Leitlinienprogramm OnkologieAnalkarzinom

17. Qualitätsindikatoren – Analkarzinom

Version 1.2 · Dezember 2020 · AWMF 081/004OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Johannes Rückher, Simone Wesselmann

Qualitätsindikatoren sind Messgrößen, deren Erhebung der Beurteilung der Qualität der zugrunde liegenden Strukturen, Prozesse bzw. Ergebnisse dient. Qualitätsindikatoren sind ein wichtiges Instrument des Qualitätsmanagements. Ziel ihres Einsatzes ist die stetige Verbesserung der Versorgung, indem die Ergebnisse der Versorgung dargestellt, kritisch reflektiert und wenn nötig verbessert werden. Die vorliegende Auswahl von Qualitätsindikatoren wurde gemäß der Methodik des Leitlinienprogramms Onkologie erstellt [269].

Für den Ableitungsprozess konstituierte sich eine „Arbeitsgruppe Qualitätsindikatoren“ (AG QI). Diese erstellte das finale Set der Qualitätsindikatoren auf Grundlage der der starken Empfehlungen („soll“) der neu erarbeiteten Leitlinie sowie den Ergebnissen der Recherche nach bestehenden nationalen und internationalen Qualitätsindikatoren. Die genaue Vorgehensweise und die Zusammensetzung der AG QI sind im Leitlinienreport dargelegt.

Nach zwei Online-Sitzungen dieser AG wurde das finale Set von 13 Qualitätsindikatoren angenommen. Darüber hinaus wird die Leitliniengruppe einen Antrag zur Aufnahme eines ICD-10-GM Codes „C21.2 Analrand“ an das DIMDI/BfArM stellen, damit eine Differenzierung zwischen Analrand- und Analkanalkarzinom möglich wird.

Prätherapeutische MRT-Untersuchung - Becken

Zähler

Patienten des Nenners, bei denen prätherapeutisch eine MRT-Untersuchung des Beckens durchgeführt wurde

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und Therapie

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig prätherapeutische Durchführung einer MRT-Untersuchung des Beckens bei Erstdiagnose Analkarzinom mit Therapie

Referenz-Empfehlungen

7.2 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Zur Bestimmung der Tumorkategorie soll eine MRT-Untersuchung des Beckens erfolgen. Diese sollte eine multiparametrische MRT, anguliert auf den Analkanal, umfassen.

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

7.4 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Zur Detektion lokoregionärer Lymphknotenmetastasen soll eine MRT des Beckens durchgeführt werden. Ergänzend sollte die Durchführung einer PET/CT* erfolgen. Eine CT des Beckens kann durchgeführt werden.

 

*CAVE: Die PET-Untersuchung ist im Rahmen der Diagnostik bei Analkarzinomen nicht Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert).

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Pathologische Sicherung von Lymphknoten

Zähler

Patienten des Nenners mit pathologischer Sicherung der Lymphknoten

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom, cN+ und definitiver Radiochemotherapie

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Keine pathologische Sicherung der Lymphknoten bei bildgebendem Verdacht auf eine lokoregionäre Lymphknotenmetastase bei Erstdiagnose Analkarzinom und definitiver Radiochemotherapie

Referenz-Empfehlungen

7.5 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Bei bildgebendem Verdacht auf eine lokoregionäre Lymphknotenmetastase und geplanter definitiver Radiochemotherapie soll keine histopathologische oder zytopathologische Sicherung der suspekten Lymphknoten erfolgen.

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Präoperative Untersuchung - Analkanal

Zähler

Patienten des Nenners, bei denen präoperativ eine multiparametrische MRT anguliert auf den Analkanal oder eine anale Endosonographie durchgeführt wurde

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom im Stadium I und Resektion

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig präoperative, auf den Analkanal angulierte multiparametrische MRT-Untersuchung oder anale Endosonographie bei Erstdi-agnose Analkarzinom im Stadium I mit Resektion

Referenz-Empfehlungen

7.8 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Zur Abklärung des Vorliegens von Sphinkterkontakt vor Durchführung einer therapeutischen Exzision bei Analkanalkarzinomen im Stadium I (T1N0M0) bzw. Analrandkarzinomen im Stadium I (T1N0M0) oder IIA (T2N0M0) soll eine multiparametrische MRT anguliert auf den Analkanal oder eine anale Endosonographie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Prätherapeutisches Tumorboard - Stomaanlage

Zähler

Patienten des Nenners, die im prätherapeutischen Tumorboard besprochen wurden

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und prätherapeutischer Anlage eines Stomas

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig Vorstellung von PatientInnen mit Erstdiagnose Analkarzinom und geplanter Stomaanlage im prätherapeutischen Tumorboard

Referenz-Empfehlungen

8.10 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Patient*innen, bei denen eine Stomaanlage vor Therapiebeginn notwendig ist, sollen im interdisziplinären Tumorboard besprochen werden.

Konsens
Konsens

Empfehlung im Kapitel

Kombinierte Radiochemotherapie Stadium II oder III

Zähler

Patienten des Nenners mit kombinierter Radiochemotherapie

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder III

Qualitätsziel / Referenzbereich

A
GRADE Gering (⨁⨁◯◯) bis Moderat (⨁⨁⨁◯)

Qualitätsziel: Möglichst häufig kombinierte Radiochemotherapie bei Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder II

Referenz-Empfehlungen

9.7 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Analkarzinome der Stadien II-III sollen mit einer kombinierten Radiochemotherapie behandelt werden. 

Empfehlungsgrad
A: Wir sind der Auffassung, dass alle oder fast alle informierten Menschen diese Entscheidung treffen würden. Kliniker*innen müssen sich weniger Zeit für den Prozess der Entscheidungsfindung mit den Patient*innen nehmen. In den meisten klinischen Situationen kann die Empfehlung als allgemeine Vorgehensweise übernommen werden.
Evidenzlevel
⊕⊕⊝⊝

OS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,85 (95%-KI: 0,70–1,02)


⊕⊕⊕⊝

CSM: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, HR 0,67 (95%-KI: 0,51–0,88)


⊕⊕⊝⊝

CR: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, RR 1,49 (95%-KI: 1,12–1,99)


⊕⊕⊕⊝

Rezidiv, Residuum, Interventionsbedarf: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, RR 0,58 (95%-KI: 0,48–0,70)


⊕⊕⊕⊝

RFS: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, HR 0,70 (95%-KI: 0,58–0,84)


⊕⊕⊝⊝

EFS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,80 (95%-KI: 0,49–1,29)


⊕⊕⊝⊝

CFS: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie, HR 0,71 (95%-KI: 0,53–0,95)


⊕⊕⊕⊝

Spätmorbidität (Grad 3/4): keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 1,10 (95%-KI: 0,90–1,35)


⊕⊕⊝⊝

Vergleich von Radiochemotherapie vs. Radiotherapie (Stadien II-III): Evidenz aus zwei multizentrischen RCTs: ACT I (Arnott et al. 1996, Northover et al. 2010) und Bartelink et al. 1997 – detaillierte Studiencharakteristika und -ergebnisse

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[170] [73] [129]
Evidenztabellen (1)9.3.2 EvT 9.7

Empfehlung im Kapitel

Kombinierte Radiochemotherapie mit Mitomycin und 5-FU

Zähler

Patienten des Nenners, die ein Chemotherapie-Regime aus Mitomycin und 5-FU erhalten

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder III und kombinierter Radiochemotherapie

Qualitätsziel / Referenzbereich

A
GRADE Moderat (⨁⨁⨁◯) bis Hoch (⨁⨁⨁⨁)

Qualitätsziel: Möglichst
häufig Mitomycin und 5-FURegime bei Erstdiagnose
Analkarzinom Stadium II oder III mit kombinierter Radiochemotherapie

Referenz-Empfehlungen

9.10 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Im Rahmen der kombinierten Radiochemotherapie sollen Analkarzinome der Stadien II-III mit einem Chemotherapie-Regime aus Mitomycin und 5-FU behandelt werden.

Empfehlungsgrad
A: Wir sind der Auffassung, dass alle oder fast alle informierten Menschen diese Entscheidung treffen würden. Kliniker*innen müssen sich weniger Zeit für den Prozess der Entscheidungsfindung mit den Patient*innen nehmen. In den meisten klinischen Situationen kann die Empfehlung als allgemeine Vorgehensweise übernommen werden.
Evidenzlevel
⊕⊕⊕⊝

OS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,76 (95%-KI: 0,47–1,21)


⊕⊕⊕⊕

CR: Gleichwertigkeit der Interventionen, RR 1,03 (95%-KI: 0,92–1,15)


⊕⊕⊕⊕

RFS: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie mit MMC+5-FU, HR 0,50 (95%-KI: 0,33–0,76)


⊕⊕⊕⊝

CFS: signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie mit MMC+5-FU, HR 0,59 (95%-KI: 0,39–0,90)


⊕⊕⊕⊝

Spätmorbidität: keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 6,95 (95%-KI: 0,87–55,80)


⊕⊕⊕⊝

Vergleich von Radiochemotherapie mit Mitomycin und 5-FU vs. Radiochemotherapie mit 5-FU alleine, Evidenz aus einer multizentrischen RCT: Flam et al. 1996 – detaillierte Studiencharakteristika und -ergebnisse

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[174]
Evidenztabellen (1)9.4 EvT 9.10

Empfehlung im Kapitel

Kombinierte Radiochemotherapie mit IMRT

Zähler

Patienten des Nenners, die eine Bestrahlung mittels Intensitäts-modulierter Radiotherapie (IMRT) erhalten haben

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder III und kombinierter Radiochemotherapie

Qualitätsziel / Referenzbereich

A
GRADE Sehr gering (⨁◯◯◯) bis Moderat (⨁⨁⨁◯)

Qualitätsziel: Möglichst
häufig Intensitäts-modulierte Radiotherapie (IMRT)
bei Erstdiagnose Analkarzinom Stadium II oder III mit
kombinierter Radiochemotherapie

Referenz-Empfehlungen

9.16 · Evidenzbasierte Empfehlung 2020

Im Rahmen der kombinierten Radiochemotherapie soll die Bestrahlung mittels Intensitäts-modulierter Radiotherapie (IMRT) erfolgen. 

Empfehlungsgrad
A: Wir sind der Auffassung, dass alle oder fast alle informierten Menschen diese Entscheidung treffen würden. Kliniker*innen müssen sich weniger Zeit für den Prozess der Entscheidungsfindung mit den Patient*innen nehmen. In den meisten klinischen Situationen kann die Empfehlung als allgemeine Vorgehensweise übernommen werden.
Evidenzlevel
⊕⊝⊝⊝

„Erhebliche Verschlechterung der Lebensqualität“: keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 0,71 (95%-KI: 0,32–1,57)


⊕⊝⊝⊝

OS: stat. signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie mit IMRT, HR 0,86 (95%-KI: 0,76–0,98)


⊕⊝⊝⊝

CSS: stat. signifikanter Vorteil unter Radiochemotherapie mit IMRT, HR 0,74 (95%-KI: 0,55–0,99)


⊕⊕⊕⊝

CR: keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 1,00 (95%-KI: 0,49–2,05)


⊕⊝⊝⊝

LF: keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 0,56 (95%-KI: 0,20–1,60)


⊕⊝⊝⊝

LRC: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,46 (95%-KI: 0,15–1,39)


⊕⊝⊝⊝

DFS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,31 (95%-KI: 0,09–1,05)


⊕⊝⊝⊝

CFS: keine statistisch signifikanten Unterschiede, HR 0,75 (95%-KI: 0,07–8,18)


⊕⊝⊝⊝

Stuhlinkontinenz (Grad 2/3): keine statistisch signifikanten Unterschiede, RR 0,11 (95%-KI: 0,01–2,24)


⊕⊕⊕⊝

Vergleich von Radiochemotherapie mit intensitätsmodulierter Radiotherapie (IMRT) vs. Radiochemotherapie mit konventioneller / 3D-Radiotherapie (3D-RTx), Evidenz aus insgesamt acht Studien, darunter eine kleine (N=20) monozentrische RCT (Rattan et al. 2016), drei Register-basierte Studien (Bryant et al. 2018, Elson et al. 2018 , Pollom et al. 2017) und vier monozentrische retrospekiv vergleichende Kohortenstudien (Chuong et al. 2013, Koerber et al. 2014 und Koerber et al. 2019, Spencer et al. 2014, Weber et al. 2015) – detaillierte Studiencharakteristika und Ergebnisse

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[189] [190] [191] [192] [193] [194] [195] [196] [197]
Evidenztabellen (1)9.13 EvT 9.16

Empfehlung im Kapitel

Radiochemotherapie und Biopsie

Zähler

Alle Patienten des Nenners mit Biopsie nach Ende Radiochemotherapie

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und Radiochemotherapie und vollständiger klinischer Response

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Keine Biopsie nach Ende Radiochemotherapie bei Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und vollständiger klinischer Response

Referenz-Empfehlungen

10.3 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Bei vollständiger klinischer Response soll keine Biopsie zur histopathologischen Bestätigung des Ansprechens erfolgen.

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Tumorboard bei Residual- oder Rezidivtumor

Zähler

Patienten des Nenners mit Vorstellung in der Tumorboard (postoperativ bzw. prätherapeutisch)

Nenner

Alle Patienten mit Erstdiagnose Analkarzinom und R1/R2-Resektion oder Residualtumor nach primärer Radiochemotherapie oder Patienten mit Rezidivtumor eines Analkarzinoms

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig Vorstellung im Tumorboard (postoperativ bzw. prätherapeutisch) bei Residual- oder Rezidivtumor nach primärer Therapie bei Erstdiagnose Analkarzinom

Referenz-Empfehlungen

12.1 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Bei Residual- oder Rezidivtumor nach primärer Therapie soll die weitere Behandlungsplanung im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards erfolgen.

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Resektion bei Lokalrezidiv

Zähler

Patienten des Nenners mit kurativ intendierter Resektion

Nenner

Alle Patienten mit Lokalrezidiv eines Analkarzinoms, M0 und Z. n. primärer Radiochemotherapie

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig kurativ intendierte Resektion bei Lokalrezidiv eines Analkarzinoms, M0 und Z. n.  primärer Radiochemotherapie

Referenz-Empfehlungen

12.2 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Bei Residual- oder Rezidivtumor im Bereich des Primarius (anal/perianal) nach primärer Radiochemotherapie ohne Nachweis einer Fernmetastasierung soll in kurativer Intention die chirurgische Resektion durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Resektion bei Residualtumor

Zähler

Patienten des Nenners mit kurativ intendierter Resektion

Nenner

Alle Patienten mit Residualtumor eines Analkarzinoms, M0 und Z.n. primärer Radiochemotherapie

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig kurativ intendierte Resektion bei Residualtumor eines Analkarzinoms, M0 und Z. n. primärer Radiochemotherapie

Referenz-Empfehlungen

12.2 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Bei Residual- oder Rezidivtumor im Bereich des Primarius (anal/perianal) nach primärer Radiochemotherapie ohne Nachweis einer Fernmetastasierung soll in kurativer Intention die chirurgische Resektion durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Anzeichnung Stomaposition

Zähler

Anzahl der Pat. mit präoperativer Anzeichnung der Stomaposition

Nenner

Alle Patienten mit Analkarzinom, bei denen eine Operation mit Stomaanlage durchgeführt wurde

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig präoperative Anzeichnung der Stomaposition bei Patienten mit Analkarzinom, bei  denen eine Operation mit Stomaanlage durchgeführt wurde

Referenz-Empfehlungen

8.11 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Adaptation S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom

Die Stomaposition soll präoperativ angezeichnet werden.

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Tumorboard bei Stadium IV, M1

Zähler

Patienten des Nenners mit prätherapeutischer Vorstellung in der Tumorboard

Nenner

Alle Patienten mit Analkarzinom Stadium IV, M1 (primär oder sekundär)

Qualitätsziel / Referenzbereich

EK
Qualitätsziel: Möglichst häufig prätherapeutische Vorstellung von Patienten mit Analkarzinom Stadium IV, M1 im Tumorboard

Anmerkung

Teilnehmer Tumorboard: Viszeralchirurgie, Strahlentherapie, Onkologie, Pathologie, Radiologie

Referenz-Empfehlungen

13.1 · Konsensbasierte Empfehlung 2020

Bei metastasiertem Analkarzinom im Stadium IV (Fernmetastasen) soll die weitere Behandlungsplanung im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards erfolgen. 

Konsens
Starker Konsens

Empfehlung im Kapitel

Evidenztabellen

9.3.2 EvT 9.7

Für den Vergleich einer kombinierten Radiochemotherapie mit alleiniger Radiotherapie bei Patient*innen mit Analkarzinom wurden zwei RCTs (Analkarzinome der Stadien II-III) und drei retrospektive vergleichende Beobachtungsstudien (Analkarzinome der Stadien I-II; darunter eine register-basierte vergleichende Kohortenstudie mit Propensity-score-Analyse von Outcomes bei älteren Patient*innen mit Stadium I Analkanalkarzinom) eingeschlossen. Die wichtigsten Studiencharakteristika sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

 

Referenz/ Studientyp

Interventionen

Untersuchte Population

Methodische Bemerkungen

Arnott et al. 1996; Northover et al. 2010 [ACT I]

 

Randomisierte kontrollierte Studie (multi-centre, open-label)

 

 

(A) Radiotherapie alleine: 45 Gy in 20-25 Fraktionen + ggf. EBRT- oder BT-Boost mit 15-25 Gy

 

(B) Radiochemotherapie: MMC (12 mg/m², d1 oder 8-10 mg/m², d1) + 5-FU (1000 mg/m², d1–4 und d29–32 oder 750 mg/m², d1–5 und d29–33); RTx wie in Gruppe (A)

 

Pat. mit <50% Ansprechen nach 6 Wochen wurden radikal operiert.

Stadium II-III Analkarzinome

 

N=585 randomisiert, 577 analysiert

 

(A) Mdn Alter: 65 Jahre, 53% weiblich

(B) Mdn Alter: 63 Jahre, 57% weiblich

 

Analkanal: 431/ 577 (74,7%)

Analrand: 134/577 (23,2%)

 

T1: 71/577 (12,3%);

T2: 191/577 (33,1%);

T3: 220/577 (38,1%);

T4: 73/577 (12,7%);

 

N palpabel: 115/577 (19,9%);

 

M1: 15/577 (2,6%)

Daten zum Analkanal und –rand nicht separat berichtet. Keine Daten zu den Stadien. Geschlechter nicht separat berichtet. Keine Daten zum Einschluss von HIV-positiven Patient*innen.

 

RoB-II: some concerns

Bartelink et al. 1997

 

Randomisierte kontrollierte Studie (multi-centre, open-label)

 

 

(A) Radiotherapie alleine: 45 Gy in 25 Fraktionen + EBRT-Boost mit 15-20 Gy

 

(B) Radiochemotherapie: MMC (15 mg/m², d1) + 5-FU (750 mg/m², d1–5 and d29–33); RTx wie in Gruppe (A)

 

Pat. mit Progress oder ohne Ansprechen nach 6 Wochen wurden radikal operiert.

Stadium IIb-IIIc Analkarzinome

 

N=110 randomisiert, 103 analysiert

 

Alter < 60y: 56/103 (54,4%);

Alter > 60y: 47/103 (45,6%);

weiblich: 73/103 (70,9%)

 

T1-2N1-3: 16/103 (15,5%);

T3-4N0: 48/103 (46,6%);

T3-4 N1-3: 37/103 (35,9%);

TxNx: 2/103 (1,9%)

Daten zum Analkanal und –rand nicht separat berichtet. Keine Daten zu den Stadien. Keine Daten zum Einschluss von HIV-positiven Patient*innen.

 

Besseres Überleben und lokoregionale Kontrolle bei Frauen im Vgl. zu Männern.

 

RoB-II: high risk

Buckstein et al. 2018

 

Register-basierte vergleichende Kohortenstudie mit Propensity-Score Auswertung (US SEER und Mediclaim Daten, 1996-2011)

(A) Radiotherapie alleine (nicht spezifiziert)

 

(B) Radiochemotherapie (5-FU-basiert, nicht weiter spezifiziert)

Stadium I Analkanalkarzinome, Pat > 55 und < 85 Jahre

 

N=299

 

(A) Mdn Alter: 72 Jahre, 74,7% weiblich

(B) Mdn Alter: 72 Jahre, 72,5% weiblich

 

Tumorgröße:

≤1cm: (A) 21/99 (21,2%); (B) 40/200 (20,0%);

>1cm: (A) 46/99 (46,5%); (B) 82/200 (41,0%);

Unbekannt: (A) 32/99 (32,3%); (B) 80/200 (40,0%)

Unklarer Anteil von Menschen mit HIV in Gruppe A; Gruppe B: 6%. Pat., die eine alleinige RTx erhielten waren älter, hatten mehr Komorbiditäten und terminales Nierenversagen.

 

Keine Daten zu histologischem Grading.

 

ROBINS-I: moderate risk of bias

De Bari et al. 2015

 

Retrospektive vergleichende Kohortenstudie (two-centre chart review, 1992-2010)

(A) Radiotherapie alleine (nicht spezifiziert)

 

(B) Radiochemotherapie (meist 5-FU-basiert, nicht weiter spezifiziert)

Stadium I-II Analkanalkarzinome mit oder ohne Randbeteiligung

 

N=122

 

(A) Mdn Alter: 75 Jahre, 82,7% weiblich

(B) Mdn Alter: 65 Jahre, 84,3% weiblich

 

T1 N0 M0: (A) 28,8%; (B) 12,9%;

T2 N0 M0: (A) 71,2%; (B) 87,1%

 

3/122 (2,5%) HIV-positiv

Keine randomisierte Zuteilung der Behandlungsgruppen, ggf. strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen.

 

Patient*innen in Gruppe (A) waren älter, hatten mehr T1-Tumore und einen schlechteren Performance-Status als diejenigen in Gruppe (B).

 

ROBINS-I: serious risk of bias

Zilli et al. 2012

 

Retrospektive vergleichende Kohor-tenstudie (single-centre chart review, 1976-2008)

(A) Radiotherapie alleine (nicht spezifiziert)

 

(B) Radiochemotherapie: 5-FU (1 000 mg/m², d1–4) + MMC (10 mg/m², d1), zweiter Zyklus bei 51% der Pat.; RTx nicht weiter spezifiziert

Stadium I-II Analkarzinome

 

N=146

 

(A) MW Alter: 67,8 Jahre, 74,6% weiblich

(B) MW Alter: 63,7 Jahre, 69,3% weiblich

 

T1 N0 M0: (A) 31,0%; (B) 9,3%;

T2 N0 M0: (A) 69,0%; (B) 90,7%

 

Tumorgröße

(A) MW: 2,9cm; (B) MW: 3,2cm

Keine randomisierte Zuteilung der Behandlungsgruppen, ggf. strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen.

 

Patient*innen in Gruppe (A) waren älter, hatten mehr T1-Tumore und häufiger eine Beteiligung des Analrands als diejenigen in Gruppe (B).

 

ROBINS-I: serious risk of bias

Radiochemotherapie oder alleinige Radiotherapie in Stadium II-III?

Für den Vergleich von alleiniger Radiotherapie mit Radiochemotherapie bei Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien II-III wurden zwei multizentrische RCTs eingeschlossen, in beiden Studien wurden Teilnehmer*innen mit Analkanal- und Analrandkarzinomen eingeschlossen, insgesamt 585 bzw. 110 Tln. In beiden Studien bestand die Radiotherapie aus 45 Gy in 4-5 Wochen sowie einem Boost von 15 bis 25 Gy, der jedoch in unterschiedlicher Dosierung nur bei lokalem Ansprechen eingesetzt wurde. Als Chemotherapie wurde in beiden Studien ein Regime mit 5-FU und Mitomycin eingesetzt (Nigro-Protokoll).

Summary of Findings: Radiochemotherapie oder alleinige Radiotherapie (Stadium II-III)

Population: Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien II-III 

Setting: Primäre Therapieentscheidung

Intervention: Kombinierte Radiochemotherapie 

Vergleich: Alleinige Radiotherapie

 

Endpunkte

Teilnehmer
(Studien)

Vertrauen in den Effektschätzer
(GRADE)

Relativer Effekt
(95%-KI)

Erwartete absolute Effekte

Relevanz des Endpunkts

Risiko mit Radiotherapie

Risikodifferenz mit Radiochemotherapie

Gesamtüberleben

680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs

⨁⨁◯◯
GERING a
,b

HR 0,85
(0,70 bis 1,02)

530 pro 1.000

(5-Jahres-OS)

53 mehr pro 1.000
(7 weniger bis 111 mehr)

Kritisch

Krankheitsspezifische Mortalität

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT 

⨁⨁⨁◯
MODERAT c

HR 0,67
(0,51 bis 0,88))*

418 pro 1.000

(5-Jahres-CSM)

139 weniger pro 1.000
(46 bis 223 weniger)

Kritisch

Vollständiges Ansprechen

(6 Wo nach Behandlung)

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁◯◯
GERING d
,e

RR 1,49
(1,12 bis 1,99))*

540 pro 1.000

264 mehr pro 1.000
(65 bis 533 mehr)

Kritisch

Rezidiv, Residuum, Interventionsbedarf

680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs 

⨁⨁⨁◯
MODERAT a

RR 0,58
(0,48 bis 0,70))*

474 pro 1.000

199 weniger pro 1.000
(142 bis 246 weniger)

Kritisch

[Bewertung für Lokales Versagen]

Rezidivfreies Überleben

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT c

HR 0,70
(0,58 bis 0,84))*

337 pro 1.000

130 mehr pro 1.000
(64 bis 195 mehr)

Kritisch

Ereignisfreies Überleben

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁◯◯
GERING d
,f

HR 0,80
(0,49 bis 1,29)

170 pro 1.000

(5-Jahres-EFS)

76 mehr pro 1.000
(64 weniger bis 242 mehr)

Kritisch

Stomafreies Überleben

680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs

⨁⨁◯◯
GERING a
,c

HR 0,71
(0,53 bis 0,95))*

368 pro 1.000

(5-Jahres-CFS)

124 mehr pro 1.000
(19 bis 221 mehr)

Kritisch

Therapieassoziierte Todesfälle

680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs

⨁⨁◯◯
GERING a
,f

RR 1,84
(0,59 bis 5,74)

12 pro 1.000

10 mehr pro 1.000
(5 weniger bis 56 mehr)

Nicht bewertet

Frühmorbidität

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT e

RR 1,24
(1,03 bis 1,50))*

386 pro 1.000

93 mehr pro 1.000
(12 mehr bis 193 mehr)

Wichtig

Spätmorbidität

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT g

RR 1,10
(0,90 bis 1,35)

379 pro 1.000

38 mehr pro 1.000
(38 weniger bis 133 mehr)

Kritisch

Kutane Toxizität (Gesamt)

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT g

RR 1,19
(0,93 bis 1,54)

267 pro 1.000

51 mehr pro 1.000
(19 weniger bis 144 mehr)

Wichtig

[Bewertungen für Radiodermatitis]

Grad 3/4 bzw. schwere Dermatitis

680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs

⨁⨁◯◯
GERING a
,g

RR 1,19
(0,91 bis 1,55)

193 pro 1.000

37 mehr pro 1.000
(17 weniger bis 106 mehr)

Radionekrose, Ulzeration

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT f

RR 1,25
(0,69 bis 2,26)

63 pro 1.000

16 mehr pro 1.000
(20 weniger bis 80 mehr)

Schwere Fibrose

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁◯◯
GERING d
,f

RR 0,76
(0,18 bis 3,25)

77 pro 1.000

18 weniger pro 1.000
(63 weniger bis 173 mehr)

Späte kutane Toxizität

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT f

RR 1,23
(0,87 bis 1,73)

165 pro 1.000

38 mehr pro 1.000
(21 weniger bis 120 mehr)

Gastrointestinale Toxizität

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT f

RR 1,15
(0,78 bis 1,71)

137 pro 1.000

21 mehr pro 1.000
(30 weniger bis 97 mehr)

Nicht bewertet

Grad 3/4 Diarrhoe bzw. schwere GI Toxizität

680 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 2 RCTs

⨁⨁⨁⨁
HOCH a,i

RR 2,65
(1,26 bis 5,55))*

27 pro 1.000

44 mehr pro 1.000
(7 mehr bis 122 mehr)

Nicht bewertet

Rektale Stenose

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁◯◯
GERING d
,f

RR 1,53
(0,27 bis 8,77)

38 pro 1.000

20 mehr pro 1.000
(28 weniger bis 299 mehr)

Wichtig 

[Bewertungen für Analstenose]

Anale Ulzeration

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT d,e,i

RR 4,59
(1,04 bis 20,21))*

38 pro 1.000

138 mehr pro 1.000
(2 mehr bis 739 mehr)

Wichtig

[Bewertungen für Radiodermatitis]

Späte gastrointestinale Toxizität

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT g

RR 1,06
(0,82 bis 1,38)

270 pro 1.000

16 mehr pro 1.000
(49 weniger bis 103 mehr)

Nicht bewertet

Urogenitale Toxizität (Gesamt)

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT f

RR 1,50
(0,76 bis 2,96)

46 pro 1.000

23 mehr pro 1.000
(11 weniger bis 89 mehr)

Nicht bewertet

Schwere urogenitale unerwünschte Wirkungen

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT f

RR 2,93
(0,31 bis 27,98)

4 pro 1.000

7 mehr pro 1.000
(2 weniger bis 95 mehr)

Nicht bewertet

Späte urogenitale unerwünschte Wirkungen

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT f

RR 0,92
(0,50 bis 1,73)

67 pro 1.000

5 weniger pro 1.000
(33 weniger bis 49 mehr)

Nicht bewertet

Leukopenie

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁⨁
HOCH h, i

RR 38,07
(2,31 bis 627,52))*

1 pro 1.000

37 mehr pro 1.000
(1 bis 627 mehr)

Nicht bewertet

Thrombozytopenie

577 Tln. mit Analkarzinom Stadium II-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁⨁
HOCH h, i

RR 28,31
(1,70 bis 472,29))*

1 pro 1.000

27 mehr pro 1.000
(1 bis 471 mehr)

Nicht bewertet

a. Moderates bis hohes Risiko für systematische Verzerrung der Ergebnisse.

b. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (0,8).

c. Konfidenzintervall umfasst den minimal bedeutsamen Unterschied (0,8).

d. Hohes Risiko für systematische Verzerrung der Ergebnisse.

e. Konfidenzintervall umfasst den minimal bedeutsamen Unterschied (1,25).

f. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (0,80; 1,25).

g. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (1,25).

h. Sehr breites Konfidenzintervall.

i. Großer, statistisch signifikanter Effekt.

* statistisch signifikanter Unterschied.

 

Evidence-to-decision-Framework, Radiochemotherapie oder alleinige Radiotherapie? 

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Ist die Frage / das Problem prioritär?

Aus Perspektive der Betroffenen ist die Frage von Relevanz, da eine alleinige Radiotherapie von Analkarzinomen im Vergleich zu einer kombinierten Radiochemotherapie für die Betroffenen mitunter einen weniger belastenden Eingriff darstellt.

Expertenbewertung

 

Wie substanziell sind die erwarteten erwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die Effektschätzer?

 

Unter kombinierter Radiochemotherapie statistisch signifikante Vorteile bzgl. CSM, CR, RFS, CFS (GRADE: ⨁⨁◯◯ GERING bis ⨁⨁⨁◯ MODERAT), kein statistisch signifikanter Vorteil bzgl. OS (GRADE: ⨁⨁◯◯ GERING).

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Wie substanziell sind die erwarteten unerwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die erwarteten Effekte?

 

Unter kombinierter Radiochemotherapie signifikant häufigeres Auftreten von Frühmorbidität, später kutaner Toxizität, Diarrhoe / schwerer GI-Toxizität, analer Ulzeration, Leukopenie und Thrombozytopenie (GRADE: ⨁⨁⨁◯ MODERAT bis ⨁⨁⨁⨁ HOCH).

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Gibt es bezüglich der Endpunkte, für die Daten vorliegen, Unsicherheit hinsichtlich der Werte und Präferenzen der Betroffenen?

Die erwünschten Effekte wurden hinsichtlich der Relevanz der jeweiligen Endpunkte überwiegend als „kritisch“ bewertet, die auftretenden unerwünschten Effekte überwiegend als „wichtig, aber nicht kritisch“. Zu verschiedenen, als „kritisch“ bewerteten Endpunkten (z.B. Lebensqualität, Stuhlinkontinenz, PFS) liegen keine Daten vor.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Überwiegen die erwünschten Effekte die unerwünschten Effekte?

Statistisch signifikante Vorteile bezüglich verschiedener kritischer Endpunkte bei zugleich bestehenden unerwünschten Effekten bzgl. verschiedener „wichtiger aber nicht kritischer“ Endpunkte.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Wie sind die Kosten und Nutzen im Verhältnis zu einander zu bewerten?

Keine umfassende Kosten-Effektivitätsanalyse für den Kontext der Gesundheitssysteme im deutschsprachigen Raum vorliegend. Aus Expertensicht wäre eine alleinige Radiotherapie in Hinblick auf die direkten Kosten nur dann kosteneffektiv, wenn daraus keine häufigere Interventionsbedürftigkeit entstünde. Hinsichtlich des Auftretens von Rezidiven, Residuen oder sonstigem Interventionsbedarf zeigt sich jedoch in beiden eingeschlossenen RCTs ein signifikant selteneres Auftreten unter kombinierter Radiochemotherapie.

Expertenbewertung

Welche Auswirkungen haben die Interventionen auf die Gerechtigkeit im Rahmen des Gesundheitssystems?

Keine relevanten Auswirkungen erwartet.

Expertenbewertung

Ist die Intervention für alle Stakeholder akzeptabel und implementierbar?

Keine Einschränkungen der Akzeptabilität und Implementierbarkeit erwartet.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Es liegen zwei RCTs vor, auf deren Grundlage eine evidenzbasierte Empfehlung für eine alleinige Radiotherapie oder für eine kombinierte Radiochemotherapie bei Patient*innen mit lokoregionalen Stadien des Analkarzinoms (Stadium II-III) erstellt werden kann. Für die Interpretation der Ergebnisse gilt einschränkend, dass keine separate Darstellung hinsichtlich verschiedener Lokalisationen (Analkanal- vs. Analrandkarzinom), Stadien, Geschlechter oder Komorbiditäten vorliegt. Zusammenfassend zeigen sich hinsichtlich verschiedener Effektivitätsendpunkte (krankheits-spezifische Mortalität, lokales Ansprechen, Rezidiv- und Stoma-freies Überleben) signifikante Vorteile für die Durchführung der kombinierten Radiochemotherapie (GRADE: geringes bis moderates Vertrauen in die Effektschätzer), bei zugleich bestehenden Nachteilen hinsichtlich einzelner früher und später unerwünschter Ereignisse (Frühmorbidität, Diarrhoe, späte kutane Toxizität, anale Ulzeration, Hämatotoxizität).

 
9.4 EvT 9.10

Für den Vergleich einer Radiochemotherapie mit 5-FU und Mitomycin mit einer Radiochemotherapie ausschließlich mit 5-FU bei Patient*innen mit Analkanalkarzinom der Stadien I-III wurde eine multizentrische RCT eingeschlossen, in der Ergebnisse von 291 Teilnehmer*innen berichtet wurden. In beiden Gruppen wurde 5-FU in einer Dosis von 1000 mg/m² an den Tagen d1–4 und d29–32 verabreicht; Teilnehmer*innen der Interventionsgruppe erhielten zudem Mitomycin 10 mg/m², an den Tagen d1 und d29 (im Fall von Hämatotoxizität in verringerter Dosierung während des zweiten Zyklus). Beide Gruppen erhielten eine Radiotherapie mit 45-50,4 Gy in 25 Fraktionen.

Radiochemotherapie Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU oder mit 5-FU alleine (Studiencharakteristika)

Referenz/ Studientyp

Interventionen

Untersuchte Population

Methodische Bemerkungen

 

Flam et al. 1996

 

Randomisierte kontrollierte Studie (multi-centre, open-label)

(A) 5-FU (1 000 mg/m², d1–4 und d29–32)

 

(B) MMC (10 mg/m², d1 + d29) + 5-FU (1 000 mg/m², d1–4 und d29–32) [zweiter MMC Zyklus reduziert auf 7,5mg/m² bei reduzierter Zellzahl]

 

In beiden Armen: 45-50,4 Gy / 25 Fraktionen über 5 Wochen ohne Pause (bis 10d Pause bei schweren Hautreaktionen)

Stadium I-III Analkanalkarzinome

 

N=310 randomisiert, 291 analysiert

 

(A) Mdn Alter: 59 Jahre, 60,7% weiblich

(B) Mdn Alter: 62,5 Jahre, 69,9% weiblich

 

T1: 44/291 (15,1%);

T2: 111/291 (38,1%);

T3: 109/291 (37,5%);

T4: 27/291 (9,3%);

 

N0: 240/291 (82,5%);

N1: 50/291 (17,2%);

Nx: 1/291 (0,3%);

Keine Daten zum Einschluss von HIV-positiven oder anderweitig immunkompromittierten Patient*innen.

 

RoB-II: some concerns

 Summary of Findings: Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU oder mit 5-FU alleine

 

Population: Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien I-III 

Setting: Primäre Therapieentscheidung

Intervention: Radiochemotherapie mit 5-Fluorouracil und Mitomycin C

Vergleich: Radiochemotherapie mit 5-Fluorouracil

 

Endpunkte

Teilnehmer
(Studien)

Vertrauen in den Effektschätzer
(GRADE)

Relativer Effekt
(95%-KI)

Erwartete absolute Effekte

Relevanz des Endpunkts

Risiko mit 5-FU

Risikodifferenz mit

5-FU + MMC

Gesamtüberleben

291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT a

HR 0,76
(0,47 bis 1,21)

670 pro 1.000

(4-Jahres-OS)

68 mehr pro 1.000
(54 weniger bis 158 mehr)

Kritisch

Vollständiges Ansprechen (Negative Biopsie nach 6 Wochen)

291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁⨁
HOCH

RR 1,03
(0,92 bis 1,15)**

793 pro 1.000

24 mehr pro 1.000
(63 weniger bis 119 mehr)

Kritisch

Rezidivfreies Überleben

291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁⨁
HOCH

HR 0,50
(0,33 bis 0,76)*

510 pro 1.000

(4-Jahres-RFS)

204 mehr pro 1.000
(93 bis 291 mehr)

Kritisch

Stomafreies Überleben

291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT b

HR 0,59
(0,39 bis 0,90)*

590 pro 1.000

(4-Jahres-SFÜ)

162 mehr pro 1.000
(36 bis 259 mehr)

Kritisch

Die stratifizierte Analyse nach T-Klassifikation im Rahmen der Publikation zeigt, dass der signifikante Vorteil des kombinierten Chemotherapie-Regimes hinsichtlich des Stoma-freien Überlebens v.a. für T3- und T4-Tumoren, nicht jedoch für T1- und T2-Tumoren, gilt.

Therapieassoziierte Todesfälle

291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT c

RR 3,97
(0,45 bis 35,12)

7 pro 1.000

20 mehr pro 1.000
(4 weniger bis 235 mehr)

Nicht bewertet

Frühmorbidität

291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁⨁
HOCH

RR 2,88
(1,46 bis 5,69)*

69 pro 1.000

130 mehr pro 1.000
(32 bis 323 mehr)

Wichtig

Spätmorbidität

291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT d

RR 6,95
(0,87 bis 55,80)

7 pro 1.000

41 mehr pro 1.000
(1 weniger bis 378 mehr)

Kritisch

Grad 4 Toxizität (früh und spät)

291 Tln. mit Analkanalkarzinom Stadium I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁⨁
HOCH

RR 3,38
(1,73 bis 6,58)*

69 pro 1.000

164 mehr pro 1.000
(50 bis 385 mehr)

Nicht bewertet

a. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (0,8).

b. Konfidenzintervall umfasst den minimal bedeutsamen Unterschied (0,8).

c. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (0,80; 1,25).

d. Konfidenzintervall umfasst sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied (1,25).

* statistisch signifikanter Unterschied

** enges Konfidenzintervall um die Gleichwertigkeitslinie.

 

Evidence-to-decision-Framework, Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU oder mit 5-FU alleine?

 

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Ist die Frage / das Problem prioritär?

Aus Perspektive der Betroffenen ist die Frage von Relevanz, da eine Radiochemotherapie mit 5-FU alleine im Vergleich zu einer Radiochemotherapie mit MMC + 5-FU für die Betroffenen möglicherweise weniger belastend, aber auch weniger effektiv ist.

Expertenbewertung

 

Wie substanziell sind die erwarteten erwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die Effektschätzer?

Unter Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU statistisch signifikante Vorteile bzgl. RFS und CFS (GRADE: ⨁⨁⨁◯ MODERAT bis ⨁⨁⨁⨁ HOCH); Gleichwertigkeit bzgl. CR (GRADE: ⨁⨁⨁⨁ HOCH); kein statistisch signifikanter Vorteil bzgl. OS (GRADE: ⨁⨁⨁◯ MODERAT).

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Wie substanziell sind die erwarteten unerwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die erwarteten Effekte?

Unter Radiochemotherapie mit MMC und 5-FU statistisch signifikant häufigeres Auftreten von Frühmorbidität und Grad 4 Toxizität (früh und spät), kein statistisch signifikant häufigeres Auftreten von Therapieassoziierten Todesfällen und Spätmorbidität (GRADE: ⨁⨁⨁◯ MODERAT bis ⨁⨁⨁⨁ HOCH).

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Gibt es bezüglich der Endpunkte, für die Daten vorliegen, Unsicherheit hinsichtlich der Werte und Präferenzen der Betroffenen?

Die erwünschten Effekte wurden hinsichtlich der Relevanz der jeweiligen Endpunkte überwiegend als „kritisch“ bewertet, die auftretenden unerwünschten Effekte überwiegend als „wichtig, aber nicht kritisch“. Zu verschiedenen, als „kritisch“ bewerteten Endpunkten (z.B. Lebensqualität, Stuhlinkontinenz, PFS, EFS) liegen keine Daten vor.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Überwiegen die erwünschten Effekte die unerwünschten Effekte?

Statistisch signifikante Vorteile bezüglich verschiedener kritischer Endpunkte bei zugleich bestehenden unerwünschten Effekten bzgl. verschiedener wichtiger aber nicht kritischer Endpunkte.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Wie sind die Kosten und Nutzen im Verhältnis zu einander zu bewerten?

Keine umfassende Kosten-Effektivitätsanalyse für den Kontext der Gesundheitssysteme im deutschsprachigen Raum vorliegend. Aus Expertensicht wäre eine Radiochemotherapie in Hinblick auf die direkten Kosten nur dann kosteneffektiv, wenn daraus keine häufigere Interventionsbedürftigkeit entstünde. Hinsichtlich des Auftretens der Erforderlichkeit einer Colostomie, APR oder sonstigen chirurgischen Interventionen zeigt sich jedoch eine statistisch signifikant niedrigere Rate für die Radiochemotherapie mit MMC + 5-FU im Vergleich zu 5-FU.

Expertenbewertung

Welche Auswirkungen haben die Interventionen auf die Gerechtigkeit im Rahmen des Gesundheitssystems?

Keine relevanten Auswirkungen erwartet.

Expertenbewertung

Ist die Intervention für alle Stakeholder akzeptabel und implementierbar?

Keine Einschränkungen der Akzeptabilität und Implementierbarkeit erwartet.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Es liegt eine RCT vor, auf deren Grundlage eine evidenzbasierte Empfehlung für eine Radiochemotherapie mit 5-FU und Mitomycin oder für eine Radiochemotherapie nur mit 5-FU bei Patient*innen mit lokoregionalen Stadien des Analkarzinoms (Stadium I-III) erstellt werden kann. Zusammenfassend zeigen sich – bei gleichzeitig bestehender Äquivalenz der beiden Regime hinsichtlich des lokalen Ansprechens – signifikante Vorteile bezüglich des Rezidiv- und Stoma-freien Überlebens für das kombinierte Chemotherapie-Regime (GRADE: moderates bis hohes Vertrauen in die Effektschätzer). Die nach T-Stadien stratifizierte Analyse zeigt, dass sich der signifikante Vorteil bezgl. des Stoma-freien Überlebens für das kombinierte Chemotherapie-Regime auf T3- und T4-Tumore beschränkt, nicht jedoch T1- und T2-Tumore betrifft. Zugleich bestehen Nachteile des kombinierten Therapie-Regimes hinsichtlich einer häufiger auftretenden Frühmorbidität sowie der frühen und späten Grad 4 Toxizität (GRADE: hohes Vertrauen in die Effektschätzer).

9.13 EvT 9.16

Für den Vergleich einer Radiochemotherapie mit Intensitäts-modulierter Radiotherapie (IMRT) und konventioneller bzw. 3D Radiotherapie bei Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien I-III wurden insgesamt acht Studien eingeschlossen, darunter eine kleine monozentrische RCT (N=20), drei Register-basierte Studien aus den USA und vier monozentrische retrospektiv vergleichende Kohortenstudien. Teilnehmer*innen in den Studien erhielten teils eine auf dem Nigro-Protokoll basierende Chemotherapie, teils aber auch gemischte oder abweichende Regime. Die Radiotherapie bestand aus Dosen von 45 bis 60 Gy, teils mit integriertem, teils mit seriellem Boost.

 

Radiochemotherapie mit IMRT oder konventioneller / 3D RTx (Studiencharakteristika)

Referenz/ Studientyp

Interventionen

Untersuchte Population

Methodische Bemerkungen

Rattan et al. 2016

 

Randomisierte kontrollierte Studie (single-centre, open-label)

(A) IMRT über 5 Wochen, 45 Gy, 25 Fraktionen

 

(B) 3D RTx über 5 Wochen, 45 Gy, 25 Fraktionen

 

In beiden Gruppen: 5-FU (375 mg/m²) + CDDP (30 mg/m²)

wöchentlich

Stadium I-III Analkanalkarzinome

 

N=20 randomisiert

 

(A) Mdn Alter: 53,3 Jahre, 30% weiblich

(B) Mdn Alter: 50,1 Jahre, 40% weiblich

 

T1: 0/20 (0,0%);

T2: 5/20 (25,0%);

T3: 15/20 (75,0%)

 

N0: 5/20 (25,0%);

N1: 10/20 (50,0%);

N2: 4/20 (20,0%);

N3: 1/20 (5,0%)

Wenige Baselinedaten berichtet, wenig Informationen zu Ein- und Ausschlusskriterien sowie zur Methodik. Ergebnisse nicht separat für Stadien berichtet. Keine Daten zum Einschluss HIV-pos. Pat.

 

RoB-II: some concerns

 

Bryant et al. 2018

 

Register-basierte, vergleichende Kohortenstudie (National US Veterans Affairs database, 2000-2015)

(A) IMRT (MW: 53,5 Gy)

 

(B) 3D RTx (MW: 53,1 Gy)

 

In beiden Gruppen: Chemotherapy nicht spezifiziert; Mitomycin-basiertes Regime: 621/779 (79,7%)

Stadium I-III Analkarzinome

 

N=779

 

(A) MW Alter: 62 Jahre, 9,6% weiblich

(B) MW Alter: 60 Jahre, 6,5% weiblich

 

T1: 136/779 (17,5%);

T2: 382/779 (49,0%);

T3: 217/779 (27,9%);

T4: 44/779 (5,6%)

 

N0: 536/779 (68,8%);

N1: 63/779 (8,1%);

N2: 94/779 (12,1%);

N3: 86/779 (11,0%)

 

Stadium I: 116/779 (14,9%);

Stadium II: 402/779 (51,6%);

Stadium III: 261/779 (33,5%)

 

159/779 (20,4%) HIV-pos.

In der IMRT-Gruppe häufiger Stadium III, fortgeschrittener LK-Befall, und Mitomycin-basiertes Chemotherapie-Regime. Insgesamt zeitlicher Zusammenhang in der Anwendung von IMRT vs. 3D RTx.

 

ROBINS-I: serious risk of bias

Chuong et al. 2013

 

Retrospektive, vergleichende Kohortenstudie (single-centre chart review, 2000-2011)

 

(A) IMRT, teils mit sequenziellem, teils mit integriertem Boost; RTx bis ca. 60 Gy in 1,8-2 Gy Fraktionen

 

(B) 3D RTx 45 Gy in 1,8-2 Gy Fraktionen ODER 30,6 Gy + Boost mit 14,4 Gy in 1,8 Gy Fraktionen

 

In beiden Gruppen: 5-FU (1 000 mg/m², d1–4 und d29–32) + MMC (10 mg/m², d1 und d29)

Stadium I-III Analkanalkarzinome

 

N=89

 

(A) Mdn Alter: 59 Jahre, 76,9% weiblich

(B) Mdn Alter: 55 Jahre, 86,5% weiblich

 

T1: 18/89 (20,2%);

T2: 35/89 (39,3%);

T3: 27/89 (30,3%);

T4 9/89 (10,1%)

 

N0: 60/89 (67,4%);

N1: 10/89 (11,2%);

N2: 12/89 (13,5%);

N3: 7/89 (7,9%)

 

Stadium I: 15/89 (16,9%);

Stadium II: 42/89 (47,2%);

Stadium IIIa: 8/89 (9,0%);

Stadium IIIb: 24/89 (27,0%)

In der IMRT-Gruppe häufiger Stadium III. Insgesamt zeitlicher Zusammenhang in der Anwendung von IMRT vs. 3D RTx (Änderung des Standards im Zentrum). Unterschiede des Stadiums möglicherweise bedingt durch Staging mittels PET-CT (häufiger in der IMRT-Gruppe). Keine Angaben zum Einschluss HIV-pos. Pat.

 

ROBINS-I: moderate risk of bias

Elson et al. 2018

 

Register-basierte, vergleichende Kohortenstudie mit Propensityscore-Auswertung (US National Cancer database, 2004-2013)

(A) MRT mit 36-59,4 Gy in 25-40 Fraktionen

 

(B) 3D RTx mit 36-59,4 Gy in 25-40 Fraktionen

 

In beiden Gruppen: Chemotherapie war ein Einschlusskriterium, keine weiteren Angaben

Stadium I-III Analkanalkarzinome

 

N=4378

 

(A) MW Alter: 59,8 Jahre, 69,6% weiblich

(B) MW Alter: 59,1 Jahre, 71,2% weiblich

 

Stadium I: 891/6814 (13,1%);

Stadium II: 3194/6814 (46,9%);

Stadium III: 2729/6814 (40,0%)

Propensity score-Analyse. Keine Angaben zur Art der Chemotherapie. Keine Angaben zum Einschluss HIV-pos. Pat.

 

ROBINS-I: moderate risk of bias

Koerber et al. 2014  und Koerber et al. 2019

 

Retrospektive, vergleichende Kohortenstudie (single-centre chart review, 2000-2011)

(A) IMRT, Dosis Median: Primärtumor und betroffene LK: 54,5 Gy; elektive LK: 45,0 Gy

 

(B) 3D RTx, Dosis Median: Primärtumor und betroffene LK: 54,0 Gy; elektive LK: 45,0 Gy

 

In beiden Gruppen: verschiedene Chemotherapie-Regime (5-FU (1 000 mg/m², d1–5 und d29–33) + MMC (10 mg/m2, d1 + d29): 75,2%; nur 5-FU: 2,9%; 5-FU + CDDP: 1,9%; Cetuximab: 4,8%; keine Chemotherapie: 15,2%)

Stadium I-III Analkarzinome

 

N=105

 

(A) Mdn Alter: 54 Jahre, 80,9% weiblich

(B) Mdn Alter: 61 Jahre, 97,3% weiblich

 

T1: 20/105 (19,0%);

T2: 54/105 (51,4%);

T3: 19/105 (18,1%);

T4: 12/105 (11,4%)

 

N0: 79/105 (75,2%);

N1: 9/105 (8,6%);

N2: 9/105 (8,6%);

N3: 8/105 (7,6%);

 

M0: 103/105 (98,1%);

M1: 2/105 (1,9%)

Die Autor*innen berichten keine signifikanten Baseline-Charakteristika der Gruppen, allerdings ist unklar, welche Variablen hierbei berücksichtigt wurden. Einige Angaben (z.B. Stadium, Art der Chemotherapie) sind nicht separat für die Gruppen berichtet. Keine Angaben zum Einschluss HIV-pos. Pat. Daten zur Lebensqualität und unerwünschten Wirkungen wurden teilweise ausschließlich unter den 70 überlebenden weiblichen Patientinnen mittels Fragebogen erhoben. [64]

 

ROBINS-I: serious risk of bias

Pollom et al. 2017

 

Register-basierte, vergleichende Kohortenstudie (US SEER registry, kombiniert mit Daten von Medicare claims, 2001-2011)

(A) IMRT

 

(B) 3D RTx

 

In beiden Gruppen: verschiedene Chemotherapie-Regime (MMC-basiert: 75,4%; CDDP-basiert: 11,0%; andere: 13,6%)

Stadium I-III Analkarzinome

 

N=1165

 

Mdn Alter: 70 Jahre, 64,5% weiblich

 

T1: 192/1165 (16,5%);

T2: 401/1165 (34,4%);

T3: 165/1165 (14,2%);

T4: 71/1165 (6,1%);

Unbekannt: 336/1165 (28,8%)

 

N0: 826/1165 (70,9%);

N1: 64/1165 (5,5%);

N2: 107/1165 (9,2%);

N3: 53/1165 (4,5%);

Unbekannt: 115/1165 (9,9%)

 

Stadium I: 156/1165 (13,4%);

Stadium II: 409/1165 (35,1%);

Stadium III: 273/1165 (23,4%);

Unbekannt: 327/1165 (28,1%)

 

95/1165 (8,2%) HIV-pos.

Zeitlicher Zusammenhang in der Anwendung von IMRT vs. 3D RTx, und damit auch anderer relevanter Variablen, z.B. Erhalt eines PET-CT. Pat. In der IMRT-Gruppe erhielten häufiger 2 Zyklen MMC- oder Cisplatin-basierter Chemotherapie. Nur Pat., die eine Chemotherapie > 15d erhielten, wurden eingeschlossen.

 

Aufgrund der möglichen substanziellen Überschneidung von Patientenpopulationen mit Elson et al. 2018 wurden Daten für gleiche Endpunkte nicht aus beiden Publikationen eingeschlossen.

 

ROBINS-I: moderate risk of bias

Spencer et al. 2014

(Nur Konferenzabstract)

 

Retrospektive, vergleichende Kohortenstudie (single-centre chart review, 2003-2013)

(A) IMRT (Mdn: 52,3 Gy), teils mit integriertem, teils mit sequenziellem Boost

 

(B) 3D RTx (Mdn: 50,6 Gy)

 

In beiden Gruppen: verschiedene Chemotherapie-Regime (MMC + 5-FU: 85,5%)

Stadium I-III Analkarzinome

 

N=110

Nur als Konferenzabstract publiziert, wenige relevante Daten verfügbar. Die Autor*innen berichten, es gebe keine Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich Alter, Geschlecht, HIV-Status, T-, N- und AJCC-Stadium, sowie der RTx-Dosis.

 

ROBINS-I: serious risk of bias

Weber et al. 2015

 

Retrospektive, vergleichende Kohortenstudie (single-centre chart review, 1992-2014)

(A) IMRT, 50,4 Gy in 1,8 Gy Fraktionen

 

(B) 3D RTx, 50,4 Gy in 1,8 Gy Fraktionen

 

In beiden Gruppen: 5-FU (1 000 mg/m², d1–4 und d29–32) + MMC (10 mg/m2, d1 und d29); CDDP wenn MMC kontraindiziert war

Stadium I-III Analkarzinome

 

N=103

 

(A) Mdn Alter: 55,4 Jahre, 64,7% weiblich

(B) Mdn Alter: 64,5 Jahre, 69,8% weiblich

 

T1: 15/103 (14,6%);

T2: 46/103 (44,7%);

T3: 29/103 (28,1%);

T4: 13/103 (12,6%);

 

N0: 71/103 (68,9%);

N1: 14/103 (13,6%);

N2: 13/103 (12,6%);

N3: 5/103 (4,9%);

 

Stadium I: 12/103 (11,7%);

Stadium II: 53/103 (51,4%);

Stadium IIIA: 18/103 (17,5%);

Stadium IIIB: 20/103 (19,4%)

Baseline-Charaktersistika nezgl. Geschlecht und Alter nicht signifikant unterschiedlich zwischen den Gruppen. Keine Angaben zum Einschluss HIV-pos. Pat.

 

ROBINS-I: serious risk of bias

 

Summary of Findings, Radiochemotherapie mit IMRT oder konventioneller / 3D-RTx 

Population: Patient*innen mit Analkarzinom der Stadien I-III 

Setting: Primäre Therapieentscheidung

Intervention: Radiochemotherapie mit IMRT

Vergleich: Radiochemotherapie mit konventioneller RTx

 

Endpunkte

Teilnehmer
(Studien)

Vertrauen in den Effektschätzer
(GRADE)

Relativer Effekt
(95%-KI)

Erwartete absolute Effekte

Relevanz des Endpunkts

Risiko mit konventioneller / 3D RTx

Risikodifferenz mit

IMRT

„Erhebliche Verschlechterung der Lebensqualität“

47 weibliche Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,d

RR 0,71
(0,32 bis 1,57)

429 pro 1.000

124 weniger pro 1.000
(291 weniger bis 244 mehr)

Kritisch

[Bewertungen für Lebensqualität]

Gesamtüberleben

5246 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 3 vergleichenden Kohortenstudien

⨁◯◯◯
SEHR GERING a,c

HR 0,86
(0,76 bis 0,98)*

795 pro 1.000

(3-Jahres-OS) [58]

26 mehr pro 1.000
(4 bis 45 mehr)

Kritisch

Koerber et al. 2014 sowie Spencer et al. 2014 berichten von keinem statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich des Gesamtüberlebens für IMRT im Vergleich zu 3D RTx (3 Jahres-OS: 82,9% vs. 70,3%, p=0,07; bzw. 2-Jahres-OS: 88% vs. 88%, p=0,4).

Krankheitsspezifisches Überleben

1944 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien

⨁◯◯◯
SEHR GERING a,c

HR 0,74
(0,55 bis 0,99)*

857 pro 1.000

(2-Jahres-DSS) [58]

35 mehr pro 1.000
(1 bis 62 mehr)

Kritisch

Vollständiges Ansprechen

20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT b

RR 1,00
(0,49 bis 2,05)

600 pro 1.000

0 weniger pro 1.000
(306 weniger bis 630 mehr)

Kritisch

Residuum, lokales Versagen

20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT [57] und 110 Tln. mit Analkarzinom in undef. Stadium aus 1 vergl. Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,c

RR 0,56
(0,20 bis 1,60)

316 pro 1.000

139 weniger pro 1.000
(253 weniger bis 189 mehr)

Kritisch

(Lokales Versagen)

Lokoregionale Kontrolle

192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,c

HR 0,46
(0,15 bis 1,39)

908 pro 1.000

(3-Jahres-LRC) [61]

49 mehr pro 1.000
(34 weniger bis 78 mehr)

Kritisch

Koerber et al. 2014 berichten ebenfalls von keinem statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich der lokoregionalen Kontrolle für IMRT im Vergleich zu 3D RTx (3 Jahres-LC: 75,3% vs. 78,3%, p>0,99) während Spencer et al. 2014 hinsichtlich des lokalen Rezidivfreien Überlebens von einem signifikanten Vorteil berichten (2-Jahres-lokales RFS: 95% vs. 72%, p<0,01).

Krankheitsfreies Überleben

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING a,d

HR 0,31
(0,09 bis 1,05)

725 pro 1.000

(2-Jahres-DFS) [63]

180 mehr pro 1.000
(12 weniger bis 246 mehr)

Kritisch

Spencer et al. 2014 berichten ebenfalls von keinem statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich des Rezidivfreien Überlebens für IMRT im Vergleich zu 3D RTx (2-Jahres-RFS: 86% vs. 72%, p=0,09).

Metastasenfreies Überleben

89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b

HR 0,47
(0,09 bis 2,46)

823 pro 1.000

(3-Jahres-MFS) [61]

90 mehr pro 1.000
(204 weniger bis 160 mehr)

Nicht bewertet

Weber et al. 2015 berichten ebenfalls von keinem statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich des Metastasenfreien Überlebens für IMRT im Vergleich zu 3D RTx (2-Jahres-MFS: 100% vs. 89,7%, p=0,35).

Stomafreies Überleben

89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b

HR 0,75
(0,07 bis 8,18)

913 pro 1.000

(3-Jahres-CFS) [61]

21 mehr pro 1.000
(438 weniger bis 81 mehr)

Kritisch

Grad 2/3 Stuhlinkontinenz

105 Tln. mit Analkarzinom in nicht spezifiziertem Stadium aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,f

RR 0,11

(0,01 bis 2,24)

54 pro 1.000

48 weniger pro 1.000
(54 weniger bis 67 mehr)

Kritisch

Hospitalisierung

1165 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING e

HR 1,43
(1,19 bis 1,72)*

521 pro 1.000

(6-Monate-Hospitalisierung kumulativ) [58]

127 weniger pro 1.000
(61 bis 195 weniger)

Wichtig

[Bewertungen für Arbeitsunfähigkeit]

Parenterale Flüssigkeitssubstitution erforderlich

20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT a

RR 0,17
(0,02 bis 1,14)

600 pro 1.000

498 weniger pro 1.000
(588 weniger bis 84 mehr)

Nicht bewertet

Schmerzmedikation Stufe II erforderlich

20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT

⨁⨁⨁◯
MODERAT b

RR 0,63
(0,31 bis 1,25)

800 pro 1.000

296 weniger pro 1.000
(552 weniger bis 200 mehr)

Nicht bewertet

Akute Grad 3/4 nicht-hämatologische Toxizität

192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien

⨁◯◯◯
SEHR GERING c,e,g

RR 0,47
(0,26 bis 0,87)*

553 pro 1.000

293 weniger pro 1.000
(409 weniger bis 72 weniger)

Nicht bewertet

Akute Grad 2-4 gastrointestinale unerwünschte Wirkungen

20 Tln. aus 1 RCT und 89 Tln. aus 1 vergleichenden Kohortenstudie jeweils mit Analkanalkarzinom St. I-III

⨁⨁⨁◯
MODERAT e,g

RR 0,47
(0,27 bis 0,81)*

426 pro 1.000

226 weniger pro 1.000
(311 weniger bis 81 weniger)

Nicht bewertet

Späte Grad 3-4 gastrointestinale unerwünschte Wirkungen

89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁⨁◯◯
GERING e,g

RR 0,24
(0,07 bis 0,82)*

243 pro 1.000

185 weniger pro 1.000
(226 weniger bis 44 weniger)

Nicht bewertet

Grad 3 Proktitis

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,d

RR 0,54
(0,03 bis 9,54)

47 pro 1.000

21 weniger pro 1.000
(45 weniger bis 397 mehr)

Wichtig

Grad 3 Enteritis

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,d

RR 1,26
(0,29 bis 5,44)

93 pro 1.000

24 mehr pro 1.000
(66 weniger bis 413 mehr)

Nicht bewertet

Grad 2-4 hämatologische unerwünschte Wirkungen (gesamt)

20 Tln. mit Analkanalkarzinom St. I-III aus 1 RCT und 882 Tln. mit Analkarzinom St. I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien

⨁⨁◯◯
MODERAT b,c

RR 0,95
(0,58 bis 1,55)

343 pro 1.000

17 weniger pro 1.000
(144 weniger bis 188 mehr)

Nicht bewertet

Grad 3/4 Leukopenie

192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,c

RR 0,78
(0,45 bis 1,36)

203 pro 1.000

45 weniger pro 1.000
(112 weniger bis 73 mehr)

Nicht bewertet

Grad 3/4 Thrombozytopenie

192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien

⨁◯◯◯
SEHR GERING c,e

RR 2,59
(0,89 bis 7,57)

41 pro 1.000

65 mehr pro 1.000
(4 weniger bis 267 mehr)

Nicht bewertet

Grad 3/4 Anämie

192 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 2 vergleichenden Kohortenstudien

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,c

RR 0,85
(0,35 bis 2,07)

73 pro 1.000

11 weniger pro 1.000
(48 weniger bis 78 mehr)

Nicht bewertet

Grad 3/4 Dermatitis

297 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 3 vergleichenden Kohortenstudien

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,c

RR 0,45
(0,18 bis 1,11)

606 pro 1.000

333 weniger pro 1.000
(497 weniger bis 67 mehr)

Wichtig

[Bewertungen für Radiodermatitis]

Akute Grad 3/4 urogenitale unerwünschte Wirkungen (gesamt)

89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING f

RR 0,14
(0,01 bis 2,90)

54 pro 1.000

46 weniger pro 1.000
(54 weniger bis 103 mehr)

Nicht bewertet

Späte Grad 3/4 urogenitale unerwünschte Wirkungen (gesamt)

89 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

Relatives Risiko nicht ermittelbar bei 0 Ereignissen in jeder Gruppe

-

-

Nicht bewertet

Grad 3 Zystitis

103 Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,d

RR 1,69
(0,19 bis 15,26)

35 pro 1.000

24 mehr pro 1.000
(28 weniger bis 497 mehr)

Nicht bewertet

Grad 3 Vaginalstenose

47 weibliche Tln. mit Analkarzinom Stadium I-III aus 1 vergleichenden Kohortenstudie

⨁◯◯◯
SEHR GERING b,d

RR 1,50
(0,74 bis 3,06)

333 pro 1.000

167 mehr pro 1.000
(87 weniger bis 687 mehr)

Wichtig

- kritisch

a. Konfidenzintervall umfasst minimal bedeutsamen Unterschied (0,80).

b. Konfidenzintervall schneidet sowohl die Gleichwertigkeitslinie (1,00) als auch den minimal bedeutsamen Unterschied in beide Richtungen (0,80; 1,25).

c. Moderates bis hohes Risiko für systematische Verzerrung der Ergebnisse;

d. Hohes Risiko für systematische Verzerrung der Ergebnisse.

e. Konfidenzintervall umfasst den minimal bedeutsamen Unterschied (0,80 bzw. 1,25).

f. Sehr breites Konfidenzintervall; umfasst Gleichwertigkeitslinie (1,00) und den minimalen bedeutsamen Unterschied in beide Richtungen (0,80; 1,25).

g. Großer, statistisch signifikanter Effekt.

* statistisch signifikanter Unterschied

 

Evidence-to-decision-Framework, Radiochemotherapie mit IMRT oder konventioneller / 3D RTx? 

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Ist die Frage / das Problem prioritär?

Die Identifikation einer effektiven kombinierten Radiochemotherapie, die mit einer geringen Belastung für die Betroffenen einhergeht ist von großer Relevanz.

Expertenbewertung

 

Wie substanziell sind die erwarteten erwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die Effektschätzer?

Unter Radiochemotherapie mit IMRT im Vergleich zu Radiochemotherapie mit 3D-Bestrahlung statistisch signifikante Vorteile bzgl. OS und DSS (GRADE: ⨁◯◯◯ SEHR GERING); keine statistisch signifikanten Unterschiede bzgl. LC bzw. LRC, DFS, MFS und CFS.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Wie substanziell sind die erwarteten unerwünschten Effekte? Wie groß ist das Vertrauen in die erwarteten Effekte?

Unter Radiochemotherapie mit IMRT statistisch signifikante Vorteile bzgl. Hospitalisierung, Grad 3-4 nicht-hämatologischen sowie früher und später gastrointestinaler Toxizität (GRADE: ⨁◯◯◯ SEHR GERING bis ⨁⨁⨁◯ MODERAT); keine statistisch signifikanten Unterschiede bzgl. der Erforderlichkeit von parenteraler Flüssigkeitssubstitution sowie Schmerzmedikation, Grad 3 Proktitis und Enteritis, Grad 2-4 hämatologischen unerwünschten Effekten, Grad 3-4 Leukozyto- und Thrombozytopenie, Anämie, Grad 3-4 Dermatitis und urogenitalen unerwünschten Effekten, einschließlich der Grad 3 Vaginalstenose.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Gibt es bezüglich der Endpunkte, für die Daten vorliegen, Unsicherheit hinsichtlich der Werte und Präferenzen der Betroffenen?

Alle Endpunkte, für die statistisch signifikante Unterschiede aufgezeigt wurden, deuten auf Vorteile der Durchführung der Radiochemotherapie mittels IMRT im Vergleich zur Radiochemotherapie mit 3D-Bestrahlung hin. Zu verschiedenen, als „kritisch“ bewerteten Endpunkten (z.B. ereignisfreies Überleben, Stuhlinkontinenz) liegen keine Daten vor.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Überwiegen die erwünschten Effekte die unerwünschten Effekte?

Es zeigen sich sowohl hinsichtlich der Effektivität als auch hinsichtlich der unerwünschten Effekte für verschiedene Endpunkte statistisch signifikanten Vorteile für die IMRT im Vergleich zur 3D RTx.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Wie sind die Kosten und Nutzen im Verhältnis zu einander zu bewerten?

Keine umfassende Kosten-Effektivitätsanalyse für den Kontext der Gesundheitssysteme im deutschsprachigen Raum vorliegend.

Expertenbewertung

Welche Auswirkungen haben die Interventionen auf die Gerechtigkeit im Rahmen des Gesundheitssystems?

Keine relevanten Auswirkungen erwartet.

Expertenbewertung

Ist die Intervention für alle Stakeholder akzeptabel und implementierbar?

Keine Einschränkungen der Akzeptabilität und Implementierbarkeit erwartet.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Es liegt Evidenz aus einer RCT und sieben Beobachtungsstudien vor, auf deren Grundlage eine evidenzbasierte Empfehlung für die Verabreichung der Bestrahlungsdosis im Rahmen der Radiochemotherapie mittels IMRT oder 3D Radiotherapie bei Patient*innen mit lokoregionalen Stadien des Analkanalkarzinoms (Stadium I-III) erstellt werden kann. Bezüglich des Gesamt- und des krankheitsspezifischen Überlebens zeigen sich statistisch signifikante Vorteile für die Durchführung der IMRT im Rahmen der kombinierten Radiochemotherapie (GRADE: sehr geringes Vertrauen in die Effektschätzer). Hinsichtlich aller sonstigen in den Studien untersuchten Effektivitäts-Endpunkte (vollständiges Ansprechen, krankheitsfreies Überleben, stomafreies Überleben, etc.) zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Applikationsformen für die Bestrahlung (GRADE: sehr geringes bis moderates Vertrauen in die Effektschätzer). Für das Auftreten einzelner unerwünschter Wirkungen (Hospitalisierung, akute und späte Grad 3/4 gastrointestinale unerwünschte Wirkungen, akute Grad 3/4 nicht-hämatologische Toxizität) zeigt sich jedoch eine signifikante Überlegenheit der IMRT (GRADE: sehr geringes bis moderates Vertrauen in die Effektschätzer).

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