8. Nachsorge/Rezidiv/Metastasen des Endometriumkarzinoms – Endometriumkarzinom
8.1 Vorgehen in der Nachsorge
Eine Anamneseerhebung mit gezielter Abfrage von Symptomen und die klinische gynäkologische Untersuchung mit Spiegeleinstellung und rektovaginaler Palpationsuntersuchung sollten in den ersten 3 Jahren nach Abschluss der Primärtherapie in 3- bis 6-monatigen Abständen und in den Jahren vier und fünf halbjährlich durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Bildgebende Untersuchungen, vaginale Zytologie und Tumormarkerbestimmungen sollten bei asymptomatischen und bei klinisch unauffälligen Patientinnen nicht durchgeführt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100 %)
- Literatur
- [586] [587] [591]
Änderungshinweis
Bildgebende Untersuchungen und Tumormarkerbestimmungen sollten bei asymptomatischen Patientinnen nicht durchgeführt werdenEvidenztabellen (1)
9.1 EvT 9.3Hintergrund
Die Nachsorge von Patientinnen mit EC dient der frühen Erkennung eines Rezidivs, das z. B. im Falle einer isolierten vaginalen Tumormanifestation mit kurativer Intention behandelt werden kann. Da Patientinnen mit EC und ihre Angehörigen mit körperlichen, psychischen, sexuellen und sozialen Belastungen konfrontiert sind, soll in der Nachsorge der Bedarf einer psychosozialen, psychoonkologischen und sexualmedizinischen Beratung aktiv abgefragt und ggf. durch ein multiprofessionelles Team angeboten werden (siehe auch Kapitel Psychoonkologische Aspekte, Patientinnenaufklärung, Palliativversorgung, Rehabilitation, Physiotherapeutische Behandlung im Rahmen der Rehabilitation).
Das EC rezidiviert in ca. 13 % aller Fälle, bei niedrigem Risiko in <3 % der Fälle [592]. Einige retrospektive Studien zeigen, dass durch organisierte Nachsorgeprogramme mehr asymptomatische als symptomatische Rezidive detektiert werden. Dies bedeutet, dass durch eine systematisierte Nachsorge, Rezidive früher identifiziert werden können als bei Frauen, die sich erst bei Symptomen wie vaginaler Blutung oder Schmerzen vorstellen. Für Patientinnen mit einem asymptomatischen Rezidiv wurden zum Teil längere Überlebenszeiten berichtet als für Patientinnen mit symptomatischem Rezidiv [589], [590], [593]. Diese aus retrospektiven Analysen gewonnenen Erkenntnisse sind die Basis für die aktuelle Nachsorgepraxis mit dem Ziel der möglichst frühen Detektion eines kurativ oder palliativ behandelbaren Rezidivs. Es ist allerdings nicht erwiesen, ob die längeren Überlebenszeiten bei Frauen mit asymptomatischem Rezidiv in den genannten Studien lediglich durch die zeitliche Vorverlegung der Rezidivdiagnose (sog. "lead time bias") oder durch eine frühzeitige und daher effizientere Therapie zu erklären ist
Salani et al. [588] beschreiben in einer Übersichtsarbeit eine Detektionsrate für Vaginalrezidive durch die gynäkologische Untersuchung inklusive rektovaginaler Palpation von 35 % bis 68 %. Salani et al. [588] beziffern den Anteil von Frauen mit symptomatischem Rezidiv mit 41 % bis 83 %. Je nach Studie traten 68 % bis 100 % der Rezidive innerhalb der ersten drei Jahre nach dem Ende der Primärtherapie auf. Es handelte sich ca. zur Hälfte entweder um lokale Rezidive (Scheide und Becken) oder um Fernmetastasen. Andere Autoren fanden in ihren Studienkollektiven einen Anteil isolierter Scheidenrezidive von 20 % bzw. 37 % [590] Patientinnen mit einem isolierten Vaginalrezidiv wiesen in der prospektiv-randomisierten PORTEC-1-Studie (Vergleich einer adjuvanten Beckenbestrahlung mit keiner adjuvanten Therapie beim frühen EC) eine 3-Jahres-Überlebensrate nach isoliertem Vaginalrezidiv von 73 % gegenüber 14 % im Falle eines pelvinen Rezidivs und 8 % im Falle einer Fernmetastasierung auf [585].
In der prospektiven, randomisierten, multizentrischen TOTEM-Studie [591] mit 1871 Teilnehmerinnen erhielten Patientinnen mit einem EC und niedrigem Rezidivrisiko („LoR“:FIGO 2009: Stadium IA, Differenzierungsgrad 1-2) entweder eine Tumornachsorge gemäß minimalem Schema mit ausschließlich klinisch-gynäkologischer Untersuchung, oder eine intensivierte Tumornachsorge mit einer erhöhten Untersuchungsfrequenz sowie zusätzlich einer Vaginal-Zytologie und einem Computertomogramm. Die Teilnehmerinnen mit einem hohen Rezidiv-Risiko („HighR“:FIGO 2009 Stadium IA Differenzierungsgrad 3, oder ≥ IB) wurden ebenfalls entweder minimal (klinisch-gynäkologische Untersuchung und Computertomogramm) oder intensiv nachkontrolliert (klinisch-gynäkologische Untersuchung, Tumormarker-Bestimmung, Vaginal-Zytologie und Bildgebung mit Computertomogramm und transvaginaler Sonographie). Nach einer Nachbeobachtungszeit von 69 Monaten fand sich eine 5-Jahres-Überlebensrate von 91% für das gesamte Kollektiv. Erwartungsgemäß war diese in der LoR-Gruppe mit 96% günstiger gegenüber dem HighR-Kollektiv mit 85%. Die unterschiedlichen Nachsorgeprotokolle beeinflussten das Überleben weder im High-Risk- noch im Low-Risk-Kollektiv. Das mediane Zeitintervall zwischen der Erstdiagnose des EC und der Diagnose des Rezidivs betrug im Low-Risk-Kollektiv 23 Monate und im High-Risk-Kollektiv 12 Monate.Die TOTEM-Studie bestätigt somit die Ergebnisse älterer, retrospektiver Untersuchungen zur Tumornachsorge beim EC, die keinen Überlebensvorteil durch zusätzliche Bildgebung, Vaginalzytologie oder Tumormarkerbestimmungen fanden [592], [594], [587], [590], [585].
Der Ultraschall wurde in den letzten 15 Jahren nicht mehr als Instrument in der Nachsorge des Endometriumkarzinoms untersucht. Eine ältere Arbeit zeigte für die Kombination von transvaginalem und transabdominalem Ultraschall hohe Detektionsraten für symptomatische Rezidive [595]. Die Abdominalsonographie ermöglicht zudem die Diagnose eines Harnaufstaus, der als Folge eines Tumorrezidivs oder auch als Komplikation nach einer Operation oder Strahlentherapie auftreten kann.
Aktuelle Untersuchungen beschäftigen sich mit der Frage, ob beim low risk EC die Nachsorge mit reduziertem Aufwand und ohne ärztliches Personal praktiziert werden kann. Anstelle der klassischen Nachsorge werden Schulungsprogramme („cancership cancer suvivorship plans“, CSP) mit digitalem Feedback angeboten [596], [597], [598][599], [600], [601]. Diese modernen Ansätze sind unter dem Aspekt der Kostenersparnis für die Gesundheitssysteme von besonderer Relevanz. Diese Nachsorgekonzepte sind allerdings noch nicht für die Anwendung in der klinischen Praxis geeignet.
8.2 Vorgehen bei lokoregionären Rezidiven
Bei Verdacht auf ein Lokalrezidiv im Bereich der Vagina oder des kleinen Beckens oder bei Verdacht auf Fernmetastasen soll eine histologische Sicherung angestrebt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Bei Verdacht auf ein Vaginalrezidiv, Beckenrezidiv oder Fernmetastasierung oder nach histologischer Sicherung eines Vaginalrezidivs, eines Beckenrezidivs oder einer Fernmetastasierung soll eine Schnittbildgebung erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [181] [602]
Evidenztabellen (1)
9.2 EvT 9.5Hintergrund
Mindestens die Hälfte aller Frauen mit EC-Rezidiv fällt durch Symptome außerhalb der Nachsorgeuntersuchungen auf. Wenn möglich, soll im Fall eines Rezidivverdachts eine histologische Sicherung angestrebt und eine möglichst präzise Ausbreitungsdiagnostik betrieben werden, um die Patientin vor unnötigen, belastenden Therapiemaßnahmen zu schützen.
Verlässliche Daten aus randomisierten Studien zum Stellenwert unterschiedlicher bildgebender Methoden oder anderer Nachsorgeuntersuchungen bei symptomatischen Frauen mit EC hinsichtlich Ansprechrate, Gesamtüberlebensrate, Überlebensdauer oder der Zeitspanne bis zum weiteren Progress nach Abschluss der Rezidivtherapie liegen nicht vor.
Kadkhodayan et al. [601] untersuchten 2013 in einer Metaanalyse die Detektion des EC-Rezidivs mittels PET-CT: In 11 Kohortenstudien mit 541 symptomatischen und asymptomatischen Patientinnen fand man eine Sensitivität von 95,8 % (95 % CI 92,2–98,1%) und eine Spezifität von 92,5% (89,3– 94,9 %) für das PET-CT. Diese Parameter wurden durch einen sog. kombinierten Referenzstandard überprüft, d. h. teilweise durch histologische Abklärung der rezidivverdächtigen Läsionen, teilweise durch die Verlaufskontrolle der Läsionen in der Bildgebung. Die Größenzunahme einer Läsion galt als Bestätigung des Malignitätsverdachtes, während eine Größenabnahme ohne Therapie oder eine fehlende Größenänderung im Verlauf als Tumor-negativ gewertet wurde. Die PET-CT-Ergebnisse führten bei 22–35 % der Patientinnen zur Änderung des Therapieplans.
Eine weitere Metaanalyse bestätigt die hohe Sensitivität und Spezifität des 18F-FDG PET/CT (95 % bzw. 91 %) für die Diagnose eines EC-Rezidivs, wobei allerdings die ausgewerteten Studien überwiegend retrospektiv waren und nicht zwischen symptomatischen und asymptomatischen Rezidiven unterschieden wurde. Nicht alle Fälle wurden durch eine histologische Untersuchung überprüft [602].
Die transabdominale Sonographie ist im kleinen Becken und im Retroperitoneum u. a. aufgrund von Darmgasüberlagerungen nur eingeschränkt für die Rezidivdetektion verwendbar, während MRT und CT überlagerungsfreie Untersuchungsmethoden sind.
Zusammenfassend liegt der Stellenwert der Schnittbildgebung und insbesondere des PET-CT vor allem in der genaueren Diagnostik der Tumorausbreitung bei gesichertem Rezidiv. Dies kann zu einer Vermeidung unnötiger Rezidivoperationen beitragen bzw. den individuellen Therapieplan optimieren. Die ACR-Guideline nennt die Schnittbildgebung mittels PET-CT, MRT und CT geeignet („usually appropriate“) für die Rezidivdiagnostik des EC [181].
8.2.1 Isoliertes Scheiden- oder Scheidenstumpfrezidiv
Bei Frauen mit einem isolierten Scheiden- oder Scheidenstumpfrezidiv nach Endometriumkarzinom ohne vorherige Strahlentherapie im Rahmen der Primärbehandlung sollte eine kurativ intendierte Strahlentherapie, bestehend aus externer Beckenbestrahlung und Brachytherapie mit oder ohne lokale Tumorresektion, erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Bei Frauen mit einem isolierten Scheiden- oder Scheidenstumpfrezidiv nach Endometriumkarzinom mit alleiniger adjuvanter Brachytherapie im Rahmen der Primärbehandlung kann eine Strahlentherapie mit oder ohne lokale Tumorresektion mit kurativer Zielsetzung erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Im Falle eines Scheiden- oder Scheidenstumpfrezidivs im Zustand nach externer Beckenbestrahlung mit oder ohne Brachytherapie sollte geprüft werden, ob eine erneute Strahlentherapie als externe Bestrahlung oder Brachytherapie mit oder ohne lokaler Tumorresektion in kurativer Intention möglich ist.
- Konsens
- Starker Konsens
Lokale Spätfolgen der Strahlentherapie sollen entsprechend der S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“ [603] behandelt werden (siehe auch Kapitel Supportivtherapie).
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [603]
Hintergrund
Patientinnen mit isoliertem Scheidenstumpfrezidiv nach EC ohne adjuvante strahlentherapeutische Vorbehandlung oder zumindest ohne adjuvante perkutane Radiotherapie in der Vorgeschichte können mittels Strahlentherapie und/oder mittels chirurgischer Tumorresektion behandelt werden.
Randomisierte Vergleichsstudien zur Überlegenheit einer der beiden Therapieoptionen liegen nicht vor. Sofern zuvor in der adjuvanten Situation keine Strahlentherapie verabreicht wurde, kann durch eine Radiotherapie eine dauerhafte Remission erreicht werden.
Im Rahmen der PORTEC-1-Studie entwickelten 32 der zuvor nicht bestrahlten Patientinnen ein isoliertes Scheidenstumpfrezidiv [604]. Davon wurden 30 Patientinnen mit kurativer Intention behandelt, von diesen 24 mit alleiniger Strahlentherapie, zwei mit alleiniger OP, drei mit OP und Strahlentherapie und eine mit Strahlen- und endokriner Therapie. Details zur Strahlentherapie (Dosis externe Beckenbestrahlung, Kombination mit Brachytherapie) wurden nicht angegeben. Die Rate an Komplettremissionen nach Salvage-Strahlentherapie und/oder Salvage-Tumorresektion betrug insgesamt 87 % (26/30). Die 5-Jahres-Überlebensrate in dieser Gruppe der adjuvant nicht bestrahlten und bei Vaginalrezidiv mit kurativer Zielsetzung behandelten Patientinnen betrug 65 %.
Vargo et al. [605] untersuchten 2014 retrospektiv ein adjuvant nicht bestrahltes Kollektiv mit einem isolierten Scheidenstumpfrezidiv, das mit einem Konzept mit externer Beckenbestrahlung (mediane Dosis 45 Gy in IMRT-Technik) und bildgestützter Brachytherapie (median 24 Gy in 5 Fraktionen) behandelt wurde. Nach einem Follow-up von 3 Jahren betrug die lokale Kontrolle 95 % sowie die rezidivfreie Überlebensrate 68 %. Hardarson et al. [606] untersuchten ein Kollektiv von 31 strahlennaiven Patientinnen mit isoliertem Scheidenrezidiv. Bei 26 Patientinnen, die eine Strahlentherapie erhielten, betrug die 2-Jahres-Progressionsrate 40 % gegenüber 0 % bei 5 Patientinnen, die mittels Tumorresektion behandelt wurden. Jereczek-Fossa et al. [607] beziffern die 3-Jahres-Überlebensrate von 73 strahlennaiven Patientinnen mit Scheidenstumpfrezidiv nach Salvage-Strahlentherapie (überwiegend kombinierte Brachy- und Teletherapie) mit 62 % für auf das Vaginalepithel begrenzte Rezidive und 53 % für Rezidive mit subvaginaler Infiltration.
Ng et al. [608] berichten von einer Komplettremission bei 6/6 Patientinnen, die mit neuerlicher Strahlentherapie (nur extern, nur Brachytherapie oder nur Kombination) mit oder ohne Tumorresektion bei isoliertem Scheidenstumpfrezidiv nach alleiniger adjuvanter Brachytherapie im Rahmen der Primärtherapie behandelt wurden. Nach den Daten der genannten Fallserien erscheint also die Bestrahlung des vaginalen Rezidivs die Therapie der ersten Wahl, sofern nicht schon im Vorfeld eine perkutane Radiotherapie stattgefunden hat. Aufgrund des retrospektiven Charakters der Untersuchungen und der geringen Probandinnenzahl ist die Evidenzlage jedoch sehr niedrig.
Die Kombination einer Hochdosis-Brachytherapie mit Teletherapie (mittlere EQD2-Dosis von 68,3 Gray) erzielte bei 30 Patientinnen mit isoliertem vaginalen EC-Rezidiv ohne vorherige adjuvante Radiotherapie eine 5-Jahres-Überlebensrate von 77 % und eine krebsspezifische 5-Jahres-Überlebensrate von 83 % [609].
8.3 Operative Therapie des Rezidivs
Sofern eine komplette Resektion des Rezidivtumors erreichbar scheint und die Schnittbildgebung keinen Hinweis auf eine Fernmetastasierung ergeben hat, sollte eine operative Therapie des Endometriumkarzinom-Rezidivs durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Sofern eine komplette Resektion des Rezidivtumors erreichbar scheint und die Schnittbildgebung keinen Hinweis auf eine Fernmetastasierung ergeben hat, kann eine operative Therapie des Endometriumkarzinom-Rezidivs durchgeführt werden.Eine operative Zytoreduktion bei Frauen mit Rezidiv nach Endometriumkarzinom kann im Falle einer resttumorfreien Operation zu einer Verbesserung der Überlebensdauer, der Überlebensrate und des progressionsfreien Überlebens führen.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [542] [610]
Änderungshinweis
Es ist nicht belegt, dass eine Exenteration bei Frauen mit Rezidiv nach Endometriumkarzinom gegenüber anderen Therapien oder Best Supportive Care zu einer Verbesserung der Überlebensdauer, der Überlebensrate oder des progressionsfreien Überlebens führt.Hintergrund
Zur Operation des EC-Rezidivs liegen keine prospektiv-randomisierten Studien vor. Meta-Analysen von Kohortenstudien sowie systematische Übersichtsarbeiten haben die Effektivität der operativen Therapie des EC-Rezidivs untersucht [611], [610].
Barlin et al. [542] konnten 2010 in einer Meta-Analyse von 14 Kohorten mit fortgeschrittenem oder rezidiviertem EC (n = 672) zeigen, dass das Gesamtüberleben der untersuchten Kohorten umso höher war, je höher der Anteil an operierten Patientinnen war. Darüber hinaus bewirkte jeder 10 %-ige Zuwachs von makroskopisch tumorfrei operierten Patientinnen eine durchschnittliche Verbesserung des Gesamtüberlebens von 9,3 Monaten (p = 0,04).
Moukarzel et al. zeigten in einer retrospektiven, monozentrischen Kohortenstudie an 376 Patientinnen mit EC-Rezidiv, dass nach Zytoreduktion das progressionsfreie Intervall signifikant länger und das Gesamtüberleben signifikant höher war als nach Radiotherapie oder Chemotherapie. Die operative Zytoreduktion war in dieser Kohorte ein unabhängiger Prädiktor [JYP3] für das Gesamtüberleben [610].
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022, bestehend aus 11 Arbeiten mit 1146 EC-Patientinnen [612], untersuchte die operative Therapie des EC-Rezidivs. Hiervon verglichen 4 Arbeiten die operative Therapie als Teil eines multimodalen Therapiekonzepts mit nicht-operativen Therapieformen (Chemo-, Radio-, Radiochemo- und hormonelle Therapie). Sieben weitere Studien untersuchten EC-Patientinnen, die eine operative Therapie in Kombination mit nicht-operativen Therapien erhielten. Die systemische Übersichtsarbeit umfasste sowohl lokoregionale Rezidive als auch Fernmetastasen. Von den 1146 untersuchten Patienten wurde bei 717 eine zytoreduktive Operation durchgeführt. Die operativ therapierte Patientengruppe wies ein signifikant längeres Überleben auf. Auch das progressionsfreie Überleben war signifikant verlängert. Eine optimale Zytoreduktion konnte in bis zu 75 % der Fälle erzielt werden. Die Komplikationsraten variierten zwischen 14 und 42 % und umfassten vor allem Clavien-Dindo 1- und 2-Komplikationen.
Das EC metastasiert und rezidiviert typischerweise lokal im Becken oder in den pelvinen und paraaortalen Lymphknoten (50 %), sowie peritoneal (28 %) oder in der Lunge (20- 25 %). Seltener treten Leber- (7 %) oder Milz-Metastasen (1 %) auf. Extraabdominale Lymphknotenmetastasen (hauptsächlich supraclavikulär) haben eine niedrige Prävalenz (0.4 – 1 %). Die Prävalenz für Knochenmetastasen liegt zwischen 4 und 7 %. Hirnmetastasen des EC sind mit einer Inzidenz von <1 % aller Rezidive seltene Ereignisse [613]. Zur Rolle der Metastasenchirurgie liegen beim EC wenige Studien vor [614], [615], [616]. Im Jahr 2020 erfolgte durch Guo et al. eine Datenbank-Analyse von 730 Patienten mit einem extra-abdominal metastasierten EC. Ein verlängertes Überleben wurde für operativ resezierte Metastasen der Lunge (23 vs. 9 Monate, p < 0.01) und der Knochen (19 vs. 8 Monate, p = 0.15) festgestellt [614]. Basarir et al. beschreiben in einer Fallserie von 14 operierten Patienten mit Knochenmetastasen ein medianes Überleben von 61 Monaten [615]. In einem Review über die operative Therapie von Leber-, Lungen- und Hirnmetastasen verschiedener gynäkologischer Malignitäten resümieren Tangjitgamol et al., dass diese in selektierten Fällen ein verlängertes Überleben erzielt [616]. Die Indikation zur operativen Therapie von nicht-lokoregionären Metastasen, sei es extra-/ oder intra-abdominal, kann unter Balancierung des Allgemeinzustandes und der Möglichkeit einer vollständigen Resektion eine therapeutische Option sein.
8.4 Medikamentöse Therapie des Rezidivs bzw. primär fortgeschrittenen Situation
Eine Systemtherapie soll bei Frauen mit lokal nicht therapierbarem Endometriumkarzinom-Rezidiv oder bei Fernmetastasierung durchgeführt werden.
Die Überlegenheit eines bestimmten Chemotherapieregimes bei Frauen mit Rezidiv nach Endometriumkarzinom ist nicht erwiesen. Als äquieffektive Substanzen zur chemotherapeutischen Therapie eines fortgeschrittenen oder rezidivierten Endometriumkarzinom haben sich die Kombinationen Carboplatin/Paclitaxel und Doxorubicin/Cisplatin/Paclitaxel erwiesen. Aufgrund der besseren Verträglichkeit soll Carboplatin (AUC 6) mit Paclitaxel (175 mg/m2) verwendet werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [550] [551]
Evidenztabellen (1)
8.2 EvT 8.9Bei Patientinnen mit primär fortgeschrittenem oder rezidiviertem Endometriumkarzinom soll bei Progression nach mindestens einer Linie Chemotherapie eine kombinierte Immun- und Multikinase-Inhibitortherapie mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 oder 400 mg i.v. d1, q42) und Lenvatinib (20 mg p.o. 1 x tgl.) durchgeführt werden, insbesondere im Falle eines mikrosatelliten-stabilen/mismatch-repair funktionellen Rezidivs. Die hohe Toxizität ist zu beachten.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [617] [618]
Änderungshinweis
Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-stabilem/mismatch-repair funktionellem Tumorgewebe und Progression nach mindestens einer Linie Chemotherapie sollte eine kombinierte Immun- und Multikinase-Inhibitortherapie mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 oder 400 mg i.v. d1, q42) und Lenvatinib (20 mg p.o. 1 x tgl.) durchgeführt werden. Die hohe Toxizität ist zu beachten.Evidenztabellen (1)
9.4 EvT 9.14Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-instabilem/mismatch-repair- defizientem Tumorgewebe (MSI-H oder dMMR) kann nach einer Vorbehandlung durch eine platinbasierte Chemotherapie eine Immuntherapie mit Dostarlimab oder mit Pembrolizumab durchgeführt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [553]
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (96,7%)
- Literatur
- [553]
Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem, nicht tumorfrei resektablem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-instabilem/mismatch-repair-defizientem Tumorgewebe (MSI-H oder dMMR) ohne platinhaltige Vortherapie, bez. mit einem Chemotherapie-freien Intervall > 6 Monate, bzw. >12 Monate, soll eine platinbasierte Chemotherapie mit Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) in Kombination mit einer Immuntherapie mit Dostarlimab (6 Zyklen 500 mg i.v. d1, q21 während der Chemotherapie gefolgt von 1000 mg i.v. d1, q42, als Erhaltungstherapie) oder mit Pembrolizumab (6 Zyklen 200 mg i.v. d1, q21 während der Chemotherapie gefolgt von 400 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) durchgeführt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (96,6%)
- Literatur
- [550] [551]
Änderungshinweis
Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-instabilem/mismatch-repairdefizientem Tumorgewebe (MSI-H oder dMMR) kann nach einer Vorbehandlung durch eine platinbasierte Chemotherapie eine Immuntherapie mit Dostarlimab (4 Zyklen 500mg i.v. d1, q3w gefolgt von 1000mg i.v. d1, q6w) oder mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 oder 400 mg i.v. d1, q42) durchgeführt werden. Angesichts der hohen Toxizität der Kombinationstherapie mit einem Multikinase-Inhibitor kann die Monotherapie bei diesen Patientinnnen bevorzugt eingesetzt werden.Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem, nicht tumorfrei resektablem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-stabilem/mismatch-repair-profizientem Tumorgewebe (MSI-L oder pMMR) ohne platinhaltige Vortherapie bzw. mit einem Chemotherapie-freien Intervall > 6 Monate, bzw. >12 Monate, sollte eine platinbasierte Chemotherapie mit Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) in Kombination mit einer Immuntherapie mit Dostarlimab (4 Zyklen 500 mg i.v. d1, q21 gefolgt von 1000 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) oder mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 während der Chemotherapie und 400 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) durchgeführt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [550] [551]
Änderungshinweis
Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-stabilem/mismatch-repair-profizientem Tumorgewebe (MSI-L oder pMMR) ohne platinhaltige Vortherapie, sollte eine platinbasierte Chemotherapie mit Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) in Kombination mit einer Immuntherapie mit Dostarlimab (4 Zyklen 500 mg i.v. d1, q21 gefolgt von 1000 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) oder mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 während der Chemotherapie und 400 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) durchgeführt werden.- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 2
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [252]
- Evidenzlevel
- 1
Hintergrund
Systemische Chemotherapie und Chemo-Immuntherapie
Die Systemtherapie des rezidivierten EC hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Zunächst wurde ein neuer Standard für die Chemotherapie etabliert. In einer prospektiv-randomisierten Phase III-Studie an 1381 Patientinnen mit primär fortgeschrittenem oder rezidivierten EC wurden die beiden Regime Carboplatin (AUC 6) und Paclitaxel (175 mg/m2) q1, d21 x 7 sowie Doxorubicin (45 mg/m2; d1), Cisplatin (50 mg/m2; d1), Paclitaxel (160 mg/m2; d2) + Granulocyte Colony- Stimulating Factor (GCSF) verglichen [548]. Es zeigten sich eine Nicht-Unterlegenheit hinsichtlich Gesamtüberleben und progressionsfreiem Überleben und eine bessere Verträglichkeit für das Regime Carboplatin/Paclitaxel.
Weiterhin wurde das Überleben nach dem Rezidiv eines EC durch die Ausrichtung zielgerichteter Therapien auf molekulare Marker signifikant verbessert. Einen wesentlichen Beitrag dazu haben – ähnlich wie bei anderen Tumorentitäten – immunologische Ansätze geleistet. Das EC und insbesondere die Varianten mit einer Mismatch Repair-Defizienz (dMMR) und/oder einer Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) sind „mutationsfreudige“ Tumore mit vermehrter Expression von Antigenen, wodurch sie eine Angriffsfläche für immuntherapeutische Ansätze im Allgemeinen und für Immun-Checkpoint-Inhibitoren im Speziellen bieten [625]. Etwa 13 % bis 30 % der EC-Rezidive zeigen eine Mismatch Repair-Defizienz (dMMR) und/oder eine Mikrosatelliteninstabilität [319].
In der tumorentitätsübergreifenden Phase 2 Studie KEYNOTE-158 mit 49 Patientinnen mit EC-Rezidiv und dMMR oder MSI-H erreichte eine Pembrolizumab-Monotherapie eine Ansprechrate von 57 % und eine Rate an komplettem Ansprechen von 16 % (8/49 Patientinnen) [626]. 3/49 Patientinnen zeigten eine Grad-4-Toxizität (Guillain-Barré-Syndrom, Leberfunktionsstörung, Neutropenie). In der Garnet-Studie, einer nicht randomisierten Phase 1-Untersuchung mit einem PD-1 gerichteten Antikörper, wurden in der A1-Kohorte 143 Patienten mit dMMR/MSI-H EC behandelt. Im Zustand nach einer platinhaltigen Chemotherapie wurde Dostarlimab im Sinne einer intravenösen Monotherapie in der Dosierung 500 mg i.v. d1, q21 über 4 Zyklen, danach mit 1000mg i.v. q42 behandelt. In einer vorläufigen Auswertung der Daten zu Wirksamkeit und Toxizität wurde nach einem mittleren Follow-up von 27,6 Monaten eine Ansprechrate von 45 % gefunden [627]. Die Autoren hoben die langanhaltende Wirksamkeit bei den „Respondern“ und eine akzeptable Toxizität hervor mit nur 8,6 % Therapieabbrüchen durch therapiebedingte, schwere Nebenwirkungen. Eine weitere Phase 2 Studie untersuchte den PD-L1 gerichteten Antikörper Avelumab beim EC- Rezidiv und fand praktisch keine klinische Wirkung bei den Tumoren ohne Mikrosatelliteninstabilität. Unter den 15 Fällen mit dMMR/MSI-H wurden 3 Partialremissionen und eine Komplettremission beobachtet [628].
Da der Großteil der EC-Rezidive jedoch keine Mikrosatelliteninstabilität aufweist und sich bei diesen eine Monotherapie mit einem Immun-Checkpoint-Inhibitor als wenig wirksam erwiesen hat, wurde die Kombinationstherapie aus Pembrolizumab und Lenvatinib, einem oralen Multikinase-Inhibitor, in der KEYNOTE-146-Studie untersucht [629].
Bei 94 Patientinnen mit MMR-profizientem (d.h. nicht dMMR) EC-Rezidiv oder primär fortgeschrittenem EC erreichte die Kombinationstherapie eine Ansprechrate von 36 %. Allerdings wurden in 69 % der Fälle Grad 3-/4-Toxizitäten beobachtet und 2 Todesfälle als therapiebedingt eingestuft.
Die akzeptable Abbruchrate von 17,7 % konnte nur durch eine hohe Rate an Dosisreduktionen erreicht werden.
Diese Ergebnisse konnten in der randomisierten Phase III-Studie KEYNOTE-775 bestätigt werden. Hier wurde die Kombinationstherapie aus Pembrolizumab und Lenvatinib (LEN+PEMBRO) gegenüber einer Chemotherapie nach Wahl des Prüfarztes (Treatment of Physician’s Choice: TPC, Doxorubicin oder Paclitaxel) untersucht. Das Kollektiv bestand aus 827 Patientinnen mit einem fortgeschrittenen, rezidivierten oder metastasiertem EC, von denen zwei Drittel MMR-profizient war. Als duale primäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (OS) und das progressionsfreie Überleben (PFS) definiert [629].
Für LEN+PEMBRO konnte sowohl in der pMMR-Population (N=697) als auch in der Gesamtpopulation (pMMR- und dMMR- Population, N=827) eine Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens gegenüber der Chemotherapie gezeigt werden [pMMR-Population: 17,4 vs. 12,0 Monate (HR=0,68; P<0,001); Gesamtpopulation: 18,3 vs. 11,4 Monate (HR=0,62; P<0,001)]. Auch beim medianen PFS zeigte sich ein Vorteil für LEN+PEMBRO sowohl in der pMMR- [6,6 vs. 3,8 Monate (HR=0,60; P<0,001)] als auch in der Gesamtpopulation [7,2 vs. 3,8 Monate (HR = 0,56; P<0,001)]. Die Ansprechrate erhöhte sich von 15.1% auf 30.3% in der pMMR-Population, von 14.7% auf 31.9% in der Gesamtpopulation.“
Das Sicherheitsprofil der Kombinationstherapie entsprach dem bekannten Profil aus den Vorläuferstudien [630]. In einem Update wurden kürzlich die Daten der Primär-Analyse zu Wirksamkeit und Toxizität bestätigt. Unter LEN+PEMBRO wurden in 39,2% ≥ Grad 3 Bluthochdruck beobachtet (3). Die Abbruchrate lag bei 33%. Die Kombination LEN+PEMBRO stellt also hohe Ansprüche an das Toxizitätsmanagement. Die prospektiv evaluierte Patientinnen-Zufriedenheit unterschied sich in den beiden Armen jedoch nicht quantitativ sondern nur qualitativ: Die Lebensqualitativ verschlechterte sich unter LEN+PEMBRO durch Appetitminderung, Durchfall und Schmerzen, unter TPC hingegen durch Haarverlust und Kurzatmigkeit [618].
Die Chemo-Immuntherapie ist offensichtlich auch in der 1st-line-Therapie des fortgeschrittenen und rezidivierten EC wirksam. So wurde in der ENGOT-EN-6-NSGO/GOG-3031/RUBY-Studie, kurz RUBY-Studie, einer internationalen Multicenterstudie, bei Patientinnen mit histologisch oder zytologisch gesichertem primär fortgeschrittenem EC (FIGO 2019 Stadium III und IV) oder EC-Erstrezidiv ohne kurative Behandlungsoption die Effektivität einer Chemo-Immuntherapie geprüft [550]. Folgende Einschlusskriterien mussten erfüllt sein: Im Stadium IIIA, IIIB und IIIC1 musste postoperativ eine messbare Läsion vorliegen (außer bei Stadium IIIC1 mit seröser, klarzelliger, oder Karzinosarkom-Histologie), im Stadium IIIC2 und IV musste keine messbare Läsion vorliegen. Im Falle eines Rezidivs musste nach einer neoadjuvanten oder adjuvanten Chemotherapie ein Mindestzeitraum von 6 Monaten bis zur Diagnose des Rezidivs vorliegen. In einem plazebokontrollierten Studienaufbau mit 1:1-Randomiserung wurden die Probandinnen entweder mit 6 Zyklen Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) alle 3 Wochen (Standardarm) oder 6 Zyklen Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) alle 3 Wochen und Dostarlimab in der Dosierung 500 mg i.v. alle 3 Wochen während der Chemotherapie und 1000 mg i.v. alle 6 Wochen für bis zu 3 Jahre (experimenteller Arm) behandelt. Duale primäre Endpunkte der Studie waren das progressionsfreie Überleben (in der dMMR- und der Gesamtpopulation) und das Gesamtüberleben (in der Gesamtpopulation).
Ergebnisse der ENGOT-EN-6-NSGO/GOG-3031/RUBY-Studie
Die Hinzunahme von Dostarlimab zur Standard-Chemotherapie führte zu einer
- signifikanten und klinisch relevanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens in der Gesamtpopulation,
- signifikanten und klinisch relevanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens (exploratorisches Ergebnis) in der Subgruppe der dMMR/MSI-high-Tumoren und einer
- klinisch relevanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens in der Subgruppe mit pMMR/MSI-low-Tumoren.
In der Intention-To-Treat-Analyse der Gesamtpopulation betrug die Wahrscheinlichkeit des progressionsfreien Überlebens nach 24 Monaten 36% im Dostarlimab-Arm im Vergleich zu 18% im Standardarm (HR 0.64; 95% Konfidenzintervall [KI] 0.51-0.80; P<0.001). Die Überlebenswahrscheinlichkeit nach 24 Monaten betrug 71% (Dostarlimab-Arm) im Vergleich zu 56% (Standardarm) (HR 0.64; 95% KI 0.46-0.87; P=0.0021). Die mediane Nachbeobachtungsdauer betrug ungefähr 37 Monate.
In der vordefinierten Subpopulation mit dMMR/MSI-high-Tumoren war der therapeutische Effekt von Dostarlimab noch beeindruckender. Konkret betrug das progressionsfreie Überleben nach 24 Monaten 61% im Dostarlimab-Arm gegenüber lediglich 15% im Standard-Arm (HR 0.28; 95% KI 0.16-0.50; P<0.001). Das Gesamtüberleben nach 24 Monaten betrug 83% im Dostarlimab-Arm versus 58% im Standard-Arm (HR 0.30; 95% KI 0.13-0.70).
Beeindruckend sind auch die Ergebnisse in der Subpopulation mit pMMR/MSI-low-Tumoren, bei denen ein deutlich geringerer oder kein Effekt erwartet wurde. In dieser Gruppe zeigte sich ein nachweisbarer Effekt (exploratorisches Ergebnis). Konkret betrug die progressionsfreie Überlebenswahrscheinlichkeit nach 24 Monaten 28% im Dostarlimab-Arm gegenüber lediglich 18% im Standardarm (HR 0.76; 95% KI 0.59-0.98). Auch das Gesamtüberleben war in der Dostarlimab-Gruppe numerisch besser (67% versus 55%; HR 0.73; 95% KI 0.52-1.02).
In einer weiteren, internationalen und zeitgleich zu „Ruby“ publizierten Multicenter-Studie (NRG-GY018) wurden 816 Patientinnen mit primär fortgeschrittenem EC (FIGO 2019 Stadium III und IV A/B) oder EC-Erstrezidiv untersucht [551]. Alle histologischen Subtypen außer Karzinosarkomen waren zugelassen. Im Falle eines EC-Rezidivs musste nach einer vorangegangenen Chemotherapie ein Mindestzeitraum von 12 Monaten vorliegen. In einem plazebokontrollierten Studienaufbau mit 3:1-Stratifizierung (n=591 [pMMR] versus n=225 [dMMR]) und nachfolgender 1:1-Randomisierung wurden die Probandinnen entweder mit 6 Zyklen Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) alle 3 Wochen (Standardarm) oder 6 Zyklen Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) alle 3 Wochen und Pembrolizumab in der Dosierung 200 mg i.v. alle 3 Wochen während der Chemotherapie und 400 mg i.v. alle 6 Wochen bis zum Erreichen von Progression/Tod/intolerabler Toxizität oder einer maximalen Therapiedauer von 24 Monaten (experimenteller Arm) behandelt. Die Chemotherapie (Carboplatin/Paclitaxel) konnte im Falle eines Ansprechens auf maximal 10 Zyklen erweitert werden. Duale primäre Endpunkte der Studie waren das progressionsfreie Überleben (in der dMMR- und der Gesamtpopulation) und das Gesamtüberleben (in der Gesamtpopulation). Insgesamt wurden 816 Patientinnen (225 mit dMMR-Tumoren und 591 mit pMMR-Tumoren) eingeschlossen und randomisiert (112 dMMR + 295 pMMR im Pembrolizumab-Arm versus 113 dMMR + 296 pMMR im Standard-Arm).
Ergebnisse der NRG-GY018-Studie
Die Ergebnisse der NRG-GY018-Studie sind ebenso wie der Ergebnisse der RUBY-Studie beeindruckend. Die Hinzunahme von Pembrolizumab zur Standard-Chemotherapie führte zu einer
- signifikanten und klinisch relevanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens in der Gruppe der dMMR-Tumoren und einer
- signifikanten und klinisch relevanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens in der Gruppe der pMMR-Tumoren.
In der Intention-To-Treat-Analyse der dMMR-Population reduzierte die Hinzunahme von Pembrolizumab die Wahrscheinlichkeit einer Progression nach 12 Monaten um 70%. Das progressionsfreie Überleben betrug 74% im Pembrolizumab-Arm versus 38% im Standardarm (HR 0.30; 95% KI 0.19-0.48). Auch in der pMMR-Population verbesserte die Hinzunahme von Pembrolizumab die Wahrscheinlichkeit des progressionsfreien Überlebens nach 7.9 Monaten. Die mittlere Dauer des progressionsfreien Überlebens betrug 13.1 Monate im Pembrolizumab-Arm versus 8.7 Monate im Standard-Arm (HR 0.54; 95% KI 0.41-0.71; P<0.001).
Bezüglich des Gesamtüberlebens zeigte sich in der dMMR-Population nach einem medianen Follow-up von 22,5 Monaten eine Risikoreduktion von 43% für die Hinzunahme von Pembrolizumab (HR 0,57; 95% KI 0,31-1,04). In der pMMR-Population zeigte sich nach einem medianen Follow-up von 20,8 Monaten eine Risikoreduktion von 20% für die Hinzunahme von Pembrolizumab (HR 0,80; 95% KI 0,59-1,08). Dabei gilt es zu beachten, dass deutlich mehr Patientinnen im Placebo-Arm eine Folgetherapie mit einem Checkpoint-Inhibitor erhalten haben im Vergleich zum Pembrolizumab-Arm (dMMR-Population: 51,0% vs. 17,9%, pMMR-Popuation: 42,9% vs. 21,9%).
Eine weitere Therapieoption für das aEC oder rEC ergibt sich seit der prospektiven dreiarmigen Duo-E-Studie, in der 780 Patientinnen entweder im Standardarm eine CT, in einem experimentellen Arm die CT mit dem Immun-Checkpoint-Inhibitor Durvalumab (zunächst parallel zur CT und dann als Erhaltungstherapie) und im zweiten experimentellen Arm die CT + Durvalumab und zusätzlich den PARP-Inhibitor Olaparib (als Erhaltungstherapie) erhielten [553].
In der Gesamtauswertung (unabhängig von MMR- und BRCA-Status) führte der Arm mit Durvalumab (während Chemotherapie + Erhaltung) gegenüber dem Kontrollarm (Carboplatin AUC 5 oder 6/Paclitaxel 175 mg/m2) zu einem kurzen, aber signifikanten PFS-Vorteil (10.2 vs. 9.6 Monate, p=0.003). Der Arm mit Durvalumab + Olaparib als Erhaltungstherapie nach Chemotherapie + Durvalumab war der effektivste Arm mit einem signifikanten und klinisch relevanten PFS-Vorteil (15.1 vs. 9.6 Monate, <0.0001). Was das Gesamtüberleben betrifft, war auch nur dieser Arm signifikant besser als der Kontrollarm (p=0.003), nicht aber der Durvalumab-Arm (p=0.1) (S. 289). In der Subgruppenanalyse nach MMR-Status zeigte sich bzgl. des progressionsfreien Überlebens in der dMMR-Gruppe kein Unterschied zwischen dem Durvalumab-Arm und dem Durvalumab+Olaparib-Arm. In der Gruppe pMMR zeigte sich hingegen ein deutlicher PFS-Unterschied zwischen Durvalumab + Olaparib und Durvalumab alleine (15.0 versus 9.9. Monate). In der PD-L1-positiven Subgruppe zeigte sich der größte Effekt von Durvalumab + Olaparib versus Durvalumab alleine (20.8 versus 11.3 Monate), hingegen kein Unterschied zwischen den Armen in der PD-L1-negativen Subgruppe (S. 294). Das Sicherheitsprofil zeigte eine erhöhte Toxizität in den beiden experimentellen Armen mit G3/4-Anämie bis zu 24%, Dosisreduktionen bzw. Unterbrechungen/Verzögerungen der Therapie bei bis zu 69% der Patientinnen und Therapieabbrüchen in bis zu 24%.
Duo-E zeigt in der Erstlinientherapie die Wirksamkeit eines weiteren Checkpointinhibitors beim dMMR/MSI-H-EC und eröffnet mit der Sequenz Chemotherapie+Durvalumab > Durvalumab+Olaparib eine neue Therapieoption für die schwierige Gruppe des pMMR/MSI-L-EC. Die Kombination Lenvatinib/Pembrolizumab hingegen eignet sich nach Meinung der Autoren aufgrund der höheren Toxizität lediglich für das Kollektiv mit rezidiviertem/primär fortgeschrittenen und pMMR/MSI-L-EC mit multipler chemotherapeutischer Vorbehandlung bzw. Progress innerhalb von <12 Monaten nach platinhaltiger Chemotherapie und sollte nach Meinung der Autoren auf diese Subgruppe fokussiert werden.
Eine weiteres Immuntherapeutikum für primär fortgeschrittene und rezidivierte EC stellt Atezolizumab dar. In der Attend-Studie wurden 551 Frauen mit primär fortgeschrittenem oder rezidiviertem EC eingeschlossen [552].
Die kombinierte Chemoimmuntherapie führte nach 1,5 Jahren Nachbeobachtungszeit zu einer signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens (38.7 vs. 30.2 Monate; p=0.048, wobei das vordefinierte Kriterium der Signifikanz nicht erreicht wurde) und des progressionsfreien Überlebens (10.1 vs. 8.9 Monate; p=0.02). Laut derzeit vorliegenden Informationen wird Atezolizumab in der Therapie des EC nicht zugelassen werden.
Trastuzumab bei EC-Rezidiv mit her2/neu-Überexpression
Etwa 30 % aller serösen EC überexprimieren her2/neu und weisen damit ein "actionable target" für eine zielgerichtete Therapie mit Trastuzumab auf. In einer randomisierten Phase II-Studie mit 61 Probandinnen mit serösem EC (FIGO-Stadium III/IV oder Rezidiv) und her2/neu-Überexpression führte eine Therapie mit Trastuzumab während und nach Carboplatin/Paclitaxel zu einer signifikanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (8,0 Monate vs. 12,9 Monate) und des Gesamtüberlebens (24,4 Monate vs. 29,6 Monate [252].
Probandinnen mit FIGO-Stadium III/IV profitierten hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens, Probandinnen mit Rezidiv nur hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens.
Off Label Use – Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation
Bei der Anwendung der Substanz Trastuzumab bei Frauen mit EC- Rezidiv handelt es sich zum Teil um einen Off-label-Use (Stand bei Drucklegung der Leitlinie). Dies muss bei Aufklärung und Therapiedurchführung (Einzelfallprüfung durch den Medizinischen Dienst) berücksichtigt werden.
Endokrine Therapie
Eine häufig angewandte Therapie bei Frauen mit EC-Rezidiv und reduziertem Allgemeinzustand oder fortgeschrittenem Alter ist eine endokrine Therapie mit Gestagenen (z. B. Medroxyprogesteronacetat [MPA], Megestrolacetat [MGA]) oder Tamoxifen. Die Effektivität einer endokrinen Therapie bei Rezidiv nach EC gegenüber einer Chemotherapie oder „Best Supportive Care“ ist allerdings nicht durch kontrollierte Studien belegt.
In einer systematischen Literaturanalyse der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2010 konnten 6 randomisierte Studien zur Beurteilung der Sicherheit und Effektivität der endokrinen Therapie bei Frauen mit primär fortgeschrittenem EC oder Rezidiv nach EC identifiziert werden [623]. In keiner der untersuchten Studien wurde die endokrine Therapie mit einer systemischen Chemotherapie oder „Best Supportive Care“ verglichen. Hoch dosiertes MPA (1000 mg/d) war überraschenderweise gegenüber niedriger dosiertem MPA (200 mg/d) mit einem signifikant erhöhten Mortalitätsrisiko und einem verkürzten progressionsfreien Intervall assoziiert. Eine Hormonersatztherapie zusätzlich zu einer Chemotherapie oder Radiotherapie brachte keinen Vorteil. Auch eine Kombination aus Tamoxifen und Megestrolacetat führte zu keinem Vorteil gegenüber Megestrolacetat alleine.
In einer aktuellen Übersichtsarbeit werden für Tamoxifen Ansprechraten zwischen 10 % und 53 % angegeben, für eine Kombinationstherapie mit Tamoxifen und einem Gestagen zwischen 19 % und 58 % [22].
Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ansprechraten durch Selektion von Patientinnen mit gut oder mittelgradig differenzierten endometrioiden Adenokarzinomen mit Progesteron- und/oder Östrogenrezeptorexpression gesteigert werden können.
In einem systematischen Review mit einer Meta-Analyse von 39 retrospektiven Studien zur endokrinen Therapie des EC beschreiben Ethier et al. in der Erstlinien- Behandlung eine Ansprechrate (ORR) des rezidivierten EC auf Gestagene und Tamoxifen bzw. auf die Kombination derselben von 21 %. Aromatase-Inhibitoren erreichten eine ORR von 8 %. Das Ansprechen war signifikant höher bei positiven Hormonrezeptoren und low-grade Karzinomen. Eine Einschränkung der Meta-Analyse ist die fehlende Standardisierung der Hormonrezeptorbestimmung. Jerzak et al. verweisen auf unterschiedliche Ansprechraten des EC auf die endokrine Therapie in Abhängigkeit von verschiedenen Isoformen der Hormonrezeptoren [622].
Da sich die biologischen Eigenschaften des Tumors im Laufe der Progression verändern können, erscheint eine erneute Untersuchung der Rezeptoren und des Gradings am Rezidivgewebe sinnvoll.
Die endokrine Therapie ist aufgrund der wenigen Nebenwirkungen bei älteren und multimorbiden EC-Patientinnen eine erwägenswerte Alternative zu einer Chemotherapie. Die Entscheidung zur Durchführung einer endokrinen Therapie kann daher unter Berücksichtigung individueller Entscheidungskriterien und mit dem Hinweis auf die gute Verträglichkeit getroffen werden.
Ähnlich wie beim hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom wurden beim fortgeschrittenen EC zielgerichtete Therapien zur Inhibition des PI3K/AKT/mTOR- Signalweges und der Cyclin abhängigen Kinasen untersucht [631].
Tabelle 17: Therapieoptionen bei primär fortgeschrittenem oder rezidiviertem Endometriumkarzinom
| Indikation | Therapie |
| Operabilität, keine Fernmetastasen | Operative Therapie- Zytoreduktion |
| pMMR + Ansprechen auf Carboplatin/Paclitaxel + Durvalumab | Carboplatin/Paclitaxel + Durvalumab gefolgt von Durvalumab + Olaparib (Erhaltung) |
| dMMR + Ansprechen auf Carboplatin/Paclitaxel + Durvalumab | Carboplatin/Paclitaxel + Durvalumab gefolgt von Durvalumab (Erhaltung) |
| Vorbehandlung mit Carboplatin/Paclitaxel und pMMR | Lenvatinib + Pembrolizumab |
| Vorbehandlung mit Carboplatin/Paclitaxel und dMMR oder pMMR („kann“) | Pembrolizumab |
| dMMR („soll“) oder pMMR („sollte“) | Carboplatin/Paclitaxel + Dostarlimab gefolgt von Dostarlimab (Erhaltung) |
| dMMR („soll“) oder pMMR („sollte“) | Carboplatin/Paclitaxel + Pembrolizumab gefolgt von Pembrolizumab (Erhaltung) |
| her2/neu Überexpression | Carboplatin/Paclitaxel + Trastuzumab |
| individualisierte Indikation | Medroxyprogesteronazetat (MPA) oder Megestrolazetat (MAG) |
| dMMR / individualisierte Indikation | Carboplatin/Paclitaxel + Atezolizumab (aktuell keine Zulassung |
8.5 Postaktinische Veränderungen im Bestrahlungsfeld
8.5.1 Vaginalatrophie
Symptome einer Vaginalatrophie bei Patientinnen nach Therapie eines Endometriumkarzinoms sollen primär mit inerten Gleitgelen oder Cremes behandelt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [632]
Evidenztabellen (1)
9.6.1 EvT 9.18Hintergrund
Die perkutane Radiotherapie des kleinen Beckens und die Brachytherapie im Rahmen der Behandlung des EC können zu akuten (Mukositis, Ulzeration, Nekrosebildungen, Zystitis, Proktitis) und chronischen postaktinischen Veränderungen im Strahlenfeld (atrophe Vaginitis, Teleangiektasien, Vaginalstenosen, Verkürzung/Obliteration der Vagina, Fistelbildungen, Urethrastriktur) führen [633]. Dadurch kann es zu erheblichen Funktionsstörungen kommen (vaginales Trockenheitsgefühl, Dyspareunie, postkoitale Blutungen, Drang- und Belastungsharninkontinenz) und damit zu einer Beeinträchtigung der Sexualität und der Lebensqualität. Therapeutisch kommen antiseptische Vaginalspülungen, inerte Gleitgele und Cremes, lokal und systemisch verabreichte Östrogene, Vaginaldilatatoren, hyperbare Sauerstoffbehandlungen und operative Maßnahmen mit einem CO2-Laser in Betracht.
Wegen diesbezüglich nicht aussagekräftiger Daten kann eine Erhöhung des Rezidivrisikos durch eine lokale Östrogenanwendung nach behandeltem Endometriumkarzinom nicht ausgeschlossen werden ; [634]; [635]; [636]. Deshalb werden zur Erstlinienbehandlung der Symptome einer atrophen Vaginitis nicht-östrogenhaltige Gleitgele /Scheidenzäpfchen (auf Wasser-, Glyzerin-, Silikon- oder Hyaluronsäure-Basis mit Vitamin A oder E oder alpha Tokopherol) und/oder Befeuchtungscremes empfohlen [637], [632]. PH-stabilisierte Präparate mit einem pH-Wert von 4 bis 4,5 (Milchsäure) haben sich bei Brustkrebspatientinnen zur Behandlung der atrophen Vaginitis als besonders wirksam erwiesen [638].
Zur CO2-Laser Behandlung nach gynäkologischen Karzinomen liegen bisher nur Daten aus einer Pilotstudie vor [639].
8.5.2 Lokale Östrogenbehandlung
Eine lokale Östrogenbehandlung nach Primärtherapie eines Endometriumkarzinoms kann, nach nicht zufriedenstellender Behandlung mit inerten Gleitgelen oder Cremes, erwogen werden.
- Konsens
- Konsens
Hintergrund
Der günstige Einfluss lokaler Östrogene auf Kontaktblutungen und Dyspareunie nach Radiotherapie der Vagina konnte bereits 1971 durch Pitkin et al. [640] gezeigt werden, wobei es sich um Patientinnen nach Zervixkarzinom gehandelt hatte. In einer Metaanalyse konnte die Rehabilitation der Sexualfunktion nach Radiotherapie des kleinen Beckens durch die lokale und systemische Östrogenanwendung bestätigt werden [641]. Hintz et al. [642] wiesen andererseits nach, dass lokal verabreichte Östrogene durch die bestrahlte Vaginalhaut resorbiert und somit systemisch wirksam werden können. Dabei scheint die transvaginale Resorption der Östrogene nach der Radiotherapie deutlich langsamer zu erfolgen [643].
In diversen retrospektiven Kohortenstudien und Fall-Kontroll-Studien konnte weder für die lokale (vaginale) Verwendung von Östrogenen [636]noch für die systemische Hormonsubstitutionstherapie (hormone replacement therapy = HRT) eine erhöhte Rezidivrate beim EC der Stadien I und II nachgewiesen werden (Zusammenstellung der Studien bei [634]; [644]; [635]. Dennoch erscheint die Datenlage insgesamt zu schwach, um für die lokale und die systemische Hormonanwendung eine Unbedenklichkeit hinsichtlich des onkologischen Risikos auszusprechen. Die Autoren der Cochrane-Analyse zur systemischen HRT nach EC empfahlen ein individualisiertes Vorgehen unter Berücksichtigung der Symptome/Präferenzen der Patientin. Der Grund dafür lag in der ungenügenden Evidenz hinsichtlich des möglichen Nutzens oder der potentiellen Risiken einer Östrogenbehandlung nach der Primärtherapie eines EC im FIGO-Stadium I. Über den Einfluss einer HRT bei Patientinnen nach Behandlung höherer Tumorstadien des EC fanden sich in der Literatur keinerlei Angaben [645].
Bei Patientinnen nach Therapie eines EC mit durch Östrogenmangel bedingten oder postaktinischen Beschwerden der Vagina soll vor Anwendung lokaler Östrogene das möglicherweise erhöhte Rezidivrisiko gegenüber den Vorteilen der Hormonanwendung abgewogen und im Sinne eines „informed consent“ mit der Patientin besprochen werden. Eine juristisch belastbare Dokumentation wird empfohlen (s. auch S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen“, 01/2020, DGGG, OEGG, SGGG, AWMF-Registernummer 015/062, [108]. Auch das NCCN-Panel rät zur Vorsicht bei der HRT nach der Primärtherapie von Patientinnen mit EC und empfiehlt die Restriktion auf Frühstadien mit niedrigem Rezidivrisiko sowie einen Behandlungsbeginn erst 6 bis 12 Monate nach dem Ende der Primärtherapie [196].
8.5.3 Behandlung und Prophylaxe von Vaginalstenosen
Vaginaldilatatoren können zur Behandlung und Prophylaxe von Vaginalstenosen bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom nach Beendigung der Radiotherapie und Abklingen der akuten Strahlenfolgen eingesetzt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund
Durch die akuten und chronischen Strahlenfolgen (s. oben) im Bereich der Vagina und der umliegenden Organe kann es zu Blutungen nach Geschlechtsverkehr, Dyspareunie und einer durch Synechien der Vaginalwand bedingten, eingeschränkten klinischen Beurteilbarkeit des Lokalbefundes bei der Tumornachsorgeuntersuchung kommen.
Postaktinische Beschwerden im Vaginalbereich traten im Rahmen der PORTEC-2-Studie in 35 % nach Brachytherapie und in 17 % nach perkutaner Radiotherapie des kleinen Beckens auf [646]. Das Risiko für das Auftreten einer klinisch relevanten Spättoxizität (Vaginalstenose) ist von radioonkologischen Faktoren (Strahlendosis, Dosisfraktionierung, bestrahltes Volumen) und von tumorspezifischen (Tumorlokalisation, Tumorvolumen) und patientenspezifischen Gegebenheiten (Alter, Nikotinabusus, gleichzeitig verabreichte Chemotherapie) abhängig. In einer Literaturübersicht von Morris L. et al. variierte die Häufigkeit der Vaginalstenose nach Bestrahlung zwischen 1,25 und 88% [633].
Zur Vermeidung dieser Komplikation werden häufig Vaginaldilatatoren angewendet und zusammen mit Gleitgel 2 bis 4 Wochen nach der Radiotherapie als Expertenkonsens empfohlen [647], [648]. Allerdings gibt es nur eine eingeschränkte Evidenz für den Nutzen der Vaginaldilatatoren. So fanden Miles T. et al. in der 2014 publizierten Cochrane-Analyse zur Behandlung von Frauen mit Vaginaldilatatoren nach pelviner Radiotherapie keine Studie, die den Kriterien der Auswertbarkeit einer Metaanalyse zum Thema entsprach [647]. Auch in neueren Arbeiten konnte die Anwendung von Dilatatoren nach der Radiotherapie funktionell einschränkende Vaginalstenosen bei 2/3 der Patientinnen nicht verhindern [649], [650], [651], [652]. Zur Objektivierung der Wirksamkeit der Dilatatoren wurde u.a. die Länge und Breite der Scheide gemessen und im Verlauf dokumentiert. Aus 2 aktuellen prospektiven Studien wird deutlich, dass die mangelnde Compliance für die regelmäßige Anwendung der Dilatatoren der limitierende Faktor für die Wirksamkeit dieser präventiven und therapeutischen Maßnahme ist [651], [652].
In der Literatur finden sich Berichte über die Behandlung der vulvo-vaginalen Atrophie mittels CO2-Laser in der Postmenopause (bbb), nach antihormoneller Therapie [653], respektive nach lokaler Radiotherapie. In einigen kleinen, nicht randomisierten Studien wurde ein therapeutischer Effekt der Laserbehandlung beschrieben [654]. In 2 randomisierten, doppelt blinden und Sham-Operation kontrollierten Studien [655], [653] konnte durch eine CO2-Laserbehandlung keine Verbesserung der Symptomatik einer vulvo-vaginalen Atrophie nachgewiesen werden. Derzeit gibt es keinen Nachweis einer Wirksamkeit einer lokalen CO2-Lasertherapie im Bereich der Vagina bei Frauen mit EC-Rezidiv.
8.6 Palliative Strahlentherapie
Als Palliativmaßnahme bei vaginaler Blutung oder Schmerzen durch ein Scheidenstumpf- oder Beckenwand-Rezidiv kann eine Strahlentherapie mit niedriger Gesamtdosis auch nach früherer Strahlentherapie eingesetzt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund
Bei der Durchführung von medikamentösen und/oder strahlentherapeutischen Maßnahmen sollen die Empfehlungen der S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“ [582] berücksichtigt werden.
Bei Vorliegen einer inkurablen Erkrankungssituation sowie aktuellen sowie zu erwartenden physischen und psychosozialen Belastungen sollen die Empfehlungen der S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“, [656].
Evidenztabellen
9.1 EvT 9.1
|
Referenz |
Studientyp/ |
Untersuchte Population |
Intervention |
Kontrolle |
Untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
Methodische Bemerkungen |
|
Fung-Kee-Fung 2006 |
Systematischer Review (gepoolte Daten von 16 nicht-vergleichenden retrospektiven Studien3 + 2 systematischen Reviews) LoE 4 |
Frauen mit Endometrium-karzinom: 2.929 Frauen in den Follow-up-Studien (Table 1 im Review). |
Systematische Literatursuche in MEDLINE, EMBASE und in den Cochrane Library Datenbanken (1980–2005/Oktober). |
Keine. |
Lokoregionäre Rezidive; Fern-Rezidive; Gesamtüberleben; Lebensqualität – gemessen an einem optimalen Follow-up-Schema. |
Es gibt nur begrenzte Evidenz dafür, dass intensive Follow-up-Protokolle mit multiplen diagnostischen Routineuntersuchungen einen Überlebens-Benefit nach sich ziehen. Effektschätzer: Gesamt-Rezidiv-Risiko = 13 % für alle Patientinnen (95 % CI: 11–14 %), verglichen mit 77 % für symptomatische Rezidive (95% CI: 74–81 %). (3 % weniger für Low-risk-Patientinnen.) 68 %–100 % der Rezidive traten in den ersten 3 Jahren des Follow-ups auf. Symptomatische Rezidive = 70 %. Keine verlässlichen Überlebens-Unterschiede zwischen asymptomatischen und symptomatischen Patientinnen. |
Keine Daten zur Lebensqualität. Einschluss von zumeist Studien mit niedrigem Evidenzlevel. |
|
Follow-up-Schema. |
|||||||
|
Gadducci 2000 |
Retrospektive Fallserie LoE 4 |
152 konsekutiv eingeschlossene Frauen mit Endometrium-karzinom FIGO-Stadium I. Im Follow-up: n = 133. 89 Frauen erhielten postoperative adjuvante Therapien. 24 Frauen bekamen ein Rezidiv in 10 Jahren. Operatives Staging erfolgte gemäß FIGO 1988. |
Hysterektomie und beidseitige Salpingo-Oopherektomie + paraaortale und/oder pelvine Lymphadenek-tomie. |
Keine. |
Krankheitsfreies Überleben; Gesamtüberleben; Überleben nach Rezidiv – gemessen an einem optimalen Follow-up-Schema. |
Ein intensives Follow-up-Protokoll scheint keinen signifikanten Einfluss auf das Outcome von Patientinnen mit Endometriumkarzinom im FIGO Stadium I zu haben. Vorschlag für Follow-up-Protokoll bei Low-risk-Patientinnen: Alle 4 Monate körperliche Untersuchung in den ersten 2 Jahren nach OP; danach alle 6 Monate. Dazu Ultraschall (Abdomen/Becken) und Thorax-Röntgen in den ersten 3 Jahren nach OP. Effektschätzer: 5-Jahres-krankheitsfreies Überleben: 94,2 % bei Low-risk-Patientinnen versus 76,0 % bei High-risk-Patientinnen (p = 0,0472). Medianes Gesamtüberleben: 10 Monate. Überleben nach Rezidiv war höher bei Spät-Rezidiven, verglichen mit früh diagnostizierten Rezidiven (= Überleben war höher, wenn die Rezidiv-Diagnose nach 17,5 Monaten gestellt wurde, verglichen mit davorliegender Diagnosestellung [p = 0,02]). Überleben nach Rezidiv ist nicht korreliert mit initialem FIGO-Stadium, Tumorgrad oder myometraner Invasion. |
Sehr kleine Fallserie über langen Zeitraum (1988–1997). |
|
Sartori 2007 |
Retrospektive Fallserie LoE 4 |
84 Frauen mit Endometrium-karzinom insgesamt. (147 Frauen insgesamt: 84 Frauen mit Endometrium-karzinom + 63 Frauen mit Zervixkarzinom). |
Nachsorge 1. Jahr alle 3 Monate; 2. Jahr alle 4 Monate; 3.–5. Jahr alle 6 Monate, dann jährlich; jedes Mal gyn. Untersuchung; PAP-Test und Röntgen-Thorax einmal jährlich; wenn klinisch indiziert: abdom. Ultraschall; CT des Beckens/Abdo-mens; Biopsie. |
Keine. |
Gesamtüberleben: Benefit von Nachsorgeprotokollen für Patientinnen mit rezidivierendem Zervix- und Endometrium-karzinom. |
Endometrium-karzinom-Patientinnen zeigten eine signifikant bessere Prognose, wenn ein Rezidiv bei Follow-up entdeckt wurde, als Zervixkarzinom-Patientinnen. Effektschätzer: 78 % der Rezidive (Endometriumkarzinom) in den ersten drei Jahren nach Erstbehandlung; Rezidive in Scheide und Becken hatten besseres Überleben; 55 % Fernmetas-tasen, 52 % hatten Symptome, von den asymptomatischen Rezidiven konnten 92 % mit Ultraschall und CT entdeckt werden. |
Gut analysierte Fallstudie. |
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Smith 2007 |
Retrospektive Fallserie LoE 4 |
280 (aus 438) Frauen mit rezidivierendem Endometrium-karzinom. |
Nachsorge mit gynäkologischer Zytologie zweimal pro Jahr alle 3 Monate die ersten 2 Jahre, dann alle 6 Monate (3 Jahr), dann jährlich; wenn klinisch indiziert: CT und CA-125. |
Keine. |
Gesamtüberleben. |
Patientinnen mit Low/-intermediate-Risiko könnten von einem intensiven Follow-up-Protokoll profitieren; High-risk-Patientinnen vielleicht mehr von einer alternativen Follow-up-Strategie mit Schwerpunkt auf Bildgebung und klinischer Untersuchung in Kombination mit Patientenaufklärung bezüglich der Symptome. Effektschätzer: 71 % symptoma-tisches Rezidiv; 29 % asymptomatisch; 5-Jahres-Gesamtüberlebens-wahrscheinlichkeit: 41 % (asympto-matisch), verglichen mit 28,9 % (symptomatisch) (p = 0,013). Asymptomatische Patientinnen mit Low-/intermediate-Risiko hatten etwas bessere Prognosen: 38 % (asympto-matisch) versus 25,7 % (sympto-matisch), p = 0,05. |
Gut aufgearbeitete Fallstudie. |
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Carrara 2012 |
Retrospektive multizentrische (8 italienische Zentren) Fallserie LoE 3 |
282 konsekutiv eingeschlossene Frauen mit rezidivierendem Endometrium-karzinom. |
n.a. |
n.a. |
Untersuchen und bewerten der gängigen Praxis von Follow-up-Strukturen in der Endometriumkarzinom-Überwachung: Sind diese effektiv, um asymptomatische Rezidive zu entdecken? Rezidiv-Schema je Follow-up-Vorgehen beschreiben.
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Patientinnen mit einem asymptomatischen Rezidiv zeigten ein besseres klinisches Outcome als solche mit einem symptomatischen Rezidiv. Auch mit Überleben korreliert war, wo das Rezidiv auftrat: Patientinnen mit einem Rezidiv des Scheidengewölbes lebten signifikant länger. Effektschätzer: Verteilung der Rezidive: 12 % Scheidengewölbe; 18 % zentrales Becken; 5 % Beckenwand; 14 % Lymphknoten; 45,3 % Fernmetastasen; 5,3 % beides. 41 % symptomatisch; 59 % asympto-matisch. Asymptomatische Patientinnen hatten ein besseres Überleben (35 versus 13 Monate, p = 0,0001), verglichen mit symptomatischen Patientinnen. Rezidive des Scheidengewölbes versus andere Rezidive, 1. OR1 = 2,90 (96 % CI: 1,35–6,27; p = 0,006); |
Sehr fundierte Analyse. |
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Creutzberg 2003 |
Randomisiert-kontrollierte Studie (Update-Analyse: 8-Jahres-Überleben) aus Daten der PORTEC-Studie2) LoE 2 |
714 (von 715 eingeschlossenen) Frauen insgesamt mit einem Endometrium-karzinom FIGO Stadium I, davon 39 Frauen mit isoliertem vaginalen Rezidiv. Hysterektomie erfolgte vorab, aber keine Lymphadenektomie. Staging gemäß FIGO 1988. Interventionsarm: 354 Frauen. Kontrollarm: 360 Frauen. Drop-out-Rate: n = 1 (Lost to Follow-up). |
Externe (pelvine) Strahlentherapie (46 Gy). |
Keine. |
Lokoregionäre Rezidive; Fern-Rezidive; Gesamtüberleben.
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Durch die kurative Bestrahlung des vaginalen Rezidivs = 89 % Komplettremission des vaginalen Rezidivs in der Gruppe der nicht vorbestrahlten Patientinnen (Interventionsarm). Effektschätzer: Lokoregionäre Rezidiv-Rate (nach Follow-up von 73 Monaten): 4 % (Strahlentherapie) versus 15 % (Kontrollgruppe) (p < 0,0001). 8-Jahres-Rate an Fernmetastasen: 10 % (Strahlentherapie) versus 6 % (Kontrollgruppe) (p = 0,20). Gesamtüberleben nach Follow-up: 71 % (Strahlentherapie) versus 77 % (Kontrollgruppe) (p = 0,18) = kein Unterschied. |
Keine Angabe zur Verblindung (in diesem Studien-setting schwer umsetzbar). Intention-to-treat-Analyse. |
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Reddoch 1995 |
Retrospektive Kohortenstudie zum Follow-up-Schema
LoE 4 |
412 Frauen mit Endometriumkar-zinom-Rezidiv nach Diagnose der klinischen Krankheitsfreiheit nach Endometrium-karzinom Stadium I nach Primär-therapie, innerhalb eines Zeitraumes von 7 Jahren (1985/01–1992/12). Staging erfolgte gemäß FIGO 1971 (oder zumindest vor 1988). 14 Frauen (3,4 %) entwickelten eine Tumorprogression während der Primärtherapie. 398 Frauen in der Nachbeobachtungs-phase wurden in die Analyse einge-schlossen: mittleres Follow-up von 64 Mon. |
Übliches Nachbeobach-tungsprotokoll nach Beendigung der Primär-therapie: ärztliche Untersuchung + Pap-Test alle 3 Mon. in den ersten 2 Jahren; alle 4 Mon. nach 3 Jahren; alle 6 Mon. nach 4 bis 5 Jahren; einmal jährlich Röntgenthorax; bei ausgewählten Patientinnen Testung der CA-125-Level. |
Keine. |
Nachbeobachtungs-protokoll für das Follow-up nach Endometrium-karzinom. |
44 Rezidive (11 %), Drop-out von 5 Fällen, deren Unterlagen nicht zugänglich waren = 39 Patientinnen mit Rezidiv (traten alle innerhalb von 39 Mon. auf): 16 symptomatisch (41 %), 23 asymptomatisch (59 %); von diesen überlebten nur 3 (7,7 %) nach operativer Behandlung oder Bestrahlung. Keine der Patientinnen mit Rezidiv konnte von Chemotherapie profitieren. Vorschlag für neues Nachbeobachtungs-protokoll: Follow-up-Zeitraum: 60 Mon.: ärztliche Untersuchung + Pap-Test einmal jährlich Patientinnen mit High-risk-Endometrium-karzinomen: alle 6 Mon. Testung der CA-125-Level: nur für fortgeschrittene Stadien (II–IV) oder histologische High-risk-Subtypen. Röntgenthorax/Labor-untersuchung: sollte nicht routinemäßig angeboten werden. |
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Bristow 2006 |
Retrospektive Kohortenstudie zur Kosteneffizienz von vaginaler Zytologie als Screeningtool
LoE 4 |
377 hysterektomierte Frauen mit Endometrium-karzinom (Datenbank zur Tumorregistrierung, Maryland/USA). 2.134 Pap-Tests wurden durchgeführt (1997/01–2005/06). |
Pap-Test. |
Keine. |
Kosteneffizienz von vaginalem Routine-Zytologie-Screening zur Detektion von isolierten asymptomatischen vaginalen Rezidiven. |
61 Patientinnen mit Rezidiv (16,2 %); 11 Patientinnen mit einem isolierten Vaginalrezidiv (2,9 %). Bei 2/377 (0,5 %) wurde ein isoliertes asymptomatisches Vaginalrezidiv entdeckt, pro Entdeckung wurden 1.067 Pap-Tests benötigt, mit Kosten von 44,049 $ jeweils. Zudem haben weniger als 1 % der Patientinnen einen Benefit von vaginaler Zytologie zur Detektion eines Endometrium-karzinoms = zu teuer und ineffizient. |
Risiko für Selection Bias. |
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Salani 2011 |
Retrospektive Fallserie LoE 4 |
154 Frauen mit FIGO Stadium IA Endometrium-karzinom (Staging gemäß FIGO 1988).
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Nachsorge nach frühem Endometrium-karzinom gemäß Guideline der NCCN6 und Empfehlungen der ACOG7 (vaginale Zytologie alle 6 Monate in den ersten 2 Jahren nach Diagnose). |
Keine. |
Rezidiv-Schemata; klinische und Kostenfaktoren. |
Die vaginale Zytologie hat keinen Benefit für das Entdecken von Rezidiven und es kann explizit für diese Gruppe zugunsten einer Kostenreduktion darauf verzichtet werden. 4 Rezidive (16–73 Monate nach Follow-up) , 3 symptomatische Rezidive im Intervall; 1 asymptomatisches Vaginalrezidiv bei gynäkologischer Untersuchung. Die 154 Patientinnen in dieser Studie bedeuteten Kosten von ca. 7,760 $ pro Jahr durch vaginale Zytologie. |
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9.1 EvT 9.3
|
Referenz |
Studientyp/ |
Untersuchte Population |
Intervention |
Kontrolle |
Untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
Methodische Bemerkungen |
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Fung-Kee-Fung 2006 |
Systematischer Review (gepoolte Daten von 16 nicht-vergleichenden retrospektiven Studien3 + 2 systematischen Reviews) LoE 4 |
Frauen mit Endometrium-karzinom: 2.929 Frauen in den Follow-up-Studien (Table 1 im Review). |
Systematische Literatursuche in MEDLINE, EMBASE und in den Cochrane Library Datenbanken (1980–2005/Oktober). |
Keine. |
Lokoregionäre Rezidive; Fern-Rezidive; Gesamtüberleben; Lebensqualität – gemessen an einem optimalen Follow-up-Schema. |
Es gibt nur begrenzte Evidenz dafür, dass intensive Follow-up-Protokolle mit multiplen diagnostischen Routineuntersuchungen einen Überlebens-Benefit nach sich ziehen. Effektschätzer: Gesamt-Rezidiv-Risiko = 13 % für alle Patientinnen (95 % CI: 11–14 %), verglichen mit 77 % für symptomatische Rezidive (95% CI: 74–81 %). (3 % weniger für Low-risk-Patientinnen.) 68 %–100 % der Rezidive traten in den ersten 3 Jahren des Follow-ups auf. Symptomatische Rezidive = 70 %. Keine verlässlichen Überlebens-Unterschiede zwischen asymptomatischen und symptomatischen Patientinnen. |
Keine Daten zur Lebensqualität. Einschluss von zumeist Studien mit niedrigem Evidenzlevel. |
|
Follow-up-Schema. |
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Gadducci 2000 |
Retrospektive Fallserie LoE 4 |
152 konsekutiv eingeschlossene Frauen mit Endometrium-karzinom FIGO-Stadium I. Im Follow-up: n = 133. 89 Frauen erhielten postoperative adjuvante Therapien. 24 Frauen bekamen ein Rezidiv in 10 Jahren. Operatives Staging erfolgte gemäß FIGO 1988. |
Hysterektomie und beidseitige Salpingo-Oopherektomie + paraaortale und/oder pelvine Lymphadenek-tomie. |
Keine. |
Krankheitsfreies Überleben; Gesamtüberleben; Überleben nach Rezidiv – gemessen an einem optimalen Follow-up-Schema. |
Ein intensives Follow-up-Protokoll scheint keinen signifikanten Einfluss auf das Outcome von Patientinnen mit Endometriumkarzinom im FIGO Stadium I zu haben. Vorschlag für Follow-up-Protokoll bei Low-risk-Patientinnen: Alle 4 Monate körperliche Untersuchung in den ersten 2 Jahren nach OP; danach alle 6 Monate. Dazu Ultraschall (Abdomen/Becken) und Thorax-Röntgen in den ersten 3 Jahren nach OP. Effektschätzer: 5-Jahres-krankheitsfreies Überleben: 94,2 % bei Low-risk-Patientinnen versus 76,0 % bei High-risk-Patientinnen (p = 0,0472). Medianes Gesamtüberleben: 10 Monate. Überleben nach Rezidiv war höher bei Spät-Rezidiven, verglichen mit früh diagnostizierten Rezidiven (= Überleben war höher, wenn die Rezidiv-Diagnose nach 17,5 Monaten gestellt wurde, verglichen mit davorliegender Diagnosestellung [p = 0,02]). Überleben nach Rezidiv ist nicht korreliert mit initialem FIGO-Stadium, Tumorgrad oder myometraner Invasion. |
Sehr kleine Fallserie über langen Zeitraum (1988–1997). |
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Reddoch 1995 |
Retrospektive Kohortenstudie zum Follow-up-Schema
LoE 4 |
412 Frauen mit Endometriumkar-zinom-Rezidiv nach Diagnose der klinischen Krankheitsfreiheit nach Endometrium-karzinom Stadium I nach Primär-therapie, innerhalb eines Zeitraumes von 7 Jahren (1985/01–1992/12). Staging erfolgte gemäß FIGO 1971 (oder zumindest vor 1988). 14 Frauen (3,4 %) entwickelten eine Tumorprogression während der Primärtherapie. 398 Frauen in der Nachbeobachtungs-phase wurden in die Analyse einge-schlossen: mittleres Follow-up von 64 Mon. |
Übliches Nachbeobach-tungsprotokoll nach Beendigung der Primär-therapie: ärztliche Untersuchung + Pap-Test alle 3 Mon. in den ersten 2 Jahren; alle 4 Mon. nach 3 Jahren; alle 6 Mon. nach 4 bis 5 Jahren; einmal jährlich Röntgenthorax; bei ausgewählten Patientinnen Testung der CA-125-Level. |
Keine. |
Nachbeobachtungs-protokoll für das Follow-up nach Endometrium-karzinom. |
44 Rezidive (11 %), Drop-out von 5 Fällen, deren Unterlagen nicht zugänglich waren = 39 Patientinnen mit Rezidiv (traten alle innerhalb von 39 Mon. auf): 16 symptomatisch (41 %), 23 asymptomatisch (59 %); von diesen überlebten nur 3 (7,7 %) nach operativer Behandlung oder Bestrahlung. Keine der Patientinnen mit Rezidiv konnte von Chemotherapie profitieren. Vorschlag für neues Nachbeobachtungs-protokoll: Follow-up-Zeitraum: 60 Mon.: ärztliche Untersuchung + Pap-Test einmal jährlich Patientinnen mit High-risk-Endometrium-karzinomen: alle 6 Mon. Testung der CA-125-Level: nur für fortgeschrittene Stadien (II–IV) oder histologische High-risk-Subtypen. Röntgenthorax/Labor-untersuchung: sollte nicht routinemäßig angeboten werden. |
------------------------------ |
9.2 EvT 9.5
|
Referenz |
Studientyp/ |
Untersuchte Population |
Intervention |
Kontrolle |
Untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
Methodische Bemerkungen |
|
Kadkhodayan 2013 |
Systematischer Review und Metaanalyse der Literatur (11 retrospektive Studien zur diagnostischen Güte) LoE 3 |
541 Frauen insgesamt mit Verdacht auf Endometrium-karzinom-Rezidiv und/oder Rezidiv gesichert, teils asymptomatisch. Genaue Angaben zu Interventions-/ |
PET oder PET-CT. |
Die anschließenden histologischen Befunde der Pathologen und/oder Follow-up. |
Diagnostische Güte zur Detektion von Rezidiven.
|
Es gibt eine hohe Sensitivität und Spezifität für die Detektion von Rezidiven. Effektschätzer: Gesamt-Rezidiv-Rate: (11 Studien/n = 541) Sensitivität 95,8 % (95 % CI: 92,2–98,1 %); Spezifität 92,5 % (95 % CI: 89,3–94,9 %). Subgruppen-Analyse – Verdacht auf Rezidiv: Sensitivität 95,1 % (95 % CI: 90,5–97,8 %); Spezifität 93,3 % (95 % CI: 88,4–96,6 %). Asymptomatische Patientinnen: Sensitivität 100 % (95 % CI: 86,3–100 %); Spezifität 92,7 % (95 % CI 88,1–96 %) Subgruppen-Analyse – PET: Sensitivität 93,4 % (95 % CI: 84,1–98,2 %); Spezifität 86,1 % (95 % CI: 79,2–91,4 %). PET-CT: Sensitivität 94,5 % (95 % CI: 89,5–97,6 %); Spezifität 93,6 % (95 % CI: 88,8–96,8 %). Subgruppen-Analyse – LoE-2 Studien: 5 Studien (324 Patient., 333 PETs), Sensitivität 93,0 % (95 % CI: 86,6–96,9 %); Spezifität 90,9% (95 % CI: 86,2–94,3 %). Behandlungsplan änderte sich in 22–35 % der untersuchten Patientinnen. |
Keine Verblindung in 6/11 Studien (allerdings ist das Verblinden in diesem Studiensetting teilweise schwer umsetzbar.) Zudem untersuchten die Studien nicht den Zusatznutzen der PET-CT bezogen auf patientenrelevante Parameter. Erstellt unter Berücksichtigung der Deville-Guideline4. Angaben zu Publication Bias vorhanden. |
8.2 EvT 8.9
|
Referenz |
Studientyp/ |
Untersuchte Population |
Intervention |
Kontrolle |
Untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
Methodische Bemerkungen |
|
Sutton 2000 |
Randomisiert-kontrollierte Phase-III-Studie LoE 4 |
224 Fälle, davon 194 Frauen mit fortgeschrittenen oder rezidivierenden uterinen Karzinosarkomen eingeschlossen. Drop-out-Rate: n = 30. Interventionsarm: 102 Frauen. Kontrollarm: 92 Frauen. |
Ifosfamid (1,5 g/m2/Tag) 5 Tage alle 3 Wochen für 8 Zyklen (+ Zytoprotektor Mesna).
|
Ifosfamid (1,5 g/m2/Tag) 5 Tage alle 3 Wochen für 8 Zyklen (+ Zytoprotektor Mesna) + Cisplatin (20 mg/m2/Tag)1. |
Gesamtüberleben; progressionsfreies Überleben. |
Die zusätzliche Cisplatin-Gabe zum Ifosfamid-Regime beim fortgeschrittenen uterinen Karzinosarkom scheint eine schwache Verbesserung des progressionsfreien Überlebens zu bieten. Allerding sprechen die hohen Toxizitäten gegen den Gebrauch dieser Kombination. Effektschätzer: Gesamtüberleben: Kein signifikanter Vorteil, RR = 0,80, 95 % oberes CI: 1,03 (einseitig), p = 0,071. Progressionsfreies Überleben: Durch Kombinations-Chemotherapie leicht verbessert, RR = 0,73 (95 % oberes CI: 0,94 (einseitig), p = 0,02. Mehr und schwerere Nebenwirkungen unter Kombinations-Chemotherapie (p = 0,05)2. |
Hohes Risiko für Bias: Allocation Concealment; Selection Blending. |
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Homesley 2007 |
Randomisiert-kontrollierte Phase-III-Studie LoE 2 |
214 Frauen insgesamt, davon 179 mit persistierendem oder rezidivierendem uterinen Karzinosarkom FIGO Stadium III oder IV. Interventionsarm: 91 Frauen; 18 % (FIGO Stad. III); 31 % (FIGO Stad. IV); 52 % Rezidiv/Persistenz. Kontrollarm: 88 Frauen; 18 % (FIGO Stad III); 29 % (FIGO Stad IV); 52 % Re-zidiv/Persistenz. Drop-out-Rate: n = 35. |
Ifosfamid 2,0 g/m2 täglich, über 3 Tage |
Ifosfamid 1,6 g/m2 täglich, über 3 Tage + Paclitaxel 135 mg/m2 als dreistündige Infusion am 1. Tag |
Progressionsfreies Überleben; Gesamtüberleben. |
Kombinations-Chemotherapie verbesserte das Gesamtüberleben signifikant, wenn auch letztlich nur schwach bei dieser Entität. Effektschätzer: Medianes progressionsfreies Überleben: Nur Ifosfamid = 3,6 Monate versus 5,8 Monate (Kombinations-Chemotherapie). Medianes Gesamtüberleben: Nur Ifosfamid = 8,4 Monate versus 13,5 Monate (Kombinations-Chemotherapie). 31 % Rückgang des Sterblichkeits-risikos Hazard Ratio = 0,69; 95 % CI: 0,49–0,97; p = 0,03) und 29 % Rückgang des Progressions-risikos Hazard Ratio = 0,71; 9 5% CI: 0,51–0,97; p = 0,03) in der Kombinations-Chemotherapie-Gruppe. |
------------------------------ |
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Galaal 2013 |
Systematischer Review (Cochrane Review) von 3 randomisiert-kontrollierten Studien: Homesley et al. 2007; Sutton et al. 2000; Wolfson et al. 2007 LoE 1 |
579 Frauen mit einem uterinen Karzinosarkom. Operatives Staging erfolgte vorab (gemäß FIGO 2009). Ifosfamid: 18 % Stage III, 31 % Stage IV, 52 % rezidivierende oder persistierende Erkrankung. Ifosfamid + Paclitaxel: 18 % Stage III, 29 % Stage IV, 52 % Rezidiv/Persistenz. Summarische Angaben der Interventions-/ Kontrollarme: sind in den Einzelstudien zu finden.
|
Systematische Literatursuche im Cochrane Gynaecological Cancer Group Trials Register, im Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL), 2012, Ausgabe 10, MEDLINE und EMBASE bis 2012/ November. Zudem Suche in Online-Datenbanken klinischer Studien, grauer Literatur, Kontaktaufnahme zu Experten. |
|
1. Outcome: Gesamtüberleben. 2. Outcome: progressionsfreies Überleben.
|
Die adjuvante Kombinations-Chemotherapie ist besser als Ifosfamid alleine; zusätzliche Strahlentherapie bleibt ohne Nutzen (2 Studien/373 Frauen). Effektschätzer: Mono-Chemo- versus Kombinations-Chemotherapie: Gesamtüberleben: Hazard Ratio = 0,75, 95 % CI: 0,60–0,94. Progressionsfreies Überleben: Hazard Ratio = 0,72, 95 % CI: 0,58–0,90. Signifikant mehr Nebenwirkungen in der Kombinations-Chemotherapie-Gruppe: RR = 3,53, 95 % CI: 1,33–9,37. Strahlentherapie + Kombinations-Chemotherapie = kein statistisch signifikanter Unterschied von Sterblichkeitsrisiko und Fortschreiten der Erkrankung (Gesamtüberleben: HR = 0,71, 95 %CI: 0,48–1,05; progressionsfreies Überleben: HR = 0,79, 95 % CI: 0,53–1,18) (1 Studie/206 Frauen). |
Evidenzgrad der eingeschlossenen Studien: LoE 2–4. Angaben zu Publication Bias vorhanden; Random-effects-Modell wurde verwendet. Nomenklatur hier zur üblichen abweichend: „whole body irradiation“ statt „whole abdominal irradiation“. |
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1. Adjuvante Strahlentherapie versus Kombinations-Chemotherapie. 2. Adjuvante Mono-Chemotherapie versus Kombinations-Chemotherapie. |
Nur Operation. Best Supportive Care. |
9.4 EvT 9.14
|
Referenz |
Studientyp/ |
Untersuchte Population |
Intervention |
Kontrolle |
Untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
Methodische Bemerkungen |
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Thigpen 1999 |
Randomisiert-kontrollierte Studie (GOG 81 Protokoll) LoE 2 |
299 (aus 324) Frauen mit fortgeschrittenem oder rezidivierendem Endometrium-karzinom insgesamt. Interventionsarm: 145 Frauen. Kontrollarm: 154 Frauen. |
200 mg Medroxypro-gesteronacetat. |
1000 mg Medroxypro-gesteronacetat. |
1. Outcome: Objektives Ansprechen. 2. Outcome: Gesamtüberleben; progressionsfreies Überleben. |
Niedrig dosiertes, 200 mg MPA-Regime wirkt ebenso gut, wenn nicht besser als 1000 mg MPA, mit weniger Nebenwirkungen. Effektschätzer: OR bei 200 mg: 25 %; bei 1000 mg 15 %. Das Todesrisiko war um 31 % höher (p = 0,026) für die High-Dose-Gruppe. Das Risiko für Erstprogression war um 35 % höher (p = 0,0014) in der High-dose-Gruppe). Besseres Outcome bei positivem Progesteron-/ 37 % (17/46) Responserate für progesteronrezeptor-postiven Status vs. 8 % (7/86) für progesteronrezeptor-negativen Status (p < 0,001). 26 % Responserate (20/77) für östrogenrezeptor-postiven Status vs. 7 % (4/55) für östrogenrezeptor-negativen Status (p = 0,005). |
Sauberes RCT, das zum Verlassen der ultrahochdosierten MPA-Therapie geführt hat. |
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Kokka 2010 |
Systematischer Review (nur Einzelstudien-analyse, ohne Metaanalyse) von 6 randomisiert-kontrollierten Studien (Cochrane-Review) LoE 4 |
542 Frauen mit Endometrium-karzinom insgesamt. Genaue Angaben zu Interventions-/ |
Systematische Literatursuche im Cochrane Gynaecological Cancer Group Trials Register, in MEDLINE, EMBASE bis 2009/Mai und in CENTRAL (Ausgabe 2, 2009). Zudem Suche in Online-Datenbanken klinischer Studien, grauer Literatur, Kontaktaufnahme zu Experten. |
Kombination von Chemotherapie-dubletten (Cisplatin/ Doxorubicin); Chemotherapie-tripletten (Paclitaxel/ Cisplatin/ Doxorubicin); Kombination Chemotherapie mit Hormontherapie; Strahlentherapie mit/ohne Chemotherapie; Best Supportive Care. |
1. Outcome: Gesamtüberleben. 2. Outcome: Progressionsfreies Überleben. |
Es gibt keinen Hinweis, dass Hormontherapie das Gesamtüberleben verbessert. Eine Studie zeigt, dass eine niedrig dosierte Hormontherapie (low dose) besser ist als eine hoch dosierte. Effektschätzer: Gesamtüberleben/ Niedrig dosierte Hormontherapie hat einen Benefit, verglichen mit hoch dosierter Hormontherapie: HR = 1,31, 95 % CI: 1,04–1,66 (Gesamtüberleben); HR = 1,35, 95 % CI: 1,07–1,71 (progressionsfreies Überleben). |
Keine Angaben zu Publication möglich, da nur Einzelstudien-Analyse. Es fehlen sinnvolle Studien, eingeschlossene Studien zudem teilweise sehr alt.5 |
|
Endokrine Therapie mit Progestagenen (u. a. MPA; MGA; Hydroxypro-gesteroncaproat); Aromatase-hemmern, Gnrh-Analoga oder Kombinationen; Kombinationen mit Chemothera-peutika. |
9.6.1 EvT 9.18
|
Referenz |
Studientyp/ |
Untersuchte Population |
Intervention |
Kontrolle |
Untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
Methodische Bemerkungen |
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Lee 2011 |
Doppelverblindete randomisiert-kontrollierte Studie LoE 3 |
98 Frauen nach Brustkrebs insgesamt (Menopause nach Brustkrebsbe-handlung + Score von mind. 5,0 auf der visuellen Analogskala für vaginale Trockenheit/ Interventionsarm: 49 (44 erhielten Intervent.) Frauen. Kontrollarm: 49 (42 erhielten Placebo) Frauen. Drop-out-Rate: n = 12. |
pH-neutrales Vaginalgel. |
Placebo. |
Visuelle Analogskala für vulvovaginale Trockenheit mit Schmerzen; Dyspareunie.
|
Die Anwendung eines pH-neutralen Vaginalgels konnte vaginale Symptome und die vaginale Gesundheit von Brustkrebsüberlebenden (Menopause nach Krebsbehandlung) verbessern. Effektschätzer: pH-neutrales Vaginalgel verbessert signifikant Scheidentrockenheit mit Schmerzen: p = 0,001 und Dyspareunie: p = 0,40. |
Brustkrebspatien-tinnen, Population enthält keine Frauen mit Endometrium-karzinom. Kleines Kollektiv, aber doppel-verblindet. |
Literaturhinweise
[585] Bristow, R. E., Purinton, S. C., Santillan, A., Diaz-Montes, T. P., Gardner, G. J., Giuntoli, R. L., Cost-effectiveness of routine vaginal cytology for endometrial cancer surveillance, Gynecologic Oncology, 2006. 103: p. 709-713., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16797686
[586] Gadducci, A., Cosio, S., Fanucchi, A., Cristofani, R., Genazzani, A. R., An intensive follow-up does not change survival of patients with clinical stage I endometrial cancer, Anticancer Res, 2000. 20: p. 1977-84., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10928137
[587] Reddoch, J. M., Burke, T. W., Morris, M., Tornos, C., Levenback, C., Gershenson, D. M., Surveillance for recurrent endometrial carcinoma: development of a follow-up scheme, Gynecol Oncol, 1995. 59: p. 221-5., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7590477
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