24. Versorgungsstrukturen – Zervixkarzinom
Wesentliche Neuerungen im Kapitel Versorgungsstrukturen
Das Kapitel wurde redaktionell komplett überarbeitet. Neue Ergebnisse aus Beobachtungsstudien und Jahresberichten der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) wurden ergänzt. Neue Empfehlungen oder Statements wurden nicht generiert.
Neue Informationen liegen zu folgenden Themenbereichen vor:
Zusammenfassung des Jahresberichts DKG-zertifizierte Gynäkologische Krebszentren
Behandlungsqualität in DKG-zertifizierten Gynäkologischen Krebszentren.
Wirkung des Zervixkarzinomscreenings.
Einführung von Leistungsgruppen.
24.1 Vorbemerkungen
O. Ortmann, M.W. Beckmann, F. A. Stübs, S. Schüler-Toprak
Die Datenlage zur Bewertung der Qualität von Versorgungsstrukturen in der Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Zervixkarzinoms hat sich in den letzten Jahren verbessert. Das Zervixkarzinom ist vermeidbar und bei frühzeitiger Diagnosestellung heilbar. Es wurden Strukturen geschaffen, die Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge umfassend regeln und damit zu besseren Ergebnissen führen. Diese Strukturen werden kontinuierlich weiterentwickelt. Ziele zur Verbesserung der Krebsfrüherkennung, Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen, Sicherstellung einer effizienten onkologischen Behandlung und Stärkung der Patientinnenorientierung werden im Nationalen Krebsplan (http://www.bmg.bund.de/praevention/nationaler-krebsplan.html ) beschrieben. Die Notwendigkeit zur Evaluation der Versorgungssituation in Deutschland wurde erkannt. Dazu sind Studien zur Erhebung der Langzeit-Ergebnisse und der Ausbildungssituation erforderlich. Durch systematische Datenerfassung und -auswertung können Landeskrebsregister hierbei eine relevante Rolle spielen. Aufgrund bisher vorliegender Daten und Erfahrungen wird der Nationale Krebsplan derzeit überarbeitet.
24.2 Behandlung in onkologischen Zentren
Patientinnen mit einem Zervixkarzinom sollen durch ein multiprofessionelles interdisziplinäres Team in zertifizierten Gynäkologischen Krebszentren behandelt werden. Dieses besteht aus einem sektorenübergreifenden Netzwerk, das die gesamte Versorgungskette von Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge gewährleistet.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [912]
Änderungshinweis
Patientinnen mit einem Zervixkarzinom sollten von einem interdisziplinären Team behandelt werden. Dieses Team sollte im sektorenübergreifenden Netzwerk alle notwendigen Fachdisziplinen beinhalten. Dies wird am ehesten in einem zertifizierten Zentrum realisierbar sein.Evidenztabellen (1)
Bats et al. 201524.2.1 Interdisziplinäre und sektorübergreifende Versorgung
Die Versorgung der Patientin mit Verdacht auf Zervixkarzinom beziehungsweise der Diagnose Zervixkarzinom ist eine interdisziplinäre und sektorübergreifende Aufgabe. Damit für die Patientin ein optimales Behandlungsergebnis erreicht werden kann, ist es erforderlich, dass die verschiedenen Strukturen und handelnden Personen entlang der Versorgungskette aufeinander abgestimmt interdisziplinär und kooperativ zusammen arbeiten [913], [914]. Grundlage für diese Versorgung ist die im Rahmen des Nationalen Krebsplans aufgestellte Definition von Zentren: „Ein Netz von qualifizierten und gemeinsam zertifizierten, interdisziplinären und transsektoralen, ggf. standortüber-greifenden Einrichtungen (Krankenhäuser, Praxen, Rehabilitationseinrichtungen), die, sofern fachlich geboten, möglichst die gesamte Versorgungskette für Betroffene abbilden, bildet ein Zentrum“ [913]. Ergebnisse von Befragungen in zertifizierten Brust- und Darmkrebszentren konnten zeigen, dass die Umsetzung des beschriebenen Zentrumskonzepts aus Sicht der Leistungserbringer positive Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung der Patientinnen in den zertifizierten Netzwerken hat [915], [916] und zudem die Patientinnenzufriedenheit sehr hoch ist [917]. Darüber hinaus zeigen die Auswertungen der leitlinienbasierten Qualitätsindikatoren in zertifizierten Zentren, dass die Leitlinieninhalte gut umgesetzt werden und die Patientinnen entsprechend leitliniengetreu behandelt werden [918].
Dieses System ist die Grundvoraussetzung für eine hohe Qualität in der Prävention, Diagnostik und Therapie bis hin zur Rehabilitation und Palliation für Krebserkrankte. Die Abläufe und Strukturen innerhalb des Netzwerks werden stetig geprüft und optimiert. Das Dreistufenmodell der onkologischen Versorgung in Organkrebszentren, Onkologischen Zentren und Onkologischen Spitzenzentren (Comprehensive Cancer Center, CCC) wurde über zwei Jahrzehnte etabliert. Die hohe Qualität von Krebsforschung und -versorgung konnte durch eine Vielzahl von Studien belegt werden [913][919][912][920][921][922][923][924][925][926]. Die im Zuge der Krankenhausreform geplante Einführung spezifischer Leistungsgruppen für einzelne Tumorentitäten steht diesem bewährten und funktionierenden Versorgungskonzept zumindest teilweise entgegen. So wurde beispielsweise die Leistungsgruppe Ovarialkarzinom eingeführt und das Zervixkarzinom der Leistungsgruppe Allgemeine Gynäkologie zugeordnet. Dies widerspricht dem gut strukturierten und nachweislichen leistungsfähigen umfassenden Versorgungskonzept, wie es seit 2008 mit den Gynäkologischen Krebszentren, die von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) zertifiziert werden, umgesetzt wurde. Die Anforderungen werden regelmäßig in der interdisziplinär besetzten Zertifizierungskommission geprüft und ggf. modifiziert. Aufgrund der abnehmenden Inzidenz (2021: 4700; 2023: 4300) ist die interdisziplinäre qualitätsgesicherte Zusammenarbeit besonders wichtig (Abbildung 7) RKI 2023 [5].
Im Jahresbericht der zertifizierten Gynäkologischen Krebszentren (Auditjahr 2024, Kennzahlenjahr 2023) wurden zum 31.12.2024 193 zertifizierte Zentren registriert. In den 186 berücksichtigten Zentren wurden 17.833 Primärfälle behandelt, darunter 2.767 Zervixkarzinome bei einer deutschlandweiten Inzidenz von 4300 Fällen RKI 2023. Von diesen wurden 1.985 (71,74 %) operativ und 782 (28,26 %) nicht operativ behandelt. Der Anteil aller Patientinnen mit einer gynäkologischen Krebserkrankung, die in der Tumorkonferenz vorgestellt wurden, lag bei 98 %. Ein zytologisches/histologisches Lymphknoten-Staging wurde bei 76 % der Patientinnen mit Zervixkarzinom durchgeführt, die histologische Sicherung eines Lokalrezidivs bei 82 % (alle drei entsprechen Qualitätsindikatoren der S3-Leitlinie). Eine Brachytherapie als Bestandteil der primären Radio(chemo)therapie erfolgte bei 83 % der Patientinnen (Kennzahl). Diese Zahlen dokumentieren eine sehr hohe Behandlungsqualität Jahresbericht der DKG.
Die durch den Innovationsfonds geförderten Studie „Wirksamkeit der Versorgung in Onkologischen Zentren (WiZen)“ prüfte für 12 Tumorentitäten den Effekt der Erstbehandlung in Krankenhäusern mit und ohne DKG-zertifizierten Organkrebszentren auf das Überleben [912]. In die Studie wurden 10.596 bei der AOK-versicherte Frauen mit einem Zervixkarzinom eingeschlossen. Es fand sich ein signifikant reduziertes Sterblichkeitsrisiko für Patientinnen, die in einem zertifizierten Zentrum behandelt wurden (HR 0,83; 95 KI, 0,76 – 0,92). Dies führte zu einer absoluten Risikoreduktion der Überlebenszeit für eine Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren ab Erstbehandlung um 4,61 Monate. Für alle weiteren geprüften Tumorentitäten fanden sich in den zertifizierten Zentren ebenfalls Vorteile für das Gesamtüberleben bei Erstbehandlung in einer zertifizierten Einrichtung, die am deutlichsten beim Mammakarzinom mit einer HR von 0,77 (95 % KI, 074 – 0,81) war [912][920][921]Kemper M etl al. 2024[922]. Dieses Projekt veranschaulichte den eindeutigen Vorteil der Versorgung von Krebspatientinnen in zertifizierten Zentren [912]. Auch wenn es sich um eine retrospektive Studie mit zwei Kohorten handelt, die gewisse Limitationen hat, zeigt sie den Nutzen der Versorgung von Krebspatientinnen in DKG-zertifizierten Zentren. Aber auch andere Veröffentlichungen zeigten je nach Schwerpunkt der Auswertung eine Verbesserung des Gesamtüberlebens, eine Reduktion der postoperativen Mortalität und eine Verbesserung des funktionellen Outcomes nach Operationen, wenn die PatientInnen in zertifizierten Zentren behandelt wurden [927][928] Völkel V et al. 2019 [929][930] [931] [932][933][934].
24.2.2 Zentrumsbegriff – Interdisziplinäre Tumorkonferenz
Alle Patientinnen mit Zervixkarzinom sollen in einer interdisziplinären Tumorkonferenz in zertifizierten Gynäkologischen Krebszentren vorgestellt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Änderungshinweis
Alle Patientinnen mit Zervixkarzinom sollen in einer interdisziplinären Tumorkonferenz vorgestellt werden.
Die interdisziplinäre Tumorkonferenz ist das zentrale Element der zertifizierten Gynäkologischen Krebszentren. Hier werden die Entscheidungen über die diagnostischen und therapeutischen Behandlungsabläufe der Patientinnen festgelegt. Es wird gewährleistet, dass Vertreter/innen der Gynäkologischen Onkologie, der Pathologie, der Radiologie sowie der Radioonkologie teilnehmen und ggf. weitere Disziplinen hinzugezogen werden.
Die im Rahmen dieser Konferenz erfolgende interdisziplinäre Festlegung des Behandlungskonzeptes für Patientinnen mit Erstmanifestation, Rezidiv oder Metastasierung eines Zervixkarzinoms wird als wesentliche Voraussetzung für eine optimale onkologische Therapieentscheidung angesehen.
24.2.3 Interdiziplinäre Versorgungskette
Das erste Glied in der Versorgungskette ist die niedergelassene Frauenärztin/der Frauenarzt. Hier wird die Patientin mit Zervixkarzinom entweder durch die Teilnahme an einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung oder aufgrund ihrer Symptomatik identifiziert.
Am 03. April 2013 wurde das Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister (Krebsfrüherkennungs- und –Registergesetz – KFRG) verabschiedet. In dessen Folge wurden die organisierten Screeningprogramme für Zervix- aber auch Kolorektalkarzinome etabliert. In der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme (oKFE-RL), wird die Durchführung des Screenings reguliert Jahresbericht der DKG. Jahresbericht der DKG. Sie wird seit dem 01.01.2020 umgesetzt. Für die Zervixkarzinomfrüherkennung legt diese Richtlinie neben den Anspruchsvoraussetzungen auch das Einladungswesen, die Durchführung der Maßnahmen sowie Abklärungsalgorithmen bei auffälligen Testergebnissen fest.
Im Mai 2024 wurde der erste Evaluationsbericht des Zervixkarzinom-Screenings publiziert und umfasst die Jahre 2021 und 2022. Zwischen 20 und 34 Jahren haben ca. 3 Millionen Frauen am Vorsorgeprogramm teilgenommen. Dies entspricht einer Teilnahmerate von 45%. Ab dem 35. Lebensjahr nahmen in den entsprechenden Jahren 2,3 Millionen Frau teil. Da nur zwei Jahre des drei-Jahresintervalls ausgewertet wurden, war eine Bestimmung der Teilnahmerate nicht möglich. Der zytologische Nachweis von Dysplasien oder Karzinomen erfolgte in weniger als 0,1% der Abstriche. 8,56% der HPV-Abstriche war positiv (30% HPV 16/18) [21].
Ergibt die Krebsfrüherkennungsuntersuchung einen abklärungsbedürftigen Befund, erfolgt die Differenzialkolposkopie (Abklärungskolposkopie) in einer DKG-zertifizierten Gynäkologischen Dysplasiesprechstunde oder -einheit oder alternativ in einer Einrichtung mit Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung, mit vergleichbaren Anforderungen. Hier erfolgt die kolposkopisch kontrollierte Gewebeexzision zur histologischen Sicherung.
24.2.3.1 Konsentierter Versorgungsalgorithmus der Leitliniengruppe (2014;2021)
Basierend auf Expertenkonsens, Starker Konsens
Um dies zu gewährleisten, wurden kooperative Strukturelemente anhand konsentierter Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) mit der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) mit der Arbeitsgemeinschaft für Zervixpathologie und Kolposkopie (AG-CPC) umgesetzt. Entsprechend ist nicht nur für jede Einrichtungen, die Zervixpathologien abklärt, eine Kooperation mit einem zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrum verpflichtend, auch die Gynäkologischen Krebszentren müssen im Rahmen des Zertifizierungsprozesses spezialisierte Strukturen für die Abklärung von Zervixpathologien vorweisen [Stübs, F.A. et al. 2015] (s. Abb 2). Damit haben gesetzlich Versicherte nicht nur Anspruch auf eine Teilnahme am organisierten Zervixkarzinomscreeningprogramm, sondern auch auf eine Abklärung auffälliger Befunde in zertifizierten Dysplasie-Sprechstunden oder –Einheiten und die Versorgung in zertifizierten Gynäkologischen Krebszentren.
Um die Abklärung auffälliger Screeningbefunde in entsprechend qualifizierten Einrichtungen möglich zu machen, wurden 2014 Qualitätskriterien nach dem Zertifizierungssystem der Deutschen Krebsgesellschaft definiert und zertifizierte Gynäkologische Dysplasiesprechstunden und -Einheiten eingeführt. Mittlerweile sind mehr als 380 dieser zertifizierten Strukturen etabliert, so dass diese ihre Funktion im Rahmen des am 01.01.2020 eingeführten organisierten Zervixkarzinom Screeningprogramms wahrnehmen können [21]. Ziel ist es, durch eine strukturierte Versorgungskette - vom Primärscreening durch niedergelassene Frauenärztinnen und Frauenärzte über die Abklärung und weiterführende Diagnostik in zertifizierten Dysplasie-Sprechstunden bzw. -Einheiten bis hin zur Therapie im zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrum sowie der anschließenden Nachsorge im niedergelassenen gynäkologischen Bereich - eine bestmögliche Versorgungsqualität zu gewährleisten [935].
Innerhalb des zertifizierten Netzwerks sind außerdem sowohl die ambulante Durchführung neoadjuvanter oder adjuvanter medikamentöser Therapiekonzepte durch spezialisierte Gynäkologische Onkologen (BNGO) oder Hämatologen und internistische Onkologen (BNHO) als auch Radiotherapien möglich.
Nach Abschluss der Therapie und den entsprechenden Rehabilitationsmaßnahmen wird die Patientin wieder in die ambulante Behandlung, Begleitung und Betreuung durch die entsprechenden FachärztInnen übergeben.
24.2.4 Longitudinale Dokumentation der Patientinnengeschichte
Zur Überprüfung der Qualität der gesamten Versorgungskette werden Daten aus den einzelnen Versorgungsbereichen erhoben und systematisch dokumentiert. Hierzu zählen insbesondere Angaben zur Diagnostik und Therapie im Rahmen der Anforderungen für die DKG-Zertifizierung, die in Jahresberichten publiziert werden [936].
Zur Verlaufsdokumentation erfolgt die gesetzliche klinische Krebsregistrierung in den Landeskrebsregistern. Hierzu wird der onkologische Basisdatensatz (oBDS) verwendet, der auch die erforderlichen Datenfelder für die Abbildung der Qualitätsindikatoren der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom“ (AWMF-Registernummer 032/033OL) und der S3-Leitlinie „Prävention des Zervixkarzinoms“ (AWMF-Registernummer 015/027OL) beinhaltet. Diese Daten können von den Versorgern nach Anforderungen bei der DKG und den Landeskrebsregistern zur Verfügung gestellt werden. Sie können auch für Versorgungsforschung oder registerbasierte klinische Krebsforschung genutzt werden. Dies geschieht beispielsweise im Rahmen der Bundesweiten onkologischen Qualitätskonferenz. Zuletzt konnten im Rahmen einer großen registerbasierten Analyse Daten, die auf Daten des Robert Koch Instituts beruhen, von 38.296 Patientinnen mit Zervixkarzinom ausgewertet werden, wodurch unter anderem aktuelle Erkenntnisse zu altersabhängiger Inzidenz, Überleben und Tumorcharakteristika gewonnen wurden. Die Inzidenz der Plattenepithelkarzinome ist im untersuchten Zeitraum zwischen 2003 und 2021 kontinuierlich gesunken, während die Inzidenz der Adenokarzinome stabil blieb. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben zeigte im untersuchten Zeitraum zwischen 2003 und 2017 auch in Subgruppenanalysen keine Veränderung. Ebenso blieben die Tumorcharakteristika über den Beobachtungszeitraum hinweg konstant (siehe Kapitel 3) [5].
24.2.5 Qualitätsindikatoren der Zertifizierung als gesetzliche Qualitätssicherungsmaßnahmen
Der Qualitätszyklus Onkologie ist ein zentrales Element des Nationalen Krebsplans und verbindet die Ziele Leitlinien, Zentren und Dokumentation: Ausgangspunkt des Zyklus sind die evidenzbasierten Leitlinien mit der Ableitung von Qualitätsindikatoren (QI). Diese QI werden in die Anforderungskataloge zertifizierter Zentren, beispielsweise der Gynäkologischen Krebszentren, übernommen und die Rate der Umsetzungwird in Jahresberichten veröffentlicht Bericht der DKG. QI und weitere Kennzahlen, die in zertifizierten Zentren erhoben werden, bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung der Gynäkologischen Krebszentren. Sie dienen der Zertifizierungskommission als Entscheidungsbasis für Anpassungen der Zentrenanforderungen. Darüber hinaus werden Ergebnisse der QI-Analysen an die Leitlinienkommissionen übermittelt, um Implementierung und klinische Wirksamkeit von Leitlinienempfehlungen zu evaluieren. So wird eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Zertifizierungssystems und damit der Versorgungsqualität gewährleistet. Dies entspricht der Zielsetzung des Qualitätszyklus Onkologie.
24.2.6 Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung
Ärztliche Aus- und Weiterbildung in der Behandlung der Patientin mit Zervixkarzinom sollte in einem zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrum/Onkologischen Zentrum erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Der Leitliniengruppe sind keine Metaanalysen, randomisierter Studien oder Beobachtungstudien zur Ausbildungssituation beim Zervixkarzinom in Deutschland bekannt. Es handelt sich somit um ein Kapitel auf Expertenkonsensniveau.
Da die Behandlung von Patientinnen mit Zervixkarzinom heute überwiegend in zertifizierten Netzwerken erfolgt, konzentriert sich auch die Ausbildung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte zunehmend auf diese Strukturen [913], [937], [938]. Die für den Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie der Landesärztekammern in der Weiterbildungsordnung festgelegten Anforderungen können außerhalb dieser Versorgungsstrukturen nur schwer erbracht werden. Der Einsatz der Brachytherapie beim Zervixkarzinom, die Durchführung von großen operativen Eingriffen im Rahmen der Schwerpunktweiterbildung Gynäkologische Onkologie oder die medikamentösen Tumortherapien können nur dort erfolgen, wo Patientinnen mit diesem Krankheitsbild von einem interdisziplinären Team aus Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender Qualifikation und ausgewiesener onkologischer Erfahrung behandelt werden. Die derzeit hohe Zahl von Fachärzten und Schwerpunktinhabern in den verschiedenen Gebieten der Versorgungsbereiche macht gegenwärtig eine flächendeckende Versorgung möglich. Die Anzahl der Weiterbildungsberechtigungen stagniert jedoch oder ist leicht rückläufig über die letzten Jahre. Es zeichnet sich ab, dass zukünftig die Anzahl der Personen in der spezialisierten Weiterbildung geringer und damit die zukünftige Versorgung der Patientin mit Zervixkarzinom schwieriger wird [937], [938].
Evidenztabellen
Bats et al. 2015
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Bats AS, Frati A, Mathevet P, Orliaguet I, Querleu D, Zerdoud S, Leblanc E, Gauthier H, Uzan C, Deandreis D, Darai E, Kerrou K, Marret H, Lenain E, Froissart M, Lecuru F. Contribution of lymphoscintigraphy to intraoperative sentinel lymph node detection in early cervical cancer: Analysis of the prospective multicenter SENTICOL cohort. Gynecol Oncol. 2015 May;137(2):264-9 |
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Studiendesign |
Population |
Interventionen |
Endpunkte |
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Open Label-RCT |
Erwachsene Patientinnen mit Zervixkarzinom und FIGO-Stadium IA1, IA2, IB1 oder IIA <4cm
139 Patienten eingeschlossen |
Zentral begutachtete präoperative Lymphszintigraphie (N=114) vs. Intraoperatives lymphatisches Mapping (N=139) |
· Detektionsrate befallener Lymphknoten · Übereinstimmung zwischen beiden Verfahren |
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Evidenzgrad |
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1- |
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Vertrauen in Effekte |
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sehr gering |
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Ergebniszusammenfassung: · Die Detektionsrate unter präoperativer Lymphszintigraphie war geringer als unter intraoperativem lymphatischen Mapping, und der Grad der Übereinstimmung zwischen den Methoden war gering. · Die Lymphszintigraphie hat jedoch eine Reihe an Lymphkonten in ungewöhnlichen Orten detektiert. Anmerkungen zum Vertrauen in Effekte · Tumorgröße bis 4cm, d.h. PICO-Population überschritten · Nicht geplante Interimsanalyse · Beide Verfahren wurden jeweils vom selben Prüfarzt an derselben Patientin durchgeführt. |
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Endpunkt |
Präoperative N=114 |
Intraoperatives N=139 |
Übereinstimmung zwischen den Methoden |
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Detektionsrate |
87,8% |
97,8% |
Sentinellymphknoten: κ=0,23 [-0,04; 0,49] Bilaterale Sentinellymphknoten: κ=0,53 [0,27; 0,80] |
Literaturhinweise
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