Leitlinienprogramm OnkologieKomplementärmedizin

4. Medizinische Systeme (whole medical systems) – Komplementärmedizin

Version 2.0 · Mai 2024 · AWMF 032-055OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Darunter werden ganzheitliche Behandlungsmethoden beschrieben, die sich durch eine die konventionelle Medizin meist ergänzende, eigene medizinische Krankheits- und Behandlungstheorie auszeichnen. Dieses Kapitel umfasst die klassischen Naturheilverfahren, Akupunktur und Akupressur aus der traditionellen chinesischen Medizin, anthroposophische Medizin und Homöopathie.

4.1 Akupunktur

4.1 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einer systematischen Übersichtsarbeit und zwei RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Vorbeugung von verzögerter Übelkeit und Erbrechen bei Patienten mit platinbasierter Chemotherapie vor. Akupunktur kann, zusätzlich zur antiemetischen Therapie, zur Vorbeugung von verzögerter Übelkeit und Erbrechen bei diesen Patienten erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2a
Konsens
Konsens
Literatur
[12] [13] [14]
Evidenztabellen (3)Garcia et. al. (2013); Rithirangsriroj et. al. (2015); Zhou et. al. (2017)
4.2 · Evidenzbasiertes Statement · modifiziert 2024

Es liegen Daten aus 1 RCT zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei onkologischen Patienten während Radiotherapie vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen die Anwendung von Akupunktur zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen während Radiotherapie bei Patienten mit dieser Indikation gegeben werden.

Evidenzlevel
2b
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[15]
ÄnderungshinweisEs liegen Daten aus einem RCT zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei onkologischen Patienten während Radiotherapie vor. Akupunktur kann nicht zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen während Radiotherapie erwogen werden.
Evidenztabellen (1)Enblom et. al. (2012)
4.3 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen heterogene Daten aus zwei systematischen Reviews und vier weiteren RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur auf Hitzewallungen bei onkologischen Patienten vor. Akupunktur hat weniger Nebenwirkungen als eine medikamentöse Therapie mit Gabapentin/ Venlafaxin bei vergleichbarer Wirkung. Akupunktur kann zur Reduktion der Hitzewallungen bei diesen Patienten erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[16] [17] [18] [19] [20] [21]
Evidenztabellen (6)Hervik et. al. (2016); Pan et. al. (2018); Bokmand et. al. (2013); Frisk et. al. (2012); Lesi et. al. (2016); Walker et. al. (2010)
4.4 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einer Metaanalyse über 4 RCTs und einem weiteren RCT zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Senkung von Gelenkschmerzen vor, die bei Brustkrebspatientinnen durch Aromataseinhibitoren hervorgerufenen wurden. Akupunktur sollte bei diesen Patientinnen empfohlen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1a
Konsens
Konsens
Literatur
[22] [23] [24]
Evidenztabellen (3)Chen et. al. (2017); Chiu et. al. (2017); Hershman et. al. (2018) Akupunktur
4.5 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus zwei systematischen Reviews über 9 RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Senkung von Tumorschmerzen bei onkologischen Patienten vor. Akupunktur sollte zur Senkung der Tumorschmerzen und/ oder Einsparung von Analgetika bei diesen Patienten empfohlen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1a
Konsens
Konsens
Literatur
[25] [26]
Evidenztabellen (1)Paley et. al. (2015)
4.6 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einem RCT zur Wirksamkeit von Elektroakupunktur zur Senkung postoperativer Schmerzen bei Patienten vor, die einer Prostatektomie unterzogen wurden. Elektroakupunktur kann postoperativ als analgetisches und Analgetika-sparendes Verfahren bei diesen Patienten erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1b
Konsens
Konsens
Literatur
[27]
Evidenztabellen (1)Ntritsou et. al. (2014)
4.7 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einem RCT zur Wirksamkeit von Elektroakupunktur zur Senkung postoperativer Schmerzen bei Patienten während Hirntumoroperationen vor. Elektroakupunktur kann während Hirntumoroperationen zur kurzfristigen postoperativen Senkung von Schmerzen und bei Schmerzmittelbedarf erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2b
Konsens
Konsens
Literatur
[28]
Evidenztabellen (1)An et. al. (2014)
4.8 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einer Metaanalyse und zwei RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur bei Chemotherapie-induzierten peripheren neuropathischen Schmerzen vor. Akupunktur kann bei diesen Beschwerden erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[29] [30] [31]
Evidenztabellen (3)Ju et. al. (2017); Greenlee et. al. (2016); Molassiotis et. al. (2019)
4.9 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Ergebnisse aus zwei Metaanalysen über 6 und 5 RCTs und drei weiteren RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Senkung der Cancer Related Fatigue bei onkologischen Patienten vor. Akupunktur kann zur Senkung der Cancer Related Fatigue bei diesen Patienten erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1a
Konsens
Konsens
Literatur
[16] [32] [33] [34] [35]
Evidenztabellen (5)Pan et. al. (2018); Zeng et. al. (2014); Brinkhaus et. al. (2019); Deng et. al. (2013); Garland et. al. (2019)
4.10 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegt ein systematisches Review über 4 RCTs und 3 weitere RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Reduktion von Ein- und Durchschlafstörungen bei onkologischen Patienten vor. Akupunktur kann zur Reduktion von Ein- und Durchschlafstörungen bei diesen Patienten erwogen werden, wenn eine gezielte Verhaltenstherapie aufgrund mangelnder Verfügbarkeit nicht angeboten werden kann oder die Patienten diese ablehnen.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[15] [32] [36] [37]
Evidenztabellen (3)Choi et. al. (2017); Enblom et. al. (2012); Garland et. al. (2019)
4.11 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einem systematischen Review über 4 RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Vorbeugung von Symptomen der Xerostomie während einer Radio- /Chemotherapie vor. Akupunktur kann während einer Radio-/Chemotherapie zur Vorbeugung von Symptomen der Xerostomie und zur Anregung des Speichelflusses bei Patienten mit Kopf-Hals Tumoren erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[38]
Evidenztabellen (1)Assy et. al. (2018)
4.12 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einem systematischen Review über 5 RCTs und einer Metaanalyse über 2 dieser RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Reduktion der subjektiven Symptome der Xerostomie nach einer adjuvanten Radiotherapie bei onkologischen Patienten vor. Akupunktur kann in dieser Situation zur Reduktion der subjektiven Symptome der Xerostomie erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[38] [39]
Evidenztabellen (2)Assy et. al. (2018); Furness et. al. 2013
4.13 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einem systematischen Review über 6 RCTs und 3 weiteren RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Wiederherstellung der Darmfunktion nach Operation bei Kolonkarzinompatienten vor. Akupunktur kann zur Verringerung der Zeit bis zum ersten Stuhlgang und zur Senkung des Opioidverbrauchs als zusätzliche Maßnahme bei diesen Patienten erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[40] [41] [42] [43]
Evidenztabellen (3)Jung et. al. (2017); You et. al. (2018); Zhao et. al. (2018)
4.14 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einem RCT zur Wirksamkeit von Akupunktur auf die subjektive und objektive kognitive Beeinträchtigung bei Brustkrebspatientinnen unter adjuvanter Chemotherapie vor. Akupunktur kann bei diesen Patientinnen zur Verbesserung der kognitiven Beeinträchtigung erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2b
Konsens
Konsens
Literatur
[44]
Evidenztabellen (1)Tong et. al. (2018)
4.15 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus 3 Metaanalysen, einer systematischen Übersichtsarbeit und 13 weiteren RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Verbesserung der globalen und tumorspezifischen Lebensqualität bei onkologischen Patienten während und nach onkologischer Therapie vor. Akupunktur kann zur Verbesserung der globalen und tumorspezifischen Lebensqualität bei diesen Patienten erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1a
Konsens
Konsens
Literatur
[16] [29] [34] [45] [33] [14] [13] [32] [19] [31] [46] [18] [24] [35] [43] [47]
Evidenztabellen (16)Ju et. al. (2017); Pan et. al. (2018); Pan-Weisz et. al. (2019); Zeng et. al. (2014); Brinkhaus et. al. (2019); Deng et. al. (2013); Garland et. al. (2019); Hershman et. al. (2018) Akupunktur; Lesi et. al. (2016); Minchom et. al. (2016); Molassiotis et. al. (2012); Molassiotis et. al. (2019); Rithirangsriroj et. al. (2015); Walker et. al. (2010); Zhao et. al. (2018); Zhou et. al. (2017)
4.16 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus 3 RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Reduzierung von Depressivität* bei Brustkrebspatientinnen nach Abschluss von Chemotherapie oder unter Therapie mit Aromataseinhibitoren vor. Akupunktur kann zur Reduktion von Depressivität* bei diesen Patientinnen erwogen werden.

*Depressivität ist als subklinische Ausprägung zu verstehen, nicht als diagnostizierte Depression (ICD F32)

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1b
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[19] [46] [48]
Evidenztabellen (3)Mao et. al. (2014); Molassiotis et. al. (2012); Walker et. al. (2010)
4.17 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus 3 RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Reduzierung der Angst bei Brustkrebspatientinnen nach Abschluss von Chemotherapie oder unter Therapie mit Aromataseinhibitoren vor. Akupunktur kann zur Reduktion der Angst bei diesen Patientinnen erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1b
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[46] [48] [49]
Evidenztabellen (3)Bao et. al. (2014); Mao et. al. (2014); Molassiotis et. al. (2012)

Akupunktur ist das Stechen definierter Punkte der Körperoberfläche mit Nadeln zu therapeutischen Zwecken. Im Chinesischen wird der Begriff Zhen Jiu verwendet, was „Stechen und Abbrennen“ bedeutet und zeigt, dass zu dem Stechen auch lokale Wärmeanwendungen (Moxibustion) gerechnet werden. Das basale Konzept der Akupunktur besteht in der Annahme, dass durch das Einstechen von Nadeln in definierte Körperstellen Störungen des Organismus positiv beeinflusst werden können.

Aus traditioneller Sicht vermag die Nadeltherapie den Qi-Fluss in den Leitbahnen zu regulieren, pathogene Faktoren zu vertreiben, Obstruktionen aufzulösen und Disharmonien der inneren Organe zu behandeln. Aus westlich-naturwissenschaftlicher Sicht kann Akupunktur als Reizereignis verstanden werden, das über lokale und systemische Angriffspunkte, schmerzhemmende und regulationsfördernde Mechanismen auf neuronaler, vegetativer und hormoneller Ebene auslöst.

Elektroakupunktur ist eine Form der Akupunktur, bei der elektrischer Strom zwischen zwei Akupunkturnadeln geleitet wird. Eine einfache Abwandlung der Akupunktur ist die Akupressur, die sich deshalb auch für die Selbstbehandlung eignet. Hier werden die Akupunkturpunkte durch Fingerdruck stimuliert.

Beim Einsatz von Akupunktur in der Onkologie geht es nicht darum, die Grunderkrankung, sondern vielmehr entstehende Symptome zu behandeln. Dabei ist es unerheblich, ob diese durch den Tumor oder die Therapie verursacht werden. Zur Beurteilung der Evidenz liegen einige Übersichtsarbeiten und einzelne klinische Studien vor.

Überblick:
Es liegen Daten [2 SRs über je 1 und 3 RCTs, 3 MAs über je 16, 2 und 4 RCTs und 12 weitere RCTs] zum Einfluss von Akupunktur auf chemotherapieinduzierte Übelkeit und Erbrechen, Hitzewallungen, Nebenwirkungen, Lymphödem, subjektive und objektive kognitive Beeinträchtigung, Lebensqualität, Arthralgie (Aromataseinhibitoren-induzierter Gelenkschmerz), neuropathischen Schmerz, Fatigue, Depressivität und Angst bei Patienten mit Brustkrebs vor. Bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen liegen Daten [3 MAs über je 1, 8 und 6 RCTs, 1 SR über 3 RCTs und 12 weitere RCTs] zum Einfluss von Akupunktur auf Übelkeit und Erbrechen, Dyspnoe, Krebsschmerzen, Reduktion der Schmerzmedikation, Cancer related Fatigue, Lebensqualität, Depressivität, Angst und Schlafqualität vor.

Weitere Daten zum Einfluss von Akupunktur auf verschiedene Parameter liegen für Patienten mit spezifischen Krebsdiagnosen vor: 1 RCT zu Übelkeit und Erbrechen bei Patienten mit gynäkologischem Krebs, sowie 1 RCT hierzu bei Patienten mit Magenkarzinom, 1 RCT zur Wiederherstellung der Blasenfunktion nach Operation bei Rektumkarzinompatienten, sowie 1 RCT hierzu bei Cervix-Karzinom Patienten, 1 SR über 1 RCT zu Lebensqualität bei Patienten mit Astrozytom Grad II mit Hemiparese, 1 RCT zu Krebsschmerzen bei Patienten mit multiplem Myelom nach autologer Stammzelltransplantation, 1 RCT zu postoperativem Schmerz bei Patienten mit Prostata-Karzinom, die einer Prostatektomie unterzogen wurden, sowie 1 RCT zu diesem Parameter bei Patienten mit Meningeom und Gliom nach Hirntumoroperation, 1 RCT zu chemotherapieinduzierten neuropathischen Schmerzen bei Patienten mit multiplen Myelomen, 1 MA über 6 RCTs zu postoperativem Ileus bei Kolonkarzinompatienten, sowie 1 RCT hierzu bei Rektumkarzinompatienten und 2 weitere RCTs bei Magen-Karzinom Patienten , sowie 1 SR über 7 RCTs zu Xerostomie und Speichelfluss bei Patienten mit Kopf-und Halskarzinom.

Übelkeit und Erbrechen während Chemotherapie (zu Empfehlung 4.1)

Es liegen Daten aus zwei RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit/Erbrechen unter Chemotherapie vor, die Ergebnisse zur Vorbeugung von verzögerter Übelkeit und verzögertem Erbrechen (CINV) bei Patienten mit platinbasierter Chemotherapie vorweisen. Eine systematische Übersichtsarbeit hatte Übelkeit/Erbrechen als sekundären Zielparameter erfasst.

In der systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Garcia et al. (2013) wurde ein RCT eingeschlossen, das bei n = 104 Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen Elektroakupunktur gegen Sham-Akupunktur und gegen Antiemetika (jeweils zusätzlich zu Standardtherapie, 1x täglich über 5 Tage, 9 Tage follow-up) testete [12]. Erster Zielparameter war die Anzahl der Emesis-Perioden. Weiterer Zielparameter waren die Anzahl der Emesis-freien Tage. Post-Intervention waren Übelkeit und Erbrechen in der Verum-Akupunkturgruppe signifikant geringer als in beiden Kontrollgruppen: versus Sham betrug die Standardmittelwertdifferenz SMD = 1.10 (p = 0.01), versus Antiemetikum SMD = 0.80 (p < 0.001). Die Emesis-freien Tage waren in der Verum-Akupunkturgruppe signifikant größer verglichen sowohl mit Sham-Akupunktur also auch mit Antiemetika. Nach dem Follow-up hatten sich die Werte der drei Gruppen wieder angeglichen. Die Qualität dieser Studie wurde mit geringem Bias Risiko bewertet, i.e. die Studien-Methodik erscheint gut. Angaben zu unerwünschten Ereignissen wurden nicht gemacht.

In dem ersten RCT wurden 70 Patienten mit gynäkologischen Tumoren vor Beginn des ersten Chemotherapie-Zyklus Akupunktur im Punkt P6 gegen eine Pseudo-Placebo Gruppe verglichen, welche 8mg Ondansetron (keine nachweislichen Effekte auf verzögerte Übelkeit) erhielt [13]. Zum nächsten Zyklus wurden die Gruppen getauscht. Zusätzlich erhielten alle Teilnehmerinnen für 3 Tage 5mg Dexamethasone (oral) und bei Bedarf alle 12 Stunden 4mg Ondansetron. Primärer Zielparameter war die Response-Rate, sekundäre Zielparameter waren Übelkeit, Erbrechen, Bedarfsmedikation, Nebenwirkungen und Lebensqualität. Das Ergebnis bezüglich des primären Zielparameters war für die Prävention von akuter CINV nicht signifikant, allerdings zeigte die Akupunkturgruppe eine signifikant höhere Rate bei der Prävention von verzögerter CINV (52,8% und 35,7%, p = 0.02). Im Vergleich zur Placebo-Gruppe berichtete die Akupunkturgruppe auch über eine signifikant geringere verzögerte Übelkeit (45,7% und 65,7%, p = 0.004), aber nicht über weniger akute Übelkeit oder weniger Erbrechen (weder akut noch verzögert). Die Akupunkturgruppe erzielte zudem einen signifikant niedrigeren Übelkeits-Score (p < 0.001) als die Placebo-Gruppe und sie benötigte weniger Dosierungen von zusätzlichem oralem Ondansetron (p = 0.002). Die Nebenwirkungen waren in der Akupunkturgruppe mit weniger häufiger Verstopfung (p = 0.02) und Schlaflosigkeit (p = 0.01) ebenfalls signifikant geringer. Insgesamt waren die FACT-G-Werte (Functional Assessment of Cancer Therapy - General) zur Lebensqualität in der Akupunkturgruppe signifikant höher (p = 0.03). Die unerwünschten Ereignisse beliefen sich auf 42 in der Akupunktur- und 66 in der Ondansetron-Gruppe. 

In dem zweiten RCT haben Zhou et al. (2017) n = 56 Magenkarzinompatienten unter Chemotherapie (Oxaliplatin–Paclitaxel) in zwei gleich große Gruppen randomisiert [14]. Die erste Gruppe erhielt zusätzlich zwei Wochen lang täglich eine 30-minütige Akupunkturbehandlung. Sowohl die Kontroll- als auch die Akupunkturgruppe erhielten keine weitere Antiemese, was bei dieser emetogenen Chemotherapie nicht der Standardbehandlung entspricht. Die Endpunkte wurden nicht priorisiert: Krankenhausverweildauer, Erbrechen, Durchfall, therapieinduzierte Bauchschmerzen und Lebensqualität. Die Übelkeit hielt in der Kontrollgruppe bzw. in der Versuchsgruppe 32 ± 5 Minuten und 11 ± 3 Minuten täglich an (p < 0.05). Im Durchschnitt trat in der Versuchsgruppe 2 ± 1 Mal täglich und in der Kontrollgruppe 4 ± 1 Mal täglich Erbrechen auf (p < 0.05). Bei den Patienten, die Akupunktur erhielten, wurden keine unerwünschten Ereignisse beobachtet. Die Krankenhausverweildauer war in der Akupunkturgruppe ebenfalls signifikant kürzer als in der Kontrollgruppe ohne Zusatzbehandlung (p<0.05). Der durchschnittliche Lebensqualitätswert war in der Versuchsgruppe höher als in der Kontrollgruppe (p < 0.05). Im Durchschnitt trat Durchfall in der Versuchsgruppe 1 ± 1 Mal täglich und in der Kontrollgruppe 3 ± 1 Mal täglich auf (p < 0.05). Die Bauchschmerzen hielten in der Versuchsgruppe und in der Kontrollgruppe 7 ± 2 Minuten und 16 ± 5 Minuten täglich an (p < 0.05). Es gab keine Akupunktur-bedingten unerwünschten Nebenwirkungen.

Übelkeit und Erbrechen während Radiotherapie (zu Statement 4.2)

Es liegen Daten aus einem RCT zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei onkologischen Patienten während Radiotherapie vor.

In dem RCT von Enblom et al. (2012) wurden n = 237 Patienten verschiedener Krebsentitäten (Colon, Gynäkologisch, Rektal, Hoden, Pankreas) unter Radiotherapie (29% zusätzlich unter Chemotherapie) in zwei Gruppen randomisiert und zusätzlich über 5 Wochen 2-3 x pro Woche entweder mit Verum-Akupunktur oder mit Sham-Akupunktur behandelt [15]. Primärer Zielparameter war Zahl der Patienten mit Episoden von Übelkeit und Erbrechen. Weitere Endpunkte waren Schmerz, Anorexie, Schlafqualität und der Verbrauch von Anti-Emetika. Kein Endpunkt erbrachte signifikante Gruppenunterschiede. In beiden Gruppen ereigneten sich je zwei schwere und 3 leichte unerwünschte Ereignisse.

Übelkeit/Anorexie während Stammzelltransplantation

Für die Daten zu „Übelkeit/Anorexie während Stammzelltransplantation“ siehe Ergebnisse von Deng et al. (2018, 2020) unter Abschnitt „Schmerz“ Absatz „Während Stammzelltransplantation“ [50][51].

Hitzewallungen-menopausale Beschwerden (zu Empfehlung 4.3)

Es liegen widersprüchliche Daten aus zwei Übersichtsarbeiten mit Metaanalysen und vier weiteren RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur auf Hitzewallungen bei onkologischen Patienten vor. Akupunktur hat weniger Nebenwirkungen als eine medikamentöse Therapie mit Gabapentin/ Venlafaxin.

In der systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Pan et al. (2018) wurde der Einfluss von Akupunktur auf hormonbedingte Nebenwirkungen bei Mamma-Karzinompatientinnen betrachtet [16]. Insgesamt 16 RCTs wurden eingeschlossen. Primärer Zielparameter war Hitzewallungen, sekundäre Parameter waren Fatigue, Antihormontherapie-induzierte Schmerzen, Steifigkeit, Gastrointestinale - und menopausale Symptome und Lebensqualität. Hitzewallungen hatten 6 RCTs untersucht.

Erzielten die Einzelstudien durchaus signifikante Ergebnisse zugunsten Akupunktur, hatten die Metaanalysen mit Ausnahme der Skala zu Steifigkeit keine signifikanten Gesamtwerte mehr. In 4 RCTs mit n = 456 Patientinnen war Akupunktur gegen Sham-Akupunktur über Follow-up Zeiträume von 4-26 Wochen verglichen worden. Die Studien waren moderat heterogen. Die Standardmittelwertdifferenz SMD betrug -0.15 [-0.40 / 0.08], (p ≥ 0.05).

In 2 RCTs mit n = 218 Teilnehmerinnen war Akupunktur einer Entspannung über Follow-up Zeiträume von 4-26 Wochen gegenübergestellt worden. Die beiden Studien zeigten keine Heterogenität, die SMD betrug -0.13 [-0.58 / 0.32], (p ≥ 0.05).

Menopausale Probleme waren in 3 RCTs untersucht worden. Ein RCT mit n = 59 Probanden verglich Körper-Akupunktur versus Sham-Akupunktur: Post Intervention und 22-Wochen-Follow-up zeigte sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p = 0.004 und p = 0.001). 1 RCT (n = 44) verglich Akupunktur mit einer Östrogen/ Progesteron Medikation. Nach 12-104 Wochen-Follow-up ergaben sich zunächst vergleichbare Kurzzeiteffekte (keine signifikanten Gruppenunterschiede bis Woche 39 (p ≥ 0.05)), danach signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Medikation (p = 0.002 und p = 0.039). 1 TCT (n = 38) hatte Akupunktur gegen Entspannung getestet: Hier gab es nach 12-36 keine signifikanten Gruppenunterschiede (p ≥ 0.05). Es gab in den Studien keine unerwünschten Ereignisse, die durch die Akupunkturbehandlung ausgelöst worden waren.

Diese Arbeit von Pan weist eine gute Qualität auf, die Qualität der Primärstudien ist mehrheitlich moderat bis fraglich.

Die Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Hervik et al. (2016) untersuchte mögliche Nebenwirkungen von nicht hormonellen pharmakologischen Interventionen bei Überlebenden nach Brustkrebs mit Hitzewallungen [17]. Es wurde u.a. ein Vergleich zwischen nicht hormonellen Medikamenten und Akupunktur durchgeführt. Zwei Studien mit n = 108 Teilnehmern führten diesen Vergleich durch (die eine Studie s. u. Walker et al. [2010]). Es wurde ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen zugunsten der Akupunktur festgestellt, mit einem Chancenverhältnis Odds Ratio OR von 1.75 (95% Konfidenzintervall (KI) 01.09–2.75; p = 0.02) und keiner Heterogenität zwischen den beiden Studien. In den Akupunkturgruppen ereigneten sich 5 leichte unerwünschte Ereignisse, in den Venlafaxin/Gabapentin-Armen 41. Da alle Studien (sowohl die Studien in den Metaanalysen als auch die zwei RCTs) in der Berichterstattung erhebliche methodische Mängel sichtbar werden lassen, müssen die Ergebnisse mit gewisser Vorsicht interpretiert werden.

In dem RCT von Walker et al. (2010) wurden n = 50 Brustkrebspatientinnen unter Hormontherapie (Tamoxifen oder Arimidex) in zwei Gruppen randomisiert [19]. Die eine Gruppe erhielt über 12 Wochen Körperakupunktur, die andere Gruppe in der ersten Woche 37.5mg, dann 75 mg Venlafaxine (oral). Primärer Endpunkt war die Frequenz der Hitzewallungen. Sekundäre Endpunkte waren die Lebensqualität, Depressivität und Sicherheit. Beide Gruppen zeigten eine Woche nach Therapieende eine signifikante Abnahme der Hitzewallungen, ebenso von depressiven u.a. Symptomen der Lebensqualität, einschließlich einer signifikanten Verbesserung der psychischen Gesundheit. Diese Veränderungen waren in beiden Gruppen ähnlich, was darauf hinweist, dass Akupunktur genauso wirksam war wie Venlafaxin, wobei die Studie nicht als Unterlegenheitsstudie ausgelegt war.

Zwei Wochen nach der Behandlung zeigte die Venlafaxin-Gruppe einen signifikanten Anstieg der Hitzewallungen, während die Hitzewallungen in der Akupunkturgruppe etwa 4 Wochen lang auf einem niedrigen Niveau blieben. In der Venlafaxin-Gruppe traten zahlreiche Nebenwirkungen auf (z. B. Übelkeit, Mundtrockenheit, Schwindel, Angstzustände), während solche in der Akupunkturgruppe ausblieben. Im Akupunkturarm ereigneten sich keine unerwünschten Ereignisse, im Venlafaxinarm dagegen 18. Die Risk of Bias Bewertung der Studie findet in allen Bereichen ein hohes oder unklares Risiko, so dass die Studienergebnisse nur bedingt anwendbar sind.

Lesi et al. (2016) haben in einem RCT Brustkrebspatientinnen (davon über 80% unter antihormoneller Therapie) entweder nur mit Standardtherapie (n = 85) oder zusätzlich einmal wöchentlich über 12 Wochen mit manueller Körperakupunktur (n = 105) behandelt [18]. Primärer Endpunkt war die Zahl und Stärke der Hitzewallungen, sekundäre Zielparameter waren menopausale Beschwerden und Lebensqualität. In der Akupunkturgruppe war die Häufigkeit und Stärke der Hitzewallungen im Vergleich zur Kontrolle nach Intervention und nach Woche 26 signifikant niedriger (p < 0.05). Gleiches Ergebnis erzielten die Ergebnisse bezüglich menopausaler Symptome und Lebensqualität (p < 0.05). Bei zwölf Patientinnen im Akupunkturarm traten leichte unerwünschte Ereignisse auf (Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und eine Menstruationsblutung). Es wurden keine schwerwiegenden und 12 leichte Nebenwirkungen im Akupunkturarm berichtet.

Bokmand et al. (2013) haben in einem 3-armigen RCT mit n = 94 Mamma-Karzinom Patientinnen (teilweise unter antihormoneller Therapie) mit Hitzewallungen untersucht: Verglichen wurde eine 5-wöchige (1x pro Woche) zusätzliche Verum-Körperakupunktur gegen zusätzliche Sham-Akupunktur und alleinige Standardbehandlung [20]. Die Gruppenvergleiche sowohl nach Intervention und 12 Wochen Follow-up ergaben einen signifikanten Vorteil (p < 0.05) in der Verum-Akupunkturgruppe gegenüber beiden Kontrollen. Im Akupunkturarm ereigneten sich 4 leichte, im Sham-Arm 8 leichte unerwünschte Ereignisse und im Standard-Arm 1 leichtes unerwünschtes Ereignis. Die methodische Qualität dieser Studie recht gut, die vorgelegten Daten entsprechend verlässlich.

Frisk et al. (2012) haben n = 44 Brustkrebspatientinnen nach Abschluss der adjuvanten Therapie (teilweise unter Tamoxifen) über 12 Wochen zusätzlich zur Standardbehandlung mit Elektroakupunktur oder Hormonen (Östrogen-Progesteron Kombination) behandelt [21]. Post-Intervention und nach einem Jahr Follow-Up waren die Hitzewallungen in der hormonbehandelten Gruppe signifikant geringer/schwächer als in der Akupunkturgruppe, bezüglich der globalen Lebensqualität gab es zu beiden Messzeitpunkten keine Gruppenunterschiede. Durch die Akupunkturbehandlung waren keine unerwünschten Ereignisse ausgelöst worden.

Schmerz
Gelenkschmerzen (zu Empfehlung 4.4)

Es liegen Daten aus zwei Metaanalyse über 4 RCTs, sowie ein weiteres RCT zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Verminderung von Gelenkschmerzen vor, die bei Brustkrebspatientinnen durch Aromataseinhibitoren hervorgerufen wurden.

Chen et al. (2017) haben 4 RCTs mit n = 181 Patientinnen mit Brustkrebs zu Akupunktur bei Aromatasehemmer-induzierten Arthralgien untersucht [22]. In den Studien wurde zusätzlich zur Standardtherapie entweder Ohr-, Elektro- oder Körperakupunktur durchgeführt, die Kontrollgruppen erhielten Standardtherapie ohne weitere Behandlung (Wartegruppe) oder Sham-Akupunktur. Primärer Endpunkt war die Beeinflussung des Gelenkschmerzes, weitere Zielparameter waren Steifigkeit, Funktion/Beeinträchtigung und Sicherheit.

Für die Variable Gelenkschmerzen wurde Akupunktur + Standardbehandlung versus Standard in 1 RCT (n = 45) verglichen. Unmittelbar nach Intervention und nach 12 Wochen-Follow-up gab es signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur (p < 0.01).

Die Qualität der Primärstudien war gut.

In der Metaanalyse von Chiu et al. (2017) zu Akupunktur und krebsbedingten Schmerzen ergaben sich für die Variable Arthralgie (Antihormontherapie-induzierter Schmerz) bei dem Vergleich von Verum-Akupunktur mit Sham-Akupunktur (3 RCTs) nach der Intervention keine signifikanten Gruppenunterschiede (Standardmittelwertdifferenz SMD =-0.65) [23] .

Die Qualität der Primärstudien war gut. Allerdings wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet.

In dem RCT von Hershman et al. (2018) wurden Brustkrebspatientinnen (teilweise unter antihormoneller Therapie) zusätzlich zur Standardtherapie 1-2 über 6 Wochen mit Körperakupunktur (n = 110) oder mit Sham-Akupunktur (n = 59) behandelt, in einem dritten Studienarm wurden nicht zusätzlich behandelt (Warteliste, n = 57) [24]. Primärer Zielparameter war der Einfluss auf die Arthralgien, sekundäre Parameter waren Steifigkeit, Funktion/Beeinträchtigung, Opioidverbrauch und Sicherheit. Nach der Intervention zeigte sich die Körperakupunktur der Sham-Akupunktur und der Warteliste im Hinblick auf jeden der Zielparameter jeweils signifikant überlegen (p < 0.05). Nach weiteren 6 Wochen blieben die Ergebnisse der Körperakupunkturgruppe weiterhin denen der Warteliste signifikant überlegen, die Akupunktur- und Sham-Akupunktur hatten sich bezüglich Funktion und Lebensqualität angeglichen, bezüglich Gelenkschmerzen und Steifigkeit blieb die Körperakupunktur der Sham-Akupunktur signifikant überlegen. Im Akupunkturarm ereigneten sich 106 leichte, im Sham-Arm 55 leichte unerwünschte Ereignisse. Die Qualität in der Studienmethodik und Berichterstattung ist gut, die erzielten Daten damit verlässlich.

Tumorschmerzen (zu Empfehlung 4.5)

Es liegen Daten aus zwei systematischen Reviews/Meta-Analysen über 9 RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Senkung von Tumorschmerzen bei onkologischen Patienten vor.

He et al. (2020) haben in einer methodisch einwandfreien Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse insgesamt 8 RCTs aufgenommen, die Akupunktur/Akupressur zur Verbesserung von krebsbedingten Schmerzen untersucht hatten [25]. In den Primärstudien wurde manuelle Akupunktur, Elektro- oder Ohrakupunktur zusätzlich zur Standardbehandlung mit Standardtherapie/Warteliste oder Sham-Akupunktur verglichen. Die Patienten wiesen unterschiedliche Tumordiagnosen auf und befanden sich in unterschiedlichen Therapiephasen (post OP, unter Chemo-/Radiotherapie, palliativ). Primärer Zielparameter war Schmerz, sekundäre Parameter waren Analgetika-Verbrauch und Sicherheit.

Beeinflussung der Schmerzen: Bei 3 RCTs (n = 255) wurde zusätzliche Akupunktur mit alleiniger Standardtherapie verglichen. Die Akupunkturgruppe zeigte nach der Intervention einen signifikanten Schmerzrückgang, die mittlere Differenz MD betrug -1.63 [-2.14 / -1.13] (p < 0.051). Heterogenität wurde nicht berichtet.

Bei 7 RCTs (n = 398) wurde die Kontrollgruppe zusätzlich mit Sham-Akupunktur behandelt. Die Akupunkturbehandlungen bestanden aus Körper-, Elektro- oder Ohrakupunktur: Die Verum-Akupunktur zeigte sich der Sham-Akupunktur insgesamt signifikant überlegen: MD=-1.38 [-2.13/-0.64] (p < 0.05). Die Heterogenität war hoch (I2 = 81%).

Die Subgruppenanalysen: 3 RCTs (n = 220) behandelten mit manueller Körperakupunktur, Verum-Akupunktur war signifikant überlegen: MD =-0.88 [-1,75 / -0.01] (p < 0.05). 2 RCTs (n = 104) nutzten Elektroakupunktur, und es wurde kein Gruppenunterschied erzielt: MD =-0.84 [-2.43 / 0.75] (p ≥ 0.05). 2 RCTs (n = 74) behandelten mit Ohrakupunktur und erzielten eine signifikant bessere Schmerzlinderung in der Verum-Gruppe: MD =-2,98 [-5.37 / -0.59] (p < 0.05). In den Studien ereigneten sich lediglich sehr leichte unerwünschte Ereignisse. Die Qualität der Evidenz wurde mit GRADE (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation) ermittelt und ergab moderate Qualität.

In dem Cochrane Review von Paley et al. (2015) zu Akupunktur und tumorbedingten Schmerzen sind zwei RCTs mit fortgeschrittenem Pankreas- und Gastrointestinalen Karzinomen eingeschlossen [26], eines davon wurde nicht in He et al. (2020) besprochen [25]. Ein RCT (n = 60) hat Akupunktur mit Sham-Akupunktur (je zusätzlich zu Standardbehandlung) verglichen, hier war die Schmerzreduktion mit Hilfe der Akupunktur der Placebo-Akupunktur signifikant höher (p<0.001). Das andere RCT verglich Akupunktur mit Analgetika (n = 48), hier gab es zwischen den Gruppen jedoch nach Intervention keine Unterschiede. Durch die Akupunktur wurden keine unerwünschten Ereignisse ausgelöst. Die methodische Bewertung der beiden Studien fiel schlecht aus, so dass die Datenqualität wenig Aussagekraft zu haben scheint.

Postoperativer Schmerz (zu Empfehlung 4.6 & 4.7)

Es liegen Daten aus einem RCT zur Wirksamkeit von Elektroakupunktur zur Senkung postoperativer Schmerzen bei Patienten vor, die einer Prostatektomie unterzogen wurden.

Ntritsou et al. (2014) haben n = 70 Prostata-Karzinom Patienten in zwei Gruppen randomisiert und zusätzlich zur Standardtherapie (Tramadol + Ketamin) präoperativ entweder mit Elektroakupunktur oder mit Sham-Akupunktur behandelt [27]. Endpunkte (primär und sekundär nicht definiert) waren der postoperative Schmerz, Druckschmerzschwellen, Nebenwirkungen der Opioide, Analgetikaverbrauch und Angst. 45 Minuten bis 24 Stunden nach OP zeigte sich die Verum-Akupunktur der Sham-Akupunktur sowohl in der Schmerzstärke als auch bei den Schmerzschwellen signifikant überlegen (p < 0.05). Bei den Nebenwirkungen hatten die Patienten der Verumgruppe signifikant weniger Darmgeräusche, bei anderen Parametern, wie Übelkeit/Erbrechen, Juckreiz, Müdigkeit gab es keine Gruppenunterschiede. Die Verumgruppe benötigte signifikant weniger Analgetika als die Sham-Gruppe. Bei der Angst gab es wiederum keine Gruppenunterschiede. Opioid-induzierte Nebenwirkungen wurden berichtet, jedoch keine zu Akupunktur. Die methodische Qualität dieser Studie ist gut, die Daten also verlässlich.

Es liegen Daten aus einem RCT zur Wirksamkeit von Elektroakupunktur zur Senkung postoperativer Schmerzen bei Patienten während Hirntumoroperationen vor.

An et al. (2014) hatten 81 Menignom und Gliom-Patienten während OP nur mit Standardbehandlung oder zusätzlich mit Elektroakupunktur behandelt [28]. Primärer Zielparameter war der postoperative Schmerz, sekundäre Endpunkte waren Übelkeit/Erbrechen, Schwindel und Anorexie.

Der postoperative Schmerz war in der Akupunkturgruppe 1-6 Stunden postoperativ signifikant geringer (p < 0.05), nach 24-48 Stunden gab es keine Gruppenunterschiede mehr. Auch der Analgetikaverbrauch war in der Akupunkturgruppe 1-6 Stunden nach OP signifikant geringer, danach glichen sich die Gruppen an. Was Übelkeit und Erbrechen anging, so gab es keinerlei Gruppenunterschiede. Schwindelgefühle und Anorexie zeigten sich in der Akupunkturgruppe bis 24 Stunden post OP signifikant weniger ausgeprägt. Angaben zu unerwünschten Ereignissen liegen nicht vor. Die methodische Qualität dieser Studie ist gut, die Daten also verlässlich.

Chemotherapie-induzierte periphere neuropathische Schmerzen

Es liegen Daten aus einer Cochrane Metaanalyse und einem weiteren RCT zur Wirksamkeit von Akupunktur bei Chemotherapie-induzierten peripheren neuropathischen Schmerzen vor.

Ju et al. (2017) haben in einem Cochrane Review Akupunktur bei neuropathischen Schmerzen überprüft [29]. Eine Primärstudie mit Tumorpatienten wurde eingeschlossen. 104 Patienten mit multiplem Myelom erhielten Standardbehandlung + Mecobalamin oder zusätzlich noch über 12 Wochen Akupunkturbehandlung. Hauptzielparameter war der neuropathische Schmerz, Nebenzielparameter waren Lebensqualität und Sicherheit. Post-Intervention war Akupunktur der Standardbehandlung signifikant überlegen. Neuropathischer Schmerz: SMD =-5.50 [-6.36 / -4.65], (p < 0.01). Lebensqualität: Die Standardmittelwertdifferenz SMD betrug -4.10 [-4.79 / -3.41], (p < 0.01). Es gibt keine Angaben zu unerwünschten Ereignissen. Die Primärstudie war allerdings nicht von hoher Qualität, i.e. mit hohem Bias-Risiko behaftet. 

Im RCT von Molassiotis et al. (2019) wurden n = 87 Ovarial-Karzinom, Kopf- / Hals-Karzinom, Mamma-Karzinom, Kolorektal-Karzinom und Myelom-Patienten während und nach Chemotherapie entweder nur mit Standardtherapie oder über 8 Woche zusätzlich 2x pro Woche mit Akupunktur behandelt [31]. Primärer Endpunkt war der neuropathische Schmerz, sekundäre Punkte waren Lebensqualität, Toxizität und Sicherheit. Zu keinem Messzeitpunkt (Post-Intervention, 14, 20 Wochen) gab es signifikante Gruppenunterschiede für den primären Zielparameter „Stärkster Schmerz der letzten Woche“. Bei den sekundären Parametern „Schmerzintensität“ und „Beeinträchtigung“ war die Akupunktur direkt nach Intervention signifikant wirksamer als die Kontrolle. Die Lebensqualität hatte sich in der Akupunkturgruppe post-Intervention signifikant im Vergleich zur Kontrolle verbessert (p = 0.045), in der Folgezeit glichen sich die Gruppen jedoch wieder an. Gleiches gilt für chemotherapie-bedingte Toxizität, die sich nur direkt nach Interventionsende signifikant zwischen den Gruppen zugunsten der Akupunktur unterschieden. Diese Studie zeigt eine hohe methodische Qualität auf. Im Akupunkturarm gab es durch die Chemotherapie 16 sensorische und 21 motorische, im Standardarm 25 sensorische und 28 motorische unerwünschte Ereignisse. Das Bias-Risiko dieses RCTs ist niedrig, die methodische Durchführung dieser Studie gut.

Prophylaxe Chemotherapie-induzierter peripherer neuropathischer Schmerzen

Des Weiteren liegt eine RCT von Greenlee et al. (2016) zur Prävention von Chemotherapie-induzierten peripheren neuropathischen Schmerzen bei Brustkrebs vor [30]. Greenlee et al. (2016) hat in einem 2-armigen RCT n = 63 Mamma-Karzinompatientinnen vor Beginn der Chemotherapie über 12 Wochen (pro Woche 1x) neben der Standardbehandlung entweder mit Elektroakupunktur oder mit Sham-Akupunktur behandelt. Direkt nach Ende der 12 Wochen fanden sich keine Gruppenunterschiede, nach einem 16-wöchigen Follow-up hatten die mit Sham-Akupunktur Behandelten signifikant weniger Schmerzen als die Verum-Patienten. Im Akupunkturarm wurde 1 leichtes unerwünschtes Ereignis verzeichnet. Das methodisch gut durchgeführte RCT zeigte somit keinen Benefit durch E-Akupunktur zur Prävention von Chemotherapie-induzierten peripheren neuropathischen Schmerzen bei Brustkrebs.

Schmerz während Stammzelltransplantation

Hierzu existiert ein RCT: Denk et al. (2018) haben n = 63 Patienten mit multiplem Myelom unter Stammzelltransplantation eine Woche lang mit Standardtherapie und täglich als add-on mit Akupunktur oder Sham-Akupunktur behandelt [50]. Zum Messzeitpunkt 2 und 4 Wochen nach Eingriff gab es keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich Schmerzreduktion. Bezüglich des Analgetikaverbrauchs gab es nach 2 Wochen ebenfalls keine Unterschiede in den Gruppen. Nach 4 Wochen jedoch benötigten die Teilnehmer in der Verum-Akupunkturgruppe, die zu Baseline noch keine Opioide benötigten, signifikant weniger Schmerzmittel, bei den Teilnehmern, die zu Beginn bereits Opioide einnahmen, gab es keine Signifikanz. Sekundäre Zielparameter waren Übelkeit und Anorexie: Nach zwei Wochen war die Übelkeit und die Anorexie in der Verum-Gruppe signifikant verbessert im Vergleich zu Placebo, nach 4 Wochen gab es keine Unterschiede mehr. Es ereigneten sich keine unerwünschten Ereignisse. Die Studie ist von methodisch guter Qualität.

Schmerzen, allgemein

2 RCTs untersuchten dieses Symptom als sekundären Zielparameter:

Garland et al. (2019) verglich zusätzlich zur Standardtherapie Akupunktur mit Kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) bei n = 160 Patienten mit verschiedenen Krebsentitäten nach adjuvanter Therapie [32]. Die Behandlungsdauer betrug 8 Wochen, i. e. 240 Minuten insgesamt. Primärer Zielparameter war die Schwere der Insomnie, sekundärer Parameter war u.a. Schmerzen allgemein. Akupunktur versus CBT zeigte Post Intervention einen signifikanten Gruppenunterschied zugunsten der Akupunktur (p < 0.05), nach 20 Wochen-Follow-up gab es keinen signifikanten Gruppenunterschied mehr.

In dem RCT von Enblom et al. (2012) wurden n = 237 Patienten verschiedener Krebsentitäten (Colon, Gynäkologisch, Rektal, Hoden, Pankreas) unter Radiotherapie (29% zusätzlich unter Chemotherapie) in zwei Gruppen randomisiert und zusätzlich über 5 Wochen 2-3 x pro Woche entweder mit Verum-Akupunktur oder mit Sham-Akupunktur behandelt [15]. Primärer Zielparameter war Zahl der Patienten mit Episoden von Übelkeit und Erbrechen. Weiterer Endpunkt war u.a. Schmerz. Kein Endpunkt erbrachte signifikante Gruppenunterschiede.

In dem RCT von Brinkhaus et al. (2019) wurden Mamma-Karzinompatientinnen vor und unter Chemotherapie präventiv über 6 Monate entweder zusätzlich zur Standardtherapie mit Körperakupunktur oder nur mit Standardtherapie behandelt [33]. Primärer Zielparameter war die Lebensqualität, sekundärer Parameter war u.a. Neurotoxizität. Zu den beiden Messzeitpunkten, nach 3 und 6 Monaten, zeigten sich keine signifikanten Gruppenunterschiede in der Toxizitätssymptomatik.

Cancer Related Fatigue (zu Empfehlung 4.9)

Es liegen Ergebnisse aus einer Metaanalyse über 6 RCTs und 2 weiteren RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Senkung der Cancer Related Fatigue bei onkologischen Patienten vor. Zudem gibt es eine Metaanalyse mit 5 RCTs, die Fatigue als Nebenzielparameter untersucht hatten.

Zeng et al. (2014) haben in die Metaanalyse 6 RCTs mit Patienten verschiedener Krebsentitäten aufgenommen [34]. In 3 RCTs wurde zusätzlich zur Standardbehandlung entweder mit Verum- oder mit Sham-Akupunktur behandelt (n = 121), in 4 RCTs erhielt die Kontrollgruppe nur Standard (n = 464) (ein RCT hatte 3 Kontrollarme). Der Follow-up Zeitraum betrug 2-10 Wochen. Hauptzielparameter war Fatigue, Nebenzielparameter waren Lebensqualität und Depressivität.

Die RCTs, die Akupunktur gegen Sham-Akupunktur verglichen, zeigten nach 2 aber auch bis 10 Wochen post Intervention einen signifikanten Vorteil der Verum-Akupunktur: Die Standardmittelwertdifferenz SMD betrug -0.82 [-1.90 / 0.26], (p ≥ 0.05). Der Vergleich zwischen zusätzlicher Akupunktur und Nur-Standardbehandlung ergab einen signifikanten Gruppenunterschied zugunsten der Akupunktur SMD = -1.72 [-3.09 / -0.35] (p < 0.05). Die Heterogenität zwischen den Studien war jedoch groß (I2 = 83% bzw. 96%). Lebensqualität und Depressivität wurde in den 3 RCTs, die Akupunktur versus Sham-Akupunktur untersuchten, erhoben: Die beiden Kontrollgruppen zeigten keine signifikanten Unterschiede 2-10 Woche post-Intervention: SMD = 0.99 [-0.70 / 2.68], (p ≥ 0.05) bzw. SMD = 1.38 [-1.02 / 3.79], (p ≥ 0.05).

In den RCTs wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet, in 2 der RCTs werden unerwünschte Ereignisse genannt, die nicht im Zusammenhang mit Akupunktur stehen. Die Primärstudien sind methodisch von unterschiedlicher, eher mittlerer Qualität. Daher sind die erhobenen Daten nicht uneingeschränkt verlässlich.

In der systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Pan et al. (2018) wurde der Einfluss von Akupunktur auf hormonbedingte Nebenwirkungen bei Brustkrebspatientinnen betrachtet [16]. Insgesamt 16 RCTs wurden eingeschlossen. Primärer Zielparameter war die Veränderung von Hitzewallungen, sekundäre Parameter waren Fatigue, Antihormontherapie induzierte Schmerzen, Steifigkeit, Gastrointestinale - und menopausale Symptome und Lebensqualität.

Fatigue wurde in 4 RCTs (n = 177) analysiert, die Ergebnisse waren jedoch nicht signifikant. 2 RCTs (n = 56) verglichen zusätzliche Akupunktur mit reiner Standardbehandlung. Nach einem 4-26-wöchigem Follow-up betrug die Standardmittelwertdifferenz SMD = 0.17 [-2.13 / 2.49] (p ≥ 0.05) (starke Heterogenität I2 = 91%).  In 2 RCTs war Akupunktur einer Edukation gegenübergestellt worden: nach 4-26 Wochen SMD =-0.35 [-1.48 / 0.77], (p ≥ 0.05) (starke Heterogenität I2 = 79%). 

Deng et al. (2013) haben n= 101 Krebspatienten mit unterschiedlichen Tumoren nach Ende der jeweiligen Chemotherapie 6 Wochen lang (1x pro Woche) entweder mit Körperakupunktur oder mit Sham-Akupunktur als add-on zur Standardbehandlung behandelt [35]. Primärer Endpunkt war die Verbesserung der Fatigue, sekundäre Punkte waren Lebensqualität, Angst/Depressivität. Nach der Intervention hatte sich bei keinem der Endpunkte ein signifikanter Gruppenunterschied ergeben. Die dokumentierten 11 unerwünschten Ereignisse standen wahrscheinlich nicht in Zusammenhang mit der Akupunkturbehandlung. Die Studie wurde methodisch gut durchgeführt, die Daten sind also verlässlich.

Garland et al. (2019) verglich zusätzlich zur Standardtherapie Akupunktur mit Kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) bei n = 160 Patienten mit verschiedenen Krebsentitäten nach adjuvanter Therapie [32]. Die Behandlungsdauer betrug 8 Wochen, i. e. 240 Minuten insgesamt. Primärer Zielparameter war die Schwere der Insomnie, sekundärer Parameter war u.a. Fatigue. Akupunktur versus CBT zeigte Post Intervention und nach 20 Wochen keinen signifikanten Gruppenunterschied.

Prophylaxe Cancer Related Fatigue

In dem RCT von Brinkhaus et al. (2019) wurden Mamma-Karzinompatientinnen vor und unter Chemotherapie präventiv über 6 Monate entweder zusätzlich zur Standardtherapie mit Körperakupunktur oder nur mit Standardtherapie behandelt [33]. Primärer Zielparameter war die Lebensqualität, sekundärer Parameter war u.a. Fatigue. Zu den beiden Messzeitpunkten, nach 3 und 6 Monaten, zeigten sich keine signifikanten Gruppenunterschiede in der Fatiguesymptomatik.

Ein- und Durchschlafstörungen (zu Empfehlung 4.10)

Es liegt ein systematisches Review über 4 RCTs und 3 weitere RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Senkung von Ein- und Durchschlafstörungen bei onkologischen Patienten vor. In zwei RCTs war die Schlafqualität ein Nebenzielparameter.

Choi et al. (2017) hat 4 RCTs mit Patienten unterschiedlicher Entitäten zur Frage der Wirksamkeit von Akupunktur (4-10 Wochen) bei krebsbedingten Schlafstörungen untersucht (zwei weitere RCTs liegen nur in chinesischer Sprache vor und wurden daher nicht berücksichtigt) [36].

Zusätzlich zur Standardtherapie wurde in je 2 RCTs Körper- und Elektroakupunktur verwendet. Die Kontrollgruppen erhielten in je 2 RCTs Sham-Akupunktur oder Medikamente (Fluoxetin oder Östrogen/Progesteron). In einem der RCTs (Akupunktur vs. Sham-Kontrolle) gab es einen dritten Studienarm, in der es nur Standardbehandlung gab. Die Schlafqualität war erster Zielparameter, weiterer Zielpunkt war die Sicherheit.

In den 4 RCTs waren die Ergebnisse widersprüchlich. Die 2 Studien mit manueller Körperakupunktur zeigten jeweils einen signifikanten Gruppenunterschied zugunsten der Verum-Akupunktur: Körperakupunktur im Vergleich zu Sham (Relatives Risiko RR = 0.53 [0.33, 0.88], p = 0.01), im Vergleich zu Standard (RR: 0.53 [0.33, 0.83], p = 0.005) und im Vergleich zu Hormongaben (mittlerer Unterschied MD, −3.52 [−4.22, −2.82], p < 0.00001). Bei den beiden RCTs mit Elektroakupunktur blieben die Ergebnisse nicht-signifikant.

Die methodische Qualität der Primärstudien zeigt Mängel, die erhobenen Daten sind daher nicht vollkommen verlässlich.

Garland et al. (2017) haben in einem RCT n = 58 Brustkrebspatientinnen nach adjuvanter Behandlung (64% unter antihormoneller Therapie) in zwei Gruppen randomisiert [37]. Eine Gruppe erhielt neben der Standardbehandlung 8 Wochen lang 1-2 x pro Woche eine Elektroakupunkturbehandlung, die andere Gruppe zusätzlich Gabapentin 900mg/Tag. Erster Zielparameter war die Schlafqualität, zudem wurde die Sicherheit erhoben. Post-Intervention war die Schlafqualität in der Akupunkturgruppe der Gabapentin-Kontrolle signifikant überlegen (p = 0.04).

Garland et al. (2019) verglichen zusätzlich zur Standardtherapie Akupunktur mit Kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) bei n = 160 Patienten mit verschiedenen Krebsentitäten nach adjuvanter Therapie [32]. Die Behandlungsdauer betrug 8 Wochen, i. e. 240 Minuten insgesamt. Primärer Zielparameter war die Schwere der Insomnie, sekundäre Parameter waren Schlafqualität und Schlafmittelgebrauch. Nach Abschluss der Intervention und nach einem Follow-up nach 20 Wochen war die Schwere der Schlaflosigkeit und auch die Schlafqualität in der mit CBT- Behandelten-Gruppe signifikant denen der Akupunktur-Behandelten überlegen. Schwere Unerwünschte Ereignisse gab es in der Akupunkturgruppe keines, in der CBT Gruppe 2.

In dem RCT von Enblom et al. (2012) wurden n = 237 Patienten verschiedener Krebsentitäten (Colon, Gynäkologisch, Rektal, Hoden, Pankreas) unter Radiotherapie (29% zusätzlich unter Chemotherapie) in zwei Gruppen randomisiert und zusätzlich über 5 Wochen 2-3 x pro Woche entweder mit Verum-Akupunktur oder mit Sham-Akupunktur behandelt [15]. Primärer Zielparameter war Zahl der Patienten mit Episoden von Übelkeit und Erbrechen. Weiterer Endpunkt war u.a. Schlafqualität. Kein Endpunkt erbrachte signifikante Gruppenunterschiede.

Xerostomie (zu Empfehlung 4.11 & 4.12)

Es liegen Daten aus einem systematischen Review über 4 RCTs zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Vorbeugung von Symptomen der Xerostomie während einer Radio- / Chemotherapie vor.

Assy et al. (2018) hat in der systematischen Übersichtsarbeit 7 RCTs zu Xerostomie bei Krebs untersucht [38]. 6 RCTs wurden ausgeschlossen, da keine onkologischen Patienten untersucht wurden oder eine zu kleine Stichprobe untersucht wurde (n < 25). Die Patienten hatten Kopf-Hals-Tumore und befanden sich unter und nach Radiotherapie. Untersucht wurde Körper- und Ohrakupunktur, die Kontrollgruppen erhielten Standardbehandlung (orale Hygiene) oder Sham-Akupunktur. Die Interventionen dauerten im Schnitt 7 Wochen. Zielparameter waren die Beeinflussung der Xerostomie und des Speichelflusses.

Eine Studie (n = 23) untersuchte den Einfluss einer präventiven Akupunkturbehandlung zu Beginn der Radioiodtherapie. In der Studie reduzierte die zusätzliche echte Körperakupunktur die Xerostomie-Symptomatik signifikant deutlicher im Vergleich zu einer Sham-Behandlung oder alleiniger Standardbehandlung (Mundhygiene). Die Symptomlinderung hielt bis zu 26 Wochen an und blieb der alleinigen Standardbehandlung gegenüber signifikant überlegen (p < 0.05).

Der Speichelfluss zeigte, dass die zusätzliche Akupunkturbehandlung bei der Beeinflussung des Speichelflusses (spontan und evoziert) der alleinigen Standardbehandlung direkt nach Therapie und 26 Wochen danach signifikant überlegen war.

3 RTCs (n = 275) hatten die Symptomreduktion und die Speichelflussstimulation während und nach Radiotherapie untersucht.

Die Xerostomiesymptome sanken in den Verum-Akupunkturgruppen im Vergleich zu den Kontrollen signifikant.

Der Speichelfluss (spontan und evoziert) war zu keinem der Messzeitpunkte (Post-Intervention, 6 Monate Follow-Up) zwischen den Gruppen signifikant verändert. Es wurden keine Angaben zu unerwünschten Ereignissen gemacht. Diese Übersichtsarbeit weist zahlreiche methodische Schwächen auf, wohingegen die Primärstudien teilweise methodisch solide erscheinen.

Zwei der Studien (n = 46 ausgewertete Probanden), die den Speichelfluss nach Radiotherapie untersucht hatten, wurden in dem Cochrane Review von Furness et al. (2013) quantitativ analysiert und erzielten einen signifikanten Gruppenunterschied Post-Intervention zugunsten der Verum-Akupunktur im Vergleich zur jeweiligen Sham-Kontrollgruppe, sowohl für den evozierten (I2 = 0%, Standardmittelwertdifferenz SMD = 0.72 [0.14 - 1.30] , (p = 0.01)) als auch den spontanen Speichelfluss  (I2 = 0%, SMD = 0.76 [0.18 - 1.35], (p = 0.01)) [39].

Postoperativer Ileus (zu Empfehlung 4.13)

Es liegen Daten aus einer Metaanalyse [40] über 6 RCTs und 3 weiteren RCTs [41][42][43] zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Wiederherstellung der Darmfunktion nach Operation bei Kolonkarzinompatienten vor. Verglichen wurde manuelle Körperakupunktur (3 RCTs) oder Elektroakupunktur (3 RCTs) über einen Zeitraum von 3-10 Tagen mit Treatment as Usual oder Sham-Akupunktur bei Patienten mit kolorektalem Karzinom und einer Stichprobe mit Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen nach der Operation (N = 518). Zielparameter waren die Zeit bis zum ersten Flatus, Zeit bis zum ersten Stuhlgang, Opioidverbrauch, postoperativer Schmerz, Risiko eines postoperativen Ileus, sowie die Krankenhausverweildauer. Es ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur in der Zeit bis zum ersten Flatus im Vergleich zu Treatment as Usual (standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0.50). Im Vergleich zur Sham-Akupunktur ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede (standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0.36). Für die Zeit bis zum ersten Stuhlgang ergaben sich im Vergleich zu UC keine signifikanten Gruppenunterschiede (standardisierte Mittelwertsdifferenz -0.47). Im Vergleich zu Sham-Akupunktur war Verum-Akupunktur jedoch signifikant überlegen (standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0.40). Für den Opioidverbrauch ergaben sich im Vergleich zu Treatment as Usual signifikante Gruppenunterschiede (UC: standardisierte Mittelwertsdifferenz -0.53), im Vergleich zur Sham-Akupunktur war der Gruppenunterschied nicht signifikant (SHAM: standardisierte Mittelwertsdifferenz -0.34).

Für die anderen Zielparameter wurden keine signifikanten Gruppenunterschiede gefunden. Die Metaanalysen wurden mittels random und Fixed Effects Models neu kalkuliert, da die Autoren der Metaanalyse die Analysen nach der Akupunkturart und nicht nach der Kontrollgruppe aufgeteilt hatten. Die Primärstudien sind methodisch von unterschiedlicher, teilweise eher mittlerer Qualität.

Ein weiteres RCT [41] mit größtenteils unklarem Risiko systematischer Verzerrungen verglich manuelle Körperakupunktur über 5 Tage mit Treatment as Usual bei Patienten mit Magen-karzinom nach Operation. In der Zeit bis zum ersten Flatus ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur. Für die anderen Parameter (Zeit bis zum ersten Stuhlgang, Beginn Wasserlassen, Beginn Essensaufnahme und Krankenhausverweildauer) wurden keine signifikanten Gruppenunterschiede gefunden.

Ein weiteres RCT [42] verglich manuelle Körperakupunktur über eine individuelle Dauer bis zur Besserung der Symptome mit einer Kontrollgruppe, welche Neostigmin 1mg intramuskulär erhielt und Treatment as Usual. Für die Variablen Zeit bis zum ersten Flatus oder ersten Stuhlgang, Zeit bis zum ersten Darmgeräusch und Sicherheit ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede zwischen Akupunktur und Treatment as Usual. Gruppenunterschiede zwischen Akupunktur und Neostigmin wurden nicht berichtet.

Ein weiteres RCT [43] untersuchte die Wirkung von Akupunktur auf die Wiederherstellung der autonomen Nervenfunktion des Beckens. Dabei wurde manuelle Körperakupunktur und Elektroakupunktur (Länge der Intervention nicht berichtet) mit Treatment as Usual bei n = 120 Rektal-Karzinompatienten, die sich einer Operation unterzogen hatten und sich zum Teil unter Chemo-/Radiotherapie befanden, verglichen. Beide Gruppen erhielten außerdem ergänzend Beckenbodentraining. Für die Zielparameter Zeit bis zum ersten Darmgeräusch, Zeit bis zum ersten Flatus, Zeit bis zum ersten Stuhlgang und Zeit bis zur ersten flüssigen Nahrungsaufnahme ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur nach der Intervention. Für die anale Inkonsistenz ergaben sich bei 4-12 Wochen follow-up ebenfalls signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur. Alle drei Studien weisen erhebliche methodische Mängel auf, weshalb sie nicht als Grundlage für eine evidenzbasierte Empfehlung herangezogen wurden.

Kognitive Beeinträchtigung (zu Empfehlung 4.14)

Es liegen Daten aus einem RCT [44] zur Wirksamkeit von Akupunktur auf die subjektive und objektive kognitive Beeinträchtigung bei Brustkrebspatientinnen unter adjuvanter Chemotherapie vor. Dieses RCT verglich eine manuelle Körperakupunktur über 8 Wochen mit fünfmal wöchentlichen Anwendungen (N = 39) mit Treatment as Usual (N = 36). Zielparameter waren subjektive und objektive Maße der chemotherapiebedingten kognitiven Beeinträchtigung bei prämenopausalen Brustkrebspatientinnen. Nach Abschluss der Intervention ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur für die subjektiven Messungen der kognitiven Beeinträchtigung. Für die objektiven Maße anhand neuropsychologischer Testungen ergaben sich lediglich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur für 2 von 5 Untertests. Das RCT weist ein überwiegend unklares bis hohes Risiko systematischer Verzerrungen auf, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Ein weiteres RCT [52] untersuchte die Wirkung einer präoperativen manuellen Körperakupunktur auf die kognitiven Funktionen bei älteren onkologischen Patienten (N = 96), die sich einer teilweisen Magenentfernung in Folge von Magenkrebs unter Vollnarkose unterzogen. Die Kontrollgruppe erhielt Standardversorgung ohne aktive Intervention. Primäre Zielparameter waren Kognition und postoperative Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Hypoxämie, Agitation). Nach der Operation ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur für Kognition. Hinsichtlich der postoperativen Symptome ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur für Agitation, nicht jedoch für die anderen Variablen. Auch diese Studie weist jedoch erhebliche methodische Mängel auf, sodass die erhobenen Daten nicht uneingeschränkt verlässlich sind.

Lebensqualität (zu Empfehlung 4.15)

Es liegen Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur zur Verbesserung der Lebensqualität als primärem Zielparameter aus einem systematischen Review über 1 RCT vor. In einem weiteren RCT wurde untersucht, inwieweit die prophylaktische Anwendung von Akupunktur die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen unter Chemotherapie beeinflussen kann.  Zudem gibt es drei Metaanalysen mit 9 RCTS und 13 weitere RCTs, die Lebensqualität als Nebenzielparameter untersucht hatten.

Die systematische Übersichtsarbeit von Pan-Weisz et al. (2019) hat eine Primärstudie zur Verbesserung der Lebensqualität von Hirntumor-Patienten unter Akupunktur aufgenommen [45].

In der Studie wurden 58 Patienten mit Astrozytom zusätzlich zur Standardbehandlung über 8 Wochen entweder mit standardisierter oder individualisierter Körperakupunktur behandelt. Verglichen wurde gegen eine Kontrollgruppe, die nur die Standardtherapie erhalten hatte. Primärer Endpunkt war die Lebensqualität, sekundäre Endpunkte waren die motorischen und sensorischen Fähigkeiten. Bezüglich der globalen Lebensqualität ergaben sich Post Intervention keine Gruppenunterschiede, ebenso für die Subskala Schmerz. Die individualisierte Akupunktur war in den Subskalen Fatigue, Schlaf und Anorexie den beiden anderen Vergleichsgruppen überlegen (p<0.01). Die Risk of Bias Bewertung dieser Studie fiel schlecht aus, so dass die Ergebnisse nicht verlässlich erscheinen können.

In der systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Pan et al. (2018) wurde der Einfluss von Akupunktur auf hormonbedingte Nebenwirkungen bei Mamma-Karzinompatientinnen betrachtet [16]. Insgesamt 16 RCTs wurden eingeschlossen. Primärer Zielparameter waren Hitzewallungen, sekundärer Parameter war u.a. Lebensqualität. Die Veränderung der Lebensqualität wurde in 5 Studien (n = 241) analysiert, weder beim Vergleich mit Standardtherapie noch mit Edukation ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede: In 3 RCTs (n = 96) wurde zusätzlich zur Standardtherapie Akupunktur angewandt, die Kontrollgruppe erhielt nur Standardbehandlung. Nach Behandlung und einem Follow-up von 4-26 Wochen betrug die Standardmittelwertdifferenz SMD =-0.29 [-1.30 / 0.70] (p ≥ 0.05), die Heterogenität war groß I2 = 86%. In 2 RCTs (n = 145) wurde Akupunktur versus Edukation verglichen: Nach 4-26 Wochen-Follow-up SMD = -0.09 [-0.45 / 0.26] (p ≥ 0.05) (keine Heterogenität).

Zeng et al. (2014) haben in die Metaanalyse 6 RCTs mit Patienten verschiedener Krebsentitäten aufgenommen [34]. In 3 RCTs wurde zusätzlich zur Standardbehandlung entweder mit Verum- oder mit Sham-Akupunktur behandelt (n = 121), in 4 RCTs erhielt die Kontrollgruppe nur Standard (n = 464) (ein RCT hatte 3 Kontrollarme). Der Follow-up Zeitraum betrug 2-10 Wochen. Hauptzielparameter war Fatigue, Nebenzielparameter war u.a. Lebensqualität.

Lebensqualität wurde in den 3 RCTs, die Akupunktur versus Sham-Akupunktur untersuchten, erhoben. Die beiden Kontrollgruppen zeigten keine signifikanten Unterschiede 2-10 Woche post-Intervention: SMD = 0.99 [-0.70 / 2.68], (p ≥ 0.05) bzw. SMD = 1.38 [-1.02 / 3.79], (p ≥ 0.05).

Ju et al. (2017) haben in einen Cochrane Review Akupunktur bei neuropathischen Schmerzen überprüft [29]. Eine Primärstudie zu Krebs wurde eingeschlossen. 104 Patienten mit multiplem Myelom erhielten Standardbehandlung + Mecobalamin oder zusätzlich noch über 12 Wochen Akupunkturbehandlung. Hauptzielparameter war der neuropathische Schmerz, Nebenzielparameter war u.a. Lebensqualität. Post-Intervention war Akupunktur der Standardbehandlung signifikant überlegen. Die Standardmittelwertdifferenz SMD betrug -4.10 [-4.79 / -3.41], (p < 0.01).

In dem RCT von Brinkhaus et al. (2019) wurden n = 150 Mamma-Karzinompatientinnen vor und unter Chemotherapie präventiv über 6 Monate entweder zusätzlich zur Standardtherapie mit Körperakupunktur oder nur mit Standardtherapie behandelt [33]. Primärer Zielparameter war die Lebensqualität, sekundärer Parameter waren Fatigue, Neurotoxizität und Sicherheit. Zu den beiden Messzeitpunkten (3 und 6 Monate) zeigten sich keine signifikanten Gruppenunterschiede in der Lebensqualität, weder global noch in den Subskalen. Die Gegenüberstellung der unerwünschten Ereignisse ergab keine Signifikanz zwischen den Gruppen (Akupunktur 518 vs. Kontrolle 561). Die Durchführung der Studie ist von hoher Qualität, die Daten daher verlässlich. Als sekundären Zielparameter wurde Lebensqualität in 2 Metaanalysen mit 8 RCTs und in 14 weiteren RCTs erhoben.

Rithirangsriroj et al. (2015) haben in einem RCT mit 70 Patienten mit gynäkologischen Tumoren vor Beginn des ersten Chemotherapie-Zykluses Akupunktur im Punkt P6 gegen 8mg Ondansetron verglichen, zum nächsten Zyklus wurden die Gruppen getauscht [13]. Zusätzlich erhielten alle Teilnehmerinnen für 3 Tage 5mg Dexamethasone (oral) und bei Bedarf alle 12 Stunden 4mg Ondansetron. Primärer Zielparameter war die Response-Rate, sekundärer Zielparameter war u.a. Lebensqualität. Insgesamt waren die FACT-G-Werte zur Lebensqualität in der Akupunkturgruppe signifikant höher (p=0.03).

In Zhou et al. (2017) wurden n = 56 Magenkarzinom Patienten unter Chemotherapie (Oxaliplatin Paclitaxel) in zwei gleich große Gruppen randomisiert [14]. Die erste Gruppe erhielt zusätzlich zwei Wochen lang täglich eine 30-minütige Akupunkturbehandlung. Die Endpunkte wurden nicht priorisiert: Krankenhausverweildauer, Erbrechen, Durchfall, therapieinduzierte Schmerzen und Lebensqualität. Der durchschnittliche Lebensqualitätswert war in der Interventionsgruppe höher als in der Kontrollgruppe (p < 0.05).

Garland et al. (2019) verglich zusätzlich zur Standardtherapie Akupunktur mit Kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) bei n = 160 Patienten mit verschiedenen Krebsentitäten nach adjuvanter Therapie [32]. Die Behandlungsdauer betrug 8 Wochen, i. e. 240 Minuten insgesamt. Primärer Zielparameter war die Schwere der Insomnie, sekundärer Parameter war u.a. Lebensqualität, global. Akupunktur versus CBT zeigte Post Intervention und nach 20 Wochen keinen signifikanten Gruppenunterschied.

In dem RCT von Walker et al. (2010) wurden n = 50 Brustkrebspatientinnen unter Hormontherapie (Tamoxifen oder Arimidex) in zwei Gruppen randomisiert [19]. Die eine Gruppe erhielt über 12 Wochen Körperakupunktur, die andere Gruppe in der ersten Woche 37,5mg, dann 75 mg Venlafaxine (oral). Primärer Endpunkt war die Frequenz der Hitzewallungen. Sekundärer Endpunkt war die u.a. Lebensqualität. Beide Gruppen zeigten eine Woche nach Therapieende eine signifikante Verbesserung.

In einem RCT [18] wurden Brustkrebspatientinnen (davon über 80% unter antihormoneller Therapie) entweder nur mit Standardtherapie (n = 85) oder zusätzlich einmal wöchentlich über 12 Wochen mit manueller Körperakupunktur (n = 105) behandelt. Primärer Endpunkt war die Zahl und Stärke der Hitzewallungen, sekundärer Zielparameter war u.a. Lebensqualität. In der Akupunkturgruppe war diese im Vergleich zur Kontrolle nach Intervention und nach Woche 26 signifikant besser (p < 0.05).

Frisk et al. (2012) haben n = 44 Brustkrebspatientinnen nach Abschluss der adjuvanten Therapie (teilweise unter Tamoxifen) über 12 Wochen zusätzlich zur Standardbehandlung mit Elektroakupunktur oder Hormonen (Östrogen-Progesteron Kombination) behandelt. Post-Intervention und nach einem Jahr Follow-Up gab es bezüglich der globalen Lebensqualität keine Gruppenunterschiede [21].

Im RCT von Molassiotis et al. (2019) wurden 87 Ovarialkarzinom, Kopf/Hals-Tumoren, Brustkrebs, kolorektalen Karzinomen und Myelom-Patienten während und nach Chemotherapie entweder nur mit Standardtherapie oder über 8 Woche zusätzlich 2x pro Woche mit Akupunktur behandelt. Primärer Endpunkt war der neuropathische Schmerz, sekundärer Punkt war u. a. Lebensqualität. Diese hatte sich in der Akupunkturgruppe post-Intervention signifikant im Vergleich zur Kontrolle verbessert (p = 0.045), in der Folgezeit (14, 20 Wochen) glichen sich die Gruppen jedoch wieder an [31] .

Molassiotis et al. (2012) verglichen bei 302 Brustkrebspatientinnen nach adjuvanter Therapie eine zusätzliche 6-wöchige Körperakupunktur (1x pro Woche) mit einer alleinigen Standardtherapie. Sekundärer Zielparameter war u.a. Lebensqualität (der primäre Zielparameter war Fatigue und ist in Zeng et al., 2014 integriert, s.o.). Nach Ende der Intervention hatten die Patientinnen in der Akupunktur-Gruppe eine signifikant höhere Lebensqualität [46].

Deng et al. (2013) haben 101 Krebspatienten mit unterschiedlichen Tumoren nach Ende der jeweiligen Chemotherapie 6 Wochen lang (1x pro Woche) entweder mit Körperakupunktur oder mit Sham-Akupunktur als add-on zur Standardbehandlung behandelt. Primärer Endpunkt war die Verbesserung der Fatigue, sekundärer Punkt war u.a. Lebensqualität. Nach der Intervention hatte es keinen signifikanten Gruppenunterschied ergeben [35].

In dem RCT von Hershman et al. (2018) wurden Brustkrebspatientinnen (teilweise unter antihormoneller Therapie) zusätzlich zur Standardtherapie 1-2 in der Woche über 6 Wochen mit Köperakupunktur (n = 110) oder mit Sham-Akupunktur (n = 59) behandelt, in einem dritten Studienarm wurden nicht zusätzlich behandelt (Warteliste, n = 57). Primärer Zielparameter war der Einfluss auf die Arthralgien, sekundärer Parameter war u.a.  Lebensqualität. Nach der Intervention zeigte sich die Köperakupunktur der Sham-Akupunktur und der Warteliste im Hinblick auf die Lebensqualität signifikant überlegen (p < 0.05). Nach weiteren 6 Wochen blieben die Ergebnisse der Körperakupunkturgruppe weiterhin denen der Warteliste signifikant überlegen, die Akupunktur- und Sham-Akupunktur hatten sich angeglichen [24].

In der Studie von Minchom et al. (2016) wurden n = 173 Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom mit Akupunktur oder Morphin oder der Kombination beider Verfahren behandelt, um eine Verbesserung der Dyspnoe zu erreichen. Der Akupunkturarm erhielt eine einmalige Akupunkturbehandlung, anschließend Dauernadeln für 2 Wochen. Der Kombinationsarm erhielt Körperakupunktur und Morphin, der dritte Studienarm erhielt Morphin. Sekundärer Zielparameter war u. a. die tumorspezifische Lebensqualität [47].

Zwischen der Akupunktur- und Morphingruppe ergab sich Post-Intervention ein signifikanter Gruppenunterschied zugunsten der Akupunktur (p = 0.009), zwischen der Morphin-Gruppe und der Kombinationsgruppe waren die Gruppenunterschiede nicht signifikant.

Das RCT von Zhao et al. (2018) untersuchte die Wirkung von Akupunktur und Elektro-Akupunktur auf die Wiederherstellung der autonomen Nervenfunktion des Beckens zur Behandlung von Patienten mit Rektal-Karzinom (n = 120) nach Operation. Die Akupunktur-Gruppe erhielt manuelle Körperakupunktur und Elektroakupunktur über einen unbestimmten Zeitraum, sowie Beckenbodentraining. Die Kontrollgruppe erhielt Standardversorgung und ebenfalls ein Beckenbodentraining. Als Nebenzielparameter wurde die Lebensqualität erfasst. Für die Variable Lebensqualität ergaben sich post-operativ beim 4-12 Wochen Follow-up signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur (p < 0.5) [43].

Insgesamt liegt eine heterogene Datenlage vor und die Studien weisen methodische Mengel auf. Negative Effekte der Akupunktur waren aus den Studien nicht ersichtlich. Positive Effekte fanden sich in kleinen Studien oder Studien mit einer Usual Care Vergleichsgruppe, wobei unspezifische Effekte wie z.B. durch Aufmerksamkeit und Zuwendung berücksichtigt werden sollten, sodass die Ergebnisse insgesamt mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Depressivität (zu Empfehlung 4.16)

Es liegen Daten (3 RCTs) zur Wirkung von Akupunktur auf Depressivität bei Patienten mit Brustkrebs vor. Ein RCT [19] mit n = 50 Mamma-Karzinompatientinnen unter Hormontherapie (Tamoxifen oder Arimidex) verglich manuelle Körperakupunktur über 12 Wochen mit einer Kontrollgruppe, welche in der ersten Woche 37,5mg, dann 75 mg Venlafaxine (oral) erhielt. Primärer Endpunkt war die Frequenz der Hitzewallungen. Sekundärer Endpunkt war u.a. Depressivität. Beide Gruppen zeigten eine Woche nach Therapieende eine signifikante Abnahme von depressiven Symptomen, einschließlich einer signifikanten Verbesserung der psychischen Gesundheit. Diese Veränderungen waren in beiden Gruppen ähnlich, was darauf hinweist, dass Akupunktur genauso wirksam war wie Venlafaxin, wobei die Studie nicht als Unterlegenheitsstudie ausgelegt war. Es ergaben sich weder kurz- noch langzeitig signifikante Gruppenunterschiede. Diese Studie weist jedoch methodische Mängel auf, sodass die erhobenen Daten nicht uneingeschränkt verlässlich sind.

2 weitere bereits erwähnte RCTs [48][46] von guter methodischer Qualität fanden signifikante Gruppenunterschiede. Mao et al. (2014) fanden im Vergleich zu Treatment as Usual sowohl kurz- als auch langzeitig signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur. Im Vergleich zu Sham-Akupunktur ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede. Molassiotis et al. (2012) fanden ebenfalls signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur im Vergleich zu Treatment as Usual. Langzeiteffekte wurden nicht berichtet.

Darüber hinaus liegen weitere Daten zur Wirkung von Akupunktur auf Depressivität bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen vor. Als primärer Outcome-Parameter wurde Depressivität in 1 RCT [53] analysiert, in weiteren 4 RCTs sowie einer Metaanalyse über 6 RCTs wurde Depressivität als sekundärer Outcome Parameter untersucht.

Eine Metaanalyse über 6 RCTs [34] mit teilweise unklarem bis hohem Risiko systematischer Verzerrungen untersuchte als primären Zielparameter Fatigue, sekundärer Parameter war u.a. Depressivität. In 3 RCTs wurde zusätzlich zur Standardbehandlung entweder mit Verum- oder mit Sham-Akupunktur behandelt (n = 121), in 4 RCTs erhielt die Kontrollgruppe nur Standard (n = 464) (ein RCT hatte 3 Kontrollarme). Der Follow-up Zeitraum betrug 2-10 Wochen. Depressivität wurde in den 3 RCTs, die Akupunktur versus Sham-Akupunktur untersuchten, erhoben. Die beiden Kontrollgruppen zeigten keine signifikanten Unterschiede 2-10 Woche post-Intervention: SMD = 0.99 [-0.70 / 2.68], (p ≥ 0.05) bzw. SMD = 1.38 [-1.02 / 3.79], (p ≥ 0.05).

Zwei weitere bereits erwähnte methodisch hochwertige RCTs [35][32] ergaben ebenfalls keine signifikanten Gruppenunterschiede zwischen Akupunktur und den jeweiligen Kontrollgruppen (Sham-Akupunktur und Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie), weder kurz- noch langzeitig. Ein weiteres RCT [53] mit überwiegend unklarem Risiko systematischer Verzerrungen verglich manuelle Körperakupunktur über 4 Wochen mit einer Kontrollgruppe, welche Fluoxetin erhielt. Es ergaben sich nach der Intervention signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur, sowohl für selbstberichtete als auch für fremdberichtete Depressivität. Aufgrund der methodischen Mängel sollten die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.

Ein weiteres ebenfalls bereits erwähntes RCT von Minchom et al. (2016) von guter methodischer Qualität, durchgeführt bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom und Patienten mit Mesotheliom mit Atembeschwerden in palliativer Situation, ergab keine signifikanten Gruppenunterschiede zwischen Akupunktur und den beiden Kontrollgruppen, welche jeweils Morphin oder eine Kombination aus Akupunktur und Morphin erhielten [Minchom, A. et al. 2016].

Angst (zu Empfehlung 4.17)

Ein RCT [54] untersuchte Angst als primären Zielparameter, in 7 weiteren RCTs wurde Angst als sekundärer Parameter analysiert.

3 RCTs von guter methodischer Qualität untersuchten die Wirkung von Akupunktur auf die Angst bei Patienten mit Brustkrebs und fanden inkonsistente Ergebnisse. Die Studie von Bao et al. (2014) verglich manuelle Körperakupunktur über 8 Wochen mit Sham-Akupunktur an nicht-penetrierenden Sham-Akupunkturpunkten bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen unter antihormoneller Therapie [49]. Bei 4-12 Wochen Follow-up ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich Angst. Ein weiteres RCT [48] untersuchte eine 8-wöchige Elektroakupunktur im Vergleich zu Sham-Akupunktur und Treatment as Usual bei n = 67 Brustkrebspatientinnen unter antihormoneller Therapie mit Gelenkschmerzen. Nach der Intervention ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich Angst. Beim 12-Wochen Follow-up ergaben sich jedoch signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur, sowohl im Vergleich zu Treatment as Usual, als auch im Vergleich zur Sham-Akupunktur. Das Bias Risiko dieser Studie wird als insgesamt als relativ niedrig eingestuft. Ein weiteres RCT [46] bei n = 302 Brustkrebspatientinnen nach adjuvanter Therapie mit chronischer Fatigue fand kurzzeitig signifikante Gruppenunterschiede zugunsten einer 6-wöchigen manuellen Körperakupunktur im Vergleich zu Treatment as Usual. Langzeitige Effekte wurden nicht berichtet.

Weitere RCTs mit ebenfalls inkonsistenten Ergebnissen liegen für Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen vor. Ein RCT [35] verglich manuelle Körperakupunktur über 6 Wochen bei 101 Patienten mit gemischten Krebsdiagnosen nach Chemotherapie mit chronischer Fatigue mit Sham-Akupunktur und fand nach der Intervention keine signifikanten Gruppenunterschiede für Angst.

Ein weiteres RCT [32] verglich manuelle Körperakupunktur mit kognitiver Verhaltenstherapie für Insomnie in gleichem Umfang bei 160 Patienten mit verschiedenen Krebsentitäten nach adjuvanter Therapie. Die Behandlungsdauer betrug 8 Wochen, i. e. 240 Minuten insgesamt. Primärer Zielparameter war die Schwere der Insomnie, sekundärer Parameter war u.a. Angst und Depressivität. Es ergaben sich sowohl kurz- als auch langzeitig keine signifikanten Gruppenunterschiede. Beide Studien weisen ein geringes Risiko systematischer Verzerrungen auf.

Ein weiteres RCT [54] untersuchte die Wirkung einer einwöchigen Elektroakupunktur mit täglichen Anwendungen bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom in palliativer Situation auf die Angst und Lebensqualität als primären Zielparameter. Im Vergleich zu Treatment as Usual ergaben sich sowohl direkt nach der Intervention als auch 4 Wochen im Anschluss signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur. Im Vergleich zu Sham-Akupunktur wurden signifikante Gruppenunterschiede lediglich nach 4 Wochen gefunden. Direkt nach der Intervention ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede. Diese Studie weist ein überwiegend unklares bis hohes Risiko systematischer Verzerrungen auf und sollte daher mit Vorsicht interpretiert werden.

Minchom et al. (2016) verglich eine einmalige manuelle Körperakupunktur mit anschließend 2 Wochen Dauernadeln mit einer Kontrollgruppe, welche Morphin erhielt, und einer weiteren Kontrollgruppe, welche eine Kombination aus manueller Körperakupunktur und Morphin erhielt, bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom und Patienten mit Mesotheliom mit Atembeschwerden in palliativer Situation. In allen drei Gruppen wurden sowohl 30 Minuten nach der Intervention als auch 2 Wochen später vergleichbare Effekte, aber keine signifikanten Gruppenunterschiede gefunden. Diese Studie weist eine gute methodische Qualität auf [Minchom, A. et al. 2016].

Ntritsou et al. (2014) randomisierten 70 Prostata-Karzinompatienten vor Prostatektomie in zwei Gruppen, welche zusätzlich zur Standardtherapie (Tramadol + Ketamin) präoperativ entweder mit Elektroakupunktur oder mit Sham-Akupunktur behandelt wurden. Endpunkte (primär und sekundär nicht definiert) waren der postoperative Schmerz, Druckschmerzschwellen, Nebenwirkungen der Opioide, Analgetikaverbrauch und Angst. 45 Minuten bis 24 Stunden nach OP zeigten sich in Bezug auf Angst keine Gruppenunterschiede. Die Studie weist eine gute methodische Qualität auf [27].

Blasenfunktion

Ein RCT [55] untersuchte die Wirkung von Akupressur auf die Blasenfunktion bei n=112 Cervix-Karzinompatienten nach der Operation. Verglichen wurde manuelle Körperakupunktur über 2 Wochen einmal täglich mit Treatment as Usual. Primärer Zielparameter war die Blasenfunktion (Urinvolumen nach Katheterentfernung), sowie Harnverhalt (Prävention). Für die Blasenfunktion ergaben sich postoperativ keine signifikanten Gruppenunterschiede. Für den Harnverhalt ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur.

Ein weiteres RCT [43] untersuchte die Wirkung von Akupunktur auf die Wiederherstellung der autonomen Nervenfunktion des Beckens nach Operation. Dabei wurde manuelle Körperakupunktur und Elektroakupunktur (Länge der Intervention nicht berichtet) mit Treatment as Usual bei n = 120 Rektal-Karzinompatienten, die sich einer anuserhaltenden Operation unterzogen hatten und sich zum Teil unter Chemo-/Radiotherapie befanden, verglichen. Beide Gruppen erhielten außerdem ergänzend Beckenbodentraining. Zielparameter war u.a. die Blasenfunktion (Zeit bis zur Katheterentfernung). 4-12 Wochen nach der Intervention ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur. Beide Studien weisen jedoch ein überwiegend unklares und/oder hohes Risiko systematischer Verzerrungen auf und sollten nicht als Grundlage einer evidenzbasierten Empfehlung herangezogen werden.

Lymphödem

Eine systematische Übersichtsarbeit über 3 RCTs [56] von guter methodischer Qualität verglich manuelle Körperakupunktur über einen Zeitraum von 4-8 Wochen mit einer Warteliste-Kontrollgruppe (2 RCTs, n=93) oder einer Kontrollgruppe, welche Medikation mit Diosmin erhielt (1 RCT, n=30), bei Patientinnen mit Mammakarzinom. Primärer Zielparameter war der Armumfang (Lymphödem/extrazelluläres Flüssigkeitsvolumen). Es ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede im Vergleich zur Warteliste. Im Vergleich zu Medikation mit dem Wirkstoff Diosmin (900mg 3x/Tag) ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupunktur (p<0.01).

Dyspnoe

Eine systematische Übersichtsarbeit [57] über 1 RCT von guter methodischer Qualität untersuchte die Wirkung von manueller Körperakupunktur über 1 Woche im Vergleich zur Sham-Akupunktur auf Dyspnoe als primären Zielparameter bei n=47 Patienten mit fortgeschrittenem Brust- und Lungenkrebs. Es ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede nach Abschluss der Intervention.

Ein weiteres methodisch ebenfalls hochwertiges RCT [Minchom, A. et al. 2016] verglich eine einmalige manuelle Körperakupunktur mit anschließend 2 Wochen Dauernadeln mit einer Kontrollgruppe, welche Morphin erhielt, und einer weiteren Kontrollgruppe, welche eine Kombination aus manueller Körperakupunktur und Morphin erhielt, bei n=173 Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom und Patienten mit Mesotheliom mit Atembeschwerden in palliativer Situation. Dyspnoe wurde als primärer Zielparameter erfasst. 30 Minuten bis 2 Wochen nach der Intervention wurden vergleichbare Effekte in allen drei Gruppen gefunden.

Gastrointestinale Symptomatiken

Als sekundären Zielparameter wurden gastrointestinale Symptome in einer Metaanalyse mit 5 RCTs analysiert, zudem in einem weiteren RCT.

In der systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Pan et al. (2018) wurde der Einfluss von Akupunktur auf hormonbedingte Nebenwirkungen bei Mammakarzinompatientinnen betrachtet [16]. Insgesamt 16 RCTs wurden eingeschlossen. Primärer Zielparameter waren Hitzewallunge, sekundärer Parameter war u.a. Gastrointestinale Symptomatik. Diese wurde in 5 RCTs (n=309) analysiert, bei denen jedoch die Akupunktur zu keinem Messzeitpunkt der Kontrolle überlegen war. 2 RCTs (n=56) untersuchten zusätzlich zur Standardbehandlung Akupunktur und verglichen gegen alleinigen Standard. Nach Intervention und 4-26 Wochen-Follow-up betrug die Standardmittelwertdifferenz SMD=-0.30 [-0.76/0.15] (p≥0.05) (keine Heterogenität), bei 1 RCT (n=74) mit Akupunktur versus Sham-Akupunktur betrug die SMD nach 4-26 Wochen SMD=-0.04 [-0.43/0.34] (p≥0.05), bei 1 RCT (n=105) mit Akupunktur versus Edukation zeigte sich nach 4-26 Wochen Follow-up die SMD=-0.04 [-0.74/0.66] (p≥0.05), bei 1 RCT (n=74) mit Akupunktur versus Entspannung und 4-26 Wochen Follow-up war die SMD=0.04 [-0.41/0.50] (p≥0.05).

Zhou et al. (2017) haben n=56 Magenkarzinom Patienten unter Chemotherapie (Oxaliplatin–Paclitaxel) in zwei gleich große Gruppen randomisiert [14]. Die erste Gruppe erhielt zusätzlich 2 Wochen lang täglich eine 30-minütige Akupunkturbehandlung. Die Endpunkte wurden nicht priorisiert: Krankenhausverweildauer, Erbrechen, Durchfall, therapieinduzierte Bauchschmerzen und Lebensqualität. Im Durchschnitt trat Durchfall in der Versuchsgruppe 1 ± 1 Mal täglich und in der Kontrollgruppe 3 ± 1 Mal täglich auf (p<0.05) (s. o. Erbrechen/Übelkeit). Die Bauchschmerzen hielten in der Versuchsgruppe und in der Kontrollgruppe 7 ± 2 Minuten und 16 ± 5 Minuten täglich an (p<0.05).

Evidenzaufarbeitung

Die Evidenzaufarbeitung zu Akupunktur wurde von den Wissenschaftlern der Universität Duisburg-Essen unter der Leitung von Prof. Dr. Dobos (KOKON) durchgeführt.

4.2 Akupressur

4.18 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einer Metaanalyse über 10 RCTs und 4 weiteren RCTs zur Wirksamkeit der Akupressur bei Chemotherapie-induzierter1 und Radiotherapie-induzierter2 Übelkeit bei onkologischen Patienten vor. Akupressur mit Fingerdruck1 oder mit Akupressurband1 (Neiguan, PC6) kann als zusätzliche Maßnahme zur Reduktion der Übelkeit bei diesen Patienten erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[58] [59] [60] [61] [62]
Evidenztabellen (1)Roscoe et. al. (2009)
4.19 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einer Metaanalyse über 3 RCTs, sowie einer weiteren RCT zur Wirksamkeit der Akupressur zur Senkung der tumorassoziierten Fatigue bei onkologischen Patienten vor. Akupressur kann zur Senkung der tumorassoziierten Fatigue bei diesen Patienten erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[63] [64]
4.20 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einem systematischen Review über 8 RCTs zur Wirksamkeit der Ohr-Akupressur bei Patienten mit Tumorschmerzen vor. Ohr-Akupressur kann bei diesen Patienten als zusätzliche Therapie erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1a
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[25]

Akupressur leitet sich von dem Lateinischen „acus“ Nadel und „premere“ drücken ab und bezeichnet ein präventives und therapeutisches Heilverfahren, bei welchem stumpfer Druck auf definierte Körperstellen durch Daumen, Handballen, Ellbogen, Knie, Fuß oder technische Hilfsmittel, wie z.B. Akupressurbänder, ausgeübt wird. Diese Heilmethode findet insbesondere in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und der japanischen Medizin Anwendung und ist auch für die Selbstbehandlung geeignet. Die Akupressur geht von Meridianen und Tsubos aus, sogenannten Energiebahnen, die durch den Körper laufen, durch welche Lebensenergie fließt und welche als komplexes System den Gesamtorganismus regulieren. Krankheiten und Funktionsstörungen von Körper und Geist sind nach dieser Ansicht auf ein Ungleichgewicht der Energieströme zurückzuführen, welche durch Akupressur wieder ins Gleichgewicht gebracht werden sollen. Durch Akupressur sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert und Störungen des Organismus positiv beeinflusst werden.

Überblick:

Es liegen Daten [2 MA mit je 3 und 10 RCTs und weitere 7 RCTs] zum Einfluss von Akupressur auf Fatigue, Übelkeit und Erbrechen, Angst, Depressivität, Lebensqualität, postoperativen Schmerz und Antiemetikaverbrauch bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen vor. Weitere Daten [4 RCTs] zum Einfluss von Akupressur auf Angst, Lebensqualität, Schmerzen, Depressivität, Antiemetikaverbrauch, Konstipation und Schlafqualität wurden bei Frauen mit Brustkrebs gefunden. Zudem liegen Daten [1 MA mit 2 RCTs] zum Einfluss von Akupressur auf Postoperativen Ileus bei Patienten mit Magen-und Darmkrebs, sowie Daten [2 RCTs] zum Einfluss auf Übelkeit und Erbrechen, postoperativen Schmerz und Diarrhoe bei Patienten mit Magenkrebs vor. Bei Patienten mit Leukämie liegen Daten [1 RCT] zum Einfluss von Akupressur auf Schmerzen vor.

Übelkeit (zu Empfehlung 4.18)

RCTs bei onkologischen Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen während der Chemo-/Radiotherapie, welche die Wirkung von Akupressur auf Übelkeit und Erbrechen untersuchten, berichten über sich widersprechende Ergebnisse. Eine Metaanalyse von Miao et al. (2017) [58] über 10 RCTs mit größtenteils niedrigem Risiko für systematische Verzerrungen, ergab signifikante Gruppenunterschiede für die Intensität der akuten Übelkeit im Vergleich zu Sham-Akupressur (3 RCTs; standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0,32), nicht jedoch im Vergleich zu Treatment as Usual (4 RCTs; standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0,15). Für die Häufigkeit der akuten Übelkeit, sowie die Häufigkeit und Intensität der verzögerten Übelkeit und des akuten und verzögerten Erbrechens wurden keine signifikanten Gruppenunterschiede gefunden. Ein weiteres RCT [59], welches ebenfalls bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen während der Chemotherapie durchgeführt wurde, fand keine signifikanten Gruppenunterschiede zugunsten der Akupressur im Vergleich zu Sham-Akupressur im 1-5 Tage Follow-up.

Ein RCT [62] verglich Akupressur in Kombination mit neutraler Information, welche nicht zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartungen beitragen sollte, mit Akupressur in Kombination mit positiver Information zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartung mit Treatment as Usual. Es wurden signifikante Gruppenunterschiede für Übelkeit zugunsten Akupressur für beide Interventionen kombiniert gefunden, nicht jedoch für die Interventionen einzeln und auch nicht für Erbrechen. Beide RCTs wiesen ein unklares bis hohes Risiko systematischer Verzerrung auf und sollten daher mit Vorsicht interpretiert werden.

Zwei weitere RCTs [60][61], durchgeführt bei Patienten mit Magenkrebs, berichteten ebenfalls inkonsistente Ergebnisse. Kong et al. (2018) verglich eine 21-tägige Ohrakupressur während oraler Chemotherapie mit Sham-Akupressur in gleichem Umfang und fand signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur bei dem Schweregrad von Übelkeit und Erbrechen, nicht jedoch bezüglich dem Inzidenz von Übelkeit und Erbrechen. Dieses RCT weist ein unklares bis hohes Risiko systematischer Verzerrungen auf. Das RCT von Hsiung et al. (2015) mit überwiegend geringem Risk of Bias verglich Akupressur nach Gastrektomie bei Patienten mit Magenkrebs mit Treatment as Usual und fand keine signifikanten Gruppenunterschiede.

Cancer Related Fatigue (zu Empfehlung 4.19)

Da alle folgenden RCTs ein überwiegend unklares Risiko möglicher systematischer Verzerrung aufweisen, sollten die Ergebnisse mit Vorbehalt interpretiert werden.

Eine Metaanalyse [63] über 3 RCTs ergab signifikante Gruppenunterschiede für Fatigue, sowohl zwischen Akupressur und Treatment as Usual (1 RCT; standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0,82), als auch zwischen Akupunktur und Sham-Akupressur (2 RCTs; standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0,96) nach Abschluss der Krebsbehandlung bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen. Die Länge der Interventionen variierte zwischen 2 bis 22 Wochen. Duong et al., (2017) berichten kein Risk of Bias Assessment der eingeschlossenen RCTs, weshalb die gefundenen signifikanten Gruppenunterschiede mit Zurückhaltung interpretiert werden sollten.

Ein RCT [64] bei hospitalisierten Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen fand signifikante Gruppenunterschiede für Fatigue zugunsten der Akupressur im Vergleich zu Treatment as Usual (Weiterführung der bisherigen Therapie ohne aktive Studienintervention oder Warteliste), nicht jedoch im Vergleich zur Sham-Akupressur.

Postoperativer Ileus

Eine Metaanalyse [40] über 2 RCTs mit größtenteils unklarem bis hohem Risiko systematischer Verzerrungen untersuchte die Wirkung von Akupressur zur Verkürzung eines postoperativen Ileus und Verbesserung der Darmfunktion bei Darm-und Magenkrebspatienten nach der Operation. Primäre Endpunkte waren die Zeit bis zum ersten Flatus und ersten Stuhlgang. Es wurden signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupressur für Zeit bis zum ersten Flatus im Vergleich zu Sham-Akupressur (standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0,58) und Treatment as Usual (standardisierte Mittelwertsdifferenz: -0,79) gefunden, jedoch keine Unterschiede für Zeit bis zum ersten Stuhlgang.

Angst

Es liegen widersprüchliche Ergebnisse zum Einfluss von Akupressur auf die Angst bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen vor. Ein RCT [65] von geringer methodischer Qualität verglich manuelle Körperakupressur und Ohrakupressur über einen Zeitraum von 10 Tagen mit Sham-Akupressur und Treatment as Usual bei hospitalisierten onkologischen Patienten nach Abschluss der Krebsbehandlung. Es wurden signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur im Vergleich zu Treatment as Usual gefunden jedoch nicht im Vergleich zu Sham-Akupressur. Ein methodisch hochwertiges RCT [66] verglich Akupressur via Armband während der Chemotherapie und 6 Tage danach mit Sham-Akupressur und Treatment as Usual in Kombination mit Antiemetika in allen drei Gruppen und fand keine signifikanten Gruppenunterschiede, weder im Vergleich zu Treatment as Usual, noch zu Sham-Akupressur. Ein weiteres methodisch hochwertiges RCT [67] zu manueller Körperakupressur zu Beginn und Ende der Knochenmarksbiopsie bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen fand signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Akupressur, sowohl im Vergleich zu Treatment as Usual, als auch im Vergleich zu Sham-Akupressur.

Ein weiteres RCT [68] von ebenfalls guter methodischer Qualität verglich eine entspannende manuelle Körperakupressur mit einer stimulierenden manuellen Körperakupressur über 6 Wochen mit täglichen Anwendungen mit Treatment as Usual bei Brustkrebspatientinnen nach Abschluss der Krebsbehandlung. Direkt nach Abschluss der Intervention wurden signifikante Gruppenunterschiede zugunsten entspannender und stimulierender Akupressur im Vergleich zu Treatment as Usual gefunden, beim 10-Wochen-follow-up wurden lediglich signifikante Gruppenunterschiede zugunsten stimulierender Akupressur, nicht jedoch zugunsten der entspannenden Akupressur gefunden.

Lebensqualität

Für die Wirkung von Akupressur auf die tumorspezifische Lebensqualität bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen fanden RCTs von unterschiedlicher methodischer Qualität keine signifikanten Effekte. Ein RCT [59] mit hauptsächlich unklarem Risk of Bias verglich Körperakupressur via Sea-Band über 5 Tage während Chemotherapie mit Sham-Akupressur via Sham-Band und fand keine signifikanten Gruppenunterschiede. Ein methodisch hochwertiges RCT [66] verglich Akupressur via Armband während der Chemotherapie und 6 Tage danach mit Sham-Akupressur und Treatment as Usual in Kombination mit Antiemetika in allen drei Gruppen und fand ebenfalls keine signifikanten Gruppenunterschiede für Lebensqualität. Ein bereits erwähntes RCT [62] verglich Akupressur in Kombination mit neutraler Information, welche nicht zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartungen beitragen sollte mit Akupressur in Kombination mit positiver Information zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartung während Radiotherapie mit Treatment as Usual und fand ebenfalls keine signifikanten Gruppenunterschiede. Das RCT zeigte jedoch ein hohes bis unklares Risiko systematischer Verzerrungen.

Für die Wirkung von Akupressur auf die tumorspezifische Lebensqualität bei Patienten mit Brustkrebs liegen inkonsistente Ergebnisse vor. Ein RCT [69] verglich Ohrakupressur während Chemotherapie über 6 Wochen mit einmal wöchentlichen Anwendungen mit Treatment as Usual und fand von Peri-bis Post-Intervention signifikante Gruppen-Zeit-Interaktionen und signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur. Die Ergebnisse sind jedoch aufgrund der geringen methodischen Qualität mit Vorsicht zu interpretieren. Ein weiteres RCT [70] von guter methodischer Qualität, welches eine entspannende manuelle Körperakupressur mit einer stimulierenden manuellen Körperakupressur über 6 Wochen mit Treatment as Usual bei Brustkrebspatientinnen nach Abschluss der Krebsbehandlung verglich, fand sowohl bei Post Intervention, als auch beim 10 Wochen-Follow-up signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten entspannender Akupressur aber keine signifikanten Gruppenunterschiede zugunsten stimulierender Akupressur. Ein RCT [71] mit überwiegend unklarem Risiko systematischer Verzerrungen verglich Körperakupressur via Relief-Band über 5 Tage während der Chemotherapie mit Sham-Akupressur via Relief-Band an Sham-Akupressurpunkten und Treatment as Usual und fand keine signifikanten Gruppenunterschiede. Bei Patienten mit Brustkrebs und hämatologischem Krebs fanden Roscoe et al. (2003) ebenfalls keine signifikanten Gruppenunterschiede [72]. Auch dieses RCT weist ein überwiegend unklares Risiko systematischer Verzerrung auf.

Depressivität

Das bereits erwähnte methodisch hochwertige RCT [66], welches Akupressur via Armband während der Chemotherapie und 6 Tage danach mit Sham-Akupressur und Treatment as Usual in Kombination mit Antiemetika in allen drei Gruppen bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen verglich, fand für Depressivität keine signifikanten Gruppenunterschiede. Ein weiteres RCT [68]von ebenfalls guter methodischer Qualität, welches eine entspannende manuelle Körperakupressur mit einer stimulierenden manuellen Körperakupressur über 6 Wochen mit Treatment as Usual bei Brustkrebspatientinnen nach Abschluss der Krebsbehandlung verglich, fand direkt nach der Intervention signifikante Gruppenunterschiede zugunsten entspannender Akupressur jedoch keine signifikanten Gruppenunterschiede zugunsten stimulierender Akupressur. Beim 10 Wochen-Follow-up wurden keine signifikanten Gruppenunterschiede mehr gefunden.

Schlafqualität

Ein bereits erwähntes RCT [70] untersuchte den Einfluss von entspannender und stimulierender Akupressur über 6 Wochen auf die Schlafqualität bei Brustkrebspatientinnen nach Abschluss der Krebstherapie. Es ergab sich ein kurzzeitiger signifikanter Gruppenunterschied zugunsten entspannender Akupressur, jedoch kein signifikanter Gruppenunterschied zugunsten stimulierender Akupressur. Beim 10-Wochen Follow-up wurden keine signifikanten Gruppenunterschiede mehr gefunden. Die methodische Qualität der Studie ist als hochwertig zu bewerten.

Schmerz (zu Empfehlung 4.20)

He et al. (2019) haben in einer methodisch sehr guten Metaanalyse insgesamt 8 RCTs aufgenommen, die Akupunktur/Akupressur zur Verbesserung von krebsbedingten Schmerzen untersucht hatten [25].

2 RCTs (n = 106) behandelten mit Ohrakupressur und erzielten eine signifikant bessere Schmerzlinderung in der Ohrakupressur-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe: MD = -1.75 [-2.07 / -1.43] (p < 0.05). Die Qualität der Evidenz wurde mit GRADE (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation) ermittelt und ergab moderate Qualität.

Ein weiteres RCT (n = 60) untersuchte Ohrakupressur in Kombination mit manueller Akupunktur und fand ebenfalls signifikante Gruppenunterschiede (MD = -1.77 [-2.64 / -0.90] (p < 0.05).

Daten von zwei weiteren RCTs zu Körperakupressur bei Schmerz liegen vor: Ein RCT [73] von geringer methodischer Qualität untersuchte die Wirksamkeit von Akupressur auf das Ausmaß der Schmerzen bei hospitalisierten Leukämie-Patienten unter Opioidtherapie. Patienten erhielten während des stationären Aufenthalts über 4 Wochen dreimal wöchentlich manuelle Körperakupressur zusätzlich zur Opioidtherapie. Während der Intervention wurden kurzzeitig signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur gefunden, nach der Intervention bestanden jedoch keine signifikanten Gruppenunterschiede. Ein weiteres RCT [68] mit überwiegend geringem Risiko systematischer Verzerrungen verglich eine entspannende manuelle Körperakupressur mit einer stimulierenden manuellen Körperakupressur über 6 Wochen mit Treatment as Usual bei Brustkrebspatientinnen nach Abschluss der Krebsbehandlung. Es ergaben sich kurzzeitig signifikante Gruppenunterschiede zugunsten entspannender Akupressur für Schmerzintensität und zugunsten stimulierender Akupressur für Schmerzbeeinträchtigung, ansonsten wurden keine signifikanten Gruppenunterschiede gefunden. Beim 10 Wochen Follow-up ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede mehr.

Postoperativer Schmerz

Zwei methodisch hochwertige RCTs untersuchten die Wirkung von Akupressur auf postoperative Schmerzen bei onkologischen Patienten. Ein RCT [60] verglich manuelle Körperakupressur über 3 Tage nach Gastrektomie bei Patienten mit Magenkrebs mit Treatment as Usual und fand signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur. Ein weiteres RCT [67] bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen verglich manuelle Körperakupressur jeweils zu Beginn und Ende der Knochenmarksbiopsie mit Sham-Akupressur und Treatment as Usual und fand ebenfalls signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur im Vergleich zu beiden anderen Gruppen für postoperativer Schmerz.

Antiemetikaverbrauch

Zwei RCTs von geringerer methodischer Qualität untersuchten die Wirkung von Akupressur auf den Antiemetikaverbrauch bei onkologischen Patienten. Ein RCT [71] verglich Körperakupressur via Relief-Band über 5 Tage mit Sham-Akupressur und Treatment as Usual bei Patienten mit Brustkrebs während der Chemotherapie. Es ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede. Ein weiteres RCT [62] verglich Akupressur in Kombination mit neutraler Information, welche nicht zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartungen beitragen sollte mit Akupressur in Kombination mit positiver Information zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartung mit Treatment as Usual bei Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen während Radiotherapie. Dieses RCT fand ebenfalls keine signifikanten Gruppenunterschiede.

Konstipation

Ein RCT [69] untersuchte die Wirkung von Ohrakupressur während Chemotherapie über 6 Wochen mit einmal wöchentlichen Anwendungen bei Patienten mit Brustkrebs. Es ergaben sich während und nach der Intervention signifikante Gruppen-Zeit-Interaktionen und signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur. Die Ergebnisse sind jedoch aufgrund des hohen Risikos systematischer Verzerrungen mit Vorsicht zu interpretieren und sollten nicht als Grund­lage einer evidenzbasierten Empfehlung herangezogen werden

Diarrhoe

Für die Wirkung von Akupressur auf Diarrhoe fand ein RCT [61] bei Patienten mit Magenkrebs während oraler Chemotherapie keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich der Inzidenz, jedoch signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur bezüglich des Schweregrads der Diarrhoe. Verglichen wurde dabei eine Ohrakupressur mit Dauerkügelchen über 21 Tage mit Sham-Akupressur an Akupunk­turpunkten, die nicht mit dem interessierten Symptom assoziiert waren. Das Risiko systematischer Verzerrungen ist jedoch überwiegend unklar bis hoch, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten.

Nebenwirkungen

Eine Metaanalyse über 2 RCTs [40] weist darauf hin, dass Akupressur keine schwer­wiegenden unerwünschte Ereignisse evoziert, obwohl die eingeschlossenen RCTs unerwünschte Ereignisse nicht systematisch berichten. In einer Metaanalyse über 10 RCTs [58] werden milde uner­wünschte Ereignisse berichtet, die sich nicht zwischen den Studiengruppen unterscheiden. Schwere unerwünschte Ereignisse traten ebenfalls nicht auf. Zudem berichten 2 RCTs, dass keinerlei unerwünschte Ereignisse aufgetreten sind [73][67]. Ein RCT berichtete 6 unerwünschte Ereignisse in den Akupressur-Gruppen, wobei es sich um leichte Blutergüsse an den Akupressurstellen handelte. In dem Großteil der Studien werden jedoch keine Angaben zu unerwünschten und schweren unerwünschten Ereignissen gemacht [65][63][59][60][64][61][66][62][71][72][69]. Insgesamt scheint Akupressur ein sicheres Verfahren mit einem durchaus positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis zu sein.

Evidenzaufarbeitung

Die Evidenzaufarbeitung zu Akupressur wurde von den Wissenschaftlern der Universität Duisburg-Essen unter der Leitung von Prof. Dr. Dobos (KOKON) durchgeführt.

4.3 Anthroposophische Medizin

Anthroposophische Komplexbehandlungen

4.21 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen Daten aus einer nicht-randomisiert kontrollierten und einer randomisierten Studie zur Wirksamkeit einer anthroposophischen Komplexbehandlung (Psycho- und Schlafedukation, Eurythmie-Therapie, Maltherapie) auf Fatigue und Schlafqualität bei Überlebenden nach Brustkrebs vor. Diese Form der anthroposophischen Komplexbehandlung kann zur Senkung von Fatigue und Ein- und Durchschlafstörungen bei Überlebenden nach Brustkrebs erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2b
Konsens
Konsens
Literatur
[74] [75]
Evidenztabellen (2)Kröz et. al. (2013); Kröz et. al. (2017)
4.22 · Evidenzbasiertes Statement 2020

Es liegen Daten aus einer randomisierten, einer nicht-randomisiert kontrollierten und einer einarmigen Studie zur Wirksamkeit anthroposophischer Behandlungen wie die Einnahme natürlicher Präparate, Kunsttherapie, Bestrahlung mit buntem Licht, Musik- und Sprachtherapie, Heileurythmie, Diät, therapeutische Massage, Hydrotherapie und teilweise auch Misteltherapie auf die Lebensqualität bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen die Anwendung dieser Therapien in Bezug auf die Lebensqualität von onkologischen Patienten gegeben werden.

Evidenzlevel
2b
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[76] [77] [78] [79] [80]
Evidenztabellen (3)Poier et. al. (2019); Heusser et. al. (2006); Carlsson et. al. (2001, 2004, 2006)

Anthroposophische Einzelmittel

4.23 · Evidenzbasiertes Statement 2020

Es liegen keine ausreichenden Daten aus kontrollierten und unkontrollierten Studien zur Wirksamkeit von anthroposophischen Kunsttherapien auf Depressivität* und Angst** bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen die Anwendung anthroposophischer Kunsttherapien bei diesen Patienten gegeben werden.

*Depressivität ist hier als subklinische Ausprägung zu verstehen, nicht als diagnostizierte Depression (ICD F32)

**Angstsymptome sind hier als subklinische Ausprägung zu verstehen, nicht als diagnostizierte Angststörung (ICD F40)

Evidenzlevel
2b
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[81]
Evidenztabellen (1)Bar-Sela et. al. (2007)
4.24 · Evidenzbasiertes Statement 2020

Es liegen keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit von Bryophyllum pinnatum auf Fatigue bzw. tägliche Müdigkeit oder Ein- und Durchschlafstörung bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen die Anwendung von Bryophyllum pinnatum bei diesen Patienten gegeben werden.

Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[82]
Evidenztabellen (1)Simões-Wüst et. al. (2015)

Die Anthroposophische Medizin wurde vor 100 Jahren von Rudolf Steiner und Ita Wegman entwickelt. Sie versteht sich als eine Erweiterung der Konventionellen Medizin, bezieht sich auf spezifische organismische, seelische und geistige Entitäten und Gesetzmäßigkeiten und bietet eine eigene Konzeption von Krankheit und Gesundheit, Therapie und Heilung, die salutogenetisch orientiert ist. Eingesetzt werden Arzneimittel (mineralisch, pflanzlich, tierisch), Anthroposophische Psychotherapie, verschiedene Anthroposophische Kunsttherapien mit den Fachbereichen Malerei, Plastizieren, Musizieren und Sprachgestaltung, rhythmische Massage, Heileurythmie, verschiedene Körpertherapien auf anthroposophischer Grundlage, äußere Anwendungen (Wickel, Einreibungen, Bäder), sowie beratende und eine erweiterte Krankenpflege.

Der Großteil der Forschung wurde zu Mistelextrakten durchgeführt, welche in dieser Leitlinie als Phytotherapeutika unter 7.19.11 Mistel separat behandelt werden. Da zu den anderen anthroposophischen Methoden und Mitteln nur wenige Studien auf der ersten Evidenzebene gefunden wurden, wurde die Recherche der Leitlinie auf weitere Studientypen ausgeweitet. Zudem wurden in einer Handsuche Systematische Reviews und Reviews durchgeschaut, die sich mit der Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin auseinandergesetzt haben, ohne dies auf bestimmte Erkrankungen eingrenzen. Keine dieser Berichte hat die Ergebnisse für onkologische Patienten zusammengefasst (außer in Bezug auf die Misteltherapie). Eine sehr ausführliche Suche wurde im HTA Bericht von Kienle et al. (2006, 2011) durchgeführt [83][84]. Hierbei wurden Studien beachtet, welche die Anthroposophische Medizin als Gesamtsystem oder anthroposophische Einzelmittel untersucht haben. Auch hier wurden nur wenige systematische Übersichtsarbeiten gefunden: einige zu Mistelextrakten, eine Übersichtsarbeit zu Cardiodoron zum Einfluss auf die kardiorespiratorische Koordination bei orthostatisch Labilen und bei Gesunden (Cysarz et al.,  2002 [85]) und nur eine systematische Übersichtsarbeit zur anthroposophischen Medizin insgesamt (Ernst et al., 2004 [86]). In der Arbeit von Ernst (2004) wurden keine randomisierten Studien gefunden, welche die Anthroposophie als Gesamtsystem untersucht haben. Kienle et al. (2011) kritisieren u.a., dass eine Eingrenzung auf Studien, welche das Gesamtsystem untersucht haben, nicht sinnvoll ist [87]. In unserer Recherche wurden daher Studien einbezogen, welche Anthroposophische Medizin als Gesamtsystem oder anthroposophische Einzelmittel zum Gegenstand hatten.

In diese Empfehlung wurden 11 Primärstudien einbezogen, davon ist eine Studie eine randomisiert-kontrollierte Studie [88], 7 Studien weisen eine (nicht-randomisierte) Kontrollgruppe auf [81][76][77][78][74][75][79] und 3 Studien sind einarmig [80][82][89]. Im Folgenden werden die Studien nach Endpunkten sortiert berichtet.

Es ist zu beachten, dass in den meisten Studien die Patienten selbst eine anthroposophische Therapie gewählt haben. Studien zeigen, dass sich Probanden, welche sich in solch eine Therapie begeben, deutliche Charakterunterschiede zu anderen Gruppen zeigen. Ein gutes Beispiel wird in der hier eingeschlossenen Studie von Carlsson et al. (2001) berichtet (siehe Lebensqualität) [78]. Auch die hier nicht eingeschlossene Studie von Cerny und Heusser (1999) berichtet über deutliche Unterschiede bezüglich soziodemographischer und medizinischer Aspekte (Schweregrad der Krankheit und in der klinischen Diagnose) [90]. Patienten, welche komplementäre Medizin in Anspruch nehmen, würden sich zudem durch stark ausgeprägte internale Kontrollüberzeugungen, einen aktiven, problemorientierten Umgang mit der Krankheit, eine Tendenz, aus einer spirituellen Lebenseinstellung Kraft zu schöpfen und einen Sinn im Krankheitsgeschehen zu finden, auszeichnen.

Anthroposophische Komplexbehandlungen

Fatigue/ Schlafqualität (zu Empfehlung 4.21)

In der kontrollierten Studie von Kroz et al. (2013) wurden 36 Überlebende nach Brustkrebs eingeschlossen, welche die verschiedensten Behandlungen durchlaufen hatten (Chemotherapie, Radiotherapie, Anti-Hormontherapie, Mistelbehandlung) [74]. Die Patientinnen wurden den Gruppen nicht zufällig zugeteilt, sondern konnten selbst entscheiden ob sie in die Interventionsgruppe wollten, in der eine multimodale Therapie durchgeführt wurde mit Verhaltenstherapie (Psycho- und Schlafedukation), Heileurythmie und Maltherapie (1x pro Woche, n = 21) oder in die Kontrollgruppe, in der ein Aerobic Training (Zuhause 3-5x pro Woche für 30 Minuten und unter Leitung eines Trainers 3-5x für 45 Minuten, n = 10) stattfinden sollte.  Die Intervention dauerte 10 Wochen. Im Vergleich vor der Intervention zu nach der Intervention verbesserte sich in der Gruppe mit der multimodalen Therapie die Fatigue (Gesamtscore Beginn der Intervention, Mittelwert ± SD = 33.5 ± 8.1, nach der Intervention = 30.1 ± 9.2; p = 0.041; physische Fatigue 15.8 ± 3.6; 13.7 ± 4.9; p = 0.034; CFS-D) und auch die Schlafqualität (10.0 ± 4.0; T2, 8.0 ± 4.1; p = 0.04; Pittsburgh-Schlafqualitätsindex, PSQI). Es zeigten sich keine Veränderungen auf den Skalen kognitiver oder affektiver Fatigue (p = 0.18, p = 0.40). Es zeigten sich keine Veränderungen über die Zeit für die Gruppe mit dem Aerobic Training. Auch die automatische Regulation (Gesamtscore 35.9 ± 4.4; 39.2 ± 5.1, p = 0.002), insbesondere auf der Skala Rest/Aktivität (13.7 ± 3.2; T2, 16.7 ± 3.2; p = 0.00) verbesserte sich in der multimodalen-Therapiegruppe bedeutsam. Diese verbesserte sich für die Aerobic Gruppe nur im Bereich der orthostatischen Zirkulation (15.5 ± 2.3; 16.6 ± 2.9, p=0.046). Es wurden allerdings keine Gruppenvergleiche durchgeführt, so dass nicht klar ist, ob sich die Gruppen bezüglich der Veränderung oder am Ende der Studie in ihren Werten unterschieden. Insgesamt waren die Probanden mit der multimodalen Therapie zufrieden, wohingegen diese in der Aerobic Gruppe eher mittelmäßig ausfiel. Kritisch anzumerken ist, dass sich die Probanden die Zuteilung in die Gruppen selbst aussuchen konnten, wodurch Motivationseffekte wahrscheinlich sind. Allerdings lag eine Vergleichbarkeit der Gruppen im Sinne der demographischen Variablen vor. Allerdings wurden aufgezeigte Komorbiditäten der Probanden nicht in die Analyse einbezogen. Aufgrund der Vielschichtigkeit der Multimodalen Therapie ist unklar, was genau die Veränderungen verursacht hat und wie viel von dem Effekt tatsächlich auf diese zurückzuführen ist. Die Gruppengröße war insgesamt sehr klein und die Verteilung in die Gruppen war ungleichmäßig, zudem lag die Durchführungsquote der Aerobic Gruppe Zuhause nur bei etwa 70%.

In der kontrollierten Studie von Kroz et al. (2017) wurde der Einfluss von multimodaler Therapie (Verhaltenstherapie: Psycho- und Schlafedukation, Heileurythmie, Maltherapie, n = 44), Aerobic Training (n = 28) und einer Kombination aus multimodaler Therapie und Aerobic (n = 54) auf die Verminderung von Fatigue bei insgesamt 126 Überlebenden nach Brustkrebs (rezidivfrei) nach 10 Wochen Intervention, als auch nach 6 Monaten als Follow-Up untersucht [75]. Hierbei wurden insgesamt 65 Probanden in die Gruppen randomisiert, während sich 61 Probanden selbst für eine der Gruppen entschieden haben. Es ist zudem anzumerken, dass schon zu Baselinemessung 21 Probanden die Studie verließen, somit keine Daten verfügbar sind. Zusätzlich verließen während der Intervention weitere 21 Probanden die Studie. Damit ist ein hoher Drop-Out von ca. 20% zu verbuchen. Es wurde eine Intention-To-Treat Analyse angewendet, das „Imputing“ fehlender Daten ist aufgrund der Höhe des Drop-Outs allerdings als kritisch zu betrachten. Die konfirmatorische Analyse nach 10 Wochen zeigte, dass die multimodale Therapie dem zur Reduzierung von Fatigue etablierten Aerobic Training nicht unterlegen ist (p = 0.006). Es konnte allerdings keine Überlegenheit der Kombinationstherapie zum Aerobic Training nachgewiesen werden (p = 0.119). Eine explorative Analyse nach 6 Monaten zeigt hingegen eine Überlegenheit der multimodalen Therapie und der Kombinationstherapie gegenüber des Aerobic Trainings in der Reduzierung der Fatigue bzw. Besserung der Schlafqualität (Kombi vs. Aerobic: ∆PC = −0.0436, 95% KI [−0.0781; −0.0091]; p = 0.0137; Multimodal vs. Aerobic: ∆PC = −0.0538, 95%-KI [−0.0910; −0.0166]; p = 0.0050). Die Studie zeichnet sich durch eine vielseitige und detailliert beschriebene Analyse aus, deren Verständnis leider unter einer etwas sprunghaften Berichterstattung leidet. Trotzdem haben die Autoren viel Mühe investiert und für die verschiedensten Faktoren kontrolliert, u.a. ob die Probanden randomisiert wurden oder die Gruppe selbst gewählt haben. Es ist allerdings zu beachten, dass die Effekte nach 6 Monaten alle explorativer Natur sind und damit nicht auf vorher formulierten Hypothesen beruhen. Es ist zudem anzumerken, dass mehr Verletzungen bzw. Vorfälle in der Kombinationstherapie auftraten, die Autoren diskutieren dies als Resultat von erhöhter Anstrengung bzw. physischer Erschöpfung in dieser Gruppe.

Lebensqualität (zu Statement 4.22)

Die kontrollierten Studien von Carlsson et al. (2001, 2004, 2006)  schließen dieselbe Stichprobe ein, berichten aber unterschiedliche Endpunkte bzw. stellen ein Follow-Up dar [76][77][78]. In der Studie von 2001 wurden Informationen von 120 Brustkrebspatientinnen verglichen (60 Paare). Diese Studie stellt sozusagen den Baselinevergleich zur Studie von 2004 da. Hierbei wurden Lebensqualität/ Zufriedenheit der Probandinnen und angewendete Bewältigungsstrategien untersucht (EORTC QLQ-C30, LSQ und MAC). Die Probanden befanden sich entweder in einem Krankenhaus, dass zusätzlich noch alternative und komplementäre Medizin anbot, so dass diese über ein Jahr zusätzlich zur Standardbehandlung noch eine anthroposophische Behandlung (bestehend aus natürlichen Produkten, Iscador (Mistel), Diät, Kunsttherapie, Heileurythmie, therapeutische Massage, Hydrotherapie) erhielten (n = 60), während die andere Gruppe nur die Standardbehandlung erhielt (n = 60). Es konnte keine Randomisierung durchgeführt werden. Zum einen wegen der Art des Schwedischen Gesundheitssystems, wo Patienten nur aufgrund der eigenen Initiative zu einer anthroposophischen Behandlung überwiesen werden, und zum anderen, da die schwedische Krebsgesellschaft und andere Geldgeber ablehnten, einen Aufenthalt der Patienten in dem anthroposophischen Krankenhaus zu vergüten. Die beiden Gruppen wurden über wichtige Faktoren zueinander angepasst (Krebsstadium, Alter, Behandlung in den letzten 3 Monaten, Prognose), so dass die Gruppen als angesehen werden könnten. Allerdings zeigte sich in der Werteerhebung zu Beginn der Studie, dass die Patientinnen in der Gruppe mit Zusatztherapie zu Beginn eine niedrigere Lebensqualität, schlechtere emotionale Funktion, kognitive Funktion, soziale Funktion und schlechtere Werte in Fatigue und Schmerz, sowie finanzielle Belastung und Rollenfunktion aufwiesen als die Gruppe ohne Zusatzbehandlung. Bezüglich der Bewältigungsstrategien wurden in der Interventionsgruppe mehr Probanden in die Kategorie „Ängstliche Besorgnis“ zugeordnet (p = 0.012).

Die Studie von 2004 wertete die Daten von 36 Paaren aus. Über die Zeit der Studie verließen einige Patientinnen die Studie. Untersucht wurde die Lebensqualität/Zufriedenheit mit dem EORTC QLQ-C30 und dem LSQ. Es zeigten sich nach einem Jahr kleine bis mittelstarke Effekte mit einer Überlegenheit der Gruppe mit anthroposophischer Therapie über die Standardbehandlungsgruppe in den Bereichen Emotionale Funktion (ES: 0.71), kognitive Funktion (ES: 0.44), soziale Funktion (ES: 0.28), allgemeine Lebensqualität (ES: 0.49), Fatigue (ES: -0.29), Übelkeit und Erbrechen (ES: 0.30), Schmerz (ES: -0.26), Schlafstörungen (ES: -0.38), Appetitlosigkeit (ES: -0.55), Konstipation (ES: -0.25), Diarrhoe (ES: 0.29), physische Symptome (ES: 0.47), Krankheitsbedingte Belastung (ES: 0.24), Qualität alltäglicher Aktivitäten (ES: 0.31) und sozioökonomischer Status (ES: 0.52).

In der Follow-Up Studie von 2006 wurde erneut die Lebenszufriedenheit erhoben. Es wurden noch Daten von 13 Paaren erfasst. Hierbei zeigten sich immer noch positive Veränderungen in der Gruppe mit Zusatztherapie im Vergleich zum Beginn der Studie. Allerdings traten die Veränderungen in dem ersten Jahr auf (siehe Ergebnisse der Studie von 2004) und kaum noch Veränderungen in den folgenden Jahren. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich in dieser Studie auch kleine Effekte der Überlegenheit der Kontrollgruppe zeigten und zwar in den Bereichen physische Funktion (ES: -0.30), Dyspnoe (ES: 0.27) und Konstipation (ES: 0.22) Zwischen den beiden Gruppen zeigten sich keine Unterschiede bezüglich der Überlebensraten (Interventionsgruppe 43% und Kontrollgruppe 52% Überlebende, p = 0.132). Eine Analyse des Einflusses der am Anfang der Studie erhobenen Prognose zeigt, dass 73% der Probanden mit einer anfänglich guten Prognose noch am Leben sind, während 88% der Probanden mit schlechter Diagnose verstorben sind.

Insgesamt ist kritisch zu betrachten, dass die Patienten mit Zusatztherapie sich vorher bewusst für diese Art von Krankenhaus entschieden haben, also schon von ihrer Einstellung gegenüber KAM und vielleicht auch dem Glauben an dessen Wirkung nicht mit der anderen Gruppe vergleichbar sind. Zusätzlich ist der anfängliche Unterschied zwischen den Gruppen bezüglich der Lebensqualität und auch Angstwerten als äußerst zu betrachten, da die Interventionsgruppe mehr Raum zur Veränderung hatte und auch natürliche Verbesserungsprozesse nicht ausgeschlossen werden können. Es ist insbesondere anzumerken, dass die meisten Skalen welche nach einem Jahr Verbesserungen aufweisen (Studie von 2004), genau die gleichen Skalen sind, welche zu Beginn der Studie in der Gruppe mit Zusatztherapie signifikant schlechter gewertet wurden im Vergleich zur anderen Gruppe (Studie 2001). Die Veränderung bzw. Besserung der Lebensqualität und Symptome kann also auf einen zuvor niedrigeren Wert zurückgeführt werden. Ein relativ hoher Drop-Out kann aufgrund der Besonderheit der Stichprobe verkraftet werden. Allerdings muss beachtet werden, dass der anfängliche Baselinevergleich in der Studie von 2001 noch mit 60 Paaren (also 120 Probandinnen) durchgeführt wurde, während in der 2004er Studie nur noch 36 Paare an der Studie teilnahmen. Eine bestehende Gruppenvergleichbarkeit nach dem Ausfall dieser hohen Anzahl an Probanden könnte angezweifelt werden.

In der kontrollierten Studie von Poier et al. (2019) [79] wurden ausgehend von den Daten der Studie von Kroz et al. (2017) [75] (siehe Studiendetails unter Angst, Depressivität und Fatigue) Daten zum Endpunkt gesundheitsbezogene Lebensqualität veröffentlicht. Hierbei zeigte sich, dass der kombinierte Ansatz dem reinen Aerobic-Ansatz nur bezüglich der Verbesserung physischer Funktionalität nach 10 Wochen Intervention überlegen war (p = 0.007). Wohingegen der multimodale Ansatz dem Aerobic-Ansatz in den verschiedensten Bereichen überlegen war, insbesondere in der Besserung der Fatigue sowie Schlafstörungen nach 10 Wochen und auch 6 Monaten bzw. nur nach 6 Monaten (alle p’s < 0.05). Es gab keine Unterschiede zwischen den Gruppen bezüglich den Erwartungen an die verschiedenen Therapien. Damit kann geschlussfolgert werden, dass der multimodale Ansatz einen positiven Nutzen zeigt gegenüber Aerobic, durch diesen aber nicht weiter verstärkt wird. Die Studie verzeichnet einen hohen Drop-Out und berichtet auch von bedeutsamen Unterschieden zwischen der Anzahl der Drop-Outs. So ist ein erhöhter Drop-Out in der Aerobic Gruppe zu verzeichnen, die Autoren berichten, dass dies aufgrund der fehlenden Wirkung oder hohen Anstrengung passiert sein könnte.

Die einarmige Studie von Heusser et al. (2006) ist Teil einer Studienreihe, in der im Zuge einer Registrierungsstudie alle Patienten, welche den Einschlusskriterien entsprachen und zwischen Mai 1995 und Juni 1997 die Lukasklinik (Schweiz) oder das Institut für Onkologie (IMO) der Universitätsklinik in Bern konsultierten, in die Studie eingeschlossen wurden [80]. In diesem Teil der Studienreihe wurde der Effekt von anthroposophischer Therapie auf die Lebensqualität zum Zeitpunkt der Entlassung, sowie 4 Monate danach untersucht (mit Subskalen von ORTC QLQ-C30, HADS und SELT-M). Die Patienten litten alle an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung (Brust, Gastrointestinaler Trakt, Pankreas, Darm und Rektum, Lunge, Genitalbereich, Unbekannt), und waren im Schnitt 22 Tage in der Lukas Klinik in der Schweiz. Hierbei wurden verschiedene Therapieansätze realisiert (z.B. natürliche Produktgabe, Kunsttherapie, Bestrahlung mit buntem Licht, Musik- und Sprachtherapie, Heileurythmie). Die zum größten Teil weiblichen Teilnehmer zeigten nach der Entlassung bedeutsame Verbesserung auf den meisten Skalen zur Erfassung der Lebensqualität: globaler Gesundheitszustand/Lebensqualität, physisches Wohlbefinden, Schmerz, Fatigue, Appetitlosigkeit (physische Skalen), Emotionale Funktion, Stimmung, Angst, Depressivität (emotionale Skalen), kognitive Funktion, kognitiv/spirituelle Lebensqualität (kognitiv/spirituelle Skalen) und soziale Funktion (soziale Skala; alle p’s < 0.05). Nach 4 Monaten waren nicht mehr alle Veränderungen bedeutsam, aber es zeigten sich noch Effekte für den globalen Gesundheitszustand/ Lebensqualität, physisches Wohlbefinden, Schmerz, Fatigue, Appetitlosigkeit, Emotionale Funktion, Stimmung, Angst und soziale Funktion (alle p’s < 0.05). Die Therapie wurde von den Probanden überwiegend positiv bewertet. Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass Probanden die 4 Wochen vor Studienbeginn noch eine konventionelle Krebstherapie erhielten sich innerhalb der Studie in allen Skalen der Lebensqualität verbesserten. Und Probanden welche eine toxische Krebstherapie erhielten und diese schon mehr als 4 Wochen her war, verbesserten sie sich auf allen emotionalen und kognitiv/spirituellen Skalen, sowie dem globalen Gesundheitszustand/ Lebensqualität, aber nur auf 2 von 11 physischen Skalen. Insgesamt gibt diese Studie Hinweis auf einen positiven Einfluss einer ganzheitlichen anthroposophischen Therapie. Ohne eine Kontrollgruppe und aufgrund des Wissens der Patienten über die Ziele der Therapie kann die Besserung der Lebensqualität nicht eindeutig auf die Therapie zurückgeführt werden. Es ist auch kritisch zu betrachten, dass sich die Stichprobe in dieser Studie bewusst für ein Krankenhaus mit dieser anthroposophischen Therapie entschieden hat, wodurch ein gewisses Vorwissen vorausgesetzt werden kann (Performance Bias). Aufgrund des Fehlens wichtiger Informationen, welche in einer vorherigen Studie aufgelistet werden, kann diese Studie nicht alleinstehend betrachtet und verstanden werden.

Anthroposophische Einzelmittel

Angst, Depressivität und Fatigue (Kunsttherapie) (zu Statement 4.23)

Es wurde nur nach Studien mit Kunsttherapien im anthroposophischen Kontext gesucht. Andere Formen der künstlerischen Therapien außerhalb der anthroposophischen Komplexbehandlung werden in der S3-Leitlinie für psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung erwachsener Krebspatienten (https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/psychoonkologie) behandelt.

In der offenen kontrollierten Pilot-Studie von Bar-Sela et al. (2007) wurden 60 Patienten eingeschlossen, welche sich in den verschiedensten Phasen ihrer Krebsbehandlung befanden (Radiotherapie, Chemotherapie oder Nachsorge) [81]. Untersucht wurde der Einfluss von Kunsttherapie (Malen mit Wasserfarben) auf Depressivität, Angst und Fatigue. Dabei war die Teilnahme an den Sitzungen völlig freiwillig, so dass die Patienten alle an unterschiedlich vielen Sitzungen teilnahmen. Auch die Länge der Sitzungen variierte zwischen wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden. Patienten, die an mehr als 4 Sitzungen teilgenommen haben, wurden in die Interventionsgruppe eingeteilt (n = 19) und Probanden mit weniger Sitzungen in die Kontrollgruppe (n = 41). Es zeigten sich Verringerungen der Depressionswerte für die Patienten mit mehr als 4 Sitzungen (p = 0.021), während keine Veränderungen in den Angstwerten oder Fatigue-werten gefunden wurden. Es wurden keine Gruppenvergleiche durchgeführt, womit eine bedeutsame Wirkung bzw. deren Überlegenheit zu einer Kontrollgruppe mit wenigen Sitzungen der Kunsttherapie nicht bestätigt werden kann. Die Tatsache, dass Patienten in die Kontrollgruppe kamen, wenn sie an weniger Sitzungen teilgenommen haben führt zu der Vermutung, dass Motivationseffekte eine große Rolle spielen. Insbesondere da die Kontrollgruppe doppelt so groß ist wie die Interventionsgruppe und dass diese Patienten aus der Kontrollgruppe schon von Anfang an höhere Müdigkeitswerte gezeigt hatten. Auch der Einfluss der aktuellen Krebsbehandlung oder dem Krebsstadium wird in den Analysen nicht berücksichtigt (Zweiteres wird in der Studie gar nicht angegeben). Insgesamt sind die Ergebnisse eher ein Anfang einer Forschungsreihe, als dass sie als festes vertrauenswürdiges Ergebnis betrachtet werden können.

Fatigue/ Schlafqualität (Bryophyllum pinnatum) (zu Statement 4.24)

In der einarmigen Studie von Simoes-Wust et al. (2015) wurde der Einfluss von Bryophyllum pinnatum (350mg Tabletten, 2x morgens und 2x abends) auf die Schlafqualität, die tägliche Müdigkeit und Fatigue bei 20 Krebspatienten über 3 Wochen mit dem PSQI, ESS und dem FSS untersucht [82]. Die Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der Schlafqualität insgesamt (von 12.2 ± 3.62 zu 9.1 ± 3.61; p = 0.02, PSQI), inklusive der Subskalen subjektive Schlafqualität, Schlaflatenz und habituelle Schlafeffizienz, sowie eine Verringerung der täglichen Müdigkeit (von 8.4 ± 3.18 zu 7.1 ± 3.98; p = 0.048). Bemerkenswert ist auch eine bedeutsame Verminderung der Nutzung von Schlafmedikation, sowie Schlafstörungen durch die Einnahme von Bryophyllum pinnatum (1.3 ± 1.41 vs. 0.45 ± 1.10, p = .035). Allerdings konnte keine Veränderung bezüglich der Verringerung von Fatigue festgestellt werden (36.6 ± 11.75 vs. 36.2 ± 12.56, p = .802). Insgesamt liefert die Studie vielversprechende Ergebnisse, aufgrund des Fehlens einer Vergleichsgruppe und möglichen Verzerrungen durch die Patienten aufgrund des Wissens über die Intervention kann allerdings kein eindeutiger Rückschluss des Effektes auf Bryophyllum pinnatum gemacht werden. Auch ist die Stichprobe sehr klein und 16 der 28 eingeschlossenen Patienten waren zum Zeitpunkt der Studie zusätzlich in Misteltherapie. Auch bestand in der Stichprobe eine hohe Anzahl an Komorbiditäten, welche in der Analyse nicht berücksichtigt werden. Es zeigten sich zudem 6 Vorfälle mit erhöhter Müdigkeit, trockenem Hals und Verdauungsproblemen, welche möglicherweise auf die Intervention zurückzuführen sind.

Mukositis (Ratanhia-Mundwasser und Pflanzen-Zahngel)

Da die Daten zu diesem Endpunkt nur auf einer einarmigen Studie beruhen und damit nicht ausreichend für eine Aussage sind, wurde keine Empfehlung oder ein Statement formuliert, stattdessen werden die Ergebnisse zu diesem Endpunkt im Folgenden ausgeführt.

Diese einarmige Studie von Tiemann et al. (2007) untersuchte den Einfluss von Ratanhia-Mundwasser und Pflanzen-Zahngel auf die Entstehung von Mukositis bei 32 Brustkrebspatientinnen während einer Chemotherapie [89]. Diese wurde dazu angehalten die Produkte 3x täglich für 4 Wochen zu nutzen. Nach 4 Wochen zeigte sich eine Senkung im Plaque und Gingivalindex (Plaque: 0.90±0.50 zu 0.66±0,53 zu 0.84±0.39; Gingival: 0.87±0.70 zu 0.74±0.64). Nur etwa ein Viertel der Patienten hatte nach 4 Wochen Symptome einer Mukositis (1. Grades) entwickelt und nur etwa 15% der Patienten hatte eine Verschlechterung der Symptome (gestiegen um 1 Grad). Etwa 70% der Patienten blieb also völlig symptomfrei und keiner bekam eine schwere Mukositis (Grad 3). Ohne eine Vergleichsgruppe, die die Produkte nicht angewendet hat ist schwer einzuschätzen inwiefern die vorliegende Entwicklung natürlichen Ursprungs ist bzw. inwiefern sie von den Produkten beeinflusst wurde.  Damit sind die Ergebnisse nicht eindeutig interpretierbar. Vor allem da keine statistischen Analyseverfahren durchgeführt werden und somit keine statistische Untermauerung der Ergebnisse erbracht werden kann. Auch ist nicht auszuschließen, dass ein möglicher positiver Effekt durch eine erhöhte Zahnhygiene von 3x täglicher Anwendung erzielt wurde. Allerdings fanden die Produkte großen Anklang und die Probanden würden sie auch nach Beendigung der Studie größtenteils weiterverwenden. Aufgrund der Evidenz kann keine Aussage für oder gegen die Wirksamkeit von Ratanhia-Mundwasser und Pflanzen-Zahngel gemacht werden.

Wohlbefinden (vibroakustische Therapie)

Da zu diesem Endpunkt keine sichere Aussage getroffen werden kann, wurde keine Empfehlung oder ein Statement formuliert, stattdessen werden die Ergebnisse zu diesem Endpunkt im Folgenden ausgeführt.

In der randomisiert-kontrollierten Studie von Bieligmeyer et al. (2018) wurden Daten von 44 Patienten ausgewertet [88]. Es handelte sich um Patienten mit den verschiedensten Krebsdiagnosen im Stadium I bis IV. Bei etwa 20% war das Krebsstadium unbekannt. Untersucht wurde der unmittelbare Effekt des Einsatzes eines Klangbettes (vibroakustische Musiktherapie). Hierbei wird das Bett als eine Art Klangkörper genutzt, durch den die Patienten die Musik sowohl hören als auch beim Liegen auf dem Bett spüren können (Vibration). Die Interventionsgruppe (n = 23) wurde mit einer Kontrollgruppe (n = 23) verglichen, welche statt Musik zu hören bzw. diese zu spüren nur 10 Minuten auf dem Bett lagen. Es zeigte sich unmittelbar nach der Intervention eine Erhöhung des mentalen Wohlbefindens in der Interventionsgruppe mit signifikanter Unterscheidung zur Kontrollgruppe (ORTC-QLQ C30, Interventionsgruppe: p < 0.001, d = 0.47, Kontrollgruppe: p = 0.73, d = 0.04; Interaktion Bedingung x Zeit), sowie eine erhöhte selbsteingeschätzte Innere Balance (p < 0.001, d = 0.73), Vitalität (p < 0.001, d = 0.51) und Vigilanz (p < 0.001, d = 0.37). Auch die Aktuelle Stimmungslage (p < 0.001, d = 0.43), Zufriedenheit (p < 0.001, d = 0.43), Körperwärme (p < 0.05, d = 0.44), sowie die subjektiv eingeschätzte Wärmeverteilung (p < 0.01, d = 0.49) veränderten sich positiv. Es wurden keine Veränderungen hinsichtlich Schmerzlevel oder Extraversion festgestellt. Insgesamt wurden im Zuge der Analyse abgesehen von dem Endpunkt mentalen Wohlbefindens keine echten Gruppenvergleiche durchgeführt, so dass schwer einzuschätzen ist, ob sich die positiven Veränderungen in der Interventionsgruppe signifikant von denen der Kontrollgruppe unterschieden. Beide Gruppen zeigten bereits vorher eine auffällig niedrige Lebensqualität und es ist besonders kritisch anzumerken, dass der Autor der Studie selbst die Intervention durchführte. Daraus schlussfolgernd fand auch keinerlei Verblindung statt, wodurch die Ergebnisse durch den Patienten willentlich verändert und des Weiteren durch die Erwartung des Autors beeinflusst werden konnten. Schlussfolgernd ist die Validität der Ergebnisse als kritisch zu betrachten und es kann keine Aussage zur Wirksamkeit der Therapie gemacht werden.

Nebenwirkungen

In der Studie von Kroz et al. (2017) wurden die Nebenwirkungen mit dem CTCAE erfasst [75]. Es tauchten insgesamt 115 Vorfälle auf, davon traten 87 mit Beginn der Behandlung auf und 5 wurden der Intervention zugeordnet (Multimodale Therapie, Aerobic, Multimodale Therapie + Aerobic). Diese Vorfälle waren Rückenschmerzen (in jeder Gruppe), Schwindel während Eurythmie-Therapie und erhöhte Erschöpfung aufgrund von Schlafrestriktionen/-kontrolle im multimodalen-Therapie-Arm. Insgesamt traten die Vorfälle aber sehr selten (<0.01%) bis selten auf (0.01%-0.1%). Ausgenommen Schmerz, was gelegentlich auftrat (0.1%-1%). Es traten zudem vermehrt mittelstarke/schwere Nebenwirkungen im Kombinationsarm auf (47/15% vs. 13/6% multimodale Therapie vs. 27/9% Aerobic) im Vergleich zu den anderen Armen. Simoes-Wust et al. (2015) testeten den Einfluss von Bryophyllum pinnatum (350mg Tabletten, 2x morgens und 2x abends) auf die Schlafqualität, tägliche Müdigkeit und Fatigue [82]. Insgesamt wurden 6 Nebenwirkungen berichtet, diese umfassen 3x Fatigue, 1x trockener Hals, 1x Agitation, 1x Verdauungsprobleme, welche möglicherweise mit der Intervention assoziiert sind. In der Studie von Tiemann et al. (2007) wurde die 3x tägliche Anwendung über 4 Wochen von Ratanhia-Mundwasser und Pflanzen-Zahngel auf die Entstehung von Mukositis untersucht [89]. Dabei zeigten sich zu Tag 7 die verschiedensten Nebenwirkungen: zumeist trockener Mund (64.5%), beeinträchtigter Geschmackssinn (38.5%), sowie Brennen an der Schleimhaut (22.6%) und der Zunge (19.7%). Zu Tag 28 waren fast alle Symptome wieder verschwunden ausgenommen von etwa 35% der Patienten, welche noch unter Mundtrockenheit litten. Andere verspürten nur noch ein leichtes Unbehagen. Die selbige positive Entwicklung zeigte sich auf für die anderen Symptome. Allerdings zeigte sich auch eine leichte Erhöhung für Zahnfleischbluten und Schleimhautrötung, hingegen geringe bis keine Veränderung für Abschuppung und Schwierigkeiten beim Essen, sowie Herpes Simplex. Alle anderen in diese Empfehlung eingeschlossenen Studien geben keine Angaben zu Neben- oder Wechselwirkungen.

In einem weiteren Review zur Heileurythmie bei verschiedenen Erkrankungen fanden sich keine Angaben zu Nebenwirkungen/Wechselwirkungen [91]. In einer detaillierten Sicherheitsanalyse der Anthroposophic Medicine Outcomes Study (AMOS) wurde die Anzahl bestätigter Nebenwirkungen berichtet [92]. Hierbei gingen 3% auf den Nutzer zurück und 2% auf die Medikation. Nebenwirkungen von Eurythmie-Therapie, Kunsttherapie und rhythmischer Therapie wurden in 3%, 1% und 5% der Patienten berichtet. Schwerwiegenden Vorfälle seien nicht aufgetreten. Die Autoren beschreiben auch ein potentielles Risiko aufgrund der Vernachlässigung der konventionellen Krebstherapie zugunsten der anthroposophischen Therapie. Kienle et al. (2013) berichten auch, dass andere vergleichende Studien ähnliche oder sogar geringere Zahlen für die Anzahl von Nebenwirkungen im Vergleich zu konventionellen Therapien fanden [93]. Diesbezüglich wird in der Veröffentlichung von 2006 (Programm Evaluation von Komplementärmedizin [94]) ein Beispiel angeführt: In einer Studie aus der Schweiz haben 9% der Patienten mit anthroposophischer Konsultation und 15% der Patienten mit konventioneller Konsultation über Nebenwirkungen berichtet (p = 0.003, Anmerkung: Evaluation umschließt Stichproben allerlei chronischer Erkrankungen).

In Kienle, Glockmann, et al. (2011), einem Update des 2006 erschienenen Evaluationsprogramms, wird die Sicherheitsanalyse IIPCOS (International Integrative Primary Care Outcomes Study) mit 75 Patienten verschiedener Erkrankungen, die mit anthroposophischer Medizin behandelt wurden, dargestellt [95]. Hier fand man bei 0.61% der Arzneimittel und bei 0.28% der Patienten bestätigte Arzneimittelnebenwirkungen. Die Daten wurden hier direkt von dem Patienten erhoben. Es wird zusätzlich von einem Pharmakovigilanzsystem berichtet, welches in einem Netzwerk von anthroposophischen Praxen eingerichtet wurde. Hier wurden die vom Arzt beobachteten Nebenwirkungen direkt dokumentiert. Eine endgültige Auswertung stand zum Zeitpunkt der Studie noch aus (und wurde bis heute nicht veröffentlicht), eine Zwischenanalyse habe allerdings gezeigt, dass bei insgesamt 339 088 Verschreibungen 244 unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen aufgetreten seien, was etwa 1% der Verschreibungen entspräche. 6% dieser Arzneimittelnebenwirkungen seien auf KAM- oder Anthroposophische-Arzneimittel zurückzuführen, jeweils immer mit leichter oder mäßiger Ausprägung (WHO-Grad I und II). In einer Auswertung bezüglich Asteraceae-Extrakten (z.B. Matricaria recutita, Calendula officinalis, Arnica montana) wurden bei 42‘378 entsprechenden Verschreibungen keine schweren Nebenwirkungen berichtet. Hierbei sei zu beachten, dass die IIPCOS Studie nicht nur Krebspatienten als Stichprobe eingeschlossen hat.

Insgesamt wird in dem 2006 veröffentlichen Programm zur Evaluation der Komplementärmedizin ein ausführlicher Bericht zur Sicherheit bei 1) anthroposophischer Medizin ohne onkologische Misteltherapie und 2) anthroposophischer Misteltherapie gegeben. Für genaue Informationen zur Misteltherapie sei erneut auf 7.19 Phytotherapeutika verwiesen. Insgesamt werden Quer-, Längsschnittstudien, klinische Studien, Befragungen und Datenbankauswertung für Stichproben mit verschiedensten chronischen Erkrankungen berichtet. Die Ergebnisse beziehen sich also auch nicht spezifisch auf Krebspatienten.

In der Anthroposophic Medicine Outcomes Study (AMOS) [92], die in über 150 deutschen Praxen durchgeführt wird, mit bislang etwa 1500 aufgenommenen und 898 in einer Zwischenauswertung dargestellten Patienten, wurden die Nebenwirkungen und für anthroposophische Arzneimittel, Kunsttherapie, Heileurythmie und Rhythmische Massage über ein Jahr bei Patienten mit den verschiedensten chronischen Erkrankungen erhoben. Bei 19 (2,7%) dieser 712 Patienten wurde über Nebenwirkungen einer dieser Therapien berichtet. 5 von 24 Nebenwirkungen wurden als schwer klassifiziert: 1x Verschlechterung durch Rhythmische Massage, je 1x Übelkeit + Erbrechen, Erstverschlimmerung der Symptome, innere Spannungen, Niedergeschlagenheit bei Heileurythmie; 1x wurde die Therapie abgebrochen.

Von insgesamt 710 Patienten, welche anthroposophische Medikation einnahmen, berichteten 32 (4,5%) von Nebenwirkungen. 8 von 46 Nebenwirkungen wurden als schwer klassifiziert: Je 1x Schlechter Allgemeinzustand, Untertemperatur, Schwindel & Benommenheit bei Abnoba Viscum M. Je 1x (und mit Therapieabbruch): Unruhe (Cuprum met. D6), Verschlechterung (Gencydo 1% Amp. & Cuprum aceticum comp.), Herzrasen, Schweißausbrüche, hoher Puls & Blutdruck (Cupro-Stibium), starke Beeinflussung der Beinkraft (Arnica e Radice D10 Amp., Levisticum e Radice D10, Phosphorus D 5) und Hyperaktivität (Pneumodoron 2). Im Gegensatz dazu traten bei 80 (10%) der 766 Patienten, welche nicht-anthroposophische Medikation einnahmen, Nebenwirkungen auf. 49 Patienten brachen insgesamt 93 Therapien wegen Nebenwirkungen ab; diese 93 Therapien verteilen sich auf 56 (60%) nicht-anthroposophische Arzneimittel, 30 (32%) anthroposophische Arzneimittel, 4 (4%) nicht-anthroposophische nichtmedikamentöse Therapien und 3 (3%) Behandlungen mit Rhythmischer Massage. Bei 12 (1,3%) der 898 Patienten wurde mindestens ein Schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis gemeldet, wobei in keinem Fall eine Vermutung für den Zusammenhang zwischen Intervention und Ereignis bestand. Des Weiteren berichtet die Evaluation, dass Nebenwirkungen von anthroposophischer und homöopathischer Injektionspräparate in über 90% Fälle lokale Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle darstellen, in 8% lokale Schmerzen, in 2% allergische Reaktionen, in <0,1% schwere, lebensbedrohliche Nebenwirkungen (z.B. anaphylaktischer Schock), in <0,1% Übelkeit und in <0,1% abdominelle Schmerzen. Die Datenbanken von 2 anthroposophischen und 1 homöopathischen Arzneimittelherstellern zeigen ein Verhältnis von 1 zu 5.000.000, entsprechend dokumentierten Nebenwirkungen zu verkaufter Ampulle.

In einer Befragung des Louis-Bolk-Instituts (Niederlande) wurden 1693 Ärzte bezüglich der Sicherheit von anthroposophischen Arzneimitteln (vorwiegend homöopathischen und anthroposophischen Injektionspräparate) befragt, es wurden nur selten Nebenwirkungen berichtet [96]. Hochgerechnet beläuft sich diese Befragung auf ca. 36 Millionen Patientenkontakte mit Injektionsbehandlung. 90% der Ärzte gaben an, entweder nie (57% der Ärzte) oder sehr selten (33%) Nebenwirkungen der subkutanen Injektionen gesehen zu haben. 6% der Ärzte hatten selten, 4% gelegentlich und je 0,1% häufig oder sehr häufig Nebenwirkungen gesehen. Es wurden 32 Arten von Nebenwirkungen angegeben: die 10 Reaktionsarten betrafen 8 Lokalreaktionen (Rötung, Hämatom, Schmerz, Entzündung, Hautreaktion, Schwellung, Juckreiz, Brennen), 1 eine allergische Reaktion und 1 eine vasovagale Reaktion. 29 der Reaktionsarten wurden als harmlos bezeichnet, 4 betrafen ernste Komplikationen wie Aversion/Angst gegenüber der Injektion, fieberhafter Zustand, anaphylaktische Reaktion und Asthma, (angegeben jeweils von 7, 6, 4 bzw. 1 Arzt). Etwa 98% der Ärzte möchten diese Applikationsform auch in Zukunft anwenden können. Eine weitere Befragung zur ärztlichen Erfahrung bezüglich Stibium in der Blutstillung (38 Ärzte) ergab einen Bericht eines Koagel bei Instillation. Sonst hatte keiner Nebenwirkungen berichtet, bei einer überwiegend guten Wirkungseinschätzung. Eine weitere Befragung (23 anthroposophische Ärzte) bezüglich der Meinung zur wirksamsten anthroposophischen Arznei und den beobachteten Nebenwirkungen ergab Angaben über Verstärkung des Ekzems bei oraler Gabe von Sulphur, Schmerz und Lokalreaktion nach Injektion von niedrig-potenziertem Apis, Formica, Gencydo oder Iscador, allergische Hautreaktion auf Arnika nach externer Applikation bei einem sensibilisierten Patienten [84].

Bei der Auswertung der klinischen Studien (ohne onkologische Misteltherapie, alle chronischen Krankheiten eingeschlossen) wurden in 51 von 89 Studien explizit (1x implizit) Stellungen genommen zu Verträglichkeit und Nebenwirkungen. Die Verträglichkeit war durchweg gut. Ein kausaler Zusammenhang von unerwünschten Ereignissen und Therapie wurde nur in Ausnahmefällen systematisch und strukturiert untersucht, weshalb bei manchen Ereignissen unklar ist, inwiefern diese durch die Arznei oder Therapien verursacht wurden. Ernste Komplikationen einer anthroposophischen Therapie traten aber nicht auf. Folgende Nebenwirkungen oder unerwünschten Ereignisse waren dokumentiert worden: Kephalodoron/Ferrum Quarz-Behandlung von Kopfschmerzen: 1x Verstärkung der Kopfschmerzen, 1x Schlafwandel beim Kind, in einzelnen Fällen Übelkeit; Misteltherapie, Articulatio coxae/genus: lokale Reaktionen an der Injektionsstelle; Misteltherapie rezidivierender Atemwegsinfektionen bei Kindern: 5 unerwünschte Ereignisse (Knochen-, Muskel-, Gelenk-schmerzen, nächtliche Angst, Übelkeit); Lippenschutz bei Herpes labialis: 2x lokale Schmerzen des entzündeten Bereichs; Wala Majorana Vaginalgel: 3% schlechte Verträglichkeit; Überwärmungsbad bei Depression (stationäre Behandlung): Kopfschmerz, Kreislaufkollaps, Zunahme der Suizidalität; Articulatio stannum D6 bei Arthrose: 1x leichtes Unwohlsein im Magen, rückgängig nach Dosisreduktion). In zwei Studien wurde eine detaillierte Untersuchung der Nebenwirkungen und unerwünschten Ereignisse durchgeführt. Es zeigte sich bei besserem Ausgang eine deutlich niedrigere Nebenwirkungsrate unter der anthroposophischen Behandlung im Vergleich zur konventionellen Behandlung. Auch in Studien zur Behandlung des LWS-Syndroms traten nur geringe Nebenwirkungen auf und auch bei Studien zur Behandlung von chronischem Hepatitis C, der Gon- und Coxarthrose oder vorzeitiger Wegen (Bryophyllum) zeigen eine niedrigere Nebenwirkungsrate in der Anthroposophischen Gruppe im Vergleich zur konventionell behandelten.

Kienle et al. (2006) berichten, dass sie praktisch keine Berichte über schwere Nebenwirkungen oder Komplikationen finden konnten [84]. Ausnahme sei hier ein Bericht über Belladonna, hier sei aber nicht klar ob diese Medikation als anthroposophisch oder phytotherapeutisch gewertet wird.

Evidenzaufarbeitung

Die Evidenzaufarbeitung zu Anthroposophische Medizin wurde von den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Hübner (DKG) durchgeführt.

4.4 Homöopathie

4.25 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2024

Es liegen Daten aus einer RCT zum Einsatz von klassischer Homöopathie vor. Die Erstanamnese in Kombination mit individueller Mittelverschreibung kann zur Verbesserung der Lebensqualität bei onkologischen Patienten zusätzlich zur Tumortherapie erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2b
Konsens
Konsens (94%)
Literatur
[97]
Evidenztabellen (1)Frass et. al. (2015)
4.26 · Evidenzbasiertes Statement · modifiziert 2024

Es liegen keine ausreichenden Daten aus RCTs zur Wirksamkeit von in Deutschland registrierten homöopathischen Einzelmitteln (bewährte Indikation als auch individuelle Indikation) alleine zur Mortalität und krankheits- und-therapieassoziierten Morbidität und Lebensqualität bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen eine Anwendung von in Deutschland registrierten homöopathischen Einzelmitteln alleine bei diesen Patienten gegeben werden.

Evidenzlevel
5
Konsens
Konsens (94%)
ÄnderungshinweisEs liegen keine Daten aus RCTs zur Wirksamkeit von in Deutschland registrierten homöopathischen Einzelmitteln alleine zur Mortalität und krankheits- und-therapieassoziierten Morbidität und Lebensqualität bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen eine Anwendung von in Deutschland registrierten homöopathischen Einzelmitteln alleine bei diesen Patienten gegeben werden.
4.27 · Evidenzbasiertes Statement · geprüft 2024

Es liegen keine ausreichenden Daten aus RCTs zur Wirksamkeit von in Deutschland registrierten homöopathischen Komplexmitteln zur Mortalität und krankheits- und-therapieassoziierte Morbidität und Lebensqualität bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen eine Anwendung von in Deutschland registrierten homöopathischen Komplexmitteln bei diesen Patienten gegeben werden.

Evidenzlevel
5
Konsens
Konsens (94%)
ÄnderungshinweisEs liegen keine Daten aus RCTs zur Wirksamkeit von in Deutschland registrierten homöopathischen Komplexmitteln zur Mortalität und krankheits- und-therapieassoziierte Morbidität und Lebensqualität bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen eine Anwendung von in Deutschland registrierten homöopathischen Komplexmitteln bei diesen Patienten gegeben werden.

Bei der Homöopathie handelt es sich um eine Lehre, welche von dem Arzt und Apotheker Samuel Hahnemann (1755-1843) erdacht wurde. Bei der Herstellung homöopathischer Mittel wird eine Substanz (z.B. Pflanze, Tier, Mineral…) nach den Vorschriften des homöopathischen Arzneibuchs verdünnt und verschüttelt oder verrieben (potenziert). Nach homöopathischer Lehre werden die Substanzen dadurch stärker wirksam (was jedoch den physikalischen Gesetzen widerspricht). Je nach Verdünnungsgrad unterscheidet man D-Potenzen, (die Verdünnungsschritte erfolgen im Verhältnis 1:10), C-Potenzen (Verdünnung in 1:100er Schritten), sowie Q- oder LM-Potenzen (Verdünnung in 1:50 000er Schritten). Bereits ab einer Potenz von D24 (bzw. C12) ist rein rechnerisch kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr vorhanden.

In der Homöopathie gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Bei der sogenannten „Klassischen Homöopathie“ nach Hahnemann werden in einer ausführlichen Erstanamnese der Zustand und die individuellen Symptome des Patienten erfasst. Nach dem Ähnlichkeitsprinzip („Similia similibus curentur“) wird dann ein einzelnes homöopathisches Mittel ausgewählt, das sowohl die individuellen Symptome als auch dem Gesamtzustand des Patienten am besten entspricht. Dieses individuelle Similimum setzt nach Hahnemann einen umfassenden Heilungsprozess auf allen Ebenen in Gang. Das Wirkprinzip ist allerding bis dato wissenschaftlich nicht belegt. Werden verschiedene niedrig potenzierte Einzelmittel für bestimmte Indikationen in einem Arzneimittel gemischt, spricht man von „Komplexhomöopathie“. Die Verordnung dieser Komplexmittel erfolgt wie in der konventionellen Behandlung nach der Krankheitsdiagnose und nicht nach dem Hahnemannschen Ähnlichkeitsprinzip der klassischen Homöopathie. Die Herstellung homöopathischer Mittel erfolgt nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB).

Für die Leitlinie wurden insgesamt sechs randomisiert kontrollierte Studien gefunden, die die Wirksamkeit von Homöopathie in der Krebsbehandlung untersuchten [98][99][100][101][102]. Zwischen den Studien bestand eine sehr hohe Heterogenität hinsichtlich der betrachteten homöopathischen Intervention (z.B. klassische Homöopathie oder Komplexhomöopathie). In den meisten Studien wurden ausschließlich Patientinnen mit Brustkrebs betrachtet und der häufigste primäre Endpunkt war der Einfluss von Homöopathie auf die Toxizität der Tumorbehandlung. 

Die meisten eingeschlossenen Studien, bei denen alle Patienten des Interventionsarms das gleiche homöopathische Präparat oder homöopathische Komplexmittel erhielten, haben starke methodische Defizite (v.a. kleine Fallzahlen, multiples Testen, meistens keine primären Endpunkte und eine schlechte Berichtsqualität). Sie eignen sich nicht zur Grundlage für die Statements und Empfehlungen dieser Leitlinie [98][99][100][101][102]. Der Vollständigkeit wegen werden sie trotzdem kurz vorgestellt.

In der Aktualisierung der Recherche ab 2018 wurden weitere 4 RCTs gefunden [103][104][105][106]. Keine dieser Studien bietet genug Evidenz oder ausreichende methodische Qualität um sie als Grundlage für Empfehlungen/ Statements heranzuziehen. Insbesondere die Studie von Frass et al. (2020) ist nach aktuellem Stand der Leitlinie (Januar 2023) „under concerns“, da die Echtheit der Daten angezweifelt wird. Somit wird diese Studie im Weiteren nicht berücksichtigt oder beschrieben [104]. 

Klassische Homöopathie – Lebensqualität (zu Empfehlung 4.25)

Frass et al. (2015) untersuchten den Zusammenhang zwischen Homöopathie und einer Verbesserung der Lebensqualität [97]. 373 Krebspatienten mit verschiedenen Karzinomen erhielten zusätzlich zur Chemo- oder Radiotherapie entweder eine individuelle homöopathische Behandlung mit Globuli und Dilutionen oder nur Chemo- oder Radiotherapie. Primäre Endpunkte waren der globale Gesundheitszustand (erhoben mit der entsprechenden Subskala des European Organization for Research and Treatment of Cancer Core Quality of Life Questionnaire (EORTC QlC-C30 [107]) und das subjektive Wohlbefinden (erhoben mit der visuelle Analogskala). Bei beiden Endpunkten zeigte der Homöopathie-Arm innerhalb von sechs Monaten einen positiveren Verlauf als der Kontrollarm (jeweils Mittelwertunterschied der Veränderung über die Zeit zwischen den beiden Armen: Globaler Gesundheitszustand: 7.7 (95% KI 2.3, 13.0), p = 0.005; subjektives Wohlbefinden: 14.7 (95% KI 8.5, 21.0), p < 0.001). Bei den sekundären Endpunkten wurden die Ergebnisse der restlichen Skalen des EORTC QLQ-C30 berichtet. Auch hier zeigte sich in den meisten Skalen ein signifikanter Unterschied zugunsten des Homöopathie-Arms (Funktionsskalen: Körperlich: 13.5 (95% KI 8.6, 18.4), p < 0.001; beruflich: 8.6 (95% KI 0.4, 16.9), p = 0.040; kognitiv: 13.7 (95% KI 7.7, 19.7), p < 0.001; sozial: 13.6 (95% KI 6.7, 20.4), p < 0.001; emotional: 14.3 (95% KI 8.0, 20.7), p < 0.001); Symptomskalen: Fatigue: −18.6 (95% KI −24.7, −12.4), p < 0.001; Schmerzen: −17.0 (95% KI −23.8, −10.1 ), p < 0.001; Dyspnoe: −11.9 (95% KI −19.6, −4.3), p = 0.002; Schlaflosigkeit: −8.2 (95% KI −15.6, −0.9), p = 0.029; Appetitlosigkeit: −9.9 (95% KI −17.1, −2.7), p = 0.007; Obstipation, Übelkeit und Erbrechen, Diarrhö: nicht signifikant).

Einige Verzerrungen am Studiendesign, wie Unterschiede in der Lebensqualität wurden bereits zu Beginn in den Analysen kontrolliert und von den Autoren diskutiert. Davon abgesehen muss man jedoch zwei weitere wichtige Kritikpunkte nennen. Zum einen gab es über die sechs Monate Studiendauer hinweg eine sehr große Dropout-Rate (beim zweiten Follow-up: Homöopathie-Arm: 35%, Kontrollarm: 28%). Die Autoren nannten lediglich Gründe für die 37 Patienten, die direkt nach der Randomisierung ausgeschieden sind (Homöopathie-Arm: 16/210, Kontrollarm: 21/200; z.B. Enttäuschung über die Gruppenzuteilung), aber nicht für die restlichen Dropouts beim ersten oder zweiten Follow-up (Homöopathie-Arm: 57/194, Kontrollarm: 34/179). Zwar wurden in dieser Studie fehlende Werte im Laufe der Studie mit statistischen Verfahren ersetzt (imputiert), was jedoch aufgrund der Menge der fehlenden Werte auch zu Verzerrungen führen kann. Zum anderen ist ein Verzerrungsrisiko, dass der Kontrollarm keine aktive Therapie mit vergleichbarer Kommunikation mit dem Arzt wie der Interventionsarm erhalten und keine Verblindung stattgefunden hat. Vor allem bei einem subjektiven Parameter wie der Lebensqualität kann das einen starken Einfluss haben. Es ist somit nicht ausgeschlossen, dass die positiven Effekte im Homöopathie-Arm dadurch zustande kamen, dass diese Patienten in den ausführlichen Gesprächen (60 Minuten für die Erstanamnese und 2 x 30 Minuten für die Folgeanamnesen) wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen haben und wussten, dass sie sich im Interventions- und nicht im Kontrollarm befanden. Trotzdem kann aufgrund der stark positiven Ergebnisse dieser Studie der Einsatz von klassischer Homöopathie (Erstanamnese in Kombination mit individueller Mittelverschreibung) zur Verbesserung der Lebensqualität bei onkologischen Patienten zusätzlich zur Tumortherapie erwogen werden.

Weitere Studien, die nicht als Grundlage für Statements und Empfehlungen genutzt wurden

In der Studie von Sorrentino et al. (2017) nahmen 53 Brustkrebspatientinnen einen Tag vor bis vier Tage nach der Operation dreimal täglich entweder das homöopathisches Arnika-Präparat (Arnica montana 1000K) oder stattdessen Placebos ein [101]. Hinsichtlich des Sekretionsvolumens in die Drainage und der Dauer der Drainage nach der Operation wurden in der Intention-to-treat-Population keine signifikanten Unterschiede gefunden. Im Gegensatz dazu zeigten sich in der Stichprobe, die dem Studienprotokoll entsprach, einige signifikante Unterschiede, die jedoch wegen der Dropout-Unterschiede zwischen den Armen (Homöopathie-Arm: 12% und Kontrollarm: 26%) möglicherweise verzerrt und deswegen nicht interpretierbar sind. Die beiden Arme unterschieden sich nicht bezüglich selbstberichteten Schmerzes, Blutergüssen, Hämatomen, Schwellungen der Brüste nach der Operation und Toxizität der Tumorbehandlung. Balzarini et al. (2000) konnten bei 61 Brustkrebspatientinnen, die entweder täglich die beiden homöopathischen Einzelpräparate Belladonna und X-ray oder ein Placebo bekamen, keine Unterschiede hinsichtlich Art und Schwere der mit der Radiotherapie assoziierten Hautreaktion während bis 30 Tage nach der Radiotherapie feststellen [98]. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die wenigen sonstigen signifikanten Unterschiede einzelner Messzeitpunkte hinsichtlich Wärmeintensität der Haut zugunsten des Homöopathie-Arms und Anzahl an Ödemen zugunsten des Kontrollarms, auf multiples Testen zurückzuführen sind.

In in einer dreiarmigen Studie bei Brustkrebspatientinnen (N = 83) wurde die Wirkung eines homöopathischen Komplexmittels (Hyland’s Menopause) im Vergleich zur klassischen Homöopathie und Placebo-Gabe untersucht [99]. Die Autoren fanden keine bedeutsamen Unterschiede hinsichtlich ihres primär untersuchten Endpunkts, nämlich Schweregrad und Auftretenshäufigkeit der Hitzewallungen nach der Menopause. Im Gegensatz dazu zeigten die Autoren in Subgruppenanalysen, in der sie Patientinnen mit und ohne Tamoxifen-Behandlung getrennt analysierten, in der Gruppe ohne Tamoxifen signifikante Gruppenunterschiede. Diese sind jedoch wegen der sehr kleinen Stichproben in den Untergruppen (teilweise nur 10 Patientinnen pro Gruppe) nicht interpretierbar. Weiterhin unterschieden sich die Arme kaum hinsichtlich typischer Menopause-Symptome (erhoben mit dem Kupperman Menopausal Index [108]), aber die beiden Homöopathie-Arme berichteten über einen besseren Verlauf des allgemeinen Gesundheitszustands im Vergleich zum Placebo-Arm (Komplexmittel vs. Placebo: p = 0.03; klassische Homöopathie vs. Placebo: p = 0.02).

In der doppelt verblindeten Studie von Perol et al. (2012) wurde bei 403 Patientinnen mit Brustkrebs das homöopathische Komplexmittel Cocculine® (nicht in Deutschland registriert) hinsichtlich seiner Wirkung auf Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (erhoben durch den Functional Living Index for Emesis (FLIE) - Fragebogen [109], Patiententagebuch und nach CTCAE) zusätzlich zur standardmäßigen antiemetischen Therapie untersuchte [100]. Der Kontrollarm bekam statt Cocculine® Placebo. Sowohl während des ersten, als auch während des zweiten und dritten Chemotherapie-Zyklus wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen Cocculine®- und Kontrollarm gefunden. Kritikpunkt dieser Studie ist, dass keine Angaben zu Compliance-Raten gemacht wurden.

Thompson et al. (2005) fanden keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Hitzewallungen mit verschiedenen Messungen der täglichen Aktivität, des allgemeinen Gesundheitszustands, typischer Symptome wie Nachtschweiß und des subjektiven Wohlbefindens zwischen dem Interventionsarm mit individueller homöopathischer Behandlung (Klassischer Homöopathie) (n = 28) und dem Placebo-Arm (n = 25) [102]. Die stärksten Kritikpunkte dieser Studie waren die sehr kleine Stichprobengröße, fehlende Angaben zu wichtigen Patientencharakteristiken und allgemein die schlechte Berichtsqualität. 

In der doppelblinden Studie von Lotan et al. (2020) wurden 55 Brustkrebspatientinnen, die sich einer Mastektomie und Rekonstruktion der Brüste unterzogen haben, eingeschlossen [106]. Erhoben wurde der Einfluss von Homöopathie (Arnica montana C30 und Bellis perrenis C30) auf die Zeit bis zur Entfernung der Drainage. Die Intervention beinhaltete eine Dosis (entspricht 3 Globuli) Arnica am Morgen der OP, eine Dosis Arnica und 4-6 Dosen Arnica und Bellis für 24 Stunden nach der OP, 3 Dosen Arnica und Bellis täglich bis 4 Tage nach OP und 3 Dosen Bellis täglich bis die Drainage entfernt wurde. In der Gruppe, die Homöopathie bekam (IG, Patienten n=29, 42 operierte Brüste), konnte die Drainage früher entfernt werden als in der Gruppe mit Placebo (PG, Patienten n=26, 36 operierte Brüste: 11.1 (6.1) Tage vs. 13.5 (6.4) Tage, p=0.05). Die Autoren berichten keine Unterschiede bezüglich Komplikationen oder Schmerzen (erhoben mit der Visual Analogue Scale [VAS] nach der Operation), sowie Qualität der Erholung oder Opioid Einnahme (p=0.057). Für die Vergleiche der Komplikationen, Schmerzen und Qualität der Erholung werden keine p-Werte angegeben. Die Studie hat eine kleine Stichprobe und das entfernte Brustgewicht in der IG ist signifikant geringer als in PG (Gewicht in g: 476 ± 268,7 bzw. 749 ± 349,3 und Implantat-Volumen in cc: 402 ± 115,9 vs. 490 ± 112,2, jeweils), was nicht in der Analyse oder Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt wurde. Es lässt sich daher vermuten, dass die Ergebnisse zur kürzeren Zeit bis zur Drainagenentfernung durch das geringere Wundvolumen in der IG zustande kommen.

In der doppelblinden Studie von Heudel et al. (2018) wurden 138 Brustkrebspatientinnen unter antihormoneller Therapie in 2 Gruppen randomisiert [105]. Die Interventionsgruppe (IG, n=65) erhielt über 8 Wochen ein homöopathisches Komplexmittel (BRN-01 (Actheane®)) und die andere Gruppe ein Placebo (PG, n=73). Nach 4 und 8 Wochen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen bezüglich der medianen Veränderungen der Hitzewallungen (Tagebuch; IG: - 2.9; PG: - 2.5 Punkte, p = 0.756; IG: − 3.9; PG: − 3.3 Punkte; p = 0.775) oder der relativen Abnahme (IG: - 17%; PG: - 15%, p = 0.629; IG: -28% vs. PG: -25%; p = 0.773). In beiden Gruppen gingen die Anzahl und Intensität der Hitzewallungen vergleichsweise über die Zeit der Studie zurück (keine p-Werte gegeben). Für Lebensqualität/ Zufriedenheit wurden nach 4 und 8 Wochen keine Gruppenvergleiche durchgeführt. Die Studie zeichnet sich durch ein gutes Studiendesign aus. So wurde die Tabletteneinnahme durch nachträgliches Zählen geprüft und wichtige Störfaktoren erhoben. Jedoch berichten die Autoren die Durchführung einer ITT, obwohl dann zum Endpunkt Hitzewallungen einige Patienten ausgeschlossen wurden, da diese keine Daten ins Tagebuch eingetragen haben (nach 4 Wochen n=6, 8 Wochen n=12). Insgesamt ist die Darstellung der Ergebnisse schwer nachvollziehbar, da viele statistische Werte nicht berichtet werden. Insbesondere die Ergebnisse zur Intensität und Häufigkeit der Hitzewallungen werden sehr oberflächlich beschrieben, ohne getrennte Zahlen pro Gruppe und teilweise ohne p-Werte.

In der doppelblinden Studie von Dolev et al. (2021) wurden 70 Brustkrebspatientinnen nach erfolgter Operation und Chemotherapie in 2 Gruppen randomisiert [103]. Die Interventionsgruppe (IG, n=47) erhielt mehrere homöopathische Mittel zusätzlich zur Radiotherapie (Carcinosinum burnett C30: 1 Globuli täglich jeden Morgen für 3 Wochen; Phosphoricum acidum C30, Radium Bromide C30, X-ray C6 und Cadmium sulphuratum C30: jeden Morgen, Mittag und Abend für 8 Wochen) und die andere Gruppe ein Placebo (PG, n=23) für 5 Wochen. Mit dem Auditory Sustained Attention Test (ASAT) wurden laut Autoren Veränderungen in der Regulation von Emotionen, hier insbesondere Angst und Aufmerksamkeit gemessen. Dieses Messinstrument ist allerdings nicht validiert und dass es tatsächlich diese Konstrukte misst, wird von den Autoren lediglich angenommen. Diese Annahme kann aufgrund aktueller Studien der Autoren jedoch nicht belegt werden. Somit sind die folgenden Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. Bezüglich Angst (Emotionsregulation, Schreckreaktion, Hautleitwert, Augenzwinkern) konnten von Beginn bis 1 Monat nach der Radiotherapie keine Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden werden (p-Wert nur für 1 Monat nach Radiotherapie, Augenzwinkern: p<0.058 (nicht signifikant), keine weiteren p-Werte gegeben). In Hinsicht auf Aufmerksamkeit (Hemmungsamplituden der Schreckreaktion) konnten innerhalb der Behandlungszeit (5 Wochen) keine Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden werden (kein p-Wert gegeben). Jedoch zeigten sich bessere Werte in der IG im Vergleich zur PG 1 Monat nach der Behandlung (Gruppenunterschied p<0.035, insgesamt unterschiedliche Verläufe über die Zeit: Intervention x Zeit Interaktion (F [3, 141] = 2.776, [p < .044])). Die Autoren erläutern, dass sich die IG, nach Verschlechterung der Werte aufgrund der Radiotherapie, wieder zu seinen Ausgangswerten hin verbessert und die PG sich weiter verschlechtert. Anhand der Grafik ist allerdings zu erkennen, dass sich die IG während der Radiotherapie kaum verändert und die PG sogar leicht bessere Werte zeigt als die IG. Zum Ende der Studie zeigt die PG dann eine drastische Verschlechterung, während die IG sogar bessere Werte zeigt als zu Beginn. Die Erklärung der Autoren ist somit nicht konsistent mit den Darstellungen der Ergebnisse. Die Studie zeichnet sich insgesamt durch ein gutes Studiendesign aus, jedoch wurde die Tatsache, dass viele Patienten während der Behandlung noch zusätzlich Cannabis (IG 15.8% und PG 5.3%), Antidepressiva (IG 15.8% und PG 5.3%) oder Antihypertensiva (IG 15.8% und PG 5.3%) zu sich nahmen nicht in der Analyse berücksichtigt, obwohl diese Medikamente deutlichen Einfluss auf die Emotions- und Aufmerksamkeitsregulation haben können. Zudem fand keine Intention-to-Treat (ITT) Analyse statt (Drop-Out IG n=9, PG n=4) und die Analyse des Augenzwinkerns im Rahmen der Erhebung von Angst wurde post–hoc beschlossen. Insgesamt sind die Ergebnisse schwer nachvollziehbar, da diese nur in Grafiken dargestellt werden. Es werden keine statistischen Werte (wie Mittelwerte oder p-Werte) gegeben, wodurch die Transparenz der Daten eingeschränkt ist.

Nebenwirkungen

In den meisten eingeschlossenen Studien gab es entweder keine Angaben zu Nebenwirkungen [98][97] oder laut Autoren wurden keine Nebenwirkungen der homöopathischen Behandlung berichtet [99][100][101][103][104][105][106]. In der Studie von Thompson et al. (2005) berichteten ungefähr ein Viertel der Patienten Nebenwirkungen, aber es gibt keine Angaben darüber welche und ob diese auf die homöopathische Behandlung zurückgehen [102]. 

Evidenzaufarbeitung

Die Evidenzaufarbeitung zu Homöopathie wurde von den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Hübner (DKG) durchgeführt.

4.5 Klassische Naturheilverfahren

Zu den klassischen Naturheilverfahren gehören die sogenannten „fünf Säulen“ Phytotherapie, Hydrotherapie, Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Ordnungstherapie. Jeder dieser Therapien ist als solche jedoch auch eine eigenständige Therapieform und nicht nur Teil der Naturheilkunde. Hier gibt es gemeinsame Schnittmengen zwischen Bewegungstherapie und Sportmedizin oder Ordnungstherapie und Mind Body Medizin.

In der Praxis werden häufig jedem Patienten individuell einige Methoden der fünf Säulen verordnet. Die Themen Phytotherapie, Ernährung und Sport/Bewegungstherapie finden Sie in den folgenden Kapiteln: 7.19, 7.1 und 5.7. 

Die Hydrotherapie wendet Wasser in allen Aggregatzuständen an. Das am häufigsten verwendete Merkmal von Wasser, das hauptsächlich in der Hydrotherapie verwendet wird, ist die Temperatur. Kaltes Wasser bewirkt eine Zentralisierung des Blutkreislaufs, um eine ausreichende Durchblutung lebenswichtiger Organe durch vorübergehende periphere Vasokonstriktion und anschließende Vasodilatation sicherzustellen. Dies stimuliert die Durchblutung und hilft, Lymphödeme zu lindern oder chronische Wunden zu heilen. Aus diesem Grund kann kaltes Wasser analgetische und antiphlogistische Wirkungen haben. Warmes Wasser erweitert die Blutgefäße und hilft, Krämpfe zu lindern oder die Muskeln zu entspannen. Außerdem senkt die Hydrotherapie wirksam den Bluthochdruck und lindert chronische Rückenschmerzen. Beispiele für den Einsatz der Hydrotherapie sind Kneipp-Wasserbäder oder Saunen.

Die Balneotherapie ist eine Form der körperlichen Behandlung mit speziellen Bädern im Rahmen einer Behandlung. Es wird häufig zur Linderung von chronischen Schmerzen eingesetzt, die ein häufiges Symptom für verschiedene Krankheiten wie rheumatoide Arthritis oder Fibromyalgie sind. In diesem Konzeptfall wird spezielles Wasser verwendet, angereichert mit z.B. Iodid oder Kohlensäure. Darüber hinaus enthält die Balneotherapie andere Badeformen wie Schlamm- oder Moorbäder und wird häufig in Spas zur Linderung von allgemeinen chronischen Schmerzen oder psychischen Beschwerden eingesetzt.

In Abgrenzung zur Hydro- und Balneotherapie gibt es noch die Aquatherapie. Diese verwendeten Wasserübungen, die meist in Gruppen mit einem Therapeuten in einem Therapiepool durchgeführt werden. Das Spektrum der Übungstechniken ist sehr weit verbreitet und kann Übungen zur Verbesserung von Dehnung, Körperkraft oder Bewegung enthalten. Bei diesem Therapiekonzept werden der hydrostatische Wasserdruck und der Auftrieb genutzt, was bei Personen mit Schmerzen des Bewegungsapparates, orthopädischen Beschwerden oder neurologischen Störungen hilfreich sein kann. In der vorliegenden Leitlinie wurde die Aquatherapie als eine Form von Sport/ Bewegung betrachtet und daher nicht separat recherchiert.

Übersicht zur Recherche

Es wurden keine RCTs oder systematische Übersichtsarbeiten gefunden, die alle Säulen bei onkologischen Erkrankungen behandelt und damit die klassischen Naturheilverfahren als ganzes System untersucht haben.

Zur Ordnungstherapie sowie zur Hydro- und Balneotherapie bei Patienten mit onkologischen Erkrankungen wurde ebenso eine de-novo Recherche durchgeführt, jedoch konnten keine systematischen Übersichtsarbeiten oder RCTs auf den Datenbanken gefunden werden.

Der zusätzliche Einsatz von pflegerischen Maßnahmen zu klassischen Naturheilverfahren wird als integrative Pflege bezeichnet. In dieser integrativen Pflege helfen die Co-Therapeuten in der Heranführung an naturheilkundliche Behandlungsmethoden, begleiten bei Selbsterfahrungen und betreuen Anwendungen. Eine besondere Rolle spielt aber vor allem die Zuwendung der Co-Therapeuten und die dabei eingeschlossene Nähe und Berührung bei der Pflege, welche ein Geborgenheitsgefühl vermitteln soll (für Multimodale und Integrative Verfahren siehe 6.3).

Eine Umfrage von Stellhorn (2009) mit 63 Gesundheits-/Krankenpfleger und Pflegekräften zeigte eine generelle positive Einstellung der Beteiligten in der Anwendung von komplementären Verfahren, insbesondere im Bereich der Körperpflege der Patienten [110]. Auch die Patienten zeigten eine mittlere Akzeptanz, die dabei die Akzeptanz von Ärzten überschritt. Die am häufigsten angewendeten komplementären Verfahren waren Homöopathie (30%), die Aromapflege (28,7%) sowie die Phytotherapie (15,3%). Es wurden allerdings auch mögliche Probleme berichtet. Unter Anderem fehlende Ressourcen (Zeit, Raum, Material, Personal) sowie Finanzierungsproblem, sowie mangelnde oder gar fehlende Akzeptanz und Vorurteile von ärztlicher Seite, aber auch von anderen Pflegekräften.

Insgesamt kommt komplementäre Pflege zumeist in palliativen Situationen zum Einsatz.

4.5.1 Hydro-/ Balneotherapie

4.28 · Evidenzbasiertes Statement 2020

Es liegen keine Daten aus RCTs zur Wirksamkeit für das medizinische System „klassische Naturheilverfahren“ unter Berücksichtigung aller 5 Säulen (Phytotherapie, Hydrotherapie, Ernährungstherapie, Ordnungstherapie, Bewegungstherapie) zur Mortalität, krankheits- und-therapieassoziierte Morbidität und Lebensqualität bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen eine Anwendung des medizinischen Systems „klassische Naturheilverfahren“ gegeben werden.

Evidenzlevel
5
Konsens
Konsens
4.29 · Evidenzbasiertes Statement 2020

Es liegen keine Daten aus RCTs zur Beurteilung der Wirksamkeit der alleinigen Anwendung von Hydro- oder Balneotherapie auf die Mortalität, krankheits- und-therapieassoziierte Morbidität oder Lebensqualität bei onkologischen Patienten vor. Es kann keine Empfehlung für oder gegen eine alleinige Anwendung von Hydro- oder Balneotherapie gegeben werden.

Evidenzlevel
5
Konsens
Konsens

Die Hydrotherapie (auch Wasserheilkunde) ist Teil der „klassischen“ Naturheilverfahren. Ziel der Therapie ist es, Krankheiten oder Symptome, insbesondere Schmerzen durch Rheuma oder Verbrennungen durch den Gebrauch von Wasser zu lindern und/oder zu heilen. Angewendet wird diese Therapie als Teil der Physiotherapie. Das Wasser kann prinzipiell in allen drei Aggregatszuständen genutzt werden. Besonders häufig wird jedoch die Temperatur des Wassers eingesetzt, um Anwendungen mit warmem und kaltem Wasser durchzuführen. Durch das kalte Wasser kommt es zur temporären Vasokonstriktion mit anschließender Vasodilatation wodurch die Durchblutung gefördert wird. Zudem wird angenommen, dass kaltes Wasser eine analgetische (schmerzlindernde) und antiphlogistische (entzündungshemmende) Wirkung bei akuten Entzündungsprozessen hat. Warmes Wasser führt hingegen zur direkten Dilatation der Blutgefäße. Darüber hinaus soll die Hydrotherapie Einfluss auf die Skelettmuskulatur und die Haut haben.

Die Balneotherapie (auch Bädertherapie) zählt zu den kurortspezifischen Therapien und ist eine Disziplin der physikalischen Therapien (Balneologie). Sie umfasst insbesondere die Nutzung von Bädern, in denen unterschiedliche Stoffe in höherem Gehalt gelöst sind. Die Inhaltsstoffe wie Jod, Schwefel, Magnesium, Eisen, Kohlendioxid, Kohlensäure oder radioaktive Stoffe sollen über die Haut und Schleimhäute aufgenommen werden. Auch das Baden in Heil- und Salzwasser, Schlamm, Moor, Torf oder Algen sowie Trinkkuren und Inhalationen können Teil der Balneotherapie sein. Diese Therapieform wird bspw. zur Rehabilitation, bei chronischen Leiden oder psychischen Belastungen angewendet.

Evidenzaufarbeitung

Die Evidenzaufarbeitung zu Klassische Naturheilverfahren wurde von den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Hübner (DKG) durchgeführt.

Evidenztabellen

Garcia et. al. (2013)

Referenz/Referenz 

Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Garcia (2013): Systematic review

of acupuncture in cancer care: a synthesis of the evidence. J Clin Oncol.

Ref-ID: 888

Eingeschlossene Studien:

Shen (2000)

 

SR

Suchzeitraum: bis Dezember 2011

Datenbanken:

Medline, Embase, CINAHL, Scopus, Cochrane, PubMed

Einschluss­kriterien:

RCTs zu

Akupunktur, Erwachsene Patienten mit Krebsdiagnose

 

Anzahl RCTs: 1

Patienten: 104

RCTs

Samples mit gemischten Krebsdiagnosen

Geschlecht: weiblich und männlich (% nicht berichtet)

Alter: Erwachsene, mittleres Alter nicht berichtet

Länder: international

Manuelle Körperakupunktur und Elektroakupunk­tur (invasiv)

+ UC

Länge der Intervention:

5 Tage, 1x täglich, 9 Tage follow-up

Kontrollgruppen:

UC/Antiemeti­kum, Sham-Akupunktur

 

Endpunkte:

1. Schmerz

2. Übelkeit & Erbrechen

3. Postoperativer Ileus

4. Xerostomie

5. Hitzewallungen

6. Fatigue

7. Angst & Depressivität

8. Schlafqualität

 

 

 

Post Operation/

während/nach

Abschluss von Chemo-/ Radiotherapie

1. Schmerz:

® siehe Chiu (2017)

 

2. Übelkeit & Erbrechen:

® Akupunktur versus Antiemetikum: Post Intervention:

1 RCT, N=104,

SMD=1.10 (p=0.01)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

1 RCT, N=104,

SMD=0.80 (p<0.001)

siehe auch Enblom (2012)

 

3. Postoperativer Ileus:

® siehe Liu (2018)

4. Xerostomie:

® siehe Assy (2018)

5. Hitzewallungen:

® siehe Pan (2018)

und Walker (2009)

6. Fatigue:

® siehe Zeng (2014)

7. Angst & Depressivität:

® siehe Feng (2011) und Walker (2009)

8. Schlafqualität:

® siehe Choi (2017)

 

 

 

Keine Angaben zu SUEs/UEs

Primärstudien:

nicht berichtet

Review:

nicht berichtet

Laut Angaben kein COI

 

 

 

Primärstudien:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 1

PB: 1

DB: 1

AB: 1

RB: 1

OB: 0

Review:

AMSTAR: 5

 

zu Endpunkt 1: alle relevanten RCTs bei Chiu (2017) besprochen,

4 weitere RCTs ausgeschlossen: Gründe:

- Li (1994) zu alt

- Poulain (1997) und Mehling (2007) untersuchen Akupunktur mit TENS oder Massage

- He (2007)

auf Chinesisch publiziert

 

zu Endpunkt 2:

1 RCT wird als Einzelstudie aufgeführt, da Review bei akzeptablem RoB keine Ergebnisse berichtet: Enblom (2012),

9 weitere RCTs ausgeschlossen: Gründe:

- Yang (2009) auf Chinesisch publiziert

- Dundee (1987 & 1988) und Xia (1986) zu alt

- Mehling

(2007) unter­sucht Akupunktur mit Massage

- Enblom (2011), Gott­schling (2008) und Melchart (2006) sind Pilotstudien mit unter N=25 pro Gruppe

- Streitberger (2003) berichtet nur Zwischen- keine Endergebnisse (abgebrochene Studie)

 

zu Endpunkt 3:

alle relevanten RCTs bei Liu (2018)

besprochen,

6 weitere RCTs ausgeschlossen: Gründe:

- Du (2011),

He (2007), Sun (2010) und Yin (2009) auf Chinesisch publiziert,

- Li (1994) zu alt

- Poulain (1997)

untersucht Akupunktur mit TENS

 

zu Endpunkt 4:

alle RCTs bei Assy (2018) besprochen

 

zu Endpunkt 5:

alle relevanten RCTs bei Pan (2018)

besprochen,

1 weiteres RCT wird als Einzelstudie aufgeführt, da Review bei akzeptablem RoB keine Ergebnisse be­richtet: Walker (2009)

 

zu Endpunkt 6:

alle RCTs bei Zeng (2014)

besprochen

 

zu Endpunkt 7:

2 RCTs werden als Einzelstudien aufgeführt, da Review bei akzeptablem RoB keine Ergebnisse berichtet:

Feng (2011) und Walker (2009),

3 weitere RCTs ausgeschlossen: Gründe:

- Mehling

(2007) untersucht Akupunktur mit Massage

- Balk (2009) ist Pilotstudie mit unter N=25 pro Gruppe

- Nedstrand (2006) hat sehr kleine Stich­probe und hohe Drop-out Rate

 

zu Endpunkt 8:

alle relevanten RCTs bei Choi (2017) besprochen,

1 RCT ausgeschlossen: Gründe:

- Cui (2003) verwendet keine standardisierten Instrumente

2a

Garcia (2013): Viele Krebszentren bieten Akupunkturdienste an. Bisher wurde keine umfassende systematische Überprüfung der Akupunktur in der Krebsbehandlung durchgeführt. Das Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit der Akupunktur für das Symptommanagement bei Krebspatienten zu untersuchen. Verschiedene Datenbanken wurden nach Studien systematisch durchsucht, in denen Akupunktur für das Symptommanagement in der Krebsbehandlung untersucht wurde. Es wurden nur Studien mit Nadeleinführung in Akupunkturpunkte eingeschlossen. Die Ergebnisse nach Symptomen wurden als positiv, negativ oder unklar bezeichnet.

Insgesamt wurden 2.151 Publikationen gescreent. Von diesen erfüllten 41 RCTs mit acht Symptomen (Schmerzen, Übelkeit, Hitzewallungen, Müdigkeit, strahleninduzierte Xerostomie, längerer postoperativer Ileus, Angst- / Stimmungsstörungen und Schlafstörungen) alle Einschlusskriterien. Davon wird hier eine Studie eingeschlossen. Die anderen Studien wurden entweder bereits an anderer Stelle erwähnt, oder wurden aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen, da sie u.a. auf Chinesisch publiziert wurden, keine standardisierten Instrumente verwendeten, statistische Mängel aufwiesen oder Akupunktur nicht als einzelne Intervention untersuchten. Es wurde manuelle Körper-akupunktur und Elektroakupunktur (invasiv) über einen nicht näher definierten Zeitraum mit Schein-Akupunktur und einer Kontrollgruppe verglichen, welche ein Antiemetikum erhielt. Es wurden statistisch bedeutsame Unterschiede für Übelkeit/Erbrechen zugunsten der Akupunktur im Vergleich zur Schein-Akupunktur gefunden.

Akupunktur ist möglicherweise eine geeignete Zusatzbehandlung für durch Chemotherapie verursachte Übelkeit / Erbrechen, es sind jedoch zusätzliche Studien erforderlich.

Rithirangsriroj et. al. (2015)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Rithirangsriroj (2015): Efficacy of acupuncture in prevention of delayed chemo­therapy induced nausea and vomiting in gynecologic

cancer patients. Gynecol Oncol.

 

Ref-ID:923

RCT crossover

prospektiv, monpzentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=70

Ausgewertet:

N=140 (cross­over)

 

Land: Thailand

2013-2014

Gynäkologische Karzinome vor Chemo­therapie

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 51.6

Arm A:

N=35

Manuelle Körper­akupunktur

1x vor Chemotherapie

+ UC (standardisierte Gabe von Dexa­methason und Ondansetron post Chemo)

 

Arm B:

N=35

Ondansetron (8mg) vor Chemotherapie

+ UC (standardisierte Gabe von Dexamethason und Ondansetron post Chemo)

Primärer Endpunkt:

1. Übelkeit und Erbrechen (Prä­vention) (0% Inzidenz)

Sekundäre Endpunkte:

2. Übelkeit

(Prävention)

(0% Inzidenz)

 

3. Erbrechen

(Prävention)

(0% Inzidenz)

 

4. Bedarfsmedika­tion mit Ondansetron

 

5. Lebensqualität (tumorspezifisch) (FACT-G)

 

5. Sicherheit

 

Während Chemo­therapie:

1. Übelkeit und Erbrechen:

® Akupunktur versus Ondansetron: Akut:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

Verzögert: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.02)

 

2. Übelkeit:

® Akupunktur versus Ondansetron: Akut:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

Verzögert: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.004)

 

3. Erbrechen:

® Akupunktur versus Ondansetron: Akut und verzögert: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

4. Bedarfsmedikation mit Ondansetron:

® Akupunktur versus Ondansetron: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.002)

 

5. Lebensqualität (tumorspezifisch):

® Akupunktur versus Ondansetron: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.03)

Arm: Aku­punktur

AEs: 42/70

 

Arm: Ondansetron

AEs: 66/70

 

Verstopfung und Schlaf­störungen waren signifikant weniger in der Akupunktur-Gruppe (p<0.05)

Keine Angaben zur Finan­zierung

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: unclear

PB: unclear

DB: unclear

AB: low

RB: low

OB: high

 

2b

Rithirangsriroj (2015): Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit von Akupunktur und Ondansetron (Arzneimittelstoff gegen Übelkeit und Erbrechen) zu vergleichen und hinsichtlich der Vorbeugung von durch Chemotherapie verursachter Übelkeit und Erbrechen (CINV) zu untersuchen. 70 Patienten erhielten nach Zufallsprinzip entweder 1) Akupunktur vor der Chemotherapie-Infusion oder 2) Ondansetron 8 mg intravenös 30 Minuten vor der Chemotherapie-Infusion. Alle Patienten erhielten 3 Tage lang zweimal täglich 5 mg Dexamethason oral (entzündungshemmendes Medikament). Die Patienten erhielten alle 12 Stunden zusätzliche Dosen von 4 mg Ondansetron oral, wenn sie Erbrechen erlebten. Erbrechen, Schweregrad der Übelkeit und unerwünschte Ereignisse wurden aufgezeichnet. Das vollständige Ansprechen auf die Behandlung wurde als keine Übelkeit, kein Erbrechen und kein Bedarf an zusätzlichen Antiemetika definiert. Die Lebensqualität wurde 7 Tage nach jedem Chemotherapiezyklus mit einem Selbstbewertungsfragebogen erfasst. Die Akupunkturgruppe zeigte eine bedeutsam höhere Rate an vollständigem Ansprechen auf die Behandlung bei der Prävention von CINV. Im Vergleich zur anderen Gruppe berichtete die Akupunkturgruppe über eine bedeutsam geringere verzögerte Übelkeit und weniger Bedarf an zusätzlichem oralem Ondansetron. Die Nebenwirkungen waren in der Akupunkturgruppe mit weniger häufiger Verstopfung und Schlaflosigkeit ebenfalls bedeutsam geringer. Insgesamt wurde in der Akupunkturgruppe eine bessere Lebensqualität berichtet. Akupunktur verhindert möglicherweise wirksam eine verzögerte CINV und fördert eine bessere Lebensqualität. Die methodische Qualität ist jedoch überwiegend unklar bis schlecht, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Zhou et. al. (2017)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Zhou (2017):

The effect of acupuncture on chemotherapy-associated gastrointestinal symptoms in gastric cancer.

Curr Oncol.

Ref-ID:930

RCT

prospektiv, monozentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=56

Ausgewertet:

N=56

 

Land: China

2014-2015

Magen-Karzinom (Stadium IV) unter Chemotherapie

 

Geschlecht:

34% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 57

 

Arm A:

N=28

Manuelle Körperakupunktur

2 Wochen, 1x täglich

+ UC

 

Arm B:

N=28 UC

 

Endpunkte:

1. Krankenhaus-verweildauer

 

2. Erbrechen (Minuten/Tag)

 

3. Durchfall (Anzahl/Tag)

 

4. Chemotherapie induzierter Schmerz (Minuten/Tag)

 

5. Lebensqualität (global) (WHOQOL)

 

6. Sicherheit

Während Chemo­therapie:

1./2./3./4./5. Kranken­hausverweildauer/ Erbrechen/Chemo­therapie induzierter Schmerz/Lebensquali­tät (global):

® Akupunktur + UC versus UC: 14 Tage-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

Keine AEs durch Akupunktur

 

 

Science and Tech­nology Department of Sichuan Province

+ Health Department of Sichuan Province

(China)

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: high

PB: high

DB: unclear

AB: unclear

RB: unclear

OB: high

2b

Zhou (2017): Gastrointestinale (gi) Symptome sind die deutlichsten Nebenwirkungen von Chemotherapie; Solche Symptome werden derzeit mit Medikamenten behandelt. In der vorliegenden Studie wurde die Wirkung der Akupunktur auf durch Chemotherapie induzierte Gi-Symptome bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkrebs untersucht. 56 Patienten wurden durch ein Zufallsprinzip in eine Versuchsgruppe und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Alle Patienten erhielten eine Kombinationschemotherapie mit Oxaliplatin-Paclitaxel. Patienten in der Versuchsgruppe erhielten 2 Wochen lang täglich 30 Minuten Akupunktur-Therapie. Die Kontrollgruppe erhielt Standardversorgung. Die Häufigkeit und Dauer von Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall, die durchschnittlichen Tage und Kosten des Krankenhausaufenthaltes, sowie die Lebensqualitätswerte wurden zwischen den Gruppen verglichen. Hinsichtlich der Krankenhausverweildauer, Erbrechen, Chemotherapie induziertem Schmerz und Lebensqualität (global) zeigten sich zwischen den Gruppen statistisch bedeutsame Unterschiede zugunsten der Akupunktur. Bei den Patienten, die Akupunktur erhielten, wurden keine unerwünschten Ereignisse beobachtet. Akupunktur könnte die durch Chemotherapie verursachten Gi-Symptome signifikant reduzieren und die Lebensqualität von Patienten mit fortgeschrittenem Magenkrebs verbessern. Allerdings weist die Studie eine unklare bis schlechte methodische Qualität auf, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Enblom et. al. (2012)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Enblom (2012): Acupuncture compared with placebo acupunc­ture in radiotherapy-induced nausea

- a randomized controlled study. Ann Oncol.

Ref-ID:907

 

+

 

Enblom (2017): Reduced need for rescue antiemetics and Improved capacity to eat in patients receiving acupuncture com­pared to patients receiving sham acupuncture or standard care during radiotherapy. Evid Based Comple­ment Alternat Med.

Ref-ID: 908

RCT

prospektiv, monozentrisch, Patienten verblindet,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=237

Ausgewertet:

N=197

 

Land: Schweden

2004-2006

Gyäkologisches-Karzinom, Colon/Rektal-Karzinom, Hoden-Karzinom, Pankreas-Karzinom

unter Radio­therapie, 29% auch unter Chemotherapie

 

Geschlecht:

84% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 64

Arm A:

N=97

Manuelle Körperakupunktur

5 Wochen, 2-3x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=100 Sham- Akupunktur (nicht-penetrie­rend an Sham-Akupunkturpunkten)

+ UC

 

Primärer Endpunkt:

1. Übelkeit und Erbrechen (VAS)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Radiotherapie induzierter Schmerz (ja/nein)

 

3. Antiemetika­verbrauch

 

4. Anorexie (ja/nein)

 

5. Schlafqualität/ Schlafstörung (ja/nein)

 

Während Radio­therapie:

1. Übelkeit und Erbrechen:

® Akupunktur versus SHAM: Während/post Intervention und 4 Wochen-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

2. Radiotherapie induzierter Schmerz:

® siehe Chiu (2017)

 

3. Antiemetika­verbrauch:

® Akupunktur versus SHAM: Während/post Intervention und 4 Wochen-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

4./5. Anorexie/Schlaf­störung:

® Akupunktur versus SHAM: Während/post Intervention und 4 Wochen-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

Arm: Aku-punktur

SUEs: 2/97

UEs: 3/97

 

Arm: SHAM

SUEs: 2/100

UEs: 3/100

 

Swedish Cancer Society

+ Swedish Institute for

Health Sciences

+ County Council of Östergöt­land

+ Vardal Foundation

+ Allergy Research and the Östgöta Cancer

Fund.

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: unclear

PB: high

DB: low

AB: low

RB: low

OB: unclear

 

 

2b

Enblom (2012): Es ist nicht bekannt, ob (echte) Akupunktur bei den Nebenwirkungen Übelkeit und Erbrechen während der Strahlentherapie bei Krebspatienten wirksam ist.

Es wurden 215 Krebspatienten nach dem Zufallsprinzip über 5 Wochen 2-3 Mal pro Woche mit einer Akupunkturform behandelt: durch echte Akupunktur oder durch Scheinakupunktur mit nicht eindringenden Scheinnadeln. Patienten wussten nicht, welcher Gruppe sie zugeteilt waren. Die Patienten dokumentierten während der Strahlentherapie täglich Übelkeit und Erbrechen. Primärer Endpunkt war die Anzahl der Patienten mit mindestens einer Übelkeitsepisode.

In der Akupunktur- und der Scheinakupunkturgruppe hatten 70% und 62% während der Strahlentherapiezeit mindestens einmal Übelkeit. 25% und 28% erbrachen sich und 42% und 37% nahmen mindestens einmal Antiemetika (Medikament zur Verringerung von Übelkeit und Erbrechen) ein. 95% in der Akupunktur-Gruppe und 96% in der Schein-Akupunktur-Gruppe glaubten, dass die Behandlung gegen Übelkeit wirksam war. In beiden Gruppen zeigten 67% positive Auswirkungen auf Entspannung, Stimmung, Schlaf oder Schmerzreduktion und 89% wünschten sich eine erneute Behandlung. Es wurden keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden. Akupunktur scheint bei durch Strahlentherapie verursachter Übelkeit nicht wirksamer als Scheinakupunktur zu sein. Fast alle Patienten in beiden Gruppen berichteten jedoch, dass die Behandlung bei Übelkeit wirksam war. Der Studienbericht war teilweise nicht detailliert genug, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Hervik et. al. (2016)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Hervik (2016): Adverse effects of non-hormonal pharmacological interventions in breast cancer survivors, suffering from hot flashes: A systematic review and meta-analysis. Breast Cancer Res Treat.

Ref-ID: 890

Eingeschlossene Primärstudien:

Mao (2015),

Walker (2009)

MA

Suchzeitraum: nicht berichtet

Datenbanken:

PubMed, Medline, EMBASE,

Cochrane,

PsycInfo

Einschlusskriterien:

RCTs, Erwachsene Frauen mit Brustkrebs und Hitzewallungen

Anzahl RCTs: 12

Subsample Akupunktur: 2

Patienten: N=1467

Subsample Akupunktur:

N=108

 

RCTs

Mamma-Karzinom mit Hitzewallungen

Geschlecht: 100% weiblich

Alter: 30-61, mittleres Alter nicht berichtet

Länder: USA

Manuelle Körperakupunktur

(1 RCT) und Elektroakupunk­tur (1RCT)

Länge der Interventionen:

8 und 12 Wochen

Kontrollgruppen: Gabapentin, Venlafaxine

Primärer Endpunkt:

1. Sicherheit

 

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Sicherheit:

® Akupunktur versus

Gabapentin/Venlafaxine:

24-52 Wochen-Follow-up:

2 RCTs, N=108; I2=0 %;

OR=1.75 (1.09, 2.75), sign. weniger UEs durch Akupunktur (p=0.02)

 

 

Arm: Aku

SUEs: 0/55

UEs: 5/55

 

Arm: Gaba­pentin und Venlafaxine

SUEs: 0/53

UEs: 41/53

Lediglich CTCAE Grad 1 UEs

Primär­studien:

Pfizer, Genetech

Incyte, Millenium

Pharmaceu­ticals,

Bayer, Veridex,

Calithera

Bioscien­ces, Glaxo S.K., Wyeth

+ Susan Komen

Foundation (USA)

Review:

nicht berichtet

 

Laut Angaben kein COI

Primärstudien:

RCTs von moderater Qualität (Grade A und B nach Cochrane), kein detailliertes Risk of Bias Assessment

Review:

AMSTAR: 6

 

2a

Hervik (2016): Ziel der Studie war es, die Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen (AE) von nicht hormonellen Arzneimitteln (NHD) bei Hitzewallungen bei Brustkrebsüberlebenden im Vergleich zu Kontrollgruppen zu untersuchen und das Risiko für Nebenwirkungen durch Überprüfung veröffentlichter randomisierter Studien zu analysieren.

Verschiedene Datenbanken wurden systematisch durchsucht. Es wurden Studien eingeschlossen, in denen die Teilnehmer Überlebende von Brustkrebs waren, die an Hitzewallungen litten. Eine Studie umfasste die Behandlung mit Manueller Körperakupunktur (1 RCT) und eine die Behandlung mit Elektroakupunktur (1RCT) über einen Zeitraum von 8 und 12 Wochen, verglichen mit Kontrollgruppen, welche selbst verabreichte niedrigdosierte Medikamente (Venlafaxin oder Gabapentin) erhielten und es wurde über unerwünschte Ereignisse berichtet. AE-Häufigkeit und Schweregrad wurden bewertet. Die angegebene Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen war nach 24-52 Wochen in den Akupunktur-Gruppen bedeutsam geringer als in den Kontrollgruppen, welche selbst verabreichtes Venlafaxin oder Gabapentin erhielten. Die Wahrscheinlichkeit, an AE zu erkranken, war bei Patienten, die eine niedrigdosierte Medikation erhielten, bedeutsam höher als bei Patienten, die Akupunktur erhielten. Die methodische Qualität der Studien wurde jedoch nicht ausreichend berichtet, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten.

Pan et. al. (2018)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Pan (2018): Clinical benefits of acu­puncture for the reduction of hormone therapy–related side effects in breast cancer patients: A syste­matic review. Integr Cancer Ther.

Ref-ID: 894

Eingeschlossene Primärstudien:

Bao (2014),

Crew (2007),

Crew (2010),

Deng (2007),

Frisk (2008),

Hervik (2009),

Hervik (2014),

Johnston (2011),

Liljegren (2012),

Mao (2014a,b),

Mao (2015),

Molassiotis (2013),

Nedstrand (2005),

Nedstrand (2006),

Smith (2013),

Yao (2016)

MA

Suchzeitraum: bis November 2017

Datenbanken:

PubMed, EMBASE, Cochrane Library, Web of Science

Einschluss­kriterien:

RCTs zu Akupunktur, Erwachsene Frauen mit Brustkrebs und Antihormon-therapie bedingten Nebenwir­kungen

Anzahl RCTs: 16

Patienten: N=811

RCTs

Mamma-Karzinom (Stadium 0-III) unter Antihormonthera­pie, 11 RCTs zusätzlich Radio- und/oder Chemotherapie

Geschlecht: 100% weiblich

Alter: Erwachsene, 30-61 Jahre, mittleres Alter nicht berichtet

Länder:

Nordeuropa, Nordamerika, Australien, Korea

Manuelle Körper-akupunktur

(16 RCTS) und Elektroaku­punktur (1 RCT)

+ UC

Länge der Interventionen:

4-10 Wochen

Kontrollgruppen:

Scheinakupunk­tur (nicht näher berichtet), UC/Warteliste,

Entspannung (PMR), Edukation, Medikation mit Östrogen/Proges­teron

Primäre Endpunkte:

1. Hitze­wallungen

2. Fatigue

3. Antihormon­therapie induzierter Schmerz (Arthralgie)

4. Steifigkeit

5. Gastrointesti­nale Symptome

6. Menopausale Symptome

 

Sekundäre Endpunkte:

7. Lebensqualität (tumor­spezifisch)

8. Sicherheit

 

Während/nach Chemo-/ Radiotherapie:

1. Hitzewallungen:

® Akupunktur versus SHAM: 4-26 Wochen-Follow-up:

4 RCTs, N=456; I2=60%;

SMD=-0.15 (-0.40, 0.08)

(p≥0.05)

® Akupunktur versus Entspannung: 4-26 Wochen-Follow-up:

2 RCTs, N=218; I2=0%;

SMD=-0.13 (-0.58, 0.32)

(p≥0.05)

 

2. Fatigue:

® Akupunktur + UC

versus UC: 4-26 Wochen-Follow-up:

2 RCTs, N=56; I2=91%;

SMD=0.17 (-2.13, 2.49)

(p≥0.05)

® Akupunktur versus Edukation: 4-26 Wochen-Follow-up:

2 RCTs, N=121; I2=79%;

SMD=-0.35 (-1.48, 0.77)

(p≥0.05)

3. Antihormontherapie induzierter Schmerz (Arthralgie):

® siehe Chen (2017) [4]

 

4. Steifigkeit

® Akupunktur + UC

versus UC: 4-26 Wochen-Follow-up:

4 RCTs, N=112; I2=58%; SMD=-0.65 (-1.16, -0.13)

(p<0.05)

5. Gastrointestinale Symptome

® Akupunktur + UC

versus UC: 4-26 Wochen-Follow-up:

2 RCTs, N=56; I2=0%;

SMD=-0.30 (-0.76, 0.15)

(p≥0.05)

® Akupunktur versus SHAM: 4-26 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=74;

SMD=-0.04 (-0.43, 0.34)

(p≥0.05)

® Akupunktur versus Edukation: 4-26 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=105;

SMD=-0.04 (-0.74, 0.66)

(p≥0.05)

® Akupunktur versus Entspannung: 4-26 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=74;

SMD=0.04 (-0.41, 0.50)

(p≥0.05)

6. Menopausale Symptome:

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 22-Wochen-Follow-up: 1 RCT, N=59,

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.004 und p=0.001)

® Akupunktur versus Östrogen/Progesteron: 12-104 Wochen-Follow-up: 1 RCT, N=44,

vergleichbare Kurzzeit­effekte (keine signifi­kanten Gruppenunterschiede bis Woche 39 (p≥0.05)), danach signifikante Gruppenunterschiede zugunsten der Medikation mit Östrogen/Progesteron (p=0.002 und p=0.039)

® Akupunktur versus Entspannung: 12-36 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=38

Signifikante Inner­gruppeneffekte (p<0.001), keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

7. Lebensqualität (tumor­spezifisch):

® Akupunktur + UC

versus UC: 4-26 Wochen-Follow-up:

3 RCTs, N=96; I2=86%;

SMD=-0.29 (-1.30, 0.70)

(p≥0.05)

® Akupunktur versus Edukation: 4-26 Wochen-Follow-up:

2 RCTs, N=145; I2=0%;

SMD=-0.09 (-0.45, 0.26)

(p≥0.05)

RCTs berichten keine UEs/ SUEs durch Akupunktur

 

Primär­studien:

nicht berichtet

Review:

Vocational

Technical Education Branch of Higher Education Research Academy

of China

+ Lanzhou Municipal Science & Technology Bureau of Gansu province

of China

Laut Angaben kein COI

 

Primärstudien:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 4

PB: 0

DB: 9

AB: 9

RB: 0

OB: 0

Review:

AMSTAR: 8

 

Signifikante Heterogenität in fast allen Metaanalysen, die weder durch Alter, Tumor-Stadium, Medikation Akupunkturprotokoll, etc. erklärt werden kann.

 

 

2a

Pan (2018): Akupunktur kann möglicherweise helfen, unangenehme Nebenwirkungen zu reduzieren, die mit der Hormon-Therapie bei Brustkrebs verbunden sind. Dennoch fehlt eine umfassende Bewertung der aktuellen Beweislage aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs). Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit der Akupunktur zur Verringerung hormontherapeutischer Nebenwirkungen bei Brustkrebspatientinnen zu untersuchen. Nach einer systematischen Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken, wurden RCTs eingeschlossen, welche Akupunktur bei erwachsenen Frauen mit Brustkrebs und Antihormontherapie bedingten Nebenwirkungen untersuchten. Die Interventionen umfassten eine konventionelle Akupunkturbehandlung im Vergleich zu keiner Behandlung, Scheinbehandlung, Entspannung oder konventionellen pharmazeutischen Medikamenten. Wichtige Zielgrößen waren die Linderung von Häufigkeit und Symptomen, sowie das Vorhandensein hormontherapeutischer Nebenwirkungen, wie z.B. Hitzewallungen, Fatigue (Müdigkeit), Antihormontherapie induzierter Schmerz (Arthralgie) oder menopausale Symptome. Insgesamt wurden 17 RCTs untersucht, darunter insgesamt 810 Brustkrebspatientinnen. Im Vergleich zu Kontrolltherapien deuteten die zusammengefassten Ergebnisse darauf hin, dass Akupunktur moderate Auswirkungen auf die Verbesserung der Steifigkeit hatte. Es wurden keine bedeutsamen Unterschiede bei Hitzewallungen, Müdigkeit, Schmerzen, Magen-Darm-Symptomen, allgemeinem Wohlbefinden und körperlichem Wohlbefinden beobachtet. Akupunktur-Therapie scheint potenziell nützlich bei der Linderung der funktionellen Steifigkeit zu sein. Außerdem gaben Patienten in der Akupunktur-Gruppe weniger menopausale Symptome nach der Intervention und 22 Wochen danach im Vergleich zur Patienten, die Standardversorgung erhielten an. Es sind jedoch noch weitere Studien mit großen Stichproben und gut konzipiertem Design erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

 

Bokmand et. al. (2013)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Bokmand (2013): Acupuncture relieves meno­pausal discomfort in breast cancer patients: a pros­pective, double blinded, rando­mized study. Breast.

Ref-ID: 902

RCT

prospektiv, monozentrisch, Patienten verblindet,

3 Arme

 

Eingeschlossen: N=94

Ausgewertet:

N=94

 

Land: Dänemark

Zeitraum nicht berichtet

Mamma-Karzinom (Stadium nicht berichtet) zum Teil unter antihormoneller Therapie mit Hitzewallungen und Schlaf­problemen

 

Alter Durchschnitt: 61 Jahre

 

Geschlecht:

100% weiblich

Arm A:

N=31

Manuelle Körperakupunktur

5 Wochen, 1x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=29 Sham- Akupunktur (oberflächlich-penetrierend an Sham-Akupunktur­punkten)

+ UC

 

Arm C:

N=34 UC

Primäre Endpunkte:

1. Hitzewallungen (VAS)

 

2. Schlafqualität/ Schlafstörung (ja/nein)

 

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Hitzewallungen:

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

2. Schlafqualität:

® siehe Choi (2017) [9]

Arm: Akupunktur

SUEs: 0/31

UEs: 4/31

 

Arm: SHAM

SUEs: 0/29

UEs: 8/29

 

Arm: UC

SUEs: 0/34

UEs: 1/34

 

Keine Finan­zierung

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: unclear

PB: high

DB: low

AB: low

RB: low

OB: high

 

 

 

2b

Bokmand (2013): Diese Studie untersuchte die Wirkung von Akupunktur auf Hitzewallungen und Schlafstörungen bei Patienten, die sich aufgrund von Brustkrebs in Behandlung befanden. Die Wirkung der Akupunktur wurde mit einer Scheinakupunkturgruppe und einer Kontrollgruppe ohne Behandlung verglichen.

Es wurden 94 Frauen zufällig auf die drei Gruppen verteilt: 31 erhielten Akupunktur über einen Zeitraum von 5 Wochen einmal wöchentlich, 29 erhielten Scheinakupunktur und 34 erhielten keine Behandlung. In der Akupunkturgruppe zeigten 16 Patienten (52%) einen bedeutsamen Effekt hinsichtlich der Hitzewallungen im Vergleich zu sieben Patienten (24%) in der Scheingruppe. Die Wirkung trat nach der zweiten Akupunktursitzung auf und hielt nach der letzten Behandlung mindestens 12 Wochen an. Ein statistisch bedeutsamer positiver Effekt zeigte sich auch auf die Schlafqualität in der Akupunkturgruppe im Vergleich zu der Scheinakupunktur- und der Nichtbehandlungsgruppe. Es wurden keine Nebenwirkungen der Akupunktur registriert. Die methodische Qualität der Studie war teilweise jedoch schlecht oder unklar, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Frisk et. al. (2012)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Frisk (2012): Acupuncture improves health-related quality-of-life (HRQoL) and sleep in women with breast cancer and hot flushes. Support Care Cancer.

Ref-ID: 910

RCT

prospektiv, multizentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=45

Ausgewertet:

N=44

 

Land: Schweden

1998-2002

Mamma-Karzinom

(Stadium 0-III) nach Abschluss der adjuvanten Therapie, teilweise Hormontherapie mit Tamoxifen

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 54

 

Arm A:

N=26

Elektroaku­punktur 12 Wochen

+ UC

 

Arm B:

N=18

Hormontherapie mit Östrogen/ Progesteron-Kombination

+ UC

Sekundäre Endpunkte:

1. Hitzewallungen (VAS)

 

2. Lebensqualität (global) (WHQ, PGWB)

 

3. Schlafqualität (Diary)

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Hitzewallungen:

® Akupunktur versus Östrogen/Progesteron: Post Intervention und 52 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Hormontherapie (p<0.05)

 

2. Lebensqualität (global):

® Akupunktur versus Östrogen/Progesteron: Post Intervention und 52 Wochen-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

3. Schlafqualität:

® siehe Choi (2017) [9]

Keine SUEs/UEs durch Aku­punktur

Medical Research council

of South-East of Sweden

 

COI nicht berichtet

 

Risk of Bias

SB: unclear

PB: unclear

DB: unclear

AB: low

RB: unclear

OB: unclear

 

Substudie der HABITS Studie mit primären Endpunkt Überleben,

Sekundär­Auswertung von Frisk (2008)

2b

Frisk (2012): Ziel der Studie war es, die Auswirkungen von Elektroakupunktur (EA) und Hormontherapie (HT) auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und den Schlaf bei Brustkrebsüberlebenden mit Wechseljahrsbeschwerden zu untersuchen. 45 Frauen, die 12 Wochen lang entweder EA oder 24 Monate lang HT erhielten, wurden bis zu 2 Jahre lang beobachtet. Leiden und Anzahl von Hitzewallungen, Schlafqualität und Lebensqualität wurden vor und während der Behandlung sowie 6, 9, 12,18 und 24 Monate nach Beginn der Behandlung. Im Vergleich zur EA-Gruppe berichtete die HT-Gruppe eine bedeutsame Abnahme der Hitzewallungen, sowohl kurz als auch langfristig. Für die anderen Parameter wurden keine Gruppenunterschiede gefunden. Sowohl EA als auch HT erhöhten die Lebensqualität und den Schlaf, möglicherweise durch abnehmende Anzahl und Belastung durch Hitzewallungen. Obwohl die Hitzewallungen in der EA-Gruppe weniger abnahmen als in der HT-Gruppe, verbesserte sich die Lebensqualität zumindest in gleichem Maße, möglicherweise aufgrund anderer EA-Effekte, die nicht durch HT induziert wurden. Die Studienberichterstattung ist jedoch überwiegend schlecht, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Lesi et. al. (2016)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Lesi (2016): Acupuncture as

an integrative approach for the treatment of hot flashes in women with breast cancer: A prospective multicenter rand­omized controlled trial (AcCliMaT).

J Clin Oncol.

Ref-ID: 917

RCT

prospektiv, multizentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=190

Ausgewertet:

N=190

 

Land: Italien

2010-2013

Mamma-Karzinom (Stadium nicht berichtet) über 80% unter Antihormoneller Therapie

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 49

Arm A:

N=105

Manuelle Körper-akupunktur

12 Wochen, 1x wöchentlich

+ Edukation

+ UC

 

Arm B:

N=85 Edukation

+ UC

 

Primärer Endpunkt:

1. Hitzewallungen (HFS)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Menopausale Symptome (GCS)

 

3. Lebensqualität (tumorspezifisch) (MENQOL)

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Hitzewallungen:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention, 12 Wochen und 26 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

2. Menopausale Symptome:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention, 12 Wochen und 26 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0,05)

 

3. Lebensqualität (tumorspezifisch):

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention, 12 Wochen und 26 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

Arm: Aku­punktur

SUEs: 0/105

UEs: 12/105

 

Keine Angaben zur Finanzierung

 

COI nicht berichtet (nicht adäquat verlinkt)

Risk of Bias

SB: low

PB: unclear

DB: unclear

AB: low

RB: low

OB: low

 

1b

Lesi (2016): Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit von Akupunktur bei der Behandlung von Hitzewallungen bei Frauen mit Brustkrebs zu bestimmen. Insgesamt 190 Frauen mit Brustkrebs wurden nach dem Zufallsprinzip entweder einer von zwei Gruppen zugeteilt. Beide Gruppen erhielten eine Broschüre mit Informationen zu Wechseljahrsbeschwerden und dessen Behandlung, die mindestens 12 Wochen lang befolgt werden sollten. Darüber hinaus erhielt die Akupunkturgruppe 10 traditionelle Akupunkturbehandlungen, bei denen vordefinierte Akupunkturpunkte genadelt wurden. Das primäre Ergebnis war der Hitzewallungswert am Ende der Behandlung (Woche 12). Außerdem wurden Wechseljahrsbeschwerden und die Lebensqualität gemessen. Akupunktur plus verbesserte Selbstpflege waren mit einem bedeutsam niedrigeren Hitzewallungswert verbunden als eine verbesserte Selbstpflege alleine, sowohl am Ende der Behandlung, als auch bei Nachuntersuchungen nach 3 und 6 Monaten. Akupunktur war auch mit weniger Wechseljahrsbeschwerden und einer höheren Lebensqualität verbunden. Akupunktur in Verbindung mit verbesserter Selbstfürsorge ist möglicherweise eine wirksame integrative Maßnahme zur Behandlung von Hitzewallungen und zur Verbesserung der Lebensqualität von Frauen mit Brustkrebs.

Walker et. al. (2010)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Walker (2010): Acupuncture versus venlafaxine for the management of vasomotor symp­toms in patients with hormone receptor-positive breast cancer:

a randomized controlled trial.

J Clin Oncol.

Ref-ID: 925

RCT

prospektiv, monozentrisch, offen, 2 Arme

 

Eingeschlossen: N=50

Ausgewertet:

N=44/31/29/

26/27 zu den jeweiligen Follow-up Zeitpunkten

 

Land: USA

2004-2007

Mamma-Karzinom (Stadium 0 bis III) postmenopausal mit Hitzewallungen

unter Tamoxifen/

Arimidex

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter Durchschnitt 54.4

 

Arm A:

N=25

Manuelle Körper-Akupunktur

12 Wochen

 

Arm B:

N=25

Venlafaxine oral Woche 1: 37.5mg

Woche 2-12: 75mg

Primärer

Endpunkt:

1. Hitzewallungen Frequenz (Diary)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Lebensqualität (tumorspezifisch + global) (MENQOL, SF-12)

 

3. Depression (BDI)

 

4. Sicherheit

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Hitzewallungen:

® Akupunktur versus

Venlafaxine: 1 Wochen-Follow-up: vergleichbare Effekte/keine signifikanten Gruppen­unterschiede (p≥0.05)

2-4 Wochen-Follow-up-

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

12-52 Wochen Follow-up: vergleichbare Effekte/keine signifikanten Gruppen­unterschiede (p≥0.05)

 

2. Lebensqualität (tumorspezifisch + global):

1-52 Wochen-Follow-up:

vergleichbare Effekte/ keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich tumorspezifischer und globaler Lebensqualität (p≥0.05)

 

2. Depressivität:

1-52 Wochen-Follow-up:

vergleichbare Effekte/ keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich menopau­saler und generischer Lebensqualität (p≥0.05)

Arm: Aku­punktur

0 AEs

 

Arm: Venla­faxine

18 AEs

 

Susan G. Komen Foundation

(USA)

 

Laut Angaben kein COI

RoB:

SB: unclear

PB: unclear

DB: unclear

AB: high

RB: unclear

OB: high

 

2b

Walker (2010): Wechseljahrsbeschwerden sind häufige Nebenwirkungen der Behandlung mit Antiöstrogenhormonen in der konventionellen Brustkrebsbehandlung. Eine Hormonersatztherapie ist bei Brustkrebspatientinnen kontraindiziert. Venlafaxin (Effexor), die Therapie der Wahl für diese Symptome, hat zahlreiche Nebenwirkungen. Jüngste Studien legen nahe, dass Akupunktur bei der Verringerung der Wechseljahrsbeschwerden wirksam sein kann. In dieser Studie wurde getestet, ob Akupunktur die Wechseljahrsbeschwerden reduziert und mit weniger Nebenwirkungen als Venlafaxin verbunden ist. 50 Patienten erhielten nach dem Zufallsprinzip 12 Wochen Akupunktur oder eine Behandlung mit Venlafaxin. Die Gesundheitsergebnisse wurden bis zu 1 Jahr nach der Behandlung gemessen. Beide Gruppen zeigten eine bedeutsame Abnahme von Hitzewallungen, depressiven Symptomen und anderen Symptomen der Lebensqualität, einschließlich einer signifikanten Verbesserung der psychischen Gesundheit von vor bis nach der Behandlung. Die Veränderungen waren in beiden Gruppen ähnlich, was darauf hinweist, dass die Akupunktur genauso wirksam war wie Venlafaxin. 2 Wochen nach der Behandlung zeigte die Venlafaxin-Gruppe einen bedeutsamen Anstieg der Hitzewallungen, während dieser Wert in der Akupunkturgruppe auf niedrigem Niveau blieb. Die Venlafaxin-Gruppe verzeichnete 18 Fälle

von Nebenwirkungen (z. B. Übelkeit, Mundtrockenheit, Schwindel, Angst), während die Akupunkturgruppe keine Nebenwirkungen berichtete. Akupunktur hatte in einigen Fällen den zusätzlichen Vorteil eines erhöhten Sexualtriebs und die meisten Frauen berichteten von einer Verbesserung ihrer Energie, Klarheit des Denkens und des Wohlbefindens. Akupunktur ist möglicherweise bei diesen Patienten mit einer medikamentösen Therapie zu vergleichen. Die Studienberichterstattung ist jedoch überwiegend schlecht, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Chen et. al. (2017)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finan­zierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Chen (2017): Effect of acupuncture on aromatase inhibitor-induced arthralgia in patients with breast cancer: A meta-analysis of randomized controlled trials. Breast.

Ref-ID: 883

 

Eingeschlossene Primärstudien:

Bao (2013),

Crew (2010),

Mao (2014),

Oh (2013)

MA

Suchzeitraum: bis Februar 2017

Datenbanken:

MEDLINE, PubMed,

EMBASE, CENTRAL,

SCOPUS

Einschlusskriterien:

RCTs zu Akupunktur, Erwachsene mit Brustkrebs und Aromatase-inhibitor assoziiertem Gelenkschmerz

Anzahl RCTs: 4

Patienten: N=181

RCTs

Mamma-Karzinom (Stadium I-III) mit Aromatase-inhibitor assoziiertem Gelenkschmerz

Geschlecht: 100% weiblich

Alter: Erwachsene, Range mittleres Alter: 57-61 Jahre

Länder: USA, Australien

Manuelle Körper-, Ohr- und Elektroakupunktur

+ UC

Länge der Intervention:

6-8 Wochen

Kontrollgruppe:

Sham-Akupunktur (Streitberger­nadeln, nicht­penetrierend an Sham-Akupunktur­punkten), UC/Warteliste

Primäre

Endpunkte:

1. Antihormon­therapie induzierter Schmerz (Arthralgie)

2. Steifigkeit

3. Funktion/Be­einträchtigung

Sekundäre Endpunkte:

5. Sicherheit

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Antihormontherapie induzierter Schmerz (Arthralgie):

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=45,

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.01)#

® Akupunktur versus SHAM: siehe Chiu

(2017) [5]

2. Steifigkeit:

® Akupunktur + UC versus UC: siehe Pan (2018)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

2 RCTs, N=82; I2=85%;

SMD=-0.75 (-1.94, 0.44)

(p≥0.05)*

3. Funktion/Beeinträch­tigung:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: 1 RCT, N=45,

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.01 für beide Zeitpunkte)#

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

2 RCTs, N=82; I2=77%;

SMD=-0.47 (-1.40, 0.45)

(p≥0.05)*

 

 

 

RCTs berichteten

keine SUEs/ durch Akupunktur

1 RCT berichtet transient UEs durch Akupunktur

 

 

Primär­studien:

nicht berichtet

Review:

National Cancer Institute (NCI)

+ Lance Armstrong Young Investiga­tor Award

+ Women

at Risk and the Avon

Founda­tion (USA)

COI nicht berichtet

 

Primärstudie:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 3

PB: 0

DB: 3

AB: 4

RB: 3

OB: 2

 

Review:

AMSTAR: 7

#Ergebnisse

aus Original-Publikation von Mao (2014) extrahiert, da im Review Vergleich zu UC nicht besprochen

*Gekennzeichnete Effekt-schätzer mittels Random Effects Models in SMDs umgerechnet, da Chen (2017) MDs berichtete

Ergebnisse aus Bao (2013) und Oh (2013) konnten nicht mit in die Metaanalysen einfließen, da Ergebnisse unvollständig/ nur in Abbil­dungen berich­tet, Ergebnisse der Einzel­studien schwer interpretierbar, da Bao (2013) Mediane und keine Mittel­werte berichtet hat und Oh (2013) eine Pilotstudie mit unter N=25 pro Gruppe.

Review hat vergessen Crew (2007) einzu­schließen, jedoch ist sie ein Pilot-RCT mit unter N=25 pro Gruppe, weshalb sie nicht einzeln besprochen wird.

1a

Chen (2017): Aromatasehemmer (AI) -induzierte Arthralgie (AIA) (Gelenkschmerzen, die durch eine antihormonelle Therapie hervorgerufen werden) ist eine häufige Nebenwirkung, die bei Patientinnen mit Brustkrebs zum vorzeitigen Absetzen einer wirksamen Hormontherapie führen kann. Akupunktur kann Gelenkschmerzen bei Patienten mit AIA möglicherweise lindern. Es wurde eine Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) durchgeführt, um die Wirksamkeit der Akupunktur bei der Schmerzlinderung bei AIA zu bewerten. Nach einer systematischen Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken wurden Studien zu Akupunktur bei Erwachsenen mit Brustkrebs und Aromatase-inhibitor assoziiertem Gelenkschmerz eingeschlossen. Die Schmerzen wurden nach 3-4, 6-8 und 12 Wochen anhand von Selbstbewertungsfragebögen gemessen. Zu den sekundären Ergebnissen gehörten das Beeinträchtigungsniveau, die Funktion der oberen Extremitäten, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität.

Fünf Studien mit 181 Patienten wurden überprüft. Eine 6-8 Wochen manuelle Körper-, Ohr- und Elektroakupunkturbehandlung wurde mit einer Schein-Akupunktur (Streitberger­nadeln, nichtpenetrierend an Sham-Akupunkturpunkten) verglichen. Im Anschluss an die Intervention, sowie 12 Wochen danach konnte eine statistisch bedeutsame Schmerzreduktion beobachtet werden. Patienten, die Akupunktur erhielten, zeigten eine bedeutsame Abnahme der Schmerzen nach 6-8 Wochen Behandlung.

Akupunktur ist möglicherweise eine sichere und praktikable nichtpharmakologische Behandlung, die Gelenkschmerzen bei Patienten mit AIA lindern kann. Aufgrund der überwiegend geringen methodischen Qualität der Studien sollten die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.

Chiu et. al. (2017)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Chiu (2017): Systematic review and meta-analysis of acupuncture to reduce cancer-related pain. Eur

J Cancer Care.

Ref-ID: 885

Eingeschlossene Primärstudien:

Alimi (2003),

Bao (2013),

Crew (2010),

Deng (2008),

Enblom (2012),

Mao (2014),

Lu (2012),

Pfister (2010),

Wong (2006),

Zeng (2014)

 

MA

 

Suchzeitraum: bis Juni 2014

Datenbanken:

EMBASE,

PubMed, PsycINFO, Central Trials, CINAHL, Airiti library, Taiwan Electronic

Periodical Service, Wanfang Data, China Knowledge Resource Integrated Database

Einschluss­kriterien:

RCTs mit N ≥ 20 zu Aku­punktur, Erwachsene mit Krebsdiagnose

Anzahl RCTs: 10

Patienten: N=675

RCTs

 

Kopf-/Hals-Karzinom, Magen-Karzinom, Ovarial-Karzinom, Lungen-Karzinom, Melanome, Thyroid-Karzinom, Mamma-Karzinom, Samples mit gemischten Krebsdiagnosen

Geschlecht: mehr weiblich als männlich (einige RCTs berichtet % nicht)

Alter: Erwachsene, mittleres Alter schwankt zwischen 50.4 und 64.6

Länder: Frankreich, China, USA, Schweden

Manuelle Körper-, Ohr- und Elektro­akupunktur

+ UC

Länge der Intervention:

nicht berichtet

Kontrollgruppen:

Sham-Akupunktur (stumpfe Nadeln, nicht penetrierend, einziehbare Nadeln, penetrierende Nadeln an Nichtakupunk­turpunkten), UC/Warteliste/ Analgetika nach WHO-Schema, Morphin

 

Primäre Endpunkte:

1. Tumorbedingter Schmerz

2. Chemo-/ Radiotherapie induzierter Schmerz

3. Postopera­tiver Schmerz

4. Antihormon­therapie indu­zierter Schmerz (Arthralgie)

 

 

Währen/nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Tumorbedingter Schmerz

® siehe Paley (2015)

2. Chemo-/Radiotherapie induzierter Schmerz (neuropathisch und nozizeptiv)

® Akupunktur versus Analgetika (Morphin): Post Intervention:

1 RCTs, N=60;

SMD=-0,60 (-1.23, 0.31)

(p≥0.05)

aber: Original-RCT (Zeng, 2014) berichtet signifikante Gruppenunterschiede

zugunsten Akupunktur zum 6 Stunden-Follow-up (p<0.05)

 

® Akupunktur versus invasive SHAM: Post Intervention:

2 RCTs, N=78; I2=0%;

SMD=-0.39 (-0.93, 0.14)

(p≥0.05)*

® Akupunktur versus nicht-invasive SHAM: Post Intervention:

2 RCTs, N=274; I2=79%;

SMD=-0.18 (-0.95, 0.58)

(p≥0.05)*

3. Postoperativer Schmerz

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention:

1 RCTs, N=58;

SMD=-0.86 (-1.39, 0.33)

(p<0.01)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

2 RCTs, N=131; I2=0%;

SMD=-0.16 (-0.50, 0.17)

(p≥0.05)*

4. Antihormontherapie induzierter Schmerz (Arthralgie)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

3 RCTs, N=129; I2=84%;

SMD=-0.64 (-1.55, 0.27)

(p≥0.05)

RCTs berichten

UEs durch Akupunktur

Keine SUEs in RCT berichtet

 

 

Primär-studien:

nicht berichtet

Review:

Ministry of Science and Technology(Taiwan)

Laut Angaben kein COI

 

 

 

Primärstudien:

RCTs mit low Risk of Bias

nicht im Detail berichtet. RCTs in Analysen zu Chemo-/Radio- und Antihor­montherapie induziertem Schmerz sind mit überwiegend low RoB bewertet worden, RCTs in der Analyse Postoperativer Schmerz wur­den zu einem kleineren Teil mit low RoB bewertet.

Review:

AMSTAR: 5

 

*Gekennzeich-nete Effektschätzer wurden mittels Random Effects Models neu kalkuliert, wenn die Heterogenität höher als 50% lag, ansonsten wurden Fixed-Effects-Models genutzt, da die Autoren des Reviews die Analysen nach Akupunkturart und nicht nach Kontrollgruppe aufgeteilt haben, RCTs auf Chinesisch wurden ausge-schlossen

zu Endpunkt 1:

alle relevanten RCTs bei Paley (2015) [8]

besprochen,

12 RCTs wurden ausgeschlossen:

Gründe:

- Bian (1999),

Dan (1998), Hsiao (2002), Hu (2004 & 2005), Mi (2010), Sun (2000), Tsuei (2013), Wang (2010), Yang (2011), Zhang (2000) auf Chinesisch publiziert

- Zhou (2007) verwendet keine standardisierten Instrumente

zu Endpunkt 2:

3 RCTs wurden ausgeschlossen:

Gründe:

- Chen (2008) und Liu (2001) auf Chinesisch publiziert

- Dang (1995 bzw. 1998) untersucht tumorbedingten Schmerz und ist bei Paley (2015) [8] besprochen

zu Endpunkt 3:

2 RCTs wurden ausgeschlossen:

Gründe:

- He (2007) und Yu (2010) auf Chinesisch publiziert

2a

Chiu (2017): Es wurde eine systematische Überprüfung und Metaanalyse durchgeführt, um die Auswirkungen der Akupunktur auf durch tumorbedingten Schmerz, sowie durch Chemotherapie (CT) oder Strahlentherapie (RT) induzierte, chirurgisch induzierte und Hormontherapie (HT) induzierte Schmerzen zu bewerten. Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), in denen die Auswirkungen der Akupunktur auf krebsbedingte Schmerzen untersucht wurden, wurden nach einer systematischen Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken eingeschlossen. Insgesamt wurden 29 RCTs eingeschlossen. Davon wurden 10 für die Leitlinien in die Bewertung eingeschlossen. Auf Chinesisch publizierte Studien, Studien mit nicht-standardisierten Instrumenten, sowie Studien die bereits an anderer Stelle bewertet wurden, wurden ausgeschlossen. Dabei erhielt die Interventionsgruppe manuelle Körper-, Ohr- und Elektroakupunktur, wohingegen die Kontrollgruppe entweder eine nicht-invasive Schein-Akupunktur (stumpfe Nadeln, nicht penetrierend), eine invasive Schein-Akupunktur (penetrierende Nadeln an Nichtakupunkturpunkten) oder Analgetika erhielt oder aus einer Warteliste bestand. Die Analyse ergab, dass Akupunktur maligne und chirurgisch bedingte Schmerzen linderte, jedoch nicht CT- oder RT-induzierten und HT-induzierten Schmerz. Akupunktur lindert möglicherweise krebsbedingte Schmerzen, insbesondere bösartige und chirurgisch bedingte Schmerzen. Aufgrund mangelnder oder nicht berichteter methodischer Qualität der Studien sollten die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.

Hershman et. al. (2018) Akupunktur

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Hershman (2018): Effect of acupunc­ture vs sham acupuncture or waitlist control on joint pain related to aromatase inhibi­tors among women with early-stage breast cancer:

a randomized clinical trial.

Jama.

Ref-ID: 914

RCT

prospektiv, multizentrisch, Patienten verblindet,

3 Arme

 

Eingeschlossen: N=226

Ausgewertet:

N=205

 

Land: USA

2012-2017

Mamma-Karzinom (Stadium I bis III) zum Teil unter

Antihormoneller Therapie

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Median: 60.6

Arm A:

N=110

Manuelle Körperakupunktur

6 Wochen, 1-2x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=59 Sham- Akupunktur (oberflächlich­penetrierend an Sham-Akupunk­turpunkten)

+ UC

 

Arm C:

N=57

UC/Warteliste

Primärer Endpunkt:

1. Antihormon­therapie induzierter Schmerz (Arthralgie) (BPI)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Steifigkeit (WOMAC)

3. Funktion/Beeinträchtigung (WOMAC)

4. Lebensqualität (tumorspezifisch) (FACT-ES)

5. Analgetika­verbrauch

6. Opioidver­brauch

7. Sicherheit

 

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Antihormontherapie induzierter Schmerz (Arthralgie):

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

2. Steifigkeit:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

3. Funktion/Beein­trächtigung:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervent­ion: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

12 Wochen-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

4. Lebensqualität (tumorspezifisch):

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervent­ion: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

12 Wochen-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

Arm: Aku­punktur

SUEs: 0/110

UEs: 106/ 110

 

Arm: SHAM

SUEs: 0/59

UEs: 55/59

 

Arm: UC

nicht be­richtet

 

National Institutes of Health National Center

for Complementary and Inte­grative Health (USA)

 

COI mit National

Cancer Institute (USA)

 

Risk of Bias

SB: unclear

PB: unclear

DB: low

AB: low

RB: low

OB: high

 

Intention-to-treat Analyse des primären Endpunktes

 

16, 20, 24, und 52 Wochen Follow-up Daten (noch) nicht berichtet

 

Daten zu End­punkt 5 und 6 nicht berichtet

2b

Hershman (2018): Gelenkschmerzen sind die häufigsten Nebenwirkungen von Aromatasehemmern (angewandt bei einer anti-hormonellen Therapie bei Brustkrebs) und führen häufig zum Absetzen der Therapie. Kleine Studien legen nahe, dass Akupunktur die mit Aromatasehemmern verbundenen Gelenksymptome verringern kann. Ziel der Studie war es, die Wirkung von Akupunktur bei der Verringerung von Gelenkschmerzen im Zusammenhang mit Aromatasehemmern zu untersuchen. Geeignete Patienten wurden per Zufallsprinzip einer echten Akupunktur (n = 110), Scheinakupunktur (n = 59) oder Wartelisten (n = 57) zugeordnet. Echte Akupunktur- und Scheinakupunkturprotokolle bestanden aus 12 Akupunktursitzungen über 6 Wochen (2 Sitzungen pro Woche), gefolgt von 1 Sitzung pro Woche für 6 Wochen. Die Wartelisten-Kontrollgruppe erhielt keine aktive Intervention. Gemessen wurde der antihormontherapie-induzierte Schmerz, sowie einige weitere Parameter.

In der echten Akupunkturgruppe verringerten sich die Schmerzen bedeutsam mehr als in der Scheinakupunkturgruppe und der Wartelisten-Kontrollgruppe. Außerdem berichteten Frauen in der Akupunkturgruppe über eine geringere Steifigkeit, sowie kurzfristig über eine geringere Beeinträchtigung und verbesserte Lebensqualität im Vergleich zur Scheinakupunktur und Warteliste-Gruppe- Bei postmenopausalen Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium und Gelenkschmerzen im Zusammenhang mit der antihormonellen Therapie führte die echte Akupunktur im Vergleich zur Scheinakupunktur oder zur Kontrolle der Warteliste nach 6 Wochen zu einer statistisch bedeutsamen Verringerung der Gelenkschmerzen. Die methodische Qualität ist teilweise jedoch schlecht oder unklar, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Paley et. al. (2015)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Paley (2015): Acupuncture for cancer pain in adults. Cochrane Database Syst Rev.

Ref-ID: 893

Eingeschlossene Primärstudien:

Chen (2013),

Dang (1998)

 

Cochrane SR

Suchzeitraum: bis August 2014

Datenbanken:

Cochrane, Med-line, EMBASE, PsycInfo, AMED, SPORTDiscus

Einschluss­kriterien:

RCTs zu Akupunktur,

Erwachsene mit krebsbedingten Schmerzen, die nicht durch die Krebstherapie hervorgerufen wurden

Anzahl RCTs: 2

Patienten: 108

RCTs

Fortgeschrittene Pankreas- und Gastorintestinale-Karzinome (Stadium III-IV)

Alter: Erwachsene, mittleres Alter nicht berichtet

Geschlecht: weiblich und männlich (% nicht berichtet)

Länder: China

 

 

 

 

 

 

 

Manuelle Körper- (1 RCT) und Elektroaku­punktur (1 RCT)

+ UC

 

Länge der Intervention: 3 Tage bis 8

Wochen

Kontrollgruppen:

Sham-Akupunktur (nicht-penetrie­rende Nadeln),

UC/Analgetika nach WHO-Schema

Primär Endpunkt:

1. Tumorbedingter Schmerz

Sekundäre Endpunkte:

2. Sicherheit

Palliative Situation:

1. Tumorbedingter Schmerz

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 2 Tages-Follow-up:

1 RCT, N=60,

signifikante Gruppen-unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.001)

® Akupunktur versus Analgetika: Peri-Inter­vention: 1 RCT, N=48,

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Analgetika (p<0.05)

Post-Intervention:

vergleichbare Effekte /keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

RCTs berichten keine UEs/ SUEs durch Akupunktur

Primär­studien:

nicht berichtet

Review:

National Institute for Health Research/ NIHR (Groß­britanien)

 

Laut Angaben kein COI

Primärstudien:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 0

PB: 0

DB: 0

AB: 1

RB: nicht berichtet

OB: 1

Review:

AMSTAR: 8

 

3 RCTs ausgeschlossen:

Gründe:

- Alimi (2003) und Lu (2012) erheben

Chemotherapie induzierten Schmerz (neuropathisch und nozizeptiv)

- Chen (2008) auf Chinesisch publiziert

1a

Paley (2015): Bis zu 70% der Patienten mit Krebsschmerzen erhalten keine ausreichende Schmerzlinderung, was ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Es wurde vermutet, dass Akupunktur eine Rolle bei der Behandlung von Krebsschmerzen spielt, und es gibt Richtlinien für die Behandlung von Krebsschmerzen mit Akupunktur. Das Ziel dieser Studie war es, bestehende Hinweise dahingehend zu bewerten, ob Akupunktur bei der Verringerung von Schmerzen, die direkt mit der Entwicklung von Krebs verbunden sind, wirksam ist. Es wurde eine Vielzahl elektronischer medizinischer Datenbanken nach relevanten Studien durchsucht. Es wurden Studien eingeschlossen, die in einer beliebigen Sprache verfasst wurden, in der Erwachsene mit krebsbedingten Schmerzen eingeschlossen waren, die nicht durch die Krebstherapie hervorgerufen wurden, welche die Behandlung mit Akupunktur bei Krebsschmerzen mit keiner Behandlung oder üblicher Behandlung oder Scheinakupunktur oder anderen Behandlungen verglichen. Die Suche beschränkte sich auf randomisierte kontrollierte Studien (in denen die Teilnehmer zufällig den getesteten Methoden zugeordnet werden). Es wurden fünf Studien (mit insgesamt 285 Teilnehmern) gefunden, in denen Akupunktur mit Scheinakupunktur oder schmerzstillenden Arzneimitteln verglichen wurde. 2 davon erhoben Chemotherapie induzierten Schmerz und eine wurde auf Chinesisch publiziert, weshalb diese an dieser Stelle ausgeschlossen wurden. Die anderen beiden Studien untersuchten Manuelle Körper- (1 RCT) und Elektroakupunktur (1 RCT) über einen Zeitraum von 3 Tagen bis 8 Wochen im Vergleich zu Scheinakupunktur (nicht-penetrierende Nadeln) und schmerzstillenden Arzneimitteln (Analgetika). Eine Studie fand einen Unterschied zwischen einer Elektroakupunkturgruppe und einer Scheingruppe bei Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es wurde jedoch kein Versuch gemeldet, zu verbergen, in welcher Gruppe sich Menschen befanden. Die andere Studie ergab, dass Akupunktur genauso wirksam war wie schmerzstillende Medikamente. Beide Studien waren schlecht konzipiert und die Studienberichte waren nicht detailliert genug, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. Es gibt nicht genügend Hinweise, um beurteilen zu können, ob Akupunktur bei Erwachsenen zur Linderung von Krebsschmerzen wirksam ist. Größere, gut konzipierte Studien sind erforderlich, um Beweise in diesem Bereich zu liefern.

Ntritsou et. al. (2014)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Ntritsou (2014): Effect of perioperative electroacupuncture as an adjunctive therapy on postoperative analgesia with tramadol and ketamine in prostatectomy:

a randomised sham-controlled single-blind trial. Acupunct Med.

Ref-ID:922

RCT

prospektiv, monozentrisch, Patienten verblindet,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=75

Ausgewertet:

N=70

 

Land: Griechenland

2012-2012

Prostata-Karzinom vor

Prostatektomie

 

Geschlecht:

0% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 66.4

Arm A:

N=35 Elektroakupunktur

1x präoperativ

+ UC (Tramadol +

Ketamin)

 

Arm B:

N=35 Sham- Akupunktur (nicht-penetrierend an True-Akupunktur­punkten)

+ UC (Tramadol +

Ketamin)

 

Endpunkte:

1. Postoperativer Schmerz (NRS, MPQ)

 

2. Druckschmerz­schwellen (Algometer)

3. Nebenwir­kungen Opioide

 

4. Analgetikaverbrauch (nach Bedarf)

 

5. Ängstlichkeit

(STAI)

 

Post Operation:

1./2. Postoperativer Schmerz/Druckschmerzschwellen:

® Akupunktur versus SHAM: 45 Minuten-24 Stunden-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

3. Nebenwirkungen Opioide:

® Akupunktur versus SHAM: 45 Minuten-2 Stunden-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur bezüglich fehlender Darmgeräusche (p<0.05), keine signifikanten Gruppenunterschiede an anderen Zeitpunkten und für Übelkeit/Erbrechen, Juckreiz und Müdigkeit (p≥0.05)

 

4. Analgetikaverbrauch:

® Akupunktur versus SHAM: 45 Minuten-24 Stunden-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

4. Ängstlichkeit:

® Akupunktur versus SHAM: 45 Minuten-24 Stunden-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

AEs durch Opioide berichtet, darüber hinaus keine Angaben

zu SUEs/UEs

 

 

Keine Angaben zur Finanzierung

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: low

PB: high

DB: low

AB: low

RB: low

OB: high

 

Zu Endpunkt 4: Ergebnis fraglich, da Gesamt­skala des STAI genutzt. Autoren berich­ten signifikante Gruppenunter­schiede auf Subskalen des STAI (Supplement jedoch nicht zugäng­lich)

1b

Ntritsou (2014): Ziel der Studie war es, die schmerzlindernde Wirkung von Elektroakupunktur (EA) als Zusatztherapie bei postoperativen Schmerzen bei Krebspatienten zu untersuchen. 75 Patienten, die sich einer Prostata-Entfernung unterzogen, wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt: (1) EA und medikamentöser Behandlung mit Schmerzmitteln und (2) einer Scheinakupunktur-Gruppe in Kombination mit medikamentöser Behandlung. Die folgenden Ergebnisse wurden bewertet: postoperative Schmerzen, Druckschmerzschwellen unter Verwendung einer Algometeranwendung, Opioid-Nebenwirkungen, Schmerzmittelverbrauch und Ängstlichkeit. Die Schmerzwerte waren bedeutsam niedriger und die Messungen des elektronischen Druckalgometers waren in der EA-Gruppe bedeutsam höher als in der Kontrollgruppe. In der Kontrollgruppe wurden nach 45 min und 2 h bedeutsame Verzögerungen beim Beginn des Stuhlgangs beobachtet. Außerdem benötigten die Patienten in der Akupunktur-Gruppe deutlich weniger Schmerzmittel als in der Scheinakupunktur-Gruppe.

Elektroakupunktur als Zusatztherapie kann als Option im Rahmen einer multimodalen Schmerzbehandlung bei Krebspatienten in Betracht gezogen werden.

An et. al. (2014)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

An (2014): Electro-acupuncture decreases post­operative pain and improves recovery in patients undergoing a supratentorial craniotomy. Am

J Chin Med.

Ref-ID: 900

RCT

prospektiv, monozentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=88

Ausgewertet:

N=81

 

Land: China

Zeitraum nicht berichtet

Meningeom und Gliom (Stadium

I bis IV) post OP

 

Geschlecht:

53.1% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 40

Arm A:

N=41

Elektroakupunktur während der Operation

+ UC

 

Arm B:

N=40

UC

Primäre Endpunkte:

1. Postoperativer Schmerz (VAS)

2. Postoperativer Analgetikaver­brauch

 

Sekundäre Endpunkte:

3. Übelkeit und Erbrechen (Inzidenz)

4. Schwindel

5. Anorexie

 

Post Operation:

1. Postoperativer Schmerz

® Akupunktur + UC versus UC: 1-6 Stunden-Follow-up:

signifikanten Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

24-48 Stunden-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede

(p≥0.05)

 

2. Postoperativer Analgetikaverbrauch:

® Akupunktur + UC versus UC: 1-6 Stunden-Follow-up:

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

24-48 Stunden-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede

(p≥0.05)

 

3. Übelkeit und Erbrechen

® Akupunktur + UC versus UC: 1-24 Stunden-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede

(p≥0.05)

 

4. Schwindel:

® Akupunktur + UC versus UC: 1-24 Stunden-Follow-up:

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur + UC versus UC: 48 Stunden-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede

(p≥0.05)

 

5. Anorexie:

® Akupunktur + UC versus UC: 1-24 Stunden-Follow-up:

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.03)

® Akupunktur + UC versus UC: 48 Stunden-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede

(p≥0.05)

Keine Angaben zu SUEs/UEs

National Basic Research Program of China

 

COI nicht berichtet

Risk of Bias

SB: unclear

PB: unclear

DB: low

AB: low

RB: unclear

OB: high

Endpunkte 4 und 5 lediglich mit kategorialer Skala von 1-4 erhoben

2b

An (2014): Das Ziel dieser Studie war es, die Wirkung der Elektroakupunktur (EA) auf postoperative Schmerzen, postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) sowie die Genesung bei Patienten nach einer Tumorresektion zu untersuchen. Achtundachtzig Patienten, die eine Tumorresektion benötigten, wurden zufällig einer Gruppe ohne Behandlung (Standardbehandlung) oder der Gruppe, welche während der Operation Elektroakupunktur erhielt, zugeordnet. Die postoperativen Schmerzwerte, der Grad des Schwindelgefühls und der Appetit wurden aufgezeichnet. In den ersten 6 Stunden nach der Operation waren die angegebenen Schmerzwerte und der Analgetika-Verbrauch in der EA-Gruppe deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe. Außerdem war in der EA-Gruppe das Auftreten von Schwindel innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation bedeutsam geringer als in der Kontrollgruppe und die Patienten gaben einen besseren Appetit an, als die Patienten in der Kontrollgruppe. Aufgrund methodischer Mängel und einer schlechten Studienberichterstattung, müssen die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.

Ju et. al. (2017)

Referenz/Referenz 

Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Ju (2017): Acupuncture for neuropathic pain in adults. Cochrane Database Syst Rev.

Ref-ID: 891

Eingeschlossene Primärstudie:

Han (2017)

 

Cochrane MA

Suchzeitraum: bis Februar 2017

Datenbanken:

CENTRAL, MEDLINE, EMBASE,

Chinese BioMedical Literature Database

(CBM), China National Knowledge Infrastructure (CNKI), Chong­qing Weipu (VIP), Wanfang Database,

ClinicalTrials.gov, World Health Organization

International Clinical Trials Registry Platform (ICTRP)

Einschluss­kriterien:

RCTs zu Akupunktur, Erwachsene mit Neuropathien

Anzahl RCTs: Subsample Krebs: 1

Patienten: Subsample Krebs: N=104

RCT

Multiplen

Myelome (alle Stadien), mit

≥ Grad II Polyneuropathie

nach Chemo­therapie

Geschlecht: 40.4% weiblich

Alter: Mittelwert: 63.9

Länder: China

Manuelle Körperakupunktur

+ Mecobalamin

+ UC

Länge der Intervention:

12 Wochen

Kontrollgruppe:

Mecobalamin

+ UC

Primärer

Endpunkt:

1. Neuropathischer Schmerz

Sekundäre Endpunkte:

2. Lebens-qualität (tumorspezifisch)

3. Sicherheit

Nach Abschluss der Chemotherapie:

1. Neuropathischer Schmerz

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention:

1 RCT, N=104;

SMD=-5.50 (-6.36, -4.65)

(p<0.01)

2. Lebensqualität (tumor-spezifisch)

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention:

1 RCT, N=104;

SMD=-4.10 (-4.79, -3.41)

(p<0.01)

Studienab­brüche (alle Gründe):

RR 1,00 (0.21, 4.73)

keine spezifischen Angaben zu UEs/SUEs

Primär­studie:

Adminis­tration

of TCM Science & Technology Program Zhejiang

Province

+ Science & Techno­logy Pro­ject of the Health Department Zhejiang Province

+ National Natural Science Foundation of China

Review:

National Natural Science Foundation of China

+ Hai-Pai

TCM Heritage Research Base (China)

 

Laut Angaben kein COI

Primärstudie:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 0

PB: 0

DB: 0

AB: 1

RB: 0

OB: 0

 

Größe der SMDs vor dem Hintergund des RoB-Profil und des Funding fraglich

Review:

AMSTAR: 11

Publikationsbias: nicht berechenbar, da zu wenige RCTs

 

 

1a

Ju (2017): Neuropathische Schmerzen können durch Nervenschäden verursacht werden und haben häufig Veränderungen des Zentralnervensystems zur Folge. Trotz einer Reihe von klinischen Studien besteht weiterhin Unsicherheit hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit von Akupunkturbehandlungen bei neuropathischen Schmerzen.

Ziel der Studie war die Beurteilung der analgetischen Wirksamkeit und unerwünschter Ereignisse von Akupunkturbehandlungen bei chronischen neuropathischen Schmerzen bei Erwachsenen. Es wurden verschiedene Datenbanken systematisch nach Literatur durchsucht. Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit einer Behandlungsdauer von acht Wochen oder länger, in denen Akupunktur (entweder allein oder in Kombination mit anderen Therapien) mit Scheinakupunktur, anderen aktiven Therapien oder der üblichen Behandlung von neuropathischen Schmerzen bei Erwachsenen verglichen wurde, wurden eingeschlossen. Es wurde nach Studien zur Akupunktur gesucht, die auf der Nadeleinführung und Stimulation somatischer Gewebe zu therapeutischen Zwecken beruhten, andere Methoden zur Stimulation von Akupunkturpunkten ohne Nadeleinführung wurden ausgeschlossen. Eine Studie umfasste dabei Krebspatienten mit neuropathischen Schmerzen nach der Chemotherapie. Die primären Ergebnisse waren Schmerzintensität und Schmerzlinderung. Die sekundären Ergebnisse waren alle schmerzbedingten Ergebnisse, die auf eine gewisse Verbesserung, unerwünschte Ereignisse, schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und Lebensqualität hinweisen. Die Studie verglich Akupunktur in Kombination mit einer anderen aktiven Therapie (Mecobalamin) mit einer Gruppe, die allein Mecobalamin erhielt. Die Akupunktur-Kombinationsgruppe gab einen niedrigeren Wert für die Schmerzintensität und eine verbesserte Lebensqualität an als diejenigen, die nur eine andere Therapie erhielten. Keine der beiden Gruppen erreichte jedoch einen Wert „nicht schlechter als leichte Schmerzen“. Darüber hinaus stammten diese Beweise aus einer einzelnen Studie mit hohem Verzerrungspotenzial, das heißt einer geringen methodischen Qualität. Es gab keine Hinweise auf eine Schmerzlinderung und es gab keine Hinweise auf unerwünschte Ereignisse.

Greenlee et. al. (2016)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Greenlee (2016): Randomized sham-controlled pilot trial of weekly electro-acupuncture for the prevention of taxane-induced peripheral neuropathy in women with early stage breast cancer. Breast Cancer Res Treat.

Ref-ID: 913

RCT

prospektiv, monozentrisch, Patienten verblindet,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=63

Ausgewertet:

N=48

 

Land: USA

2009-2014

Mamma-Karzinom (Stadium I bis III) vor Beginn der Chemotherapie

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 50

Arm A:

N=25 Elektro­akupunktur

12 Wochen, 1x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=23

Sham-Akupunktur (nicht-penetrierend an Sham-Akupunkturpunkten)

+ UC

Primärer Endpunkt:

1. Neuropathischer Schmerz (Präven­tion) (BPI)

 

Während Chemotherapie:

1. Neuropathischer Schmerz (Prävention):

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

16 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Sham-Akupunktur (p<0.05): Patienten entwickeln nach Aku­punktur mehr neuro­pathische Schmerzen als nach Sham

Arm: Aku­punktur

SUEs: 0/25

UEs: 1/25

 

Arm: SHAM

SUEs: 0/23

UEs: 0/23

 

 

Breast Cancer Research Foundation

+ National Cancer Institute

(USA)

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: unclear

PB: high

DB: low

AB: low

RB: low

OB: low

 

„Pilotstudie“, aber apriori Stichprobenberechnung

2b

Greenlee (2016): Das Ziel der Studie war es, die Wirkung von Elektroakupunktur (EA) zur Vorbeugung oder Verringerung von durch Chemotherapie hervorgerufenen neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen) bei Brustkrebspatientinnen zu untersuchen. Frauen mit Brustkrebs erhielten nach dem Zufallsprinzip über 12 Wochen einmal wöchentlich echte Elektroakupunktur (EA) oder Scheinakupunktur (SEA) gleichzeitig mit der Chemotherapie. Die Probanden Selbstbewertungs-Fragebögen zu neuropathischen Schmerzen zu Studienbeginn sowie in den Wochen 6, 12 und 16 aus. In Woche 12 berichteten beide Gruppen über einen Anstieg der neuropathischen Schmerzen, es wurden jedoch keine Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden. In Woche 16 kehrte die SEA-Gruppe zum Ausgangswert zurück, während sich die EA-Gruppe weiter verschlechterte. Besorgniserregend war, dass sich EA-Patienten langsamer erholten als SEA-Patienten. Weitere Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit von Elektroakupunktur bei neuropathischen Schmerzen zu untersuchen.

Molassiotis et. al. (2019)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Molassiotis (2019):

A Randomized Assessor-Blinded

Wait-List-Controlled Trial to Assess

the Effectiveness of Acupuncture in

the Management of Chemotherapy-

Induced Peripheral Neuropathy. Integr Cancer Ther.

Ref-ID: 921

RCT

prospektiv, bizentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=87

Ausgewertet:

N=84

 

Land: Hong Kong 2015-2017

Ovarial-Karzinom, Kopf/Hals-Karzinom, Mamma-Karzinom, Kolorektal-Karzinom, Myelom (Stadium I bis IV: 6.9% Fernmetastasen)

während/nach Abschluss von Chemotherapie mit neuro­pathischen Symptomen

 

Geschlecht:

72.4% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 57.1

Arm A:

N=44

Manuelle Körper­akupunktur

8 Wochen, 2x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=43 UC/ Warteliste

 

Primärer Endpunkt:

1. Neuropathischer Schmerz (BPI)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Lebensqualität (tumorspezifisch) (FACT-G)

 

3. Symptome Toxizität (FACT-GOG-NTX)

 

4. Sicherheit

Während/nach Ab­schluss von Chemo-/ Radiotherapie

1. Neuropathischer Schmerz

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention + 14-20 Wochen-Follow-up:

signifikante Zeit-Gruppeninteraktion zugunsten Akupunktur (p=0.03), aber keine signifikanten Gruppen­unterschiede zu keinem der 3 Zeitpunkte (p≥0.05)

 

2. Lebensqualität (tumorspezifisch)

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention + 14-20 Wochen-Follow-up:

signifikante Zeit-Gruppeninteraktion zugunsten Akupunktur (p=0.049), signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur post Intervention (p=0.045), jedoch keine signifikanten Gruppenunterschiede zu den 2 Follow-up Zeitpunkten (p≥0.05)

 

3. Symptome Toxizität

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention + 14-20 Wochen-Follow-up:

signifikante Zeit-Gruppeninteraktion zugunsten Akupunktur (p=0.009), signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur post Intervention (p=0.045), jedoch keine signifikanten Gruppen­unterschiede zu den 2 Follow-up Zeitpunkten (p≥0.05)

Arm Akupunktur:

sensorische UEs nach CTCAE: 16/44

motorische UEs nach CTCAE: 21/44

 

 

 

Arm UC:

sensorische UEs nach CTCAE: 25/44

motorische UEs nach CTCAE: 28/44

 

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur für senso­rische UEs (p=0.02), keine signifikanten Gruppen­unterschiede für moto­rische UEs

 

keine weiteren UEs und keine SUEs in beiden Gruppen berichtet

Hong Kong’s Health & Medical Research Fund

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: unclear

PB: high

DB: low

AB: low

RB: low

OB: low

1b

Molassiotis (2019): Durch Chemotherapie verursachte Nervenschmerzen sind eine komplexe Nebenwirkung mit wenigen verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten. Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit eines 8-wöchigen Akupunkturkurses bei der Behandlung der durch Chemotherapie hervorgerufenen Nervenschmerzen bei Krebspatienten zu untersuchen, die eine Chemotherapie erhielten oder erhalten hatten. Eine Gruppe von Patienten erhielt 8 Wochen lang zweimal wöchentlich Akupunktur, während die andere Gruppe eine Wartelisten-Kontrollgruppe war, die nur Standardversorgung erhielt. Das primäre Ergebnis war die Schmerzintensität und -beeinträchtigung in der letzten Woche am Ende der Intervention. Zu den sekundären Ergebnissen gehörten Lebensqualität sowie Vergiftungssymptome und Nebenwirkungen, die zu Studienbeginn, am Ende der Behandlung (8 Wochen), in der 14. Woche und in der 20. Woche ab Beginn der Behandlung bewertet wurden. 87 Patienten wurden per Zufallsprinzip in eine der beiden Gruppen eingeteilt. Bedeutsame Veränderungen nach 8 Wochen wurden in Bezug auf das primäre Ergebnis (Schmerz), die Lebensqualitätsbereiche und die Symptombelastung festgestellt. In der 14-wöchigen Bewertung wurden Verbesserungen der Schmerzbeeinträchtigung, der Symptombelastung und der funktionellen Aspekte der Lebensqualität sowie das körperliche und funktionelle Wohlbefinden in der 20-wöchigen Bewertung aufrechterhalten. Für das Ergebnis Schmerz wurden keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden, für Lebensqualität und Vergiftungssymptome wurden nur kurzfristig Unterschiede zwischen den Gruppen zugunsten der Akupunktur gefunden. Akupunktur ist möglicherweise eine wirksame Intervention zur Behandlung von durch Chemotherapie hervorgerufene Nervenschmerzen und zur Verbesserung der Lebensqualität, wobei längerfristige Auswirkungen erkennbar sind.

Zeng et. al. (2014)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Zeng (2014): Meta-analysis of randomized controlled trials of acupuncture for cancer-related fatigue. Integr Cancer Ther.

Ref-ID: 896

Eingeschlossene Primärstudien:

Balk (2009),

Deng (2007),

Johnston (2011),

Molassiotis (2012),

Molassiotis (2013),

Smith (2013)

 

MA

Suchzeitraum: bis Mai 2013

Datenbanken:

CINAHL,

Scopus,

the Cochrane Library,

KarzinomJ Full-text Database

Einschlusskriterien:

RCTs zu Akupunktur, Erwachsene Patienten mit Krebsdiagnose

Anzahl RCTs: 6

Patienten: N=658

RCTs

Mamma-Karzinom und Samples mit gemischten Krebsdiagnosen

Geschlecht: weiblich und männlich (% nicht berichtet)

Alter: Alter: Erwachsene, mittleres Alter nicht berichtet

Länder: USA, Australien, Großbritannien

Manuelle Körperakupunktur

+ UC

Länge der Interventionen:

2–8 Wochen

Kontrollgruppen:

UC, Sham-Akupunktur (nicht näher berichtet), Edukation

 

 

Primärer Endpunkt:

1. Fatigue

Sekundärer Endpunkt:

2. Lebensqualität (global)

3. Depression

 

Während/nach Chemo-/ Radiotherapie:

1. Fatigue:

® Akupunktur + (erwei-tertes) UC versus UC: 2-10 Wochen-Follow-up:

3 RCTs, N=121; I2=83%;

SMD=-1.72 (-3.09, -0.35)

(p<0,05)*

® Akupunktur + UC versus UC: 2-10 Wochen-Follow-up:

4 RCTs, N=464; I2=96%;

SMD=-1.59 (-1.82, -1.35)

(p<0.01)*

2. Lebensqualität (global):

® Akupunktur versus SHAM: 2-10 Wochen-Follow-up:

3 RCTs, N=121; I2=92%;

SMD=0.99 (-0.70, 2.68)

(p≥0.05)

 

2. Depressivität:

® Akupunktur versus SHAM: 2-10 Wochen-Follow-up:

3 RCTs, N=121; I2=95%;

SMD=1.38 (-1.02, 3.79)

(p≥0.05)

RCTs berichten keine SUEs

RCTs berichten UEs nicht systematisch (nur 2 RCTs berichten UEs, die als nicht assoziiert mit Akupunktur beschrieben werden

Primär­studien:

nicht berichtet

 

Review:

kein Funding

 

Laut Angaben kein COI

Primärstudien:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 3

PB: 0

DB: 3

AB: 4

RB: 6

OB: 0

 

Review:

AMSTAR: 7

 

Signifikante Heterogenität in allen Metaanalysen

 

Publikations­bias: nicht berichtet

 

*Gekennzeichneter Effektschätzer wurde mittels Random Effects Model neu kalkuliert, es wurden zwei ursprünglich getrennte Analysen zu einer zusammengefasst, da die zusätzlich zur Akupunktur gegebene Interventionen ebenfalls als UC gezählt werden können

 

1 RCT ausgeschlossen:

Gründe:

- Molassiotis (2007) ver­gleicht Aku­punktur gegen Akupressur

1a

Zeng (2014):Müdigkeit ist ein belastendes und weit verbreitetes Problem für Menschen mit Krebs. In den letzten Jahren hat die Akupunktur unter Forschern als alternative Managementstrategie für krebsbedingte Müdigkeit (CRF) zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese Meta-Analyse zielte darauf ab, die Wirksamkeit der Akupunktur bei krebsbedingter Müdigkeit zu bewerten. Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) zur Akupunktur zur Behandlung von CRF wurden in die Studie eingeschlossen. Sieben RCTs wurden für die Metaanalyse eingeschlossen, an denen insgesamt 689 Probanden teilnahmen. Eine Studie verglich Akupunktur gegen Akupressur und wurde daher ausgeschlossen. Die Studien verglichen Akupunktur über einen Zeitraum von 2-8 Wochen mit der Scheinakupunktur oder Standardversorgung. Untersucht wurde primär die Müdigkeit und sekundär die Lebensqualität und Depressivität. Im Vergleich zu Standardversorgung wurde in der Akupunktur-Intervention bedeutsam weniger Müdigkeit 2-10 Wochen nach Abschluss der Intervention berichtet. Im Vergleich zur Scheinakupunktur und für die anderen Maße wurden keine bedeutsamen Unterschiede gefunden. Einige Studien wiesen methodische Mängel auf, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Brinkhaus et. al. (2019)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Brinkhaus (2019): Prophylactic acu­puncture treatment during chemo­therapy with breast cancer: a rando­mized pragmatic trial with a retro­spective nested qualitative study. Breast Cancer Res Treat.

Ref-ID: 903

RCT

prospektiv, monozentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=150

Ausgewertet:

N=150

 

Land: Deutschland

2012-2015

Mamma-Karzinom (Stadium I bis III) vor/unter Chemotherapie

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 51

Arm A:

N=75

Manuelle Körperakupunktur, Anzahl und Dauer individuell entsprechend

der Symptome

+ UC

 

Arm B:

N=75 UC

 

Primärer Endpunkt:

1. Lebensqualität (tumorspezifisch) (FACT-B)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Fatigue

(FACIT–F)

 

3. Symptome Toxizität (FACT-GOG-NTX)

 

4. Sicherheit

 

Während Chemo­therapie:

1. Lebensqualität (tumorspezifisch):

® Akupunktur + UC

versus UC: 12 und 26 Wochen-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

2. Fatigue:

® Akupunktur + UC

versus UC: 12 und 26 Wochen-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

3. Symptome Toxizität:

® Akupunktur + UC

versus UC: 12 und 26 Wochen-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

Arm: Aku­punktur

518 AEs

 

Arm: UC

561 AEs

 

 

Dorit & Alexander

Otto Stiftung (Deutsch­land)

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: low

PB: unclear

DB: low

AB: low

RB: low

OB: low

 

1b

Brinkhaus (2019): Diese Studie untersuchte die Wirkung einer zusätzlichen prophylaktischen Akupunktur während der Chemotherapie auf die Lebensqualität und die Nebenwirkungen im Vergleich zur Standardbehandlung bei Brustkrebspatientinnen.

In der Studie wurden neu diagnostizierte Brustkrebspatientinnen über einen Zeitraum von 6 Monaten zufällig einer zusätzlichen Akupunkturbehandlung oder einer Standardversorgung allein (Kontrollgruppe) zugeordnet. Das primäre Ergebnis war die krankheitsspezifische Lebensqualität. Zwanzig qualitative halbstrukturierte Interviews wurden mit zehn Patienten aus jeder Gruppe hinsichtlich ihrer subjektiven Erfahrungen durchgeführt. Insgesamt 150 Frauen den Gruppen zugeteilt. Für die Lebensqualität nach 6 Monaten, wurde kein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen den Gruppen gefunden. Qualitative Inhaltsanalysen zeigten, dass Patienten in der Akupunkturgruppe positive Auswirkungen auf das psychische und physische Wohlbefinden beschrieben. Für beide Patientengruppen waren Bewältigungsstrategien wichtiger als die Reduzierung von Nebenwirkungen. Brustkrebspatientinnen, die während der Chemotherapie eine prophylaktische Akupunktur erhielten, zeigten in den Fragebögen im Gegensatz zu den in den qualitativen Interviews berichteten positiven Effekten keine bessere Lebensqualität. Bewältigungsstrategien für Krebs scheinen wichtig zu sein. Die methodische Qualität kann insgesamt als gut bewertet werden.

Deng et. al. (2013)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Deng (2013): Acupuncture for the treatment of post-chemotherapy chronic fatigue: a randomized, blinded, sham-controlled trial. Support Care Cancer.

Ref-ID: 904

RCT

prospektiv, monozentrisch, Patienten verblindet,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=101

Ausgewertet:

N=74

 

Land: USA

2004-2009

Sample mit gemischten Krebsdiagnosen nach Chemo­therapie mit chronischer Fatigue (2% Antihormon­therapie)

 

Geschlecht:

82% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 53

Arm A:

N=34

Manuelle Körperakupunktur

6 Wochen, 1 x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=40 Sham- Akupunktur (nicht-penetrierend an Sham-Akupunkturpunkten)

+ UC

Primäre Endpunkte:

1. Fatigue (BFI)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Lebensqualität (tumorspezifisch) (FACT-G)

 

3. Ängstlichkeit (HADS)

 

4. Depressivität (HADS)

 

Nach Chemotherapie:

1./2./3./4. Fatigue/ Lebensqualität (tumor­spezifisch)/Ängst­lichkeit/Depressivität:

® Akupunktur versus SHAM: Post Inter­vention: keine signifikanten Gruppen­unterschiede (p≥0.05)

SUEs: 11/74

kein SUE schien mit Akupunktur zusammen­zuhängen

 

Keine Angaben zur Finan­zierung

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: low

PB: high

DB: low

AB: low

RB: unclear

OB: low

 

1b

Deng (2013): Viele Krebspatienten leiden nach Abschluss der Chemotherapie an anhaltender Müdigkeit. Eine frühere Studie lieferte Hinweise auf eine positive Wirkung von Akupunktur bei diesen Patienten. Es wurde eine randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt, um festzustellen, ob Akupunktur die chronische Müdigkeit nach der Chemotherapie wirksamer reduziert als Scheinakupunktur. Krebspatienten, die nach Abschluss der Chemotherapie mindestens 2 Monate lang über eine bedeutsame Müdigkeit berichteten, wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt: sie erhielten 6 Wochen lang einmal wöchentlich entweder echte Akupunktur oder Scheinakupunktur. Die Ermüdung wurde vor und nach der Behandlung unter Verwendung von Fragebögen bewertet. Außerdem wurde die Lebensqualität, Ängstlichkeit und Depressivität gemessen. 101 Patienten wurden den Gruppen zugeteilt, wobei 74 (34 echte Akupunktur; 40 Scheinkontrolle) für Müdigkeit bewertet wurden. Die Müdigkeitswerte fielen in beiden Gruppen zwischen dem Ausgangswert und nach der Intervention um etwa einen Punkt, ohne dass ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen den Gruppen bestand. Die Werte für Lebensqualität, Depressivität und Ängstlichkeit verbesserten sich ebenfalls in beiden Gruppen, es gab jedoch keinen bedeutsamen Unterschied zwischen den Gruppen. Patienten in der Scheinakupunkturgruppe wechselten in Woche 7 zu einer echten Akupunktur. Nach 6 Monaten wurden keine langfristigen Verringerungen der Ermüdungswerte beobachtet. Echte Akupunktur, wie sie in dieser Studie bereitgestellt wurde, reduzierte die chronische Müdigkeit nach der Chemotherapie nicht mehr als Scheinakupunktur. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein intensiveres Behandlungsschema möglicherweise wirksamer ist. Weitere Studien sind notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Garland et. al. (2019)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Garland (2019): Acupuncture versus cognitive behavioral therapy for insomnia in cancer survivors:

a randomized clinical trial. J Natl Cancer Inst.

Ref-ID: 911

RCT

prospektiv, bizentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=160

Ausgewertet:

N=160

 

Land: USA

2015-2017

Mamma-Karzinom, Prostata-Karzinom, Hemtologische Karzinoms, und weiter Karzinoms (Stadium 0-IV) nach adjuvanter Therapie

 

Geschlecht:

56.9% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 61.5

Arm A:

N=80

Manuelle Körperakupunktur

8 Wochen, Gesamtzeit: 240 Minuten

+ UC

 

Arm B:

N=80

Kognitive Ver­haltenstherapie für Insomnie (CBTI) 8 Wochen,

Gesamtzeit: 240 Minuten

+ UC

Primärer Endpunkt:

1. Insomnie Schwere (IS)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Schlafqualität (PSQI)

3. Schlafmittelverbrauch

4. Schmerz (BPI)

5. Fatigue (MFSI)

6. Ängstlichkeit (HADS)

7. Depression (HADS)

8. Lebensqualität (global) (PROMIS-GHS)

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Insomnie Schwere:

® Akupunktur versus CBT: Post Intervention und 20 Wochen-Follow-up: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten CBT (p<0.05)

 

2. Schlafqualität:

® Akupunktur versus CBTI: Post Intervention und 20 Wochen-Follow-up: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten CBT (p<0.05)

 

3. Schlafmittel­verbrauch:

® Akupunktur versus CBTI: Post Intervention und 20 Wochen-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

4. Schmerz:

® Akupunktur versus CBTI: Post Intervention

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

20 Wochen-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

5./6./7./8. Fatigue/ Ängstlichkeit/Depres­sivität/Lebensqualität (global):

® Akupunktur versus CBTI: Post Intervention und 20 Wochen-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

Arm: Aku­punktur

SUEs: 0/78

UEs: 9/78

 

Arm: CBTI

SUEs: 2/73

UEs: 5/73

 

 

Patient-Centered Outcomes Research Institute (PCORI)

+ National Institutes

of Health/ National Cancer Institute Cancer Center

(USA)

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: low

PB: high

DB: low

AB: low

RB: low

OB: low

 

1b

Garland (2019): Schlaflosigkeit ist eine häufige und belastende Erkrankung, die bei Krebsüberlebenden auftritt. Obwohl Krebsüberlebende die Verwendung einer nichtpharmakologischen Behandlung zur Behandlung von Schlaflosigkeit bevorzugen, ist die vergleichende Wirksamkeit zwischen Akupunktur und kognitiver Verhaltenstherapie bei Schlaflosigkeit (CBT-I) für diese Störung unbekannt. In dieser Studie wurden Krebspatienten zufällig entweder einer Akupunkturbehandlung oder einer kognitiver Verhaltenstherapie zugeteilt, welche sie je über 8 Wochen erhielten. Bei der Akupunktur wurden bestimmte Punkte des Körpers mit Nadeln stimuliert. CBT-I umfasste Schlafbeschränkung, Reizkontrolle, kognitive Umstrukturierung, Entspannungstraining und Edukation. Es wurde der Schweregrad der Schlaflosigkeit (primäres Ergebnis), Schmerzen, Müdigkeit, Stimmung und Lebensqualität nach der Behandlung (8 Wochen) mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 20 Wochen gemessen. CBT-I war wirksamer als Akupunktur nach der Behandlung hinsichtlich der Verbesserung der Schlaflosigkeit und Schlafqualität. Sowohl Akupunktur als auch CBT-I führten jedoch zu einer klinisch bedeutsamen Verringerung des Schweregrads der Schlaflosigkeit und diese Verbesserungen hielten auch nach 20 Wochen an. Akupunktur war am Ende der Behandlung bei Schmerzen wirksamer; Beide Gruppen hatten ähnliche Verbesserungen in Bezug auf Müdigkeit, Stimmung und Lebensqualität und reduzierten den Gebrauch von Schlafmitteln. Obwohl beide Behandlungen bedeutende und dauerhafte Verbesserungen erbrachten, war CBT-I wirksamer und sollte die erste Therapielinie sein. Die relativen Unterschiede in der vergleichenden Wirksamkeit zwischen den beiden Interventionen für bestimmte Gruppen sollten in künftigen Studien mit ausreichender Qualität bestätigt werden, um maßgeschneiderte Interventionen gegen Schlaflosigkeit zu entwickeln. Die methodische Qualität und Berichterstattung ist überwiegend als gut zu bewerten.

Choi et. al. (2017)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Choi (2017): Acupuncture for managing cancer-Related Insomnia:

A systematic review of randomized clinical trials. Integr Cancer Ther.

Ref-ID: 886

Eingeschlossene Primärstudien:

Bokmand (2013),

Feng (2011),

Frisk (2012),

Mao (2014)

 

SR

Suchzeitraum: bis Januar 2016

Datenbanken:

PubMed, EMBASE, AMED, the Cochrane Library, 7 koreanische und 1 chinesische medizinische Datenbank

Einschlusskriterien:

RCTs zu Akupunktur, Erwachsene mit Krebsdiagnose und Insomniediagnose

Anzahl RCTs: 4

Patienten: N=300

RCTs

Mamma-Karzinom und 1 Sample mit gemischten Krebsdiagnosen

Geschlecht: weiblich und männlich (% nicht berichtet)

Alter: Erwachsene, mittleres Alter nicht berichtet

Länder: China, Schweden Dänemark, USA

Manuelle Körper- (2 RCTs) und Elektroakupunktur (2 RCTs)

+ UC

Länge der Intervention:

4-10 Wochen

Kontrollgruppen:

Sham-Akupunktur (oberflächlich penetrierend und Streitbergernadeln an Nichtakupunkturpunkten), Medikation mit Fluoxetin oder Östrogen/Progesteron, UC/Warteliste

 

Primäre Endpunkte:

1. Schlafqualität

Sekundäre Endpunkte:

2. Sicherheit

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Schlafqualität:

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention:

2 RCT, N=110,

sowohl signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.005) als auch

nicht-signifikante Gruppenunterschiede

(p≥0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

2 RCT, N=104,

sowohl signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.01) als auch

nicht-signifikante Gruppenunterschiede

(p≥0.05)

® Akupunktur versus Fluoxetin: Post Intervention: 1 RCT, N=80,

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.01)

® Akupunktur versus Östrogen/Progesteron:

Post Intervention:

1 RCT, N=44,

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

RCTs berichten

UEs nicht systematisch

Keine SUEs in RCT berichtet

 

 

Primär-studien:

nicht berichtet

Review:

Korea Institute of Oriental

Medicine

Laut Angaben kein COI

 

 

 

Primärstudien:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 0

PB: 0

DB: 0

AB: 4

RB: 1

OB: 4

Review:

AMSTAR: 8

2 RCTs wurden ausgeschlossen:

Gründe:

- Song (2015) und Dan (2013) auf Chinesisch publiziert

1a

Choi (2017): Schlaflosigkeit ist eine häufige Beschwerde von Krebspatienten, die ihre Lebensqualität und die mit der Schlafqualität verbundenen Symptome erheblich beeinträchtigen können. Herkömmliche Arzneimittelansätze haben eine geringe Erfolgsquote bei der Linderung von Schlaflosigkeit. Ziel dieser systematischen Überprüfung war es, die Wirksamkeit der Akupunktur bei der Behandlung von krebsbedingter Schlaflosigkeit zu untersuchen. Nach einer systematischen Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken wurden Studien eingeschlossen, wenn Akupunktur als alleinige Intervention oder als Ergänzung zu einer anderen Standardbehandlung für krebsbedingte Schlaflosigkeit verwendet wurde. Von den 90 untersuchten Studien wurden 6 Studien eingeschlossen. Davon wurden zwei für die Leitlinienarbeit ausgeschlossen, da diese auf Chinesisch publiziert wurden. Das Risiko einer Verzerrung war überwiegend unklar oder gering. Verglichen wurde Manuelle Körper- (2 RCTs) und Elektroakupunktur (2 RCTs) über eine Dauer von 4-10 Wochen mit Schein-Akupunktur (oberflächlich penetrierend und Streitbergernadeln an Nichtakupunkturpunkten), Medikation mit Fluoxetin oder Östrogen/Progesteron und einer Warteliste. Drei RCTs zeigten äquivalente Effekte auf die Schlafqualität und zwei RCTs zeigten ähnliche Effekte auf die Ansprechrate wie herkömmliche Medikamente am Ende der Behandlung. Die 3-wöchige Nachuntersuchung in 2 RCTs zeigte im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten überlegene Wirkungen der Akupunktur. Zwei RCTs testeten die Auswirkungen der Akupunktur auf krebsbedingte Schlaflosigkeit im Vergleich zur Scheinakupunktur. Ein RCT zeigte günstige Effekte, während die andere Studie dies nicht tat. Die Ergebnisse sind inkonsistent und es gibt insgesamt nur wenige Hinweise darauf, dass Akupunktur Scheinakupunktur, Medikamenten- oder Hormontherapie überlegen sein kann. Die Anzahl der Studien und die Effektgröße sind jedoch für die klinische Bedeutung gering. Weitere klinische Studien sind erforderlich.

Assy et. al. (2018)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finan­zierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Assy (2018):

A systematic

review of the effects of acupuncture on xerostomia and hyposalivation.

BMC Complement Altern Med.

Ref-ID: 881

 

Eingeschlossene Primärstudien:

Alimi (2012),

Meng (2012a),

Pfister (2010),

Simcock (2013)

 

SR

 

Suchzeitraum: bis Juli 2015

 

Datenbanken:

PubMed, Web of Science

 

Einschlusskriterien:

RCTs zu Akupunktur, Erwachsene mit Xerostomie

 

Anzahl RCTs: Subsample Krebs: 4

Patienten: Subsample Krebs: N=361

RCTs

 

Kopf- und

Hals-Karzinom, vor während und nach

Radiotherapie

mit und ohne (zur Prävention von) Xerostomie

 

Geschlecht: weiblich und männlich (% nicht berichtet)

 

Alter: Erwachsene, mittleres Alter nicht berichtet

 

Länder: USA, Frankreich, Schweden, Südkorea, China, Großbritannien

Manuelle Körper- und Ohrakupunk­tur + UC

 

Länge der Interventionen:

4-12 Wochen Median: 7

 

Kontrollgruppen:

Sham-Akupunktur (oberflächlich invasiv, 2cm von Akupunktur­punkten ent­fernt), UC (Orale Hygiene)

Endpunkte:

1. Xerostomie Symptome (Prä­vention und Therapie)

2. Speichelfluss

 

Während Radiotherapie (Prävention):

1. Xerostomie Symptome

  • Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 26 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=86,

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

2. Speichelfluss

2.1. nicht-stimuliert

  • Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention:

1 RCT, N=86,

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

26 Wochen-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

2.2. stimuliert

  • Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 26 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=86,

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

Nach Radiotherapie

(Therapie):

1. Xerostomie Symptome

  • Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

1 RCT, N=60,

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

  • Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention:

2 RCTs, N=215,

signifikante Gruppen­unterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

2. Speichelfluss

2.1. nicht-stimuliert

  • Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 52 Wochen-Follow-up: siehe Furness (2013)
  • Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention:

1 RCT, N=145,

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

2.2. stimuliert

  • Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 52 Wochen-Follow-up: siehe Furness (2013)
  • Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention:

1 RCT, N=145,

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

Keine Angaben zu SUEs/UEs

Primärstudien:

Finanzierung durch öffentliche Einrichtungen

+

nicht berichtet

 

Review:

Academic Centre for Dentistry Amsterdam (Niederlande)

 

Laut Angaben kein COI

 

Primärstudien:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 6

PB: 0

DB: 2

AB: 3

RB: 6

OB: 4

Review:

AMSTAR: 6

Keine Berechnung der Heterogenität, keine

Sensitivitätsanalysen, keine Aussagen über Publikationsbias 

6 RCTs wurden ausgeschlossen:

Gründe:

  • Blom (1992) und List (1998) untersuchten kein Krebs­sample
  • Blom (1996), Braga (2011), Cho (2008), Meng (2012b) sind Studien mit unter N=25 pro Gruppe.

 

2a

Assy (2018): Speichel ist von grundlegender Bedeutung für unsere Mundgesundheit und unser Wohlbefinden. Viele Faktoren können die Speichelsekretion beeinträchtigen, z. B. Nebenwirkungen verschriebener Medikamente, Autoimmunerkrankungen (z. B. Sjögren-Syndrom) und Strahlentherapie bei Kopf- und Halskrebs. Mehrere Studien haben auf einen positiven Effekt der Akupunktur auf die Mundtrockenheit hingedeutet.

Assy (2018): Nach einer systematischen Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken wurden zehn randomisierte kontrollierte Studien zur Untersuchung der Wirkung von Akupunktur bei Erwachsenen mit abnormer Trockenheit der Mundhöhle eingeschlossen, wovon fünf Studien im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung standen. Bei diesen Studien wurde Akupunktur (Manuelle Körper- und Ohrakupunktur) mit Schein- / Placebo-Akupunktur verglichen (oberflächlich invasiv, 2cm von Akupunkturpunkten entfernt). Gemessen wurde die Mundtrockenheit, sowie der Speichelfluss während und nach Applikation der Radiotherapie. Für alle eingeschlossenen Studien wurde die Qualität für alle Hauptergebnisse als gering bewertet. Obwohl einige Veröffentlichungen einen positiven Effekt der Akupunktur auf die Speichelflussrate oder das subjektive Gefühl von Mundtrockenheit berichteten, sind die Studien nicht konsistent bezüglich der möglichen Wirkung von Akupunktur. Es liegen nicht genügend Beweise vor, um eine Aussage darüber zu treffen, ob Akupunktur eine evidenzbasierte Behandlungsoption für Xerostomie / Hyposalivation ist. Weitere gut konzipierte, größere, doppelblinde Studien sind erforderlich, um den potenziellen Nutzen der Akupunktur zu bestimmen.

Furness et. al. 2013

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Furness (2013): Interventions for the management of dry mouth: Non­pharmacological interventions. Cochrane Database Syst Rev.

Ref-ID: 887

 

Eingeschlossene Primärstudien:

Blom (1996),

Cho (2008),

Pfister (2010)

 

Cochrane MA

Suchzeitraum: bis April 2013

Datenbanken:

Cochrane Oral Health Group’s Trials Register,

CENTRAL MEDLINE via OVID, EMBASE via OVID, AMED via OVID, CINAHL via EBSCO, CANCERLIT via PubMed,

controlled-trials.com,

ClinicalTrials.gov

Einschluss­kriterien:

RCTs, Erwachsene mit Xerostomie

Anzahl RCTs: Subsample Akupunktur und Krebs: 3

Patienten: Subsample Akupunktur und Krebs: N=111

RCTs

Kopf- und

Hals-Karzinom

nach Radiotherapie mit Xerostomie

 

Geschlecht: weiblich und männlich (% nicht berichtet)

Alter: Erwachsene, mittleres Alter nicht berichtet

 

Länder: Schweden, Südkorea, USA

Manuelle Körper-akupunktur

+ UC

Länge der Interventionen:

4-12 Wochen Median: 6

Kontrollgruppen:

Sham-Akupunktur (oberflächlich invasiv, 2cm von Akupunkturpunkten ent­fernt), UC (Orale Hygiene)

Primärer Endpunkt:

1. Xerostomie Symptome

Sekundäre Endpunkte:

2. Speichelfluss

3. Sicherheit

Nach Abschluss der Radiotherapie:

1. Xerostomie Symptome

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

1 RCT, N=12,

SMD=-1.09 [-2.34/0.16]

(p≥0.05)

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention:

1 RCT, N=58;

SMD=-0.21 (-0.72, 0.31), aber: Original-RCT berichtet signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

2. Speichelfluss

2.1. nicht-stimuliert

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

2 RCTs, N=46; I2=0%; SMD=0.76 (0.18, 1.35)

(p=0.01)

52 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=33;

SMD=0.36 (-0.34, 1.05)

(p≥0.05)

2.2. stimuliert

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention:

2 RCTs, N=46; I2=0%; SMD=0.72 (0.14, 1.30)

(p=0.01)

52 Wochen-Follow-up:

1 RCT, N=33;

SMD=0.71 (-0.01, 1.42)

(p=0.05)

Keine SUEs berichtet

RCTs berichten UEs nicht systematisch

Aufgetretene UEs während oder nach Akupunktur:

blaue Flecken, Müdigkeit, vorübergehend erhöhte Schmerzen, konstitu­tionelle Probleme

Primär­studien:

Swedish Research Funds

(Schweden)

+ Minis­try of Health &

Welfare (Südkorea)

+ National Institutes of Health

(USA)

Review:

National Institute

for Health Research (Groß­britanien)

 

Laut Angaben kein COI

Primärstudien:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 1

PB: 2

DB: 1

AB: 2

RB: 2

OB: 1

 

Review:

AMSTAR: 10

 

Keine signifi­kante Heterogenität in Metaanalysen

 

Sensitivitätsanalysen: nicht möglich, da zu wenige RCTs

 

Publikationsbias: nicht berechenbar, da zu wenige RCTs

 

1a

Furness (2013): Xerostomie ist das subjektive Gefühl von Mundtrockenheit. Häufige Ursachen für Xerostomie sind Nebenwirkungen vieler häufig verschriebener Medikamente, Krankheiten (z. B. Sjögren-Syndrom) und Strahlentherapie bei Kopf- und Halskrebs. Nicht-pharmakologische Techniken wie Akupunktur oder milde Elektrostimulation können möglicherweise verwendet werden, um die Symptome zu verbessern. Das Ziel der Studie war die Bewertung der Auswirkungen nicht-pharmakologischer Eingriffe zur Stimulierung der Speichelproduktion zur Linderung von Mundtrockenheit. Nach einer systematischen Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken wurden Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit nicht-pharmakologischen Interventionen zur Behandlung von Mundtrockenheit eingeschlossen, bei denen die Teilnehmer zu Studienbeginn Symptome von Mundtrockenheit hatten. In diese Überprüfung der nicht-pharmakologischen Interventionen bei Mundtrockenheit wurden neun Studien (insgesamt 366 randomisierte Teilnehmer) einbezogen, die in drei Vergleiche unterteilt wurden. Drei Studien (insgesamt 111 Teilnehmer mit trockenem Mund nach Strahlentherapie) verglichen Akupunktur mit Placebo bei Krebspatienten. In zwei Studien wurden Ergebnisdaten für Mundtrockenheit in einer für die Metaanalyse geeigneten Form angegeben. Die beiden Studien (70 Teilnehmer, Evidenz geringer Qualität) zeigten keinen Unterschied zwischen Akupunktur und Kontrolle bei Symptomen des trockenen Mundes. Akupunktur war mit mehr Nebenwirkungen verbunden (winzige Blutergüsse und Müdigkeit, die mild und vorübergehend waren). Am Ende der 4 bis 6-wöchigen Behandlung (drei Studien, 71 Teilnehmer, Evidenz geringer Qualität war ein sehr geringer Anstieg des nicht stimulierten gesamten Speichels (UWS) zu verzeichnen und dieser Effekt blieb bei der 12-monatigen Nachuntersuchung bestehen (zwei Studien, 54 Teilnehmer, Evidenz geringer Qualität). Für das Ergebnis des stimulierten gesamten Speichels (SWS, drei Studien, 71 Teilnehmer, minderwertige Evidenz) gab es einen Unterschied zugunsten der Akupunktur, ein Effekt, der auch bei der 12-monatigen Nachuntersuchung anhielt (zwei Studien, 54 Teilnehmer, Evidenz geringer Qualität). Es gibt insgesamt Hinweise von geringer Qualität, dass sich Akupunktur in Bezug auf Mundtrockenheitssymptome nicht von Placebo-Akupunktur unterscheidet. Dies kann daran liegen, dass in den beiden Studien nicht genügend Teilnehmer eingeschlossen waren, um einen möglichen Effekt zu zeigen.

Jung et. al. (2017)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Jung (2017): Effect of acupuncture on postoperative Ileus after distal gastrectomy for gastric cancer.

J Gastric Cancer.

Ref-ID: 916

RCT

prospektiv, monozentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=40

Ausgewertet:

N=36

 

Land: Korea

2015-2015

Magen-Karzinom (Stadium I bis III) post OP

 

Geschlecht:

11.1% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 60

Arm A:

N=18

Manuelle Körper-akupunktur

5 Tage

+ UC

 

Arm B:

N=18 UC

 

Sekundäre Endpunkte:

1. Zeit erster Flatus

 

2. Zeit erster Stuhlgang

 

3. Beginn

Wasserlassen

 

4. Beginn

Essensaufnahme

 

5. Krankenhausverweildauer

 

Post Operation:

1. Zeit erster Flatus:

® Akupunktur + UC

 versus UC: Post Intervention: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

2./3./4./5. Zeit erster Stuhlgang/Beginn

Wasserlassen/Beginn

Essensaufnahme/ Krankenhausverweil­dauer:

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

Keine SUEs/UEs in Zusammen­hang mit Akupunktur aufgetreten

Korea Health & Welfare

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: unclear

PB: unclear

DB: unclear

AB: low

RB: unclear

OB: low

 

Primärer End­punkt: Restsitz­marker im Dünndarm

2b

Jung (2017): Akupunktur ist möglicherweise eine Behandlungsoption zur Behandlung des postoperativen Darmverschlusses und verschiedener funktioneller gastrointestinaler Störungen. Ziel der Studie war es daher, die Wirkung von Akupunktur auf den Darmverschluss und die Darmtätigkeit bei Patienten zu bewerten, die sich in Folge einer Krebserkrankung einer Magenoperation unterzogen hatten. Sechsunddreißig Patienten, die sich aufgrund von Magenkrebs einer Magenoperation unterzogen hatten wurden per Zufallsprinzip einer Akupunktur- oder Nichtakupunkturgruppe zugeteilt. Die Akupunkturbehandlung wurde ab dem postoperativen Tag 1 einmal täglich an 5 aufeinanderfolgenden Tagen angeboten. Gemessen wurde die Zeit bis zu den ersten Blähungen, dem ersten Stuhlgang, dem Beginn des Wasserlassens, dem Beginn der Essensaufnahme, sowie der Dauer des Krankenhausaufenthalts. Die Akupunkturgruppe zeigte eine geringere Zeit bis zu den ersten Blähungen, für alle anderen Messwerte wurden keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden. Die Studienberichterstattung ist als schlecht zu bewerten, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

You et. al. (2018)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

You (2018): Zusanli (ST36) acupoint injection with neostigmine

for paralytic postoperative ileus following radical gastrectomy for gastric cancer:

a randomized clinical trial.

J Cancer.

Ref-ID: 928

RCT

prospektiv,

monozentrisch, offen,

3 Arme

 

Eingeschlossen: N=201

Ausgewertet:

N=179

 

Land: China

2014-2017

Magen-Karzinom post Operation

 

Geschlecht:

30% weiblich

 

Alter: Mittelwert: nicht berichtet

Arm A:

N=59

Manuelle Körperakupunktur, individuelle

Dauer bis zur Besserung der Symptome

+ UC

 

Arm B:

N=67

Neostigmin 1mg intramuskulär

+ UC

 

Arm C:

N=53 UC

Primärer Endpunkt:

1. Zeit erster

Flatus oder erster Stuhlgang

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Zeit erstes Darmgeräusch

 

3. Sicherheit

 

Post Operation:

1./2. Zeit erster Flatus oder erster Stuhlgang/ erstes Darmgeräusch:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

® Akupunktur versus Neostigmin: Post Intervention: nicht berichtet

Keine Angaben zu AEs

 

 

Natural Science Founda-tion of China

 

Laut Angaben kein CO

Risk of Bias

SB: high

PB: high

DB: low

AB: low

RB: high

OB: unclear

 

2b

You (2018): Der Zusanli (ST36) Akupunkturpunkt wurde mit der Behandlung verschiedener Magen-Darm-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Es liegen keine Studien zur Akupunktur-Therapie bei einem postoperativen Ileus (PPOI) (Darmverschluss infolge einer Darm-OP) vor. Patienten mit PPOI nach operativer Magenentfernung bei Magenkrebs erhielten nach dem Zufallsprinzip eine ST36-Akupunktinjektion mit Neostigmin, eine glutamische intramuskuläre Injektion mit 1.0 mg Neostigmin, eine ST36-Akupunktur allein (manuelle Körperakupunktur bis zur Besserung der Symptome) oder eine Standardtherapie. Das Hauptergebnis war die Wirksamkeitsrate für die Wiederherstellung der Darmfunktion. Sekundäre Ergebnisse waren die Zeit bis zur Wiederherstellung des Darmschalls, die Zeit bis zu den ersten Blähungen und die Zeit bis zum ersten Stuhlgang. Tertiäre Ergebnisse waren arzneimittelbedingte unerwünschte Ereignisse, einschließlich Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Delirium, Krampfanfall und Angstzuständen. Die ST36-Akupunktinjektion mit Neostigmin und die intramuskuläre Glutealinjektion von Neostigmin ergaben eine höhere Rate der Darmfunktions-Wiederherstellung, und die ST36-Akupunktinjektionsgruppe zeigte eine bedeutsam höhere Gesamteffektivitätsrate als die intramuskuläre Injektionsgruppe. Diese Interventionen ergaben bedeutsam kürzere Zeiten für die Wiederherstellung der Darmgeräusche, kürzere Zeiten bis zum ersten Flatus und dem ersten Stuhlgang im Vergleich zur ST36-Akupunktur und der postoperativen Standardtherapie. Die ST36-Akupunktinjektionsgruppe ergab eine kürzere Zeit für die Wiederherstellung der Darmgeräusche, eine kürzere Zeit bis zum ersten Flatus und dem ersten Stuhlgang als die der intramuskulären Injektionsgruppe. Arzneimittelbedingte unerwünschte Ereignisse in der intramuskulären Injektionsgruppe waren schwerwiegender als in der ST36-Akupunktinjektionsgruppe. Die methodische Qualität der Studie ist jedoch als überwiegend schlecht bis unklar einzustufen, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Zhao et. al. (2018)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Zhao (2018): Comparison of pelvic autonomic nerve function recovery between the group only with surgery and group with additional acupuncture and electrotherapy for treatment in patients with rectal cancer after anus-preserving operation. Acupunct Electro-Ther Res.

Ref-ID: 929

RCT

prospektiv, monozentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=120

Ausgewertet:

N=120

 

Land: China

2015-2017

Rektal-Karzinom (Stadium I bis IV) post OP, zum Teil unter Chemo-/Radio-therapie

 

Geschlecht:

43% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 66.3

Arm A:

N=60

Manuelle Körperakupunktur und Elektroakupunk­tur, Länge der Intervention nicht berichtet

+ UC (Beckenbodentraining)

 

Arm B:

N=60 UC (Beckenbodentraining)

Endpunkte:

1. Zeit erstes Darmgeräusch

 

2. Zeit erster Flatus

 

3. Zeit erster Stuhlgang

 

4. Zeit erste flüssige Nahrungs­aufnahme

 

5. Anale Inkonsistenz (WEXNER)

 

6. Blasenfunktion (Zeit Katheterentfernung)

 

7. Lebensqualität (EUROQOL) mit Symptomen: Wasserlassen,

postoperativer Schmerz, Stuhl­gang, Defektion, Sexuelle Funktion, Selbstwertgefühl

Post Operation:

1./2./3./4. Zeit erstes Darmgeräusch/erster Flatus/erster Stuhlgang/ erste flüssige Nahrungsaufnahme:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

5. Anale Inkonsistenz:

® Akupunktur + UC versus UC: 4-12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p=0.037)

 

6. Blasenfunktion:

® Akupunktur + UC versus UC: 4-12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

7. Lebensqualität:

® Akupunktur + UC versus UC: 4-12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur auf allen Subskalen (p<0.05)

Keine AEs durch Akupunktur

 

 

Fund Shanghai General Hospital (China)

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: high

PB: high

DB: unclear

AB: unclear

RB: unclear

OB: high

2b

Zhao (2018): Ziel der Studie war es, die Wirkung von Akupunktur und Elektro-Akupunktur auf die Wiederherstellung der autonomen Nervenfunktion des Beckens zur Behandlung von Patienten mit Darmkrebs nach anuserhaltender Operation zu untersuchen. 120 Patienten wurden durch ein Zufallsprinzip einer Akupunktur-gruppe oder einer Kontrollgruppe zugeordnet. Die Akupunktur-Gruppe erhielt Manuelle Körper-akupunktur und Elektroakupunktur über einen unbestimmten Zeitraum, sowie Beckenbodentraining. Die Kontrollgruppe erhielt Standardversorgung und ebenfalls ein Beckenbodentraining. Gemessen wurde die Zeit bis zum ersten Darmgeräusch, zum ersten Flatus, erster Stuhlgang, erste flüssige Nahrungs­aufnahme, Anale Inkonsistenz, die Blasenfunktion (Zeit Katheterentfernung), sowie die Lebensqualität mit Symptomen: Wasserlassen, postoperativer Schmerz, Stuhlgang, Defektion, Sexuelle Funktion, Selbstwertgefühl. Die Akupunkturgruppe zeigte nach Ablauf der Intervention eine schnellere Wiederherstellung der Darmfunktion in Bezug auf erstes Darmgeräusch/erster Flatus/erster Stuhlgang/ erste flüssige Nahrungsaufnahme im Vergleich zur Kontrollgruppe. Nach 4-12 Wochen Nachsorge zeigte die Akupunkturgruppe außerdem bessere Werte in Bezug auf die anale Inkonsistenz, die Blasenfunktion, sowie die Lebensqualität. Die Studienberichterstattung und die methodische Qualität ist jedoch überwiegend schlecht, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Tong et. al. (2018)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Tong (2018): Efficacy of acupuncture therapy for chemotherapy-related cognitive impairment in breast cancer patients.

Med Sci Monit.

Ref-ID: 942

RCT

prospektiv, monozentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=80

Ausgewertet:

N=75

 

Land: China

2017-2017

Mamma-Karzinom (Stadium 0 bis II) prämenopausal unter Chemotherapie

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 42.6

 

Arm A:

N=39

Manuelle Körperakupunktur

8 Wochen,

5x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=36 UC

Endpunkte:

1. Kognition

(FACT-COG)

 

2. Neuropsycho­logsiche Testung (AVLT, VFT, SDMT, CDT, TMT)

 

Nach Chemotherapie:

1. Kognition (subjektiv):

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

 

2. Kognition (objektiv):

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur nur für AVLT3 und CDT (p<0.05)

Keine Angaben zu AEs

 

Keine Angaben zur Finan­zierung

 

COI nicht berichtet

Risk of Bias

SB: high

PB: high

DB: unclear

AB: low

RB: unclear

OB: high

 

2b

Tong (2018): Eine Chemotherapie kann Nebenwirkungen wie eine chemotherapiebedingte kognitive Beeinträchtigung (CRCI) verursachen. In dieser Studie wurde die Wirksamkeit der Akupunktur-Therapie der traditionellen chinesischen Medizin bei der Linderung von CRCI und ihren Auswirkungen bei Brustkrebspatienten untersucht. 80 Patienten wurden zufällig in eine Behandlungsgruppe und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Die Behandlungsgruppe wurde über 8 Wochen 5 mal wöchentlich an verschiedenen Akupunkturpunkten behandelt, die Kontrollgruppe erhielt eine Standardversorgung. Die kognitive Funktion wurde anhand eines Kognitionstests bei Krebsbehandlung und einer neuropsychologischen Testung untersucht. CRCI wurde in der Akupunkturbehandlungsgruppe verbessert. Die Kontrollgruppe zeigte im gleichen Zeitraum keinen statistisch bedeutsamen Unterschied bei den verschiedenen kognitiven Maßen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte die Akupunkturgruppe bei der subjektiven Einschätzung deutliche Besserung, bei den objektiven Einschätzung zeigten sich Unterschiede bei zwei von fünf Untertests. Die methodische Qualität der Studie ist überwiegend als schlecht bis unklar einzustufen, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Pan-Weisz et. al. (2019)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Merkmale untersuchter Studien

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Pan-Weisz (2019): Patient-reported health-related quality of life outcomes in supportive-care interventions for adults with brain tumors: A syste­matic review. Psychooncology.

Ref-ID: 895

Eingeschlossene Primärstudien:

Yu (2013)

SR

Suchzeitraum: bis April 2018

Datenbanken:

PubMed,

PsycInfo, Web of Science, CINAHL

Einschluss­kriterien:

RCTs, Erwachsene Frauen mit Hirntumor

Anzahl RCTs:

Subsample Akupunktur: 1

 

Patienten:

Subsample Akupunktur: N=58

RCT

Astrozytom

(Grad II)

Geschlecht: weiblich und männlich (% nicht berichtet)

Alter: Erwachsene, mittleres Alter nicht berichtet

Länder: China

Individualisierte und standardisierte manuelle Körperakupunk­tur + UC

Länge der Intervention: 8 Wochen

Kontrollgruppe:

UC

Primärer Endpunkt:

1. Lebens­qualität (tumor­spezifisch)

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Lebensqualität (tumor­spezifisch):

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (individua­lisiert und standardisiert) bezüglich globaler Lebensqualität und der Unterskala Schmerz (p<0.05) und signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (individualisiert) bezüglich der Unterskalen Fatigue, Schlaf und Anorexie (p<0.01)

Keine UEs/ SUEs in RCT berichtet

Primärstudie:

nicht berichtet

Review:

kein Funding

Laut Angaben kein COI

 

 

 

Primärstudie:

RCTs mit low Risk of Bias

SB: 0

PB: 0

DB: 1

AB: 1

RB: nicht berichtet

OB: 1

 

Review:

AMSTAR: 5

 

Ungenügende Angaben zu Studienergeb­nissen (nur Innergruppen­vergleiche berichtet), Zwischengruppenver­gleiche aus Originalpubli­kation

2a

Pan-Weisz (2019): Ziel dieser systematischen Literaturrecherche war es, unterstützende (psychosoziale / verhaltensbezogene, pharmakologische, komplementäre oder alternative) Interventionen zu identifizieren, die in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) bei Erwachsenen mit Hirntumoren im Hinblick auf die Verbesserung der gesundheitsbezogene Lebensqualität untersucht wurden und zu bewerten, ob die entwickelten Interventionen die Lebensqualität im Vergleich zu Kontrollbedingungen wirksam verbessert haben. Eine Studie untersuchte dabei die Wirkung von Individualisierter und standardisierter manueller Körperakupunktur über einen Zeitraum von 8 Wochen im Vergleich zur Standardversorgung. Die individualisierte und standardisierte Akupunktur zeigte bedeutsame Verbesserungen der Lebensqualität, sowie der Unterskala Schmerz im Vergleich zur Kontrollbedingung, sowie bedeutsame Verbesserungen hinsichtlich Müdigkeit, Schlaf und Anorexie zugunsten der individualisierten Akupunktur. Die Studie war jedoch schlecht konzipiert und die Studienberichte nicht detailliert genug, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Minchom et. al. (2016)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Minchom (2016):

A randomised study comparing the effectiveness

of acupuncture or morphine versus the combination for the relief of dyspnoea in patients with advanced non-

small cell lung cancer and mesothelioma.

Eur J Cancer.

Ref-ID: 919

RCT

prospektiv, monozentrisch, offen,

3 Arme

 

Eingeschlossen: N=173

Ausgewertet:

N=173

 

Land: Großbritannien

2006-2014

Nicht-kleinzelliges Lungen-Karzinom., Mesotheliom mit

Atembeschwer­den in palliativer Situation

 

Geschlecht:

20% weiblich

 

Alter:

Median: 74

Arm A:

N=57

Manuelle Körper-akupunktur

(einmalige Aku­punktur und 2 Wochen Dauer­nadeln)

 

Arm B:

N=60 Morphin

 

Arm C:

N=56 Kombination aus manueller Körperakupunk­tur und Morphin

 

Primärer Endpunkt:

1. Dyspnoe (VAS)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Ängstlichkeit (HADS)

 

3. Depressivität (HADS)

 

4. Lebensqualität (tumorspezifisch) (EORTC-QLQ)

 

Palliative Situation:

1. Dyspnoe:

® Akupunktur versus

Morphin versus Akupunktur + Morphin: 30 Minuten–2 Wochen Follow-up:

vergleichbare Effekte/ keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

2./3. Ängstlichkeit/

Depressivität:

® Akupunktur versus

Morphin versus Akupunktur + Morphin: 30 Minuten–2 Wochen Follow-up:

vergleichbare Effekte/ keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)

 

4. Lebensqualität (tumorspezifisch):

® Akupunktur versus

Morphin versus Akupunktur + Morphin: 30 Minuten–2 Wochen Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zwischen

Akupunktur und Morphin (p=0.009), keine signifikanten Gruppenunterschiede zwischen Morphin und Akupunktur + Morphin (p≥0.05)

Arm: Aku­punktur

SUEs: 0/57

UEs: 1/57

 

Arm: Morphin

SUEs: 0/60

UEs: 51/60

 

Arm: Aku­punktur + Morphin

SUEs: 1/56

UEs: 45/56

 

 

National Institute

for Health Research Biomedical Research Centre

+ Aqualung Charity

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: low

PB: high

DB: high

AB: low

RB: low

OB: low

 

1b

Minchom (2016): Atembeschwerden sind eines der häufigsten Symptome von Lungenkrebs. Diese Studie untersucht Akupunktur zur Linderung von Atemnot bei Lungenkrebs. 173 Patienten mit Lungenkrebs mit Atembeschwerden in palliativer Situation wurden per Zufallsprinzip einer von 3 Gruppen zugeteilt: Akupunktur allein (A), Morphin allein (M) oder beides (AM). Akupunktur wurde einmalig durchgeführt und anschließend 2 Wochen Dauernadeln gesetzt. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten, die nach 4 Stunden eine Verbesserung der Atemnotbeschwerden berichteten. Die Messungen wurden bis zum 14. Tag fortgesetzt und umfassten die Atembeschwerden, die Angst und Depression im Krankenhaus, sowie die Bewertung der Lebensqualität. Die Atembeschwerden verbesserten sich in allen drei Gruppen ohne bedeutsame Unterschiede zwischen den Gruppen. Bezüglich der berichteten Ängstlichkeit und Depressivität gab es ebenfalls keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Für die Lebensqualität wurden bedeutsame Unterschiede zwischen Akupunktur und Morphin gefunden, nicht jedoch zwischen Morphin und der Kombinationsgruppe. Alle drei Gruppeninterventionen waren wirksam bei der Linderung von Atemnot. Akupunktur bietet möglicherweise eine Alternative zu Morphin. Diese Ergebnisse müssen in weiteren Studien noch überprüft werden.

Molassiotis et. al. (2012)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Molassiotis (2012): Acupuncture for cancer-related fatigue in patients with breast cancer: a pragmatic randomized controlled trial.

J Clin Oncol.

Ref-ID: 920

RCT

prospektiv, bizentrisch, offen,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=302

Ausgewertet:

N=302

 

Land: Großbritannien

Zeitraum nicht berichtet

Mamma-Karzinom (Stadium I bis IIIA) nach adjuvanter Therapie mit chronischer Fatigue

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 52

Arm A:

N=227

Manuelle Körper­akupunktur

6 Wochen, 1x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=75 UC

 

Primärer Endpunkt:

1. Fatigue (MFI)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Ängstlichkeit (HADS)

 

3. Depressivität (HADS)

 

4. Lebensqualität (tumorspezifisch) (FACT-B)

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Fatigue:

® siehe Zeng (2014) [14]

 

2./3./4. Ängstlichkeit/ Depressivität/Lebens­qualität (tumorspezi­fisch):

® Akupunktur + UC

versus UC: Post Intervention:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

Keine Angabe zu SUEs/UEs.

Break­through Breast Cancer

(Großbri­tannien)

 

Laut Angaben kein COI

Risk of Bias

SB: low

PB: high

DB: high

AB: low

RB: low

OB: low

 

Die Follow-up Daten (Woche 10 und 18) sind nicht berichtet – Verweis auf eigenständige Publikation

1b

Molassiotis (2012): Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit von Akupunktur bei krebsbedingter Müdigkeit (CRF) bei Brustkrebspatientinnen zu untersuchen. 302 ambulante Patienten mit Brustkrebs mit chronischer Müdigkeit nahmen teil. 75 Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip der üblichen Standardversorgung und 227 Patienten der Akupunktur zugeordnet. Die Behandlung wurde von Akupunkteuren einmal pro Woche für 6 Wochen durchgeführt. Das primäre Ergebnis war die allgemeine Müdigkeit nach 6 Wochen. Weitere Messungen umfassten die Skala für Angstzustände und Depressionen im Krankenhaus, die funktionelle Bewertung der Krebstherapie - allgemeine Skala für die Lebensqualität und die Erwartung eines Akupunktureffekts. Der Unterschied im mittleren allgemeinen Ermüdungswert zwischen denen, die die Intervention erhielten, und denen, die dies nicht taten, war bedeutsam. Die Intervention verbesserte auch alle anderen gemessenen Ermüdungsaspekte, einschließlich körperlicher Ermüdung und geistiger Ermüdung, Angstzustände und Depressionen und Lebensqualität. Akupunktur ist möglicherweise eine wirksame Maßnahme zur Behandlung der Symptome von chronischer Müdigkeit und zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.

Mao et. al. (2014)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Mao (2014): Electroacupuncture for fatigue, sleep, and psychological distress in breast cancer patients with aromatase inhibitor-related arthralgia: a randomized trial. Cancer.

Ref-ID: 918

RCT

prospektiv, monozentrisch, Patienten verblindet,

3 Arme

 

Eingeschlossen: N=67

Ausgewertet:

N=67

 

Land: USA

2009-2012

Mamma-Karzinom (Stadium I bis III) unter Antihormo­neller Therapie mit Gelenkschmerzen

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter:

Mittelwert: 59.7

Arm A:

N=22

Elektro­akupunktur

8 Wochen, 1-2x wöchentlich

 

Arm B:

N=22 Sham- Akupunktur (nicht näher berichtet)

 

Arm C:

N=23 UC/ Warteliste

 

Primärer Endpunkt:

1. Fatigue (BFI)

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Schlafqualität (PSQI)

 

3. Ängstlichkeit (HADS)

 

4. Depressivität (HADS)

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1. Fatigue:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)*

 

1. Schlafqualität:

® siehe Choi (2017) [9]

 

3. Ängstlichkeit:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0,05)

12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Inter­vention: keine signifi­kanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)*

12 Wochen-Follow-up:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)*

 

4. Depressivität:

® Akupunktur + UC versus UC: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupunktur (p<0.05)

® Akupunktur versus SHAM: Post Intervention und 12 Wochen-Follow-up: keine signifikanten Gruppenunterschiede (p≥0.05)*

Keine Angaben zu

SUEs/UEs

 

 

National Institutes of Health

National Center for Comple­mentary and Alter­native Medicine

(USA)

 

COI mit Pfizer, Astra Zeneca

und Roche

Risk of Bias

SB: low

PB: unclear

DB: unclear

AB: low

RB: low

OB: low

 

*Vergleich Elek­troakupunktur versus Sham neu kalkuliert, da in Publikation nur Vergleich Sham versus Tau berichtet

1b

Mao (2014): Obwohl Müdigkeit, Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände bei Brustkrebspatientinnen mit Schmerzen verbunden sind, ist nicht bekannt, ob Akupunktur diese Begleitsymptome bei Krebspatientinnen mit Schmerzen verringern kann. Das Ziel dieser Studie war es, die Wirkung der Elektroakupunktur (EA) auf Müdigkeit, Schlaf und psychische Belastung bei Brustkrebsüberlebenden zu bewerten, bei denen Gelenkschmerzen im Zusammenhang mit einer antihormonellen Therapie auftraten.

67 Frauen mit Brustkrebs, die selbst über Gelenkschmerzen berichteten, die auf eine antihormonelle Therapie zurückzuführen waren, wurden durch ein Zufallsprinzip einer 8-wöchigen EA-Gruppe, einer Wartelisten-Kontrollgruppe (WLC) und einer Scheinakupunkturgruppe (SA) zugeordnet. Müdigkeit, Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen wurden unter Verwendung von Selbstbewertungs-Fragebögen gemessen. Im Vergleich zu WLC-Gruppe führte EA zu einer bedeutsamen Verbesserung der Müdigkeit, Angstzuständen und Depressionen, sowie zu einer nicht bedeutsamen Verbesserung der Schlafstörung während der 12-wöchige Interventions- und Nachbeobachtungszeit. Im Gegensatz dazu führte SA nicht zu einer bedeutsamen Verringerung der Müdigkeit oder Angstsymptome, sondern zu einer bedeutsamen Verbesserung der Depression im Vergleich zur WLC-Gruppe.

Im Vergleich zur Standardversorgung führte EA zu bedeutsamen Verbesserungen bei Müdigkeit, Angstzuständen und Depressionen, während SA nur Depressionen bei Brustkrebspatientinnen mit Gelenkschmerzen verbesserte.

Bao et. al. (2014)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Bao (2014): Patient-reported outcomes in women with breast cancer enrolled in a dual-center, double-blind, randomized controlled trial assessing the effect of acupuncture in reducing aromatase inhibitor-induced musculoskeletal symptoms. Cancer.

Ref-ID: 901

RCT

prospektiv, bizentrisch, Patienten verblindet,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=51

Ausgewertet:

N=32-41

 

Land: USA

2008-2011

Mamma-Karzinom (Stadium I bis III), postmenopausal unter antihormo­neller Therapie

 

Geschlecht:

100% weiblich

 

Alter: Median: 61

Arm A:

N=24

Manuelle Körperakupunktur,

8 Wochen, 1x wöchentlich

+ UC

 

Arm B:

N=23 Sham- Akupunktur (nicht-penetrie­rend an Sham-Akupunktur­punkten)

+ UC

 

Sekundäre Endpunkte:

1. Hitzewallungen (HFRDI)

 

2. Menopausale Symptome (NSABP)

 

3. Depression (CESD)

 

4. Ängstlichkeit (HADS)

 

5. Schlafqualität (PSQI)

 

6. Lebensqualität (global) (EUROQOL)

 

 

 

Nach Abschluss von Chemo-/Radiotherapie:

1./2./6. Hitzewallungen/Menopausale Symptome/Lebens­qualität (global):

® Akupunktur versus SHAM: 4-12 Wochen-Follow-up: siehe Pan (2018)

 

3./4./5. Depression/ Ängstlichkeit/Schlaf­qualität:

® Akupunktur versus SHAM: 4-12 Wochen-Follow-up:

keine signifikanten Gruppenunterschiede

(p≥0.05)

Arm: Aku­punktur

SUEs: 0/24

UEs: nicht berichtet

 

Arm: SHAM

SUEs: 0/24

UEs: nicht berichtet

 

 

American Society of Clinical Oncology

Foundation Young Investigator’s Award

+ Susan Komen Postdoc­to­ral Fellow­ship Award

+ Breast Cancer Research

Foundation

+ Maryland Affiliate of Susan

G. Komen for the Cure

+ National Cancer Institute

(USA)

 

COI mit Pfizer und Novartis an

Risk of Bias

SB: high

PB: high

DB: low

AB: low

RB: low

OB: low

 

Sekundär­analyse von Bao (2013), der bereits in Chen (2017) eingeschlossen wurde

1b

Bao (2014): Aromatasehemmer (AIs) wurden mit einer Abnahme der vom Patienten berichteten Ergebnisse hinsichtlich Wechseljahrsbeschwerden in Verbindung gebracht. Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob echte Akupunktur (RA) über 8 Wochen einmal wöchentlich im Vergleich zu Scheinakupunktur (SA; nicht-penetrierende Nadeln) die Ergebnisse bei Brustkrebspatientinnen verbessert, die sich postmenopausal in anti-hormoneller Therapie befinden. Postmenopausale Frauen mit Brustkrebs unter antihormoneller Therapie mit behandlungsassoziierten muskuloskelettalen Symptomen wurden in einer randomisierten kontrollierten Studie auf 8 wöchentliche RA vs SA randomisiert. Fragebögen zu Wechseljahrsbeschwerden, Angstzustände und Depressionen im Krankenhaus, Schlafqualität, Hitzewallungen und Lebensqualität wurden zu Studienbeginn, 4, 8 und 12 Wochen nach der Intervention an die Patienten ausgegeben. Im Vergleich zum Ausgangswert verbesserten sich die Ergebnisse von Akupunktur-Patienten in 8 Wochen bedeutsam in Bezug auf Wechseljahrsbeschwerden. Die Ergebnisse in der Scheinakupunktur-Gruppe hinsichtlich der Lebensqualität und Wechseljahrsbeschwerden verbesserten sich ebenfalls bedeutsam. Echte Akupunktur und Scheinakupunktur waren beide mit einer Verbesserung der berichteten Ergebnisse bei Brustkrebspatientinnen verbunden, die Ais einnahmen. Es wurden keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt. Die methodische Qualität war überwiegend gut.

Roscoe et. al. (2009)

Referenz/Referenz Primärstudien

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Interventionen

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Roscoe (2009): Acupressure bands are effective in reducing radiation therapy-related nausea. J Pain Symptom Manage.

Ref-ID: 937

RCT

prospektiv,

mono-zentrisch, offen,

3 Arme

Eingeschlossen: N=99

Ausgewertet:

N=88

Land: USA

Zeitraum nicht berichtet

Stichprobe mit verschiedenen Krebsdiagnosen,

während Strahlentherapie

Geschlecht:

52.27% weiblich

Alter:

Mittelwert: 52.9 Jahre

Arm A:

N = 30

Körperakupressur via Wrist­band + Infor­mationsblatt

zur Erhöhung der Wirksamkeitserwar­tungen,

5 Tage

+ UC

 

Arm C:

N = 29

Körperakupressur via Wrist­band + Informationsblatt

nicht zur Erhöhung der Wirksam­keitserwartungen,

5 Tage

+ UC

Arm A:

N = 29

UC

Primärer Endpunkt:

1. Übelkeit (NRS)

Sekundäre Endpunkte:

2. Erbrechen (Inzidenz)

3. Lebensqualität (tumorspezifisch) (FACT-G)

4. Antiemetika­verbrauch

 

Während Radio­therapie:

1. Übelkeit

  • Akupressur + UC versus UC: Post Intervention:

signifikante Gruppenunterschiede zugunsten Akupressur für Arm A und Arm B kombiniert (p<0.05), keine signifikanten Gruppen­unterschiede (p≥0.05) zwischen Arm A und B

 

2./3./4. Erbrechen/ Lebensqualität (tumor­spezifisch)/Antiemetikaverbrauch

  • Akupressur + UC versus UC: Post Intervention: keine signifikanten Gruppen­unterschiede (p≥0.05)

 

Keine Angaben zu SUEs/UEs

 

 

American Cancer Society

+

National Cancer Institute

(USA)

 

COI nicht berichtet

Risk of Bias

SB: unclear

PB: high

DB: unclear

AB: high

RB: low

OB: high

Primäranalyse der 3 Arme einzeln: keine signifikante Gruppen­unterschiede für keinem Endpunkt

2b

Roscoe (2009): Frühere Studien haben gezeigt, dass Akupressurbänder möglicherweise die Übelkeit im Zusammenhang mit Chemotherapie reduzieren können. Die Wirksamkeitserwartungen der Patienten machen einen Teil dieses Ergebnisses aus. Diese Studie untersuchte die Wirksamkeit von Akupressurbändern bei der Kontrolle von durch Strahlentherapie induzierter Übelkeit und untersuchte, ob eine Informationsmanipulation zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartung die Wirksamkeit der Akupressurbänder verbessern würde. Patienten mit verschiedenen Krebsdiagnosen, bei denen bei früheren Behandlungen Übelkeit auftrat, wurden nach dem Zufallsprinzip entweder in die Standardversorgung oder in die Standardversorgung plus Akupressurbänder mit neutralen (Informationsblatt nicht zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartungen) oder positiven (Informationsblatt

zur Erhöhung der Wirksamkeitserwartungen) Informationen bezüglich der Wirksamkeit der Bänder zugeordnet. Die Patienten gaben zwei Tage vor der Einteilung in die Gruppen und fünf Tage nach der Anwendung auf einer Bewertungsskala ihre Übelkeit an. Patienten in den Gruppen mit Akupressurbändern zusammengenommen berichteten über eine stärkere Verringerung der durchschnittlichen Übelkeit als Patienten ohne Bänder. Die Informationsmanipulation veränderte die Wirksamkeitserwartungen nicht und es gab keinen statistisch bedeutsamen Unterschied der Übelkeit zwischen Patienten in den beiden Akupressurgruppen. Akupressurbänder sind eine wirksame, kostengünstige, nicht aufdringliche, gut akzeptierte und sichere Ergänzung zu Standard-Antiemetika. Ein Versuch, die Wirksamkeit der Akupressurbänder durch Bereitstellung positiver Informationen zu steigern, war nicht erfolgreich. Die methodische Qualität und die Studienberichterstattung sind jedoch größtenteils als schlecht zu bewerten, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Kröz et. al. (2013)

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Kröz (2013): Multimodal Therapy Concept and Aerobic Training in Breast Cancer Patients With Chronic Cancer- Related Fatigue. Integrative cancer therapies.

Ref.ID: 810

Multizentrisch

 

Offen

 

Nicht-randomisiert

 

2 Arme

Eingeschlossen: 36

Ausgewertet: 31

Attrition: Arm A – 1x Familie, 1x Erschöpfung, Arm B – 2x Krankheit, 1x Operation

 

Land: Deutschland, Zeitraum: erhoben Februar 2009 – Dezember 2009, rekrutiert Februar 2009 – September 2009

 

 

Mammakarzinom -. Brustkrebsüberlebende (rezidivfrei, nur jeweils 1x leichte Metastasen in den Armen; CIS/I-IV, Grad 2-3)

 

Post-CTx, Post-ÓP, Post-RTx, Post-Anti-HTx, Post-Mistelbehandlung

 

Mit chronischer Fatigue

 

Geschlecht: 100% weiblich

 

Alter (Mittelwert): Arm A: 57.0 Jahre, Arm B: 56.9 Jahre

 

 

 

Arm A:

N= 21

Multimodale Therapie (Verhaltenstherapie: Psycho-und Schlafedukation, Eurythmie, Maltherapie) bestehend aus 4 Modulen jeweils 225 Minuten, wurde 1x pro Woche durchgeführt

 

Arm B:

N= 10

Kontrollgruppe: Aerobik, 30 Minuten, 3-5x pro Woche Zuhause und mit Trainer 3-5x für 45 Minuten über 10 Wochen

 

Dauer: 10 Wochen

 

Interventionen durchgeführt von Experten auf ihrem Gebiet.

T0: 3 Wochen vor Intervention

T1: An Tag 1 der Intervention

T2: letzter Tag der Intervention

 

Primäre Endpunkte:

1. Fatigue (CRF) mit CFS-D und Schlafqualität mit PSQI

 

Sekundärer Endpunkt:

2. Autonome Regulation

 

3. Zufriedenheit mit Fragebögen/ Erwartungen (0-4)

Zu 1.:
Signifikante Verbesserungen in Arm A auf dem CFS-D (Gesamtscore [Mittelwert ± SD] T1, 33.5 ± 8.1 = T2, 30.1 ± 9.2; p=0.041 ), physische Fatigue (T1, 15.8 ± 3.6, T2, 13.7 ± 4.9; p=0.034), globaler Schlafqualität (T1, 10.0 ± 4.0, T2, 8.0 ± 4.1; p= 0.04; PSQI), keine Verbesserung der kognitiven oder affektiven Fatigue (p= 0.18, p=0.40)

 

2. signifikante Verbesserungen in Arm A (Gesamtscore T1, 35.9 ± 4.4, T2, 39.2 ± 5.1; p=0.002; Rest/Aktivität T1, 13.7 ± 3.2, T2, 16.7 ± 3.2; p=0.00) und B (Gesamtscore T1, 36.0 ± 5.4, T2, 38.0 ± 5.5; p=0.004), insbesondere orthostatisch-zirkulative Funktion (T1, 15.5 ± 2.3, T2, 16.6 ± 2.9; p=0.046)

 

Zu 3. Erwartungen: bis auf Erwartung, dass in Arm A physische Beschwerden sinken würden vergleichbar in beiden Gruppen, Tendenz in Arm A emotionale Wiederherstellung zu erzielen;
Zufriedenheit: Arm A gut bis sehr gut (3.47 ± 0.52), insbesondere für Eurythmie Therapie (3.81 ± 0.40) und Maltherapie (3.71 ± 0.64), wohingegen die Zufriedenheit in Arm B eher moderat ausfiel (2.67 ± 0.71)

 

Zusammenfassung der Autoren: „ In this pilot study, we were able to implement a new 10-week multimodal intervention program for breast can-cer patients with CRF. This research supports first evidence that CRF, sleep quality, rest/activity, and autonomic regula-tion can be improved.”

Keine Angabe zu NW/WW

Laut Angabe keine COI

 

“The authors disclosed receipt of the following financial support for the research, authorship, and/or publication of this article: This work was supported by the Mahle Foundation, Stuttgart. Matthias Kröz and Roland Zerm received financial support by the Humanus Institute, Berlin.”

PRO:
Ethikvotum vorhanden

 

Abfrage der Zufriedenheit mit Fragebögen

 

Poweranalyse durchgeführt

 

Gruppenvergleichbarkeit gegeben (doppelte Erhebung der Baseline zur Stabilisierung der Werte)

 

Überprüfung der Durchführung der Aerobik Zuhause mit Tagebuch

 

Detaillierte Beschreibung der multimodalen Therapie

 

CONTRA:

Kleine Stichprobe und ungleich verteilt in Armen

 

Keine Randomisierung: Probanden konnten sich Gruppe selbst aussuchen

 

Gruppe in Arm B zu klein, da Arm A präferiert wurde und Rekrutierungsprobleme

 

Kein Einbezug der Komorbiditäten in die Analyse

 

Keine Gruppenvergleiche durchgeführt, deshalb unklar ob sich Veränderungen auf den Skalen zwischen den Gruppen bedeutsam voneinander unterscheiden

 

Keine Angabe von Effektstärken

 

Nur 70% Compliance in Arm B für Training Zuhause

 

Keine Zerlegung der Wirkung der einzelnen Module möglich

2b

Kröz (2013): In diese Studie wurden Brustkrebsüberlebende eingeschlossen, welche die verschiedensten Behandlungen durchlaufen hatten. Die Patientinnen wurden den Gruppen nicht zufällig zugeteilt, sondern konnten selbst entscheiden ob sie in die Interventionsgruppe wollten, in der eine multimodale Therapie durchgeführt wurde mit Verhaltenstherapie (Psycho-und Schlafedukation), Eurythmie-Therapie und Maltherapie oder in die Kontrollgruppe, in der ein Aerobiktraining (Zuhause und unter Leitung eines Trainers) durchgeführt wurde. Die Intervention dauerte 10 Wochen. Im Vergleich vor der Intervention zu nach der Intervention verbesserte sich in der Gruppe mit der multimodalen Therapie die Erschöpfung/Müdigkeit und auch die Schlafqualität. Dies war nicht der Fall für die Gruppe mit dem Aerobiktraining. Auch die autonome Regulation, insbesondere auf der Skala Rest/Aktivität verbesserte sich in der multimodalen-Therapiegruppe bedeutsam. Diese verbesserte sich für die Aerobikgruppe nur im Bereich der orthostatischen Zirkulation. Es wurden allerdings keine Gruppenvergleiche durchgeführt, so dass nicht klar ist, ob sich die Gruppen bezüglich der Veränderung oder am Ende der Studie in ihren Werten unterschieden. Insgesamt waren die Probanden mit der multimodalen Therapie zufrieden, wohingegen diese in der Aerobikgruppe eher mittelmäßig ausfiel. Kritisch anzumerken ist, dass sich die Probanden die Zuteilung in die Gruppen selbst aussuchen konnten, wodurch Motivationseffekte nicht ausgeschlossen werden können. Allerdings lag eine Vergleichbarkeit der Gruppen im Sinne der demographischen Variablen vor. Allerdings wurden aufgezeigte Komorbiditäten der Probanden nicht in die Analyse einbezogen. Aufgrund der Vielschichtigkeit der Multimodalen Therapie ist unklar, was genau die Veränderungen verursacht hat und wie viel von dem Effekt tatsächlich auf diese zurückzuführen ist. Die Gruppengröße war insgesamt sehr klein und die Verteilung in die Gruppen war ungleichmäßig, zudem lag die Durchführungsquote der Aerobikgruppe Zuhause nur bei etwa 70%.

Kröz et. al. (2017)

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Kröz (2017): Impact of a combined multimodal-aerobicand multimodal intervention compared to standard aerobic treatment in breastcancer survivors with chronic cancer-related fatigue - results of a three-armedpragmatic trial in a comprehensive cohortdesign. BMC cancer.

Ref.ID: 817

Prospektiv

 

Multizentrisch

 

Offen

 

Teil-randomisiert

 

3 Arme

Eingeschlossen: N=126 (65 randomisiert, 61 eigene Entscheidung)

Zur Baseline/Ausgewertet: N=105

Attrition: 21x (20x keine Messung der Baseline, 1x Krankheit [A:10, B: 8, C: 3]), Zu T1 N=84, Attrition 21x (A:7, B:4, C:10), Zu T2 N=81, Attrition: 3x (A:2, C:1)

 

Land: Deutschland, Zeitraum: Juni 2011 – Dezember 2013

 

Anmerkung: Folgestudie von Kötz 2013, aber andere Stichprobe

Mammakarzinom - Brustkrebsüberlebende (rezidivfrei)

 

Post-CTx, Post-ÓP, Post-RTx, Post-Anti-HTx, Post-Mistelbehandlung

 

Mit chronischer Fatigue

 

Geschlecht: 100% weiblich

 

Alter (Mittlerer Range): 56.4 – 58.8 Jahre

 

 

Arm A:

N= 44 Multimodale Therapie (Verhaltenstherapie: Psycho-und Schlafedukation, Eurythmie, Maltherapie), 140 – 165 Minuten pro Woche + 15 Minuten Debriefing (Gesamtdauer 10 Wochen, insgesamt 1450 Minuten)

 

Arm B:

N= 28

Kontrollgruppe: Aerobik, 3-5x pro Woche/30-45 Minuten) Zuhause + 8 Trainergeleitete Sitzungen (45 Minuten inklusive15 Minuten Ruhe)

 

Arm C:

N= 54

Multimodale Therapie + Aerobik, mit 165-185 Minuten pro Woche + 15 Minuten Debriefing (Gesamtdauer 10 Wochen, insgesamt 1810 Minuten)

 

Dauer: 10 Wochen

T0: Baseline

T1: nach 10 Wochen Intervention

T2: nach 6 Monaten

 

Primäre Endpunkte:
1. Fatigue und Schlafqualität mit PSQI und CFS-D zu T1

 

Sekundäre Endpunkte:

2. Follow-Up nach 6 Monaten (T2)

Zu 1. Konfirmatorische Analysen:
PSQ: Arm A ist Arm B nicht unterlegen (p=0.006), Überlegenheit von Arm C über B konnte nicht gezeigt werden (p=0.1187)

 

Zu 2.:

Explorative Analysen: Arm A und C sind Arm B signifikant überlegen (Arm C vs. B: ∆PC = −0.0436; 95% KI :−0.0781,−0.0091; p= 0.0137; Arm A vs. Arm B: ∆PC = −0.0538; 95%-KI: −0.0910,−0.0166;p= 0.005)

 

Zusammenfassung der Autoren: The multimodal CRF-therapy was found to be confirmatively non-inferior to standard therapy and even yielded exploratively sustained superiority.”

Erhebung und Einstufung durch CTCAE

 

Insgesamt 115 Ereignisse, davon 87 TESS, davon wurden 5 der Intervention zugeordnet (Rückenschmerzen in jedem Arm, Schwindel während Eurythmie und erhöhte Erschöpfung aufgrund von Schlafrestriktionen/Kontrolle in Arm A); vermehrt moderate/schwere Nebenwirkungen in Arm C (47/15%) im Vergleich zu A (13/6%) und B (27/9%); Insgesamt traten Vorfälle aber sehr selten (<0.01%) bis selten auf (0.01%-0.1%). Ausgenommen Schmerz, was gelegentlich auftrat (0.1%-1%)

Laut Angabe keine COI

 

„The study was funded by Mahle Stiftung, Stuttgart, Germany, Christophorus Stiftung, Stuttgart, Germany, Dr. Hauschka Stiftung, Bad Boll/Eckwälden, Germany, Gyllenberg Foundation, Helsinki, Finland, Stiftung Helixor, Rosenfeld, Germany. The study sponsors had no involvement in the study design, collection, analysis or interpretation of data. MK and RZ received financial support by Humanus Institute, Berlin, Germany.”

PRO:
Ethikvotum vorhanden.

 

Intention-To-Treat Analyse

 

Gruppenvergleichbarkeit bezüglich demographischer Variablen und klinischer Variablen

 

Detaillierte Beschreibung der multimodalen Therapie

 

Angabe der Validität und Reliabilität der Messinstrumente (CSF-D)

 

Adäquates Analysevorgehen zur Vermeidung des Alpha-Fehlers

 

Poweranalyse durchgeführt, welche erfüllt wurde

 

Einbezug ob randomisiert oder frei gewählt als Faktor in Analyse und zusätzlich Einführung eines Propensity Scores

 

Insgesamt sehr detaillierte und adäquate statistische Analyse

 

CONTRA:
Hoher Drop-Out (ca. 20%) bis zum Ende der Intervention

 

Keine komplette Randomisierung, sondern teilweise randomisiert und teilweise eigene Entscheidung der Probanden

 

Ungleichverteilung der Gruppen

 

In Arm B Probanden kleiner als in A und C; in Arm A geringere Angstwerte, geringere Rehabilitation und „Andere Krankheiten“ im Vgl. zu Arm B und C zu T0

 

Geringe Adherence für Arm B Aerobik Zuhause (67%)

 

Zweiseitige Testung, trotz gerichteter Hypothese

2b

Kröz (2017): In der Studie wurde der Einfluss von multimodaler Therapie (Verhaltenstherapie: Psycho-und Schlafedukation, Eurythmie-Therapie, Maltherapie), Areobiktraining und einer Kombination aus multimodaler Therapie und Aerobik auf die Verminderung von Erschöpfung/ Müdigkeit bei 126 Brustkrebsüberlebenden nach 10 Wochen Intervention, als auch nach 6 Monaten als Follow-Up untersucht.

Die Analyse nach 10 Wochen zeigte, dass die multimodale Therapie dem Aerobiktraining nicht unterlegen ist. Es konnte allerdings keine Überlegenheit der Kombinationstherapie zum Areobiktraining nachgewiesen werden. Eine Analyse nach 6 Monaten zeigt hingegen eine Überlegenheit der multimodalen Therapie und der Kombinationstherapie gegenüber des Aerobiktrainings in der Reduzierung der Müdigkeit/ Erschöpfung bzw. Besserung der Schlafqualität. Die Studie zeichnet sich durch eine vielseitige und detailliert beschriebene Analyse aus, deren Verständnis leider unter einer etwas sprunghaften Berichterstattung leidet. Trotzdem haben die Autoren viel Mühe investiert und für die verschiedensten Faktoren kontrolliert, u.a. ob die Probanden randomisiert wurden oder die Gruppe selbst gewählt haben. Es ist allerdings anzumerken, dass die Analysen nach 6 Monaten aller explorativer Natur sind, dies bedeutet, sie stützen sich nicht auf vorher formulierte Hypothesen. Es ist zudem anzumerken, dass mehr mittelschwere bis schwere Verletzungen bzw. Vorfälle in der Kombinationstherapie auftraten, die Autoren diskutieren dies als Resultat von erhöhter Anstrengung bzw. physischer Erschöpfung in dieser Gruppe.

Poier et. al. (2019)

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Poier (2019): Influence of a Multimodal and Multimodal-Aerobic Therapy Concept on Health-Related Quality of Life in Breast Cancer Survivors. Integrative cancer therapies.

Ref.ID: 811

Anmerkung: Gleiche Studie/ Stichprobe wie bei Kröz 2017

 

Explorative Analysen

 

Prospektiv

 

Multizentrisch

 

Offen

 

Teil-randomisiert

 

3 Arme

Eingeschlossen/ Ausgewertet s.o.

 

Land, Zeitraum s.o.

 

 

s.o.

Arm A:

N= 44

Multimodale Therapie (Verhaltenstherapie: Psycho-und Schlafedukation, Eurythmie, Maltherapie)

Dauer/Intensität etc. s.o.

 

Arm B:

N= 28
Aerobik (Kontrollgruppe), Dauer/Intensität etc. s.o.

 

Arm C:

N=54

Multimodale Therapie + Aerobik, Dauer/Intensität etc. s.o.

 

T0: Baseline

T1: nach 10 Wochen Intervention

T2: nach 6 Monaten

 

Primärer Endpunkt:

1. HRQoL mit EORTC QLQ-C30

 

2. Patienten Erwartungen

Zu 1. Überlegenheit von Arm C gegenüber Arm B in der Verbesserung von physischer Funktion zu T1 (p=0.007); keine Überlegenheit auf anderen Skalen;
Arm A überlegen zu Arm B zu T1 und T2 für physische Funktion, emotionale Funktion, Schlafstörungen und finanzielle Probleme, sowie Rollenfunktion, kognitive und soziale Funktion und Fatigue zu T2 (alle p’s<0.05)

 

2. Keine Unterschiede zwischen den Gruppen

 

Zusammenfassung der Autoren: „ A combined therapy approach with a multimodal concept and aerobic training was superior compared with aerobic training only in improving physical functioning in breast cancer survivors with a chronic CRF, while for some rele-vant dimensions of patients’ HRQOL, especially insomnia and fatigue, a significant superiority of the multimodal approach over aerobic training alone was found.”

Keine Angabe zu NW/WW, s.o. für Endpunkt Nebenwirkungen/Wechselwirkungen

Laut Angabe keine COI

 

„ The author(s) disclosed receipt of the following financial support for the research, authorship, and/or publication of this article: The study was funded by Mahle Stiftung, Stuttgart, Germany; Christophorus Stiftung, Stuttgart, Germany; Dr Hauschka Stiftung, Bad Holt/Eckwäldern, Germany; Gyllenberg Foundation, Helsinki, Finland; and Stiftung Helixor, Rosenfeld, Germany. The study sponsors had no involvement in the study design, collection, analy-sis, or interpretation of data. MK received financial support from Software AG Stiftung, Darmstadt, Germany. MK and RZ received financial support from Humanus Institute, Berlin, Germany.”

PRO:
Gruppenvergleichbarkeit bezüglich demographischer Variablen und klinischer Variablen

 

Kontrolle für freie Wahl der Gruppe oder Randomisierung, auch mit Propensity Scores

 

Intention-To-Treat Analyse

 

Detaillierte Beschreibung der multimodalen Therapie

 

Übersichtliche Darstellung der Ergebnisse

 

CONTRA:
Hoher Drop-Out und Signifikante Unterschiede zwischen Gruppen für Drop-Out (keine genaueren Analysen durchgeführt)

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

 

Für Weiteres s.o.

 

Poier (2018): In dieser Studie wurden ausgehend von den Daten der Kröz Studie von 2017 Daten zum Endpunkt gesundheitsbezogene Lebensqualität veröffentlicht. Hierbei zeigte sich, dass der kombinierte Ansatz dem reinen Aerobikansatz nur bezüglich der Verbesserung körperlicher Funktionalität nach 10 Wochen Intervention überlegen war. Wohingegen der multimodale Ansatz dem Aerobikansatz in den verschiedensten Bereichen überlegen war, insbesondere in der Besserung der Müdigkeit/ Erschöpfung sowie Schlafstörungen nach 10 Wochen und auch 6 Monaten bzw. nur nach 6 Monaten. Damit kann geschlussfolgert werden, dass der multimodale Ansatz einen positiven Nutzen zeigt gegenüber Aerobik, durch diesen aber nicht weiter verstärkt wird. Die Studie verzeichnet einen hohen Drop-Out und berichtet auch von bedeutsamen Unterschieden zwischen der Anzahl der Drop-Outs. So ist ein erhöhter Drop-Out in der Aerobikgruppe zu verzeichnen, die Autoren berichten, dass dies aufgrund der fehlenden Wirkung oder hohen Anstrengung passiert sein könnte. 

Heusser et. al. (2006)

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Heusser (2006): Palliative In-Patient Cancer Treatment in an Anthropo-sophic Hospital: II. Quality of Life during and afterStationary Treatment, and Subjective Treatment Benefits. Forschende Komplementarmedizin (2006).

Ref.ID: 812

Prospektiv

 

Einarmige Studie

 

Offen

 

Monozentrisch

 

Teil 2

 

Eingeschlossen: 144

Ausgewertet: zu T1 115, zu T2 77

Attrition: zu T1 logistische Gründe (14), physischer Status, Verweigerung oder verstorben (jeweils 5); zu T2 verstorben (41), physischer Status (12), Verweigerung (8), logistische Gründe (3), unbekannt (2), Studienabschluss (1)

 

Land: Deutschland/ Schweiz, Zeitraum: Mai 1995 – Mai 1998

 

Probanden aus Registrierungsstudie: Alle die zwischen Mai1995 und 1997 die Lukasklinik oder das Institut für Onkologie (IMO) der Universitätsklinik in Bern konsultierten und die Einschlusskriterien erfüllten

 

1. Teil der Studie: Heusser et al., 2006 “Palliative in-patientcancer treatment in an anthroposophic hospital: I.Treatment patterns before, during and after hospi-talization and subsequent treatment compliancewith anthroposophic medicine.”

Aus Studie von Heusser 2006 1. Teil

Fortgeschrittener Epithelkrebs (Brust, Gastrointestinaler Trakt, Pankreas, Darm und Rektum, Lunge, Genitalbereich, Unbekannt), Metastaten 0 - ≥ 3

 

Alter (Mittelwert, [Range]): Weiblich (87.5%): 56.5 (33-86) Jahre, männlich: 54.5 (35-73) Jahre

 

 

Aus Studie von Heusser 2006 1. Teil

Anthroposophische Therapie:

“[…] medicinal substances from the mineral, plant and animal kingdoms, art therapy, exposure to colored light, modeling, music and speech therapy, and therapeutic eurythmy, a movement therapy tailored to the enhancement of harmonious interactions between the functions of body, soul and spirit. Also, emphasis is put on a close carer-patient relationship to support the patients’ coping efforts with the disease. Conventional therapeutic procedures are used as well, for AM is not meant to be an alternative to conventional medicine but an extension or a complementation there of.”, realisiert durch Aufenthalt in Lukas Klinik (LK), Arlesheim, Schweiz

T0: Baseline

T1: Entlassung

T2: nach 4 Monaten

 

Primärer Endpunkt:

1. QoL mit Subskalen von ORTC QLQ-C30, HADS und SELT-M

 

2. subjektiver Nutzen per Telefon zu T2 (2 Fragen)

 

Dauer des Aufenthalts in Klinik: Median: 22.0; Mittelwert: 22.7; 1. Quartil: 18; 3. Quartil: 25; Range: 7–85 Tage

Zu 1.

Zu T1: Signifikante Verbesserung auf 12 von 20 Skalen: globaler Gesundheitszustand/ QoL (p=0.000), physische Skalen: physisches Wohlbefinden (p=0.000), Fatigue (p= 0.000), Schmerz (p=0.000), Appetitlosigkeit (p=0.001), Emotionale Skalen: Emotionale Funktion (p=0.000), Stimmung (p=0.000), Angst (p=0.000), Depression (p=0.000), Kognitiv/spirituell: kognitive Funktion (p=0.000), kognitiv/spirituelle QoL (p=0.000), sozial: soziale Funktion (p=0.000)

 

Zu T2:

Globaler Gesundheitszustand/ QoL (p=0.000), 4 von 11 physischen Skalen (physisches Wohlbefinden [p=0.013], Fatigue [p=0.005], Schmerz [p=0.012], Appetitlosigkeit [p= 0.035]), 3 von 4 emotionalen Skalen (Emotionale Funktion [p=0.00], Stimmung [p=0.00], Angst [p=0.028], keine kognitiv/Spirituelle), 1 von 2 sozialen Skalen (soziale Funktion [p=0.02])

 

Subgruppenanalyse: Patienten mit konventioneller Krebstherapie 4 Wochen vor Studienbeginn zeigten Besserung in allen Skalen von QoL; wenn letzte toxische konventionelle Krebstherapie mehr als 4 Wochen her dann Besserung auf allen emotionalen und kognitiv/spirituellen Skalen und globaler Gesundheitsstatus/QoL aber nur in 2 physischen Skalen; kein Einfluss des Performanz Status auf Anzahl der verbesserten Skalen (auch wenn sich die Skalen unterschieden)

 

Zu 2.

In 7 von 8 Kategorien positiv gegenüber Lukasklinik und 4 von 6 für konventionelle Therapie

 

Zusammenfassungder Autoren: „On the whole, this study provides good descriptive evidence that palliative in-patient cancer treatment in an anthroposophic hospital can result in significant and partially longer lasting improvements in all clinically relevant QoL domains.”

Keine Angabe zu NW/WW

Keine Angabe zu COI

 

„Part of Swiss National Science Foundation Program NFP 34, Nr. 4034-35886”

PRO:

Einbezug von Faktoren wie Tumorart, Performanz-Status, vorherige Behandlung

 

Korrektur für multiples Testen

 

CONTRA:

Fehlende Angaben zur Stichprobe, Interventionen, Ablauf, welche in einer anderen Studie nachgeschaut werden müssen Artikel ist in sich nicht geschlossen also unvollständig

 

Offen – Performance Bias ist möglich

 

Keine Kontrollgruppe

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

 

Einfluss der Wahl des Krankenhauses führt zu spezifischer Stichprobe mit gewissen Erwartungen und Vorwissen

 

 

2b

Heusser (2006): In dieser Studie wurden die Daten aus einer vorherigen Studie verwendet. Hierbei wurde der Effekt von anthroposophischer Therapie auf die Lebensqualität untersucht. Die PatientInnen litten alle an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung und waren im Schnitt 22 Tage in der Lukas Klinik in der Schweiz. Hierbei wurden verschiedene Therapieansätze realisiert (zB. natürliche Produktgabe, Kunsttherapie, Bestrahlung mit buntem Licht, Musik-und Sprachtherapie, Eurythmie-Therapie). Die zum größten Teil weiblichen Teilnehmer zeigten nach der Entlassung bedeutsame Verbesserung auf den meisten Skalen zur Erfassung der Lebensqualität, unter anderem auf den Skalen Schmerz, Müdigkeit/ Erschöpfung, Angst und Depression. Nach 4 Monaten waren nicht mehr alle Veränderungen bedeutsam, aber es zeigten sich noch Effekte für den globalen Gesundheitszustand/allgemeine Lebensqualität, Schmerz, Müdigkeit/ Erschöpfung und andere. Die Therapie wurde von den ProbandInnen überwiegend positiv bewertet. Insgesamt gibt diese Studie Hinweis auf einen positiven Einfluss einer ganzheitlichen anthroposophischen Therapie. Ohne eine Kontrollgruppe und aufgrund des Wissens der PatientInnen über die Ziele der Therapie kann die Besserung der Lebensqualität allerdings nicht eindeutig auf die Therapie zurückgeführt werden. Es ist auch kritisch zu betrachten, dass sich die Stichprobe in dieser Studie bewusst für ein Krankenhaus mit dieser anthroposophischen Therapie entschieden hat, wodurch ein gewisses Vorwissen und Einstellung bezüglich der Therapie vorausgesetzt werden kann. Aufgrund des Fehlens wichtiger Informationen, welche in einer anderen Studie aufgelistet werden, kann diese Studie nicht allein stehend betrachtet und verstanden werden.

Carlsson et. al. (2001, 2004, 2006)

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Carlsson (2001):

Perceived Quality of Life and Coping for Swedish Women with Breast Cancer who choose Complementary Medicine. Cancer nursing.

Ref.ID: 816

 

Carlsson (2004): Evaluation of Quality of Life/Life Satisfaction in Womenwith Breast Cancer in Complementary and ConventionalCare. Acta oncologica.

Ref.ID: 815

 

Carlsson (2006): A Five-year Follow-up of Quality of Life in Women with Breast Cancer in Anthroposophic and Conventional Care. Evidence-based complementary and alternative medicine: eCAM.

Ref.ID: 820

Prospektiv

 

Monozentrisch

 

Offen

 

Nicht randomisiert

 

2 Arme

 

Eingeschlossen: N=120 (60 Paare)

Ausgewertet Studie 2004: N=88 (36 Paare)

Studie 2006: N=44 (13 Paare)

 

Attrition: Arm A N=8 (2x Krankheitsfortschreiten, 3x Ablehnung weiterer Teilnahme, 1x kein Fragebogen, 2x keine Antwort für Follow-Up); Arm B N=4 (3x Krankheitsfortschreiten, 1x Unzufriedenheit mit Krankenhauspersonal) + Verstorben Arm A N=11, Arm B N= 9;
zum Follow-Up Arm A: N=3 der Attrition verstorben, Arm B N=4 (keine Antwort auf Follow-Up)

 

Land: Schweden, Zeitraum: November 1995 – Januar 1999

Mammakarzinom, fortgeschritten und begrenzt

 

In Behandlung + nicht in Behandlung (RTx, CTx, endokrinologische Therapie)

 

Geschlecht: 100% weiblich

 

Alter (Mittelwert [± SD]): Arm A: 49.35 (9.3), Arm B: 49.05 (8.5)

Arm A:

N=60

Anthroposophische Therapie (Natürliche Produkte, Iscador [Mistel], Diät, Kunsttherapie, eurythmische Therapie, therapeutische Massage, Hydrotherapie)

Durchschnittlicher Aufenthalt: 14.3 Tage (Range: 5-29)

 

Arm B:
N=60

Konventionelle Therapie

 

Carlsson 2004:

Gesamtdauer: 1 Jahr

 

Carlsson 2006:

Follow-Up nach 5 Jahren

T0: Baseline

T1: nach 1 Monat

T2: nach 3 Monaten

T3: nach 6 Monaten

T4: nach 1 Jahr

Carlsson 2006:

T5: nach 5 Jahren

 

Primäre Endpunkte:

1. Lebensqualität/ Zufriedenheit mit EORTC QLQ-C30 und LSQ (Carlsson et al., 2001) zu T0

 

2. Bewältigung mit MAC (Carlsson et al., 2001) zu T0

 

3. Lebensqualität/ Zufriedenheit mit EORTC QLQ-C30 und LSQ, (Carlsson et al., 2004) zu T1, T2, T3, T4

 

Follow-Up: 4. Überleben nach 5 Jahren (Carlsson 2006)

 

5. Lebensqualität/ Zufriedenheit mit EORTC QLQ-C30 und LSQ zu T4 und T5

 

6. Zusammenhang Prognose und Überleben

Studie Carlsson 2001:

Zu 1.: Arm A zu Beginn der Studie signifikant schlechtere Werte in Emotionale Funktion, kognitive Funktion, soziale Funktion, allgemeine QoL, Fatigue und Schmerz (p<0.05; sowie finanzielle Belastung und Rollenfunktion), allerdings hier noch Gesamtstichprobe von N=60 Paaren

 

Zu 2.: In Arm A mehr „Ängstliche Besorgnis“ als in Arm B (p=0.012)

 

Carlsson 2004:

Zu 3.:

T4: Kleine/moderate Effekte (ES) für Arm A im Vergleich zu Arm B für Emotionale Funktion (0.71), kognitive Funktion (0.44), soziale Funktion (0.28), allgemeine QoL (0.49), Fatigue (-0.29), Übelkeit und Erbrechen (0.30), Schmerz (-0.26), Schlafstörungen (-0.38), Appetitlosigkeit (-0.55), Konstipation (-0.25), Diarrhoe (0.29; EORTC QLQ-C30) und physische Symptome (0.47), Krankheitsbedingte Belastung (0.24), Qualität alltäglicher Aktivitäten (0.31), sozioökonomischer Status (0.52; LSQ)

 

Carlsson 2006

Zu 4.:
43% aus Arm A und 52% aus Arm B überlebten, Unterschied nicht signifikant (p=0.132)

 

Zu 5.: (N=13 Paare)

T4: In Arm A positive Veränderung in 4 Skalen des EORTC QLQ-C30 und in 4 Skalen bezüglich Symptomen;
zu T5: keine signifikante Veränderung;

Gruppenunterschiede: Kleine/moderate Effekte in 9 Skalen des EORTC QLQ-C30 (Physische Funktion [-0.30, zugunsten Arm B], Rollenfunktion [0.47], Emotionale Funktion [0.24], Kognitive Funktion [0.22], Übelkeit und Erbrechen [-0.23], Schmerz [-0.48], Dyspnea [0.27, zugunsten Arm B], Appetitlosigkeit [0.27, zugunsten Arm B] und Konstipation [0.22, zugunsten Arm B]), sowie ein kleiner und ein großer Effekt für Soziökonomischer Status (0.28) und Qualität enger Freundschaften (0.88)

 

Zu 6.;

Gute Prognose: 73% noch am Leben zu T4, Schlechte Prognose: 88% Verstorben; Gesamt 79% (82% für Arm A, 77% für Arm B)

 

Zusammenfassung der Autoren:

Carlsson 2001:

“It could be concluded that, due to the careful matchingprocedure in the present study, the women in the two groups,the anthroposophic therapie and the conventional therapie, though comparable from a medical perspective, are not comparable from the perspective ofquality of life and coping. This is important to rememberwhen the results from the controlled clinical study are inter-preted.”

 

Carlsson 2004:

Based on the design with matched procedures according to stage of disease, age, earlier treatment and prognosis and on the methodology used in the present study, it is concluded that the women who had chosen anthroposophic care seemed to have increased their perceived quality of life/life satisfaction, which was not found in the matched group.”

 

Carlsson 2006:

“The women treated with anthroposophic therapy expressed increased quality of life/life satisfaction after 5 years compared with admission to the study. The improvements took place between admission and 1 year but not further on.”

Keine Angabe zu NW/WW

Keine Angabe zu COI in Carlsson 2001 und 2004

 

Carlsson 2006:

COI: “Ursula Flatters is a physician and earlier chief administrator at the anthroposophic hospital where the women in ABCW were recruited and Thomas Hatschek worked earlier as oncologist at the out-patient department where the women in the CBCW were recruited. Maria Arman-Rehnsfeldt and Marie Backman collected the data. Maria Arman-Rehnsfeldthas nursing experience from both anthroposophic and conventional medicine and Marie Backman from conventionalmedicine only. The other two authors have no financial or organisational relationships that could bias the work”

 

Funding:

Carlsson 2001:

„ The main financial support (project leader E. Hamrin) was provided by the Swedish Council of the Planning and Coordination of Research (No:950204:6) and the Swedish Cancer Society (Nos: 3684-B95-01XAB; 3684-B96-02XBB; 3684-B97-03XAA). Financial contributions have also been pro-vided by the Gyllenberg Foundation, Finland, and the Agape Foundation,Sweden.”

 

Carlsson 2004:

“The study was supported by the Swedish Council of Planning and Co-ordination of Research (No. 950204:6), the Swedish Cancer Society (Nos 3684-B95-01XAB; 3684-B96-02XBB; 3684-B97-03XAA), the Gyllenberg Foundation, Finland, and the Agape Foundation, Sweden. Receiver of grants: E. Hamrin.“

 

Carlsson 2006:

“The study was supported by the Swedish Council of Planning and Co-ordination of Research (No: 950204:6), the Swedish Cancer Society (No: 3684-B95-01XAB; 3684-B96-02XBB;No 3684-B97-03XAA), the Gyllenberg Foundation, Finland and the Agape Foundation, Sweden. Receiver of grants: Elisabeth Hamrin.“

Gesamt:

PRO:

Ethikvotum vorhanden.

 

Gematchte Kontrollgruppen (Krebsstadium, Alter, Behandlung in den letzten 3 Monaten, Prognose)

 

Gruppen vergleichbar für die meisten demographischen Variablen

 

CONTRA:
selektive Probandenwahl: Da Krankenhaus mit KAM, statt normalem Krankenhaus – Patienten haben also schon vorher eine Bereitschaft gezeigt

 

Unterschiede zu Beginn im Sinne einer niedrigeren QoL und mehr „ängstliche Besorgnis“ als Bewältigungsstrategie in Arm A mehr Spielraum zur Verbesserung (vor allem da sich genau auf den vorher unterschiedlichen Skalen etwas verändert: Regression zur Mitte) und auch Unterschiede bezüglich der Profession

 

Wenig detaillierte Beschreibung des Therapieablaufs

 

Relativ hoher Drop-Out, insbesondere nach 1 Jahr oder 5 Jahren

 

Carlsson 2001 zu 2004 schwer zusammenzubringen, da 2001 von allen 60 Paaren berichtet wird, während in 2004er Studie nur noch die 36 verbliebenden beschrieben werden; dies bedeutet auch, die Annahme der schlechteren QoL und höheren Angst ist auf Grundlage der 60 Paare, während die Vergleichbarkeit der Ausgangswerte der 36 Paare unklar ist

 

Keine Erfassung anderer KAM Erfahrungen bzw. ob nach der Intervention noch weitere Maßnahmen durchgeführt wurden

 

Carlsson 2004:
CONTRA:

Kein Testung auf Gruppenvergleichbarkeit

 

Keine Angabe von Validitäten der Messinstrumente

 

Nur Darstellung der 36 verbliebenden Paare

 

Es wurden auch Interviews durchgeführt, doch wo sind die Ergebnisse?

 

Carlsson 2006:

CONTRA:
Arm A N= 21 und Arm B N= 23
wie entstehen daraus 13 Paare? Bzw. was ist mit dem Rest? Auf welchen Zahlen beruhen die Berechnungen?

 

2b

Carlsson (2001, 2004, 2006): Die Studien von Carlsson et al. 2001, 2004 und 2006 schließen dieselbe Stichprobe ein, berichten aber unterschiedliche Endpunkte bzw. stellen ein Follow-Up da. In der Studie von 2001 wurden Informationen von 120 Brustkrebspatientinnen verglichen (60 Paare). Diese Studie stellt sozusagen den Baselinevergleich zur Studie von 2004 da. Hierbei wurden Lebensqualität/ Zufriedenheit der ProbandInnen und angewendete Bewältigungsstrategien untersucht (EORTC QLQ-C30, LSQ und MAC). Die Probadinnen befanden sich entweder in einem Krankenhaus, dass zusätzlich noch alternative und komplementäre Medizin anbot, so dass diese über ein Jahr zusätzlich zur Standardbehandlung noch eine anthroposophische Behandlung (bestehend aus Natürliche Produkten, Iscador [Mistel], Diät, Kunsttherapie, eurythmische Therapie, therapeutische Massage, Hydrotherapie) erhielten, während die andere Gruppe nur die Standardbehandlung erhielt. Die beiden Gruppen wurden über wichtige Eigenschaften zueinander abgestimmt, dies bedeutet jeder Proband hat bezüglich der demographischen Variablen einen vergleichbaren Partner. Allerdings zeigte sich in der Werteerhebung in der Studie von 2001, dass die Patientinnen in der Gruppe mit Zusatztherapie zu Beginn eine niedrigere Lebensqualität und höhere Angstwerte aufwiesen als die Gruppe ohne Zusatzbehandlung. Die Studie von 2004 wertete die Daten von 36 Paaren aus. Über die Zeit der Studie verließen nämlich einige Patientinnen die Studie. Es zeigten sich nach einem Jahr kleine bis mittelstarke Effekte mit einer Überlegenheit der Gruppe mit anthroposophischer Therapie über die Standardbehandlungsgruppe in den Bereichen Emotionale Funktion, kognitive Funktion, soziale Funktion, allgemeine Lebensqualität, Müdigkeit/ Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen, Schmerz, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konstipation, Diarrhoe, physische Symptome, Krankheitsbedingte Belastung, Qualität alltäglicher Aktivitäten und sozioökonomischer Status.
In der Follow-Up Studie von 2006 wurde erneut die Lebenszufriedenheit von den verbliebenen 13 Paaren erhoben. Hierbei zeigten sich immer noch positive Veränderungen in der Gruppe mit Zusatztherapie im Vergleich zum Beginn der Studie. Allerdings traten die Veränderungen in dem ersten Jahr auf und kaum noch Veränderungen in den folgenden Jahren. Zwischen den beiden Gruppen zeigten sich auch keine Unterschiede bezüglich der Überlebensraten.

Insgesamt ist kritisch zu betrachten, dass die Patienten mit Zusatztherapie sich vorher bewusst für diese Art von Krankenhaus entschieden haben, also schon von ihrer Einstellung gegenüber KAM und vielleicht auch dem Glauben an dessen Wirkung nicht mit der anderen Gruppe vergleichbar sind. Zusätzlich ist der anfängliche Unterschied zwischen den Gruppen bezüglich der Lebensqualität und auch Angstwerten als äußerst zu betrachten, da die Interventionsgruppe mehr Raum zur Veränderung hatte und auch natürliche Verbesserungsprozesse nicht ausgeschlossen werden können. Es ist insbesondere anzumerken, dass die meisten Skalen welche nach einem Jahr Verbesserungen aufweisen (Studie von 2004), genau die gleichen Skalen sind, welche zu Beginn der Studie in der Gruppe mit Zusatztherapie signifikant schlechter gewertet wurden im Vergleich zur anderen Gruppe (Studie 2001). Die Veränderung bzw. Besserung der Lebensqualität und Symptome kann also auf einen zuvor niedrigeren Wert zurückgeführt werden.

Bar-Sela et. al. (2007)

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Bar-Sela (2007): Art therapy improved depression and influenced fatiguelevels in cancer patients on chemotherapy. Psycho-oncology.

Ref.ID: 814

Prospektiv

 

Monozentrisch

 

Offen

 

Nicht randomisiert

 

2 Arme

 

Eingeschlossen: 60

Ausgewertet: 60

 

Israel, Zeitraum: August 2003 – August 2004

Gemischte Krebsdiagnosen

 

CTx, RTx, Follow-Up

 

Geschlecht: Arm A: 4, Arm B: 9 männlich

 

Alter (Median[ Range]): 55 (25 – 72) Jahre

 

 

Arm A:

N=19

Kunsttherapie: Mit Wasserfarben malen 1x pro Woche

Insgesamt ≥ 4 Sitzungen, Dauer zwischen ein paar Minuten bis mehr als eine Stunde

 

Arm B:

N=41

Kontrollgruppe wenn ≤ 2 Sitzungen teilgenommen

 

 

Primäre Endpunkte:

1. Depression und Angst (HADS)

 

2. Fatigue (BFI)

 

Zu 1. Depression signifikant verbessert nach der 4. Sitzung (p=0.021), keine Veränderung für Angstwerte

 

2. Keine signifikante Veränderung

 

Zusammenfassung der Autoren: „The improvements in depression scores and, to alesser degree, in fatigue scores following anthro-posophical art therapy intervention for cancerpatients during chemotherapy treatment met thebelief of many health care providers that arttherapy can support the treatment of cancerpatients.”

Keine Angabe zu NW/WW

Keine Angabe zu COI

PRO:

Ethikvotum vorhanden.

 

Gruppenvergleichbarkeit für Angst und Depressionswerte

 

CONTRA:
Wenn nicht an genug Sitzungen teilgenommen, dann in Kontrollgruppe
Motivationseffekte?

 

Keine Angabe der Krebsstadien der PatientInnen

 

Tendenziell höhere BFI Werte in Arm B zu Beginn – Grund für geringe Teilnahme an Sitzungen?

 

Keine Gruppenvergleiche durchgeführt

 

Placeboeffekte nicht ausgeschlossen

 

Keine echte Vergleichsgruppe, da Zeiteffekte nicht berücksichtigt werden

 

Kaum demographische Angaben und keine Angaben ob diese zwischen den Gruppen vergleichbar waren

 

Keine Angabe inwiefern die Art der Behandlung eine Rolle spielt bzw. Krebsstadium – vielleicht waren Menschen gesünder in der Interventionsgruppe

 

2b

Bar-Sela (2007): In dieser offenen Pilot-Studie wurden 60 PatientInnen eingeschlossen, welche sich in den verschiedensten Phasen ihrer Krebsbehandlung befanden (Radiotherapie, Chemotherapie oder Nachsorge). Untersucht wurde der Einfluss von Kunsttherapie (Malen mit Wasserfarben) auf Depression, Angst und Müdigkeit/ Erschöpfung. Dabei war die Teilnahme an den Sitzungen völlig freiwillig, so dass die Patienten alle an unterschiedlich vielen Sitzungen teilnahmen. PatientInnen die an mehr als 4 Sitzungen teilgenommen haben wurden in die Interventionsgruppe eingeteilt und Probanden mit weniger Sitzungen in die Kontrollgruppe. Es zeigten sich Verringerungen der Depressionswerte für die Patienten mit mehr als 4 Sitzungen, während keine Veränderungen in den Angstwerten oder Müdigkeits-/Erschöpfungswerten gefunden wurden. Es wurden keine Gruppenvergleiche durchgeführt, womit eine bedeutsame Wirkung der Kunsttherapie nicht bestätigt werden kann. Die Tatsache dass PatientInnen in die Kontrollgruppe kamen, wenn sie an weniger Sitzungen teilgenommen haben führt zu der Vermutung, dass Motivationseffekte eine große Rolle spielen. Insbesondere da diese PatientInnen schon von Anfang an höhere Müdigkeitswerte gezeigt hatten. Auch der Einfluss der aktuellen Krebsbehandlung oder dem Krebsstadium wird in den Analysen nicht berücksichtigt, müssen aber in der Interpretation berücksichtigt werden. Insgesamt sind die Ergebnisse eher ein Anfang einer Forschungsreihe als, dass sie als festes vertrauenswürdiges Ergebnis betrachtet werden können. 

Simões-Wüst et. al. (2015)

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Simões-Wüst (2015): Sleep Quality Improves During Treatment With Bryophyllum pinnatum: An Observational Study on Cancer Patients. Integrative cancer therapies.

Ref.ID: 813

Prospektiv

 

Einarmige Studie

 

Offen

 

Monozentrisch

 

Eingeschlossen: 28

Ausgewertet: 20

Attrition: 8x (4x Therapie abgebrochen, 2x keine Zeit, 1x unbekannt, 1x nicht alle Fragen beantwortet)

 

Land: Schweiz, Zeitraum: Februar 2013 – März 2014

Gemischte Krebsdiagnosen (von kopletter Remission – Progression)

 

(Post.) Op, (Post-) RTx. (Post-) CTx, (Post-) HTx, (Post-) Misteltherapie, Post-Hyperthermie

 

Geschlecht: 17/20 weiblich

 

Alter (Mittelwerte [± SD]): 61 (± 10.4) Jahre

Bryophyllum pinnatum (Flavonoidglykoside+ geringe Mengen von Bufadienolide) 350 mg Tabletten (entsprechen 50% ausgepresstem Blattsaft bzw. 175mg frische Pflanze), 2x morgens und 2x abends

 

Dauer: 3 Wochen

T0: Baseline

T1: nach 3 Wochen

 

Primärer Endpunkt:

1. Schlafqualität mit PSQI (0-21, hohe Werte = negativ)

 

2. tägliche Müdigkeit mit ESS

 

3. Fatigue mit FSS

Mittelwerte ± SD von T0 zu T1

 

Zu 1.

Senkung von 12.2 ± 3.62 zu 9.1 ± 3.61 (p = 0.02) im Gesamtscore, Subskalen: subjektive Schlafqualität (1.7 ± 0.67 vs. 1.1 ± 0.79; p = 0.008), Schlaflatenz (2.6 ± 0.71 vs. 2.1 ± 0.75; p = 0.024), habituelle Schlafeffizienz (1.9 ± 1.02 vs. 1.4 ± 1.04; p = 0.045), Schlafstörung (1.7 ± 0.59 vs. 1.4 ± 0.59; p = 0.014), Reduzierung in der Nutzung von Schlafmedikation (1.3 ± 1.41 vs. 0.45 ± 1.10; p = 0.035)

 

Zu 2.

Veränderung von 8.4 ± 3.18 zu 7.1 ± 3.98 (p = 0.048)

 

Zu 3.

keine Veränderung (36.6 ± 11.75 zu T0 vs. 36.2 ± 12.56 zu T2; p = 0.802)

 

Zusammenfassung der Autoren: „ The present work shows that the sleep quality of cancer patients significantly improved under treatment with B pin-natum and that this medication was well tolerated in this clinical context. The significant and additionally observed favorable effect of B pinnatum on daytime sleepiness may be associated with the improvement in sleep quality and turned out to be independent of fatigue, which did not change during the study. No serious adverse event occurred during treatment.“

Insgesamt 6 Vorfälle: Fatigue N = 3, trockener Hals N = 1, Agitation N = 1, Schwierige Verdauung N = 1 möglicherweise assoziiert mit der Intervention

„The author(s) declared the following potential conflicts of interest with respect to the research, authorship, and/or publication of this article: Ana Paula Simões-Wüst and Ursula von Mandach received over the last 5 years occasional research funds from the Weleda AG, the producer of Bryophyllum pinnatum preparations.”

 

“The author(s) disclosed receipt of the following financial support for the research, authorship, and/or publication of this article: Financial support by the Johannes Kreyenbühl Foundation and by Weleda AG.”

PRO:

Ethikvotum vorhanden.

 

Testung auf Normalverteilung der Daten

 

Übersichtliche Darstellung der Ergebnisse

 

CONTRA:

Kleine Stichprobe – wird erklärt durch sehr langsame Rekrutierung

 

16 Probanden während Studie in Misteltherapie

 

Offen – Performance Bias ist möglich

 

Keine Kontrollgruppe

 

Hohe Heterogenität der Stichprobe

 

Hohe Anzahl von Komorbiditäten – kein Einbezug des Einflusses dieser in Analysen

4

Simões-Wüst (2015): In dieser Studie wurde der Einfluss von Bryophyllum pinnatum auf die Schlafqualität, die tägliche Müdigkeit und Erschöpfung/Müdigkeit bei 20 KrebspatientInnen über 3 Wochen untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der Schlafqualität insgesamt und eine Verringerung der täglichen Müdigkeit. Bemerkenswert ist auch eine bedeutsame Verminderung der Nutzung von Schlafmedikation, sowie Schlafstörungen durch die Einnahme von Bryophyllum pinnatum. Allerdings konnte keine Veränderung bezüglich der allgemeinen Müdigkeit/Erschöpfung festgestellt werden. Insgesamt liefert die Studie vielversprechende Ergebnisse, aufgrund des Fehlens einer Vergleichsgruppe und möglichen Verzerrungen durch die PatientInnen aufgrund des Wissens über die Intervention kann allerdings kein eindeutiger Rückschluss des Effektes auf Bryophyllum pinnatum gemacht werden. Auch ist die Stichprobe sehr klein und 16 der PatientInnen waren zum Zeitpunkt der Studie zusätzlich in Misteltherapie. Es zeigten sich zudem 6 Vorfälle mit erhöhter Müdigkeit, trockenem Hals und Verdauungsproblemen, welche möglicherweise auf die Intervention zurückzuführen sind.

Frass et. al. (2015)

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Nebenwirkungen (NW)/WW

Finanzierung

methodische Bemerkungen/

Evidenzklasse (Oxford)

Frass (2015).

Influence of adjunctive classical homeopathy on global health status and subjective wellbeing in cancer patients - A pragmatic randomized controlled trial Complementary Therapies in Medicine.

Ref.ID: 16

 

Prospektiv

Mono-zentrisch

offen,

randomisiert,

2 Arme,

Eingeschlossen: N = 410 ,

Ausgewertet:

N = 373,

Österreich, 12.08-07.10

 

Mammakarzinom, hämatolog. Karzinom, gastrointestinales Karzinom, Bronchialkarzinom u.a.

III-IV, 24.4%

mit Metastasen

65.6% weiblich

Alter:

Mittelwert (SD) = 56.7 (11.9)

CTX (49.1%)

RTX (15.5%)

Arm A:

N = 194

CTX/RTX + individuelle homöopathische Behandlung mit Globulis und Dilutionen (am häufigsten Phosphor N=133),

oral

steigende Q-Potenz ab Q1 + zusätzlich C- und LM-Potenzen

täglich

Dauer: kA

Arm (B):

N = 179

CTX/RTX

 

Primärer Endpunkt:

1. Globaler Gesundheitszustand

(EORTC QLQ-C30: Baseline, Monat 2, Monat 4)

2. Subj, Wohlbefinden (VAS, Baseline, Monat 2, Monat 4)

Sekundäre Endpunkte

3. Toxizität CTX/RTX (EORTC QLQ-C30: Funktions- und Symptomskalen)

 

Zu 1. (MW Veränderung letztes Follow-Up - Baseline, [95% KI])

B: 7.7 [2.3, 13.0]; p = 0.005

A sign. positiverer Verlauf als B

Zu 2. (MW Veränderung letztes Follow-Up- Baseline, [95% KI])

14.7 [8.5, 21.0]; p 

A sign. positiverer Verlauf als B

Zu 3.  (MW Veränderung letztes Follow-Up- Baseline A vs. B, [95% KI]

Funktionsskalen (je höher, desto mehr QoL)

Körperliche Leistung

A: sign. besser vs. B sign. schlechter

13.5 [8.6, 18.4];

p < 0.001

Berufliche Leistung

in A sign. mehr Verbesserung als in B

8.6 [0.4, 16.9];

p = 0.040

Kognitive Leistung

A: sign. besser vs. B. keine Veränderung

13.7 [7.7, 19.7];

p < 0.001

Soziales Eingebundensein

A: sign. besser vs. B. keine Veränderung

13.6 [6.7, 20.4];

p < 0.001

Emotionalität

A: sign. besser vs. B. keine Veränderung

14.3 [8.0, 20.7];

p < 0.001

Symptomskalen (je niedriger, desto mehr QoL)

Fatigue

A: sign. besser vs. B. keine Veränderung

−18.6 [−24.7, −12.4];

p < 0.001

Schmerzen

A: sign. besser vs. B sign. schlechter

−17.0 [−23.8, −10.1 ];

p<0.001

Dyspnoe

A: sign. besser vs. B.

−11.9 [−19.6, −4.3]; p=0.002

Schlaflosigkeit

A sign. besser als B

−8.2 [−15.6, −0.9]; p=0.029

Appetitlosigkeit

A: sign. besser vs. B sign. schlechter

−9.9 [−17.1, −2.7]; p=0.007

Obstipation, Übelkeit und Erbrechen, Diarrhö: ns

Finanz. Schwierigkeiten

kA

Schlussfolgerung der Autoren:

Results suggest that the global health status and subjective wellbeing of cancer patients improve significantly when adjunct classical homeopathic treatment is administered in addition to conventional therapy.

Laut Angabe keine NW

 

Laut Angabe keine CoI

 

PRO

Ethikvotum

Große Stichprobe

CONTRA

Keine Placebo- oder aktive Kontrollgruppe und keine Verblindung

deskriptive Unterschiede bezüglich Alter (Arm A: 55.4 ± 12.5 vs. Arm B: 58.1 ± 11.2) und der Anwendung anderer KAM-Methoden (z. B. Misteltherapie)

Keine Angaben zu Baseline-Daten von QoL und subj. Wohlbefinden

Hoher Drop Out

Keine Angabe von Gründen für hohen Dropout (erstes Follow-up: Arm A: 173/210 vs. Arm B: 162/200; zweites Follow-up Arm A: 137/210 vs. Arm B: 145/200); widersprüchliche Angaben zw. Text und Flussdiagramm, welche Patienten ausgewertet wurden: Laut Diagramm nur Pat., die an allen drei Erhebungen dabei (N = 282), laut Text wurden alle Pat, von denen Baseline-Daten vorhanden waren mit Hilfe “Linear imputation models” ausgewertet (N = 373)

Keine Auswertung und Bericht des zweiten Messzeitpunkts

Breite Konfidenzintervalle

2b

Frass (2015). In dieser Studie mit verschiedenen Krebspatienten vorangeschrittener Stadien werden zwei Gruppen im Zeitraum von 4 Monaten miteinander verglichen. Eine Gruppe bekommt neben Chemo- und Radiotherapie eine individuelle homöopathische Behandlung und die andere Gruppe nur Chemo- und Radiotherapie. Die Homöopathie-Gruppe weist einen positiveren Verlauf bezüglich des allgemeinen Gesundheitszustands und des subjektiven Wohlbefindens auf. Zudem weist die Homöopathiegruppe laut dieser Studie eine stärkere Verbesserung im körperlichen, beruflichen, kognitiven, sozialen und emotionalen Bereich und weniger unerwünschte Symptome (d.h. Gefühl der Erschöpfung, Schmerzen, Dyspnoe, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit) auf. Die Methodik der Studie ist sehr schlecht. Es ist unklar, ob sich beiden Gruppen hinsichtlich dieser Aspekte schon zu Beginn unterschieden haben und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die positiven Effekte der Homöopathie-Behandlung nur an der erhöhten Aufmerksamkeit der Homöopathie-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe liegen. Zudem ist unklar, welche Patienten mit in die Auswertung eingeschlossen wurden.

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