Leitlinienprogramm OnkologieMultiples Myelom

4. Epidemiologie – Multiples Myelom

Version 1.0 · Februar 2022 · AWMF 018/035OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

PD Dr. Börge Schmidt, PD Dr. Sebastian Fetscher, M.Sc. Vanessa Piechotta, M. Sc. Angela Aldin

Das Multiple Myelom (ausgenommen der Monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS), dem solitären Plasmoztom und dem Immunozytom) wird in Deutschland jährlich etwa bei 3.900 Männern und 3.000 Frauen diagnostiziert. Das entspricht in etwa 8 neuen Fällen je 100.000 Einwohnern pro Jahr (Stand: 2016;[7]).

Nach Erstdiagnose eines Multiplen Myeloms liegt die absolute 5-Jahres-Überlebensrate für Männer bei 41% und für Frauen bei 40%. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate (d.h. unter Berücksichtigung der allgemeinen Sterblichkeit in der Bevölkerung) liegt für Männer bei 48% und für Frauen bei 45% . Im Vergleich liegt die relative 10-Jahres-Überlebensrate für Männer bei 31% bzw. für Frauen bei 30% [7].

Die altersstandardisierte Inzidenz- und Mortalitätsraten sind über die letzten Jahre bis Jahrzehnte weitgehend konstant geblieben (Abbildung Neuerkrankungs- und Sterberaten). Die epidemiologischen Kennzahlen aus Deutschland sind mit denen aus Österreich [8] und der Schweiz [9] weitgehend vergleichbar.

Neuerkrankungs- und Sterberaten (altersstandardisiert, Europastandard) des Multiplen Myeloms und anderer bösartiger Plasmazellen-Dyskrasien in Deutschland im zeitlichen Verlauf (Quelle: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., Sonderauswertung)
Neuerkrankungs- und Sterberaten (altersstandardisiert, Europastandard) des Multiplen Myeloms und anderer bösartiger Plasmazellen-Dyskrasien in Deutschland im zeitlichen Verlauf (Quelle: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., Sonderauswertung)

Im letzten Jahrzehnt ist die absolute Zahl der Neuerkrankungen und Todesfälle durch die Verschiebung der Altersstrukturen in der Bevölkerung leicht gestiegen [10]:

Inzidenz:

  • Männer: +2,8%/Jahr
  • Frauen: +0,8%/Jahr

Mortalität:

  • Männer: +1,9%/Jahr
  • Frauen: 0,7%/Jahr

Siehe auch Abbildung unten.

Neuerkrankungs- und Sterbefälle des Multiplen Myeloms in Deutschland im zeitlichen Verlauf (Quelle: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., Sonderauswertung)
Neuerkrankungs- und Sterbefälle des Multiplen Myeloms in Deutschland im zeitlichen Verlauf (Quelle: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., Sonderauswertung)

Medianes Erkrankungsalter bei Diagnosestellung:

  • Männer: 72 Jahre
  • Frauen: 74 Jahre

Unter Betrachung des medianen Erkrankungsalters für bösartige Erkrankungen insgesamt, liegt dies beim Myelom für Männer 2 Jahre und für Frauen 5 Jahre darüber. Das mediane Sterbealter liegt für Männer bei 76 und für Frauen bei 78 Jahren.

 

In der Altersgruppe der 70-79 Jährigen treten geschlechterunabhängig die häufigsten Neudiagnosen auf (Balken in Abbildung Altersspezifische Erkrankungszahlen). Die höchsten Erkrankungsraten (Linie in Abbildung Altersspezifische Erkrankungszahlen) sind bei Männern in der Altersgruppe der über 85 Jährigen und bei Frauen in der Altersgruppe 80-84 Jährigen zu verzeichnen (Abbildung Altersspezifische Erkrankungszahlen). Über alle Altersgruppen hinweg, liegt die Inzidenzrate bei Männern über die der Frauen [10].

Altersspezifische Erkrankungszahlen (Balken, linke Y-Achse) und altersspezifische Erkrankungsraten (Linien, rechte Y-Achse) des Multiplen Myeloms in Deutschland (Quelle: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., Sonderauswertung)
Altersspezifische Erkrankungszahlen (Balken, linke Y-Achse) und altersspezifische Erkrankungsraten (Linien, rechte Y-Achse) des Multiplen Myeloms in Deutschland (Quelle: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., Sonderauswertung)

Unter Berücksichtigung der derzeitigen Erkrankungshäufigkeit sowie der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes kann, allein durch die Folgen des demografischen Wandels über die nächsten 25 Jahre, ein Inzidenzanstieg von voraussichtlich 30% je 8.500 Neuerkrankungsfällen bis zum Jahr 2040 berechnet werden [10].

Literaturhinweise

[7] Robert Koch Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten, Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., Krebs in Deutschland für 2015/2016. Multiples Myelom, 2019., https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2023/kid_2023_c90_multiples_myelom.pdf?__blob=publicationFile

[8] STATISTIK AUSTRIA, Plasmozytom, Myelom, (last accessed 11 May 2021)., 2021., http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/gesundheit/krebserkrankungen/plasmozytom_myelom/index.html

[9] National Institute for Cancer Epidemiology and Registration, Krebsinzidenz in der Schweiz. Krebsart C90 Multiples Myelom, (last accessed 11 May 2021), 2021., https://www.nicer.org/NicerReportFiles2018/DE/report/atlas.html

[10] Wörmann B,, Driessen C, Einsele H, Goldschmidt, H, Gunsilius E, Kortüm M, Kröger N, Ludwig H, Mügge LO, Naumann R, Pritzkuleit R, Röllig C, Scheid C, Taverna C, Weisel K, Weißinger F, Multiples MyelomDGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V, Empfehlungen der Fachgesellschaft zur Diagnostik und Therapie hämatologischer und onkologischer Erkrankungen, 2018., www.onkopedia.com