Leitlinienprogramm OnkologieLungenkarzinom

6. Diagnostik – Lungenkarzinom

Version 5.1 · Juli 2026 · AWMF 020-007OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

6.1 Klinische Präsentation

6.1.1 Symptome

Gemäß der Übersicht von Spiro et al. aus 2007 weisen rund 90% der Patienten mit Lungenkarzinom bereits initial Krankheitssymptome auf [307]. Neuere retrospektive Beobachtungsstudien aus Spanien (9.876 Lungenkrebspatienten; Zeitraum 2016-2019) und China (7.184 Lungenkrebspatienten; Zeitraum 2005-2014) zeigen geringere Symptomraten bei Erstdiagnose um 70%  [308], [309]. Die Prognose asymptomatischer Patienten ist besser als diejenige symptomatischer Patienten [307] [310]. Die Häufigkeit initialer Symptome nimmt mit höheren Lungenkrebsstadien zu, wie in der spanischen Beobachtungsstudie gezeigt (Symptome im Stadium I 40,7%, im Stadium II 57,5%, im Stadium 69,8% und im Stadium IV 72,3%). Folgende Symptome und klinische Zeichen treten initial beim Lungenkarzinom auf (Tabelle Häufigkeit von Initialsymptomen bei Lungenkarzinom):

Tabelle 18: Häufigkeit von Initialsymptomen bei Lungenkarzinom (modifiziert nach Spiro et al., 2007)

[307]

Symptom bzw. klinisches Zeichen  Häufigkeit
Husten  8-75%
Gewichtsverlust 0-68%
Luftnot 3-60%
Brutschmerzen 20-49%
Hämoptyse 6-35%
Knochenschmerzen 6-25%
Fingerendteilveränderungen (Clubbing) 0-20%
Fieber 0-20%
Schwächegefühl 0-10%

Basierend auf der Übersicht von Spiro et al., werden etwa ein Drittel der Symptome durch den Primärtumor verursacht. In einem weiteren Drittel der Erkrankungsfälle existieren systemische Symptome wie Anorexie, Gewichtsverlust oder Schwächegefühl (Asthenie), und in wiederum einem Drittel der Erkrankungen sind für einen definierten Metastasierungsort spezifische Symptome vorhanden [307]. Aus den beiden bereits genannten neueren Studien aus Spanien und China ist keine eindeutige Trendumkehr ableitbar [308], [309].

Mehrwöchige bis mehrmonatige Verzögerungen in der Diagnosestellung sind häufig. Sie entstehen einerseits durch die relativ späte Vorstellung des Patienten bei seinem Hausarzt/praktischen Arzt, andererseits durch die verzögerte Überweisung an den Spezialisten für Lungentumorerkrankungen bzw. an den Lungenarzt [311]. Die Zeitpunkte und Intervalle vom ersten Symptom bis zum Behandlungsbeginn wurden im Aarhus Statement Paper gut definiert [312]. Gleichzeitig wurden in verschiedenen Ländern variierende Richtwerte für maximale Wartezeiten im Rahmen der Lungenkrebsbehandlung vorgegeben [311]. Derzeit können jedoch keine evidenzbasierten Empfehlungen zu maximalen Wartezeitintervallen gegeben werden.

6.1.2 Symptome des Primärtumors

Zentrale Lungenkarzinome führen häufiger als periphere Tumoren zu klinischen Symptomen. Husten (auch ein sich ändernder Hustencharakter des COPD-Patienten mit bekanntem chronischen Husten) ist das am häufigsten beobachtete Symptom, gefolgt von Dyspnoe, Brustschmerzen und Hämoptyse bzw. Expektoration eines blutig tingierten Sputums. Andere Manifestationen wie Vena-cava-superior-Syndrom, Dysphagie oder Stridor sind eher selten [307].

Gerade die Konstellation von Hämoptyse und unauffälligem Röntgenbild der Thoraxorgane bei >40-jährigen Patienten mit COPD und Raucheranamnese sollte Anlass sein, die Indikation für eine weitere Diagnostik wie CT-Thorax oder Bronchoskopie zu prüfen [313].

6.1.3 Symptome und klinische Zeichen der intrathorakalen Tumorausbreitung

Als Folge einer direkten Tumorausbreitung oder des Lymphknotenbefalls können durch Beteiligung von nervalen Strukturen, Brustwand, Gefäßstrukturen oder viszeralen Organen wie Ösophagus verschiedene Symptome auftreten. Dazu gehören z.B. die Heiserkeit (linksseitige Stimmbandparese bei Infiltration des N. recurrens), die Läsion des Plexus brachialis (Tumor oberhalb des Sulcus superior, Pancoast-Tumor), das Horner-Syndrom (Befall des Ganglion stellatum) und das Vena-cava-superior-Syndrom (obere Einflussstauung).

Brustwandschmerzen oder Thoraxschmerzen sind durch die Invasion des Tumors in die Pleura bzw. Brustwand bedingt und treten bei ca. 50 % der Patienten im Krankheitsverlauf auf. Auch eine Rippenmetastasierung kann für Thoraxschmerzen verantwortlich sein.

6.1.4 Symptome der extrathorakalen Tumorausbreitung

Bei ungefähr einem Drittel der Patienten sind Symptome bedingt durch extrathorakale Metastasen vorhanden. Die Prädilektionsorgane einer Metastasierung sind die Knochen (insbesondere das Achsenskelett und die proximalen Teile der langen Röhrenknochen), Leber, Nebennieren und intraabdominelle Lymphknoten, Hirn und axilläre, supraklavikuläre und zervikale Lymphknoten.

Häufige Symptome sind Schmerzen (z.B. durch Knochenbefall), Schwächegefühl, Gewichtsverlust, Ikterus (Leberbefall), Kopfschmerzen, Übelkeit, fokale neurologische Manifestationen, Krampfanfälle, Verwirrtheit (ZNS-Befall). Der supraklavikuläre Lymphknotenbefall ist aufgrund seiner Zugänglichkeit für eine Feinnadelbiopsie von besonderer Bedeutung für Diagnosesicherung und Staging.

Wie in einer Metaanalyse gezeigt wurde, liegt bei Patienten mit klinischen Auffälligkeiten wie Gewichtsverlust, Anämie, Anorexie, Schwäche (Fatigue) häufig eine systemische Metastasierung vor [314]. Dieser Aspekt unterstreicht die Notwendigkeit einer gründlichen Anamnese und einer sorgfältigen klinischen Untersuchung.

6.2 Anamnese, klinische Untersuchung, Laboruntersuchungen

6.1 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit vermutetem oder nachgewiesenem Lungenkarzinom soll eine sorgfältige klinische Evaluation inkl. Anamnese/Arbeitsanamnese und körperlicher Untersuchung durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei Patienten mit vermutetem oder nachgewiesenem Lungenkarzinom soll eine sorgfältige klinische Evaluation inkl. Anamnese und körperlicher Untersuchung durchgeführt werden.
6.2 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein Patient mit Lungenkarzinom und einem paraneoplastischen Syndrom soll aufgrund der Symptome nicht von einem potenziell kurativem Therapieansatz ausgeschlossen werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Als Basisdiagnostik des Lungenkarzinoms kann das folgende Untersuchungsprogramm angesehen werden:

  • Anamnese, klinische Untersuchung
  • Laboruntersuchungen
  • Röntgen Thorax (p.a. und seitlich)
  • CT-Thorax (inkl. Oberbauchregion bis inkl. Nebennieren)
  • Bronchoskopie

Der initiale Verdacht auf ein Lungenkarzinom wird aufgrund entsprechender Symptome (s. „Klinische Präsentation“) und eines auffälligen Befundes in einer Röntgenaufnahme der Thoraxorgane gestellt. Neben der eigentlichen Krankheitsvorgeschichte sind Begleiterkrankungen und die Familienanamnese zu berücksichtigen. Zu erfragen sind außerdem die Rauchgewohnheiten (Bestimmung der sog. Packungsjahre; Konsum von 20 Zigaretten pro Tag für 1 Jahr entspricht 1 Packungsjahr; der Konsum von 40 Zigaretten pro Tag über 10 Jahre ergibt beispielsweise 20 Packungsjahre) sowie die berufliche Schadstoffexposition (z.B. Asbest, Arsenverbindungen, Chrom, Nickel etc.).

Die physikalische Untersuchung beinhaltet neben einer allgemeinen internistischen Untersuchung schwerpunktmäßig die Beurteilung der thorakalen Organe und die verschiedenen Lymphknotenstationen. Auf besondere klinische Zeichen wie obere Einflussstauung oder Horner-Syndrom ist zu achten (s. „Klinische Präsentation“).

Der Allgemeinzustand eines Patienten und seine Leistungsfähigkeit kann anhand des Karnofsky-Index und des ECOG/WHO Performance Status quantifiziert werden (s. Tab. Allgemeinzustand und Leistungsfähigkeit eines Patienten).

Die Basislaboruntersuchungen umfassen das Blutbild inkl. Differenzialblutbild, die Elektrolyte, die Leber- und Nierenparameter und die Gerinnungswerte.

Unverändert gilt, dass aufgrund der eingeschränkten Spezifität und Sensitivität eine routinemäßige Bestimmung von Tumormarkern wie CEA, NSE oder CYFRA 21-21 in der Primärdiagnostik wie auch in der Rezidivdiagnostik des Lungenkarzinoms nicht empfohlen wird [315].

Tabelle 19: Allgemeinzustand und Leistungsfähigkeit eines Patienten

[316]

ECOG/WHO  Grad Karnofsky Index
Normale, uneingeschränkte körperliche Aktivität 0 Normale Aktivität, keine Beschwerden, kein Hinweis auf Tumorleiden 100%
Mäßig eingeschränkte körperliche Aktivität u. Arbeitsfähigkeit, nicht bettlägerig 1 Geringfügig verminderte Aktivität und Belastbarkeit 90%
Normale Aktivität nur mit Anstrengung Deutlich verringerte Aktivität 80%
Arbeitsunfähig, meist selbständige Lebensführung, wachsendes Ausmaß an Pflege und Unterstützung notwendig, weniger als 50 % bettlägerig 2 Unfähig zu normaler Aktivität, versorgt sich selbständig 70%
Gelegentliche Hilfe, versorgt sich weitgehend selbst 60%
Weitgehend unfähig, sich selbst zu versorgen, kontinuierliche Pflege oder Hospitalisierung notwendig, rasche Progredienz des Leidens, mehr als 50 % bettlägerig 3 Ständige Unterstützung und Pflege, häufige ärztliche Hilfe erforderlich 50%
Überwiegend bettlägerig,  spezielle Hilfe erforderlich 40%
100 % bettlägerig, völlig pflegebedürftig 4 Dauernd bettlägerig, geschulte Pflegekraft notwendig 30%
Schwerkrank, Hospitalisierung, Aktive supportive Therapie 20%
Moribund 10%

Paraneoplastische Syndrome:

In ihrem Buch über paraneoplastische Syndrome definieren Darnell und Posner diese als „Störungen, die durch die Krebserkrankung verursacht werden, aber nicht als direkte Folge einer Krebsinvasion des betroffenen Gewebes oder Organs entstehen [317]. Paraneoplastische Syndrome werden durch biologisch aktive Substanzen wie z.B. Polypeptidhormone oder Zytokine, welche durch den Tumor produziert werden, oder z.B. durch Antikörper als Reaktion des Organismus auf den Tumor hervorgerufen. Paraneoplastische Syndrome können sich organbezogen oder als systemische Phänomene manifestieren. Bei ca. 10 % der Patienten mit Lungenkarzinom treten entsprechende Veränderungen auf (siehe Tabelle Paraneoplastische Syndrome des Lungenkarzinoms). Das Ausmaß der klinischen Symptomatik korreliert nicht mit der Größe des Primärtumors. Die Krankheitszeichen können zeitlich vor der Diagnose der malignen Grunderkrankung auftreten, aber auch erst im Verlauf der Tumorerkrankung evident werden oder schließlich Zeichen eines Tumorrezidivs sein. Wichtig ist, dass ein Patient mit Lungenkarzinom und einem paraneoplastischen Syndrom nicht auf der Basis der klinischen Symptome alleine von einer potenziell kurativen Behandlung ausgeschlossen wird [307], [318], [319] (Evidenzgrad 5).

Tabelle 20: Paraneoplastische Syndrome des Lungenkarzinoms

[320]

   

Endokrine Syndrome

  • Syndrom der inadäquaten ADH-Produktion (SIADH)
  • Cushing-Syndrom
  • Hyperkalzämie
  • Hyperkalzitoninämie
  • Gynäkomastie
  • Hypoglykämie
  • Hyperthyreoidismus

Hämatologische Syndrome

  • Chronische Anämie
  • Leukozytose mit Eosinophilie
  • Leukämoide Reaktion
  • Autoimmunhämolytische Anämie
  • Erythrozytose
  • Thrombozytose, -penie
  • Mikroangiopathische hämolytische Anämie
  • Koagulopathie
  • Thrombophlebitis

Neurologische Symptome

  • Subakute sensorische Neuropathie
  • Mononeuritis multiplex
  • Intestinale Pseudoobstruktion
  • Lambert-Eaton-myasthenisches Syndrom (LENS)
  • Myasthenia gravis
  • Enzephalomyelitis
  • Nekrotisierende Myelopathie
  • Tumorassoziierte Retinopathie
  • Guillain-Barré-Syndrom
  • Limbische Enzephalopathie
  • Opsoclonus-Myoclonus
  • Subakute Myelopathie

Dermatologische Symptome

  • Erytheme gyratum repens
  • Erythema multiforme
  • Tylosis
  • Erythroderma
  • Sweet-Syndrom
  • Acanthosis nigricans
  • Nekrolytische migrierendes Erythem
  • Exfoliative Dermatitis
  • Prurius und Urtikara

Skelettale Syndrome

  • Hypertrophe Osteoarthropathie (Pierre-Marie-Bamberger-Syndrom)
  • Trommelschlegelfinger

Renale Syndrome

  • Glomerulonephritis
  • Nephrotisches Syndrom

Metabolische Syndrome

  • Laktatazidose
  • Hypourikämie

Kollagenose-vaskulitische Syndrome

  • Dermatomyositis
  • Polymyositis
  • Vaskulitis
  • Systemischer Lupus erythematodes (LE)

6.3 Bildgebung und Diagnosesicherung

6.3.1 Bildgebende Verfahren

6.3 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Röntgenuntersuchung der Thoraxorgane (Strahlengang posterior-anterior und seitlich) kann als initiales radiologisches Verfahren eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (95%)
Literatur
[321] [322] [323]
ÄnderungshinweisDie Röntgenuntersuchung der Thoraxorgane (Strahlengang p.a. und seitlich) soll als initiales radiologisches Verfahren eingesetzt werden.
6.4 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit Verdacht auf ein Lungenkarzinom und absehbarer Therapieoption soll eine CT-Untersuchung der Thoraxorgane durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei Patienten mit Verdacht auf ein Lungenkarzinom und bei absehbarer Therapie-option soll eine CT-Untersuchung der Thoraxorgane durchgeführt werden, da der potenzielle Nutzen das relativ geringe Risiko eines strahleninduzierten Schadens überwiegt.

Bildgebende Untersuchungen unter Verwendung von ionisierenden Strahlen (Röntgenstrahlen, radioaktive Isotope) können bei Patienten nur durchgeführt werden, wenn ein im Strahlenschutz entsprechend fachkundiger Arzt vor der Untersuchung die rechtfertigende Indikation für den Einsatz ionisierender Strahlung nach § 83 des Strahlenschutzgesetzes (StrlSchG) gestellt hat. Dies beinhaltet insbesondere die Prüfung, dass der gesundheitliche Nutzen gegenüber dem Strahlenrisiko überwiegt.

In der Diagnostik des Lungenkarzinoms kommen überwiegend drei Verfahren zum Einsatz, die mit ionisierender Strahlung arbeiten: die Thoraxübersichtsaufnahme, die Computertomographie (CT) und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), letztere überwiegend in Kombination mit der CT in einem Gerät (PET/CT). Die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Thoraxsonographie erfolgen ohne ionisierende Strahlung; diese Verfahren sind bei der Diagnostik und beim Staging des Lungenkarzinoms für spezielle Fragestellungen (z.B. Hirnmetastasen, Sulcus-superior-Tumoren, Beurteilung einer möglichen Infiltration von Brustwand oder Mediastinum) etabliert.

Thoraxübersichtsaufnahme
Die Übersichtsaufnahme in zwei Ebenen ist das am häufigsten eingesetzte, initiale radiologische Verfahren für Thoraxerkrankungen. Damit werden Lungenkarzinome entweder aufgrund ihrer Symptome oder als asymptomatischer Zufallsbefund detektiert. Periphere Lungenkarzinome stellen sich direkt als Rundherd oder Raumforderung dar, zentrale Lungenkarzinome mitunter nur indirekt als Atelektase oder Mediastinalverbreiterung; ein Pleuraerguss ist mitunter der einzige Hinweis auf ein Lungenkarzinom im Röntgenbild. Die Thoraxübersichtsaufnahme wird als initiales radiologisches Verfahren in der Abklärung eines Lungenkarzinoms empfohlen.

Bei einer systematischen Literaturrecherche wurden 2 systematische Übersichten zur Sensitivität der Thoraxübersichtsaufnahme ([321]) sowie zur diagnostischen Genauigkeiten der Thoraxübersichtsaufnahme im Vergleich mit einer digitalen Tomosynthese ([322]) und eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) zur Machbarkeit einer zeitnahen Röntgenuntersuchung der Thoraxorgane ([323]) identifiziert. Beide systematische Übersichtsarbeiten wurden mit dem Evidenzlevel 2a und die RCT mit dem Evidenzlevel 1b bewertet.

Für die Detektion eines symptomatischen Lungenkarzinoms wurde in der Literatur eine Sensitivität vom 77-80% berichtet ([321]). Beide Übersichtsarbeiten schlussfolgerten, dass aufgrund der eingeschränkten Sensitivität der Thoraxübersichtsaufnahme bei negativem Befund und klinischen Verdacht auf ein Lungenkarzinom insbesondere bei Patienten mit einem hohen Risiko für Lungenkrebs eine weiterführende Diagnostik erfolgen soll.

Computertomographie (CT)
Die CT dient sowohl zur Detektion des Lungenkarzinoms als auch zur Ausbreitungsdiagnostik beim Staging. Sofern keine Kontraindikationen gegen Röntgenkontrastmittel bestehen (European Society of Urogenital Radiology (ESUR) 2018), soll zum Staging des Lungenkarzinoms grundsätzlich eine CT von Thorax und Oberbauch mit intravenöser Kontrastmittelgabe durchgeführt werden. Die Oberbauchorgane, insbesondere die Leber, sind dabei komplett abzubilden. Dabei ist die Startverzögerung für die CT nach der Kontrastmittelinjektion so zu wählen, dass der Oberbauch in der portalvenösen Kontrastmittelphase dargestellt wird (etwa 70 Sekunden), eine zusätzliche arterielle Phase ist für das Staging des Lungenkarzinoms nicht erforderlich. Für eine suffiziente Beurteilung der Ausbreitung, insbesondere der Infiltration in benachbarte anatomische Strukturen, ist eine Schichtdicke von maximal 2 mm erforderlich; 5 mm Schichten, auch wenn sie in allen drei räumlichen Orientierungen (axial, coronar, sagittal) vorliegen, sind dafür unzureichend.

Für die Detektion eines Lungenkarzinoms stellt die CT das sensitivste radiologische Verfahren dar. Die Spezifität ist demgegenüber jedoch geringer, da entzündliche Prozesse im Lungenparenchym ein Lungenkarzinom vortäuschen können; eine offensichtliche Infiltration von Nachbarstrukturen oder der Nachweis von Metastasen sind dabei hoch suggestiv für einen malignen Tumor. Das Spektrum CT-morphologischer Erscheinungsbilder des Lungenkarzinoms ist breit und reicht vom typischen spikulierten Rundherd über glatt begrenzte Rundherde oder Raumforderungen bis hin zu infiltrativen Prozessen, die von einer Pneumonie kaum radiologisch unterscheidbar sind.

Da die CT genaue Informationen über die Lage von relevanten Befunden (z.B. Lungenherde, vergrößerte Lymphknoten) liefert, soll sie stets vor invasiven Maßnahmen, insbesondere vor einer Bronchoskopie oder Mediastinoskopie, durchgeführt werden. Auch  können bronchoskopische Verfahren Artefakte in der CT verursachen, wie beispielsweise fokale pulmonale Hämorrhagien infolge von Biopsien, welche die diagnostische Aussagekraft der CT beeinträchtigen. Auch deshalb sollte eine CT nicht unmittelbar im Anschluss an eine Bronchoskopie erfolgen.

Die Niedrigdosis-CT ist eine CT-Untersuchung mit erheblich reduzierter Strahlenexposition, die sich zur Beurteilung von Hochkontrastobjekten im Lungenparenchym eignet, wie beispielsweise von pulmonalen Rundherden. Hingegen sind Weichteilstrukturen in der Niedrigdosis-CT nicht hinreichend beurteilbar. Aus diesem Grund ist die Applikation von intravenösem Kontrastmittel in der Regel nicht indiziert. Bei einem normalen Habitus des Patienten sollte bei einer Niedrigdosis-CT eine effektive Strahlendosis von 1,3 mSv nicht überschritten werden. Um dies zu erreichen, sind sehr detaillierte Protokollempfehlungen veröffentlicht worden, die ein großes Spektrum der installierten CT-Gerätetypen berücksichtigen (Nagel H.D. et al. 2017). Ein großer Stellenwert kommt der Niedrigdosis-CT bei Programmen zur Früherkennung von Lungenkrebs sowie bei der (volumetrischen) Verlaufskontrolle inzidentell detektierter pulmonaler Rundherde zu. Wie beim Staging des Lungenkarzinoms ist auch beim Niedrigdosis-CT eine geringe Schichtdicke zu fordern, idealerweise isotrope Voxel bei einer rekonstruierten Schichtdicke von weniger als 1,5 mm.

Magnetresonanztomographie (MRT)
Die MRT wird wegen ihres der CT überlegenen Weichteilkontrasts beim Staging des Lungenkarzinoms insbesondere eingesetzt für die Detektion bzw. den Ausschluss von Hirnmetastasen sowie für die Darstellung des Lokalbefundes bei Sulcus-superior-Tumoren (Pancoast-Tumoren) und das Mediastinum infiltrierenden Tumoren. Ferner leistet die MRT einen Beitrag in der Differentialdiagnostik von fokalen Leberläsionen und Nebennierenläsionen.

Für die Untersuchung des Hirnschädels im Rahmen des Lungenkarzinom-Stagings sind MRT-Sequenzen ohne und mit Kontrastmittel erforderlich, sofern nicht eine Kontraindikation gegen die intravenöse Applikation von MR-Kontrastmittel besteht.

Geeignete Untersuchungsprotokolle für die MRT des Thorax zur Frage nach einer Infiltration der oberen Thoraxapertur, des Mediastinums oder der Brustwirbelsäule durch ein Lungenkarzinom wurden im Jahr 2012 publiziert ([324]; [325]; [326]). Eine dynamische MRT während fortgesetzter Atmung liefert deutlich bessere Erkenntnisse zum Vorliegen einer Infiltration des Mediastinums oder der Thoraxwand als die CT in Atemstillstand.

Positronen-Emissionstomographie (PET) mit Fluor-18-Fluorodesoxyglukose (FDG)
Die PET ist ein nichtinvasives nuklearmedizinisches Schnittbildverfahren zur Darstellung und quantitativen Messung physiologischer Funktionen und biochemischer Prozesse mittels entsprechender Radiopharmaka. In der Onkologie nutzt die PET den er-höhten Tumorstoffwechsel und andere spezifische pathophysiologische Prinzipien zur Ganzkörperdiagnostik. Aufgrund des stark vermehrten Glukosemetabolismus (gemessen als „Standardized Uptake Value“, SUV) der meisten soliden Tumore sowie von Lymphomen wird in der klinischen Praxis fast ausschließlich das Glukoseanalogon 2-F-18-Fluoro-2-Desoxy-D-Glukose (F-18-FDG) eingesetzt. Ein mäßig bis deutlich gesteigerter Glukosemetabolismus kann jedoch auch bei akut inflammatorischen Prozessen (z.B. floride Tuberkulose oder Sarkoidose) nachgewiesen werden.

PET-Vollringscanner stellen heute den Standard mit bestmöglicher Bildqualität dar. Eine technische Weiterentwicklung ist die integrierte PET/CT, womit die Vorteile der PET (hohe Sensitivität) und der CT (sehr gute morphologische Auflösung und anatomische Detaildarstellung) verknüpft werden. Vergleiche bei Patienten mit Lungenkarzinomen zeigten, dass integrierte FDG-PET/CT-Bilder separat akquirierte FDG-PET-Bilder oder CT-Bilder bei der Beurteilung des Tumor-Stadiums und des mediastinalen Lymphknotenstatus übertreffen ([327]; [328]; [329]), insbesondere wegen der besseren räumlichen Zuordnung und der Möglichkeit, Atelektase und Tumor zu unterscheiden.

Thoraxsonographie
Mit dem transthorakalen Ultraschall (TTUS) steht ein einfach und überall einsetzbares Verfahren zur Verfügung. Der TTUS ist der Röntgenübersicht in dem Erkennen eines Pleuraergusses überlegen ([330]; [331]). Zur Lokalisation eines Pleuraergusses sollte sie vor einer Ergusspunktion zum Einsatz kommen ([332]; [333]).

Zur Klärung einer möglichen Brustwandinfiltration kann ergänzend zur Staging-CT eine TTUS durchgeführt werden, alternativ auch eine MRT ([334]).

Bei brustwandständigen Tumoren besteht die Möglichkeit einer TTUS-gesteuerten Punktion. Die diagnostische Ausbeute und die Komplikationsrate entsprechen der CT-gesteuerten Punktion ([335]; [336]).

Lungenperfusionsszintigraphie
Die quantitative Lungenperfusionsszintigraphie liefert den regionalen Anteil der Perfusion des zu resezierenden oder zu bestrahlenden Anteils an der Gesamtperfusion. Diese Daten sind Grundlage für die Kalkulation der erwarteten postoperativen Lungenfunktion (s. Kapitel Funktionsdiagnostik).

Knochenszintigraphie
In der systematischen Metaanalyse von Silvestri wurden die diagnostischen Testparameter der Skelettszintigraphie zusammengetragen [337]. Aus den Daten von insgesamt acht Studien an 723 Patienten wurden bei einer Knochenmetastasen-Prävalenz von durchschnittlich 20 % die kumulative Sensitivität zu 82 % (95 % KI: 57-94 %) und Spezifität zu 62 % (95 % KI: 32-85) ermittelt. Der negative prädiktive Wert lag bei 90 %, der positive prädiktive Wert bei 32 %. Daher ist die Skelettszintigraphie geeignet, mit einem unauffälligen Befund bei vertretbarem Restrisiko Knochenmetastasen auszuschließen. Demgegenüber bedarf eine positive Knochenszintigraphie weiterer Abklärung.

Falsch positive Befunde der Knochenszintigraphie sind ein bedeutendes praktisches Problem, bedingt durch die Häufigkeit degenerativer und traumatischer Veränderungen sowie der Schwierigkeit, eine definitive Klärung mittels Biopsie oder Bildgebung im Verlauf zu erreichen. Ebenso treten falsch positive Befunde in der Kernspintomographie auf, die keine bessere Genauigkeit als die Knochenszintigraphie aufweist [338].

Strahlenbelastung durch die bildgebende Diagnostik
Die typische Strahlendosis einer Thoraxübersichtsaufnahme in 2 Ebenen beträgt 0,02 bis 0,04 mSv; die Thorax-CT weist demgegenüber mit 4 bis 7 mSv eine etwa zweihundertfach höhere Strahlendosis auf (Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) 2019). Für die kombinierte Positronen-Emissions-Tomographie/Computer-Tomographie (PET-CT) werden bei der Diagnostik des Lungenkarzinoms Strahlendosen von 12 bis 15 mSv angegeben, wobei etwa die Hälfte davon auf das applizierte radioaktive Pharmakon entfällt und die andere Hälfte durch die Röntgenstrahlung der integrierten CT verursacht wird (Strahlenschutzkommission (SSK) 2005).

Im Vergleich dazu beträgt die jährliche natürliche Strahlenbelastung in Deutschland 2,1 mSv, bei einem Transatlantikflug werden Reisende einer zusätzlichen Strahlendosis von 0,03 – 0,08 mSv ausgesetzt (Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) 2019).

Allgemein wird aufgrund der wissenschaftlichen Evidenz angenommen, dass sich mit der Höhe einer medizinischen Strahlenexposition das Risiko eines strahleninduzierten malignen Tumors direkt proportional erhöht; bei Erwachsenen wird das nominelle Risiko eines strahleninduzierten malignen Tumors mit 4,1% Sv-1 angegeben (Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) 2007). Da die Abschätzung der Höhe stochastischer Strahlenschäden jedoch bei Strahlendosen unter 100 mSv mit Unsicherheiten behaftet ist, wird durch die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) von einer Berechnung der theoretischen Anzahl zusätzlicher Krebsfälle durch sehr niedrige Strahlendosen abgeraten (Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) 2007).

Bei Röntgen- und CT-Untersuchungen sind die vom Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlichten diagnostischen Referenzwerte (DRW) bei Patienten mit einer normalen Körperkonstitution einzuhalten (Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) 2016):

  • Thoraxübersichtsaufnahme: Dosis-Flächen-Produkt (DFP) für die p.a.-Aufnahme maximal 15 cGy∙cm², für die laterale Aufnahme maximal 40 cGy∙cm²
  • CT-Thorax (einschließlich Nebennieren): Volumen-CT-Dosisindex (CTDIVol) maximal 10 mGy, Dosislängenprodukt (DLP) maximal 350 mGy∙cm
  • CT-Thorax und Oberbauch (bis einschließlich Beckeneingang): CTDIVol maximal 10 mGy, DLP maximal 450 mGy∙cm
  • CT-Thorax und Abdomen einschließlich Becken: CTDIVol maximal 13 mGy, DLP maximal 1000 mGy∙cm

Bei einer eventuellen, beispielsweise durch die Patientenkonstitution bedingten Überschreitung der DRW ist der Grund dafür zu dokumentieren (§85 Abs. 1a StrlSchG).

6.3.2 Bildgebende Staging-Untersuchungen

6.3.2.1 Allgemeine Empfehlungen

6.5 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026
Bei vermutetem oder nachgewiesenem Lungenkarzinom und bestehender Therapieoption sollen die folgenden bildgebenden Staging-Untersuchungen durchgeführt werden:
  • Volldiagnostisches CT des Thorax und Abdomen (Oberbauch und Becken) mit Kontrastmittel, ggfs. im Rahmen eines PET-CT
  • MRT des Hirnschädels, bei Kontraindikation gegen MRT ersatzweise CT des Hirnschädels mit Kontrastmittel
Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (96%)
Literatur
[339]
ÄnderungshinweisBei Patienten mit vermutetem oder nachgewiesenem Primärtumor, bei denen eine Behandlungsoption besteht, soll eine kontrastmittelverstärkte CT-Untersuchung von Thorax und Oberbauch (inkl. Leber und Nebennieren) als wichtigste Untersuchung zur Beurteilung der Ausdehnung des Primärtumors durchgeführt werden. Damit ist auch die Differenzierung zwischen einer T1 und T2-Ausdehnung möglich.

Mit der CT-Diagnostik von Thorax und Oberbauch im Rahmen des Stagings werden die meisten der üblichen Metastasierungsorte des Lungenkarzinoms abgebildet: lokoregionäre Lymphknoten, Lunge, Leber und Nebennieren. Es verbleiben jedoch diagnostische Lücken bei den ebenfalls häufigen Hirnmetastasen und Knochenmetastasen. Für letztere ist eine Ganzkörperbildgebung erforderlich. Diese erfolgt vor einem möglichen Einsatz lokaler Verfahren wie Operation oder Strahlentherapie, ggf. in multimodalen Therapiekonzepten, mittels PET/CT.

Zum Stellenwert der MRT des Hirnschädels (cMRT) für den Ausschluss von Hirnmetastasen existieren international unterschiedliche Empfehlungen. Während die alte Version der S3-Leitlinie Lungenkarzinom aus dem Jahr 2011 generell zum Staging eine cMRT forderte ([340]), gibt die englische Leitlinie des National Instituts for Health and Care Excellence (NICE) von 2019 eine nach Tumorstadien differenzierte Empfehlung: bei neurologisch asymptomatischen Patienten wird beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom im klinischen Stadium I keine Bildgebung des Hirnschädels empfohlen, im Stadium II eine CT mit Kontrastmittel und nur im Stadium III eine cMRT (National Institute for Health and Care Excellence (NICE) 2019). Die Datenlage zu solchen Empfehlungen ist uneinheitlich; überwiegend wird in den publizierten, zumeist älteren Studien die Verwendung der cMRT zur Suche nach Hirnmetastasen auch bei neurologisch asymptomatischen Patienten empfohlen ([341]; [342]; [343]; [344]), während eine retrospektive Studie aus dem Jahr 2004 wegen der beobachteten geringen Inzidenz asymptomatischer Hirnmetastasen in der Studienpopulation (3 von 141 Patienten, davon 0 von 80 ohne Lymphknotenmetastasen) gegen den routinemäßigen Gebrauch der cMRT argumentierte ([345]). In einer jüngeren Metaanalyse wies die cMRT eine deutlich höhere Sensitivität für Hirnmetastasen (77%) auf als die CT (21%) im Rahmen der PET/CT, wobei allerdings nur bei einer der fünf eingeschlossenen Studien für die CT intravenöses Kontrastmittel verwandt wurde ([339]). Systematische Untersuchungen zum Zusatznutzen der cMRT für Therapieentscheidungen fehlen. Bei der guten Verfügbarkeit der MRT-Diagnostik in Deutschland und der nachgewiesenen Überlegenheit der MRT gegenüber der CT bei der Detektion von asymptomatischen Hirnmetastasen erscheint es trotz der spärlichen Datenlage sinnvoll, auf einen bestmöglichen Ausschluss von Fernmetastasen vor einer kurativ intendierten Therapie oder als Ausgangsbefund für eine Systemtherapie nicht zu verzichten.

6.6 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei vermutetem oder nachgewiesenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom und bestehender Therapieoption im klinischen Stadium IB–IIIB und im oligometastasierten Stadium IV soll zum Staging eine Ganzkörper-FDG-PET/CT erfolgen.

Falls aus medizinischen Gründen (z. B. diabetischer Stoffwechsellage) eine FDG-PET-Untersuchung nicht durchgeführt werden kann, ist eine Untersuchung auf extrathorakale Metastasen entweder mittels Ganzkörper-MRT oder Knochenszintigrafie plus CT Abdomen oder Knochenszintigrafie plus Sonografie Abdomen indiziert.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[346]
ÄnderungshinweisBei kurativer Behandlungsintention im klinischen Stadium IB–IIIB und im metastasier-ten Stadium IVA mit M1B (solitäre Metastase) soll auch bei negativem klinischem Untersuchungsbefund eine Untersuchung auf extrathorakale Metastasen mittels MRT Schädel und Ganzkörper-FDG-PET/CT erfolgen. Falls aus medizinischen Grün-den (z. B. diabetischer Stoffwechsellage) eine FDG-PET-Untersuchung nicht durchge-führt werden kann, ist eine Untersuchung auf extrathorakale Metastasen entweder mittels Knochenszintigrafie plus CT Abdomen oder Knochenszintigrafie plus Sono-grafie Abdomen oder Ganzkörper-MRT indiziert.
Evidenztabellen (1)FDG-PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium
6.7 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei vermutetem oder nachgewiesenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom und bestehender Therapieoption im klinischen Stadium IA kann die Ganzkörper-FDG-PET/CT für das mediastinale und extrathorakale Staging eingesetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisIm klinischen Stadium IA mit kurativer Behandlungsindikation kann die FDG-PET-/CT-Untersuchung für das mediastinale und extrathorakale Staging eingesetzt werden.

Die FDG-PET-Untersuchung leistet einen wesentlichen Beitrag zum Lymphknoten-Staging und bei der Erkennung unerwarteter Fernmetastasen, die der herkömmlichen Diagnostik entgehen können. In einer prospektiven randomisierten Studie konnte durch eine präoperative FDG-PET bei nicht-kleinzelligem Patienten die Rate an nutzlosen („futilen“) Operationen um die Hälfte gesenkt werden, hauptsächlich wegen des genaueren mediastinalen Lymphknoten-Stagings und des Nachweises unerwarteter Fernmetastasen. Eine weitere prospektive randomisierte Studie fand eine signifikant geringere Häufigkeit durchgeführter Mediastinoskopien bei Patienten, die zusätzlich zu einem konventionellen Staging eine FDG-PET erhielten ([347]).

International wird in Leitlinien für das Staging des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms eine FDG-PET/CT zumindest bei kurativer Therapieintention empfohlen, beispielsweise in den Appropriateness Criteria des American College of Radiology (ACR) (American College of Radiology 2018) und dem englischen NICE (National Institute for Health and Care Excellence (NICE) 2019). Der diagnostische Zusatznutzen der FDG-PET/CT ist durch zahlreiche Studien und etliche Metaanalysen belegt ([340]).

Eine systematische Literaturrecherche zum Stellenwert der PET/CT im Staging des Lungenkarzinoms identifizierte eine Metaanalyse aus dem Jahr 2017 zum Nutzen des PET/CT bei der Differentialdiagnose von Nebennierenmetastasen des Lungenkarzinoms ([346]). In neun Studien mit 707 Patienten wies dies PET/CT eine Sensitivität für die Detektion von Nebennierenmetastasen von 88,7% bei einer Spezifität von 90,8% auf.

In einer monozentrischen Studie mit 98 Patienten nach kurativ intendierter Behandlung eines nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms konnte während einer zweijährigen Nachbeobachtungszeit kein Vorteil beim Einsatz der PET/CT in der Nachsorge im Vergleich zur CT mit Kontrastmittel nachgewiesen werden ([348]).

6.8 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei nachgewiesenem kleinzelligem Lungenkarzinom sollte eine FDG-PET/CT zur Bestimmung des Tumorstadiums einschließlich der Detektion von Fernmetastasen eingesetzt werden, falls nicht bereits zuvor ein M1-Stadium („extensive disease“) gesichert wurde.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[349] [350]
ÄnderungshinweisEine FDG-PET-Diagnostik sollte zur Bestimmung des Tumorstadiums einschließlich der Detektion von Fernmetastasen eingesetzt werden, falls nicht bereits zuvor ein M1-Stadium („extensive disease“) gesichert wurde.
Evidenztabellen (1)FDG-PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium
6.9 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei nachgewiesenem kleinzelligem Lungenkarzinom im M-1 Stadium („extensive disease“) kann eine FDG-PET/CT zur Bestimmung der Tumorausbreitung einschließlich der Detektion von weiteren Fernmetastasen eingesetzt werden, auch wenn bereits zuvor einzelne Fernmetastasen gesichert wurden.


*CAVE: Die PET Untersuchung ist in dieser Indikation nicht Gegenstand des Leistungskatalogs der
gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert)

Konsens
Konsens (88%)

Mittels systematischer Literaturrecherche konnten zwei Metaanalysen zum Stellenwert der PET/CT beim Staging des kleinzelligen Lungenkarzinoms identifiziert werden ([350]; [349]). Diese wurden mit dem Evidenzlevel 1a- bzw. 2a bewertet. Beide Metaanalysen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Analyse aus dem Jahr 2016 mit 7 eingeschlossenen Studien (insgesamt 408 Patienten) fand kaum eine Evidenz für den Nutzen der PET/CT beim kleinzelligen Lungenkarzinom, lediglich bei der Detektion von Knochenmetastasen erwies sich die PET/CT als der Skelettszintigraphie überlegen ([349]). Eine jüngere Analyse von 2019 mit 9 eingeschlossenen Studien und insgesamt 721 Patienten fand jedoch eine Änderung im Stadium (limited vs. extensive disease) in 15% der Fälle, ohne allerdings einen Vorteil für das Überleben identifizieren zu können ([350]).

Dessen ungeachtet wird sowohl in einer amerikanischen als auch in einer englischen Leitlinie der Einsatz der PET-CT (American College of Radiology 2018; National Institute for Health and Care Excellence (NICE) 2019) empfohlen, in letzterer allerdings eingeschränkt auf Fälle mit einer kurativen Therapieintention.

6.10 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einem Sulcus-superior-Tumor (Pancoast-Tumor) und kurativer Behandlungsintention sollte die MRT zur Beurteilung der lokalen Tumorausbreitung eingesetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (96%)
ÄnderungshinweisIm Falle eines Tumors der oberen Thoraxapertur (Sulcus-superior-Tumor) oder der Lungenspitze soll die MRT zur Beurteilung der Tumorausbreitung, z.B. einer Plexus-infiltration, eingesetzt werden.

Der bessere Weichteilkontrast machen sowohl die MRT als auch die Sonographie der CT bei der Darstellung der Tumorinfiltration in benachbarte Strukturen grundsätzlich überlegen. Die Sonographie eignet sich aufgrund der methodisch bedingten Schwierigkeiten bei der Darstellung der mediastinalen Strukturen vorrangig zur Beurteilung der Tumorinfiltration in der Thoraxwand. Die MRT kann die Tumorinfiltration ins Mediastinum, in die Wirbelsäule sowie die Thoraxwand hervorragend darstellen. Zur Klärung der Frage nach einer bestehenden Mediastinalinfiltration eignen sich besonders dynamisch Sequenzen, in denen eine Atemverschieblichkeit des Tumors gegenüber mediastinalen Strukturen gegen eine Tumorinfiltration spricht. Klinische Studien zur diagnostischen Genauigkeit dieser beiden Verfahren zur Beurteilung der lokalen Tumorausbreitung eines Lungenkarzinoms wurden bei einer systematischen Literaturrecherche nicht gefunden.

6.11 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einem nachgewiesenen gut differenzierten, neuroendokrinen Tumor der Lunge kann zur Klärung der Behandlungsoptionen eine nuklearmedizinische Somatostatin-Rezeptor-Diagnostik erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (95%)
ÄnderungshinweisBei gut differenzierten, neuroendokrinen Tumoren kann ein Ausschluss Somatosta-tin-Rezeptor-positiver Tumormanifestationen mittels Somatostatin-Rezeptor-Diagnostik erfolgen.

Neuroendokrine Tumoren mit guter Differenzierung, insbesondere Karzinoide, exprimieren Somatostatin-Rezeptoren. Diese Eigenschaft eignet sich, um mit radioaktiven Somatostatin-Rezeptor-Liganden den Primärtumor und dessen Absiedlungen szintigraphisch oder mittels PET darzustellen. Mehrere Studien haben die Ergebnisse bei neuroendokrin differenzierten Tumoren der Lunge dokumentiert ([338]; [351]; [352]; [353]). Große prospektive Studien sind wegen der geringen Inzidenz von Bronchuskarzinoiden nicht zu erwarten.

Die Primärtumoren stellten sich in 71-100 % der Fälle szintigraphisch dar. In einer Serie von 89 Patienten zeigten Yellin et al., dass die Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie mit einer Sensitivität von 90 % und Spezifität von 89 % Tumormanifestationen einschließlich mediastinaler Lymphknotenmetastasen und extrathorakaler Metastasen darstellen kann [353]. Die Untersuchungsmethode eignet sich zur Rezidivdiagnostik und zeigte in einer Studie an 31 Patienten mit Rezidivverdacht in 26 % der Fälle bislang unbekannte Tumorherde ([352]).

Neuerdings stehen mit Positronenstrahlern markierte Somatostatin-Rezeptor-Liganden wie Ga-68-DOTATOC auch außerhalb von Studien für die PET-Diagnostik zur Verfügung, die eine geringere Strahlenexposition aufweisen und aufgrund der messtechnischen Vorteile der PET-Technologie eine Verbesserung der Diagnostik erwarten lassen ([354]; [355]).

6.3.2.2 Bildgebendes T-Staging

Radiologische Kriterien für die Operabilität sind bestimmte T3- (z.B. Thoraxwandinfiltration) oder T4-Situationen (z.B. Infiltration von Mediastinalorganen). Zeichen, wie Kontakt zur Aorta <90° der Zirkumferenz, Kontakt zum Mediastinum fehlend bzw. <3 cm, können in der CT sicher erhoben werden. Sie ergeben in 97 % eine technische Resektabilität; wenn diese Zeichen fehlen, ist in 50 % mit einer Inoperabilität zu rechnen ([356]). Dies kann für den Patienten unter Umständen eine Probethorakotomie bedeuten. Vergleichbar ist die Situation bei der Tumorbeziehung zur Thoraxwand mit einer Sensitivität zwischen 38-87 % und einer Spezifität zwischen 40-90 % [356]. Da die zugrundeliegenden Studien überwiegend aus den 80er und 90er Jahren stammen, ist bei Übertragung auf die aktuelle radiologische Untersuchungstechnik tendenziell von besseren Ergebnissen auszugehen. Ein weiterer Faktor, der eine inoperable T4-Situation bedingt, ist eine Pleura- oder Perikardkarzinose. Entsprechende Ergüsse werden mittels radiologischer Schnittbildverfahren sensitiv detektiert. Ein Pleuraerguss ist in diesem Setting meistens maligne. Eine Verdickung der Pleura wird in der CT zwar sensitiv (100 %) dargestellt, erreicht jedoch nur eine unzureichende Spezifität (40 %). Sicherer ist die Detektion einer Knocheninvasion in der CT, zumindest bei entsprechender digitaler Befundung ([356]).

Für die Beurteilung zusätzlich zum Primärtumor vorhandener pulmonaler Herde eignet sich insbesondere die PET/CT. Sie ist damit geeignet zur Unterscheidung zwischen weiteren pulmonalen Tumormanifestationen und inzidentellen benignen Rundherden. Systematische Metaanalysen, teilweise mit quantitativer Informationssynthese ([357], [358], [359], [360], [356] belegen die hohe Sensitivität der FDG-PET von etwa 90 %, bei einer Spezifität ca. 78 %. Die Malignität von Herden mit über 10 mm Durchmesser wird mit einer Sensitivität von 96 % erfasst [357].

6.3.2.3 Bildgebendes N-Staging

Die Verwendung der Lymphknotengröße als Indikator einer Lymphknotenmetastasierung ist ein unzuverlässiger Parameter, was für alle morphologischen bildgebenden Verfahren gilt ([356]; [361]). So können hiläre und subkarinale Lymphknoten mit einer Größe von 15 mm nicht maligne sein. Begleiterkrankungen des Lungenkarzinoms wie die Retentionspneumonie oder eine kardiale Dekompensation können eine benigne Lymphknotenvergrößerung bedingen. Andererseits können Mikrometastasen in normal großen Lymphknoten verborgen sein. Bei Anwendung eines Durchmessers von 10 mm in der kurzen Achse als Schwellenwert werden für den einzelnen Patienten Sensitivitäten und Spezifitäten von ca. 62 % erreicht ([361]). Folglich ist auch ein Drittel der Lymphknoten >2 cm in der kurzen Achse nicht maligne. Nichtsdestotrotz sind vergrößerte Lymphknoten in den Befundberichten zu erwähnen und ihre Lokalisation gemäß UICC (Union internationale contre le cancer, www.uicc.org) zu benennen, um sie im weiteren Staging konkret abklären zu können.

In Zusammenschau mit einer FDG-PET ist die Lymphknotengröße ein hilfreicher Parameter: In einer Metaanalyse wurde bei Lymphknoten <10 mm und negativer FDG-PET lediglich eine 5 % Wahrscheinlichkeit, bei >15 mm großen Lymphknoten eine 21 % Wahrscheinlichkeit einer falsch negativen N2 Bewertung gefunden ([361]). Dies bedeutet, dass bei kleinen Lymphknoten und normaler PET keine Mediastinoskopie erfolgen muss, diese jedoch bei großen Lymphknoten trotz negativer PET durchzuführen ist.

6.3.2.4 Bildgebendes M-Staging

6.12 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Im Falle eines auffälligen klinischen Untersuchungsbefundes ohne Korrelat in der routinemäßigen Staging-Bildgebung soll dieser mit einem geeigneten Verfahren weiter abgeklärt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisIm Falle eines auffälligen klinischen Untersuchungsbefundes soll eine Untersuchung auf extrathorakale Metastasen erfolgen.
6.13 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Im Falle eines metastasenverdächtigen Befundes in einem bildgebenden Verfahren soll dieser histologisch gesichert werden und das Staging komplettiert werden, bevor Patienten von einer potenziell kurativen Behandlung ausgeschlossen werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisIm Falle eines metastasenverdächtigen Befundes in einem bildgebenden Verfahren soll ein Patient nur im Falle der pathologischen Bestätigung der Metastasierung oder im Ausnahmefall einer eindeutigen klinischen oder radiologischen Evidenz der Metastasierung von einer potenziell kurativen Behandlung ausgeschlossen werden.

Die MRT ist das Verfahren der Wahl zur Detektion von Hirnmetastasen (siehe Abschnitt 6.3.2). Sie soll bei symptomatischen Patienten, bei kurativer Therapieindikation höhergradiger NSCLC und SCLC sowie bei SCLC vor prophylaktischer Hirnbestrahlung eingesetzt werden, da sie der CT überlegen ist [362].

Da die MRT für die Differentialdiagnostik von Läsionen der Leber und Nebennieren tendenziell aussagefähiger ist als die CT, eignet sie sich insbesondere für die weitere Abklärung von in der Routinediagnostik aufgefallenen fokalen Läsionen dieser Organe. Auch ist sie der CT in der muskuloskelettalen Bildgebung erheblich überlegen, so dass klinisch auffällige Befunde in Knochen und Weichteilen auch bei negativem CT-Befund zum zuverlässigeren Metastasenausschluss mittels MRT untersucht werden sollten.

6.3.3 Diagnosesicherung und invasive Staging-Untersuchungen

6.3.3.1 Bronchoskopie

6.14 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Bronchoskopie (BRSK) stellt die wichtigste Methode zur Diagnosesicherung dar. Zur Bronchoskopie soll eine aktuelle CT-Untersuchung der Thoraxorgane vorliegen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisDie Bronchoskopie (BRSK) stellt die wichtigste Methode zur Diagnosesicherung dar. Vor der BRSK sollte eine CT-Untersuchung der Thoraxorgane erfolgen, da durch Kenntnis der anatomischen Veränderungen die Erfolgsaussichten der Untersuchung gesteigert werden. Die Erfolgsaussichten der BRSK sind von der Größe des Tumors und seiner Lokalisa-tion abhängig.
6.15 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einem zentralen Tumor soll die BRSK mit verschiedenen Methoden der Probenentnahme als primäre Methode der Diagnosesicherung durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[363]
6.16 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einem peripheren Lungentumor ≥ 2 cm Durchmesser sollten die TTLB oder die BRSK mit verschiedenen Methoden der Probenentnahme unter radiologischer Kontrolle, wie z.B. Röntgendurchleuchtung, durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[364] [365] [366]
ÄnderungshinweisBei einem peripheren Lungentumor ≥ 2 cm Durchmesser sollten die transthorakale Nadelaspiration (TTNA = transthoracic needle aspiration) oder die BRSK (inkl. ver-schiedener Methoden der Probenentnahme) unter radiologischer Kontrolle, wie z.B. Röntgendurchleuchtung, durchgeführt werden.
6.17 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Sofern eine kurative Behandlungsintention besteht, soll bei mediastinalen Lymphknotenvergrößerung in der CT (kurze Achse >10 mm) oder malignitätssuspekter Traceranreicherung in mediastinalen Lymphknoten in der PET eine pathologische Evaluation des mediastinalen Lymphknotenstatus erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisSofern eine kurative Behandlungsintention besteht, soll im Falle einer im bildgeben-den Verfahren (CT, PET oder PET/CT) nachgewiesenen mediastinalen Lymphknoten-Veränderung bzw. –Vergrößerung eine definitive Evaluation des Lymphknotenstatus erfolgen.
6.18 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Zur pathologischen Evaluation des mediastinalen Lymphknotenstatus sollen als Methoden der ersten Wahl endoskopische Untersuchungsverfahren mit Ultraschall-gesteuerter Probenentnahme (Bronchoskopie mit endobronchialem Ultraschall und mit Nadelbiopsie/-aspiration [EBUS-TBNA]; Ösophagoskopie mit ösophagealem Ultraschall und Nadelbiopsie/-aspiration [EUS-FNA]; Kombination aus EBUS-/EUS-Verfahren) eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[367] [368] [369]
6.19 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei diskrepantem Befund mit metastasenverdächtigen mediastinalen Lymphknoten in der Bildgebung (CT oder PET) und negativem pathologischem Befund eines Nadelaspirationsverfahrens (z. B. EBUS-TBNA, EUS-FNA) soll eine Mediastinoskopie, eine VATS oder ein anderes geeignetes chirurgisches Verfahren durchgeführt werden.

Konsens
Konsens (90%)
ÄnderungshinweisIm Falle einer im bildgebenden Verfahren (CT, PET oder PET/CT) nachgewiesenen mediastinalen Lymphknoten-Veränderung bzw. –Vergrößerung und eines negativen pathologischen Befundes des Nadelaspirationsverfahrens (EBUS, EUS, TBNA, TTNA) soll eine Mediastinoskopie, eine VATS oder ein geeignetes chirurgisches Verfahren durchgeführt werden.

Die Bronchoskopie stellt die wichtigste Methode zur Diagnosesicherung dar. Insbesondere bei zentralen Tumoren besteht eine ausgezeichnete diagnostische Sicherheit [370] [371][363], bei peripheren Tumoren hängt die Trefferquote von der Rundherdgröße ab [372] [373].

Bei peripheren Raumforderungen sollte eine Kombination verschiedener Techniken zum Einsatz kommen (Bürste, Nadel, Katheter, Zange) [374]. Hierdurch kann unter Verwendung eines Durchleuchtungsgeräts die diagnostische Erfolgsquote gesteigert werden [372][375] [376][377]. Evtl. können innovative Navigationstechniken die Diagnostik kleiner Rundherde noch weiter verbessern [378][379][380][381][382][383] [365][364]. In einer Metaanalyse von 18 Studien zur bronchoskopischen Biopsie peripherer Lungenherde ergab eine diagnostische Ausbeute der TBNA von 53%, wobei bessere Ergebnisse bei Vorhandensein eines in die Läsion führenden Bronchus in der CT, einem vorbestehenden malignen Tumor, einer Läsionsgröße über 3 cm und bei Verwendung einer rapid on-site evaluation (ROSE) beobachtet wurden ([366]). ROSE führte in einer weiteren Metaanalyse von 5 Studien zwar nicht zu einer Erhöhung der diagnostischen Ausbeute, erforderte jedoch weniger Nadelpassagen während einer EBUS-TBNA ([384]).

Ösophagusnahe intrapulmonale Tumoren können mittels EUS-FNA sicher und mit einer hohen diagnostischen Ausbeute von durchschnittlich 90% transösophageal punktiert werden, wobei in diese Metaanalyse 11 Studien mit insgesamt 313 Patienten eingeschlossen wurden ([368]).

Die eingriffsbezogene Letalität der Bronchoskopie liegt im Promillebereich. Die Hauptkomplikationen, insbesondere bei peripheren Läsionen, sind Pneumothorax mit einer Häufigkeit von 1-4 % und leichte Hämorrhagien [385] [372][373][376] [377].

Somit sollte ein Patient bei Verdacht auf Lungenkarzinom mit einem Durchmesser von mehr als 2 cm einer Bronchoskopie zugeführt werden. [373][376][377].

Ob auch Patienten mit Raumforderungen von weniger 2 cm Durchmesser routinemäßig zum Ausschluss eines zusätzlichen endobronchialen Tumorwachstums oder zur präoperativen Beurteilung anatomischer Besonderheiten bronchoskopiert werden sollten, ist unklar.

Vor der Bronchoskopie sollte ein CT des Thorax erfolgen. Im Falle eines vergrößerten Lymphknotens im CT und/oder eines positiven FDG-PET-Befundes sollte während der initialen diagnostischen Bronchoskopie eine transbronchiale Nadelaspiration durchgeführt werden. Hierdurch kann bei bis zu 70 % der Patienten eine zytologische Sicherung erreicht werden [386]. Durch die Hinzunahme von endoskopischen Ultraschallverfahren kann die Trefferquote auf bis zu 90 % angehoben werden, insbesondere bei nicht subkarinalen Lymphknotenstationen [387] [340].

Eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie (Evidenzlevel 1b) unter Einschluss von 133 Patienten fand bei Verwendung von EBUS-TBNA zum initialen mediastinalen Lymphknotenstaging eine reduzierte Zeit bis zum Behandlungsbeginn, eine verringerte Anzahl notwendiger Untersuchungen und geringere Kosten im Vergleich zu den konventionellen Stagingverfahren [367].

Im Vergleich von EBUS-TBNA und Mediastinoskopie zum mediastinalen Lymphknotenstaging des nichtkleinzelligen Lungenkarzinomsd wurde in einer Metaanalyse von 9 Studien mit 960 Patienten eine equivalente diagnostische Ausbeute bei einer geringeren Anzahl an Komplikationen der EBUS-TBNA gefunden ([369]).

6.3.3.2 Zytologische Diagnosestellung und zytologische Differenzierung

6.20 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die zytologische Diagnose eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (z.B. Bronchoskopie, Nadelpunktionsverfahren) kann für das therapeutische Management akzeptiert werden, vorausgesetzt eine erforderliche vollständige molekulare Analytik kann durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[388] [367] [389]
ÄnderungshinweisDie zytologische Diagnose eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (via Bronchoskopie, Nadelpunktionsverfahren oder Sputum) kann für das therapeutische Management akzeptiert werden.
6.21 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Falls bei der zytologischen Diagnose eines kleinzelligen Lungenkarzinoms das klinische Erscheinungsbild oder der klinische Verlauf eher gegen ein kleinzelliges Lungenkarzinom sprechen, sollte ein bioptisches Verfahren zur histologischen und immunhistochemischen Diagnosesicherung durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Bei Patienten mit einem Lungenkarzinom hat die Differenzierung zwischen kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Karzinom nach wie vor die größte Bedeutung, da sich deren Therapie grundsätzlich unterscheidet.

Die Abgrenzung von kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom durch die Sputumzytologie, zytologische Beurteilung transthorakaler Feinnadelaspirate sowie bronchoskopisch gewonnener Materialien wie Spülung, Bürstung bzw. BAL ist zuverlässig.

Schreiber und McCrory [390] bewerteten in einer systematischen Review 21 Studien, in denen die diagnostische Genauigkeit der Zytologie hinsichtlich der Unterscheidung von nicht-kleinzelligen und kleinzelligen Karzinomen anhand unterschiedlicher Materialien (transthorakale Feinnadelpunktionen in 14 Studien, Sputum in 5 Studien, bronchoskopisch gewonnene Bürstenbiopsien in 2 Studien und transbronchiale Feinnadelaspirationsbiopsien in 4 Studien) im Vergleich zur Histologie als “Goldstandard” geprüft wurde. Hierbei zeigte sich eine mittlere Treffsicherheit von 98 % bei einer Variabilität von 94 bis 100 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass präoperativ ein nicht-kleinzelliges Karzinom diagnostiziert wurde, aber ein kleinzelliges Karzinom vorlag, betrug 2 % (Rate falsch-positiver Befunde zwischen 1 und 7 %). Die Wahrscheinlichkeit, dass ein kleinzelliges Karzinom zytologisch diagnostiziert wurde, obwohl es sich um ein nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom handelte, betrug durchschnittlich 9 % mit Schwankungen zwischen den einzelnen Studien von 0 bis 33 %.

In einer neueren Metaanalyse von 17 Studien mit 2235 Fällen wurde eine große Variabilität der Genauigkeit der zytologischen Diagnosen zwischen den einzelnen Studien gefunden, wobei Plattenepithelkarzinome mit einer durchschnittlichen Sensitivität von 84 % bei einer Spezifität von 90 % zuverlässiger diagnostiziert werden konnten als Adenokarzinome mit einer Sensitivität von 63 % und einer Spezifität von 95 % ([389]).

Die in einer EBUS-TBNA akquirierten Proben eignen sich, entsprechend der Auswertung einer Metaanalyse mit 33 Studien und insgesamt 2867 Patienten, in 94,5 % zur EGFR-Analyse (n=2497) und in 94,9 % zur ALK-Analyse (n=607). Aussagen zu anderen molekularen Markern, insbesondere ROS1 und PD-L1, waren anhand der publizierten Daten jedoch nicht möglich ([388]).

Wegen der höheren Rate falsch-positiver zytologischer Diagnosen eines kleinzelligen Karzinoms empfahlen [391] für Patienten, bei denen zytologisch die Diagnose eines kleinzelligen Karzinoms gestellt wurde, radiologische und klinische Befunde aber gegen dessen Vorliegen sprächen, eine Biopsie zur histologischen Diagnostik anzustreben.

6.3.3.3 Sputumzytologie

Die zytologische Untersuchung von Sputum ist die am wenigsten invasive Methode zum Nachweis eines Lungenkarzinoms. Ihre diagnostische Genauigkeit ist abhängig von der Zahl gewonnener Proben, deren Aufarbeitung sowie Tumorlage und –größe.

Sie ist besonders bei zentralen Tumoren und dem Auftreten von Hämoptysen geeignet [392].

Die systematische Review von Schreiber und McCrory [390] umfasste 17 Studien zur diagnostischen Aussage der zytologischen Sputumuntersuchung mit mehr als 28.000 Patienten. Die Sensitivität der Sputumzytologie schwankte zwischen 42 und 97 %, die Spezifität zwischen 68 und 100 %. Die gepoolte Sensitivität betrug 66 %, die Spezifität 99 %, der mittlere positive prädiktive Wert 0,91, der negative prädiktive Wert 0,94. Die meisten der Studien belegten eine höhere Sensitivität von 71 % im Median für zentrale gegenüber 49 % für periphere Tumoren [393][394].

Die Indikation für die Sputumzytologie war in den Studien verschieden. Eine der Studien, die bei Patienten mit Verdacht auf ein Lungenkarzinom durchgeführt worden war, erbrachte eine Sensitivität von 87 % und eine Spezifität von 90 % [395].

Auch Agusti et al. [393] untersuchten ausschließlich Patienten (n=60), bei denen der Verdacht auf ein Lungenkarzinom vorlag. Hierbei ergaben sich eine Sensitivität von nur 43 %, eine Spezifität von 94 %, ein positiver prädiktiver Wert von 0,95 und ein negativer prädiktiver Wert von 0,44. Ohne Provokation mit ultraschallvernebelter Kochsalzlösung war die Sensitivität mit 31 % deutlich geringer.

Somit erscheint die Methode, die ausschließlich eine Artdiagnose zulässt, nur bei Patienten mit einem hohen Komorbiditätsindex sinnvoll. Zu berücksichtigen ist, dass die Sensitivität der zytologischen Sputumuntersuchung mit der Zahl der untersuchten Proben steigt (Evidenzgrad 2b).

6.3.3.4 Perkutane Nadelaspiration und transthorakale Lungenbiopsie (TTLB)

6.22 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einem peripheren Lungentumor <2 cm und Indikation zur nicht-chirurgischen Biopsie können die CT-gesteuerte TTLB oder die BRSK mit Navigationsverfahren eingesetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei einem peripheren Lungentumor <2 cm und Indikation zur nicht-chirurgischen Biopsie können die TTNA oder die BRSK mit Navigationsverfahren eingesetzt wer-den
6.23 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einem nicht pleuraständigen peripheren Lungentumor soll im Falle einer negativen bronchoskopischen Biopsie die CT-gesteuerte TTLB erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei einem nicht pleuraständigen Tumor soll im Falle eines negativen Bronchoskopie-Ergebnisses die CT-gesteuerte TTNA erfolgen
6.24 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einem pleuraständigen Tumor sollte die transthorakale Lungenbiopsie (TTLB) Ultraschall- oder CT-gesteuert erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
6.25 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Vorliegen eines Pleuraergusses soll eine Thorakozentese (Pleurapunktion) zur ätiologischen Abklärung durchgeführt werden.

Konsens
Konsens (90%)
6.26 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Im Falle einer höchstens zweimaligen negativen zytologischen Untersuchung des Pleurapunktats sollte eine Thorakoskopie durchgeführt werden, sofern die ätiologische Abklärung von therapieentscheidender Bedeutung oder eine palliative Intervention indiziert ist.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisIm Falle einer höchstens zweimaligen negativen zytologischen Untersuchung des Pleurapunktats sollte eine Thorakoskopie durchgeführt werden, sofern die ätiologische Abklärung von therapieentscheidender Bedeutung ist.

Im Falle eines Pleuraergusses sowie pleuraständiger oder peripher gelegener Lungenläsionen kann zur pathologischen Sicherung auch eine perkutane Nadelaspiration bzw. eine transthorakale Lungenbiopsie durchgeführt werden. Pleuraständige Prozesse können mit Hilfe der Ultraschalltechnik punktiert werden [396], [397], nicht-pleuraständige Läsionen sollten hingegen unter CT-Kontrolle punktiert werden [398], [399], [400], [401], [402].

Die Sensitivität der perkutanen Punktion zur zytologischen Sicherung eines malignen Pleuraergusses liegt bei ungefähr 50 %. Die Sensitivität der Pleuraergusszytologie variiert nicht nur in Abhängigkeit vom Tumortyp. Sie steigt mit dem Volumen bzw. der Anzahl untersuchter Punktate [403]. Die mittlere Sensitivität beträgt 58 %, die Spezifität dagegen 97 % [403]. Durch immunzytochemische Untersuchungen können die Treffsicherheit und die Genauigkeit hinsichtlich der Zuordnung zu einem Tumortyp erhöht werden [404].

Zur Abklärung von Raumforderungen werden diagnostische Sensitivitäten um 90 % beschrieben [398], [399], [400], [401], [402]. Insbesondere bei pulmonalen Läsionen von weniger als 3 cm Durchmesser bestehen höhere Sensitivitäten als bei der Bronchoskopie [398], [399], [400], [401], [402].

Die hauptsächliche Komplikation der perkutanen Punktionsverfahren ist ein Pneumothorax, mit dem bei der Punktion von pulmonalen Prozessen in 10 bis 30 % der Fälle gerechnet werden muss [405].

6.3.3.5 Thorakoskopie (THSK)

6.27 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Verdacht auf ein Lungenkarzinom sollte eine chirurgische Biopsie nur dann durchgeführt werden, falls weniger invasive Methoden der Probenentnahme keine definitive Klärung ergeben haben oder nicht durchgeführt werden konnten.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Bei Patienten mit unklarem Pleuraerguss und vor Durchführung einer kurativen Lokaltherapie (Operation, Bestrahlung) sollte bei unauffälliger Zytologie im Pleurapunktat eine Thorakoskopie entweder in Allgemeinnarkose oder in Lokalanästhesie zum Beweis bzw. zum Ausschluss einer pleuralen Tumoraussaat durchgeführt werden [406], [407]. Für die Thorakoskopie in Lokalanästhesie als dem weniger ressourcenaufwändigen Verfahren im Vergleich zur Operation bestehen hohe Sensitivitäten bis zu 95 % [406] , [407]. Die Komplikationsrate liegt unter 1 %, Hauptkomplikation ist die Blutung.

Im Falle eines kleinen peripheren Rundherds sollte hingegen primär eine videoassistierte Thorakoskopie in Allgemeinnarkose durchgeführt werden.

6.3.3.6 Mediastinoskopie (MESK)

Bei Patienten mit vergrößerten Lymphknoten bietet die Methode die Möglichkeit einer invasiven histologischen Sicherung mit einer Sensitivität von 80-90 % [408] [409] [410]. Die Mortalität liegt unter 1 %, die Morbidität beträgt 5-10 % [411] [412] .

Die Mediastinoskopie erfasst routinemäßig im Wesentlichen die mediastinalen Lymphknoten in Position 2R, 2L, 4R, 4L und 7 und sollte gemäß etablierten Standards durch­geführt werden, da sonst mit einer deutlich niedrigere Sensitivität zu rechnen ist [413] [409] [414].

6.3.3.7 Diagnostischer Algorithmus für das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom

Diagnostischer Algorithmus für das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom
Diagnostischer Algorithmus für das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom

6.4 Inzidenteller Lungenrundherd (außerhalb eines Programms zur Lungenkrebs-Früherkennung)

6.28 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei jedem Patienten mit einem oder mehreren neu aufgetretenen, isolierten Lungenrundherd(en) soll ein Vergleich mit früher durchgeführten Röntgen- und CT-Untersuchungen durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[415] [416] [417] [418] [419] [420] [421] [422] [423] [424]
6.29 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei jedem Patienten mit neu aufgetretenem, isoliertem Lungenrundherd < 3cm Durchmesser soll die Wahrscheinlichkeit für Malignität des Lungenherdes abgeschätzt werden. Dazu sollen folgende Parameter berücksichtigt werden: Alter, Raucherstatus, bekannte Malignom-Erkrankung, sowie Größe, Lokalisation und Radiomorphologie des Rundherdes. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[415] [416] [417] [418] [419] [420] [421] [422] [423] [424]
ÄnderungshinweisBei jedem Patienten mit einem neu aufgetretenen, isolierten Lungenrundherd (<3 cm Durchmesser) soll in Abhängigkeit vom Alter, vom Durchmesser, von der Mor-phologie (z.B. Spiculae), von der Lokalisation, vom Raucherstatus und von einer extrathorakalen Malignomerkrankung die Wahrscheinlichkeit für Malignität abgeschätzt werden.
6.30 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Zur Abschätzung der Malignität eines neu aufgetretenen Lungenrundherdes kann auf ein validiertes Online-Wahrscheinlichkeits-Rechenmodell (z.B Mayo-Clinic, Herder, Brock) zurückgegriffen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
3

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[415] [416] [417] [418] [419] [420] [421] [422] [423] [424]
6.31 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein per Zufallsbefund diagnostizierter Lungenrundherd sollte prinzipiell nur dann Anlass zu weitergehender Diagnostik sein, wenn der Allgemeinzustand des Patienten eine Abklärung oder mögliche Therapie auch zulässt.

Konsens
Konsens (87%)
Literatur
[416] [418] [425] [426] [427]
6.32 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten ohne maligne (Vor-)Erkrankung und geringem Risiko für ein Lungenkarzinom mit einem Lungenrundherd <5 mm (oder <80 mm³) oder bei Patienten, deren Allgemeinzustand keine weitere Abklärung oder Therapie zulässt, sollte keine CT-Verlaufskontrolle durchgeführt werden

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [418] [425] [426] [427]
6.33 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit einem Lungenrundherd ≥ 5 mm bis < 8 mm (≥ 80 mm3 bis < 300 mm³) sollten CT-Verlaufskontrollen durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [418] [425] [426] [427]
ÄnderungshinweisBei einem isolierten Lungenrundherd >8-10 mm Durchmesser und einer geringen Wahrscheinlichkeit für Malignität oder bei einem isolierten Lungenrundherd <8-10 mm Durchmesser sollen radiologische Verlaufskontrollen durchgeführt werden.
6.34 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

CT-Verlaufskontrollen – bevorzugt mit volumetrischer Größenbestimmung - sollten nach 3, 6-12 und 18-24 Monaten durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [418] [425] [426] [427]
ÄnderungshinweisCT- oder low dose-CT-Untersuchungen sollten nach 3, 6, 12 und 24 Monaten durchgeführt werden.
6.35 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patienten können aus der CT-Verlaufskontrolle entlassen werden, wenn die Volumenzunahme des Rundherdes <25% in einem Jahr beträgt, oder die Volumen-Verdoppelungszeit (VDT) > 600 Tage beträgt, oder der Allgemeinzustand des Patienten keine weitere Abklärung oder Therapie zulässt.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Starker Konsens (96%)
Literatur
[416] [418] [425] [426] [427]
6.36 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Im Falle einer radiologisch dokumentierten Größenprogredienz (VDT < 400 Tage) eines isolierten Lungenrundherdes sollte eine definitive pathologische Klärung angestrebt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [418] [425] [426] [427]
ÄnderungshinweisIm Falle einer radiologisch dokumentierten Größenprogredienz eines isolierten Lungenrundherdes soll eine definitive pathologische Klärung angestrebt werden.
6.37 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Über das zu wählende Verfahren zur pathologischen Diagnosesicherung eines pulmonalen Rundherdes (Bronchoskopie mit transbronchialer Biopsie oder CT-gesteuerte transthorakale Biopsie oder minimal-invasive chirurgische Resektion) sollte interdisziplinär (Pneumologie, Radiologie, Thoraxchirurgie) entschieden werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [418] [425] [426] [427]
ÄnderungshinweisBei einem malignomverdächtigen, isolierten Lungenrundherd >8-10 mm Durchmes-ser und der prinzipiellen Möglichkeit der chirurgischen Resektion sollten eine trans-thorakale Nadelaspiration (TTNA, transthoracic needle aspiration) oder eine Bron-choskopie zur pathologischen Diagnosesicherung in der Regel nicht durchgeführt werden.
6.38 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit einem in der 3-Monats-CT-Kontrolle persistierenden subsoliden Lungenrundherd ≥ 5 mm oder ≥ 80 mm³) soll in Abhängigkeit vom Alter des Patienten, vom Raucherstatus, peripherer Eosinophilie, Lungenkarzinom-Vorgeschichte sowie von der Radiomorphologie des Rundherdes, insbesondere der Größe der soliden Komponente die Wahrscheinlichkeit für Malignität des Lungenherdes abgeschätzt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [418] [428] [429]
6.39 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit einem persistierenden subsoliden Lungenrundherd ≥ 5 mm (oder ≥ 80 mm³) und geringem Malignitätsrisiko sollten CT-Verlaufskontrollen über eine Dauer von 3-5 Jahren durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3

(British Thoracic Society, 2015)


3

(Fleischner Society Guideline, 2017)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [418] [428] [429]
ÄnderungshinweisIm Falle einer Größenkonstanz des Lungenrundherdes in der CT über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren sollte keine weiterführende Abklärung durchgeführt werden.
6.40 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit einem subsoliden Lungenrundherd und signifikanter Größenzunahme (≥ 2 mm) - insbesondere der soliden Komponente - oder bei Hinzukommen eines soliden Anteils in der Verlaufsbeobachtung sollte in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand des Patienten eine definitive pathologische Klärung angestrebt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [418] [428] [429]
6.41 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patienten mit einem soliden Lungenrundherd mit einem anfänglichen Malignitätsrisiko >10% (Brock-Modell) sollte die Durchführung einer PET-CT angeboten werden, wenn die Rundherdgröße oberhalb der lokalen PET-CT-Erkennungsschwelle liegt.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Konsens (92%)
Literatur
[416] [430] [431] [432] [433] [434] [435] [436]
6.42 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit einem soliden Lungenrundherd >8 mm Durchmesser (≥ 250 mm3) und einer nach ggfs. Durchführung einer PET/CT weiter bestehenden Malignitäts-Wahrscheinlichkeit ≥ 10% sollte eine definitive pathologische Klärung angestrebt werden. 

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3

(British Thoracic Society, 2015)

Konsens
Starker Konsens (95%)
Literatur
[416] [430] [431] [432] [433] [434] [435] [436]
ÄnderungshinweisBei einem malignomverdächtigen, isolierten Lungenrundherd >8-10 mm Durchmesser soll in der Regel eine chirurgische Abklärung durchgeführt werden.
6.43 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei operablen Patienten mit einem soliden Lungenrundherd >8 mm Durchmesser (≥ 250 mm³) und einer nach Durchführung einer PET/CT bestehenden Malignitäts-Wahrscheinlichkeit ≥ 70% kann ohne vorangegangene Biopsie direkt eine chirurgische Resektion mit intraoperativer Schnellschnittdiagnostik und ggf. kurativer chirurgischer Erweiterung angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [430] [431] [432] [433] [434] [435] [436]
6.44 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei nicht operablen Patienten mit einem soliden Lungenrundherd >8 mm Durchmesser (≥ 250 mm3) und

  • malignomtypischer CT-Radiomorphologie und
  • malignomtypischer Utilisation in der FDG PET-CT und
  • mindestens Größenpersistenz des Herdes über mindestens 4 Wochen

kann - wenn das Risiko für eine bioptische Sicherung im interdisziplinären Konsens als zu hoch eingeschätzt wird - direkt eine stereotaktische ablative Strahlentherapie angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[416] [430] [431] [432] [433] [434] [435] [436]
Initialer Abklärungs-Algorithmus bei inzidentellen soliden Lungenrundherden
Initialer Abklärungs-Algorithmus bei inzidentellen soliden Lungenrundherden

Definition: Bei einem inzidentellen Lungenrundherd handelt es sich um einen zufallsbefundlich entdeckten, einzelnen, umschriebenen Prozess in der Lunge, der im Durchmesser 3 cm nicht überschreitet und komplett von Lungengewebe umgeben ist. Des Weiteren darf keine Atelektase verursacht sein, oder ein verplumpter Hilus oder ein Pleuraerguss oder andere Hinweise auf eine fortgeschrittene intrathorakale Tumorerkrankung vorliegen [422], [417]. Die genannten Größenangaben entsprechen dem arithmetischen Mittel aus der manuellen Messung des Längs- und Querdurchmessers des Rundherdes in derselben transversalen, koronaren oder sagittalen CT-Rekonstruktion. Sie folgen damit den aktuellen Empfehlungen der Fleischner Society. [415], [416]. In früheren Versionen der Leitlinie war die Bezugsgröße in der Regel der maximale Längsdurchmesser des Rundherdes. Insofern ist beispielsweise die Größenangabe von 8 mm in der aktuellen Version einer Größenangabe von 10 mm in früheren Versionen der Leitlinie weitgehend gleichzusetzen.

Leitlinienadaptation: Die hier formulierten Empfehlungen stellen eine aktualisierte konsentierte Synopsis dar, basierend auf Literaturrecherche, Evidenzbeurteilung und daraus abgeleiteten Empfehlungen folgender internationaler Leitlinien:

  • Guidelines for Management of incidental Pulmonary nodules Detected on CT images: From the Fleischner Society 2017 [416]
  • British Thoracic Society Guidelines for the Investigation and Management of Pulmonary Nodules. [418]

Patientenpopulation(en): Wenn in den Empfehlungen nicht ausdrücklich anders erwähnt, gelten die hier formulierten Empfehlungen für folgende Patientengruppe:

  • Alter > 18 Jahre
  • Ein oder mehrere umschriebene Lungenrundherde, keine disseminierten Herde
  • Keine bekannte maligne (Vor-)Erkrankung
  • Keine Immunkompromittierung
  • Außerhalb eines Lungenkrebs-Früherkennungsprogramms

 

Hintergrundtext:

Initiale Einschätzung der Malignität eines pulmonalen Rundherdes

Lungenrundherde sind ein häufiger Befund bei einer Computertomografie (CT)-Untersuchung des Thorax. Bei etwa 20-40% der CT-Thorax-Untersuchungen wird mindestens ein Lungenrundherd beschrieben; in der weit überwiegenden Zahl sind diese Herde benigne; eine kleine Anzahl entspricht jedoch einem Lungenkarzinom im Frühstadium. Lungenrundherde werden nach ihrer Radiomorphologie als solide oder subsolide Herde klassifiziert, wobei die subsoliden Herde wiederum in reine Milchglasherde (pure ground-glass, GG) und gemischt-solide (part-solid, PS) Herde unterschieden werden. [416], [415] Anamnestisch wichtige Befunde sind ältere Röntgenbilder und CT-Untersuchungen. Sie geben erste wichtige Hinweise auf Zeitdauer und Größenwachstum des Rundherdes. Evidenzlevel 1a [416]

Risikofaktoren für maligne Rundherde sind Alter, Raucherstatus, Anamnese eines extrapulmonalen Tumors, Rundherdgröße, Radiomorphologie und Lokalisation im Lungenoberlappen. Anhand dieser unabhängigen Risikofaktoren kann eine Vortest-Wahrscheinlichkeit für die Malignität des/der Rundherd(e) errechnet werden ([422] Evidenzlevel 2b; [423], [424], [418], [417].

Extern validierte Online-Wahrscheinlichkeits-Rechenmodelle können bei der initialen Beurteilung der Malignität eines pulmonalen Rundherdes helfen (Evidenzlevel 3). Bei der klinischen Anwendung der Modelle ist es wichtig, die Population zu verstehen, aus der das jeweilige Modell abgeleitet wurde. Das Mayo-Clinic Modell wurde ursprünglich in einer Kohorte aus den 1980er Jahren entwickelt. Patienten mit einer Lungenkarzinom-Vorgeschichte sowie Patienten mit einem weniger als 5 Jahre zurückliegenden extrathorakaler Malignom-Erkrankung wurden ausgeschlossen, ebenso sind PET/CT-Befunde nicht berücksichtigt. [419] Herder et al. validierten das Mayo-Clinic Modell in einer Kohorte von 106 Patienten mit PET/CT-Diagnostik, wodurch die AUC um 13% von 0.79 auf 0.92 gesteigert werden konnte. [420], [418]. Das Brock-Modell ist das einzige multivariate Modell, das Fälle mit mehreren Rundherden berücksichtigt. Es wurde ursprünglich in einer Lungenkarzinom-Screening Population entwickelt und hat unter allen validierten Modellen die höchste AUC für Patienten mit einem hohen Lungenkarzinom-Risiko. [421]; Evidenzlevel 3 [418].

 

Verlaufskontrolle von Lungenrundherden

Daten zur Malignitätsbeurteilung kleiner Lungenrundherde stammen in erster Linie aus den Lungenkarzinom-Screening Studien NLST und NELSON. [425], [427]. Anhand dieser Daten konnte ein cut-off Wert für die Rundherdgröße definiert werden, unterhalb der auf weitere Kontrollen verzichtet werden kann. Konkret konnte gezeigt werden, dass Rundherde < 5 mm Durchmesser oder < 100 mm3 Rundherdvolumen keiner CT-Verlaufskontrolle bedürfen, da sie nicht mit einem signifikant erhöhten Lungenkrebsrisiko verbunden sind. [427]. Evidenzlevel 2+ [418]. Allerdings haben Studien auch gezeigt, dass die Volumenmessung zwischen verschiedenen Softwarepaketen variiert, sodass es angezeigt erscheint, die Grenze für das Rundherdvolumen hier sicherheitshalber bei 80 mm3 anzusetzen. [418]. Auch wenn in der überwiegenden Mehrzahl der Patienten bei Rundherden < 5 mm keine weiteren Kontrollen angezeigt erscheinen, kann im Einzelfall bei Patienten mit hohem Risiko für ein Lungenkarzinom, malignomsuspekter Radiomorphologie des Herdes oder Lokalisation im Oberlappen, oder beidem, eine CT-Verlaufskontrolle gerechtfertigt sein. [416] Dies gilt gleichermaßen für Patienten mit einer bekannten malignen (Vor-)Erkrankung. [418]

Aus den Daten der NELSON Studie ließ sich weiterhin ableiten, dass bei Personen mit einem Lungenrundherd ≥ 100 mm3 und < 300 mm3 (≥ 5mm und < 8 mm) das Risiko für Lungenkrebs mit 2,4% nach zwei Screening-Runden signifikant erhöht ist. (Evidenzlevel 2+). Insofern erscheint für Rundherde < 300 mm3 (< 8 mm) bei denen die PET-CT weniger aussagekräftig ist, zunächst eine CT-Verlaufskontrollen ohne weitere Risikoabschätzung indiziert.

Eine CT-Verlaufskontrolle nach 3 Monaten hat primär das Ziel, inflammatorische Herde als solche zu identifizieren. In der Regel sind diese nach 3 Monaten aufgelöst und der Patient kann aus der weiteren Kontrolle entlassen werden. Evidenzlevel 3 [418]. Ein signifikantes Größenwachstum maligner Herde wird man nach diesem kurzen Intervall in der Regel nicht nachweisen können. Daher empfiehlt die Fleischner Society bei einem soliden Rundherd 6-8 mm erst nach 6-12 Monaten die erste CT-Verlaufskontrolle und bei Stabilität eine weitere Kontrolle nach 18-24 Monaten (Evidenzlevel 3, starke Empfehlung 1c). [416]

Zur Bestimmung des Größenwachstums, insbesondere bei kleinen Rundherden (< 6 mm), sind automatisierte oder halbautomatische volumetrische Verfahren genauer als Durchmessermessungen und die Genauigkeit der Bestimmung der Wachstumsrate anhand der Volumen-Doppelungszeit (VDT) ist nach 1 Jahr besser als nach 3 Monaten. Evidenzlevel 2 [418] Eine Volumenänderung von mindestens 25 % ist erforderlich, damit die Änderung als signifikant angesehen werden kann. Evidenzlevel 2 [418]. Bei 2D Durchmesser-Messungen ist diese Grenze bei etwa 2 mm anzusetzen, da sowohl die Intra- als auch die Inter-Observer Variabilität bei manueller Messung groß ist. In einer retrospektiven Vergleichsstudie konnten Revel et al. zeigen, dass gemessene Größenunterschiede < 1,7 mm nur in 5% mit einer tatsächlichen Änderung in der Rundherdgröße einhergingen [426] [418] Maligne Lungenrundherde weisen abhängig vom histologischen Subtyp sehr unterschiedliche Wachstumsraten auf. Einige Lungenkrebsarten haben sehr lange VDTs, zeigen längere Stabilitätsperioden oder verkleinern sich sogar beim Intervallscreening, sodass keine Obergrenze für die VDT angegeben werden kann oberhalb derer Malignität sicher ausgeschlossen werden kann. Evidenzlevel 3 [418] Umgekehrt spricht eine sehr schnelle VDT (< 30 Tage) eher gegen Malignität und weist auf ein entzündliches Geschehen hin. In der NELSON-Studie hatten Patienten mit Rundherden und einer VDT < 400 Tagen (gemessen nach einem 3- oder 12-Monats-Intervall), eine 2-Jahres-Lungenkrebs-Wahrscheinlichkeit von 9,7 %; bei einer VDT von 400–600 Tagen betrug die 2-Jahres-Lungenkrebs-Wahrscheinlichkeit 4,1%. Damit war in beiden Populationen das Lungenkrebsrisiko signifikant höher als in einer Vergleichspopulation ohne Lungenrundherd (0,4%) und höher als in der untersuchten Screening-Population insgesamt (1,3%). [427] Evidenzlevel 2+ [418] Dieselbe Studie zeigte, dass das 2-Jahres-Lungenkrebsrisiko bei einer VDT > 600 Tage mit 0,8 % nicht signifikant höher war als bei Probanden ohne Lungenrundherd. [427]) Evidenzlevel 2+ [418] Die zitierte Evidenz für die Bewertung der VDT und die Dauer der Nachbeobachtung bezieht sich auf die Abschätzung des Lungenkrebsrisikos (BTS 2015, [418]; Fleischner 2017, [416]. Es gibt keine belastbare Evidenz zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit von Lungenmetastasen durch extrapulmonale Malignome nach VDT und keine Evidenz für eine angemessene Dauer der Nachbeobachtung zum Ausschluss einer Malignität in diesem Setting [418]

Zur histologischen Sicherung pulmonaler Rundherde stehen drei mögliche Verfahren zur Verfügung: transbronchiale Biopsie, transthorakale (CT-gesteuerte) Biopsie oder minimal-invasive chirurgische Resektion (VATS). In Abhängigkeit von der Größe und Lage des Rundherdes sowie individueller Patientenfaktoren (Komorbidität, Operabilität, angestrebte diagnostische Sicherheit etc.) sollte im interdisziplinären Konsens das für den jeweiligen Patienten am besten geeigneten Verfahren gewählt werden.

 

Besonderheiten bei subsoliden Lungenrundherden

Subsolide Lungenrundherde sind gesondert zu bewerten, da sie Läsionen darstellen, die eine bessere Prognose haben als solide Rundherde, aber paradoxerweise häufiger maligne sind als diese, wobei wiederum eine gemischt-solide Morphologie ein unabhängiger Prädiktor für Malignität ist. Persistierende reine Milchglasherde entsprechen häufig einer atypischen adenomatösen Hyperplasie oder einem Adenokarzinom in situ (AIS), beides per se nicht-maligne aber potenziell prämaligne Läsionen; gemischt-solide Herde mit einem soliden Anteil innerhalb der Milchglasläsion entsprechen demgegenüber häufig einem minimal-invasiven lepidischen Adenokarzinom. [429] [428]

Prädiktoren für Malignität, die schon bei der initialen Diagnostik erhoben werden können, sind höheres Alter (≥ 65 Jahre), Lungenkarzinom in der Vorgeschichte, die Größe, sowie eine gemischt-solide Natur des Herdes. Evidenzlevel 2++ [418]. Weitere Kriterien für Malignität sind die Größe der soliden Komponente, pleurale Einziehung oder ein bullös/zystisches Erscheinungsbild. Evidenzlevel 3 [418].

Während CT-Verlaufskontrollen bei einem soliden Herd dazu dienen, über die Zeit eine maligne Läsion von einer benignen Läsion zu differenzieren, dienen CT-Verlaufskontrollen bei subsoliden Lungenherden dazu, den optimalen Zeitpunkt für eine Intervention zu identifizieren bzw. eine im Kontext der Gesamtmorbidität des Patienten nicht hilfreiche Intervention komplett zu vermeiden. Denn auch bei bereits bestehender Malignität ist die Wachstumsgeschwindigkeit subsolider Lungenrundherde typischerweise außerordentlich gering, mit einer Größenkonstanz und fehlender Progression oft über mehrere Jahre. Entsprechend lang (3 – 5 Jahre) sollte die Dauer der CT-Verlaufskontrollen sein. Evidenzlevel 3 [418], [416]. Ein signifikantes Größenwachstum – insbesondere der soliden Komponente - oder das Hinzukommen eines soliden Anteils innerhalb der Milchglasläsion im Verlauf ist ein Alarmsignal und sollte Anlass sein, eine definitive pathologische Klärung oder direkt eine chirurgische Resektion zu diskutieren. Evidenzlevel 3 [418]

 

Weiterführende Abklärung von Lungenrundherden > 8 mm.

Die Fleischner-Society empfiehlt für Patienten mit einem solitären soliden, nicht-verkalktem Rundherd mit einem Durchmesser von mehr als 8 mm eine CT-Kontrolle nach 3 Monaten, eine weiterführende Bildgebung mit kombinierter Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und CT (PET/CT), die Gewebeentnahme oder eine Kombination aus den genannten Verfahren. Je nach Größe und Morphologie des Herdes, Komorbidität und individuellem Malignomrisiko und anderer Faktoren kann jede dieser Optionen angemessen sein. (Evidenzlevel 1A; starke Empfehlung). Eine wesentliche Rolle spielt hierbei auch die Patientenpräferenz: Zuwarten und Kontrolle oder definitive Klärung.

Die FDG PET-CT hat eine gute Sensitivität (89% - 94%) und moderate Spezifität (75% - 85%) für die Diagnose eines malignen Rundherdes bei Patienten mit hohem Malignitätsrisiko und einem soliden Rundherd unsicherer Ätiologie ≥ 10 mm, mit allerdings eingeschränkter Evidenz für Rundherde < 10 mm und einer deutlich geringen Spezifität von 61% in Regionen mit einer endemischen Häufung entzündlicher Lungenerkrankungen [357], [431]. Eine weitere Bildgebung (CT) zur Beurteilung des Wachstums erhöht die Sensitivität der Malignitätsbeurteilung. Evidenzlevel 1− unterstützt durch 2++ [416] Das Herder-Modell ist geeignet, die Malignitätswahrscheinlichkeit eines soliden Lungenrundherdes nach Durchführung einer PET/CT erneut zu berechnen. Die PET-CT hat eine geringere Sensitivität und eine höhere Falsch-Negativ-Rate bei SSNs. Evidenzlevel 2++ und 3 [416]

Die VATS-Keilresektion mit intraoperativer Schnellschnittdiagnostik weist eine hohe diagnostische Sensitivität und Spezifität auf, bei generell niedrigen Komplikationsraten Evidenzlevel 3 [416] Die BTS-Guideline zitiert hierzu fünf Fallserien. Alle Serien berichteten über eine hohe Sensitivität und Spezifität mit einer in allen Fällen erreichten definitiven Diagnose und niedrige Morbiditäts- und Mortalitätsraten (ein Patient starb bei 1331 kombinierten Fällen). Die Rate der benignen Diagnosen in den zitierten Serien variiert allerdings erheblich. Zwei Fallserien zur chirurgischen Resektion von suspekten Lungenrundherden in CT-Screening-Populationen (aus Dänemark und Italien), berichteten über benigne Resektionsraten von 12 % bzw. 22 %. [432], [433], [416]

Die Höhe der Vortest-Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Malignoms, die es akzeptabel erscheinen lässt, direkt die Indikation zu einer chirurgischen Resektion oder einer nicht-chirurgischen ablativen Therapie zu stellen, ist nicht genau definiert. Die IASLC (International Association for the Study of Lung Cancer) nennt hier – basierend auf Daten der CT-Screening-Studien - eine Richtgröße von 85%, d.h. es sollten nicht mehr als 15 % der chirurgischen Resektionen zu gutartigen Diagnosen führen. [434]. Eine ähnlich hohe Vortest-Wahrscheinlichkeit wird auch für die Indikationsstellung zur stereotaktischen ablativen Strahlentherapie (SBRT) ohne vorherige pathologische Sicherung (empirische SBRT) bei nicht-operablen Patienten gefordert [435].

Einige retrospektive, kleinere, meist mono-institutionelle Fallserien zur empirischen SBRT bei inoperablen Patienten mit dem hochgradigen Verdacht auf das Vorliegen eines malignen Rundherdes zeigten ähnliche Ergebnisse mit und ohne vorherige pathologische Sicherung. [416]. Eine aktuelle Metaanalyse von Daten aus 43 Studien mit über 11.000 Patienten zeigte im Vergleich der Verläufe von Patienten mit klinisch oder pathologisch diagnostiziertem NSCLC im Frühstadium, die mit SBRT behandelt wurden, jedoch signifikante Unterschiede im Überleben mit einem kürzeren OS, CSS und DFS in der Gruppe mit zuvor pathologisch gesichertem NSCLC. [436]. Dies weist auf einen signifikanten Anteil benigner Befunde in der Gruppe der ohne pathologische Sicherung behandelten Patienten hin und unterstreicht die klare Empfehlung zur pathologischen Sicherung vor geplanter SBRT, wenn diese mit vertretbarem Risiko im individuellen Fall durchführbar ist.

6.5 Stadieneinteilung (Staging)

Eine Stadieneinteilung soll zur prognostischen Abschätzung, zur Therapieplanung und aus Gründen der Qualitätssicherung bei allen Patienten erfolgen. Lediglich bei den Patienten, bei denen wegen eines z.B. schlechten Allgemeinzustandes keine tumorspezifische Therapie durchgeführt werden kann und die somit nur supportiv-palliativ behandelt werden können, kann wegen fehlender therapeutischer Konsequenzen auf systematische Staginguntersuchungen verzichtet werden. Hier erfolgt die Diagnostik ausschließlich symptomorientiert zur Durchführung palliativer Maßnahmen.

In den den Analysen für die neunte Klassifikation wurden die neuroendokrinen Karzinome (SCLC und LCNEC) zusammengefasst, auch wenn sich die Stadienverteilungen erheblich unterschieden. Die vollständige Anwendung der TNM-Klassifikation wird für diese Gruppe der Lungenkarzinome ebenfalls empfohlen [437].

6.5.1 TNM-Klassifikation in der 9. Ausgabe

Die klinische Klassifikation der Tumoren anhand ihrer Ausbreitung lokal, regional und fernab erlaubt eine pragmatische Handhabung der diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen. Der Vergleich von Ergebnissen klinischer Studien und die Auswertung von Registern wird erst durch die Klassifikation der Tumoren möglich. Somit stellt die Klassifikation der Tumoren nach ihrem Ausbreitungsgrad ein zentrales Instrument in der Diagnose und Behandlung von Lungenkarzinomen dar. Die zunehmende Bedeutung anderer Parameter (Raucherstatus, Geschlecht, Mutationen, PDL-1-Expression, Grad der COPD) und die Interaktion mit der Tumorausbreitung sind bisher nicht gut untersucht, obwohl sie einen zunehmenden Einfluss auf die Prognose haben. Insofern ist die TNM-Klassifikation nur ein wichtiger, aber unverzichtbarer Baustein für die Betreuung von Patienten mit Lungenkrebs.

Die 9. Ausgabe der TNM-Klassifikation wurde von der International Association for the Study of Lung Cancer auf der Basis von über 120.000 Datensätzen aus dem Jahr 2011 – 2019  entwickelt und der UICC zur Verfügung gestellt [438]. Die Klassifikation ist gültig ab dem Januar 2025.

6.45 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Diagnose Lungenkarzinom soll immer mit einer exakten TNM-Klassifikation begleitet werden.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund 6.45

Allgemeine Definitionen

Die Definitionen entsprechen den Empfehlungen des TNM Supplements, 5. Auflage von 2019. Unabhängig von Tumorart und Lokalisation ist es essentiell, die Allgemeinregeln der TNM Klassifikation zu kennen und in jedem Fall, wo es möglich ist, anzuwenden.


Folgende Symbole sind von der UICC definiert worden:

T: beschreibt den primären Tumor

N: beschreibt den Status regionäre Lymphknoten

M: beschreibt den Fernmetastasen-Status

  • Pulmonal:PUL
  • Ossär: OSS
  • Hepatisch: HEP
  • Hirn: BRA
  • Lymphknoten: LYM
  • Knochenmark: MAR
  • Pleural: PLE
  • Peritoneal: PER
  • Adrenal: ADR
  • Hautmetastasen: SKI
  • Andere Lokalisationen: OTH

cTNM: klinisches TNM

pTNM: pathologisches (postoperatives) TNM

aTNM: nur bei Fällen, die erstmalig bei einer Autopsie entdeckt wurden und zu Lebzeiten nicht bekannt waren

yTNM: nach neoadjuvanter Therapie (kann ycTNM oder ypTNM sein)

rTNM: beschreibt das Stadium zum Zeitpunkt des Rezidivs

m-Symbol: das Suffix “m” in Klammern gesetzt, wird benutzt, um multiple Tumore in einer anatomischen Region zu beschreiben

R: beschreibt den residualen Tumor nach i.d.R. operativer Therapie

RX: residualer Tumor kann nicht beurteilt werden

R0: kein residualer Tumor

R0 (un): unvollständige LK Beurteilung oder höchste LK-Station positiv

R1(un)

  • R1(is): Carcinoma in situ am Bronchusabsetzungsrand
  • R1(cy+): intraoperative Pleuralavage enthält Tumorzellen

R1: mikroskopisch bestätigter residualer Tumor, nach Resektion einer lokalisierten Pleurakarzinose

R2: makroskopisch bestätigter residualer Tumor, nicht resezierte LK-Metastasen

[439]

L: lymphatische Invasion (LX, L0, L1)

  • LX: lymphatische Invasion kann nicht beurteilt werden
  • L0: keine lymphatische Invasion
  • L1: lymphatische Invasion vorhanden

V: venöse Ivasion (VX, V0, V1, V2)

  • VX: venöse Invasion kann nicht beurteilt werden
  • V0: keine venöse Invasion
  • V1: mikroskopische venöse Invasion
  • V2: makroskopische venöse Invasion (die Beteiligung der Venenwand ohne intraluminalen Tumoranteil ist als V2 zu definieren)

G: histopathologisches Grading (G:1-4)

  • GX: Differenzierungsgrad kann nicht bestimmt werden
  • G1: gut differenziert
  • G2: mäßig differenziert
  • G3: schlecht differenziert
  • G4: undifferenziert

Pn: perineurale Invasion (PnX, Pn0, Pn1)

  • PnX: perineurale Invasion kann nicht beurteilt werden
  • Pn0: keine perineurale Invasion
  • Pn1: perineurale Invasion

Grundregeln der TNM Klassifikation

  • Alle Fälle sollen mikroskopisch bestätigt sein.
  • Für jede Lokalisation werden 2 Klassifikationen beschrieben:
  • Klinische Klassifikation: die prätherapeutische klinische Klassifikation, bezeichnet als TNM (oder cTNM), ist wichtig für die Auswahl und Bewertung der Therapie. Sie basiert auf vor der Behandlung erhobenen Befunden. Solche ergeben sich aufgrund von klinischer Untersuchung, bildgebenden Verfahren, Endoskopie, Biopsie, chirurgischer Exploration und anderen relevanten Untersuchungen.
  • Grundsätzlich ist die Verwendung von „x“ für unbekannt zu vermeiden. Die Beurteilung sollte nach dem bekannten Status erfolgen, auch wenn nur eine klinische Untersuchung vorliegt. M0 ist damit eine richtige Stadieneinteilung, auch wenn kein MRT Schädel oder PET-CT vorliegt und klinisch keine Hinweise auf Metastasen vorliegen.
  • Pathologische Klassifikation: die postoperative histopathologische Klassifikation, als pTNM bezeichnet, wird für die Indikation zur adjuvanten Therapie verwendet und liefert zusätzliche Daten, um die Prognose abzuschätzen und Endergebnisse zu berechnen. Bei dieser Klassifikation wird der vor der Behandlung festgestellte Befund ergänzt oder abgeändert durch Erkenntnisse, die beim chirurgischen Eingriff und durch die pathologische Untersuchung gewonnen werden. Die pathologische Beurteilung des Primärtumors (pT) erfordert eine Resektion des Primärtumors oder Biopsien, die zur Bestimmung der höchsten pT-Kategorie adäquat sind. Die pathologische Beurteilung der regionären Lymphknoten (pN) erfordert die Entfernung von Lymphknoten in einem Ausmaß, das die Aussage über das Fehlen regionärer Lymphknotenmetastasen (pN0) verlässlich macht und andererseits zur Bestimmung der höchsten pN-Kategorie ausreicht. Eine Exzisionsbiopsie eines Lymphknotens ohne pathologische Untersuchung des Primärtumors ist nicht ausreichend, um die pN-Kategorie vollständig festzulegen und entspricht deswegen einer klinischen Klassifikation (z.B. EBUS oder Medastinoskopie mit LK-Biopsie). Die pathologische Feststellung von Fernmetastasen (pM) erfordert die mikroskopische Untersuchung.
  • Nach der Festlegung von T-, N- und M- und/oder pT-, pN- und pM-Kategorien können diese zu Stadien gruppiert werden. TNM-Klassifikation und Stadien müssen, einmal festgesetzt, in den medizinischen Aufzeichnungen unverändert bleiben. Klinische und pathologische Parameter können kombiniert werden, wenn nur unvollständige Informationen hinsichtlich der klinischen oder der pathologischen Klassifikation vorliegen.
  • Bestehen im Einzelfall Zweifel bezüglich der korrekten Zuordnung zu der T-, N- und M-Kategorie, soll die niedrigere, d. h. weniger fortgeschrittene Kategorie gewählt werden. Dies soll auch bei der Festlegung der Stadien berücksichtigt werden.

Besonderheiten und Erläuterungen der TNM Klassifikation

T-Klassifikation

  • Wenn Größe eine Rolle für den T-Status spielt, dann ist die Messung der invasiven Komponenten zu berücksichtigen.
  • Tumor in Perineuralscheiden in der Nachbarschaft der Primärlokalisation wird als Teil der T-Klassifikation angesehen und kann separat als Pn1 dokumentiert werden, da diese Invasion ein unabhängiger prognostischer Faktor sein kann.

N-Klassifikation

  • Die klinische Kategorie N0 (keine regionären Lymphknotenmetastasen) schließt Lymphknoten ein, die klinisch nicht verdächtig auf das Vorhandensein von Metastasen sind, selbst wenn sie palpabel oder durch bildgebende Verfahren erkennbar sind. Die klinische Kategorie N1 (regionäre Lympknotenmetastasen) wird angewandt, wenn genügend klinischer Verdacht besteht, z.B. eine Verfestigung, Vergrößerung der Lymphknoten oder Veränderung in den bildgebenden Verfahren. Der Terminus „Adenopathie“ ist nicht ausreichend präzise, um Lymphknotenmetastasen anzuzeigen.
  • Die direkte Ausbreitung eines Primärtumors in Lymphknoten wird als Lymphknotenmetastase klassifiziert.
  • Metastasen in jedem Lymphknoten, der nicht zu den regionären zählt, werden als Fernmetastasen klassifiziert. Wenn Zweifel hinsichtlich der korrekten Kategorieneinordnung bestehen, zu der ein spezieller Fall zugeordnet werden soll, dann sollte die niedrigere, d.h. weniger fortgeschrittene Kategorie gewählt werden.
  • Eine Invasion von Lymphgefäßen (Tumorzellen in mit Endothel ausgekleideten Kanälen, sogenannte Lymphangiosis carcinomatosa oder Lymphgefäßausbreitung) in einem fernen Organ wird als pM1 klassifiziert.
  • Fälle mit einer Mikrometastasierung, d.h. keine Metastase größer als 0,2cm, können zusätzlich gekennzeichnet werden durch die Hinzufügung eines „(mi)“, z.B. pN1(mi) oder pN2(mi). Wenn Tumordeposits 0,2mm oder weniger messen, werden sie als isolierte Tumorzellen betrachtet.

M-Klassifikation

  • Die Kategorie MX soll in der Anwendung der klinischen TNM-Klassifikation nicht mehr verwendet werden, weil Metastasen allein auf Basis einer körperlichen Untersuchung festgestellt werden können. (Die Verwendung von MX kann dazu führen, dass ein Patient aus dem Staging und der Dokumentation ausgeschlossen wird).
  • pMx: kann nicht verwendet werden
  • pM0: kann nur nach Autopsien verwendet werden
  • pM1: darf auch nach zytologischer oder histologischer Biopsie verwendet werden (z.B. nach Punktion einer Lebermetastase eines Lungenkarzinoms mit ipsilateralen LK-MTS cT3cN2pM1b(HEP).
  • Metastasen in Lymphknoten, die nicht zu den regionären Lymphknoten zählen, werden als Fernmetastase klassifiziert.

R-Klassifikation

  • Die Radikalität der Resektion hat einen starken Einfluss auf die Prognose und evtl. auf die weitere Behandlung. Deshalb ist eine exakte Definition wichtig. Daneben existieren Graubereiche in der Definition von Radikalität, die gesondert ausgewiesen werden können. Die wissenschaftliche Evidenz für die Klassifikation ist gering [439].
  • R0 bedeutet, dass alle Resektionsränder histologisch tumorfrei sind, eine adäquate Lymphadenektomie durchgeführt wurde und der höchste LK tumorfrei war.
  • R0(un) kann verwendet werden, wenn die Lymphadenektomie unvollständig oder der oberste LK positiv war
  • R1(un) entspricht R1(is) bei einem Carcinoma in situ am Bronchusabsetzungsrand bzw. R1(cyt+) bei einer intraoperativen für Tumorzellen positiven Pleuralavage.
  • R1 bedeutet histologischer Tumorbefall an den Absetzungsrändern des Operationspräparates. Nach makroskopisch vollständiger Resektion einer lokalisierten Pleurakarzinose und nach Resektion von LK Metastasen mit extranodalem Wachstum ist ebenfalls eine R1-Resektion zu dokumentieren. Diese Dokumentation ist vom Operateur vorzunehmen.
  • R2 bedeutet, dass makroskopisch sichtbarer Tumor zurückgelassen wurde. Dazu gehören auch Lymphknotenmetastasen, die nicht reseziert wurden.

[439]

6.5.1.1 TNM-Klassifikation beim Lungenkarzinom

Die TNM Klassifikation gilt für alle nicht-kleinzelige, kleinzellige und neuroendokrine (z.B. Karzinoide) Karzinome der Lungen und der zentralen Bronchien. Eine TNM-Klassifikation für primäre Trachea-Neoplasien existiert nicht und kann nicht verwendet werden [440].

6.5.1.1.1 Die T Klassifikation

Tabelle 21: Die T-Klassifikation

T-Kategorie

Erläuterung

Tx

Primärtumor kann nicht beurteilt werden oder Nachweis von malignen Zellen im Sputum oder bei Bronchialspülungen, jedoch Tumor radiologisch oder bronchoskopisch nicht sichtbar.

T0

kein Anhalt für Primärtumor

Tis

Carcinoma in situ mit rein lepidischem Wachstum bis 3 cm für Adenokarzinom und Plattenepithelkarzinom in situ.,

T1mi

minimal invasives Adenokarzinom Solitäres Adenokarzinom nicht mehr als 3 cm in der größten Ausdehnung, mit einem überwiegend lepidischen Wachstumsmuster und einem nicht mehr als 5 mm invasivem Anteil.

T1

Tumore 3cm oder weniger in größter Ausdehnung, umgeben von Lungengewebe oder viszeraler Pleura, kein bronchoskopischer Nachweis einer Infiltration proximal eines Lappenbronchus (Hauptbronchus frei). Ein seltener, sich oberflächlich ausbreitender Tumor jeder Größe mit einer nur auf die Bronchialwand begrenzten Infiltration wird auch dann, wenn er sich weiter proximal ausdehnt, als T1 klassifiziert.

T1a

Tumor bis einschließlich 1cm in größter Ausdehnung

T1b

Tumor mehr als 1cm und bis einschließlich 2cm in größter Ausdehnung

T1c

Tumor mehr als 2cm und bis einschließlich 3cm in größter Ausdehnung

T2a

 

 

 

Tumor mehr als 3 cm, aber nicht mehr als 4 cm in größter Ausdehnung

oder Tumor mit wenigstens einem der folgenden Kennzeichen:

Tumor befällt Hauptbronchus ohne Befall der Carina (Abstand >2 cm)

Tumor infiltriert viszerale Pleura oder einen benachbarten Lappen

assoziierte Atelektase oder obstruktive Entzündung bis zum Hilus, entweder Teile der Lungen oder die ganze Lunge einnehmend

T2b

Tumor mehr als 4 cm aber nicht mehr als 5 cm in größter Ausdehnung

T3

Tumor mehr als 5 cm, aber nicht mehr als 7 cm in größter Ausdehnung oder Tumor mit direkter Infiltration einer der folgenden Strukturen: Pleura parietalis, Brustwand (eingeschlossen Sulcus superior-Tumoren), Nervus phrenicus, parietales Perikard; oder separate(r) Tumorknoten im selben Lappen wie der Primärtumor

T4

Tumor größer als 7 cm oder Tumor jeder Größe mit Infiltration wenigstens einer der folgenden Strukturen: Zwerchfell, Mediastinum, Herz, große Gefäße, Trachea, N. laryngealis recurrens, Ösophagus, Wirbelkörper, Carina; vom Primärtumor getrennte(r) Tumorknoten in einem anderen Lappen derselben Seite

Quelle: [441]

Häufige benötigte Erläuterungen für die T-Klassifikation:

Ein Tumor bis 3cm in maximaler Größe, der den Bronchus intermedius endoluminal aber nicht den rechten Hauptbronchus infiltriert und keine Atelektase verursacht, ist als T1a-c zu definieren.

Eine Infiltration eines im TNM nicht beschriebenen Organs ist als T4 zu definieren (z.B. Leber)

Die großen Gefäße entsprechen: Aorta, Vena cava superior, Vena cava inferior, Truncus pulmonalis, intraperikardiale Abschnitte der rechten und linken Pulmonalarterie, intraperikardiale Abschnitte der Vena cava superior und inferior und der rechten und linken Pulmonalvene.

Eine Infiltration weiter distal gelegener Gefäßabschnitte qualifiziert nicht für eine Klassifikation nach T4.

Eine direkte Ausbreitung auf das parietale Perikard wird als T3, auf das viszerale Perikard als T4 klassifiziert.

Die Bezeichnung Pancoast-Tumor bezieht sich ursprünglich auf einen Symptomenkomplex oder ein Syndrom, verursacht durch einen Tumor, der von der Lunge ausgehend die Strukturen der oberen Thoraxpertur infiltriert und variable klinische Symptome auslösen kann. Die Behandlung des Lungenkarzinom mit Infiltration der oberen Thoraxapertur besteht unabhängig von der Infiltrationstiefe (mindestens Pleura parietalis), die im Einzelfall schwer zu bestimmen ist, aus einer kombinierten Radio-Chemotherapie und evtl. sekundären Resektion. Der Begriff Pancoast-Tumor kann deshalb bei Nachweis einer Infiltration der Pleura parietalis oberhalb der zweiten Rippe verwendet werden. Das Ausmaß der Erkrankung variiert in diesen Tumoren und sollte nach den bekannten Regeln klassifiziert werden. Eine Invasion des Wirbelkörpers oder des Spinalkanals bzw. eine Ummauerung der Subclavia-Gefäße oder eine fortgeschrittene Beteiligung von kaudalen Ästen des Plexus brachialis (C8 oder darüber) wird als T4 klassifiziert. Wenn keine dieser Kriterien vorliegt, wird der Tumor als T3 klassifiziert. Aufgrund der geringen Zahl von dokumentierten Fällen ist diese Differenzierung zwischen T3 und T4 nicht gut belegt.

6.5.1.1.2 Die N-Klassifikation

Die klinische Bedeutung von mediastinalen Lymphknotenmetastasen in einer Lymphknotenstation bzw. in mehreren Lymphknotenstationen wurde in der neuen Klassifikation berücksichtigt [442].

Tabelle 22: Die N-Kategorie

N-Kategorie

Erläuterung

Nx

regionale Lymphknoten können nicht beurteilt werden

N0

keine regionären Lymphknotenmetastasen

N1

Metastase(n) in ipsilateralen peribronchialen und/oder ipsilateralen Hilus- oder intrapulmonalen Lymphknoten (einschließlich eines Befalls durch direkte Ausbreitung des Primärtumors)

N2

Metastase(n) in ipsilateralen mediastinalen und/oder subkarinalen Lymphknoten

N2a

Lymphknotenmetastasen in einer Station 

N2b

Lymphknotenmetastasen in mehr als einer Station

N3

Metastase(n) in kontralateralen mediastinalen, kontralateralen Hilus-, ipsi- oder kontralateralen Skalenus- oder supraklavikulären Lymphknoten

Häufige Erläuterungen für die N-Klassifikation:

Die regionären Lymphknoten sind die intrathorakalen, die Skalenuslymphknoten und die supraklavikulären Lymphknoten.

Es gibt keine evidenzbasierten Leitlinien betreffend die Anzahl der Lymphknoten, die bei einem chirurgischen Eingriff hinsichtlich eines adäquaten Stagings entfernt werden sollen. Ein N-Staging wird allgemein als adäquat angesehen, wenn es eine Probeentnahme oder eine Dissektion von Lymphknoten der Stationen 2R, 4R, 7, 10R und 11R für rechtsseitige Tumoren und der Station 5, 6, 7, 10L und 11L für linksseitige Tumoren umfasst. Station 9 Lymphknoten sollten ebenfalls evaluiert werden für Tumoren der Unterlappen.

Die UICC empfiehlt, dass wenigstens 6 Lymphknoten/Stationen entfernt und durch eine histologische Untersuchung als tumorfrei bewiesen werden, um pN0 zu klassifizieren. Drei dieser Lymphknoten oder Stationen sollten mediastinaler Herkunft sein, eingeschlossen die subkarinalen Lymphknoten (Nr.7) und drei der N1-Lymphknoten/Stationen. Wenn alle resezierten und histologisch untersuchten Lymphknoten negativ sind, aber die Anzahl der empfohlenen Lymphknoten nicht erreicht wurde, ist trotzdem pN0 zu klassifizieren. Wenn eine Resektion durchgeführt wurde, die sonst die Kriterien einer kompletten Resektion erfüllt, soll in einem solchen Fall R0 klassifiziert werden.

Im Fall einer durch Lymphknotenmetastasen bedingten Recurrensparese, V.Cava-Kompression oder Phrenicusparese ist es der Befund als N2-3 und nicht als T3-4 zu klassifizieren.

Tabelle 23: Klassifikation von Untergruppen des Stadiums IIIA(N2)

Untergruppe

Beschreibung

III A1

Inzidenteller Nachweis von mediastinalen Lymphknotenmetastasen in einer Lymphknotenstation bei der postoperativen histologischen Untersuchung des Resektats

III A2

Intraoperativer Nachweis von Lymphknotenmetastasen in einer Lymphknotenstation

III A3

Präoperativer Nachweis von Lymphknotenmetastasen in einer oder mehreren Lymphknotenstationen durch Staging mittels Mediastinoskopie, Feinnadelbiospie oder PET

III A4

Bulky“ (ausgedehnte) oder fixierte N2-Metastasen oder Metastasen in mehreren Lymphknotenstationen (mediastinale Lymphknoten >2-3 cm mit extrakapsulärer Infiltration; Befall mehrerer N2-Lymphknotenpositionen; Gruppen multipler befallener kleinerer (1-2 cm) Lymphknoten

nach Robinson et al. [443], [444]

6.5.1.1.3 Anatomische Grenzen der Lymphknotenstationen

Tabelle 24: Anatomische Definition der thorakalen und supraklavikularen Lymphknoten nach IASLC

Lymphknotenstation

Beschreibung

Definition

# 1 (links und rechts)

Untere zervikale und supraclaviculäre LK

Obere Grenze: Unterrand des Krikoidknorpels Untere Grenze: Schlüsselbeine bds. und in der Mittellinie oberer Rand des Manubriums  #L1und #R1 begrenzt durch die Mittellinie der Trachea

# 2 (links und rechts)

Obere paratracheale LK

2R Obere Grenze: Spitze von Lunge und Pleuraraum und in der Mittellinie oberer Rand des Manubrium

2R Untere Grenze: Überkreuzung des Unterrandes der Vena innominata mit der Trachea

2L Obere Grenze: Spitze von Lunge und Pleuraraum und in der Mittellinie oberer Rand des Manubriums

2L Untere Grenze: Oberrand des Aortenbogens

#3 (a: prävaskulär, p: retrotracheal, links und rechts)

Prävaskuläre und retrotracheale LK

3a: Prävaskulär

Obere Grenze: Spitze des Thorax

Untere Grenze: Ebene der Karina

Vordere Grenze: Hinterseite des Sternums Rechts: hintere Grenze: Vorderwand Vena cava superior

Links: Hintere Grenze: linke Arteria carotis

3p: Retrotracheal

Obere Grenze: Spitze des Thorax

Untere Grenze: Karina

# 4 (links/rechts)

Untere paratracheale LK

4R: rechts paratracheal und prätracheal bis zur linkslateralen Begrenzung der Trachea

Obere Grenze: Überkreuzung des Unterrandes der Vena innominata mit der Trachea

Untere Grenze: Unterrand der Vena azygos

4L: linksseitig der linken Begrenzung der Trachea, medial des Lig.arteriosum

Obere Grenze: Oberrand des Aortenbogens Untere Grenze: Oberer Rand des linken Hauptstammes der Pulmonalarterie

 

# 5

Subaortale LK (aortopulmonales Fenster)

Subaortal lateral des Lig. arteriosum

Obere Grenze: Unterrand des Aortenbogens Untere Grenze: Oberer Rand des linken Hauptstammes der Pulmonalarterie

# 6

Paraaortale LK (Aorta ascendens oder entlang des Nervus phrenicus)

Anterior und lateral der Aorta ascendens und des Aortenbogens

Obere Grenze: Linie tangential zum oberen Rand des Aortenbogens

Untere Grenze: Unterer Rand des Aortenbogens

# 7

Subkarinale LK

Obere Grenze: Karina der Trachea

Untere Grenze: Oberrand des linken Unterlappenbronchus; Unterrand des Bronchus intermedius rechts

#8 (Links und rechts)

Paraösophageale LK (unterhalb der Karina)

Entlang der Wand des Ösophagus, rechts und links der Mittellinie, ausgeschlossen subkarinale Lymphknoten

Obere Grenze: Oberrand des linken Unterlappenbronchus; Unterrand des Bronchus intermedius rechts

Untere Grenze: Zwerchfell

#9 (Links und rechts)

LK des Lig. Pulmonale

Innerhalb des Lig. pulmonale

Obere Grenze: untere Pulmonalvene

Untere Grenze: Zwerchfell

#10 (Links und rechts)

Hiläre LK

Unmittelbar am Bronchushauptstamm und den hilären Gefäßen, eingeschlossen die proximalen Abschnitte der Pulmonalvenen und des Pulmonalarterienhauptstammes

Obere Grenze: Unterrand der Vena azygos auf der rechten Seite; Oberrand der Pulmonalarterie links

Untere Grenze: Interlobärregion bilateral

#11 (Links und rechts)

Interlobäre LK

Zwischen dem Ursprung der Lappenbronchien. #11rechts: zwischen dem Oberlappenbronchus und dem Bronchus intermedius rechts

#11links: zwischen dem Mittel-und Unterlappenbronchus rechts

#12 (Links und rechts)

Lobäre LK

In der Umgebung der Lappenbronchien

#13 (Links und rechts)

Segmentale LK

In der Umgebung der Segmentbronchien

#14 (Links und rechts)

Subsegmentale LK

In der Umgebung der Subsegmentbronchien

nach IASLC [445]

Lymphknotenatlas für Lungenkarzinome
Lymphknotenatlas für Lungenkarzinome

modifiziert nach [445]

6.5.1.1.4 Die M-Klassifikation

Die Patienten mit multiplen Metastasen unterscheiden sich prognostisch in Abhängigkeit von der Anzahl der befallenen Organe. Dies führt zu einer Differenzierung in die M-Klassen M1c1 und M1c2 [446].

Tabelle 25: Die M-Klassifikation

M-Kategorie

Erläuterung

M0

keine Fernmetastasen

M1

Fernmetastasen

M1a

vom Primärtumor getrennte Tumorherde in einem kontralateralen Lungenlappen oder Tumor mit Pleura- oder Perikardmetastasen oder mit malignem Pleura- oder Perikardderguss

M1b

eine extrathorakale Metastase in einem Organ (dies schließt auch die Beteiligung eines nicht regionalen Lymphknotens ein)

M1c

multiple extrathorakale Metastasen in einem oder mehreren Organen

M1c1

Multiple Metastasen in einem Organ

M1c2

Multiple Metastasen in mehr als einem Organ

Quelle: [446]

Eine zweiter maligne erscheinender Lungenrundherd (spikuliert, Größenzunahme, PET-poisitv) kann ein Zeittumor, eine Fernmetastase oder gutartig sein (Granulom). Die Definition und das weitere Vorgehen sollte in der interdisziplinären Tumorkonferenz entschieden werden in Abhängigkeit von der verfügbaren Information.

pleurale oder perikardiale Ergüsse werden als M1a klassifiziert. Die meisten pleuralen (perikardialen) Ergüsse, die im Zusammenhang mit einem Lungenkarzinom auftreten, sind auf den Tumor zurückzuführen. Bei wenigen Patienten jedoch können mehrfache mikroskopische Untersuchungen des Pleura- oder Perikardergusses auf Tumorzellen negativ bleiben und die Ergussflüssigkeit ist nicht blutig und ist kein Exsudat. Wenn diese Ergebnisse der Untersuchungen und die klinische Beurteilung stark dafürsprechen, dass der Erguss nicht von Tumor verursacht ist, dann sollte dieser Erguss im Staging nicht berücksichtigt werden und der Patient als M0 klassifiziert werden. Dies gilt zum Beispiel für Patienten mit Obstruktionspneumonie oder Lungenvenenverschluss und hämorrhagischer Infarzierung der Lunge, jeweils mit Begleiterguss.
Tumorherde in der ipsilateralen parietalen und viszeralen Pleura, die diskontinuierlich von einer direkten Pleurainvasion des Primärtumors auftreten, werden als M1a klassifiziert.
Diskontinuierlicher Tumor jenseits der parietalen Pleura in der Brustwand oder im Zwerchfell wird als M1b klassifiziert.
In Fällen, die aufgrund von Fernmetastasen als M1 klassifiziert werden, ist es wichtig, alle Lokalisationen der Fernmetastasierung zu dokumentieren und anzugeben, ob nur eine einzige Lokalisation oder multiple Lokalisationen befallen sind und zusätzlich, ob die Metastasen in jeder Lokalisation solitär oder multipel aufgetreten sind.

6.5.1.1.5 Die Stadieneinteilung des Lungenkarzinoms

Die TNM-Klassifikation soll sowohl für das kleinzellige als auch für das nicht-kleinzellige Lungenkarzinome verwendet werden, da sie prognostisch relevant ist und zu einer einheitlichen, detaillierten Klassifikation der Tumorausbreitung führt. Die früheren Kategorien “limited” und “extensive” waren inkonsequent definiert und angewendet worden [447].

Tabelle 26: Klassifikation der Tumorstadien

Stadium

Primärtumor

Lymphknoten

Fernmetastasen

0

Tis

N0

M0

IA1

T1a(mi)

T1a

N0

N0

M0

M0

IA2

T1b

N0

M0

IA3

T1c

N0

M0

IB

T2a

N0

M0

IIA

T1

T2b

N1

N0

M0

IIB

T1

T2

T3

N2a

N1

N0

M0

M0

M0

IIIA

T1

T2

T3

T4

N2b

N2a

N1, N2a

N0, N1

M0

M0

M0

M0

IIIB

T1

T2

T3

T4

N3

N2b, N3

N2b

N2

M0

M0

M0

M0

IIIC

T3

T4

N3

N3

M0

M0

IVA

jedes T

jedes T

jedes N

jedes N

M1a

M1b

IVB

jedes T

jedes N

M1c

Quelle: [447]
Übersicht der Veränderungen im Vergleich zur 8. Auflage 

6.6 Pathologisch-anatomische Diagnostik

6.6.1 Einleitung

Pathologisch-anatomische Befunde bilden bei Lungentumoren die entscheidende Grundlage insbesondere für die Sicherung der Tumordiagnose, die histologische Typisierung sowie die Bestimmung des Tumorstadiums an Operationspräparaten.

Die pathologisch-anatomische Beurteilung wird durchgeführt zur: 

  • Sicherung der Diagnose und Bestimmung der Dignität eines Lungentumors
  • histologischen Typisierung des Lungentumors (Typing)
  • Bestimmung der Tumorausdehnung am Resektionspräparat (Staging)
  • Bestimmung des Differenzierungsgrades (Grading)
  • Beurteilung der Resektionsränder
  • Bestimmung des Regressionsgradings bei neoadjuvant behandelten Tumoren
  • Einleitung molekularpathologischer Untersuchungen zur Frage therapierelevanter Mutationen der Tumorzellen
  • Bestimmung der Klonalität bei multiplen Lungentumoren (molekular unterstütztes Staging)

6.6.2 Bearbeitung von Lungenresektionspräparaten

6.46 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei der makroskopischen Beschreibung und Präparation von Lungenresektionspräparaten sollen die folgenden Parameter erfasst werden:

  • Art und Größe des Präparates (z. B. Pneumonektomie, Lobektomie, Segmentresektion)
  • Tumorlokalisation,
  • Tumorgröße/Tumorausdehnung,
  • Beziehung/Abstand des Tumors zu den Resektionsrändern, insbesondere zum Bronchusresektionsrand,
  • Beziehung des Tumors zur Pleura visceralis/Thoraxwand,
  • Erfassung ggf. vorhandener weiterer Tumorherde,
  • Veränderungen des tumorfreien Lungengewebes.
Konsens
Starker Konsens (100%)
6.47 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Zur histopathologischen Beurteilung des Tumorgewebes soll mindestens pro Zentimeter maximalem Tumordurchmesser ein Paraffinblock Tumorgewebe der histologischen Untersuchung zugeführt werden oder eine zentrale Tumorscheibe komplett in Paraffinblöcken eingebettet und histologisch untersucht werden.

In Abhängigkeit von der Fragestellung (z. B. Adenocarcinoma in situ, AIS) sollen ggf. weitere histologische Untersuchungen durchgeführt werden.

Alle im Resektionspräparat makroskopisch zur Darstellung kommenden Lymphknoten sollen präpariert und der histologischen Untersuchung zugeführt werden.

Das tumorfreie Lungengewebe soll hinsichtlich der Frage tumorbedingter und tumorunabhängiger Veränderungen histologisch untersucht werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Hintergrund

Die Empfehlungen basieren auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4). 

Neben einer makroskopischen Beschreibung des Resektionspräparates werden hier bereits Parameter erfasst, die Einfluss auf die TNM-Klassifikation (Tumorgröße, Beziehung zur Pleura visceralis oder z. B. zur Thoraxwand bei erweiterten Resektionen, weitere Tumorherde) und die R-Klassifikation haben [448] (siehe Kapitel 6.6.6 und 6.6.7.)

Die histopathologische Untersuchung des Tumors setzt voraus, sich einen repräsentativen Überblick über das Tumorgewebe zu verschaffen. Hierbei ist eine mögliche Heterogenität des Tumorgewebes zu erfassen, die insbesondere hinsichtlich der Subtypen eines Adenokarzinoms ein erhebliches Ausmaß erreichen kann. Aus der Definition des Adenocarcinoma in situ (AIS) und des minimal invasiven Adenokarzinoms (MIA) ergibt sich, dass diese Diagnosen die vollständige Paraffineinbettung und stufenweise histologische Untersuchung des entsprechenden Tumorgewebes voraussetzen [449] siehe Kapitel 6.6.4 und 6.6.8). Bei der histologischen Untersuchung ist auch die für die TNM-Klassifikation relevante Beziehung des Tumors zur Pleura visceralis zu erfassen (EvG-Färbung erforderlich). 

Aufgrund der Relevanz für die TNM-Klassifikation sind alle im Resektionspräparat makroskopisch zur Darstellung kommenden Lymphknoten zu präparieren und gemäß Kapitel 6.6.3 zu untersuchen. Um eine möglichst vollständige Erfassung der regionären Lymphknoten zu gewährleisten, ist auf eine möglichst enge Lamellierung des Resektionspräparates zu achten und zu berücksichtigen, dass die bronchopulmonalen Lymphknoten insbesondere an Aufteilungsstellen der Bronchien nachzuweisen sind.

Das in dem entsprechenden Resektionspräparat erfasste tumorfreie Lungengewebe kann tumorbedingte und tumorunabhängige Veränderungen (z. B. Retentionspneumonie oder Lungenfibrose) aufweisen. Daher ist regelhaft auch eine histologische Untersuchung des tumorfreien Lungenparenchyms durchzuführen. Dabei ist darauf zu achten, nicht nur die häufig vorhandenen sekundären Veränderungen im Tumorrandbereich zu erfassen. Das in den entsprechenden Paraffinblöcken asservierte tumorfreie Lungengewebe ist auch für ergänzende Untersuchungen, z. B. Lungenstaubanalysen, geeignet.

Ein Template für die Pathologiebefunde von Biopsie und Resektionspräparat kann den Anlagen 19.1 und 19.2 entnommen werden.

6.6.3 Bearbeitung von Lymphknoten

6.48 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Alle Lymphknoten, die im Rahmen des präoperativen Stagings, einer Mediastinoskopie, einer videoassistierten mediastinalen Lymphadenektomie (VAMLA) oder im Rahmen der Tumorresektion entnommen werden, sollen vollständig in Paraffin eingebettet und in Stufenschnitten histologisch untersucht werden (mindestens 2 Schnittstufen, HE-Färbung).

Konsens
Starker Konsens (100%)
6.49 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2026

Die pathologische Beurteilung der regionären Lymphknoten im Rahmen des präoperativen Stagings ist auch anhand von Material aus einer Feinnadelbiopsie möglich.

Konsens
Konsens (81%)

Hintergrund

Die Empfehlungen basieren auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4). 

Die Bezeichnung der regionären Lymphknoten bösartiger Lungentumoren sollte zur Vereinheitlichung und zur Verbesserung der interdisziplinären Kommunikation entsprechend den aktuellen Empfehlungen der International Association for the Study of Lung Cancer (IASLC) [445] erfolgen. Der Vorteil dieses Lymphknoten-Mappings besteht insbesondere in der präzisen Definition der anatomischen Grenzen der einzelnen Lymphknoten-Stationen [450].

Zur möglichst kompletten Erfassung der regionären Lymphknoten-Metastasen sollen alle Lymphknoten, die im Rahmen des präoperativen Stagings, einer Mediastinoskopie, einer videoassistierten mediastinalen Lymphadenektomie (VAMLA) oder im Rahmen der Tumorresektion entnommen werden, vollständig in Paraffin eingebettet und in Stufenschnitten (mindestens 2 Schnittstufen) histologisch untersucht werden. Zur Anzahl der dabei anzufertigenden Schnittstufen sind in der Literatur keine Untersuchungen oder Vorgaben verfügbar. Ein allgemeiner Konsens existiert in dieser Hinsicht nicht. Bei bereits makroskopisch eindeutig erkennbarer Tumorinfiltration eines Lymphknotens ist es ausreichend, eine Lamelle dieses Lymphknotens einzubetten und einen Belegschnitt anzufertigen (HE-Färbung).

Die entsprechenden prognostisch und therapeutisch relevanten Resultate gehen als pN-Status in die TNM-Klassifikation [448] ein (siehe Kapitel 6.6.6.) Die Anzahl der befallenen und der untersuchten Lymphknoten soll – soweit möglich – angegeben werden. Zur Optimierung der interdisziplinären Kommunikation sollte die Summe der befallenen und der untersuchten Lymphknoten in der TNM-Klassifikation angegeben werden, z. B. pN1 (3/26).

Im Rahmen des präoperativen Stagings steht zur Beurteilung der regionären Lymphknoten alternativ durch eine Feinnadelbiopsie gewonnenes Material zur Verfügung.

6.6.4 Histopathologische Typisierung

6.50 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die histologische Typisierung von Lungentumoren an Resektionspräparaten wie auch anhand kleiner Biopsien und zytologischer Präparate soll nach den Kriterien der jeweils gültigen WHO-Klassifikation vorgenommen werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Hintergrund

Die Empfehlung basiert auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4). Die jeweils gültige WHO-Klassifikation bildet die international anerkannte Basis der histopathologischen Typisierung von Lungentumoren. In der 5. Auflage der WHO-Klassifikation der Thorakalen Tumoren [450] werden für die Lunge die folgenden histopathologischen Tumortypen voneinander unterschieden:

Tabelle 27: Histopathologische Typisierung von Lungentumoren gemäß WHO-Klassifikation der Thorakalen Tumoren (5. Auflage, 2021)

Epitheliale Tumoren

·        Papillome

·        Adenome

·        Glanduläre Vorläufer-Läsionen

o   Atypische adenomatöse Hyperplasie

o   Adenocarcinoma in situ

§  Adenocarcinoma in situ, nicht-muzinös

§  Adenocarcinoma in situ, muzinös

·        Adenokarzinome

o   Minimal invasives Adenokarzinom

§  Minimal invasives Adenokarzinom, nicht-muzinös

§  Minimal invasives Adenokarzinom, muzinös

o   Invasives nicht-muzinöses Adenokarzinom

§  Lepidisches Adenokarzinom

§  Azinäres Adenokarzinom

§  Papilläres Adenokarzinom

§  Mikropapilläres Adenokarzinom

§  Solides Adenokarzinom

o   Invasives muzinöses Adenokarzinom

§  Gemischtes invasives muzinöses und nicht-muzinöses Adenokarzinom

o   Kolloides Adenokarzinom

o   Fetales Adenokarzinom

o   Adenokarzinom, enteraler Typ

o   Adenokarzinom, NOS

·        Plattenepitheliale Vorläufer-Läsionen

o   Plattenepitheliales Carcinoma in situ

o   Leichtgradige plattenepitheliale Dysplasie

o   Mäßiggradige plattenepitheliale Dysplasie

o   Schwergradige plattenepitheliale Dysplasie

·        Plattenepithelkarzinome

o   Plattenepithelkarzinom, NOS

§  Verhornendes Plattenepithelkarzinom

§  Nicht-verhornendes Plattenepithelkarzinom

§  Basaloides Plattenepithelkarzinom

o   Lymphoepitheliales Karzinom

·        Großzellige Karzinome

o   Großzelliges Karzinom

·        Adenosquamöse Karzinome

o   Adenosquamöses Karzinom

·        Sarkomatoide Karzinome

o   Pleomorphes Karzinom

§  Riesenzelliges Karzinom

§  Spindelzelliges Karzinom

o   Pulmonales Blastom

o   Karzinosarkom

·        Andere epitheliale Tumoren

o   NUT Karzinom

o   Thorakaler SMARCA4-defizienter undifferenzierter Tumor

·        Tumoren vom Speicheldrüsentyp

o   Pleomorphes Adenom

o   Adenoidzystisches Karzinom

o   Epitheliales-myoepitheliales Karzinom

o   Mukoepidermoides Karzinom

o   Hyalinisierendes klarzelliges Karzinom

o   Myoepitheliom

o   Myoepitheliales Karzinom

Neuroendokrine Neoplasien

·        Vorläufer-Läsion

o   Diffuse idiopathische Hyperplasie pulmonaler neuroendokriner Zellen (DIPNECH)

·        Neuroendokrine Tumoren

o   Karzinoid, NOS / neuroendokriner Tumor, NOS

§  Typisches Karzinoid / neuroendokriner Tumor, Grad 1

§  Atypisches Karzinoid / neuroendokriner Tumor, Grad 2

·        Neuroendokrine Karzinome

o   Kleinzelliges Karzinom

§  Kombiniertes kleinzelliges Karzinom

o   Großzelliges neuroendokrines Karzinom

§  Kombiniertes großzelliges neuroendokrines Karzinom

Tumoren ektopen Gewebes

Mesenchymale Tumoren

Hämatolymphoide Tumoren

(modifiziert nach nach WHO Classification of Tumours Editorial Board 2021 [450]

Die 5. Auflage der WHO-Klassifikation bezieht nun auch ausdrücklich die Typisierung anhand kleiner Biopsien und zytologischer Präparate ein (diagnostischer Algorithmus, siehe Abbildung im Kapitel 6.10) 

6.6.5 Immunphänotyp

6.51 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Im Falle einer histologischen Begutachtung eines nicht kleinzelligen Karzinoms soll die histologische Typisierung anhand der von der WHO-Klassifikation empfohlenen Strategie vorgenommen werden.

Bei der histologischen Begutachtung eines neuroendokrinen Lungentumors (typisches Karzinoid, atypisches Karzinoid, kleinzelliges Karzinom, großzelliges neuroendokrines Karzinom) soll die Diagnose immunhistochemisch bestätigt und die Proliferationsfraktion des Tumorgewebes immunhistochemisch bestimmt werden.

Konsens
Konsens (94%)

Hintergrund

Die Empfehlung basiert auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4). 

Nicht selten ist es erforderlich, primäre Lungenkarzinome von Metastasen zu unterscheiden. Darüber hinaus ergibt sich aufgrund aktueller Therapieoptionen auch an kleinen Biopsien und zytologischen Präparaten die Notwendigkeit einer möglichst exakten histologischen Typisierung nicht kleinzelliger Karzinome. Die aktuelle WHO-Klassifikation [450] weist ausdrücklich darauf hin, dass die Typisierung als "NSCLC-NOS" (nicht kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht weiter spezifiziert) so selten wie möglich verwendet werden sollte. Um dieses Ziel zu erreichen, sind laut WHO-Klassifikation entsprechende histochemische und immunhistochemische Untersuchungen durchzuführen. Die dafür empfohlenen Marker sind den jeweiligen Kapiteln der aktuellen WHO-Klassifikation zu entnehmen (diagnostischer Algorithmus, siehe Abbildung in Kapitel 6.10).

Bei den neuroendokrinen Lungentumoren fordert die WHO-Klassifikation [450] für die Diagnose eines großzelligen neuroendokrinen Karzinoms den immunhistochemischen Nachweis der neuroendokrinen Differenzierung. Zur Diagnosesicherung (z. B. Abgren-zung kleinzelliges Karzinom vs. Lymphom) sind auch bei den übrigen neuroendokrinen Lungentumoren (typisches und atypisches Karzinoid, kleinzelliges Karzinom) immunhistochemische Untersuchungen unter Anwendung eines geeigneten Marker-Panels (Details siehe WHO-Klassifikation) durchzuführen. Ebenfalls zur Bestätigung der Diagnose (z. B. Abgrenzung artifiziell veränderte Infiltrate eines typischen Karzinoids vs. kleinzelliges Karzinom) ist bei allen neuroendokrinen Tumoren die Proliferationsfraktion des Tumorgewebes immunhistochemisch zu bestimmen (Ki67, MiB1) und in dem Befundbericht anzugeben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die WHO-Klassifikation typische und atypische Karzinoide neben anderen Kriterien weiterhin nicht anhand der Proliferationsfraktion, sondern mittels der Anzahl der Mitosen pro 2mm² definiert. Dadurch kann bei kleinen Biopsien das Problem bestehen, dass eine Fläche von 2mm² Tumorgewebe oder 10 HPF (high power fields) nicht zur Verfügung steht. Eine sichere differentialdiagnostische Abgrenzung zwischen typischen und atypischen Karzinoiden ist dann bei fehlendem Nachweis von Nekrosen oder mindestens 2 Mitosen an der Biopsie nicht möglich, sodass hinsichtlich dieser Differentialdiagnose bei gegebener Operabilität auf das Resektionspräparat zu verweisen ist. Auch bei kleinzelligen Karzinomen und großzelligen neuroendokrinen Karzinomen der Lunge stellt die immunhistochemisch bestimmte Proliferationsfraktion (Ki67, MiB1) kein durch die WHO-Klassifikation definiertes diagnostisches Kriterium dar [450].

6.6.6 Tumorausdehnung am Resektionspräparat (Staging)

6.52 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Das pathologisch-anatomische Staging soll nach den Definitionen der jeweils gültigen TNM-Klassifikation vorgenommen werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Hintergrund

Die Empfehlung basiert auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4). 

Die in das Stadium eines Lungentumors eingehende lokale bzw. lokoregionäre Ausdehnung stellt einen prognostisch und therapeutisch relevanten Faktor dar [451], [452], [453], [454]. Am Resektionspräparat und den ebenfalls operativ entfernten regionären Lymphknoten ist die Tumorausdehnung daher standardmäßig zu erfassen. Dabei wird das pathologisch-anatomische Staging nach den Definitionen der jeweils gültigen TNM-Klassifikation (aktuell 9. Auflage, [448][438]) vorgenommen und angegeben. Die einzelnen Deskriptoren der TNM-Klassifikation und deren Definitionen sind der aktuellen Auflage der TNM-Klassifikation zu entnehmen.

6.53 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei multiplen Lungentumoren sollte zur Klärung der Frage einer kurativen lokalen Therapie eine Analyse zur Klonalität durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (96%)

Hintergrund

Die Empfehlung basiert auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4). 

Bei multiplen Lungentumoren stellt sich die Frage einer intrapulmonalen systemischen Metastasierung eines Tumors versus zwei oder mehreren, resektablen Primärtumoren. Neben dem Vergleich der histologischen Differenzierung sollten verschiedene Tumormanifestationen anhand der Biopsien oder Resektate immunhistochemisch und molekularpathologisch hinsichtlich ihrer Klonalität verglichen werden. Häufig und polymorph mutierte Gene eignen sich für einen molekularen Abgleich besonders (z.B. KRAS, PTEN, TP53). Klinische Daten deuten darauf hin, dass das 5-Jahres-Gesamtüberleben von Patienten mit multiplen, nicht-metastasierten Lungenkarzinomen nach chirurgischer Resektion vergleichbar ist mit Patienten mit singulären Tumoren in identischen Tumorstadien [455].

6.6.7 Resektionsränder – R-Klassifikation

6.54 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei der Beurteilung von Resektionspräparaten sollen standardmäßig die Resektionsränder histologisch untersucht werden. Dabei sollen insbesondere die Bronchus- und Gefäßresektionsränder, bei lokal fortgeschrittenen Tumoren oder erweiterten Resektionen z. B. auch die Resektionsränder des Perikards, des Mediastinums oder der Thoraxwand berücksichtigt werden.

Konsens
Starker Konsens (96%)

Hintergrund

Die Empfehlung basiert auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4). 

Die Tumorfreiheit der Resektionsränder stellt bei operativ behandelten Lungenkarzinomen einen etablierten Prognosefaktor dar [456], [457], [458], [459], [460]. Bei der Beurteilung von Resektionspräparaten sind daher standardmäßig die Resektionsränder histologisch zu untersuchen. Dabei sind insbesondere die Bronchus- und Gefäßresektionsränder, bei lokal fortgeschrittenen Tumoren oder erweiterten Resektionen z. B. auch die Resektionsränder des Perikards, des Mediastinums oder der Thoraxwand zu berücksichtigen. Bei Resektionspräparaten, bei denen der Resektionsrand durch Klammernähte verschlossen ist, ist die Beziehung des Tumors zur Klammernaht zu erfassen. Die histologische Untersuchung des unmittelbaren Resektionsrandes ist dann nicht möglich. Stattdessen wird der nach sparsamem Abschneiden der Klammernaht entstehende Rand histologisch untersucht. Insbesondere bei knapp an den Resektionsrand reichendem Tumor-gewebe ist die Beurteilbarkeit des Resektionsrandes häufig eingeschränkt. Anhand der gewonnenen Resultate ist zusammenfassend die R-Klassifikation anzugeben (TNM-Klassifikation, 9. Auflage, [439]):

  • R0: kein Residualtumor
  • R1: mikroskopischer Residualtumor
  • R2: makroskopischer Residualtumor
  • RX: Vorhandensein von Residualtumor kann nicht beurteilt werden

Die Angabe eines R2-Status erfordert entsprechende klinische Angaben des Operateurs. Laut Anmerkung in der 8. Auflage der TNM-Klassifikation "sollte im Hinblick auf die prognostische Bedeutung der R-Klassifikation stets die Fernmetastasierung mit eingeschlossen werden". In dieser Hinsicht besteht aber kein allgemeiner Konsens, da "einige davon ausgehen, dass die R-Klassifikation nur in Bezug auf den Primärtumor und seine lokale bzw. regionäre Ausbreitung angewendet werden kann. Laut Anmerkung in der 9. Auflage der TNM-Klassifikation sollte im Hinblick auf die prognostische Bedeutung der R-Klassifikation stets die Fernmetastasierung mit eingeschlossen werden (TNM-Klassifikation, 9. Auflage, [438]).

6.6.8 Differenzierungsgrad (Grading)

6.55 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei der Beurteilung von Resektionspräparaten pulmonaler Adenokarzinome soll der Differenzierungsgrad (Grading) gemäß den Empfehlungen der aktuellen WHO-Klassifikation (5. Auflage, 2021) angegeben werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisLaut aktueller WHO-Klassifikation (4. Auflage, Travis et al. 2015) wurde bislang kein allgemein akzeptiertes Gradingsystem für Lungenkarzinome etabliert. Dennoch sollte bei pulmonalem Adenokarzinom im Resektat ein Tumorgrading nach den Kriterien der WHO und IASLC angegeben werden.
6.56 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einigen Lungentumoren ergibt sich der Differenzierungsgrad aus der histologischen Typisierung, z. B. bei den sarkomatoiden Karzinomen (pleomorphe Karzinome, Karzinosarkome und pulmonale Blastome) oder bei den neuroendokrinen Tumoren (typische Karzinoide, atypische Karzinoide, großzellige neuroendokrine Karzinome, kleinzellige Karzinome). Bei diesen Tumoren soll daher ein histopathologisches Grading nicht gesondert angegeben werden. 

Konsens
Konsens (87%)

Hintergrund

Die Empfehlungen basieren auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4).

2020 hat das Pathologie-Komitee der International Association for the Study of Lung Cancer (IASLC) eine Studie zum Grading resezierter pulmonaler Adenokarzinome durchgeführt und darauf basierend ein Gradingsystem vorgeschlagen, dem sich die aktuelle WHO-Klassifikation (5. Auflage, 2021) angeschlossen hat. Demnach basiert das am besten mit der Prognose korrelierende Modell auf einer Kombination aus prädominantem Wachstumsmuster und dem Anteil eines high-grade Musters mit einer Grenze bei 20%:
  • Gut differenziert (G1): prädominant lepidisch und < 20% high-grade Muster.
  • Mäßiggradig differenziert (G2): prädominant azinär oder papillär und < 20% high-grade Muster.
  • Schlecht differenziert (G3): jeder Tumor mit ≥ 20% high-grade Muster (solide, mikropapillär, kribriform oder komplexes glanduläres Muster).
[461]

Plattenepithelkarzinome und adenosquamöse Karzinome können grundsätzlich einem dreistufigen Gradingsystem zugeordnet werden (G1 - G3). Letztlich besteht aber nur eine unzureichende Datenlage hinsichtlich der dabei zu berücksichtigenden Kriterien [[450]].

Bei anderen Lungentumoren ergibt sich der Differenzierungsgrad aus der histologischen Typisierung. So gelten z. B. sarkomatoide Karzinome (pleomorphe Karzinome, Karzinosarkome und pulmonale Blastome) als schlecht differenziert. Auch bei den neuroendokrinen Tumoren (typische Karzinoide, atypische Karzinoide, großzellige neuroendokrine Karzinome, kleinzellige Karzinome) beinhaltet die histologische Typisierung bereits das Grading. Bei diesen Tumoren wird daher ein histopathologisches Grading nicht gesondert angegeben [[450]].

6.6.9 Regressionsgrading

6.57 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Nach vorausgegangener Radio- und/oder Chemotherapie sollte im Resektat das Ausmaß der therapieinduzierten Tumorregression mikroskopisch ermittelt und entsprechend dem Regressionsgrading nach Junker angegeben werden.

Konsens
Starker Konsens (97%)

Hintergrund

Die Empfehlung basiert auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2.2.4). 

Nach vorausgegangener Radio- und/oder Chemotherapie stellt das Ausmaß der therapieinduzierten Tumorregression im Bereich des Primärtumors und der regionären Lymphknoten einen unabhängigen Prognosefaktor dar [462], [463]. Hierbei werden die Ausdehnung des vitalen Tumorgewebes und der Tumornekrosen sowie reaktive Veränderungen wie Schaumzellreaktion, Granulationsgewebsbildung, Cholesterinkristallausfällungen und riesenzellige Reaktion anhand der mikroskopischen Untersuchung des Tumorgewebes ermittelt und entsprechend dem Regressionsgrading nach Junker angegeben [463]. Andere Studien zur neoadjuvanten Therapie bei Lungenkarzinomen haben die Resultate mit dem Anteil der Tumoren mit histopathologisch ausgeprägter oder kompletter Regression (major pathologic response/MPR bzw. complete pathologic response/pCR/CPR) korreliert. Auch diese Parameter ergeben sich aus dem hier empfohlenen Regressiongrading (RG IIb bzw. RG III, s. u.).

Zur möglichst genauen quantitativen Erfassung der therapieinduzierten Tumorregression ist es im Allgemeinen ausreichend, zunächst einen repräsentativen Querschnitt durch den Primärtumor vollständig in Paraffin einzubetten und histologisch zu untersuchen. Insbesondere zur Frage einer vollständigen therapieinduzierten Tumorregression sind ggf. weitere histologische Untersuchungen erforderlich  [462], [463]. Die Aufarbeitung der regionären Lymphknoten entspricht dem oben beschriebenen Vorgehen (siehe Kapitel 6.6.3).

Folgende Regressionsgrade (RG) werden unterschieden:

RG I:

keine Tumorregression oder eine ausschließlich spontane Tumorregression im Bereich des Primärtumors und der regionären Lymphknoten

RG IIa:

morphologischer Nachweis einer therapieinduzierten Tumorregression mit mindestens 10% vitalem Resttumor im Bereich des Primärtumors und/oder mehr als kleinherdiger Nachweis vitalen Tumorgewebes in den regionären Lymphknoten

RG IIb:

morphologischer Nachweis einer therapieinduzierten Tumorregression mit weniger als 10% vitalem Resttumor im Bereich des Primärtumors und/oder lediglich kleinherdiger Nachweis vitalen Tumorgewebes in den regionären Lymphknoten.

RG III:

komplette therapieinduzierte Tumorregression ohne Nachweis vitalen Tumorgewebes im Bereich des Primärtumors und der regionären Lymphknoten.

6.6.10 Untersuchungen auf molekulare Zielstrukturen

6.58 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Eine Testung auf EGFR-Mutationen in den Exonen 19 und 21 und ALK-Fusionen soll anhand des zur Verfügung stehenden Tumorgewebes/der Tumorzellen bei NSCLC in frühen Tumorstadien (IB – IIIA, hinsichtlich ALK bei Tumoren ≥ 4 cm) vorgenommen werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisEine Testung auf EGFR-Mutationen in den Exonen 19 und 21 soll anhand des zur Verfügung stehenden Tumorgewebes nach Tumorresektion auch bei NSCLC in frühen Tumorstadien (IB – IIIA) vorgenommen werden.
6.59 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei allen nicht resezierbaren NSCLC im Stadium III sollen anhand des zur Verfügung stehenden Tumorgewebes/der Tumorzellen molekularpathologische Untersuchungen hinsichtlich der EGFR-Mutationen in den Exonen 19 und 21 sowie ALK- und ROS1- Alterationen durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
6.60 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom im Stadium IB-III soll parallel zu den molekularpathologischen Untersuchungen eine immunhistochemische Untersuchung auf PD-L1-Expression durchgeführt werden.
Das Ergebnis ist als Prozentsatz membranös positiver Tumorzellen (Tumour Proportion Score, TPS) anzugeben. Eine externe Qualitätssicherung im Rahmen von Ringversuchen soll nachgewiesen werden.

Konsens
Starker Konsens (97%)
6.61 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Anhand des zur Verfügung stehenden Tumorgewebes / der Tumorzellen von allen NSCLC im Stadium IV sollen molekularpathologische Untersuchungen hinsichtlich aller therapeutisch relevanten molekularen Veränderungen (nach derzeitigem Stand vor Erstlinientherapie als Mindestanforderung EGFR-Mutationen in den Exonen 18-21, BRAF V600 Mutationen, ALK-Fusionen, ROS1-Fusionen, RET-Fusionen, NTRK 1-3-Fusionen, KRAS-Mutationen (insbesondere KRAS-G12C-Mutation), MET-Exon 14-Skipping-Mutationen, NRG1-Fusionen und HER2 (ERBB 2)-Mutationen in den Exonen 8, 18, 19, 20 und 21) eingeleitet werden.

Konsens
Starker Konsens (97%)
ÄnderungshinweisAnhand des zur Verfügung stehenden Tumorgewebes / der Tumorzellen von allen NSCLC im Stadium IV sollen molekularpathologische Untersuchungen hinsichtlich aller therapeutisch relevanten molekularen Veränderungen (nach gegenwärtigem Stand vor Erstlinientherapie als Mindestanforderung EGFR-Mutationen in den Exonen 18-21, BRAF V600 Mutationen, ALK-Fusionen, ROS1-Fusionen, RET-Fusionen und NTRK1-3-Fusionen) eingeleitet werden.
6.62 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026
In den Gewebeproben von Therapie-naiven Patienten im Stadium IV soll parallel zu den molekularpathologischen Untersuchungen eine immunhistochemische Untersuchung auf PD-L1-Expression durchgeführt werden.*

Soweit nur zytologische Präparate mit Tumorzellen zur Verfügung stehen, soll bei entsprechenden Patienten eine Aufarbeitung in Zellblocktechnik mit nachfolgender immunzytochemischer Untersuchung auf PD-L1-Expression (TPS, s.u.) erfolgen.

Das Ergebnis ist als Prozentsatz membranös positiver Tumorzellen (Tumour Proportion Score, TPS) und als Prozentsatz positiver Immunzellen (Immun Cell Score, IC-Score) anzugeben.

Eine externe Qualitätssicherung im Rahmen von Ringversuchen soll nachgewiesen werden.
*Die Empfehlung zur Untersuchung der PD-L1-Expression gilt für alle histologischen NSCLC-Typen (siehe auch Therapiealgorithmus NSCLC IV)
Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisIn den Gewebeproben von Therapie-naiven Patienten im Stadium IV soll parallel zu den molekularpathologischen Untersuchungen eine immunhistochemische Untersuchung auf PD-L1-Expression durchgeführt werden.* Soweit nur zytologische Präparate mit Tumorzellen zur Verfügung stehen, soll bei entsprechenden Patienten eine Aufarbeitung in Zellblocktechnik mit nachfolgender immunzytochemischer Untersuchung auf PD-L1-Expression (TPS, s.u.) erfolgen. Das Ergebnis ist als Prozentsatz membranös positiver Tumorzellen (Tumour Proportion Score, TPS) und als Prozentsatz positiver Immunzellen (Immun Cell Score, IC-Score) anzugeben. Eine externe Qualitätssicherung im Rahmen von Ringversuchen soll nachgewiesen werden. Eine entsprechende Untersuchung (TPS) soll auch bei Patienten im Stadium III bei geplanter definitiver Strahlenchemotherapie erfolgen. Auch bei Patienten in frühen Stadien nicht kleinzelliger Lungenkarzinome nach vollständiger Resektion soll eine entsprechende Untersuchung (TPS) vorgenommen werden. Nach Bestimmung eines therapeutisch relevanten TPS-Wertes soll bei diesen Tumoren eine Testung auf EGFR-Mutationen (Exone 18-21) und ALK-Fusionen durchgeführt werden. *Die Empfehlung zur Untersuchung der PD-L1-Expression gilt für alle histologischen NSCLC-Typen (siehe auch Therapiealgorithmus NSCLC IV)
6.63 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026
Bei den molekularpathologischen Untersuchungen soll eine Methodik eingesetzt werden, die innerhalb von 10 Arbeitstagen zu einer definitiven Diagnose kommt, und die sensitiv genug ist, um Mutationen auch in Geweben mit nur 10 % Tumoranteil nachweisen zu können.
 
Für den Nachweis von Fusionen sollen Fluoreszenz-in-situ Hybridisierungen und immunhistochemische Nachweise oder Sequenzierverfahren nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie verwendet werden*.
Es soll eine qualitätsgesicherte, gewebesparende und umfassende (therapierelevante Targets) Methodik zum Einsatz kommen.
Eine externe Qualitätssicherung im Rahmen von Ringversuchen soll nachgewiesen werden.

*Siehe: [464]
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[464]
6.64 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei nicht ausreichendem Gewebe für eine molekulare Diagnostik, und wenn eine erneute Biopsie nicht mit vertretbarem Risiko durchgeführt werden kann, soll eine Liquid Biopsy durchgeführt werden, vorausgesetzt eine histologische/zytologische Diagnosesicherung ist gegeben.

Konsens
Starker Konsens (97%)
ÄnderungshinweisBei nicht ausreichendem Gewebe für eine molekulare Diagnostik, und wenn eine er-neute Biopsie nicht mit vertretbarem Risiko durchgeführt werden kann, soll eine Liquid Biopsy in Betracht gezogen werden.
6.65 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei akquirierter EGFR-TKI-Resistenz sowie akquirierter Resistenz nach ALK-, ROS1- oder RET-Inhibitor-Therapie sollte eine Gewinnung von Tumorzellmaterial zur umfassenden Testung auf Resistenzmechanismen durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei akquirierter EGFR-TKI-Resistenz soll eine Gewebebiopsie zur Bestimmung von Resistenzmechanismen durchgeführt werden
6.66 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei akquirierter TKI-Resistenz und negativer Biopsie oder klinisch nicht vertretbarer Biopsie in Bezug auf den Resistenzmechanismus sollte ergänzend eine Liquid Biopsy zur Bestimmung von Resistenzmechanismen durchgeführt werden.

Konsens
Konsens (94,1%)
ÄnderungshinweisBei akquirierter EGFR-TKI-Resistenz und negativer Biopsie in Bezug auf T790M soll zusätzlich eine Liquid Biopsy zur Bestimmung von Resistenzmechanismen durchge-führt werden.

Hintergrund

Die Empfehlungen basieren auf einem Expertenkonsens (siehe Kapitel 2).

Nach Sicherung der Tumordiagnose und Abschluss der histologischen Typisierung können anhand des zur Verfügung stehenden Tumorgewebes / der Tumorzellen molekularpathologische Untersuchungen eingeleitet werden. Therapeutisch relevant sind bei nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen im Stadium IV vor Erstlinientherapie derzeit EGFR- und BRAF V600-Mutationen sowie ALK-, und ROS-1-, RET- und NTRK1-3-Translokationen (siehe Kapitel 8.6). Insbesondere im Hinblick auf eine Zweitlinientherapie sollen aufgrund entsprechender Therapie-Zulassungen weitere Biomarker getestet werden. Da es bereits für das Therapiemanagement in der Erstlinientherapie entscheidend ist, ob es molekulare Veränderungen im Hinblick auf eine zielgerichtete Therapie in der Zweitlinie gibt, sollen auch diese Untersuchungen vor Einleitung der Erstlinientherapie durchgeführt werden. Es ist davon auszugehen, dass sich dieses Spektrum sukzessive erweitern wird. Für entsprechende Untersuchungen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Dabei soll eine qualitätsgesicherte, gewebesparende und umfassende Methodik angewendet werden.

In der Regel ist die Sanger-Sequenzierung hierfür nicht geeignet da eine Sensitivität von 10 % nicht erreicht wird. Mit der Sangersequenzierung wird ein mittleres Signal aus vielen Einzelstrang-Sequenzierungen gebildet. Daher wird zum Nachweis von Mutationen ein Mindestgehalt an Tumorzellen im Gewebe benötigt, der 10 %-20 % nicht unterschreiten darf. In der Parallelsequenzierung werden viele Einzelstrangsequenzierungen nebeneinander durchgeführt, so dass auch kleine Anteile an mutierten Tumorallelen nachgewiesen werden können. Mehrere Studien haben die überlegene Sensitivität von Parallelsequenzierungen oder PCR-basierten Methoden gegenüber klassischen Sanger-Technologien gezeigt [465], [466]. Im Sinne einer Optimierung der Therapieplanung der Patienten mit NSCLC kann bereits möglichst früh im Krankheitsverlauf eine umfassende molekulare Untersuchung mittels Parallelsequenzierung (Next Generation Sequencing, NGS) vorgenommen werden.

Bei nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen mit nachgewiesener aktivierender EGFR-Mutation und Tumorprogress unter einer Therapie mit einem entsprechenden Tyrosinkinaseinhibitor ist bei Durchführung einer erneuten Mutationsanalyse insbesondere auf s. g. Resistenzmutationen (insbesondere T790M-Mutation, Met Amplifikation, Her2Amplifikation und –Mutation sowie ggf. weitere Targets) zu achten.

Bei Patienten, bei denen Tumorgewebe / Tumorzellen nicht in ausreichendem Ausmaß zur Verfügung steht / stehen, sollte alternativ DNA aus Plasma isoliert werden und daran eine molekulare Analyse aller Gene, für die eine targeted Erstlinientherapie zugelassen ist, durchgeführt werden. Hierfür ist die Einhaltung von speziellen Protokollen für die Plasmapräparation zur ctDNA Gewinnung notwendig. Im Falle einer Resistenzanalyse nach targeted Therapie bei Patienten, bei denen Tumorgewebe / Tumorzellen nicht in ausreichendem Ausmaß zur Verfügung steht / stehen, sollte ebenfalls ein umfassendes Genpanel an ctDNA sequenziert werden, das Mutationen in der Tyrosinkinase, Bypassmutationen und Genfusionen mit einschließt [467].

Testung auf PD-L1-Expression

Bei NSCLC konnte in verschiedenen Studien eine Korrelation zwischen der immunhistochemisch nachgewiesenen PD-L1-Expression und dem Ansprechen auf eine Therapie mit gegen PD-1 oder PD-L1 gerichteten monoklonalen Antikörpern nachgewiesen werden. Daher sollen immunhistochemische Untersuchungen zur Frage einer PD-L1-Expression durchgeführt und das Ergebnis als Prozentsatz membranös positiver Tumorzellen (Tumour Proportion Score/TPS) und bei Tumoren im Stadium IV auch als Flächen-Prozentsatz positiver Immunzellen (Immune Cell Score/IC-Score) angegeben werden [468], [469], [470]. Da sich der IC-Score auf die von den PD-L1-positiven Immunzellen eingenommene Fläche bezieht, ist seine Angabe bei zytologischen Präparaten und vielen EBUS-TBNA-Präparaten allerdings nicht möglich.

Bei der adjuvanten Immuntherapie von NSCLC werden durch die entsprechende Zulassung Tumoren mit einer EGFR-Mutation oder einer ALK-Fusion ausgeschlossen. Bei der neoadjuvanten Immuntherapie von frühen Stadien eines NSCLC wurden Tumoren mit bekannter EGFR-Mutation oder ALK-Translokation in die entsprechende Zulassungsstudie nicht aufgenommen. Daher ist neben einer Quantifizierung der PD-L1-Expression (TPS) eine Analyse auf EGFR-Mutationen und ALK-Fusionen erforderlich, soweit ein therapeutisch relevanter PD-L1-TPS-Wert ermittelt wurde. Dabei können diese Untersuchungen auch bereits parallel zur PD-L1-Immunhistochemie veranlasst werden.

Algorithmus zur histologischen Typisierung und weiteren Aufarbeitung von Biopsiepräparaten und zytologischen Präparaten bei Verdacht auf Lungenkarzinom
Algorithmus zur histologischen Typisierung und weiteren Aufarbeitung von Biopsiepräparaten und zytologischen Präparaten bei Verdacht auf Lungenkarzinom

6.7 Abschätzung der klinischen und funktionellen Operabilität (Kapitel derzeit wegen laufender Überarbeitung ausgesetzt))

Dieses Kapitel ist veraltet und derzeit Gegenstand einer umfassenden Aktualisierung. Bis zum Abschluss der Aktualisierung ist dieses Kapitel ausgesetzt.

In dieser Leitlinie werden Menschen mit 70 oder mehr Jahren als älter definiert und sehr alte Menschen als 80 Jahre oder älter. 

6.7.1 Alter über 70 Jahre

6.67 · Evidenzbasierte Empfehlung · ausgesetzt 2026

Bei Patienten im höheren Lebensalter (>70 Jahre) sollte eine besonders sorgfältige Diagnostik und klinische Bewertung von Komorbiditäten erfolgen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Konsens
Konsens

Die perioperative Morbidität erhöht sich mit zunehmendem Alter. Bei älteren Patienten, die einer Lungenresektion unterzogen werden, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie eine intensive perioperative Betreuung benötigen [471], [472], [473], [474] (Evidenzgrad 3b). Präoperativ muss eine sorgfältige Bewertung von Komorbiditäten durchgeführt werden, da die Assoziation von zunehmendem Alter und operativer Letalität auf das breitere Spektrum von Komorbiditäten und nicht auf das Alter alleine zurückzuführen ist [475], [476], [474], [477]. Wie bei jüngeren Patienten zeigt sich auch bei den Älteren, dass die Letalität bei Pneumonektomie gegenüber einer Lobektomie erhöht ist; insbesondere gilt dies bei rechtsseitiger Pneumonektomie [472], [473] (Evidenzgrad 3b). Die perioperative Letalität steigt bei sehr hohem Alter (>80 Jahre) in Abhängigkeit vom biologischen Gesamtzustand, dem Tumorstadium, dem Schweregrad, der Anzahl der Komorbiditäten und der Ausdehnung der Lungenresektion an. Besonders hoch ist das Letalitätsrisiko nach Pneumonektomie. Bei Verdacht auf das Vorliegen eines Alterssyndroms (Intelligenzabbau, Immobilität, Instabilität, Inkontinenz und Impairment) ist ein geriatrisches Basis-Assessment indiziert [478], [471] (Evidenzgrad 2b). 

6.7.2 Lungenfunktion

6.68 · Evidenzbasierte Empfehlung · ausgesetzt 2026

Bei der Bewertung der Lungenfunktion sollte in Grenzfällen und bei komplexem klinischem Bild eine enge interdisziplinäre Absprache zwischen Pneumologen, Thoraxchirurgen und Strahlentherapeuten erfolgen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Konsens
Konsens
6.69 · Evidenzbasierte Empfehlung · ausgesetzt 2026

Bei einer geplanten Lobektomie sollte bei einem postbronchodilatatorischen FEV1 >1,5 l und einer Diffusionskapazität (TLCO) >60 % des Sollwertes und bei einer geplanten Pneumonektomie bei einem postbronchodilatatorischen FEV1 >2,0 l und einer TLCO >60 % des Sollwertes keine weitere Lungenfunktionstestung erfolgen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Konsens
Konsens
6.70 · Evidenzbasierte Empfehlung · ausgesetzt 2026

Bei Patienten, die basierend auf FEV1- und TLCO-Werten nicht eindeutig operabel sind, sollten eine Ganzkörperplethysmographie, eine Blutgasanalyse in Ruhe, eine quantitative Lungenperfusionsszintigrafie und eine Spiroergometrie durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Konsens
Konsens

6.7.2.1 Spirometrie

Lungenfunktionsdaten von mehr als 2000 Patienten mit Lungenkarzinom in drei großen Serien haben gezeigt, dass eine Letalitätsrate unter 5 % erwartet werden sollte, wenn das präoperative FEV1 > 1,5 l für eine Lobektomie und > 2,0 l für eine Pneumonektomie beträgt [479] (Evidenzgrad 2b). Von diesen Daten kann jedoch nicht auf die prädiktive Bedeutung der präoperativen Werte in %-Soll geschlossen werden. Daher werden die Werte des FEV1 als Absolutwerte angegeben. Doch ist das perioperative Risiko eines thoraxchirurgischen Eingriffs bei COPD-Patienten schon bei einem FEV1 <60 % des Sollwertes relevant erhöht, wobei die Komplikationsrate vom Ausmaß der Resektion und der Resektionstechnik abhängt ([480], [481], [482]) (Evidenzgrad 2b).  

Wegen der häufigen Koinzidenz von Lungenkarzinom mit Lungenemphysem und interstitiellen Lungenerkrankungen soll eine präoperative Lungenfunktionsprüfung primär die Bestimmung der TLCO beinhalten, zumal die Spirometrie bei diesen Patienten noch normal sein kann, die TLCO also ein unabhängiger prognostischer Faktor ist [483], [484], [485], [486], [487], [482], [488], [489], [490]. Eine TLCO <60 % Soll identifiziert Patienten mit hohem Risiko für eine Pneumonektomie [483] (Evidenzgrad 2b). 

Für eine Lobektomie sind keine weiteren Lungenfunktionstests erforderlich, wenn die postbronchodilatatorisch gemessenen FEV1–Werte über 1,5 l und die TLCO über 60 % des Soll betragen. Für eine Pneumonektomie werden keine weiteren Lungenfunktionstests benötigt, wenn die entsprechenden FEV1-Werte >2,0 l bzw. >80 % vom Soll und die TLCO über 60 % liegen ([472], [491]) (Evidenzgrad 2b). 

Bei allen Patienten mit einem erhöhten funktionellen Risiko sollten folgende Untersuchungen durchgeführt werden: 

 (a) 

eine komplette Lungenfunktionsprüfung mit Spirometrie - besser noch Ganzkörperplethysmographie - und CO-Transfer-Faktor ([479], [491]) (Evidenzgrad 2b), 

 (b) 

die Bestimmung der arteriellen Blutgase in Ruhe ([492], [493], [494]) (Evidenzgrad 3b),

 (c) 

eine Lungenperfusionsszintigraphie mit Quantifizierung der regionalen Radionuklidbelegung ([495], [496], [497], [498], [489], [499]) (Evidenzgrad 2b) und eine

 (d) 

Spiroergometrie [493], [500], [501], [502], [503], [504], [505], [491], [506], [485], [507] (Evidenzgrad 1b). 

 

Die quantitativen Daten der regionalen Lungenperfusionsverteilung werden verwendet, um ein voraussichtliches postoperatives FEV1 und eine voraussichtliche postoperative TLCO (in %Soll) zu berechnen [495], [496], [497], [498], [489]. Auch bei geplanter Lobektomie sollte die Berechnung der voraussichtlichen postoperativen Funktionsdaten mit Hilfe der quantitativen Lungenperfusionsszintigraphie erfolgen. Dabei ist zu berücksichtigen, ob die potenziell zu entfernenden Segmente ventiliert oder atelektatisch sind [472], [499]. 

6.7.2.2 Prinzipien

Bei einer Lungenresektion bei Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion muss mit erhöhter perioperativer Morbidität und Letalität sowie auch langfristig mit einer Einschränkung der Lebensqualität infolge der reduzierten Lungenkapazität oder einer respiratorischen Insuffizienz gerechnet werden. Diese Risiken sind hauptsächlich von der kardiopulmonalen Funktion präoperativ und dem Ausmaß der geplanten Lungenresektion abhängig. Handelt es sich um ein heterogenes Lungenemphysem und ist der zu entfernende Tumor in einem emphysematös umgebauten Lungenlappen lokalisiert, der im Rahmen einer Lungenvolumenreduktion entfernt werden kann, fällt die postoperative Funktionseinschränkung geringer aus als rechnerisch prognostiziert [508]. Die Entscheidung zu diesem operativen Kombinationseingriff sollte in einer interdisziplinären Konferenz getroffen werden.

Die präoperative Lungenfunktionsdiagnostik sollte erst durchgeführt werden, wenn sich der Patient unter maximaler, optimierter Therapie einschließlich Raucherberatung in einem klinisch stabilen Zustand befindet [509], [510].

Einen evidenzbasierten Algorithmus für die Abschätzung der klinischen und funktionelen Operabilität vor Lungenkarzinomresektion stellt Abbildung 11 dar. 

6.7.2.3 Berechnung der postoperativen Lungenfunktion

Die Berechnung der postoperativ zu erwartenden Kenngrößen der Lungenfunktion (FEV1, CO-Transferfaktor) zur Abschätzung des Risikos für eine Pneumonektomie und Lobektomie ist in der folgenden Tabelle dargestellt. 

Die perioperativen Resektionsrisiken stehen in Relation zum absoluten prädiktiven postoperativen FEV1 [496], [511], [489], [512], [498], [513], [514]. Dies gilt analog für die entsprechenden Werte des CO-Transferfaktors [512], [483], [515], [484]. 

Ein prädiktives postoperatives FEV1 von 800 ml scheint für eine Resektionsbehandlung ausreichend zu sein [496]. Bei Pneumonektomie findet sich eine gute Korrelation des postoperativ gemessenen FEV1 ( %Soll) mit den präoperativ mittels Lungenfunktion und Perfusionszintigramm (Split-Lungenfunktion) berechneten Werten [479], [497], [498]. Nach Lobektomie findet sich zwar eine schlechtere, für klinische Zwecke aber ausreichend gute Korrelation dieser Werte [497], [516]. Eine alternative Methode beruht auf der Berücksichtigung der Zahl der zu resezierenden Segmente [471], [517], [499]. Diese mathematische Methode bedarf weiterer Evaluation, insbesondere hinsichtlich des Einflusses belüfteter und dystelektatischer Segmente im zu resezierenden Lungenabschnitt und der prognostischen Relevanz der auf diese Weise errechneten, postoperativen Funktionsdaten. Aktuelle klinische Studien lassen vermuten, dass die Berechnung der postoperativen Lungenfunktion mit Hilfe der quantitativen Analyse von zu resezierendem und verbleibendem Lungenvolumen aus standardisierten Datensät-zen der CT und MRT des Thorax anstelle der quantifizierten Perfusionsszintigraphie mit ebenso guten Resultaten möglich ist [518], [499], [519].  

Tabelle 28: Berechnung der postoperativen Lungenfunktion

Postoperatives FEV1 

Messungen:

präoperatives postbronchodilatorisches FEV1 (1) (sog. Präop. FEV1)

quatitative Lungenperfussionsszintigraphie 

Berechnung des postoperativen FEV1 (ppo FEV1):

Postop. FEV1 = präop. FEV1 x (100-prozentualer Anteil der Lungenperfusion des zu resizierenden Bereichs an der Gesamtperfusion).

Das kalkulierte postoperative FEV1 wird in Litern angegeben.

Transferfaktor:

Der postoperative Transferfaktor (ppoT(LCO)) wird analog der Berechnung des posoperativen FEV1 kalkuliert.

PBD = postbronchodilatorische Messung des FEV1 nach Inhalation von Bronchodilatatoren (400mikrogr Salbutamol plus/minus 0 mikrogr Ipratropiumbromid)

6.7.2.4 Schwellenwerte für postoperative prädiktive Werte

Für das postoperative FEV1 wird ein Wert von größer 800 ml bzw. über 30 % Soll als untere Grenze empfohlen [496], [471], [485], [507], [520], [521].

Für die TLCO wird gleichfalls ein Grenzwert von über 30 % Soll empfohlen [489], [483], [521].

Die aktuelle Literatur belegt, dass FEV1 und TLCO unabhängige Prognosefaktoren der perioperativen Morbidität und Letalität sind [489], [472], [486], [487].

6.7.3 Blutgase und Sauerstoffsättigung in Ruhe

Der Stellenwert des Sauerstoffpartialdruckes (PaO2) als Risikoindikator der funktionellen Operabilität ist unklar [492]. Werte zwischen 45 und 60 mmHg wurden mit erhöhtem Risiko in Verbindung gebracht [471], [493]. Eine Hypoxämie identifiziert zwar Risikopatienten, darf aber nicht als Ausschlusskriterium gewertet werden, da eine Verteilungsstörung oder ein pulmonaler Shunt vorliegen könnten, sodass die Resektion den Gasaustausch verbessern könnte. Aktuelle Studien zeigen, dass eine Hyperkapnie nicht unbedingt prädikativ für Komplikationen nach Resektion ist [494]. Dies trifft in besonderem Maße für Patienten mit erhaltener Atemmuskelfunktion und Belastungskapazität zu [473]. 

Ein höheres Risiko für postoperative Komplikationen liegt bei Patienten vor, die bereits eine Sauerstoffsättigung (SaO2) unter 90 % in Ruhe (entspricht einem PaO2 von zirka 60 mmHg) aufweisen oder unter Belastung um mehr als 4 % entsättigten [522], [523]. Allein der Abfall der Sauerstoffsättigung unter Belastung rechtfertigt nicht den Ausschluss von einer Thorakotomie [524]. 

6.7.4 Risikoabschätzung mittels Spiroergometrie

6.71 · Evidenzbasierte Empfehlung · ausgesetzt 2026

Zur Beurteilung des Operationsrisikos im Zusammenhang mit einer Lungenresektion sollte die Spiroergometrie als standardisierter Belastungstest eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Konsens
Konsens

Präoperative Werte des FEV1 von > 2 Liter und 80 % Soll und der TLCO von >60 % entsprechen einem normalen Risiko bis Pneumektomie. Postoperative FEV1–Werte ≥800 ml bzw. ≥30 %Soll in Kombination mit TLCO Werte ≥30 % Soll entsprechen bis zum kalkulierten Ausmaß der Resektion einem mittleren Risiko ([496], [471]) (Evidenzgrad 2b). 

Postoperative FEV1–Werte <800ml bzw. <30 %Soll und postoperative TLCO <30 %Soll entsprechen einem sehr hohen Risiko ([483], [489], [472], [486], [487], [507], [520], [485]) (Evidenzgrad 2b). 

Bei allen Patienten mit mittlerem oder noch höherem Risiko ist eine Spiroergometrie zur Risikoabschätzung durchzuführen ([493], [500], [501], [502], [491], [506], [485], [507]) (Evidenzgard 1b). 

Im deutschsprachigen Raum werden präoperative Belastungsuntersuchungen vorwiegend als Spiroergometrie durchgeführt [315], [525]. International sind wegen mangelnder Verfügbarkeit dieses Goldstandards alternativ sowohl der 6-Minuten Gehtest wie auch Treppensteigen in standardisierter Form gebräuchlich [517], [526], [507]. 

Zahlreiche Studien haben den Stellenwert der Spiroergometrie zur Risikostratifizierung vor Lungenresektion analysiert [493], [500], [501], [502], [485], [507]. Als Risikoindikator dient die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max). Zwei Studien ergaben ein erhöhtes perioperatives Morbiditäts – und Letalitätsrisiko für VO2max-Werte <15 ml/kg/min [503], [504], [506]. Andere Untersucher berichteten übereinstimmend von einem geringen perioperativen Risiko selbst für eine Pneumonektomie bei VO2max-Werten >20ml/kg/min oder >75 % Soll und ≥35 % postoperativ vorhergesagt [505], [503], [491], [506]. Ein hohes perioperatives Risiko selbst für eine Lobektomie findet sich bei VO2max-Werten <10ml/kg/min [527], [472], [491], [485], [507].

Spiroergometrische Untersuchungen zeigen, dass eine präoperative maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) >20ml/kg/min mit einem niedrigen perioperativen Risiko für alle Ausmaße von Lungenresektionen verbunden ist [505], [503], [491], [506], [485], [507] (Evidenzgrad 2b).

Eine VO2max >15 ml/kg/min geht mit einem mittleren Risiko für die perioperative Letalität und für Komplikationen einher. 

Eine VO2max unter 15 ml/kg/min weist auf ein hohes operatives/perioperatives Risiko hin [503], [504], [506]) (Evidenzgrad 3b).

Bei einer Sauerstoffaufnahme von <10 ml/kg/min besteht aufgrund der hohen Letalitätsrate grundsätzlich auch für eine Lobektomie Inoperabilität [505], [491], [507]) (Evidenzgrad 2b).

Das Management von Patienten mit mittlerem und hohem Risiko sollte in der interdisziplinären Konferenz zwischen Pneumologen, Thoraxchirurgen, Onkologen und Strahlentherapeuten besprochen werden (Evidenzgrad 5). 

6.7.5 Zerebro- und kardiovaskuläres Risiko

Koronare Herzkrankheit, zerebrovaskuläre Erkrankungen sowie periphere Durchblutungsstörungen stellen ein erhöhtes perioperatives Risiko dar [528], [487]. 

6.72 · Evidenzbasierte Empfehlung · ausgesetzt 2026

Vor einer geplanten Lungenresektion soll ein EKG aufgezeichnet werden.

Bei einem auffälligen kardialen Auskultationsbefund oder bei klinischen Zeichen der Herzinsuffizienz sollte eine Echokardiografie durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Konsens
Konsens
6.73 · Evidenzbasierte Empfehlung · ausgesetzt 2026

In den ersten 6 Wochen nach einem Myokardinfarkt sollte keine Lungenresektion durchgeführt werden.

Bei Patienten mit Myokardinfarkt in den zurückliegenden 6 Monaten vor einer geplanten Lungenresektion sollte eine kardiologische Untersuchung erfolgen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Konsens
Konsens
6.74 · Evidenzbasierte Empfehlung · ausgesetzt 2026

Vor geplanter Lungenresektion sollte bei Patienten mit Schlaganfall oder TIA in der Anamnese oder Strömungsgeräuschen über den Karotiden ein Karotis-Doppler- und eine Duplex-Sonographie durchgeführt werden. Bei symptomatischer oder hochgradiger, aber asymptomatischer Stenose (>70 %) der extrakraniellen hirnzuführenden Arterien sollte vor Lungenresektion eine interventionelle oder operative Behandlung der Stenose erwogen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Konsens
Konsens

6.7.5.1 Vorausgegangener Myokardinfarkt

Es gibt keine klinischen Untersuchungen zur Dauer des mindestens einzuhaltenden Intervalls zwischen einem akuten Myokardinfarkt und der geplanten Lungenresektion. Nach Expertenmeinung reicht eine Zeitspanne von mindestens 6 Wochen aus [471], [475]. Bei Lungenresektion in den ersten 6 Monaten nach Myokardinfarkt wird präoperativ grundsätzlich eine kardiologische Untersuchung (Basisprogramm: EKG, Echokardiographie) mit Risikoeinschätzung angeraten [471], [315]. 

6.7.5.2 Vorausgegangene aortokoronare Bypassoperation

Bei Lungenresektionen weisen Patienten mit Zustand nach erfolgreicher aortokoronarer Bypassoperation über mindestens 5 Jahre kein erhöhtes perioperatives Risiko auf, sofern nicht wieder Symptome einer koronaren Herzerkrankung oder Herzinsuffizienz auftreten [471].  

6.7.5.3 Präoperative Bewertung der kardiovaskulären Risiken

Das American College of Cardiology und die American Heart Association haben umfassende Empfehlungen für die klinische Vorhersage von perioperativen Risiken veröffentlicht [529]. Diese basieren auf klinischen Prädiktoren (siehe Tabelle unten), der Belastungstoleranz des Patienten und dem geplanten operativen Eingriff. Kürzlich veröffentlichte Studien haben die Bedeutung von multiplen Risikofaktoren hervorgehoben (siehe Tabelle unten) [530], [531].

6.7.5.4 Präoperative Bewertung zerebrovaskulärer Erkrankungen

Bei Patienten mit Schlaganfall oder TIA in der Anamnese existieren keine Daten über eine Häufung zerebrovaskulärer Komplikationen im Zusammenhang mit einer Lungenresektion, die wegen Lungenkrebs durchgeführt wurde. Das perioperative Risiko der Patienten könnte aber bei höhergradiger Karotis-Stenose erhöht sein [471]. Vor geplanter Lungenresektion sollte deshalb bei allen Patienten mit Schlaganfall oder TIA in der Anamnese oder mit Strömungsgeräuschen über den Karotiden ein Karotis-Doppler- und eine Duplex-Sonographie durchgeführt werden. Bei symptomatischer oder hochgradiger, aber asymptomatischer Stenose (>70 %) der extrakraniellen hirnzuführenden Arterien sollte vor Lungenresektion eine interventionelle oder operative Behandlung der Stenose diskutiert werden ([532], [528]) (Evidenzgrad 1b)  (Empfehlungsgrad B).

Tabelle 29: Klinische Prädiktoren eines erhöhten, perioperativen, kardiovaskulären Risikos. Modifiziert nach Eagle et al.

Hohes Risiko

Instabile oder schwere Angina pectoris:

  • kürzlicher Myokardinfarkt mit Hinweis auf ein bedeutendes ischämisches Risiko, basierend auf klinischen Symptomen
  • instabile oder schwere Angina

Dekompensierte Herzinsuffizienz
Signifikante Arrhythmien:

  • AV-Block II und III Grades
  • Symptomatische ventrikuläre Arrhythmien bei Vorliegen einer Herzinsuf-fizienz
  • Supraventikuläre Arrhythmien mit nicht kontrollierter Herzfrequenz
  • Schwerer Herzklappenfehler

 

Mittleres Risiko Leichte Angina pectoris
Vorhergehender Myokardinfarkt, basierend auf pathologischen Q-Zacken
Kompensierte Herzinsuffizienz
Diabetes mellitus mit Gefäßkomplikationen
Geringes Risiko Fortgeschrittenes Alter (>70 Jahre)
Abnormes EKG (linksventrikuläre Hypertrophie, Linksschenkelblock,
Kammerendteilveränderungen)
Fehlender Sinusrhythmus bei normfrequenter Kammeraktion (z.B. Vorhofflim-mern)
Geringe Belastbarkeit
Schlaganfall mit Residuen
Schlecht eingestellte arterielle Hypertonie
[529]

Tabelle 30: Bedeutung von multiplen Risikofaktoren

Risikofaktoren 
  • Hohes Operationsrisiko (einschließlich intrathorakal)
  • Ischämische Herzerkrankung
  • Herzinsuffizienz
  • Diabetes mellitus mit vorhandenen Komplikationen (Arteriosklerose mit Neuro- und Mikroangiopathie)
  • Kreatinin > 1,7mg%

Anzahl der Risikofaktoren

1

2

≥3 

Kardiale Hauptkomplikationen* 

1,1%

4,6%

9,7% 

modifiziert nach [471]

*Myokardinfarkt, Lungenödem, Vorhofflimmern, erstmalige kardiale Synkope, totaler AV-Block oder AV-Block III

Die Lungenoperation stellt alleine bereits einen Risikofaktor dar. Das Hinzutreten weiterer oben angeführter Erkrankungen erhöht die Letalität in Abhängigkeit von der Anzahl der Risikofaktoren.  

6.7.6 Ernährungs- und Leistungsstatus

Gewichtsverlust, schlechter Ernährungszustand und geringe körperliche Leistungsfähigkeit (WHO-Skala des Allgemeinbefindens oder ECOG-Skala) sind unabhängig mit einem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium und schlechter Prognose assoziiert [533], [471], [488], [534], [535]. Solche Patienten sind oftmals aufgrund von Metastasen oder einer lokal weit fortgeschrittenen Erkrankung inoperabel. 

6.7.6.1 Gewichtsverlust

Ein Gewichtsverlust von mehr als 10 % innerhalb von 6 bis 8 Wochen wird oftmals als klinisch und prognostisch relevant angegeben. Es liegen keine Studien vor, die den Gewichtsverlust als eigenständigen prädiktiven perioperativen Risikoindikator evaluiert haben.

6.7.6.2 Leistungsstatus

Es ist bekannt, dass die körperliche Leistungsfähigkeit (gemessen nach WHO, Karnofsky oder ECOG-Skala) mit der Prognose von Patienten mit Lungenkarzinom korreliert [471]. In einer Operationsserie von 331 Patienten war der Karnofsky-Index kein unabhängiger Prädiktor postoperativer Komplikationen, wobei in dieser Studie allerdings nur wenige Patienten mit geringer körperlicher Leistungsfähigkeit einer Operation unterzogen wurden [512].

6.7.7 Präoperative Bewertung sonstiger Risiken

Fortgesetztes Rauchen erhöht das perioperative Risiko von Lungenkarzinompatienten, bei denen im Rahmen der Lungenkarzinombehandlung eine Thorakotomie notwendig wird [510], [509]. Raucherberatung und Tabakentwöhnung sind präoperativ anzuraten. 

Bei Hinweisen auf das Vorliegen eines Alterssyndroms (Intelligenzabbau, Immobilität, Instabilität, Inkontinenz und Impairment) besteht die Indikation für ein geriatrisches Screening - und Basis-Assessment [478].

Algorithmus zur Beurteilung der Operabilität für lungenresezierende Eingriffe
Algorithmus zur Beurteilung der Operabilität für lungenresezierende Eingriffe

Evidenztabellen

FDG-PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium

Fragestellung 7: FDG-PET-Diagnostik  bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium („extensive disease“) zur  Bestimmung des Tumorstadiums und der Detektion von Fernmetastasen

Es konnten 3 systematische Übersichten (Martucci 2019 (24), Mitchell 2016 (25), Wu 2017 (26)) und 1 RCT, welche die diagnostische Genauigkeit und Wirksamkeit hinsichtlich der Therapieplanung und der Verbesserung relevanter Endpunkte einer FDG-PET-Diagnostik zur Bestimmung des Tumorstadiums und der Detektion von Fernmetastasen bei Patienten mit Verdacht auf Fernmetastasen identifiziert werden. Die methodische Qualität dieser Arbeiten wurde in Tabelle 17  bewertet. 

 abelle 17: Methodische Bewertung der systematischen Übersichten zur Beurteilung einer FDG-PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom und Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium einer extended disease

Studie

Proto-koll

Suche

Doppelte Auswahl

Doppelte Extraktion

Ausge-

schlossene Studien

Bewertung VZP

Meta-analysen

Einfluss VZP

Publikations-bias

Martucci 2019

La

J

J

K

J

K

J

J

Kb

Mitchell 2016

J

J

J

J

J

J

Lc

J

L c

Wu 2017

L

J

J

K

J

J

J

J

J

J: niedriges Verzerrungsrisiko, K: Bewertung mit unklar, L: hohes Verzerrungsrisiko

a: review was registered on the online database PROSPERO after submission of the publication

b: very small sample size (6 studies)

c: meta-analysis was planned with adequate methods, but not conducted due to heterogeneity

VZP: Verzerrungspotential

 

Die systematische Übersichtsarbeiten von Matucci 2019, Mitchell 2016 und Wu basieren auf einer systematischen Suche im Juni 2016, Juni 2015 und Januar 2017 in 3-5  Datenbanken und schließen 9, 7  und 9 Studien ein.

Die Arbeiten berichten Informationen zur diagnostischen Genauigkeit (Matucci 2019, Mitchell 2016, Wu 2017), therapierelevanten Änderung im Staging (Matucci 2016) und Überleben (Matucci 2016) in Abhängigkeit vom Einsatz einer PET-CT-Untersuchung bei Patienten mit SCLC (Matucci 2019, Mitchell 2016) bzw. Lungenkarzinom ohne Subtypisierung (Wu 2017). 

Die Evidenz wurde mit dem Evidenzgrad 1a- (Matucci 2019) und 2a (Mitchell 2016, Wu 2017) bewertet. Abwertungen basieren auf Inkonsistenz, Studienlimitationen und geringer Präzision und werden in Tabelle 18 zusammenfassend beschrieben. .

Zusätzlich wurde eine monozentrisch in der Schweiz in den Jahren 2011 bis 2014 durchgeführte Studie identifiziert, in welcher 98 Patienten mit NSCLC mit kurativer Behandlung in einer 2-jährigen Nachbeobachtungszeit bei radiologisch auffälligen Befunden einer PET-CT oder CT- Diagnostik zugeordnet wurden. Es werden Ergebnisse zur Häufigkeit von Befunden und zur diagnostischen Genauigkeit berichtet. Der Evidenzgrad wurde aufgrund der geringen Studiengröße und der daher eingeschränkten Genauigkeit der Ergebnisse mit 1b- bewertet.

Tabelle 18: Evidenztabelle zur diagnostischen Genauigkeit einer FDG- PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium („extensive disease“) (Fragestellung 7)

Referenz

Zeitraum

Studientyp

Zielstellung

 

Teilnehmer

(Anzahl  und Charakteristika)

Indextest

Referenztest

Zielgröße(n)

Hauptergebnisse

(Index vs. Referenztest); Effekt (95% KI)

Evidenzgrad (OCEBM)

Gambazzi 2019

(27)

ISRCTN 16281786

Switzerland

Screening of patients 10/2011 to 08/2014

RCT

diagnostic performance of PET-CT with contrast-enhanced CT (CE-CT) of the chest in post-treatment surveillance of NCSCL patients

Inclusion criteria:

·  patients with NSCLC ≥ 18 years

·  18F-FDG–PET–positive tumor

·  tumor stage I to III (or IV, if patients presented with solitary, completely resected brain metastases)

·  had completed a curative-intent treatment for NSCLC (anatomic surgical lung resection alone or + neoadjuvant chemotherapy or + adjuvant chemotherapy, or + radiotherapy/ chemotherapy alone

Exclusion criteria:

·      insufficient knowledge of the German language,  impaired kidney function (glomerular filtration rate <30 mL/min)

n=98

median age: older with PET-CT 67 (IQR 61-74) vs. 61 (IQR 56-70)

males: 70 %

COPD: 49 %

adenocarcinoma: 64 %

squamous cell carcinoma: 34 %

NSCLC I/II/III/IV: 46/29/21/3 %

therapy:

surgery alone: 62.5 %

surgery+adjuvant CTX: 20%

surgery+neoadjuvant CTX: 9 %

RTX:3 %

During 2 years of follow-up: clinical examination and imaging procedure  at 6-month intervals

in case of radiologic suspicion of cancer recurrence, the patient completed the study and underwent a diagnostic workup:

 PET-CT (5 MBq/kg body weight with a Biograph MCT) + low-dose CT for attenuation correction of the PET images (n=50)

vs.

contrast-enhanced CT (CE-CT) of the chest (64 or a 320 detector-row CT scanner) (n=46)

+ nonscheduled brain CT, bronchoscopy, or therapeutic-intent surgical intervention

in case of no suspicious radiologic finding but symptoms of recurrence between scheduled imaging scans completed the study as well and underwent a diagnostic workup

Study termination at 24 months without a suspicious radiologic finding

if scheduled imaging shows a suspicious radiologic finding:

Diagnostic workup reveals no cancer

Diagnostic workup reveals cancer recurrence

Symptomatic recurrence before first scheduled imaging

Symptomatic recurrence between scheduled imaging

 

Diagnostic performance:

Sensitivity

Specificity

Positive predictive value

130 surveillance PET-CTs vs.  138 surveillance CE-CTs were performed

No differences between clinical outcomes:

·   Study termination at 24 months without a suspicious radiologic finding: 36 vs. 46 % (p=0.336)

·   No cancer after diagnostic work-up of suspicious radiologic finding: 22 vs. 17% (p=0.571)

·   Diagnosis of cancer recurrence after diagnostic work-up: 28 vs. 30% (p=0.793)

·   Symptomatic recurrence before first scheduled imaging: 10 vs. 4% (p=0.287)

·   Symptomatic recurrence between scheduled imaging: 4 vs. 2% (p=0.607)

·   Time to suspicious radiologic finding: no difference (p=0.528)

No difference in diagnostic performance

·   Sensitivity: 88 % (95%-CI 62 to 98) vs. 93 % (95%-CI 68 to 100)

·   Specificity: 62 % (95%-CI 42 to 79) vs. 72 % (95%-CI 53 to 87)

·   Positive predictive value: 56 % (95%-CI 35 to 76) vs. 64 % (95%-CI 41 to 83)

·    

 

 

1b-

Abwertung aufgrund geringer Präzision der Ergebnisse

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “In summary, the results of our randomized pilot study suggest that PET-CT is not superior to CE-CT in detecting cancer recurrence during the 2 years after curative-intent treatment of NSCLC. Sensitivity, specificity, and positive predictive value were comparable between the two imaging procedures. In addition, the number of potentially curable recurrences was similar in the two groups. If imaging investigations are discussed at an interdisciplinary board, both methods may thus have a similar performance in post-therapeutic surveillance of lung cancer. Considering the substantially higher costs associated with PET-CT compared with CECT, the latter appears to be the preferred option for routine surveillance (at least short-term) after curative intent treatment of NSCLC. However, some patients with a specific tumor stage or histopathology may require PET-CT follow-up based on their individual characteristics“

Schlussfolgerung des Begutachters: Randomisierte kontrollierte Pilotstudie mit moderatem Verzerrungspotential (fehlende Informationen zur Zuweisung der Behandlung, keine Verblindung der Patienten, Ärzte und Endpunkterfasser), registriertes Protokoll, alle geplanten Endpunkte werden berichtet, kein Drop-out), welche Ergebnisse zu klinischen Endpunkten und zur diagnostische Güte einer Nachbeobachtung von insgesamt 96  Patienten mit kurativer Behandlung eines NSCLC über 2 Jahre berichtet (aufgrund der kleinen Fallzahl Abwertung aufgrund geringer Präzision).

Matucci 2019

(24)

Search until 06/2019

Systematic Review

treatment decision from staging and diagnostic accuracy

of molecular imaging using 18F-FDG PET/CT in staging

patients with SCLC

Inclusion criteria:

·      patients with histologically proven SCLC;

·       18F-FDG PET/CT performed for disease staging compared to staging without 18F-FDG PET/CT

Exclusion criteria:

o   Use of 18F-FDG PET only without hybrid technology for staging,

o   studies evaluating the prognostic value of 18F-FDG PET/CT or its use for radiotherapy planning

o   articles evaluating the role of 18F-FDG PET/CT for treatment response assessment or restaging after treatment

o   review articles, letters, comments, editorials, conference proceedings

·      case reports or small case series.

Search in 3 databases

N=9 (1 RCT, 2 prospective, 6 retrospective)

1 multicenter, 8 single center

n=791 patients (23 to 309)

median age: 58 to 69.6 years

males: 22 to 90 %

Quality assessment (QUADAS-2 (4)):

·   bias in reference standard judged as high in 6 studies

·   bias in patient selection high in 3 studies

with no explanations

18F-FDG PET/CT performed for disease staging

vs.

Staging without 18F-FDG PET/CT (e.g., using conventional imaging methods:

contrast-enhanced CT or bone scintigraphy)

composite reference standard:  histology, further imaging, or  clinical /biochemical follow-up

Primary outcome: Change of binary SCLC staging using 18F-FDG PET/CT (number of SCLC patients with a change of staging obtained by 18F-FDG PET/CT (upstaging from limited to extended stage disease or downstaging) / overall number of SCLC patients who underwent the 18F-FDG PET/CT scan)

secondary outcomes:

Diagnostic accuracy

Survival

Diagnostic accuracy (N=3):

·    better in all studies with PET/CT:

·    prospective studies: 57/59 (96.6 %) vs. 54/59 (91.5 %) 19/20 (95 %) vs. 17/20 (85 %)

·    retrospective study: 23/23 (100 %) vs. 18/23 (78.3 %)

Change of binary SCLS staging (N=6, n=277):

·    range from 5.1 to 21.7 % with a pooled value of 15 % (95%-CI 9 to 21) with moderate heterogeneity between results of different studies (I2=50 %)

·    with lower change in prospective vs. retrospective studies: 11 % (95%-CI 2 to 25) vs. 17 % (95%-CI 12 to 23)

Survival (N=1 RCT, n=309): difference in survival was not shown

 

 

1a-

Abwertung aufgrund von Inkonsistenz

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “ 18F-FDG PET/CT is a very useful imaging method in staging SCLC patients, as it may change the binary SCLC stage, resulting in change of therapeutic management, in ∼15% of cases. Further well-designed studies on the use of this hybrid imaging method for SCLC staging are needed.”

Schlussfolgerung des Begutachters: Systematische Übersicht mit geringen Einschränkungen der Qualität (Registrierung des Protokolls erst bei Einreichung, keine Beschreibung des Vorgehens bei Datenextraktion und Qualitätsbewertung, Schwierigkeit der Interpretation von Tests auf Publikationsbias bei 6 Studien), welche Therapieänderungen und diagnostische Güte einer PET-CT-Untersuchung zur Differenzierung zwischen limited (confined to the ipsilateral hemithorax including contralateral mediastinal and ipsilateral supraclavicular lymph nodal metastases and can be included within a radiation field). und extended stage disease (spread beyond the ipsilateral hemithorax including hematogenous metastases and malignant pleural or pericardial effusion) beschreibt.  Die Übersichtsarbeit schließt insgesamt 9 Studien ein (davon 1 RCT und 2 weitere prospektive Kohortenstudien). In die Metaanalyse zur Häufigkeit des Therapiewechsels gehen Ergebnisse aus 6 Studien ein, deren moderate Heterogenität zwischen den Ergebnissen der Einzelstudien nur teilweise erklärt werden konnte (daher Abwertung aufgrund von Inkonsistenz).

Mitchell 2016

(25)

Search from 2000 to 06/2015

Systematic Review

assessment for the efficacy and diagnostic performance of different imaging modalities for the pre-treatment staging of SCLC

 

Inclusion criteria:

o   full-text article in a  peer-reviewed, published 2000 to 2014

o   diagnostic performance: comparison to a common reference standard.

o   comparative effectiveness:  different tests or test strategies must have been given to separate groups of patients.

o   ≥ 85% of patients must have been undergoing staging for SCLC.

o   ≥  85% of patients must have been ≥  18 (or separate reporting)

o   CT performed on a multidetector scanner.

o   PET/CT must have been performed on an integrated PET/CT device

o   ≥ 10 patients per imaging test or test strategy participated.

o   Data reported for ≥  50% of the patients initially enrolled.

o   diagnostic performance:  sufficient data to allow calculation of sensitivity and specificity with their 95%-CI

o   comparative effectiveness:  the choice and/or timeliness of treatment or the outcomes of treatment must be reported for each study group.

Exclusion criteria:

o   Studies for the staging of recurrent SCLC

o   Data on imaging tests performed after any form of treatment

Search in 3 databases

N=7

Quality assessment (modified QUADAS-2 (4)):

presence of metastases to osseous structures

Any direct comparisons of imaging tests  or any combination:

• MDCT

• PET/CT

• MRI

• PET/MRI

• EBUS

• EUS-FNA

• Bone scintigraphy

 

Test concordance

diagnostic accuracy: Sensitivity  Specificity  Positive-predictive value, Negative-predictive value  Positive or negative likelihood ratio

Choice of treatment (eg, surgery, chemotherapy, or radiation)

Timeliness of treatment

Tumor response

Harms due to overtreatment or undertreatment

 Survival

 Quality of life

Presence of metastases to osseous structures:

PET-CT vs. scintigraphy (N=2 with moderate risk of bias, n=123, GRADE: low):

·    Sensitivity: favours PET/CT: 100 (95%-CI 88 to 100) vs. 37 % (95%-CI 22 to 55), but no difference in second study

·    Specificity: no difference in first study, favours PET-CT in second study: 100 (95%-CI 83 to 100) vs. 58% (95%-CI 26 to 77)

·    PET/CT is more sensitive than scintigraphy

PET-CT vs. CT (N=1 with moderate risk of bias, n=29, GRADE: low):

·    Sensitivity: favours PET/CT: 80 (95%-CI 49 to 94) vs. 30 (95%-CI 11 to 60)

·    specificity = 100% in both groups

·    PET/CT more sensitive than CT

 

Presence of any distant metastases:

PET/CT vs. standard staging (N=1 with high risk of bias, n=73):

 

·    Sensitivity: 92 (95%-CI 76 to 98) vs. 46 % (29 to 65)

·    Specificity: 96 (95%-CI 92 to 100) vs. 100 % (95%-CI 86 to 99)

·    Standard staging plus PET/CT is more sensitive than standard staging alone (GRADE: low)

 

2a

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen und geringer Präzision

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “First, compared to MDCT and bone scintigraphy (imaging modalities commonly used for staging), FDGPET/CT is more sensitive for detecting osseous metastases in patients with SCLC.

Second, for patients with SCLC who have undergone standard staging, the addition of FDGPET/CT increases sensitivity for detecting distant metastases.

Due to the sparse evidence available, we were unable to draw conclusions about the comparative specificity of FDGPET/CT compared to these other modalities. “

…"Our results suggest potential resource implications. Although FDG-PET/CT may be more expensive than CT and bone scintigraphy, some patients may undergo all three tests

when being evaluated for osseous and other distant metastases outside the brain. Based on the current review of literature, we determine that eliminating routine use of bone scintigraphy from SCLC staging protocols in favor FDG-PET/CT could potentially result in significant cost savings without loss of sensitivity.“

Schlussfolgerung des Begutachters: Systematische Übersicht mit geringen Einschränkungen der methodischen Qualität, welche sich aus der sehr breiten Fragestellung (Bildgebung zum Staging vor der Behandlung bei SCLC) ergeben (geringe Anzahl von Studien zu heterogenen Themen). Es lagen ausschließlich Ergebnisse zur diagnostischen Genauigkeit vor, von diesen wurden die Ergebnisse extrahiert, aus denen sich Schlussfolgerungen zum Einsatz einer PET-CT ergeben. Ergebnisse zur Differenzierung von limited und extended disease wurden nicht extrahiert, da die Studie in Matucci 2020 eingeschlossen wurde. Die Autoren bewerten den Evidenzgrad mit low (2 Abwertungsstufen). Abwertungen basieren auf dem moderaten Verzerrungspotential in den Studien und der geringen Präzision der Ergebnisse.

Wu 2017

(26)

Search until 01/2017

Systematic Review

diagnostic accuracy of 18F-FDG PET/CT for the detection of adrenal metastasis in lung cancer

 

Inclusion criteria:

·  studies or subsets in studies on the diagnostic performance of 18F-FDG PET/CT in the assessment of adrenal mass in lung cancer

·  studies that used histopathologic examination and/or close clinical and radiologic follow-up for ≥ 6 months as the reference standard for confirmation of malignant or benign adrenal masses

·  for per-lesion statistics, sufficient information to calculate the true-positive (TP), false-positive (FP), true- negative (TN), and false-negative (FN) values

 

Exclusion criteria:

·  non-original research articles with limited data, such as letters, case reports, reviews, comments, and conference abstracts

·  studies with potentially over- lapping data

·  studies with < 10 analyzable lesions

Search in 5 databases

Inclusion of N=9 studies ( 1 prospective, 8 retrospective, 3 with consecutive recruitment)

n=707 patients (with n=810 adrenal masses from lung cancer; benign: 50.7%; metastatic: 49.3%

Quality assessment (QUADAS (28)): QUADAS scores> 10: N=6 no conclusive evidence of a threshold effect for 18F-FDG PET/CT

 

18F-FDG PET/CT

For diagnostic accuracy of adrenal mass in lung cancer

 

vs.

 

Biopsy/ Radiological Follow-Up

Sensitivity

Specificity

Positive likelihood ratio

Negative likelihood ratio

Diagnostic odds ratio

 

Sensitivity:

·    range from 71 to 97 % with a pooled value of 88.7 % (95%-CI 85.2 to 91.7) and substantial heterogeneity between results of different studies (I2=80.8 %)

·    and no differences depending on sample size, consecutive patient recruitment or QUADAS-score

Specificity:

·    range from 81 to 100 % with a pooled value of 90.8 % (95%-CI 87.5 to 93.4) and small heterogeneity between results of different studies (I2=26.4 %)

·    and no differences depending on sample size, consecutive patient recruitment or QUADAS-score

 

Positive Likelihood Ratio: 8.552 (95%-CI 6.197–11.802) and small heterogeneity between results of different studies (I2=9.7 %)

Negative Likelihood Ratio: 0.090 (95%- CI 0.039–0.211) and substantial heterogeneity between results of different studies (I2=83.9 %)

Diagnostic odds ratio: 96.825 (95%-CI 40.402 to 232.05)

 

2a

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen und Inkonsistenzen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: „Our study showed that 18F-FDG PET/CT plays a vital role in the differentiation of adrenal metastasis from a benign adrenal mass in lung cancer patients, with excellent diagnostic performance. The literature focusing on the use of 18F-FDG PET/CT in this setting still remains limited to retrospective studies and prospective studies are needed in future.“

 

Schlussfolgerung des Begutachters: Systematische Übersichtsarbeit mit geringer Einschränkung der Qualität (kein Studienprotokoll, unklare doppelte Studienextraktion, keine Ausführliche Darstellung des Verzerrungsrisikos der eingeschlossenen Studien, trotz Nutzung eines passenden Tools). Die Anwendbarkeit von 18F-FDG PET/CT für die Diagnose und Differenzierung von benignen und metastatischen Nebennierentumoren bei Lungenkarzinom wurde bewertet. Es wurden 9 Studien (davon 8 retrospektiv) mit 707 Patienten und 810 Proben eingeschlossen. 18F-FDG PET/CT stellt mit einer Sensitivität von 89 % (95%-KI 85 - 92) und einer Spezifität von 91 (95%-KI 88 - 93) ein gutes Mittel zur Diagnostik dar, wobei die Ergebnisse der Studien eine bedeutsame Heterogenität aufweisen (daher Abwertung aufgrund von Inkonsistenzen) Es erfolgte eine Abwertung aufgrund von Studienlimitationen da die Ergebnisse zum Großteil auf retrospektiven Studien basieren und genauere Angaben zum Verzerrungsrisiko fehlen.

CI: confidence interval; DWI: Diffusion weighted imaging; CT: N: number of studies; n: number of participants; NSCLC: Non-small cell lung cancer;  OR: Odds Ratio; RoB: Risk of bias; RR: Relatives Risiko


Referenzen

 

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