7. Therapie des primär metastasierten DTC und PDTC – Management der Persistenz und des Rezidivs des DTC – Schilddrüsenkarzinom
Tumorpersistenz liegt vor, wenn nach initialer Operation und adjuvanter bzw. bereits kurativ intendierter Radioiodtherapie noch vitaler Tumor nachweisbar ist. Dies ist als gesichert anzusehen bei Nachweis extrathyreoidaler Iodspeicherung und/oder Nachweis tumorsuspekter Läsionen mittels [¹⁸F]FDG-PET/CT bei gleichzeitig signifikant erhöhter Tg-Serumkonzentration. Davon ist das Rezidiv abzugrenzen, bei dem nach Operation mit oder ohne Radioiodtherapie zunächst eine Vollremission diagnostiziert worden ist.
7.1 Therapie von Tumorpersistenz, -rezidiv und/oder Metastasen – Prinzipien
In der rezidivierten oder metastasierten Situation soll das Behandlungskonzept interdisziplinär im Tumorboard festgelegt werden: ob und wie durch Einsatz einzelner oder einer Kombination von Therapiemodalitäten eine Remission oder Verbesserung bzw. Erhalt der Lebensqualität erreicht werden kann.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Die Rezidiv-/Persistenzsituation ist zu vielschichtig um eine generelle Behandlungsempfehlung auszusprechen. Diese muss den Allgemeinzustand, das Alter und den Therapiewunsch sowie die Therapiefähigkeit des Patienten berücksichtigen. Hier sind die Biologie des Primärtumors, das Ausmaß der primären chirurgischen Maßnahme, die Lokalisation der Metastasen, das Ausmaß der Metastasierung und eine bekannte oder vermutete Iodavidität zu berücksichtigen. Eine Radioiodtherapie vor einer erneuten Operation ermöglicht die Einstufung der Metastase/des Lokalrezidivs als iodavide oder iodrefraktär, was prognostisch und für eventuell später erforderliche Therapien von Bedeutung ist.
7.1.1 Lokoregionäre Persistenz oder lokoregionäres Rezidiv
Lokoregionär persistierende oder rezidivierende DTC, zervikale Weichteilinfitrate sowie persistierende oder rezidivierende Lymphknotenmetastasen sollten der chirurgischen Therapie zugeführt werden. Zur Abwägung patientenindividueller alternativer, begleitender oder nachfolgender Therapieoptionen bzw. kontrollierender Beobachtung sollte im interdisziplinären Tumorboard der individuelle Behandlungsplan empfohlen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Das Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen ist ein ungünstiger Prädiktor: Ricarte-Filho analysierten das rezidivfreie Überleben von Patienten mit Lymphknotenmetastasen. 246 Patienten im Zeitraum 1980 – 2002 erfüllten die Einschlusskriterien. Das Vorhandensein von mehr als 3 Lymphknotenmetastasen war ein Prädiktor für ein schlechteres rezidivfreies Überleben. Das kombinierte Auftreten einer BRAF-Mutation zusammen mit einer extranodalen Tumorausbreitung war ein Prädiktor für krankheitsspezifisches Überleben [951].
Mit zunehmender Verbreitung der Hybridbildgebung (SPECT/CT) werden nach RIT häufiger kleine iodavide Lymphknotenmetastasen gesehen, die bei Verwendung der planaren Technik durch Überlagerung mit dem iodspeichernden Restschilddrüsengewebe dem Nachweis entgingen. Lee et al. berichteten über iodavide Lymphknotenmetastasen bei 4/61 Patienten (7 %) in der low-risk und 31/231 Patienten (13,4 %) in der intermediate-risk Gruppe [165].
Ronga et al. berichteten über den Nutzen der RIT zur Behandlung von Lymphknotenmetastasen: die RIT stellt eine effektive Behandlungsmethode von iodaviden Lymphknotenmetastasen dar, wenn diese einen Durchmesser bis maximal 10 mm haben [952]. Diese Daten bestätigten frühere Daten von Trybek et al., nach denen durch Radioiod eine Heilung bei 82,6 % der Patienten (n=57 Patienten) durch Radioid erreicht werden konnte, wenn Lymphknotenmetastasen (TxN1M0) vorlagen [953]. Auch Cao et al. berichteten über die erfolgreiche RIT von iodaviden Lymphknotenmetastasen [954]. Kleine Lymphknotenmetastasen können somit durch die adjuvante RIT beseitigt werden. Sollten nach der Operation und der RIT noch kleine iodavide Lymphknotenmetastasen detektiert werden, kann meist das Ergebnis der späteren diagnostischen ¹³¹I-Ganzkörper-Szintigraphie abgewartet werden. Diese Maßnahme und Messungen der Tg-Serumkonzentration im Verlauf erlauben eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen.
Ilhan et al. konnten zeigen, dass kleine Lymphknotenmetastasen erfolgreich mit Radioiod (verwendete Aktivitäten 2,0 – 7,0 GBq) behandelt werden konnten. Bei 65 Patienten konnten 67 von 70 Lymphknotenmetastasen mit einem Volumen kleiner als 0,9 ml erfolgreich mit Radioiod therapiert werden, wohingegen nur 6 von 14 Lymphknotenmetastasen mit einem Volumen größer als 0,9 ml erfolgreich behandelt wurden. Die Sensitivität und Spezifität sowie der positive und negative prädiktive Wert zur Prädiktion des Therapieerfolges unter Verwendung dieses Cut-off-Wertes lagen bei 92 % und 73 % bzw. 96 % und 57 %. Die Ergebnisse des Kurzachsendurchmessers mit einem Cut-off-Wert von kleiner 1,0 cm ergaben Werte von 90 %, 69 %, 94 % und 56 %. Durch eine RIT wurde die Mehrzahl, d.h. 88 % von ¹³¹I-positiven Lymphknotenmetastasen somit erfolgreich therapiert. Ilhan et al. konnten somit zeigen, dass insbesondere kleine iodavide Lymphknotenmetastasen gut auf eine Radioiodtherapie (Tumorvolumen < 0,9 ml und der Kurzachsendurchmesser < 1 cm) ansprechen. Über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 64 Monaten hatten 56/65 Patienten (86 %) keinen erhöhten Thyreoglobulinwert. Das Volumen und der Kurzachsendurchmesser stellten Prädiktoren des Therapieerfolges dar [955].
Wu et al. bestätigen diese Daten: in deren Kollektiv von 118 Patienten mit iodaviden LK-Metastasen und Ausschluss von Fernmetastasen wurden durch Radioiod bei 33/118 Patienten (28 %) komplette Remissionen und bei 62/118 Patienten (53 %) partielle Remissionen erzielt. Durch serielle RIT wurde eine Effektivität von 80,5 % erzielt (95/118 Patienten), dabei erfolgten bis zu drei RIT mit Verabreichung von kumulativ 3,7-16,7 GBq Radioiod [956]. Auch He et al. bestätigen die Wirksamkeit der RIT zur Behandlung von Lymphknotenmetastasen mit einer Erfolgsrate von 88 % bei 218 Patienten. Die Ansprechrate auf die RIT betrug 88 % (einschließlich einer Heilungsrate von 20,6 % und einer Besserungsrate von 67,4 %). Von den insgesamt 406 Lymphknoten von 218 Patienten wurden 319 Lymphknoten (78,6 %) als effektiv geheilt beurteilt, darunter 133 (32,8 %) Lymphknoten, die vollständig verschwanden, und 186 (45,8 %) Lymphknoten, die schrumpften. 87 (21,4 %) der 406 Lymphknoten wiesen keine offensichtlichen morphologischen Veränderungen auf [957].
Sollten Lymphknotenmetastasen nicht durch RIT erfolgreich behandelbar sein, so kommen eine Operation oder eine externe Bestrahlung in Betracht.
Lokalrezidive follikulärer Schilddrüsenkarzinome manifestieren sich meist als Tumorinfiltrationen des perithyreoidalen Weichteilgewebes und seltener in Form von Lymphknotenmetastasen. Bei Nachweis eines, in den bildgebenden Verfahren resektablen Weichteilrezidivs sollte dies durch eine systematische kompartment-orientierte Halsdissektion exstirpiert werden. Ist diese bereits in einem vorhergehenden Eingriff erfolgt, kann auch eine fokussierte Tumorexstirpation mit ausreichendem Sicherheitsabstand erfolgen. Bei unklaren Befunden kann präoperativ eine Diagnosesicherung durch eine FNA erfolgen.
Ausgedehnte Resektionen der Trachea und/oder des Ösophagus sollten nur bei gut differenzierten, minimal-invasiven FTC unter Abwägung einer möglichen Fernmetastasierung erfolgen und sind nur in Ausnahmefällen bei grob-invasiven FTC indiziert.
Die Rezidivoperation des FTC stellt in Bezug auf mögliche Komplikationen und die zu erzielende onkologische Radikalität einen sehr anspruchsvollen Eingriff dar, der nur in Kliniken mit entsprechender Expertise erfolgen sollte.
Wie auch bei allen anderen Rezidivoperationen von Schilddrüsenkarzinomen sollte der Eingriff unter Verwendung des intraoperativen Neuromonitorings erfolgen [958][959].
In einer palliativen Situation sollten bedrohliche und/oder die Lebensqualität beeinträchtigende Metastasen (z. B. stabilitätsgefährdende Skelettmetastasen mit drohender Querschnittssymptomatik, Metastasen mit Nerveninfiltration oder Gefäßarrosionen, Hirnmetastasen) gezielt behandelt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Bei progredienter Radioiod-refraktärer ausgedehnter Erkrankung ohne anderweitige Therapieoption soll die Indikation zur systemischen medikamentösen Therapie gegenüber einem abwartenden Verhalten geprüft und mit dem Patienten besprochen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Die meisten Patienten mit einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom können durch die initiale (Operation, gegebenenfalls mit anschließender Radioiodtherapie) Therapie geheilt werden. Zahlen zur Rezidivhäufigkeit und –lokalisation sowie zur Häufigkeit und Lokalisation einer bereits zum Diagnosezeitpunkt vorliegenden Metastasierung sind heterogen. Bei etwa 1 - 4 % der PTC-Patienten und bei etwa 7 - 28 % der FTC-Patienten werden bereits initial Fernmetastasen festgestellt [960]. Hier ist eine zeitnahe gezielte Therapie notwendig. Bei Patienten mit Fernmetastasen bedeutet eine Verzögerung der RIT von mehr als 6 Monaten ein schlechteres Gesamtüberleben, was bereits in einem Nachbeobachtungszeitraum von nur 5-6 Jahren nachgewiesen werden konnte [961].
Shokoohi et al. berichteten über kanadische Daten, wonach 87 % der primär metastasierten DTC-Patienten in Vollremission kommen. 136 Patienten (13 %) in deren Kollektiv hatten allerdings ein Rezidiv, davon 37 Patienten (3 %) Fernmetastasen, überwiegend lokalisiert in der Lunge (76 %) oder im Skelett (30 %) [962].
Carvalho et al analysierten 4085 Patienten im Zeitraum von 1996 bis 2015. Patienten mit extrathyreoidaler Infiltration oder zervikalen Lymphknotenmetastasen bzw. höherem Rezidivrisiko erhielten nach der Operation eine Radioiodtherapie. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von nur 58,7 Monaten wurde bei 176 Patienten ein Rezidiv festgestellt (4,3 %), meistens in Lymphknoten. Fernmetastasen fanden sich bei 18 Patienten (0,4 %). Die Rezidivrate im Niedrigrisikoarm betrug 1,6 %, bei den intermediären Stadien 7,4 % und 22,7 % bei den Hochrisiko-Patienten. Fernmetastasen fanden sich bei 18 Patienten (0,4 %). [963].
Goffredo et al. berichteten über 2,2 % der DTC-Patienten des SEER-Registers (n = 1291) mit Metastasen zum Diagnosezeitpunkt, das 5-Jahres-Überleben betrug in dieser metastasierten Gruppe 59 % und war damit deutlich schlechter im Vergleich zu den nicht-metastasierten Patienten [652].
Daten zum Überleben sind heterogen, so berichteten Chow et al. bei 164 metastasierten Patienten über eine 10-Jahres-Überlebensrate von 85 % und eine 20-Jahres-Überlebensrate von 71 % [964]. Sampson et al. publizierten, dass das 3-Jahres Überleben von metastasierten FTC-Patienten mit 62 % schlechter ist als das der metastasierten PTC-Patienten [965].
Nixon et al. publizierten schlechtere Daten zum Langzeitüberleben. Etwa die Hälfte der metastasierten Patienten verstarb innerhalb der nächsten 5 Jahre, wenn Fernmetastasen zum Zeitpunkt der Diagnose vorlagen [966]. Auch Lin et al. bestätigen die reduzierte Prognose von Patienten mit Fernmetastasen: von 70 PTC-Patienten mit Fernmetastasen waren 70 % nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 10,1 Jahren an ihrer Erkrankung verstorben [967]. Metachrone Metastasen haben ebenfalls eine schlechte Prognose mit einer 10-Jahres-Überlebensrate von nur 57 % [968].
Nach Li et al. stellt die Behandlung mit Radioiod eine effektive Behandlung metastasierter Patienten dar, dabei wurden metastasierten Patienten 22 GBq (600 mCi) Radioiod und mehr gegeben [969].
Allgemein anerkannte onkologische Prinzipien gelten auch für das DTC. Die Prognose ist umso schlechter je fortgeschrittener die Erkrankung ist, je rascher progredient sie ist um umso schlechter der Tumor differenziert ist. Beim DTC ergibt sich aber die Besonderheit, dass eine bessere Differenzierung mit dem Erhalt des Iodstoffwechsels verbunden ist. Die dadurch mögliche Radioiodtherapie kann auch bei ausgedehnterer Metastasierung kurativ sein.
Nachfolgend soll das Vorgehen bei den einzelnen Metastasenlokalisationen abgehandelt werden. In eine individuelle Therapieentscheidung fließen multiple Faktoren ein. Neben Zahl und Lokalisation von Metastasen (Tumorlast) ist die Tumordynamik wichtig. Das Patientenalter, Co-Morbiditäten, Lebenserwartung und Patientenwünsche spielen eine wichtige Rolle.
Es gilt folgendes strukturiertes Vorgehen bei persistierender Tumorlast bzw. einem Rezidiv:
Ein kuratives Konzept nutzt alleine oder in Kombination die Therapieoptionen Operation und / oder RIT und / oder perkutane Bestrahlung. Werden Metastasen als inoperabel eingeschätzt, muss überprüft werden, ob durch eine Radioiodtherapie, ggf. in Kombination mit einer perkutane Radiatio noch eine Kuration erzielbar ist. Anderenfalls ist das kurative Konzept ausgeschöpft.
Bei palliativer Intention kommen zunächst Operation / RIT / Bestrahlung oder eine Kombination in Betracht. Sind diese Maßnahmen nicht indiziert oder erfolglos, kommen ein kontrolliertes Zuwarten oder eine systemische medikamentöse Therapie in Frage. Darüber hinaus kann mit dem Pat. eine Redifferenzierungstherapie (bei niedriger Erfolgswahrscheinlichkeit) diskutiert werden, hier ist auf das entsprechende Kapitel zu verweisen.
Solange eine suffiziente Iodspeicherung der Metastasen belegt oder anzunehmen ist, und wenn die Tumorlast nicht chirurgisch kurativ zu behandeln ist, stellt die RIT meistens das Behandlungsverfahren der Wahl dar. Die damit verbundene Szintigraphie gibt Aufschluss über die Radioiodspeicherfähigkeit der Metastasen und damit auch deren Differenzierungsgrad. In Abhängigkeit von diesem Ergebnis ist eine [¹⁸F]FDG-PET/CT zu planen, insbesondere wenn es um die Frage nicht mehr iodavider, sondern entdifferenzierter Metastasen geht.
Bei lokalisierter Metastasierung ist die Möglichkeit der Resektion als primäre Therapieoption zu prüfen. Die Ergebnisse einer RIT sind umso besser, je kleiner die Tumormasse und je höher der Differenzierungsgrad ist. Insbesondere bei Lungenmetastasen – auch bei disseminierter Metastasierung – kommt die RIT als alleinige Therapiemaßnahme in Betracht. Bei inoperablen sowie nicht vollständig operativ entfernbaren Tumoren erfolgt eine Radioiodtherapie, wenn eine relevante Radioiod-Speicherung bewiesen oder anzunehmen ist.
Dieses Vorgehen wird durch eine Reihe retrospektiver Studien gestützt, die über die Ergebnisse der RIT bei Metastasierung berichten:
Schlumberger publizierte 1996 zum Nutzen der RIT bei Patienten mit Lungen- und Knochenmetastasen. Patienten mit einem sehr guten Ansprechen auf die RIT im Sinne einer kompletten Response hatten ein deutlich besseres 15-Jahres-Gesamtüberleben als die, bei denen dies nicht der Fall war (89 % versus 8 %) [970]. Durante et al. berichteten über 444 metastasierte PTC und FTC-Patienten im Zeitraum von 1953-1994 mit Lungen- (n = 223), Knochen- (n = 115), Lungen- und Knochenmetastasen (n = 82) oder anderen Metastasenlokalisationen. Es erfolgten serielle Therapien im Abstand von 3-9 Monaten in Hypothyreose in den ersten beiden Jahren und danach in jährlichen Abständen. 43 % der Patienten erreichten eine Vollremission im ¹³¹I-Ganzkörper-Szintigramm [971].
Ito et al. (Japan) werteten 5969 PTC-Patienten aus, von denen 71 (1,2 %, Zeitraum 1987 - 2004) Fernmetastasen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose aufwiesen, überwiegend mit ausschließlicher Lungenmetastasierung (n = 60), bzw. sonst ausschließlicher Knochenmetastasierung (n = 5), Lungen- und Knochenmetastasen (n = 5) und 1 Pt. mit Hirnmetastasen. Patienten mit iodaviden Metastasen erhielten eine oder wiederholte RIT. 15 Patienten verstarben bei einer mittleren Nachbeobachtungsdauer von 7 Jahren und 10 Monaten. Die 5- und 10-Jahres-Überlebensrate betrug 78,8 ± 5,2 % bzw. 76,3 ± 5,7 [972][611].
Li et al. analysierten den Nutzen der RIT bei 1608 Patienten mit Fernmetastasen anhand der SEER-Datenbank, darunter fanden sich 521 Patienten (32,4 %) mit Knochenmetastasen, 90 Patienten (5,6 %) mit Hirnmetastasen, 158 Patienten (9,8 %) mit Lebermetastasen, 995 Patienten (61,9 %) mit Lungenmetastasen und 50 Patienten (3,1 %) mit anderen Metastasen. Fernmetastasierte Patienten im Alter unter 45 Jahren, die sich einer RIT unterzogen, hatten eine 5-Jahres-Überlebensrate von 91,7 %, während diejenigen, die sich einer perkutanen Strahlentherapie unterzogen, eine Rate von nur 45,5 % aufwiesen; diese war somit signifikant niedriger als die RIT (externe Strahlentherapie versus Radioiodtherapie), bereinigte Hazard Ratio [HR]: 5,5; 95 %CI: 1,672-18,804, p < 0,005). Bei den Patienten, die älter als 45 Jahre waren, lag die 5-Jahres- Überlebensrate bei 69,1 %, verglichen mit 20,0 % bei den Patienten, die sich einer EBRT unterzogen [973].
Insgesamt ist bei metastasierter Erkrankung oftmals ein individuelles Konzept erforderlich, welches eine Kombination von therapeutischen Optionen (Operation, Radioiodtherapie, Bestrahlung, u.a.m.) umfasst. Shokoohi et al. publizierten ihre Erfahrungen zur Rezidivtherapie und erreichten mit multimodalen Therapiekonzepten bei 67 % der Patienten ein sehr gutes Behandlungsergebnis [962]. Durch unterschiedliche Kollektive und unterschiedliche Therapiekonzepte ergeben sich auch variable Überlebensraten. Kim et al. berichteten über 242 Patienten mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 85 % und einer 10-Jahres-Überlebensrate von 68 % [974].
Neben den häufigsten Metastasenlokalisationen (LK, Lunge, Skelett) publizierten Madani et al. über seltene Metastasenlokalisationen [975]. Mihailovic et al. bestätigen, dass die Radioiodavidität von Metastasen bzw. die Möglichkeit Metastasen mit Radioiod zu therapieren, mit einer besseren Prognose einhergeht, als wenn dies nicht der Fall ist [976]. Patienten mit Metastasen in drei und mehr Organsystemen haben ein besonders schlechtes Überleben. Zhang et al. berichteten über 37/717 Patienten (5,2 %) mit Metastasen in drei und mehr Organsystemen. Das 5-Jahres- und 10-Jahres-Überleben lag bei 45,9 % bzw. 37,8 % bei Patienten mit Fernmetastasen in drei oder mehr Organsystemen gegenüber 74,5 % bzw. 64,9 % bei Patienten mit Fernmetastasen in einem oder zwei Organsystem.
Radioiodanreicherung in den Metastasen war der wesentliche Faktor für ein längeres Überleben [977]. Zunino fokussierten auf das Vorkommen seltener Organmetastasen und beschrieben bei 36/3982 Patienten (0,9 %), überwiegend im ZNS lokalisierte Metastasen. Diese Patienten mit seltenen Organmetastasen hatten oftmals eine schlechte Prognose: Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13 Monaten waren 21/36 (58,3 %) Patienten an den Folgen des DTC verstorben [978].
7.2 Therapie von Tumorpersistenz, -rezidiv und/oder Metastasen
7.2.1 Lungenmetastasen
Sofern die Metastasen nicht bekanntermaßen Radioiod-refraktär sind, sollte bei multilokulären bzw. disseminierten Lungenmetastasen eine RIT erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Bei gering ausgeprägter, oligofokaler Lungenmetastasierung, insbesondere bei radioiodrefraktären Tumoren, können lokale therapeutische Verfahren (chirurgische Resektion oder externe Strahlentherapie) oder „watch and wait“ zur Anwendung kommen. Im interdisziplinären Tumorboard sollte ein individueller Behandlungsplan empfohlen werden.
- Konsens
- Konsens (95%)
Sabra et al. präsentierten Daten zum Verlauf von Patienten mit Lungenmetastasen, die nach Thyreoidektomie und RIT nur mit TSH-suppressiver Levothyroxintherapie behandelt wurden. Das mediane Gesamtüberleben der 199 Patienten betrug 10,5 Jahre, das mediane progressionsfreie Überleben 3,7 Jahre. Zum Zeitpunkt des letzten Follow-up (im Median 6,9 Jahre nach der Diagnosestellung von Lungenmetastasen) hatten 68 % der Patienten einen Tumorprogress und 46 % der Patienten waren verstorben. Dieses Kollektiv kann als Referenzkollektiv für den Spontanverlauf für DTC-Patienten mit Lungenmetastasen betrachtet werden [979].
Bei der Lungenmetastasierung muss zwischen miliarer Aussaat und multiplen einzelnen oder multiplen gut abgrenzbaren Metastasen differenziert werden [980]. Im ersteren Fall ist ein Größenbestimmung der Metastasen und eine morphologische Kontrolle nicht möglich. Die Erfolge der Radioiodtherapie sind gut. Eine Heilung ist möglich. Bei der Behandlungsplanung von Lungenmetastasen mittels RIT müssen das Patientenalter, Zahl und Verteilungsmuster der Lungenmetastasen (mikro- versus makronoduläre Lungenmetastasen und multilokulär-disseminierte versus oligofokale Tumorlast) und – insofern Voraufnahmen zum Vergleich verfügbar sind – die Wachstumsdynamik berücksichtigt werden. Eine Größenzunahme von Lungenmetastasen und der Verlust der Radioiodanreicherung sind ursächlich für unterschiedliche klinische Verläufe und Unterschiede in der Prognose [981].
Song et al. berichteten von 256 Patienten mit radioiodaviden Lungenmetastasen (256/372, 68,8 %). Von diesen Patienten zeigten 156 Patienten (156/256, 60,9 %) nach der RIT einen signifikanten Rückgang des Thyreoglobulin-Serumspiegels und 138 Patienten (138/229, 60,3 %) einen morphologischen Rückgang der Lungenmetastasen im Nachfolge-CT. Song et al. berichteten über eine Heilung bei 62/256 Patienten (24 %) durch eine RIT [982]. Die multivariate Analyse zeigte, dass das Alter, das Vorhandensein multipler Fernmetastasen und die Größe der Lungenmetastasen signifikante unabhängige Variablen zwischen der radioiodaviden und der nicht-radioiodaviden Gruppe waren. Patienten unter 40 Jahre, Lungenmetastasen bis 1 cm Durchmesser und ggf. noch Lymphknotenmetastasen hatten ein besseres Überleben als Patienten über 40 Jahre, Lungenmetastasen über 1 cm Durchmesser und weiteren Organmetastasen, beispielweise im Skelett [982]. Über günstige Therapieeffekte durch Radioiod berichten auch Yang et al.: Von 151 Patienten mit Lungenmetastasen erreichten durch RIT 17 Patienten eine komplette Response, 71 Patienten eine partielle Response. 63 Patienten hatten keine Response. Das Überleben betrug nach 5 Jahren 72,2 %, nach 10 Jahren 55,2 % und nach 15 Jahren 51,3 % [566].
Diese Daten werden von Wang et al. in einer Auswertung an 20 Patienten und einer Meta-Analyse bestätigt. Wang et al. berichteten über eine Ansprechrate auf die RIT von 40 %, in der Meta-Analyse allerdings von 58 %, was seine Gründe in der Zusammensetzung der Therapiekollektive hatte [983]. In einer aktuellen Publikation berichten Wang et al. über den Nutzen der RIT zur Behandlung von Patienten mit Lungenmetastasen: 83/117 Patienten (71 %) sprachen auf die Therapie an, dokumentiert an einem abfallenden Thyreoglobulin-Wert [984]. Dabei kamen hohe kumulative Therapieaktivitäten zum Einsatz. Yang et al. berichten über eine mittlere kumulative Aktivität von 19,6 GBq (530 mCi) (Range 3,7 – 61 GBq (100 bis 1650 mCi)) ¹³¹I. Die Effektivität in der Gruppe bis kumulativ 14,8 GBq (400 mCi) Radioiod war geringer (10-Jahres-Überelebensrate 38 %) als in der Gruppe, die mindestens 33,3 GBq (900 mCi) (10-Jahres-Überelebensrate 80 %)) erhalten hatte [985]. Zang et al. berichten in ihrer Meta-Analyse über eine gepoolte Effektivität der RIT bei pulmonalen Metastasen von 58 % [983].
Kim et al. weisen auf prognostische Unterschiede zwischen einer Mikro- (Lungenmetastasen < 1 cm) und einer Makrometastasierung (Lungenmetastasen >= 1 cm) hin. Makronoduläre Metastasen hatten 27/112 Patienten (24 %). Diese Patienten hatten ein signifikant schlechteres Therapieansprechen und ein schlechteres progressionsfreies Überleben. Radioiodavidität hat einen signifikanten prognostischen Einfluss in der Gruppe mit mikronodulären Lungenmetastasen [986].
Lin et al. berichteten über Lungenmetastasen bei FTC-Patienten: 70/272 Patienten (25,7 %) hatten Lungenmetastasen, die 10-Jahres-Überlebensrate betrug 54 %. Die Tumorgröße und die kumulativ verabreichte Aktivität an Radioiod hatte einen Einfluss auf das Überleben, kumulativ wurde diesen Patienten im Mittel 14,2 ± 1,8 GBq (383 ± 48 mCi) ¹³¹I verabreicht [987].
Zhu et al. weisen auf die prognostisch ungünstige Gruppe der entdifferenzierten, [¹⁸F]FDG-aviden Lungenmetastasen hin [559]. Das Erkennen einer prognostisch ungünstigen Gruppe mit kurzer Tumorverdopplungszeit unter 1 Jahr kann die Entscheidung zu einer Therapie mit Kinaseinhibitoren lenken [988]. Abgrenzbare Lungenmetastasen dagegen können morphologisch verlaufskontrolliert werden und diese Information kann bei der Indikationsstellung zur RIT berücksichtigt werden. Je jünger ein Patient ist und je ausgedehnter die Lungenmetastasierung ist, umso großzügiger wird die Indikation zur RIT gestellt. Je älter der Patient und je langsamer das Tumorwachstum bzw. die Tg-Verdopplungszeit (> 6 – 12 Monate) ist, umso eher wird man ein abwartendes Vorgehen wählen [988].
Mikronoduläre, iodspeichernde Lungenmetastasen (nicht immer sichtbar im CT, im konventionellen Röntgen-Thorax oftmals nicht erkennbar) können falls erforderlich im Intervall von 6 - 12 Monaten mit ¹³¹I behandelt werden. Die RIT ist wiederholbar, solange eine relevante ¹³¹I-Speicherung vorhanden ist. Ein weitere RIT wird vom Ansprechen auf die vorherige RIT abhängig gemacht. Üblicherweise möchte man einen (deutlichen) Abfall des Tumormarkers Thyreoglobulin sehen. Es gibt einen Behandlungskorridor mit wenigen hochdosierten Zyklen mit möglichst langen therapiefreien Intervallen versus einer höheren Zahl von Therapiezyklen mit vorsichtiger Dosierung des Radioiods. Zu bevorzugen ist das erstgenannte Vorgehen.
In der Subgruppe mit mikronodulärer oder miliarer Metastasierung bestehen die besten Aussichten auf eine komplette Remission. Kim et al. bestätigten, dass komplette Remissionen in der Gruppe mit mikronodulären Metastasen gefunden wurden [989]. Ein gutes Therapieansprechen bei mikronodulärer Metastasierung wird auch von Long et al. berichtet bei einer Ansprechrate von 95,2 % (20/21 Patienten), bei denen die Lungenmetastasen nur in der Iodbildgebung, nicht aber im CT sichtbar waren [990].
Lag initial eine ausgedehnte mikronoduläre Lungenmetastasierung vor, liegt nach wiederholten RIT und sinkender Iodspeicherung der Lungenmetastasen häufig ein noch messbarer Tg-Spiegel vor. Die Indikation zu einer weiteren RIT wird dann an der Intensität der ¹³¹I-Speicherung in der vorherigen ¹³¹I-Ganzkörperszintigraphie und an der Knochenmarkreserve (Neutrophile, Thrombozyten) ausgerichtet. Für den Ausschluss einer disseminierten Lungenmetastasen ist ¹²⁴I-PET wenig geeignet, in dieser Situation ist ein ¹³¹I-Posttherapie-Ganzkörper überlegen. Die Höhe der Therapieaktivität (Standardaktivität, ggf. für Kinder gewichtsadaptiert und die Anzahl der RIT richtet sich nach dem Ansprechen auf vorangegangene Behandlungen. Bei der Planung von wiederholten Radioiodtherapien sind mögliche Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Wenn eine stabile Situation vorliegt, kann u.U. jahrelang zugewartet werden und erst bei eindeutigem biochemischem oder morphologischem Progress eine erneute RIT geplant werden. Die Prognose ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen unter TSH-Suppression mit Levothyroxin sehr gut [619].
Strahlenpneumonitis oder Strahlenfibrose sind seltene Komplikationen nach wiederholten hochdosierten ¹³¹I-Therapien bei disseminierter Lungenmetastasierung. Kortikoide können auch als Begleitmedikation bei der RIT von disseminierten Lungenmetastasen zur Prävention einer Lungenfibrose in Betracht gezogen werden, die Evidenz für dieses Vorgehen ist jedoch gering.
Makronoduläre, iodspeichernde Lungenmetastasen sollten im Falle einer Iodspeicherung ebenfalls mit ¹³¹I behandelt werden. Therapieaktivität und Anzahl der RIT richten sich nach dem Ansprechen auf vorangegangene Behandlungen, der Krankheitsprogression, dem Patientenalter, der Metastasengröße, dem Fehlen/Nachweis anderer Metastasen und den Erfolgsaussichten anderer Therapieoptionen. Ein Therapieansprechen spricht für eine Wiederholung der Radioiodtherapie.
Bei Lungenmetastasen ohne Iodspeicherung sollte die Indikation zu operativen oder ablativen Verfahren überprüft werden. Möglichkeit der atypischen, gewebeschonenden Resektion bzw. lokaltherapeutischer Alternativverfahren wie der Radiofrequenzablation können angewandt werden.
Pawelczak et al. analysierten in einer Übersichtsarbeit ( 9 Studien mit 112 Kindern) das Therapieansprechen von Lungenmetastasen bei Kindern und jungen Erwachsenen < 21 Jahren. Eine komplette Response hatten 47,3 %, eine partielle Response 38,4 % und keine Response 14,3 % der Patienten. Die krankheitsspezifische Mortalität lag bei 2,7 %. Die therapieassoziierte Morbidität war niedrig: nur ein Patient hatte ein Sekundärmalignom, einer von elf untersuchten Patienten entwickelte eine Lungenfibrose [463]. Auch Wang et al. untersuchten die Wirksamkeit der RIT bei Lungenmetastasen von Kindern: Die RIT war bei 55,9 % (38 von 68) der Patienten wirksam, bei 26,5 % (18 von 68) war die Erkrankung stabil und bei 17,6 % (12 von 68 Kindern) unwirksam [991].
7.2.2 Skelettmetastasen
Die Radioiodtherapie zur Behandlung von iodaviden Knochenmetastasen soll nur unter Berücksichtigung von Zahl und Verteilungsmuster der Metastasen und Patienten-spezifischer Faktoren eingesetzt werden. Je nach Ausprägung (z. B. Frakturgefährdung) der ossären Metastasen sollen weitere Therapiemaßnahmen geplant werden.
- Konsens
- Konsens (89%)
Skelettmetastasen treten bei etwa 4 % der DTC-Patienten auf und sind vor allem in der Wirbelsäule, dem Becken und den Rippen lokalisiert [992]. Qui et al. berichteten über eine niedrigere Häufigkeit von 244 / 67176 Patienten (0,36 %) der SEER-Datenbank mit synchronen Skelettmetastasen, das mittlere Überleben dieser Patienten betrug 22 Monate [993].
Skelettmetastasen implizieren eine schlechtere Prognose: Bei einer mittleren Nachbeobachtung von 11 +/- 9.6 Jahren nach Diagnosestellung eines DTC verstarben 55 % der 64 in dieser Studie nachbeobachteten Patienten [992]. Iñiguez-Ariza et al. berichteten in ihrem Übersichtsartikel über ein medianes Überleben von DTC-Patienten mit Skelettmetastasen von 4 Jahren [994].
Zu den seltenen Lokalisationen von Skelettmetastasen gehört das Schädelskelett. Varadarajan et al. berichteten anhand einer Zusammenstellung der publizierten Literatur über 59 Patienten mit Metastasen im Schädelskelett. Die Behandlungsoptionen bestehen in der Resektion, Bestrahlung und/oder Gabe von Radioiod [995]. Eine seltene, aber für den Patienten dramatische Komplikation ist eine Paraplegie durch Wirbelkörperfrakturen osteolytischer Metastasen [996].
Das Behandlungskonzept von Skelettmetastasen ist interdisziplinär auszurichten. Eine Kuration ist wenig wahrscheinlich. Ramadan et al. untersuchten speziell das Management von Metastasen in der Wirbelsäule und konstatierten einen Mangel im Hinblick auf ein etabliertes Therapiekonzept [997]. Es gibt ein Spektrum von Behandlungsoptionen, welches die Operation, lokal embolisierende Verfahren, RIT, externe Bestrahlung und medikamentöse Therapieoptionen (Biphosphonate, VEGF-Rezeptor-Targets, etc.) umfasst. Das Überleben der Patienten ist besser, wenn die Skelettmetastasen vollständig entfernt oder mit Radioiod behandelt werden können [997].
Die Therapie zielt auf eine hohe Lebensqualität und die Vermeidung pathologischer Frakturen ab. Kriterien für eine Auswahl einer geeigneten Therapiestrategie bei Knochenmetastasen sind das Risiko einer pathologischen Fraktur (Metastasen in Gewicht-tragenden Skelettabschnitten), das Risiko neurologischer Komplikationen (Wirbelsäule), die Schmerzsymptomatik, das Speicherverhalten für ¹³¹I und die Strahlenempfindlichkeit der benachbarten Organe (perkutane Strahlentherapie). Die komplette operative Resektion isolierter Knochenmetastasen führt zu einem verbesserten Outcome [997]. Symptomatische Knochenmetastasen, die nicht oder nur unvollständig reseziert werden können, können durch eine Kombination verschiedener Therapieverfahren (Radioiodtherapie, perkutane Strahlentherapie, lokal-interventionelle Therapie, systemische Therapie) behandelt werden.
Califano et al. berichteten über 52 DTC-Patienten einer multizentrischen retrospektiven Auswertung aus Argentinien, von denen zwei Drittel der Patienten multiple Skelettmetastasen hatten. FTC-Patienten metastasierten mit einem Anteil von 7 – 28 % häufiger in das Skelett als PTC-Patienten mit 1,4 – 7 %. Häufig ist die Wirbelsäule Ort der Skelettmetastasierung. Skelettschmerzen waren bei der Hälfte der Patienten das initiale Symptom. 42/52 Patienten wurden mit Radioiod therapiert, von diesen erhielten 30 Patienten eine kumulative Aktivität von mehr als 22,2 GBq (600 mCi ) ¹³¹I. 2- und 5-Jahres-Überlebensraten lagen bei 64 bzw. 38 %. Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 34 Monaten verstarb die Hälfte der Patienten, ein Viertel in direktem Zusammenhang mit der Tumorerkrankung [998].
Kleine Knochenmetastasen ohne Auffälligkeiten in der morphologischen Bildgebung können am ehesten mit wenigen Radioiodtherapien geheilt werden, insbesondere bei jungen Patienten [999][1000]. Demgegenüber wurden nur wenige Patienten mit großen und multiplen Metastasen mit Radioiod geheilt, das 5-Jahres-Überleben lag bei diesen Patienten bei etwa 60 % [971].
Kondraciuk et al. berichteten über 74 Patienten mit Knochenmetastasen. Die mit externer Strahlentherapie behandelten, hatten ein besseres Überleben: das 5-Jahres-Überleben betrug 59 %, das mediane Überleben 92 Monate. TERT- oder BRAF-Mutationen hatten keinen ungünstigen Effekt auf das Überleben [1001]. Wu et al. berichten über eine retrospektive Auswertung von 77 Patienten mit Skelettmetastasen, von denen 23/77 Patienten eine einzelne Therapie und 54/77 multiple Therapien erhalten hatten, in der ersten Gruppe betrug das mediane Überleben 3,9 Jahre in der zweiten Gruppe 7,7 Jahre. Ein besseres Überleben hatten die innerhalb von 6 Monaten mit Radioiod behandelten Patienten und diejenigen, die eine Strahlentherapie erhalten hatten [62].
Mazziotti et al. berichteten über die italienische MOSCATI-Studie (Metastases Of the Skeleton from CArcinoma of the ThyroId). 131 Patienten mit Skelettmetastasen wurden hierin inkludiert. Die Gesamtmortalität wurde durch eine RIT signifikant gesenkt (HR 0,10; p = 0,02), während in den Knochenstoffwechsel eingreifende Medikamente (p = 0,36), externe Strahlentherapie (p = 0,54) und chirurgische Eingriffe (p = 0,43) keine signifikanten Auswirkungen auf die Skelettmetastasen hatten [1002].
Kato et al. beschreiben in einer aktuellen Übersichtsarbeit das Spektrum der Therapieoptionen einschließlich der operativen Resektion [1003]. Seltene Lokalisationen wie beispielsweise Skelettmetastasen des Gesichtsschädels erfordern ggf. spezielle chirurgische Interventionen [1004][1005].
Deandreis fanden keine Vorteile im Vergleich eines empirischen versus dosimetrischen Vorgehens bei der Behandlung von Skelettmetastasen mittels Radioiod [1006].
7.2.3 Hirn- / ZNS-Metastasen
Bei der Behandlungsplanung von Hirn- und Spinalkanalmetastasen soll zunächst die operative Resektion oder die externe Strahlentherapie geprüft werden. Eine Radioiodtherapie kann bei Hirn oder ZNS-Metastasen durchgeführt werden, ist aber im Vergleich der erstgenannten Verfahren weniger effektiv.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Bei zerebralen oder spinalen Metastasen mit Kompressionsgefahr kann die Gabe von Glukokortikoiden mit dem Ziel einer Ödemprophylaxe bzw. Ödemreduktion erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hirnmetastasen sind selten. Hong et al. fanden Hirnmetastasen bei 25/4683 DTC-Patienten (0,5 %), von diesen hatten 24 Patienten weitere Metastasen außerhalb des ZNS. 20/24 Patienten wurden operiert, 4 erhielten eine Strahlentherapie, ein Patient „best supportive care“. Das mittlere Überleben nach Diagnosestellung von Hirnmetastasen betrug 27 Monate [1007]. Osborne et al. berichteten über 79 DTC-Patienten mit Hirnmetastasen. Das mittlere Überleben dieser Patienten betrug lediglich 18 Monate und war damit den 17,5 Monaten vergleichbar mit Daten aus einer Publikation von Wu et al. [1008]. Maximal 3 Hirnmetastasen und die operative Resektion verbesserten das Überleben [1001]. Noch ungünstiger sind die Daten von Simões-Pereira, der über 27 Patienten mit Hirnmetastasen berichtet mit einem mittleren Überleben von nur 5 Monaten, nur die Patienten, denen eine Operation angeboten werden konnte, hatten ein etwas besseres Überleben [1009]. Wu et al. publizierten 22 / 2013 DTC-Patienten mit Hirnmetastasen (1,1 %) aus den Jahren 2000-2020. Das mittlere Überleben betrug 17,5 Monate. Nur neurochirurgische Maßnahmen hatten einen günstigen Einfluss im Hinblick auf das Überleben [1008]. Slutzky-Shraga et al. bestätigen diese Aussagen [1010].
Die operative Resektion stellt somit die primäre Therapieoption bei Hirnmetastasen dar, unabhängig von einer Speicherung von Radioiod. Sind die ZNS-Metastasen keinem operativen Verfahren zugänglich, empfiehlt sich die perkutane bzw. stereotaktische Strahlentherapie. Wird die ¹³¹I-Therapie von iodaviden ZNS-Metastasen in Erwägung gezogen, sollte begleitend eine Glukokortikoidgabe empfohlen werden, um die potenzielle Schwellung von Metastasen bzw. das Risiko eines peritumoralen Begleitödems infolge der TSH-Stimulation und der β-Strahlung der RIT zu minimieren. Eine RIT ist im Vergleich mit der Operation oder externen Strahlentherapie zur Behandlung von Hirnmetastasen weniger effektiv und daher üblicherweise Therapie der dritten Wahl. Der Nutzen einer Glukokortikoidtherapie zur Reduzierung einer Drucksymptomatik bei der RIT ist nicht gut belegt, allerdings zeigt die klinische Erfahrung, dass bei vorbestehenden Beschwerden Kortikoide gut wirken.
Gomes-Lima publizierten über 24 Patienten mit Hirnmetastasen. Patienten, die sich einer Operation unterzogen, hatten im Median eine längere Überlebenszeit als diejenigen, die sich keiner Operation unterzogen (27,3 Monate gegenüber 6,8 Monaten; P = 0,15). Bei Patienten, die sich einer stereotaktischen Radiochirurgie unterzogen, war die mediane Überlebenszeit länger als bei denen, die keine solche Therapie erhielten (52,5 Monate vs. 6,7 Monate; P = 0,11). Zwölf Patienten (50 %) wurden mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) behandelt, und diese hatten eine bessere Überlebenszeit als diejenigen, bei denen kein TKI eingesetzt wurde (mediane Überlebenszeit 27,2 Monate vs. 4,7 Monate; P , 0,05) [1011].
Wenngleich Patienten mit Hirnmetastasen eine schlechtere Prognose haben, so werden im Einzelfall Langzeitüberlebende berichtet [1012][1013].
7.3 Wann besteht die Indikation zur systemischen Therapie? Und mit welchen Medikamenten soll diese durchgeführt werden?
Patienten mit einem Radioiod-refraktären metastasierten DTC, das asymptomatisch, stabil oder minimal progredient ist, mit geringer Wahrscheinlichkeit, einen raschen Progress mit klinisch signifikanten Komplikationen zu entwickeln und ohne Indikation für eine lokale Therapie, sollen unter TSH-suppressiver Therapie beobachtet werden. Regelmäßige bildgebende Kontrollen (alle 3-12 Monate) werden empfohlen mit Evaluation im interdisziplinären Tumorboard im Falle eines klinisch signifikanten Progresses.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Patienten mit Radioiod-refraktärem metastasiertem DTC haben nicht selten über Jahre indolente klinische Verläufe ohne Einschränkung ihrer Lebensqualität. Trotz der großen Fortschritte in der systemischen Therapie des Radioiod-refraktären DTC muss berücksichtigt werden, dass Komplettremissionen bisher nur in wenigen Einzelfällen beschrieben wurden und eine ungenügende Datenlage zur Verlängerung des Gesamtüberlebens vorliegt [1014][24][60][1015][1016]. Es bleibt zudem auch auf dem Boden der aktuellen Datenlage unklar, ob ein früherer Therapiebeginn die therapeutische Effektivität verbessert. Dies ist im Rahmen einer sorgfältigen Risiko-Nutzen-Abwägung gegenüber der hohen Lebensqualität der Patienten mit fortgeschrittenen Radioiod-refraktären DTC mit oft sehr langen stabilen Verläufen abzuwägen. Angesichts der teilweise nicht unerheblichen Nebenwirkungsprofile der systemischen Therapieoptionen mit einem zwar geringen aber klinisch relevanten Mortalitätsrisiko (1,5-2 %) [1017], gilt daher auch heute in Anlehnung an die aktuellen internationalen Leitlinien [24][60][1015][1016] das Motto „Weniger ist Mehr“. Der Einsatz molekular gezielter Therapien ist erst dann indiziert, wenn ein signifikanter Progress bei hoher Tumorlast vorliegt, lokale Therapiemaßnahmen nicht mehr sinnvoll sind und eine Watch & Wait-Strategie nicht mehr gerechtfertigt werden kann. Dabei werden die Ausdehnung der Metastasierung, die durch die Tumorerkrankung verursachten Symptome, die Ko-Morbiditäten sowie die Wachstumsdynamik der radiologisch evidenten Läsionen berücksichtigt.
Es liegen keine Studien vor zur Festlegung adäquater Intervalle für die Staging-Untersuchungen im Rahmen der Watch & Wait Strategie. Staging-Intervalle von 3-12 Monaten unter Berücksichtigung der Tumorlast, der Wachstumsdynamik und der Lokalisation der Metastasen sind sinnvoll. Von einem signifikanten Progress wird ausgegangen nach RECIST Kriterien, wenn eine Zunahme der Summe der längsten Durchmesser der Zielläsion um mindestens 20 % vorliegt, bei Auftreten signifikanter neuer metastatischer Läsionen oder Auftreten von Tumor-induzierten Symptomen. Eine alleinige Zunahme des Tumormarkers Thyreoglobulin ohne morphologischen Progress ist keine Grundlage für den Beginn einer systemischen Therapie [24].
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝
Sorafenib: OS [Brose, MS et al. 2014]
⊕⊕⊝⊝Sorafenib: PFS [Brose, MS et al. 2014]
⊕⊕⊕⊕Lenvatinib: OS [Schlumberger, M et al. 2015]
⊕⊕⊕⊝Lenvatinib: PFS [Schlumberger, M et al. 2015]
⊕⊕⊕⊕Cabozantinib: OS [Brose, MS et al. 2021][Brose, MS et al. 2022]
⊕⊕⊕⊝Cabozantinib: OS [Brose, MS et al. 2021][Brose, MS et al. 2022]
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1018] [1019] [1020] [1021]
Es liegen 3 randomisierte kontrollierte Phase 3 Studien zu den zugelassenen Multityrosinkinase Inhibitoren (MKI) Sorafenib (DECISION Trial) [1018], Lenvatinib (SELECT Trial) [1019] und dem kürzlich erst zugelassenen Cabozantinib in der Zweitlinientherapie (COSMIC-311) [1020] vor. Zu letzterer Arbeit ist ein Update publiziert worden [1021].
Auf dem Boden einer randomisierten, Placebo-kontrollierten multizentrischen Phase-3 Studie (DECISION Studie) bei Patienten mit Radioiod-refraktärem DTC (Sorafenib n=207; Placebo n=210) erfolgte im Jahr 2014 die Zulassung von Sorafenib beim progredienten lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Radioiod-refraktären DTC. Es zeigte sich eine Verlängerung des Progressions-freien Überlebens (PFS) auf 10,8 Monate im Therapie-Arm vs. 5,8 Monate im Placebo-Arm, mit Tumorstabilisierung bei 42 % der Patienten und partielle Remission bei 12,2 %; Komplettremissionen gab es nicht. Nebenwirkungen traten häufiger im Sorafenib Arm auf (98,6 %) als im Placebo-Arm (87,6 %), erforderten bei 66,2 % eine Therapiepause, bei 64,3 % eine Dosisreduktion und bei 18,8 % den Therapieabbruch, wobei am häufigsten Hand-Fuß-Syndrom (76,3 % vs. 9,6 %), Diarrhoe (68,6 % vs. 15,3 %), Alopezie (67,1 % vs. 7,7 %) sowie Hautausschlag (50,2 % vs. 11,5 %) berichtet wurden. [1018]
Als weiterer oraler MKI wurde Lenvatinib auf dem Boden einer internationalen, randomisierten, multizentrischen Phase-3 Studie (SELECT) für Patienten mit progredientem Radioiod-refraktärem DTC (Lenvatinib n=261; Placebo n=131) im Jahr 2015 zugelassen. Es zeigte sich eine PFS Verlängerung um 14,7 Monate auf 18,3 Monate im Lenvatinib-Arm versus 3,6 Monate im Placebo-Arm, mit einer objektiven Ansprechrate (ORR) in der Lenvatinib Gruppe von beachtlichen 64,8 %, die auch 4 Komplettremissionen einschloss. Eine Tumorstabilisierung wurde bei zusätzlichen 23 % der Patienten im Lenvatinib-Arm erreicht. Eine PFS Verlängerung zeigte sich sowohl bei Therapie-naiven Patienten (PFS 16,7 Monate) als auch bei Patienten, die schon mit einem MKI vortherapiert waren (PFS 15,1 Monate), womit die Effektivität für Lenvatinib auch in der Second-Line Therapie belegt ist. Eine signifikante Verlängerung des OS für die Gesamt-Studienpopulation wurde nicht beobachtet, konnte jedoch für die Subgruppe der älteren Patienten (> 65 J.) nachgewiesen werden [1022]. Nebenwirkungen traten bei 97,3 % der Patienten im Lenvatinib-Arm auf vs. 59,5 % der Patienten im Placebo-Arm, dies erforderte eine Dosisreduktion bei 67,8 %, eine Therapieunterbrechung bei 82,4 % und einen Therapieabbruch bei 14,2 % der Patienten, wobei am häufigsten Hypertonie (67,8 % vs. 9,2 %), Diarrhoe (59,4 % vs. 8,4 %), Fatigue Syndrom (59 % vs. 27,5 %), Appetitverlust (50,2 % vs. 11,5 %) sowie Gewichtsverlust (46,4 % vs. 9,2 %) berichtet wurden [1019].
Auf dem Boden überzeugender Daten mit sehr guter Effektivität von Cabozantinib im Zweit- oder Drittlinien-Setting bei allen histologischen DTC Subtypen, einschließlich gering differenziertem DTC (PDTC), wurde eine internationale multizentrische Phase-3 Studie für Cabozantinib durchgeführt bei Patienten mit Radioiod-refraktärem DTC nach Progress unter bis zu zwei vorangegangenen antiangiogenetischen MKI Therapien (COSMIC-311) (Cabozantinib n=170; Placebo n=88). Es zeigte sich ein PFS von 11 Monaten im Therapiearm vs. 1,9 Monaten im Placebo-Arm (PFS 16,6 Monate bei Vorbehandlung mit Sorafenib ohne Lenvatinib; PFS 5,8 Monate bei Vorbehandlung mit Lenvatinib ohne Sorafenib; PFS 7,6 Monate bei Vorbehandlung mit Sorafenib und Lenvatinib). Die ORR war 11 % für Cabozantinib, die auch Komplettremissionen (1 %) einschloss, vs. 0 % im Placebo-Arm. Nebenwirkungen traten im Cabozantinib-Arm mit 98 % häufiger auf als im Placebo-Arm (85 %), was bei 67 % eine Dosisreduktion erforderlich machte und bei 9 % zu einem Therapieabbruch führte, wobei am häufigsten Diarrhoe (62 % vs. 3 %), Hand-Fuß-Syndrom (47 % vs. 1 %) sowie Hypertonie (32 % vs. 3 %) berichtet wurden [1020][1021]. Auf dem Boden dieser Daten erfolgte im Jahr 2022 die Zulassung für Cabozantinib für die Behandlung von Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Radioiod-refraktärem DTC, bei denen während oder nach einer vorherigen systemischen Therapie eine Progression aufgetreten ist.
In keiner der Studien zeigte sich ein Gesamtüberlebensvorteil mit der Einschränkung des Cross-over Designs. Für Lenvatinib konnte eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens in einer Subgruppenanalyse für ältere Patienten (> 65 J.) nachgewiesen werden, die jedoch gleichzeitig signifikant häufiger schwere Nebenwirkungen (Grad ≥3) aufwiesen (89 vs. 67 %) und häufiger eine Dosismodifikation benötigten [1022].
Bei Vorliegen von Kontraindikationen oder Versagen der zugelassenen MKI stehen zudem eine Reihe von Substanzen auf dem Boden von Effektivitätsdaten in Phase 2 Studien zur Verfügung für den Einsatz im individuellen Heilversuch oder optimalerweise – soweit verfügbar – im Rahmen von Studien, hierzu zählen Everolimus [1023], Pazopanib [1024], Vandetanib [1025][1026], Sunitib [1027][1028] und Axitinib [1029][1030] (National Comprehensive Cancer Network Guidelines, Thyroid Carcinoma, 2022).
Bei Patienten mit metastasiertem Radioiod-refraktärem DTC/PDTC soll vor Entscheidung über die Art der systemischen Therapie eine molekulargenetische Analyse des Tumors durchgeführt werden, die auch Genfusionen einschließt, damit der Einsatz selektiver Inhibitoren im interdisziplinären Tumorboard diskutiert werden kann.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Auf dem Boden der zunehmenden Charakterisierung molekularer Alterationen, die zumindest zum Teil als onkogene Treiber identifiziert wurden, sind in den letzten Jahren auch beim Radioiod-refraktären DTC selektive Inhibitoren in den Fokus des Interesses gerückt. Es wird daher auf dem Boden der aktuellen Datenlage bei allen Patienten mit Radioiod-refraktären progredienten DTC eine molekulargenetische Analyse des Tumors empfohlen, damit der Einsatz selektiver Inhibitoren im interdisziplinären Team diskutiert werden kann. Selektive Inhibitoren kommen nicht nur bei Kontraindikationen gegen den Einsatz von VEGFR-gerichteteten MKI (relative Kontraindikationen umfassen insbesondere schlechte Herzfunktion, erst kürzlich erlittener Myokardinfarkt, schlecht kontrollierbare Hypertonie, Kolitis, Divertikulitis, Ulkuserkrankung, große oder schlecht heilende Wunden, intestinale Perforationen, Tumoren mit Invasion in Trachea/Ösophagus/große Gefäße, Hämoptysen, Therapie mit Antikoagulantien, sehr niedriges Körpergewicht) in Frage, sondern sollten im interdisziplinären Tumorboard auch als Alternativen zu den MKI bei geringerer Nebenwirkungsrate und überzeugender Effektivität im interdisziplinären Tumorboard diskutiert werden [1031].
Bei Patienten mit Radioiod-refraktärem DTC/PDTC, die eine RET Fusion aufweisen, mit metastasierter, rasch progredienter (nach RECIST), symptomatischer, und/oder lokal unmittelbar bedrohlicher Erkrankung ohne sinnvolle lokale Therapiemöglichkeiten, stellt eine Therapie mit einem selektiven RET Inhibitor einen alternativen Therapieansatz mit niedriger Nebenwirkungsrate und hohem Therapieansprechen dar und sollte eingesetzt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
DTC können eine Reihe von Genfusionen aufweisen, wie RET-, NTRK- und ALK-Fusionen, die tumoragnostisch mit den jeweils verfügbaren selektiven Inhibitoren therapeutisch angehbar sind.
In der einarmigen LIBRETTO-001 Phase 1/2 Studie zum selektiven RET-Inhibitor Selpercatinib wurden 22 vortherapierte und 12 Therapie-naive Patienten mit RET-Fusions-positiven Schilddrüsenkarzinomen eingeschlossen, die bei 2 bzw. 4 Patienten zu einer Komplettremission führten, sowie bei 15 bzw. 7 Patienten zu einer partiellen Remission, während die restlichen Patienten eine Tumorstabilisierung aufwiesen (ORR 77 % bzw. 92 %) [1032], [1033]. Die häufigsten Nebenwirkung bei Selpercatinib sind Mundtrockenheit (39 %), Hypertonie (30 %), Diarrhoe (17 %), Fatigue (25 %), Leberwerterhöhung (28 %).
Der Langzeitverlauf der Patienten der LIBRETTO-001 Phase 1/2 Studie wurde von Wirth publiziert [1034]. In Bezug auf die RET-Fusions-positiven Tumoren wurden insgesamt 66 Patienten nachverfolgt. Die objektive Ansprechrate lag bei 85,8 % (der nicht vorbehandelten Patienten). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 24,9 bzw. 30,4 Monate in der Gruppe der nicht-vorbehandelten bzw. der vorbehandelten Patienten. Das mediane progressionsfreie Überleben wurde in der nicht-vorbehandelten Gruppe noch nicht erreicht. Die Gesamtüberlebensrate zum Zeitpunkt der medianen Nachbeobachtungszeit in der Gruppe der nicht-vorbehandelten Patienten betrug 94,4 % und in der Gruppe der vorbehandelten Patienten 65,5 %. Das Sicherheitsprofil war vergleichbar gegenüber initial publizierten LIBRETTO-001 Studie.
Selpercatinib ist mittlerweile für RET-Fusions-positive Schilddrüsenkarzinome in der Erstlinientherapie zugelassen (siehe BAnz AT 10.12.2024 B3).
Eine ähnlich Effektivität zeigte sich in der ARROW Phase-2 Studie zum selektiven RET-Inhibitor Pralsetinib, für das aktuell keine Zulassung für das Schilddrüsenkarzinom in Europa verfolgt wird. Hierbei wurden 9 Patienten mit RET-Fusions-positiven Schilddrüsenkarzinomen eingeschlossen, von denen 8 Patienten eine partielle Remission zeigten und ein Patient eine Tumorstabilisierung aufwies. Damit zeigt sich eine ähnliche ORR von 89 % [1035].
Die häufigsten Nebenwirkungen bei Pralsetinib waren Leberwerterhöhung (34 %), Obstipation (28 %), Leukopenie (34 %), Asthenie (26 %), Neutropenie (34 %), Anämie (29 %). Beide Substanzen sind im Gegensatz zu den zugelassenen MKI Therapien mit einem relativ milden Nebenwirkungspotential assoziiert mit überwiegend Grad 1-3 Nebenwirkungen. Aufgrund der dokumentierten Wirksamkeit und besseren Verträglichkeit wird bei Nachweis von RET-Fusionen die Empfehlung zur Therapie mit einem selektiven RET-Inhibitor ausgesprochen.
Bei Patienten mit Radioiod-refraktärem DTC/PDTC, die eine NTRK Fusion aufweisen, mit metastasierter, rasch progredienter (nach RECIST), symptomatischer, und/oder lokal unmittelbar bedrohlicher Erkrankung ohne sinnvolle lokale Therapiemöglichkeiten, stellt eine Therapie mit einem selektiven TRK Inhibitor einen alternativen Therapieansatz mit niedriger Nebenwirkungsrate und hohem Therapieansprechen dar und sollte daher eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊝⊝⊝
Larotrectinib: OS
⊕⊝⊝⊝Larotrectinib: PFS
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1036]
NTRK Fusions-positive Schilddrüsenkarzinome wurden in Basket Trials für die TRK Inhibitoren Larotrectinib und Entrectinib untersucht.
Für Larotrectinib zeigte sich bei 22 Patienten mit DTC eine ORR von 86 %, mit 2 Komplettremissionen, 16 partielle Remissionen, 3 Stabilisierungen. Bei den 13 Patienten mit systemischen Vortherapien lag die ORR bei 92 %. Die PFS Rate nach 12 und 24 Monaten lag bei 100 % bzw. 84 %, die OS Rate lag nach 12, 24, 36 Monaten bzw. 100 % bzw. 92 % und 79 %. Nebenwirkungen waren überwiegend mild (Grad1-2) [1036]. Aktuelle Daten aus den Basket Studien zu Entrectinib wurden auf dem ESMO 2021 präsentiert, dabei wurden 13 Patienten mit NTRK-Fusions-positiven Schilddrüsenkarzinomen eingeschlossen, die eine ORR von 53,85 % zeigten [1037]. Insgesamt wird empfohlen, bei Radioiod-refraktären DTC nach NTRK-Fusionen zu suchen, da mit den selektiven TRK-Inhibitoren, die tumoragnostisch für NTRK-Fusions-positive solide Tumoren zugelassen sind, eine wirksame Therapie zur Verfügung steht. Trotz des sehr geringen Vertrauens in die Evidenzqualität erfolgt die Positivempfehlung für die lebensbedrohte Patientengruppe, die eine NTRK aufweisen.
Bei Patienten mit Radioiod-refraktärem DTC/PDTC mit metastasierter, rasch progredienter (nach RECIST), symptomatischer, und/oder lokal unmittelbar bedrohlicher Erkrankung ohne sinnvolle lokale Therapiemöglichkeiten, kann bei Nachweis einer ALK Fusion ein individueller Heilversuch mit einem selektiven ALK Inhibitor im interdisziplinären Tumorboard diskutiert werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Bei DTC mit nachgewiesener ALK-Fusion konnte in Einzelfallberichten ein vielversprechender Einsatz von ALK-Inhibitoren, wie Crizotinib [1038], [1039], [1040], gezeigt werden. Bisher liegen keine systematischen klinischen Studien zu ALK-Inhibitoren bei ALK-Fusions-positiven Schilddrüsenkarzinomen vor, im Einzelfall sollte jedoch ein individueller Heilversuch mit einem ALK-Inhibitor geprüft werden.
Bei Patienten mit Radioiod-refraktärem DTC/PDTC mit metastasierter, rasch progredienter (nach RECIST), symptomatischer, und/oder lokal unmittelbar bedrohlicher Erkrankung ohne sinnvolle lokale Therapiemöglichkeiten, sollte bei Nachweis einer BRAFV600E Mutation ein individueller Heilversuch mit einem selektiven BRAF Inhibitor ± Trametinib im interdisziplinären Tumorboard diskutiert werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊝⊝
OS
⊕⊝⊝⊝PFS
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [1041]
Aufgrund des häufigen Nachweises der BRAFV600E Mutation bei Radioiod-refraktären DTC, wurde die Effektivität selektiver BRAF Inhibitoren sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit MEK Inhibitoren bei fortgeschrittenen, Radioiod-refraktären DTC untersucht. In einer Phase-1 Studie zum BRAF Inhibitor Dabrafenib zeigte sich bei 14 eingeschlossenen Patienten mit BRAFV600E-positivem PTC bei 29 % eine partielle Remission, bei 43 % eine Stabilisierung, insgesamt zeigten 64 % eine Tumorvolumenabnahme von mindestens 10 %. Das PFS lag bei 11,3 Monaten [1042]. In einer Phase-2 Studie wurden 53 Patienten mit progredienten BRAFV600E-positiven DTC randomisiert in 2 Therapiearme: BRAF Inhibitor Dabrafenib alleine (Arm A; n=26) vs. Kombination Dabrafenib mit dem MEK Inhibitor Trametinib (Arm B; n=27). Eine partielle Remission wurde im Arm A bei 9 Patienten und im Arm B bei 8 Patienten beobachtet mit einer objektiven Responserate von 35 % bzw. 30 % und einem PFS von 10,7 Monaten bzw. 15,1 Monate ohne statistisch signifikante Unterschiede in den beiden Therapiearmen. Interessanterweise konnte durch Crossover von Patienten, die unter Dabrafenib Monotherapie einen Progress zeigten, in den Dabrafenib + Trametinib Arm (n=14) bei 12 Patienten eine Tumorstabilisierung oder partielle Remission erreicht werden (Disease Control Rate 86 %) mit einer Verlängerung des PFS um 7,5 Monate [1041]. Die Nebenwirkungen sind insgesamt relativ moderat (überwiegend Grad1/2), im Dabrafenib Arm bei 65 % (am häufigsten Fieber (50 %), Hyperglykämie (46 %), Anämie (42 %), Hand-Fuß-Syndrom (42 %), Übelkeit (42 %), Alopezie (42 %), Schüttelfrost (42 %)), im Dabrafenib/Trametinib Arm bei 33 % (am häufigsten Fieber (59 %), Übelkeit (52 %), Schüttelfrost (52 %), Fatigue (52 %), Hypophosphatämie (41 %)).
Bei geringem Vertrauen in die Evidenzqualität ist ein Ansprechen von Dabrafenib gezeigt worden, aber auch eine Überlegenheit der Kombinationstherapie mit Trametinib, weshalb die Empfehlung für die lebensbedrohte Patientengruppe, die eine BRAFV600E Mutation aufweisen erfolgt.
Der BRAF Inhibitor Vemurafenib wurde in einer weiteren Phase-2 Studie mit 2 Kohorten untersucht: Kohorte 1 umfasste Patienten ohne vorherige MKI Therapie (n=26), Kohorte 2 Patienten, die schon mit einem MKI vortherapiert worden waren (n=25). Eine partielle Remission wurde in Kohorte 1 bei 38,4 % der Patienten beobachtet, in Kohorte 2 bei 27,3 %, eine Stabilisierung bei 57,7 % bzw. 63,6 %. Auffallend war vor allem ein deutlich längeres PFS von 18,2 Monaten in Kohorte 1 vs. 8,9 Monaten in Kohorte 2. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Vemurafenib bei BRAF-positiven PTC vor allem in der Erstlinientherapie eine sehr effektive Therapie darstellt. Die Nebenwirkungen waren überwiegend Grad 1/2, am häufigsten Hautausschlag (73 %), Fatigue (77 %), Dysgeusia (54 %), Kreatininanstieg (50 %), Gewichtsverlust (54 %), Gelenkschmerzen (46 %), Appetitverlust (52 %), Übelkeit (52 %), Hautpapillome (52 %), Diarrhoe (46 %) [1043].
Die BRAF Inhibitoren stellen also eine wirksame und nebenwirkungsärmere Therapie bei BRAFV600E-positiven DTC dar und sollten im Rahmen eines individuellen Heilversuchs als Alternative der zugelassenen Substanzen diskutiert werden.
Die Therapie mit oben aufgeführten selektiven Inhibitoren zeigt nicht nur eine gute antiproliferative Effektivität bei Radioiod-refraktären DTC mit entsprechenden genetischen Alterationen, sondern kann auch einen redifferenzierenden Effekt mit einer signifikanten Re-Induktion einer Radioiodspeicherfähigkeit in den Tumoren aufweisen, wie aus kleineren Pilotstudien und aus Einzelfallberichten bekannt ist [1044][1045][1046][1047][1048][1049][1050]. Deshalb wird empfohlen, die Radioiod-Speicherung unter laufender Therapie mit diesen selektiven Inhibitoren mittels diagnostischem Radioiod Scan zu überprüfen und bei ausreichender Radioiod-Speicherung eine Radioiodtherapie durchzuführen. Diese sogenannte Redifferenzierungstherapie sollte frühzeitig und unter Berücksichtigung tumor- und strahlenbiologischer Aspekte möglichst in der Erstlinientherapie in Erwägung gezogen werden, was eine ausführliche Aufklärung mit kritischer Risiko-Nutzen- Abwägung zusammen mit dem Patienten erfordert, solange es hierfür keine Zulassung gibt. Dabei ist selbstverständlich immer die Möglichkeit eines Studieneinschlusses zu prüfen und zu bevorzugen. Bei fehlenden etablierten Protokollen sollte dies an hochspezialisierten Zentren erfolgen.
Bei Patienten mit Radioiod-refraktärem PDTC mit metastasierter, rasch progredienter (nach RECIST), symptomatischer, und/oder lokal unmittelbar bedrohlicher Erkrankung ohne sinnvolle lokale Therapiemöglichkeiten, kann ein individueller Heilversuch mit einer Kombinationstherapie mit Lenvatinib und Pembrolizumab interdisziplinären Tumorboard diskutiert werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
In den letzten Jahren wurden wie beim ATC auch beim fortgeschrittenen, Radioiod-refraktären DTC/PDTC immuntherapeutische Ansätze verfolgt. In einer ersten Phase-1 Basket Studie zu Pembrolizumab zeigten sich enttäuschende Ergebnisse zu einer Monotherapie mit Pembrolizumab bei 22 eingeschlossenen DTC Patienten mit einer partiellen Remission von nur 9 % [1051]. In einer Pilotstudie (n=8) unter Leitung von Frau Prof. Dr. Christine Dierks am Universitätsklinikum Freiburg zu Pembrolizumab in Kombination mit Lenvatinib (6 ATC, 2 PDTC) zeigte sich, neben einem hervorragenden Ansprechen der ATC Patienten auch bei beiden PDTC Patienten eine partielle Remission [1052][1053]. International wurde zu dieser Kombinationstherapie eine von der International Thyroid Oncology Group initiierte Phase-2 Studie beim fortgeschrittenen Radioiod-refraktären DTC durchgeführt. Hierbei zeigte sich in Kohorte 1 (n= 29, Kombination Lenvatinib und Pembrolizumab von Anfang an) ein partielles Ansprechen bei 62 % und zusätzlich eine Tumorstabilisierung bei 35 % mit einer Clinical Benefit Rate von 97 % [1054] vs. 88 %, die für die Lenvatinib Monotherapie im SELECT Trial beschrieben wurde [1019]. Medianes Progressions-freie Überleben war noch nicht erreicht, PFS nach 12 Monaten lag bei 74 %. In Kohorte 2 (n=25), in der mit einer Lenvatinib Monotherapie gestartet wurde und Pembrolizumab erst bei Progress hinzugegeben wurde, zeigte sich bei 15 % eine partielle Remission und bei 85 % eine Tumorstabilisierung (Clinical Benefit Rate 100 %), medianes PFS betrug 12,6 Monate [1055]. Diese Add-on Therapie mit Pembrolizumab bei Progress unter Lenvatinib scheint daher das effektivere Vorgehen zu sein.
Bisphosphonate oder Denosumab sollten in Erwägung gezogen werden bei Patienten mit diffuser und/oder symptomatischer Knochenmetastasierung unter Berücksichtigung der renalen Funktion und Monitoring der Calciumwerte und vorhergehender zahnärztlicher Evaluation.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Eine Knochenmetastasierung stellt eine besondere Herausforderung im Management von Patienten mit Radioiod-refraktärem DTC dar [1056]. Eine Kinase Inhibitortherapie alleine ist oft nicht ausreichend, um die Knochenmetastasierung zu kontrollieren, da die Effektivität der Kinase Inhibitoren bei Knochenmetastasen im Vergleich zu anderen Metastasen, wie pulmonale oder lymphogene Metastasen, eingeschränkt ist. Im Falle vereinzelter Knochenmetastasen, insbesondere bei symptomatischen Knochenmetastasen, werden lokale Therapien, allen voran die Bestrahlungstherapie, bevorzugt eingesetzt. Bei disseminierter Knochenmetastasierung wird der Einsatz von Bisphosphonaten oder Denosumab empfohlen, in erster Linie auf dem Boden von Studien in anderen Tumorentitäten, aber auch kleineren Studien beim DTC, die eine Verzögerung des Auftretens skelettaler Komplikationen gezeigt haben [1057][1058][1059][1060].
Patienten, die für eine Kinase Inhibitor Therapie in Frage kommen, sollen ausführlich aufgeklärt werden unter individueller Risiko-Nutzen-Abwägung und Aufklärung über alternative Therapien einschließlich Best-Supportive-Care.
- Konsens
- Starker Konsens (100,0%)
Bei der Entscheidung zur systemischen Therapie muss berücksichtigt werden, dass keine ausreichenden Daten aus randomisierten klinischen Studien vorliegen zu einer Reihe kritischer Fragen im Zusammenhang mit einer systemischen molekular gezielten Therapie beim Radioiod-refraktären DTC, wie Effekt der systemischen Therapie auf Gesamtüberleben und Lebensqualität, optimale Patientenselektion, optimaler Zeitpunkt für den Beginn der Therapie.
Insgesamt beruht auf dem aktuellen Stand der Datenlage die Therapieentscheidung auf Expertenmeinung und Patienten-Präferenz/Philosophie mit individueller Risiko-Nutzen-Abwägung auf beiden Seiten.
Um eine optimale individuelle Therapieplanung unter Ausschöpfung aller möglichen Therapieoptionen, einschließlich Einschluss in kontrollierte klinische Studien, zu gewährleisten, sollten diese Patienten dringlich von einem interdisziplinären Expertenteam an spezialisierten Zentren betreut werden.
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