Qualitätsindikatoren
Qualitätsindikatoren sind Messgrößen, deren Erhebung der Beurteilung der Qualität der zugrunde liegenden Strukturen, Prozesse bzw. Ergebnisse dient. Qualitätsindikatoren sind ein wichtiges Instrument des Qualitätsmanagements. Ziel ihres Einsatzes ist die stetige Verbesserung der Versorgung, indem die Ergebnisse der Versorgung dargestellt, kritisch reflektiert und wenn nötig verbessert werden. Die vorliegende Auswahl von Qualitätsindikatoren wurde gemäß der Methodik des Leitlinienprogramms Onkologie erstellt [1337]. Für den Ableitungsprozess konstituierte sich eine „Arbeitsgruppe Qualitätsindikatoren“ (AG QI). Diese erstellte das finale Set der Qualitätsindikatoren auf Grundlage der starken Empfehlungen („soll“) der neu erarbeiteten Leitlinie Schilddrüsenkarzinom, sowie der Ergebnisse der Recherche nach bestehenden internationalen Qualitätsindikatoren. Die genaue Vorgehensweise und die Zusammensetzung der AG QI sind im Leitlinienreport dargelegt.
Nach zwei Online-Sitzungen dieser AG wurde das finale Set von 7 Qualitätsindikatoren (QI) definiert und angenommen.
Die Qualitätsindikatoren 1, 2, 4 und 5 sind mit dem onkologischen Basisdatensatz der Krebsregister zu dokumentieren (Stand: 10/2023).
Verhältnis von tumorbefallenen zu untersuchten Lymphknoten
Zähler
Patienten des Nenners mit Angabe des Verhältnisses „tumorbefallene zu insgesamt untersuchte Lymphknoten"
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose eines Schilddrüsenkarzinoms mit Resektion und mit histopathologisch untersuchten Lymphknoten
Qualitätsziel / Referenzbereich
Konsensbasierte Empfehlung
starker Konsens
Anmerkung
Qualitätsziel:
Möglichst häufig Angabe des Verhältnisses „tumorbefallene zu insgesamt untersuchte Lymphknoten“
Referenz-Empfehlungen
Der histopathologische Befund soll die Zahl der tumorbefallenen im Verhältnis zu den insgesamt untersuchten Lymphknoten aufführen.
Keine histologische Sicherung eines anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms (ATC) oder intrathyreoidalen Lymphoms durch Feinnadelbiopsie
Zähler
Patienten des Nenners mit Feinnadelbiopsie
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose anaplastisches Schilddrüsenkarzinom oder intrathyreoidales Lymphom
Qualitätsziel / Referenzbereich
Konsensbasierte Empfehlung
starker Konsens
Anmerkung
Qualitätsziel:
Möglichst keine histologische Sicherung eines anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms oder Lymphoms durch Feinnadelbiopsie
Referenz-Empfehlungen
Bei Verdacht auf ein anaplastisches Schilddrüsenkarzinom oder ein Lymphom soll keine Feinnadelbiopsie, sondern eine histologische Sicherung durchgeführt werden – z. B. durch eine Stanzbiopsie.
Angabe von TNM-Klassifikation, histologischem Typ und extranodalem Tumorwachstum in histopathologischem Befundbericht
Zähler
Patienten des Nenners mit sämtlichen Angaben im histopathologischen Befundbericht: - Stadieneinteilung nach aktueller TNM-Klassifikation der UICC - Klassifikation der histologischen Typen des Schilddrüsenkarzinoms entsprechend d. jeweils aktuellen WHO-Klassifikation, ggf. histologische Subtypen - soweit sie in der aktuellen WHO-Klassifikation beschrieben werden. - Kapselüberschreitendes Wachstum von Lymphknotenmetastasen.
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose eines Schilddrüsenkarzinoms und Resektion
Qualitätsziel / Referenzbereich
Konsensbasierte Empfehlung
Starker Konsens
Anmerkung
Qualitätsziel:
Möglichst häufig vollständige Befundberichte mit Angabe von TNM-Klassifikation, histologischem Subtyp und Kapselüberschreitendem Wachstum von Lymphknotenmetastasen.
Referenz-Empfehlungen
Im pathologischen Befund von Operationspräparaten sollen folgende Angaben gemacht werden:
- Angabe der Stadieneinteilung nach der aktuellen TNM-Klassifikation der UICC.
- Klassifikation der histologischen Typen des Schilddrüsenkarzinoms entsprechend der jeweils aktuellen WHO-Klassifikation, ggf. histologische Subtypen - soweit sie in der aktuellen WHO-Klassifikation beschrieben werden.
- Kapselüberschreitendes Wachstum von Lymphknotenmetastasen.
Intraoperatives Neuromonitoring
Zähler
Patienten des Nenners mit intraoperativem Neuromonitoring (IONM)
Nenner
Alle Patienten mit Schilddrüsenkarzinom und beidseitiger Schilddrüsenoperation
Qualitätsziel / Referenzbereich
Evidenzbasierte Empfehlung
GRADE ⊕⊕⊝⊝
Anmerkung
Qualitätsziel:
Möglichst häufig intraoperatives Neuromonitoring bei beidseitiger Schilddrüsenoperation
Referenz-Empfehlungen
Das intraoperative Neuromonitoring (IONM) soll bei beidseitiger Schilddrüsenoperation angewendet werden, bei besonderer Risikokonstellation vorzugsweise in Form des kontinuierlichen Neuromonitorings (CIONM).
Interdisziplinäre Empfehlung zur Radioiodtherapie im Tumorboard
Zähler
Patienten des Nenners mit prätherapeutischer Vorstellung in der interdisziplinären Tumorkonferenz
Nenner
Alle Patienten mit Schilddrüsenkarzinom und Radioiodtherapie
Qualitätsziel / Referenzbereich
Konsensbasierte Empfehlung
Starker Konsens
Anmerkung
Qualitätsziel:
Empfehlung zur Radioiodtherapie auf Basis des klinischen und histopathologischen Befundes möglichst häufig interdisziplinär im Tumorboard
Referenz-Empfehlungen
Die Empfehlung zu einer Radioiodtherapie soll auf der Basis des klinischen und histopathologischen Befundes im Tumorboard interdisziplinär getroffen werden.
Postoperativer Calcitonin-/CEA-Spiegel und molekulargenetische Analyse RET-Protoonkogen bei medullärem Schilddrüsenkarzinom
Zähler
a) Patienten des Nenners mit pTNM und postoperativem Calcitonin- u. CEA-Spiegel (6-8 Wochen nach der OP) b) Patienten des Nenners mit molekulargenetischer Keimbahnanalyse RET-Protoonkogen
Nenner
Alle Pat. mit Erstdiagnose eines medullären Schilddrüsenkarzinoms (MTC) und Operation
Qualitätsziel / Referenzbereich
Konsensbasierte Empfehlung
Starker Konsens
Anmerkung
Möglichst häufig
- Bestimmung von pTNM, Calcitonin und CEA
- molekulargenetische Keimbahnanalyse RET-Protoonkogen
Referenz-Empfehlungen
Zur Planung einer risikoadaptierten postoperativen Nachsorge eines histologisch und immunhistologisch gesicherten MTC sollen folgende Befunde vorliegen:
- pTNM Klassifikation = Stadieneinteilung
- postoperativer basaler Ctn- und CEA-Spiegel (6-8 Wochen nach der OP)
- Molekulargenetische Analyse auf pathogene Keimbahn-Variante im RET-Protoonkogen
Molekularpathologische Untersuchung RET-Gen bei sporadisch medullärem Schilddrüsenkarzinom
Zähler
Patienten des Nenners mit molekularpathologischer Untersuchung des Tumors auf somatische Variante im RET-Gen vor Systemtherapie
Nenner
Alle Patienten mit metastasiertem sporadisch medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC), N1 u./o. M1 und systemischer Therapie
Anmerkung
Qualitätsziel:
Möglichst häufig molekularpathologische Analyse auf Vorliegen einer somatischen Variante im RET-Gen vor Beginn einer systemischen Therapie
Referenz-Empfehlungen
Bei Patienten mit metastasiert sporadischem MTC soll vor Beginn einer systemischen Therapie eine molekulargenetische Analyse des Tumors auf das Vorliegen einer somatischen Variante im RET-Gen in Hinblick auf den Einsatz selektiver RET-Inhibitoren sowie von Vandetanib durchgeführt werden.
Literaturhinweise
[1337] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF), Entwicklung von leitlinienbasierten Qualitätsindikatoren. Methodenpapier für das Leitlinienprogramm Onkologie, Version 3.0, 2021., https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/methodik/grundlegende-informationen-zur-methodik
[534] Cirocchi, R, Arezzo, A, D'Andrea, V, Abraha, I, Popivanov, GI, Avenia, N, et.al. Intraoperative neuromonitoring versus visual nerve identification for prevention of recurrent laryngeal nerve injury in adults undergoing thyroid surgery., Cochrane Database Syst Rev, 2019. 1 (1)(1): p. CD012483., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30659577/