Leitlinienprogramm OnkologieLungenkarzinom

5. Früherkennung des Lungenkarzinoms – Lungenkarzinom

Version 5.1 · Juli 2026 · AWMF 020-007OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

5.1 Bildgebende Verfahren

5.1.1 Einleitung

Die späte Diagnose ist mitverantwortlich für die hohe Sterblichkeit an einem Lungenkarzinom. Die Notwendigkeit eines Früherkennungsprogramms ist daher unumstritten. Während hierfür im letzten Jahrhundert zunächst die Effektivität regelmäßiger Röntgen Thorax-Untersuchungen letztendlich ohne evidenten Nutzen untersucht wurde, kam mit der Einführung der Computertomographie (CT) und insbesondere der dosisreduzierten helikalen Spiral-CT als sehr sensitiver Methode zur Detektion auch kleiner Lungenrundherde in den 1990er Jahren erneut Interesse an der radiologischen Früherkennung von Lungenkarzinomen auf. Frühe, nicht randomisierte CT-Studien konnten die Machbarkeit einer Früherkennung von Lungenkarzinomen nachweisen. Anfang der 2000er initiierten mehrere Arbeitsgruppen in den USA und in Europa eine Reihe großer randomisiert-kontrollierter Studien zur Lungenkrebs-Früherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie (CT), deren Ergebnisse auch unter Einbezug der Nachbeobachtungsintervalle bereits seit einigen Jahren als Vollpublikationen vorliegen. Auf der Ebene der Europäischen Union (EU) resultierte die wissenschaftliche Nutzen-Risiko-Abwägung in Form eines systematischen Reviews aller randomisiert-kontrollierten Studien durch das von der EU-Kommission beauftragte Konsortium Science Advice for Policy by European Academies (SAPEA) vom März 2022 in einer starken Empfehlung zur Etablierung von Lungenkrebsfrüherkennungs-Programmen mittels Niedrigdosis-CT bei Rauchern und Ex-Rauchern mit hohem Lungenkarzinom-Risiko (auf der Basis von Alter und Tabakrauchexposition als Risikokriterien) innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten [Science Advice for Policy by European Academies (SAPEA). Improving cancer screening in the European Union: Evidence review report (1.0). SAPEA, Berlin, 2022; European Commission: Directorate-General for Research and Innovation, Group of Chief Scientific Advisors. Cancer screening in the European Union.  2022 02.03.2022 [cited 2025 03.02.2025]; Available from: https://data.europa.eu/doi/10.2777/867180]. Im Dezember 2022 empfahl der EU-Rat in seiner überarbeiteten Empfehlung zur Krebsfrüherkennung die schrittweise Evaluation einer Implementierung von Lungenkrebsfrüherkennungs-Programmen mittels Niedrigdosis-CT in Risikopopulationen [Council Recommendation of 9 December 2022 on strengthening prevention through early detection: A new EU approach on cancer screening replacing Council Recommendation 2003/878/EC 2022/C 473/01 (OJ C, C/473, 13.12.2022, p. 1, CELEX: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:32022H1213(01)]

5.1.2 Röntgen Thorax-Übersicht, allein oder in Kombination mit zytologischen Sputumuntersuchungen

5.1 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei asymptomatischen Risikopersonen für ein Lungenkarzinom soll eine Früherkennung mittels Thoraxübersichtsaufnahmen allein oder in Kombination mit zytologischen Sputumuntersuchungen nicht erfolgen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[175]

Hintergrund

Studien zur Früherkennung von Lungenkarzinomen bei Risikopersonen mit bildgebenden Verfahren wurden zunächst unter Einsatz der Röntgenthoraxübersichtsaufnahmen bei starken Rauchern in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts durchgeführt. In randomisierten multizentrischen Studien in den USA [176], [177], [178], [179] und der damaligen Tschechoslowakei [180] wurde die Thoraxübersichtsaufnahme allein sowie in Kombination mit zytologischen Sputumuntersuchungen eingesetzt. Die US-amerikanische PLCO-Studie (Prostate, Lung, Colorectal, Ovarian (PLCO) Cancer Screening Trial) war darunter mit 154.934 Teilnehmern die größte randomisiert-kontrollierte Studie. Es wurden Raucher und Nichtraucher im Alter von 55-74 Jahre eingeschlossen. Die Mortalitäts-Daten wurden 2011 publiziert [181] und fanden mit Daten acht weiterer Studien (mit insgesamt 453.965 Probanden) Eingang in ein Cochrane-Review [175]. Jährliche Röntgenthorax-Übersichten über 4 Jahre und eine Nachbeobachtung von 13 Jahren führten in der PLCO-Studie nicht zu einer Reduktion der Lungenkarzinom-Sterblichkeit im Vergleich zur Standard-Versorgung (RR 0.99, 95% CI 0.91 bis 1.07). In der Metaanalyse und dem Vergleich verschieden intensiver Screeningkonzepte zeigte sich eine statistisch nicht signifikant erhöhte Lungenkarzinom-Sterblichkeit um 11% (RR 1.11, 95% CI 1.00 bis 1.23) bei intensiverem Screening mittels Röntgenthorax-Übersichten im Vergleich zu weniger intensivem Screening. Wenn jährliche Röntgenthorax-Übersichten mit einer zytologischen Sputumuntersuchung kombiniert wurden, war ein statistisch ebenfalls nicht signifikanter Trend zu einer reduzierten Lungenkarzinom-Sterblichkeit (RR 0.88, 95% CI 0.74 bis 1.03) im Vergleich zu alleinigen jährlichen Röntgenthorax-Übersichten zu beobachten.

5.1.3 Niedrigdosis-Computertomographie des Thorax

Die durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) am 17. Mai 2024 veröffentlichte und am 1. Juli 2024 in Kraft getretene Verordnung über die Zulässigkeit der Anwendung der Niedrigdosis-Computertomographie zur Früherkennung von Lungenkrebs bei rauchenden Personen (Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung – LuKrFrühErkV) gibt den gesetzlichen Rahmen zur sicheren Anwendung der Niedrigdosis-CT zur Früherkennung von Lungenkarzinomen in einem definierten Kollektiv von Personen mit einem hohen Risiko für die Ausbildung von Lungenkarzinomen aus Strahlenschutz-Sicht vor https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2024/162/VO.html.

Gleichzeitig bildet die LuKrFrühErkV die Basis für die derzeit durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Erarbeitung befindliche Änderung der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (KFE-RL) zur Einführung der Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie bei Rauchern.

Die LuKrFrühErkV macht gesetzlich verbindliche Vorgaben für die ärztliche Behandlung im Rahmen der Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-CT in Deutschland, die in Tabelle 10 gelistet sind.

Tabelle 11: Gesetzliche Vorgaben in der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung (LuKrFrühErkV) für die ärztliche Behandlung im Rahmen der Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-CT in Deutschland

Gesetzliche Vorgaben in der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung (LuKrFrühErkV)

Paragraph in der LuKrFrühErkV

Zulässigkeit von Untersuchungen zur Lungenkrebsfrüherkennung anhand von Alter, Tabakrauchexposition, Dauer der Nikotinkarenz und des medizinischen Eignungsprofils sowie Notwendigkeit eines Berichts zur Eignungsprüfung und Information von Teilnehmern

§ 2

Prüfung der Zulässigkeitsvoraussetzung und Stellung der rechtfertigenden Indikation durch Radiologen auf der Basis des Berichts zur Eignungsprüfung nach § 2

§ 3

Anforderungen an CT-Scanner, Befundarbeitsplatz, Durchführung der Untersuchung und Software zur computerassistierten Detektion

§ 4

Befundung der Untersuchung mit Erst- und Zweitbefunder Prinzip, jeweils unter Einbeziehung einer Software zur computerassistierten Detektion

§ 5

Anforderungen an das ärztliche Personal: a) Ärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Arbeitsmedizin (Eignungsprüfung mit Berichterstellung gemäß § 2), b) Radiologen (Erst- und Zweitbefunder mit jeweils Mindestuntersuchungszahlen)

§ 6

Ärztliche Qualitätssicherung

§ 7

Unsere nachfolgenden Leitlinien-Empfehlungen ergänzen die Vorgaben der LuKrFrühErkV. Gleichzeitig weisen wir in dem Hintergrundtext auf neue wissenschaftliche Evidenz zur weiteren Optimierung von strukturierten Programmen zur Lungenkrebsfrüherkennung mit Niedrigdosis-CT hin, die bei dem LuKrFrühErkV-Erstellungsprozess noch nicht bewertet bzw. einbezogen wurden. Diese neue Evidenz bezieht sich vorrangig auf die Steigerung des Nutzens durch Einbezug von Risikomodellen, detaillierte Nutzen-Risiko-Betrachtungen in Subgruppen sowie den Verzicht auf das Nikotinkarenz-Kriterium bei der Zulässigkeit von Untersuchungen zur Lungenkrebsfrüherkennung.

5.2 · Evidenzbasiertes Statement · geprüft 2026
Asymptomatische Risikopersonen für ein Lungenkarzinom, definiert durch:
  • ein Alter zwischen 50 und höchstens 75 Jahren
  • einer Raucheranamnese von ≥ 15 Zigaretten/Tag für mindestens 25 Jahre oder ≥ 10 Zigaretten pro Tag für mindestens 30 Jahre * sowie
  • fehlender bzw. weniger als 10-jähriger Nikotinkarenz **
profitieren in der Regel von einem strukturierten Lungenkarzinom-Früherkennungsprogramm mittels jährlicher Niedrigdosis-CT-Untersuchungen.
*In den gesetzlich verbindlichen Zulässigkeitsvoraussetzungen der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung wurde die in NELSON und LUSI verwendeten Kriterien der Tabakrauch Exposition zu „ein Zigarettenkonsum mit einer Dauer von mindestens 25 Jahren … und von mindestens 15 Packungsjahren“ zusammengefasst.
** Neue Evidenz konnte bereits zeigen, dass durch den Verzicht auf das Nikotinkarenz-Kriterium Niedrigdosis-CT-Lungenkrebs-Screeningprogramme weiter optimiert werden können.
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[182] [183] [184]
ÄnderungshinweisAsymptomatische Risikopersonen für ein Lungenkarzinom, definiert durch: ein Alter zwischen 50 und höchstens 75 Jahren einer Raucheranamnese von ≥ 15 Zigaretten/Tag für mindestens 25 Jahre oder ≥ 10 Zigaretten pro Tag für mindestens 30 Jahre sowie fehlender bzw. weniger als 10-jähriger Nikotinkarenz profitieren von einem strukturierten Lungenkarzinom-Früherkennungsprogramm mittels jährlicher Low-Dose-CT-Untersuchungen. Die genauen Rahmenbedingungen sind noch durch das Bundesumweltministerium, den Gemeinsamen Bundesausschuss und evtl. weitere Fachkreise festzulegen
5.3 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Nutzen und Risiken von Lungenkrebs-Screening hängen vorrangig von den beiden Faktoren Lungenkrebsrisiko und verbleibender Lebenserwartung ab. Diesbzgl. erscheinen die derzeitigen in der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung benannten Einschluss-Kriterien zwar gangbar, aber nicht optimal. Daher sollte die Gültigkeit der Einschluss-Kriterien in der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung auf der Basis neuer Evidenz (u.a. Risikomodelle, Subgruppenanalysen) in mindestens dreijährigen Intervallen geprüft und bei hinreichender Evidenz angepasst werden.

Konsens
Starker Konsens (98%)
5.4 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Gemäß § 2 und § 6 Abs. 3 der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung erfolgt die Erfassung des Lungenkrebs-Risikos auf der Basis von Alter und Tabakrauchexposition und des medizinischen Eignungsprofils sowie Information bei potenziellen Teilnehmern gesetzlich verbindlich durch qualifizierte Ärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Arbeitsmedizin.

Die Erfassung des Lungenkrebs-Risikos und des medizinischen Eignungsprofils bei potenziellen Teilnehmern einer Niedrigdosis-CT-Lungenkrebs-Früherkennungsmaßnahme sollte niederschwellig (z. B. auch telemedizinisch) auf der Basis der Anamnese und schon bekannter Vorerkrankungen erfolgen.

Weitergehende Untersuchungen im Kontext der Lungenkrebs-Früherkennung sollten bei den in der Regel asymptomatischen Personen vermieden werden.

Konsens
Starker Konsens (98%)
5.5 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Das wesentliche Ziel der Erfassung des medizinischen Eignungsprofils gemäß § 2 Abs. 1 Satz 3 der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung durch qualifizierte Ärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Arbeitsmedizin ist der Einschluss von Teilnehmern in eine Niedrigdosis-CT-Lungenkrebs-Früherkennungsmaßnahme, die für eine kurativ intendierte Lungenkrebs-Behandlung geeignet sind.

Gleichzeitig sollten hierdurch ungeeignete Personen von der Teilnahme ausgeschlossen werden, bei denen auf Grund einer geringen verbleibenden Lebenserwartung und daher einem hohen individuellen Risiko für Überdiagnosen und Übertherapien kein positives Nutzen-Risiken-Verhältnis vorliegt.

Während die aktuell noch unzureichende Evidenz keine Definition von eindeutigen Ausschlusskriterien in Bezug auf die medizinische Eignung erlaubt, sollten die qualifizierten Ärzte bei der Eignungsprüfung Personen mit einem höheren Lebensalter (Alter ≥70 Jahre) und/oder einer hohen Komorbiditätslast auf das erhöhte Risiko durch Überdiagnosen und Übertherapien hinweisen.

Konsens
Starker Konsens (96%)
5.6 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Qualifizierte Ärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Arbeitsmedizin sollten bei Teilnehmern nach erstmaliger Durchführung einer Niedrigdosis-CT-Lungenkrebs-Früherkennungsmaßnahme bis zu einem Alter von 70 Jahren alle 5 Jahre sowie im Alter von 70 bis 75 Jahren mindestens alle 3 Jahre eine erneute Überprüfung des medizinischen Eignungsprofils gemäß § 2 Abs. 1 Satz 3 der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung durchführen, ggf. vorgezogen bei Bekanntwerden einer neuen hohen Komorbiditätslast.

Bei einem Lebensalter der Teilnehmer von ≥70 Jahre und/oder einer neu aufgetretenen bzw. fortbestehenden hohen Komorbiditätslast sollten die qualifizierten Ärzte die Teilnehmer auf das erhöhte Risiko durch Überdiagnosen und Übertherapien hinweisen.

Konsens
Starker Konsens (98%)
5.7 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Rauchenden Patientinnen und Patienten, die sich einem Screening auf Lungenkarzinom unterziehen, soll eine Tabakentwöhnung mit psychosozialer und medikamentöser Unterstützung angeboten werden. In der medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Gesundheitsversorgung soll Kurzberatung für Raucherinnen und Raucher zur Erreichung des Rauchstopps angeboten werden.

Eine Kurzberatung zum Rauchstopp verdoppelt nach internationalen Studien die Effektivität des Screeningprogramms und ist kosteneffektiv.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1

Adaptation S3-Leitlinie Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung (2021)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[84] [93] [185] [83]
5.8 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Gemäß § 1, § 5 und § 6 der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung soll die LDCT-Befundung durch einen Erstbefunder sowie bei kontroll- und abklärungsbedürftigen Befunden zusätzlich und unabhängig vom Erstbefunder durch einen Zweitbefunder erfolgen, jeweils zunächst ohne und anschließend unter Nutzung einer Software zur computerassistierten Detektion.

Darüber hinaus sollte bei Bedarf der Erstbefunder auch eine Zweitbefundung anfordern.

Die Software zur computerassistierten Detektion, Volumetrie und Berechnung der Volumenverdopplungszeit sollte qualitätsgesichert und für den Erst- und Zweitbefunder identisch sein.

Konsens
Starker Konsens (98%)
5.9 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Als Klassifikation für die standardisierte Befundung und Risikobewertung von mittels Niedrigdosis-CT detektierter Befunde soll in Deutschland einheitlich die modifizierte Lung-RADS Klassifikation von 2022 mit integrierter Volumenverdopplungszeit (V-Lung-RADS 2022) verwendet werden.

Hierbei sind die Befunde wie folgt gemäß V-Lung-RADS 2022 radiologischerseits einzustufen und nachzuverfolgen bzw. zur weiteren Abklärung vorzustellen:

  • Lung RADS 0 Befunde als unvollständig (Vergleich mit früherer Thorax-CT, erneute Niedrigdosis-CT-Bildgebung oder Niedrigdosis-CT nach 1-3 Monaten),
  • Lung RADS 1 und 2 Befunde als negativ (reguläre Niedrigdosis-CT-Verlaufskontrolle nach mindestens 12 Monaten),
  • Lung RADS 3 und 4A Befunde als kontrollbedürftig (vorgezogene Niedrigdosis-CT-Verlaufskontrolle nach 6 bzw. 3 Monaten) und
  • Lung RADS 4A (PET), 4B und 4X als abklärungsbedürftig (Vorstellung zur Abklärung in einer auf Untersuchung und Behandlung von Lungenkrebs spezialisierten Einrichtung mit initialer Fallvorstellung in einer interdisziplinären Fallkonferenz)
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[186] [187]
5.10 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein Facharzt für Radiologie, der an einer Einrichtung tätig ist, die auf die Untersuchung und Behandlung von Lungenkrebs spezialisiert ist, und als qualifizierter Zweitbefunder gemäß § 5 Abs. 2 und § 6 Abs. 1 und 2 der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung CT-Untersuchungen befundet, sollte gleichzeitig auch Erstbefundungen im Rahmen einer Lungenkrebs-Früherkennungsmaßnahme mittels Niedrigdosis-CT durchführen.

Konsens
Starker Konsens (98%)
5.11 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die weitere Diagnostik und Therapie von abklärungsbedürftigen Befunden im Rahmen einer Niedrigdosis-CT-Lungenkrebs-Früherkennungsmaße soll zeitnah in einer auf die Untersuchung und Behandlung von Lungenkrebs spezialisierten Einrichtung (gemäß der Anforderungskriterien in (Tabelle 14) erfolgen.

Die Zusammenarbeit zwischen Erst- und Zweitbefunder sowie der Übergang in die klinische Versorgung an einer auf die Untersuchung und Behandlung von Lungenkrebs spezialisierten Einrichtung sollen in einer Kooperationsvereinbarung geregelt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
5.12 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

In Analogie zu den inzidentellen pulmonalen Rundherden (Empfehlung 6.37) sollte bei abklärungsbedürftigen Screening-detektierten pulmonalen Rundherden (gemäß § 1 der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung) über die weitergehende bildgebende Diagnostik (z.B. FDG-PET/CT-Untersuchung) und das zu wählende Verfahren zur pathologischen Diagnosesicherung (Bronchoskopie mit transbronchialer Biopsie, CT-gesteuerte transthorakale Biopsie oder minimal-invasive chirurgische Resektion) in einem Thorax-Onkologischen Tumorboard einer auf die Untersuchung und Behandlung von Lungenkrebs spezialisierten Einrichtung entschieden werden.

Konsens
Starker Konsens (98%)
5.13 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Eine strukturierte epidemiologische Qualitätssicherung stellt einen wesentlichen Baustein für die Prozess- und Ergebnisevaluation sowie Optimierung einer Niedrigdosis-CT-Lungenkrebs-Früherkennungsmaßnahme dar.

Hierzu sollte eine Einwilligung der Teilnehmer für

  • eine zentrale Speicherung der im Rahmen des Lungenkrebs-Screenings und nachfolgender Behandlungen erhobenen Daten,
  • Abgleiche mit Einwohnermeldeämtern und Krebsregistern und
  • für Forschungszwecke zur Optimierung des Lungenkrebs-Screeningprogramms

eingeholt werden.

§ 7 der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung verpflichtet den Strahlenschutzverantwortlichen der Screening-Einheit zur anonymisierten Erhebung und Aufzeichnung folgender Parameter bei Teilnehmern an einer Lungenkrebs-Früherkennungsmaßnahme mittels Niedrigdosis-CT:

  • Anzahl der untersuchten Personen
  • Anzahl der kontrollbedürftigen Befunde
  • Anzahl der abklärungsbedürftigen Befunde

Darüber hinaus ist spätestens mit Inkrafttreten der Änderung der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses die Erfassung folgender weiterer Parameter bei abklärungsbedürftigen Befunden wünschenswert: 

  • Anteil der Patienten mit einem malignen Befund an allen endoskopisch oder CT-gesteuert bioptierten Patienten
  • Anteil der Patienten mit einem malignen Befund an allen Patienten mit einer chirurgischen Resektion eines abklärungsbedürftigen Befundes
  • Anteile der Stadien I, II, III und IV nach aktueller UICC-Klassifikation bei allen Lungenkarzinome
  • Anteil der histologischen Subtypen
    • Adenokarzinom,
    • Plattenepithelkarzinom,
    • andere nicht-kleinzellige Lungenkarzinome,
    • kleinzelliges Lungenkarzinom und
    • andere Malignome

gemäß aktueller WHO-Klassifikation bei allen malignen Befunden.

Gleichermaßen ist die Erfassung folgender Qualitätsindikatoren durch den Strahlenschutzverantwortlichen der Screeningeinheit in Zusammenarbeit mit der auf die Untersuchung und Behandlung von Lungenkrebs spezialisierten Einrichtung wünschenswert: 

  • Zeitintervall von Datum der Niedrigdosis-CT bis Datum des endgültigen Niedrigdosis-CT-Befundes aller Teilnehmer in der Screeningeinheit pro Kalenderjahr
  • Zeitintervall von Datum der Niedrigdosis-CT bis Datum der interdisziplinären Fallkonferenz aller Teilnehmer mit einem abklärungsbedürftigen Befund in der Screeningeinheit pro Kalenderjahr
Konsens
Starker Konsens (98%)

Hintergrund zu den Empfehlungen 5.2-5.13

In Ermangelung einer eigenen systematischen Literaturbewertung wurden bei der Überarbeitung dieses Unterkapitels aktuelle Leitlinien zum Lungenkrebs-Screening aus den USA [188] [189] [190] und Europa [191] [192], ein Cochrane-Review [184], weitere systematische Reviews mit Meta-Analysen [193] [182] [194] [183] sowie Health Technology Assessment-Berichte aus den USA [195], Großbritannien und Deutschland https://www.iqwig.de/projekte/s23-02.html, https://www.bfs.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BfS/DE/2021/013.html, ttps://www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_15552.html als Evidenzgrundlage herangezogen. In den Hintergrundtext haben die Ko-Autoren dieses Unterkapitels Struktur, Textpassagen und Tabellen ihres eigenen, durch mehrere Fachgesellschaften in 2023 konsentierten Positionspapiers zur Implementierung eines nationalen organisierten Programms in Deutschland zur Früherkennung von Lungenkrebs in Risikopopulationen mittels Low-dose-CT-Screening inklusive Management von abklärungsbedürftigen Screeningbefunden eingearbeitet, nachdem sie diese unter Einbeziehung der vorgenannten und neuer Evidenz sowie der Vorgaben der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung sorgfältig revidiert hatten [196].

5.1.4 Optimierung von Nutzen, Risiken und Kosteneffektivität durch die Etablierung eines organisierten Lungenkrebsfrüherkennungsprogramms

5.1.4.1 Nutzen

Lungenkrebsbedingte Mortalität, Gesamtmortalität

Randomisierte, kontrollierte Studien konnten belegen, dass die Früherkennung von Lungenkrebs mittels Niedrigdosis-CT-Screenings in Risikopopulationen die hohe Sterblichkeit reduzieren kann. Die beiden größten Studien, die US-amerikanische NLST- (Vergleich LDCT in 26.722 Teilnehmern vs. Röntgen Thorax in 26.732 Teilnehmern in drei jährlichen Screeningrunden) [197] und die niederländisch-belgische NELSON-Studie (Vergleich LDCT in 7.900 Teilnehmern in vier Screeningrunden mit Intervallen von 1, 2 und 2,5 Jahren vs. kein Screening in 7.892 Teilnehmer) [198] [199] [200] [201] [202], zeigten jeweils eine signifikante Reduktion der lungenkrebsbedingten Mortalität. In NLST betrug hierbei die relative Risikoreduktion 20 %, in NELSON nach 10 Jahren Follow-up 25 %, wobei die Senkung bei Frauen mit 33% stärker als bei Männern (24%) ausgeprägt war. NLST konnte darüber hinaus eine signifikante relative Reduktion der Gesamtmortalität von 6,7% demonstrieren.

Die Mortalitätsreduktion in den Niedrigdosis-CT-Screening-Gruppen erklärt sich in beiden Studien jeweils durch einen Stadien-Shift mit einer Lungenkrebsdetektion in der Mehrzahl in früheren, noch kurativ behandelbaren Stadien. Konsekutiv kamen häufiger kurativ intendierte Therapieformen im Vergleich zu den Kontrollgruppen zur Anwendung.

Die Mehrzahl von 7 kleineren, randomisiert-kontrollierten Studien ließ in der Tendenz ebenfalls eine relative Risikoreduktion der lungenkrebsbedingten Mortalität erkennen, ohne dass jedoch diese einzelnen Studien Signifikanzniveau erreichten [DANTE: [203] [204], DLCST: [205], [206], ITALUNG: [207] [208] [209], LSS: [210] [211], LUSI: [212] [213], MILD: [214] [215], UKLS: [193]. Tabelle 11 bietet eine Übersicht über die randomisiert-kontrollierten Studien.

Tabelle 12: Charakteristika der randomisiert-kontrollierten Studien zur Früherkennung des Lungenkarzinoms mittels Niedrigdosis CT

RCT-Akronym

Land

RCT-Design

Risikokriterien Anzahl der Teilnehmer in den Studienarmen Lungenkrebs-spezifische Sterblichkeit (Risk Ratio, mediane Follow-up-Zeit nach Randomisierung)

DANTE [203] [204]

Italien

LDCT vs. kein Screening, multizentrisch

60-74 Jahre,

≥ 20 Packungsjahre,

Rauchstopp <15 Jahre,

Männer

LDCT: 1.246

Kein Screening: 1.186

RR 1,01 [95%-KI 0,70-1,44]

8,5 Jahre

DEPISCAN [216]

Frankreich

LDCT vs. Röntgen Thorax

(nur Baseline-Daten), multizentrisch

50-75 Jahre,

Raucherdauer ≥ 20 Jahre mit ≥ 15 Zigaretten/Tag,

Rauchstopp < 15 Jahre

LDCT: 385

Röntgen Thorax: 380

Keine Angaben zu Lungenkrebs-spezifischer Mortalität

DLCST [205] [206]

Dänemark

LDCT vs. kein Screening, monozentrisch

50-70 Jahre,

≥ 20 Packungsjahre,
Rauchstopp nach 50. Lebensjahr und < 10 Jahre

LDCT: 2.052
Kein Screening: 2.052

RR 1,03 [95%-KI 0,66-1,60]
10 Jahre

ITALUNG [207] [208] [209]

Italien

LDCT vs. kein Screening, multizentrisch

55-69 Jahre,

≥ 20 Packungsjahre,

Rauchstopp < 10 Jahre

LDCT: 1.613

Kein Screening: 1.593

RR 0,71 [95%-KI 0,48-1,04]

9,3 Jahre

LSS [210] [211]

USA

LDCT vs. Röntgen Thorax, multizentrisch

55 - 74 Jahre,

≥ 30 Packungsjahre,
Rauchstopp < 10 Jahre

LDCT: 1.660
Röntgen Thorax: 1.658
Nur 2 Jahre Follow-up

LUSI [212] [213]

Deutschland

LDCT vs. kein Screening, monozentrisch

50-69 Jahre,

Raucherdauer ≥ 25 Jahre mit ≥ 15 Zigaretten/Tag oder Raucherdauer ≥ 30 Jahre mit ≥ 15 Zigaretten/Tag

LDCT: 2.029
Kein Screening: 2.023
RR 0,72 [95%-KI 0,45-1,16]
8,8 Jahre

MILD [214] [215]

Italien

LDCT jährlich vs. LDCT alle 2 Jahre vs. kein Screening, monozentrisch

≥ 49 Jahre,

≥ 20 Packungsjahre,
Rauchstopp < 10 Jahre

LDCT jährlich: 1.190

LDCT alle 2 Jahre: 1.186
Kein Screening: 1.723

RR 0,73 [95%-KI 0,47-1,12]

10 Jahre

NELSON [198] [199] [200] [201] [217]

Niederlande

Belgien

 

LDCT vs. kein Screening, multizentrisch

50-75 Jahre,

Raucherdauer ≥ 25 Jahre mit ≥ 15 Zigaretten/Tag oder Raucherdauer ≥ 30 Jahre mit ≥ 15 Zigaretten/Tag,

Rauchstopp ≤15 Jahre

LDCT: 7.900
Kein Screening: 7.892

RR 0,75 [95%-KI 0,62-0,90]

10 Jahre

NLST [197]

USA

LDCT vs. Röntgen Thorax, multizentrisch

55-74 Jahre,

≥ 30 Packungsjahre,

Rauchstopp ≤15 Jahre

LDCT: 26.723
Röntgen Thorax: 26.733

RR 0,80 [95%-KI 0,70-0,92]

6,5 Jahre

UKLS [218]

UK
LDCT vs. kein Screening, multizentrisch

55-75 Jahre,

5-Jahres Lungenkarzinom-Risiko ≥ 5% basierend auf Liverpool Lung Project-Risikomodell

(LLPv2 beinhaltet Alter, Geschlecht, Rauchdauer, Pneumonie, Emphysem, Bronchitis, Tuberkulose oder COPD in der Eigenanamnese, frühere Krebserkrankung in der Eigenanamnese, frühere Krebserkrankung mit Alter in der Familienanamnese von Verwandten 1. Grades, Asbestexposition)

LDCT: 2.028

Kein Screening: 2.027

RR 0,65 [95%-KI 0,41-1,03]
7 Jahre

 

5.1.4.2 Risiken

Falsch positive Befunde

Im Rahmen des Lungenkrebsscreenings stellen falsch positive Befunde ein relevantes Risiko dar. Hierunter werden Niedrigdosis-CT-Befunde verstanden, die radiologisch zunächst als verdächtig auf ein Lungenkarzinom befundet, nach weiterer Abklärung aber als benigne eingestuft werden. In der NLST-Studie (Einschlusszeitraum 2002–2004) wurden in allen drei Screeningrunden zusammen gemäß Protokoll 18.146/75,126 (24,2%) der Niedrigdosis-CT-Untersuchungen als abklärungsbedürftig bewertet. In der weiteren direkten klinischen Abklärung lag die Rate der mittels Niedrigdosis-CT-Screenings detektierten Lungenkarzinome bei 0,9% (649/75.126), die der falsch positiven Befunde bei 23,3% (17.497/75.126).

In der späteren NELSON-Studie (Einschlusszeiträume 2003 und 2005) wurden in den vier Screeningrunden zusammen nur 9,2% (2.069/22.600) der Niedrigdosis-CT-Untersuchungen als kontrollbedürftig eingestuft und kurzfristig mittels Niedrigdosis-CT nachkontrolliert. 467/22.600 (2,1 %) der Niedrigdosis-CT-Untersuchungen wurden letztendlich als abklärungsbedürftig klassifiziert, von denen mit 0,9% (203/22.600) ein gleich hoher Anteil an Lungenkarzinomen wie in NSLT diagnostiziert wurde. Der Anteil der falsch positiven Befunde nach klinischer Abklärung lag mit 1,2% (264/22.600) aller LDCT-Untersuchungen jedoch deutlich niedriger. Die deutliche Diskrepanz zwischen NLST und NELSON im Hinblick auf die Raten der nach Niedrigdosis-CT-Untersuchung radiologisch als abklärungsbedürftig eingestuften Befunde mit nachfolgender klinischer Abklärung und dem Risiko unnötiger invasiver Eingriffe sowie der falsch positiven Befunde nach klinischer Abklärung erklärt sich durch Verbesserungen der Studienprotokolle bei der Klassifikation der Niedrigdosis-CT-Befunde sowie dem nachfolgenden klinischen Rundherdmanagement. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Protokollen zur Screeningerkennung und zum Rundherdmanagement in NLST und NELSON bestand darin, dass das NLST-Protokoll ausschließlich auf dem Kriterium einer minimalen Rundherdgröße basierte, während das NELSON-Protokoll auch Änderungen der Rundherdgröße über die Zeit oder das Neuauftreten von Rundherden von einem Screeninganlass zum nächsten berücksichtigte. Das in NELSON verwandte Managementprotokoll kommt in dieser Hinsicht den aktuell angewandten Klassifikationssystemen von Niedrigdosis-CT-Befunden (Lung RADS 2022) sowie Leitlinien zum Rundherdmanagement (BTS 2015) wesentlich näher. Eine wichtige Beobachtung in diesem Zusammenhang war, dass die Sensitivität und Spezifität der Lungenkrebsscreenings durch die Berücksichtigung von longitudinalen Veränderungen in CT-Bildern (z. B. durch die Berechnung der Volumenverdopplungszeit von Lungenrundherden) sehr stark erhöht wurde. Dies bedeutet auch, dass das Screening im Allgemeinen effektiver ist, wenn es Screening-Verlaufsuntersuchungen einsetzt, die in regelmäßigen Zeitabständen strukturiert geplant und nachgehalten werden.

Lebenszeit mit der Tumordiagnose, Überdiagnosen und Übertherapien

Der Krebsfrüherkennung ist inhärent, dass sich bei Personen, deren Tumore früher erkannt werden, die Zeitspannen verlängern, in denen sie mit dem Wissen um eine Krebsdiagnose leben. Dieses Wissen an sich wirkt sich i. d. R. negativ auf die Lebensqualität eines Menschen aus. Deshalb lohnt sich eine Früherkennung nur, wenn diese zu einer besseren Behandlung und Prognose mit Verlängerung der Lebenserwartung führt. Letzteres gilt häufig für Personen, deren Tumore in einem frühen, lokalisierten Stadium entdeckt werden. Für Personen mit einem Tumor im fortgeschrittenen Stadium wird eine frühere Erkennung (d. h. vor dem Auftreten von Symptomen) jedoch möglicherweise die verbleibende Lebenserwartung kaum noch verlängern. Bei einer ersten Screeningteilnahme ist das Spektrum der gefundenen Tumoren sehr unterschiedlich und reicht von sehr frühen bis zu sehr fortgeschrittenen Stadien. Bei wiederholten Früherkennungsuntersuchungen kann der Anteil der Tumoren, die im Frühstadium erkannt werden, jedoch deutlich erhöht werden, wenn die Untersuchungen in regelmäßigen, gut geplanten Zeitabständen durchgeführt werden. So kann der erwartete Nutzen des Screenings (d. h. der Gewinn an Lebensjahren) im Vergleich zu den Schäden der zusätzlichen Lebenszeit mit einer Tumordiagnose deutlich verbessert werden.

Überdiagnosen stellen einen weiteren großen potenziellen Schaden des Lungenkrebsscreenings dar. Eine Überdiagnose bezieht sich auf Tumore, die ohne das Screening gar nicht entdeckt worden wären. Sie ist das Ergebnis der Entdeckung von Tumoren vor dem Zeitpunkt, an dem sie Symptome oder den Tod verursacht hätten – ein Zeitfenster, in dem ein Teil der Screeningteilnehmer tatsächlich an anderen Ursachen sterben könnte, bevor sie jeweils von ihrer Lungenkrebserkrankung erfahren hätten. Da die Diagnose Lungenkrebs zumeist zu einer aggressiven Diagnostik und Behandlung führt, gehen Überdiagnosen i. d. R. mit Übertherapien einher, welche schwerwiegende und unnötige Einbußen an Lebensqualität, Risiken medizinischer Komplikationen nach der Behandlung und finanzielle Kosten für das Gesundheitswesen nach sich ziehen.

Statistische Modellierungen von Daten aus der NLST-Studie [219] [220] oder auch der deutschen LUSI-Studie [221] haben gezeigt, dass etwa 30–40% der im Screening entdeckten Tumore ≥ 4 Jahre vor dem Zeitpunkt entdeckt werden können, an dem sie sich sonst klinisch manifestiert hätten, während bei bis zu einem Viertel der Tumore diese Vorlaufzeit sogar mehr als 6 Jahre betragen kann. Insbesondere bei älteren Personen, die sich in einem schlechten Gesundheitszustand befinden und die eine vergleichsweise niedrige verbleibende Lebenserwartung haben, ist das Risiko relativ hoch, innerhalb der nächsten 4–6 Jahre zu sterben, und damit auch das Risiko einer möglichen Überdiagnose. Studien, die auf Mikrosimulationsmodellen beruhen [222], oder auch Studien, die die überschüssige Lungenkrebsinzidenz im CT-Arm randomisierter Screeningstudien als Funktion der Nachbeobachtungszeit nach Beendigung des Screenings statistisch modelliert haben, finden Überdiagnosen bei Screeningpopulationen, die aus Personen im Alter von etwa 55–75 Jahren bestehen, in deutlich weniger als 10% aller im Screening entdeckten Lungenkrebsfälle. Bei Personen in höherem Alter (insbesondere ab 70 Jahren), mit einem hohen Komorbiditätsindex oder mit einer geschätzten Restlebenserwartung von weniger als 10 Jahren kann dieser Prozentsatz aber wesentlich höher sein [223].

Strahlenexposition

Fünf der randomisierten-kontrollierten Studien (DLCST, ITALUNG, LUSI, NELSON, NLST) sowie auch einige nicht-randomisierte Studien [224] berichteten detaillierte Daten im Hinblick auf die Strahlenexposition pro Niedrigdosis-CT-Untersuchung. In seiner methodisch sehr fundierten Bewertung schlussfolgerte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) einen höheren Nutzen von Niedrigdosis-CT-Screening durch Mortalitätsreduktion im Vergleich zu den strahlungsexpositionsbedingten Risiken mit insbesondere späteren strahlungsinduzierten Zweitmalignomen https://www.bfs.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BfS/DE/2021/013.html. Für Deutschland haben quantitative Modellierungen gezeigt, dass, für ein Spektrum von möglichen Screeningszenarien das längerfristige (lebenslange) Risiko der strahlenbedingten Krebsmortalität für Männer um einen Faktor von etwa 20 und für Frauen um einen Faktor 10 überwiegt [225]. Auch entwickelt sich die Computertomografietechnik kontinuierlich weiter mit einer immer niedrigeren Strahlenbelastung, die heute schon für ein Niedrigdosis-CT des Thorax unter einem mSv liegt. Der BfS-Bericht sowie die Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung geben bei er Niedrigdosis-CT-Durchführung einen oberen Grenzwert Volumen-Computertomografie-Dosisindex (CTDIvol) Grenzwert von ≤ 1,3 mGy für eine Standardperson vor. Im Rahmen des technischen Fortschritts ergeben sich aber Möglichkeiten, die maximal akzeptierte Strahlenexposition kontinuierlich weiter zu senken.

 

Psychologische Belastungen von Screeningteilnehmern

Im Hinblick auf die psychische Belastung der Teilnehmer wies die zusätzliche Erfassung der Lebensqualität in vier der randomisiert-kontrollierten Studien (DLCST, NELSON, NLST, UKLS) sowie innerhalb von separaten Studien insgesamt tolerable psychische Beeinträchtigungen aus. Hingegen wurden im Rahmen von kurzfristigen Niedrigdosis-CT-Wiederholungsuntersuchungen bzw. der Notwendigkeit einer weitergehenden Abklärung von suspekten Niedrigdosis-CT-Befunden psychische Belastungssituationen nachgewiesen [226] [227] [228] [200] [199] [229].

5.1.4.3 Nutzen-Risiken-Abschätzung

Während das organisierte Niedrigdosis-CT-Screening die lungenkarzinombedingte Mortalität reduziert, birgt es mehrere Risiken, die durch Strahlung, falsch positive Screeningtests oder auch durch die Diagnose von Tumoren verursacht werden können und die sich ohne Screening im Laufe des Lebens nicht klinisch manifestiert hätten (Überdiagnose) [194] https://www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_15552.html [230]. Für einen einzelnen Screeningteilnehmer sollte der erwartete Nutzen des Screenings – also der erwartete Gewinn an Lebensjahren durch Senkung der lungenkrebsbedingten Mortalität – die Risiken des Screenings übersteigen. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Teilnehmer ein ausreichend hohes Risiko haben sollte, tatsächlich an Lungenkrebs zu erkranken und gleichzeitig gesund genug sein sollte, um bei einer Lungenkrebsfrüherkennung einen sinnvollen Gewinn an Lebensjahren zu erwarten. Auf Bevölkerungsebene bestimmt das durchschnittliche Lungenkrebsrisiko der Screeningteilnehmer die Anzahl der Personen, die gescreent werden müssen (Number needed to Screen), um einen einzelnen Fall von Lungenkrebs zu erkennen. Dies entspricht der durchschnittlichen Anzahl der Personen, die den Risiken des Screenings ausgesetzt sind, aber keinen möglichen Nutzen haben, und ist zugleich eine Schlüsseldeterminante für die durchschnittlichen finanziellen Kosten pro Lebensjahr, die durch ein Screeningprogramm gewonnen werden können. Die beiden Dimensionen, entlang derer das Lungenkrebsscreening programmatisch optimiert werden kann, sind somit das Lungenkrebsrisiko und das Gesamtmortalitätsrisiko aufgrund anderer Ursachen als Lungenkrebs (Restlebenserwartung bei frühzeitiger Erkennung und Heilung von Lungenkrebs). Zwei weitere Aspekte sind die Definitionen eines optimalen Screeningintervalls, das z. T. auch vom individuellen Lungenkrebsrisiko eines Teilnehmers abhängen kann, sowie der Tabakentwöhnung.

5.1.4.4 Einschlusskriterien anhand von Risikofaktoren und Risikomodellen

Die beiden wichtigsten Risikofaktoren für Lungenkrebs in den meisten Populationen sind Rauchen und höheres Alter [231] [232]. Bei Rauchern steigt das Risiko mit der kumulativen Dauer und Menge des Zigarettenrauchens, während es bei Ex-Rauchern mit zunehmender Zeit seit dem Aufhören abnimmt. Zugleich sind Rauchergeschichte und Alter auch wichtige Determinanten für das Sterberisiko durch andere Ursachen als Lungenkrebs und für die verbleibende Lebenserwartung eines Individuums. Die NLST-, NELSON- und andere randomisierte Studien verwendeten unterschiedliche Einschlusskriterien, die auf Cut-off-Werten für die individuellen Risikofaktoren Mindest- und Höchstalter, minimale kumulative Dauer und Menge des Rauchens und für ehemalige Raucher die maximale Zeit seit der Raucherentwöhnung basierten. Insbesondere die Kriterien von NLST und NELSON wurden auch als Grundlage für offizielle Empfehlungen zur Screeningeignung in den USA und Deutschland herangezogen.

Raucher die maximale Zeit seit der Raucherentwöhnung basierten. Insbesondere die Kriterien von NLST und NELSON wurden auch als Grundlage für offizielle Empfehlungen zur Screeningeignung in den USA und Deutschland herangezogen.

In den USA empfahl die US Preventive Services Task Force (USPSTF) 2013 kurz nach der Veröffentlichung der NLST-Ergebnisse [197] in jährliches Lungenkrebsscreening mit niedrig dosierter CT für US-Erwachsene im Alter von 55–80 Jahren mit einer kumulativen Exposition von 30 Packungsjahren und einem aktivem oder früheren Nikotinabusus innerhalb der letzten 15 Jahre [233]. Dies entspricht den in der NLST-Studie verwendeten Einschlusskriterien, jedoch mit einer Verlängerung des maximalen Zulassungsalters von 75 auf 80 Jahre. Im Jahr 2021, nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der NELSON Studie, aktualisierte die USPSTF ihre Empfehlung und reduzierte sowohl das Mindestalter für die Screeningberechtigung von 55 auf 50 Jahre als auch die kumulative Mindest-Tabakrauchexposition von 30 auf 20 Packungsjahre [188]. Neben den beiden größten randomisierten Studien von NLST [197] und NELSON [217] stammen zusätzliche Beweise für die USPSTF-Empfehlung 2021aus quantitativen Modellierungsstudien im Cancer Intervention and Surveillance Modeling Network (CISNET). Diese zeigten, dass das Screening von Personen im Alter von 50–80 Jahren mit 20 Packungsjahren oder mehr aktivem Rauchen voraussichtlich zu mehr Nutzen führt bei akzeptablem Anstieg der erwarteten finanziellen Kosten und Nebenwirkungen des Screenings, im Vergleich zu den USPSTF-Kriterien von 2013 [222].

Für Deutschland hat das BfS empfohlen, die Einschlusskriterien der NELSON-Studie als Mindestvoraussetzung für die Screeningeignung zu verwenden https://www.bfs.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BfS/DE/2021/013.html. Mit einem Anfangsalter für das Screening von 50 Jahren und einer relativ moderaten kumulativen Raucheranamnese (15 Zigaretten pro Tag während mindestens 25 Jahren [d. h. mehr als 18,75 Packungsjahre] oder 10 Zigaretten pro Tag während mindestens 30 Jahren [mehr als 15 Packungsjahre]) sind die NELSON-Kriterien relativ vergleichbar mit der neuesten USPSTF-Empfehlung von 2021 [188]. Ein Unterschied ist jedoch die Anforderung von nur 10 Jahren maximaler Zeit seit der Raucherentwöhnung in NELSON, statt 15 Jahren für die USPSTF-Empfehlung von 2021. Ein weiterer Unterschied ist das Höchstalter von 80 (USPSTF) vs. 75 (NELSON/BfS-Bericht) Jahren. Basierend auf repräsentativen Umfragedaten zum Rauchen kann geschätzt werden, dass etwa 5,5 Millionen aktuelle oder ehemalige Raucher nach den NELSON-Kriterien in Deutschland in Frage kommen und dass knapp die Hälfte aller Lungenkrebsfälle in dieser geeigneten Risikogruppe auftreten werden [234].

In der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung wurden die Eingangskriterien mit einem Alter von 50–75 Jahren, einer Kombination aus einer Rauchdauer von mindestens 25 Jahren sowie einer kumulativen Exposition von mindestens 15 Packungsjahren und einer maximalen Abstinenzzeit von 10 Jahren seit Raucherentwöhnung vorgegeben.

Im Gegensatz zu den USPSTF-Empfehlungen geben der BfS-Bericht und die Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung kein Screeningintervall vor. Beide empfehlen allerdings indirekt, dass das Screening maximal einmal pro Jahr durchgeführt werden sollte.

Aktuelle Zulassungsrichtlinien wie die der USPSTF (2021) Kriterien oder des BfS (NELSON-Kriterien), die auf unterschiedlichen Schwellenwerten für Alter, kumulative Raucherexposition und Zeit seit der Entwöhnung basieren, sind in der Praxis einfach umzusetzen und bieten einen robusten Ausgangspunkt für die erstmalige Einführung des Lungenkrebs-Screenings in einem bestimmten Land oder einer bestimmten Bevölkerung. Dennoch klassifizieren diese Kriterien Menschen nicht optimal nach ihrem individuellen Risiko, einen nachweisbaren Lungentumor zu haben, oder für das potenzielle Gewinn an Lebensjahren einer Person im Falle einer Früherkennung. Infolgedessen können diese viele Menschen ausschließen, die tatsächlich von einem Screening profitieren würden, während sie gleichzeitig Menschen einschließen, für die Schäden den Nutzen überwiegen können [230] [235]. Zum Beispiel hätte ein 65-Jähriger, der 35 Jahre lang geraucht hat, aber vor 10 Jahren aufgehört hat, ein immer noch relativ hohes Lungenkrebsrisiko sowie eine ausreichende verbleibende Lebenserwartung und würde von einem Screening profitieren. Andererseits haben junge weibliche Ex-Raucher, die gerade noch die Anforderungen für Mindestalter, Raucherexposition und maximale Entwöhnungszeit erfüllen, ein so geringes Lungenkrebsrisiko, dass die erwartete Anzahl der durch die Früherkennung von Lungenkrebs geretteten Leben, das Lebenszeitrisiko von Krebs durch Strahlenexposition kaum ausgleichen kann.

Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Effizienz des Lungenkrebsscreenings weiter verbessert werden kann, indem Kriterien für die Screening-Eignung sowie für die Screening-Häufigkeit verwendet werden, die entlang zweier Achsen des persönlichen Krankheitsrisikos einer Person abgeleitet werden, nämlich: (i) Risiko eines nachweisbaren Lungentumors; und (ii) mittelfristiges Mortalitätsrisiko (z. B. in den nächsten 5 oder 10 Jahren) durch andere Ursachen als Lungenkarzinom. Es wurden grundlegende Vorhersagemodelle entwickelt, um diese Risiken auf der Grundlage von Alter, Geschlecht und Rauchergeschichte einer Person abzuschätzen [236] [237]. Im Vergleich zu aktuellen Zulassungskriterien wie die der USPSTF des BfS (NELSON-Kriterien) wurde festgestellt, dass die Verwendung von Risikomodellen zur Identifizierung von Personen mit dem höchsten vorhergesagten Lungenkrebsrisiko im Allgemeinen etwa 10 % bis 20 % mehr zukünftige Lungenkrebsfälle für eine entsprechende Anzahl von Personen identifiziert, die gescreent werden sollen [237] [238].

Darüber hinaus bietet der modellbasierte Ansatz eine bessere Garantie, dass bei potenziellen Teilnehmern an einem Lungenkrebs-Screeningprogramm mit einem minimalen individuellen Lungenkrebsrisiko der Nutzen die potenziellen Schäden überwiegt, die durch Strahlung oder invasive Untersuchungen aufgrund falsch-positiver Screening-Tests entstehen können [230]. Für die US-Bevölkerung hat die vergleichende quantitative Modellierung gezeigt, dass risikobasierte Strategien bei gleicher Anzahl von untersuchten Personen mehr Todesfälle durch Lungenkrebs verhindern können als die aktuellen USPSTF-Empfehlungen. Dies gilt insbesondere, wenn sie auf Personen unter 75 Jahren angewendet werden https://www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_15552.html [196] und die Kosteneffektivität des Screenings deutlich steigern [239]. Eine erste derartige Studie wurde an neun Screening- Standorten in Kanada, Australien, Hongkong und Großbritannien durchgeführt [240]. Ein vergleichbares Studiendesign wird von der deutschen HANSE-Studien genutzt [241].

Neuere Literatur inklusive eines systematischen Reviews konnte zeigen, dass das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern mit mehr als 20 Packungsjahren nach einer Nikotinkarenzdauer von mehr als 15 Jahren im Vergleich zu Nichtrauchern nicht nur konstant erhöht bleibt, sondern sogar weiter ansteigt [242] [243]. Auf Grund dieser Erkenntnisse wurde in dem Leitlinien-Update der American Cancer Society von 2023 bereits die Nikotinkarenz ≤ 15 Jahre als eigenständiges Kriterium bei den Risikofaktoren zum Raucherstatus gestrichen [190].

5.1.4.5 Steigerung der Einschlussquoten

Da ein unstrukturiertes Screening das Verhältnis des Nutzens zu den Risiken potenzieller Schäden deutlich verschlechtern kann, ist es von größter Bedeutung, dass potenzielle Screeningteilnehmer umfassend über Risiken und Vorteile der Lungenkrebsvorsorge beraten und aufgeklärt werden. Erste Informationen sollten niederschwellig über mehrere Kanäle bereitgestellt werden, darunter Flyer, eine offizielle Website und Einwilligungserklärungen, aber auch niederschwellig über behandelnde Ärzte im ambulanten und stationären Versorgungsbereich. Für diejenigen, die 50–75 Jahre alt sind, geraucht haben und die Kriterien der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung erfüllen, sollte die Option des Lungenkrebsscreenings weiterhin auf einer gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen potenziellen Screeningteilnehmern und geschulten Allgemeinmedizinern, Internisten und Arbeitsmedizinern während eines Arztbesuchs vor dem Screeningereignis basieren. Während dieses Besuchs sollte der geschulte Arzt sowohl die potenziellen Vorteile als auch die Risiken der Lungenkrebsvorsorge genau vermitteln. Potenziellen Teilnehmern sollte erklärt werden, warum ihnen das Screening empfohlen wird oder gegebenenfalls nicht. Während Alter und Rauchergeschichte als Kriterien leicht verständlich sind, sind dies Risikobewertungen möglicherweise nicht. Denn sie beruhen auf einer umfassenderen Bewertung des allgemeinen Gesundheitszustands einer Person und können auch zusätzliche Gesundheitsuntersuchungen induzieren. Daher erfordert es eine gute Kommunikationsfähigkeit des Arztes, der für das erste Beratungs- und Aufklärungsgespräch zum Einschluss in das Screeningprogramm verantwortlich ist.

Aus aktuellen Erfahrungen der HANSE-Studie sind insbesondere personalisierte Anschreiben sowie die Ansprache über Hausärzte/bzw. niedergelassene Fachärzte mit einem Früherkennungsangebot vor Ort für die Rekrutierung effektiv. Initiale Online-Risikoevaluierungen mit direkter Terminbuchung für ein initiales Beratungs- und Aufklärungsgespräch mit Eignungsüberprüfung durch einen qualifizierten und zertifizierten Arzt (Allgemeinmediziner, Internist und Arbeitsmediziner) bzw. bei Folgeuntersuchungen direkte Online-Terminbuchung für eine Niedrigdosis-CT-Untersuchung beim Radiologen im lokalen Lungenkrebs- Screening-Verbund sind für ein erfolgreiches Programm Schlüsselkomponenten. Des Weiteren sind zentralisierte und strukturierte Terminbuchungen bzw. Erinnerungen für das jährlich wiederkehrende Niedrigdosis-CT sowie gegebenenfalls vorgezogene 3- und 6-Monats-Kontrollen bei kontrollbedürftigen Befunden für ein qualitätsgesichertes, den Nutzen maximierendes Programm zwingend erforderlich.

5.1.4.6 Risiko-adaptierte Screeningintervalle

Aktuelle Leitlinien für das Lungenkrebs-Screening mittels Niedrigdosis-Computertomographie empfehlen meist ein jährliches Screening für alle Kandidaten, die entsprechende Zulassungskriterien erfüllen. Das Lungenkrebsrisiko der in Frage kommenden Screening-Teilnehmer kann jedoch sehr unterschiedlich sein, und eine weitere Risikostratifizierung könnte verwendet werden, um die Screening-Intervalle im Hinblick auf den erwarteten Nutzen, mögliche Schäden und finanzielle Kosten individuell zu optimieren. Zu diesem Zweck wurden in der NLST-Studie Modelle entwickelt, die auf selbstberichteten Lungenkrebs-Risikofaktoren, sowie auf ergänzenden Risikofaktoren (z.B. Emphysem) aus bildgebenden Daten basieren [244] [245] und die in der deutschen LUSI-Studie weiter validiert wurden [246]. Ein weiteres Kriterium für die Stratifizierung der Screening-Teilnehmer nach ihrem Risiko, bei einer nächsten Screening-Runde Lungenkrebs diagnostiziert zu bekommen, ist das Vorhandensein oder Fehlen von 50 mm³ oder größeren Lungenrundherden [247] [248]. Derzeit läuft eine europäische randomisierte Studie mit deutschen Rekrutierungsstandorten in Heidelberg und Essen, um die Wirksamkeit dieses Kriteriums für die Zuordnung personalisierter 1- oder 2-Jahres-Intervalle zu Lungenkrebs-Screening-Teilnehmern zu bewerten und die Nichtunterlegenheit des 2-Jahres-Intervalls bei Personen mit niedrigerem Risiko ohne Knötchen zu testen (4-IN-the-Lung-Run Studie) https://www.i-dna.org/4-in-the-lung-run/.

5.1.4.7 Kosteneffektivität

Mehrere gesundheitsökonomische Modelle konnten mittlerweile die Kosteneffektivität von jährlichen Niedrigdosis-CT-Lungenkrebs-Screening-Programmen nachweisen, u. a. für Deutschland, Großbritannien, Kanada und den USA [249] [250] [251] [252] [253] https://view-health-screening-recommendations.service.gov.uk/lung-cancer/. Zu den Programmkomponenten, die die Kosteneffektivität beeinflussen, gehören die Methode zur Auswahl der in Frage kommenden Population, die Teilnahmerate, das Intervall zwischen den Screeningrunden, die Methode des Lungenrundherdmanagements, der Ansatz für die klinische Aufarbeitung der Niedrigdosis-CT-Befunde sowie die Integration einer Rauchstopp-Intervention bzw. eines zertifizierten Rauchfreiprogramms [254].

5.1.4.8 Stand Implementierung von Niedrigdosis-CT-Lungenkrebsscreening

Internationaler Implementierungsstatus

Außerhalb von Deutschland wurden nationale Niedrigdosis-CT Lungenkrebs-Screeningprogramme nach den USA bereits in Australien, Großbritannien, Kroatien, Polen, Taiwan und der Tschechischen Republik etabliert. In Europa laufen zudem regionale Pilotprogramme in Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, der Schweiz, Spanien und Ungarn [255].

Die Beobachtungstudie von Balata et al. auf der Basis der gepoolter Baselinedaten von 5 regionalen Implementierungsstudien in Großbritannien konnte nicht nur die Machbarkeit von LDCT-Lungenkrebs-Screening-Programmen in Risikopopulationen zeigen, sondern auch deren gute Effizienz (Lungenkrebsprävalenz von 2,2 %; 250/11.148 gescreenten Individuen) bei gleichzeitig geringen Risiken in der Routineversorgung belegen. Mit Raten falsch-positiver Befunde von 2,0% (291/11.148 Teilnehmer) und an Resektion von benignen Befunden von 0,07% (8/11.148) sowie fehlenden schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse oder gar Letalität im Rahmen der invasiven Abklärung konnten die britischen Pilotstudien die aus früheren randomisiert-kontrollierten Studien vorgetragenen Bedenken hinsichtlich der hohen Raten falsch positiver Befunde und unnötiger, potenziell schädigender invasiver Verfahren prinzipiell ausräumen [256]. Ähnliche positive Erfahrungen liegen nun mit der Veröffentlichung der Drei-Jahres-Daten des nationalen LDCT-Screening-Programms in Kroatien vor.

Nationale Lungenkrebs-Früherkennungsprogramme mittels Niedrigdosis-CT in den USA und in Taiwan konnten bereits einen Stadienshift hin zu frühen, kurablen Stadien nachweisen [257] [258].

Implementierungsstatus in Deutschland

Im Rahmen der HANSE-Studie wird seit 2021 in Norddeutschland an 3 Standorten des Deutschen Zentrums für Lungenforschung die Machbarkeit eines ganzheitlichen Lungenkrebs-Screening-Programms mit über 5000 Hochrisikoteilnehmern nach den Vorgaben des BfS-Berichtes gezeigt. Kernstück dieses Konsortiums ist die erfolgreiche Implementierung eines strukturiert-qualitätsgesicherten Programms in das bestehende Gesundheitssystem. Der zugehörige End-to-End-Workflow beinhaltet die Rekrutierung unter Einschluss von personalisierten Anschreiben und niedergelassenen Ärzten, eine überwiegend webbasierte Registrierung und Terminierung, Einschlussgespräche durch einen qualifizierten Pneumologen vor Ort, eine Rauchstoppintervention, eine einheitliche, qualitätsgesicherte LDCT-Durchführung, eine strukturierte LDCT-Befundung und Zweitbefundung mit Künstlicher Intelligenz (KI) Software zur Unterstützung für die einheitliche Detektion, Volumetrie und Kategorisierung der Lungenrundherde mit einem einheitlichen Befundbrief sowie eine verlässliche Übergabe der positiven Befunde an die interdisziplinäre Tumorkonferenz des jeweiligen auf Lungenkrebs spezialisierten Zentrums. Das Programm nutzt zudem eine zentrale vernetzte Datenbank, welche auch die LDCT-Serien speichert [241]. Erste Ergebnisse wurden 2023 und 2024 präsentiert [186] [187].

Bereits seit 2019 bieten die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung Versicherten mit einer beruflichen Asbestexposition in ihrem Zuständigkeitsbereich im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags und auf Grundlage von § 5 Absatz 3 Satz 2 der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) oder § 26 Absatz 2 Nr. 1 SGB VII eine LDCT-Untersuchung an. Das Angebot richtet sich an Versicherte ab einem Alter von 55 Jahren mit einer Asbestexposition mit Beginn vor 1985 und einer Dauer von mindestens 10 Jahren oder alternativ einer anerkannten Berufskrankheit nach Nr. 4103 (Asbestose oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankung der Pleura) sowie einem zusätzlichen Tabakkonsum von mindesten 30 Packungsjahren. Das bundesweite Angebot unter dem Titel „EVA-Lunge – Erweitertes Vorsorgeangebot der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zur Früherkennung von Lungenkrebs im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge und für Versicherte mit anerkannter Berufskrankheit nach Nr. 4103 der Berufskrankheitenverordnung“ sieht eine jährliche LDCT-Untersuchung vor und beinhaltet ein Qualitätssicherungsmodul im Bereich der radiologischen Diagnostik sowie eine wissenschaftliche Begleitung [259].

5.1.4.9 Gefahren eines unstrukturierten Screenings

Im derzeitigen Intervall nach Inkrafttreten der BMUV-Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung und der G-BA-Krebsfrüherkennungs-Richtlinie besteht die reale Gefahr, dass zwar prinzipiell Niedrigdosis-CT-Untersuchungen zur Lungenkrebsfrüherkennung durchgeführt werden können, diese aber keinen Eingang in ein strukturiertes und qualitätsgesichertes Screeningprogramm finden. Bei einer unstrukturierten Durchführung einer Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-CT droht ein Übermaß an Schwachstellen und Fehlerquellen entlang der gesamten Prozesskette, welche bei einer strukturierten Vorgehensweise vermieden werden können. In Summe besteht ein hohes Risiko, dass bei einem unstrukturierten Lungenkrebsscreening sowohl die individuelle Teilnehmersicherheit gefährdet wird und in der globalen Betrachtung der Gesamtschaden der unstrukturierten Screeningmaßnahmen deren Gesamtnutzen überwiegt. Zudem würde hierdurch ein nachfolgendes, gut strukturiertes nationales Screeningprogramm bereits vor dessen Start an Akzeptanz bei den Teilnehmern und Behandlern verlieren. Auch nach Inkrafttreten der G-BA-Krebsfrüherkennungs-Richtlinie in voraussichtlich 2026 wird es in Deutschland noch kein bundesweit einheitliches Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-CT im Rahmen eines organisierten Früherkennungsprogrammes nach § 25a SGB V geben, da bis dahin nicht mit der dafür zwingend notwendigen Veröffentlichung einer offiziellen EU-Leitlinie zum Lungenkrebsscreening zu rechnen ist. Stattdessen kann der G-BA vorerst nur Vorgaben zu Lungenkrebsfrüherkennungsmaßnahmen mittels Niedrigdosis-CT nach § 25 SGB V (Gesundheitsuntersuchungen) machen, so dass auch hier Risiken im Hinblick auf Effektivität und Sicherheit denkbar sind. Tabelle 12 führt mögliche Schwachstellen und Fehlerquellen bei einem unstrukturierten Lungenkrebs-Screening-Prozess in Deutschland und daraus resultierende potenzielle Schäden auf.

Tabelle 13: Schwachstellen und Fehlerquellen bei einem unstrukturierten Lungenkrebs-Screening-Prozess in Deutschland und daraus resultierende potenzielle Schäden.

Schwachstellen/Fehlerquellen im Rahmen eines unstrukturierten
Lungenkrebsscreeningprozesses

Potenzielle Folgen/Schäden

unzureichende Identifikation und Einladung von Risikopersonen

·   niedrige Teilnahmequoten

·   Verfehlen der Früherkennungsziele, v. a. im Hinblick auf Senkung der lungenkrebsbedingten Mortalität auf Ebene der Gesamtbevölkerung

fehlende/unzureichende Eignungsprüfung und Einschluss von Risikopersonen

a) bei Einschluss von Personen ohne/mit nur gering erhöhtem Lungenkrebsrisiko:

·   ungünstiges Verhältnis zwischen dem erwarteten Nutzen des Screenings (gewonnene Lebensjahre) im Vergleich zu den Risiken (Strahlenexposition, falsch positive Befunde)

b) bei Einschluss von Personen, die aufgrund von Alter, Komorbiditäten oder Leistungszustand ungeeignet für ein Lungenkrebsscreeningprogramm sind:

·   hohe Rate an Überdiagnosen

·   geringer Gewinn an Lebensjahren im Falle einer Frühdiagnostik nach positiven Screeningbefunden bzw. erhöhte Morbidität, Letalität und Kosten bei deren Abklärung

nicht standardisierte, fachlich unzureichende Befundung und Bewertung der Niedrigdosis-CT

·   Übersehen von positiven Befunden

·   höhere Raten an falsch positiven Screeningbefunden mit unnötigen vorgezogenen Kontroll-LDCT bzw. weiterführenden Abklärungen

·   Benennung von inzidentellen Befunden ohne klinische Relevanz und unnötigen weiterführenden Folgeabklärungen

·   höhere psychische Belastung von Teilnehmern

·   uneinheitliches Management der pulmonalen Rundherde

unzureichend koordinierte und standardisierte Fortführung des Screenings

- unregelmäßige Teilnahme und  Untersuchungsintervalle, dadurch:

·   verringerte Sensitivität und Spezifität des Screenings

·   suboptimales Verhältnis zwischen Nutzen (erwarteter Gewinn an Lebensjahren) und Risiken des Screenings (falsch positive Befunde, verlängerte Lebenszeit mit Tumordiagnose und Überdiagnose)

fehlende/unzureichende Behandlungsalgorithmen, Infrastruktur und Expertise im Rahmen der weiterführenden Abklärung von positiven Screeningbefunden

·   höhere Raten falsch positiver Befunde mit in der Folge unnötigen invasiven diagnostischen Abklärungen und operativen Eingriffen

·   erhöhte Morbidität, Letalität und Kosten durch unzureichend standardisierte bzw. qualitativ schlechtere Behandlung

fehlende Dokumentation und zentrale Archivierung von Screeningbefunden und späteren, gesundheitsrelevanten Endpunkten; daher:

·   keine Abgleiche mit Krebsregisterdaten, zur Erfassung der Krebsinzidenz bei gescreenten Personen, im Vergleich zu nicht gescreenten Personen (auf regionaler oder Bundesebene)

·   keine systematischen Abgleiche mit Daten zu Vitalstatus und Todesursachen Krebsinzidenz bei gescreenten, im Vergleich zu nicht gescreenten Personen (auf regionaler oder Bundesebene)

keine Möglichkeit einer epidemiologischen Qualitätssicherung:

·   keine Möglichkeit der systematischen (zentralisierten) Erfassung von falsch positiven Screeningbefunden

·   keine Möglichkeit, die durchschnittliche Sensitivität des Screenings (Auftreten falsch negativer Befunde) auszuwerten

·   keine Möglichkeit die tatsächliche Effektivität des Screenings (Senkung der lungenkrebsbedingten Mortalität) zu evaluieren

5.1.5 Kernelemente im Aufbau und Ablauf eines nationalen organisierten Programms zur Lungenkrebs-Früherkennung in Deutschland

Aus wissenschaftlicher Sicht setzt sich ein erfolgreiches nationales Lungenkrebsfrüherkennungsprogramm aus 3 wesentlichen Bestandteilen zusammen:

1) dem Identifikations- und Einladungsprozess,

2) dem Früherkennungsprozess und

3) dem Abklärungs- und Behandlungsprozess.

In dem Identifikations- und Einladungsprozess werden mögliche Teilnehmer mit einem hohen Lungenkrebsrisikoprofil gemäß der definierten Eingangskriterien niederschwellig identifiziert und in das nationale Lungenkrebs-Screeningprogramm eingeladen.

Der Früherkennungsprozess umfasst die Auswahl, Eignungsprüfung und Aufklärung der Teilnehmer, die eigentlichen Früherkennungsuntersuchungen inkl. vorgezogener Kontrolluntersuchungen mittels Niedrigdosis-CT und deren Befundung sowie die fortlaufende Dokumentation und den Befundvergleich innerhalb eines longitudinalen qualitätsgesicherten Screeningprogramms.

Der Abklärungs- und Behandlungsprozess beginnt, sobald bei Teilnehmern im Rahmen des Niedrigdosis-CT-Screenings ein klinisch abklärungsbedürftiger Befund erhoben wird und die Teilnehmer sich dann als Patienten der weiterführenden Diagnostik und ggf. Therapie unterziehen.

Sowohl aus Teilnehmer- als auch gesundheitsökonomischer Sicht ist es für den Erfolg eines nationalen Lungenkrebsfrüherkennungsprogramms in Deutschland essenziell, dass alle Anstrengungen unternommen werden, die 3 benannten Bestandteile klar zu adressieren und zu integrieren sowie bestmöglich mit Strukturvorgaben zu unterlegen. Letztendlich ergibt sich der Auftrag an alle in diesem Prozess Beteiligten gemeinsam – im Einklang mit dem Bericht des BfS – „…sicherzustellen, dass auch in der Versorgungsrealität der Nutzen gegenüber den unerwünschten Wirkungen und dem Strahlenrisiko überwiegt, … [sowie] Bedingungen und Anforderungen an den Früherkennungsprozess festzulegen, die sicherstellen, dass dasselbe Qualitätsniveau wie in den analysierten Studien erreicht wird.“ https://www.bfs.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BfS/DE/2021/013.html

Entscheidend ist, dass Nutzen und Schaden nicht nur von dem eigentlichen Früherkennungsprozess abhängen, sondern maßgeblich durch die ihn flankierenden Identifikations- und Einladungs- sowie Abklärungs- und Behandlungsprozesse beeinflusst werden.

Tabelle 13 weist die Kernelemente eines organisierten Früherkennungsprogramms nach § 25a SGB V sowie die darin enthaltenden wissenschaftlich sinnvollen Mindestanforderungen im Rahmen einer § 25 SGB V Lungenkrebsfrüherkennungsmaßnahme inklusive einer leitliniengerechten Tabakentwöhnung aus.

Tabelle 14: Kernelemente eines organisierten Früherkennungsprogramms nach § 25a SGB V (Punkte 1–6) sowie wissenschaftlich sinnvolle Mindestanforderungen für die Übergangsphase nach Inkrafttreten der Übergangsphase nach Inkrafttreten der BMUV-Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung bzw. der G-BA- Krebsfrüherkennungs-Richtlinie nach § 25 SGB V (Punkte 2–5) bis zur Implementierung des organisierten Früherkennungsprogramms inklusive einer leitliniengerechten Tabakentwöhnung.

Kernelemente eines organisierten Früherkennungsprogramms

Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-CT in einem organisierten Früherkennungsprogramm nach § 25a SGB V

1. Einladung und regelmäßige Wiedereinladung der Versicherten unter Sicherstellung eines niedrigschwelligen Angebotes

 

2. individuelle Risikobeurteilung und Erfassung des medizinischen Eignungsprofils durch qualifizierte Ärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Arbeitsmedizin

Mindestanforderungen für die Übergangsphase nach Inkrafttreten der BMUV-Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung bzw. der G-BA- Krebsfrüherkennungs-Richtlinie nach § 25 SGB V bis zur Implementierung eines organisierten Früherkennungsprogramms nach §25a SGB V

 

3. strukturierte Befundung der LDCT und Bewertung der Befunde (modifizierte Lung-RADS 2022 Klassifikation) mit Softwareunterstützung

 

4. Zweitbefundung aller kontroll- oder abklärungsbedürftigen (Lung-RADS 3 und 4 Befunde durch Radiologen an einem auf Lungenkrebs spezialisierten Zentrum

 

5. Vorstellung aller abklärungsbedürftigen Befunde in einer interdisziplinären Fallkonferenz an einem auf Lungenkrebs spezialisierten Zentrum

 

6. zentrale Dokumentation und Qualitätssicherung mit Anwendung des Gesundheitsdatennutzungsgesetzes (GDNG)

Integration bzw. Kopplung an leitliniengerechte Tabakentwöhnung

Notwendigkeit der Kopplung von Lungenkrebs-Früherkennungsmaßnahmen sowie eines organisierten Lungenkrebs-Früherkennungsprogramms nach § 25a SGB V an auf die Behandlung von Lungenkrebs spezialisierte Zentren

Lungenkrebs-Früherkennungsmaßnahmen nach § 25 SGB V wie auch ein angestrebtes organisiertes Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm nach § 25a SGB V sollten über die reine ambulant vertragsärztliche Versorgung hinausgehen und an auf die Behandlung von Lungenkrebs spezialisierte Zentren gekoppelt werden. Die Begründung liegt in der höheren Komplexität des Lungenkrebsscreenings mittels Niedrigdosis-CT im Hinblick auf Risikopopulation, Optimierung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses inklusive Qualitätssicherung und Sicherstellung nahtloser Schnittstellenlösungen zwischen den Früherkennungs- und den Abklärungs-/Behandlungprozessen.

Dies steht im Einklang mit der S3-Leitlinie Lungenkarzinom, dem BfS-Bericht und den bisherigen Stellungnahmen der deutschen und europäischen Fachgesellschaften, die eine Durchführung der Früherkennung an auf die Untersuchung und Behandlung von Lungenkrebs spezialisierten Einrichtungen durch ein multidisziplinäres Behandlungsteam fordern (Fachärzte für Radiologie, Pneumologie, Thoraxchirurgie, Strahlentherapie und Onkologie). Neben den im Handlungsfeld 2 des nationalen Krebsplans geforderten zertifizierten und qualitätsgesicherten onkologischen Behandlungseinrichtungen konnten eine aktuelle Leitlinie der European Respiratory Society (ERS) zur Qualität der Lungenkrebsbehandlung signifikante Überlebensvorteile bei Behandlung in Zentren mit höheren Fallzahlen und Spezialisierung [260].

Tabelle 14 listet die empfohlenen Anforderungskriterien an ein auf Lungenkrebs spezialisiertes Zentrum im Hinblick auf Mindestmengen, Expertise und Struktur.

Tabelle 15: Empfohlene Anforderungskriterien an ein auf Lungenkrebs spezialisiertes Zentrum im Hinblick auf Mindestmengen, Expertise und Struktur

Empfohlene Anforderungskriterien an ein auf Lungenkrebs spezialisiertes Zentrum

Erfüllung von Mindestmengen auf Ebene des Zentrums

▪ Erstdiagnose von mindestens 200 Primärfällen pro Jahr mit der ICD-10-Diagnose C34

▪ Mindestens 75 anatomische Resektionen pro Jahr (OPS 5-323 bis 5-328) bei ICD-10-Diagnosen C34 bzw. C78.0

Expertise auf Ebene des Zentrums (Z) und auf Facharztebene (FA):

▪ ≥ 500 Bronchoskopien pro Jahr (Z)

▪ ≥ 10 interventionelle bronchoskopische Eingriffe bei Verschluss oder Stenosen (unabhängig von Indikation) pro Jahr (Z)

▪ ≥ 200 (Z) und ≥ 100 (FA) histopathologische Begutachtungen von malignen Lungentumoren pro Jahr

▪ ≥ 100 durchgeführte anatomische Lungenresektionen zur Qualifikation als Facharzt Thoraxchirurgie (FA)

▪ ≥ 50 thorakale Bestrahlungen pro Jahr in Primärtherapie und ≥ 100 Bestrahlungsserien pro Jahr (Z)

▪ ≥ 150 medikamentöse Tumortherapien bei Lungenkarzinom-Patienten (alternativ: ≥ 50 Primärfälle oder ≥ 200 Entitätsunabhängig pro Jahr (Z)

▪ Angebot von klinischen Studien mit Ethikvotum mit einer Studieneinschlussquote von ≥ 5% der Primärfallzahl pro Jahr (Z)

▪ ≥ 100 Schmerztherapien, davon ≥ 50 bei Lungenkarzinom pro Jahr am Zentrum (Z)

Strukturanforderungen auf Ebene des Zentrums:

▪ mindestens 1-mal wöchentliche interdisziplinäre Fallkonferenz:

– zur Beurteilung von abklärungsbedürftigen LDCT-Screening-Befunden Teilnahme von Radiologe, Pneumologe und Thoraxchirurg erforderlich

▪ Interdisziplinäres Team:

– Abteilung für Pneumologie (oder Bereich mit Schwerpunkt) mit mindestens 2 pneumologischen Fachärzte Pneumologie in Vollzeit, Facharztverfügbarkeit rund um die Uhr

– Abteilung für Thoraxchirurgie (oder Bereich mit Schwerpunkt) mit mindestens 2 thoraxchirurgischen Fachärzten in Vollzeit, Facharztverfügbarkeit rund um die Uhr

– Radiologe mit strukturiertem Zugang zu interventioneller Radiologie und PET-CT (in Kooperation mit Nuklearmediziner)

– Nuklearmediziner mit strukturiertem Zugang zu PET-CT (in Kooperation mit Radiologen)

– Pathologe

– Strahlentherapeut

– internistischer Onkologe/Hämatoonkologe oder Pneumologe mit entsprechender Expertise

– Palliativmediziner

▪ Zugang zu weiteren Professionen:

– Psychoonkologie

– Sozialdienst (mind. 1,0 VK/400 beratene Patienten)

– onkologische Fachpflege (mind. 1,0 VK im Tagdienst)

– Physiotherapie

– Logopädie

– qualifizierte Schmerztherapie

– Ernährungsberatung

▪ Angebot Raucherberatung und Tabakentwöhnung

5.1.5.1 Wesentliche Schritte des Lungenkrebsfrüherkennungsprozesses

Die wesentlichen Schritte in einem organisierten Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm in Deutschland, welche Tabelle 15 auflistet, wurden bereits in einem Positionspapier ausführlich dargestellt [196]. Hier wird nachfolgend auf das medizinische Eignungsprofil sowie die modifizierte Lung-RADS Klassifikation mit Volumenverdopplungszeit (VDT) eingegangen.

Tabelle 16: Wesentliche Schritte in einem organisierten Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm in Deutschland

Schritt Prozess
1. Identifikations- und Einladungsprozess
2. Beratungs- und Aufklärungsgespräch, Eignungsprüfung und Einschluss in das Früherkennungsprogramm sowie Aufklärung über Nutzen und Risiken der LDCT-Früherkennungsuntersuchung, Beratung und Motivation von Aktivrauchern zur Tabakentwöhnung
3. Stellung der rechtfertigenden Indikation
4. Durchführung der LDCT-Früherkennungsuntersuchung
5. Befundung der LDCT und Bewertung der Befunde durch den qualifizierten Radiologen
6.

Strukturierte Fortführung, Verlassen bzw. Beendigung des Früherkennungsprozesses

7.

Management abklärungsbedürftiger Befunde in auf Lungenkrebs-spezialisierten Zentren

8.

Wiedereintritt in den Früherkennungsprozess

Medizinisches Eignungsprofil

In der Literatur wie auch in den bereits laufenden europäischen Lungenkrebs-Screeningprogrammen finden sich keine einheitlichen spezifischen Angaben zur Eignung von Teilnehmern für ein Niedrigdosis-basiertes Lungenkrebsscreening (medizinisches Eignungsprofil). Prinzipiell sollten die asymptomatischen Teilnehmer a) für eine kurativ-intendierte Behandlung von abklärungsbedürftigen Befunden geeignet sein und b) eine ausreichende verbleibende Lebenserwartung haben.

In den Ausschlusskriterien der in Tabelle 11 angeführten randomisiert-kontrollierten Studien finden sich nur wenig klar definierte Angaben zu Lebenserwartung (DANTE: < 5 Jahre, DLCST, LUSI: < 10 Jahre), Unfähigkeit sich einer thoraxchirurgischen Resektion (DEPISCAN, MILD), einem kurativen Eingriff (UKLS) bzw. einer Lungenkrebsbehandlung (LUSI) zu unterziehen, frühere Lungenteilresektion (LSS, NLST), eingeschränkte Lungenfunktion (DLCST: FEV1 < 30% vom Soll), eingeschränkte Sauerstoffsättigung in Ruhe (DANTE: SO2 < 94%), Belastbarkeit (DLCST, NELSON: kein Steigen von 36 Treppenstufen/2 Stockwerken ohne Anzuhalten), Gewicht (DLCST: < 130 kg, UKLS: > 200 kg), Drogen- oder Alkoholabusus (DANTE), Demenz (DANTE).

Modifizierte Lung-RADS Klassifikation mit Volumenverdopplungszeit (VDT)

In der HANSE-Studie konnte in Deutschland die Anwendung eine modifizierte Lung-RADS Klassifikation mit integrierter Volumenverdopplungszeit (Tabelle 16) auf der Basis der Lung RADS-Klassifikation von 2022, des European Position Statement on Lung Cancer Screening von 2017 sowie des Designs und der Rationale der HANSE-Studie erfolgreich demonstriert werden [241]  [261]  [262]. Hierbei lag die Rate von abklärungsbedürftigen Befunden zwischen 2 und 3% [186] [187]. Eine Publikation der gesamten Ergebnisse wird 2025 erwartet.

Tabelle 17: Lung-RADS Klassifikation mit Volumenverdopplungszeit (VDT) modifiziert auf der Basis der Lung RADS-Klassifikation von 2022, des European Position Statement on Lung Cancer Screening von 2017 sowie des Designs und der Rationale der HANSE-Studie

Lung-

RADS

Kategorie

Beschreibung

Befunde Management Befunde Management

0

Unvollständig

Geschätzte

Prävalenz: ~ 1%

Vorherige Thorax-CT-Untersuchung zum Vergleich

Vergleich mit früherem Thorax-CT

Ein Teil oder die gesamte Lunge kann nicht bewertet werden

Erneute LDCT-Bildgebung erforderlich

Befunde, die auf einene entzündlichen/infektiösen Prozess hindeuten (Anmerkung 10)

1-3 Monate LDCT bei

unklarem infektiösen oder entzündlichen Prozess

1

Negativ

Geschätzte

Prävalenz: 39 %

Keine Lungenrundherde ODER 12-Monats-Screening LDCT

Rundherd mit gutartigen Merkmalen:

• Vollständige, zentrale, Popcorn- oder konzentrische Ringverkalkungen ODER

• Fetthaltig

2

Gutartig

Basierend auf bildgebenden

Merkmalen oder gutartigem Verhalten; Geschätzte Prävalenz: 45 %

Juxtapleuraler Rundherd:

• <524 mm3 (<10 mm mittlerer Durchmesser) im

Baseline LDCT oder neu UND

• Solide; glatte Ränder; und ovale, linsenförmige oder dreieckige Form

Solider Rundherd:

• <113 mm3 (<6 mm) im Baseline LDCT ODER

• Neu <34 mm3 (<4 mm) ODER

• <34 mm³ (<4 mm) mit

Teilsolider Rundherd:

• <113 mm³ (<6 mm) mittlerer Gesamtdurchmesser im Baseline LDCT

Milchglas Rundherd (GGN):

• <14,137 mm3 (<30 mm) im Baseline LDCT, neu oder wachsend ODER

• ≥14,137 mm3 (≥30 mm) stabil oder langsam wachsend (Anmerkung 7)

Endobronchialer Rundherd, subsegmental im Baseline LDCT, neu oder stabil (Anm.11)

Rundherd der Kategorie 3, der bei 6-Monats-Followup-CT stabil (VDT>600 Tage für solide Rundherde) ist oder in seiner Größe abgenommen hat, ODER

Rundherd der Kategorie 3 oder 4A, der sich im Follow up-CT auflöst, ODER

Befunde der Kategorie 4B, die sich nach entsprechender diagnostischer Abklärung als gutartig in der Ätiologie erwiesen

3

Wahrscheinlich gutartig

Basierend auf Bildgebungsmerkmalen oder -verhalten Geschätzte Prävalenz: 9%

Solider Rundherd:

• ≥113 mm³ bis <268 mm3 (≥6 mm bis <8 mm) im Baseline LDCT ODER

• Neu 34 mm³ bis < 113 mm³ (4 mm bis <6 mm)

6-Monats follow-up LDCT

Teilsolider Rundherd:

• ≥ 113 mm3 (≥ 6 mm mittlerer Gesamtdurchmesser) mit solider Komponente < 113 mm³ (< 6 mm) im Baseline LDCT ODER

• Neu < 113 mm3 (< 6 mm mittlerer

Gesamtdurchmesser)

Milchglas Rundherd (GGN):

• ≥ 14,137 mm³ (≥ 30 mm) im Baseline LDCT oder neu

Atypische Lungenzyste: (Anmerkung 12)

• Wachsende zystische Komponente (mittlerer Durchmesser) einer dickwandigen Zyste

Rundherd der Kategorie 4A, der im 3-Monats-Followup- CT stabil (VDT>600 Tage) oder verkleinert ist (außer endobronchialen Rundherden)
4A

Verdächtig

Geschätzte Prävalenz: 4%

Solider Rundherd:

• ≥268 mm³ bis <1,767 mm³ (≥8 mm bis <15 mm) im Baseline LDCT ODER

• ≥34 mm³ (≥4 mm) bis <268 mm3 (<8 mm) mit ODER

• Neu 113 mm³ bis <268 mm3 (6 mm bis <8 mm)

3-Monats Follow-up LDCT;

Bei soliden Rundherden:

PET/CT (mit Herder-Modell Auswertung) kann nach Beschluss in der interdisziplinären onkologischen Fallkonferenz verwendet werden, wenn die *Wahrscheinlichkeit von Malignität >10% beim Baseline LDCT ist.

Teilsolider Rundherd:

• ≥113 mm3 (≥6 mm) totaler mittlerer Diameter mit solider Komponente ≥113 mm³ bis <268 mm3 (≥6 mm bis <8 mm) im Baseline-LDCT ODER

• Neu oder wachsende <34 mm3 (<4 mm) solide Komponente

Endobronchialer Rundherd, segmental oder proximal im Baseline LDCT oder neu (Anm.11).

Atypische pulmonale Zyste: (Anmerkung 12)

• Dickwandige Zyste ODER

• Multilokuläre Zyste im Baseline LDCT ODER

• Dünn- oder dickwandige Zyste, die multilokulär wird.

4B

Sehr verdächtig

Geschätzte Prävalenz:2%

Endobronchialer Rundherd, segmental oder proximal stabil oder wachsend (Anmerkung 11).

Interdisziplinäre Fallkonferenz:

Das Management hängt von der klinischen Bewertung, der Patientenpräferenz und der Wahrscheinlichkeit einer Malignität ab (siehe Anmerkung 13).

Thorax-CT mit/ohne Kontrastmittel;

PET/CT (mit Herder-Modell Auswertung) kann in Betracht gezogen werden, wenn ein solider Rundherd oder eine solide Komponente von ≥ 268 mm3 (≥ 8 mm) vorhanden ist; Gewebeentnahme (Biopsie oder Resektion)

Solider Rundherd:

• ≥1767 mm3 (≥15 mm) im Baseline LDCT ODER

• ≥268 mm3 (≥8mm) neu oder wachsend (VDT<600 Tage)

Teilsolider Rundherd:

• Solide Komponente ≥268 mm3 (≥8 mm) im Baseline-CT ODER

• Neue oder wachsende solide Komponente ≥34 mm³ (≥4 mm)

Atypische Lungenzyste: (siehe Anmerkung 12)

• Dickwandige Zyste mit zunehmender Wanddicke/Nodularität ODER

• Wachsende multilokuläre Zyste (mittlerer Durchmesser) ODER

• Multilokuläre Zyste mit vermehrter Lokulierung oder neuer/zunehmender erhöhter Dichte (knötchenförmig, milchglasartig oder Konsolidierung)

Langsam wachsender solider oder teilsolider Rundherd, der Wachstum über mehrere Screening-Untersuchungen zeigt (Anmerkung 8)

4X

Geschätzte Prävalenz:<1%

Rundherd der Kategorie 3 oder 4 mit zusätzlichen Merkmalen oder bildgebenden Befunden, die den Verdacht auf Lungenkrebs erhöhen (Anmerkung 14)

S

(potenziell) klinisch relevante Befunde (nicht Lungenkrebs); geschätzte Prävalenz: ca. 10%

Modifikator: Kann bei klinisch relevanten oder potenziell klinisch relevanten Befunden ohne Bezug zu Lungenkrebs zu Kategorie 0-4 hinzugefügt werden (siehe Anmerkung 15).

Je nach Befund

5.1.5.2 Integration der Tabakentwöhnung

Ein vor kurzem veröffentlichtes Positionspapier zur Implementierung der Tabakentwöhnung in ein Lungenkrebs-Screeningprogramm bietet eine ausführliche Zusammenfassung der hierzu vorliegenden Evidenz [102]. Rund 35–55% der Teilnehmer in den randomisierten Low-Dose-CT-Screeningstudien bzw. Pilotstudien waren aktive Raucher [263] [217] [264]. Ein Rauchstopp senkt ebenso wie ein Niedrigdosis-CT-Lungenkrebs-Screening-Programm die lungenkrebsbedingte Mortalität. Bereits eine einmalige therapeutische Intervention zur Tabakentwöhnung ist effektiv und reduziert nicht nur die lungenkrebsbedingte Mortalität, sondern auch die Sterblichkeit anderer prävalenter tabakassoziierter Erkrankungen. Bei Kombination beider Verfahren addieren sich deren mortalitätssenkende Effekte. Gleichzeitig wurden bei aktiven Rauchern in Lungenkrebs-Screening-Programmen eine größere Bereitschaft zur Teilnahme an Tabakentwöhnungsprogrammen und darüber hinaus höhere Entwöhnungsraten zwischen 7% und 23% im Vergleich zu Rauchern außerhalb von Lungenkrebsscreening evident. Mit therapeutischen Tabakentwöhnungsmaßnahmen konnten die Entwöhnungsraten noch weiter gesteigert werden [235]. Die Yorkshire Enhanced Stop Smoking Study (YESS) wies unlängst bei mehr als 30% der noch aktiv rauchenden Teilnehmer eines Lungenkrebs-Screening-Programms einen erfolgreichen Rauchstopp nach, wenn sie an einer personalisierten Tabakentwöhnung teilnahmen https://www.iaslc.org/iaslc-news/press-release/united-kingdom-based-smoking-cessation-program-reports-30-percent-support. Die Kosteneffektivität von LDCT-Lungenkrebs-Screening-Programmen wird durch die Integration von Tabakentwöhnung signifikant gesteigert, wobei die Entwöhnungsraten den wesentlichen Einflussfaktor darstellen [265]. Bereits existierende nationale Lungenkrebsscreeningprogramme sowie -Pilotprojekte in den USA, Kroatien, Polen, der Tschechischen Republik, respektive in Großbritannien und Deutschland haben die Tabakentwöhnung integriert [241] https://www.lung.org/getmedia/958357b1-b33c-4d7d-81b4-bdaf8c8439d7/lung-cancer-screening.pdf [266]. Auf der Basis dieser Erfahrungen sollte die Tabakentwöhnung auch in Deutschland fester Bestandteil des angestrebten nationalen Lungenkrebs-Screening-Programms werden, wie bereits in dem DGP/DRG-Positionspapier von 2019 [267] sowie der S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung“ von 2021 empfohlen https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/076-006. Lungenkrebs-Screening-Programme sollten ihren Teilnehmern, insbesondere auch in Kooperationsmodellen, einen leichten Zugang zu Tabakentwöhnungsprogrammen, Telefonangeboten oder internetbasierten Programmen (DIGA) nach dem Opt-out-Prinzip ermöglichen. Deren Aufbau und obligatorische Bestandteile entsprechen den Vorgaben der S3-Leitlinie bzw. den Vorgaben des Erhebungsbogens für Lungenkrebszentren https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/076-006.

Die Kurzberatung sollte nach dem ABC-Methode durchgeführt werden https://www.health.govt.nz/publications/the-new-zealand-guidelines-for-helping-people-to-stop-smoking-update [268]:

  • Ask: Abfragen und Dokumentation des Raucherstatus
  • Brief advice: Individuelle und motivierende Empfehlung zum Rauchstopp
  • Cessation support: Qualifizierte Unterstützung beim Aufhörwunsch oder der Verweis an qualifizierte weiterführende Hilfsangebote

Die ABC-Methode wurde bereits in Deutschland angewendet und evaluiert [253].

Zugang zur kostenlosen Telefonberatung ermöglicht das Rauchfrei-Ticket des Netzwerks Rauchfreier Krankenhäuser und der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZGA) https://rauchfrei-ticket.de.

Ein Internet-basiertes Programm stellt u. a. die BZGA zu Verfügung (https://rauchfrei-info.de/aufhoeren/das-rauchfrei-ausstiegsprogramm/).

Seit kurzem ist auch eine App-Lösung verfügbar (https://www.nichtraucherhelden.de). Die Kosten werden von den Kostenträgern übernommen.

Eine Suchmaske zum Auffinden therapeutischer Programme und Einrichtungen hat das Deutsche Krebsforschungszentrum mit der BZGA eingerichtet (https://www.anbieter-raucherberatung.de/index.php#suchergebnisse).

5.1.5.3 Epidemiologische Qualitätssicherung

Ein Lungenkrebs-Screeningprogramm ist ein komplexes, multidisziplinäres Unterfangen, das darauf abzielt, die durch Lungenkrebs verursachte Morbidität und Mortalität zu reduzieren, ohne sonst den Gesundheitszustand der am Screening teilnehmenden Personen weitgehend zu beeinträchtigen. Die Wirksamkeit eines Screening-Programms hängt von der Qualität der einzelnen Komponenten des Screening-Prozesses ab. Wesentliche Bestandteile hierbei sind die Identifikation von Personen, die die Eignungskriterien erfüllen, die Einladung zu und Teilnahme an Screening-Untersuchungen, die operativen Merkmalen des eigentlichen Screening-Prozesses sowie die Qualität der Behandlung von Patienten mit im Screening entdeckten Tumoren.

Eine systematische Überwachung und Bewertung der Wirksamkeit des Screening-Prozesses in der Bevölkerung erfordert die Einrichtung eines epidemiologischen Qualitätskontrollprogramms. Wichtige Schlüsselfragen, die in einem epidemiologischen Qualitätskontrollprogramm behandelt werden sollten, sind:

  1. Ist das Screeningprogramm effektiv auf diejenigen Personen ausgerichtet, die voraussichtlich von einem Screening profitieren werden? Und nehmen diejenigen, die die Eignungskriterien erfüllen, es effektiv in Anspruch?
  2. Wie häufig treten schädliche Ereignisse auf, die durch das Screening verursacht werden? Dies betrifft insbesondere falsch positive Screening-Tests, falsch positive Diagnosen nach invasiven klinischen Untersuchungen und Überdiagnostik.
  3. Reduziert das Screening wirksam die Lungenkrebs-bedingte Mortalität unter den Screening-Teilnehmern und erhöht es die Lebenserwartung derjenigen Personen mit im Screening entdeckten Tumoren?
  4. Inwieweit senkt das Programm die Lungenkrebs-bedingte Mortalität auf der Ebene der Gesamtbevölkerung?
  5. Wie hoch ist die Gesamt-Kosteneffektivität bzw. der Geldwert pro gewonnenem Lebensjahr?

Um diese Fragen zu beantworten, muss eine programmatische Umsetzung des Lungenkrebs-Screenings mit systematischen Datenerhebungen zur epidemiologischen Qualitätskontrolle einhergehen. Dazu gehört die Erhebung von Daten auf verschiedenen Ebenen, sowohl für Personen, die regelmäßig am Lungenkrebs-Screening-Programm teilnehmen, als auch für Lungenkrebspatienten, die nur unregelmäßig oder gar nicht am Screening teilnehmen. Eine ausführliche Aufstellung der hierfür notwendigen Parameter findet sich in dem Positionspapier zur Implementierung eines nationalen Lungenkrebs-Screeningprogramms [196].

Für Screening-Teilnehmer können Daten innerhalb der Organisationsstruktur des Screening-Programms selbst über die Zentrale Koordinationsstelle, Referenzzentren, Screening-Einheiten und auf Lungenkrebs spezialisierte Zentren und erhoben werden. Dazu gehört die vollständige und korrekte Erfassung aller individuellen Daten der Zielgruppe zum Screening, die Einladung und Teilnahme zur Risikobewertung sowie die Einladung und tatsächliche Teilnahme an Screening-Untersuchungen.

Darüber hinaus sollten für jeden Teilnehmer am Screening-Test detaillierte Datensätze geführt und zentralisiert werden. Wichtig hierbei ist der Bezug auf die Ergebnisse der Screening-Untersuchungen, die als Folge des Screenings getroffenen klinischen Entscheidungen und die klinischen Entscheidungen für die weitere Diagnose der Teilnehmer, die zur Diagnosebestätigung an die Klinik überwiesen wurden.

Des Weiteren sollten für alle im Rahmen des Screenings erkannten Lungenkrebspatienten Aufzeichnungen über die Erstbehandlung sowie über die prognostischen Ergebnisse und das Überleben der Patienten geführt und zentralisiert werden.

Für Lungenkrebsdiagnosen bei Screening-Teilnehmern, die nicht im Rahmen des Screening-Prozesses, sondern außerhalb hiervon gestellt werden, sowie auch bei Nicht-Teilnehmern sollten ergänzende Daten über epidemiologische und klinische Krebsregister erhoben werden. Ebenso können Verknüpfungen mit Bevölkerungsregistern zur Sterblichkeit aufgrund von Lungenkrebs und anderen Ursachen Informationen über das Patientenüberleben und die Lebenserwartung von Personen liefern, die die Lungenkrebs-Früherkennung regelmäßig in Anspruch nehmen, und denjenigen, die nicht daran teilnehmen.

Ähnlich wie bei den aktuellen Vorgehensweisen im laufenden Mammographie-Screening können zur Gewährleistung des individuellen Datenschutzes im Einladungsprozess Pseudonymisierungsverfahren eingesetzt werden. Ebenso werden Pseudonymisierungsverfahren auch zur Verknüpfung von Screening-Teilnehmern mit Krebsregistern und Vitalstatus- und Todesursachenregistern eingesetzt.

Grundlegende Leistungsindikatoren

In den frühen Stadien nach Einführung des Lungenkrebs-Screenings können die folgenden Parameter zur Überwachung und Qualitätskontrolle des Screening-Programms verwendet werden:

  • Einladungs- und Teilnahmequoten: Zielgruppe; Einladungsberichterstattung zur Risikoermittlung, Raucherhistorie und geschätztes Lungenkrebsrisiko bei den Befragten; Einladung Erst- und Folgeuntersuchungen, Reaktion auf Einladungen, Regelmäßigkeit der Teilnahme; Bewertung der Wirkung unterschiedlicher Werbemaßnahmen zur Förderung der Teilnahme an Screenings.
  • Krebsentdeckungsrate im Erstscreening und in Folgescreenings, als Prozentsatz der Screening-Teilnehmer und aller in Deutschland diagnostizierten Lungenkrebsfälle, und relativ zur Hintergrundinzidenzrate, nach Geschlecht, Altersgruppe, histologischem Subtyp. Das laufende Screening-Programm sollte eine ausreichend hohe Erkennungsrate aufweisen (der Schwellenwert muss noch festgelegt werden).
  • Anteil invasiver Untersuchungen nach Überweisung zur klinischen Abklärung.
  • Positive Vorhersagewerte für Screening-Tests (PPV1) und bei der klinischen Diagnose nach invasiver diagnostischer Aufarbeitung einschließlich Gewebeentnahme durch Bronchoskopie, Biopsie oder Operation (PPV2).
  • Verteilung des Tumorstadiums insgesamt und nach histologischem Subtyp unter regulären und unregelmäßigen Screening-Teilnehmern und unter Nicht-Teilnehmern. Um eine Verringerung der LC-bedingten Mortalität in 5–10 Jahren zu erreichen, muss die Anzahl (Inzidenz) fortgeschrittener (Stadium II–IV), nicht lokalisierter Tumoren unter den Screening-Teilnehmern gesenkt werden. Im Gegensatz dazu sollte bei regulären Screening-Teilnehmern der Anteil (und nach dem 1. Screening auch die absolute Inzidenz) kleiner Tumoren im unteren Stadium, die für eine kurative Behandlung in Frage kommen, im Vergleich zu Personen, die nicht am Screening teilnehmen, erhöht sein. (Es ist jedoch zu beachten, dass eine verringerte Inzidenz fortgeschrittener Tumoren zwar eine Voraussetzung für die Wirksamkeit des Screenings ist, jedoch keinen endgültigen Beleg dafür liefert, dass das Screening tatsächlich die Lungenkrebs-bedingte Mortalität senkt. Letzteres erfordert längerfristige Nachbeobachtungsstudien; s. unten)
  • Auftreten von Intervallfällen/Krebserkrankungen, die beim Screening übersehen wurden, nach histologischem Subtyp und Tumorstadium. Unter den regulären Screening-Teilnehmern dürften zwischen den Screening-Terminen nur wenige Fälle von Lungenkrebs diagnostiziert werden.
  • Höhere Intervallfallraten wären ein Hinweis auf eine geringere/unzureichende Screening-Sensitivität. Bei den Intervallfällen handelt es sich wahrscheinlich meist um schnell wachsende und klinisch aggressive Tumortypen, überwiegend kleinzellige und histologische
  • Plattenepithelkarzinom-Subtypen.
  • Aktualität. Für Screening-Teilnehmer: Zeitspanne zwischen Screening-Test und Veröffentlichung des Testergebnisses. Für diejenigen, die zur diagnostischen Abklärung an ein Lungenkrebszentrum überwiesen werden: Abstand zwischen dem Screening-Test und dem ersten Tag der klinischen Beurteilung sowie Zeit bis zur abschließenden Beurteilung/Operation.
  • Anteil der Patienten, die in eine Leitlinien-gerechte Tabakentwöhnung vermittelt werden.

Sobald Daten zum mittel- und langfristigen Überleben von Lungenkrebs-Patienten mit Screening-Erkennung verfügbar sind, wird die Programmevaluierung längerfristig auch eine Analyse der Wirksamkeit im Hinblick auf ihre tatsächlichen Auswirkungen auf die Lungenkrebs-bedingte Mortalität oder auch Überdiagnostik, ermöglichen. Letztere Analysen erfordern allerdings eine langzeitliche Nachbeobachtung der Zielpopulation (d. h. aller deutschen Männer und Frauen, die im Prinzip für eine Lungenkrebsvorsorgeuntersuchung in Frage gekommen wären) im Hinblick auf das Auftreten (Inzidenz) von Lungenkrebs, sowie die Gesamtmortalität und Todesursachen. Die Auswirkung einer regelmäßigen Screening-Teilnahme auf die Lungenkrebs-bedingte Mortalität kann dann beispielsweise anhand von Fall-Kontroll-Studien [269] oder auch Nachahmung randomisierter Studienvergleiche unter Verwendung deutscher gesundheitsbezogener Angaben und Gesundheitsregisterdaten beurteilt werden [270].

5.2 Sputumzytologie/ Endoskopische Verfahren/ Tumormarker

5.14 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei asymptomatischen Risikopersonen für ein Lungenkarzinom soll ein Screening mittels:

  • Sputum-Zytologie und/oder
  • Bronchoskopie und/oder
  • Biomarkern (z. B. klassische Tumormarker, Liquid biopsies, Atemgas-Exhalat-Analysen)

nicht erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei asymptomatischen Risikopersonen für ein Lungenkarzinom soll ein Screening mittels: Sputum-Zytologie und/oder Bronchoskopie und/oder Tumormarker im Serum nicht erfolgen.

Hintergrund

Sputumzytologie

Die großen Studien zur Sputumzytologie in den 1970er und 1980er Jahren untersuchten überwiegend die Rolle der Sputumzytologie in Verbindung mit konventionellem Röntgen-Thorax-Screening und der eigenständige Beitrag der Sputumzytologie zum Screening blieb dabei oftmals unklar (Mayo Lung Project: [176], [271], [272]; Johns Hopkins Project: [273], [274], [275], [276]; Memorial Sloan-Kettering Center Project: [178], [277]). Diese Studien waren darüber hinaus bezüglich der Rolle der Sputumzytologie oftmals nicht ausreichend „gepowert“. Insgesamt waren alle bis heute verfügbaren Studien nicht in der Lage, einen Überlebensvorteil durch das Screening mittels Sputumzytologie oder durch die Kombination der Sputumzytologie mit radiologischer Diagnostik zu belegen. Auch in einer Metaanalyse der Studiendaten (Cochrane Review) ergaben sich keine Belege für einen Überlebensvorteil durch Screening mittels Sputumzytologie [175] (Evidenzgrad 1a).

Weitere Verbesserungen der Sputumdiagnostik konnten zwischenzeitlich z.B. mit computerunterstützter zytometrischer Bildanalyse [278], [279], [280], [281] und molekularbiologischen Methoden erzielt werden [282], [283], [284], [285], [286], [287], [288], [289], [290], [291], [292], [293], [294], [295]. Auch gibt es Bemühungen um neue Strategien zur weiteren diagnostischen Abklärung von Patienten mit positiven Befunden im Sputum-Screening [296], teilweise im Kombination mit Niedrig-Dosis-CT und Fluoreszenz-Bronchoskopie [297]. Große prospektive Studien, die eine Neubewertung der Sputumzytologie auf der Basis dieser Techniken als Screeningverfahren zuließen, stehen noch aus.

Endoskopische Verfahren

Bei klinischem Verdacht auf ein Lungenkarzinom oder bei verdächtigen Befunden in den nicht-invasiven Methoden erfolgt in der Regel eine Bronchoskopie. Die klassische Weißlichtbronchoskopie erkennt zwar gut manifeste endobronchiale Tumoren, übersieht jedoch unter Umständen frühe Veränderungen im Schleimhautniveau (Dysplasie, Carcinoma in situ, frühes invasives Karzinom). Die Sensitivität der Weißlichtbronchoskopie ist somit für das „Frühkarzinom“ nicht optimal. Die Entdeckung früher neoplastischer Läsionen kann durch technische Neuentwicklungen wie die Autofluoreszenzbronchoskopie oder das sog. „narrow-band-imaging“ deutlich verbessert werden [298], [299]).

Auf Grund der Invasivität der Bronchoskopie ist sie nicht zur Frühdiagnostik bei asymptomatischen Risikokollektiven geeignet. Empfehlungen zum Einsatz der Bronchoskopie im Rahmen der Primärdiagnostik des Lungenkarzinoms finden sich im Kapitel Diagnostik.

Tumormarker

Schneider u. Mitarbeiter [300] unterzogen ein Panel von Tumormarkern des Lungenkarzinoms (CRP, SCC, CEA, NSE, CYFRA 21–1, M2-PK) bei 647 Patienten, von denen 200 an einem Lungenkarzinom erkrankt waren, einer Fuzzy-Logik-Analyse. Die Sensitivitäten der genannten Tumormarker liegen für die Tumorstadien I und II zwischen 20 und 30 %, maximal bei 67 %. Mit Einsatz der Fuzzy-Logik-Analyse stieg die Sensitivität (bei einer zugrunde gelegten Spezifität von 95 %) auf 75 %. Der positive prädiktive Wert lag damit bei 87 %, der negative prädiktive Wert bei 89 %. Geht man unter analogen Randbedingungen von einem realistischen Screening-Kollektiv aus, in welchem die Punktprävalenz eines Lungenkarzinoms realistischerweise nicht mehr als 2 % beträgt, so liegt bei einer wiederum zugrunde gelegten Sensitivität von 75 % und einer Spezifität von 95 % der positive prädiktive Wert nur noch bei 23 %, der negative prädiktive Wert bei 99 %. Da ein positiver prädiktiver Wert von 23 % für ein groß angelegtes Screening viel zu häufig (nämlich in 77 % der „verdächtigen“ Fälle) einen später unbegründeten Tumorverdacht auslösen würde, ist das Verfahren – für sich allein genommen – zum Screening großer Kollektive ungeeignet. Es könnte seinen Stellenwert in Kombination mit anderen Screeningverfahren unter Beweis stellen.

Weiterhin sind molekularbiologische und -genetische Verfahren im peripheren Blut in Entwicklung. Hierzu zählen neben vielen anderen Methoden z. B. Analysen zirkulierender Tumorzellen [301], [302], [303] und zellfreier DNA  [304] im Blut, aber auch Analysen aus der Ausatemluft [305] und aus dem Urin [306]. Für keines dieser neuen Verfahren konnte bislang ein Überlebensvorteil beim Einsatz zur Früherkennung des Lungenkarzinoms gezeigt werden, sodass sie bislang nicht für den Routineeinsatz empfohlen werden können.

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