Leitlinienprogramm OnkologieKlinische Ernährung in der Onkologie

6. Pharmakologische Substanzen zur Verbesserung des Ernährungszustandes bei Personen mit fortgeschrittener Tumorerkrankung – Klinische Ernährung in der Onkologie

Version 1.0 · Januar 2026 · AWMF 073 - 006OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Bei mangelernährten Patienten mit einer Tumorerkrankung können isolierte Nährstoffe (Pharmakonutrients) oder pharmakologische Substanzen eingesetzt werden, um die der Mangelernährung zugrunde liegenden Prozesse in anaboler Richtung umzustimmen. Hierzu zählen insbesondere symptomlindernde, infekt-bekämpfende oder den Gastrointestinaltrakt unterstützende Substanzen. Untersuchungen zum Einsatz spezieller Nährstoffe zur Behandlung einer Mangelernährung beschränken sich vorallem auf Aminosäuren und langkettige Fettsäuren der Omega-3-Reihe [67]. Diese sollen in einem Update dieser Leitlinie neu bearbeitet werden.

Zur Behandlung einer Mangelernährung bei Personen mit fortgeschrittener Tumorerkrankung wurden vor allem Androgene, Kortikosteroide und Progestine untersucht. Die Datenlage zur Wirksamkeit von Cannabinoiden (s.a. S3-Leitlinie Komplementärmedizin, Statement 7.76 bei Anorexie/Kachexie), nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAID) und Prokinetika ist heterogen. Neuere Untersuchungen lassen für den Dopaminantagonisten Olanzapin eine günstige Wirkung annehmen. Diese Substanzen sollen in einem Update dieser Leitlinie bearbeitet werden.

Für den Einsatz im kurativen Setting liegen keine Untersuchungen vor.

6.1 Androgene gegen Gewichts- und Muskelverlust

Androgene oder anabole androgene Steroide fördern den Aufbau und Erhalt von Muskel- und Knochenmasse, gehen jedoch mit androgenen und virilisierenden Wirkungen einher. Testosteron und seine Derivate verbessern die Muskelmasse und -kraft insbesondere bei hypogonadalen Männern sowie bei älteren, eugonadalen Männern [274]. Da bei Männern mit fortgeschrittener Tumorerkrankung häufig niedrige Testosteronspiegel gemessen werden [275], wurden vor allem synthetische Androgene hinsichtlich ihrer muskelsteigernden Wirkung bei diesen Patienten untersucht. Die Ergebnisse zeigten jedoch nur eine unzureichende Wirkung sowie eine hohe Rate unerwünschter Wirkungen [67]. In Deutschland sind synthetische Androgene nicht zugelassen, während im Erwachsenenalter Testosteron und seine Derivate bei Männern zur Behandlung eines klinisch und laborchemisch nachweisbaren Hypogonadismus zugelassen sind.

6.1 · Evidenzbasiertes Statement 2025
Es liegen keine ausreichenden konsistenten Daten aus RCTs zur Wirksamkeit von Androgenen zur Steigerung der Muskelmasse oder der Körpermagermasse* (lean body mass) vor. Es kann keine Empfehlung zum Einsatz von Androgenen bei Patienten mit einer onkologischen Erkrankung gegeben werden.

* Der englische Begriff „lean body mass“ (LBM) entspricht dem Begriff der Körpermagermasse und bezeichnet die um die Fettspeicher bereinigte Körpermasse: Körpermagermasse = Körpergewicht minus Fettspeichermasse.
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[276] [277] [275] [278] [279]
Evidenztabellen (1)C 1_Pharmakologische Substanzen: Androgene
Diese Empfehlung beruht auf Empfehlung Nr. 24 der Vorgängerleitlinie [1], auf zwei randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) zur Wirksamkeit von Androgenen bei Kachexie oder Gewichtsverlust [278], [279], die in der systematischen Recherche seit der Vorgängerleitlinie identifiziert wurden, sowie auf der klinischen Erfahrung der Leitliniengruppe.
Wright et al. (2018) verglichen sieben wöchentliche intramuskuläre Gaben von Testosteronenanthat (n=9) mit physiologischer Kochsalzlösung (n=12) bei Patienten mit Pattenepithelkarzinom der Zervix oder des Kopf-Hals-Bereichs. Der primäre Endpunkt, die Körpermagermasse (LBM, lean body mass), nahm unter Testosteron bis zum Studienende im Mittel um 1,3 kg (3,2%) zu (p=0,06), während sie in der Kochsalzgruppe im Mittel um 2,0kg (3,3%; p=0,09) abnahm. Der Unterschied zwischen den Gruppen war signifikant (p=0,015). Eine Bestimmung der Muskelmasse erfolgte nicht, sodass nicht auszuschließen ist, dass die Unterschiede in der LBM zumindest zum Teil auf Wassereinlagerungen zurückzuführen sind. Die Fettmasse nahm in beiden Gruppen signifikant ab. Die Testosteron- und Placebo-Gruppe unterschieden sich am Studienende nicht hinsichtlich der gemessenen Muskelkraft, der körperlichen Leistungsfähigkeit, des Ruheenergieumsatzes und der mit Vigorimetern gemessenen Tagesaktivität. Bei den als sekundäre Endpunkte untersuchten Parametern der Lebensqualität zeigte sich am Studienende ein signifikant günstigerer Verlauf unter Testosteron für das soziale Wohlbefinden (p=0,05). Unerwünschte Wirkungen unterschieden sich zwischen den beiden Untersuchungsgruppen nicht wesentlich [278].
Rhee et al. (2021) verglichen die wöchentliche Gabe von oralem Testosteron (n=19) mit einem Placebo (n=23) bei Patienten mit Prostatakrebs unter Androgendeprivationstherapie (ADT). Der primäre Endpunkt, die Körpermagermasse (LBM, lean body mass), nahm unter Testosteron nach sechs Monaten tendenziell zu und fiel in der Placebo-Gruppe tendenziell. Der Unterschied von 0,8kg (1,3%; 95% KI, −0,1 bis 1,7; p=0,04) zwischen den Gruppen war nicht signifikant. Der zweite primäre Endpunkt zeigte eine signifikante Verbesserung des Knochenmineralstoffgehalts bei Testosteron verglichen mit Placebo um 49 g (1,7%; 95% KI, 5 bis 93; p=0,014). Die Fettmasse stieg in beiden Gruppen um 0,7kg. Eine Bestimmung der Muskelmasse erfolgte nicht, sodass nicht auszuschließen ist, dass die Unterschiede in der LBM zumindest zum Teil auf Wassereinlagerungen zurückzuführen sind. Fünf Patienten in der Testosteron-Gruppe zeigten während der Studie einen Anstieg des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen), woraufhin diese Patienten aus Sicherheitsgründen aus der Studie ausgeschlossen wurden. Am Ende der Studie (Zeitpunkt wurde nicht berichtet) fielen die PSA-Werte weitestgehend wieder auf ihren Ausgangswert zurück [279]. In dieser Studie wurde ein neuartiges Verfahren zur gezielten Applikation von Testosteron in die Leber verwendet (LTTT=low dose liver-targeted testosterone therapy), bei dem postuliert wird, dass der Hauptwirkort der Androgene die Leber ist. Ein Review zu dieser Frage kam allerdings zu dem Schluss, dass nicht geklärt ist, welche Mechanismen die Proteinbilanz in der Skelettmuskulatur steuern [280].
Beide Studien schlossen nur eine geringe Anzahl an Patienten ein und wiesen zudem eine niedrige methodische Qualität auf, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. Aufgrund dieser limitierten Evidenz lässt sich lediglich ein neutrales Statement rechtfertigen, dass die Evidenz nicht ausreicht, um eine Empfehlung auszusprechen. Ein Einsatz von Testosteron bei Männern setzt den laborchemischen Nachweis eines Hypogonadismus (d.h. niedriger Testosteronserumspiegel) voraus.
Da in der systematischen Recherche keine Studien zu Kombinationstherapien eingeschlossen wurden, sondern nur Studien mit Einzelsubstanzen, kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob eine Kombinationstherapie, mit z.B. körperlicher Bewegung, einen positiven Effekt auf die Körpermagermasse hätte.

Die Vorgängerleitlinie der DGEM von 2015 [1] und die ESMO-Leitlinie von 2021 [281] sprechen sich wegen unzureichender Evidenz gegen eine Empfehlung aus, allerdings ohne die Wright-Arbeit einzubeziehen. Die ESPEN-Leitlinie von 2017 [67] und die ASCO-Leitlinie von 2020 [282] sprechen keine Empfehlung zur Gabe von Androgenen aus.

6.2 Kortikosteroide gegen Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit

Kortikosteroide sind zur Palliativtherapie maligner Tumoren zugelassen und können neben einer Appetitsteigerung auch stimmungsaufhellend und antiemetisch wirken. Wegen der relevanten immunsuppressiven Wirkung sollen Steroide in Zeiten breit eingesetzter immunonkologischer Therapien jedoch grundsätzlich mit Zurückhaltung und nur in Rücksprache mit den behandelnden Onkologen eingesetzt werden, da prinzipiell ein antitumoraler Therapieeffekt gefährdet werden kann. Unerwünschte Steroidwirkungen sind zu beachten und betreffen neben der Immunsuppression unter anderem Infektneigung, Insulinresistenz, Myopathie, Wassereinlagerung und Ödeme, Hypertonie sowie ein erhöhtes Thromboserisiko.

6.2 · Evidenzbasierte Empfehlung 2025

Bei Patienten mit weit fortgeschrittener Tumorerkrankung können Kortikosteroide kurzzeitig und unter Beachtung möglicher unerwünschter Wirkungen zur Steigerung des Appetits im Einzelfall erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[283] [277] [284] [285] [286] [287]
Evidenztabellen (1)C 2_Pharmakologische Substanzen: Kortikosteroide

Diese Empfehlung beruht auf Empfehlung 21 der Vorgängerleitlinie [1], auf einer randomisiert kontrollierten Studie (RCT) zur Wirksamkeit von Kortikosteroiden bei Appetitlosigkeit [287], die in der systematischen Recherche seit der Vorgängerleitlinie identifiziert wurde, sowie auf der klinischen Erfahrung der Leitliniengruppe.

Currow et al. (2021) analysierten die Wirksamkeit eines Kortikosteroids (Dexamethason) und eines Progestins (Megestrolazetat) im Vergleich zu Placebo auf den Appetit bei Patienten mit einer onkologischen Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Nach einer Woche verbesserte sich der Appetit tendenziell in allen Gruppen (Anteil Responder: 65,5% [Dexamethason], 58,5% [Placebo]). Im direkten Vergleich zwischen den Gruppen und mit Placebo zeigte sich kein signifikanter Unterschied (p=0,067, n=190). Allerdings berichteten nach 4 Wochen von den initialen Respondern unter Dexamethason noch 52% über eine Appetitverbesserung, unter Placebo lediglich 32%. Beim Gewicht, beim Leistungsstatus und bei der Lebensqualität zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen [287].

Die Vorgängerleitlinie der DGEM von 2015 [1] sowie die internationalen Leitlinien der ESPEN [67], ASCO [282] und ESMO [281] geben eine schwache Empfehlung für die kurzfristige Gabe (wenige Wochen) von Kortikosteroiden zur Appetitsteigerung. Diese Empfehlungen basieren hauptsächlich auf dem systematischen Review von Yavuzsen et al. von 2005 [284].

Yavuzsen et al. analysierten fünf placebokontrollierte RCTs mit insgesamt 579 Tumorpatienten mit Anorexie und Gewichtsverlust. Zwei Studien berichteten für intravenös appliziertes Methylprednisolon über einen Zeitraum von acht Wochen eine Verbesserung des Appetits [288], [289]. In einer Studie über zwei Wochen verbesserte auch oral verabreichtes Methylprednisolon den Appetit [290]. Ebenfalls appetitsteigernd wirkte orales Prednisolon über eine Studiendauer von sechs Wochen [291]. Moertel et al. zeigten bei der Gabe von oralem Dexamethason eine Appetitsteigerung für zwei Wochen, die nach vier Wochen Therapie nicht mehr nachweisbar war [292]. Das systematische Review von Yavuzsen wurde im Rahmen der Erstellung der ASCO-Leitlinie von Zang et al. mit niedriger Qualität bewertet [293].

Aufgrund der insgesamt limitierten Evidenz entschied sich die Leitliniengruppe für eine „Kann“-Empfehlung. Wegen der nach wenigen Wochen offensichtlich nachlassenden Wirkung auf den Appetit und der ungünstigen Langzeitwirkungen sollten Kortikosteroide zur Appetitsteigerung prinzipiell nur für einen auf wenige Wochen begrenzten Zeitraum erwogen werden.

6.3 Progestine gegen Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit

6.3 · Evidenzbasierte Empfehlung 2025

Bei Patienten mit weit fortgeschrittener Tumorerkrankung kann zur Steigerung des Gewichts oder Appetits unter Beachtung eines erhöhten Thromboembolierisikos im Einzelfall der Einsatz von Progestinen erwogen werden. Eine Verordnung ist jedoch nur im Rahmen eines Off-Label-Einsatzes möglich.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1
Konsens
Konsens
Literatur
[277] [294] [295] [284] [296] [297]
Evidenztabellen (1)C 3_Pharmakologische Substanzen: Progestine

Diese Empfehlung beruht auf Empfehlung 22 der Vorgängerleitlinie [1], einem systematischen Review zur Wirksamkeit von Progestinen bei Kachexie [297], das in der systematischen Recherche seit der Vorgängerleitlinie identifiziert wurde, sowie auf der klinischen Erfahrung der Leitliniengruppe.

Ruiz-Garcia et al. (2018) analysierten 25 RCTs mit Patienten mit einer onkologischen Erkrankung, die Megestrolazetat erhielten. Nicht für alle Analysen wurden die Daten getrennt für onkologische Patienten berichtet und nur diese sind im Folgenden aufgeführt. Die Meta-Analyse zeigte eine signifikante Gewichtszunahme bei der Gabe von Megestrolazetat im Vergleich zu Placebo (2,36kg; 95% KI 1,00 - 3,71; 4 RCT; n=250). Zu beachten ist, dass in dieser Meta-Analyse eine Kinderstudie eingeschlossen wurde, so dass die tatsächliche Gewichtszunahme für erwachsene Krebspatienten niedriger zu erwarten ist, da die Kinderstudie einen höheren Wert aufzeigte, als die drei Studien mit Erwachsenen. Weiterhin zeigte die Meta-Analyse eine signifikante Gewichtszunahme von 1,45 kg (95% KI 0,15 - 2,75; 2 RCTs, n=101), wenn die Megestrolazetat-Gruppe mit einer Gruppe verglichen wurde, die keine Behandlung erhielt. Die Analysen zur Lebensqualität zeigten keine Veränderung durch Megestrolazetat im Vergleich zu Placebo. Bei Krebspatienten zeigte die Untersuchung zu unerwünschten Wirkungen keinen Unterschied zwischen der Megestrolazetat-Gruppe und der Vergleichs-Gruppe (keine Behandlung). Wenn die Daten für alle Erkrankungen (Patienten mit einer onkologischen Erkrankung, HIV oder einer anderen Erkrankung) herangezogen wurden, zeigte sich eine signifikante Erhöhung an unerwünschten Wirkungen in der Megestrolazetat-Gruppe verglichen mit der Placebo-Gruppe (RR=1,46; 95% KI 1,05 - 2,04; 8 RCTs; n=638). Die Art der Nebenwirkungen wurde nicht separat berichtet [297].

Die Vorgängerleitlinie der DGEM von 2015 [1] gibt eine „Kann“-Empfehlung zur Steigerung des Appetits für Patienten in palliativer Situation unter Beachtung möglicher unerwünschter Nebenwirkungen. Die ESPEN-Leitlinie [67], die ASCO-Leitlinie [282] und die ESMO-Leitlinie [281] sprechen eine schwache Empfehlung zur kurzfristigen Gabe von Progestinen zur Appetit- und Gewichtssteigerung aus. Diese Empfehlungen basierten auf mehreren systematischen Reviews, hauptsächlich auf einem Cochrane-Review von 2013 [296].

Aufgrund der insgesamt limitierten Evidenz lässt sich lediglich eine „Kann“-Empfehlung rechtfertigen.

Für keines der in Deutschland zugelassenen Progestine liegt eine Zulassung für die Behandlung von Appetit- oder Ernährungsstörungen vor, sodass für diese Indikationen nur ein Off-Label-Einsatz möglich ist. Megestrolazetat ist Tablettenform zu 160 mg erhältlich. In Studien wurden Tagesdosen von 160 bis 800 mg appliziert. An Nebenwirkungen sind zu erwarten und zu beachten: Impotenz, vaginale Blutungen, Thromboembolien, Kopfschmerzen, Nausea, Emesis, Akne, Stimmungsschwankungen.

Evidenztabellen

C 1_Pharmakologische Substanzen: Androgene

Evidenztabelle der DGEM-Vorgängerleitlinie “Klinische Ernährung in der Onkologie“ (Arends et al. 2015)

Reference

Level of Evidence

Trial design

Patients n

Patients characteristics

Intervention/methods

Outcome

Results

Chlebowski et al., 1986: Influence of nandrolone decanoate on weight loss in advanced non-small cell lung cancer. Cancer

Ib

RCT

37

patients with unresectable non-small cell lung cancer undergoing combination chemotherapy

Patients were treated with doxorubicin, cyclophosphamide, CCNU, and vincristine, with and without cisplatin, all given every 28 days. In addition, patients were randomized to receive either nandrolone decanoate 200 mg intramuscularly weekly for 4 weeks (n=17) or no additional therapy (n=20).

Effect of a 4 week treatment with nandrolone decanoate on body weight, performance score, antitumor response to chemotherapy and survival

Patient age, disease extent, performance score, and pretreatment weight loss were similar in the two treatment arms. Objective antitumor response frequency and survival were comparable on both treatment arms. There was no difference in weight loss.

Loprinzi et al., 1999: Randomized comparison of megestrol acetate versus dexamethasone versus fluoxymesterone for the treatment of cancer anorexia/cachexia

Ib

RCT

475

Patients suffering from cancer anorexia/ cachexia

Patients were randomized to receive either dexamethasone 0.75 mg qid, megestrol acetate 800 mg orally every day, or fluoxymesterone 10 mg orally bid.

The current trial was developed to compare and contrast a progestational agent, a corticosteroid, and an anabolic corticosteroid for the treatment of cancer anorexia/cachexia.

Fluoxymesterone resulted in significantly less appetite enhancement and did not have a favorable toxicity profile. Megestrol acetate and dexamethasone caused a similar degree of appetite enhancement and similar changes in nonfluid weight status, with nonsignificant trends favoring megestrol acetate for both of these parameters. Dexamethasone was observed to have more corticosteroid-type toxicity and a higher rate of drug discontinuation because of toxicity and/or patient refusal than megestrol acetate (36% v 25%; P=0.03). Megestrol acetate had a higher rate of deep venous thrombosis than dexamethasone (5% v 1%; P=0.06).

Burney et al.
2012: Low testosterone levels and increased inflammatory markers in patients with cancer and relationship with cachexia

Ib

OBS

45

50

45

males with cancer-cachexia male cancer patients without cachexia male noncancer controls

cross-sectional study; enrolled were patients from a tertiary-care center. Total testosterone, bioavailable testosterone, C-reactive protein (CRP), and IL-6 were measured in plasma. Functional performance was assessed by the Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG) and Karnofsky Performance Scales (KPS), and sexual function was assessed by the International Index of Erectile Function (IIEF)

inflammation, and symptom relationship between serum testosterone levels, burden.

Low testosterone levels were seen in more than 70% of patienst with cancer cachexia. Total testosterone was lower in cancer patients with cachexia compared to non-cachectic patients. Also, cachectic patients had lower bioavailable testosterone, grip strength, IIEF scores, appendicular lean body mass, and fat mass and higher IL-6 and CRP compared to controls. ECOG and KPS were lower in both cachectic and non-cachectic cancer patients compared to controls. On multiple regression analysis, total testosterone, albumin, and CRP predicted symptoms differentially in cancer patients.

 

Aktuelle Suche und Evidenzaufarbeitung 2024

LoE (Oxford 2011) /

Study characteristic

Patient characteristics

Study arms (intervention

control)

Endpoints

Main results

Adverse Events / Side effects

Funding / Conflict of interest (COI)

Methodological comments

Wright et al. 2018: A randomized trial of adjunct testosterone for cancer-related muscle loss in men and women

LoE 2

RCT/Phase II

Double-blind

Prospective

Monocentric

n=24 (randomized)

http://clinicaltrials.gov number NCT00878995

Country: Texas (US)

Study period: discrepant reporting between protocol (3 months) and publication (7 weeks)

18–75 years (men & women)

 

Advanced or recurrent squamous cell carcinoma of the cervix (stages IIB, IIIA, and IIIB) or advanced or recurrent head and neck squamous cell carcinoma (stage III or IV)

 

Lost at least 5% of body mass over the past 12 months

 

ECOG: 0-1

A: Testosterone (T)

100 mg T testosterone enanthate injection (im) 1x/week for 7 weeks.

(n=9)

 

B: Placebo (P)

Sterile saline injection 1x/week for 7 weeks.

(n=12)

 

Study duration:

47,0 ± 7,7 days (testosterone)

 

47,8 ± 9,6 days

(placebo)

Prim. EP:

1. LBM (DEXA)

 

Sec. EP:

2.Muscle strength (peak leg extension torque and power)

P n=7; T n=8

 

3. Physical performance (SPPB)

P n=8; T n=5

 

4.mREE (indirect calorimetry) & nutrition (SDR)

P n=8; T n=7

 

5. Activity (accelerometry monitor on the waist)

P n=10; T n=6

6. QoL (FACT-G)

P n=8; T n=8

7. 1-year survival

8. Safety

9. Blood chemistry (not reported here, as no patient-oriented outcome)

After 7 weeks:

1. LBM decreased in the placebo group by 2.0 kg or 3.3% (95% CI, -7.3% to 0.7%, p=0.09), and increased in the testosterone group by 1.3 kg or 3.2% (95% CI, -0.5% to 6.7%, p = 0.06). à The per cent change in lean body mass was significantly different between groups (p=0.015).

2. Muscle strength

The average per cent change in peak power was not significantly different between the placebo and testosterone groups (p=0.83).

 

3. Physical performance

The testosterone group had a clinically meaningful increase in total SPPB score of 1.4 (95% CI, 2.6 to 5.4) points following treatment (not significant)

4. mREE & nutrition

The average energy balance was more positive in the testosterone group than placebo, the values were variable and not significantly (p=0.63).

5. Activity

Pre and post study or between placebo and testosterone group à no significant difference

6. QoL

The testosterone group showed clinically meaningful improvement in total score (+4.5, 95% CI, -10.7 to 19.6) with no meaningful change in the placebo group (-3.1, (95% CI, -14.3 to 8.1) (not significant).

Result of subtest: Social well-being improved meaningfully in the testosterone group (+3.6) and had no meaningful change in the placebo group (-0.4). (p=0.05) (just significant)

7. Survival

Survival was not different between the two groups (p=0.96)

No of patients experiencing any adverse event:

Placebo: 7 (58.3%)

Testosterone:6 (66.7 %). p=1.000.

à no significant difference between groups

Funding

National Cancer Institute grant & the Institute for Translational Sciences at the Univer- sity of Texas Medical Branch, supported in part by a Clinical and Translational Science Award from the National Center for Advancing Translational Sciences, National Institutes of Health.

 

COI:

All authors declare that they have no COI.

RoB assessment:

High risk of bias (lean body mass)

Domain 1: Low

Domain 2: High

Domain 3: Some concerns

Domain 4: Low

Domain 5: High

à Data quality very low

 

PRO:

Study approved by Institutional Review Board

 

Power analysis reported (indicating that a sample size of 12 patients per group would provide >0.99 power to detect changes in lean body mass, with as few as 6 patients per group providing power >0.87)

 

CONTRA: Monocentric; small study size; risk of multiple testing without adjustment, risk of selective reporting

LoE, Level of Evidence; ECOG, Eastern Cooperative Oncology Group; im, intramuscular; prim. EP, primary endpoint; sec. EP, secondary endpoint; LBM, lean body mass; DEXA, dual-energy X-ray absorptiometry; SPPB, Short Physical Performance Battery; mREE, Resting energy expenditure; SDR, self-reported dietary record; QoL, Quality of Life; FACT-G, Functional Assessment of Cancer Therapy-General; No, number.

Wright et al. 2018: In dieser Studie wurden 24 erwachsene Patienten mit Gebärmutterhalskrebs oder Krebs im Kopf-Halsbereich im fortgeschrittenen Krankheitsstadium eingeschlossen, die in den letzten 12 Monaten einen Gewichtsverlust von über 5% hatten. Das erstrangige Ziel der Studie war es die Wirksamkeit von Testosteron auf den Gewichtsverlust der Körpermagermasse (lean body mass) zu untersuchen. Dafür wurden die Patienten zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Einer Gruppe wurde Testosteron und der anderen Gruppe ein Scheinmedikament (Placebo) verabreicht. Die Gruppen-Einteilung war weder den Patienten, noch den Untersuchern bekannt. Die Haupt-Analyse zeigte nach sieben Wochen eine statistisch bedeutsame Erhöhung der Körpermagermasse um 3,3 kg in der Testosteron-Gruppe verglichen mit der Placebo-Gruppe. Die Analysen zeigten, dass sich die Lebensqualität tendenziell verbesserte, was sich hauptsächlich auf eine verbesserte Lebensqualität in der Unter-Kategorie des „sozialen Wohlbefindens“ zurückführen ließ. Weitere Analysen zur Muskelkraft, zur körperlichen Leistungsfähigkeit, zum Ruheenergieumsatz, zur Aktivität und zum Überleben zeigten keine Unterschiede zwischen der Testosteron-Gruppe und der Placebo-Gruppe. Die Analysen zu Neben- und Wechselwirkungen zeigten ebenfalls keine Unterschiede zwischen der Testosteron-Gruppe, verglichen mit der Placebo-Gruppe. Die Qualität der Studie wird als sehr niedrig bewertet. Es wurden sehr viele Ergebnisse gemessen, für die in der Analyse jedoch keine entsprechende statistische Korrektur vorgenommen wurde. Dadurch entsteht das Risiko, dass ein Effekt als bedeutsam interpretiert wird, der es in Realität nicht ist. Zudem ist die Anzahl der untersuchten Patienten sehr gering, so dass insgesamt die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.

 

LoE (Oxford 2011) /

Study characteristic

Patient characteristics

Study arms (intervention

control)

Endpoints

Main results

Adverse Events / Side effects

Funding / Conflict of interest (COI)

Methodological comments

Rhee et al. 2021: A Novel Liver-targeted Testosterone Therapy for Sarcopenia in Androgen Deprived Men With Prostate Cancer

Level 2

RCT/pilot study

Double-blind

Prospective

Monocentric

n=50 (randomized)

Clinical Trials Registry: ACTRN12616001166460 (registration occurred after first participant had been enrolled).

Country: Australia

Study period: not reported

18–80 years

 

Men with prostate cancer on androgen deprivation therapy (ADT)

A: Testosterone (T)

40 mg oral testosterone (via LTTT*) daily for 6 months (analyzed n=19)

 

B: Placebo

Matching placebo capsules taken in an identical manner (analyzed n=23)

 

Stratifications: Participants were recruited into acute or chronic groups in a ratio of 2:3.

Prim. EP:

1. LBM (DEXA)

2. bone mineral content (DEXA)

 

Sec. EP:

3. Fat mass (DEXA)

4. Safety (at 3 & 6 months), mainly PSA

After 6 months:

1. LBM

A trend toward an increase of 0.5 kg (95% CI, −0.2 to 1.3) of LBM during LTTT and toward a fall of −0.2 kg (95% CI, −0.8 to 0.3) during placebo treatment resulting in a gain of 0.8 kg (1.3%; 95% CI, −0.1 to 1.7, p=0.04), compared to placebo.” à slight increase in LBM, not significant with significant level p=0.025, due to two primary endpoints.

2. “Mean BMC also increased during LTTT and fell during placebo treatment resulting in a significant gain of 49 g (1.7%; 95% CI, 5 to 93) g (p=0.014) over placebo treatment.”

3. Fat mass increased by 0.7 kg (2.1%) in both groups. (at the border to significance)

During the treatment phase, 5 testosterone patients were withdrawn from the study because of rising PSA levels.

The PSA concen- trations in all 5 patients returned to baseline levels after withdrawal.

Funding

National Prostate Cancer Foundation of Australia & Princess Alexandra Hospital Re- search Support Scheme.

 

COI:

The authors declare that they have no COI.

RoB assessment:

High risk of bias (lean body mass)

Domain 1: Low

Domain 2: High

Domain 3: High

Domain 4: Low

Domain 5: Some concerns

à Data quality very low

PRO: Study approved by Research Ethics Committee

CONTRA: Two primary endpoints, significant level should be p<0.05/2= 0.025;

the power analysis differs between protocol and publication;

small study size; patients with rising PSA were excluded from efficacy analysis set (no ITT); monocentric; application method of LTTT not approved to be appropriate.

LoE, Level of Evidence; ADT, androgen deprivation therapy; LTTT, low dose liver-targeted testosterone therapy; BMC, bone mineral content, prim. EP, primary endpoint; sec. EP, secondary endpoint; LBM, lean body mass; DEXA, dual-energy X-ray absorptiometry; PSA, prostate-specific antigen.
* Unesterified crystalline USP grade testosterone in capsules containing 13.3 mg. 3 capsules daily approximately 8 h apart, totaling 40 mg/day.
Rhee et al. 2021: In dieser Studie wurden 50 erwachsene Männer mit Prostatakrebs eingeschlossen, die eine „Androgendeprivationstherapie“ (Behandlung durch Entzug der männlichen Geschlechtshormone) erhielten. Die erstrangigen Ziele der Studie war es die Wirksamkeit von Testosteron auf den Gewichtsverlust der Körpermagermasse (lean body mass) und auf den Knochenmineralstoffgehalt zu untersuchen. Dafür wurden die Patienten zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Einer Gruppe wurde Testosteron und der anderen Gruppe ein Scheinmedikament (Placebo) verabreicht. Die Gruppen-Einteilung war weder den Patienten, noch den Untersuchern bekannt. Zur Testosteron-Verabreichung wurde eine neuartige Methode verwendet, die das Testosteron gezielt in die Leber transportieren soll. Die Haupt-Analyse zeigte nach sechs Monaten eine tendenzielle und marginale Erhöhung der Körpermagermasse um 0,8 kg in der Testosteron-Gruppe verglichen mit der Placebo-Gruppe. Weitere Analysen zeigten eine bedeutsame Verbesserung des Knochenmineralstoffgehalts in der Testosteron-Gruppe verglichen mit der Placebo-Gruppe. Die Fettmasse stieg um 0.7 kg in beiden Gruppen. Die Analysen zu Neben- und Wechselwirkungen zeigten bei fünf Patienten der Testosteron-Gruppe einen Anstieg des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen) während der Studie, so dass diese Patienten aus Sicherheitsgründen aus der Studie ausgeschlossen wurden. Der PSA-Werte wurde in dieser Studie als Kontrollwert für ein mögliches Fortschreiten des Prostatakrebses gemessen. Am Ende der Studie (Zeitpunkt wurde nicht berichtet) fielen die PSA-Werte weitestgehend wieder auf ihren Ausgangswert zurück. Die Qualität der Studie wird als sehr niedrig bewertet und die Anzahl der untersuchten Patienten ist sehr gering, so dass insgesamt die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Anmerkung: Die Netzwerkanalyse von Saeteaw et al. (2021) („Efficacy and safety of pharmacological cachexia interventions: systematic review and network meta-analysis“) war ursprünglich für die Evidenzaufarbeitung eingeschlossen worden. Während der Evidenzaufarbeitung fielen jedoch mehrere gravierende Diskrepanzen in der Datenextraktion auf, nachdem die extrahierten Daten mit den Angaben aus den Originalstudien verglichen worden waren. Beispielsweise wurden Daten zwischen Interventions- und Kontrollarm vertauscht. Zusammenfassend wurde diese Arbeit daher als nicht mehr vertrauenswürdig eingestuft und für die weitere Evidenzaufarbeitung ausgeschlossen; sie wurde bei der Einschätzung der Evidenz nicht mehr berücksichtigt.

 

C 2_Pharmakologische Substanzen: Kortikosteroide

Evidenztabelle der DGEM-Vorgängerleitlinie “Klinische Ernährung in der Onkologie“ (Arends et al. 2015)

Reference

Level of Evidence

Trial design

Patients n

Patients characteristics

Intervention/methods

Outcome

Results

Lundholm et al., 1994: Anti-inflammatory treatment may prolong survival in undernourished patients with metastatic solid tumors

Ib

RCT

135;

45 patients in each group

patients with insidious or overt malnutrition due to generalized malignancy (various kinds of solid tumors); expected survival of more than 6 months

Group 1: placebo;

Group 2: prednisolone (10 mg twice daily)

Group 3: indomethacin (50 mg twice daily) p.o. until death;

effect of anti-inflammatory treatment on tumor progression in clinical cancer. Endpoints: physiological variables, nutritional state variables, fatigue and pain sensation, use of analgetics, handgrip strength, Karnowsky index, blood chemistry, energy expenditure

indomethacin and prednisolone treatment maintained Karnowsky index, placebo-treated patients experienced a decreased index; indomethacin-treated patients suffered less pain and consumed less additional analgetics compared to the other groups; indomethacin prolonged mean survival compared to placebo-treated patients from 250±28 days to 510±28 days (P<0.05); significantly prolonged survival by antiinflammatory treatment compared to placebo treatment (log rank, P<0.03)

Loprinzi et al., 1999: Randomized comparison of megestrol acetate versus dexamethasone versus fluoxymesterone for the treatment of cancer anorexia/cachexia.

Ib

RCT

475

Patients suffering from cancer anorexia/ cachexia

Patients were randomized to receive either dexamethasone 0. 75 mg qid, megestrol acetate 800 mg orally every day, or fluoxymesterone 10 mg orally bid.

The current trial was developed to compare and contrast a progestational agent, a corticosteroid, and an anabolic corticosteroid for the treatment of cancer anorexia/cachexia.

Fluoxymesterone resulted in significantly less appetite enhancement and did not have a favorable toxicity profile. Megestrol acetate and dexamethasone caused a similar degree of appetite enhancement and similar changes in nonfluid weight status, with nonsignificant trends favoring megestrol acetate for both of these parameters. Dexamethasone was observed to have more corticosteroid-type toxicity and a higher rate of drug discontinuation because of toxicity and/or patient refusal than megestrol acetate (36% v 25%; P=0.03). Megestrol acetate had a higher rate of deep venous thrombosis than dexamethasone (5% v 1%; P=0.06).

Yavuzsen et
al., 2005: Systematic review of the treatment of cancer-associated anorexia and weight loss

SR

55

RCT of appetite stimulants in the treatment of cancer anorexia

systematic assessment of relevant trials. Studies were graded according to quality.

efficacy and safety of appetite stimulants in the management of cancer-related anorexia.

Only two drugs have evidence to support their use for anorexia: progestins and corticosteroids. There is strong evidence against the use of hydrazine sulfate. The outcomes of these trials have been mixed and patient population heterogeneous.

Paulsen et al., 2014: Efficacy of methylprednisolone on pain, fatigue, and appetite loss in patients with advanced cancer using opioids: a randomized, placebo-controlled, double-blind trial.

Ib

RCT

97

patients with advanced cancer receiving opioids with average pain intensity ≥ 4 (numeric rating scale [NRS], 0 to 10) in the last 24 hours

IG: methylprednisolone (MP) 16 mg twice daily;

CG: placebo (PL) for 7 days.

Primary outcome was average pain intensity measured at day 7 (NRS, 0 to 10); secondary outcomes were analgesic consumption (oral morphine equivalents), fatigue and appetite loss and patient satisfaction (NRS, 0 to 10).

A total of 592 patients were screened; 50 were randomly assigned, and 47 were analyzed. Baseline opioid level was 269.9 mg in the MP arm and 160.4 mg in the PL arm. At day-7 evaluation, there was no difference between the groups in pain intensity (MP, 3.60 v PL, 3.68; P=0.88) or relative analgesic consumption (MP, 1.19 v PL, 1.20; P=0.95). Clinically and statistically significant improvements were found in fatigue (-17 v 3 points; P=0.003), appetite loss (-24 v 2 points; P=0.003), and patient satisfaction (5.4 v 2.0 points; P=0.001) in favor of the MP compared with the PL group, respectively. There were no differences in adverse effects between the groups.

Miller et al.,
2014: Use of corticosteroids for anorexia in palliative medicine: a systematic review

SR

8

Studies in adult patients with life-limiting diagnoses prescribed corticosteroids for anorexia in any care setting.

A search of MEDLINE and CINAHL was carried out to identify original studies relevant to this question. Data was extracted and a narrative analysis was carried out. Quality of studies was assessed using the system used by the Scottish Intercollegiate Guidelines Network for grading evidence

Effectivity of corticosteroids, and the most safe and effective dosing regimen for management of anorexia in palliative care patients.

used were wide ranging, and a variety of tools The corticosteroid drugs and dosing regimens were used to assess appetite within these studies. Changes in appetite with the corticosteroids used did not always reach statistical significance. It was not possible to identify the most effective corticosteroid drug, dose, or duration of treatment from the identified studies: the best quality evidence was for an eight-week course of intravenous methylprednisolone; however the studies using this regimen had the highest attrition rates.

 

Aktuelle Suche und Evidenzaufarbeitung 2024

Studienmerkmale / Evidenzgrad (Oxford 2011)

Patienten-merkmale

Studienarme (Intervention

Kontrolle, Beobachtung)

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwir­kungen

Finanzierung/ Interessens-konflikte

Methodische Bemerkungen

Currow et al., 2021: A randomised, double blind, placebo‐controlled trial of megestrol acetate or dexamethasone in treating symptomatic anorexia in people with advanced cancer

LoE 2

RCT/Phase III

Prospektiv

Multizentrisch

Verblindet

 

N = 190

Land: Australien

Rekrutierung: Jan 2009 bis Mar 2015

 

≥18 Jahre; Krebsdiagnose im fort-geschrittenen Stadium; einem Palliativteam bekannt; Appetitscore ≤4 (NRS von 0-10) für mind. 2 Wochen; ECOG 0-3 oder AKPS 30-100

 

Häufigste Krebsarten:

Lungenkrebs (29,5%), Kolorektalkrebs (13,2%), Prostatakrebs (12,1%), andere GI Krebsarten (10,5%);

 

A: Dexamethason (4 mg/Tag)

(N=67)

 

B: Megestrolacetat 480 mg/Tag (N=61)

 

C: Placebo (N=62)

 

Behandlung bis zu vier Wochen.

 

Prim EP:

1. Appetit (am Ende 1. Woche)

 

Sek. EP:

2. Gewicht

 

3.Leistungs-status (AKPS)

 

4. Appetit

(Item zur Appetitstörung aus dem MSAS & Abschnitt "Zusätzliche Bedenken" des FAACTs.

 

5. QoL (FACT-G)

 

T0: Baseline

T1-T4: Wöchentliches Assessment, ob Responder à Wenn keiner, dann geplanter Ausstieg aus der Studie.

 

Definition Responder: Verbesserung des NRS um ≥ 25 % gegenüber dem Ausgangswert

Nach 1. Woche:

1. Appetit (NRS)

Anteil Responder:

A: 65,5% (Dexa)

B: 79,3%

C: 58,5% (Placebo)

à Die Unterschiede zwischen den Gruppen sind nicht signifikant (p = 0,067)

 

2. Gewicht

Anteil Responder:

A: 74% (Dexa)

B: 87%

C: 85% (Placebo)

à „Es gab keine Unterschiede beim Gewicht zwischen den Gruppen (p=0,2417)“

 

3. AKPS:

A: 95% (Dexa)

B: 98%

C: 92% (Placebo)

à „Es wurden keine Unterschiede in Bezug auf den Leistungsstatus festgestellt (p=0,3367)“

 

4. Appetit:

MSAS

A: 38,3% (Dexa)

B: 68,2%

C 48,9% (Placebo)

(p = 0,3114).”

à „Es gab keinen Unterschied in der MSAS-Appetit-Ansprechrate“

FAACT

à „Es gab keinen Unterschied im Anteil der Responder auf der FAACT-Subskala für Anorexie.“

 

5. QoL: Total Score (SD)

FACT-G:

A: -4,8 (3,4) (Dexa)

B: -2,1 (3,4)

C: -0,8 (3,4) (Placebo)

CQOLC:

A: 79,8 (6,5) (Dexa)

B: 89,6 (7,1)

C: 81,2 (7,9) (Placebo)

à„Es wurden keine Unterschiede in Bezug auf die Lebensqualität festgestellt (p=0,576 & p=0,520)“

„Unerwünschte Ereignisse, die bei der Behandlung auftraten, gab es vergleich-bar in allen Gruppen.  Hyperglykämie und tiefe Venenthrombosen traten unter Dexamethason häufiger auf als in den beiden anderen Gruppen.“

Finanzierung:

Commonwealth of Australia

 

COI:

Die Autoren erklären, dass sie keine konkurrierenden Interessen haben.

 

RoB-Qualitäts-bewertung (bezügl. des primären Endpunkts Appetit nach einer Woche):

Some concerns (Some concerns in Domäne 2 & 3 des RoB2.0 Cochrane-Tools)

à Studienqualität moderat

 

PRO:

Ethikvotum

Power-Analyse

Multizentrisch

ECOG, Eastern Cooperative Oncology Group; AKPS, Australia-modified Karnofsky Performance Status; NRS, numerical rating scale; GI, Gastrointestinal; TN, Teilnehmer:innen; Prim EP, primärer Endpunkt; Sek EP, sekundärer Endpunkt. MSAS, Memorial Symptom Assessment Scale; FAACT, Functional assessment of anorexia/cachexia therapy; QoL, Quality of Life; FACT-G, Functional Assessment of Cancer Therapy-General; SD, Standard deviation (Standardabweichung).

Currow et al., 2021: In dieser Studie wurden 190 erwachsene Krebspatienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium eingeschlossen, die einem Palliativteam bekannt waren und die einen verminderten Appetit hatten. Das Ziel der Studie war es die Wirksamkeit eines Kortikosteroids (Dexamethason) und eines Progestins (Megestrol-Azetat) bei Appetitlosigkeit zu untersuchen. Dafür wurden die Patienten zufällig in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe bekam Dexamethason, eine Megestrolazetat und eine Placebo. Die Gruppen-Einteilung war weder den Patienten, noch den Untersuchern bekannt. Im Folgenden werden nur die Ergebnisse zu Dexamethason berichtet. Nach einer Woche verbesserte sich der Appetit tendenziell in allen drei Gruppen etwas, aber sowohl zwischen den Gruppen als auch im direkten Vergleich mit der Placebo-Gruppe, zeigte sich kein bedeutender Unterschied. Zudem zeigten sich auch beim Gewicht, dem Leistungsstatus und der Lebensqualität keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Qualität der Studie ist prinzipiell in Ordnung. Vereinzelt bleiben allerdings Fragen offen, da die Anzahl der Patienten und die genauen Daten für die Analysen nicht ganz transparent und nachvollziehbar berichtet wurden

Anmerkung: Die Netzwerkanalyse von Saeteaw et al. (2021) („Efficacy and safety of pharmacological cachexia interventions: systematic review and network meta-analysis“) war ursprünglich für die Evidenzaufarbeitung eingeschlossen worden. Während der Evidenzaufarbeitung fielen jedoch mehrere gravierende Diskrepanzen in der Datenextraktion auf, nachdem die extrahierten Daten mit den Angaben aus den Originalstudien verglichen worden waren. Beispielsweise wurden Daten zwischen Interventions- und Kontrollarm vertauscht. Zusammenfassend wurde diese Arbeit daher als nicht mehr vertrauenswürdig eingestuft und für die weitere Evidenzaufarbeitung ausgeschlossen; sie wurde bei der Einschätzung der Evidenz nicht mehr berücksichtigt.

 

C 3_Pharmakologische Substanzen: Progestine

Evidenztabelle der DGEM-Vorgängerleitlinie “Klinische Ernährung in der Onkologie“ (Arends et al. 2015)

Reference

Level of Evidence

Trial design

Patients n

Patients characteristics

Intervention/methods

Outcome

Results

Loprinzi et al., 1999: Randomized comparison of megestrol acetate versus dexamethasone versus fluoxymesterone for the treatment of cancer anorexia/cachexia

Ib

RCT

475

Patients suffering from cancer anorexia/ cachexia

Patients were randomized to receive either dexamethasone 0.75 mg qid, megestrol acetate 800 mg orally every day, or fluoxymesterone 10 mg orally bid.

The current trial was developed to compare and contrast a progestational agent, a corticosteroid, and an anabolic corticosteroid for the treatment of cancer anorexia/cachexia.

Fluoxymesterone resulted in significantly less appetite enhancement and did not have a favorable toxicity profile. Megestrol acetate and dexamethasone caused a similar degree of appetite enhancement and similar changes in nonfluid weight status, with nonsignificant trends favoring megestrol acetate for both of these parameters. Dexamethasone was observed to have more corticosteroid-type toxicity and a higher rate of drug discontinuation because of toxicity and/or patient refusal than megestrol acetate (36% v 25%; P=0.03). Megestrol acetate had a higher rate of deep venous thrombosis than dexamethasone (5% v 1%; P=0.06).

Jatoi et al., 2002: Dronabinol versus megestrol acetate versus combination therapy for cancer-associated anorexia: a North Central Cancer Treatment Group study.

Ib

RCT

469

Adult patients with histologic evidence of an incurable malignancy other than brain, breast, ovarian, or endometrial cancer

Group 1: oral megestrol acetate 800 mg/d liquid suspension plus placebo, Group 2: oral dronabinol 2.5 mg twice a day plus placebo,

Group 3: both agents

To determine whether dronabinol administered alone or with megestrol acetate was more, less, or equal in efficacy to single-agent megestrol acetate for palliating cancer-associated anorexia.

Groups were comparable at baseline in age, sex, tumor type, weight loss, and performance status. A greater percentage of megestrol acetate-treated patients reported appetite improvement and weight gain compared with dronabinol-treated patients: 75% versus 49% (P=0.0001) for appetite and 11% versus 3% (P=0.02) for ≥10% baseline weight gain. Combination treatment resulted in no significant differences in appetite or weight compared with megestrol acetate alone. The Functional Assessment of Anorexia/Cachexia Therapy questionnaire, which emphasizes anorexia-related questions, demonstrated an improvement in quality of life (QOL) among megestrol acetate-treated and combination-treated patients. The single-item Uniscale, a global QOL instrument, found comparable scores. Toxicity was also comparable, with the exception of an increased incidence of impotence among men who received megestrol acetate.

Jatoi et al., 2004: An eicosapentaenoic acid supplement versus megestrol acetate versus both for patients with cancer-associated wasting: a North Central Cancer Treatment Group and National Cancer Institute of Canada collaborative effort

Ib

RCT

421;

IG 1: 141, IG 2: 140, IG 3: 140

advanced cancer patients who are suffering from cancer-associated wasting

IG 1: an EPA nutritional supplement 1.09 g administered bid plus placebo; IG 2: megestrol acetate (MA) liquid suspension 600 mg/d plus an isocaloric, isonitrogenous placebo

IG 3: both agents (Megestrol Acetate + EPA);

administered twice a day

effect of an EPA-containing nutritional supplement—either alone or in combination with MA—on weight, appetite, quality of life, and survival, compared with MA alone

a smaller percentage taking the EPA supplement gained ≥10% of baseline weight compared with those taking MA: 6% v 18%, respectively (P=0.004); combination therapy resulted in weight gain of ≥10% in 11% of patients (P=0.17 across all arms); the percentage of patients with appetite improvement was not statistically different (P=0.69); 4-week Functional Assessment of Anorexia/Cachexia Therapy scores suggested MA-containing arms experienced superior appetite stimulation compared with the EPA arm, with scores of 40, 55, and 55 in EPA-, MA-, and combination-treated arms, respectively (P=0.004); survival was not significantly different among arms; global quality of life was not significantly different

Yavuzsen et
al., 2005: Systematic review of the treatment of cancer-associated anorexia and weight loss

SR

55

RCT of appetite stimulants in the treatment of cancer anorexia

systematic assessment of relevant trials. Studies were graded according to quality.

efficacy and safety of appetite stimulants in the management of cancer-related anorexia.

Only two drugs have evidence to support their use for anorexia: progestins and corticosteroids. There is strong evidence against the use of hydrazine sulfate. The outcomes of these trials have been mixed and patient population heterogeneous.

Ruiz Garcia et al., 2013: Megestrol acetate for treatment of anorexia-cachexia syndrome

SR

35

RCT, including 3,963 patients with a clinical diagnosis of anorexia-cachexia syndrome related to cancer, AIDS or any other underlying pathology; studies were included if they assessed megestrol acetate (MA) compared to placebo or other drug treatments

search of electronic databases, journals, and other search strategies outlined in the We sought studies through an extensive reference lists, contact with investigators methods. The most recent search for this quality. We performed quantitative analyses independent review authors conducted data update was carried out in May 2012. Two extraction and evaluated methodological using appetite and quality of life as a dichotomous variable, and analyzed weight gain as continuous and dichotomous variables.

To evaluate the efficacy, effectiveness and safety of MA in palliating anorexia-cachexia syndrome in patients with cancer, AIDS and other underlying pathologies.

Sixteen trials compared MA at different doses with placebo, seven trials compared different doses of MA with other drug treatments and 10 trials compared different doses of MA. Meta-analysis showed a benefit of MA compared with placebo, particularly with regard to appetite improvement and weight gain in cancer, AIDS and other underlying patients when MA was compared to other conditions, and lack of benefit in the same drugs. There was insufficient information to define the optimal dose of MA, but higher doses were more related to weight improvement than lower doses. Quality of life improvement in patients was seen only when comparing MA versus placebo but not other drugs in both subcategories: cancer and AIDS. Edema, thromboembolic phenomena and deaths were more frequent in the patients treated with MA. More than 40 side effects were studied.

 

Aktuelle Suche und Evidenzaufarbeitung 2024

Studientyp &

Evidenzgrad

Merkmale SR/MA

Merkmale

Primärstudien & Patienten

Studien-arme

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwir­kungen

Finanzierung/ COI

Methodische Bemerkungen

Y. L. Lim et al., 2022: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Clinical Use of Megestrol Acetate for Cancer-Related Anorexia/Cachexia

LoE 1

SR & MA

 

 

SR: 23 RCTs mit 3790 TN

MA: 8 Studien (N=576) für Meta-Analyse (MA) (Endpunkt Gewichtszunahme)

 

 

Suche:

JAN 1988 -

MAY 2021

Onkologische Patienten mit Anorexie oder Kachexie

(jedes Alter)

 

Max. Studiendauer 8 Monate.

Studiengrößen: 6 - 475 TN (MA: 12-158 TN).

Zwei Studien mit pädiatrischen Patienten (nicht in MA)

Länder: Australien, Kanada, China, Italien, Taiwan, UK, USA

 

A: Megestrol-Azetat

Subgruppen: Hohe (>320mg/Tag) versus niedrige Dosierung (≤320mg/Tag)

 

B: Placebo/ andere Substanzen/ andere Dosierungen / Messung an unterschiedlichen Zeitpunkten).

 

Prim. EP

1. Gewicht (kg)

2. QoL

Zu 1. MA:

„8 Studien lieferten ausreichende Daten zur Gewichts-veränderung.“

Alle folgenden Ergebnisse sind statistisch nicht signifikant:

„Die Gewichts-veränderung bei Megestrol-Azetat betrug unabhängig von der Dosierung 0,75 kg [95% KI -1,64; 3,15]“.

„Die Gewichts-veränderung mit hochdosiertem Megestrol-Acetat betrug -0,5 kg [95% KI -2,71; 22,60].“

„Die Gewichts-veränderung mit niedrig dosiertem Megestrol-Azetat betrug 2,24 kg [95% KI -7,19; 11,67].“

Zu 2. „Die Lebensqualität scheint sich nicht zu verbessern. Dies wurde allerdings nur in wenigen Studien untersucht.“

„Megestroazetat wurde im Allgemeinen gut vertragen, mit Ausnahme eines eindeutigen Thrombo-embolierisikos, insbesondere bei höheren Dosen.“

SR:

Folgende CoI: Erst- und Letztautor sind Mitarbeiter der Holdinggesellschaft für Singapurs Gesundheitseinrichtungen (MOH Holdings Pte Ltd.). Laut Angabe war die Holding nicht an der Abfassung oder Vorbereitung des Manuskripts beteiligt.

 

Primärstudien:

Keine Angaben zu den CoI

 

SR-Bewertung: low quality

 

CONTRA:

Es liegt beträchtliche Heterogenität zwischen den Studien vor (I2>90%), sodass eine Auswertung als MA per se in Frage gestellt werden kann à Interpretation der Ergebnisse mit Vorsicht.

Autoren haben 2x gleiche Datenbank durchsucht (Pubmed & OVID Medline).

Funnel Plot (Publikationsbias) mit 8 Studien (für eine valide Aussage sind mind. 10 Studien notwendig)

 

PRO: RoB-Bewertung der Studien mit Cochrane Tool; Evidenztabelle zu Primärstudien.

 

Qualität

Primärstudien:

RoB: 18 Studien mit „high-risk“ & 5 Studien mit „unclear“ bewertet

SR, systematic review (systematische Übersichtsarbeit); MA, Meta-Analyse, TN, Teilnehmer, N, Anzahl der Teilnehmer; QoL, Quality of life (Lebensqualität), NW, Nebenwirkungen; WW, Wechselwirkungen; RoB, Risk-of-Bias (Verzerrungsrisiko).

Lim et al. (2022): In dieser systematischen Übersichtsarbeit wurde Megestrol-Azetat bei der Einflussnahme auf Kachexie mit seinen Begleiterscheinungen Gewichtsabnahme und Appetitlosigkeit untersucht. In der Übersichtsarbeit wurden 23 Studien eingeschlossen, von denen 8 Studien (576 Teilnehmer) genügend Daten für eine statistische Analyse lieferten. In den eingeschlossenen Studien wurde Megestrol-Azetat entweder mit Placebo oder mit anderen Substanzen gegen Kachexie verglichen oder es wurden verschiedene Dosierungen und Zeitpunkte miteinander verglichen. Die Analyse zeigte keine statistisch bedeutsamen Unterschiede bei der Gewichtszunahme zwischen den Vergleichsgruppen. Auch wenn die Daten nach gegebener Dosierung aufgeteilt wurden (niedrigdosiertes Megestrol und hochdosiertes Megestrol) findet sich kein bedeutsamer Unterschied. Die Lebensqualität wurde nur in wenigen Studien untersucht und schien sich durch Megestrol-Azetat nicht zu verbessern. Die meisten Studien hatten eine schlechte Qualität und bei wenigen Studien konnte keine abschließende Aussage über die Qualität getroffen werden, da nicht alle dafür notwendigen Informationen berichtet wurden. Die Autoren schlussfolgern, dass aufgrund der vorliegenden Studien, die Einnahme von Megestrol-Azetat zur Gewichtszunahme bei Krebspatienten mit Kachexie nicht empfohlen werden sollte. Die systematische Übersichtsarbeit selber hat starke methodische Mängel (low quality), so dass deren Aussage mit Vorsicht zu interpretieren ist.

Anmerkung: Die Ergebnisse von Lim et al. 2022 wurden von der Leitliniengruppe zur Kenntnis genommen, zur engeren Betrachtung der Evidenz wurde diese Arbeit aber nicht mehr herangezogen, da sie keine getrennten Meta-Analysen für die einzelnen Vergleiche (versus Placebo; versus keine Vergleichsgruppe; versus aktive Substanz) durchgeführt hatten und dadurch eine starke Heterogenität I2 = 96% aufwies.

 

Studientyp &

Evidenzgrad

Merkmale SR/MA

Merkmale

Primärstudien & Patienten

Studienarme

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwir­kungen

Finanzierung/ COI

Methodische Bemerkungen

Ruiz-Garcia et al., 2018: Megestrol acetate for chachexia-anorexia syndrome. A systematic review

LoE 1

SR & MA

 

 

38 RCTs (4304 TN)*

Nur Krebs:

25 RCTs (zwei neue seit Ruiz-Garcia 2013: Kanat, 2013 und Baker, 2014. Achtung Baker ist eine Kinderstudie

 

Suche:

MAI 2012 –

NOV 2016

Patienten mit definierter Kachexie, Anorexie oder Gewichtsverlust (jedes Alter)

A: Megestrolazetat

B: Placebo

C: Keine Behandlung

D: Aktive Substanz

1. Gewicht (kg)

2. QoL

3. Tod

Zu 1.

Versus Placebo:

à Gewichtszunahme (Ergebnis signifikant)

2,36 kg [95% KI 1,00; 3,71] à Achtung Kinderstudie, siehe MA unten.

(4 RCTs; N=250; Studienqualität niedrig)

 

Versus keine Behandlung:

à Gewichtszunahme (Ergebnis signifikant)

1,45 kg [95% KI 0,15; 2,75]

(2 RCTs; N=101, “we judged the quality of evidence for weight gain to be low”)

 

Zu 2.QoL gain:

Versus Placebo: à kein signifikanter Unterschied, siehe MA unten; (1 RCT; N=33)

Versus keine Behandlung:

à kein signifikanter Unterschied:

-3.89 [95% KI -14.07, 6.28] (2 RCTs; N=99)

 

Versus aktive Substanz:

à kein signifikanter Unterschied:

0.20 [95% KI 0.02; 0.43] (1 RCT; N=469)

Zu 3. Nicht spezifisch für Krebspatienten berichtet

AEs: “Unerwünschte Ereignisse”

als Risk Ratio (Referenz: 1,00):

Versus keine Behandlung:

à kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen:

RR 0.90, 95% KI [0.39, 2.08]

(2 RCTs; N=99)

 

Daten aus anderen Armen sind nicht spezifisch für Krebspatienten berichtet. Alle Patienten: „Overall, participants treated with Megestrol-Azetat at any dose reported a higher number of adverse events (relative risk, RR 1.46, 95% CI [1.05, 2.04]; 8 studies, 638 participants).”

 

SR: Laut Angabe keine CoI

 

Primärstudien:

Keine Angaben zu den CoI

SR-Bewertung: moderate quality

PRO: RoB-Bewertung der Studien mit Cochrane Tool

CONTRA:

Keine Evidenztabelle zu den Primärstudien, außer den 2 neuen Krebsstudien sind aber alle im Cochrane-Review Ruiz-Garcia (2013) zu finden.

Qualität Endpunkte:

weight gain/ Placebo: moderate quality of evidence (alle Erkrankungen)

weight gain/ keine Behandlung: low quality of evidence

QoL/Placebo: very low quality of evidence (alle Erkrankungen)

QoL/keine Behandlung:

very low quality of evidence

QoL/aktive Substanz: low quality of evidence

Safety (AEs): very low quality of evidence

Safety (AEs): moderate quality of evidence (alle Erkrankungen)

Studienqualität (Figure 2):

Versus Placebo:

Baker 2014: High RoB

De Conno 1998: High RoB

Fietkau 1996: High RoB

Loprinzi 1990: Unclear RoB

Versus keine Behandlung:

Madeddu 2012: High RoB

Kanat 2013: High RoB

Versus aktive Substanz:

Jatoi 2002: Unclear RoB

* Das SR schließt nicht nur Krebspatienten ein. In der Evidenztabelle wurden nur die Krebs-spezifischen Daten aufgenommen, soweit sie separat extrahierbar waren. SR, systematic review (systematische Übersichtsarbeit); MA, Meta-Analyse, TN, Teilnehmer, N, Anzahl der Teilnehmer; EP, Endpunkt; QoL, Quality of life (Lebensqualität); NW, Nebenwirkungen; WW, Wechselwirkungen; RoB, Risk-of-Bias (Verzerrungsrisiko); KI, Konfidenzintervall; AE, Adverse Event

Ruiz-Garcia et al., 2018: In dieser systematischen Übersichtsarbeit wurde untersucht, wie Megestrol-Acetat auf Kachexie mit seinen Begleiterscheinungen Gewichtsabnahme und Veränderung in der Lebensqualität bei Patienten mit Krebs, HIV oder anderen Erkrankungen wirkt. Im Folgenden werden nur die Daten zu Krebs aufgeführt. In der Übersichtsarbeit wurden 25 Studien mit Krebspatienten eingeschlossen, von denen jeweils nur einige Studien zu den einzelnen spezifischen Fragestellungen ausreichend Daten vorwiesen, um weitergehende statistische Analysen durchzuführen. In der Analyse in der alle Placebo-Studien zusammengefasst wurden, zeigt sich eine Gewichtszunahme von 2,4 kg. Allerdings ist hier zu beachten, dass die tatsächliche Gewichtszunahme für erwachsene Krebspatienten etwas geringer ist, da in dieser Analyse eine Kinderstudie eingeschlossen wurde die einen höheren Wert aufzeigte, als die 3 Studien mit erwachsenen Patienten. Weiterhin zeigt die Analyse eine Gewichtszunahme von 1,5 kg, wenn Megestrol-Azetat ohne eine vergleichende Behandlung untersucht wurde. Die Analysen zur Lebensqualität zeigten keine Veränderung der Lebensqualität der Studienteilnehmer durch Megestrol-Azetat. Die Analysen zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zeigten keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den Patienten, die Megestrol-Azetat erhielten, verglichen mit der Kontrollgruppe. Es kann keine zusammenfassende Aussage über die Qualität der Studien speziell zu Krebspatienten gemacht werden, da dies nicht angegeben wurde. Die Qualität der Daten zu den einzelnen Untersuchungspunkten wurde hauptsächlich als „niedrig“ oder „sehr niedrig“ und einmal als „moderat“ bewertet. Diese Information lag nicht für alle Untersuchungen speziell Krebspatienten vor. Die Qualität der systematischen Übersichtsarbeit selber wurde als moderat bewertet.

Anmerkung: Die Netzwerkanalyse von Saeteaw et al. (2021) („Efficacy and safety of pharmacological cachexia interventions: systematic review and network meta-analysis“) war ursprünglich für die Evidenzaufarbeitung eingeschlossen worden. Während der Evidenzaufarbeitung fielen jedoch mehrere gravierende Diskrepanzen in der Datenextraktion auf, nachdem die extrahierten Daten mit den Angaben aus den Originalstudien verglichen worden waren. Beispielsweise wurden Daten zwischen Interventions- und Kontrollarm vertauscht. Zusammenfassend wurde diese Arbeit daher als nicht mehr vertrauenswürdig eingestuft und für die weitere Evidenzaufarbeitung ausgeschlossen; sie wurde bei der Einschätzung der Evidenz nicht mehr berücksichtigt.

 

Literaturhinweise

[67] Arends, J, Bachmann, P, Baracos, V, Barthelemy, N, Bertz, H, Bozzetti, F, et.al. ESPEN guidelines on nutrition in cancer patients., Clin Nutr, 2017. 36 (1)(1): p. 11-48., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27637832/

[274] Seo, JY, Kim, JH, Kong, YY, Unraveling the Paradoxical Action of Androgens on Muscle Stem Cells., Mol Cells, 2019. 42 (2)(2): p. 97-103., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30759971/

[275] Burney, BO, Hayes, TG, Smiechowska, J, Cardwell, G, Papusha, V, Bhargava, P, et.al. Low testosterone levels and increased inflammatory markers in patients with cancer and relationship with cachexia., J Clin Endocrinol Metab, 2012. 97 (5)(5): p. E700-9., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22419719/

[276] Chlebowski, RT, Herrold, J, Ali, I, Oktay, E, Chlebowski, JS, Ponce, AT, et.al. Influence of nandrolone decanoate on weight loss in advanced non-small cell lung cancer., Cancer, 1986. 58 (1)(1): p. 183-6., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3518910/

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