3. Ziele der Leitlinie – Multiples Myelom
Prof. Dr. Dr. Christof Scheid
Das multiple Myelom tritt in Deutschland mit einer Inzidenz von 8/100.000 auf und zeigt eine steigende Tendenz. Da das durchschnittliche Erkrankungsalter bei über 70 Jahren liegt und der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt, ist mit weiter zunehmenden Zahlen zu rechnen.
Nachdem in den 90er Jahren mit der autologen Stammzelltransplantation erstmals eine wirksame Therapie für das multiple Myelom eingeführt wurde, hat sich die Behandlungssituation seit der Jahrtausendwende durchgreifend verändert. Immer neuere Medikamentengruppen wurden eingeführt und können in vielfältigen Kombinationen eingesetzt werden. Dabei ist heute eine Ansprechdauer von mehreren Jahren möglich und die Vielfalt der Optionen erlaubt es, immer mehr Therapielinien hintereinander zu verabreichen.
All dies erfordert aber eine sorgfältige Auswahl der Therapieoptionen in sinnvoller Sequenz, um ein möglichst langes Ansprechen zu erreichen, Organkomplikationen durch das multiple Myelom zu vermeiden und die Überlebenszeit zu verlängern.
Bei der Auswahl der Therapie müssen aber auch Patienteneigenschaften und –wünsche berücksichtigt werden. Das kalendarische Alter spielt dabei eine immer geringere Rolle, sondern die Fitness, Begleiterkrankungen und die Einstellung zur Intensität der Therapie stehen im Vordergrund. Ebenso muss beachtet werden, durch die meist über Monate bis Jahre verabreichten Therapien möglichst keine Akut- oder Spätkomplikationen zu verursachen, die dann die Lebensqualität, die durch eine erfolgreiche Kontrolle der Myelomerkrankung erreicht wurde, wieder verschlechtern kann.
Die besseren Behandlungsmöglichkeiten erhöhen auch die Anforderungen an die Diagnostik, welche dabei hilft durch eine frühzeitige Entdeckung einer behandlungsbedürftigen Neuerkrankung oder eines Rezidivs weitere Organkomplikationen durch das multiple Myelom zu vermeiden.
Neben der Vermeidung von Komplikationen ist es aber auch wichtig, ein optimales Management der bereits eingetretenen Beeinträchtigungen zu definieren, da sich neben einer effizienten Myelomtherapie auch hierdurch die Lebensqualität der Patienten entscheidend verbessern lässt. Beispielhaft seien hier die Strahlentherapie, Schmerztherapie, Physio- und Bewegungstherapie sowie die onkologische Rehabilitationsbehandlung genannt.
Ziel dieser Leitlinie soll daher sein, das aktuelle Wissen zu diesem sehr umfassenden Bereich zusammenzustellen und daraus Standards für die aktuelle Diagnostik und Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom in Deutschland abzuleiten.