Wachstum von Lymphknotenmetastasen.

Referenz-Empfehlungen

4.24
Konsensbasierte Empfehlung
2025
EK ⓘ

Im pathologischen Befund von Operationspräparaten sollen folgende Angaben gemacht werden:

  • Angabe der Stadieneinteilung nach der aktuellen TNM-Klassifikation der UICC.
  • Klassifikation der histologischen Typen des Schilddrüsenkarzinoms entsprechend der jeweils aktuellen WHO-Klassifikation, ggf. histologische Subtypen - soweit sie in der aktuellen WHO-Klassifikation beschrieben werden.
  • Kapselüberschreitendes Wachstum von Lymphknotenmetastasen.
Starker Konsens (100%)

Empfehlung im Kapitel

Intraoperatives Neuromonitoring

Zähler

Patienten des Nenners mit intraoperativem Neuromonitoring (IONM)

Nenner

Alle Patienten mit Schilddrüsenkarzinom und beidseitiger Schilddrüsenoperation

Qualitätsziel / Referenzbereich

Evidenzbasierte Empfehlung
GRADE ⊕⊕⊝⊝

Anmerkung

Qualitätsziel:

Möglichst häufig intraoperatives Neuromonitoring bei beidseitiger Schilddrüsenoperation

Referenz-Empfehlungen

5.30
Evidenzbasierte Empfehlung
2025
EmpfehlungsgradA ⓘ

Das intraoperative Neuromonitoring (IONM) soll bei beidseitiger Schilddrüsenoperation angewendet werden, bei besonderer Risikokonstellation vorzugsweise in Form des kontinuierlichen Neuromonitorings (CIONM).

Evidenzlevel1a
Starker Konsens (100%)

Empfehlung im Kapitel

Interdisziplinäre Empfehlung zur Radioiodtherapie im Tumorboard

Zähler

Patienten des Nenners mit prätherapeutischer Vorstellung in der interdisziplinären Tumorkonferenz

Nenner

Alle Patienten mit Schilddrüsenkarzinom und Radioiodtherapie

Qualitätsziel / Referenzbereich

Konsensbasierte Empfehlung
Starker Konsens

Anmerkung

Qualitätsziel:
Empfehlung zur Radioiodtherapie auf Basis des klinischen und histopathologischen Befundes möglichst häufig interdisziplinär im Tumorboard

Referenz-Empfehlungen

5.31
Konsensbasierte Empfehlung
2025
EK ⓘ

Die Empfehlung zu einer Radioiodtherapie soll auf der Basis des klinischen und histopathologischen Befundes im Tumorboard interdisziplinär getroffen werden.

Starker Konsens (100%)

Empfehlung im Kapitel

Postoperativer Calcitonin-/CEA-Spiegel und molekulargenetische Analyse RET-Protoonkogen bei medullärem Schilddrüsenkarzinom

Zähler

a) Patienten des Nenners mit pTNM und postoperativem Calcitonin- u. CEA-Spiegel (6-8 Wochen nach der OP) b) Patienten des Nenners mit molekulargenetischer Keimbahnanalyse RET-Protoonkogen

Nenner

Alle Pat. mit Erstdiagnose eines medullären Schilddrüsenkarzinoms (MTC) und Operation

Qualitätsziel / Referenzbereich

Konsensbasierte Empfehlung

Starker Konsens

Anmerkung

Möglichst häufig

  1. Bestimmung von pTNM, Calcitonin und CEA
  2. molekulargenetische Keimbahnanalyse RET-Protoonkogen

Referenz-Empfehlungen

8.15
Konsensbasierte Empfehlung
2025
EK ⓘ

Zur Planung einer risikoadaptierten postoperativen Nachsorge eines histologisch und immunhistologisch gesicherten MTC sollen folgende Befunde vorliegen:

  • pTNM Klassifikation = Stadieneinteilung
  • postoperativer basaler Ctn- und CEA-Spiegel (6-8 Wochen nach der OP)
  • Molekulargenetische Analyse auf pathogene Keimbahn-Variante im RET-Protoonkogen
Starker Konsens (93,33%)

Empfehlung im Kapitel

Molekularpathologische Untersuchung RET-Gen bei sporadisch medullärem Schilddrüsenkarzinom

Zähler

Patienten des Nenners mit molekularpathologischer Untersuchung des Tumors auf somatische Variante im RET-Gen vor Systemtherapie

Nenner

Alle Patienten mit metastasiertem sporadisch medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC), N1 u./o. M1 und systemischer Therapie

Anmerkung

Qualitätsziel:
Möglichst häufig molekularpathologische Analyse auf Vorliegen einer somatischen Variante im RET-Gen vor Beginn einer systemischen Therapie

Referenz-Empfehlungen

8.33
Konsensbasierte Empfehlung
2025
EK ⓘ

Bei Patienten mit metastasiert sporadischem MTC soll vor Beginn einer systemischen Therapie eine molekulargenetische Analyse des Tumors auf das Vorliegen einer somatischen Variante im RET-Gen in Hinblick auf den Einsatz selektiver RET-Inhibitoren sowie von Vandetanib durchgeführt werden.

Starker Konsens (100%)

Empfehlung im Kapitel

Literaturhinweise

[1337] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF), Entwicklung von leitlinienbasierten Qualitätsindikatoren. Methodenpapier für das Leitlinienprogramm Onkologie, Version 3.0, 2021., https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/methodik/grundlegende-informationen-zur-methodik

[534] Cirocchi, R, Arezzo, A, D'Andrea, V, Abraha, I, Popivanov, GI, Avenia, N, et.al. Intraoperative neuromonitoring versus visual nerve identification for prevention of recurrent laryngeal nerve injury in adults undergoing thyroid surgery., Cochrane Database Syst Rev, 2019. 1 (1)(1): p. CD012483., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30659577/