Leitlinienprogramm OnkologieKlinische Ernährung in der Onkologie

7. Besondere Ernährungsformen und spezifische Diäten – Klinische Ernährung in der Onkologie

Version 1.0 · Januar 2026 · AWMF 073 - 006OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

7.1 Vegetarische und vegane Ernährung

Die vegetarische Ernährung basiert auf dem Verzicht von Fleisch und Fisch. Stattdessen stehen pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen im Mittelpunkt. Zusätzlich beinhaltet eine vegetarische Ernährung auch den Verzehr von tierischen Produkten, wie Milch, Käse, Joghurt, Honig und Eier. Bei bestimmten Unterformen der vegetarischen Ernährung werden nur ausgewählte tierische Produkte verzehrt, wie zum Beispiel bei Ovo-Lacto-Vegetariern, die Milchprodukte und Eier konsumieren, oder Lacto-Vegetariern, die Milchprodukte und keine Eier verzehren.

Die vegane Ernährung schließt alle tierischen Produkte aus. Veganer konsumieren ausschließlich pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Milch/-produkte, Eier, Honig und Gelatine werden komplett vermieden.

Es wird diskutiert, ob eine vegetarische oder vegane Ernährung einen positiven Einfluss auf den Erkrankungsverlauf bei Patienten mit einer onkologischen Erkrankung hat. Daher stellen sich viele Patienten mit einer onkologischen Erkrankung die Frage, ob eine vegetarische oder vegane Ernährung während der Erkrankung und der Therapie sinnvoll ist.

7.1 · Evidenzbasiertes Statement 2025

Aufgrund mangelnder Evidenz kann keine Empfehlung für oder gegen eine vegetarische oder vegane Ernährung für Patienten mit einer onkologischen Erkrankung während der antitumoralen Therapie gegeben werden.

Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[298]
Evidenztabellen (1)D 1_Vegetarische/vegane Ernährung

Das Statement zur vegetarischen und veganen Ernährung beruht auf der Studie von Sathiaraj et al. (2023) und der Expertenmeinung der Leitliniengruppe. Die systematische Literaturrecherche ergab eine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) zur vegetarischen Ernährung [298]. Studien, die Mischformen und nicht genau definierte Ernährungsformen, wie die sog. „plant-based diet“ (pflanzenbasierte Ernährung) oder multimodale Therapien (Ernährungs-, Sport- und psychoonkologische Interventionen) untersucht haben, wurden in diese Auswertung nicht eingeschlossen, da hier der Verzehr von Fleisch und Fisch erlaubt war und nur in reduzierter Form empfohlen wurde.

In dem RCT von Sathiaraj et al. (2023) wurde die Wirkung einer pflanzenbasierten, proteinreichen Ernährung (Plant-Based High-Protein Diet) auf Fatigue, Muskelkraft gemessen als Handkraft, Body Mass Index (BMI), Körperfett und Muskelmasse untersucht [298]. Dazu wurden 103 Patientinnen mit Brustkrebs unter Chemotherapie eingeschlossen und in zwei Gruppen (Interventions- und Kontrollgruppe) randomisiert. Die Interventionsgruppe erhielt regelmäßige Beratungstermine bei einer Ernährungsfachkraft (wöchentliche Beratungen virtuell/persönlich, davon mind. drei persönliche Termine), die Empfehlung zu einer ausgewogenen und proteinreichen vegetarischen Ernährung (ohne jegliche Arten von Fleisch und Fisch; fünf Portionen Obst und Gemüse täglich; Vollkornprodukte) und einmal pro Tag ein Molkenproteinsupplement. Die Intervention begann nach dem ersten Chemotherapiezyklus und wurde bis 3 Wochen nach dem letzten Chemotherapiezyklus durchgeführt. Die Kontrollgruppe wurde nach der Standardversorgung behandelt. Eine Überweisung an eine Ernährungsfachkraft erfolgte nur im Falle einer Mangelernährung. Den Patientinnen der Kontrollgruppe wurde jedoch der online Zugang zu aufgezeichneten Ernährungssitzungen ermöglicht. Außerdem wurde der Kontrollgruppe empfohlen, keine bestimmten Lebensmittel und Supplemente zu verzehren oder darauf zu verzichten. Die Autoren der Studie fanden eine statistisch signifikante Verbesserung der Fatigue, eine Erhöhung der Muskelmasse sowie eine Reduktion des BMI und des Körperfetts bei Patientinnen in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Es konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Handkraft festgestellt werden. Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass eine Ernährungsumstellung während der Chemotherapie zu einer positiven Veränderung der Fatigue, des BMI und der Körperzusammensetzung führt.

Die Leitliniengruppe kommt zu dem Schluss, dass der vorliegenden Studie die Evidenz noch nicht ausreichend ist, um eine Empfehlung für oder gegen eine vegetarische oder vegane Ernährung geben zu können. Weitere randomisierte kontrollierte Studien, die eine homogene Studienpopulation aufweisen und methodisch gut durchgeführt sind, müssten dafür vorliegen, um hier eine Empfehlung für oder gegen geben zu können.

Klug et al. 2024 weisen in ihrer aktualisierten Stellungnahme zur veganen Ernährung bei Gesunden darauf hin, dass insbesondere bei vulnerablen Gruppen eine sorgfältige Nährstoffplanung und fachkundige Begleitung durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte erforderlich sind [299].

Es ist besonders hervorzuheben, dass für Patienten mit einer onkologischen Erkrankung bei der Durchführung einer vegetarischen oder veganen Ernährung eine gute Planung der Ernährung notwendig ist, um eine adäquate Energie- und Proteinzufuhr sicherzustellen. Außerdem sollte auf eine ausreichende Zufuhr der Mikronährstoffe Vitamin B12, Calcium, Vitamin D, Eisen, Zink, Omega-3-Fettsäuren und Iod geachtet werden.

7.2 Sogenannte Krebsdiäten

7.2 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Diätvorschriften, die die Nahrungsaufnahme bei Patienten mit bestehender oder drohender Mangelernährung einschränken, können schädlich sein und sollen vermieden werden.

Konsens
Starker Konsens

Die Empfehlung zu Diätvorschriften für Patienten mit einer onkologischen Erkrankung beruht auf der Expertenmeinung der Leitliniengruppe.

Es existieren zahlreiche Empfehlungen zu strikten Diätvorschriften im Zusammenhang mit einer onkologischen Erkrankung. Häufig wird dabei postuliert, dass eine Veränderung der Ernährungsweise entweder zur Heilung der Erkrankung beiträgt oder die Wirksamkeit der Tumortherapie verbessern könne. Derartige Versprechen erscheinen für viele Betroffene attraktiv, da sie eigenständig umsetzbar sind und somit das Bedürfnis nach aktivem und selbstbestimmtem Handeln im Umgang mit der Erkrankung ansprechen. Strikte Diätvorschriften schränken die Nahrungsaufnahme jedoch ein und bergen daher das Risiko einer Mangelernährung und eines Gewichtsverlustes bei Patienten mit einer onkologischen Erkrankung. Außerdem können diese Vorschriften zu einer Belastung der Betroffenen im Alltag führen, da deren Einhaltung mit zusätzlichem Stress sowie Ängsten vor der Nahrungsaufnahme verbunden sein kann und damit zu einer spürbaren Einschränkung der Lebensqualität führen können. Da der Energie- und Nährstoffbedarf bei Patienten mit einer onkologischen Erkrankung erhöht ist, ist eine ausreichende Zufuhr von Energie und Nährstoffen wichtig, um einer Mangelernährung vorzubeugen (siehe Kapitel 3.3 Energie- und Nährstoffbedarf). Vor diesem Hintergrund ist eine ausgewogene und individuell angepasste Ernährung von zentraler Bedeutung, um den Körper während der onkologischen Behandlung zu unterstützen und die Lebensqualität zu erhalten.

Die Leitliniengruppe kommt daher zu dem Ergebnis, dass Diäten, die die Aufnahme von Energie oder von bestimmten Makro- und Mikronährstoffen einschränken, schädlich sein können und daher vermieden werden sollen.

7.2.1 Fasten

7.3 · Evidenzbasierte Empfehlung 2025

Es liegen keine ausreichenden Daten aus RCTs zur Wirksamkeit von Fasten (<400kcal/d) unter laufender Tumortherapie bei Patienten mit einer onkologischen Erkrankung vor.
Fasten soll Patienten mit einer onkologischen Erkrankung unter laufender Tumortherapie nicht außerhalb von Studien empfohlen werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Konsens
Literatur
[300] [301] [302]
Evidenztabellen (1)D3_Sogenannte Krebsdiäten: Fasten

Die Empfehlung zum Fasten beruht auf der systematischen Literaturrecherche.

Aufgrund der vielen verschiedenen Arten des Fastens, wurde in der hier vorliegenden Leitlinie als Definition des Fastens eine starke Kalorienrestriktion mit einer maximalen Energieaufnahme von 400 Kilokalorien (kcal) pro Tag festgesetzt. Eine zeitliche Begrenzung des Fastens (Dauer, Wiederholung etc.) wurde hier nicht festgelegt.

In der systematischen Literaturrecherche wurden, unter Berücksichtigung der hier festgelegten Definition des Fastens, zwei RCT identifiziert, die in insgesamt drei Publikationen veröffentlicht wurden [300][301][302]. In diesen Studien wurde in der Interventionsgruppe das Fasten (Short-Term Fasting oder auch fasting-mimicking diet) durchgeführt. Das bedeutet, dass einige Tage vor, während und nach der Chemotherapie gefastet wurde (max. 400 kcal pro Tag).

Bauersfeld et al. (2018) untersuchten in ihrer Studie die Wirkung von Kurzzeitfasten (short-term fasting; STF) auf die Lebensqualität und das Körpergewicht bei Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen (Brustkrebs und Eierstockkrebs) [300]. Die Patientinnen fasteten jeweils 36 Stunden vor und 24 Stunden nach der Chemotherapie. Dabei durften maximal 350 kcal pro Tag verzehrt werden. Hierzu wurden 50 Patientinnen in zwei Gruppen randomisiert. Gruppe A (27 Patientinnen) fastete während der ersten 3 Chemotherapiezyklen und durfte in den zweiten 3 Chemotherapiezyklen ausgewogen essen. Gruppe B (23 Patientinnen) verzehrte während der ersten 3 Chemotherapiezyklen eine ausgewogene Ernährung und fastete während der zweiten 3 Chemotherapiezyklen. In Gruppe A kam es während der Fastenperiode zu einer statistisch signifikanten Verbesserung der Lebensqualität. In Gruppe B kam es während der Fastenperiode zu keiner statistisch signifikanten Veränderung der Lebensqualität. Die Gruppen wurden nicht vergleichend untersucht. In Gruppe A kam es während der Intervention zu einem Gewichtsverlust, in Gruppe B zu einer Gewichtszunahme. Diese Ergebnisse waren nicht signifikant. Weitere untersuchte Endpunkte zeigten keine signifikanten Unterschiede.

Es ist zu beachten, dass die Stichprobe der Studie klein war (50 Patientinnen) und über den Studienverlauf weitere 16 Patientinnen die Teilnahme abgebrochen hatten (Drop-out 32%). Folglich haben insgesamt nur 34 Patientinnen die Studie abgeschlossen. Die Ergebnisse der Studie von Bauersfeld et al. (2018) sind aufgrund des hohen Verzerrungsrisikos (RoB 2.0: high risk of bias) insgesamt mit Vorsicht zu interpretieren.

In der ersten Publikation der DIRECT Studie von De Groot et al. (2020) wurde die Wirkung von Scheinfasten (fasting mimicking diet; FMD) auf die Toxizität, das radiologisch und pathologisch beobachtbare Ansprechen, die Lebensqualität sowie die psychische Belastung bei Patientinnen mit Brustkrebs während der Chemotherapie untersucht [301]. Hierzu wurden 131 Patientinnen in zwei Gruppen randomisiert. 66 Patientinnen wurden der Interventionsgruppe, 65 Patientinnen der Kontrollgruppe zugeteilt. Die Interventionsgruppe führte während der acht Chemotherapiezyklen das sog. Scheinfasten durch. Das bedeutete, dass jeweils drei Tage vor und am Tag der Chemotherapie gefastet und nur eine Diät in Form von Suppen, Brühen, Vitaminsupplementen und Tee verzehrt wurde. Am ersten Tag wurden 1200 kcal aufgenommen, am zweiten, dritten und vierten Tag durften jeweils maximal 200 kcal verzehrt werden. Die Kontrollgruppe ernährte sich wie gewohnt. In der Interventionsgruppe kam es zu einem statistisch signifikanten besseren radiologisch beobachtbaren Ansprechen (radiological response) auf die Chemotherapie. Es zeigte sich in der Intention-to-Treat Analyse (ITT) jedoch kein besseres pathologisches Ansprechen (pathological response). In den Per Protocol Analysen ergab sich bei der Miller and Payne pathological response Grad 4/5 eine signifikant höhere Ansprechrate in der Interventionsgruppe. Bezüglich der Toxixität gab es keine Gruppenunterschiede, wobei die Autoren berichten, dass zu berücksichtigen sei, dass – um die Wirkung des Fastens nicht zu mindern - nur die Kontrollgruppe Dexamethosone erhalten hatte und auf die Tabelle 4 im Supplement verweisen. Diese Tabelle bezieht sich auf die (febrile) Neutropenie, auf die in der Kontrollgruppe Dexamethason allenfalls einen negativen Einfluss gehabt haben kann. Darüber hinaus zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. De Groot et al. schlussfolgerten auf Basis der Per Protocol Analyse bei einem Dropout von 38,2%, dass ihre Ergebnisse erste Hinweise dafür liefern, dass ein Scheinfasten während einer Chemotherapie sicher und wirkungsvoll sein könnte. Betrachtet man die ITT ergibt sich kein entsprechender Hinweis.

Die Publikation von Lugtenberg et al. (2021) [302] beruht auf der gleichen Studie (DIRECT Studie) wie die Publikation von De Groot et al. (2020) [301]. Lugtenberg et al. (2021) untersuchten den Einfluss des Fastens auf die Lebensqualität zu unterschiedlichen Zeitpunkten, auf den Gesundheitsstatus sowie auf die Wahrnehmung der Erkrankung bei Patientinnen mit Brustkrebs [302]. Im Ergebnis zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede der genannten Outcomes zwischen beiden Gruppen. In der Fastengruppe kam es zu einer statistisch signifikanten Abnahme des BMI (baseline: 25,7 kg/m2; mittlere Abnahme zum Ende der Therapie: -0,33kg/m2, p=0,026), in der Kontrollgruppe zu einer statistisch signifikanten Zunahme des BMI (baseline: 26,0 kg/m2; mittlere Zunahme zum Ende der Therapie: +0,64 kg/m2, p=0,006). Die Autoren der Studie schlussfolgern trotz dessen, dass ihre Ergebnisse erste Hinweise dafür liefern, dass ein Scheinfasten während einer Chemotherapie manche Bereiche der Lebensqualität und der Krankheitswahrnehmung bei Brustkrebspatientinnen zu verbessern scheint.

Es ist zu beachten, dass es über den Studienverlauf der DIRECT Studie zu einem hohen Drop-out kam. Nur 33,8% der Patientinnen hielten sich die Hälfte der Chemotherapiezyklen an die Fastendiät, und nur 21,5% fasteten während der gesamten Chemotherapiezyklen. Auch in der Kontrollgruppe befolgten 7,8% der Patientinnen die vorgeschriebenen Ernährungsempfehlungen nicht, sondern fasteten freiwillig. Diese Nichteinhaltung (non-compliance) der Intervention/Kontrolle stellt die Vergleichbarkeit der Gruppen in Frage. Als Hauptgrund für den Abbruch in der Interventionsgruppe wird eine Abneigung gegen gewisse Komponenten der Fastendiät genannt. Ein solch hoher Drop-out in der Fastengruppe könnte darüber hinaus auf eine schlechte Durchführbarkeit und Verträglichkeit des Fastens während einer Chemotherapie hinweisen.

Die Ergebnisse der Publikationen von de Groot et al. (2020) [301] und Lugtenberg et al. (2021) [302] sind aufgrund der genannten Punkte sowie des hohen Verzerrungsrisikos (RoB 2.0: high risk of bias) insgesamt mit Vorsicht zu interpretieren.

Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Studien konnte die Wirksamkeit von Fasten unter laufender Tumortherapie auf die Toxizität, die Lebensqualität und das Tumoransprechen nicht nachgewiesen werden. Fasten soll daher mit einer onkologischen Erkrankung unter laufender Tumortherapie nicht außerhalb von Studien empfohlen werden.

7.2.2 Ketogene Diäten

Die Empfehlungen zu "Ketogenen Diäten" wurden aus der Leitlinie "Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen" in diese Leitlinie überführt.

7.4 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegen ein systematisches Review zu Fallserien und Fallberichten und die Daten aus 3 RCTs zum Gewichtsverlauf unter einer ketogenen Diät vor. In allen Studien kommt es zu einem Gewichtsverlust, der den Kriterien des Screenings der Mangelernährung entspricht.

Eine ketogene Ernährung soll nicht bei normalgewichtigen und untergewichtigen Patienten empfohlen werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Konsens
Literatur
[303] [304] [305] [306]
Evidenztabellen (1)D2_Sogenannte Krebsdiäten: Ketogene Diät
7.5 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegt eine offene randomisierte Studie zur ketogenen Diät bei Patientinnen mit Ovarial- oder Endometriumkarzinom mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität vor. Die Patientinnen hatten keine laufende Therapie und waren nicht untergewichtig. Es trat keine Verbesserung der Lebensqualität auf.

Eine ketogene Diät sollte nicht mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität empfohlen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Konsens
Literatur
[305]
Evidenztabellen (1)D2_Sogenannte Krebsdiäten: Ketogene Diät
7.6 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegt eine offene randomisierte Studie zur low carb Diät bei Patienten mit Prostatakarzinom mit biochemischem Rezidiv nach lokaler Behandlung mit dem Ziel der Beeinflussung des Progresses vor.

Eine low carb Diät sollte nicht mit dem Ziel der Verlangsamung der Krankheitsprogression bei Prostatakarzinom empfohlen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Konsens
Literatur
[303]
Evidenztabellen (1)D2_Sogenannte Krebsdiäten: Ketogene Diät
7.7 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Es liegt eine offene randomisierte Studie zur ketogenen Diät bei Patientinnen mit Mammakarzinom unter neoadjuvanter oder palliativer Chemotherapie zur Machbarkeit und der Verbesserung des Überlebens vor. Eine Aussage zum Überleben ist aufgrund des kurzen Follow-ups und der kleinen Subgruppen nicht zu treffen.

Eine ketogene Diät sollte nicht bei Patientinnen mit Mammakarzinom mit dem Ziel der Verbesserung des Überlebens empfohlen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Konsens
Literatur
[304]
Evidenztabellen (1)D2_Sogenannte Krebsdiäten: Ketogene Diät

Die Ketogene Diät ist eine sehr fettreiche, kohlenhydratarme (≤20 g pro Tag), eiweißbilanzierte Ernährung. Diese Diät führt dazu, dass der Energiestoffwechsel der Zellen auf die überwiegende Nutzung von Fettsäuren anstelle von Glukose umgestellt wird. Um weiterhin eine optimale Versorgung des Gehirns zu gewährleisten, wandelt die Leber einen Teil der Fette in leichter „hirngängige“ Ketone um. Die zur Ketonbildung nötigen Fettsäuren können aus körpereigenen Fettpolstern oder aus der Nahrung gewonnen werden. Sind diese Ketone in Blut oder Urin nachweisbar, befindet sich der Körper in Ketose. Um eine ketogene Diät umzusetzen, wird von der Aufnahme von Getreiden, Obst und stärkehaltigen Gemüse abgeraten. Die Forschung untersucht, ob eine ketogene Diät das Tumorwachstum beeinflussen kann. So wird die Theorie erforscht, dass durch die verringerte Aufnahme von kohlenhydratreichen Lebensmitteln weniger Glukose als „Treibstoff“ für das Krebswachstum zur Verfügung steht, als es durch eine kohlenhydratreiche Ernährung der Fall wäre. Es tritt zudem eine Senkung des Blutzucker- und Insulinspiegels ein, was erwünscht ist. 

Bei einer korrekt durchgeführten isokalorischen ketogenen Diät ist es trotz weitgehendem Verzicht auf Kohlenhydrate das Ziel, weiterhin genug Energie zuzuführen, um einen ungewollten Gewichtsverlust zu vermeiden. Dies ist aber in den meisten Studien nicht der Fall und ein Gewichtsverlust bei hypokalorischen Formen sogar intendiert. Die ketogene Diät ist einerseits wegen dieses Gewichtsverlustes, zum anderen aufgrund des weitgehenden Verzichtes auf Obst und Getreideprodukte und dem Risiko für einen Mangel an Mikronährstoffen umstritten. Ein Gewichtsverlust ist nach vielen Studien mit einer schlechteren Prognose assoziiert, es sei denn, er wird bewusst bei stark übergewichtigen Patienten intendiert und überwacht. Auch eine Exsikkose aufgrund von Diäten kann auftreten.

Die Recherche ergab 3 randomisiert-kontrollierte Studien, welche in diese Empfehlungen eingeschlossen werden [305][303][304]. Die untersuchten Endpunkte waren Lebensqualität bei Ovarien- und Endometriumkarzinom Patientinnen, PSA-Verdoppelungszeit bei Prostatakarzinompatienten und Gesamtüberleben bei Mammakarzinompatientinnen. Zur Formulierung einer allgemeinen Empfehlung wurde zusätzlich das systematische Review von Erickson et al. (2017) über Fallserien und Fallberichte herangezogen [306].

Allgemein

Lebensqualität bei Ovarial- und Endometriumkarzinompatientinnen (zu [7.5])

In der Studie von Cohen et al. (2018) wurden 73 Patientinnen mit Ovarien- und Endometriumkarzinom, von denen 45 die Studie beendeten, in 2 Gruppen randomisiert [305]. Diese hielten sich für 12 Wochen an eine ketogene Diät (70[≥125g]:25[≤100g]:5[<20g] pro Tag Energie von Fett, Protein und Kohlenhydrate) oder an die American Cancer Society diet (ACS; ballastoffreich, wenig Fett). Untersucht wurde die Lebensqualität gekennzeichnet durch mentale und physische Funktionalität und das Energielevel, welches als Indikator für Fatigue betrachtet wird. Nach 12 Wochen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich mentaler Funktionalität und dem Energielevel/ Fatigue. Es zeigte sich jedoch eine bessere körperliche Funktionalität in der Gruppe der ketogenen Diät im Vergleich zur ACS-Gruppe (p=0,04). Jedoch verschwindet dieser Effekt unter Berücksichtigung des Fettverlustes in der Analyse, was darauf hinweisen könnte, dass dies als Folge der Diät den Effekt moderiert hat. Insgesamt ist die Studie sehr übersichtlich dargestellt, jedoch verursacht durch die fehlende Angabe wichtiger Rahmenbedingungen und demographischen Variablen der Probanden, unter anderem das Krebsstadium. Statistisch gesehen ist aufgrund der fehlenden Korrektur für multiples Testen die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse anzuzweifeln. Es ist zudem ein hoher Drop-out bei fehlendem Einsatz einer Intention-to-Treat Analyse zu erwähnen.

Krankheitsprogression (zu [7.6])

In der Studie von Freedland et al. (2020) wurden 57 Patienten mit Prostatakarzinom in 2 Gruppen randomisiert [303]. Eine Gruppe hielt sich dann über 6 Monate an eine kohlenhydratarme Diät, während die andere Gruppe keine Veränderungen in der Ernährung durchführen sollte. Untersucht wurde die PSA-Verdoppelungszeit. Der PSA-Wert ist ein Laborparameter welcher als Indikator für den Krankheitsprogress beim Prostatakarzinom herangezogen wird. PSA-Verdoppelungszeit und Krankheitsprogress können jedoch nicht vollständig gleichgesetzt werden.

Bei einer Interim-Analyse wurden Daten von 45 der 57 Patienten ausgewertet. Es zeigte sich nach 6 Monaten kein Unterschied zwischen den Gruppen für die PSA-Verdoppelungszeit (Diät-Gruppe: 21 vs. Kontrollgruppe: 15 Monate, p=0,446). In einer Post-Hoc Analyse wurde das Modell an demographische Variablen und eine mögliche Hämokonzentration, welche nach Ansicht der Autoren die Messung des PSA-Wertes im Sinne eines scheinbaren Anstiegs des PSA-Wertes beeinflusst haben könnte, angepasst. Nur in dieser Analyse konnte dann ein Vorteil für die Diätgruppe im Sinne einer langsameren PSA-Verdoppelungszeit gefunden werden. Die Grundannahme dieser Hämokonzentration ist bei einer langfristigen Einhaltung einer ketogenen Diät wissenschaftlich nicht belegt und auch nicht in der Studie dokumentiert. Außerdem handelt es sich um eine post-hoc Analyse, welche also nicht auf vorher formulierten Hypothesen beruht, sodass das Ergebnis auch aus diesem Grund keine Beweiskraft hat. Insgesamt ist auch die Stichprobe als klein zu betrachten. Abschließend ist zu betonen, dass der Gewichtsverlust von im Schnitt 12kg bei diesen Patienten als negative Konsequenz, also Nebenwirkung der Behandlung, zu betrachten ist.

Überlebenszeit (zu [7.7])

In der Studie von Khodabakhshi et al. (2020) wurden die Daten von 77 neoadjuvanten Patienten oder Patienten mit metastasierendem Brustkrebs ausgewertet [304]. Diese wurden zuvor in zwei Gruppen randomisiert, so dass 40 Patientinnen über 3 Monate eine Mittelkettige Triglyceride (MKT) basierte-ketogene Diät (6% Kalorien von Kohlenhydraten [CHO], 19% Protein, 20% MKT, 55% Fett; Patienten bekamen 500ml MKT-Öl von alle 2 Wochen) und 37 Patientinnen eine Standarddiät (55% CHO, 15% Protein und 30% Fett) über 3 Monate anwandten. Nach 3 Monaten zeigten die Patienten in der ketogenen Diät ein verringertes Körpergewicht, einen verringerten BMI und eine höhere Abnahme im Körperfett als die Probanden in der Standarddiätgruppe (p<0,001, p<0,001, p=0,03). Die Studie zeigt auch eine höhere Gesamtüberlebenszeit für die 44 neoadjuvanten Patienten (p=0,04, keine genauen Angaben zu Zeiträumen im Text gegeben, kann nur aus Abbildung abgelesen werden). Es werden keine Ergebnisse für die gesamte Stichprobe gegeben. Insgesamt liefern die Ergebnisse wenig verallgemeinerbare Ergebnisse, insbesondere aufgrund einer sehr groben Beschreibung der Rahmenbedingungen. Dies fällt insbesondere in Anbetracht des Follow-ups zur Bestimmung der Überlebenszeit auf. Der Zeitpunkt des Follow-ups ist in der Studie nicht explizit benannt. Aus der Studie geht jedoch hervor, dass bis Oktober 2018 Patientinnen rekrutiert wurden, der Artikel jedoch schon im Februar des Folgejahres eingereicht wurde. Somit waren einige Probanden nur wenige Monate in der Studie und die neoadjuvante Therapie in kurativer Absicht bei frühen Stadien teilweise gerade erst abgeschlossen. Damit ist das Gesamtergebnis der Studie als fragwürdig zu bezeichnen.

Nebenwirkungen der ketogenen Diät:

Es wird in 4 Einzelstudien und 5 systematischen Reviews von Nebenwirkungen der ketogenen Diät berichtet.

Eine der häufigsten Nebenwirkungen der ketogenen Diät ist der damit einhergehende Gewichtsverlust, wenn in der Ernährung nicht mehr genug Energie enthalten ist, um den täglichen Kalorienbedarf zu decken. Ein Gewichtsverlust kann schwerwiegende medizinische Folgen für die Patienten haben. Die in den Publikationen berichteten Gewichtsabnahmen liegen alle im Bereich der Definition der Mangelernährung bei Tumorpatienten. Eine Mangelernährung ist nachweislich mit einer schlechteren Verträglichkeit der Tumortherapie und einer teilweise deutlichen Verschlechterung der Prognose assoziiert.

Insbesondere in der Studie von Freedland et al. (2020) ist mit im Schnitt 12kg in der Diätgruppe vs. 0,5kg (p<0,001) ein deutlicher Gewichtsverlust zu verzeichnen (Prostatakarzinompatienten) [303]. Weitere zumeist milde Begleiterscheinungen wie moderate Übelkeit, Erbrechen, Diarrhöe, Verstopfung, Kopfschmerzen, Fatigue und Asthenie traten sowohl in der Diätgruppe, als auch in der Kontrollgruppe auf. Allerdings stiegen diese Begleiterscheinungen von anfänglich 19 Fällen in der Diätgruppe kurzzeitig auf 30 Fälle an, während es in der Kontrollgruppe nur von 18 auf 19 anstieg. Insgesamt kam es in der Diätgruppe zu mehr Verstopfungen und Fatigue nur Mitte der Studie (nach 3 Monaten) als in der Kontrollgruppe. Diese Anhäufung von Fällen sank aber zum Ende der Studie wieder auf das Ausgangsniveau.

In der Studie von Cohen et al. (2018) fand ebenfalls ein Gewichts- und Körperfettverlust statt (Ovarial- und Endometriumkarzinom) [305]. In der Publikation gibt es keinerlei Informationen zu dessen Höhe oder einen Vergleich zwischen den Gruppen. Es wurden auch keine weiteren Neben- oder Wechselwirkungen beschrieben bzw. erfasst. In einer zusätzlichen Publikation zu der Stichprobe von 2019 über die Durchführbarkeit der ketogenen Diät bei Krebspatienten berichten Cohen et al. dann von geringen Nebenwirkungen der ketogenen Diät: Hunger (5x), Verstopfung (3x), Fatigue (2x), Muskelkrämpfe (2x), Diarrhöe (1x), und kalte Extremitäten (1x). Die Patientinnen der Kontrollgruppe, welche die American Society Diet befolgten, berichteten ebenfalls nur von geringen Nebenwirkungen: Hunger (2x) und Fatigue (2x).

In der Studie von Khodabakhshi et al. (2020) wurde nach 3 Monaten einer auf mittelkettigen Triglyceriden (MCT) basierten ketogenen Diät eine signifikant höhere Abnahme an Gewicht, BMI und Körperfettanteil im Vergleich zur Standarddiätgruppe gefunden (p<0,001, p<0,001, p=0,03) [304]. Obwohl die folgenden Symptome von den Autoren der Studie nicht eindeutig als Nebenwirkungen der Intervention gewertet werden, waren sie dennoch Gründe für den Ausstieg der Probanden: Schwächegefühl und Hunger (3x), Schwindel und Hypoglykämie (2x), Energieverlust und hoher Ölanteil der Diät (2x). Es werden keine weiteren Angaben zu möglichen Komplikationen gemacht, jedoch berichtet, dass keine schwerwiegenden Komplikationen auftraten.

Martin-McGill et al. (2020) untersuchten in ihrer Studie die Durchführbarkeit von ketogenen Diäten bei Glioblastom-Patienten [307]. Es wird von fünf Fällen mit leichten Nebenwirkungen (CTCAE Grad 1) und 3 mit laut Autoren schwerwiegenden Nebenwirkungen (CTCAE Grad 2 und 3) berichtet. Nebenwirkungen waren: Hypokaliämie (2x), Hypernatriämie (1x), Hypokalzämie (1x) und ein partieller Krampfanfall (1x). Schwerwiegende Nebenwirkungen waren post-operative Wundinfektion (1x, CTCAE Grad 3 mit Ausstieg aus Studie), Krampfanfall (1x, CTCAE Grad 2) und Rückenschmerzen (1x, CTCAE Grad 2), von denen keine mit der Intervention assoziiert war.

Nebenwirkungen wurden zudem berichtet im systematischen Review von Erickson et al. (2017). Dieses schloss 15 Fallberichte und klinische Studien ein (5 Fallberichte, 8 prospektive Studien [6x einarmig, 1x einarmig mit Crossover-Design, 1x 3-armig mit parenteraler Ernährung] und 2 retrospektive Studien) [306]. Des Weiteren im systematischen Review von Klement et al. (2020), welches 13 klinische Studien einschloss (gastrointestinale, neurologische, gynäkologische Tumore und andere Tumore) [308]; im Review von Maisch et al. (2018), das 9 Publikationen mit einer Fallserie und 8 prospektiven Fallserien bzw. Kohortenstudien einschloss (verschiedene Krebsarten) [309]; im Review von Winter et al. (2017) mit Patienten mit bösartigen Hirntumoren, das 6 Artikel einschloss (3 Fallberichte, 2 Kohortenstudien, 1 einarmige Studien) [310] und das Review von Sremanakova et al. (2018) mit 11 eingeschlossenen Publikationen mit insgesamt 102 Patienten mit Hirn-, Rektalkrebs oder gemischten Krebsarten (3 einarmige Studien, 3 Kohortenstudien, 1 retrospektives Review, 4 Fallberichte) [278][311].

Die am häufigsten berichtete Nebenwirkung war Gewichtsverlust: In 4 inkludierten Studien aus Erickson et al. (2017), davon trat in einer Studie bei den Patienten ein Gewichtsverlust von durchschnittlich 4% bis 6% in 28 Tagen auf [306]. Des Weiteren in 2 inkludierten Studien aus Maisch et al. (2018), davon war der Gewichtsverlust in einer 1 Studie bei den meisten Patienten gering, nur bei 2 Patienten war der Gewichtsverlust gravierender: 1x 12,25kg (aufgrund von vorherigem Übergewicht war dies beabsichtigt) und 1x 20,87kg (unter kalorienreduzierter ketogener Diät) [309].

Weitere häufige Nebenwirkungen waren Diarrhöe oder Verstopfung (Erickson et al., 2017 in 2 Studien [306]; Maisch et al., 2018 in 2 Studien [309]; Klement et al., 2020 in 5 Studien [308]; Sremanakova et al., 2018 in 8 und 12 von 50 Patienten über 8 Studien [311]) und Fatigue (Erickson et al., 2017 in 2 Studien [306]; Maisch et al., 2018 in 2 Studien [309]; Sremanakova et al., 2018, 16 von 50 Patienten [311]).

Weitere Nebenwirkungen waren Erbrechen (Sremanakova et al., 2018, 4 Patienten [311]); Hypoglykämie (Erickson et al., 2017, 1 Studie [306]; Klement et al., 2020, 1 Studie [308]; Sremanakova et al., 2018, 2 Patienten [311]); tiefe Beinvenenthrombose (Erickson et al., 2017 [306]; Maisch et al., 2018 [309] und Sremanakova et al., 2018 [311], je 1 Studie), Nephrolithiasis (Erickson et al., 2017, 1 Studie [306]); Hyperurikämie (Erickson et al., 2017, 1 Studie [306]; Klement et al., 2020, 1 Studie [Grad 4] [308]; Sremanakova et al., 2018, 8 von 50 Patienten [311]); Hypercholesterinämie (Klement et al., 2020, 1 Studie [308]); niedriger Carnitinspiegel (Klement et al., 2020, 1 Studie [308]); Alopezie während Radiotherapie (Maisch et al., 2018, 1 Studie [309]); Beinkrämpfe (Maisch et al., 2018, 1 Studie [309]); niedrige Lymphozytenzahl (Erickson et al., 2017, 1 Studie [306]) und Hunger, sowie starkes Verlangen nach Zucker (Klement et al., 2020 [308] und Sremanakova et al., 2018 [311], gleiche 1 Studie). Das Review von Sremanakova et al. (2018) berichtet zudem von Hyperkaliämie und Hypokaliämie bei 2 Patientinnen, zudem erlebten zwei Patienten Leukozytopenie [311]. Nebenwirkungen wie Ösophagitis, Anämie, Hypomagnesiämie, Knöchelödeme und Mundgeruch wurden über die Studien hinweg jeweils nur einmal berichtet. Alle in den Reviews berichteten Nebenwirkungen waren zumeist leicht bis mittelschwer.

Im dem im Review von Erickson et al. (2017) [306] eingeschlossenen Fallbericht von Nebeling und Lerner (1995) [312] (2 Fälle von fortgeschrittenem [bösartigem] Astrozytom) schlussfolgern die Autoren, dass die Diät nicht ratsam ist wenn eine Radiotherapie oder Chemotherapie durchgeführt wird, sowie bei Patienten mit Nahrungsaversionen, Nieren- und Leberproblemen, Schwindel oder Erbrechen. In der prospektiven einarmigen Pilotstudie von Rieger et al. (2014) geben die Autoren an, dass ketogene Diäten sicher sind und relativ gut vertragen werden. Allerdings haben 3 von 20 Patienten die Studie aufgrund von Nebenwirkungen verlassen (rezidiviertes Glioblastom) [313].

Das systematische Review von Klement et al. (2020) konnte insgesamt mit Ausnahme einer Studie, welche einen sehr radikalen Diätansatz mit nur 8% Protein verfolgte, was zu einer Hyperurikämie führte, in keiner Studie schwerwiegende Nebenwirkungen der kohlenhydratarmen Diät feststellen [308].

Im Review von Winter et al. (2017) wurde geschlussfolgert, dass in allen eingeschlossenen Studien keine schwerwiegenden Nebenwirkungen für Krebspatienten gefunden werden konnten. Potentielle Risiken für Patienten mit relevanten metabolischen Störungen wie Diabetes mellitus, Dyslipidämie, oder Kachexie müssten hingegen noch untersucht werden [310].

Das Review von Mansoor et al. (2016), welches 11 RCTs einschloss, allerdings keine Stichprobe von Krebspatienten, schlussfolgerte als mögliche Gefahr einen Gewichtsverlust und erhöhten LDL (Low-density Lipoprotein)-Cholesterin Wert, welcher einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen darstellen kann [314].

Evidenzaufarbeitung

Die Evidenzaufarbeitung zu Ketogene Diäten wurde im Rahmen der S3-Leitlinie "Komplementärmedizin" von den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Hübner (DKG) durchgeführt.

7.2.3 Diät nach Budwig

7.8 · Evidenzbasiertes Statement 2025

Es konnten keine wissenschaftlichen Untersuchungen identifiziert werden, die belegen, dass die Diät nach Budwig:

  • das Wachstum oder die Metastasierung eines Tumors bei Menschen mit Krebs verhindern bzw. zurückdrängen können
  • oder die Wirksamkeit oder Verträglichkeit der Therapie verbessern.
Konsens
Starker Konsens
7.9 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Die Diät nach Budwig soll Patienten mit einer onkologischen Erkrankung nicht empfohlen werden.

Konsens
Starker Konsens

Das Statement und die Empfehlung zur Diät nach Budwig beruhen auf der systematischen Literaturrecherche und der Expertenmeinung der Leitliniengruppe. In der systematischen Literaturrecherche wurden keine systematischen Reviews und keine klinischen Studien zur Anwendung oder zum Nutzen der Diät nach Budwig gefunden.

Die Diät nach Budwig, konzipiert von der deutschen Biochemikerin Dr. Johanna Budwig, wird als eine potenzielle Therapiemethode für Krebs propagiert. Diese Diät legt einen Schwerpunkt auf den Verzehr von Lebensmitteln wie Leinöl und Quark, kombiniert mit einer Ernährung reich an frischem Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Die Befürworter der Diät nach Budwig postulieren, dass die synergistische Wirkung von schwefelhaltigen Aminosäuren aus dem Quark und den ungesättigten Fettsäuren aus dem Leinöl dazu führen könnte, dass Krebszellen absterben und das normale Zellwachstum sowie die normalen Funktionen geschädigter Zellen wiederhergestellt werden können. Die Wirksamkeit der Diät nach Budwig in der Krebsprävention und -therapie konnte bisher in keinen klinischen Studien nachgewiesen werden. Vielmehr ist die Nahrungsaufnahme durch die entsprechenden Diätvorschriften stark eingeschränkt, wodurch es zur Verstärkung einer drohenden oder schon vorhandenen Mangelernährung kommen kann [315][316][317].

Die Leitliniengruppe kommt daher zu dem Ergebnis, dass die Diät nach Budwig Patienten mit einer onkologischen Erkrankung nicht empfohlen werden soll.

7.2.4 Diät nach Breuß

7.10 · Evidenzbasiertes Statement 2025

Es konnten keine wissenschaftlichen Untersuchungen identifiziert werden, die belegen, dass die Diät nach Breuß:

  • das Wachstum oder die Metastasierung eines Tumors bei Menschen mit Krebs verhindern bzw. zurückdrängen können
  • oder die Wirksamkeit oder Verträglichkeit der Therapie verbessern.
Konsens
Starker Konsens
7.11 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Die Diät nach Breuß soll Patienten mit einer onkologischen Erkrankung nicht empfohlen werden.

Konsens
Starker Konsens

Das Statement und die Empfehlung zur Diät nach Breuß (auch bekannt unter „Breuß Kur“ oder „Krebskur total“) beruhen auf der systematischen Literaturrecherche und der Expertenmeinung der Leitliniengruppe. In der systematischen Literaturrecherche wurden keine systematischen Reviews und keine klinischen Studien zur Anwendung oder zum Nutzen der Diät nach Breuß gefunden.

Die Krebsdiät nach Rudolf Breuß, einem österreichischen Elektrotechniker und Heilpraktiker, ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode. Die Diät besteht ausschließlich aus rohen, nicht erhitzten Gemüsesäften und Tees, die für einen Zeitraum von 42 Tagen verzehrt werden. Während dieser Zeit sind feste Nahrungsmittel, insbesondere solche, die Zucker und Protein enthalten, strengstens zu vermeiden. Außerdem soll während der Durchführung der Diät keine schulmedizinische Behandlung durchgeführt werden. Die Befürworter der Breuß-Diät postulieren, dass Tumorzellen nur von fester Nahrung leben und die Diät folglich den Tumor aushungern und das Wachstum von Tumorzellen hemmen kann. Die Wirksamkeit der Diät nach Breuß in der Krebsprävention und -therapie konnte bisher in keinen klinischen Studien nachgewiesen werden. Durch die im Rahmen dieser Diät stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl ist es nicht möglich, den physiologisch erforderlichen Flüssigkeits- und Nährstoffbedarf zu decken. Es besteht daher ein hohes Risiko, eine drohende oder bereits vorhandene Mangelernährung zu verstärken [318][315][319].

Die Leitliniengruppe kommt daher zu dem Ergebnis, dass die Diät nach Breuß Patienten mit einer onkologischen Erkrankung nicht empfohlen werden soll.

Evidenztabellen

D 1_Vegetarische/vegane Ernährung

Level of Evidence (Oxford 2011) / Characteristics

Patients

Study Arms (Intervention, Control)

Outcomes

Results

Funding / Conflict of interest

Methodological comments

E. Sathiaraj et al., 2023: Effects of a Plant-Based High-Protein Diet on Fatigue in Breast Cancer Patients Undergoing Adjuvant Chemotherapy - a Randomized Controlled Trial

 

Aim: Breast cancer patients undergoing chemotherapy (CT) experience fatigue and other side-effects. Studies exploring interventions with a plant-based, high-protein diet on fatigue and body composition are lacking. The effects of these interventions on fatigue, body mass index (BMI), and body composition were evaluated.

 

Authors’ conclusion:  A plant-based, high-protein diet during CT resulted in positive changes in fatigue, BMI and body composition.

LoE: 2

 

RCT

 

Single center study

 

Duration of intervention:

12 weeks

103 breast cancer patients undergoing chemotherapy

 

Mean age: 52 years

Country:

India

Intervention group (IG; n=52):

Weekly nutritionist consultations (at least 3 face-to-face) +

healthy high-protein plant-based diet (no meat and fish; at least 5 servings of fruit and vegetables per day,  low-fat dairy products, locally available millets and whole grains, and limited number of high-calorie fried foods, and sweetened carbonated
beverages;

protein: 1.2 g/kg body weight/day).

+

Whey protein supplement 1x/d (KABIPRO®; Fresenius-Kabi).

 

Control group (CG; n=51): usual care (at least 2 sessions with nutritionist)

Primary:

self-reported cancer-related fatigue (CRF) (FSI, handgrip strength)

 

Secondary:

BMI

Body Composition

Fatigue:

IG: reduction

CG: increased

IG vs. CG: (4.2 ± 1.94 vs. 4.2 ±1.64; T2: 2.47 ± 1.31 vs. 5.37 ± 1.87)

→ significant difference between IG and CG (p < 0.001)

 

Handgrip Strength:  

IG: improved

CG: decreased

IG vs. CG (baseline: 16.31 ± 5.32 kg vs. 16.4 ± 4.75 kg; T2: 16.85 ± 5.72 kg  vs. 15.5 ± 5.28 kg)

→ no significant difference between IG and CG (p<0.0238)

 

BMI:

IG: reduction

CG: reduction

IG vs. CC (baseline: 26.41 kg/m2 vs. 24.1 kg/m2; T2: 25.73 kg/m2 vs. 23.6  kg/m2; p<0.015)

--> significant difference between IG and CG (p=0.015)

 

Bodyfat:

IG: reduction

CG: increased

IG vs. CG (baseline: 32.37% ± 6.21 vs. 32.9% ± 6.95; T2: 30.16% ± 6.12 vs. 33.6% ± 6.15)

→ significant difference between IG and CG (p=0.001)

 

Muscle mass:

IG: increased

CG: decreased

IG vs. CC (baseline: 22.06% ± 3.44 vs. 22.2% ± 3.22; T2: 22.22% ± 2.68 vs. 20.9% ± 2.91)

→ significant difference between IG and CG (p < 0.001)

Funding:

Not reported

 

Conflict of interest: no information

PRO: randomized, adequate measurements, almost no missing data

 

CONTRA: knowledge of intervention received; patient-reported outcomes may be biased (only fatigue)

 

Rob 2.0: some concerns

 

E. Sathiaraj et al., 2023: In dieser Studie (RCT) wurde die Wirkung von einer pflanzenbasierten, proteinreichen Ernährung (Plant-Based High-Protein Diet) auf die chronische Müdigkeit (Fatigue), Handkraft, Body Mass Index (BMI), Körperfett und Muskelmasse untersucht. Hierzu wurden 103 Patientinnen mit Brustkrebs unter Chemotherapie zufällig in 2 Gruppen eingeteilt, nämlich 52 Patientinnen in die Interventionsgruppe (Lebensstiländerung) und 51 Patientinnen in die Kontrollgruppe. Die Intervention dauerte zwölf Wochen. Die Interventionsgruppe erhielt regelmäßige Termine bei einer Ernährungsfachkraft (mind. 3 mal), die Empfehlung zu einer eiweißreichen Ernährung (ohne jegliche Arten von Fleisch und Fisch) und einmal pro Tag ein Proteinergänzungsmittel.

Die Autoren fanden einen statistisch bedeutsamen Vorteil in der Gruppe mit der Ernährungsumstellung: die Interventionsgruppe konnte im Vergleich zur Kontrollgruppe die Fatigue verbessern, die Muskelmasse erhöhen und den BMI und das Körperfett reduzieren. Es konnten keine statistisch bedeutsamen Vorteile bei der Handkraft festgestellt werden. Die Autoren schlussfolgern, dass eine Ernährungsumstellung während der Chemotherapie zu einer positiven Veränderung der Fatigue, des BMI und der Körperzusammensetzung führt.

Die Studie zeichnet sich durch sich durch adequate Messmethoden und durch kaum fehlende Daten aus. Es lassen sich jedoch auch einige Kritikpunkte nennen. Zum einen wurde die Studie nicht verblindet durchgeführt, da das bei dieser Art der Intervention nicht möglich war. Zum anderen handelt es sich bei den Ergebnissen zur Fatigue um patienten-berichtete Ergebnisse. Diese genannten Punkte können zu einer Verzerrung führen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie ein mittleres Verzerrungsrisiko aufweist.

D3_Sogenannte Krebsdiäten: Fasten

Level of Evidence (Oxford 2011) / Characteristics

Patients

Study Arms (Intervention, Control)

Outcomes

Results

Funding / Conflict of interest

Methodological comments

Bauerfsfeld et al., 2018: The effects of short-term fasting on quality of life and tolerance to chemotherapy in patients with breast and ovarian cancer: a randomized cross-over pilot study

Aim: This pilot trial aimed to study the feasibility and effects on quality of life (QOL) and well-being of short-term fasting (STF) during chemotherapy in patients with gynecological cancer

Authors’ conclusion: Our study shows that STF during chemotherapy is feasible and has beneficial effects on QOL, well-being and fatigue.

2

 

RCT

(cross-over trial)

Germany

gynecological cancer patients with 4-6 planned chemotherapy cycles (n=50)

drop-out: n=16;

32% (Arm A: 33.3%; Arm B: 30.4%)

 

Inclusion criteria:

Breast or ovarian cancer, > 18 years, BMI ≥ 19kg/m2, WHO performance status: 0-2; life expectancy > 3 months

 

Exclusion criteria:

Type 1 Diabetes, Insulin treatment, recent weight loss, myocardial infarction, stroke, pulmonary embolism, renal failure, unstable heart disease, history of eating disorder, dementia, psychosis

Arm A (n=27):

Fasting (36 h before, 24 h after) for first 3 chemotherapy cycles (T1) & normocaloric diet for second  3 chemotherapy cycles (T2)

 

Arm B (n=23):

Normocaloric diet for first 3 chemotherapy cycles (T1) & fasting (36 h before, 24 h after) for second 3 chemotherapy cycles (T2)

 

Duration:

Fasting for 60 h during each chemotherapy cycle (max. 350 kcal/d)

 

Side effects due to fasting:

Headache, hunger, nausea, orthostatic reaction

 

1. Quality of Life FACT-G scale

2. Quality of Life FACT-G scale

3. Quality of Life FACIT-F TOI scale

4. Quality of Life FACIT-F Total

5. Bodyweight/BMI

1. Significant increase in QOL in Arm A during T1 (p=0.04), no significant change in Arm B (p>0.05); no group comparison conducted

2. Significant increase in QOL in Arm A during T1 (p=0.006), no significant change in Arm B (p>0.05); no group comparison conducted

3. Significant increase in QOL in Arm A during T1 (p=0.009), no significant change in Arm B (p>0.05); no group comparison conducted

4. Significant increase in QOL in Arm A during T1 (Mean Difference: 18.3, p = 0.013);  no significant change in Arm B (p>0.05); no group comparison conducted

5. No significant change of bodyweight in Arm A (T1 to T2) and in Arm B (T1 to T2); no group comparison conducted

Funding:

The study was funded by a grant of the Günter und Regine Kelm Stiftung, Zürich, Switzerland.

 

CoI:

The authors declare that they have no competing interests

PRO:

  • poweranalysis conducted
  • structured explanation of statistical analysis
  • use of different scales for validation of outcome

 

CONTRA:

  • small sample size
  • High drop-out: 32% (Arm A: 33.3%; Arm B: 30.4%)
  • Patients not blinded
  • Multiple testing
  • Bias of carry-over effect

 

RoB 2.0: high risk of bias

Bauerfsfeld et al., 2018: In dieser Studie (RCT) wurde die Wirkung von Kurzzeitfasten (short-term fasting; STF) auf die Lebensqualität und das Körpergewicht bei Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen (Brustkrebs und Eierstockkrebs) untersucht. Kurzzeitfasten bedeutete, dass jeweils 36 Stunden vor und 24 Stunden nach der Chemotherapie maximal 350 Kilokalorien pro Tag verzehrt werden durften. Hierzu wurden 50 Patientinnen zufällig in 2 Gruppen eingeteilt. Gruppe A (27 Patientinnen) fastete während der ersten 3 Chemoherapiezyklen und durften in den zweiten 3 Chemotherapiezyklen ausgewogen essen. Gruppe B (23 Patientinnen) aß während der ersten 3 Chemotherapiezyklen eine ausgewogene Ernährung und fastete während der zweiten 3 Chemotherapiezyklen. In Gruppe A kam es während der Fastenperiode zu einer statistisch bedeutsamen Verbesserung der Lebensqualität. In Gruppe B kam es zu keiner statistisch bedeutsamen Veränderung der Lebensqualität. Die Gruppen wurden nicht vergleichend untersucht.
Die Studie zeichnet sich durch gute Vergleichbarkeit der Gruppen und eine ausführliche Erklärung der statistischen Analyse aus. Es lassen sich jedoch auch einige Kritikpunkte nennen. Gruppe A hatte zu Beginn eine klinisch bedeutsam schlechtere Lebensqualität (jedoch nicht statistisch bedeutsam), was jedoch zu einer Beeinflussung der Ergebnisse geführt haben kann. Die Stichprobe der Studie war klein (50 Patienten) und über den Verlauf der Studie haben weitere 16 Patienten die Studie abgebrochen. Insgesamt haben nur 34 Patientinnen die Studie abgeschlossen. Daher sind die Ergebnisse insgesamt mit Vorsicht zu interpretieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie ein hohes Verzerrungsrisiko aufweist.

 

 

Level of Evidence (Oxford 2011) / Characteristics

Patients

Study Arms (Intervention, Control)

Outcomes

Results

Funding / Conflict of interest

Methodological comments

De Groot et al., 2020: Fasting mimicking diet as an adjunct to neoadjuvant chemotherapy for breast cancer in the multicenter randomized phase 2 DIRECT trial

 

Aim:  This multicentre, open label, randomized DIRECT study was designed to evaluate the impact of an FMD on toxicity as well as on the radiological and pathological response to chemotherapy for breast cancer

Authors’ conclusion: In conclusion, the results of this study are the first to suggest that FMD cycles are safe and effective as an adjunct to chemotherapy in women with early breast cancer.

2

 

RCT

 

Multicenter

 

The Netherlands

Breast cancer patients during neoadjuvant chemotherapy cycles (n=131)

 

Drop-out: n=50 (38.2%)

 

Inclusion criteria:

Breast cancer, > 18 years, BMI ≥ 18kg/m2

 Exclusion criteria:

Diabetes

Arm A (n=66):

Fasting mimicking diet 3 days prior to and during the day of each cycle of chemotherapy

 

Arm B (n=65):

Consuming regular diet

 

Duration:

Fasting 3 days prior to and during neoadjuvant chemotherapy (6–8 cycles of chemotherapy)

Day 1: 1200 kcal/d

Day 2-4: 200 kcal/d

 

 

1. Chemotherapy-related toxicities

CTCAE (Grade III/IV)

2. pathological complete response

3. radiological response RECIST scala

4. pathological response Miller &

Payne Score 4/5

5. Quality of Life EORTC QLQ-C30

6. Psychological distress thermometer

 

 

1. No significant difference between Arm A and Arm B

2. No significant difference between Arm A and Arm B

3. Significant higher radiological response  in Arm A (Arm A: 47, Arm B: 38, p = 0.039)

4. No significant difference between Arm A and Arm B

5. No significant difference between Arm A and Arm B

6. No significant difference between Arm A and Arm B

 

Funding:

This work was supported by grants from Pink Ribbon (2012.WO31.C155) and Amgen (20139098).

 

CoI:

V.D.L. has equity interest in L-Nutra. H.P. has shares in a company that invested in

L-Nutra. The remaining authors declare no competing interests.

(Note: Lnutra is a company with a main focus on fasting)

 

PRO:

  • poweranalysis conducted
  • structured explanation of randomization

 

CONTRA:

  • Small sample size
  • High drop-out
  • Patients not blinded
  • not all outcomes measured in numbers

 

 

RoB 2.0: high risk of bias

De Groot et al., 2020: In dieser Studie (RCT) wurde die Wirkung von Scheinfasten (fasting mimicking diet; FMD) auf die Toxizität, das radiologisch und pathologisch beobachtbare Tumoransprechen, die Lebensqualität sowie die psychichsche Belastung bei Patientinnen mit Brustkrebs untersucht. Hierzu wurden 131 Patientinnen zufällig in 2 Gruppen eingeteilt. In der Interventionsgruppe waren 66 Patientinnen, in der Kontrollgruppe 65 Patientinnen. Die Interventionsgruppe führte das sog. Scheinfasten durch. Das bedeutete, dass jeweils 3 Tage vor und am Tag der Chemotherapie gefastet und nur eine Diät in Form von Suppen, Brühen, Vitamintabletten und Tee verzehrt wurde. Am ersten Tag wurden 1200 Kilokalorien (kcal) aufgenommen, am zweiten, dritten und vierten Tag durften jeweils maximal 200 kcal verzehrt werden. Die Kontrollgruppe durften sich wie gewohnt ernähren.
In der Interventionsgruppe kam es zu einem statistisch bedeutsam besseren radiologisch beobachtbaren Tumoransprechen durch die Chemotherapie. Darüber hinaus zeigten sich keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Autoren schlussfolgern, dass ihre Ergebnisse erste Hinweise dafür liefern, dass ein Scheinfasten während einer Chemotherapie sicher und wirkungsvoll sein könnte.
Die Studie zeichnet sich durch eine gute Vergleichbarkeit der Gruppen zu Beginn und eine ausführliche Erklärung Randomisierung aus. Es lassen sich jedoch auch einige Kritikpunkte nennen. Die Stichprobengröße der Studie war in Ordnung (131 Patienten). Jedoch haben über den Verlauf der Studie 50 Patienten die Studie abgebrochen (drop-out), 44 davon waren in der Interventionsgruppe (Fasten). Als Hauptgrund für den Abbruch wird hier eine Abneigung gegen gewisse Komponenten der Fastendiät genannt. Insgesamt haben nur 81 Patientinnen die Studie abgeschlossen. Daher sind die Ergebnisse insgesamt mit Vorsicht zu interpretieren. Ein solch hoher Drop-out in der Fastengruppe könnte darüber hinaus auf eine schlechte Durchführbarkeit des Scheinfastens während einer Chemotherapie hinweisen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie ein hohes Verzerrungsrisiko aufweist

 

 

Same study (DIRECT Trial), different publication.

Lugtenberg et al., 2021:  Quality of life and illness perceptions in patients with breast cancer using a fasting mimicking diet as an adjunct to neoadjuvant chemotherapy in the phase 2 DIRECT (BOOG 2013-14) trial

Aim: The multicenter, open label, phase II randomized DIRECT study was conducted to evaluate the impact of an FMD on toxicity as well as on the response to neoadjuvant chemotherapy in patients with HER2-negative breast cancer.  QoL and illness perceptions regarding the possible side effects of chemotherapy and the FMD were secondary outcomes of the DIRECT trial.

Authors’ conclusion:  In conclusion, our study suggests that an FMD as an adjunct to neoadjuvant chemotherapy may have beneficial effects on certain QoL and illness perceptions domains (…).

2

 

RCT

 

Multicenter

 

The Netherlands

Breast cancer patients during neoadjuvant chemotherapy cycles (n=131)

 

Drop-out: n=57 (43,5%)

 

 

Inclusion criteria:

Breast cancer, > 18 years, BMI ≥ 18kg/m2

 

Exclusion criteria:

Diabetes

Arm A (n=66):

Fasting mimicking diet 3 days prior to and during the day of each cycle of chemotherapy

 

Arm B (n=65):

Consuming regular diet

 

Duration:

Fasting 4 days at every neoadjuvant chemotherapy cycle (6–8 cycles of chemotherapy)

 

 

1. Quality of Life Baseline EORTC-QLQ-C30/EORTC BR23/BIPQ/

Distress Thermometer)

2. Quality of Life Halfway Therapy

3. Quality of Life before last cycle of 

chemotherapy

4. Quality of Life 6-month-Follow-Up

5. Global Health Status (EORTC-QOL-C30)

6. Illness perception (BIPQ)

 

1. No significant difference between Arm A and Arm B

2. No significant difference between Arm A and Arm B

3. No significant difference between Arm A and Arm B

 

4. No significant difference between Arm A and Arm B

5. During treatment significant reduction in both arms returning to baseline during follow-Up (p < 0.01)

6. No significant difference between Arm A and Arm B (Arm A seems to have better understanding of side effects (p ≤ 0.01) and were significant less concerned (p < 0.05))

 

 

 

 

 

Funding:

This work was supported by grants from  Pink Ribbon (2012.WO31.C155) and Amgen (20139098).

 

CoI:

V.D. Longo has equity interest in L-Nutra. H.Pijl has shares in a company that invested in L-Nutra. The remaining authors declare no competing interests.

(Note: Lnutra is a company with a main focus on fasting)

 

PRO:

  • poweranalysis conducted
  • structured explanation of randomization

 

CONTRA:

  • Small sample size
  • High drop-out
  • Patients not blinded
  • not all outcomes measured in numbers

 

 

RoB 2.0:  high risk of bias

Lugtenberg et al., 2021: In dieser Studie (RCT) wurde die Wirkung von Scheinfasten (fasting mimicking diet; FMD) auf die Lebensqualität zu unterschiedlichen Zeitpunkten, auf den Gesundheitsstatus sowie auf die Wahrnehmung der Erkrankung bei Patientinnen mit Brustkrebs untersucht. Hierzu wurden 131 Patientinnen zufällig in 2 Gruppen eingeteilt. In der Interventionsgruppe waren 66 Patientinnen, in der Kontrollgruppe 65 Patientinnen. Die Interventionsgruppe führte das sog. Scheinfasten durch. Das bedeutete, dass jeweils 3 Tage vor und am Tag der Chemotherapie gefastet und nur eine Diät in Form von Suppen, Brühen, Vitamintabletten und Tee verzehrt wurde. Am ersten Tag wurden 1200 Kilokalorien (kcal) aufgenommen und am zweiten, dritten und vierten Tag durften jeweils maximal 200 kcal verzehrt werden. Die Kontrollgruppe durfte sich wie gewohnt ernähren.
Im Ergebnis zeigten sich keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Die Autoren der Studie schlussfolgern trotz dessen, dass ihre Ergebnisse erste Hinweise dafür liefern, dass ein Scheinfasten während einer Chemotherapie manche Bereiche der Lebensqualität und der Krankheitswahrnehmung bei Brustkrebspatientinnen zu verbessern scheint.
Die Studie zeichnet sich durch eine gute Vergleichbarkeit der Gruppen zu Beginn und eine ausführliche Erklärung Randomisierung aus. Es lassen sich jedoch auch einige Kritikpunkte nennen. Die Stichprobengröße der Studie war in Ordnung (131 Patienten). Jedoch haben über den Verlauf der Studie 57 Patienten die Studie abgebrochen (Drop-out), 45 davon waren in der Interventionsgruppe (Fasten). Als Hauptgrund für den Abbruch wird hier eine Abneigung gegen gewisse Komponenten der Fastendiät genannt. Insgesamt haben nur 74 Patientinnen die Studie abgeschlossen. Daher sind die Ergebnisse insgesamt mit Vorsicht zu interpretieren. Ein solch hoher Drop-out in der Fastengruppe könnte darüber hinaus auf eine schlechte Durchführbarkeit des Scheinfastens während einer Chemotherapie hinweisen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie ein hohes Verzerrungsrisiko aufweist.

 

 

D2_Sogenannte Krebsdiäten: Ketogene Diät


Referenz

Studientyp

 

Patienten-merkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwir­kungen

Finanzierung/ Interessens-konflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenz-klasse (Oxford)

 

Cohen (2018): Favorable Effects of a Ketogenic Diet on Physical

Function, Perceived Energy, and Food Cravings in

Women with Ovarian or Endometrial Cancer:

A Randomized, Controlled Trial

Nutrients. Ref.ID: 954

Prospektiv

 

Multizentrisch

 

Offen

 

Randomisiert

 

2 Arme

 

Anzahl eingeschlossener Teilnehmer N=73, Ausgewertet N=45 (Drop-out Arm A 12x, Arm B 16x)

 

USA, Oktober 2015 - April 2017

Ovarial- und Endometriumkarzinom

 

BMI ≥ 18.5 kg/m2

 

24% CTx

 

Geschlecht: 100% weiblich

 

N=45:

Alter (Mittelwert; Range): 60.2; 31–79 Jahre

Arm A:

N= 37

Ketogene Diät (70 [≥125g]:25 [≤100g]:5[<20g] pro Tag Energie von Fett, Protein, und Kohlenhydrate)

 

Arm B:

N= 36

American Cancer Society diet

(ACS: ballaststoffreich, wenig Fett)

 

Individuelle Diätberatung durch geprüfte Diätassistenten.  Wöchentliche E-Mails. Einmalig persönliches Treffen nach Baseline-Erhebung.

T0: Baseline

T1: nach 12 Wochen

 

Prim. Endpunkte

1. Lebensqualität über mentale und physische Funktionalität, inklusive Energielevel/Fatigue erhoben via SF-12

 

Des Weiteren erhoben: Hungergefühl/Appetit und Craving nach Süßem und stärkehaltigen Produkte

Zu 1.

Signifikanter Unterschied für adjustierte physische Funktionalität (p=0.04), jedoch nicht für mentale Funktionalität; keine signifikanten Gruppenunterschiede für Energielevel/Fatigue

 

Anmerkung:

Unter Berücksichtigung der mit der Diät einhergegangenen Abnahme von Körperfett, wird der Effekt auf physische Funktionalität nicht mehr signifikant (p=0.064), Die Abnahme des Körperfettes scheint die physische Funktionalität maßgeblich zu moderieren

 

Zusammenfassung der Autoren: „In conclusion, we found that, among women with ovarian or endometrial cancer, a KD does

not diminish quality of life; indeed, it may improve physical function, increase energy, and diminish

specific food cravings.“

Keine Angaben zu NW/WW

 

Gewichtsabnahme unklar

Laut Angabe keine CoI

 

Finanzierung: „This research was funded by the American Institute for Cancer Research, UAB Comprehensive Cancer

Center, Nutrition Obesity Research Center P30DK56336, and Diabetes Research Center P60DK079626.”

PRO:

Überwachung der Compliance in Arm A (Ketone im Urin)

 

Einschluss der demographischen Variablen als Kovariaten in Analyse

 

Laut Autoren Gruppenvergleichbarkeit zu Studienbeginn gegeben

 

CONTRA:

Keine Korrektur für multiples Testen

 

Keine Intention-to-Treat Analyse

 

Hoher Drop-Out

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

 

Keine Darstellung der demographischen Charakteristika der Probanden

 

Sehr oberflächliche Darstellung der Rahmenbedingungen

 

Keine Angabe zu möglichen Nebenwirkungen

 

Keine Angabe zum Krebsstadium

 

Keine genaue Angabe über Gewichts- oder Körperfettabnahme der Patienten zum Ende der Studie, obwohl dies in die Analysen einbezogen wurde

2

Cohen (2018): In dieser Studie wurden 73 Patientinnen mit Eierstock- und Gebärmutterkrebs, von denen 45 die Studie beendeten, zufällig in 2 Gruppen eingeteilt. Diese hielten sich für 12 Wochen an eine ketogene Diät (viel Fett, wenig Kohlenhydrate) oder an die Empfehlungen der Amerikanischen Krebsgesellschaft (ballastoffreich, wenig Fett). Untersucht wurde die Lebensqualität. Nach 12 Wochen zeigten sich keine Unterschiede bezüglich seelischer Funktionen und dem Energielevel/ Fatigue. Es zeigte sich jedoch eine bessere körperliche Funktion in der Gruppe mit der ketogenen Diät im Vergleich zur anderen Gruppe. Der Effekt scheint allerdings von der Abnahme des Körperfettes zum Ende der Studie mitbeeinflusst, da der Effekt von ketogener Diät auf die physische Funktionalität unter Berücksichtigung der Körperfettabnahme verschwindet. Insgesamt ist die Studie sehr übersichtlich dargestellt, jedoch werden dabei wichtige Rahmenbedingungen und demographische Variablen der Probanden nicht gegeben. Statistisch gesehen ist die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse jedoch anzuzweifeln, da statistisch bedeutsamen Unterschiede durch die ungenaue Statistik entstanden sein können.

Freedland (2020): A Randomized Controlled Trial of a 6-month low carbohydrate intervention

on disease progression in men with recurrent prostate cancer: Carbohydrate and

Prostate Study 2 (CAPS2)

Clin Cancer Res. Ref.ID: 947

Multizentrisch

 

Offen

 

Randomisiert

 

2 Arme

 

Eingeschlossene Teilnehmer N=57, Ausgewertet N= 45 (Probanden die Studie abgeschlossen haben in Interim Analyse), Drop-Out 13% in Arm A (4x), Arm B 31% (8x)

 

USA, Zeitraum: keine Angabe

 

Anmerkung:
Interim Analyse nach 45 Probanden, von geplanten 60, jedoch nur als Abstract veröffentlicht: Interim analysis of a prospective randomized trial of dietary carbohydrate restriction for men with a rising PSA after failed primary treatment: carbohydrate and Prostate Study 2 (CAPS2)

Prostatakarzinom mit biochemischem Rezidiv nach lokaler Behandlung

 

BMI ≥24 kg/m2

 

Nach Prostatektomie oder definitiver RTx (externe Strahlung und/oder Brachytherapie) oder Kombination

 

Geschlecht: 100% männlich

 

Alter (Median; Range): 72 (66-74) Jahre

Arm A:

N= 31

Kohlenhydratarme Diät (≤20g pro Tag); Betreuung durch Diätassistenten telefonisch wöchentlich in den ersten 3 Monaten und dann alle 2 Wochen in den letzten 3 Monaten

 

Arm B:

N= 26

Kontrollgruppe (keine Diät)

 

Dauer: 6 Monate

 

 

 

T0: Baseline

T1: nach 3 Monaten

T2: nach 6 Monaten

 

Primäre Endpunkt:

1. PSA Verdoppelungszeit

 

Des Weiteren untersucht wurden Gewicht, Nüchternblutzucker, Insulin, HbA1c, CRP

 

Zu 1.

Keine signifikanten Gruppenunterschiede in der mittleren PSA-Verdoppelungszeit (Arm A 21 vs. Arm B 15 Monate; p=0.446)

 

Post-Hoc Analyse:

Nach Adjustierung für wichtigste demographische Variablen und den möglicherweise durch den Gewichtsverlust und damit einhergegangener veränderter Hämokonzentration verringerten PSA-Wert Messung: in Arm A verlangsamte PSA Verdoppelung im Vergleich zu Arm B; jedoch fragwürdig

 

Zusammenfassung der Autoren: „Among biochemical recurrence patients, low carbohydrate diet induced weight loss and metabolic benefits with acceptable

safety without affecting PSA-doubling time suggesting low carbohydrate diet does not adversely affect prostate cancer growth

and is safe.“

Arm A Gewichtsverlust im Vergleich zu Arm B (-12.1 vs. -0.50kg; p<0.001)

 

Weitere Nebenwirkungen: 1x moderate Übelkeit in Arm A und B;

Weitere Milde Symptome waren erbrechen, Diarrhöe, Verstopfung, Kopfschmerzen, Fatigue, Schwächegefühl (Asthenie) Baseline: Arm A 19x vs. Arm B 18x, keine Unterschiede zwischen Gruppen; Anzahl stieg in Arm A zu T1 an auf 30 aber kehrte zu T2 wieder auf 19 zurück, in Arm B stieg die Anzahl auf 19 zu T1 und sank wieder auf 15 zu T2; Mehr Verstopfung und Fatigue in Arm A zu T1 aber sank wieder auf Baseline-niveau zu T2

Keine Angabe zu CoI

 

Finanzierung: „This work was supported by NCI K24 CA160653 and the Hartford Foundation.”

PRO:

Entsprechend Ethik-Guideline der U.S. Common Rule

 

Stratifizierte Randomisierung (Zentrum und BMI)

 

Testung der Compliance mit Ketonen im Urin wöchentlich

 

Umfangreiche und adäquate Analyse mit Einbezug der wichtigsten Faktoren

 

Poweranalyse

 

CONTRA:
Kleine Stichprobe

 

Keine Trennung von Einfluss von Gewichtsverlust und Kohlenhydratdefizit möglich

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

2

Freedland (2020): In dieser Studie wurden 57 Patienten mit Prostatakarzinom zufällig in 2 Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe sollte sich dann über 6 Monate an eine kohlenhydratarme Diät halten, während die andere Gruppe keine Veränderungen in der Ernährung durchführen sollte. Untersucht wurde die PSA- Verdoppelungszeit. Bei einer Zwischenanalyse wurden dann Daten 45 von den 57 Patienten ausgewertet. Es zeigte sich nach 6 Monaten kein Unterschied zwischen den Gruppen für die PSA-Verdoppelungszeit. In einer nachgeschobenen Analyse konnte nach der Anpassung des Modells an wichtige Charakteristika der Probanden dann doch ein Unterschied gefunden werden, mit einem Vorteil für die Diätgruppe im Sinne einer langsameren Verdoppelungszeit. Da diese Analyse allerdings nicht auf vorher formulierten Hypothesen beruht, sondern eine explorative Analyse darstellt, können die Ergebnisse nicht als zuverlässig betrachtet werden. Die Studie überzeugt mit statistischer Sorgfalt und detaillierten Beschreibungen der Studie. Insgesamt ist jedoch die Stichprobe als klein zu betrachten und es kann nicht klar getrennt werden zwischen dem Einfluss des Kohlenhydratdefizits im Körper oder dem damit einhergegangenem bedeutsamen Gewichtsverlust in der Diätgruppe.

Khodabakhshi (2019): Feasibility, Safety, and Beneficial Effects of MCT-Based Ketogenic Diet for Breast Cancer Treatment: A Randomized Controlled Trial Study

Nutrition and Cancer. Ref.ID: 950

Monozentrisch

 

Randomisiert

 

Offen

 

2 Arme

 

Eingeschlossene Teilnehmer N=77, Ausgewertet N=77 (Drop-Out Arm A 10x, Arm B 7x)

 

Iran, Juli 2017 -Oktober 2018

Neoadjuvant/ metastasierendes Mammakarzinom

 

CTx

 

Alter (Mittelwert ± SD): Arm A 44.8 ± 8.4, Arm B

45.2 ± 15.0 Jahre

Arm A:

N=40

Mittelkettige Triglyceride (MKT) basierte 

ketogene Diät (6% Kalorien von

Kohlenhydraten, 19% Protein, 20% MKT, 55% Fett); Patienten bekamen 500ml MKT-Öl von “Nutricia Company” alle 2 Wochen

 

Arm B:

N=37

Standard Diät (55%

Kohlenhydrate, 15% Protein, und 30% Fett)

 

Interventionsdauer: 3 Monate

 

 

Primär. Endpunkte:

1. BMI, Körpergewicht, Fett (%)

 

2. Gesamtüberleben

T0: Baseline

T1: 3. Besuch (nach etwa 9 Wochen)

T2: nach 3 Monaten

 

Zu 1. & Zu T3:

Körpergewicht, BMI, Fett (%) signifikant geringer in Arm A im Vergleich zu B

(p<0.001, p<0.001, p=0.03)

 

Zu 2.

Signifikanter Effekt nur für Subgruppe: Gesamtüberleben war höher in Arm A im Vergleich zu Arm B für Patienten in neoadjuvanter Behandlung (p=0.04) N= 25 (A) + 19 (B)

 

Anmerkung:

Erhöhte Serumspiegel der Ketonkörper in Arm A (0.007–0.92 mmol/l; p<0.001); Nüchternblutzucker signifikant [jedoch nicht klinisch relevant] verringert in Arm A (100.4 ± 11.8 zu

84.5 ± 11.3; p<0.001)

 

Zusammenfassung der Autoren: „In conclusion, our result revealed no serious diet related

side effects for MCT-based KD. It is safe and

feasible to be used and it can improve the biochemical

parameters and body composition in favor of disease

treatment in patients with locally advanced and metastatic

breast cancer. Also KD can improve the overall

survival in neoadjuvant patients.“

Signifikanter Gewichtsverlust in Arm A,

Laut Autoren keine schweren Komplikationen beobachtet (es werden keinerlei Komplikationen gegeben), aber Probanden haben Studie verlassen wegen: Schwächegefühl und Hunger (3x), Schwindel und Hypoglykämie (2x), Energieverlust und hoher Ölanteil der Diät (2x)

Laut Autoren keine CoI

 

 

 

PRO:

Ethikvotum vorhanden.

 

Poweranalyse

 

Gruppenvergleichbarkeit gegeben

 

CONTRA:

Kleine Stichprobe, insbesondere für Subgruppenanalyse der neoadjuvanten Patienten und keine Angabe der Ergebnisse für die Gesamte Stichprob0

 

Unklar ob Intention-To-Treat Analyse tatsächlich durchgeführt wurde, In den demographischen Angaben werden nur 60 Probanden berücksichtigt

 

Unklare und vermeintlich zu kurze Follow-Up Zeit: Rekrutierung der Probandinnen bis Oktober 2018 und Einreichung des Artikels zu Februar 2019

2

Khodabakhshi (2019): In der Studie wurden die Daten von 77 neoadjuvanten Patienten oder Patienten mit metastasierendem Brustkrebs ausgewertet. Diese wurden zuvor zufällig in zwei Gruppen eingeteilt, so dass 40 Patientinnen über 3 Monate eine MKT basierte ketogene Diät (viel Fett, wenig Kohlenhydrate und zusätzliche Einnahme von mittelkettigem Triglycerid-Öl) und 37 Patientinnen eine Standarddiät (wenig Fett) über 3 Monate anwandten. Nach 3 Monaten zeigten die Patienten in der ketogenen Diät ein verringertes Körpergewicht, einen verringerten BMI und eine höhere Abnahme im Körperfett als die Probanden in der Standarddiätgruppe. Die Studie zeigt auch eine höhere Gesamtüberlebenszeit für die neoadjuvanten Patienten (44). Es werden keine Ergebnisse für die gesamte Stichprobe gegeben. Insgesamt liefern die Ergebnisse wenig verallgemeinerbare Ergebnisse, insbesondere aufgrund einer sehr groben Beschreibung der Rahmenbedingungen.

 

Systematisches Review

Erickson (2017): Systematic review: isocaloric ketogenic dietary regimes for cancer patients Medical Oncology. Ref-ID: 958

 

Eingeschlossen:

Fallstudien: Fearon et al. (1988), Nebeling et al. (1995), Bozzetti et al. (1996), Branca et al. (2015), Klement and Sweeny (2016)

Klinische Studien: Rossi-Fanelli et al (1991), Chu-Shore et al. (2010), Bozzetti et al. (2004), Schmidt et al. (2011), Fine et al. (2012), Schröder et al. (2013), Rieger et al. (2014), Champ et al. (2014), Jansen und Wallach (2016), Tan-Shalaby et al. (2016)

Systematisches Review

Suchzeitraum: Oktober 2016

Datenbanken: Medline, Embase; Cinahl, Eric, PsychInfo und Socindex durch Ebsco

Einschlusskriterien: Klinische Studien, Fall-Kontrollstudien, Kohortenstudien veröffentlicht zwischen Januar 1980 und Oktober 2016, jedoch auch Suche nach RCTs, nicht-randomisierte Studien, kontrollierte Studien, unkontrollierte Studien und Beobachtungsstudien

Studieneinschluss n=15; nur Studien mit isokalorischer Diät

Insgesamt n=330, davon 177 in Interventionsgruppe, 67/177 schlossen Diät ab (keine Daten von n=18)

Verschiedene Krebsentitäten

Stichprobe: Kinder und Erwachsene

Interventionsarten:

isokalorische ketogene Diät

Dauer/ Range: von einmaliger 3-Stunden Glukose- oder Lipidbasierte parenteraler Lösung, zu 4 Tage – 5 ½ jähriger Diät, im 6 von 15 Intervention ≥ 3 Monate

Teilweise mit Supervision, aber auch einfache Instruktionen für Patienten à alle Studien sehr heterogen in den Diäten

1. Tumorwachstum

2. Durchführbarkeit/ Adherenz

3. QoL

 

 

1. 1 Studie: keine Korrelation zwischen klinischer Tumorantwort und Ketose (Tan-Shalaby); 1 Studie: Ausmaß der Ketose (unabhängig von Kaloriendefizit oder Gewichtsverlust) korrelierte mit „nicht Fortschreiten der Erkrankung“ oder partieller Remission (n=10, Fine et al.); 1 Studie: kein Unterschied zwischen verschiedenen Diätformen (Total Parentale Ernährung, Rossi et al.); 2 Studien keine Schlüsse möglich (Champ et al.); 1 Fallbericht: keine Veränderung des Tumorvolumens (Bozetti et al. 1996)

2.  1 Studie:6 von 53 Patienten absolvierten die Diät ohne große Komplikationen (Champ et al.); 2 Studien: positive Ergebnisse für Durchführbarkeit (Schmidt et al., bei n=6; Rieger et al.);1 Studie: gute Toleranz der Intervention ohne Gewichtsverlust (Bozetti et al., 1996)

3. 1 Studie positive Ergebnisse für QoL bei n=6 (Schmidt et al.)

Zusammenfassung der Autoren:  „In contrast, to the considerable attention from researchers,

physicians and the media for its potential role in cancer

treatments, evidence on benefits regarding tumor development

and progression as well as reduction in side effects

of cancer therapy is missing.“

Nebeling et al.: Autoren empfehlen keine ketogene Diät bei Patienten  unter RTx oder CTx, die Appetitmangel, Leber- und Nierenprobeme oder Übelkeit oder Erbrechen zeigen; Klement and Sweeney: Gewichtsverlust; Rossi-Fanelli et al: Lymphozytenzahl signifikant geringer in Interventionsarm; Chu-Shore: 1/5 Abbruch  der Diät  aufgrund von kognitiven Veränderungen; Schmidt et al.: Gewichtsverlust, Obstipation und Fatigue, Abbruch von 5/16 Fine et al.: im Mittel 4% Gewichtsverlust, Abbruch von 5/10; Rieger et al.: Abbruch von 3/20 wegen Einschränkungen in der Lebensqualität und geringe Toleranz; Champ et al.: Gewichtsverlust, Obstipation, Fatigue, Hypoglykämie, tiefe Venenthrombose, Nephrolithiasis; Tan-Shalaby et al.: 8/11 (73%) Gewichtsverlust, 7/11 (64%) Hyperurikämie und weitere Nebenwirkungen

Interessenskonflikte: „Nicole Erickson has received a speaker honorarium

from B. Braun, CSL-Behring and Fresenius Kabi. The content

of these talks was not related to the content of this article.

A. Boscheri, B. Linke and J. Huebner declare no conflict of interest.“

PRO:

Detaillierte Auflistung der Studien und Nebenwirkungen

 

 

3

Erickson (2017): In diesem systematischen Review wurden 15 Studien aufgenommen. Randomisierte kontrollierte Studien lagen nicht vor. Die Anzahl der Teilnehmer in den Studien war meist sehr gering, so dass zusammen nur 177 Teilnehmer (von 330) eine ketogene Diät oder Diät mit sehr geringem Anteil an Kohlenhydraten eingenommen hatten. Einschlusskriterium waren Studien mit isokalorischen ketogenen Diäten.  Dies bedeutet, dass trotz Diät genug Kalorien aufgenommen werden sollten, um einen Gewichtsverlust zu vermeiden. Die eingeschlossenen Studien untersuchten zum Beispiel die grundsätzliche Durchführbarkeit der Diät bei Krebspatienten, die Lebensqualität der Patienten, den Einfluss der Diät auf den Tumor und die Nebenwirkungen der Diät. Es zeigten sich durchmischte Ergebnisse für die Durchführbarkeit, wenige Ergebnisse für die Lebensqualität. Insgesamt wurden viele Nebenwirkungen der Diät berichtet mit unter Anderem Fatigue, deutlichem Gewichtsverlust und Verstopfung.

 

BUN: Blood Urea Nitrogen; Study Short Form-12 Health Survey (SF-12); LCT: langkettige Fettsäuren; MCT: mittelkettige Fettsäuren; QoL: Lebensqualität

Literaturhinweise

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[304] Khodabakhshi, A, Akbari, ME, Mirzaei, HR, Mehrad-Majd, H, Kalamian, M, Davoodi, SH, Feasibility, Safety, and Beneficial Effects of MCT-Based Ketogenic Diet for Breast Cancer Treatment: A Randomized Controlled Trial Study., Nutr Cancer, 2020. 72 (4)(4): p. 627-634., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31496287/

[305] Cohen, CW, Fontaine, KR, Arend, RC, Soleymani, T, Gower, BA, Favorable Effects of a Ketogenic Diet on Physical Function, Perceived Energy, and Food Cravings in Women with Ovarian or Endometrial Cancer: A Randomized, Controlled Trial., Nutrients, 2018. 10 (9)(9):, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30200193/

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[316] CAM Cancer Collaboration, Budwig Diet, 2023., https://cam-cancer.org/budwig-diet

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[318] Onkopedia, Breuß-Diät, 2023., https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/breuss-diaet/@@guideline/html/index.html

[319] CAM Caner Collaboration, Breuss Cancer Cure, 2023., https://cam-cancer.org/breuss-cancer-cure