Leitlinienprogramm OnkologieLungenkarzinom

9. Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms – Lungenkarzinom

Version 5.1 · Juli 2026 · AWMF 020-007OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

9.1 Einleitung

Kleinzellige Lungenkarzinome stellen ca. 15 % der heute diagnostizierten Bronchialtumoren dar. Die Inzidenz ist eher leicht fallend. Der Anteil der kleinzelligen Lungenkarzinome lag 1973 in den USA bei 17 % und im Jahre 2003 noch bei 13 % [1473]. Die mittlere Überlebenszeit der unbehandelten Erkrankungen ist ausgesprochen ungünstig und liegt unter 3 Monaten. Die Erkrankung besitzt eine hohe Therapiesensibilität. Durch Einsatz angemessener Behandlungsstrategien kann die mittlere Überlebenszeit bei Fernmetastasierung auf 8-12 Monate und bei begrenzter Erkrankung auf 14 bis 20 Monate erhöht werden. Während bei Vorliegen einer Fernmetastasierung ein Langzeitüberleben über 5 Jahre nur in extrem seltenen Einzelfällen (<1 %) beobachtet wird, kann in retrospektiven Analysen die rezidivfreie Fünfjahresüberlebensrate bei limitierter Erkrankung zwischen 30 % und 50 % liegen. [1474]. [1475].

Zumindest bei Fehlen einer hämatogenen Fernmetastasierung ist die Erkrankung somit potentiell kurativ behandelbar.

9.2 Prognoseparameter

9.1 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Klassifikation der Tumorausbreitung des SCLC sollte nach TNM-Merkmalen und dem aktuellen Stagingsystem der UICC erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Siehe Kapitel 6.5.

9.2 · Evidenzbasiertes Statement · geprüft 2026

Aufgrund besonderer prognostischer Bedeutung beim SCLC sollen ECOG Performance Status, Geschlecht und LDH erhoben werden.

Evidenzlevel
2
Konsens
Konsens (91%)
Literatur
[1476] [1477] [1478] [1479] [1480] [1481] [1482] [1483] [1484] [1485]
ÄnderungshinweisVon besonderer prognostischer Bedeutung sind ECOG Performance Status, Geschlecht und LDH. Forschungsbedarf: Es sollten prospektive Studien auf dem Boden der UICC-Klassifikation durchgeführt werden.

Hintergrund

Wichtigster Prognoseparameter ist die Ausbreitung der Tumorerkrankung.

Die Tumorausbreitung sollte grundsätzlich nach TNM klassifiziert und Therapieempfehlungen sollten auf dem Boden des TNM-Systems erstellt werden. Das TNM-Stagingsystem erlaubt eine einheitliche Definition der Tumorausbreitung für alle Lungenkarzinome. Zu beachten ist allerdings, dass dieses System primär für das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom entwickelt und validiert wurde. Für das kleinzellige Karzinom liegen außer wenigen operativen Behandlungserien keine prospektiven Studien vor, die auf der Grundlage des TNM-Systems durchgeführt und analysiert wurden. Nahezu alle bisher publizierten Daten basieren auf der VALG (Veterans Administration Lung Cancer Study Group)-Unterscheidung in limited und extensive disease. Dieses einfache Stagingsystem orientiert sich primär an der Durchführbarkeit einer Bestrahlung. Innerhalb der Limited-Gruppe wird jedoch keine weitere Differenzierung zur Primärtumorausdehnung oder zum Lymphknotenstatus vorgenommen. Für konservative nicht operative Therapieansätze liegen somit lediglich Studienergebnisse für die Gesamtgruppe Limited und nicht für die einzelnen UICC-Stadien vor. Den nachfolgenden Therapieempfehlungen liegen daher in der Regel die Stadien der VALG zugrunde.

„Limited disease“ (LD)

Auf den initialen Hemithorax begrenzter Tumor mit oder ohne ipsi- oder kontralaterale mediastinale oder ipsilaterale supraklavikuläre Lymphknotenmetastasen* und mit oder ohne ipsilateralen Pleuraerguss unabhängig vom zytologischen Ergebnis*.

„Extensive disease“ (ED)

Jede Ausbreitung über „limited disease“ hinaus

*Ipsilaterale und/oder kontralaterale supraklavikuläre Lymphknotenmetastasen und zytologisch maligner Pleuraerguss werden von einigen Gruppen auch dem Stadium extensive disease zugerechnet.

Ein sehr begrenztes Stadium mit auf die Lunge begrenztem Primärtumor und ohne mediastinalen Lymphknotenbefall (sog. Very Limited Disease, VLD, nach UICC T1-2 N0-1)) wird lediglich bei ca. 5 % der Patienten diagnostiziert. Etwa 25 % - 35 % werden im Stadium limited (nach UICC T3-4 N0-1 und T1-4N2-3M0) und 60 % - 70 % im Stadium extensive (nach UICC M1) diagnostiziert.

Neben der Tumorausbreitung sind die Patientenmerkmale Allgemeinzustand nach ECOG Performance Status und Geschlecht prognostisch relevant [1476], [1477], [1478], [1479], [1480], [1481]. Frauen weisen in allen Untergruppen eine günstigere Prognose auf [1482], [1483]. Alter per se ist zumindest bis zum 75. Lebensjahr kein negativer Prognoseparameter, bedeutsam für therapeutische Entscheidungen und damit auch prognostisch relevant ist jedoch das Vorhandensein von Komorbiditäten, deren Inzidenz und Ausprägung altersabhängig ist [1484].

Der wesentliche Laborparameter mit prognostischer Aussagekraft ist die LDH. Die Prognose verschlechtert sich stetig mit steigendem LDH-Wert. Die prognostische Bedeutung des Tumormarkerwertes NSE übersteigt nicht die Aussagekraft des LDH-Wertes. Gleiches trifft auf sonstige Laborparameter wie GOT, GPT, gGT, AP, Kalium Harnsäure, Hämoglobin und Gesamteiweiß zu [1486] (Evidenzgrad 2c).

9.3 Behandlungsstrategie in der Übersicht

9.3.1 Stellenwert der Therapieoptionen

9.3 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei allen Patienten mit SCLC soll eine Kombinations-Systemtherapie durchgeführt werden. Patienten- und stadienabhängig soll sie mit lokalen Maßnahmen, z.B. Operation oder Strahlentherapie kombiniert werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1b
Konsens
Starker Konsens (100%)

Zentrale Therapiemaßnahme in allen Stadien des SCLC ist die Durchführung einer Kombinationschemotherapie. Diese wird stadienabhängig durch lokale Therapiemaßnahmen ergänzt. Funktionell operable Patienten im Stadium I-II sollen einer multimodalen Therapie unter Einschluß der Operation unterzogen werden Bei Inoperabilität soll bei fehlender Fernmetastasierung und bestrahlungsfähiger Tumorausbreitung als Lokalttherapie eine Bestrahlung vorgenommen werden. In allen Stadien senkt darüber hinaus bei ansprechenden Patienten die prophylaktische Schädelbestrahlung die intracerebrale Rezidivrate und kann das Überleben verlängern.

Alleinige operative oder strahlentherapeutische Maßnahmen sind zur längerfristigen Kontrolle der Tumorerkrankung nicht geeignet. Die akzidentielle Diagnose eines kleinzelligen Karzinoms bei atypischer Resektion eines peripheren Rundherdes mündet in das beschriebene stadienabhängige Therapievorgehen.

9.3.2 Allgemeine Empfehlungen zur Durchführung der Chemotherapie

Die Durchführung einer Chemotherapie sollte unverzüglich nach Diagnosestellung eingeleitet werden, ein Abwarten bis zum symptomatischen Progress ist zu vermeiden [1487]. Folgende Substanzen besitzen eine nachgewiesene Aktivität beim kleinzelligen Lungenkarzinom: Cisplatin, Carboplatin, Etoposid, Teniposid, Cyclophosphamid, Ifosfamid, Vincristin, Methotrexat, Adriamycin, Epirubicin, Paclitaxel, Irinotecan, Topotecan, Bendamustin.

Kombinationschemotherapieprotokolle aus 2 oder 3 Substanzen erzielen höhere Ansprechraten als Monotherapien (Evidenzgrad 1b) [1488]. Das Ansprechen auf die Behandlung kann bereits nach dem ersten Zyklus beurteilt werden. Patienten mit progredienter Erkrankung sollten unverzüglich auf eine andere Therapie umgestellt werden [1489] (Evidenzgrad 1b).

Ein primär alternierendes Vorgehen ist einem sequentiellen Vorgehen mit Therapiewechsel bei Progress nicht überlegen (Evidenzgrad 1b) [1488], [1490], [1491], [1492], [1493], [1494], [1495], [1496], [1497].

Die Behandlungsdauer sollte 4 bis 6 Zyklen betragen, wobei sie bei Patienten mit lokaler Erkrankung und zusätzlicher Strahlentherapie eher 4 Zyklen beträgt. Bei Patienten mit metastasierter Erkrankung, die keine ergänzende Immuntherapie erhalten, sollten eher 6 Zyklen Anwendung finden. Längere Therapiedauern verlängern die progressionsfreie Überlebenszeit, das Gesamtüberleben wird jedoch nicht oder allenfalls marginal beeinflusst [1498], [1499] (Evidenzgrad 1b).

9.4 Behandlung im Stadium I und II (T1-2N0-1M0, Very Limited Disease)

Im Stadium T1-2N0-1M0 kann entweder eine multimodale Therapie unter Einschluss einer Operation oder eine kombinierte Chemo-Strahlentherapie erfolgen. Entscheidend für die Wahl der Therapiemodalität sind die Komorbiditäten des Patienten, sowie die funktionelle Operabilität.

9.4 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II ohne mediastinalen Lymphknotenbefall soll eine multimodale Therapie als Kombination einer lokalen Behandlung (Operation oder, insbesondere bei hohem OP-Risiko, Strahlentherapie) mit einer systemischen Chemotherapie durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens (96%)
Literatur
[1475] [1500] [1501] [1502] [1503] [1504] [1505] [1506] [1507]
ÄnderungshinweisTrotz der eher negativen Phase-III-Erfahrungen sind die in Phase-II-Studien gesehenen Langzeitüberlebensdaten bei primärer Operation ausgesprochen günstig. Daher ist die primäre Operation bei Patienten mit T1-2N0-1 SCLC ohne mediastinalen Lymph-knotenbefall ein gerechtfertigtes Vorgehen. Da der Stellenwert der Operation jedoch nicht durch eine prospektiv randomisierte Studie abgesichert ist, sollte unter Berücksichtigung von postoperativer Funktion und Lebensqualität allerdings auf eine Pneumonektomie verzichtet werden. Zudem ist ein mediastinaler Lymphknotenbefall präoperativ durch das Staging unter Einbeziehung von FDG-PET/CT auszuschließen.
Evidenztabellen (3)Evidenztabelle zum Vergleich der lokalen Therapieoptionen Operation und Strahlentherapie bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II; Evidenztabelle zur Wirksamkeit einer Operation bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II; Evidenztabelle zum Einsatz einer primären Strahlentherapie bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II

In einem Evidenzbericht (02/2021, siehe Dokumente zur Leitlinie) wurde die Evidenz zu zwei lokalen Therapiemaßnahmen (Operation und Strahlentherapie) in Ergänzung zur Systemtherapie bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom (SCLC) im Stadium I und II in zusammengefasst.

Es wurde nach systematischen Übersichten, Metaanalysen, randomisierten Studien und Kohortenstudien mit adäquater Konfounderadjustierung gesucht, welche mindestens 50 Patienten einschlossen und nach 2010 veröffentlicht wurden. Zum Thema konnten 569 Referenzen identifiziert, 39 potentiell relevante Volltexte geprüft und final 11 Veröffentlichungen identifiziert werden.  Von diesen vergleichen sechs Studien die zwei lokalen Therapieoptionen Operation und Strahlentherapie. Diese Studien enthalten Ergebnisse aus konfounderadjustierten Analysen und auf der Basis eines Propensity-Matchings, welche das Risiko eines Selektionsbias in der Auswahl der Therapiemaßnahme reduzieren. Die Adjustierung basiert auf in den Datenbanken gespeicherten Informationen, so dass der Allgemeinzustand des Patienten und einzelne Komorbiditäten in keiner der Studie umfassend berücksichtigt werden konnten. Aus diesem Grund wurden zusätzlich Ergebnisse aus drei Kohortenstudien und einer systematischen Übersicht zum Vergleich einer Therapie mit und ohne Operation und Ergebnisse aus zwei Kohortenstudien zum Vergleich einer Therapie mit und ohne Strahlentherapie extrahiert.

Zusammenfassend konnte in den meisten Studien ein verbessertes Gesamt- und lungenkrebsspezifisches Überleben für operierte Patienten im Vergleich zu Patienten mit einer Therapie ohne Operation (Strahlentherapie, Chemo-Strahlentherapie) gezeigt werden. Bei Patienten mit Lymphknotenbefall und mit T3-Tumoren liegen widersprüchliche Ergebnisse vor, die sich evtl. auf die verschiedenen Kombinationen von Therapiemaßnahmen zurückführen lassen.  Eine mögliche Ursache kann darin bestehen, dass ein Großteil der operierten Patienten zusätzlich strahlentherapeutisch behandelt wurde. Insgesamt bestätigt der Vergleich einer Behandlung mit und ohne Operation den Überlebensvorteil der operierten Patienten. Der Vergleich von Patienten, die mit und ohne Strahlentherapie behandelt wurden, bestätigt die Wirksamkeit einer strahlentherapeutischen Behandlung.

Vergleichende Ergebnisse zum Auftreten von Rezidiven und schwerwiegenden Nebenwirkungen nach der Operation oder Strahlentherapie wurden in keiner der eingeschlossenen Studien berichtet.

9.4.1 Operative Therapieoption

9.5 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II ohne mediastinalen Lymhpknotenbefall kann eine primäre Operation durchgeführt werden.

Da der Stellenwert der Operation jedoch nicht durch prospektive Studien abgesichert ist, sollen Pneumonektomie und nicht anatomische Resektionen vermieden werden. Zudem soll ein mediastinaler Lymphknotenbefall präoperativ durch das Staging unter Einbeziehung von FDG-PET/CT und ggf. EBUS und Mediastinoskopie ausgeschlossen werden.

Empfehlungsgrad
A/0
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1508] [1509] [1510] [1511] [1512] [1513] [1475] [1500] [1501] [1502] [1503] [1504] [1505] [1506] [1507] [350] [349]
ÄnderungshinweisTrotz der eher negativen Phase-III-Erfahrungen sind die in Phase-II-Studien gesehenen Langzeitüberlebensdaten bei primärer Operation ausgesprochen günstig. Daher ist die primäre Operation bei Patienten mit T1-2N0-1 SCLC ohne mediastinalen Lymph-knotenbefall ein gerechtfertigtes Vorgehen. Da der Stellenwert der Operation jedoch nicht durch eine prospektiv randomisierte Studie abgesichert ist, sollte unter Berücksichtigung von postoperativer Funktion und Lebensqualität allerdings auf eine Pneumonektomie verzichtet werden. Zudem ist ein mediastinaler Lymphknotenbefall präoperativ durch das Staging unter Einbeziehung von FDG-PET/CT auszuschließen.
Evidenztabellen (2)Evidenztabelle zur Wirksamkeit einer Operation bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II; FDG-PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium

Hintergrund

Eine alleinige Operation ist für ein kleinzelliges Lungenkarzinom eine unzureichende Therapiemaßnahme [1511]. Operative Therapien müssen stets mit chemotherapeutischer Behandlung kombiniert werden [1514][1512][1513]. In Phase-II-Studien mit primärer Operation und adjuvanter Chemotherapie [1508][1509][1510] erreichten Patienten mit pathologisch gesichertem Stadium I (N0-Situation) 3-Jahres-Überlebensraten von 50-70 % (Evidenzgrad 2b), was den Ergebnissen beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom entspricht. Liegt ein Stadium II mit einer N1-Situation vor, fallen die 3-Jahres-Überlebensraten auf 30-40 % ab. Bei bereits präoperativ nachgewiesenem mediastinalem Lymphknotenbefall (N2) liegen die 3-Jahres-Überlebensraten lediglich im Bereich von 20 %. Randomisierte kontrollierte Studien zu einer primären Operation und adjuvanten Chemotherapie bei kleinzelligem Lungenkarzinom liegen nicht vor.

In den 90iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vertrat man in der Regel die Ansicht, dass die Chirurgie bei der Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms nur in den sehr frühe Stadien (cT1-2, cN0, M0) eine Rolle spielen kann, Diese Ansicht beruht im Wesentlichen auf einer randomisierten Studie von Lad et al aus dem Jahr 1994, wo sich kein eindeutiger Behandlungsvorteil für die Chirurgie ergab. Die genauere Analyse dieser Untersuchung zeigt jedoch, dass hier zum einen nur sehr wenige Patienten eingeschlossen waren und es sich zu 2/3 der Fälle um weit fortgeschrittene Tumore handelt. 20 % der Patienten erhielten lediglich eine Probethorakotomie. Die Operationsverfahren waren unklar, so dass definitive Schlüsse aus dieser Untersuchung nicht gezogen werden können.

Nachfolgend wurden eine Reihe von retrospektiven und Prospensity-match-score Analysen publiziert, die darauf hinweisen, dass lokaltherapeutische Verfahren, insbesondere die Resektion bei den Stadien I-IIIA eine wichtige Rolle spielen können, um ein langfristiges Überleben der Patienten mit kleinzelligen Lungenkarzinomen zu sichern [1475], [1500], [1501], [1502].

Diese retrospektiven Arbeiten sind in einer kürzlichen Metaanalyse [1475] zusammengefasst und publiziert. Dabei wird deutlich, dass es sowohl für die Gesamtpopulation der Patienten im Stadium I und II, aber auch für die Patienten im Stadium III einen deutlichen Überlebensvorteil gibt, wenn eine Operation in das Behandlungskonzept eingeschlossen wird. Sowohl in der Metaanalyse der vorhandenen retrospektiven Untersuchungen als auch in einer populationsbasierten Untersuchung aus China [1475], [1503] wird deutlich, dass ebenso wie beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom die anatomische Resektion im Sinne einer Lobektomie den besten Überlebensvorteil sichert. Dies bestätigt noch einmal, dass bei frühen Formen des kleinzelligen Lungenkarzinoms lokaltherapeutische Maßnahmen wichtig sind. Ein Überlebensvorteil im Stadium I kann auch bei Patienten älter als 75 Jahre nachgewiesen werden [1504]. Weitere retrospektive Untersuchungen weisen darauf hin, dass sowohl eine adjuvante mediastinale Bestrahlung, als auch insbesondere Patienten im Tumorstadium I eine prophylaktische Hirnbestrahlung für das Überleben von Vorteil sein können [1515],[1505].

Eine große Registerstudie bei Patienten mit SCLC im Stadium cT1-2N0M0 vergleicht bei 1002 Patienten eine Operation mit Chemotherapie zu einer kombinierten Strahlenchemotherapie. Die operierte Gruppe zeigt ein 5-Jahresüberleben von 49,2% im Vergleich zu 32,5% in der Bestrahlungsgruppe. [1506]

Wichtig zu erwähnen ist, dass bei einem Teil der Patienten mit kleinzelligem Tumor (ca. 5-10%) eine Kombination von NSCLC und SCLC vorliegt. Diese Patienten scheinen insbesondere von einer operativen Versorgung zu profitieren [1507].

9.4.2 Postoperative Chemotherapie

9.6 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Wenn bei einem Patienten mit SCLC im Stadium I/II eine Resektion erfolgt ist, soll postoperativ eine adjuvante Chemotherapie angeboten werden. Das Protokoll Cisplatin/Etoposid über 4 Zyklen stellt die Therapie der ersten Wahl dar. Bei Kontraindikationen gegen Cisplatin soll der Einsatz alternativer Protokolle angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisPostoperativ muss eine adjuvante Chemotherapie angeschlossen werden. Das Pro-tokoll Cisplatin/Etoposid über 4 Zyklen stellt die Therapie der ersten Wahl dar. Bei Kontraindikationen gegen Cisplatin ist der Einsatz alternativer Protokolle in jedem Falle einem Verzicht auf die adjuvante Chemotherapie vorzuziehen (Evidenzgrad 2b)

Hintergrund

Postoperativ soll eine adjuvante Chemotherapie angeschlossen werden. Ältere Studien mit alleiniger Operation konnten in nahezu keinem Fall ein Langzeitüberleben erreichen [1511], erst die Einführung der zusätzlichen Chemotherapie hat die Prognose entscheidend verbessert [1508][1509][1510]. Dabei scheinen platinhaltige Protokolle nicht-platinhaltigen überlegen zu sein. In einer Untersuchung von Brock et al 2005 betrug bei 82 Patienten  die Fünfjahresüberlebensrate für Patienten mit platinhaltiger Therapie 68 % im Vergleich zu nur 32 % bei nichtplatinhaltiger Therapie. Weitere Prognoseparameter für ein besseres Fünfjahresüberleben waren vollständige Lobektomie vs. limitierte Resektion (50 vs. 20 %) und Frauen versus Männer (60 vs. 28 %) [1516].

9.4.3 Postoperative Strahlentherapie

9.7 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Nach kurativer Therapie des SCLC im Stadium I/II sollte neben der adjuvanten Chemotherapie eine prophylaktische Radiatio des Schädels angeboten werden. Ein häufig eingesetztes Vorgehen sieht die Gabe von 30 Gy in 15 Fraktionen oder von 25 Gy in 10 Fraktionen vor.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisNach operativer Resektion wird in allen Untergruppen neben der adjuvanten Che-motherapie eine prophylaktische Radiatio des Schädels empfohlen. Ein häufig eingesetztes Vorgehen sieht die Gabe von 30 Gy in 15 Fraktionen vor (Evidenzgrad 2b).
9.8 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Wenn bei einem Patienten mit SCLC im Stadium I/II eine Resektion erfolgt ist, soll bei N1-Befall eine individuelle Entscheidung zur Mediastinalbestrahlung in Abhängigkeit von Lymphknotenlokalisation und chirurgischer Einschätzung der Radikalität getroffen werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei N1-Befall sollte eine individuelle Entscheidung zur Mediastinalbestrahlung in Abhängigkeit von Lymphknotenlokalisation und chirurgischer Einschätzung der Radikalität getroffen werden.
9.9 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Wenn bei einem Patienten mit SCLC im präoperativen Stadium I/II eine Resektion erfolgt ist, soll bei N2-Befall eine Mediastinalbestrahlung durchgeführt werden. Diese sollte in einer Dosis von 50-60 Gy in konventioneller Fraktionierung durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei N2-Befall wird eine Mediastinalbestrahlung empfohlen. Diese sollte in einer Dosis von 50-60 Gy in konventioneller Fraktionierung durchgeführt werden (Evidenzgrad 2b).
9.10 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Wenn bei einem Patienten mit SCLC im Stadium I/II eine Resektion erfolgt ist, soll im Falle einer R1/2 Resektion ebenfalls eine zusätzliche Mediastinalbestrahlung analog der primären Chemo-Strahlentherapie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisIm Falle einer R1/2 Resektion wird ebenfalls eine zusätzliche Mediastinalbestrahlung empfohlen.

Hintergrund

Zum Stellenwert der Strahlentherapie nach operativer Resektion liegen keine randomisierten Studien vor. Die Therapieempfehlungen beruhen auf den genannten Phase-II-Studien mit primärer Operation [1508], [1509], [1510] in denen die Indikationen zur Durchführung strahlentherapeutischer Maßnahmen in entsprechender Weise gestellt wurden. Zudem fließt in die Empfehlung die grundsätzliche Wirksamkeit sowohl der prophylaktischen Schädelbestrahlung wie auch der Primärtumor- und Mediastinalbestrahlung im Stadium limited disease ein.

9.4.4 Vorgehen bei Rundherd mit präoperativ nicht gesichertem kleinzelligen Lungenkarzinom

Bei nachweisbarem peripherem Rundherd ohne weitere in den bildgebenden Verfahren nachweisbare Tumormanifestationen kann eine primäre Resektion des Rundherdes zunächst zur Histologiegewinnung und dann Entscheidung über das weitere therapeutische Vorgehen durchgeführt werden. Zeigt die Schnellschnittuntersuchung in einem solchen Falle ein kleinzelliges Lungenkarzinom, so sollte anschließend eine anatomische Resektion (in der Regel Lobektomie) mit ipsilateraler systematischer Lymphadenektomie durchgeführt werden. Die weitere Therapie entspricht dann dem Vorgehen nach primärer Resektion eines bereits präoperativ nachgewiesenen kleinzelligen Lungenkarzinoms im in Stadium I-II. Es erfolgt eine adjuvante Chemotherapie mit 4 Zyklen Cisplatin und Etoposid sowie anschließend eine prophylaktische Schädelbestrahlung mit 30 Gy. Im Falle einer nodal positiven Erkrankung oder einer R1/R2-Situation sollte parallel zur Schädelbestrahlung eine Mediastinalbestrahlung mit 50 bis 60 Gy durchgeführt werden.

Erfolgt lediglich die atypische  Resektion des peripheren Rundherdes ohne nachfolgende anatomische Resektion mit Lymphadenektomie, so werden diese Patienten als onkologisch nicht angemessen operiert betrachtet. In diesem Falle ist eine Weiterbehandlung analog dem klinischen Stadium T3-4 oder N2-3 in Form einer kombinierten Chemo-Strahlentherapie durchzuführen (siehe Kapitel 5).

9.4.5 Option der primären definitiven Chemo-Strahlentherapie

9.11 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten mit einem SCLC im Stadium I/II kann, insbesondere bei hohem OP-Risiko, eine primäre definitive Chemo-Strahlentherapie durchgeführt werden

Sie soll analog dem Vorgehen beim SCLC Stadium III (Kapitel 9.5) erfolgen und bei Erreichen einer Remission durch eine prophylaktische Schädelbestrahlung komplettiert werden.

Inoperable Patienten ohne Progression nach Chemo-Strahlentherapie soll, analog dem Vorgehen beim SCLC Stadium III (Kapitel 9.5), eine 24-monatige Erhaltungstherapie mit Durvalumab angeboten werden.

Empfehlungsgrad
A/0
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (96%)
Literatur
[1517] [1518]
ÄnderungshinweisBei Patienten mit einem SCLC im Stadium I/II kann, insbesondere bei hohem OP-Risiko, eine primäre definitive Chemo-Strahlentherapie durchgeführt werden. Sie soll analog dem Vorgehen beim SCLC Stadium III (Kapitel 9.5) erfolgen und bei Erreichen einer Remission durch eine prophylaktische Schädelbestrahlung komplettiert werden.

Hintergrund

In einer stadienabhängigen Subgruppenanalyse der prospektiv randomisierten CONVERT-Studie, die im Rahmen einer primär definitiven Radiochemotherapie bei nicht metastasierten Patienten die hyperfraktionierte mit der konventionell fraktionierten Strahlentherapie verglich (45 Gy vs. 66 Gy; siehe auch Kapitel 9.5.) wurde bei 509 Patienten das Outcome im UICC-Stadium I-II (n=86) mit dem im Stadium III (n=423) verglichen. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben lag im Stadium I-II bei 49%, das lokale und distante progressionsfreie 5-Jahres-Überleben bei 47% und 48% (Stadium III: 28%, 26%, 26%).

91% der Patienten im Stadium I-II erhielten eine prophylaktische Ganzhirnbestrahlung.  Damit gibt es Hinweise dass die primäre Durchführung einer definitiven Chemo-Strahlentherapie mit prophylaktischer Schädelbestrahlung analog zum Vorgehen bei T1-4N2-3 M0 Befall eine Therapiealternative zur Operation mit postoperativer Chemo- und Strahlentherapie darstellen kann. [1517]

In die prospektive randomisierte Phase III Studie ADRIATIC [1518] wurden auch 67 Patienten in den Placebo- respektive Durvalumab-Arm eingeschlossen. Die Patienten musten primär inoperabel sein und durften keinen Krankheitsprogress nach kombinierter Chemo-Strahlentherapie gehabt haben. Die Ergebnisse der Gesamtpopulation sind in Kapitel 9.5 beschrieben. Die Subgrupe der Patienten im Stadium I und II zeigten eine HR von 0.71 (0.35–1.42) für das Gesamtüberleben (HR für das Gesamtkollektiv 0.76 (0.61–0.95)).

9.4.6 Zusammenfassung und Empfehlungen für zukünftige Entwicklungen

Patienten mit SCLC im klinischen Stadium I-II sollen mit einem multimodalen Therapiekonzept behandelt werden. In Fällen mit niedrigem OP-Risiko kann nach Ausschluss einer mediastinalen Lymphknotenmetastasierung eine primäre Resektion mit adjuvanter Chemotherapie erfolgen. Alle Patienten sollen als Chemotherapie 4 Zyklen Cisplatin/Etoposid erhalten. Eine postoperative Mediastinalbestrahlung ist bei N1-Befall zu diskutieren, sie wird bei N2-Befall empfohlen. Die prophylaktische Schädelbestrahlung soll bei allen Patienten durchgeführt werden.

Die atypische Resektion eines pulmonalen Herdes mit anschließendem Nachweis eines kleinzelligen Lungenkarzinoms mündet in ein identisches therapeutisches Vorgehen.

Bei Patienten, bei denen keine Operation erfolgt, steht eine primäre kombinierte Chemo-Strahlentherapie zur Verfügung. Diese erfolgt analog zum Vorgehen bei Patienten mit weiter fortgeschrittener aber noch lokal begrenzter Erkrankung. Hier sind bei einer sekundären Analyse einer prospektiven Studie Behandlungsergebnisse publiziert worden, die denen der chirurgischen Serien im klinischen Stadium II SCCLC  vergleichbar sind. Entsprechende prospektive vergleichende Untersuchungen sollten angestrebt werden.

Flowchart zur Therapie des präoperativ gesicherten kleinzelligen Lungenkarzinoms im Stadium cT1-2, N0-1, M0
Flowchart zur Therapie des präoperativ gesicherten kleinzelligen Lungenkarzinoms im Stadium cT1-2, N0-1, M0
Flowchart zur Therapie des präoperativ nicht gesicherten kleinzelligen Lungenkarzinoms im Stadium cT1-2, N0-1, M0
Flowchart zur Therapie des präoperativ nicht gesicherten kleinzelligen Lungenkarzinoms im Stadium cT1-2, N0-1, M0

9.5 Behandlung Stadium III (T3-4 und/oder N2-3, M0, Limited Disease)

Bei bestrahlungsfähiger Tumorausbreitung besteht ein kurativer Therapieanspruch. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen in Studien zwischen 10 und 30 %.

9.5.1 Wahl der Chemotherapie

9.12 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Chemotherapiekombination der ersten Wahl, im Rahmen der simultanen Radiochemotherapie bei SCLC Stadium III, ist Cisplatin und Etoposid (PE). Die Therapie sollte über zumindest 4 Zyklen durchgeführt werden. Carboplatinhaltige Protokolle sind nur unzureichend geprüft und sollten nur bei eindeutigen Kontraindikationen gegenüber Cisplatin eingesetzt werden. Auf die Gabe anthrazyklinhaltiger Regime sollte verzichtet werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1519] [1520] [1521] [1522] [1523] [1524] [1525] [1526] [1527] [1528] [1529] [1530] [1531] [1532] [1494] [1496] [1533] [1534] [1535] [1536] [1537] [1538] [1539] [1540] [1541]
ÄnderungshinweisChemotherapiekombination der ersten Wahl ist Cisplatin und Etoposid (PE). Die The-rapie sollte über zumindest 4 Zyklen durchgeführt werden. Carboplatinhaltige Protokolle sind nur unzureichend geprüft und sollte nur bei eindeutigen Kontraindikationen gegenüber cisplatinhaltigen Schemata eingesetzt werden. Auf die Gabe anthrazyklinhaltiger Regime sollte verzichtet werden (Evidenzgrad 1a).

Hintergrund

Die Chemotherapiekombination der 1. Wahl stellt Cisplatin/Etoposid (PE) dar. Metaanalysen randomisierter Studien mit einem Vergleich von Cisplatin- und/oder etoposidhaltigen Schemata versus Cisplatin- und/oder etoposidfreien Regimen zeigen signifikante Überlebensvorteile für den Einschluss von Cisplatin und/oder Etoposid. [1519], [1520] . Die Metaanalysen basieren allerdings nicht auf individuellen Patientendaten. Neben der vermutlich höheren Wirksamkeit liegt der wesentliche Vorteil der Kombination PE bei nicht fermetastasierter Erkrankung in der uneingeschränkten Anwendbarkeit im Rahmen einer simultanen Chemo-Strahlentherapie. Anthrazyklinhaltige Protokolle sollten hingen nicht bei Applikation einer simultanen Chemo-und Strahlentherapie eingesetzt werden. Bei der Gabe von PE sollte darauf geachtet werden, dass die Etoposidapplikation nach Cisplatin erfolgt und an zumindest 3 Tagen verabreicht wird [1521].

Ein Vorteil von Cisplatin und/oder etoposidhaltigen Schemata im Vergleich zu anderen Regimen ist in einer Vielzahl von Studien gezeigt worden, die in der Folge kurz beschrieben werden.

In der skandinavischen Studie von Sundström et al. 2002 [1522] wurde bei 214 Patienten eine Überlegenheit gegenüber CEV (Cyclophosphamid/Epirubicin/Vincristin) gesehen. In der LD-Gruppe waren die medianen Überlebenszeiten (14.5 vs. 9.7 Monate) und das 3-Jahresüberleben (25 % vs. 8 %) hochsignifikant günstiger im PE-Arm. Bei ED gab es keine Wirksamkeitsunterschiede.

Die Studie von Thatcher et al 2005 [1523] hatte das carboplatinhaltige Regime ICE plus Vincristin gegen eine platinfreie Behandlung getestet und hier auch signifikante Überlebensvorteile erreichen können. Hier waren Patienten mit günstigem Risikoscore eingeschlossen worden.

In der Studie von Einhorn et al. 1988 [1524] führte die zusätzliche Gabe von PE bei Patienten mit Ansprechen auf 6 Zyklen ACO zu einer Verbesserung der Prognose (Evidenzgrad 1b). Auch in zwei deutschen Untersuchungen war eine cisplatinhaltige Therapie einer platinfreien Strategie überlegen Wolf et al. 1987 [1525], Havemann et al. 1987 [1494]. Eine Wirksamkeitsverstärkung durch Zugabe von Etoposid wurde auch in einer Studie von Jackson et al 1984 [1526] gesehen. In der Studie der North Central Cancer Treatment Group (NCCTG) [1527] führte die Addition von Etoposid zum ACO-Schema bei LD-Patienten zur Verbesserung der Prognose. Dieses ACO-E-Schema wurde in einer SWOG-Studie [1528] gegen das Alternieren von ACO und PE getestet, wobei sich eine geringe Verlängerung der medianen Überlebenszeit (16.5 vs 15.1 Mo), aber keine Erhöhung der Langszeitüberlebensrate für ACO/PE nachweisen ließ.

Direkt verglichen wurden ACO und PE sowie die alternierende Gabe bei LD-Patienten in einer japanischen Studie [1529] mit jeweils ca. 50 LD-Patienten pro Arm. Hier zeigte sich ein Vorteil des alternierenden Armes gegenüber beiden Einzelprotokollen (mediane ÜZ 16.8 vs 12.4 vs 11.7 Monate). (Evidenzgrad 1b). 

Diese Ergebnisse deuten daraufhin, dass eine zusätzliche Gabe von Etoposid oder Cisplatin/Etoposid die Prognose der ausschließlich ACO-behandelten Patienten im Stadium limited disease zu verbessern vermag.

Ob dabei Carboplatin dem Cisplatin gleichwertig ist, ist bisher nicht sicher belegt. In einer deutschen Studie [1496] waren Ansprechraten und Überlebenszeiten für Cisplatin günstiger als für Carboplatin (Evidenzgrad 2b), eine griechische [1530] und eine skandinavische Untersuchung [1531] konnten keine Unterschiede feststellen, wobei hier keine adäquate Differenzierung in LD und ED Patienten vorgenommen wurde (Evidenzgrad 2b). Auch die Studie von Hirsch et al. 2001 [1532] zeigt eine erhöhte Wirksamkeit bei Zugabe von Cisplatin zu einer Chemotherapie mit Carboplatin, Teniposid und Vincristin (Evidenzgrad 1b). Eine retrospektive Analyse von Patienten über 65 Jahren mit SCLC limited disease (85% davon im Stadium III) zeigte keinen Effektivitätsunterschied zwischen Cis- und Carboplatin in Kombination mit Etoposid und simultaner Strahlentherapie hinsichtlich des Endpunkts Gesamtüberleben [1533]. Auf die Gabe carboplatinhaltiger Protokolle sollte nur bei zweifelsfreien Kontraindikationen gegenüber Cisplatin zurückgegriffen werden.

PE sollte zumindest über 4 Zyklen in 3-wöchigen Intervallen appliziert werden. Ist von einer Fortsetzung der Therapie ein weiterer Benefit für den Patienten zu erwarten, kann die Therapie auf 6 Zyklen ausgedehnt werden.

Anthrazyklinhaltige Schemata sind gegenüber cisplatinhaltigen Protokollen bei Verwendung einer simultanen Chemostrahlentherapie mit signifikant höherer Toxizität belastet. Die drei Untersuchungen von Gregor et al. 1997 [1534], Perry et al. 1987 und 1998 [1535], [1536] und Lebeau et al. 1999 [1537] konnten keinen Vorteil für ein simultanes bzw. alternierendes Vorgehen im Vergleich zur konsekutiven Chemo-Strahlentherapie beobachten, die Langzeitüberlebensraten waren in allen Studien niedrig (< 15 %) und die Toxizität in den simultanen Therapiearmen signifikant erhöht. Die Gabe anthrazyklinhaltiger Protokolle sollte daher bei diesem Patientenkollektiv und insbesondere bei Verwendung einer simultanen Chemo-Strahlentherapie vermieden werden (Evidenzgrad 1a).

Substanzen der dritten Chemotherapiegeneration sind in der LD-Patientengruppe und im Rahmen simultaner Chemostrahlentherapiekonzepte bisher nur unzureichend geprüft. Phase-II-Untersuchungen zeigen die grundsätzliche Machbarkeit der Integration von Substanzen wie Paclitaxel und Irinotecan in Chemo-Strahlentherapiekonzepte [1538], [1539], die Ergebnisse dieser Untersuchungen lassen jedoch im Vergleich zum Standard PE plus RT Vorgehen keinen offensichtlichen Vorteil vermuten. Eine japanische Phase-3-Studie untersuchte die Effektivität von Cisplatin-Irinotecan versus Cisplatin-Etoposid nach einem Zyklus kombinierter Chemo-Strahlentherapie mit Cisplatin-Etoposid und fand keinen Unterschied zwischen den beiden Kombinationen im Endpunkt Gesamtüberleben [1542].  Auch lassen Studien mit Dreifachkombinationen im Rahmen der simultanen Chemo-Strahlentherapie keinen offensichtlichen Vorteil im Vergleich zum Standard PE erkennen [1540], [1541] (Evidenzgrad 2b).

9.5.2 Integration der Strahlentherapie

9.13 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patienten mit SCLC Stadium III mit bestrahlungsfähiger Primärtumorausdehnung sollen eine Bestrahlung der Primärtumorregion erhalten.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1543] [1544] [1545] [1546] [1547] [1548] [1549] [1550]
ÄnderungshinweisPatienten mit bestrahlungsfähiger Primärtumorausdehnung und ohne Fernmetastasierung sollten eine Bestrahlung der Primärtumorregion erhalten (Evidenzgrad 1a)

Hintergrund

Die zusätzliche Strahlentherapie erhöht bei Patienten mit bestrahlungsfähiger Tumorausbreitung die Langzeitüberlebensrate und ist daher fester Bestandteil des Therapiekonzeptes. Die recht große Zahl an Einzelstudien [1543], [1544], [1545], [1546], [1547], [1548] sind in Metaanalysen zusammengefasst worden. Nach den Ergebnissen der Metaanalysen [1549], [1550] wird die 3-Jahresüberlebensrate durch zusätzliche Strahlentherapie im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie um ca. 5 % erhöht  Der Effekt scheint insbesondere im Alter unter 55 Jahren stärker als bei älteren Patienten ausgeprägt zu sein. Die Indikationsstellung zur Durchführung der Strahlentherapie sollte daher das biologische Alter und Komorbiditäten berücksichtigen. 

9.14 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patienten unter simultaner Chemo-Strahlentherapie sollten das Rauchen einstellen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[110]

Von besonderer Bedeutung ist, dass Patienten mit einer Beendigung des Zigarettenkonsums unter simultaner Chemo-Strahlentherapie eine bessere Prognose aufweisen als Patienten die weiter rauchen [110]. Zur Rauchabstinenz sollte daher auch aus therapeutischen und prognostischen Gründen aufgefordert werden.

9.5.2.1 Simultane vs. konsekutive Chemo-Strahlentherapie

9.15 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Applikation der Strahlentherapie beim SCLC in den Tumorstadien T3-4 N0-1 und T1-4N2-3M0 (Limited disease) soll simultan zur Chemotherapie mit Cisplatin und Etoposid erfolgen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (96%)
Literatur
[1551] [1552] [1553]
ÄnderungshinweisDie Applikation der Strahlentherapie in denTumorstadien T3-4 N0-1 und T1-4N2-3M0 (Limited disease) sollte nach Möglichkeit simultan zur Chemotherapie mit Cisplatin und Etoposid erfolgen (Evidenzgrad 1b)

Hintergrund

In einer Phase-II-Studie der SWOG [1551], [1552] konnte bei 154 Patienten mit simultaner PE- und Strahlentherapieapplikation eine 3-Jahres-Überlebensrate von 34 % erreicht werden. Im retrospektiven Vergleich waren diese Daten signifikant günstiger im Vergleich zu allen vorangegangenen SWOG-Studien mit konsekutiver Chemo-Strahlentherapie und haben dazu geführt, dass für viele amerikanische Gruppen das simultane Therapievorgehen zum Standard für die Behandlung der Limited-disease-Patienten wurde.

Randomisiert wurde ein konsekutives gegen ein simultanes Vorgehen in der Phase-III-Studie aus Japan von [1553] geprüft. Bei Gabe einer PE Chemotherapie wurde bei 231 Patienten eine hyperfraktionierte Strahlentherapie mit Beginn des 1. Zyklus gegen einen Bestrahlungsbeginn nach Abschluss des 4. Zyklus geprüft. Durch die simultane Gabe wurde die mediane Überlebenszeit von 19,7 auf 27,2 Monate verlängert und das Drei- bzw. Fünfjahresüberleben von 20 % auf 30 % bzw. 19 % auf 24 % erhöht. Damit verbunden war allerdings auch eine erhöhte Toxizität mit Leukopenieraten WHO Grad 3 bis 4 von 54 % vs. 88 % und Thrombozytopenieraten von 26 % vs. 37 %.

9.5.2.2 Frühe vs. späte Bestrahlung

Randomisierte Studien mit dem Vergleich frühe vs. späte simultane Chemostrahlentherapie haben unterschiedliche Ergebnisse erbracht. Die Studien von Murray et al. 1993 [1554] und Spiro et al. 2006 [1555] verwendeten ein identisches Design mit einer alternierenden Chemotherapie bestehend aus CAV und PE über 6 Zyklen und randomisierten die Patienten auf eine frühe simultane Strahlentherapie parallel zum 2. Zyklus oder eine späte simultane Bestrahlung parallel zum 6 Zyklus. Während Murray et al. eine Überlegenheit der frühen Bestrahlung mit medianen Überlebenszeiten von 21 vs. 16 Monate und 3-Jahresüberleben von 27 % vs. 21 % nachweisen konnten, waren in der Studie von Spiro et al. keine Unterschiede im medianen Überleben (13.7 versus 15.1 Monate) und Dreijahresüberleben (16 versus 22 %) nachweisbar. In der Studie von Spiro et al. traten unter früher Bestrahlung deutlich mehr Therapieabbrüche auf, was zu einer verminderten Durchführung der vorgesehenen Chemotherapie in diesem Arm führte. 

Die Studie von Jeremic et al 1997 [1556] hatte einen Vorteil für eine frühe hyperfraktionierte akzellerierte Bestahlung im Vergleich zu einer späten beobachtet. Ebenfalls zeigte die randomisierte Phase II Studie von Skarlos et al 2001 [1557] einen Vorteil für einen frühen Bestrahlungsbeginn. Die Studie von Work et al 1997 [1558] konnte diesen Vorteil nicht zeigen, hier erhielten die Patienten allerdings eine alleinige Radiotherapie und keine simultane Chemo-Strahlenbehandlung.

Metaanalysen zum Zeitpunkt der Bestrahlung deuten darauf hin, dass eine frühzeitige Bestrahlung günstigere Ergebnisse als eine spätere Bestrahlung erzielt [1559], [1560], [1561], [1562]. In diese Metaanalysen sind allerdings Studien mit sehr heterogenen Behandlungskonzepten eingegangen. Es wurden sowohl Studien mit simultaner als auch mit konsekutiver Chemo-Strahlentherapie wie auch Studien mit cisplatinhaltiger und anthrazyklinhaltiger Therapie berücksichtigt. Dies begrenzt die Aussagekraft dieser Metaanalysen. Dennoch weisen diese Metaanalysen einen Vorteil für eine frühe simultane Bestrahlung aus bei Verwendung von cisplatinhaltigen Therapieregimen und Abschluss der Strahlentherapie innerhalb der ersten 30 Behandlungstage (Evidenzgrad 2a).

9.5.2.3 Dosis und Fraktionierung der Strahlentherapie

9.16 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patienten mit bestrahlungsfähiger Primärtumorausdehnung des SCLC Stadium III sollten entweder eine hyperfraktionierte akzelerierte Strahlentherapie mit einer GD von mind. 45 Gy oder eine konventionell fraktionierte frühe Strahlentherapie mit 60-66 Gy erhalten. 

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Konsens (79%)
Literatur
[1563] [1564] [1565] [1566] [961] [1567] [1568] [1569] [1570] [1571]
ÄnderungshinweisPatienten mit bestrahlungsfähiger Primärtumorausdehung sollten entweder eine frühe (oder simultane) hyperfraktionierte akzelerierte Strahlentherapie mit einer GHD von 45 Gy oder eine konventionell fraktionierte frühe (oder simultane) Strahlentherapie mit höherer GHD von 50 – 60 Gy erhalten. (Evidenzgrad 1b).

Hintergrund

Bei der Wahl des Radiotherapie-Regimes beim SCLC ist zu berücksichtigen, dass sowohl höhere Gesamtdosen als auch eine Verkürzung der Gesamtbehandlungszeit durch Hyporfaktionierung prognostisch relevant sind. In Phase-II-Studien wurde gezeigt, dass Gesamtherddosen bis zu 70 Gy bei entsprechender Auswahl des Strahlenfeldes tolerabel waren [1563], [1564], [1565], [1566].
 
In der Studie von Turrisi et al. 1999 [961] war die hyperfraktionierte akzelerierte Bestrahlung einer konventionell fraktionierten Strahlentherapie mit gleicher Gesamtherddosis von 45 Gy überlegen, allerdings war die biologisch effektive Dosis (BED) bei der konventionellen Fraktionierung geringer. In einer weiteren Studie von Bonner et al. 1999 [1567], [1568] wurde ebenfalls eine konventionell fraktionierte mit einer hyperfraktionierten akzelerierten Strahlentherapie verglichen, ohne einen signifikanten Unterschied beim 5-Jahresüberleben ( 20 vs. 21 %) festzustellen.

Im Rahmen der internationalen randomisierten CONVERT-Studie [1570] wurde bei 547 Patienten eine höher dosierte konventionelle Bestrahlung (66 Gy/2 Gy) mit der hyperfraktionierten Bestrahlung (45 Gy/2x1,5 Gy) verglichen. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Gesamtüberleben bei gleicher Toxizität in beiden Armen. Daher können derzeit beide Regimes, also entweder eine hyperfraktionierte akzelerierte Bestrahlung bis 45 Gy oder eine konventionelle Fraktionierung bis 66 Gy empfohlen werden. 

Interessanterweise konnte durch die höhere biologisch effektive Dosis (BED) bei der konventionell fraktionierten Bestrahlung weder ein besseres Überleben noch eine bessere lokale Kontrolle erzielt werde, a.e. durch die hohe Aggressivität und intensive Proliferation des SCLCs. Die Rolle einer höheren BED mit und ohne simultan integriertem Boost wird in der CALGB 30610 / RTOG 0538 Studie untersucht (NCT00632853). In einer norwegischen Studie [1571] wurde die Überlegenheit der hyperfraktionierten akzelerierten RT (45 Gy in 30 Fraktionen, Turrisi) im Vergleich zu einer hypofraktionierten RT (42 Gy in 15 Fraktionen) gezeigt [1569]. Die gleiche Gruppe publizierte dagegen Anfang 2021 eine prospektiv randomisierte Studie zur Dosiseskalation (45 Gy in 30 Fraktionen vs. 60 Gy in 40 Fraktionen) einer hyperfraktionierten Radio-Chemotherapie, wobei sich der höher dosierte Studienarm bezüglich des Gesamtüberlebens hochsignifikant überlegen zeigte, ohne dass dabei eine wesentlich erhöhte Toxizität beobachtet wurde. Somit kann bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand eine höher disierte hyperfraktionierte Bestrahlung erwogen werden.

9.5.2.4 Prophylaktische Schädelbestrahlung

9.17 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei allen Patienten mit SCLC Stadium III mit Remission nach Abschluss der Chemo-Strahlentherapie soll eine prophylaktische Schädelbestrahlung angeboten werden. Bevorzugt soll eine GHD bis 25 Gy in Einzeldosen von 2,5 Gy oder 30 Gy in Einzeldosen von 2 Gy täglich eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Konsens (80%)
Literatur
[1572] [1573] [1574] [1575] [1576]
ÄnderungshinweisBei allen Patienten mit Remission nach Abschluss der Chemo-Strahlentherapie sollte eine prophylaktische Schädelbestrahlung durchgeführt werden. Bevorzugt sollte eine GHD bis 30 Gy in Einzeldosen von 1,8 bis 2,0 Gy täglich eingesetzt werden (Evidenzgrad 1a).

Hintergrund

Zwei kontrollierten Studien von Arriagada et al. 2002 [1577] bei insgesamt 505 Patienten mit LD oder ED und kompletter Remission nach Induktion zeigten eine Reduktion der Entwicklung einer Hirnmetastasierung als erste Rezidivlokalisation von 37 % in der Kontrollgruppe auf 20 % in der Gruppe mit prophylaktischer Schädelbestrahlung (PCI). Auch hinsichtlich des Überlebens zeigte sich ein geringer Vorteil für die PCI-Gruppe mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 18 % vs. 15 %. 

Die vorliegenden Studien zur Frage der prophylaktischen Schädelbestrahlung sind in Metaanalysen [1573], [1574]eingegangen, die eine signifikante Erhöhung der 5-Jahres-Überlebensrate um 3 % für die schädelbestrahlten Patienten beschreiben. 

Die Studie von Le Péchoux et al. 2009 [1575] untersuchte 2 unterschiedliche Dosierungen der prophylaktischen Schädelbestrahlung. Hier wurden 720 Patienten mit limited disease und kompletter Remission nach Induktionschemotherapie eingeschlossen. Es erfolgte eine Randomisierung auf eine Dosierung von 25 Gy über 10 Fraktionen oder eine höhere Dosierung von 36 Gy. An der Studie nahmen insgesamt 157 Kliniken aus 22 Ländern teil. Die Rate der Hirnmetastasierung wurde durch die höher dosierte Strahlentherapie gering reduziert mit einer Inzidenz von 30 % bei 25 Gy und 24 % bei 36 Gy nach zwei Jahren. Der Unterschied war allerdings nicht statistisch signifikant mit einem p-Wert von 0.13. Im Gesamtüberleben zeigte sich ein Vorteil für die niedrig dosierte Strahlentherapie mit einer Zweijahresüberlebensrate von 42 % versus 37 % und einem p-Wert von 0,03. Erstaunlicherweise war in der höheren Dosisgruppe insbesondere die intrathorakale Rezidivrate erhöht. Dies mag auf eine nicht ausbalancierte Primärtherapie hinweisen. Letztlich hat die Studie aber keine erhöhte Wirksamkeit der höheren Dosierung nachweisen können (Evidenzgrad 1b). Zu bedenken bleibt zudem, dass mit höherer Dosierung das Risiko für neurologische Schädigungen und Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten zunehmen kann.

Nach den widersprüchlichen Studienergebnissen bezüglich des overall Survival bei metastasierten Patienten führten Yin et al. [1576] eine Metaanalyse durch, in die auch Daten zu nicht metastasierten Patienten eingingen. Neben dem für alle Patienten bestätigten deutlichen Benefit bezüglich der Senkung der Inzidenz von Hirnmetasasen zeigte sich für die Subgruppe der nicht metastasierten Patienten in allen analysierten Studien auch ein Benefit bezüglich des Gesamtüberlebens. 

Technisch beruhen die oben zitierten Studien auf einer homogenen Ganzhirnbestrahlung. Da diese mittelfristig mit neurokognitiven Einschränkungen verbunden sein kann, wurde zur Schonung der neuronalen Stammzellen die hippocampus-sparende Ganzhirnbestrahlung getestet. In einer randomisierten Multicenter-Studie mit 150 Patienten und einem follow up von bis zu 24 Monaten wurde ein signifikant protektiver neurokognitiver Effekt (Delayed free recall test; DFR) der Hippokampus-schonenden IMRT nachgewiesen, ohne dass es zu einer erhöhten Rate von Hirnmetastasen kam [1578]. Daher kann diese Technik im Rahme einer PCI angeboten werden.

9.5.3 Erhaltungstherapie

9.18 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Allen Patienten mit SCLC Stadium III ohne Progress nach Abschluss der Chemo-Strahlentherapie soll eine 24-monatige Erhaltungstherapie mit Durvalumab angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens (98%)
Literatur
[1518]
Die prospektive, Placebo-kontrollierte und randomisierte Phase III-Studie ADRIATIC [1518] untersuchte den Stellenwert einer Erhaltungstherapie über 24 Monate mit dem Checkpointinhibitor Durvalumab (1500mg alle 4 Wochen) bei Patienten mit SCLC im Stadium I-III die nach Standard-Chemo-Strahlentherapie keinen Tumorprogress erlitten hatten. Patienten mit Durvalumab-Erhaltungstherapie lebten mit 55.9 versus 33,4 Monaten signifikant länger als die Patienten in der Placebogruppe. Die HR betrug 0.73 (98.321% CI, 0.54–0.98).

9.5.4 Zusammenfassung und Wertung

Patienten mit einer bestrahlungsfähigen Tumorausbreitung eines kleinzelligen Lungenkarzinoms sollten eine kombinierte Chemostrahlentherapie erhalten.

Das eingesetzte Chemotherapieprotokoll sollte Cisplatin/Etoposid über 4 (-6) Zyklen in 3-wöchigen Intervallen sein. Die Dosis pro Zyklus sollte für Cisplatin 80 mg/m2 und für Etoposid 300 mg/m2 i.v., aufgeteilt in 3 Tageseinzeldosen, nicht unterschreiten.

Die günstigsten 5-Jahres-Überlebensraten sind mit einer gleichzeitig mit dem ersten Chemotherapiezyklus beginnenden simultanen hyperfraktionierten akzelerierten Strahlentherapie mit einer GDH von 45 Gy, appliziert in 2x täglichen ED von 1,5 Gy über 15 Tage, beobachtet worden, eine Dosiseskalation bis 60 Gy ist möglicherweise mit einem besseren Outcome verbunden.

Eine alternative Therapiestrategie ist die simultane konventionell fraktionierte Radiotherapie parallel zu zwei PE Zyklen möglichst frühzeitig im Behandlungsverlauf. Hier ist eine höhere GHD von 66 Gy mit täglichen ED von 2,0 Gy anzustreben. Der Beginn der Bestrahlung sollte spätestens mit dem 2. Chemotherapiezyklus erfolgen. Die Gleichwertigkeit der simultanen konventionell fraktionierten Bestrahlung mit höherer Gesamtherddosis im Vergleich zur hyperfraktionierten akzelerierten Bestrahlung ist bisher allerdings nicht in einer prospektiven Studie belegt.

Die konsekutive Durchführung von Chemotherapie und nachfolgender Bestrahlung ist bei Patienten in höherem Alter oder bei eingeschränktem Allgemeinzustand bzw. dem Vorliegen von Komorbiditäten angebracht (siehe Kapitel 7).

Therapie kleinzelliges Lungenkarzinom Stadium T3-4 und/oder N2-3,MO. * Option A (hyperfraktionierte akzelerierte simultane Chemostrahlentherapie) und Option B (simultane Chemostrahlentherapie mit konventioneller RT-Fraktionierung) sind annähernd gleichwertig.
Therapie kleinzelliges Lungenkarzinom Stadium T3-4 und/oder N2-3,MO. * Option A (hyperfraktionierte akzelerierte simultane Chemostrahlentherapie) und Option B (simultane Chemostrahlentherapie mit konventioneller RT-Fraktionierung) sind annähernd gleichwertig.

9.6 Behandlung des Stadium IV (M1, Extensive Disease)

60 bis 70% aller Patienten mit neu diagnostiziertem SCLC befinden sich zum Diagnosezeitpunkt im Stadium IV (Extensive Disease). Bei nicht-bestrahlungsfähiger bzw. metastasierter Tumorausbreitung des SCLC besteht in aller Regel keine kurative Behandlungsmöglichkeit. Primäre Therapieziele sind die effektive Palliation und Überlebensverlängerung.  In dieser Situation war bisher die palliative systemische Chemotherapie die Standardtherapie.  

In dieser Situation war bisher die palliative systemische Chemotherapie die Standardtherapie mit initial gutem Ansprechen, aber auch hoher Rezidivrate. Das durchschnittliche Gesamtüberleben lag bei metastasiertem SCLC in den letzten 30 Jahren bei 9-12 Monaten und die 2-Jahresüberlebensrate bei nur 5-10%. [1579]

Durch die Hinzunahme eines Checkpoint-Inhibitors zur Chemotherapie konnte ein neuer Standard etabliert werden, mit einer deutlichen Verbesserung im progressionsfreien Überleben sowie auch Gesamtüberleben. Erstmalig liegen auch Daten von Patienten mit Langzeitüberleben von 3 Jahre vor, diese lag unter Kombination einer Platindoublette mit Etoposid und Hinzunahme von Durvalumab bei 17.6% [1580]. Zu Atezolizumab gibt es Daten aus einer explorativen Analyse der IMpower 133-Studie  („IMbrella A“), bei der nach 5 Jahren noch 11 Patienten der ursprünglich 201 Patienten am Leben waren [1581].

 

9.6.1 Wahl der Chemo- und Immuntherapiemedikamente

9.19 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Patienten mit fernmetastasiertem kleinzelligen Lungenkarzinom soll, sofern keine Kontraindikationen bestehen, primär eine Chemo-Immuntherapie mit Platin/Etoposid und einem PD-L1-Antikörper (Atezolizumab oder Durvalumab) oder PD-1 Antikörper (Serplulimab oder Tislelizumab) angeboten werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
⊕⊕⊕⊕
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1582] [1583] [1580] [1584] [1585] [1586]
ÄnderungshinweisPatienten mit fernmetastasiertem kleinzelligen Lungenkarzinom soll, sofern keine Kontraindikationen bestehen, primär eine Chemo-Immuntherapie mit Platin/Etoposid und einem PD-L1-Antikörper (Atezolizumab oder Durvalumab) angeboten werden.
Evidenztabellen (2)Serplulimab + Chemotherapie vs. Chemotherapie zur Erstlinienbehandlung des SCLC im Stadium IV; Tislelizumab + Chemotherapie SCLC Stadium IV
Chemotherapie in Kombination mit einem PD-L1-Antikörper

Zwei Phase-III-Studien, die entweder den PD-L1-Antikörper Atezolizumab oder Durvalumab in Kombination mit Platin und Etoposid gegen Chemotherapie allein geprüft hatten, konnten signifikante Vorteile im progressionsfreien und Gesamtüberleben zeigen und führten in Deutschland zu Zulassung

Zwei Phase-III-Studien mit den PD-L1-Antikörpern Atezolizumab bzw. Durvalumab in Kombination mit Platin und Etoposid zeigten gegenüber Chemotherapie eine signifikante  Verbesserung des progressionsfreien und des Gesamtüberleben und führten in Deutschland zur Zulassung: In der IMpower133-Studie wurden 403 Patienten mit SCLC und gutem Allgemein-zustand (ECOG-PS 0–1) untersucht. Sie erhielten vier Zyklen einer Kombinationstherapie aus Atezolizumab, Etoposid und Carboplatin, gefolgt von einer Atezolizumab-Erhaltungstherapie im dreiwöchigen Intervall. Diese wurde im Vergleich zu einer Standardchemotherapie plus Placebo geprüft. Die objektiven Ansprechraten waren zwischen beiden Gruppen vergleichbar: 60,2 %  (Atezolizumab) gegenüber 64,4 % (Placebo). Die Dreifachkombination erzielte allerdings einen signifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben (5,2 vs. 4,3 Monate; HR 0,77) sowie im Gesamtüberleben (12,3 vs. 10,3 Monate; HR 0,70), ohne relevante Zunahme der Toxizität [1587]. Auch nach längerem Follow-Up zeigte sich ein klaren Vorteil zugunsten der Immunchemotherapie: Nach einem Jahr lebten 51,7 % der Patienten unter Atezolizumab im Vergleich zu 38,2 % in der Placebogruppe und nach 2 Jahren 22,0 % gegenüber 16,8 %. [1588]. Eine explorative 5-Jahres-Analyse („IMbrella A“) dokumentierte ein Langzeitüberleben bei 12% für die Kombination mit Atezolizumab bei insgesamt kleiner Fallzahl [1581].

Unerwünschte Ereignisse (AEs) vom Grad 3 oder höher traten unter Atezolizumab ( 58,1 %) ähnlich häufig auf wie unter Placebo (57,6 %) – am häufigsten waren Neutropenie und Anämie. Therapieabbrüche infolge von AEs wurden bei 11,1 % der Patienten in der Atezolizumab-Gruppe beobachtet, verglichen mit 3,1 % in der Placebogruppe. Immunvermittelte Nebenwirkungen traten unter Atezolizumab häufiger auf (39,9 % vs. 24,5 %), ebenso schwerwiegende immunvermittelte Ereignisse vom Grad 3 oder 4 (10,6 % vs. 2,6 %).

Patienten mit unkontrollierten Hirnmetastasen waren ausgeschlossen worden. Allerdings wurde eine geringe Zahl (n = 17) von Patienten mit vorbehandelten und stabilen Hirnmetastasen eingeschlossen. Diese kleine Gruppe schien von der Hinzunahme von Atezolizumab nicht zu profitieren (HR OS 1,07, HR PFS 0.98). Für weiterreichende Schlüsse war die Anzahl der beobachteten Patienten mit Hirnmetastasen zu klein.

CASPIAN, eine offene Phase-III-Studie, bei der ebenfalls der Einschluss von Patienten mit asymptomatischen Hirnmetastasen erlaubt war, verglich die Kombination aus Cis- oder Carboplatin mit Etoposid allein mit der Kombination von Durvalumab und Chemotherapie. 268 Patienten erhielten 4 Zyklen Platin/Etoposid und 1500 mg Durvalumab jeweils aller 3 Wochen, gefolgt von einer 4-wöchentlichen Durvalumab-Erhaltungstherapie. Im Standard-Arm erhielten 269 Patienten bis zu 6 Zyklen Cis- oder Carboplatin plus Etoposid. Das mediane Gesamtüberleben betrug 12,9 vs. 10,5 Monate (HR 0,75) [1589]. Das 2 – bzw. 3 Jahres- Überleben lag unter der Kombination bei 22.9% bzw. 17.6% gegenüber 13.9% bzw. 5.8% unter alleiniger Chemotherapie [1580].

Schwere unerwünschte Ereignisse aller Ursachen (Grad 3 oder 4) traten in beiden Behandlungsarmen gleich häufig auf (62%). Die Häufigkeit zum Tode führender unerwünschter Ereignisse war mit 5% im Durvalumab-Arm bzw. 6% im Standard-Arm ebenfalls vergleichbar. 

Auch in dieser Studie war die Zahl der Patienten mit Hirnmetastasen insgesamt gering (N=55). Die Hirnmetastasen mussten asymptomatisch oder vorbehandelt bzw. stabil sein. Im Gegensatz zur IMPOWER-133-Studie waren sie in über 90% nicht vor-behandelt. Das mediane OS konnte auch in dieser Subgruppe durch die Hinzunahme von Durvalumab von 8.8 Monaten auf 11.7 Monaten verbessert werden (HR 0.79).

Der Überlebensvorteil unter der Durvalumab-Chemo-Kombination zeigte sich auch unabhängig davon, ob Cis- (HR 0, 65) oder Carboplatin (HR 0,74) eingesetzt wurden [1580].

Ein dritter Studienarm mit einer Vierfach-Kombination aus Durvalumab, Tremelimumab sowie Platin/Etoposid zeigte keinen signifikanten Vorteil gegenüber Platin/Etoposid allein (medianes Überleben 10,4 vs. 10,5 Monate; HR 0,82; P=0,0451) [1589]. Die Rate schwerer Nebenwirkungen (Grad 3/4) sowie therapiebedingte Abbrüche und Todesfälle war unter der Vierfachtherapie deutlich höher. Insgesamt spricht das Kosten-Nutzen-Verhältnis gegen die zusätzliche Gabe von Tremelimumab, eine Zulassung liegt hier auch nicht vor [1590].

Chemotherapie in Kombination mit einem PD-1-Antikörper

In der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie ASTRUM-005 wurde die Kombination aus Serplulimab (PD-1-Inhibitor) und Carboplatin/Etoposid bei 585 therapienaiven Patienten mit extensivem kleinzelligem Lungenkarzinom (ES-SCLC) und gutem Allgemeinzustand (ECOG 0–1) untersucht. Die Patienten erhielten vier Zyklen Platin-basierter Chemotherapie mit Serplulimab oder Placebo, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Serplulimab bzw. Placebo. Rekrutiert wurde an 114 Studienzentren in sechs Ländern: China, Türkei, Polen, Georgien sowie weiteren osteuropäischen Staaten. Etwa 31,5 % der Patienten waren kaukasischer Herkunft. Ein bemerkenswerter Anteil von etwa 20 % der Teilnehmer waren Nichtraucher, was eine ungewöhnlich hohe Rate im Kontext von ES‑SCLC darstellt.

Im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie erzielte die Kombinationstherapie mit Serplulimab einen signifikanten Vorteil im Gesamtüberleben (15,4 vs. 10,9 Monate; HR 0,63; p < 0,001) sowie im progressionsfreien Überleben (5,7 vs. 4,3 Monate; HR 0,48). Auch die objektive Ansprechrate war unter Serplulimab höher (68,9 % vs. 58,7 %). Die Überlebensraten nach 12 bzw. 24 Monaten lagen bei 62,5 % bzw. 31,7 % unter Serplulimab gegenüber 45,6 % bzw. 18,7 % in der Placebogruppe. Die Rate schwerwiegender Nebenwirkungen (Grad ≥3) war moderat (33,2 % vs. 27,6 %) und betraf vor allem hämatologische Toxizitäten. Immunvermittelte Nebenwirkungen traten auf, blieben jedoch im erwartbaren Bereich. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde Serplulimab in Kombination mit Chemotherapie als neue Erstlinienoption für das ES-SCLC zugelassen, zuletzt auch in der Europäischen Union [1584], [1585].

In der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie RATIONALE-312 wurde die Wirksamkeit von Tislelizumab, einem PD-1-Inhibitor, in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie (Cisplatin oder Carboplatin) plus Etoposid bei therapienaiven Patienten mit ausgedehntem kleinzelligen Lungenkarzinom (ES-SCLC) untersucht. Die Studie umfasste insgesamt 403 Patienten mit gutem Allgemeinzustand (ECOG 0–1). Die Patienten erhielten vier Zyklen der Kombinationstherapie gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Tislelizumab oder Placebo. Etwa 28 % der Patienten stammten aus europäischen Ländern, ca. 60 % aus asiatischen Regionen, der Rest aus weiteren Ländern. Die Patientendemografie war heterogen, mit einem Frauenanteil von etwa 35 %. Mit circa 18 % lag der Anteil der Nichtraucher höher als in typischen Kohorten mit ausgedehntem kleinzelligem Lungenkarzinom, was auf eine besondere Zusammensetzung der Studienpopulation hinweist.

Die Behandlung mit Tislelizumab plus Chemotherapie führte zu einem signifikanten Überlebensvorteil gegenüber der alleinigen Chemotherapie. Das mediane Gesamtüberleben (OS) betrug 13,6 Monate unter Tislelizumab verglichen mit 12,3 Monaten im Placeboarm (HR 0,79; p = 0,02). Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) verlängerte sich auf 5,4 gegenüber 4,1 Monaten (HR 0,73). Die objektive Ansprechrate (ORR) war mit 70,2 % im Vergleich zu 58,1 % ebenfalls zugunsten der Immunchemotherapie erhöht. Die Häufigkeit von Nebenwirkungen Grad 3 oder höher war vergleichbar zwischen beiden Gruppen, wobei die meisten unerwünschten Ereignisse hämatologischer Natur waren. Immunvermittelte Nebenwirkungen traten erwartungsgemäß auf, führten jedoch selten zum Therapieabbruch. Auf Grundlage dieser Daten erhielt Tislelizumab in Kombination mit Platin und Etoposid im Jahr 2025 die Zulassung durch die Europäische Kommission als Erstlinientherapie für Patienten mit ES-SCLC [1586].

Für die Kombinationstherapie mit PD-1-Antikörpern liegen zwei weitere Studien vor: die KEYNOTE-604 mit Pembrolizumab [1591] sowie die ECOG-ACRIN EA5161 mit Nivolumab [1592], welche aber nicht zu einer Zulassung geführt haben.

Tabelle 39: Übersicht der Studien zur Chemotherapie in Kombination mit einem PD-1- bzw. PD-L1-Antikörper im Stadium M1

Studie

Kernergebnisse

IMPOWER 133

(Atezolizumab)

mPFS 5,2 vs. 4,3 Mon (HR 0,77,

mOS: 12,3 vs. 10,3 Mon (HR 0,76)

CASPIAN

(Durvalumab)

mPFS: 5,1 vs. 5,4 Monate (HR 0,78)

mOS: 13,0 vs. 10,3 Monate (HR 0,73)

ASTRUM-005

(Serplulimab)

mPFS: 5,7 vs. 4,3 Mon (HR 0,48),

mOS: 15,4 vs. 10,9 Mon (HR 0,63)

RATIONALE-312

(Tislelizumab)

mPFS: 4,7 vs. 4,3 Monate (HR 0,64)

mOS: 15,5 vs. 13,5 Monate (HR 0,75)

9.20 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Bei Patienten mit SCLC Stadium IV, welche nach 4 Zyklen einer Chemo-Immuntherapie mit Carboplatin/Etoposid und Atezolizumab keinen Progress haben, sollte eine Erhaltungstherapie mit Atezolizumab und Lurbinectedin angeboten werden. 

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
⊕⊕⊕⊕
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1593]
Evidenztabellen (1)Atezolizumab und Lurbinectedin Erhaltungstherapie SCLC Stadium IV
Erhaltungstherapie
Die Integration der Chemo-Immuntherapie in die primäre Behandlung des ES-SCLC hat dazu geführt, dass heute überwiegend eine Immuntherapie als Erhaltungsstrategie nach der Chemo/Immuntherapie zum Einsatz kommt.

In der randomisierten, offenen Phase-III-Studie IMforte wurden Patienten mit nach erfolgreicher Induktionstherapie mit Atezolizumab, Carboplatin und Etoposid hinsichtlich einer Intensivierung der Erhaltungstherapie untersucht. Nach vier Zyklen der Induktionstherapie wurden Patienten ohne Krankheitsprogression im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder eine Erhaltungstherapie mit Atezolizumab (1200 mg alle drei Wochen) allein oder in Kombination mit Lurbinectedin (3,2 mg/m² alle drei Wochen, mit G-CSF-Prophylaxe). Die Ergebnisse zeigten ein signifikant verlängertes medianes PFS in der Kombinationstherapiegruppe gegenüber der Monotherapie mit Atezolizumab (5,4 Mon vs. 2,9 Mon, HR 0,54; 95 %-KI 0,43–0,67; p < 0,0001). Auch das Gesamtüberleben war unter der Kombinationstherapie deutlich  verbessert (13,2 Mon vs. 10,6 Mon HR 0,73; 95 %-KI 0,57–0,95; p = 0,017) [1593].
Die Rate schwerer Nebenwirkungen (Grad 3–4) war in der Kombinationsgruppe höher (38 % vs. 22 %), insbesondere hämatologische Toxizitäten wie Anämie, Neutropenie und Thrombozytopenie traten vermehrt auf. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse Grad 5 wurden bei 5 % der Patienten in der Kombinationsgruppe und bei 3 % unter Atezolizumab allein beobachtet. Die IMforte-Studie zeigt, dass die Kombination aus Lurbinectedin und Atezolizumab eine wirksame Erhaltungsoption nach erfolgreicher Induktionstherapie darstellen kann, wenngleich unter erhöhter Toxizität. 
 

Mögliche Biomarker:

PD-L1: PD-L1-exprimierende Tumorzellen lassen sich nur bei 18 bis 39% der SCLC-Patienten nachweisen [1582]. Sein prädiktiver Wert ist unklar und wird kontrovers diskutiert. Eine Metaanalyse schloss eine prognostische Bedeutung aus. Da keine Checkpoint-Inhibitoren verabreicht wurden, ist der prädiktive Wert nicht bewertbar – es bestanden auch keine signifikanten Zusammenhänge mit klinischen Parametern [1583]. PD-L1 ist damit beim SCLC kein verlässlicher Biomarker für die Auswahl der Immuntherapie.

Tumormutationslast (TMB)

Das SCLC zeichnet sich durch eine hohe Tumor-Mutationslast aus, offenbar infolge der Assoziation mit dem Zigarettenrauchen. Bisher liegen allerdings nur widersprüchliche Ergebnisse für TMB beim SCLC als prädiktiver oder prognostischer Faktor vor.

Spezifische Transkriptionsfaktoren: Basierend auf der Expression spezifischer Transkriptionsfaktoren wurden vier Hauptsubtypen identifiziert: SCLC-A, SCLC-N, SCLC-P und SCLC-I [1594], [1595], [1596], [1597]. Diese Subtypen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Genexpression, sondern auch in ihren biologischen Eigenschaften und potenziellen therapeutischen Anfälligkeiten:

SCLC-A (ASCL1-dominant): Dieser Subtyp zeichnet sich durch eine hohe Expression des Transkriptionsfaktors ASCL1 aus. SCLC-A-Tumoren weisen typischerweise neuroendokrine Merkmale auf und könnten empfindlich auf Inhibitoren von BCL-2 oder Aurora-Kinasen reagieren. SCLC-N (NEUROD1-dominant): Gekennzeichnet durch eine dominante Expression von NEUROD1, zeigen diese Tumoren ebenfalls neuroendokrine Eigenschaften, jedoch mit Unterschieden in der Genexpression im Vergleich zu SCLC-A. SCLC-P (POU2F3-dominant): Dieser Subtyp weist eine hohe Expression von POU2F3 auf,. SCLC-I (Inflamed): Charakterisiert durch eine niedrige Expression von ASCL1, NEUROD1 und POU2F3, aber eine hohe Expression von Immun-Checkpoint-Genen und humanen Leukozytenantigenen (HLA). SCLC-I-Tumoren weisen ein entzündliches Genexpressionsprofil auf und könnten besonders von Immuntherapien profitieren. Die Subtypisierung wird zunehmend in Studien-protokollen berücksichtigt, hat aktuell aber für den klinischen Alltag noch keine Relevanz.


Zusammenfassung Immuntherapie beim SCLC in der ersten Therapielinie

  • Die Kombination aus Chemo- und Immuntherapie  (Carboplatin, Etoposid, Atezolizumab oder Carbo-bzw. Cisplatin mit Durvalumab) hat sich als Standard in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen SCLC etabliert.
  • Nach Gabe einer Chemo-Immuntherapie mit Carboplatin/Etoposid und Atezolizumab sollte eine Erhaltungstherapie mit Atezolizumab und Lurbinectedin durchgeführt werden.
  • Bei Patienten mit Hirnmetastasen sollte die Kombination von Chemo- und Durvalumab eingesetzt werden
  • Biomarker wie PD-L1, TMB oder auch die Einteilung gemäß Transskriptions-faktoren sind beim SCLC bisher als prädiktive Faktoren nicht etabliert.

9.6.2 Rezidivtherapie

Bei Rezidiv oder Progression ist zwischen lokalem und systemischem Geschehen zu differenzieren.

Lokales Rezidiv

Persistiert der Primärtumor nach Radiochemotherapie oder zeigt er einen lokalen Progress, kann im Einzelfall eine operative Resektion erwogen werden – vorausgesetzt, ein Multi-Level-N2- oder N3-Befall (PET-CT) sowie eine cerebrale Metastasierung (MRT Schädel) sind ausgeschlossen. Bei erneuter pulmonaler Raumforderung nach kompletter Remission ist auch an einen Zweittumor mit abweichender Histologie zu denken. Liegt ein neuer Rundherd ohne Lymphknoten- oder Fernmetastasierung vor (PET-CT/MRT Schädel), kann eine primäre Resektion erfolgen. Andernfalls ist zunächst eine histologische Sicherung notwendig, gefolgt von einer Stadien- und Histologie-gerechten Therapie. Bei solitärer Neben­nieren- oder Hirnmetastase sollte eine lokale Therapie geprüft werden – bevorzugt als Resektion (z.B. Nebenniere) bzw. stereotaktische Radiotherapie (z.B. Gehirn). Der Nutzen einer anschließenden Chemotherapie ist unklar. Bei einer therapiefreien Zeit von über 6 Monaten kann eine Wiederholung der Erstlinientherapie erwogen werden. Sind lokale Therapiemaßnahmen nicht möglich, steht die Option einer medikamentösen Zweitlinienchemotherapie offen.

Systemisches Rezidiv

Bei disseminierter Progression bzw. Rezidiv besteht bei Patienten im ECOG Stadium 0-2 und im krankheitsbedingten ECOG Stadium 3 die Indikation zu einer systemischen Zweitlinientherapie. Sie führt zur Symptomlinderung und zur Verlängerung der Überlebenszeit.

9.21 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Eine Zweitlinientherapie soll bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom unabhängig vom Zeitpunkt des Auftretens des Rezidivs angeboten werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1

für Topotecan-Monotherapie

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1598] [1599] [1600] [1601] [1602] [1603] [1604] [1605] [1606] [1607]
9.22 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei lokalem Rezidiv nach Primärtherapie eines initial limitierten Tumorstadiums des SCLC kann, nach Ausschluss einer Fernmetastasierung, eine lokale Therapie mittels Resektion oder Strahlentherapie (ggf. stereotaktische Strahlentherapie) angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.23 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Als systemische Zweitlinientherapie des SCLC sollte die Gabe von Tarlatamab angeboten werden.

 

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
⊕⊕⊕⊕
Konsens
Konsens (88%)
Literatur
[1608]
Evidenztabellen (1)Tarlatamab-Monotherapie als second-line Therapie SCLC-Patienten
9.24 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Als mögliche andere Behandlungsansätze kann die Gabe von Topotecan, einer Anthrazyklin-haltigen Kombination sowie der Einsatz Paclitaxel– oder Irinotecan-haltiger Protokolle angeboten werden. 



Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1

für Topotecan-Monotherapie


2

für andere Behandlungsansätze

Konsens
Konsens (88%)
Literatur
[1598] [1599] [1600] [1601] [1602] [1603] [1604] [1605] [1606] [1607] [1608] [1609]
ÄnderungshinweisAls systemische Zweitlinientherapie des SCLC sollte die Gabe von Topotecan angeboten werden. Als mögliche andere Behandlungsansätze kann auch die Gabe einer Anthrazyklin-haltigen Kombination sowie der Einsatz Paclitaxel– oder Irinotecan-haltiger Protokolle erwogen werden.
9.25 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

1. Bei sensitiver Progression des SCLC mit weniger als 6-monatiger Zeit nach Chemotherapie und ECOG 0-1 soll die Zweitlinientherapie angeboten werden.


2. Bei Progression des SCLC mit mehr als 6-monatiger Zeit nach Chemotherapie soll eine Wiederholung der Erstlinienchemotherapie angeboten werden

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei sensitivem Rezidiv ist in jedem Falle die Durchführung einer erneuten Chemo-therapie indiziert. Durch eine Phase-III-Studie abgesichert ist die Gabe einer Topo-tecan-Monotherapie. Eine gleiche Wirksamkeit ist für eine Kombinationschemothe-rapie mit ACO belegt (Evidenzgrad 1b) Die erneute Gabe des primär eingesetzten Behandlungsprotokolls stellt zunächst die Behandlung der ersten Wahl dar. Diese Therapie sollte insbesondere bei einem therapiefreien Intervall von mehr als 6 Monaten eingesetzt werden

Hintergrund und ältere Studiendaten

Eine Second-Line-Studie verglich bei 141 Patienten mit rezidiviertem SCLC eine orale Topotecan-Monotherapie plus Best Supportive Care (BSC) mit BSC allein. Topotecan verlängerte das mediane Überleben signifikant (25,9 vs. 13,9 Wochen), auch die 6-Monats-Überlebensrate stieg deutlich (49 % vs. 26 %). Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand oder kurzem therapiefreien Intervall (< 60 Tage) profitierten ebenfalls. Die Lebensqualität war unter Topotecan signifikant verbessert [1601].

Eine Alternative ist die Gabe einer Kombinationschemotherapie mit dem ACO-Protokoll, die in einer randomisierten Studie der Topotecan-Monotherapie gleichwertig war [1604] . In dieser Studie waren etwa 60 % der Patienten platinvorbehandelt, die übrigen hatten bereits in der Erstlinie ein anthrazyklinhaltiges Protokoll erhalten. Das Nebenwirkungsprofil sowie die Lebensqualitätsparameter-analyse präferierten in dieser Studie eher die Topotecan-Monotherapie.

Die Wirksamkeit von oralem und intravenösem Topotecan beim SCLC-Rezidiv ist vergleichbar: bei 309 Patienten zeigte sich kein Überlebensunterschied im Überleben (median 33 vs. 35 Wochen; 1-Jahres-Überleben: 33 % oral vs. 29 % i.v.). Orales Topotecan war mit weniger Neutropenien und Anämien, aber etwas häufiger mit Thrombozytopenien assoziiert; die Infektionsrate war in beiden Armen gleich [1605], [1606].

Paclitaxel- [1607], [1599], [1602] und Irinotecan- [1600], [1603] - haltige Protokolle haben in Phase II Studien Remissionsraten von bis zu 40 % erreicht und stellen somit ebenfalls eine Therapieoption dar.

Die Kombination aus Irinotecan, Cisplatin und Etoposid ist in der randomisierten Studie bei 180 Patienten mit sensitivem Rezidiv gegen Topotecan getestet worden [1610]. Hier zeigte sich ein signifikanter Vorteil für die Kombinationstherapie mit einem medianen Überleben von 18.2 vs. 12.5 Monaten und einer HR von 0.67. Eine Zulassung für Irinotecan beim SCLC liegt nicht vor.

Alleinige immuntherapeutische Ansätze wurden im Rahmen von Phase-II und Phase-III -Studien geprüft, konnten aber insgesamt keinen relevanten Vorteil zeigen [1611], [1612], [1613]. 

Neuere Studiendaten und Therapieansätze – Lurbinectedin, Bispezifische Antikörper und ADCs (antibody-drug-conjugate)

Lurbinectedin

Als neuerer Inhibitor der RNA-Polymerase II wurde Lurbinectedin getestet. In einer multizentrischen einarmigen Phase-II-Studie zum Einsatz von Lurbinectedin wurden 105 Patienten mit rezidiviertem kleinzelligen Lungenkarzinom eingeschlossen (n=45 refraktär, n=60 sensitiv auf Platin). Die Remissionsraten waren vielversprechend. Für die refraktären Patienten betrug sie 22.2% (95% CI 11.2 - 37.1), bei den sensitiven Patienten 45% (95% CI 32.1 - 58.4) [1614].

Lurbinectedin wurde in Kombination mit Doxorubicin in der Phase III Studie ATLANTIS bei 613 Patienten gegen Topotecan getestet. Das mediane Gesamtüberleben war mit 8.6 Monaten (95% CI 7.1–9.4) in der Lurbinectedin plus Doxorubicin Gruppe etwas län-ger als in der Kontrollgruppe mit 7.6 Monaten (6.6–8.2), allerdings war dieser Unter-schied nicht signifikant [1615]. Eine Zulassung von Lurbinectedin liegt aktuell nicht vor.

Tarlatamab

Nach Erfolg versprechenden Daten von Tarlatamab in Phase I und Phase II-Studien, wurden 2025 Daten der DeLLphi-304- Phase III-Studie vorgestellt. Tarlatamab ist ein bispezifischer T-cell engager mit Bindung sowohl an DLL3 als auch an CD3 auf den T-Zellen. In der Phase-I-Studie DeLLphi-300 zeigte Tarlatamab (≥ 10 mg, n = 152) eine mediane Ansprechdauer von 11,2 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 17 Monaten. Für die 10 mg-Dosis (n = 17) lagen die mediane Therapiedauer bei 14,9 und das OS bei 20,3 Monaten. In der Phase-II-Studie DeLLphi-301 erhielten jeweils 88 vorbehandelte Patienten (≥2 Vortherapien) 10 mg oder 100 mg Tarlatamab. Die Ansprechraten lagen bei 40 % bzw. 28 %, die Krankheitskontrollraten bei 70 % bzw. 50 %. Das Ansprechen erfolgte unabhängig von der DLL3-Expression. Die mediane Behandlungsdauer war noch nicht erreicht; das 6-Monats-PFS lag bei 40 %, das OS bei 73 %. Ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) trat bei 49–61 % der Patienten auf, höhergradig (≥ Grad 3) jedoch nur bei 3–6 %, meist im ersten Zyklus. Therapiebedingte Abbrüche waren selten (3 %) [1616].

In einer multinationalen, offenen Phase-3-Studie wurde die Wirksamkeit von Tarlatamab im Vergleich zur Chemotherapie (Topotecan, Lurbinectedin oder Amrubicin) bei Patienten mit fortgeschrittenem SCLC untersucht, deren Erkrankung während oder nach einer platinbasierten Erstlinienbehandlung progredient war 254 Patienten erhielten Tarlatamab, während 255 Patienten eine konventionelle Chemotherapie erhielten. Die Behandlung mit Tarlatamab war der Chemotherapie in mehrfacher Hinsicht signifikant überlegen. So betrug das mediane Gesamtüberleben unter Tarlatamab 13,6 Monate gegenüber 8,3 Monaten unter Chemotherapie (HR 0,60). Auch hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens sowie der Linderung tumorassoziierter Symptome, insbesondere Atemnot und Husten, zeigte Tarlatamab klare Vorteile gegenüber der Vergleichsgruppe [1609], [1608].

Das Nebenwirkungsprofil war ebenfalls günstiger: Schwere Nebenwirkungen (Grad ≥ 3) traten bei 54 % der mit Tarlatamab behandelten Patienten auf, verglichen mit 80 % unter Chemotherapie. Zudem kam es bei nur 5 % der Tarlatamab – Patienten zu einem Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Ereignisse, verglichen mit 12 % in der Chemotherapiegruppe. In der DeLLphi-304 trat CRS bei 56 % der Patienten auf, wobei die meisten Fälle mild bis moderat (Grad 1–2) waren und vor allem nach den ersten bei den Dosen auftraten . Eine weitere neue Nebenwirkung sind ICANS (immune effector cell associated neurotoxity), immunvermittelte neurozytotoxische Effekte, die selten (6%, höhergradig >3° 3%) auftraten, aber eines speziellen Monitorings bedürfen. Die Studie zeigt, dass Tarlatamab das Gesamtüberleben bei vorbehandelten SCLC-Patienten signifikant verlängert und dabei ein insgesamt günstigeres Sicherheitsprofil aufweist als die herkömmliche Chemotherapie. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von Tarlatamab als neue Zweitlinientherapie beim rezidivierten kleinzelligen Lungenkarzinom.

Frühe Daten liegen für ein weiteren bispezifischen Antikörper Obrixtamig ( BI764532) der ebenfalls gegen DLL3und CD3 gerichtet ist vor. Im Rahmen einer Dosisfindungsstudie zeigte sich bei N=39 Patienten mit SCLC mit DLL3-Expression im Gewebe und nach mindestens einer platinbasierten Therapielinie bei einer Dosis von ≥ 90µg/kg eine Ansprechrate von 26% und eine disease control rate von 51%. Auch hier war das cytokine release syndrom mit 59% in der Gesamtgruppe eine häufige Nebenwirkung [1617].

Weitere frühe Daten liegen für ein weiteres ADC, Ifinatamab Deruxtecan, vor, welches gegen den Immuncheckpoint B7-H3 gerichtet ist und als Chemotherapie-Komponente einen Topoisomerase-Inhibitor (Deruxtecan) besitzt. Hier zeigte sich bei n=21 Patienten nach mindesten einer und bis zu sieben Vor-Therapielinien eine Ansprechrate von 52.4% mit einem medianen PFS von 5.6 Monaten und einem OS von 12.2 Monaten. Übelkeit, Fatigue und Anämie waren die häufigsten Therapie-assoziierten Nebenwirkungen [1618].

Diese neuen Therapieansätze sind zum jetzigen Zeitpunkt vielversprechend, weitere Daten müssen im Verlauf evaluiert werden. Zusätzlich befinden sich weitere ähnliche  Substanzen in frühen Phasen der Testung.


Zusammenfassung und Wertung

  • Bei Rezidiv oder Progression sollte zwischen lokalem und systemischem Progress unterschieden werden.
  • Im Falle eines lokalen Progresses sollten die Möglichkeiten einer lokalen Therapie evaluiert werden.
  • Bei systemischem Progress ist die Prognose der Patienten umso besser je länger das therapiefreie Intervall ist. Bei Spätrezidiv ist eine Reinduktions-therapie die Behandlung der ersten Wahl. In allen anderen Fällen ist der Wechsel des Therapieregimes sinnvoll.
  • In der Rezidivtherapie ist die Überlegenheit von Topotecan gegenüber BSC gezeigt. Topotecan war bisher die am besten etablierte Substanz mit der umfangreichsten Datenlage. Tarlatamab zeigte ganz aktuell in der DeLLphi 304-Studie eine Überlegenheit (PFS, OS, ORR) gegenüber anderen international verfügbaren Standard-Zweitlinienoptionen (Topotecan, Lurbinectedin, Amrubicin). Die Zulassung für Tarlatamab in Deutschland wurde 06/2026 erteilt.
  • Bei sensitivem Rezidiv und gutem Allgemeinzustand des Patienten konnte mit der Kombination Cisplatin/Irinotecan/Etoposid ein signifikanter Vorteil im Vergleich zu Topotecan erzielt werden.

Flowchart systemische Therapie SCLC Stadium IV
Flowchart systemische Therapie SCLC Stadium IV

9.6.3 Strahlentherapeutische Indikation bei fernmetastasierten Patienten

9.6.3.1 Prophylaktische Schädelbestrahlung - PCI

9.26 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei SCLC-Patienten mit Ansprechen auf die Erstlinienchemotherapie soll die prophylaktische Schädelbestrahlung oder eine active surveillance mit 3-monatiger MRT- Kontrolle des Gehirns im 1. Jahr, anschließend aller 6 Monate, angeboten werden.

Wird die PCI durchgeführt, soll diese z.B. mit 30 Gy in Einzeldosen von 2 Gy oder mit 25 Gy in Einzeldosen von 2,5 Gy durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Konsens (93%)
Literatur
[1619]
ÄnderungshinweisPatienten mit Ansprechen auf die Erstlinienchemotherapie sollen eine prophylaktische Schädelbestrahlung erhalten (Evidenzgrad 1b).

Hintergrund

Bei Patienten mit Teil- oder Vollremission nach erfolgter Chemotherapie verlängert in der EORTC Studie von Slotman die zusätzliche Schädelbestrahlung die Überlebenszeit und erhöht die 1- Jahres-Überlebensrate auch in der Patientengruppe mit primärer Fernmetastasierung. Eingeschlossen waren 283 auswertbaren Patienten, die  nach Abschluss der Chemotherapie klinisch kontrolliert wurden. Die Rate der symptomatischen Hirnmetastasierung betrug nach einem Jahr in der bestrahlten Gruppe knapp 15 % im Vergleich zu 40 % bei nicht durchgeführter RT, die 1-Jahres-Überlebensraten betrugen 27 % vs. 13 % für bestrahlte versus nicht bestrahlte Patienten (Evidenzgrad 1b). Dieser Überlebensvorteil wurde dadurch erklärt, dass die prophylaktische  Schädelbestrahlung die Rate der Hirnmetastasierung erheblich reduziert, allerdings gab es keine CT- oder MRT-Kontrollen vor der Randomisierung. Die Durchführung einer second line Chemotherapie war in der nicht bestrahlten Gruppe deutlich vermindert.

Eine später durchgeführte randomisierte Phase-3-Studie [1619] aus Japan testete ebenfalls die prophylaktische Schädelbestrahlung (PCI) bei 224 metastasierten Patienten. Eine MRT-Untersuchung des Gehirns zum Ausschluss bereits vorhandener Hirnmetastasen war hierbei im Gegensatz zur o.g. Studie Einschlusskriterium. Auch im weiteren Verlauf erfolgten alle 3 Monate MRT Schädel Untersuchungen. Die Rate der second line Chemotherapie betrug auch in der nicht bestrahlten Gruppe 90%. Im Ergebnis zeigte sich hier kein Effekt der prophylaktischen Hirnbestrahlung auf das Gesamtüberleben aber weiterhin unter der PCI eine relevante Reduktion der Inzidenz von Hirnmetastasen von 45% vs. 69%.

Aufgrund dieser Daten erscheinen daher beide Optionen möglich, die Durchführung einer PCI erübrigen sich weitere  regelmäßige MRT Schädel Kontrolle. Bei Verzicht auf die PCI sollten alle 3 Monate MRT Schädel Kontrollen erfolgen. 

9.6.3.2 Hirnmetastasen

9.27 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

SCLC-Patienten mit Hirnmetastasierung soll im Therapieverlauf eine Hirnbestrahlung angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1620] [1621] [1622] [1623] [1624]
ÄnderungshinweisPatienten mit Hirnmetastasierung sollten frühzeitig im Therapieverlauf bestrahlt werden. Bei symptomatischer Hirnmetastasierung sollte die Ganzhirnbestrahlung unmittelbar nach Diagnosestellung erfolgen, bei asymptomatischer Hirnmetastasierung ist ein frühzeitiger Bestrahlungsbeginn anzustreben (Evidenzgrad 1b). Bei Verwendung eines Standard Platin/Etoposid Protokolls kann die Bestrahlung parallel zur Gabe einer Chemotherapie erfolgen.
9.28 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei SCLC-Patienten mit multilokulärer symptomatischer Hirnmetastasierung sollte die Ganzhirnbestrahlung, z.B. mit 30 Gy in Einzeldosen von 3 Gy, zeitnah nach Diagnosestellung erfolgen. 

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1620] [1621] [1622] [1623] [1624]
ÄnderungshinweisPatienten mit Hirnmetastasierung sollten frühzeitig im Therapieverlauf bestrahlt werden. Bei symptomatischer Hirnmetastasierung sollte die Ganzhirnbestrahlung unmittelbar nach Diagnosestellung erfolgen, bei asymptomatischer Hirnmetastasierung ist ein frühzeitiger Bestrahlungsbeginn anzustreben (Evidenzgrad 1b). Bei Verwendung eines Standard Platin/Etoposid Protokolls kann die Bestrahlung parallel zur Gabe einer Chemotherapie erfolgen.
9.29 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei SCLC-Patienten mit asymptomatischen Hirnmetastasen und Verlaufskontrolle der zerebralen Metastasierung kann die Schädelbestrahlung auch nach Abschluss der Chemotherapie erfolgen.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1620] [1621] [1622] [1623] [1624]
ÄnderungshinweisPatienten mit Hirnmetastasierung sollten frühzeitig im Therapieverlauf bestrahlt werden. Bei symptomatischer Hirnmetastasierung sollte die Ganzhirnbestrahlung unmittelbar nach Diagnosestellung erfolgen, bei asymptomatischer Hirnmetastasierung ist ein frühzeitiger Bestrahlungsbeginn anzustreben (Evidenzgrad 1b). Bei Verwendung eines Standard Platin/Etoposid Protokolls kann die Bestrahlung parallel zur Gabe einer Chemotherapie erfolgen.
9.30 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2026

Eine stereotaktische Bestrahlung von einzelnen Hirnmetastasen (bis zu 3) beim SCLC kann angeboten werden, ist aber mit hoher Rezidiv-Wahrscheinlichkeit verbunden.

Die stereotaktische Bestrahlung kann simultan zu einer kombinierten Chemo-Immuntherapie erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (98%)
Literatur
[1623] [1620] [1621] [1622] [1624]

Bestrahlung bei nachweisbarer zerebraler Metastasierung:

Bei Patienten mit primär vorhandener Hirnmetastasierung werden durch alleinige Chemotherapie extrazerebral deutlich höhere Remissionsraten als intrazerebral erreicht [1620] (Evidenzgrad 2b). Auch primär asymptomatische Patienten mit zerebraler Metastasierung werden zum Großteil unter alleiniger Chemotherapie im Behandlungsverlauf symptomatisch [1621] (Evidenzgrad 2b).

In der EORTC-Studie von Postmus et al. 2000 [1622] wurde bei Patienten mit einer zerebralen Metastasierung eine alleinige Chemotherapie gegen eine Bestrahlung mit gleichzeitiger Chemotherapie verglichen. Bei 120 Patienten wurde als Chemotherapie in beiden Armen Teniposid 120mg/m² Tag 1, 3 und 5 eingesetzt. Im Bestrahlungsarm erfolgte eine Schädelbestrahlung mit 30 Gy. Das Ansprechen betrug nach alleiniger Chemotherapie 21 % mit 8 % kompletten Remissionen und nach kombinierter Strahlentherapie 57 % mit 30 % kompletten Remissionen. Auf die mediane Überlebenszeit der Patienten hatte die Bestrahlung nur einen geringen Einfluss (3,2 vs. 3,5 Monate). Es zeigte sich jedoch eine deutliche Erhöhung der Rate der Patienten, die 6 bzw. 12 Monate überlebten. Die Studie hat somit einen Vorteil für eine zusätzliche Strahlentherapie erbracht (Evidenzgrad 1b)

Die Modifikation der Hirnbestrahlung als Hippocampus-sparende Bestrahlung bei Hirnmetastasen des SCLC ergab in einer Phase II Studie [1623] günstigere Ergebnisse bezogen auf die neurokognitiven Effekt, es fand sich eine verbesserte Lebensqualität und Gedächtnisleistung. Nur 10% der späteren Hirnmetastasen traten in dieser Region auf, die dann noch einer Stereotaxie (SRS) zugänglich wären.

Auch ein Vergleich bei der PCI der Ganzhirn-Bestrahlung mit oder ohne Hippocampus-Schonung ergab einen funktionellen Vorteil für die Patienten. [1624]

Aus den randomisierten Studien mit Einsatz einer primären kombinierten Chemo-Immuntherapie liegen keine ausreichenden Erfahrungen zum parallelen Einsatz einer Ganzhirnbestrahlung vor. In der IMPOWER 133 Studie und in der KEYNOTE 604 Studie waren nur Patienten nach vorausgegangener Bestrahlung eingeschlossen, in der CASPIAN Studie nur asymptomatische Patienten. Daher ist die Toxizität des Vorgehens nur schwer einschätzbar.

Auch bei SCLC ist die Durchführung der Stereotaxie eine Option. In der FIRE SCLC Studie (Rusthoven et al, Lancet Oncology 2020) wurden die Ergebnisse aus 28 Einzelinstituten zusammengetragen. 710 Patienten mit 1 bis zu mehr als 10 Hirnmetastasen wurden analysiert. Für die Gesamtgruppe betrug das mediane OS 8.5 Monate, es war bei Patienten mit einer Hirnmetastase länger als bei Patienten mit 6-10 Hirnmetastasen (11.0 Monate vs. 8.5 Monate). Das Hirnmetastasen Rezidivrisiko betrug 42% zum Zeitpunkt 12 Monate nach Bestrahlung, die lokale Kontrolle war mit 93% hoch. Die Stereotaxie ist somit bei Patienten it einer begrenzten Anzahl an Hirnmetastasen eine Therapiealternative mit allerdings hohem Risiko einer weiteren Hirnmetastasierung im Verlauf.

9.6.3.3 Konsolidierende Mediastinalbestrahlung

9.31 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patienten mit SCLC Stadium IV in gutem Allgemeinzustand mit Remission nach Erstlinien-Systemtherapie kann eine konsolidierende Mediastinal- und Primärtumorbestrahlung angeboten werden, insbesondere wenn eine limitierte Fernmetastasierung und/oder eine hohe thorakale Tumorlast vorlagen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1625] [1626] [1627]

Bei Patienten mit sehr guter Teil- oder Vollremission der Fernmetastasierung deuten bereits die Ergebnisse von Jeremic et al. 1999 [1627] darauf hin, dass die konsolidierende Primärtumorbestrahlung die Überlebenszeit verlängern könnte.

In einer randomisierten internationalen Phase-3-Studie wurde eine kurzfristige (< 6 Wochen nach Ende First-Line Therapie) niedrig dosierte (30 Gy/3 Gy) konsolidierende Mediastinalbestrahlung [1625], [1626] bei Pat. mit metastasiertem SCLC in gutem Allgemeinzustand mit Response nach First-Line Systemtherapie getestet. Obwohl die Studie bezüglich des 1-Jahres-Überlebens keinen Vorteil zeigte, fand sich ein signifikant verbessertes 2-Jahres Überleben zusammen mit einem hochsignifikant verbesserten progressionsfreien Überleben.

Daher sollte Respondern, vor allem mit limitierter Fernmetastasierung und hoher intrathorakaler Tumorlast eine konsolidierende Mediastinalbestrahlung angeboten werden.

9.6.3.4 Symptomorientierte palliative Bestrahlung

9.32 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Indikationen zur palliativen Bestrahlung an „Orten der Not“, z.B. thorakal oder ossär sollen im Erkrankungsverlauf beim SCLC Stadium IV regelmäßig symptom- und befundbezogen geprüft werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Bei unzureichender lokaler Tumorkontrolle durch die alleinige Chemotherapie, chemotherapieresistenter oberer Einflussstauung, drohender oder vorhandener Komplettatelektase, Trachealinfiltration oder nicht beherrschbarer Tumorinfiltration in lungenangrenzende Organe ist die Indikation zur palliativen Strahlentherapie zu prüfen. Entsprechend ist bei schmerzhaften oder komplikationsdrohenden Knochen- oder Organmetastasen zu verfahren. Die Strahlentherapie hat hier ein ausschließlich palliatives schmerzlinderndes und komplikationsverhinderndes Ziel und wird nicht primär zum Zwecke der Überlebenszeitverlängerung eingesetzt.

 

Zusammenfassung und Wertung

Bei Patienten mit Remission soll im Anschluss an die Chemotherapie eine prophylaktische Schädelbestrahlung angeboten werden, da sie die Inzidenz von Hirnmetastasen reduziert. Falls keine PCI durchgeführt wird, sollen 3-monatliche MRT-Hirn-Kontrolle durchgeführt werden.

Patienten mit Hirnmetastasierung sollten im Behandlungsverlauf eine Schädel-bestrahlung erhalten. Diese sollte bei symptomatischen Patienten mit multilokulärer Metastasierung eher vor der kombinierten Chemo-Immuntherapie, bei asymptomatischen Patienten eher danach erfolgen.

Falls verfügbar, kann eine Hippocampus-sparende Bestrahlung eingesetzt werden.

 Die Stereotaxie von Hirnmetastasen beim SCLC ist bei einer begrenzten Anzahl von Hirnmetastasen eine Alternative mit allerdings hohem Risiko einer weiteren Hirnmetastasierung.

Bei Remission einer Fernmetastasierung sollte Patienten in gutem Allgemeinzustand eine konsolidierende Bestrahlung der initialen thorakalen Tumorregion angeboten werden 

Die weiteren strahlentherapeutischen Indikationen ergeben sich symptomorientiert.

 

9.7 Therapie der älteren Patienten

9.7.1 Aspekte der Chemotherapie

9.33 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patienten im Alter von >75 Jahren weisen eine höhere Hämatotoxizität und eine verringerte Metabolisierungsrate der Chemotherapie auf. Die Wahl der Chemotherapiedosierung beim SCLC sollte diesen Einschränkungen Rechnung tragen.

 

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei Patienten im Alter über 70 Jahren muss sich die Auswahl der Chemothera-pieprotokolle an den vorhandenen Komorbiditäten der Patienten orientieren. Insbe-sondere die Gabe der Substanz Cisplatin sollte nur bei ausgewählten Patienten mit gutem Allgemeinzustand erfolgen. Ebenso sind bei der Gabe von anthrazyklinhalti-gen Schemata die besonderen cardialen und hepatische Risikofaktoren zu beach-ten. Bei grundsätzlich vorhandener Behandlungsfähigkeit stellt die Kombination Carboplatin/Etoposid für ältere Patienten das am besten geprüfte Regime und da-mit die Therapie der ersten Wahl dar (Evidenzgrad 2b).
9.34 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patienten > 85 Jahre mit SCLC sollte die Indikation zur Chemotherapie individuell gestellt werden. Hier sollten dosisreduzierte Protokolle oder ggf. auch wöchentliche und gut steuerbare Regime zum Einsatz kommen.

 

Konsens
Starker Konsens (100%)

Hintergrund

Alter per se ist kein negativer Prognosefaktor und grundsätzlich unterscheidet sich die Wirksamkeit der Chemotherapie bei älteren Patienten nicht im Vergleich zu einem jüngeren Patientenkollektiv.

Bisher liegen nur wenige Studien zur Chemotherapiewirksamkeit explizit bei älteren Patienten vor [1628], [1629]. Diese belegen, dass insbesondere die Kombination Carboplatin/Etoposid auch bei älteren Patienten eine hohe Effektivität mit tolerablen Nebenwirkungen besitzt. Auch in der Phase-II-Studie von Quoix et al. (2001) mit Einsatz der Kombination Etoposid und Carboplatin wurden bei 38 Patienten mit einem medianen Alter von 76 (70-88) Jahren eine Remissionrate von 76 %, eine mediane Überlebenszeit von 237 Tage und ein 1-Jahres-Überleben von 26 % erreicht. 

Die japanische Untersuchung von Okamoto et al. 2005 [1630] hat Carboplatin/Etoposid gegen ein auf drei Tage gesplittetes Cisplatin in Kombination mit Etoposid geprüft. Eingeschlossen wurden insgesamt 220 überwiegend ältere Patienten mit extensive disease. Carboplatin wurde in einer Dosis von AUC5 in Kombination mit Etoposid 80 mg/m2 Tag 1-3 gegeben. Cisplatingabe erfolgte mit 25 mg/m2 Tag 1-3 in Kombination mit Etoposid 80 mg/m2 an den gleichen Tagen. Die Auswertung der Studie zeigte keinerlei Unterschied zwischen den beiden Therapiearmen. Die Remissionsrate lag bei 73 %, das mittlere Überleben bei 10,6 versus 9.8 Monaten und das Einjahresüberleben bei 41 versus 35 %. Cisplatin/Etoposid und Carboplatin/Etoposid scheinen somit auch bei älteren Patienten eine vergleichbare Wirksamkeit zu besitzen. Bei Cisplatin/Etoposid ist die Nebenwirkungsrate offenbar durch Aufteilen der Cisplatindosis zu senken.

Zur Wirksamkeit der kombinierten Chemo-Immuntherapie in der Erstlinie stehen die Subgruppenanalysen aus den randomisierten Studien zur Verfügung. In der IMPOWER 133 Studie waren 46 % der Patienten älter als 65 Jahre. Erstaunlicherweise war der Effekt der kombinierten Chemo-Immunthearpie in dieser Gruppe der älteren Patienten stärker ausgeprägt als in der Gruppe der jüngeren Patienten im Alter von unter 65 Jahren. Die medianen Überlebenszeiten betrugen für die älteren Patienten 12.5 vs. 9.6 Monate (HR 0.53) und für jüngere Patientengruppe 12.1. vs 11.6 Monate (HR 0.92).

In der CASPIAN Studie waren 41 % der Patienten über 65 Jahre. Hier war der Effekt der kombinierten Chemo-immuntherapie bei den älteren Patienten (HR 0.92)eher etwas geringer ausgepräft als bei den jüngeren Patienten (HR 0.76)

Zur second line Therapie mit Topotecan oder Amrubicin liegen Analysen für Patienten im Alter über 70 Jahre vor. Hier wird von einer vergleichbaren Wirksamkeit wie im jüngeren Vergleichskollektiv berichtet. Insbesondere beim Einsatz von Topotecan ist jedoch die erhöhte Myelotoxizität zu beachten.

9.7.2 Aspekte der Bestrahlung

9.35 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026
Entscheidendes Auswahlkriterium für den Einsatz der Strahlentherapie bei älteren Patienten mit SCLC-LD scheint eher der Allgemeinzustand der Patienten als das kalendarische Alter zu sein. Bei Patienten > 70 Jahre ist auch die Durchführung einer simultanen Chemostrahlentherapie bei sehr gutem Allgemeinzustand möglich, mit Ergebnissen, die denen der jüngeren Patienten vergleichbar sind. In diesem Alter sollte daher ein simultanes Vorgehen angeboten werden.
Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1631] [1632] [1633] [1634] [1635]
ÄnderungshinweisEntscheidendes Auswahlkriterium für den Einsatz der Strahlentherapie bei älteren Patienten mit SCLC scheint eher der Allgemeinzustand der Patienten als das kalendarische Alter zu sein. In einem Alter zwischen 70 und 75 Jahren ist auch die Durchführung einer simultanen Chemostrahlentherapie bei sehr gutem Allgemeinzustand möglich, mit Ergebnissen, die denen der jüngeren Patienten vergleichbar sind. In diesem Alter sollte daher ein simultanes Vorgehen erwogen werden (Evidenzgrad 1b).
9.36 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026
Bei SCLC-Patienten über 70 Jahren kann, alternativ zur simultanen Radiochemotherapie, nach Abschluss der Chemotherapie - bei gutem Allgemeinzustand und ohne relevante Komorbiditäten - eine konsolidierende Bestrahlung oder eine primäre alleinige Radiotherapie angeboten werden.
Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
3
ÄnderungshinweisIm Alter über 75 Jahren liegen zur simultanen Chemo-Strahlentherapie beim SCLC keine Daten vor. Aufgrund der erhöhten Toxizität sollte bei diesen Patienten auf ein simultanes Vorgehen verzichtet werden. Hier kann eine konsolidierende Primärtumorbestrahlung bei gutem Allgemeinzustand und fehlenden Komorbiditäten erwogen werden (Evidenzgrad 3b). 2010: Empfehlungsgrad C (Schwache Empfehlung)
9.37 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026
Die Indikationen zur prophylaktischen Schädelbestrahlung beim SCLC-LD der älteren Patienten entsprechen denen des jüngeren Patientenkollektivs. Zerebrovaskuläre Risikofaktoren sowie der allgemeine neurologische Zustand sollten bei der Entscheidung jedoch adäquat berücksichtigt werden.

Bei Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand oder kognitiven Einschränkungen wird eine PCI nicht empfohlen.

Für Patienten > 70 Jahre sowie für Patienten mit Komorbiditäten kann die Entscheidung im Rahmen eines partizipativen Prozesses getroffen werden; eine engmaschige MRT-Kontrolle des ZNS stellt hierbei eine sinnvolle Behandlungsalternative zur PCI dar.
Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
3

Konsens
Starker Konsens (96%)
Literatur
[1634] [1631]
ÄnderungshinweisDie Indikationen zur prophylaktischen Schädelbestrahlung beim SCLC entsprechen denen des jüngeren Patientenkollektivs (Evidenzgrad 3b, Empfehlungsgrad C). Zerebrovaskuläre Begleitrisiken der Patienten sollten hierbei adäquate Beachtung finden. (Evidenzgrad 3b). 2010: Empfehlungsgrad C (Schwache Empfehlung)

Hintergrund

Ältere Patientinnen und Patienten stellen einen bedeutenden Anteil der Betroffenen mit kleinzelligem Lungenkarzinom dar. Etwa 50 % der Patientinnen und Patienten mit LS-SCLC sind 70 Jahre oder älter, jedoch sind sie in klinischen Studien unterrepräsentiert und machen in der Regel weniger als 20 % der Teilnehmenden aus. Komorbiditäten können das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.

In der Patientengruppe limited disease konnte in der Metaanalyse zur Strahlentherapie [1549] kein Überlebensgewinn durch eine Primärtumorbestrahlung im Alter von über 70 Jahren nachgewiesen werden. Die Indikation zur Strahlentherapie muss daher beim älteren Patienten besonders kritisch überprüft werden. 

In einer gepoolten Analyse [1632] von elf Phase-II- und Phase-III-Studien des National Clinical Trials Network, die zwischen 1990 und 2010 durchgeführt wurden, zeigte sich, dass ältere Patientinnen und Patienten ein signifikant schlechteres progressionsfreies Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS) sowie eine höhere Rate höhergradiger therapieassoziierter Toxizitäten aufwiesen.

Neuere Analysen zeigen jedoch, dass bei sorgfältiger Patientenauswahl auch bei älteren Patientinnen grundsätzlich die Durchführung einer simultanen Chemo-Strahlentherapie analog zum Behandlungsprotokoll der jüngeren Patienten mit limited disease möglich.

In einer Analyse der Intergroup-Studie 0096 [1633] hatten ältere Patienten ≥70 Jahren) ähnliche Ansprech- und Überlebensraten wie Patienten unter 70 Jahren. Allerdings trat bei älteren Personen vermehrt therapieassoziierte Toxizität auf, insbesondere hämatologischer Art.

Die Untersuchung von Schild et al. 2005 [1635] hat eine Subgruppenanalyse für die ältere Patientengruppe in der NCCTG-Studie hinsichtlich hyperfraktionierter versus konventionell fraktionierter simultaner Chemo-Strahlentherapie durchgeführt. In diese Studie wurden insgesamt 209 jüngere und 54 ältere Patienten > 70 Jahre aufgenommen. Der Vergleich der Zwei- und der Fünfjahresüberlebensraten zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen den verschiedenen Altersgruppen mit Zweijahresüberlebensraten von 48 % versus 33 % und Fünfjahresüberlebensraten von 22 % versus 17 %. 

In der CONVERT-Studie [1634] (Concurrent Once-daily Versus Twice-daily RadioTherapy) wurden Patientinnen und Patienten im Alter von ≥70 Jahren (Medianalter: 73 Jahre; Spannweite: 70–82 Jahre)  mit jüngeren Patientinnen und Patienten mit LS-SCLC verglichen. Im Vergleich zur jüngeren Kohorte erhielten ältere Patientinnen und Patienten seltener die vollständige Strahlentherapie gemäß Protokoll (73 % vs. 85 %; p = 0,03), während die Chemotherapie-Compliance in beiden Gruppen vergleichbar war (p = 0,24). Häufiger trat bei älteren Personen eine Neutropenie Grad 3/4 auf (84 % vs. 70 %; p = 0,02), jedoch unterschieden sich die Raten für neutropenische Sepsis (4 % vs. 7 %; p = 0,07) und Therapie-assoziierte Mortalität (3 % vs. 1,4 %; p = 0,67) nicht signifikant. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 46 Monaten war das mediane Gesamtüberleben in der älteren Gruppe 29 Monate gegenüber 30 Monaten in der jüngeren Gruppe ([HR]: 1,15; 95 %-KI: 0,84–1,59; p = 0,38). Die mediane Zeit bis zur Progression betrug 18 Monate vs. 16 Monate (HR: 1,04; 95 %-KI: 0,76–1,41; p = 0,81).

In einer weiteren Analyse aus einer randomisierten Phase-II-Studie [1631] (45 Gy in 30 Fraktionen vs 60 Gy in 40 Fraktionen) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen älteren (31 % ≥70 Jahre alt) und jüngeren Patientinnen und Patienten hinsichtlich Toxizität, Behandlungsabschlussraten oder Ansprechen. Das progressionsfreie Überleben und die Zeit bis zur Progression unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Altersgruppen; das Gesamtüberleben war bei älteren Patientinnen und Patienten jedoch kürzer. 

Ein höheres Alter und höhere Strahlendosen zählen zu den wichtigsten prädiktiven Faktoren für die Entwicklung chronischer Neurotoxizität. In prospektiven Studien wurde bei älteren Personen (≥60 Jahre) eine verstärkte kognitive Verschlechterung nach PCI beobachtet. In der RTOG-0212-Studie [1636] entwickelten 12 Monate nach prophylaktischer kranialer Bestrahlung (PCI) 83 % der Patientinnen und Patienten über 60 Jahre eine chronische Neurotoxizität, verglichen mit 56 % der jüngeren Patientengruppe. Daher sollten in dieser Altersgruppe die potenziellen Risiken und Nutzen einer PCI im Vergleich zu einer engmaschigen Hirnbildgebung (präferenziell MRT) sorgfältig abgewogen und individuell mit den Patientinnen und Patienten besprochen werden.

9.7.3 Operation bei älteren Patienten

Auch bei älteren Patienten ist bei Vorliegen einer sehr begrenzten Erkrankung (T1-2N0-1M0) grundsätzlich eine anatomiegerechte Operation möglich. Dabei ist allerdings zu beachten, dass das grundsätzliche operative Risiko mit dem Alter steigt und insbesondere Pneumektomien und Lobektomien bei älteren Patienten mit höherem Risiko als bei jüngeren Patienten verbunden sind. Sind die Kriterien für ein operatives Vorgehen (siehe Kapitel 4) gegeben, so ist grundsätzlich auch bei älteren Patienten die Möglichkeit der operativen Resektion zu prüfen (Empfehlungsgrad D). Diese Empfehlung basiert auf der Annahme, dass das operative Risiko beim kleinzelligen Lungenkarzinom ähnlich dem des Nichtkleinzelligen Lungenkarzinom ist. Studien zur Operation bei kleinzelligen Karzinomen im höheren Alter stehen nicht zur Verfügung.

Evidenztabellen

Evidenztabelle zum Vergleich der lokalen Therapieoptionen Operation und Strahlentherapie bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II

Es wurden insgesamt sechs retrospektive Kohortenstudien mit konfounderadjustierten Analysen (Jin 2018, Paximadis 2018, Varlotto 2011)  (3-5), einem Propensity-Score-Matching auf der Grundlagen von bekannten Einflussfaktoren für die Durchführung einer Operation (Wakeam 2017) (6) oder Propensity-Score-Matching und zusätzlicher Konfounderadjustierung (Yang 2017, Yang 2018)  (7, 8) eingeschlossen. Diese Analysen verringern einen Selektionsbias beim Vergleich der operativ oder mit Strahlentherapie behandelten Patienten und basieren auf in den Datenbanken gespeicherten Informationen (Tabelle 3, Spalte Zielgrößen). Alle Analysen erfolgten auf Grundlage von Daten US-amerikanischer populationsbasierter Datenbanken: der National Cancer Database (NCDB) (Paximedes 2018, Wakeam 2017, Yang 2017, Yang 2018) und der Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER) Datenbank (Jin 2018, Varletto 2011). Es wurden Patienten für die Analysen ausgewählt, bei denen in den Jahren 1988 bis 2005 (Varletto 2011), 2003 bis 2011 (Yang 2017, Yang 2018) bzw. 2004 bis 2013 (Jin 2018, Paximades 2018, Wakeam 2017) ein kleinzelliges Lungenkarzinom in frühen Stadien (I-III) diagnostiziert war und lokale Therapiemaßnahmen möglich waren. Aufgrund der sich überschneidenden Zeiträume wurden die Informationen bestimmter Patienten mehrfach in den eingeschlossenen Studien berücksichtigt.

Eingeschlossen wurden 2678 Patienten im Stadium I (Paximades 2018), von denen initial 35 % initial operativ, 60 % mit EBRT und 5 % mit SBRT behandelt wurden. Dazu kommen 2129 Patienten im Stadium I/II SCLC (Jin 2018), von denen 18 % operativ, 48 % eine Strahlentherapie, 7 % eine Kombination aus Operation und Strahlentherapie und 26 % keine der Therapieoptionen erhielten. Auch Varlotto 2011 schließt 2214 Patienten der Stadien I und II ein, von denen 20 % operativ, 42 % eine Strahlentherapie, 7 % eine Kombination aus Operation und Strahlentherapie und 25 % keine der Therapieoptionen erhielten. Wakeam 2017 berichtet Ergebnisse zur vorgegebenen Fragestellung für eine gematchten Subgruppe von 1014 von SCLC-Patienten im Stadium I und II ohne Komorbiditäten und unter 85 Jahren, bei denen die Hälfte der Patienten mit Lobektomie und adjuvanter Chemotherapie und die andere Hälfte mit gleichzeitiger Chemo-Strahlentherapie behandelt wurden.  

Die Veröffentlichungen von Yang 2017 und 2018 unterscheiden sich dadurch, dass in Yang 2018 insgesamt 2301 Patienten in den Stadien I-III mit negativen T1-2N0M0 und in Yang 2017 1041 Patienten mit positivem (cT1-3N1M0) (Yang 2017) Lymphknotenstatus eingeschlossen wurden. In beiden Studien wurden 34 vs. 9.2 % Patienten mit Operation mit Patienten verglichen wurden, welche mit einer gleichzeitigen Chemo-Strahlentherapie behandelt wurden.

Alle Studien vergleichen Ergebnisse zum Gesamtüberleben bei Patienten, welche operativ behandelt wurden mit den Ergebnissen von Patienten, welche eine Bestrahlung erhielten. Zwei Studien (Jin 2018, Varlotto 2011) berichten Ergebnisse zum lungenkrebsspezifischen Überleben.

Bewertung der Evidenz

Der Evidenzgrad wurde aufgrund der Durchführung als retrospektive Kohortenstudie für alle Studien mit 2b oder 2b- bewertet. Die Abwertung der Evidenz erfolgte aufgrund von Studienlimitationen, da ein Selektionsbias in keiner der Studien ausgeschlossen werden konnte. Der Allgemeinzustand des Patienten konnte in keiner der Studie umfassend berücksichtigt werden. Informationen zu Komorbiditäten wurden in vier (Paximedes 2018, Wakeam 2017, Yang 2017, Yang 2018) der sechs Kohortenstudien über den Charlson-Deyo-Sore berücksichtigt, so dass in diesen Studien keine Abwertung aufgrund von Studienlimitationen erfolgte. Da keine der Studien randomisiert durchgeführt wurde und eine Adjustierung ausschließlich für die in der Datenbank gespeicherten und erhobenen Informationen möglich war, kann ein Selektionsbias nicht ausgeschlossen werden kann. Zusätzlich fehlen spezifische Informationen zu systemischen Therapien und bei nicht-operierten Patienten ist eine Unterschätzung des Stadiums aufgrund des selteneren pathologischen Stagings möglich (siehe Tabelle 3, Spalte Evidenzgrad und Schlussfolgerung der Gutachterin).

Wirksamkeit und Sicherheit

In Jin 2018 konnte für Patienten mit SCLC in den Stadien T1-2 N0 ein Vorteil einer Operation auf das Gesamt- und lungenkrebsspezifische Überleben gezeigt werden, während für die Stadien T3N0 der Vorteil einer Strahlentherapie zu überwiegen scheint. Der Vorteil der operativen Behandlung im Vergleich zur externen direkten Strahlentherapie (external beam radiation) oder stereotaktischen Bestrahlung (stereotactic body radiation, SBRT) wurde für die in Paximades 2018 (4) eingeschlossenen Patienten im Stadium I bestätigt.

Auch Wakeam 2017, Yang 2017 und Yang 2018 (6-8) konnten einen Überlebensvorteil für Patienten mit trimodaler Therapie (Operation, adjuvanter Chemotherapie und ggf. postoperativer mediastinaler Strahlentherapie) im Vergleich zu einer Behandlung mit einer aggressiven Multi-Chemo-Strahlentherapie zeigen (siehe Tabelle 3, Spalte Hauptergebnisse). 

Bei Patienten mit Lympknotenbefall und mit T3-Tumoren liegen widersprüchliche Ergebnisse vor. Während Jin 2018 einen Vorteil für die mit Strahlentherapie im Vergleich zu operativ behandelten Patienten hinsichtlich des Gesamt- und lungenkrebsspezifischem Überleben beschreibt, konnte der Vorteil im Vergleich einer Operation (mit und ohne Strahlentherapie) zur Chemo-Strahlentherapie nicht bestätigt werden.


 

Studie

Referenz

Zeitraum

Studientyp

Zielstellung

Teilnehmer

(Anzahl  und Charakteristika)

Intervention vs.

Kontrolle

Zielgröße(n)

Hauptergebnisse

(IG vs. CG); Effekt (95% KI)

Evidenzgrad (OCEBM)

Jin 2018

(3)

Diagnoses 2004 to  2013

 

SEER database, US

Retrospective study with confounder adjustment

 

Comparison of surgery and radiotherapy

local therapy among patients with stage I or II SCLC

 

Inclusion Criteria:

· Adult patients (>18 yrs) with primary SCLC (morphology codes 8002 and 8041–8045 and morphology site “lung and bronchus”

· TNM stage was re-classified according to the 8th TNM classification for lung cancer

· SCLC, stage I or II (T1N0, T2N0, T3N0, T1-2N1)

Exclusion Criteria:

· Status of surgery or status of radiotherapy could not be identified,

· cases with an autopsy or death certificate,

· TNM stage could not be re-classified according to the 8th TNM classification

n=2129

mean age: 68.3±9.9 yrs

males: 46.4 %

White: 88.1 %

Stage IA/IB/IIA/IIB: 34/28/14/24 %

Tumour location (left/right lung/others): 43/56/0.5%

 

Surgery (n=387,18.2 %)

Pneumonectomy: 2.8 %, lobectomy: 70 %, sub-lobectomy: 26.6 %

vs.

RT (n=1032, 48.5 %)

vs.

Surgery+RT (n=154, 7.2 %)

Pneumonectomy: 1.3 %, lobectomy: 66.2 %, sub-lobectomy: 32.5 %

vs.

no Surgery or RT (n=556, 26.1 %)

 

with differences in race, T category (surgery or surgery+RT more frequent in T1, RT or nothing more frequent in T2 or T3), N category (surgery or nothing more frequent in N0, RT or RT+surgery more frequent in N1) and TNM stage:

T1N0: 51 vs.27 vs. 36 vs. 33 %

T2N0: 27 vs. 27 vs. 17 vs. 32.9 %

T3N0: 5 vs. 17 vs. 8 vs. 15 %

T1-2N1: 16 vs. 29 vs. 38 vs. 18 %

Overall survival (OS)

Lung-cancer specific survival

 

Up to 12/2013

 

Multivariate effect measures (HR) with confounder adjustment for age, year of diagnosis, race, sex, laterality of tumour location and  T and N category

Overall survival:

· Median: 20 (32 vs. 24 vs. 34 vs. 9.0) months

· 5-year OS: 24.6 % (38.9 vs. 25.9 vs. 42.7 vs. 7.2 %)

· higher mortality with RT vs. surgery: RT (HR 1.256; 95 %CI 1.07 to 1.475; p=0.005)

· Surgery+RT vs. surgery: no difference shown (HR 0.860; 95 %CI 0.660 to 1.120; p=0.263)

· Higher mortality with o surgery or RT vs. surgery (HR 2.962; 95 % CI 2.509 to 3.502; p<0.001)

·  T1N0: lower mortality with surgery vs. RT (HR 0.622; 95 %CI 0.481 to 0.804; p=0.001)

· T2N0: lower mortality with surgery vs. RT (HR 0.625; 95 %CI 0.460 to 0.849; p=0.003)

· T3N0: no difference between surgery vs. RT shown (HR 1.447; 95 %CI 0.832 to 2.518; p=0.191)

· T1-2N1: no difference between surgery vs. RT shown (HR 1.321; 95 %CI 0.954 to 1.828; p=0.093)

 

Lung-cancer specific survival:

· Median: 23 (56 vs.  29 vs. 42 vs. 11) months

· 5-year OS: 31.9 % (48.3 vs. 33.8 vs. 46.5 vs. 11.0 %

· higher mortality with RT vs. surgery: RT (HR 1.265; 95 %CI 1.0055 to 1.515; p=0.011)

· Surgery+RT vs. surgery: no difference shown (HR 0.947; 95 %CI 0.710 to 1.264; p=.713)

· Higher mortality with o surgery or RT vs. surgery (HR 3.171; 95 % CI 2.631 to 3.822; p<0.001)

· T1N0: lower specific mortality with surgery vs. RT (HR 0.600; 95 %CI 0.442 to 0.814; p=0.001)

· T2N0: lower specific mortality with surgery vs. RT (HR 0.623; 95 %CI 0.445 to 0.873; p=0.006)

· T3N0: no difference between surgery vs. RT shown (HR 1.218; 95 %CI 0.644 to 2.302; p=0.544)

· T1-2N1: higher specific mortality with surgery vs. RT shown (HR 1.419; 95 %CI 1.003 to 2.006; p=0.048)

2b-

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen (T1-2 N0) oder geringer Präzision (T3N0 und T1-2N1)

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: „ Base on the assumption that the majority of these stage I or II SCLC patients who underwent surgery or radiotherapy also received some types of systemic therapy, the present study recommends that only patients with T1-2 (tumor size ≤ 50 mm) N0 SCLC should consider surgery as local therapy. Patients with T3N0 or T1-2N1 SCLC might consider radiotherapy as local therapy. “

Schlussfolgerung der Begutachterin: US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss aller 2129 Patienten mit SCLC der Stadien I und II, bei denen eine Reklassifikation nach den TNM der 8.Edition möglich war und einer Diagnose in den Jahren 2004 bis 2013. Es wurden Ergebnisse zum Überleben und Lungenkrebsspezifischen Überleben für die verschiedenen lokalen Therapieoptionen (Operation, Strahlentherapie, Operation und Strahlentherapie, keiner dieser Therapieoptionen) verglichen. Eine Konfounderadjustierung erfolgte für die im Register enthaltenen Informationen: demografische Informationen (Alter, Race, Geschlecht) und diagnostischen Kriterien (Lage des Tumors, T und N Kategorie). Es konnten weder Informationen zu systemischen Therapien noch zu Komorbiditäten und dem Gesamtzustand des Patienten berücksichtigt werden, auch wenn diese die Therapiewahl beeinflussen können. Bei nicht-operierten Patienten ist eine Unterschätzung des Stadiums möglich, da weder eine Untersuchung auf eine „pleural invasion“ noch auf Metastasierung okkulter Lymphknoten erfolgte. Beide genannten Limitationen führen zu einer = Unterschätzung des Behandlungserfolges der Strahlentherapie.

Für die Stadien T1-2 N0 konnte ein Vorteil einer Operation gezeigt werden, während für die Stadien T3N0 und T1-2 N1 der Vorteil einer Strahlentherapie zu überwiegen scheint. Der Evidenzgrad wurde aufgrund der Durchführung als Kohortenstudie mit 2b- bewertet. Die Abwertung der Evidenz für einen Überlebensvorteil für Patienten der Stadien T1-2 N0 erfolgte aufgrund der genannten Studienlimitationen und für die Stadien T3N0 und T1-2 N1 aufgrund der geringen Präzision der Ergebnisse.

Paximades 2018

(4)

Diagnoses 2004 to  2013

 

National Cancer Database

(NCDB) database, US

Retrospective study with confounder adjustment

 

Comparison of treatment strategies for stage I SCLC

Inclusion Criteria:

· patients with no history of previous malignancy diagnosed between 2004 and 2013 with stage I (T1-T2a N0 M0) SCLC (codes 8041-8045)

· clinically staged unless surgery was performed, in which case pathologic stage was used

· initial treatment approach as having had either definitive surgery, external beam radiation therapy (EBRT) or stereotactic body radiation therapy SBRT

n=2678

mean age: 68 yrs

males: 43 %

Caucasian: 90.1 %

T Stage I/II: 60/40 % Charlson-Deyo Score 0/1/2+: 54/32/14 %

CT yes/no/unknown: 77/21/2 %

CT sequencing: neoadjuvant/concurrent/adjuvant/other: 37/18/18/4 %

initial treatment approach as

surgery ( n=943, 35 %, of them 66 % lobectomy, 26 % wedge resection, <1 % pneumectomy)

vs.

EBRT (n=1595, 60 %, most common 60 Gy in 30 fractions and 45 Gy in 30 fractions)

vs.

SBRT (n=140, 5 %)

 

Patients with EBRT had lower Charlson-Deyo-Score, higher T stage, got more frequently CT (especially neoadjuvant or concurrent)

Overall survival

 

 

multivariate hazard model adjusted for age at diagnosis, sex, race, facility type, Charlson—Deyo score and T stage

Overall survival:

2-year OS: 72 vs. 62 vs. 56%

3-year OS: 44 vs. 56 vs. 40%,

 

· EBRT (HR 1.99; 95% CI, 1.74-2.28; p < .001) and SBRT (HR 1.67; 95% CI, 1.32-2.10; p < .001) were associated with inferior survival compared with surgery

· lobectomy was associated with improved survival compared with limited resection (HR 0.64; 95% CI, 0.53-0.78; p < .001).

· Limited resection resulted in improved OS vs. EBRT (HR 1.46; 95% CI, 1.22-1.76; p < .001) but not vs. SBRT (HR, 1.24; 95% CI, 0.95-1.61; p = .11)

· SBRT was associated with improved survival compared with EBRT (HR 1.30; 95% CI, 1.02-1.66; p = .037)

2b

 

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “In this population-based analysis, we found that surgery is superior to nonsurgical management of stage I SCLC. Patients who undergo limited resection, however, have inferior outcomes compared with lobectomy and there was no statistical difference between limited resection and SBRT. Regardless of treatment modality, administration of chemotherapy results in improved outcomes and should be recommended for all patients who are candidates for systemic therapy. For patients who are not candidates for surgery, SBRT might have superior outcomes compared with conventionally-fractionated radiation therapy and should be considered as an alternative to EBRT. Because of the multitude of treatment options that can be reasonably considered for patients with stage I SCLC, treatment in a true multidisciplinary setting is imperative for the appropriate management of these patients.”

Schlussfolgerung der Begutachterin:  US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss aller 2678 Patienten mit SCLC im Stadium I und einer Diagnose in den Jahren 2004 bis 2013. Es wurden Ergebnisse zum Überleben für die verschiedenen lokalen Therapieoptionen (definitive oder limitierte Operation, EBRT, SBRT) verglichen. Eine Konfounderadjustierung erfolgte für die im Register enthaltenen Informationen: demografische Informationen (Alter, Race, Geschlecht), den Deyo-Score, Versorgungssufe und das T-Stadium und die Behandlung (CT und lokale Therapien). Es konnte ein Vorteil der Operation im Vergleich zur Strahlentherapie gezeigt werden. Komorbiditäten und der Gesamtzustand des Patienten wurden über den Charlson-Deyo-Score berücksichtigt, ein Selektionsbias kann dennoch nicht ausgeschlossen werden. Bei nicht-operierten Patienten ist eine Unterschätzung des Stadiums möglich, da ein pathologisches Staging hier nur bei 6 % der Patienten erfolgte. Nicht berücksichtigt wurden detailliertere Angaben zur CT (Typ, Dosis, Zeit) und eine prophylaktischen craniale Bestrahlung.  

Varlotto 2011

(5)

 

Diagnoses 1988 to  2005

 

SEER database,

US

 

Retrospective study with confounder adjustment

 

Comparison of optimal therapy of patients with stage I/II SCLC

 

Inclusion Criteria:

· Patients with a stage I/II SCLC

· Histologic types of SCLC included combined small cell and fusiform cell carcinomas

· treatment with surgery or RT

Exclusion criteria:

Patients with

n=2214

age (<60/60-69/70-79/≥80 yrs): 20/31/39/11 %

males: 48 %

white: 86 %

Stage I/II: 76/24 %

Grade I-II/III/IV/unknown: 1/11/42/45 %

Location:

Lower /upper left: 16/27 %

Middle bronchus: 7 %

Lower/middle/upper right: 15/6/28 %

Surgery (lobe: lobectomy,

bilobectomy, pneumonectomy, or extended pneumonectomy or sublobe: wedge or segmental resection) (n=436 with surgery only, n=148 with surgery and RT)

vs.

radiotherapy (n=936) with RT only

Survival

 

Confounder adjustment for year of diagnosis,

patient age, race, gender, tumor stage, tumor location, nodes examined

(none, 1–5, ≥ 6, unknown), and size

Overall survival:

Median: 20 months

2-, 3-, and 5-year OS for patients with

lobectomy without RT:  65.2%, 58.6%, and 47.4%,

sublobar resection without RT: 62.5%, 41.7%, and 28.5%, RT alone:  39.6%, 28.3%, and 17.2% (p=0.002)

 

multivariate analysis:

lower mortality compared to RT only with

lobe surgery without RT: HR 0.56 (95% CI 0.41–0.76; p<.001>

no differences compared to RT only between

lobe with RT: HR 0.68 (95 % CI 0.47-1.00; p=0.051)

no lobe, no RT: HR 0.77 (95%CI 0.58-1.02; p=0.071)

no lobe with RT: HR 0.75 (95%CI 0.49 – 1.13; p=0.168)

 

Lung-cancer specific survival:

Median:

lobectomy without RT: 89 months

sublobar resection without RT: 35 months,

with RT alone: 24 months,

 

2b-

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: „Anatomic lobectomy without the use of adjuvant RT seems to be the optimal local therapy for patients with early-stage SCLC. In the absence of mediastinal nodal extension or remote metastatic disease, the addition of adjuvant RT after sublobar resection does not improve overall or cancer-specific survival. RT should be considered for patients who are unfit for any surgical resection. “

Schlussfolgerung der Begutachterin: US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss aller 2214 Patienten mit SCLC der Stadien I und II einer Diagnose in den Jahren 1988 bis 2005. Es wurden Ergebnisse zum Überleben und Lungenkrebsspezifischen Überleben für die verschiedenen lokalen Therapieoptionen (Lungenflügel-Operation, Strahlentherapie, Lungenflügel--Operation und Strahlentherapie, keiner dieser Therapieoptionen) verglichen. Eine Konfounderadjustierung erfolgte für die im Register enthaltenen Informationen: demografische Informationen (Alter, Race, Geschlecht) und diagnostischen Kriterien (Lage, Stage und Größe des Tumors, untersuchte Tumphknoten). Es konnten weder Informationen zu systemischen Therapien noch zu Komorbiditäten und dem Gesamtzustand des Patienten berücksichtigt werden, auch wenn diese die Therapiewahl beeinflussen können (daher Abwertung aufgrund von Studienlimitationen). Im Beobachtungszeitraum stieg der Anteil der mit Strahlentherapie behandelten Patienten, während der Anteil der operierten Patienten abnahm. Es konnte ein Vorteil der Operation (Lobektomie, Bilobektomie oder Pneumonektomie) im Vergleich zur Strahlentherapie gezeigt werden.

Wakeam 2017

(6)

Diagnoses 2004 to  2013

 

National Cancer database

(NCDB) database, US

 

Retrospective study with Propensity-score matching

 

Comparison of healthy SCLC patients receiving surgery and adjuvant CT vs.

aggressive CRT regimes

Inclusion criteria:

· Patients with SCLC (clinical stages I/II based on the 7th edition TNM staging)

· aged<85 yrs

· Charlson-Deyo score of 0

· underwent lobectomy with adjuvant chemotherapy (and radiotherapy if node positive) or multiagent CT and concurrent chest radiotherapy (CRT) of at least 40 gray

Exclusion criteria:

· Palliative

· Missing information on clinical stage or whether a surgical procedure had been performed.

· Patients undergoing undefined or ablative surgical procedures

n=3238 with stage I-IIIA at all ages and Charlson-Deyo scores

n=1014 in the highly selected subgroup

Surgery

(lobectomy) + aduvant CT  + postoperative mediastinal RT if node positive (n=507)

vs.

aggressive multiagent CT and concurrent thoracic RT (≥ 40 Gy) (n=507)

 

 

 

Overall survival

 

with Propensity-score matching risk factors for the receipt of surgery (age at diagnosis, race, hispanic origin, median income, insurance

status, rurality, type of treatment facility, location of treatment facility, level of education, Charlson-Deyo comorbidity score, year of cancer diagnosis,

histologic grade, histologic type, and clinical stage

 

Overall survival: Trimodality therapy with surgery was associated with longer OS:

· median OS: 48.6 (95% CI 40.7–59.1) vs. 28.7 (95% CI 24.6–32.7) months

· HR 0.62 (95%CI 0.53-0.74);  p< 0.0001

2b

 

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: „Surgical therapy, particularly in early stage and node negative SCLC, was associated with significantly longer overall survival. In a highly selected subgroup analysis comparing selected patients receiving aggressive chemoradiation versus lobectomy and adjuvant therapy in stage I and II disease, large differences in overall survival were observed favouring the surgery group. Even in node positive patients, an association between receipt of surgery and longer survival was observed. These results reinforce the need for randomized studies, but also suggest that trimodality therapy may have an important role to play in the aggressive treatment of early SCLC.“

Schlussfolgerung der Begutachterin: US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss und Matching von 2x507 sonst gesunden stark selektierten Patienten (Alter<85 Jahre, Charlson Score =0) mit SCLC im Stadium I und II und einer Diagnose in den Jahren 2004 bis 2013. Es wurden 507 Patienten, welche eine trimodale Therapie (Lobektomie +adjuvante CT+RT bei positivem Lymphknotenbefund) mit 507 vergleichbaren Patienten gematcht, welche eine multiagent CT und konkurrente thorakale Strahlentherapie von mindestens 40 Gy erhielten. Die Vergleichbarkeit bezog sich auf bekannte Risikofaktoren zur operativen Behandlung (demografische Informationen: Alter, Race, Einkommen, Versicherung, Wohnort, Bildung), den Deyo-Score, Versorgungsstufe, das Jahr der Diagnose, histologische Informationen (Stadium, Typ) und das klinische Stadium. Es konnte ein deutlicher Vorteil der Operation im Vergleich zur Strahlentherapie gezeigt werden. Komorbiditäten und der Gesamtzustand des Patienten wurden über den Charlson-Deyo-Score berücksichtigt, ein Selektionsbias auf Grundlage nicht gemessener Konfounder (Lungenfunktion, Rauchen, funktioneller Status oder Ausmaß des Lymphknotenbefalls), welche Entscheidung zur Operation beeinflussen, kann nicht ausgeschlossen werden. Es liegen keine Informationen zum Zeitpunkt (vor oder nach OP) und Methode (Nadelbiopsie) der pathologischen Diagnose vor und es ist unklar, inwieweit eine zentrale pathologische Begutachtung erfolgte. 

Yang 2017

(7)

Diagnoses 2003 to  2011

 

National Cancer database

(NCDB) database, US

 

Retrospective study with confounder adjustment and propensity-score matching

 

Comparison of

surgery with adjuvant CT

vs. concurrent CRT for patients with

cT1-3N1M0 SCLC

Inclusion criteria:

· diagnosed with clinical T1–3 N1M0

· underwent either concurrent CRT or surgery and adjuvant therapy

· initially diagnosed with a single malignancy of SCLC

Exclusion criteria:

· patients who received CT or RT before surgery

· patients for whom the extent of resection was not

· recorded, and patients who were coded as having

· received palliative-intent treatment

n=1041

age: 64.9±9.9 vs. 63.4±9.7 yrs

males: 54.2 vs. 46.2 %

whites: 95.8 vs. 92.4 %

patients in the surgery vs. concurrent CRT:

more frequent at academic/research facilities (38.5 vs. 22.1 %), less CDCC scores of 0 (53.1 vs. 66.0 %)

had a CDCC score of 1 (38.5 vs. 24.1 %), a lower T status (T1: 51 vs. 32.5 %), more combined SCLC (18.8 vs. 1.3 %),

lower tumour size (3.4±6.2 vs. 4.3±4.2 cm), more lymph nodes examined (80.2 vs. 0.6 %)

Propensity-score matching of 2x87 patients and 2x43 patients with T1N1

surgery (n=96: lobectomy: 58%, wedge resection: 30 %, pneumonectomy <10 %, bronchial sleeve resection < 10 %)

with adjuvant chemotherapy

with (54.2 %) or without radiation (47.8 %)

vs.

concurrent chemoradiation (n=945)

Primary outcome: Overall survival

 

With confounder-adjustment for age, sex, race,

CDCC score, clinical T status,  year of

diagnosis, median household income, education status, insurance type,

facility type, hospital volume, and distance from facility

 

and Propensity-score matching for the same covariates

 

median follow-up 22 (IQR 12-43) months

 

Pathological results:

cN1 to pN2 upstaging: 11.5 vs. <1 %

cN1 to pN0 downstaging: 10.4 vs. <1 %

 

Overall survival:

Better survival with surgery:

· median: 33.3 (95 %-CI 26.6-49.6) vs. 23.2 (95 %-CI 21.7-25.4) months

· 5-year OS: 31.6 (95%-CI 21.2-42.7) vs. 27.9 (95%-CI 24.8-31.1 ) %

· HR 0.74; 94 %CI 0.56 to 0.98; p=0.04

· Subgroup analysis for patients with no comorbidities (p=0.17):

    median: 33.3  vs. 25.7 months

    5-year OS: 32.9 %  vs. 29.4 %

 

Propensity-score analysis states these results (p= 0.03):

median: 33.3  vs. 21.1 months

5-year OS: 31.4 %  vs. 26.3 %

·       HR 0.44; 94 %CI 0.23 to 0.85; p=0.03

 

Subgroup analysis for patients with T1N1 states these results (p= 0.09):

median: 33.3  vs. 17.8 months

5-year OS: 28.7 %  vs. 20.6 %

 

 

2b-

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: „In conclusion, in an analysis of a population-based data set, surgery with adjuvant chemotherapy with or without radiation therapy was associated with better survival than concurrent chemoradiation for T1–3 N1 M0 SCLC. Because of the limitations of the NCDB, this study does not demonstrate that surgery is superior to concurrent chemoradiation for T1–3 N1 M0 SCLC, but it does show that selected patients who undergo surgery for N1 SCLC have reasonable long-term outcomes. These results support the re-evaluation of the role of surgery in multimodality therapy for N1 SCLC in a clinical trial setting.

Schlussfolgerung der Begutachterin: US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss von 1041 SCLC-Patienten mit positivem Lymphknotenbefund im Stadium T1-3 N1 M0 und einer Diagnose in den Jahren 2003 bis 2011. Es werden konfounderadjustierte Ergebnisse zum Gesamtüberleben von 96 Patienten, welche mit Operation, adjuvanter Chemotherapie und teilweiser Strahlentherapie behandelt wurden mit den Ergebnissen von 945 nichtoperativ behandelten Patienten verglichen. Dabei wurden Konfounder wie demografische Informationen (Alter, Geschlecht, Race, Einkommen, Versicherung, Wohnort, Bildung), der Deyo-Score, Versorgungsstufe, das Jahr der Diagnose und das klinische T-Stadium des Tumours berücksichtigt. Es konnte sowohl nach der Konfounderadjustierung als auch nach einer Propensity-Score Matching und auch für die Subgruppen der Patienten ohne Komorbiditäten und im Stadium T1N1 ein Vorteil der Operation im Vergleich zur Strahlentherapie gezeigt werden. Bei operierten Patienten ist der Grund der Operation nicht klar, da die Standardbehandlung einer Chemoradiotherapie war. Die Autoren vermuten, dass die Diagnose des SCLC häufig nicht preoperativ gestellt wurde. Komorbiditäten und der Gesamtzustand des Patienten wurden über den Charlson-Deyo-Score berücksichtigt. Ein Selektionsbias auf Grundlage nicht gemessener Konfounder (Lungenfunktion, Rauchen, funktioneller Status oder Ausmaß des Lymphknotenbefalls), welche Entscheidung zur Operation beeinflussen, kann nicht ausgeschlossen werden.  Nicht berücksichtigt wurden detaillierte Daten zur Chemotherapie und  Stagingmethode).

Yang 2018

(8)

Diagnoses 2003 to  2011

 

National Cancer database

(NCDB) database, US

 

Retrospective study with confounder adjustment and propensity-score matching

 

Comparison of

surgery with adjuvant CT

vs. concurrent CRT for patients with

cT1-2 N0M0 SCLC

Inclusion criteria:

· patients diagnosed with clinical T1-2N0M0 SCLC (tumor histology codes of 8041/3, 8042/3, 8043/3, 8044/3, 8045/3)

· underwent either concurrent CRT (CT within 4 weeks after initial diagnosis, RT within 10 wks) or surgery within 30 days of diagnosis followed by adjuvant CT

· initially diagnosed with a single malignancy of SCLC and who were diagnosed and

· treated at the reporting facility

Exclusion criteria:

· patients who received induction CT or RT

· patients for whom the extent of resection was not recorded,

· and patients who received palliative-intent treatment

n=2301

age: 65.8±8.3 vs. 65.7±9.9 yrs

males: 42.9 vs. 43.8 %

whites: 92.4 vs. 89.9 %

surgery vs. CRT patients had:

more comorbidities

(Charlson/Deyo score (0/1/2+): 44.8/39.8/15.4 vs.  64.9/24.7/10.4 %),  lower clinical T status (T1: 75.6 vs. 59.9 %), more tumours in the right upper lobe (32.6 vs. 25.1 %), smaller tumour size 2.5±1.8 vs. 4.1±5.1 cm

 

Propensity-score matching of 2x501 patients and 2x246 patients with no comorbidities

Surgery (n=681: lobectomy: 67 %, wedge resection: 26 %, pneumectomy: 3.2 %, segmentectomy: 3.2 %)) with adjuvant CT (90.3% multiagent, 2.5 single agent, other: unknown)

±RT (61 % without, 39 % with RT)

 

vs.

Concurrent CRT (n=1620)

 

With median follow-up of 30.4 vs. 22.4 months

Primary outcome: Overall survival

 

With confounder-adjustment for age, sex, race,

CDCC score, clinical T status, tumor size, tumor location, year of

diagnosis, median household income, education status, insurance type,

facility type, hospital volume, and distance from facility

 

and Propensity-score matching for

for the same covariates

 

Overall survival:

surgery was associated with improved survival vs. concurrent CRT:

median: 54.9 (95 %-CI 46.1-64.1) vs. 25.9 (95 %-CI 24.0-28.2) months

5-year OS:48.1 (95%-CI 43.5-52.5) vs.28.3 (95%-CI 25.8-30.6) %;  (HR 0.61; 95%-CI 0.53–0.71; p≤ 0.01)

 

Propensity-score analysis states these results (p≤ 0.01):

median: 54.4  vs. 30.5 months

5-year OS: 47.6%  vs. 29.8%

 

Subgroup analysis for patients with no comorbidity states these results (p≤ 0.01):

median: 56.8  vs. 32.5 months

5-year OS: 40.2%  vs. 32.5% with best results for lobectomy

 

2b

 

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie:.“In this national analysis, surgery with adjuvant chemotherapy was used in the minority of patients for early stage SCLC. Patients who, however, underwent surgery with adjuvant chemotherapy for node-negative SCLC had improved outcomes when compared to concurrent chemoradiation. These results support current guidelines recommending surgery with adjuvant chemotherapy as first-line therapy for cT1-2N0M0 SCLC. In addition, these results suggest a significant underuse of surgery among patients with early stage SCLC and support an increased role of surgery in multimodality therapy for cT1-2N0M0 SCLC.”

Schlussfolgerung der Begutachterin: US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss von 2301 SCLC-Patienten mit negativem Lymphknotenbefund im Stadium T1-2N0M0 und einer Diagnose in den Jahren 2003 bis 2011. Es werden konfounderadjustierte Ergebnisse zum Gesamtüberleben von 681 Patienten, welche mit Operation, adjuvanter Chemotherapie und teilweiser Strahlentherapie behandelt wurden mit den Ergebnissen von 1620 nichtoperativ behandelten Patienten verglichen. Dabei wurden Konfounder wie demografische Informationen (Alter, Geschlecht, Race, Einkommen, Versicherung, Wohnort, Bildung), der Deyo-Score, Versorgungsstufe, das Jahr der Diagnose, die Lokalisation, Größe und das klinische T-Stadium des Tumors berücksichtigt. Es konnte sowohl nach der Konfounderadjustierung als auch nach einer Propensity-Score Matching und auch für die Subgruppe der Patienten ohne Komorbiditäten ein deutlicher Vorteil der Operation im Vergleich zur Strahlentherapie gezeigt werden. Komorbiditäten und der Gesamtzustand des Patienten wurden über den Charlson-Deyo-Score berücksichtigt, ein Selektionsbias auf Grundlage nicht gemessener Konfounder (Lungenfunktion, Rauchen, funktioneller Status oder Ausmaß des Lymphknotenbefalls), welche Entscheidung zur Operation beeinflussen, kann nicht ausgeschlossen werden.  Nicht berücksichtigt wurden detaillierte Daten zur Chemotherapie und  Stagingmethode).

AE: Adverse event; CG: Control group; CDCC: Charlson-Deyo comorbidity condition;  CI: Confidence interval; CRT: Chemo-radiotherapy; CT: Chemotherapy;  d: Tag; EBRT: External beam radiation therapy; ; HR: Hazard ratio; IG: Intervention group; n: Number of participants; NSDB: National Cancer database; NR: not reached; OR: Odds Ratio; OS: overall survival; RR: Relative Risk; RT: Radiotherapy; SBRT: Stereotactic body radiation therapy; SCLC: Small cell lung cancer; SEER: Surveillance, Epidemiology, and End Results;  wks: weeks; yrs: years

 

Evidenztabelle zur Wirksamkeit einer Operation bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II

Vergleich einer Therapie mit und ohne Operation

Studiencharakteristika

Zusätzlich zur vorgegebenen Fragestellung wurden Informationen aus einer systematische Übersicht (Liu 2018) (9) und drei retrospektive Kohortenstudien mit konfounderadjustierten Analysen (Li 2019, Weksler 2012, Xu 2019) (9-11) zur Wirksamkeit einer Operation bei Patienten in frühen Stadien eines SCLC identifiziert (siehe Tabelle 4).

Insgesamt zwei der in die systematische Übersicht eingeschlossenen Studien (Lad 1994, Liao 1995) mit insgesamt 186 Patienten wurden randomisiert durchgeführt, während 13 Studien mit insgesamt 41 297 Patienten retrospektiv durchgeführt wurden. Alle größeren Studien mit mehr als 1000 Studienteilnehmern wurden nach 2010 veröffentlicht. Es wurden Patienten mit SCLC der Stadien I bis III eingeschlossen. Für die 7175 Patienten des Stadium I, von denen 34 % operiert wurden, und 4163 Patienten des Stadium II, von denen 15 % operiert wurden, werden getrennte Ergebnisse berichtet.

In den die drei eingeschlossenen Kohortenstudien wurden Ergebnisse aus konfounderadjustierten Analysen berichtet, welche einen Selektionsbias beim Vergleich der mit und ohne Operation behandelten Patienten verringern. Alle Analysen erfolgten auf Grundlage von Daten der US-amerikanischen populationsbasierten SEER Datenbank und schließen Patienten mit SCLC ein, bei denen die Diagnose in den Jahren 1988 bis 2007 (Weksler 2012), 1998 bis 2013 (Liu 2019) und 2010 bis 2015 (Xu 2019) erfolgte. Dabei wurden in die Studie von Xu 2019 insgesamt 983 ältere Patienten im Stadium I eingeschlossen, von denen 24 % operiert wurden. In Weksler 2012 wurden 3566 Patienten der Stadien I und II eingeschlossen, von denen 25 % operiert wurden. In Xu 2019 werden getrennte Ergebnisse für 547, 265, 113 und 599 SCLC-Patienten der Stadien IA, IB, IIA und IIB berichtet, von denen 30 %, 30 %, 10 % und 14 % operiert wurden. Aufgrund der sich überschneidenden Zeiträume wurden Informationen bestimmter Patienten mehrfach berücksichtigt.

Alle Studien vergleichen Ergebnisse zum Gesamtüberleben bei Patienten, welche operativ behandelt wurden mit den Ergebnissen von Patienten, welche eine Bestrahlung erhielten. Eine Studie (Li 2019) berichtet Ergebnisse zum lungenkrebsspezifischen Überleben.

Bewertung der Evidenz

Der Evidenzgrad wurde für die systematische Übersicht mit 2a und für die retrospektiven Kohortenstudien mit 2b- bewertet. Die Abwertung der Evidenz der systematischen Übersicht erfolgte aufgrund der Limitationen der Originalstudien, welche zum größten Teil als retrospektive (ohne berichtete Informationen zur Adjustierung) Kohortenstudien durchgeführt wurden und die nichterklärten Inkonsistenzen der Ergebnisse der Einzelstudien. Die Abwertung der Evidenz der retrospektiven Kohortenstudien basiert auf Studienlimitationen, da ein Selektionsbias aufgrund des  Allgemeinzustand des Patienten und der Komorbiditäten in keiner der Studien berücksichtigt wurde (siehe Tabelle 4, Spalte Evidenzgrad und Schlussfolgerung der Gutachterin).

Wirksamkeit und Sicherheit

Die systematische Übersicht konnte sowohl in der gemeinsamen Auswertung aller Studien als auch in der Subgruppe der retrospektiven Kohortenstudien und für die Stadien I und II einen Vorteil einer operativen im Vergleich zur nichtoperativen Behandlung zeigen. Keine Überlegenheit konnte in den zwei randomisierten Studien mit einer insgesamt geringen Fallzahl und daraus folgenden geringen Präzision der Ergebnisse, in der Zusammenfassung der vor 2004 publizierten Studien und für den alleinigen Einsatz einer Operation (ohne zusätzliche Chemo- und Strahlentherapie), obwohl auch hier eine geringere Mortalität in der Gruppe der operierten Patienten beobachtet wurde.

Auch die einzelnen Kohortenstudien bestätigen diesen Überlebensvorteil. Er bleibt unklar für die sehr alten Patienten im Stadium I in Li 2019 (siehe Tabelle 4, Spalte Hauptergebnisse). 

 

Zu beachten ist, dass in 2 Studien Angaben zum Einsatz der Strahlentherapie vorliegen und in Wechsler 2012 22% der operierten und 59 % der nicht-operierten Patienten eine Strahlentherapie erhielten. Xu 2019

Xu 2019 berichtet vergleichbare Häufigkeiten einer Strahlentherapie  bei operierten und nichtoperierten Patienten für die Stadien IA (45 vs. 47 %) und IB (44 vs. 44 %) und IIB (47 vs. 50 %), jedoch große Unterschiede im Stadium IIA (0 vs. 49 %), so dass der berichtete große Effekt beim Vergleich von operierten und nicht-operierten Patienten im Stadium IIA  durch die Wirkung der Bestrahlung nicht verringert wird.

Studie

Referenz

Zeitraum

Studientyp

Zielstellung

Teilnehmer

(Anzahl  und Charakteristika)

Intervention vs.

Kontrolle

Zielgröße(n)

Hauptergebnisse

(IG vs. CG); Effekt (95% KI)

Evidenzgrad (OCEBM)

Li 2019

(10)

Diagnoses 1998 to 2013

 

SEER database, US

Retrospective study with confounder adjustment

 

Efficacy surgery in elderly patients in stage I SCLC patients

Inclusion criteria:

· Elderly patients (≥ 75 yrs) with histological diagnosed stage I SCLC  (codes 8041/3, 8042/3,8043/3,8044/3 and 8045/3)

· clinically or pathologically in accordance with the AJCC Staging systems (3rd system code 10 for patients diagnosed from 1998 to 2003, derived 6th system codes IA and IB for patients diagnosed 2004–2013).

Exclusion criteria:

· patients diagnosed by autopsy/

· death certificate, without sufficient survival data (survival

· months unknown, survival months flag incomplete or not

· calculated) and surgery unknown

n=983

age (75-79/80-84/≥85): 51.4/35-6/13.0 %

males: 50.7 %

White: 87 %

most common locations of the primary tumor site:  upper lobe (51.7%), lower lobe (33.5%), other (8.2%) and middle lobe (6.6%)

Grade I-II: 1.6 %

Poorly differentiated (III): 17.6 %

IV: 29.6 %

Unknown: 51.2 %

Reasons for no surgery:

Not recommended: 82 %

Other contradiction: 7 %

Unknown: 9.0 %

Patent refused: 2.0 %

surgery (n=236, 24 %)

vs.

non- surgical treatment (n=458, 46.6 %)

vs. no treatment (n=289, 29.4 %)

 

Overall survival

Lung-cancer specific survival (LCSS)

 

multivariate hazard model adjusted for age, sex, race,

primary site, grade, year of diagnosis

Overall survival:

Benefit for patients with surgery:

·       surgery:  median OS of 25 (95% CI 18.5–31.5) months and 5-year OS of 31 % vs.

·       non-surgical treatment: median OS of 13 (95% CI 11.7–14.3) months and 5-year OS of 12 % vs.

·       no treatment:  median OS of 6 (95% CI 4.6–7.4) months and 5-year OS of 6 % (p<0.0001)

OS was better with

·       surgery (vs. no treatment): HR 0.35 (95 %CI 0.28-0.43; p<0.0001)

·       non-surgical treatment (vs. no treatment):HR 0.63 (95 % CI 0.54-0.74; p<0.0001) and

·       diagnosis after 2009.

Subgroups for age:

·       age≥75 yrs: surgery better than no treatment (HR 0.31; 95%CI 0.23-0.41) and better than non-surgical treatment (HR 0.51; 95 %CI 0.39 -0.66)

·       age≥80 yrs: surgery better than no treatment (HR 0.36; 95%CI 0.25-0.52) and better than non-surgical treatment (HR 0.54; 95 %CI 0.39 -0.76)

·       age≥85 yrs: surgery better than no treatment (HR 0.42; 95%CI 0.23-0.75), but no benefit was shown vs. non-surgical treatment (HR 0.92; 95 %CI 0.51 -1.65)

Lung-cancer specific survival:

5-year LCSS: 59 vs. 33 vs. 25 % (p<0.0001)

LCSS was better with:

·       surgery (vs. no treatment): HR 0.29 (95 %CI 0.22-0.39; p<0.0001)

·       non-surgical treatment (vs. no treatment):HR 0.62 (95 % CI 0.50-0.77; p<0.0001) and

·       diagnosis after 2009.

Subgroups for age:

·       age≥75 yrs: surgery better than no treatment (HR 0.27; 95%CI 0.18-0.41) and better than non-surgical treatment (HR 0.45; 95 %CI 0.31-0.66)

·       80-84 yrs: surgery better than no treatment (HR 0.32; 95%CI 0.19-0.54) and better than non-surgical treatment (HR 0.45; 95 %CI 0.28 -0.73)

·       age≥85 yrs: surgery better than no treatment (HR 0.26; 95%CI 0.11-0.64), but no benefit was shown vs. non-surgical treatment (HR 0.65; 95 %CI 0.27 -1.61)

 

2b-

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “In summary, stage I SCLC patients aged 75–84 years appeared to benefit from surgical resection, with a 5-year OS rate of 30.4% and 5-year LCSS rate of 57.7%, and the performance of surgical resection might be one promising treatment for elder patients with stage I SCLC in future. “

Schlussfolgerung der Begutachterin: US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss aller 983 ältere Patienten ab 75 Jahren mit SCLC im Stadium I und einer Diagnose in den Jahren 1998 bis 2013. Primäres Ziel der Studie war es, den Vorteil einer operativen Therapie in dieser Patientengruppe hinsichtlich des Überlebens zu zeigen. Es wurden zusätzlich Ergebnisse zum lungenkrebsspezifischen Überleben berichtet. Insgesamt 24 % der Patienten wurden operiert. Eine Konfounderadjustierung erfolgte für die im Register enthaltenen demografische Informationen (Alter, Race, Geschlecht), Informationen zur Krebserkrankung (primäre Lage, Grade) und das Jahr der Diagnose. Es konnte für alle Altersgruppen ein Vorteil der Operation im Vergleich zu keiner Behandlung gezeigt werden. Für die über 85-jährigen bleibt unklar, ob diese im Vergleich zu (nicht näher beschriebenen) nichtoperativen Verfahren profitieren. Komorbiditäten, der Gesamtzustand des Patienten und detailierte Informationen zu RT und CT waren in der Datenbank nicht enthalten und konnten nicht berücksichtigt werden, so dass von einem Selektionsbias ausgegangen werden kann (daher Abwertung aufgrund von Studienlimitationen).

Liu 2018

(9)

 

Search until 10/2018 in 5 databases

Systematic review

Efficacy of surgical-based treatment vs. RT,CT or CRT for stage I to III SCLC

 

Inclusion Criteria:

· RCT, prospective or retrospective cohort study

· participants with a cytological or histo-pathological diagnosis of SCLC stage I to III

· comparison of surgical resection alone vs. non-surgical treatment in combination with any other therapy (RT, CT, or a combination of both)

· reported overall

· survival (OS).

Exclusion criteria:

· letters, editorials, case reports, and reviews

· survival data could not be extracted from the literature

N=15 studies:

2 RCTs, published 1994 and 1995 with 186 patients

13 retrospective studies, published 1991-2018 with 41 297 patients

Surgical resection (n=4970)

vs.

Non-surgical treatment in combination with any other therapy (RT, CT, or a combination of both) (n=36 513)

 

Overall survival

Overall survival:

· Lower mortality with surgery (N=13 retrospective studies with 41,297 patients (HR 0.56, 95% CI 0.49–0.64, p < 0.001) with substantial heterogeneity between studies (I2=63 %)

· No difference was shown in RCTs (N=2, HR 0.77, 95% CI 0.32–1.84, p = 0.55) (I2=70 %)

Subgroup analyses stated benefit of surgical resection: :

· stage I (N=6, n=2429 vs. 4746): HR  0.56, 95% CI 0.49–0.64, p < 0.001 with moderate heterogeneity between studies (I2=54 %)

· stage II (N=8; n=613 vs. 3550): HR  0.75, 95% CI 0.57–0.99, p = 0.04; with substantial heterogeneity between studies (I2=64 %)

· Except for the studies published before 2004 (HR = 0.70, 95% CI: 0.36–1.35, p = 0.29; I2=0 %)) and

· surgery alone (HR = 0.87, 95% CI: 0.71–1.06, p = 0.16; (2=70 %), all subgroup analyses for different sample size, publication date after 2004, Surgical resection +non-surgical treatment and clinical stage stated benefit in mortality

2a

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen und Inkonsistenzen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “Surgery-based multi-modality treatment seems to be associated with a favorable survival advantage in stage I and selected stage II to III SCLC. Lobectomy is likely to provide superior OS when compared to sublobar resection. Further prospective randomized controlled trials are needed to confirm these findings.“

Schlussfolgerung der Begutachterin: Systematische Übersicht mit hoher Einschränkung der Qualität (keine Registrierung eines Protokolls, keine Angaben zu Screening und Qualitätsbeurteilung durch 2 Personen), basiert auf 15 Studien unter Einschluss von 41 483 Patienten (2 randomisierte Studien mit 186 Patienten mit Veröffentlichung in den Jahren 1994/1995) mit hohem Verzerrungspotential in RCTs und Selektionsbias in retrospektiven Studien.  Die Autoren berichten Imbalanzen der klinischen Faktoren zwischen den Interventionsgruppen und Unterschiede in der verabreichten Strahlen- und Chemotherapie und PCI, welche die Heterogenität der Ergebnisse verursachen könnten. Desweiteren wurden häufig ungenaue Stagingmethoden (keine PET-CT oder Mediastinumscope) in den Studien verwendet.

In RCTs konnte (evtl. aufgrund geringer Präzision) kein Vorteil einer operativen Behandlung nachgewiesen werden, während die retrospektiven Studien einen Vorteil einer operativen Behandlung zeigen konnten. Dieser war im Stage I am und bei kombinierter Behandlung mit operativen und nicht-operativen Verfahren am höchsten. Limitationen ergeben sich aus der teilweise substantiellen Heterogenität der Ergebnisse der einzelnen Studien (daher Abwertung aufgrund von Inkonsistenzen) und den Einschränkungen der Originalstudien (daher Abwertung aufgrund von Studienlimitationen).

Weksler 2012

(12)

Diagnoses 1988 to  2007

 

SEER database, US

Retrospective study with confounder adjustment

 

Comparison of treatment strategies (especially surgery) for stage I/II SCLC

Inclusion Criteria:

· Patients with a stage I/II SCLC (codes 8041, 8043, and 8044, and morphology site “lung and bronchus”)

· Pathologic staging was used whenever available.

· Patients treated without a surgical procedure and who did not have surgical staging of the mediastinum were staged clinically

n=3566

mean age: 68.3±9.8 yrs

males: 48.6 %

White: 87 %

Stage I/II: 75/25 %

RT: 49.6 %

Surgery (n=893, lobectomy: 66.9 %, wedge resection: 28.0 %, pneumonectomy: 4.2 %, non-specified: 0.8 %)

vs.

no surgery (n=2666)

 

 

Overall survival

 

 

multivariate hazard model adjusted for age at diagnosis, sex, race, stage, lymph node staging, resection, RT, type of surgery

Overall survival:

All patients: 34.0 (95 %CI 29 to 39) vs.  16.0 (95 % CI 15.3 to 16.7) months

Stage I SCLC: 38.0 (95 %CI 30.1 to 45.9) vs.  16.0 (95 % CI 15.1 to 16.9) months

Stage II SCLC: 25.0 (95 %CI 19.7 to 30.3) vs.  14.0 (95 % CI 12.9 to 15.1) months

 

· Longer survival for all patients with resection vs. no resection (HR 0.447;  95 % CI 0.389-0.513; p<0.001)

· Longer survival for all patients with lobectomy vs. wedge resection (HR 0.799;  95 % CI 0.646-0.988; p=0.038)

· female sex, younger age, stage I SCLC, treatment with radiotherapy, lymph node staging, and lung resection were significantly associated with survival.

 

 

 

2b-

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: „In conclusion, patients with stage I or II SCLC appear to benefit from surgical resection. Surgical therapy should not be withheld when a solitary pulmonary nodule is found to be SCLC and proper staging confirms an early-stage neoplasia. In patients who can tolerate lobectomy, we suggest that this should be the operation of choice. However, in patients who cannot tolerate a lobectomy, a lung-sparing procedure, such as wedge resection, also appears to offer survival benefit. Although not addressed in this report, chemotherapy is an important component in the treatment of SCLC, and all patients should be considered for chemotherapy. Surgeons should not shy away from offering surgical therapy to patients with early-stage SCLC.”

Schlussfolgerung der Begutachterin:  US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss aller 3566 Patienten mit SCLC im Stadium I/II und einer Diagnose in den Jahren 1988 bis 2007. Primäres Ziel der Studie war es, den Vorteil einer operativen Therapie zu zeigen. Es wurden zusätzlich Ergebnisse zum Überleben für Patienten mit und ohne Strahlentherapie verglichen. Insgesamt 11 % der Patienten mit Strahlentherapie wurden zusätzlich operiert. Eine Konfounderadjustierung erfolgte für die im Register enthaltenen Informationen: demografische Informationen (Alter, Race, Geschlecht), Informationen zur Krebserkrankung (Stage, Lymphknotenstaging) und die Behandlung (Operation, Art der Operation, Strahlentherapie). Es konnte ein Vorteil der Operation gezeigt werden. Komorbiditäten, der Gesamtzustand des Patienten und eine systemische Behandlung waren in der Datenbank nicht enthalten und konnten nicht berücksichtigt werden, so dass von einem Selektionsbias ausgegangen werden kann (daher Abwertung aufgrund von Studienlimitationen). Bei nicht-operierten Patienten ist eine Unterschätzung des Stadiums möglich, da hier häufig ein klinisches und kein pathologisches Staging erfolgte.

Xu 2019

(11)

Diagnoses 2010 to 2015

 

SEER database, US

Retrospective study with confounder adjustment

 

Comparison of treatment strategies (especially surgery) for SCLC with subgroup analyses for stages IA to IV

Inclusion Criteria:

· Adult patients (>18 yrs) with primary SCLC only  (codes 8002 and 8041-8045 and morphology site “lung and bronchus”)

· TNM stage were reclassified according to the 8th edition of the TNM classification

Exclusion criteria:

· unknown survival time, unidentified surgery status

· cases without a positive pathological diagnosis,

· multiple primary cancer,

·  TNM stage unable to be reclassified

n=26 659

mean age: 67.0±10 yrs

males: 50.3 %

White: 86.4 %

Primary site: main bronchus: 11.1 %

Upper/middle/lower lobe: 45.8/3.7/19.3 %

stage (IA/IB/IIA/IIB/III/IV):

2.1/1.0/0.4/2.2%/23.6%/70.7%

surgery of the primary site (stage IA/IB/IIA/IIB/III/IV):

29.8/30.2/9.7/13.9/2.3/ 0.8%

Radiation: 45.4 %

CT: 69.8 %

surgery (n=627, lobectomy in stage IA/IB/IIA/IIB: 62.0/70.0/72.7/80.7 %)

vs.

no surgery (n=26 032)

 

 

Overall survival

 

 

multivariate hazard model adjusted for age, sex, race,

TNM stage, histologic type, primary site, radiation, and

chemotherapy

Overall survival:

surgery is generally associated with improved OS (HR

0.573; 95% CI 0.512–0.643; p<.001>

Surgery was associated higher OS in

· stage IA with medians of 45.0 (95% CI 28.5–61.5) vs 20.0 (95% CI 17.6–22.3 months), 3-year OS of 59.7 vs. 27.1 % and HR 0.41 (95 %CI 0.298-0.564; p<0.001)

· stage IB with medians of 47.0 (95% CI 8.1–85.9) vs. 19.0 (95% CI 14.1–23.9) months, 3-year OS of 52.4 vs. 33.0 % and HR 0.548 (95 %CI 0.340-0.884; p=0.014)

· stage IIA with medians of 16.0 (95% CI 11.4–20.6) months vs. NR,  3-year OS of 75.0 vs. 20.5 % and HR 0.069 (95 %CI 0.015-0.325; p=0.001)

· stage IIB: with medians of 20.0 (95 %CI 16.4-23.6) vs. 18.0 (95 %CI 15.9-20.1); 3-year OS of 35.7 vs. 29.3 % and HR 0.670 (95 % CI 0.462-0.973; p=0.035)

· longer OS was also shown for stages III and IV

 

 

2b-

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “In summary, surgery has been used in the minority of patients with SCLC in the real world and has shown the benefits of survival. These results support an increased role of surgery in multimodal therapy for SCLC. “

Schlussfolgerung der Begutachterin: US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss aller 26 659 Patienten mit SCLC (davon 1524 in den Stadien IA,IB, IIA und IIB) und einer Diagnose in den Jahren 2010 bis 2015, von denen  2,35% (627) operativ behandelt wurden. Eine Konfounderadjustierung erfolgte für die im Register enthaltenen Informationen: demografische Informationen (Alter, Race, Geschlecht), Informationen zur Krebserkrankung (TNM Stage, histologischer Typ, primäres Auftreten) und die Behandlung (Strahlen- und Chemotherapie). Es konnte für alle Stadien (IA-IV) ein Vorteil der Operation auf das Überleben gezeigt werden. Komorbiditäten, der Gesamtzustand des Patienten, eine genauere Beschreibung der systemischen Behandlung und der Ursachen für die operative Behandlung waren in der Datenbank nicht enthalten und konnten nicht berücksichtigt werden, so dass von einem Selektionsbias ausgegangen werden kann (daher Abwertung aufgrund von Studienlimitationen).

CG: Control group; CI: Confidence interval; CT: Chemotherapy;  CRT: Chemoradiotherapy; HR: Hazard ratio; IG: Intervention group; LCSS: Lung-cancer specific survival; n: Number of participants; NR: not reached; OR: Odds Ratio; OS: overall survival; PCI: Prophylactic cranial irradiation; RR: Relative Risk; RT: Radiotherapy; SBRT: Stereotactic body radiation therapy; SBRT: Stereotactic body radiation therapy; SCLC: Small cell lung cancer; SEER: Surveillance, Epidemiology and End Results;  wks: weeks; yrs: years

 

Evidenztabelle zum Einsatz einer primären Strahlentherapie bei Patienten mit SCLC im Stadium I/II

Vergleich einer Therapie mit und ohne Strahlentherapie

Studiencharakteristika

Es wurden insgesamt zwei retrospektive Kohortenstudien mit konfounderadjustierten Analysen (Verma 2017, Weksler 2012) (12, 13) eingeschlossen (siehe Tabelle 5). Die Adjustierung verringert einen Selektionsbias beim Vergleich der mit und ohne Strahlentherapie behandelten Patienten und basiert auf in den Datenbanken gespeicherten Informationen (Tabelle 5, Spalte Zielgrößen). Alle Analysen erfolgten auf den Daten US-amerikanischer populationsbasierter Datenbanken: der SEER Datenbank (Weksler 2012) und einer multizentrischen Datenbank verschiedener Kliniken zur Behandlung von Patienten mit einer stereotaktischen Strahlentherapie (SBRT) (Verma 2017). Bei insgesamt 3566 Patienten wurde in den Jahren 1988 bis 2007 ein kleinzelliges Lungenkarzinom in den Stadien I (Weksler 2012) diagnostiziert, von denen 49.6 % strahlentherapeutisch behandelt wurden. In der SBRT-Datenbank wurden Ergebnisse von 74 SCLC-Patienten im Stadium I (T1-2 N0) Patienten identifiziert, welche in den 24 beteiligten akademischen Kliniken Jahren 2005 bis 2015 mit einer SBRT behandelt wurden (Verma 2017).

Aus der Zusammenfassung der Ergebnisse der Vergleichsgruppen aus Verma 2017 sind Aussagen zur Wirksamkeit der zuvor erfolgten SBRT (mediane Dosis und Fraktionierung: 50Gy/5 Fraktionen) möglich, während in Weksler 2012 zusätzlich zu den primären Untersuchungen zur Wirksamkeit einer Operation (siehe Tabelle 4) ein Vergleich der Ergebnisse der mit und ohne Strahlentherapie behandelten Patienten erfolgte.

Bewertung der Evidenz

Der Evidenzgrad wurde für Weksler 2012 aufgrund der Durchführung als retrospektive Kohortenstudie mit 2b- bewertet. Die Abwertung der Evidenz erfolgte aufgrund von Studienlimitationen, da ein Selektionsbias in der Behandlung durch Komorbiditäten, den Gesamtzustand des Patienten und eine systemische Behandlung nicht berücksichtigt wurde und eine entsprechende Adjustierung ausschließlich für die in der Datenbank gespeicherten und erhobenen Informationen möglich war.

In Verma 2017 wird die Ergebnisse der Querschnittsstudie aller mit einer SBRT behandelten Patienten bewertet. Die Studie schließt alle so behandelten Patienten ein und ist somit repräsentativ, basiert aber auf Daten US-amerikanischer Patienten der Jahre 2005-2015 und hat das primäre Ziel, die Behandlungen nach Abschluss der SBRT zu vergleichen. Daher wurde die Evidenz mit 2- bewertet (siehe Tabelle 5 Spalte Evidenzgrad und Schlussfolgerung der Gutachterin).

Wirksamkeit und Sicherheit

Die Ergebnisse aus Weksler 2012 beschreiben das Überleben ab Diagnose und einen Vorteil für die Patienten, welche strahlentherapeutisch behandelt wurden. Aus den Ergebnissen kann Verma 2017 kann das Überleben der Patienten nach Abschluss einer SBRT bei 2 zusätzlichen Therapieoptionen  (Chemotherapie oder  prophylaktische postkraniale  Bestrahlung) abgeleitet werden (siehe Tabelle 5, Hauptergebnisse).

Studie

Referenz

Zeitraum

Studientyp

Zielstellung

Teilnehmer

(Anzahl  und Charakteristika)

Intervention vs.

Kontrolle

Zielgröße(n)

Hauptergebnisse

(IG vs. CG); Effekt (95% KI)

Evidenzgrad (OCEBM)

Verma 2017

(13)

Diagnoses 2005-2015

 

Multicentre institutional SBRT databases, US

Retrospective study with confounder adjustment

 

Efficacy of Stereotactic body (SBRT) radiotherapy with or without CT and PCU

Inclusion Criteria:

· T1-T2N0M0

· primary stage I, biopsy-proven SCLC treated with SBRT

· staged using positron emission tomography (PET) (90%) and/or pathologic nodal sampling (25%).

· Exclusion Criteria:

· prior history of SCLC

· except one patient with history of limited-stage SCLC without evidence of disease for 12 years prior to developing a solitary contralateral lung lesion histologically confirmed as SCLC

n=74 with 76 lesions

median age: 71 (44-104) yrs

males: 48.4 %

White: 89.6 %

Indication for SBRT:

Medically inoperable: 88.3 %

Other active cancer: 5.4 %

Refused surgery: 4 %

Location:

right/left upper: 28.3/27 %

right/left lower: 20.2/16.2 %

right middle: 8.1 %

peripheral/central: 84/16 %

lesion size: 2.2 (0.7 to 7.2 cm

mediastinal nodal sampling performed: 25 %

ECOG 0/1/2/3/unknown: 21/49/20/<1 %

SBRT (Median dose / fractionation: 50 Gy/5 fractions) and

 

CT (56 %) vs. no CT

PCI (23 %) vs. no PCI

 

Performance status

Overall survival (OS)

Disease-free survival

Beginnend mit dem Abschluss der SBRT

 

Toxicitiy

Pattern of failure

 

 

Median follow-up: 18 (0.1-62.3) months

Overall survival:

Median (CT vs. no CT): 31.4 vs. 14.3 months (HR 0.41, 95% CI 0.21–0.80, p=0.01)

No differences shown for PCI (p=0.071)

 

Disease-free survival:

Median (CT vs. no CT): 61.3 vs. 9.0 months (HR 0.37, 95% CI 0.17–0.82, p=0.01)

No differences shown for PCI (p=0.10

 

Toxicity:

Uncommon (5.2% experienced grade ≥2 pneumonitis)

 

Patterns of failure:

· 32/ 74 (43.2%) patients experienced a total of 46 recurrences:

· 16/48 (33.3%) in patients receiving CT vs. 16/26 (61.5%) patients not receiving CT (p=0.03)

· Distant recurrences were most common in both groups, followed by nodal failures.

· Local recurrences were uncommon in both groups

· 4/53 (7.5%) patients (three of which had CT) who did not undergo PCI developed brain metastases vs. 0/17 patients (0%) who received PCI developed brain metastases (p=0.57)

· times to failure appeared numerically longer in patients receiving CT:

o   distant failure (9.8 months with CT vs. 3.6 months without, p=0.08),

o   nodal failure (6.3 vs. 4.0 months, p=0.29),

o   lung failure (16.6 vs. 6.4 months, p=0.09)

o   any failure (7.0 vs. 3.6 months, p=0.03).

 

2-

Abwertung aufgrund von Indirektheit

 

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “Whereas T1–2 N0 NSCLC can be managed with SBRT alone, this management is often extrapolated for T1–2 N0 SCLC. Based on this multicenter experience of SBRT for T1–2N0 SCLC cases, these cases must be treated as limited-stage SCLC, and thus chemotherapy is necessary. PCI was not shown to influence outcomes, albeit with few intracerebral events“

Schlussfolgerung der Begutachterin: US-amerikanische prospektive multizentrische Kohortenstudie unter Einschluss aller 76 Patienten mit SCLC (T1-T2 N0M0), welche mit SBRT (ohne Vergleichsgruppe) in den USA in den Jahren 2005 bis 2015 behandelt wurden und zusätzlich eine Chemotherapie oder eine intracraniale Bestrahlung erhielten. Dieser Vergleich entsprachen nicht der Fragestellung, daher wird die Evidenz der zugrundeliegenden Querschnittsstudie bewertet für eine Behandlung mit SBRT bewertet. Auf Grundlage der Ergebnisse sind Aussagen zum Überleben, krankheitsfreien Überleben, Toxizität und Behandlungsversagen der Patienten verfügbar. Es erfolgte eine Abwertung aufgrund von Indirektheit, da die Patienten in den USA über 10 Jahre rekrutiert wurden und die Studie als Kohortenstudie geplant.

Weksler 2012

(12)

Diagnoses 1988 to  2007

 

SEER database, US

Retrospective study with confounder adjustment

 

Comparison of treatment strategies (especially surgery) for stage I/II SCLC

Inclusion Criteria:

· Patients with a stage I/II SCLC (codes 8041, 8043, and 8044, and morphology site “lung and bronchus”)

· Pathologic staging was used whenever available.

· Patients treated without a surgical procedure and who did not have surgical staging of the mediastinum were staged clinically

n=3566

mean age: 68.3±9.8 yrs

males: 48.6 %

White: 87 %

 

radiotherapy (49.6 %, 202 with surgery, 1567 without surgery)

vs.

no RT (n=1797)

 

 

Overall survival from diagnosis

 

 

multivariate hazard model adjusted for age at diagnosis, sex, race, stage, lymph node staging, resection, RT, type of surgery

Overall survival:

Median: 18.0  (95%CI 17.2 – 18.8) months

· Longer survival for all patients with RT vs. no RT (HR 0.58;  95 % CI 0.54-0.64; p<0.001)

· female sex, younger age, stage I SCLC, treatment with radiotherapy, lymph node staging, and lung resection were significantly associated with survival.

 

 

 

2b-

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: „In conclusion, patients with stage I or II SCLC appear to benefit from surgical resection. Surgical therapy should not be withheld when a solitary pulmonary nodule is found to be SCLC and proper staging confirms an early-stage neoplasia. In patients who can tolerate lobectomy, we suggest that this should be the operation of choice. However, in patients who cannot tolerate a lobectomy, a lung-sparing procedure, such as wedge resection, also appears to offer survival benefit. Although not addressed in this report, chemotherapy is an important component in the treatment of SCLC, and all patients should be considered for chemotherapy. Surgeons should not shy away from offering surgical therapy to patients with early-stage SCLC.”

Schlussfolgerung der Begutachterin:  US-amerikanische retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss aller 3566 Patienten mit SCLC im Stadium I/II und einer Diagnose in den Jahren 1988 bis 2007. Primäres Ziel der Studie war es, den Vorteil einer operativen Therapie zu zeigen. Es wurden zusätzlich Ergebnisse zum Überleben für Patienten mit und ohne Strahlentherapie verglichen. Insgesamt 11 % der Patienten mit Strahlentherapie wurden zusätzlich operiert. Eine Konfounderadjustierung erfolgte für die im Register enthaltenen Informationen: demografische Informationen (Alter, Race, Geschlecht), Informationen zur Krebserkrankung (Stage, Lymphknotenstaging) und die Behandlung (Operation, Art der Operation, Strahlentherapie). Es konnte ein Vorteil der Strahlentherapie gezeigt werden. Komorbiditäten, der Gesamtzustand des Patienten und eine systemische Behandlung waren in der Datenbank nicht enthalten und konnten nicht berücksichtigt werden, so dass von einem Selektionsbias ausgegangen werden kann (daher Abwertung aufgrund von Studienlimitationen). Bei nicht-operierten Patienten ist eine Unterschätzung des Stadiums möglich, da hier häufig ein klinisches und kein pathologisches Staging erfolgte.

CG: Control group; CI: Confidence interval; CT: Chemotherapy;  HR: Hazard ratio; IG: Intervention group; n: Number of participants; NR: not reached; OR: Odds Ratio; OS: overall survival; PCI: Prophylactic cranial irradiation; RR: Relative Risk; RT: Radiotherapy; SBRT: Stereotactic body radiation therapy; SCLC: Small cell lung cancer; SEER: Surveillance, Epidemiology, and End Results;  wks: weeks; yrs: years

 

FDG-PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium

Fragestellung 7: FDG-PET-Diagnostik  bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium („extensive disease“) zur  Bestimmung des Tumorstadiums und der Detektion von Fernmetastasen

Es konnten 3 systematische Übersichten (Martucci 2019 (24), Mitchell 2016 (25), Wu 2017 (26)) und 1 RCT, welche die diagnostische Genauigkeit und Wirksamkeit hinsichtlich der Therapieplanung und der Verbesserung relevanter Endpunkte einer FDG-PET-Diagnostik zur Bestimmung des Tumorstadiums und der Detektion von Fernmetastasen bei Patienten mit Verdacht auf Fernmetastasen identifiziert werden. Die methodische Qualität dieser Arbeiten wurde in Tabelle 17  bewertet. 

 abelle 17: Methodische Bewertung der systematischen Übersichten zur Beurteilung einer FDG-PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom und Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium einer extended disease

Studie

Proto-koll

Suche

Doppelte Auswahl

Doppelte Extraktion

Ausge-

schlossene Studien

Bewertung VZP

Meta-analysen

Einfluss VZP

Publikations-bias

Martucci 2019

La

J

J

K

J

K

J

J

Kb

Mitchell 2016

J

J

J

J

J

J

Lc

J

L c

Wu 2017

L

J

J

K

J

J

J

J

J

J: niedriges Verzerrungsrisiko, K: Bewertung mit unklar, L: hohes Verzerrungsrisiko

a: review was registered on the online database PROSPERO after submission of the publication

b: very small sample size (6 studies)

c: meta-analysis was planned with adequate methods, but not conducted due to heterogeneity

VZP: Verzerrungspotential

 

Die systematische Übersichtsarbeiten von Matucci 2019, Mitchell 2016 und Wu basieren auf einer systematischen Suche im Juni 2016, Juni 2015 und Januar 2017 in 3-5  Datenbanken und schließen 9, 7  und 9 Studien ein.

Die Arbeiten berichten Informationen zur diagnostischen Genauigkeit (Matucci 2019, Mitchell 2016, Wu 2017), therapierelevanten Änderung im Staging (Matucci 2016) und Überleben (Matucci 2016) in Abhängigkeit vom Einsatz einer PET-CT-Untersuchung bei Patienten mit SCLC (Matucci 2019, Mitchell 2016) bzw. Lungenkarzinom ohne Subtypisierung (Wu 2017). 

Die Evidenz wurde mit dem Evidenzgrad 1a- (Matucci 2019) und 2a (Mitchell 2016, Wu 2017) bewertet. Abwertungen basieren auf Inkonsistenz, Studienlimitationen und geringer Präzision und werden in Tabelle 18 zusammenfassend beschrieben. .

Zusätzlich wurde eine monozentrisch in der Schweiz in den Jahren 2011 bis 2014 durchgeführte Studie identifiziert, in welcher 98 Patienten mit NSCLC mit kurativer Behandlung in einer 2-jährigen Nachbeobachtungszeit bei radiologisch auffälligen Befunden einer PET-CT oder CT- Diagnostik zugeordnet wurden. Es werden Ergebnisse zur Häufigkeit von Befunden und zur diagnostischen Genauigkeit berichtet. Der Evidenzgrad wurde aufgrund der geringen Studiengröße und der daher eingeschränkten Genauigkeit der Ergebnisse mit 1b- bewertet.

Tabelle 18: Evidenztabelle zur diagnostischen Genauigkeit einer FDG- PET-Diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinom bei Verdacht auf Fernmetastasen ohne gesichertes M1-Stadium („extensive disease“) (Fragestellung 7)

Referenz

Zeitraum

Studientyp

Zielstellung

 

Teilnehmer

(Anzahl  und Charakteristika)

Indextest

Referenztest

Zielgröße(n)

Hauptergebnisse

(Index vs. Referenztest); Effekt (95% KI)

Evidenzgrad (OCEBM)

Gambazzi 2019

(27)

ISRCTN 16281786

Switzerland

Screening of patients 10/2011 to 08/2014

RCT

diagnostic performance of PET-CT with contrast-enhanced CT (CE-CT) of the chest in post-treatment surveillance of NCSCL patients

Inclusion criteria:

·  patients with NSCLC ≥ 18 years

·  18F-FDG–PET–positive tumor

·  tumor stage I to III (or IV, if patients presented with solitary, completely resected brain metastases)

·  had completed a curative-intent treatment for NSCLC (anatomic surgical lung resection alone or + neoadjuvant chemotherapy or + adjuvant chemotherapy, or + radiotherapy/ chemotherapy alone

Exclusion criteria:

·      insufficient knowledge of the German language,  impaired kidney function (glomerular filtration rate <30 mL/min)

n=98

median age: older with PET-CT 67 (IQR 61-74) vs. 61 (IQR 56-70)

males: 70 %

COPD: 49 %

adenocarcinoma: 64 %

squamous cell carcinoma: 34 %

NSCLC I/II/III/IV: 46/29/21/3 %

therapy:

surgery alone: 62.5 %

surgery+adjuvant CTX: 20%

surgery+neoadjuvant CTX: 9 %

RTX:3 %

During 2 years of follow-up: clinical examination and imaging procedure  at 6-month intervals

in case of radiologic suspicion of cancer recurrence, the patient completed the study and underwent a diagnostic workup:

 PET-CT (5 MBq/kg body weight with a Biograph MCT) + low-dose CT for attenuation correction of the PET images (n=50)

vs.

contrast-enhanced CT (CE-CT) of the chest (64 or a 320 detector-row CT scanner) (n=46)

+ nonscheduled brain CT, bronchoscopy, or therapeutic-intent surgical intervention

in case of no suspicious radiologic finding but symptoms of recurrence between scheduled imaging scans completed the study as well and underwent a diagnostic workup

Study termination at 24 months without a suspicious radiologic finding

if scheduled imaging shows a suspicious radiologic finding:

Diagnostic workup reveals no cancer

Diagnostic workup reveals cancer recurrence

Symptomatic recurrence before first scheduled imaging

Symptomatic recurrence between scheduled imaging

 

Diagnostic performance:

Sensitivity

Specificity

Positive predictive value

130 surveillance PET-CTs vs.  138 surveillance CE-CTs were performed

No differences between clinical outcomes:

·   Study termination at 24 months without a suspicious radiologic finding: 36 vs. 46 % (p=0.336)

·   No cancer after diagnostic work-up of suspicious radiologic finding: 22 vs. 17% (p=0.571)

·   Diagnosis of cancer recurrence after diagnostic work-up: 28 vs. 30% (p=0.793)

·   Symptomatic recurrence before first scheduled imaging: 10 vs. 4% (p=0.287)

·   Symptomatic recurrence between scheduled imaging: 4 vs. 2% (p=0.607)

·   Time to suspicious radiologic finding: no difference (p=0.528)

No difference in diagnostic performance

·   Sensitivity: 88 % (95%-CI 62 to 98) vs. 93 % (95%-CI 68 to 100)

·   Specificity: 62 % (95%-CI 42 to 79) vs. 72 % (95%-CI 53 to 87)

·   Positive predictive value: 56 % (95%-CI 35 to 76) vs. 64 % (95%-CI 41 to 83)

·    

 

 

1b-

Abwertung aufgrund geringer Präzision der Ergebnisse

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “In summary, the results of our randomized pilot study suggest that PET-CT is not superior to CE-CT in detecting cancer recurrence during the 2 years after curative-intent treatment of NSCLC. Sensitivity, specificity, and positive predictive value were comparable between the two imaging procedures. In addition, the number of potentially curable recurrences was similar in the two groups. If imaging investigations are discussed at an interdisciplinary board, both methods may thus have a similar performance in post-therapeutic surveillance of lung cancer. Considering the substantially higher costs associated with PET-CT compared with CECT, the latter appears to be the preferred option for routine surveillance (at least short-term) after curative intent treatment of NSCLC. However, some patients with a specific tumor stage or histopathology may require PET-CT follow-up based on their individual characteristics“

Schlussfolgerung des Begutachters: Randomisierte kontrollierte Pilotstudie mit moderatem Verzerrungspotential (fehlende Informationen zur Zuweisung der Behandlung, keine Verblindung der Patienten, Ärzte und Endpunkterfasser), registriertes Protokoll, alle geplanten Endpunkte werden berichtet, kein Drop-out), welche Ergebnisse zu klinischen Endpunkten und zur diagnostische Güte einer Nachbeobachtung von insgesamt 96  Patienten mit kurativer Behandlung eines NSCLC über 2 Jahre berichtet (aufgrund der kleinen Fallzahl Abwertung aufgrund geringer Präzision).

Matucci 2019

(24)

Search until 06/2019

Systematic Review

treatment decision from staging and diagnostic accuracy

of molecular imaging using 18F-FDG PET/CT in staging

patients with SCLC

Inclusion criteria:

·      patients with histologically proven SCLC;

·       18F-FDG PET/CT performed for disease staging compared to staging without 18F-FDG PET/CT

Exclusion criteria:

o   Use of 18F-FDG PET only without hybrid technology for staging,

o   studies evaluating the prognostic value of 18F-FDG PET/CT or its use for radiotherapy planning

o   articles evaluating the role of 18F-FDG PET/CT for treatment response assessment or restaging after treatment

o   review articles, letters, comments, editorials, conference proceedings

·      case reports or small case series.

Search in 3 databases

N=9 (1 RCT, 2 prospective, 6 retrospective)

1 multicenter, 8 single center

n=791 patients (23 to 309)

median age: 58 to 69.6 years

males: 22 to 90 %

Quality assessment (QUADAS-2 (4)):

·   bias in reference standard judged as high in 6 studies

·   bias in patient selection high in 3 studies

with no explanations

18F-FDG PET/CT performed for disease staging

vs.

Staging without 18F-FDG PET/CT (e.g., using conventional imaging methods:

contrast-enhanced CT or bone scintigraphy)

composite reference standard:  histology, further imaging, or  clinical /biochemical follow-up

Primary outcome: Change of binary SCLC staging using 18F-FDG PET/CT (number of SCLC patients with a change of staging obtained by 18F-FDG PET/CT (upstaging from limited to extended stage disease or downstaging) / overall number of SCLC patients who underwent the 18F-FDG PET/CT scan)

secondary outcomes:

Diagnostic accuracy

Survival

Diagnostic accuracy (N=3):

·    better in all studies with PET/CT:

·    prospective studies: 57/59 (96.6 %) vs. 54/59 (91.5 %) 19/20 (95 %) vs. 17/20 (85 %)

·    retrospective study: 23/23 (100 %) vs. 18/23 (78.3 %)

Change of binary SCLS staging (N=6, n=277):

·    range from 5.1 to 21.7 % with a pooled value of 15 % (95%-CI 9 to 21) with moderate heterogeneity between results of different studies (I2=50 %)

·    with lower change in prospective vs. retrospective studies: 11 % (95%-CI 2 to 25) vs. 17 % (95%-CI 12 to 23)

Survival (N=1 RCT, n=309): difference in survival was not shown

 

 

1a-

Abwertung aufgrund von Inkonsistenz

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “ 18F-FDG PET/CT is a very useful imaging method in staging SCLC patients, as it may change the binary SCLC stage, resulting in change of therapeutic management, in ∼15% of cases. Further well-designed studies on the use of this hybrid imaging method for SCLC staging are needed.”

Schlussfolgerung des Begutachters: Systematische Übersicht mit geringen Einschränkungen der Qualität (Registrierung des Protokolls erst bei Einreichung, keine Beschreibung des Vorgehens bei Datenextraktion und Qualitätsbewertung, Schwierigkeit der Interpretation von Tests auf Publikationsbias bei 6 Studien), welche Therapieänderungen und diagnostische Güte einer PET-CT-Untersuchung zur Differenzierung zwischen limited (confined to the ipsilateral hemithorax including contralateral mediastinal and ipsilateral supraclavicular lymph nodal metastases and can be included within a radiation field). und extended stage disease (spread beyond the ipsilateral hemithorax including hematogenous metastases and malignant pleural or pericardial effusion) beschreibt.  Die Übersichtsarbeit schließt insgesamt 9 Studien ein (davon 1 RCT und 2 weitere prospektive Kohortenstudien). In die Metaanalyse zur Häufigkeit des Therapiewechsels gehen Ergebnisse aus 6 Studien ein, deren moderate Heterogenität zwischen den Ergebnissen der Einzelstudien nur teilweise erklärt werden konnte (daher Abwertung aufgrund von Inkonsistenz).

Mitchell 2016

(25)

Search from 2000 to 06/2015

Systematic Review

assessment for the efficacy and diagnostic performance of different imaging modalities for the pre-treatment staging of SCLC

 

Inclusion criteria:

o   full-text article in a  peer-reviewed, published 2000 to 2014

o   diagnostic performance: comparison to a common reference standard.

o   comparative effectiveness:  different tests or test strategies must have been given to separate groups of patients.

o   ≥ 85% of patients must have been undergoing staging for SCLC.

o   ≥  85% of patients must have been ≥  18 (or separate reporting)

o   CT performed on a multidetector scanner.

o   PET/CT must have been performed on an integrated PET/CT device

o   ≥ 10 patients per imaging test or test strategy participated.

o   Data reported for ≥  50% of the patients initially enrolled.

o   diagnostic performance:  sufficient data to allow calculation of sensitivity and specificity with their 95%-CI

o   comparative effectiveness:  the choice and/or timeliness of treatment or the outcomes of treatment must be reported for each study group.

Exclusion criteria:

o   Studies for the staging of recurrent SCLC

o   Data on imaging tests performed after any form of treatment

Search in 3 databases

N=7

Quality assessment (modified QUADAS-2 (4)):

presence of metastases to osseous structures

Any direct comparisons of imaging tests  or any combination:

• MDCT

• PET/CT

• MRI

• PET/MRI

• EBUS

• EUS-FNA

• Bone scintigraphy

 

Test concordance

diagnostic accuracy: Sensitivity  Specificity  Positive-predictive value, Negative-predictive value  Positive or negative likelihood ratio

Choice of treatment (eg, surgery, chemotherapy, or radiation)

Timeliness of treatment

Tumor response

Harms due to overtreatment or undertreatment

 Survival

 Quality of life

Presence of metastases to osseous structures:

PET-CT vs. scintigraphy (N=2 with moderate risk of bias, n=123, GRADE: low):

·    Sensitivity: favours PET/CT: 100 (95%-CI 88 to 100) vs. 37 % (95%-CI 22 to 55), but no difference in second study

·    Specificity: no difference in first study, favours PET-CT in second study: 100 (95%-CI 83 to 100) vs. 58% (95%-CI 26 to 77)

·    PET/CT is more sensitive than scintigraphy

PET-CT vs. CT (N=1 with moderate risk of bias, n=29, GRADE: low):

·    Sensitivity: favours PET/CT: 80 (95%-CI 49 to 94) vs. 30 (95%-CI 11 to 60)

·    specificity = 100% in both groups

·    PET/CT more sensitive than CT

 

Presence of any distant metastases:

PET/CT vs. standard staging (N=1 with high risk of bias, n=73):

 

·    Sensitivity: 92 (95%-CI 76 to 98) vs. 46 % (29 to 65)

·    Specificity: 96 (95%-CI 92 to 100) vs. 100 % (95%-CI 86 to 99)

·    Standard staging plus PET/CT is more sensitive than standard staging alone (GRADE: low)

 

2a

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen und geringer Präzision

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: “First, compared to MDCT and bone scintigraphy (imaging modalities commonly used for staging), FDGPET/CT is more sensitive for detecting osseous metastases in patients with SCLC.

Second, for patients with SCLC who have undergone standard staging, the addition of FDGPET/CT increases sensitivity for detecting distant metastases.

Due to the sparse evidence available, we were unable to draw conclusions about the comparative specificity of FDGPET/CT compared to these other modalities. “

…"Our results suggest potential resource implications. Although FDG-PET/CT may be more expensive than CT and bone scintigraphy, some patients may undergo all three tests

when being evaluated for osseous and other distant metastases outside the brain. Based on the current review of literature, we determine that eliminating routine use of bone scintigraphy from SCLC staging protocols in favor FDG-PET/CT could potentially result in significant cost savings without loss of sensitivity.“

Schlussfolgerung des Begutachters: Systematische Übersicht mit geringen Einschränkungen der methodischen Qualität, welche sich aus der sehr breiten Fragestellung (Bildgebung zum Staging vor der Behandlung bei SCLC) ergeben (geringe Anzahl von Studien zu heterogenen Themen). Es lagen ausschließlich Ergebnisse zur diagnostischen Genauigkeit vor, von diesen wurden die Ergebnisse extrahiert, aus denen sich Schlussfolgerungen zum Einsatz einer PET-CT ergeben. Ergebnisse zur Differenzierung von limited und extended disease wurden nicht extrahiert, da die Studie in Matucci 2020 eingeschlossen wurde. Die Autoren bewerten den Evidenzgrad mit low (2 Abwertungsstufen). Abwertungen basieren auf dem moderaten Verzerrungspotential in den Studien und der geringen Präzision der Ergebnisse.

Wu 2017

(26)

Search until 01/2017

Systematic Review

diagnostic accuracy of 18F-FDG PET/CT for the detection of adrenal metastasis in lung cancer

 

Inclusion criteria:

·  studies or subsets in studies on the diagnostic performance of 18F-FDG PET/CT in the assessment of adrenal mass in lung cancer

·  studies that used histopathologic examination and/or close clinical and radiologic follow-up for ≥ 6 months as the reference standard for confirmation of malignant or benign adrenal masses

·  for per-lesion statistics, sufficient information to calculate the true-positive (TP), false-positive (FP), true- negative (TN), and false-negative (FN) values

 

Exclusion criteria:

·  non-original research articles with limited data, such as letters, case reports, reviews, comments, and conference abstracts

·  studies with potentially over- lapping data

·  studies with < 10 analyzable lesions

Search in 5 databases

Inclusion of N=9 studies ( 1 prospective, 8 retrospective, 3 with consecutive recruitment)

n=707 patients (with n=810 adrenal masses from lung cancer; benign: 50.7%; metastatic: 49.3%

Quality assessment (QUADAS (28)): QUADAS scores> 10: N=6 no conclusive evidence of a threshold effect for 18F-FDG PET/CT

 

18F-FDG PET/CT

For diagnostic accuracy of adrenal mass in lung cancer

 

vs.

 

Biopsy/ Radiological Follow-Up

Sensitivity

Specificity

Positive likelihood ratio

Negative likelihood ratio

Diagnostic odds ratio

 

Sensitivity:

·    range from 71 to 97 % with a pooled value of 88.7 % (95%-CI 85.2 to 91.7) and substantial heterogeneity between results of different studies (I2=80.8 %)

·    and no differences depending on sample size, consecutive patient recruitment or QUADAS-score

Specificity:

·    range from 81 to 100 % with a pooled value of 90.8 % (95%-CI 87.5 to 93.4) and small heterogeneity between results of different studies (I2=26.4 %)

·    and no differences depending on sample size, consecutive patient recruitment or QUADAS-score

 

Positive Likelihood Ratio: 8.552 (95%-CI 6.197–11.802) and small heterogeneity between results of different studies (I2=9.7 %)

Negative Likelihood Ratio: 0.090 (95%- CI 0.039–0.211) and substantial heterogeneity between results of different studies (I2=83.9 %)

Diagnostic odds ratio: 96.825 (95%-CI 40.402 to 232.05)

 

2a

Abwertung aufgrund von Studienlimitationen und Inkonsistenzen

Zusammenfassende Beurteilung

Schlussfolgerungen der Autoren der Studie: „Our study showed that 18F-FDG PET/CT plays a vital role in the differentiation of adrenal metastasis from a benign adrenal mass in lung cancer patients, with excellent diagnostic performance. The literature focusing on the use of 18F-FDG PET/CT in this setting still remains limited to retrospective studies and prospective studies are needed in future.“

 

Schlussfolgerung des Begutachters: Systematische Übersichtsarbeit mit geringer Einschränkung der Qualität (kein Studienprotokoll, unklare doppelte Studienextraktion, keine Ausführliche Darstellung des Verzerrungsrisikos der eingeschlossenen Studien, trotz Nutzung eines passenden Tools). Die Anwendbarkeit von 18F-FDG PET/CT für die Diagnose und Differenzierung von benignen und metastatischen Nebennierentumoren bei Lungenkarzinom wurde bewertet. Es wurden 9 Studien (davon 8 retrospektiv) mit 707 Patienten und 810 Proben eingeschlossen. 18F-FDG PET/CT stellt mit einer Sensitivität von 89 % (95%-KI 85 - 92) und einer Spezifität von 91 (95%-KI 88 - 93) ein gutes Mittel zur Diagnostik dar, wobei die Ergebnisse der Studien eine bedeutsame Heterogenität aufweisen (daher Abwertung aufgrund von Inkonsistenzen) Es erfolgte eine Abwertung aufgrund von Studienlimitationen da die Ergebnisse zum Großteil auf retrospektiven Studien basieren und genauere Angaben zum Verzerrungsrisiko fehlen.

CI: confidence interval; DWI: Diffusion weighted imaging; CT: N: number of studies; n: number of participants; NSCLC: Non-small cell lung cancer;  OR: Odds Ratio; RoB: Risk of bias; RR: Relatives Risiko


Referenzen

 

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17.         Sterne JA, Hernán MA, Reeves BC, Savović J, Berkman ND, Viswanathan M, et al. ROBINS-I: a tool for assessing risk of bias in non-randomised studies of interventions. Bmj. 2016;355.

18.         Chen GX, Wang MH, Zheng T, Tang GC, Han FG, Tu GJ. Diffusion‑weighted magnetic resonance imaging for the detection of metastatic lymph nodes in patients with lung cancer: A meta‑analysis. Molecular and Clinical Oncology. 2017;6(3):344-54.

19.         Peerlings J, Troost EG, Nelemans PJ, Cobben DC, de Boer JC, Hoffmann AL, et al. The Diagnostic Value of MR Imaging in Determining the Lymph Node Status of Patients with Non-Small Cell Lung Cancer: A Meta-Analysis. Radiology. 2016;281(1):86-98.

20.         Shen G, Hu S, Deng H, Kuang A. Performance of DWI in the Nodal Characterization and Assessment of Lung Cancer: A Meta-Analysis. AJR Am J Roentgenol. 2016;206(2):283-90.

21.         Shen G, Lan Y, Zhang K, Ren P, Jia Z. Comparison of 18F-FDG PET/CT and DWI for detection of mediastinal nodal metastasis in non-small cell lung cancer: A meta-analysis. PLoS ONE. 2017;12(3):e0173104.

22.         Brea TP, Ravina AR, Villamor JMC, Gomez AG, de Alegria AM, Valdes L. Use of Magnetic Resonance Imaging for N-Staging in Patients with Non-Small Cell Lung Cancer. A Systematic Review. Arch Bronconeumol. 2019;55(1):9-16.

23.         Li Y, Jin G, Su D. Comparison of Gadolinium-enhanced MRI and 18FDG PET/PET-CT for the diagnosis of brain metastases in lung cancer patients: A meta-analysis of 5 prospective studies. Oncotarget. 2017;8(22):35743-9.

24.         Martucci F, Pascale M, Valli MC, Pesce GA, Froesch P, Giovanella L, et al. Impact of 18F-FDG PET/CT in Staging Patients With Small Cell Lung Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis. Front Med (Lausanne). 2019;6:336.

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27.         Gambazzi F, Frey LD, Bruehlmeier M, Janthur WD, Graber SM, Heuberger J, et al. Comparing Two Imaging Methods for Follow-Up of Lung Cancer Treatment: A Randomized Pilot Study. Ann Thorac Surg. 2019;107(2):430-5.

28.         Whiting P, Rutjes AW, Reitsma JB, Bossuyt PM, Kleijnen J. The development of QUADAS: a tool for the quality assessment of studies of diagnostic accuracy included in systematic reviews. BMC medical research methodology. 2003;3(1):25.

Serplulimab + Chemotherapie vs. Chemotherapie zur Erstlinienbehandlung des SCLC im Stadium IV

Design der Studie ASTRUM-005

 
Kürzel Design Population Intervention(en) Komparator(en) Endpunkt(e)
ASTRUM-005 Randomized, Parallel, PHASE3 quadruple-blind study Treatment-naive patients with Extensive Stage Small Cell Lung Cancer, Stage 3-4 Serplulimab + Carboplatin + Etoposid (N=389) Placebo + Carboplatin + Etoposid (N=196) Primary: OS

Outcome Serplulimab + Carboplatin + Etoposid N=389 Placebo + Carboplatin + Etoposid N=196 Effect Estimate   GRADE
Serplulimab + Carboplatin + Etoposid vs. Placebo + Carboplatin + Etoposid zur Erstlinienbehandlung von Erwachsenen mit kleinzelligem Bronchialkarzinom im fortgeschrittenen Stadium: Stude ASTRUM-005
Dichotome Endpunkte
Overall Survival, Time To Event1,2,3,4 N=389 15.8 [14.1; 17.6] 223 (57.3%) N=196 11.1 [9.96; 12.4] 140 (71.4%) HR 0.62 [0.5; 0.76] p< 0.001 ⊕⊕⊕⊕
Progression-Free Survival, Time To Event5,6,7,8,9 N=389 5.72 [5.52; 6.9] 223 (57.3%) N=196 4.34 [4.21; 4.5] 151 (77.0%) HR 0.48 [0.38; 0.59] p<0.001 ⊕⊕⊕⊕
Severe Adverse Events (CTCAE ≥3) - TTE10,11 N=196 [; ] 314 (80.7%) N=196 [; ] 153 (78.1%) HR 1 [0.82; 1.21] ⊕⊕⊕⊖a
Serious Adverse Events - TTE10,11,12 N=389 [; ] 146 (37.5%) N=196 [; ] 71 (36.2%) HR 0.89 [0.66; 1.18] ⊕⊕⊕⊖a
AE-Disc - TTE10,11,13 N=389 [; ] 38 (9.8%) N=196 [; ] 18 (9.2%) HR 0.81 [0.46; 1.43] ⊕⊕⊕⊖b
Data Cutoff: 13.06.2022
1: Medianes Gesamtüberleben (Monate) 2: Datenschnitt 13.06.2022 3: AD: 4,7 Monate 4: Todesfälle 5: Medianes progressionsfreies Überleben (Monate) gemäß IRRC 6: Primäre Analyse - Datenschnitt 22.10.2021, Quelle EPAR 7: HR zum Datenschnitt 13.06.2022: 0.54 [0.37, 0.79], Quelle: EPAR 8: AD: 1,4 Monate 9: Anteil der Personen mit PFS-Event 10: Keine Angaben zur medianen Zeit bis zum Ereignis pro Gruppe und dem p-Wert für den Vergleich 11: Personen mit Ereignis 12: Schwerwiegende UE - Gesamt 13: Therapieabbruch aufgrund von UE
a: Unvollständige Beobachtungen aus potentiell informativen Gründen b: Auftreten konkurrierender Ereignisse für den Endpunkt Therapieabbruch aufgrund von UE (Abbruch aufgrund anderer Gründe)
AE: Adverse Events; CTCAE ≥3: Common Terminology Criteria for Adverse Events, Grade ≥3; TTE: Time To Event

Tislelizumab + Chemotherapie SCLC Stadium IV

Population: Bisher unbehandelte Patienten mit SCLC im Stadium IV
Intervention: Tislelizumab + Chemotherapie mit Platin/-Etoposid
Control: Chemotherapie mit Platin/Etoposid
Setting:
Time:
Info:

Outcome: Overall survival

Studien

  • Cheng, Y. et al., 2024, Tislelizumab Plus Platinum and Etoposide Versus Placebo Plus Platinum and Etoposide as First-Line Treatment for Extensive-Stage SCLC (RATIONALE-312): A Multicenter, Double-Blind, Placebo-Controlled, Randomized, Phase 3 Clinical Trial


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische Phase-3-Studie RATIONALE-312 (NCT04005716). Berichtet werden hier die publizierten Ergebnisse von Cheng et al. 2024. Die Studie wurde an 51 Zentren, ausschließlich in China, durchgeführt.

Randomisiert und ausgewertet wurden 457 Patienten mit „extensive-stage small-cell lung cancer (ES-SCLC) Stadium IV“, die als Erstlinientherapie entweder mit Tislelizumab mit Etoposid plus Carboplatin bzw. Cisplatin (Interventionsgruppe) oder Placebo mit Etoposid plus Carboplatin bzw. Cisplatin (Vergleichsgruppe) therapiert wurden (vier Zyklen alle drei Wochen). Im Anschluss wurde als Maintenance-Therapie Tislelizumab bzw. Placebo alleine gegeben. Zum Zeitpunkt der finalen Datenanalyse (data cutoff 19. April 2023), lag der mediane Studien-follow-up Zeitraum der ITT Population bei 14,2 Monaten (IQR 8.6–25.3).

Das mittlere Gesamtüberleben (overall survival, OS) war in der Tislelizumab-plus-Chemotherapie-Gruppe signifikant länger als in der Vergleichsgruppe (mOS 15,5 Monate vs. 13,5 Monate, HR 0,75 (95 % KI 0,61–0,93), p = 0,0040). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome „Gesamtüberleben“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Es sind keine Abwertungen erfolgt.  

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Cheng, Y. et al. 2024

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Low Risk Po­pu­la­tion

RATIONALE-312 Trial

 

Overall 457 patients with extensive-Stage SCLC

In­ter­ven­tion

Tislelizumab (n = 227) as first-line treatment

Four cycles of tislelizumab 200 mg with etoposide plus carboplatin or cisplatin intravenously every 3 weeks, followed by tislelizumab 200 mg as maintenance

Con­trol

Placebo (n = 230)

Placebo with etoposide plus carboplatin or cisplatin intravenously every 3 weeks, followed by placebo as maintenance

Out­come
Overall survival

defined as the time from randomization until death from any cause

no

100 % asiatic study population

Inter­ven­tion Event

 165 of 227 patients (73%)

Median OS

15.5 months [95% CI: 13.5– 17.1] 

Con­trol Event

191 of 230 patients (83%)

Median OS

13.5 months [95% CI: 12.1–14.9]

Re­sults per out­come

Statistically significant OS benefit for Tislelizumab plus chemotherapy versus placebo plus chemotherapy:

Stratified hazard ratio = 0.75 [95% confidence interval (CI): 0.61– 0.93]; one-sided p = 0.0040

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Overall survival Cheng, Y. et al., 2024 not serious not serious not serious
See footnote 1
not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “Overall survival” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Footnotes

Problems / Issues

1Indirectness

Comment

After consultation with clinical experts there is no indirectness due to study population. 

Outcome: Progression-free survival

Studien

  • Cheng, Y. et al., 2024, Tislelizumab Plus Platinum and Etoposide Versus Placebo Plus Platinum and Etoposide as First-Line Treatment for Extensive-Stage SCLC (RATIONALE-312): A Multicenter, Double-Blind, Placebo-Controlled, Randomized, Phase 3 Clinical Trial


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische Phase-3-Studie RATIONALE-312 (NCT04005716). Berichtet werden hier die publizierten Ergebnisse von Cheng et al. 2024. Die Studie wurde an 51 Zentren, ausschließlich in China, durchgeführt.

Randomisiert und ausgewertet wurden 457 Patienten mit „extensive-stage small-cell lung cancer (ES-SCLC) Stadium IV“, die als Erstlinientherapie entweder mit Tislelizumab mit Etoposid plus Carboplatin bzw. Cisplatin (Interventionsgruppe) oder Placebo mit Etoposid plus Carboplatin bzw. Cisplatin (Vergleichsgruppe) therapiert wurden (vier Zyklen alle drei Wochen). Im Anschluss wurde als Maintenance-Therapie Tislelizumab bzw. Placebo alleine gegeben. Zum Zeitpunkt der finalen Datenanalyse (data cutoff 19. April 2023), lag der mediane Studien-follow-up Zeitraum der ITT Population bei 14,2 Monaten (IQR 8.6–25.3).

Es zeigte sich eine signifikante Verbesserung im progressionsfreien Überleben (progression-free survival, PFS) nach Behandlung mit Tislelizumab plus Chemotherapie im Vergleich zu einer Behandlung mit Placebo plus Chemotherapie (mPFS 4,7 Monate vs. 4,3 Monate, HR 0,64 (95 %-KI 0,52–0,78), p = 0,0001). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome PFS HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Es sind keine Abwertungen erfolgt. 

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Cheng, Y. et al. 2024

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Low Risk Po­pu­la­tion

RATIONALE-312 Trial

 

Overall 457 patients with extensive-Stage SCLC

In­ter­ven­tion

Tislelizumab (n = 227) as first-line treatment

Four cycles of tislelizumab 200 mg with etoposide plus carboplatin or cisplatin intravenously every 3 weeks, followed by tislelizumab 200 mg as maintenance

Con­trol

Placebo (n = 230)

Placebo with etoposide plus carboplatin or cisplatin intravenously every 3 weeks, followed by placebo as maintenance

Out­come
Progression-free survival
n/a
no

100 % asiatic study population

Inter­ven­tion Event

176 patients [78%]

 

Median PFS:

4.7 months  [95% CI: 4.3–5.5]

Con­trol Event

207 patients [90%]

 

Median PFS:

4.3 months [95% CI: 4.2–4.4]

Re­sults per out­come

Significantly improved in the tislelizumab versus placebo arm:

Stratified hazard ratio = 0.64 [95% CI: 0.52–0.78]; p < 0.0001

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Progression-free survival Cheng, Y. et al., 2024 not serious not serious not serious
See footnote 1
not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “Progression-free survival” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Footnotes

Problems / Issues

1Indirectness

Comment

After consultation with clinical experts there is no indirectness due to study population. 

Outcome: UE

Studien

  • Cheng, Y. et al., 2024, Tislelizumab Plus Platinum and Etoposide Versus Placebo Plus Platinum and Etoposide as First-Line Treatment for Extensive-Stage SCLC (RATIONALE-312): A Multicenter, Double-Blind, Placebo-Controlled, Randomized, Phase 3 Clinical Trial


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische Phase-3-Studie RATIONALE-312 (NCT04005716). Berichtet werden hier die publizierten Ergebnisse von Cheng et al. 2024. Die Studie wurde an 51 Zentren, ausschließlich in China, durchgeführt.

Randomisiert und ausgewertet wurden 457 Patienten mit „extensive-stage small-cell lung cancer (ES-SCLC) Stadium IV“, die als Erstlinientherapie entweder mit Tislelizumab mit Etoposid plus Carboplatin bzw. Cisplatin (Interventionsgruppe) oder Placebo mit Etoposid plus Carboplatin bzw. Cisplatin (Vergleichsgruppe) therapiert wurden (vier Zyklen alle drei Wochen). Im Anschluss wurde als Maintenance-Therapie Tislelizumab bzw. Placebo alleine gegeben. Zum Zeitpunkt der finalen Datenanalyse (data cutoff 19. April 2023), lag der mediane Studien-follow-up Zeitraum der ITT Population bei 14,2 Monaten (IQR 8.6–25.3).

In der Interventionsgruppe kam es häufiger zu unerwarteten Ereignissen (UE, adverse events, AE) als in der Vergleichsgruppe. So kam es im Beobachtungszeitraum zu acht (4 %) Todesfällen in der Tislelizumab-plus-Chemotherapie-Gruppe, während es in der Placebo-Gruppe zu keinen Todesfällen kam, die auf unerwartete Ereignisse durch die Studienbehandlung zurückzuführen waren (treatment-related adverse events, TRAE).

Auch die Zahl der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse, die auf die Behandlung zurückzuführen waren, war in der Tislelizumab plus Chemotherapie-Gruppe mit 31 % (71 Patient*innen) höher als in der Placebo-Gruppe mit 18 % (41 Patient*innen). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome „Unerwartete Ereignisse“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Es sind keine Abwertungen erfolgt. 

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Cheng, Y. et al. 2024

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Low Risk Po­pu­la­tion

RATIONALE-312 Trial

 

Overall 457 patients with extensive-Stage SCLC

In­ter­ven­tion

Tislelizumab (n = 227) as first-line treatment

Four cycles of tislelizumab 200 mg with etoposide plus carboplatin or cisplatin intravenously every 3 weeks, followed by tislelizumab 200 mg as maintenance

Con­trol

Placebo (n = 230)

Placebo with etoposide plus carboplatin or cisplatin intravenously every 3 weeks, followed by placebo as maintenance

Out­come
UE

Adverse events (AE)

no

100 % asiatic study population

Inter­ven­tion Event

Eight patients (4%) in the tislelizumab arm experienced a TRAE leading to death.

Con­trol Event

No patients in the placebo arm experienced a TRAE leading to death.

Re­sults per out­come

Treatment-related AEs (TRAEs) were reported in 226 of 227 patients (>99%) in the tislelizumab arm and 228 of 229 patients (>99%) in the placebo arm.

TRAEs led to the discontinuation of therapy in 25 patients (11%) and four patients (2%) in the tislelizumab and placebo arms, respectively.

Treatment-related serious AEs were reported in 71 patients (31%) and 41 patients (18%) in the tislelizumab arm and placebo arm, respectively; all events with an incidence of 2% or more per arm were hematologic. 

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Adverse events Cheng, Y. et al., 2024 not serious not serious not serious
See footnote 1
not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “UE” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Footnotes

Problems / Issues

1Indirectness

Comment

After consultation with clinical experts there is no indirectness due to the study population. 

Atezolizumab und Lurbinectedin Erhaltungstherapie SCLC Stadium IV

Population: SCLC-Patienten im Stadium IV ohne Progress nach 4 Zyklen ChemoImmuntherapie mit Carboplatin/ Etoposid + Atezolizumab

Intervention: Erhaltungstherapie mit Atezolizumab und Lurbinectedin
Control: Erhaltungstherapie mit Atezolizumab
Setting:
Time:
Info:

Outcome: Overall survival

Studien

  • Paz-Ares, L. et al., 2025, Efficacy and safety of first-line maintenance therapy with lurbinectedin plus atezolizumab in extensive-stage small-cell lung cancer (IMforte): a randomised, multicentre, open-label, phase 3 trial


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische, open-label Phase-3-Studie IMforte (NCT05091567) mit weltweit verteilten Studienzentren. Berichtet werden hier die Ergebnisse der Publikation von Paz-Arez et al. 2025.

Randomisiert und ausgewertet wurden 483 Patienten nach Standard-Erstlinienbehandlung eines „extensive-stage small-cell lung cancer (ES-SCLC)“ ohne Voranschreiten, die entweder mit Lurbinectedin plus Atezolizumab (Interventionsgruppe) oder Atezolizumab alleine (Vergleichsgruppe) als Maintenance-Behandlung therapiert wurden. Zum Zeitpunkt der Datenauswertung (29. Juli 2024) betrug der median follow-up Zeitraum seit Randomisierung 15,0 Monate (IQR 8,6–18,3).

Das mediane Gesamtüberleben (overall survival, OS) war in der Interventionsgruppe (Lurbinectedin plus Atezolizumab) signifikant länger als in der Vergleichsgruppe (mOS 13,2 Monate vs. 10,6 Monate, HR 0,73 (95 % KI 0,57–0,95), p = 0,017). Auch die absolute Überlebensrate nach 12 Monaten war nach Maintenance-Behandlung mit Lurbinectedin plus Atezolizumab länger als nach Behandlung mit Atezolizumab alleine (56,3 % vs. 44,12 %). Die Subgruppenanalysen zeigen mehrheitlich ähnliche Effekte (nur exemplarisch extrahiert). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome „Gesamtüberleben“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Es sind keine Abwertungen erfolgt. 

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Paz-Ares, L. et al. 2025

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Low Risk Po­pu­la­tion

483 patients with ES-SCLC after standard first-line induction therapy with atezolizumab, carboplatin, and etoposide

IMforte, NCT05091567

Induction phase, Patients received four 21-day cycles of atezolizumab, carboplatin, and etoposide unless they experienced unacceptable toxic effects or disease progression per RECIST (version 1.1). 1200 mg intravenous atezolizumab was administered every 3 weeks. Carboplatin and etoposide were administered per institutional practice. 

In­ter­ven­tion

Lurbinectedin plus atezolizumab as maintenance (n= 242)

lurbinectedin (3.2 mg/m²) plus atezolizumab (1200 mg) administered i.v. every 3 weeks

Con­trol

Atezolizumab as maintenance therapy (n= 241)

1200 mg, administered i.v. every 3 weeks

Out­come
Overall survival

defined as the time from randomisation into the maintenance phase to death from any cause

no

Inter­ven­tion Event

median OS 13.2 months (95 % CI 11.9 - 16.4)

------------

at planned interim analysis n= 113/242 (47 %) had died

------------

12-month overall survival rate was 56.3 %

-------------------

Subgroups: 

Race: White mOS 13.5 months; events n = 92/195

Con­trol Event

median OS 10.6 months (95 % CI 9.5 - 12.2)

------------

at planned interim analysis n= 136/241 (56 %) had died

------------

12-month overall survival rate was 44.1% 

-------------------

Subgroups: 

Race: White mOS 10.1 months; events n = 118/199

Re­sults per out­come

HR 0.73 (95 % CI 0.57- 0.95), p = 0.017

------------

absolute risk reduction at 12 months was 12.1 % (95 % CI 1.97 – 22.31)

-------------------

Subgroups: 

Race: White HR 0.71 (0.54 - 0.94)

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Overall survival Paz-Ares, L. et al., 2025 not serious not serious not serious not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “Overall survival” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Outcome: Progression-free survival

Studien

  • Paz-Ares, L. et al., 2025, Efficacy and safety of first-line maintenance therapy with lurbinectedin plus atezolizumab in extensive-stage small-cell lung cancer (IMforte): a randomised, multicentre, open-label, phase 3 trial


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische, open-label Phase-3-Studie IMforte (NCT05091567) mit weltweit verteilten Studienzentren. Berichtet werden hier die Ergebnisse der Publikation von Paz-Arez et al. 2025.

Randomisiert und ausgewertet wurden 483 Patienten nach Standard-Erstlinienbehandlung eines „extensive-stage small-cell lung cancer (ES-SCLC)“ ohne Voranschreiten, die entweder mit Lurbinectedin plus Atezolizumab (Interventionsgruppe) oder Atezolizumab alleine (Vergleichsgruppe) als Maintenance-Behandlung therapiert wurden. Zum Zeitpunkt der Datenauswertung (29. Juli 2024) betrug der median follow-up Zeitraum seit Randomisierung 15,0 Monate (IQR 8,6–18,3).

Das mediane progressionsfreie Überleben (progression-free survival, PFS) war in der Interventionsgruppe (Lurbinectedin plus Atezolizumab) signifikant länger als in der Vergleichsgruppe (mPFS 5,4 Monate vs. 2,1 Monate, HR 0,54 (95 % KI 0,43–0,67), p = 0,0001). Die Subgruppenanalysen zeigen mehrheitlich ähnliche Effekte (nur exemplarisch extrahiert). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das „progressionsfreie Überleben“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Es sind keine Abwertungen erfolgt. 

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Paz-Ares, L. et al. 2025

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Low Risk Po­pu­la­tion

483 patients with ES-SCLC after standard first-line induction therapy with atezolizumab, carboplatin, and etoposide

IMforte, NCT05091567

Induction phase, Patients received four 21-day cycles of atezolizumab, carboplatin, and etoposide unless they experienced unacceptable toxic effects or disease progression per RECIST (version 1.1). 1200 mg intravenous atezolizumab was administered every 3 weeks. Carboplatin and etoposide were administered per institutional practice. 

In­ter­ven­tion

Lurbinectedin plus atezolizumab as maintenance (n= 242)

lurbinectedin (3.2 mg/m²) plus atezolizumab (1200 mg) administered i.v. every 3 weeks

Con­trol

Atezolizumab as maintenance therapy (n= 241)

1200 mg, administered i.v. every 3 weeks

Out­come
Progression-free survival

IRF progression-free survival; defined as the time from randomisation into the maintenance phase to disease progression 

no

Inter­ven­tion Event

Median IRF PFS 5.4 months (95 % CI 4.2 - 5.8)

---------

at clinical cutoff n= 174/242 (72 %) had disease progression

---------

6-month IRF progression-free survival rate was 41.2 % (12 months 20.5 %)

-------------------

Subgroups: 

Race: White mPFS 4.7 months; events n = 140/195

Con­trol Event

Median IRF PFS 2.1 months (95 % CI 1.6 - 2.7)

----------

at clinical cutoff n= 202/241 (84 %) had disease progression

---------

6-month IRF progression-free survival rate was 18.7 % (12 months 12.0 %)

-------------------

Subgroups: 

Race: White mPFS 2.1 months; events n = 167/199

Re­sults per out­come

HR 0.54 (95 % CI 0.43 - 0.67), p < 0.0001

-------------------

Subgroups: 

Race: White HR 0.58 (0.46 - 0.73)

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Progression-free survival Paz-Ares, L. et al., 2025 not serious not serious not serious not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “Progression-free survival” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Outcome: UE

Studien

  • Paz-Ares, L. et al., 2025, Efficacy and safety of first-line maintenance therapy with lurbinectedin plus atezolizumab in extensive-stage small-cell lung cancer (IMforte): a randomised, multicentre, open-label, phase 3 trial


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische, open-label Phase-3-Studie IMforte (NCT05091567) mit weltweit verteilten Studienzentren. Berichtet werden hier die Ergebnisse der Publikation von Paz-Arez et al. 2025.

Randomisiert und ausgewertet wurden 483 Patienten nach Standard-Erstlinienbehandlung eines „extensive-stage small-cell lung cancer (ES-SCLC)“ ohne Voranschreiten, die entweder mit Lurbinectedin plus Atezolizumab (Interventionsgruppe) oder Atezolizumab alleine (Vergleichsgruppe) als Maintenance-Behandlung therapiert wurden. Zum Zeitpunkt der Datenauswertung (29. Juli 2024) betrug der median follow-up Zeitraum seit Randomisierung 15,0 Monate (IQR 8,6–18,3).

In der Interventionsgruppe kam es häufiger zu unerwarteten Ereignissen (UE, adverse events, AE) als in der Vergleichsgruppe. So kam es im Beobachtungszeitraum zu 12 (5 %) Todesfällen in der Lurbinectedin-plus-Atezolizumab-Gruppe, während es in der Atezolizumab-Monotherapie-Gruppe zu sechs (3 %) Todesfällen kam.

Auch die Zahl der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse, die auf die Behandlung zurückzuführen waren, war in der Lurbinectedin plus Atezolizumab-Gruppe mit 12 % (28 Ereignisse) höher als in der Atezolizumab-Monotherapie-Gruppe mit 4 % (9 Ereignisse). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome „Unerwartete Ereignisse“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Es sind keine Abwertungen erfolgt. Die Studienqualität wurde nach dem Cochrane Risk-of-Bias-Tool 2 bewertet und insgesamt mit "Some concerns" eingestuft. Diese Einschätzung ergibt sich aus der fehlenden Verblindung des Studienpersonal, welche einen potentiellen Einfluss auf das Berichten haben könnte. Auf Abwertungen wurde jedoch verzichtet.

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Paz-Ares, L. et al. 2025

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Some concerns

Anmerkungen:

Domäne 4 Measurement of the outcome: Fehlende Verblindung könnte potentiell Einfluss auf Bericht von Adverse events haben.

Po­pu­la­tion

483 patients with ES-SCLC after standard first-line induction therapy with atezolizumab, carboplatin, and etoposide

IMforte, NCT05091567

Induction phase, Patients received four 21-day cycles of atezolizumab, carboplatin, and etoposide unless they experienced unacceptable toxic effects or disease progression per RECIST (version 1.1). 1200 mg intravenous atezolizumab was administered every 3 weeks. Carboplatin and etoposide were administered per institutional practice. 

In­ter­ven­tion

Lurbinectedin plus atezolizumab as maintenance (n= 242)

lurbinectedin (3.2 mg/m²) plus atezolizumab (1200 mg) administered i.v. every 3 weeks

Con­trol

Atezolizumab as maintenance therapy (n= 241)

1200 mg, administered i.v. every 3 weeks

Out­come
UE

Adverse events were assessed per National Cancer Institute Common Terminology Criteria for Adverse Events (version 5.0) and encoded using the Medical Dictionary for Regulatory Activities (version 27.0).

no

Inter­ven­tion Event

reported in 235/242 (97 %) patients

---------------

Adverse events considered related to any study treatment by the investigator occurred in 202 (83 %) of 242 patients in the lurbinectedin plus atezolizumab group. 

Deaths due to adverse events occurred in 12 (5 %) of 242 patients in this group. 

Treatment-related serious adverse events: 28 (12 %)

Con­trol Event

reported in 194/240 (81 %) patients

---------------

Adverse events considered related to any study treatment by the investigator occurred in 96 (40 %) of 240 patients in the atezolizumab group. 

Deaths due to adverse events occurred in six (3 %) of 240 patients in this group.

Treatment-related serious adverse events: 9 (4 %)

Re­sults per out­come

Grade 3-4 Adverse events: 92/242 (38 %) patients in the intervention group and 53/240 (22 %) patients in the control group.

Most common grade 3–4 events in the lurbinectedin plus atezolizumab group were anaemia (20 [8 %] of 242 patients), decreased neutrophil count (18 [7 %] patients), and decreased platelet count (18 [7 %] patients) and the most common events in the atezolizumab group were hyponatremia (five [2 %] of 240 patients), dyspnoea (four [2 %] patients), and pneumonia (four [2 %] patients).

Grade 5 adverse events occurred in 12 (5 %) of 242 patients in the lurbinectedin plus atezolizumab group and six (3 %) of 240 patients in the atezolizumab group. The incidence of myelosuppressive toxicities (eg, neutropenia and leukopenia) was higher in the lurbinectedin plus atezolizumab group than the atezolizumab group.

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Adverse events Paz-Ares, L. et al., 2025 not serious not serious not serious not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “UE” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Tarlatamab-Monotherapie als second-line Therapie SCLC-Patienten

Population: Patienten mit SCLC Stadium IV nach Erstlinientherapie

Intervention: Tarlatamab-Monotherapie als second-line Therapie
Control: Chemotherapie (Topotecan, Anthra¬zyklinhaltige Kombination, sowie Paclitaxel– oder Irinotecan-haltige Protokolle)
Setting:
Time:
Info:

Outcome: Overall survival

Studien

  • Mountzios, G. et al., 2025, Tarlatamab in Small-Cell Lung Cancer after Platinum-Based Chemotherapy


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische, open-label Phase-3-Studie DeLLphi-304 (NCT05740566), die an weltweit verteilten Studienzentren durchgeführt wurde. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Publikation von Mountzios et al. 2025 berichtet (Interimsanalyse).

Randomisiert und ausgewertet wurden insgesamt 509 Patienten mit "Small-Cell Lung Cancer (SCLC)", deren Erkrankung nach Standard-Erstlinienbehandlung mit platinbasierter Chemotherapie vorangeschritten ist. In der vorliegenden Studie erhielten die Patienten entweder Tarlatamab (Interventionsgruppe) oder Chemotherapie (Vergleichsgruppe) als Zweitlinientherapie.
Zum Zeitpunkt der Datenauswertung (29.01.2025, Interimsanalyse) betrug die mediane Nachbeobachtungszeit seit Randomisierung 11,2 Monate in der Interventionsgruppe und 11,7 Monate in der Vergleichsgruppe.

Das mediane Gesamtüberleben (overall survival, OS) war unter Tarlatamab signifikant länger als unter Chemotherapie (mOS 13,6 Monate vs. 8,3 Monate, HR 0,60; 95 %-KI: 0,47 bis 0,77; p < 0,001). Auch die absolute Überlebensrate nach 12 Monaten war in der Tarlatamab-Gruppe höher als in der Vergleichsgruppe (53 % vs. 37 %). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der vorliegenden Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome „Gesamtüberleben“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Die Studienqualität wurde nach dem Cochrane Risk-of-Bias-Tool 2 bewertet und insgesamt mit "Some concerns" eingestuft. Diese Einschätzung ergibt sich aus einem höheren Anteil fehlender Daten in der Vergleichsgruppe im Vergleich zur Interventionsgruppe. Eine Abwertung erfolgte jedoch bisher nicht.

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Mountzios, G. et al. 2025

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Some concerns

Anmerkungen:

Domäne 3: Missing outcomes: Höherer Anteil fehlender Daten in Vergleichsgruppe im Vergleich zu Interventionsgruppe

Po­pu­la­tion

DeLLphi-304 Trial

 

Second-line treatment in patients with small-cell lung cancer whose disease had progressed during or after platinum-based chemotherapy (n = 509)

In­ter­ven­tion

Tarlatamab (n = 254)

-60-minute intravenous infusion initiated with a step up dose of 1 mg on day 1 of cycle 1, followed by 10 mg on days 8 and 15 of cycle 1 and then 10 mg every 2 weeks thereafter in 28-day cycles

Con­trol

Chemotherapy (n = 255)

-topotecan, lurbinectedin, or amrubicin

-administered in 21-day cycles 

Out­come
Overall survival
n/a
no

Inter­ven­tion Event

111/254 

Median overall survival tarlatamab: 13.6 months [95% confidence interval {CI}, 11.1 to not reached] 

Con­trol Event

152/255

Median overall survival chemotherapy: 8.3 months [95% CI, 7.0 to 10.2]

Re­sults per out­come

Median duration of follow-up was 11.2 months in the tarlatamab group and 11.7 months in the chemotherapy group.

Treatment with tarlatamab resulted in significantly longer overall survival than chemotherapy:

Stratified hazard ratio for death: 0.60; 95% CI, 0.47 to 0.77; P<0.001

Overall survival in the tarlatamab group was 76% at 6 months and 53% at 12 months as compared with 62% at 6 months and 37% at 12 months in the chemotherapy group.

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Overall survival Mountzios, G. et al., 2025 not serious not serious not serious not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “Overall survival” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Outcome: Progression-free survival

Studien

  • Mountzios, G. et al., 2025, Tarlatamab in Small-Cell Lung Cancer after Platinum-Based Chemotherapy


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische, open-label Phase-3-Studie DeLLphi-304 (NCT05740566), die an weltweit verteilten Studienzentren durchgeführt wurde. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Publikation von Mountzios et al. 2025 berichtet (Interimsanalyse).

Randomisiert und ausgewertet wurden insgesamt 509 Patienten mit "Small-Cell Lung Cancer (SCLC)", deren Erkrankung nach Standard-Erstlinienbehandlung mit platinbasierter Chemotherapie vorangeschritten ist. In der vorliegenden Studie erhielten die Patienten entweder Tarlatamab (Interventionsgruppe) oder Chemotherapie (Vergleichsgruppe) als Zweitlinientherapie.
Zum Zeitpunkt der Datenauswertung (29.01.2025, Interimsanalyse) betrug die mediane Nachbeobachtungszeit seit Randomisierung 11,2 Monate in der Interventionsgruppe und 11,7 Monate in der Vergleichsgruppe.

Das mediane progressionsfreie Überleben (progression-free survival, PFS) war unter Tarlatamab signifikant länger als unter Chemotherapie (4,2 Monate vs. 3,7 Monate; HR 0,71; 95 %-KI: 0,59 bis 0,86); p = 0,002). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der vorliegenden Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome „Progressionsfreies Überleben“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Die Studienqualität wurde nach dem Cochrane Risk-of-Bias-Tool 2 bewertet und insgesamt mit "Some concerns" eingestuft. Diese Einschätzung ergibt sich aus einem höheren Anteil fehlender Daten in der Vergleichsgruppe im Vergleich zur Interventionsgruppe. Eine Abwertung erfolgte jedoch bisher nicht. 

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Mountzios, G. et al. 2025

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Some concerns

Anmerkungen:

Domäne 3: Missing outcomes: Höherer Anteil fehlender Daten in Vergleichsgruppe im Vergleich zu Interventionsgruppe

Po­pu­la­tion

DeLLphi-304 Trial

 

Second-line treatment in patients with small-cell lung cancer whose disease had progressed during or after platinum-based chemotherapy (n = 509)

In­ter­ven­tion

Tarlatamab (n = 254)

-60-minute intravenous infusion initiated with a step up dose of 1 mg on day 1 of cycle 1, followed by 10 mg on days 8 and 15 of cycle 1 and then 10 mg every 2 weeks thereafter in 28-day cycles

Con­trol

Chemotherapy (n = 255)

-topotecan, lurbinectedin, or amrubicin

-administered in 21-day cycles 

Out­come
Progression-free survival
n/a
no

Inter­ven­tion Event

Tarlatamab:

Median progression-free survival: 4.2 months (95% CI, 3.4 to 4.5)

Con­trol Event

Chemotherapy: 3.7 months (95% CI, 2.9 to 4.2)

Re­sults per out­come

Piecewise weighted average hazard ratio for progression or death, 0.71 (95% CI, 0.59–0.86) P=0.002

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Progression-free survival Mountzios, G. et al., 2025 not serious not serious not serious not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “Progression-free survival” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Outcome: Quality of Life

Studien

  • Mountzios, G. et al., 2025, Tarlatamab in Small-Cell Lung Cancer after Platinum-Based Chemotherapy


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische, open-label Phase-3-Studie DeLLphi-304 (NCT05740566), die an weltweit verteilten Studienzentren durchgeführt wurde. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Publikation von Mountzios et al. 2025 berichtet (Interimsanalyse).

Randomisiert und ausgewertet wurden insgesamt 509 Patienten mit "Small-Cell Lung Cancer (SCLC)", deren Erkrankung nach Standard-Erstlinienbehandlung mit platinbasierter Chemotherapie vorangeschritten ist. In der vorliegenden Studie erhielten die Patienten entweder Tarlatamab (Interventionsgruppe) oder Chemotherapie (Vergleichsgruppe) als Zweitlinientherapie.
Zum Zeitpunkt der Datenauswertung (29.01.2025, Interimsanalyse) betrug die mediane Nachbeobachtungszeit seit Randomisierung 11,2 Monate in der Interventionsgruppe und 11,7 Monate in der Vergleichsgruppe.

Körperliche Funktionsfähigkeit und globaler Gesundheitsstatus wurden mithilfe des EORTC-QLQ-C30 sowie des QLQ-LC13 erfasst.

Während der Behandlung zeigte sich nach 19 Wochen eine Verbesserung der Lebensqualität zugunsten der Interventionsgruppe mit einer mittleren zwischen den Gruppen bestehenden Differenz von 10,35 Punkten für die körperliche Funktionsfähigkeit (95 %-KI: 6,00 bis 14,69) und 8,93 Punkten für den globalen Gesundheitsstatus (95 %-KI: 5,04 bis 12,83). Weitere Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der vorliegenden Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome „Lebensqualität“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Die Studienqualität wurde nach dem Cochrane Risk-of-Bias-Tool 2 bewertet und insgesamt mit "Some concerns" eingestuft. Diese Einschätzung ergibt sich aus einem höheren Anteil fehlender Daten in der Vergleichsgruppe im Vergleich zur Interventionsgruppe. Eine Abwertung erfolgte jedoch bisher nicht. 

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Mountzios, G. et al. 2025

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Some concerns

Anmerkungen:

Domäne 3: Missing outcomes: Höherer Anteil fehlender Daten in Vergleichsgruppe im Vergleich zu Interventionsgruppe

Domäne 4 Measurement of the outcome: Fehlende Verblindung könnte potentiell Einflussnahme auf Outcome Messung haben

Po­pu­la­tion

DeLLphi-304 Trial

 

Second-line treatment in patients with small-cell lung cancer whose disease had progressed during or after platinum-based chemotherapy (n = 509)

In­ter­ven­tion

Tarlatamab (n = 254)

-60-minute intravenous infusion initiated with a step up dose of 1 mg on day 1 of cycle 1, followed by 10 mg on days 8 and 15 of cycle 1 and then 10 mg every 2 weeks thereafter in 28-day cycles

Con­trol

Chemotherapy (n = 255)

-topotecan, lurbinectedin, or amrubicin

-administered in 21-day cycles 

Out­come
Quality of Life

Physical functioning and global health status

assessed with the European Organisation for Research and Treatment of Cancer quality of life questionnaire–core 30 and 13-item lung cancer module

no

Inter­ven­tion Event
Con­trol Event
Re­sults per out­come

While patients were receiving treatment:

The mean between-group difference in the change at week 19 in the physical functioning score was 10.35 points (95% CI, 6.00 to 14.69), and the mean between-group difference in the global health status score was 8.93 points (95% CI, 5.04 to 12.83).

All patient-reported data 

For physical functioning, the mean between-group difference in the score was 5.98 points (95% CI, 2.75 to 9.22). For global health status, the mean between-group difference in the score was 5.04 points (95% CI, 2.46 to 7.62).

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Quality of life Mountzios, G. et al., 2025 not serious not serious not serious not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “Quality of Life” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Outcome: UE

Studien

  • Mountzios, G. et al., 2025, Tarlatamab in Small-Cell Lung Cancer after Platinum-Based Chemotherapy


Einleitung

Die systematische Suche nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) ergab die randomisierte, multizentrische, open-label Phase-3-Studie DeLLphi-304 (NCT05740566), die an weltweit verteilten Studienzentren durchgeführt wurde. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Publikation von Mountzios et al. 2025 berichtet (Interimsanalyse).

Randomisiert und ausgewertet wurden insgesamt 509 Patienten mit "Small-Cell Lung Cancer (SCLC)", deren Erkrankung nach Standard-Erstlinienbehandlung mit platinbasierter Chemotherapie vorangeschritten ist. In der vorliegenden Studie erhielten die Patienten entweder Tarlatamab (Interventionsgruppe) oder Chemotherapie (Vergleichsgruppe) als Zweitlinientherapie.
Zum Zeitpunkt der Datenauswertung (29.01.2025, Interimsanalyse) betrug die mediane Nachbeobachtungszeit seit Randomisierung 11,2 Monate in der Interventionsgruppe und 11,7 Monate in der Vergleichsgruppe.

Unerwünschte Ereignisse (adverse events) Grad ≥ 3 traten unter Tarlatamab seltener auf als unter Chemotherapie (54 % vs. 80 %). Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse Grad ≥ 3 traten unter Tarlatamab ebenfalls seltener auf (27 % vs. 62 %).  Behandlungsbedingte Todesfälle traten insgesamt nur selten auf (< 1 % vs. 2 %). Details können der unten stehenden Tabelle entnommen werden.

Da es sich bei der vorliegenden Studie um ein RCT handelt, wird die Qualität der vorliegenden Evidenz entsprechend der GRADE-Methode für das Outcome „Unerwünschte Ereignisse“ HOCH (⊕⊕⊕⊕) bewertet. Die Studienqualität wurde nach dem Cochrane Risk-of-Bias-Tool 2 bewertet und insgesamt mit "Some concerns" eingestuft. Diese Einschätzung ergibt sich aus einem höheren Anteil fehlender Daten in der Vergleichsgruppe im Vergleich zur Interventionsgruppe sowie aufgrund der fehlenden Verblindung bei Vorliegen eines selbstberichteten Outcomes. Eine Abwertung erfolgte jedoch bisher nicht. 

 

Study details Study quality Studycharacter­istics Indirectness Partici­pants Effect
Au­thor
Mountzios, G. et al. 2025

Study type
Randomized_Controlled_Trial
Some concerns

Anmerkungen:

Domäne 3: Missing outcomes: Höherer Anteil fehlender Daten in Vergleichsgruppe im Vergleich zu Interventionsgruppe

Domäne 4 Measurement of the outcome: Fehlende Verblindung könnte potentiell Einflussnahme auf Outcome Messung haben

Po­pu­la­tion

DeLLphi-304 Trial

 

Second-line treatment in patients with small-cell lung cancer whose disease had progressed during or after platinum-based chemotherapy (n = 509)

In­ter­ven­tion

Tarlatamab (n = 254)

-60-minute intravenous infusion initiated with a step up dose of 1 mg on day 1 of cycle 1, followed by 10 mg on days 8 and 15 of cycle 1 and then 10 mg every 2 weeks thereafter in 28-day cycles

Con­trol

Chemotherapy (n = 255)

-topotecan, lurbinectedin, or amrubicin

-administered in 21-day cycles 

Out­come
UE
n/a
no

Inter­ven­tion Event
Con­trol Event
Re­sults per out­come

Any adverse event: Tarlatamab 99% vs. Chemotherapy 100%

Adverse event of grade 3 or higher: 54% vs. 80%

Serious adverse event: 51% vs. 51%

Adverse event resulting in death: 8% vs. 9%

Adverse event related to treatment: 93% vs. 91%

Adverse event related to treatment of grade 3 or higher: 27% vs. 62%

Serious adverse events related to treatment: 28% vs. 31%

Adverse event related to treatment resulting in death:  <1% vs. 2%

GRADE apprai­sal
Study type Outcome / descript­ion Litera­ture Risk of bias Inconsis­ten­cy Indi­rect­ness Impre­cision Other considerations GRADE
RCT Unerwünschte Ereignisse Mountzios, G. et al., 2025 not serious not serious not serious not serious

Publication bias: Undetected

Following the approach of the GRADE Working Group, the overall quality of evidence for the endpoint “UE” was rated as High ⊕⊕⊕⊕

Literaturhinweise

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[1486] Johnson, P. W., Joel, S. P., Love, S., Butcher, M., Pandian, M. R., Squires, L., et.al. Tumour markers for prediction of survival and monitoring of remission in small cell lung cancer, Br J Cancer, 1993. 67(4): p. 760-766., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8385978/

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