17. Qualitätsindikatoren – Analkarzinom
Johannes Rückher, Simone Wesselmann
Qualitätsindikatoren sind Messgrößen, deren Erhebung der Beurteilung der Qualität der zugrunde liegenden Strukturen, Prozesse bzw. Ergebnisse dient. Qualitätsindikatoren sind ein wichtiges Instrument des Qualitätsmanagements. Ziel ihres Einsatzes ist die stetige Verbesserung der Versorgung, indem die Ergebnisse der Versorgung dargestellt, kritisch reflektiert und wenn nötig verbessert werden. Die vorliegende Auswahl von Qualitätsindikatoren wurde gemäß der Methodik des Leitlinienprogramms Onkologie erstellt [269].
Für den Ableitungsprozess konstituierte sich eine „Arbeitsgruppe Qualitätsindikatoren“ (AG QI). Diese erstellte das finale Set der Qualitätsindikatoren auf Grundlage der der starken Empfehlungen („soll“) der neu erarbeiteten Leitlinie sowie den Ergebnissen der Recherche nach bestehenden nationalen und internationalen Qualitätsindikatoren. Die genaue Vorgehensweise und die Zusammensetzung der AG QI sind im Leitlinienreport dargelegt.
Nach zwei Online-Sitzungen dieser AG wurde das finale Set von 13 Qualitätsindikatoren angenommen. Darüber hinaus wird die Leitliniengruppe einen Antrag zur Aufnahme eines ICD-10-GM Codes „C21.2 Analrand“ an das DIMDI/BfArM stellen, damit eine Differenzierung zwischen Analrand- und Analkanalkarzinom möglich wird.
Prätherapeutische MRT-Untersuchung - Becken
Zähler
Patienten des Nenners, bei denen prätherapeutisch eine MRT-Untersuchung des Beckens durchgeführt wurde
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und Therapie
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig prätherapeutische Durchführung einer MRT-Untersuchung des Beckens bei Erstdiagnose Analkarzinom mit Therapie
Referenz-Empfehlungen
Zur Bestimmung der Tumorkategorie soll eine MRT-Untersuchung des Beckens erfolgen. Diese sollte eine multiparametrische MRT, anguliert auf den Analkanal, umfassen.
- Konsens
- Starker Konsens
Zur Detektion lokoregionärer Lymphknotenmetastasen soll eine MRT des Beckens durchgeführt werden. Ergänzend sollte die Durchführung einer PET/CT* erfolgen. Eine CT des Beckens kann durchgeführt werden.
*CAVE: Die PET-Untersuchung ist im Rahmen der Diagnostik bei Analkarzinomen nicht Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert).
- Konsens
- Starker Konsens
Pathologische Sicherung von Lymphknoten
Zähler
Patienten des Nenners mit pathologischer Sicherung der Lymphknoten
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom, cN+ und definitiver Radiochemotherapie
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Keine pathologische Sicherung der Lymphknoten bei bildgebendem Verdacht auf eine lokoregionäre Lymphknotenmetastase bei Erstdiagnose Analkarzinom und definitiver Radiochemotherapie
Referenz-Empfehlungen
Bei bildgebendem Verdacht auf eine lokoregionäre Lymphknotenmetastase und geplanter definitiver Radiochemotherapie soll keine histopathologische oder zytopathologische Sicherung der suspekten Lymphknoten erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Präoperative Untersuchung - Analkanal
Zähler
Patienten des Nenners, bei denen präoperativ eine multiparametrische MRT anguliert auf den Analkanal oder eine anale Endosonographie durchgeführt wurde
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom im Stadium I und Resektion
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig präoperative, auf den Analkanal angulierte multiparametrische MRT-Untersuchung oder anale Endosonographie bei Erstdi-agnose Analkarzinom im Stadium I mit Resektion
Referenz-Empfehlungen
Zur Abklärung des Vorliegens von Sphinkterkontakt vor Durchführung einer therapeutischen Exzision bei Analkanalkarzinomen im Stadium I (T1N0M0) bzw. Analrandkarzinomen im Stadium I (T1N0M0) oder IIA (T2N0M0) soll eine multiparametrische MRT anguliert auf den Analkanal oder eine anale Endosonographie durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Prätherapeutisches Tumorboard - Stomaanlage
Zähler
Patienten des Nenners, die im prätherapeutischen Tumorboard besprochen wurden
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und prätherapeutischer Anlage eines Stomas
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig Vorstellung von PatientInnen mit Erstdiagnose Analkarzinom und geplanter Stomaanlage im prätherapeutischen Tumorboard
Referenz-Empfehlungen
Patient*innen, bei denen eine Stomaanlage vor Therapiebeginn notwendig ist, sollen im interdisziplinären Tumorboard besprochen werden.
- Konsens
- Konsens
Kombinierte Radiochemotherapie Stadium II oder III
Zähler
Patienten des Nenners mit kombinierter Radiochemotherapie
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder III
Qualitätsziel / Referenzbereich
A
GRADE Gering (⨁⨁◯◯) bis Moderat (⨁⨁⨁◯)
Qualitätsziel: Möglichst häufig kombinierte Radiochemotherapie bei Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder II
Referenz-Empfehlungen
Analkarzinome der Stadien II-III sollen mit einer kombinierten Radiochemotherapie behandelt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Wir sind der Auffassung, dass alle oder fast alle informierten Menschen diese Entscheidung treffen würden. Kliniker*innen müssen sich weniger Zeit für den Prozess der Entscheidungsfindung mit den Patient*innen nehmen. In den meisten klinischen Situationen kann die Empfehlung als allgemeine Vorgehensweise übernommen werden.
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊝⊝
OS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,85 (95%-KI: 0,70–1,02)
⊕⊕⊕⊝CSM: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, HR 0,67 (95%-KI: 0,51–0,88)
⊕⊕⊝⊝CR: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, RR 1,49 (95%-KI: 1,12–1,99)
⊕⊕⊕⊝Rezidiv, Residuum, Interventionsbedarf: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, RR 0,58 (95%-KI: 0,48–0,70)
⊕⊕⊕⊝RFS: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, HR 0,70 (95%-KI: 0,58–0,84)
⊕⊕⊝⊝EFS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,80 (95%-KI: 0,49–1,29)
⊕⊕⊝⊝CFS: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, HR 0,71 (95%-KI: 0,53–0,95)
⊕⊕⊕⊝Spätmorbidität (Grad 3/4): keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 1,10 (95%-KI: 0,90–1,35)
⊕⊕⊝⊝Vergleich von Radiochemotherapie vs. Radiotherapie (Stadien II-III): Evidenz aus zwei multizentrischen RCTs: ACT I (Arnott et al. 1996, Northover et al. 2010) und Bartelink et al. 1997 – detaillierte Studiencharakteristika und -ergebnisse
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [170] [73] [129]
Evidenztabellen (1)
9.3.2 EvT 9.7Kombinierte Radiochemotherapie mit Mitomycin und 5-FU
Zähler
Patienten des Nenners, die ein Chemotherapie-Regime aus Mitomycin und 5-FU erhalten
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder III und kombinierter Radiochemotherapie
Qualitätsziel / Referenzbereich
A
GRADE Moderat (⨁⨁⨁◯) bis Hoch (⨁⨁⨁⨁)
Qualitätsziel: Möglichst
häufig Mitomycin und 5-FURegime bei Erstdiagnose
Analkarzinom Stadium II oder III mit kombinierter Radiochemotherapie
Referenz-Empfehlungen
Im Rahmen der kombinierten Radiochemotherapie sollen Analkarzinome der Stadien II-III mit einem Chemotherapie-Regime aus Mitomycin und 5-FU behandelt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Wir sind der Auffassung, dass alle oder fast alle informierten Menschen diese Entscheidung treffen würden. Kliniker*innen müssen sich weniger Zeit für den Prozess der Entscheidungsfindung mit den Patient*innen nehmen. In den meisten klinischen Situationen kann die Empfehlung als allgemeine Vorgehensweise übernommen werden.
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝
OS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,76 (95%-KI: 0,47–1,21)
⊕⊕⊕⊕CR: Gleichwertigkeit der Interventionen, RR 1,03 (95%-KI: 0,92–1,15)
⊕⊕⊕⊕RFS: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie mit MMC+5-FU, HR 0,50 (95%-KI: 0,33–0,76)
⊕⊕⊕⊝CFS: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie mit MMC+5-FU, HR 0,59 (95%-KI: 0,39–0,90)
⊕⊕⊕⊝Spätmorbidität: keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 6,95 (95%-KI: 0,87–55,80)
⊕⊕⊕⊝Vergleich von Radiochemotherapie mit Mitomycin und 5-FU vs. Radiochemotherapie mit 5-FU alleine, Evidenz aus einer multizentrischen RCT: Flam et al. 1996 – detaillierte Studiencharakteristika und -ergebnisse
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [174]
Evidenztabellen (1)
9.4 EvT 9.10Kombinierte Radiochemotherapie mit IMRT
Zähler
Patienten des Nenners, die eine Bestrahlung mittels Intensitäts-modulierter Radiotherapie (IMRT) erhalten haben
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder III und kombinierter Radiochemotherapie
Qualitätsziel / Referenzbereich
A
GRADE Sehr gering (⨁◯◯◯) bis Moderat (⨁⨁⨁◯)
Qualitätsziel: Möglichst
häufig Intensitäts-modulierte Radiotherapie (IMRT)
bei Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder III mit
kombinierter Radiochemotherapie
Referenz-Empfehlungen
Im Rahmen der kombinierten Radiochemotherapie soll die Bestrahlung mittels Intensitäts-modulierter Radiotherapie (IMRT) erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- A: Wir sind der Auffassung, dass alle oder fast alle informierten Menschen diese Entscheidung treffen würden. Kliniker*innen müssen sich weniger Zeit für den Prozess der Entscheidungsfindung mit den Patient*innen nehmen. In den meisten klinischen Situationen kann die Empfehlung als allgemeine Vorgehensweise übernommen werden.
- Evidenzlevel
- ⊕⊝⊝⊝
„Erhebliche Verschlechterung der Lebensqualität“: keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 0,71 (95%-KI: 0,32–1,57)
⊕⊝⊝⊝OS: stat. signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie mit IMRT, HR 0,86 (95%-KI: 0,76–0,98)
⊕⊝⊝⊝CSS: stat. signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie mit IMRT, HR 0,74 (95%-KI: 0,55–0,99)
⊕⊕⊕⊝CR: keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 1,00 (95%-KI: 0,49–2,05)
⊕⊝⊝⊝LF: keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 0,56 (95%-KI: 0,20–1,60)
⊕⊝⊝⊝LRC: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,46 (95%-KI: 0,15–1,39)
⊕⊝⊝⊝DFS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,31 (95%-KI: 0,09–1,05)
⊕⊝⊝⊝CFS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,75 (95%-KI: 0,07–8,18)
⊕⊝⊝⊝Stuhlinkontinenz (Grad 2/3): keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 0,11 (95%-KI: 0,01–2,24)
⊕⊕⊕⊝Vergleich von Radiochemotherapie mit intensitätsmodulierter Radiotherapie (IMRT) vs. Radiochemotherapie mit konventioneller / 3D-Radiotherapie (3D-RTx), Evidenz aus insgesamt acht Studien, darunter eine kleine (N=20) monozentrische RCT (Rattan et al. 2016), drei Register-basierte Studien (Bryant et al. 2018, Elson et al. 2018 , Pollom et al. 2017) und vier monozentrische retrospekiv vergleichende Kohortenstudien (Chuong et al. 2013, Koerber et al. 2014 und Koerber et al. 2019, Spencer et al. 2014, Weber et al. 2015) – detaillierte Studiencharakteristika und Ergebnisse
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [189] [190] [191] [192] [193] [194] [195] [196] [197]
Evidenztabellen (1)
9.13 EvT 9.16Radiochemotherapie und Biopsie
Zähler
Alle Patienten des Nenners mit Biopsie nach Ende Radiochemotherapie
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und Radiochemotherapie und vollständiger klinischer Response
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Keine Biopsie nach Ende Radiochemotherapie bei Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und vollständiger klinischer Response
Referenz-Empfehlungen
Bei vollständiger klinischer Response soll keine Biopsie zur histopathologischen Bestätigung des Ansprechens erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Tumorboard bei Residual- oder Rezidivtumor
Zähler
Patienten des Nenners mit Vorstellung in der Tumorboard (postoperativ bzw. prätherapeutisch)
Nenner
Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und R1/R2-Resektion oder Residualtumor nach primärer Radiochemotherapie oder Patienten mit Rezidivtumor eines Analkarzinoms
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig Vorstellung im Tumorboard (postoperativ bzw. prätherapeutisch) bei Residual- oder Rezidivtumor nach primärer Therapie bei Erstdiagnose Analkarzinom
Referenz-Empfehlungen
Bei Residual- oder Rezidivtumor nach primärer Therapie soll die weitere Behandlungsplanung im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Resektion bei Lokalrezidiv
Zähler
Patienten des Nenners mit kurativ intendierter Resektion
Nenner
Alle Patienten mit Lokalrezidiv eines Analkarzinoms, M0 und Z. n. primärer Radiochemotherapie
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig kurativ intendierte Resektion bei Lokalrezidiv eines Analkarzinoms, M0 und Z. n. primärer Radiochemotherapie
Referenz-Empfehlungen
Bei Residual- oder Rezidivtumor im Bereich des Primarius (anal/perianal) nach primärer Radiochemotherapie ohne Nachweis einer Fernmetastasierung soll in kurativer Intention die chirurgische Resektion durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Resektion bei Residualtumor
Zähler
Patienten des Nenners mit kurativ intendierter Resektion
Nenner
Alle Patienten mit Residualtumor eines Analkarzinoms, M0 und Z.n. primärer Radiochemotherapie
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig kurativ intendierte Resektion bei Residualtumor eines Analkarzinoms, M0 und Z. n. primärer Radiochemotherapie
Referenz-Empfehlungen
Bei Residual- oder Rezidivtumor im Bereich des Primarius (anal/perianal) nach primärer Radiochemotherapie ohne Nachweis einer Fernmetastasierung soll in kurativer Intention die chirurgische Resektion durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Anzeichnung Stomaposition
Zähler
Anzahl der Pat. mit präoperativer Anzeichnung der Stomaposition
Nenner
Alle Patienten mit Analkarzinom, bei denen eine Operation mit Stomaanlage durchgeführt wurde
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig präoperative Anzeichnung der Stomaposition bei Patienten mit Analkarzinom, bei denen eine Operation mit Stomaanlage durchgeführt wurde
Referenz-Empfehlungen
Adaptation S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom
Die Stomaposition soll präoperativ angezeichnet werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Tumorboard bei Stadium IV, M1
Zähler
Patienten des Nenners mit prätherapeutischer Vorstellung in der Tumorboard
Nenner
Alle Patienten mit Analkarzinom Stadium IV, M1 (primär oder sekundär)
Qualitätsziel / Referenzbereich
EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig prätherapeutische Vorstellung von Patienten mit Analkarzinom Stadium IV, M1 im Tumorboard
Anmerkung
Teilnehmer Tumorboard: Viszeralchirurgie, Strahlentherapie, Onkologie, Pathologie, Radiologie
Referenz-Empfehlungen
Bei metastasiertem Analkarzinom im Stadium IV (Fernmetastasen) soll die weitere Behandlungsplanung im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Evidenztabellen
9.3.2 EvT 9.7
Für den Vergleich einer kombinierten Radiochemotherapie mit alleiniger Radiotherapie bei Patient*innen mit Analkarzinom wurden zwei RCTs (Analkarzinome der Stadien II-III) und drei retrospektive vergleichende Beobachtungsstudien (Analkarzinome der Stadien I-II; darunter eine register-basierte vergleichende Kohortenstudie mit Propensity-score-Analyse von Outcomes bei älteren Patient*innen mit Stadium I Analkanalkarzinom) eingeschlossen. Die wichtigsten Studiencharakteristika sind in der folgenden Tabelle dargestellt.
|
Referenz/ Studientyp |
Interventionen |
Untersuchte Population |
Methodische Bemerkungen |
|
Arnott et al. 1996; Northover et al. 2010 [ACT I]
Randomisierte kontrollierte Studie (multi-centre, open-label)
|
(A) Radiotherapie alleine: 45 Gy in 20-25 Fraktionen + ggf. EBRT- oder BT-Boost mit 15-25 Gy
(B) Radiochemotherapie: MMC (12 mg/m², d1 oder 8-10 mg/m², d1) + 5-FU (1000 mg/m², d1–4 und d29–32 oder 750 mg/m², d1–5 und d29–33); RTx wie in Gruppe (A)
Pat. mit <50% Ansprechen nach 6 Wochen wurden radikal operiert. |
Stadium II-III Analkarzinome
N=585 randomisiert, 577 analysiert
(A) Mdn Alter: 65 Jahre, 53% weiblich (B) Mdn Alter: 63 Jahre, 57% weiblich
Analkanal: 431/ 577 (74,7%) Analrand: 134/577 (23,2%)
T1: 71/577 (12,3%); T2: 191/577 (33,1%); T3: 220/577 (38,1%); T4: 73/577 (12,7%);
N palpabel: 115/577 (19,9%);
M1: 15/577 (2,6%) |
Daten zum Analkanal und –rand nicht separat berichtet. Keine Daten zu den Stadien. Geschlechter nicht separat berichtet. Keine Daten zum Einschluss von HIV-positiven Patient*innen.
RoB-II: some concerns |
|
Bartelink et al. 1997
Randomisierte kontrollierte Studie (multi-centre, open-label)
|
(A) Radiotherapie alleine: 45 Gy in 25 Fraktionen + EBRT-Boost mit 15-20 Gy
(B) Radiochemotherapie: MMC (15 mg/m², d1) + 5-FU (750 mg/m², d1–5 and d29–33); RTx wie in Gruppe (A)
Pat. mit Progress oder ohne Ansprechen nach 6 Wochen wurden radikal operiert. |
Stadium IIb-IIIc Analkarzinome
N=110 randomisiert, 103 analysiert
Alter < 60y: 56/103 (54,4%); Alter > 60y: 47/103 (45,6%); weiblich: 73/103 (70,9%)
T1-2N1-3: 16/103 (15,5%); T3-4N0: 48/103 (46,6%); T3-4 N1-3: 37/103 (35,9%); TxNx: 2/103 (1,9%) |
Daten zum Analkanal und –rand nicht separat berichtet. Keine Daten zu den Stadien. Keine Daten zum Einschluss von HIV-positiven Patient*innen.
Besseres Überleben und lokoregionale Kontrolle bei Frauen im Vgl. zu Männern.
RoB-II: high risk |
|
Buckstein et al. 2018
Register-basierte vergleichende Kohortenstudie mit Propensity-Score Auswertung (US SEER und Mediclaim Daten, 1996-2011) |
(A) Radiotherapie alleine (nicht spezifiziert)
(B) Radiochemotherapie (5-FU-basiert, nicht weiter spezifiziert) |
Stadium I Analkanalkarzinome, Pat > 55 und < 85 Jahre
N=299
(A) Mdn Alter: 72 Jahre, 74,7% weiblich (B) Mdn Alter: 72 Jahre, 72,5% weiblich
Tumorgröße: ≤1cm: (A) 21/99 (21,2%); (B) 40/200 (20,0%); >1cm: (A) 46/99 (46,5%); (B) 82/200 (41,0%); Unbekannt: (A) 32/99 (32,3%); (B) 80/200 (40,0%) |
Unklarer Anteil von Menschen mit HIV in Gruppe A; Gruppe B: 6%. Pat., die eine alleinige RTx erhielten waren älter, hatten mehr Komorbiditäten und terminales Nierenversagen.
Keine Daten zu histologischem Grading.
ROBINS-I: moderate risk of bias |
|
De Bari et al. 2015
Retrospektive vergleichende Kohortenstudie (two-centre chart review, 1992-2010) |
(A) Radiotherapie alleine (nicht spezifiziert)
(B) Radiochemotherapie (meist 5-FU-basiert, nicht weiter spezifiziert) |
Stadium I-II Analkanalkarzinome mit oder ohne Randbeteiligung
N=122
(A) Mdn Alter: 75 Jahre, 82,7% weiblich (B) Mdn Alter: 65 Jahre, 84,3% weiblich
T1 N0 M0: (A) 28,8%; (B) 12,9%; T2 N0 M0: (A) 71,2%; (B) 87,1%
3/122 (2,5%) HIV-positiv |
Keine randomisierte Zuteilung der Behandlungsgruppen, ggf. strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen.
Patient*innen in Gruppe (A) waren älter, hatten mehr T1-Tumore und einen schlechteren Performance-Status als diejenigen in Gruppe (B).
ROBINS-I: serious risk of bias |
|
Zilli et al. 2012
Retrospektive vergleichende Kohor-tenstudie (single-centre chart review, 1976-2008) |
(A) Radiotherapie alleine (nicht spezifiziert)
(B) Radiochemotherapie: 5-FU (1 000 mg/m², d1–4) + MMC (10 mg/m², d1), zweiter Zyklus bei 51% der Pat.; RTx nicht weiter spezifiziert |
Stadium I-II Analkarzinome
N=146
(A) MW Alter: 67,8 Jahre, 74,6% weiblich (B) MW Alter: 63,7 Jahre, 69,3% weiblich
T1 N0 M0: (A) 31,0%; (B) 9,3%; T2 N0 M0: (A) 69,0%; (B) 90,7%
Tumorgröße (A) MW: 2,9cm; (B) MW: 3,2cm |
Keine randomisierte Zuteilung der Behandlungsgruppen, ggf. strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen.
Patient*innen in Gruppe (A) waren älter, hatten mehr T1-Tumore und häufiger eine Beteiligung des Analrands als diejenigen in Gruppe (B).
ROBINS-I: serious risk of bias |
Radiochemotherapie oder alleinige Radiotherapie in Stadium II-III?
Für den Vergleich von alleiniger Radiotherapie mit Radiochemotherapie bei Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien II-III wurden zwei multizentrische RCTs eingeschlossen, in beiden Studien wurden Teilnehmer*innen mit Analkanal- und Analrandkarzinomen eingeschlossen, insgesamt 585 bzw. 110 Tln. In beiden Studien bestand die Radiotherapie aus 45 Gy in 4-5 Wochen sowie einem Boost von 15 bis 25 Gy, der jedoch in unterschiedlicher Dosierung nur bei lokalem Ansprechen eingesetzt wurde. Als Chemotherapie wurde in beiden Studien ein Regime mit 5-FU und Mitomycin eingesetzt (Nigro-Protokoll).
Summary of Findings: Radiochemotherapie oder alleinige Radiotherapie (Stadium II-III)
|
Population: Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien II-III Setting: Primäre Therapieentscheidung Intervention: Kombinierte Radiochemotherapie Vergleich: Alleinige Radiotherapie |
|
|||||
|
Endpunkte |
Teilnehmer |
Vertrauen in den Effektschätzer |
Relativer Effekt |
Erwartete absolute Effekte |
Relevanz des Endpunkts |
|
|
Risiko mit Radiotherapie |
Risikodifferenz mit Radiochemotherapie |
|||||
|
Gesamtüberleben |
680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs |
⨁⨁◯◯ |
HR 0,85 |
530 pro 1.000 (5-Jahres-OS) |
53 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Krankheitsspezifische Mortalität |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
HR 0,67 |
418 pro 1.000 (5-Jahres-CSM) |
139 weniger pro 1.000 |
Kritisch |
|
Vollständiges Ansprechen (6 Wo nach Behandlung) |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁◯◯ |
RR 1,49 |
540 pro 1.000 |
264 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Rezidiv, Residuum, Interventionsbedarf |
680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs |
⨁⨁⨁◯ |
RR 0,58 |
474 pro 1.000 |
199 weniger pro 1.000 |
Kritisch [Bewertung für Lokales Versagen] |
|
Rezidivfreies Überleben |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
HR 0,70 |
337 pro 1.000 |
130 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Ereignisfreies Überleben |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁◯◯ |
HR 0,80 |
170 pro 1.000 (5-Jahres-EFS) |
76 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Stomafreies Überleben |
680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs |
⨁⨁◯◯ |
HR 0,71 |
368 pro 1.000 (5-Jahres-CFS) |
124 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Therapieassoziierte Todesfälle |
680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs |
⨁⨁◯◯ |
RR 1,84 |
12 pro 1.000 |
10 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Frühmorbidität |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,24 |
386 pro 1.000 |
93 mehr pro 1.000 |
Wichtig |
|
Spätmorbidität |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,10 |
379 pro 1.000 |
38 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Kutane Toxizität (Gesamt) |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,19 |
267 pro 1.000 |
51 mehr pro 1.000 |
Wichtig [Bewertungen für Radiodermatitis] |
|
Grad 3/4 bzw. schwere Dermatitis |
680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs |
⨁⨁◯◯ |
RR 1,19 |
193 pro 1.000 |
37 mehr pro 1.000 |
|
|
Radionekrose, Ulzeration |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,25 |
63 pro 1.000 |
16 mehr pro 1.000 |
|
|
Schwere Fibrose |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁◯◯ |
RR 0,76 |
77 pro 1.000 |
18 weniger pro 1.000 |
|
|
Späte kutane Toxizität |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,23 |
165 pro 1.000 |
38 mehr pro 1.000 |
|
|
Gastrointestinale Toxizität |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,15 |
137 pro 1.000 |
21 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Grad 3/4 Diarrhoe bzw. schwere GI Toxizität |
680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs |
⨁⨁⨁⨁ |
RR 2,65 |
27 pro 1.000 |
44 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Rektale Stenose |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁◯◯ |
RR 1,53 |
38 pro 1.000 |
20 mehr pro 1.000 |
Wichtig [Bewertungen für Analstenose] |
|
Anale Ulzeration |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 4,59 |
38 pro 1.000 |
138 mehr pro 1.000 |
Wichtig [Bewertungen für Radiodermatitis] |
|
Späte gastrointestinale Toxizität |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,06 |
270 pro 1.000 |
16 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Urogenitale Toxizität (Gesamt) |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,50 |
46 pro 1.000 |
23 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Schwere urogenitale unerwünschte Wirkungen |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 2,93 |
4 pro 1.000 |
7 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Späte urogenitale unerwünschte Wirkungen |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 0,92 |
67 pro 1.000 |
5 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Leukopenie |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁⨁ |
RR 38,07 |
1 pro 1.000 |
37 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Thrombozytopenie |
577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁⨁ |
RR 28,31 |
1 pro 1.000 |
27 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
a. Moderates bis hohes Risiko für systematische Verzerrung der Ergebnisse.
b. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (0,8).
c. Konfidenzintervall umfasst den minimal bedeutsamen Unterschied (0,8).
d. Hohes Risiko für systematische Verzerrung der Ergebnisse.
e. Konfidenzintervall umfasst den minimal bedeutsamen Unterschied (1,25).
f. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (0,80; 1,25).
g. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (1,25).
h. Sehr breites Konfidenzintervall.
i. Großer, statistisch signifikanter Effekt.
* statistisch signifikanter Unterschied.
Evidence-to-decision-Framework, Radiochemotherapie oder alleinige Radiotherapie?
|
Kriterium |
Bewertung |
Grundlage für die Bewertung |
|
Ist die Frage / das Problem prioritär? |
Aus Perspektive der Betroffenen ist die Frage von Relevanz, da eine alleinige Radiotherapie von Analkarzinomen im Vergleich zu einer kombinierten Radiochemotherapie für die Betroffenen mitunter einen weniger belastenden Eingriff darstellt. |
Expertenbewertung
|
|
Wie substanziell sind die erwarteten erwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die Effektschätzer? |
Unter kombinierter Radiochemotherapie statistisch signifikante Vorteile bzgl. CSM, CR, RFS, CFS (GRADE: ⨁⨁◯◯ GERING bis ⨁⨁⨁◯ MODERAT), kein statistisch signifikanter Vorteil bzgl. OS (GRADE: ⨁⨁◯◯ GERING). |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Wie substanziell sind die erwarteten unerwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die erwarteten Effekte? |
Unter kombinierter Radiochemotherapie signifikant häufigeres Auftreten von Frühmorbidität, später kutaner Toxizität, Diarrhoe / schwerer GI-Toxizität, analer Ulzeration, Leukopenie und Thrombozytopenie (GRADE: ⨁⨁⨁◯ MODERAT bis ⨁⨁⨁⨁ HOCH). |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Gibt es bezüglich der Endpunkte, für die Daten vorliegen, Unsicherheit hinsichtlich der Werte und Präferenzen der Betroffenen? |
Die erwünschten Effekte wurden hinsichtlich der Relevanz der jeweiligen Endpunkte überwiegend als „kritisch“ bewertet, die auftretenden unerwünschten Effekte überwiegend als „wichtig, aber nicht kritisch“. Zu verschiedenen, als „kritisch“ bewerteten Endpunkten (z.B. Lebensqualität, Stuhlinkontinenz, PFS) liegen keine Daten vor. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Überwiegen die erwünschten Effekte die unerwünschten Effekte? |
Statistisch signifikante Vorteile bezüglich verschiedener kritischer Endpunkte bei zugleich bestehenden unerwünschten Effekten bzgl. verschiedener „wichtiger aber nicht kritischer“ Endpunkte. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Wie sind die Kosten und Nutzen im Verhältnis zu einander zu bewerten? |
Keine umfassende Kosten-Effektivitätsanalyse für den Kontext der Gesundheitssysteme im deutschsprachigen Raum vorliegend. Aus Expertensicht wäre eine alleinige Radiotherapie in Hinblick auf die direkten Kosten nur dann kosteneffektiv, wenn daraus keine häufigere Interventionsbedürftigkeit entstünde. Hinsichtlich des Auftretens von Rezidiven, Residuen oder sonstigem Interventionsbedarf zeigt sich jedoch in beiden eingeschlossenen RCTs ein signifikant selteneres Auftreten unter kombinierter Radiochemotherapie. |
Expertenbewertung |
|
Welche Auswirkungen haben die Interventionen auf die Gerechtigkeit im Rahmen des Gesundheitssystems? |
Keine relevanten Auswirkungen erwartet. |
Expertenbewertung |
|
Ist die Intervention für alle Stakeholder akzeptabel und implementierbar? |
Keine Einschränkungen der Akzeptabilität und Implementierbarkeit erwartet. |
Expertenbewertung |
|
Fazit der Studienlage und Einschätzungen |
Es liegen zwei RCTs vor, auf deren Grundlage eine evidenzbasierte Empfehlung für eine alleinige Radiotherapie oder für eine kombinierte Radiochemotherapie bei Patient*innen mit lokoregionalen Stadien des Analkarzinoms (Stadium II-III) erstellt werden kann. Für die Interpretation der Ergebnisse gilt einschränkend, dass keine separate Darstellung hinsichtlich verschiedener Lokalisationen (Analkanal- vs. Analrandkarzinom), Stadien, Geschlechter oder Komorbiditäten vorliegt. Zusammenfassend zeigen sich hinsichtlich verschiedener Effektivitätsendpunkte (krankheits-spezifische Mortalität, lokales Ansprechen, Rezidiv- und Stoma-freies Überleben) signifikante Vorteile für die Durchführung der kombinierten Radiochemotherapie (GRADE: geringes bis moderates Vertrauen in die Effektschätzer), bei zugleich bestehenden Nachteilen hinsichtlich einzelner früher und später unerwünschter Ereignisse (Frühmorbidität, Diarrhoe, späte kutane Toxizität, anale Ulzeration, Hämatotoxizität). |
|
9.4 EvT 9.10
Für den Vergleich einer Radiochemotherapie mit 5-FU und Mitomycin mit einer Radiochemotherapie ausschließlich mit 5-FU bei Patient*innen mit Analkanalkarzinom der Stadien I-III wurde eine multizentrische RCT eingeschlossen, in der Ergebnisse von 291 Teilnehmer*innen berichtet wurden. In beiden Gruppen wurde 5-FU in einer Dosis von 1000 mg/m² an den Tagen d1–4 und d29–32 verabreicht; Teilnehmer*innen der Interventionsgruppe erhielten zudem Mitomycin 10 mg/m², an den Tagen d1 und d29 (im Fall von Hämatotoxizität in verringerter Dosierung während des zweiten Zyklus). Beide Gruppen erhielten eine Radiotherapie mit 45-50,4 Gy in 25 Fraktionen.
Radiochemotherapie Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU oder mit 5-FU alleine (Studiencharakteristika)
|
Referenz/ Studientyp |
Interventionen |
Untersuchte Population |
Methodische Bemerkungen |
|
Flam et al. 1996
Randomisierte kontrollierte Studie (multi-centre, open-label) |
(A) 5-FU (1 000 mg/m², d1–4 und d29–32)
(B) MMC (10 mg/m², d1 + d29) + 5-FU (1 000 mg/m², d1–4 und d29–32) [zweiter MMC Zyklus reduziert auf 7,5mg/m² bei reduzierter Zellzahl]
In beiden Armen: 45-50,4 Gy / 25 Fraktionen über 5 Wochen ohne Pause (bis 10d Pause bei schweren Hautreaktionen) |
Stadium I-III Analkanalkarzinome
N=310 randomisiert, 291 analysiert
(A) Mdn Alter: 59 Jahre, 60,7% weiblich (B) Mdn Alter: 62,5 Jahre, 69,9% weiblich
T1: 44/291 (15,1%); T2: 111/291 (38,1%); T3: 109/291 (37,5%); T4: 27/291 (9,3%);
N0: 240/291 (82,5%); N1: 50/291 (17,2%); Nx: 1/291 (0,3%); |
Keine Daten zum Einschluss von HIV-positiven oder anderweitig immunkompromittierten Patient*innen.
RoB-II: some concerns |
Summary of Findings: Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU oder mit 5-FU alleine
|
Population: Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien I-III Setting: Primäre Therapieentscheidung Intervention: Radiochemotherapie mit 5-Fluorouracil und Mitomycin C Vergleich: Radiochemotherapie mit 5-Fluorouracil |
|
|||||
|
Endpunkte |
Teilnehmer |
Vertrauen in den Effektschätzer |
Relativer Effekt |
Erwartete absolute Effekte |
Relevanz des Endpunkts |
|
|
Risiko mit 5-FU |
Risikodifferenz mit 5-FU + MMC |
|||||
|
Gesamtüberleben |
291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
HR 0,76 |
670 pro 1.000 (4-Jahres-OS) |
68 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Vollständiges Ansprechen (Negative Biopsie nach 6 Wochen) |
291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁⨁ |
RR 1,03 |
793 pro 1.000 |
24 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Rezidivfreies Überleben |
291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁⨁ |
HR 0,50 |
510 pro 1.000 (4-Jahres-RFS) |
204 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Stomafreies Überleben |
291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
HR 0,59 |
590 pro 1.000 (4-Jahres-SFÜ) |
162 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Die stratifizierte Analyse nach T-Klassifikation im Rahmen der Publikation zeigt, dass der signifikante Vorteil des kombinierten Chemotherapie-Regimes hinsichtlich des Stoma-freien Überlebens v.a. für T3- und T4-Tumoren, nicht jedoch für T1- und T2-Tumoren, gilt. |
||||||
|
Therapieassoziierte Todesfälle |
291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 3,97 |
7 pro 1.000 |
20 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
|
Frühmorbidität |
291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁⨁ |
RR 2,88 |
69 pro 1.000 |
130 mehr pro 1.000 |
Wichtig |
|
Spätmorbidität |
291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 6,95 |
7 pro 1.000 |
41 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Grad 4 Toxizität (früh und spät) |
291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁⨁ |
RR 3,38 |
69 pro 1.000 |
164 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
a. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (0,8).
b. Konfidenzintervall umfasst den minimal bedeutsamen Unterschied (0,8).
c. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (0,80; 1,25).
d. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (1,25).
* statistisch signifikanter Unterschied
** enges Konfidenzintervall um die Gleichwertigkeitslinie.
Evidence-to-decision-Framework, Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU oder mit 5-FU alleine?
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Kriterium |
Bewertung |
Grundlage für die Bewertung |
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Ist die Frage / das Problem prioritär? |
Aus Perspektive der Betroffenen ist die Frage von Relevanz, da eine Radiochemotherapie mit 5-FU alleine im Vergleich zu einer Radiochemotherapie mit MMC + 5-FU für die Betroffenen möglicherweise weniger belastend, aber auch weniger effektiv ist. |
Expertenbewertung
|
|
Wie substanziell sind die erwarteten erwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die Effektschätzer? |
Unter Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU statistisch signifikante Vorteile bzgl. RFS und CFS (GRADE: ⨁⨁⨁◯ MODERAT bis ⨁⨁⨁⨁ HOCH); Gleichwertigkeit bzgl. CR (GRADE: ⨁⨁⨁⨁ HOCH); kein statistisch signifikanter Vorteil bzgl. OS (GRADE: ⨁⨁⨁◯ MODERAT). |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Wie substanziell sind die erwarteten unerwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die erwarteten Effekte? |
Unter Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU statistisch signifikant häufigeres Auftreten von Frühmorbidität und Grad 4 Toxizität (früh und spät), kein statistisch signifikant häufigeres Auftreten von Therapieassoziierten Todesfällen und Spätmorbidität (GRADE: ⨁⨁⨁◯ MODERAT bis ⨁⨁⨁⨁ HOCH). |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Gibt es bezüglich der Endpunkte, für die Daten vorliegen, Unsicherheit hinsichtlich der Werte und Präferenzen der Betroffenen? |
Die erwünschten Effekte wurden hinsichtlich der Relevanz der jeweiligen Endpunkte überwiegend als „kritisch“ bewertet, die auftretenden unerwünschten Effekte überwiegend als „wichtig, aber nicht kritisch“. Zu verschiedenen, als „kritisch“ bewerteten Endpunkten (z.B. Lebensqualität, Stuhlinkontinenz, PFS, EFS) liegen keine Daten vor. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Überwiegen die erwünschten Effekte die unerwünschten Effekte? |
Statistisch signifikante Vorteile bezüglich verschiedener kritischer Endpunkte bei zugleich bestehenden unerwünschten Effekten bzgl. verschiedener wichtiger aber nicht kritischer Endpunkte. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Wie sind die Kosten und Nutzen im Verhältnis zu einander zu bewerten? |
Keine umfassende Kosten-Effektivitätsanalyse für den Kontext der Gesundheitssysteme im deutschsprachigen Raum vorliegend. Aus Expertensicht wäre eine Radiochemotherapie in Hinblick auf die direkten Kosten nur dann kosteneffektiv, wenn daraus keine häufigere Interventionsbedürftigkeit entstünde. Hinsichtlich des Auftretens der Erforderlichkeit einer Colostomie, APR oder sonstigen chirurgischen Interventionen zeigt sich jedoch eine statistisch signifikant niedrigere Rate für die Radiochemotherapie mit MMC + 5-FU im Vergleich zu 5-FU. |
Expertenbewertung |
|
Welche Auswirkungen haben die Interventionen auf die Gerechtigkeit im Rahmen des Gesundheitssystems? |
Keine relevanten Auswirkungen erwartet. |
Expertenbewertung |
|
Ist die Intervention für alle Stakeholder akzeptabel und implementierbar? |
Keine Einschränkungen der Akzeptabilität und Implementierbarkeit erwartet. |
Expertenbewertung |
|
Fazit der Studienlage und Einschätzungen |
Es liegt eine RCT vor, auf deren Grundlage eine evidenzbasierte Empfehlung für eine Radiochemotherapie mit 5-FU und Mitomycin oder für eine Radiochemotherapie nur mit 5-FU bei Patient*innen mit lokoregionalen Stadien des Analkarzinoms (Stadium I-III) erstellt werden kann. Zusammenfassend zeigen sich – bei gleichzeitig bestehender Äquivalenz der beiden Regime hinsichtlich des lokalen Ansprechens – signifikante Vorteile bezüglich des Rezidiv- und Stoma-freien Überlebens für das kombinierte Chemotherapie-Regime (GRADE: moderates bis hohes Vertrauen in die Effektschätzer). Die nach T-Stadien stratifizierte Analyse zeigt, dass sich der signifikante Vorteil bezgl. des Stoma-freien Überlebens für das kombinierte Chemotherapie-Regime auf T3- und T4-Tumore beschränkt, nicht jedoch T1- und T2-Tumore betrifft. Zugleich bestehen Nachteile des kombinierten Therapie-Regimes hinsichtlich einer häufiger auftretenden Frühmorbidität sowie der frühen und späten Grad 4 Toxizität (GRADE: hohes Vertrauen in die Effektschätzer). |
|
9.13 EvT 9.16
Für den Vergleich einer Radiochemotherapie mit Intensitäts-modulierter Radiotherapie (IMRT) und konventioneller bzw. 3D Radiotherapie bei Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien I-III wurden insgesamt acht Studien eingeschlossen, darunter eine kleine monozentrische RCT (N=20), drei Register-basierte Studien aus den USA und vier monozentrische retrospektiv vergleichende Kohortenstudien. Teilnehmer*innen in den Studien erhielten teils eine auf dem Nigro-Protokoll basierende Chemotherapie, teils aber auch gemischte oder abweichende Regime. Die Radiotherapie bestand aus Dosen von 45 bis 60 Gy, teils mit integriertem, teils mit seriellem Boost.
Radiochemotherapie mit IMRT oder konventioneller / 3D RTx (Studiencharakteristika)
|
Referenz/ Studientyp |
Interventionen |
Untersuchte Population |
Methodische Bemerkungen |
|
Rattan et al. 2016
Randomisierte kontrollierte Studie (single-centre, open-label) |
(A) IMRT über 5 Wochen, 45 Gy, 25 Fraktionen
(B) 3D RTx über 5 Wochen, 45 Gy, 25 Fraktionen
In beiden Gruppen: 5-FU (375 mg/m²) + CDDP (30 mg/m²) wöchentlich |
Stadium I-III Analkanalkarzinome
N=20 randomisiert
(A) Mdn Alter: 53,3 Jahre, 30% weiblich (B) Mdn Alter: 50,1 Jahre, 40% weiblich
T1: 0/20 (0,0%); T2: 5/20 (25,0%); T3: 15/20 (75,0%)
N0: 5/20 (25,0%); N1: 10/20 (50,0%); N2: 4/20 (20,0%); N3: 1/20 (5,0%) |
Wenige Baselinedaten berichtet, wenig Informationen zu Ein- und Ausschlusskriterien sowie zur Methodik. Ergebnisse nicht separat für Stadien berichtet. Keine Daten zum Einschluss HIV-pos. Pat.
RoB-II: some concerns
|
|
Bryant et al. 2018
Register-basierte, vergleichende Kohortenstudie (National US Veterans Affairs database, 2000-2015) |
(A) IMRT (MW: 53,5 Gy)
(B) 3D RTx (MW: 53,1 Gy)
In beiden Gruppen: Chemotherapy nicht spezifiziert; Mitomycin-basiertes Regime: 621/779 (79,7%) |
Stadium I-III Analkarzinome
N=779
(A) MW Alter: 62 Jahre, 9,6% weiblich (B) MW Alter: 60 Jahre, 6,5% weiblich
T1: 136/779 (17,5%); T2: 382/779 (49,0%); T3: 217/779 (27,9%); T4: 44/779 (5,6%)
N0: 536/779 (68,8%); N1: 63/779 (8,1%); N2: 94/779 (12,1%); N3: 86/779 (11,0%)
Stadium I: 116/779 (14,9%); Stadium II: 402/779 (51,6%); Stadium III: 261/779 (33,5%)
159/779 (20,4%) HIV-pos. |
In der IMRT-Gruppe häufiger Stadium III, fortgeschrittener LK-Befall, und Mitomycin-basiertes Chemotherapie-Regime. Insgesamt zeitlicher Zusammenhang in der Anwendung von IMRT vs. 3D RTx.
ROBINS-I: serious risk of bias |
|
Chuong et al. 2013
Retrospektive, vergleichende Kohortenstudie (single-centre chart review, 2000-2011)
|
(A) IMRT, teils mit sequenziellem, teils mit integriertem Boost; RTx bis ca. 60 Gy in 1,8-2 Gy Fraktionen
(B) 3D RTx 45 Gy in 1,8-2 Gy Fraktionen ODER 30,6 Gy + Boost mit 14,4 Gy in 1,8 Gy Fraktionen
In beiden Gruppen: 5-FU (1 000 mg/m², d1–4 und d29–32) + MMC (10 mg/m², d1 und d29) |
Stadium I-III Analkanalkarzinome
N=89
(A) Mdn Alter: 59 Jahre, 76,9% weiblich (B) Mdn Alter: 55 Jahre, 86,5% weiblich
T1: 18/89 (20,2%); T2: 35/89 (39,3%); T3: 27/89 (30,3%); T4 9/89 (10,1%)
N0: 60/89 (67,4%); N1: 10/89 (11,2%); N2: 12/89 (13,5%); N3: 7/89 (7,9%)
Stadium I: 15/89 (16,9%); Stadium II: 42/89 (47,2%); Stadium IIIa: 8/89 (9,0%); Stadium IIIb: 24/89 (27,0%) |
In der IMRT-Gruppe häufiger Stadium III. Insgesamt zeitlicher Zusammenhang in der Anwendung von IMRT vs. 3D RTx (Änderung des Standards im Zentrum). Unterschiede des Stadiums möglicherweise bedingt durch Staging mittels PET-CT (häufiger in der IMRT-Gruppe). Keine Angaben zum Einschluss HIV-pos. Pat.
ROBINS-I: moderate risk of bias |
|
Elson et al. 2018
Register-basierte, vergleichende Kohortenstudie mit Propensityscore-Auswertung (US National Cancer database, 2004-2013) |
(A) MRT mit 36-59,4 Gy in 25-40 Fraktionen
(B) 3D RTx mit 36-59,4 Gy in 25-40 Fraktionen
In beiden Gruppen: Chemotherapie war ein Einschlusskriterium, keine weiteren Angaben |
Stadium I-III Analkanalkarzinome
N=4378
(A) MW Alter: 59,8 Jahre, 69,6% weiblich (B) MW Alter: 59,1 Jahre, 71,2% weiblich
Stadium I: 891/6814 (13,1%); Stadium II: 3194/6814 (46,9%); Stadium III: 2729/6814 (40,0%) |
Propensity score-Analyse. Keine Angaben zur Art der Chemotherapie. Keine Angaben zum Einschluss HIV-pos. Pat.
ROBINS-I: moderate risk of bias |
|
Koerber et al. 2014 und Koerber et al. 2019
Retrospektive, vergleichende Kohortenstudie (single-centre chart review, 2000-2011) |
(A) IMRT, Dosis Median: Primärtumor und betroffene LK: 54,5 Gy; elektive LK: 45,0 Gy
(B) 3D RTx, Dosis Median: Primärtumor und betroffene LK: 54,0 Gy; elektive LK: 45,0 Gy
In beiden Gruppen: verschiedene Chemotherapie-Regime (5-FU (1 000 mg/m², d1–5 und d29–33) + MMC (10 mg/m2, d1 + d29): 75,2%; nur 5-FU: 2,9%; 5-FU + CDDP: 1,9%; Cetuximab: 4,8%; keine Chemotherapie: 15,2%) |
Stadium I-III Analkarzinome
N=105
(A) Mdn Alter: 54 Jahre, 80,9% weiblich (B) Mdn Alter: 61 Jahre, 97,3% weiblich
T1: 20/105 (19,0%); T2: 54/105 (51,4%); T3: 19/105 (18,1%); T4: 12/105 (11,4%)
N0: 79/105 (75,2%); N1: 9/105 (8,6%); N2: 9/105 (8,6%); N3: 8/105 (7,6%);
M0: 103/105 (98,1%); M1: 2/105 (1,9%) |
Die Autor*innen berichten keine signifikanten Baseline-Charakteristika der Gruppen, allerdings ist unklar, welche Variablen hierbei berücksichtigt wurden. Einige Angaben (z.B. Stadium, Art der Chemotherapie) sind nicht separat für die Gruppen berichtet. Keine Angaben zum Einschluss HIV-pos. Pat. Daten zur Lebensqualität und unerwünschten Wirkungen wurden teilweise ausschließlich unter den 70 überlebenden weiblichen Patientinnen mittels Fragebogen erhoben. [64]
ROBINS-I: serious risk of bias |
|
Register-basierte, vergleichende Kohortenstudie (US SEER registry, kombiniert mit Daten von Medicare claims, 2001-2011) |
(A) IMRT
(B) 3D RTx
In beiden Gruppen: verschiedene Chemotherapie-Regime (MMC-basiert: 75,4%; CDDP-basiert: 11,0%; andere: 13,6%) |
Stadium I-III Analkarzinome
N=1165
Mdn Alter: 70 Jahre, 64,5% weiblich
T1: 192/1165 (16,5%); T2: 401/1165 (34,4%); T3: 165/1165 (14,2%); T4: 71/1165 (6,1%); Unbekannt: 336/1165 (28,8%)
N0: 826/1165 (70,9%); N1: 64/1165 (5,5%); N2: 107/1165 (9,2%); N3: 53/1165 (4,5%); Unbekannt: 115/1165 (9,9%)
Stadium I: 156/1165 (13,4%); Stadium II: 409/1165 (35,1%); Stadium III: 273/1165 (23,4%); Unbekannt: 327/1165 (28,1%)
95/1165 (8,2%) HIV-pos. |
Zeitlicher Zusammenhang in der Anwendung von IMRT vs. 3D RTx, und damit auch anderer relevanter Variablen, z.B. Erhalt eines PET-CT. Pat. In der IMRT-Gruppe erhielten häufiger 2 Zyklen MMC- oder Cisplatin-basierter Chemotherapie. Nur Pat., die eine Chemotherapie > 15d erhielten, wurden eingeschlossen.
Aufgrund der möglichen substanziellen Überschneidung von Patientenpopulationen mit Elson et al. 2018 wurden Daten für gleiche Endpunkte nicht aus beiden Publikationen eingeschlossen.
ROBINS-I: moderate risk of bias |
|
Spencer et al. 2014 (Nur Konferenzabstract)
Retrospektive, vergleichende Kohortenstudie (single-centre chart review, 2003-2013) |
(A) IMRT (Mdn: 52,3 Gy), teils mit integriertem, teils mit sequenziellem Boost
(B) 3D RTx (Mdn: 50,6 Gy)
In beiden Gruppen: verschiedene Chemotherapie-Regime (MMC + 5-FU: 85,5%) |
Stadium I-III Analkarzinome
N=110 |
Nur als Konferenzabstract publiziert, wenige relevante Daten verfügbar. Die Autor*innen berichten, es gebe keine Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich Alter, Geschlecht, HIV-Status, T-, N- und AJCC-Stadium, sowie der RTx-Dosis.
ROBINS-I: serious risk of bias |
|
Weber et al. 2015
Retrospektive, vergleichende Kohortenstudie (single-centre chart review, 1992-2014) |
(A) IMRT, 50,4 Gy in 1,8 Gy Fraktionen
(B) 3D RTx, 50,4 Gy in 1,8 Gy Fraktionen
In beiden Gruppen: 5-FU (1 000 mg/m², d1–4 und d29–32) + MMC (10 mg/m2, d1 und d29); CDDP wenn MMC kontraindiziert war |
Stadium I-III Analkarzinome
N=103
(A) Mdn Alter: 55,4 Jahre, 64,7% weiblich (B) Mdn Alter: 64,5 Jahre, 69,8% weiblich
T1: 15/103 (14,6%); T2: 46/103 (44,7%); T3: 29/103 (28,1%); T4: 13/103 (12,6%);
N0: 71/103 (68,9%); N1: 14/103 (13,6%); N2: 13/103 (12,6%); N3: 5/103 (4,9%);
Stadium I: 12/103 (11,7%); Stadium II: 53/103 (51,4%); Stadium IIIA: 18/103 (17,5%); Stadium IIIB: 20/103 (19,4%) |
Baseline-Charaktersistika nezgl. Geschlecht und Alter nicht signifikant unterschiedlich zwischen den Gruppen. Keine Angaben zum Einschluss HIV-pos. Pat.
ROBINS-I: serious risk of bias |
Summary of Findings, Radiochemotherapie mit IMRT oder konventioneller / 3D-RTx
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Population: Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien I-III Setting: Primäre Therapieentscheidung Intervention: Radiochemotherapie mit IMRT Vergleich: Radiochemotherapie mit konventioneller RTx |
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Endpunkte |
Teilnehmer |
Vertrauen in den Effektschätzer |
Relativer Effekt |
Erwartete absolute Effekte |
Relevanz des Endpunkts |
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Risiko mit konventioneller / 3D RTx |
Risikodifferenz mit IMRT |
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„Erhebliche Verschlechterung der Lebensqualität“ |
47 weibliche Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
RR 0,71 |
429 pro 1.000 |
124 weniger pro 1.000 |
Kritisch [Bewertungen für Lebensqualität] |
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Gesamtüberleben |
5246 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 3 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁◯◯◯ |
HR 0,86 |
795 pro 1.000 (3-Jahres-OS) [58] |
26 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
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Koerber et al. 2014 sowie Spencer et al. 2014 berichten von keinem statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich des Gesamtüberlebens für IMRT im Vergleich zu 3D RTx (3 Jahres-OS: 82,9% vs. 70,3%, p=0,07; bzw. 2-Jahres-OS: 88% vs. 88%, p=0,4). |
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Krankheitsspezifisches Überleben |
1944 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁◯◯◯ |
HR 0,74 |
857 pro 1.000 (2-Jahres-DSS) [58] |
35 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
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Vollständiges Ansprechen |
20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 1,00 |
600 pro 1.000 |
0 weniger pro 1.000 |
Kritisch |
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Residuum, lokales Versagen |
20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT [57] und 110 Tln. mit Analkarzinom in undef. Stadium aus 1 vergl. Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
RR 0,56 |
316 pro 1.000 |
139 weniger pro 1.000 |
Kritisch (Lokales Versagen) |
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Lokoregionale Kontrolle |
192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁◯◯◯ |
HR 0,46 |
908 pro 1.000 (3-Jahres-LRC) [61] |
49 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Koerber et al. 2014 berichten ebenfalls von keinem statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich der lokoregionalen Kontrolle für IMRT im Vergleich zu 3D RTx (3 Jahres-LC: 75,3% vs. 78,3%, p>0,99) während Spencer et al. 2014 hinsichtlich des lokalen Rezidivfreien Überlebens von einem signifikanten Vorteil berichten (2-Jahres-lokales RFS: 95% vs. 72%, p<0,01). |
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Krankheitsfreies Überleben |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
HR 0,31 |
725 pro 1.000 (2-Jahres-DFS) [63] |
180 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
|
Spencer et al. 2014 berichten ebenfalls von keinem statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich des Rezidivfreien Überlebens für IMRT im Vergleich zu 3D RTx (2-Jahres-RFS: 86% vs. 72%, p=0,09). |
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Metastasenfreies Überleben |
89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
HR 0,47 |
823 pro 1.000 (3-Jahres-MFS) [61] |
90 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Weber et al. 2015 berichten ebenfalls von keinem statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich des Metastasenfreien Überlebens für IMRT im Vergleich zu 3D RTx (2-Jahres-MFS: 100% vs. 89,7%, p=0,35). |
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Stomafreies Überleben |
89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
HR 0,75 |
913 pro 1.000 (3-Jahres-CFS) [61] |
21 mehr pro 1.000 |
Kritisch |
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Grad 2/3 Stuhlinkontinenz |
105 Tln. mit Analkarzinom in nicht spezifiziertem Stadium aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
RR 0,11 (0,01 bis 2,24) |
54 pro 1.000 |
48 weniger pro 1.000 |
Kritisch |
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Hospitalisierung |
1165 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
HR 1,43 |
521 pro 1.000 (6-Monate-Hospitalisierung kumulativ) [58] |
127 weniger pro 1.000 |
Wichtig [Bewertungen für Arbeitsunfähigkeit] |
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Parenterale Flüssigkeitssubstitution erforderlich |
20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 0,17 |
600 pro 1.000 |
498 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Schmerzmedikation Stufe II erforderlich |
20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT |
⨁⨁⨁◯ |
RR 0,63 |
800 pro 1.000 |
296 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Akute Grad 3/4 nicht-hämatologische Toxizität |
192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁◯◯◯ |
RR 0,47 |
553 pro 1.000 |
293 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Akute Grad 2-4 gastrointestinale unerwünschte Wirkungen |
20 Tln. aus 1 RCT und 89 Tln. aus 1 vergleichenden Kohortenstudie jeweils mit Analkanalkarzinom St. I-III |
⨁⨁⨁◯ |
RR 0,47 |
426 pro 1.000 |
226 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Späte Grad 3-4 gastrointestinale unerwünschte Wirkungen |
89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁⨁◯◯ |
RR 0,24 |
243 pro 1.000 |
185 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Grad 3 Proktitis |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
RR 0,54 |
47 pro 1.000 |
21 weniger pro 1.000 |
Wichtig |
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Grad 3 Enteritis |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
RR 1,26 |
93 pro 1.000 |
24 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Grad 2-4 hämatologische unerwünschte Wirkungen (gesamt) |
20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT und 882 Tln. mit Analkarzinom St. I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁⨁◯◯ |
RR 0,95 |
343 pro 1.000 |
17 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Grad 3/4 Leukopenie |
192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁◯◯◯ |
RR 0,78 |
203 pro 1.000 |
45 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Grad 3/4 Thrombozytopenie |
192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁◯◯◯ |
RR 2,59 |
41 pro 1.000 |
65 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Grad 3/4 Anämie |
192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁◯◯◯ |
RR 0,85 |
73 pro 1.000 |
11 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Grad 3/4 Dermatitis |
297 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 3 vergleichenden Kohortenstudien |
⨁◯◯◯ |
RR 0,45 |
606 pro 1.000 |
333 weniger pro 1.000 |
Wichtig [Bewertungen für Radiodermatitis] |
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Akute Grad 3/4 urogenitale unerwünschte Wirkungen (gesamt) |
89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
RR 0,14 |
54 pro 1.000 |
46 weniger pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Späte Grad 3/4 urogenitale unerwünschte Wirkungen (gesamt) |
89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
Relatives Risiko nicht ermittelbar bei 0 Ereignissen in jeder Gruppe |
- |
- |
Nicht bewertet |
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Grad 3 Zystitis |
103 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
RR 1,69 |
35 pro 1.000 |
24 mehr pro 1.000 |
Nicht bewertet |
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Grad 3 Vaginalstenose |
47 weibliche Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie |
⨁◯◯◯ |
RR 1,50 |
333 pro 1.000 |
167 mehr pro 1.000 |
Wichtig - kritisch |
a. Konfidenzintervall umfasst minimal bedeutsamen Unterschied (0,80).
b. Konfidenzintervall schneidet sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied in beide Richtungen (0,80; 1,25).
c. Moderates bis hohes Risiko für systematische Verzerrung der Ergebnisse;
d. Hohes Risiko für systematische Verzerrung der Ergebnisse.
e. Konfidenzintervall umfasst den minimal bedeutsamen Unterschied (0,80 bzw. 1,25).
f. Sehr breites Konfidenzintervall; umfasst Gleichwertigkeitslinie (1,00) und den minimalen bedeutsamen Unterschied in beide Richtungen (0,80; 1,25).
g. Großer, statistisch signifikanter Effekt.
* statistisch signifikanter Unterschied
Evidence-to-decision-Framework, Radiochemotherapie mit IMRT oder konventioneller / 3D RTx?
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Kriterium |
Bewertung |
Grundlage für die Bewertung |
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Ist die Frage / das Problem prioritär? |
Die Identifikation einer effektiven kombinierten Radiochemotherapie, die mit einer geringen Belastung für die Betroffenen einhergeht ist von großer Relevanz. |
Expertenbewertung
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Wie substanziell sind die erwarteten erwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die Effektschätzer? |
Unter Radiochemotherapie mit IMRT im Vergleich zu Radiochemotherapie mit 3D-Bestrahlung statistisch signifikante Vorteile bzgl. OS und DSS (GRADE: ⨁◯◯◯ SEHR GERING); keine statistisch signifikanten Unterschiede bzgl. LC bzw. LRC, DFS, MFS und CFS. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
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Wie substanziell sind die erwarteten unerwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die erwarteten Effekte? |
Unter Radiochemotherapie mit IMRT statistisch signifikante Vorteile bzgl. Hospitalisierung, Grad 3-4 nicht-hämatologischen sowie früher und später gastrointestinaler Toxizität (GRADE: ⨁◯◯◯ SEHR GERING bis ⨁⨁⨁◯ MODERAT); keine statistisch signifikanten Unterschiede bzgl. der Erforderlichkeit von parenteraler Flüssigkeitssubstitution sowie Schmerzmedikation, Grad 3 Proktitis und Enteritis, Grad 2-4 hämatologischen unerwünschten Effekten, Grad 3-4 Leukozyto- und Thrombozytopenie, Anämie, Grad 3-4 Dermatitis und urogenitalen unerwünschten Effekten, einschließlich der Grad 3 Vaginalstenose. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
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Gibt es bezüglich der Endpunkte, für die Daten vorliegen, Unsicherheit hinsichtlich der Werte und Präferenzen der Betroffenen? |
Alle Endpunkte, für die statistisch signifikante Unterschiede aufgezeigt wurden, deuten auf Vorteile der Durchführung der Radiochemotherapie mittels IMRT im Vergleich zur Radiochemotherapie mit 3D-Bestrahlung hin. Zu verschiedenen, als „kritisch“ bewerteten Endpunkten (z.B. ereignisfreies Überleben, Stuhlinkontinenz) liegen keine Daten vor. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
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Überwiegen die erwünschten Effekte die unerwünschten Effekte? |
Es zeigen sich sowohl hinsichtlich der Effektivität als auch hinsichtlich der unerwünschten Effekte für verschiedene Endpunkte statistisch signifikanten Vorteile für die IMRT im Vergleich zur 3D RTx. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
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Wie sind die Kosten und Nutzen im Verhältnis zu einander zu bewerten? |
Keine umfassende Kosten-Effektivitätsanalyse für den Kontext der Gesundheitssysteme im deutschsprachigen Raum vorliegend. |
Expertenbewertung |
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Welche Auswirkungen haben die Interventionen auf die Gerechtigkeit im Rahmen des Gesundheitssystems? |
Keine relevanten Auswirkungen erwartet. |
Expertenbewertung |
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Ist die Intervention für alle Stakeholder akzeptabel und implementierbar? |
Keine Einschränkungen der Akzeptabilität und Implementierbarkeit erwartet. |
Expertenbewertung |
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Fazit der Studienlage und Einschätzungen |
Es liegt Evidenz aus einer RCT und sieben Beobachtungsstudien vor, auf deren Grundlage eine evidenzbasierte Empfehlung für die Verabreichung der Bestrahlungsdosis im Rahmen der Radiochemotherapie mittels IMRT oder 3D Radiotherapie bei Patient*innen mit lokoregionalen Stadien des Analkanalkarzinoms (Stadium I-III) erstellt werden kann. Bezüglich des Gesamt- und des krankheitsspezifischen Überlebens zeigen sich statistisch signifikante Vorteile für die Durchführung der IMRT im Rahmen der kombinierten Radiochemotherapie (GRADE: sehr geringes Vertrauen in die Effektschätzer). Hinsichtlich aller sonstigen in den Studien untersuchten Effektivitäts-Endpunkte (vollständiges Ansprechen, krankheitsfreies Überleben, stomafreies Überleben, etc.) zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Applikationsformen für die Bestrahlung (GRADE: sehr geringes bis moderates Vertrauen in die Effektschätzer). Für das Auftreten einzelner unerwünschter Wirkungen (Hospitalisierung, akute und späte Grad 3/4 gastrointestinale unerwünschte Wirkungen, akute Grad 3/4 nicht-hämatologische Toxizität) zeigt sich jedoch eine signifikante Überlegenheit der IMRT (GRADE: sehr geringes bis moderates Vertrauen in die Effektschätzer). |
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Literaturhinweise
[269] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaf, D.K., AWMF),, Entwicklung von leitlinienbasierten Qualitätsindikatoren. Methodenpapier für das Leitlinienprogramm Onkologie, Version 2.1., 2017., http://www.leitlinienprogrammonkologie.de/methodik/informationen-zur-methodik/
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[197] Weber, H. E., Droge, L. H., Hennies, S., Herrmann, M. K., Gaedcke, J., Wolff, H. A., Volumetric intensity-modulated arc therapy vs. 3-dimensional conformal radiotherapy for primary chemoradiotherapy of anal carcinoma: Effects on treatment-related side effects and survival, Strahlenther Onkol, 2015. 191(11): p. 827-34., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26050046