18. Nicht kurativ behandelbares Lokalrezidiv/Fernmetastasen – Zervixkarzinom
Wesentliche Neuerungen im Kapitel Fernmetastasen
Das Kapitel wurde komplett überarbeitet auf Grund der neuen medikamentösen Therapieoptionen (e.g. Pembrolizumab, Cemiplimab, Tisotumab Vedotin, Trastuzumab-Deruxtecan). In dieser Version wird erstmalig die Erst- und Zweitlinientherapie des Zervixkarzinoms getrennt dargestellt. Entsprechende Therapieempfehlungen zum Einsatz der Immuncheckpointinhibitoren in der First- und Secondline wurden neu erstellt. Die Therapie des nicht kurativ behandelbaren Zervixkarzinomrezidivs (ehemals Kapitel 17) wurde in dieses Kapitel mitintegriert, da es gemäß den Behandlungsprinzipien des metastasierten Zervixkarzinoms therapiert wird.
T. Fehm, C. Grimm, F.A. Stübs, M. Heubner, A. Sturdza, A. Busse, M.W. Beckmann
18.1 Epidemiologie
Nur wenige Patentinnen weisen ein primär metastasiertes Zervixkarzinom auf. Die meisten Patientinnen entwickeln im weiteren Verlauf eine metastasierte Erkrankung. Das Metastasierungsrisiko korreliert mit dem initialen Erkrankungsstadium. In einer retrospektiven Analyse kam es nach alleiniger Radiotherapie beim invasivem Zervixkarzinom im Verlauf von 10 Jahren in Abhängigkeit des primären Tumorstadiums (nach FIGO-Klassifikation 2008) zu Fernmetastasen in 3 % nach Stadium Ia, 16 % nach Stadium Ib, 31 % nach Stadium IIa, 26 % nach Stadium IIb, 39 % nach Stadium III und 75 % nach Stadium IVa [736]. Neben dem FIGO-Stadium, war ein erhöhter Wert des Tumormarkers SCC-Antigen vor Behandlungsbeginn mit einer erhöhten Metastasierungswahrscheinlichkeit im Krankheitsverlauf assoziiert [686]. Die Erstmanifestation einer Fernmetastasierung betraf die supraklavikulären Lymphknoten, in 7 % der Fälle. Organmetastasen traten in 21 % in der Lunge, 4 % in der Leber, 7 % in der Abdominalhöhle, 4 % im Gastrointestinaltrakt und in 7 % im Knochen (vorwiegend in der Wirbelsäule) auf [736]. Die Fernmetastasen wurden in 77 % der Fälle in einem Zeitraum von 3 Jahren und in 88 % innerhalb von 5 Jahren nach Abschluss der Radiotherapie auf diagnostiziert [736].
Mit der definitiven Radiochemotherapie einschließlich bildgesteuerter Brachytherapie hat sich das Metastasierungsrisiko von Patientinnen mit fortgeschrittenen Zervixkarzinom deutlich verbessert. In der kürzlich veröffentlichten prospektiven Studie EMBRACE I zeigte sich eine 5-Jahres-Kumulativinzidenz von Fernmetastasen von 14 %, wobei die Lunge (26 %), die mediastinalen Lymphknoten (15 %) und die Knochen (10 %) die häufigsten Metastasierungsorte waren. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Fernmetastasen gehörten eine nicht-squamöse Histologie (HR, 1,89; 95 % KI, 1,30–2,75), eine Lymphknotenbeteiligung bei der Diagnose (nur Beckenlymphknoten: HR, 1,56; 95 % KI, 1,07–2,26; paraaortale Lymphknoten: HR, 3,15; 95 % KI, 1,93–5,16) und ein großes Zielvolumen bei der Brachytherapie (HR, 1,93; 95 % KI, 1,21–3,08). Patientinnen, die weniger als 4 Zyklen Chemotherapie erhielten, wiesen ein signifikant höheres Risiko für DM auf (HR, 1,52; 95 % KI, 1,08–2,13) [408].
Lokalrezidive beim Zervixkarzinom lassen sich häufig durch Operation oder Radiochemotherapie kurativ behandeln (siehe Kap.17). Sofern ein Lokalrezidiv nicht durch einen kurativen Ansatz behandelt werden kann, erfolgt eine Behandlung in Analogie wie bei einer Fernmetastasierung.
18.2 Bildgebung
Bei Patienten mit Lokalrezidiv oder mit Metastasen eines Zervixkarzinoms erfolgt eine bildgebende regionäre Diagnostik in Form eines Becken-MRTs oder einer vaginalen Ultraschalluntersuchung zur Einschätzung der pelvinen Tumorausdehnung. Weiterhin ist eine extrapelvine Ausbreitungsdiagnostik mittels CT-Abdomen, CT-Thorax erforderlich. Das PET/CT findet vor allem seinen Einsatz zur Unterscheidung zwischen benignen Befunden und Rezidiv/Metastase. Dies gilt insbesondere bei der Beurteilung von vergrößerten/suspekten Lymphknoten (siehe Kapitel 6). Insbesondere vor einer geplanten Exenteration oder Radiochemotherapie sollte bei Patientinnen mit einem operablen Rezidiv ein PET/CT erfolgen, um Fernmetastasen auszuschließen (s. Kapitel 6), sofern die konventionelle Ausbreitungsdiagnostik und (wenn indiziert) histologische Abklärung Fragen offen lässt.
Werden anlässlich der Metastasenabklärung malignomverdächtige Lungenbefunde erhoben, ist besonders zu bedenken, dass bei der Patientin neben dem Rezidiv des Zervixkarzinoms differentialdiagnostisch auch ein primäres Lungenkarzinom vorliegen könnte. Lim et al. 2010 konnte dies in 29 % der untersuchten Fälle nachweisen, insbesondere wenn anamnestisch ein Nikotinabusus bekannt ist [740]. Die histologische Sicherung ermöglicht den Ausschluss eines Bronchialakrzinoms.
18.3 Therapieoptionen
18.3.1 Lokale Therapieoptionen beim nicht kurativ behandelbaren Lokalrezidiv
Eine radiotherapeutische oder operative Intervention beim nicht kurativ behandelbaren Lokalrezidiv kann in palliativer Zielsetzung zur Linderung tumorspezifischer Beschwerden erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Änderungshinweis
Eine radiotherapeutische Intervention beim nicht in sano operablen nicht kurativ behandelbaren Lokalrezidiv kann in palliativer Zielsetzung zur Linderung tumorspezifischer Beschwerden erfolgenSofern ein Lokalrezidiv nicht kurativ behandelt werden kann, wird es in Analogie zum metastasierten Zervixkarzinom therapiert. Jedoch kann es sein, dass im Rahmen der palliativen Symptomenlinderung dennoch eine zusätzliche Radio- oder operative Therapie sinnvoll sein kein.
So können in speziellen Situationen Gründe für eine palliative Exenteration bestehen. Dazu gehören tumor- oder therapiebedingte, die Lebensqualität stark beeinträchtigende Symptome (Fistelbildungen, strahlenbedingte hämorrhagische Zystitis / Proktitis, Schmerzzustände) [741] oder aber das Bestreben, trotz einer systemischen Erkrankung, eine lokale Kontrolle des Tumorgeschehens zu erreichen. Verschiedene Untersuchungen zeigten ein 5-Jahresüberleben nach palliativer Exenterationsoperation von 17-19 % [716] [718].
Schmerzen oder vaginale Blutungen sind typische Indikationen für eine palliative Radiotherapie des Zervixkarzinomrezidivs. Das Therapieschema und die Dosierung haben sich nach der individuellen Problematik und der Vorbehandlung bei der Patientin zu richten. Tumorbedingte Blutungen können durch eine hämostyptische Bestrahlung gut behandelt werden [742], bei akut lebensbedrohlichen Blutungen ist eine Embolisierung zu bevorzugen.
Die Entscheidung über lokale palliative Behandlungsoptionen sollte im interdisziplinären Tumorboard unter Einbeziehung der Prioritäten und Wünsche der Patientin entschieden werden.
18.3.2 Lokale Therapieoptionen bei isolierten Fernmetastasen
Bei einer isolierten Metastase sollte die Option einer lokalen Therapie in Form einer Operation, lokalen Bestrahlung oder lokal destruierender Therapieverfahren in der Tumorkonferenz interdisziplinär diskutiert werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Trotz systematischer Recherche konnten zu dieser Fragestellung keine Daten aus RCTs, nichtrandomisierten, kontrollierten prospektiven Studien oder prospektiven vergleichenden Beobachtungsstudien für das Zervixkarzinom identifiziert werden. Patienten mit oligometastatischer Erkrankung (zwischen einer und fünf Metastasen in bis zu drei Regionen) sollten – dies gilt unabhängig von der Tumorentität - für eine lokale Therapie in Betracht gezogen werden basierend auf den Konsensusempfehlungen der ESTRO-ASTRO. Zu den Behandlungsoptionen gehören Chirurgie, radikale Strahlentherapie – einschließlich stereotaktischer Strahlentherapie – und lokale Ablationstechniken [743].
Die Empfehlung für das Zervixkarzinom lehnt sich an die SIGN-Leitlinie von 2008 an und bestätigt dieses Vorgehen. In den aktuellen ESGO/ESTRO/ESP Guidelines wird dieses Vorgehen ebenfalls empfohlen trotz weiterhin fehlender Studienlage [90]. Falls multiple Metastasen mit der entsprechenden bildgebenden Diagnostik ausgeschlossen werden, sollte im interdisziplinären Tumorboard aufgrund der Befunde der bildgebenden Diagnostik entschieden werden, ob eine operative Resektion oder ein lokal destruierendes Verfahren der Metastase möglich ist [90] [693].
In letzter Zeit gibt es mehr retrospektive mono- oder multi-institutionelle Studien, die den Nutzen der stereotaktischen Körperstrahlentherapie (SBRT) bei oligometastatischen Erkrankungen aller Malignome und insbesondere bei Zervixkarzinom belegen [744] [745] [746] [747] [746]. Eine aktuelle Analyse von 15 italienischen Zentren zeigte die Wirksamkeit der SBRT beim oligometastasierten Zervixkarzinom mit einem vollständigen Ansprechen bei 55,4 % der Patienten und einer 2-Jahres-Überlebensrate von 69 % bei Patienten mit vollständigem Ansprechen und 44 % bei Patienten mit partiellem Ansprechen. Die mediane Dosis der SBRT betrug 35 Gy mit einer medianen Dosis pro Fraktion von 7 Gy. Dies gilt für Lymphknotenmetastasen, Parenchymläsionen, Becken, Thorax und Abdomen. Die stereotaktische Bestrahlung ist auch bei sorgfältig ausgewählten Patienten in zuvor behandelten Bereichen eine Option, wenn das Volumen der Metastasen ≤ 13,7 cm³ beträgt [747].
Es gibt zudem Hinweise aus retrospektiven monozentrischen Auswertung, dass bei isolierten Fernmetastase bei streng selektierten Patientinnen durch eine komplette operative Resektion der Metastasen oder lokal destruktive Verfahren z. B. Radiofrequenzablation ebenfalls eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens erreicht werden kann [746] [748] [749]. Prospektiv randomisiert kontrollierte Studien oder matched-pair kontrollierte Studien liegen hierzu nicht vor [750].
Bei Hirnmetastasen kommt eine stereotaktischen Radiochirurgie (Gamma-Knife/CyberKnife or TrueBeam STx) zum Einsatz [751] [752]. Steroidtherapie zur Reduktion des peritumoralen Ödems ist häufig eingesetzt. Bei großen Tumoren ist die chirurgische Dekompression die Therapie der Wahl. Die hypofraktionierte stereotaktische Strahlentherapie der Operationshöhle nach der Operation weist eine deutlich geringere Toxizität und eine bessere Erhaltung der neurokognitiven Funktionen auf, jedoch ein höheres Risiko für eine leptomeningeale Erkrankung im Vergleich zur Ganzhirnbestrahlung nach der Operation [753]. Bei der Festlegung der postoperativen Behandlung von Hirnmetastasen sollten Risiken und Nutzen individuell abgewogen werden. Eine Ganzhirnbestrahlung wird nur in seltenen Fällen bei multiplen Hirnmetastasen oder einem Rezidiv nach einer vorherigen SBRT angewendet.
Nach der lokalen Behandlung könnte eine systemische Therapie in Betracht gezogen werden.
18.3.3 Systemische Therapie disseminierter Metastasen oder des nicht kurativ behandelbaren Lokalrezidivs in der ersten Linie
Bei einer disseminierten oder einer lokalen Therapie nicht zugänglichen Metastasierung sowie einem nicht kurativ behandelbaren Lokalrezidiv besteht eine Indikation zur Durchführung einer palliativen medikamentösen Therapie.
Änderungshinweis
Bei einer disseminierten oder einer lokalen Therapie nicht zugänglichen Metastasierung besteht eine Indikation zur Durchführung einer palliativen medikamentösen Therapie.In der palliativen Situation kann durch eine alleinige Chemotherapie sowohl das progressionsfreie als auch Gesamtüberleben moderat verbessert werden [757] [758] [538]. Nicht-operable Lokalrezidive und Fernmetastasen eines Zervixkarzinoms werden in der ersten Therapielinie routinemäßig mit einer platinhaltigen Systemtherapie in Kombination mit einem Taxan therapiert (Kap. 18.3.3.1). Es hat sich ein Überlebensvorteil gezeigt, wenn diese Chemotherapie mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab kombiniert wird Kap. 18.3.3.3). Bei PD-L1 positiven Zervixkarzinomen (CPS ≥1) hat sich durch die Hinzunahme von Pembrolizumab zu der oben genannten Kombination aus Chemotherapie und Bevacizumab ein weiterer Überlebensvorteil in der ersten Therapielinie zeigen können (Kap. 18.3.3.4).
18.3.3.1 Erst-Linien-Chemotherapie
Die Erstlinien-Chemotherapie für Patientinnen mit nicht kurativ behandelbaren rekurrenten oder metastasierten Zervixkarzinom soll aus einer platinhaltigen Chemotherapie und Paclitaxel 175 mg/m² über 3 h i.v. für insgesamt 6 Zyklen alle 3 Wochen bestehen.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [759] [760] [761] [762]
Evidenztabellen (1)
Tewari et al 2022Platinhaltige Kombinationstherapien
Die Standardchemotherapie in der Erst-Linie stellt die platinhaltige Chemotherapie in Kombination mit Paclitaxel dar [759] [760]. Die empfohlenen Dosierungen sind: Cisplatin 50 mg/m² oder Carboplatin AUC5 in Kombination mit Paclitaxel 175 mg/m² alle 3 Wochen Die Wahl des Platins ist abhängig, ob die Patientin bereits im Rahmen einer Radiochemotherapie Cisplatin als Radiosensitizer erhalten hat und ob Nierenfunktionseinschränkungen vorliegen (Kapitel 18.3.3.2).
Grundsätzlich sind auch Effektivitätsdaten zu platinhaltigen Kombinationstherapien mit Topotecane [763] [749] oder Gemcitabine [758] vorhanden. Nach den vorliegenden vergleichenden Studien ist eine Kombinationschemotherapie jedoch mit Cisplatin und Paclitaxel diesen Chemotherapieregimen in Bezug auf Ansprechraten und PFS überlegen [759] [760]. Zudem wurden platinhaltigen Kombinationstherapien mit Topotecane oder Gemcitabine nicht mit Bevacizumab oder Pembrolizumab evaluiert und sind daher mittlerweile von untergeordneter Bedeutung in der Erst-Linientherapie.
Paclitaxel / Topotecan
Auch die für das Zervixkarzinom zugelassene Kombination Paclitaxel und Topotecan ist der plantinhaltinhaltigen Kombination mit Paclitaxel nicht überlegen. In der vierarmigen GOG 240-Studie (NCT00803062) wurden insgesamt 452 Patientinnen mit metastasierten Zervixkarzinom eingeschlossen [761]. Sie erhielten entweder Cisplatin-Paclitaxel oder Paclitaxel-Topotecan. Zusätzlich erfolgte die Randomisierung in mit und ohne Bevacizumab. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben sowie die Häufigkeit und Schweregrad von Adverse Events. Das mediane Gesamtüberleben betrug 16,3 Monate im Cisplatin-Paclitaxel-Arm (+/-Bevacizumab) versus 13,8 Monate im Topotecane-Paclitaxel-Arm (+/- Bevacizumab) (HR 1,12; 95% KI:0,91–1,38; p = 0.28). Sofern die Patientinnen nur Chemotherapie erhielten, zeigte sich ebenfalls kein signifikanter Unterschied in den beiden Chemotherapiearmen (15 Monate versus 12 Monate; HR 1,10; 95% KI: 0,82–1,48; p = 0.52). Allerdings war das progressionsfreie Überleben deutlich kürzer im Topotecan-Paclitaxel-Arm mit 6,0 Monate gegenüber 7,8 Monate im Cisplatin-Paclitaxel-Arm (HR 1,24; 95% KI: 1,02–1,50;p = 0.03). Das Sicherheitsprofil unterschied sich nicht wesentlich.
In der AGO-Zervix1-Studie (NCT01405235) wurden ebenfalls die beiden Chemotherapieoptionen miteinander verglichen allerdings ohne die Gabe von Bevacizumab [762]. Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben. Die Studie wurde vorzeitig nach Rekrutierung von 173 Patientinnen (geplant 312) gestoppt, da sich in der Interimsanalyse ein numerischer aber nicht statistisch signifikanter Vorteil für den Cisplatin-Paclitaxel-Arm gezeigt hat. Das mediane Gesamtüberleben war 12,0 Monate versus 9,6 Monate im Topotecan-Paclitaxel-Arm (p=0,33). Das progressionsfreie Überleben unterschied sich nicht wesentlich (4,2 Monate versus 4,4 Monate, p=0,47). Das Toxizitätsprofil war vergleichbar, allerdings traten Leukopenien und Erbrechen häufiger im Cisplatin-Paclitaxel-Arm auf. Es zeigten sich keine Unterschiede in der Lebensqualität zwischen den beiden Armen.
18.3.3.2 Wahl des Platins im Rahmen der Kombinationstherapie
Bei Rezidiv/Metastasen kann nach vorangegangener Radiochemotherapie mit Cisplatin eine erneute Gabe von Cisplatin kombiniert mit Paclitaxel oder die Gabe von Carboplatin mit Paclitaxel erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [757] [764] [765]
Änderungshinweis
Nach einer Radio(chemo)therapie mit Cisplatin als „Radiosensitizer“ kann eine erneute Cisplatingabe erfolgen. Bei Rezidiv/Metastasen nach vorangegangener Radiochemotherapie mit Cisplatin kann eine erneute Gabe von Cisplatin kombiniert mit Topotecan, Paclitaxel, Gemcitabine oder Vinorelbin oder die Gabe von Carboplatin mit Paclitaxel erfolgen.Cisplatin-naive Patientinnen mit nicht-kurativ behandelbarem Lokalrezidiv oder Fernmetastasen sollten in der Erstlinien-Therapie mit Cisplatin gegenüber Carboplatin bevorzugt behandelt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [764]
Änderungshinweis
Bei Cisplatin-naiven Patientinnen sollte Cisplatin bevorzugt werden.Evidenztabellen (1)
Kitagawa et al. 2015Cisplatin kann durch Carboplatin ersetzt werden Dies gilt insbesondere bei Patientinnen mit eingeschränkter Nierenfunktion sowie bei Patientinnen, die bereits Cisplatin im Rahmen einer Radiochemotherapie erhalten haben. Im Rahmen der JCOG 0505-Studie erhielten die Patientinnen entweder 6 Zyklen Cisplatin (50 mg/m2) d2 / Pacliatxel (135 mg/m2) d1 oder Carboplatin AUC5 d1 / Paclitaxel (175 mg/m2) d1 alle drei Wochen [764]. 43 % bzw. 50 % der Patientinnen hatten bereits eine Radiochemotherapie mit Cisplatin bzw Carboplatin (nur 2 Patientinnen) erhalten. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied bezüglich des Gesamtüberlebens (HR 0,99; 9 0 %-KI 0,79-1,25) sowie der Gesamtansprechrate (63 % versus 59 %). Im Carboplatinarm wurden signifikant weniger Neutropenie sowie Raten an Niereninsuffizienz, Übelkeit und Erbrechen gesehen. Allerdings war die Rate an Thrombozytopenien und sensorischer Neuropathien höher. Im Rahmen einer Posthoc-Analyse konnte gezeigt werden, dass die vorherige Cabe von Cisplatin das Therapienansprechen auf Carboplatin beeinflusst. Es zeigte sich kein Unterschied bezüglich des Überlebens in der cisplatin-vorbehandelten Gruppe. Hingegen hatten chemonaive Patientinnen mit Carboplatin tendentiell ein geringeres Überleben (medianes Überleben 13 Monate versus 23 Monate, HR 1,57 95 % - KI 1,06 -2,23). Im Rahmen eines systematischen Reviews, der insgesamt 17 Studien mit über 1181 Patientinnen einschloss, konnten die Ergebnisse der JCOG 0505 bestätigt werden. Es zeigte sich zwar ein signifikanter Unterschied zwischen Cisplatin / Taxol und Carboplatin / Taxol bezüglich PFS (6,9 Monate versus 5 Monate; p=0,03), jedoch kein Unterschied hinsichtlich OS (12,87 Monate versus 10 Monate; p=0,17)) sowie RR (48,5 % versus 49,3 %) [765].
Für Patientinnen, die bereits im Rahmen einer primären oder adjuvanten Radio(chemo)therapie Cisplatin erhalten haben, steht somit im Rahmen der palliativen Chemotherapie alternativ zu einer erneuten Therapie mit Cisplatin auch Carboplatin zur Verfügung [766].
18.3.3.3 Zielgerichtete Therapie mit Bevacizumab
Patientinnen mit metastasierten oder rediziviertem/persistierendem Zervixkarzinom sollten simultan Bevacizumab – unabhängig von einer Vorbehandlung mit einer Radio (-chemo) therapie – zur palliativen first-line Chemotherapie mit Cisplatin/Paclitaxel erhalten.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [767] [768]
Änderungshinweis
Patientinnen mit metastasierten oder rediziviertem/persistierendem Zervixkarzinom solltten simultan Bevacizumab – unabhängig von einer Vorbehandlung mit einer Radio (-chemo) therapie – zur palliativen first-line Chemotherapie mit Cisplatin/Paclitaxel oder Topotecan/Paclitaxel erhaltenDer Stellenwert einer zusätzlichen Gabe von Bevacizumab (15 mg/kg, q3w) zu einer platinhaltigen (Cisplatin/Paclitaxel) bzw. platinfreien Kombinationstherapie (Topotecan/Paclitaxel) wurde in der vierarmig randomisierten GOG-Studie 240 (Phase III) evaluiert. Sie zeigten in der finalen Auswertung, dass durch die zusätzlichen Gabe von Bevacizumab (VEGF-Inhibitor) zur palliativen Chemotherapie (Cisplatin/Paclitaxel bzw. Topotecan/Paclitaxel) ein kombinierter Überlebensvorteil für beide Therapien von 3,5 Monaten (13,3 Monate vs. 16,8 Monate; HR 0,77 [95 %-KI 0,062-0,95]; p=0,007) und ein verbessertes progressionsfreies Intervall (8,2 Monate vs. 6 Monate; HR 0,68 [95 %-KI 0,56-0,84]; p = 0,0002) sowie höhere Ansprechraten (49 % vs. 36 %; p = 0,003) erreicht werden konnten. Es konnte ein negativer Rebound-Effekt nach Bevacizumab (kürzeres Überleben nach Bevacizumab) ausgeschlossen werden, da das Überleben nach Progression („post progression survival“) sich nicht signifikant unterschied (8,4 Monate versus 7,1 Monate; HR 0,83 [95 %-KI 0,66-1,05]; p=0,06) [767]. Auf Grund dieser Daten erhielt Bevacizumab 2015 die Zulassung in Deutschland für diese Indikationsstellung mit den entsprechenden Chemotherapieregimes. Im klinischen Alltag wird allerdings häufig Cisplatin durch Carboplatin auf Grund der vergleichbaren Effektivität (JCOG0505-Studie) und der geringeren Raten an Neutropenien und Niereninsuffizienz ersetzt. Eine publizierte Netzwerkmetanalyse bestätigt dieses Vorgehen auf Grund der anzunehmenden Äquieffektivität [768].
Beide Chemotherapieregimes (Cisplatin/Paclitaxel mit oder ohne Bevacizumab vs. Topotecan/Paclitaxel mit oder ohne Bevacizumab) zeigten ein ähnliches Gesamtüberleben, in der Topotecan/Paclitaxelgruppe wurde aber ein signifikant kürzeres progressionsfreies Überleben festgestellt [538]. Ein direkter Vergleich der Anwendung von Cisplatin/Paclitaxel/Bevacizumab gegen die einzige in dieser Situation in Deutschland zugelassene Kombinationstherapie mit Cisplatin/Topotecan liegt nicht vor. Die Chemotherapiepartner zu Bevacizumab in der GOG 240-Studie [538] sind auf Basis der Daten von Monk et al. [759], die ebenfalls in der Cochrane Meta-Analyse von 2012 [749] von genannt werden, ausgewählt worden.
Die zusätzliche Gabe von Bevacizumab erhöht die Nebenwirkungsrate. Hierzu gehören Bluthochdruck (CTCAE Grad II oder höher: 25 % vs. 2 %), thromboembolische Ereignisse (CTCAE Grad III oder höher: 8 % vs. 2 %), Neutropenien (CTCAE Grad IV oder höher: 36 % versus 26 %) sowie gastrointestinale Fisteln (Grad III oder höher: 3 % vs. < 1 %) bzw. urogenitale Fisteln (Grad II: 4 % vs. < 1 %). Fisteln traten in der Regel nur bei Patientinnen mit vorangegangener Strahlentherapie auf. Keine der unter einer Bevacizumab aufgetretenen Fisteln führte zu einer notfallmäßigen chirurgischen Intervention, Tod oder Sepsis [767]. Die erhöhte urogenitale und gastrointestinale Fistelrate bei Hinzunahme von Bevacizumab zur Chemotherapie bei bestrahlten Patientinnen bestätigte sich in einer aktuellen Metaanalyse von Yang ST et al [769].
Die Febrile Neutropenien (CTCAE Grad III oder höher), gastronintestinale Blutungen (CTCAE Grad III oder höher) und Schmerzen (CTCAE Grad II oder höher) traten in beiden Gruppen ohne signifikante Unterschiede auf [770]. Die Lebensqualität der Patientinnen wurde in dieser Studie anhand einer Zusammenstellung einzelner Fragen aus verschiedenen Instrumenten (FACT-Cx-TOI, BPI, FACT/GOG-NTX) ermittelt. Bis zu 9 Monaten nach dem ersten Zyklus ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen bzgl. der Lebensqualität [770].
Weitere VEGF-Therapiekombinationen
Mittlerweile gibt es auch eine Cochrane-Analyse zum Stellenwert von zusätzlichen Anti-VEGF-Therapien inklusive Bevacizumab beim metastasierten Zervixkarzinom [769]. Ausgewertet wurden Studiendaten zu folgenden Kombinationen: Chemotherapie +/- Bevacizvumab, Chemotherapie + Cediranib, Chemotherapie +/- Brachytherapie +/- Apatinib, Lapatinib +/- Pazopanib sowie Pazopanib versus Lapatinib. Nur für die Kombination von Bevacizumab und Chemotherapie konnte ein verbessertes Gesamtüberleben beobachtet werden, allerdings mit einer höheren Komplikationsrate (e.g. Hypertension, Fisteln und thromboembolischen Ereignissen). Für alle anderen Kombinationen mit VEGF-Inhibitoren konnte kein klinischer Nutzen gezeigt werden. Pazopanib in Kombination mit Lapatinib verschlechterte das Outcome gegenüber einer alleinigen Lapatinib-Monotherapie.
18.3.3.4 Immuntherapie in der Erstlinien-Situation
Patientinnen mit PD-L1-exprimierendem (CPS >1), persistierendem, rezidiviertem und/oder metastasiertem Zervixkarzinom, die keine vorherige systemische Chemotherapie erhalten haben und nicht kurativ behandelbar sind, sollen Pembrolizumab zur Erstlinien-Chemotherapie mit oder ohne Bevacizumab erhalten.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
PFS,OS
3QoL
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [771] [772] [773] [774] [775]
Evidenztabellen (4)
Colombo 2021; Lorusso et al 2025; Monk et al 2023 Keynote; Wang et al 2024 PICO 2 KeynotePembrolizumab
Das Zervixkarzinom zählt zu den immunogenen Tumoren und weist in bis zu 90% der Fälle eine PD-L1-Expression auf [776]. Immuncheckpointinhibitoren sind daher von besonderer Relevanz beim Zervixkarzinom. Im Rahmen der Keynote 826 Studie (Phase III, NCT03635567) wurde der Stellenwert von Pembrolizumab in Kombination mit einer platin-/ taxanhaltigen Chemotherapie mit und ohne Bevacizumab bei Patientinnen mit persistierendem, rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom in der Erstlinientherapie untersucht [771]. Eingeschlossen wurden 617 Patientinnen, die entweder Pembrolizumab (n=308) oder Placebo (n=309) zusätzlich zur Chemotherapie +/-Bevacizumab erhielten. Die primären Endpunkte der Studie waren Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS). Die Auswertung erfolgte sequentiell zunächst bei Patientinnen mit CPS>=1, gefolgt von der ITT-Population sowie bei Patientinnen mit CPS >=10 (bezüglich PD-L1-Bestimmung, siehe Kapitel Pathologie)..
In der 1. Interimsanalyse zeigte sich bei Patientinnen mit CPS>=1 unter Pembrolizumab ein signifikant verbessertes medianes PFS von 10,4 Monate versus 8,2 Monate in der Placebo-Gruppe (HR 0.62; 95% KI: 0,50-0.77; P<0.001). Sowohl in der ITT-Kohorte ( HR 0,65; 95%-KI: 0.53- 0.79; p<0.001) als auch bei Patientinnen mit CPS>=10 (HR 0,58; 95% KI: 0.44-0,77; p<0.001bestätigte sich dieser Vorteil.
Das 2-Jahres-Gesamtüberleben betrug 53,0% bei Patientinnen mit CPS>=1 in der Pembrolizumabgruppe versus 41,7% in der Placebo-Gruppe (HR, 0.64; 95%-KI:0.50-0.81; p<0.001). In der IIT-Population war der Effekt auf das Gesamtüberleben ähnlich (HR 0,67; 95%-KI: 0,54-0.84; p<0.001) während der Effekt bei PD-L1 CPS ≥10 noch ausgeprägter war (HR 0,61; 95% KI: 0.44-0.84; p=0.001.
Die Gruppe der Patientinnen mit CPS<1 war sehr klein (n=69) und aus diesem Grund konnte der Nutzen von Pembrolizumab in dieser Kohorte nicht definiert werden (HR für OS: 0,87; 95% KI 0,5-1.52).
2023 wurde die finalen Überlebensanalysen und Sicherheitsdaten der KEYNOTE-826-Studie publiziert, die die bereits veröffentlichten Interimsdaten von Colombo et al bezüglich Wirksamkeit von Pembrolizumab bestätigten [775]. Das mediane Follow-up lag bei 39,1 Monate. Das mediane OS betrug in der CPS>=1-Kohorte mit Pembrolizumab 28,6 Monate versus 16,5 Monate im Placeboarm (HR 0,60; 95% KI 0,49 – 0,74). 26,4 Monate versus 16,9 Monate in der ITT-Population (HR 0,63 [95% KI: 0,52 -0,77) und 29,6 Monate versus 17,4 Monate in der CPS>=10-Kohorte (HR 0,58 [95% KI: 0,44-0,78).
Unerwünschte Ereignisse traten bei 99,3% der Patientinnen mit Pembrolizumab und 99,4% im Placebo-Arm auf. Schwere therapiebezogene unerwünschte Ereignisse (Grad 3-5) waren im Pembrolizumab-Arm etwas häufiger (82,4% vs. 75,4%). Die Rate der therapiebedingten Abbrüche lag bei 40,8% in dem Therapiearm mit Pembrolizumab und Bevacizumab und bei 32,6% in dem Therapiearm mit Placebo und Pembrolizumab. In beiden Gruppen waren die häufigsten Grad 3-5 Toxizitäten Anämie, Neutropenie und Hypertension. Die Anzahl der Todesfälle waren in beiden Armen gleich (16 im Pembrolizumab-Arm versus 15 im Placebo-Arm). Immun-vermittelte Toxizitäten traten bei 34,5% (Grad III-V: 12,1%) der Patientinnen mit Pembrolizumab und 16,5% (2,9%) mit Placebo auf. Zwei Todesfälle traten im Therapiearm mit Pembrolizumab auf und wurden in Zusammenhang mit der Immuntherapie gesetzt.
Der Stellenwert von Bevacizumab in Kombination Pembrolizumab wurde in einer weiteren Subgruppenanalyse der Keynote 826-Studie evaluiert [773]. Insgesamt wurden die Überlebens- und Sicherheitsdaten von 389 Patientinnen, die im Rahmen der Studie Bevacizumab erhielten, ausgewertet (Pembrolizumab: n=196; Placebo: n=193). Die Wirksamkeit von Pembrolizumab zeigte sich unabhängig von der zusätzlichen Gabe von Bevacizumab. Ebenso wurde die Rate an unerwarteten Ereignissen und schwerwiegenden Ereignissen durch die Pembrolizumabgabe in der Bevacizumab-Kohorte nicht erhöht.
Bezüglich der patientenberichteten Endpunkte (PRO) zeigten sich unterschiedliche Ergebnisse. Die Zeit bis zur definitiven Verschlechterung (TTD) im EQ-5D-VAS war unter Pembrolizumab signifikant verlängert (HR 0,75; 95 %-KI: 0,58–0,97; p = 0,027), während für den globalen Gesundheitsstatus (EORTC QLQ-C30) und die körperliche Funktion (PF) keine signifikanten Unterschiede beobachtet wurden. Die kontinuierlichen Skalen zeigten ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Auf Grund geringen Rücklaufquote der Lebensqualitätsbögen im weiteren Verlauf der Studie ist die Aussagekraft der Lebensqualitätsdaten deutlich einschränkt [774].
Insgesamt zeigt die Evidenzlage, dass Pembrolizumab in Kombination mit Chemotherapie (± Bevacizumab) in der Erstlinientherapie des PD-L1 exprimierendem (CPS>=1), persistierendem, rezidiviertem und /oder metastasierten Zervixkarzinoms mit einem signifikanten Überlebensvorteil einhergeht. Dies ist nur gezeigt bei Kombination mi einer Cisplatin/Paclitaxel oder Carboplatin/ Paclitaxel-Chemotherapie. Daten für eine Kombination mit anderen Chemotherapieprotokollen sind nicht verfügbar.
Dies bestätigte sich auch in einer Subanalyse von RCTs innerhalb einer Metaanalyse von Wang YZ et al [775].
Durch das AMNOG-Verfahren (Arzneimittelmakt-Neuordnungsgesetzt) wird die Nutzenbewertung neuer Arzneimittel durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) geregelt. Im Verfahren wurde Pembrolizumab basierend auf dem Datenschnitt vom 03.05.2021 in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie ± Bevacizumab ein beträchtlicher Zusatznutzen nachgewiesen (Beschlussfassung 02.02.2023). Berücksichtigt wurde die Subpopulation mit PD-L1 positiven Zervixkarzinomen (CPS ≥1). Es konnte ein statistisch signifikanter Vorteil für das OS und PFS gezeigt werden. Die Patientinnen berichteten keinen statistisch signifikanten Unterschied in Bezug auf Symptomatik und Lebensqualität. Durch die Therapie mit Pembrolizumab wurde die Therapie statistisch signifikant häufiger aufgrund von Nebenwirkdungen, insbesondere immunvermittelten, abgebrochen [777] [778].
Weitere Immuncheckpointinhibitoren
Neben Pembrolizumab sind weitere Immuncheckpointinhibitoren in dieser Indikation im Rahmen von Phase III-Studien evaluiert worden. Hierzu zählen Atezolizumab und Cadonilimab. Beide Substanzen sind in dieser Indikation in Deutschland nicht zugelassen.
Atezolizumab
In der randomisierten, offenen Phase-3-Studie BEATcc von Oaknin et al wurde der Zusatz von Atezolizumab zu einer Standardtherapie aus Chemotherapie und Bevacizumab bei Frauen mit persistierendem, rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom in der Erstlinienbehandlung untersucht [779]. Die Patientinnen (n = 410) wurden randomisiert auf zwei Behandlungsarme verteilt: Atezolizumab + Bevacizumab + platinhaltiger Kombinationschemotherapie (n = 206) versus Bevacizumab + platinhaltiger Kombinationschemotherapie alleine (n = 204).
Das Gesamtüberleben (OS) war signifikant verbessert im Atezolizumab-Arm mit einer medianen Überlebenszeit von 32,1 Monaten (95%-KI: 25,3–36,8) im Vergleich zu 22,8 Monaten (95%-KI: 20,3–28) im Kontrollarm (Hazard Ratio [HR] 0,68; 95%-KI: 0,52–0,88; p = 0,0046). Auch das progressionsfreie Überleben (PFS) war verlängert: Median 13,7 Monate (95%-KI: 12,3–16,6) versus 10,4 Monate (95%-KI: 9,7–11,7) mit einer HR von 0,62 (95%-KI: 0,49–0,78; p < 0,0001).
Hinsichtlich der Toxizität zeigte sich kein wesentlicher Unterschied bei den Gesamtinzidenzen schwerer Nebenwirkungen (78,5 % vs. 74,9 %; p = 0,3848). Die Rate behandlungsbedingter Todesfälle war im Atezolizumab-Arm numerisch höher (1,5 % vs. 0 %), jedoch statistisch nicht signifikant (p = 0,1994).
Cadonilimab
Die Evidenzlage zum Einsatz von Cadonilimab in Kombination mit Chemotherapie ± Bevacizumab bei Patientinnen mit persistierendem, rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom in der Erstlinie umfasst zwei klinische Studien [780] [781].
In der nicht-randomisierten Phase-2-Kohortenstudie von Lou et al. (2024) wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Cadonilimab in Kombination mit Chemotherapie ± Bevacizumab bei Frauen mit persistierendem, rezidivierendem und/oder metastasiertem Zervixkarzinom in der Erstlinie untersucht (COMPASSION-13-Studie) [780]. Insgesamt wurden 46 Patientinnen in drei Behandlungsarmen (Cadonilimab 15 mg/kg + Chemotherapie [Kohorte A-15], Cadonilimab 10 mg/kg + Chemotherapie [A-10] sowie Cadonilimab 10 mg/kg + Chemotherapie + Bevacizumab [B-10]) behandelt. Die 12-Monats-Überlebensraten lagen bei 93,3 % (A-15) und 87,5 % (A-10). Für Kohorte B-10 wurde keine 12-Monats-Rate berichtet. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 11,10 Monate in Kohorte A-15 (95 %-KI: 5,5–n.e.) und 7,06 Monate in Kohorte A-10 (95 %-KI: 4,1–n.e.); für Kohorte B-10 wurde kein Median angegeben. Bezüglich der Sicherheit kam es bei 73,3 % der Patientinnen zu therapieassoziierten Nebenwirkungen ≥ Grad 3. Immune-related adverse events (irAEs) traten bei 64,4 % auf, schwere irAEs (≥ Grad 3) bei 20,0 %. In 15,6 % der Fälle führten TRAEs zum Therapieabbruch, ein therapieassoziierter Todesfall wurde berichtet (2,2 %).
In der randomisierten, kontrollierten Studie COMPASSION-16 wurde der Zusatz von Cadonilimab zu einer platinhaltigen Chemotherapie mit oder ohne Bevacizumab bei Frauen mit persistierendem, rezidivierendem oder metastasiertem Zervixkarzinom in der Erstlinie untersucht [781]. Im Vergleich zur Placebokontrolle zeigte sich ein signifikanter Vorteil zugunsten von Cadonilimab hinsichtlich des Gesamtüberlebens (OS) mit einer Hazard Ratio (HR) von 0,64 [0,48; 0,86], p=0,0011. Der mediane OS-Wert war im Interventionsarm mit >27 Monaten gegenüber 22,8 Monaten in der Kontrollgruppe verlängert. Auch das progressionsfreie Überleben (PFS) war signifikant verlängert (12,7 vs. 8,1 Monate; HR 0,62 [0,49; 0,80]; p<0,0001). Subgruppenanalysen deuten darauf hin, dass der Zusatz von Bevacizumab die Effekte abschwächte: Ohne Bevacizumab war der Überlebensvorteil von Cadonilimab deutlicher ausgeprägt (OS: HR 0,50 [0,33; 0,75]; PFS: HR 0,46 [0,32; 0,66]) als bei gleichzeitiger Gabe von Bevacizumab (OS: HR 0,84 [0,56; 1,26]; PFS: HR 0,81 [0,58; 1,13]).
Bezüglich der Toxizität zeigten sich keine Unterschiede in der Gesamthäufigkeit unerwünschter Ereignisse (AEs), wobei nahezu alle Patientinnen in beiden Armen betroffen waren (~100 %). Schwere Nebenwirkungen (Grade ≥3) traten ebenfalls ähnlich häufig auf (85,4 % vs. 80,4 %). Jedoch war die Rate therapiebedingter Behandlungsabbrüche unter Cadonilimab deutlich erhöht (27,9 % vs. 10,5 %; RR 2,65 [1,71; 4,12]; p<0,0001). Insbesondere immunvermittelte Nebenwirkungen traten unter Cadonilimab signifikant häufiger auf (45,6 % vs. 6,9 %; RR 6,65 [4,00; 11,07]; schwere immunvermittelte AEs: 9,7 % vs. 0,9 %; RR 10,66 [2,54; 44,79]).
18.3.4 Zweit-Linien und höhere Linien-Therapie beim Zervixkarzinom
In der zweiten Therapielinie stehen - sofern noch nicht in der Erst-Linentherapie gegeben - ebenfalls Immuntherapien zur Verfügung. Dazu gehört u.a. der monoklonale Antikörper Cemiplimab, der an den programmed cell death-1-(PD-1-)Rezeptor bindet. Die Monotherapie mit Cemiplimab hat im Vergleich zu einer Monochemotherapie (Pemetrexed, Topotecan, Irinotecan, Gemcitabine oder Vinorelbin) einen Überlebensvorteil gezeigt. Cemiplimab ist in Deutschland in der Therapie des rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom nach einer platinbasierten Chemotherapie zugelassen und stellt eine neue Therapieoption dar. Diese ist unabhängig vom PD-L1-Status des Tumors (Empfehlung 18.11).
Neben Immuntherapien stellt der Antikörper-Wirkstoff Konjugat (AWK) Tisotumab vedotin (TV), der gegen den Gewebefaktor (tissue factor, TF) gerichtet ist, eine weitere Therapieoption dar. TV wurde in der Phase-3-Studie (SGNTV-003) bei Patientinnen mit rezidivierten oder metastasierten Zervixkarzinom, die bereits ein oder zwei Vortherapien mit einer systemischen Doublet-Chemotherapie (± Bevacizumab und einem PD-L1/PD-1 Inhibitor) erhalten hatten. Der Vergleichsarm war eine Monochemotherapie nach Wahl des Prüfarztes. Im Vergleich zur Monochemotherapie zeigte TV ein signifikant verbessertes OS, PFS und der ORR (Empfehlung 18.10). Da mittlerweile die meisten Patientinnen bereits im Vorfeld Immuncheckpointinhibitoren haben, ist Tisotumab Vedotin die Zweitlinientherapie der Wahl.
Nach Ausschöpfung der oben genannten neuen Therapieoptionen oder bei Kontraindikationen bleibt die Monochemotherapie mit z.B. Topotecan, Gemcitabine oder Vinorelbin weiterhin eine Therapieoption in der Behandlung der Patientin mit rezidivierten oder metastasierten Zervixkarzinom (Empfehlung 18.12.). Ebenso besteht die Möglichkeit die Patientin im molekularen Tumorboard vorzustellen, um ggfs. eine mutationsbasierte Therapie anbieten zu können.
18.3.4.1 Tisotumab Vedotin in der Zweitlinien-Therapie oder höheren Linien des Zervixkarzinoms
Patientinnen mit rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom, bei denen eine Krankheitsprogression während oder nach einer platinbasierten Erstlinienchemotherapie aufgetreten ist, und für die eine weitere antineoplastische Therapie in Frage kommt, sollen eine Therapie mit Tisotumab Vedotin erhalten. Der Einsatz von Tisotumab Vedotin erfolgt unabhängig von einer Vortherapie mit Bevacizumab oder einem Immuncheckpointinhibitor.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2
OS, PFS
3QoL
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [782]
Evidenztabellen (1)
Vergote et al 2024Die Effektivität von Tisotumab gegenüber palliativen Monochemotherapien zur Behandlung von Frauen mit persistierendem, rezidiviertem und/oder metastasiertem Zervixkarzinom ab der zweiten Therapielinie wurde in der randomisierten, offenen Phase-III-Studie InnovaTV 301 evaluiert (NCT04697628) [782]. Patientinnen erhielten entweder Tisotumab Vedotin (n=253) oder wurden mit einer Monochemotherapie (n=249) nach Wahl des Arztes / Ärztin behandelt. Als Monochemotherapien standen Topotecan, Vinorelbine, Gemcitabin, Irinotecan oder Pemetrexed zur Verfügung. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS), sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem das progressionsfreie Überleben (PFS), die Zeit bis zum Ansprechen (TTR), die Dauer des Ansprechens (DoR) sowie gesundheitsbezogene Lebensqualitätsparameter (EQ-5D VAS, EORTC QLQ-C30 und CX24).
Für das Gesamtüberleben zeigte sich ein signifikanter Vorteil zugunsten von Tisotumab Vedotin mit einer medianen Überlebenszeit von 11,5 Monaten gegenüber 9,5 Monaten in der Chemotherapiegruppe (HR 0,70 [0,54; 0,89], p = 0,004). Auch das progressionsfreie Überleben war unter Tisotumab Vedotin verlängert (4,2 vs. 2,9 Monate; HR 0,67 [0,54; 0,82]; p < 0,001). Der Anteil schwerer Nebenwirkungen war unter Tisotumab Vedotin geringer (52,0 % vs. 62,3 %; RR 0,83 [0,715; 0,974]; p = 0,0214), ebenso wie der Anteil schwerer therapieassoziierter Ereignisse (29,2 % vs. 45,2 %; RR 0,65 [0,509; 0,82]; p = 0,0003). Allerdings waren die Therapieabbrüche bei Tisotumab mit 14,8% höher verglichen mit 3,8% bei Monochemotherapie, Die Gabe von Tisotumab ist vor allem mit okulären Nebenwirkungen, peripherer Neuropathie und Blutungsereignissen verbunden. Im Rahmen der InnovaTV 301 wurden im Tisotumab Vedotinarm okuläre Nebenwirkungen bei 52,8% (Grad: 4,0%), periphere Neuropathien bei 38,4% (5,6%) und Blutungsereignisse bei 42,0% (2,4%) der Fälle beobachtet. Im Gegensatz dazu wurden diese Nebenwirkungen nur in 6,3% (Grad3 0%), 4,2% (0,4%) bzw. 14,2% (2,9%) der Patientinnen im Monochemotherapiearm berichtet.
Die Lebensqualität gemessen am EORTC QLQ-C30 Global Health Status zeigte zwar einen geringeren Verschlechterungsgrad in der Tisotumab-Vedotin-Gruppe (mittlerer Rückgang -1,1 Punkte) gegenüber einem stärkeren Rückgang in der Kontrollgruppe (-5,0 Punkte), jedoch gilt dieser erst ab 10 Punkten als klinisch signifikant.
18.3.4.2 Immuntherapieoptionen in der zweiten Linie
Patientinnen mit rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom, bei denen eine Krankheitsprogression während oder nach einer platinbasierten Erstlinienchemotherapie aufgetreten ist und die noch keinen Immuncheckpointinhibitor erhalten haben, sollen eine Therapie mit Cemiplimab – unabhängig vom PD-L1-Status - erhalten.
Hintergrund zur Empfehlung Cemiplimab (Empfehlung 18.11)
In der randomisierten Phase III-Studie EMPOWER-Cervical 1 (NCT03257267) wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Cemiplimab im Vergleich zu einer Monochemotherapie nach Maßgabe des Arztes/Ärztin bei 608 Patientinnen mit rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom bei denen eine Krankheitsprogression während oder nach einer platinbasierten Erstlinienchemotherapie aufgetreten ist, untersucht [783]. Der Einschluss in die Studie erfolgte unabhängig vom PD-L1-Status. Alle Patientinnen hatten bis dato noch keinen Immuncheckpointinhibitor erhalten. Patientinnen erhielten im Rahmen der Studie entweder Cemiplimab (n=304) oder wurden mit einer Monochemotherapie (n=304) nach Wahl des Arztes / Ärztin behandelt. Als Monochemotherapien standen Topotecane, Vinorelbine, Irinotecan oder Pemetrexed zur Verfügung. Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben (OS), sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem das progressionsfreie Überleben (PFS), die objektive Ansprechrate (ORR), die Dauer des Ansprechens (DoR) sowie gesundheitsbezogene Lebensqualitätsparameter (e.g. EORTC QLQ-C30).
In der Gesamtpopulation verlängerte Cemiplimab das mediane Gesamtüberleben (OS) signifikant auf 12,0 Monate gegenüber 8,5 Monaten unter Chemotherapie (Hazard Ratio [HR] 0,69; 95 %-KI: 0,56–0,84; p < 0,001). Dieser Überlebensvorteil zeigte sich sowohl bei Patientinnen mit Plattenepithelkarzinom (OS: 11,1 vs. 8,8 Monate; HR 0,73; p = 0,006) als auch bei Patientinnen mit Adeno- oder adenosquamösem Karzinom (OS: 13,3 vs. 7,0 Monate; HR 0,56).
Bezüglich des progressionsfreien Überlebens (PFS) waren die Unterschiede gering, jedoch statistisch signifikant in der Gesamtpopulation (HR 0,75; p < 0,001) und bei Patientinnen mit Plattenepithelkarzinom (HR 0,71; p < 0,001); bei Patientinnen mit Adeno-/adenosquamösem Karzinom war kein signifikanter Unterschied nachweisbar (HR 0,91).
Nebenwirkungen wurden in beiden Gruppen etwa gleich häufig auf beobachtet (Cemiplimab: 88,3 %, Chemotherapie: 91,4 %). Schwere Nebenwirkungen (CTCAE Grad ≥3) traten unter Cemiplimab seltener auf als unter Chemotherapie (45,0 % vs. 53,4 %; Relatives Risiko [RR] 0,84; p = 0,0408). Die häufigsten schweren Nebenwirkungen unter Cemiplimab waren Anämie (12%), Infektionen des Harntrakts (5%) sowie Asthenie (2,3%). Schwere unerwünschte Ereignisse (SAE) sowie therapiebedingte Todesfälle oder Therapieabbrüche waren insgesamt vergleichbar zwischen den Gruppen, ohne statistisch signifikante Unterschiede.
Cemiplimab führte im Vergleich zur Chemotherapie zu einem verbesserten allgemeinen Gesundheitszustand bzw. verbesserte Lebensqualität (GHS/QoL) und verbesserte körperliche Funktion (PF). Zudem fanden sich klinisch relevante Unterschiede zugunsten von Cemiplimab hinsichtlich Rollenfunktion, Appetitverlust und Schmerzen [784].
Zusammenfassend zeigte die Studie einen signifikanten Überlebensvorteil für Cemiplimab mit einer tendenziell besseren Verträglichkeit hinsichtlich schwerer Nebenwirkungen im Vergleich zur konventionellen Chemotherapie.
Im AMNOG-Verfahren hat der G-BA Cemiplimab im Vergleich zu einer Monochemotherapie (Irinotecan, Pemetrexed, Topotecan oder Vinorelbin) einen beträchtlichen Zusatznutzen bescheinigt (Beschlussfassung 19.10.2023) [777]. Patientinnen, für die vor der Randomisierung eine Behandlung mit Gemcitabin ausgewählt wurde, flossen nicht in die Analysen ein [785]. Unter den vom G-BA benannten Vergleichstherapien Nab-Paclitaxel, Vinorelbin, Ifosfamid, Topotecan, Pemetrexed, Irinotecan und Pembrolizumab (für Patientinnen mit PD-L1 positivem metastasiertem Zervixkarzinom) war Gemcitabin nicht enthalten [786]. Es konnte ein statistisch signifikanter Vorteil für das OS und PFS gezeigt werden. Im Vergleich zum Kontrollarm zeigte sich unter der Therapie mit Cemiplimab ein Statistisch signifikanter Vorteil in den Symptomskalen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Appetitlosigkeit und in den Funktionsskalen körperliche Funktion, Rollenfunktion und soziale Funktion. Ansonsten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.
Weitere Immuncheckpointinhibitoren
Neben Cemiplimab sind weitere Immuncheckpointinhibitoren in dieser Indikation im Rahmen von Phase I oder II-Studien evaluiert worden. Hierzu zählen Pembrolizumab (Keynote 158 [787]) und Nivolumab +/- Ipilimumab (Checkmate 358 [788]).
Pembrolizumab
Eine weitere Option für die Second-line oder höhere Therapielinie kann der Checkpointinhibitor Pembrolizumab (200 mg q3w) für Patientinnen mit PD-L1 positivem Zervixkarzinom (CPS-Score >=1) basierend auf den Daten der Keynote 158 -Studie (Phase II) sein [787]. Es handelt sich hierbei um ein Basket-Trial, bei dem unter anderem 77 von 98 Zervixkarzinompatientinnen mit positiver PD-L1 Expression und Progress unter oder nach First-Line Therapie eingeschlossen wurden. Die Patientinnen erhielten Pembrolizumab für die Dauer von zwei Jahren oder bis zum Progress. Die Gesamtansprechrate lag in dieser Subgruppe bei 14.3 % (95 % KI, 7,4 % -24,1 %); mit 2 Komplettrespondern Die geschätzte 6-Monats-OS-Rate betrug 80,2% bei einem medianen Gesamtüberleben von 11 Monaten (95% KI, 9,1 -14,1 Monate) in der PDL-1 positiven Gesamtkohorte (9,4 Monate ((95% KI, 7,7 – 13,1) in der Gesamtpopulation). Die wichtigsten Nebenwirkungen waren Hypothyreose (10,2 %), Appetitsverlust (9,2 %), sowie Fatigue (9,2 %) und Diarrhoen (8,2 %). Grad 3/4 -Toxizitäten traten in 12,2 % der Patientinnen auf. Die wichtigsten immunvermittelten Toxizitäten waren Hypothyreose (11,2 %) sowie Hyperthyreose (9,2 %). Die FDA hat im Juni 2018 Pembrolizumab für die Therapie des rezidivierten oder metastasierten PD-L1 positiven Zervixkarzinoms nach 1st-line Therapieversagen basierend auf den Ergebnissen der Keynotestudie 158 in dieser Subgruppe die Zulassung erteilt. In Deutschland muss bei entsprechender Indikation und Vorliegen eines positiven PD-L1-Status eine Kostenübernahme bei den Krankenkassen beantragt werden. Durch die Zulassung von Cemiplimab, das PD-L1-Status unabhängig gegeben werden kann und dem Einsatz von Pembrolizumab in der Erstlinientherapie, spielt der Einsatz von Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie eine untergeordnete Rolle.
Nivolumab +/- Ipilimumab
Eine weitere Therapieoption bei vorbehandelten Zervixkarzinomen (maximal 2 Linien) ist der Einsatz des monoklonalen Antikörpers Nivolumab, der an PD-1 Rezeptoren auf T-Zellen bindet. Im Rahmen der CheckMate 358-Studie (Phase 1-2) wurden 193 Patientinnen mit metastasierten oder rekurrenten Zervixkarzinom mit ein bis zwei Linien Chemotherapie eingeschlossen [788]. Initial erhielten die Patientinnen (n=19) eine Nivolumab-Monotherapie (240 mg q2w). Nach abgeschlossener Rekrutierung erfolgte die Randomisierung neuer Patientinnen entweder in den NIVO3 plus IPI1-Arm (n=45) (Nivolumab 3mg/kg q2w, Ipilimumab 1mg/kg q6w) oder NIVO1 plus IPI 3-Arm (n=45) (4 Zyklen NIVO 1mg/kg q3w und IPI 3mg/kg q3w; gefolgt von NIVO 240 mg q2w und IPI 3mg/kg q3w), um die Wirksamkeit einer Kombinationstherapie mit Nivolumab und Ipilimumab in unterschiedlichen Schemata zu evaluieren. Im NIVO1 plus IPI3 wurden weitere 67 Patientinnen für die Expansionskohorte rekrutiert. Der primäre Endpunkt der Studie war die Gesamtansprechrate (ORR). Die ORR betrug 26% mit Nivolumab, 31% im NIVO3 plus IPI1-Arm sowie 40% im NIVO1 plus IP13-Arm (38% unter Einbezug der Expansionskohorte). Schwerwiegende behandlungsassoziierte Nebenwirkungen traten bei 16% der Patientinnen mit Nivolumab Monotherapie auf. Im NIVO3 plus IPI1-Arm wurden 27% und im NIVO1 plus IP13-Arm 42% mit einem behandlungsassoziierten Todesfall beobachtet. Die häufigsten Grad 3-4 Toxizitäten waren Diarrhoe, Leberzerfall, Pneumonitis, Hyponatriämie und Synkopen in der Nivolumabmonotherapiekohorte. Im NIVO3 plus IPI1-Arm wurde u.a, Diarrhoen, Erbrechen, erhöhte Leberwerte, erhöhte Lipasen als Grad III/IV-Toxizitäten beobachtet. Anämie und erhöhte Lipasen wurden als GradII/IV-Toxizitäten im NIVO1 plus IPI3 erhoben.
18.3.4.3 Palliative Monochemotherapien nach Therapieversagen der Standardtherapien
Patientinnen mit metastasierten oder nicht kurativ behandelbaren Zervixkarzinom kann nach Versagen der Standardtherapien bei Therapiewunsch eine Monochemotherapie angeboten werden. Folgende Zytostatika können in Betracht gezogen werden:
- Nab-Paclitaxel
- Vinorelbin
- Ifosfamid
- Topotecan
- Pemetrexed
- Irinotecan
- Gemcitabin
- Pegyliertes Doxorubicin
Änderungshinweis
Patientinnen mit metastasierten oder nicht kurativ behandelbaren Zervixkarzinom kann nach Versagen der Standardtherapien bei Therapiewunsch eine Monochemotherapie angeboten werden. Folgende Zytostatika können in Betracht gezogen werden: - Nab-Paclitaxel - Vonorelbin - Ifosfamid - Topotecan - Pemetrexed - IrinotecanFür Patientinnen mit Progress nach erfolgten Standardtherapien wird bei Therapiewunsch in der Regel eine Monotherapie empfohlen. Es gibt derzeit keine Therapiestudie, die in diesem Setting einen Overall-Survival-Benefit gegenüber „Best supportiv care“ gezeigt hat. Mögliche Therapieoptionen stellen unter anderem dar: Nab-Paclitaxel (125 mg/m2 d1,8,15 q3w) [789], Vinorelbine (30 mg/m2, d1,8, q3w) [790], Ifosfamid (1,2 mg/m2, d1-5, q4w) [791], Topotecan (1,5mg/m2 d1-5, q3w) [792], Pemetrexed (500mg/m2 q3w ) [793] oder Irinotecan (125 mg/m2 q1w) [794], Gemcitabine (800mg/m2 Tag 1,8,15 q4w) [795] [796] und pegyliertes Doxorubicin (40 mg/m2 q4w) [797].
Für Patientinnen mit HER2 positiven IHC3+ Tumoren kommt zusätzlich in dieser Therapiesituation seit Juni 2026 Trastuzumab-Deruxtecan entsprechend der tumoragnostischen Zulassung in Frage (siehe Kap. 18.3.4.4., sowie Abb. 5).
18.3.4.4 Molekular ausgerichtete Therapien (Molekulares Tumorboard)
+Bei Patientinnen, bei denen das Ausschöpfen der Standardtherapien sich abzeichnet, sollten in einem molekularen Tumorboard vorgestellt werden, sofern sie eine weitere Therapie wünschen und therapiefähig sind. Dies ist über die Zentren für personalisierte Medizin möglich, die dem deutschen Netzwerk für personalisierte Medizin angehören. (https://dnpm.de). Häufige therapierelevante Mutationen betreffen EGFR (53%), den PI3K/Akt/mTOR (PIK3CA: 30%) und Ras/Raf/MAPK Pathway (RAS: 14%) [798].
Für Zervixkarzinome zeigten sich bereits einige zielgerichtete Therapien, die teilweise für das Zervixkarzinom zugelassen sind, effektiv. So weisen Zervixkarzinome in ca. 2-6% aller Fälle immunhistochemisch eine HER2 Positivität bzw. eine HER2-Mutation auf.
In der Basket-Studie DESTINY-PanTumor02 (NCT04482309) für HER2 positive Tumoren wurden 40 Patientinnen mit Zervixkarzinomen und einen immunhistochemischen Score 3+,2+ oder 1+ (ohne Amplifikationstest) eingeschlossen, die im Rahmen der Studie das Antibody-Drug-Konjugat Trastuzumab-deruxtecan erhielten. Das HER2-Scoring erfolgte basierend auf dem ASCO/CAP Gastric Score.Die Overall Response Rate betrug 50% und das Gesamtüberleben lag bei 13,6 Monate [156]. Bei HER2 IHC (3+) positiven Zervixkarzinomen konnte eine Overall Response Rate von 75% beobachtet werden. Seit Juni 2026 ist Trastuzumab deruxtecan als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit inoperablen oder metastasierten HER2-positiven (IHC 3+) soliden Tumoren (auch für Zervixkarzinome), die eine vorherige Behandlung erhalten haben und für die es keine zufriedenstellenden Behandlungsoptionen gibt, zugelassen (Fachinfo Trastuzumab Deruxtecan (Stand Juni 2026) (Fachinfo Trastuzumab Deruxtecan (Stand Juni 2026).
In Rahmen der SUMMIT Basket-Studie (Phase II, NCT01953926) wurden insgesamt n=28 metastasierte Patientinnen mit einem HER2 mutiertem Zervixkarzinom eingeschlossen [799]. Die Patientinnen erhielten Neratinib 240 mg pro Tag. Es zeigte sich eine Overall Response Rate von 18,2% sowie eine Clinical Benefit Rate von 45,5%. Die mediane Duration of Response betrug 7,6 Monate. 22,7% der Patientinnen berichteten eine Grad III Diarrhoe.
Zu bedenken gilt jedoch, dass für nicht zugelassene und andere molekular ausgerichtete Therapieoptionen in der Regel einen Kostenübernahme gestellt werden muss, sofern die Patientinnen nicht im Rahmen einer Studie behandelt werden.
18.3.5 Therapiealgorithmus des metastasierten Zervixkarzinoms (Erst- und Zweitlinientherapie)
Evidenztabellen
Tewari et al 2022
Evidenztabelle zu Tewari 2022
| Tewari KS, Monk BJ, Vergote I, et al. Survival with Cemiplimab in Recurrent Cervical Cancer. N Engl J Med. 2022;386(6):544-555 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Outcome | Cemiplimab N=304 |
Chemotherapie N=304 |
Effektschätzer | |||
| Overall Survival, Time To Event1 | N=304 | 12.0 [10.3; 13.5] | N=304 | 8.5 [7.5; 9.6] | HR 0.69 [0.56; 0.84] p<0.001 | |
| Overall Survival, Time To Event2 | N=239 | 11.1 [9.2; 13.4] | N=238 | 8.8 [7.6; 9.8] | HR 0.73 [0.58; 0.91] p=0.006 | |
| Overall Survival, Time To Event3 | N=239 | 13.3 [9.6; 17.6] | N=238 | 7.0 [5.1; 9.7] | HR 0.56 [0.36; 0.85] | |
| Progression-Free Survival, Time To Event1 | N=304 | 2.8 [2.6; 3.9] | N=304 | 2.9 [2.7; 3.4] | HR 0.75 [0.63; 0.89] p<0.001 | |
| Progression-Free Survival, Time To Event2 | N=239 | 2.8 [2.6; 4] | N=238 | 2.9 [2.7; 3.9] | HR 0.71 [0.58; 0.86] p<0.001 | |
| Progression-Free Survival, Time To Event3 | N=239 | 2.7 [2.3; 4] | N=238 | 2.8 [2; 3.2] | HR 0.91 [0.62; 1.34] | |
| Adverse Events | N=300 | 265 (88.3%) | N=290 | 265 (91.4%) | RR 0.97 [0.916; 1.021] p=0.2205 | |
| Severe Adverse Events (Total) | N=300 | 135 (45.0%) | N=290 | 155 (53.4%) | RR 0.84 [0.714; 0.993] p=0.0408 | |
| Serious Adverse Events | N=300 | 89 (29.7%) | N=290 | 78 (26.9%) | RR 1.1 [0.852; 1.427] p=0.4558 | |
| AE-D | N=300 | 5 (1.7%) | N=290 | 2 (0.7%) | RR 2.42 [0.473; 12.358] p=0.2892 | |
| Severe AE-D | N=300 | 5 (1.7%) | N=290 | 2 (0.7%) | RR 2.42 [0.473; 12.358] p=0.2892 | |
| AE-Disc | N=300 | 26 (8.7%) | N=290 | 15 (5.2%) | RR 1.68 [0.906; 3.098] p=0.0998 | |
| Severe AE-Disc | N=300 | 20 (6.7%) | N=290 | 11 (3.8%) | RR 1.76 [0.857; 3.603] p=0.1236 | |
| 1: Gesamtpopulation 2: Patientinnen mit Plattenepithelkarzinom 3: Patientinnen mit Adonkarzinom oder adenosquamösem Karzinom | ||||||
| AE: Adverse Events; AE-D: Adverse Events Leading to Death; CTCAE ≥3: Common Terminology Criteria for Adverse Events, Grade ≥3; OS: Kopie von Overall Survival; PFS: Progression-Free Survival; SAE: Serious Adverse Events | ||||||
Kitagawa et al. 2015
|
Kitagawa R, Katsumata N, Shibata T, Kamura T, Kasamatsu T, Nakanishi T, et al. Paclitaxel Plus Carboplatin Versus Paclitaxel Plus Cisplatin in Metastatic or Recurrent Cervical Cancer: The Open-Label Randomized Phase III Trial JCOG0505. J Clin Oncol. 2015;33(19):2129-35. |
|||
|
Studiendesign |
Population |
Interventionen |
Endpunkte |
|
Open-label RCT |
Erwachsene mit histologisch abgesichertem Zervixkarzinom im Stadium IVB (inklusive persistierend) oder zum ersten oder zweiten Mal rezidiviertes Zervixkarzinom ohne Aussicht auf kurative Intervention. ECOG-Status ≤2
253 Patientinnen eingeschlossen |
Paclitaxel + Cisplatin (N=127) vs. Paclitaxel + Carboplatin (N=126) |
|
|
Evidenzgrad |
|||
|
1- |
|||
|
Vertrauen in Effekte |
|||
|
gering |
|||
|
Ergebniszusammenfassung
Anmerkungen zum Vertrauen in die Effektschätzer
|
|||
|
Endpunkt |
Paclitaxel + Cisplatin (N=127) |
Paclitaxel + Carboplatin (N=126) |
Paclitaxel + Cisplatin vs. Paclitaxel + Carboplatin |
|
Gesamtüberleben [Median, Monate] |
18,3 [16,1; 22,9] |
17,5 [14,2; 20,3] |
HR 0,994; 95% KI: [0,789; 1,253]; p=0,032* |
|
Progressionsfreies Überleben [Median, Monate] |
6,9 [5,7; 7,9] |
6,2 [5,5; 7,2] |
HR 1,041; 95% KI: [0,803; 1,351]; p=0,053* |
|
Vollständiges Tumoransprechen |
3,9% |
7,1% |
|
|
Vollständiges oder partielles Tumoransprechen |
58,8% [48,6; 68,5] |
62,6% [52,3; 72,2] |
p=0,665 |
|
Unerwünschte Ereignisse [n (%)] |
|
|
|
|
Unerwünschte Ereignisse nach Preferred Term, CTCAE-Grad ≥3 |
|||
|
Neutropenie [%], Grad 3-4 [n (%)] |
106 (85,5%) |
96 (76,22%) |
N/A |
|
Neutropenie [%], Grad 4 [n (%)] |
93 (75,0%) |
57 (45,2%) |
N/A |
|
Febrile Neutropenie [n (%)] |
20 (16,0%) |
9 (7,1%) |
N/A |
|
Anämie [n (%)] |
39 (31,2%) |
56 (44,4%) |
N/A |
|
Thrombozytopenie |
4 (3,2%) |
31 (24,6%) |
N/A |
|
Infektionskrankheiten, Grad 2 |
9 (7,2%) |
6 (4,8%) |
N/A |
|
Infektionskrankheiten, Grad 3-4 |
3 (2,4%) |
0 |
N/A |
|
Übelkeit und Erbrechen |
8 (6,4%) |
4 (3,2%) |
N/A |
|
Fatigue |
5 (4,0%) |
10 (7,9%) |
|
|
Sensorische Neuropathie |
0 |
6 (4,8%) |
|
|
Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Ereignisse |
9,5% |
11,8% |
N/A |
|
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse |
N/A |
N/A |
N/A |
Lorusso et al. 2014
|
Lorusso D, Petrelli F, Coinu A, Raspagliesi F, Barni S. A systematic review comparing cisplatin and carboplatin plus paclitaxel-based chemotherapy for recurrent or metastatic cervical cancer. Gynecol Oncol. 2014;133(1):117-123. |
|||
|
Studiendesign |
Population |
Interventionen |
Endpunkte |
|
Systematischer Review / Meta-Analyse |
Patienten mit rezidiviertem, persistierendem oder metastasiertem Zervixkarzinom in der Erstlinientherapie.
17 Studien eingeschlossen: 8 Phase II-Studien, 4 Phase III-Studien*, 5 retrospektive Patientenserien, 1 prospektive Patientenserie Insgesamt 1.181 Patientinnen *eine davon Phase II und Phase III |
Cisplatin-basierte Behandlungsregime vs. Carboplatin-basierte Behandlungsregime |
|
|
Evidenzgrad |
|||
|
1- |
|||
|
Vertrauen in Effekte |
|||
|
Sehr gering |
|||
|
Ergebniszusammenfassung:
Anmerkungen zum Vertrauen in die Effektschätzer
|
|||
|
Endpunkt |
Cisplatin (CDDP)* |
Carboplatin (CBDCA)* |
Cisplatin vs. Carboplatin |
||
|
N [Studien] |
Absoluter Effekt |
N [Studien] |
Absoluter Effekt |
||
|
Objektive Gesamt-Ansprechrate |
18 |
49,3% [41,1; 57,5]; I2=77,7% |
18 |
48,5% [37,9; 59,3]; I2=75,0% |
N/A |
|
Nicht CCDP-naiv |
5 |
42,3% |
4 |
43,9% |
p=0,54 |
|
CCDP-naiv |
4 |
68,3% |
4 |
59,1% |
p=0,73 |
|
Progressionsfreies Überleben [Median, Monate] |
9 |
6,9 (4,8 – 8,3) |
7 |
5,0 (2,9 – 7,0) |
p=0,03 |
|
Gesamtüberleben |
17 |
12,87 (9 – 39) |
17 |
10,0 (8,4 – 21,0) |
p>0,05 |
|
Anämie |
N/A |
23,3% |
N/A |
39,5% |
N/A |
|
Febrile Neutropenie |
N/A |
15,6% |
N/A |
7,6% |
N/A |
|
Thrombozytopenie |
N/A |
9,2% |
N/A |
21,6% |
N/A |
|
Neutropenie |
N/A |
60,6% |
N/A |
51,5% |
N/A |
|
Erbrechen |
N/A |
7,5% |
N/A |
2,8% |
N/A |
|
Neurotoxizität |
N/A |
17,9% |
N/A |
3,3% |
N/A |
|
Diarrhöe |
N/A |
3,3% |
N/A |
1,5% |
N/A |
|
Stomatitis |
2 |
0,7% |
2 |
0% |
N/A |
|
*jeweils in Kombination mit Paclitaxel |
|||||
Rosen et al. 2017
|
Rosen VM, Guerra I, McCormack M, et al. Systematic Review and Network Meta-Analysis of Bevacizumab Plus First-Line Topotecan-Paclitaxel or Cisplatin-Paclitaxel Versus Non-Bevacizumab-Containing Therapies in Persistent, Recurrent, or Metastatic Cervical Cancer. Int J Gynecol Cancer. 2017;27(6):1237-1246. |
|||
|
Studiendesign |
Population |
Interventionen |
Endpunkte |
|
Systematischer Review mit Netzwerk-Metanalyse |
Patienten mit rezidiviertem, persistierendem oder metastasiertem Zervixkarzinom in der Erstlinientherapie.
23 RCT eingeschlossen: Insgesamt 1,678 Patientinnen
|
Bevacizumab + 1st Line Topotecan-Paclitacel oder vs. Bevacizumab-freie Therapieoptionen |
|
|
Evidenzgrad |
|||
|
1++ |
|||
|
Vertrauen in Effekte |
|||
|
moderat |
|||
|
Ergebniszusammenfassung:
Anmerkungen zum Vertrauen in die Effektschätzer
|
|||
|
Vergleich |
Effektschätzer [95% KI] |
Wahrscheinlichkeit bester Wirkstoff |
Medianer Rang |
|
|
Cisplatin + Paclitaxel + Bevacizumab |
Paclitaxel + Topotecan + Bevacizumab |
1,20 [0,90; 1,61] |
0,681 |
1 [1-4] |
|
Paclitaxel + Topotecan |
1,45 [1,07; 1,95] |
|||
|
Cisplatin |
2,20 [1,27; 3,79] |
|||
|
Cisplatin + Methotrexat + Vinblastin + Doxorubicin |
1,07 [0,48; 2,39] |
|||
|
Paclitaxel + Carboplatin |
1,34 [0,89; 2,01] |
|||
|
Paclitaxel + Carboplatin + Cediranib |
1,43 [0,71; 2,91] |
|||
|
Cisplatin + Topotecan |
1,68 [1,04; 2,72] |
|||
|
Cisplatin + Vinorelbin |
1,54 [0,95; 2,49] |
|||
|
Cisplatin + Gemcitabin |
1,77 [1,10; 2,87] |
|||
|
Cisplatin + Paclitaxel |
1,34 [0,99; 1,82] |
|||
|
Paclitaxel + Carboplatin + Cediranib |
Paclitaxel + Topotecan + Bevacizumab |
0,84 [0,42; 1,69] |
0,138 |
6 [1-11] |
|
Paclitaxel + Topotecan |
1,01 [0,50; 2,03] |
|||
|
Cisplatin |
1,54 [0,70; 3,36] |
|||
|
Cisplatin + Methotrexat + Vinblastin + Doxorubicin |
1,07 [0,48; 2,39] |
|||
|
Paclitaxel + Carboplatin |
0,93 [0,52; 1,66] |
|||
|
Cisplatin + Paclitaxel + Bevacizumab |
0,70 [0,34; 1,41] |
|||
|
Cisplatin + Topotecan |
1,17 [0,56; 2,45] |
|||
|
Cisplatin + Vinorelbin |
1,08 [0,51; 2,25] |
|||
|
Cisplatin + Gemcitabin |
1,24 [0,59; 2,59] |
|||
|
Cisplatin + Paclitaxel |
0,94 [0,50; 1,77] |
|||
|
KI: Konfidenzintervall; GI: Glaubwürdigkeitsintervall |
|
|||
|
* Wirkstoffkombinationen mit Wahrscheinlichkeit bester Wirkstoff ≥10% |
|
|||
Tewari et al. 2017
|
Tewari KS, Sill MW, Penson RT, et al. Bevacizumab for advanced cervical cancer: final overall survival and adverse event analysis of a randomised, controlled, open-label, phase 3 trial (Gynecologic Oncology Group 240). Lancet. 2017;390(10103):1654-1663 |
|||
|
Studiendesign |
Population |
Interventionen |
Endpunkte |
|
Open Label-RCT |
Patienten mit rezidiviertem, persistierendem oder metastasiertem Zervixkarzinom in der Erstlinientherapie, EGOG-Status 0 oder 1, Chemotherapie naiv
452 Patienten eingeschlossen und randomisiert (Verhältnis 1:1:1:1) |
Cisplatin + Paclitaxel (N=114) vs. Cisplatin + Paclitaxel + Bevacizumab (N=115)
Topotecan + Paclitaxel (N=111) vs. Topotecan + Paclitaxel + Bevacizumab (N=112) |
|
|
Evidenzgrad |
|||
|
1- |
|||
|
Vertrauen in Effekte |
|||
|
moderat |
|||
|
Studienergebnisse:
Vertrauen in die Effektschätzer
|
|||
|
Endpunkt |
Absoluter Effekt |
Effektschätzer Arm 1 vs. Arm 2 |
|
|
Arm 1 |
Arm 2 |
||
|
Gesamtüberleben |
Chemotherapie mit Bevacizumab |
Chemotherapie ohne Bevacizumab |
HR: 0,77 [0,62; 0,95]; p=0,007 |
|
16,8 Monate |
13,3 Monate |
||
|
Cisplatin + Paclitaxel + Bevacizumab |
Cisplatin + Paclitaxel |
HR: 0,73 [0,54; 0,99]; p=0,040 |
|
|
17,5 Monate |
15,0 Monate |
||
|
Topotecan + Paclitaxel + Bevacizumab |
Topotecan + Paclitaxel |
HR: 0,80 [0,59; 1,08]; p=0,150 |
|
|
16,2 Monate |
12,0 Monate |
||
|
Progressionsfreies Überleben |
Chemotherapie mit Bevacizumab |
Chemotherapie ohne Bevacizumab |
HR: 0,68 [0,56; 0,84]; p=0,0002 |
|
8,2 Monate |
6,0 Monate |
||
|
UE (Grad 2) |
Chemotherapie mit Bevacizumab |
Chemotherapie ohne Bevacizumab |
|
|
Genitourinäre Fistel |
8 (4%) |
1 (<1%) |
RR 8,00 [1,01; 63,43]; p=0,04 |
|
Gastrointestinale Fistel |
11 (5%) |
1 (<1%) |
RR 11,00 [1,43; 84,48]; p=0,006 |
|
Hypertonie |
55 (25%) |
4 (2%) |
13,75 [5,07; 37,29]; p=0,001 |
|
UE (Grad 3) |
Chemotherapie mit Bevacizumab |
Chemotherapie ohne Bevacizumab |
|
|
Genitourinäre Fistel |
6 (3%) |
1 (<1%) |
RR 6,00 [0,73; 49,43]; p=0,12 |
|
Gastrointestinale Fistel |
7 (3%) |
0 |
N/A; p=0,02 |
|
UE Grad (≥3) |
Chemotherapie mit Bevacizumab |
Chemotherapie ohne Bevacizumab |
|
|
Neutropenie |
80 (36%) |
58 (26%) |
1,37 [1,04; 1,83]; p=0,03 |
|
Febrile Neutropenie |
12 (5%) |
12 (5%) |
1,00 [0,46; 2,18]; p=1,00 |
|
Gastrointestinale Blutung |
4 (2%) |
1 (<1%) |
4,00 [0,45; 35,50]; p=0,37 |
|
Proteinurie |
5 (2%) |
0 |
N/A; p=0,06 |
|
Thrombose oder Embolie |
18 (8%) |
4 (2%) |
4,50 [1,55; 13,08]; p=0,004 |
|
Schmerz |
72 (33%) |
63 (29%) |
1,14 [0,86; 1,51]; p=0,41 |
|
KI: Konfidenzintervall; UE: unerwünschtes Ereignis |
|||
Colombo 2021
Evidenztabelle zu Colombo 2021 (KEYNOTE 826)
| Colombo N, Dubot C, Lorusso D, Caceres MV, Hasegawa K, Shapira-Frommer R, et al. Pembrolizumab for Persistent, Recurrent, or Metastatic Cervical Cancer. N Engl J Med. 2021;385(20):1856-67 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Outcome | Chemotherapie + Pembrolizumab 1 N=308 |
Chemotherapie + Placebo 1 N=309 |
Effektschätzer | |||
| Overall Survival, Time To Event | N=308 | [; ] 163 (52.9%) | N=309 | [; ] 129 (41.7%) | HR 0.67 [0.54; 0.84] p<0.001 | |
| PD-L1 CPS ≥ 1 | N=273 | [; ] 163 (52.9%) | N=275 | [; ] 129 (41.7%) | HR 0.67 [0.54; 0.84] p<0.001 | |
| PD-L1 CPS ≥ 10 | N=158 | [; ] 86 (54.4%) | N=159 | [; ] 71 (44.7%) | HR 0.61 [0.44; 0.84] p<0.001 | |
| Komedikation mit Bevacizumab | N/A | N=196 | N/A | N=193 | 0.63 [0.47; 0.87] | |
| Progression-Free Survival, Time To Event | N=308 | 10.4 [; ] | N=309 | 8.2 [; ] | HR 0.65 [0.53; 0.79] p<0.001 | |
| PD-L1 CPS ≥ 1 | N=273 | 10.4 [; ] | N=275 | 8.2 [; ] | HR 0.62 [0.5; 0.77] p<0.001 | |
| PD-L1 CPS ≥ 10 | N=158 | 10.4 [; ] | N=159 | 8.1 [; ] | HR 0.58 [0.44; 0.77] p<0.001 | |
| Komedikation mit Bevacizumab | N/A | N=196 | N/A | N=193 | HR 0.61 [[0.47; 0.79] | |
| Adverse Events | N=307 | 305 (99.4%) | N=309 | 307 (99.4%) | RR 1 [0.987; 1.013] p=0.9948 | |
| Severe Adverse Events (Total) | N=307 | 251 (81.8%) | N=309 | 232 (75.1%) | RR 1.09 [1.002; 1.183] p=0.0447 | |
| Serious Adverse Events | N=308 | 153 (49.7%) | N=309 | 130 (42.1%) | RR 1.18 [0.994; 1.403] p=0.0590 | |
| Adverse Events Leading to Treatment Discontinuation | N=308 | 116 (37.7%) | N=309 | 82 (26.5%) | RR 1.42 [1.122; 1.795] p=0.0035 | |
| Adverse Events Leading to Death | N=308 | 14 (4.6%) | N=309 | 14 (4.5%) | RR 1 [0.486; 2.069] p=0.9930 | |
| Treatment-related Adverse Events Leading to Death s | N=308 | 2 (0.7%) | N=309 | 4 (1.3%) | RR 0.5 [0.093; 2.719] p=0.4237 | |
| 1: Mit oder ohne Bevacizumab, keine Differenzierung in der Analyse | ||||||
| DFS: Disease-Free Survival; OS: Overall Survival; PFS: Progression-Free Survival | ||||||
Lorusso et al 2025
Evidenztabelle zu Lorusso 2025
| Lorusso D, Colombo N, Dubot C, Caceres MV, Hasegawa K, Shapira-Frommer R, et al. Pembrolizumab plus chemotherapy for advanced and recurrent cervical cancer: final analysis according to bevacizumab use in the randomized KEYNOTE-826 study. Ann Oncol. 2025;36(1):65-75 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Outcome | Chemotherapie + Bevacizumab + Pembrolizumab N=196 | Chemotherapie + Bevacizumab + Placebo N=193 | Effektschätzer | |||
| Overall Survival, Time To Event | N=196 | 37.6 [27.0; NR] 99 (50.5%) |
N=193 | 22.5 [16.6; 25.0] 130 (67.4%) |
0.61 [0.47; 0.80] | |
| PD-L1 CPS ≥ 1 | N=175 | 43.9 [28.6; NR] 85 (48.6%) |
N=171 | 23.0 [16.4; 26,3] 113 (66.1%) |
0.60 [0.45; 0.79] | |
| Progression-Free Survival, Time To Event | N=196 | 15.2 [10.5; 23.3] 115 (58.7%) |
N=193 | 10.2 [8.3; 12.2] 149 (77.2%) |
0.57 [0.45; 0.73] | |
| PD-L1 CPS ≥ 1 | N=175 | 15.3 [10.5; 29.1] 100 (57.1%) |
N=171 | 10.3 [8.4; 12.3] 132 (77.2%) |
0.56 [0.43; 0.73] | |
| Adverse Events | N=196 | 196 (100.0%) | N=193 | 193 (100.0%) | RR 1.0 [0.99; 1.01] | |
| Treatment-related Adverse Events | N=196 | 191 (97.5%) | N=193 | 190 (98.5%) | RR 0.99 [0.96; 1.02] | |
| Severe Treatment-related Adverse Events | N=196 | 145 (74.0%) | N=193 | 129 (66.8%) | RR 1.11 [0.97; 1.26] | |
| Severe Treatment-related Adverse Events Leading to Treatment Discontinuation | N=196 | 80 (40.8%) | N=193 | 63 (32.6%)( | RR 1.25 [0.96; 1.63] | |
| Severe Treatment-related Adverse Events Leading to Death | N=196 | 1 (0.5%) | N=193 | 3 (1.6%) | RR 0.33 [0.03; 3,13] | |
| Treatment-related, immune-realted Adverse Events | N=196 | 87 (44.4%) | N=193 | 62 (32.1%) | RR 1.38 [1.07; 1.79] | |
| Severe Treatment-related, immune-realted Adverse Events | N=196 | 32 (16.3%) | N=193 | 11 (5.7%) | RR 2.86 [1.49; 5.52] | |
| 1: Adjusted for age, BMI, stage of disease, depth of cervical invasion, LVSI, lymph node involvement, and ECOG status 2: Adjusted for age, BMI, stage of disease, LVSI, lymph node involvement, and ECOG status because of large amounts of missing data for depth of cervical invasion and tumor size. | ||||||
| DFS: Disease-Free Survival; OS: Overall Survival; PFS: Progression-Free Survival | ||||||
Monk et al 2023 Keynote
Evidenztabelle zu Monk 2023 (KEYNOTE 826)
| Monk BJ, Tewari KS, Dubot C, et al. Health-related quality of life with pembrolizumab or placebo plus chemotherapy with or without bevacizumab for persistent, recurrent, or metastatic cervical cancer (KEYNOTE-826): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Oncol. 2023;24(4):392-402 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Outcome | Chemotherapie + Pembrolizumab * N=308 |
Chemotherapie + Placebo * N=309 |
Effektschätzer | |||
| Dichotome Endpunkte | ||||||
| EORTC QLQ-C30 (Global Health Status) - TTD1,2 | N=290 | [13.4; ] 122 (42.07%) | N=297 | 12.9 [6.6; ] 85 (28.62%) | HR 0.84 [0.65; 1.09] p=0.19 | |
| EORTC QLQ-C30 (Physical Function) - TTD1,2 | N=308 | 8.9 [6; 19.7] 138 (47.59%) |
N=309 | 10.6 [7; ] 124 (42.03%) | HR 1.11 [0.87; 1.42] p=0.39 | |
| EQ-5D (VAS) - TuDD1,2 | N=290 | [17.2; ] 111 (38.28%) | N=295 | 7.7 [6; ] 136 (46.1%) | HR 0.75 [0.58; 0.97] p=0.027 | |
| Kontinuierliche Endpunkte | ||||||
| EQ-5D (VAS) | N=290 | 0.3 [-2.2; 2.8] | N=297 | -1.5 [-4.1; 1.1] | MD 1.8 [-1.6; 5.1] p=0.29 | |
| EORTC QLQ-C30 (Globaler Gesundheitsstatus) | N=290 | -0.3 [-3.1; 2.6] | N=297 | -1.3 [-4.2; 4.7] | MD 1 [-2.7; 4.7] p=0.60 | |
| EORTC QLQ-C30 (Körperliche Funktion) | N=290 | -8.3 [-11.1; -5.5] | N=295 | -6.1 [-9; -3.2] | MD -2.1 [-6; 1.8] p=0.28 | |
| 1: Zeit bis zur definitiven Verschlechterung 2: nach 24 Monaten 3: Score range 0-100 | ||||||
| *: Mit oder ohne Bevacizumab, keine Differenzierung in der Analyse | ||||||
| DFS: Disease-Free Survival; OS: Overall Survival; PFS: Progression-Free Survival | ||||||
Wang et al 2024 PICO 2 Keynote
Evidenztabelle zum systematischen Review von Wang 2024 (PICO 2)
| Wang YZ, Wang JS, Du J, Tang XL, Xiao JP. Clinical benefit analysis of PD-1 inhibitors in patients with advanced, recurrent or metastatic cervical cancer: a meta-analysis and systematic review. Front Immunol. 2024;15:1305810 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Eingeschlossene Publikationen | RCT: Colombo 2021, Tewari 2022, Nishio 2023 Einzelarmstudien: Frenel 2017, Tamura 2019, Chung 2019, Friedman 2020, Rischin 2020, O'Malley 2021, Miller 2021, Huang 2021, Santin 2021, O'Malley 2022, Xia 2022, Ma 2022, Cheng A 2022, Cheng B 2022, Xu 2022, An 2023, Zheng A 2023, Zheng B 2023 N=21 |
||||
| Outcome | Studien pro Endpunkt | Effektschätzer: pre-operative conization before radical hysterectomy vs. no pre-operative conization before radical hysterectomy |
Heterogenität | Anmerkungen | |
| Overall Survival, Time To Event | N=2 | HR 0.65 [0.53; 0.81] p<0.001 | I2= 10% | ||
| Progression-Free Survival, Time To Event | N=2 | HR 0.63 [0.52; 0.77] p<0.001 | I2= 48.6%; p=0.143 | ||
| Adverse Events - TTE | N=3 | RR 0.99 [0.89; 1.1] p=0.788 | N/R | ||
| Severe Adverse Events (Total) - TTE | N=3 | RR 0.99 [0.91; 1.08] p=0.788 | N/R | ||
Vergote et al 2024
Evidenztabelle zu Vergote 2024
| Vergote I, González-Martín A, Fujiwara K, et al. Tisotumab Vedotin as Second- or Third-Line Therapy for Recurrent Cervical Cancer. N Engl J Med. 2024;391(1):44-55 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Outcome | Tisotumab vedotin N=253 |
Chemotherapy N=249 |
Effektschätzer | |||
| Overall Survival, Time To Event | N=253 | 11.5 [9.8; 14.9] 123 (48.6%) | N=249 | 9.5 [7.9; 10.7] 140 (56.2%) | HR 0.7 [0.54; 0.89] p=0.004 RR 0.86 [0.731; 1.022] | |
| EORTC QLQ-C30 (Global Health Status) | N=231 | 32 (13.9%) | N=203 | 7 (3.5%) | RR 0.25 [0.11; 0.55] p=0.0006 | |
| TAE-Disc | N=250 | 133 (53.2%) | N=239 | 136 (56.9%) | RR 0.93 [0.796; 1.097] p=0.4105 | |
| Adverse Events | N=250 | 246 (98.4%) | N=239 | 237 (99.2%) | RR 0.99 [0.973; 1.012] p=0.4406 | |
| Severe Adverse Events (Total) | N=250 | 130 (52.0%) | N=239 | 149 (62.3%) | RR 0.83 [0.715; 0.974] p=0.0214 | |
| TAE | N=250 | 219 (87.6%) | N=239 | 204 (85.4%) | RR 1.03 [0.957; 1.101] p=0.4689 | |
| Severe TAE | N=250 | 73 (29.2%) | N=239 | 108 (45.2%) | RR 0.65 [0.509; 0.82] p=0.0003 | |
| TSAE | N=250 | 82 (32.8%) | N=239 | 94 (39.3%) | RR 0.83 [0.658; 1.057] p=0.1336 | |
| EORTC QLQ-C30 (Global Health Status) | N=253 | -1.1 [-4.3; 2.1] | N=249 | -5.0 [-8.1; -1.9] | [; ] | |
| AE: Adverse Events; CTCAE ≥3: Common Terminology Criteria for Adverse Events, Grade ≥3; OS: Overall Survival; PFS: Progression-Free Survival; TAE: Treatment-related Adverse Events; TSAE: Treatment-related Serious Adverse Events | ||||||
Evidenzkurzprofil zu Cemiplimab als Zweitlinientherapie bei einem persistierten, rezidivierten und/oder metastasierten Zervixkarzinom
|
Evidenzkurzprofil zu Cemiplimab als Zweitlinientherapie bei einem persistierten, rezidivierten und/oder metastasierten Zervixkarzinom |
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|
Population |
Frauen mit einem vorbehandelten persistierten, rezidivierten und/oder metastasierten Zervixkarzinom |
|
|
Intervention |
Cemiplimab zur ≥ Zweitlinientherapie |
|
|
Komparator |
Mono-Chemotherapie zur ≥ Zweitlinientherapie |
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Evidenzgrundlage |
Studie EMPOWER-Cervical 1 (NCT03257267) · Datenschnitte: o im AMNOG-Verfahren berücksichtigte Studienergebnisse: 04.01.2021 o ergänzend Studiendaten aus Oaknin et al. 2025 [1]: 20.04.2023 · Vergleich: Cemiplimab vs. Therapie nach ärztlicher Maßgabe unter Auswahl einer Monotherapie mit Gemcitabin, Irinotecan, Pemetrexed, Topotecan oder Vinorelbin · Studienpopulation: erwachsenen Patientinnen mit rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom, bei denen eine Krankheitsprogression während oder nach einer platinbasierten Erstlinienchemotherapie aufgetreten ist · Relevante Teilpopulation: Patientinnen, für die vor der Randomisierung eine Behandlung mit Irinotecan, Pemetrexed, Topotecan oder Vinorelbin ausgewählt worden war. |
|
|
Datenquellen |
Nutzenbewertungsverfahren zu Cemiplimab (2023); Stand: 25.06.2025 Oaknin et al. 2025 [1] |
|
|
Weitere Publikationen |
Tewari et al. 2022 [2] Oaknin et al. 2022 [3] |
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Endpunkte |
Ergebnisse 1) |
GRADE-Bewertung |
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OS |
· Statistisch signifikanter Vorteil gegenüber Kontrolle: HR 0.68 [95%-KI 0.53; 0.87] 2) |
⊕⊕⊕⊕ |
|
PFS |
· Statistisch signifikanter Vorteil gegenüber Kontrolle: HR 0.77 [95%-KI 0.62; 0.97] |
⊕⊕⊕⊖ |
|
Patientenberichtete Symptomatik/QoL |
· Statistisch signifikanter Vorteil in den Symptomskalen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Appetitlosigkeit und in den Funktionsskalen körperliche Funktion, Rollenfunktion und soziale Funktion · Ansonsten keine statistisch signifikanten Unterschiede |
⊕⊕⊖⊖ |
|
UE (aggregiert) |
· Statistisch signifikanter Vorteil bei schweren UE (Gesamt) · Keine statistischen Unterschiede bei SUE (Gesamt) und Therapieabbruch aufgrund von UE |
⊕⊕⊕⊖ |
|
Spezifische UE |
· Statistisch signifikanter Vorteil bei schwerwiegenden Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems und bei Übelkeit (jeglichen Schweregrades) |
⊕⊕⊖⊖ |
|
1) Basierend auf dem Datenschnitt vom 04.01.2021. 2) Finale OS-Analyse in der Gesamtstudienpopulation einschließlich der Studienteilnehmenden, für die vor der Randomisierung eine Behandlung mit Gemcitabin ausgewählt wurde (Datenschnitt 20.04.2023, medianes Follow-Up 47.3 Monate): HR 0.67 [95%-KI 0.56-0.80] (Quelle: Oaknin et al. 2025. [1]) |
||
|
Referenzen: 1. Oaknin, A., et al., Cemiplimab in recurrent cervical cancer: Final analysis of overall survival in the phase III EMPOWER-Cervical 1/GOG-3016/ENGOT-cx9 trial. Eur J Cancer, 2025. 216: p. 115146. 2. Tewari, K.S., et al., Survival with Cemiplimab in Recurrent Cervical Cancer. N Engl J Med, 2022. 386(6): p. 544-555. 3. Oaknin, A., et al., EMPOWER CERVICAL-1: Effects of cemiplimab versus chemotherapy on patient-reported quality of life, functioning and symptoms among women with recurrent cervical cancer. Eur J Cancer, 2022. 174: p. 299-309. |
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|
Quelle: Das Kurzprofil fasst die Ergebnisse der Evidenzaufarbeitung zu Cemiplimab bei einem vorbehandelten persistierten, rezidivierten und/oder metastasierten Zervixkarzinom zusammen (Evidenzbewertung des OL Nr. 25-07-01). |
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Oaknin et al 2022
Evidenztabelle zu Oaknin 2022
| Oaknin A, Monk BJ, Vergote I, et al. EMPOWER CERVICAL-1: Effects of cemiplimab versus chemotherapy on patient-reported quality of life, functioning and symptoms among women with recurrent cervical cancer. Eur J Cancer. 2022;174:299-309 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Outcome | Cemiplimab N=304 |
Chemotherapie N=304 |
Effektschätzer | |||
| EORTC QLQ-C30 (Fatigue) - TTC1,2,3 | N=304 | 7.33 [5.82; 13.47] 1.51 ±1.74 | N=304 | 4.17 [2.92; 7.26] 10.55 ±2.31 | HR 0.7 [0.54; 0.9] p=0.0059 LSMD -9.05 [-14.05; -4.04] | |
| EORTC QLQ-C30 (Pain) - TTC1,2,3 | N=304 | 13.51 [10.12; ] -4.73 ±2.08 | N=304 | 6.47 [4.17; 9.69] 5.51 ±2.77 | HR 0.57 [0.42; 0.77] p=0.0002 LSMD -10.23 [-16.2; -4.26] | |
| EORTC QLQ-C30 (Global Health Status) - TTD2,4 | N=304 | 18.85 [9.82; ] 1.01 ±154 | N=304 | 8.84 [6.97; ] -6.81 ±2.12 | HR 0.63 [0.46; 0.87] p=0.004 LSMD 7.81 [3.3; 12.33] | |
| EORTC QLQ-C30 (Physical Function) - TTD2,3,4 | N=304 | 14.55 [9.79; 20.8] -0.45 ±1.39 | N=304 | 9.72 [5.82; 12.71] -8.70 ±1.83 | HR 0.66 [0.48; 0.89] p=0.006 LSMD 8.26 [4.29; 12.22] | |
| Kontinuierliche Endpunkte | ||||||
| EORTC QLQ-C30 (Constipation)1 | N=304 | -0.95 ±2.13 | N=304 | 5.33 ±2.67 | LSMD -6.28 [-11.96; -0.7] p=0.0303 | |
| EORTC QLQ-C30 (Diarrhea)1 | N=304 | 0.06 ±1.32 | N=304 | 0.50 ±1.79 | LSMD -0.44 [-4.3; 3.42] p=0.8231 | |
| EORTC QLQ-C30 (Dyspnea)1 | N=304 | 1.11 ±1.69 | N=304 | 5.07 ±2.22 | LSMD -3.96 [-8.73; 0.8] p=0.1023 | |
| EORTC QLQ-C30 (Insomnia)1 | N=304 | -2.43 ±2.14 | N=304 | 6.39 ±2.76 | LSMD -8.82 [-14.71; -2.93] p=0.0035 | |
| EORTC QLQ-C30 (Lack of Appetite)1 | N=304 | -3.14 ±1.83 | N=304 | 8.15 ±2.5 | LSMD -11.3 [-16.58; -6.02] p<0.0001 | |
| EORTC QLQ-C30 (Nausea)1 | N=304 | 0.84 ±1.24 | N=304 | 7.89 ±1.7 | LSMD -7.04 [-10.61; -3.48] p=0.0001 | |
| EORTC QLQ-C30 (Cognitive Function)4 | N=304 | -1,08 ±143 | N=304 | -5.02 ±1.89 | LSMD 3.95 [-0.13; 8.02] p=0.0574 | |
| EORTC QLQ-C30 (Emotional Function)4 | N=304 | 5.10 ±1.41 | N=304 | -2.10 ±1.96 | LSMD 7.2 [3.01; 11.39] p=0.0008 | |
| EORTC QLQ-C30 (Role Function)4 | N=304 | 2.39 ±1.73 | N=304 | -10.71 ±2.27 | LSMD 13.1 [8.26; 17.93] p<0.0001 | |
| EORTC QLQ-C30 (Social Function)4 | N=304 | 2.54 ±1.77 | N=304 | -5.10 ±2.2 | LSMD 7.64 [2.96; 12.32] p=0.0015 | |
Literaturhinweise
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