3. Tumor-assoziierte Anämie – Supportive Therapie
Autor*innen: PD Dr. Rebecca Bütof, Prof. Dr. Maike de Wit, Prof. Dr. Birgit Gathof , PD Dr. Karin Hohloch, Prof. Dr. Hartmut Link, Prof. Dr. Hanno Riess, Prof. Dr. Hubert Schrezenmeier, PD Dr. Ulrich Schuler, Dr. Christoph Szuszies, Prof. Dr. Bernhard Wörmann, Dr. Tilmann Steinmetz
3.1 Definition und klinisches Erscheinungsbild
3.1.1 Definition der Anämie
Unter Anämie (Blutarmut) versteht man eine Verminderung der Hämoglobinkonzentration (Hb) und/oder des Hämatokrits (Hk) im peripheren Blut.
Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der untere Referenzwert des Hämoglobins bei mitteleuropäischen Erwachsenen, abhängig vom Alter, bei nicht-schwangeren Frauen mit 12 g/dl (7,45 mmol/l) und bei Männern mit 13 g/dl (8,07 mmol/l) definiert [3][4].
Während der Begriff „Tumoranämie“ oder auch „Krebs-assoziierte Anämie“ nicht unterscheidet zwischen Anämie durch die Erkrankung selbst oder ihre Therapie, beschreibt „Tumortherapie-induzierte Anämie“ die Anämie hervorgerufen durch eine Chemotherapie (inkl. „neue Substanzen“) und/oder Radiotherapie bzw. Operation. Die „Chemotherapie-induzierte Anämie“ begrenzt sich auf die Anämie, die durch eine Chemotherapie hervorgerufen wird.
Wichtig ist zudem der Terminus „Anämie bei chronischer Erkrankung“: Diese Anämieform entsteht durch die Aktivierung des Immunsystems (Ursachen: Tumor, Infektion, Autoimmunerkrankung) mit komplexen Effekten auf Hämatopoese, Eisenstoffwechsel und deren Regelung.
3.1.2 Klinisches Erscheinungsbild
Die Beschwerden bei Anämie sind vielfältig, können alle Organsysteme betreffen und umfassen Symptome wie Müdigkeit, Fatigue, verminderte muskuläre und kognitive Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwäche, Schwächegefühl, Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Tachykardie, Dyspnoe, Tachykardie, Orthostase-Syndrom Hypotonie und Synkopen. Typische Untersuchungsbefunde sind blasse Haut, Skleren und Schleimhäute. Patient*innen mit langsam entstehender Anämie adaptieren sich an die Blutarmut, sodass die Beschwerden und Symptome ohne aktive Anamneseerhebung leicht übersehen werden können.
3.2 Pathophysiologie der Anämie bei chronischer Erkrankung
Hepcidin, ein in der Leber gebildetes Typ II Akute-Phase-Peptid, hemmt die intestinale Eisenresorption, die Eisenfreisetzung aus den Enterozyten, die Eisenmobilisation aus dem retikulohistiozytäres System (RHS) und die Eisenaufnahme in die erythropoetischen Vorläuferzellen [8]. Hepcidin bindet an den einzigen zellulären Eisenexporter Ferroportin und bewirkt dessen Internalisierung. Trotz Eisenüberladung des Organismus ist also auch eine verminderte Hämoglobinsynthese möglich. Der Hämatopoese steht trotz erhöhten Speichereisens zu wenig Eisen zur Verfügung, entsprechend einem funktionellen Eisenmangel.
Bei gesteigerter erythropoetischer Aktivität bilden die Vorläuferzellen der Erythropoese im Knochenmark, die Proerythroblasten das Molekül Erythroferron, das die Bildung von Hepcidin in der Leber hemmt und dadurch die Absorption und Verteilung von Eisen aus den Speicherzellen befördert [9]. Bei verminderter oder supprimierter Hämatopoese ist daher die Erythroferronproduktion vermindert und die Hepcidinproduktion erhöht.
3.3 Inzidenz der Tumor-assoziierten Anämie
Unter Tumortherapie treten bei ca. 75 % aller Patient*innen Anämien auf, am häufigsten bei gynäkologischen Tumoren (77 %) bzw. bei Patient*innen mit Lungenkarzinom (77 % - 83 %) [12].
Eine Chemotherapie allein kann zu einer mittleren Verminderung des Hämoglobins um ca. 1,5 g/dl führen, ohne zusätzliche Ursache. Dies konnte in Studien zur adjuvanten Therapie von Frauen mit Mammakarzinom (FEC: 5-Flourouracil, Epirubicin, Cyclophosphamid) oder von Patient*innen mit hoch malignem Non-Hodgkin-Lymphom (CHOP: Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednisolon) gezeigt werden [13][14].
Bei Strahlentherapie allein wird eine Anämie bei ca. 38 % der Patient*innen berichtet, mit Raten von 35 % bei Patientinnen mit Mammakarzinom, 42 % bei malignen Lymphomen, 49 % bei Tumoren des Gastrointestinaltraktes, 51 % bei Patient*innen mit Lungenkarzinom, und 54 % bei gynäkologischen Tumoren [15][12]. Bei Prostatakarzinom liegt die Anämierate bei ca. 32 % [10].
Bei kombinierter Radio- und Chemotherapie liegt die Anämierate insgesamt bei ca. 62 % [12].
3.4 Diagnostik
Auch bei maligner Erkrankung sollen mögliche Ursachen der Anämie abgeklärt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
3.4.1 Übersicht über diagnostisches Vorgehen
In der Tabelle Diagnostik bei Anämie sind hilfreiche diagnostische Parameter dargestellt.
Tabelle 7: Diagnostik bei Anämie
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Labordiagnostik |
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Basisdiagnostik |
ergänzende Labordiagnostik |
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Blutbild mit Hb, Hk, MCV, MCH quantitative Retikulozytenzahl Differenzialblutbild |
Retikulozyten-Index* und Retikulozyten-Produktionsindex (RPI)** Hämoglobingehalt der Retikulozyten (CHR) hypochrome Erythrozyten mittleres Retikulozytenhämoglobin (MRH) Erythropoetinspiegel
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Eisenstatus: Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung |
Zink-Protoporphyrin (ZPP), löslicher Transferrinrezeptor (sTfR) Transferrinrezeptor – Ferritin-Index (sTFR/logFerritin) |
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Holo-Trans-Cobalamin (aktives Vitamin B12), Folsäure |
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Entzündungsparameter: BSG, Fibrinogen, CRP, LDH |
Hämolyseparameter: Haptoglobin, Hämopexin, Coombs-Test |
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Routinelabor mit Leber- und Nierenfunktionsparametern: Bilirubin, Transaminasen, Albumin, Kreatinin |
Blutungsdiagnostik: Thromboplastinzeit (Quick, INR), Stuhl auf Blut, Urinstatus |
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* Retikulozytenindex: Der normale RI liegt zwischen 1,0 und 2,0; Berechnung: (Hk = Hämatokrit): RI = Retikulozytenzahl (%) x [(beobachteter Hk)/(erwarteter Hk)], wobei der erwartete Hk gleich 45 % ist. ** Retikulozyten verbleiben normalerweise 24 Stunden im Blutkreislauf, bevor sie zu Erythrozyten werden. Mit zunehmender Anämie werden jedoch jüngere Retikulozyten aus dem Knochenmark freigesetzt, sodass sie 2 bis 3 Tage im Blutkreislauf verbleiben müssen, bevor sie sich in Erythrozyten umwandeln, wodurch sich ein falsch hoher RI-Wert ergibt. Der Retikulozyten-Produktionsindex (RPI) ist ein angepasster Index, der dies berücksichtigt und nach folgender Formel berechnet wird: RPI = RI x (1/RMT), wobei RMT die Zeitkonstante der Retikulozytenreifung ist, die durch den beobachteten Hk bestimmt wird. Die Korrekturfaktoren für den RPI sind unten dargestellt
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Korrekturfaktoren für die Retikulozyten-Produktionsindex (RPI)-Berechnung |
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Hämatokrit % |
Retikulozyten-Reifungszeit (RMT) in Tagen |
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40 – 45 |
1,0 |
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35 – 39 |
1,5 |
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25 – 34 |
2,0 |
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15 – 24 |
2,5 |
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< 15 |
3,0 |
Die Tumoranämie als Form der Anemia of Chronic Disease (ACD) zeigt sich im peripheren Blut mit normochromen, normozytären oder hypochromen, mikrozytären Erythrozyten (MCV, MCH normal bis erniedrigt) mit Anisozytose und Poikilozytose, die Retikulozytenzahl kann normal oder vermindert sein. Es kann eine Hypochromie der Retikulozyten vorliegen (mittlerer Hämoglobingehalt der Retikulozyten (MRH), Referenzbereich 28 – 35 pg.). Die Retikulozyten zirkulieren nur 1 - 2 Tage im Blut, daher kann das MRH im Gegensatz zu der Bestimmung der hypochromen Erythrozyten ein früher Parameter einer eisendefizitären Erythropoese sein.
Die häufige pathophysiologische Kombination eines funktionellen Eisenmangels (Functional Iron Defiency, FID), bei dem die Verfügbarkeit des Eisens bei einer Tumorerkrankung unter Einfluss des Hepcidins verringert ist, mit einem absoluten Eisenmangel, z.B. bei Tumorerkrankungen mit Blutungsneigung erschwert die Bewertung der diagnostischen Parameter.
So zeigt sich Ferritin als Akutphaseprotein häufig erhöht, hier gelten bereits Ferritinkonzentrationen von 30 bis 100 µg/l als verdächtig für einen Eisenmangel [20][21].
Bei Eisenmangel und Eisenverwertungsstörung wird Zink anstelle von Eisen in Protoporphyrin IX eingebaut, sodass vermehrt Zink-Protoporphyrin (ZPP) entsteht, das leicht messbar ist. ZPP dient als Screeningparameter des Eisenstoffwechsels, der bei Werten > 40 µmol/mol Häm gestört ist.
Die Erythroblasten exprimieren bei Eisenmangel vermehrt Rezeptoren für Transferrin, deren Bruchstücke in löslicher Form dann im Blut nachweisbar sind (löslicher Transferrin Rezeptor, sTfR). Der sTfR korreliert mit der Aktivität und dem Eisenbedarf der Erythropoese und nicht direkt mit dem Eisenstatus. Diese Serumkonzentration wird allerdings nicht nur durch die Rezeptorendichte, sondern ebenso durch die Erythroblastenzahl im Knochenmark bestimmt, d.h. bei hypoproliferativer Anämie und Knochenmarksuppression durch Chemotherapie ist die sTfR-Konzentration vermindert.
Damit weist eine niedrige Transferrinsättigung auf eine Minderversorgung der Erythropoese mit Eisen hin, eine Unterscheidung zwischen einem absoluten und einem funktionellen Eisenmangel mit diesem Parameter ist nicht möglich.
Das in der Niere gebildete Erythropoetin stimuliert die Erythropoese und wird bei Anämie vermehrt gebildet. Es besteht eine inverse lineare Korrelation mit dem Hb-Wert. Bei der Tumoranämie und zusätzlich verstärkt nach Chemotherapie steigt das Serum Erythropoetin nicht ausreichend an (relativer Mangel). Dennoch können die Werte deutlich oberhalb des Normwertes für einen normalen Hb-Wert liegen, aber unterhalb der Hb-abhängigen Sollwerte ohne Anämie chronischer Erkrankung [7].
3.5 Therapieoptionen bei Tumor-assoziierter Anämie
Die aufgeführten Therapieansätze bei Tumor-assoziierter Anämie sind Erythropoese-stimulierende Agenzien, Eisensubstitution, und Transfusionen mit unterschiedlichen Empfehlungsgraden.
3.5.1 Erythropoese-stimulierende Agenzien (ESA) bei Chemotherapie-assoziierter Anämie
Zur Therapie der symptomatischen Chemotherapie-assoziierten Anämie kann bei Hb-Werten unter 10 g/dl eine ESA-Gabe erwogen werden.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [25] [26]
Änderungshinweis
Zur Therapie der Chemotherapie-induzierten Anämie kann eine ESA Gabe erwogen werden.Die Aufklärung der Patientin/ des Patienten beim Einsatz von ESA soll hinsichtlich des Nutzens die potentielle Steigerung der Lebensqualität und Verminderung der Transfusionsfrequenz und hinsichtlich der Risiken die thromboembolischen Komplikationen und Bluthochdruck beinhalten.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [26] [25]
Änderungshinweis
Beim Erwägen des Einsatzes von ESA soll der Patient über Nutzen (potentielle Steigerung der Lebensqualität und Verminderung der Transfusionsfrequenz) und Risiken (thromboembolische Komplikationen und Bluthochdruck) informiert werden.Evidenztabellen (1)
Adams 2022Aktuell sind ESA bei einem Hb-Wert ≤ 10 g/dl (6,2 mmol/l) zur Behandlung der symptomatischen, Chemotherapie-assoziierte Anämie bei Tumorpatient*innen zugelassen, um den Hämoglobinwert auf maximal 12 g/dl (7,5 mmol/l) zu erhöhen.
Benefit und Risiken der Gabe von ESA sind - wie bei jedem Medikament - abzuwägen und mit der Patientin/ dem Patienten zu besprechen.
Grundlage für die Evidenzaufarbeitung war in der ersten Fassung der Supportivleitlinie der Cochrane Review von Tonia et al. von 2012 mit 92 Studien und einer Gesamtzahl von 21.301 Patient*innen [25] und den Studien der ergänzenden Updatesuche [13][27][28][29]. Es erfolgte eine differenzierte Auswahl der Studien zur Chemotherapie-assoziierten Anämie sowie eine Analyse, die explizit die ESA-Gabe bei Hb < 10 g/dl beschrieb.
Eine erneute Cochrane-Analyse wurde 2022 publiziert. Sie umfasst auch die bisherigen Studien, und geht zudem Fragestellungen zur Kombination von ESA und Eisen nach (96 Studien mit einer Gesamtzahl von 25.157 Patient*innen) und wird im Folgenden zitiert [26].
Die Darstellung erfolgt nach Gewichtung der in der ersten Fassung der Leitlinie priorisierten Endpunkte beginnend mit dem wichtigsten priorisierten Endpunkt.
Lebensqualität (für diesen Endpunkt werden Daten aus der Analyse von 2016 aufgeführt):
Änderung im FACIT-F (13 Fragen) von Anfang der Studie bis Ende der Studie: Es konnten 14 Studien mit 3.515 Patient*innen ausgewertet werden, die alle chemotherapeutisch behandelt wurden, unabhängig von dem Ausgangs-Hb-Wert (siehe Hintergrund). Hierbei ergab sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von ESA (MD: 2,79; 95 % (Konfidenzintervall) KI: 2,03 – 3,55). Allerdings ist dieser Effekt nicht klinisch relevant, da der Schwellenwert für einen klinisch signifikanten Unterschied (Wert von 3) nicht erreicht wurde [30]. Nach dem GRADE-Ansatz wurde das Endpunkt-bezogene Vertrauen in den Schätzer als „gering“ eingestuft. Insgesamt wurde in nur 14 von 65 Studien Lebensqualität evaluiert. Des Weiteren ergaben sich unpräzise Effekte durch weite Konfidenzintervalle.
Auch bei der differenzierten Betrachtung der sieben Studien, bei denen die ESA-Gabe gemäß dem Zulassungsbescheid ab einem Hb < 10 g/dl erfolgte, stellt sich ein statistisch signifikanter Gruppenunterschied zugunsten der ESA-Therapie dar, jedoch ohne klinische Signifikanz (n = 1.779, MD 2,58; 95 % KI: 1,51 - 3,64; p < 0,00001). Weite Konfidenzintervalle mit unpräzisen Schätzern, sowie die geringe Studienanzahl führen zur Einschätzung der methodischen Studienqualität als „sehr gering“.
Änderung im FACT-An (20 Fragen): Hier ergibt sich ein klinisch und statistisch signifikanter Effekt (fünf Studien mit 1.051 Patient*innen; MD: 6,21; 95 % KI: 4,60 – 7,82; p < 0,00001). Auch hier ist das Vertrauen in den Schätzer als „gering“ bewertet, da sehr wenige Studien diesen Endpunkt auswertbar berichten, obwohl die Werte evaluiert wurden.
Der klinisch und statistisch signifikante Effekt im FACT-An lässt sich auch in der Studie mit ESA-Gabe ab Hb < 10 g/dl sehen (n = 290; MD 6,60; 95 % KI: 3,92 – 9,28; p < 0,0001). Allerdings ist das Vertrauen in diesen Schätzer bei nur einer von insgesamt 65 Studien, die diesen Endpunkt und das weite Konfidenzintervall berücksichtigen, als „sehr gering“ bewertet.
Insgesamt liegt eine geringe Qualität der Evidenz für einen Anstieg der Lebensqualität vor.
Sterblichkeit während der Studie:
Für diesen Endpunkt konnten 55 Studien mit 15.074 Patient*innen ausgewertet werden, wobei sich – unabhängig von zusätzlicher Eisengabe - kein nachweisbarer Unterschied im relativen Risiko zwischen beiden Therapiearmen (mit ESA/ ohne ESA) ergab. Nach den GRADE-Kriterien ist die methodische Qualität insgesamt als „moderat“ einzustufen [26].
Unerwünschte Ereignisse:
Thromboembolische Ereignisse: Für diesen Endpunkt wurden 50 Studien mit 15.408 Patient*innen ausgewertet, wobei sich ein signifikant erhöhtes Risiko (RR 1,82 [1,34 - 2,47]) für thromboembolische Ereignisse für die ESA-Gruppe ohne gleichzeitige Eisentherapie (GRADE „hoch“) ergab. Für die ESA-Gruppe mit i.v.-Eisentherapie (GRADE „moderat“) ergab sich ein starker Trend für vermehrte Thromboembolien (RR 1,82 [0,98 - 3,41]) [26].
Bluthochdruck: Hier konnten 24 Studien mit 8.383 Patient*innen ausgewertet werden. Das Hypertonierisiko wird nur in der ESA-Subgruppe ohne Eisentherapie berichtet, und ist mit einem RR von 2,93 (95 % KI: 1,19 - 7,25) signifikant erhöht (GRADE „moderat“) [26].
Hämatologisches Ansprechen:
In Bezug auf das hämatologische Ansprechen (Hb-Response) wurden 31 Studien mit 6.985 Patient*innen ausgewertet. Dabei ergab sich ein signifikanter Vorteil zugunsten der ESAs (GRADE-„moderat“) [26]. „ESA allein (467 von 1.000; RR 5,19; 95 % KI: 4,02 - 6,71) erhöht wahrscheinlich das hämatologische Ansprechen“.
Gesamtüberleben (aus Metaanalyse):
Für diesen Endpunkt ergab sich bei Auswertung von 71 Studien – unabhängig von zusätzlicher Eisengabe - kein nachweisbarer Unterschied zwischen beiden Therapiearmen (mit ESA/ ohne ESA). Nach den GRADE-Kriterien ist die methodische Qualität insgesamt als „niedrig“ einzustufen [25].
Notwendigkeit einer Bluttransfusion:
Für diesen Endpunkt konnten 69 Studien mit 18.684 Patient*innen analysiert werden. Es ergab sich ein signifikanter Vorteil zugunsten der ESA-Gabe (GRADE „moderat“) [26][25]. „ESA allein (212 von 1.000; RR 0,59; 95 % KI: 0,51 - 0,69) verringert wahrscheinlich den Bedarf an Transfusionen“.
3.5.1.1 EPO und Darbepoetin: Dosierung und Applikationsintervalle
Die Dosierungsempfehlungen der Hersteller sind akzeptabel und etabliert, Details sind den jeweiligen aktuellen Fachinformationen zu entnehmen (www.fachinfo.de) oder auch den Dokumenten der European Medicines Agency (http://www.ema.europa.eu).
3.5.1.2 Biosimilars
Zulassungsprozess Biosimilars: Bei der Herstellung von Biosimilars müssen die strengen Vorschriften und Richtlinien von WHO, EMA und FDA beachtet werden. Die Zulassung von Biosimilars beruht nicht in erster Linie auf dem Nachweis der klinischen Gleichwertigkeit oder Überlegenheit gegenüber einer Standardsubstanz bzw. Standardtherapie. Für Biosimilars muss gezeigt werden, dass sie zum zugelassenen Referenzprodukt gleichwertig sind. Aufgrund dieses geforderten sogenannten „Similaritätsnachweises“ haben Phase-III-Studien für europäische (EMA) Biosimilar-Zulassungen einen geringeren Stellenwert. Gemäß den Zulassungsprozessen ist es nicht erforderlich, erneut die Wirksamkeit eines bekannten Biopharmazeutikums nachzuweisen, sondern zu zeigen, dass beide Moleküle im Rahmen ihrer biologischen Variabilität absolut vergleichbar sind.
3.5.2 Eisensubstitution
Auch das Kapitel zur Eisensubstitution bezieht sich auf Patient*innen mit Tumor-assoziierter Anämie.
Im Folgenden wird die Eisensubstitution mit ESA, ohne ESA, sowie die orale und intravenöse Applikationsform differenziert betrachtet.
3.5.2.1 Eisensubstitution in Kombination mit ESA
3.5.2.1.1 i.v. Eisensubstitution in Kombination mit ESA
Der Benefit durch die zusätzliche Gabe von i.v. Eisen in Kombination mit ESA bei funktionellem Eisenmangel muss gegen potentielle Risiken, wie z.B. das geringe Risiko (selten ≥ 1/10.000, < 1/1.000) einer anaphylaktischen Reaktion (siehe Kapitel 3.5.2.3) oder das sehr geringe Risiko einer Eisenüberladung abgewogen werden.
Bei einer Therapie mit ESA kann, um einen Hb-Anstieg zu erzielen, die begleitende Therapie mit Eisen (Evidenz beruht primär auf i.v.-Eisen) erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 1
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [26] [34]
Änderungshinweis
Bei einer Therapie mit ESA kann bei funktionellem Eisenmangel, um einen Hb-Anstieg zu erzielen, die begleitende Therapie mit i.v. Eisen erfolgen. Analysen zum Gesamtüberleben sind in den jeweiligen Studien nicht erfolgt.Hämatologisches Ansprechen:
Anzahl der Transfusionen:
Gesamtüberleben (OS):
Der Cochrane-Review von Adams et al. (2022) [26] schließt 96 Studien aus einem breiteren Setting ein (Tumor-assoziierte Anämie, Chemotherapie-induzierte Anämie, Anämie unter Radio- oder Radiochemotherapie) und beschreibt in der Netzwerk-Metaanalyse verschiedenste Kombinationen aus Eisen i.v. versus Eisen p.o. versus kein Eisen mit oder ohne ESA für Patient*innen mit Krebs und Anämie. Die Aussagen werden durch die tumortherapieübergreifende Betrachtung unspezifischer: Moderate Effekte werden für das hämatologische Ansprechen und die Abnahme der Transfusionshäufigkeit in allen Kombinationen (ESA alleine, ESA+ Eisen i.v., ESA + Eisen oral beschrieben. Bezüglich einer Verbesserung der Lebensqualität wird keine vergleichende Aussage getroffen. Das Auftreten thromboembolischer Komplikationen oder Hypertension ist unter ESA-Therapie erwartungsgemäß höher und wird in den Studien zu Eisen nicht berichtet.
Die Daten zur Mortalität sind wie folgt dargestellt:
55 Studien bewerteten die Mortalität innerhalb von 30 Tagen (15.074 Teilnehmer*innen). Die Kombination aus ESA mit intravenösen Eisen (12 von 1.000; RR 0,13; 95 % KI: 0,01 bis 2,29; niedrige Sicherheit) oder oralem Eisen (34 von 1.000; RR 0,37; 95 % KI: 0,01 bis 27,38; niedrige Sicherheit) erbrachte keine Gruppenunterschiede bezüglich der Mortalität. ESA allein (103 von 1.000; RR 1,12; 95 % KI: 0,92 bis 1,35; moderate Sicherheit) erhöht wahrscheinlich leicht die Sterblichkeit während der Studie [26].
3.5.2.1.2 Orale Eisensubstitution in Kombination mit ESA
3.5.2.2 Eisensubstitution allein bei Chemotherapie-induzierter Anämie
Intravenöse Eisensubstitution
Spezifisch ausgewählt für die Patient*innengruppe mit Chemotherapie-assoziierter Anämie sind die Daten der Metaanalyse von Buchrits et al. [38]. Hier wurden acht Studien untersucht, die zwischen Januar 1990 und Juli 2021 veröffentlicht und in die 1.015 Patient*innen mit Chemotherapie-induzierter Anämie eingeschlossen wurden. Davon wurden 553 Personen mit i.v. Eisen behandelt und mit Patient*innen verglichen, die entweder auf orales Eisen (n = 271) oder/ und kein Eisen (n = 191) randomisiert wurden. Die Eiseninfusion verringerte den Anteil der Patient*innen, die eine Bluttransfusion benötigten, im Vergleich zu oralem Eisen (RR 0,72; 95 % KI: 0,55 - 0,95) mit einer number needed to treat (NNT) von 20 (95 % KI: 11 - 100).
Eisen intravenös erhöhte das hämatopoetische Ansprechen (RR 1,23; 95 % KI: 1,01 - 1,5), wobei ein hämatologisches Ansprechen bereits als ein Anstieg um 1 g/dl definiert war. Es gab keinen Unterschied im Hinblick auf das Risiko unerwünschter Ereignisse (RR 0,97; 95 % KI: 0,88 - 1,07; acht Studien) oder schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 1,09; 95 % KI: 0,76 - 1,57; acht Studien) [38].
Die Limitation dieser Aussage beschreiben die Autor*innen selbst: Die eingeschlossenen Studien unterscheiden sich in den Einschlusskriterien, sowie in der Definition für Anämie. Nur in drei Studien wurde der Ferritinspiegel bei Studienbeginn angegeben. Verwendet wurde Eisen-Saccharose in vier Studien, Eisen-Carboxymaltose in zwei Studien und Eisen(III)-Derisomaltose (früher Eisen-Isomaltosid) in zwei Studien. Während in fünf Studien eine feste Dosis von i.v. Eisen verabreichten wurde, wurde in drei anderen Studien die Dosis in Abhängigkeit von Hämoglobin und Gewicht berechnet. Damit kommt man auf eine Variation der verabreichten Gesamtdosis des intravenösen Eisens von 400 - 8.000 mg. Zudem gab es Unterschiede in der Häufigkeit und dem Zeitpunkt der Applikation. Die Nachbeobachtungszeit reichte von vier bis 24 Wochen.
Ein Vergleich orales Eisen versus keine Behandlung oder Placebo liegt in dieser Analyse nicht vor.
Sind die Einschlusskriterien nicht nur auf die Chemotherapie-assoziierte Anämie begrenzt, sondern werden in den Metaanalysen Patient*innen mit Anämie und solidem Tumor oder hämatologischem Malignom eingeschlossen - wie in der Cochrane-Analyse von Adams et al. 2022 - werden auch die Ergebnisse bezüglich der Wirksamkeit der Eisenapplikation unschärfer.
Lediglich beim Vergleich Eisen oral versus keine Behandlung wird ein Anstieg des hämatologischen Ansprechen (RR 1,70; 95 % KI: 0,69 bis 4,20; geringe Sicherheit) beschrieben.
Im Gegensatz zu Buchrits et al. wird im Cochrane-Review erst ein Anstieg des Hämoglobinlevels um mindestens 2 g/dl, oder ein Anstieg des Hämatokrit (Hk) um mehr als sechs Prozentpunkte als hämatologisches Ansprechen gewertet. Das erklärt, dass die oben beschriebenen Studien zum i.v. Eisen in Bezug auf diesen Endpunkt nicht eingeschlossen wurden.
Im Hinblick auf Anzahl der Transfusionen, Mortalität oder Komplikationsraten beschreiben die Autor*innen keinen Effekt.
Orale Eisensubstitution
Der randomisierte Vergleich von i.v. zu oraler Eisentherapie ergab in der Dangsuwan Studie [39], bei 44 Patient*innen eine Überlegenheit der intravenösen Gabe, in der Noronha Studie [40], bei 192 Patient*innen mit (überwiegend platinhaltiger) Chemotherapie eine Gleichwertigkeit mit der i.v. Eisengabe. Die Studie von Ansari zeige eine Überlegenheit der i.v. Gabe bei Patient*innen mit Kolonkarzinom [41]. Unklar ist, ob diese Patient*innen eine Chemotherapie erhielten.
Sofern keine Stimulation des Immunsystems durch einen aktiven Tumor, eine Infektion oder Entzündungsreaktion vorliegt, d.h. kein inibitorischer Hepcidineffekt zu erwarten ist, ist eine orale Eisensubstitution nach den entsprechenden Leitlinien möglich [22].
Die Verwendung von Eisensalzen zur Eisentherapie wird durch gastrointestinale Nebenwirkungen eingeschränkt. Eine systematische Überprüfung placebokontrollierter Studien ergab, dass Eisensalze gastrointestinale Symptome verstärken (OR 2,32; 95 % KI: 1,74 - 3,08), insbesondere Verstopfung (12 %), Übelkeit (11 %) und Durchfall (8 %). Dies schränkt die Adhärenz ein und kann zum Abbruch der Therapie führen [42]. Meistens ist eine lange Therapiedauer erforderlich, wenn man von durchschnittlich 7 mg Eisenaufnahme bei Verabreichung einer 100 mg Fe(II)-Tablette oder einer anderen Formulierung ausgeht. Werden 1.300 mg Eisen benötigt, sind das ca. 180 Tage oder sechs Monate.
3.5.2.3 Eisen i.v. Applikationsformen
Derzeit verfügbar sind folgende Präparate: Eisen(III)-natrium-D-gluconat-Sucrose-Komplex, Eisen(III)-hydroxid-Dextran-Komplex, Eisen(III)-carboxymaltose, Eisen(III)-hydroxid-Sucrose-Komplex, Eisen(III)-Derisomaltose. Die Dosierungsempfehlungen der Hersteller sind etabliert, Details sind den jeweiligen aktuellen Fachinformationen zu entnehmen (www.fachinfo.de) oder auch den Dokumenten der European Medicines Agency (http://www.ema.europa.eu). Bei allen parenteralen Eisenpräparaten besteht das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion (selten ≥ 1/10.000, < 1/1.000).
Nach der Applikation von intravenösen Eisen wurden abfallende Serum-Phosphat-Spiegel beschrieben. Der Rückgang beginnt unmittelbar nach der Applikation und erreicht nach etwa zwei Wochen die Tiefstwerte, bevor es im weiteren Verlauf zu einer Normalisierung kommt. Die Hypophosphatämie ist in den meisten Fällen asymptomatisch und selbstlimitierend. Bei Risikopatient*innen wie z.B. bei bekanntem Vitamin-D3-Mangel, Calcium- und Phosphatmalabsorption, sekundärem Hyperparathyreoidismus oder entzündlichen Darmerkrankungen erscheint eine Kontrolle des Serum-Phosphat-Spiegels als sinnvoll [43][44].
3.5.3 Transfusion von Erythrozytenkonzentraten
In einer Vielzahl von klinischen Kontexten ist eine restriktive Indikation zur Transfusion nicht mit klinischen Nachteilen für die Patientin/ den Patienten mit akuter Anämie verbunden. Auch bei fehlenden Daten bei Tumor-assoziierter Anämie ist in Analogie von einer ähnlichen Situation auszugehen.
- Konsens
- Starker Konsens
Änderungshinweis
In einer Vielzahl von klinischen Kontexten ist eine restriktive Indikation zur Transfusion nicht mit klinischen Nachteilen für den Patienten mit akuter Anämie verbunden. Auch bei fehlenden Daten bei der Tumortherapie induzierten Anämie ist in Analogie von einer ähnlichen Situation auszugehen.Allerdings sind dies keine Studien zur Tumor-assoziierten Anämie, sondern meist wurden Patient*innen mit unterschiedlichsten anderen Indikationen eingeschlossen (v.a. ITS-Patient*innen, Sepsis, orthopädische Operationen, u.v.a.m. Tabelle Transfusionstrigger für Erythrozytenkonzentrate mit liberaler und restriktiver Strategie). Dies relativiert die Empfehlungen, die ausschließlich auf das Kollektiv der Patient*innen mit Tumorerkrankungen oder noch spezieller auf Tumortherapie-induzierter Anämie bezogen werden sollen. Einen Überblick über die Literatur bietet die jeweils aktuelle Version der „Querschnitts-Leitlinien (BÄK) zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten“, die seit 1995 herausgegeben wird und in der zuletzt aktualisierten Version von 2021 vorliegt. Weiter können aktuelle Übersichten und systematische Reviews [48][49][50][51][52][53][54] herangezogen werden. Da die Mehrzahl der Überlegungen zu Patient*innen mit Tumor-assoziierter Anämie auf einer Übertragung von Erkenntnissen aus anderen Patient*innenkollektiven beruht, wird auf eine systematische Darstellung der Primärliteratur verzichtet und auf diese Sekundärquellen verwiesen.
Endpunkte von Transfusionsstudien sind variabel, die Evidenzen daher an unterschiedlichen Zielkriterien ausgerichtet. Meist stehen Parameter der Mortalität der Akutsituation im Vordergrund, daneben werden Infektionsraten (als Folge der Immunmodulation), andere Aspekte der Morbidität, oder Versorgungsdaten wie die Dauer des Krankenhausaufenthaltes miterfasst. Im chirurgischen Kontext werden der onkologische Langzeitverlauf und auch das Langzeit-Überleben analysiert. Unzureichend untersucht sind Patient Reported Outcomes (wie Lebensqualität oder die Interaktion mit zunehmenden Empfehlungen der Integration von körperlicher Aktivität und Sport in onkologische Behandlungskonzepte) sowie der kognitive Langzeitverlauf bei älteren Patient*innen [55].
In den Studien zu Transfusionstriggern wurden in der Regel jeweils zwei verschiedene Grenzwerte verglichen, bei deren Unterschreitung eine Transfusion in der jeweiligen Gruppe als indiziert angesehen werden sollte. Die studienspezifischen Grenzwerte sind dabei uneinheitlich und liegen für die „restriktiven“ Gruppen bei 7 - 9 g/dl, bei den „liberalen“ meist bei 9 - 10 g/dl (Tabelle Transfusionstrigger für Erythrozytenkonzentrate mit liberaler und restriktiver Strategie). Ohne scharfe Grenze kann man die zur Diskussion stehenden Anämien ferner in „akute“ und „chronische“ Formen unterteilen. In den Studien zu Triggern dürften mehrheitlich die akuten Ursachen im Vordergrund stehen, wenn auch gelegentlich auf der Basis von milden, vorbestehenden chronischen Anämien. In den Empfehlungen der BÄK wird daher auch zwischen diesen beiden Formen unterschieden. Bei der Tumor-assoziierten Anämie ist terminologisch in der Regel von einer chronischen Anämie auszugehen.
Für das Umfeld der onkologischen Patient*innen gibt es für Fragen der perioperativen Transfusion von Erythrozytenkonzentraten im Rahmen von Tumor-Operationen eine Reihe von retrospektiven Analysen, die spezifisch für diese Patient*innengruppe sind und die einen erhöhten Transfusionsbedarf mit einem negativen Verlauf onkologischer Erkrankungen in Zusammenhang bringen [57][58][59][60]. Ein Cochrane-Review bewertete sechs Studien (fünf RCTs, ein NRCT) zur Transfusionsstrategie bei hämatologischen Neoplasien (überwiegend akute Leukämien), welche mit intensiver Chemotherapie oder Strahlentherapie, mit und ohne Stammzelltransplantation, behandelt wurden. Eine restriktive Transfusionsstrategie (Hb-Konzentration 7 - 9 g/dl) im Vergleich zu einer liberalen Transfusionsstrategie (Hb-Konzentration 8 bis 12 g/dl) (Tabelle Transfusionstrigger für Erythrozytenkonzentrate mit liberaler und restriktiver Strategie) zeigte keinen oder nur einen geringen Unterschied in der Mortalität an Tag 30 bis 100, der Dauer des Krankenhausaufenthaltes oder Häufigkeit von Blutungskomplikationen [61]. Ein weiterer systematischer Review und Metaanalyse (15 Studien, 2.636 Patient*innen; überwiegend akute Leukämien) zeigte in den restriktiven Gruppen einen geringeren Verbrauch von Erythrozytenkonzentraten, aber keinen signifikanten Unterschied in den klinischen Endpunkten [62]. Ein systematischer Review (sechs Studien [drei RCTs, drei NRCTs]) mit insgesamt 983 Patient*innen, zeigte eine Reduktion des Verbrauchs von Erythrozytenkonzentraten durch eine restriktive Strategie, aber keinen Unterschied in der Gesamtmortalität [63]. Aussagekräftige Studien zur Lebensqualität fehlen in diesen Patient*innengruppen [61][63][62]. Eine kleine randomisierte, explorative Studie der REDDS-Gruppe zur Vorbereitung einer weiteren randomisierten Prüfung zeigte bei MDS-Patient*innen (Trigger 10,5 vs. 8 g/dl) eine Verbesserung der Lebensqualität bei liberalem Transfusionstrigger in allen untersuchten Domänen [64].
Ob multivariate Analysen geeignet sind, die Faktoren zu eliminieren, die im Einzelfall primär zur Transfusion geführt haben, muss hinterfragt werden. Von einem kausalen Zusammenhang zwischen negativem Outcome und Transfusion wird daher nicht mit Sicherheit auszugehen sein, auch weil in einigen Einzelstudien u.a. bei einer Auswertung mit Propensity Score Matching ein Zusammenhang nicht gesehen wurde [65][66][67].
Patient Blood Management (PBM)
Beim "Patient*innenblutmanagement" (PBM) handelt es sich um einen patient*innenzentrierten Ansatz, der Eisenmangel, Anämie, Koagulopathie und Blutverlust sowohl bei chirurgischen als auch bei nicht-chirurgischen Patient*innen als Risikofaktoren für ungünstige medizinische Ergebnisse behandelt. Im Rahmen des PBM werden Anämie und Eisenmangel als eigenständige, schwerwiegende globale Gesundheitsprobleme betrachtet [68].
Es erscheint speziell in diesem Kontext sinnvoll, die Rate der Transfusionen gering zu halten und Möglichkeiten des PBM zu nutzen. Unter PBM ist dabei eine klinische Strategie zu verstehen, die in drei Handlungsbereichen versucht, den Transfusionsbedarf zu minimieren [69][53]. Bei elektiven Eingriffen wird durch eine vorausschauende Anämiediagnostik und ggf. Therapie der Ausgangswert optimiert, zweitens wird intraoperativ z.B. durch Wärmemanagement (Normothermie) und andere Maßnahmen die Gerinnung optimiert, ggf. durch Einsatz des Cellsavers und optimierte chirurgischen Techniken der Blutverlust minimiert und drittens perioperativ durch restriktive Blutentnahmen, Optimierung der ITS-Therapie und restriktive Transfusionstrigger die Gabe von allogenem Blut auf das absolut Notwendige reduziert. Diese primär aus der Intensiv- und operativen Transfusionstherapie stammenden Zielsetzungen sind nicht in allen Aspekten auf den spezifischen Kontext der Tumor-assoziierten Anämie unmittelbar übertragbar: Es ist davon auszugehen, dass bei Anämie im Kontext einer Tumorerkrankung bzw. Tumortherapie die Ursache der Anämie abgeklärt ist und Alternativen zu einer Transfusion bereits ausgeschöpft sind. Der rationale Einsatz von Blutprodukten entsprechend den Querschnittsleitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten ist auch bei der Tumor-assoziierten Anämie zu beachten (siehe unten). Die Reduktion des Blutverlustes ist auch für diese Patient*innengruppe eine Zielsetzung, wobei insbesondere auch iatrogene Verluste durch Menge und Häufigkeit von Blutentnahmen für die Labordiagnostik eine Rolle spielen. Bei der Ausschöpfung der individuellen Anämietoleranz ist aber auch die Fatigue-Symptomatik und Lebensqualität der Patient*innen mit (chronischer) Tumortherapie-assoziierter Anämie zu berücksichtigen.
Indikationsstellung
Evidenzbasierte Empfehlungen zur Indikationsstellung finden sich in größerem Detail in den Leitlinien der AABB (American Association of Blood Banks) zuletzt 2023 publiziert [70], insbesondere für den Intensivbereich auch aus Großbritannien [71], sowie ausführlich in den bereits genannten „Querschnitts-Leitlinien (BÄK) zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten“, (zuletzt Gesamtnovelle 2020, [72]), die hier nur in kürzester Form referiert werden. Um Doppelungen zu vermeiden, wird speziell auf letztere verwiesen.
In die Entscheidungsfindung zur Transfusion gehen neben dem klinischen Zustand und der Ausprägung der Anämiesymptomatik auch der Hb-Wert (oder der Hämatokrit), die Akuität des Blutverlusts, sowie die Kompensationsmöglichkeiten und Risikofaktoren der Patientin/ des Patienten ein (Tabelle Empfehlungen zur Transfusion von Erythrozyten bei akuten Anämien aus den Querschnittsleitlinien (BÄK) zur Therapie mit Blutkomponenten 2020 (modifiziert)).
- Konsens
- Starker Konsens
Tabelle 8: Empfehlungen zur Transfusion von Erythrozyten bei akuten Anämien aus den Querschnittsleitlinien (BÄK) zur Therapie mit Blutkomponenten 2020 (modifiziert)
|
Hb-Bereich |
Kompensationsfähigkeit/ Risikofaktoren |
Transfusion |
Bewertung* |
|
< 7 g/dl (< 4,3 mmol/l) |
- |
ja |
1 A |
|
≥ 7 und < 8 g/dl (≥ 4,3 und < 5,0 mmol/l) |
Kompensation adäquat, keine Risikofaktoren |
nein |
1 A |
|
Kompensation eingeschränkt oder Risikofaktoren vorhanden |
ja |
1 A |
|
|
Hinweise auf anämische Hypoxie (physiologische Transfusionstrigger1) |
ja |
1 C+ |
|
|
≥ 8 und < 10 g/dl (≥ 5,0 und < 6,2 mmol/l) |
Hinweise auf anämische Hypoxie (physiologische Transfusionstrigger1) |
ja |
2 C |
|
≥ 10 g/dl (≥ 6,2 mmol/l) |
|
nein |
1 A |
|
Beachte:
|
|||
|
Es werden folgende Faktoren berücksichtigt: die aktuelle Hämoglobinkonzentration (Hb), die physiologischen Fähigkeit zur Kompensation des verminderten 02-Gehalts, das Vorhandenseins kardiovaskulärer Risikofaktoren und klinische Hinweise auf eine manifeste anämische Hypoxie (physiologische Transfusionstrigger). 1A: starke Empfehlung, die für die meisten Patient*innen gilt, beruhend auf randomisiert kontrollierten Studien ohne wesentliche methodische Einschränkung. 1C+: starke Empfehlung, die für die meisten Patient*innen gilt, keine randomisierten, kontrollierten Studien, jedoch eindeutige Datenlage 2C: sehr schwache Empfehlung, abhängig vom individuellen Krankheitsfall kann ein anderes Vorgehen angezeigt sein; auf Basis von Beobachtungsstudien, Fallbeschreibungen *Die Empfehlungen gelten für normovolämische Patient*innen mit akuter Anämie in stationärer Behandlung. Bei der Indikationsstellung zur Erythrozytentransfusion sollen außer der Hb-Konzentration individuell die Kompensationsfähigkeit und Risikofaktoren der Patientin/ des Patienten sowie klinische Symptome einer anämischen Hypoxie berücksichtigt werden. |
|||
Bei Patient*innen mit längerfristig bestehender Tumor-assoziierter Anämie kann eine Transfusion bei einer Unterschreitung eines Hk von 24 – 21 % bzw. einer geringeren Hämoglobinkonzentration als 8 – 7 g/dl (< 5,0 – 4,3 mmol/l) erwogen werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Änderungshinweis
Bei Patienten mit längerfristig bestehender Tumortherapie induzierten Anämie ist eine Transfusion bei einer Unterschreitung eines Hk von 24–21% bzw. einer geringeren Hämoglobinkonzentration als 8–7 g/dl (< 5,0–4,3 mmol/l) unter Beachtung und Abwägung der Gesamtsituation zu erwägen.Die Indikation sollte primär anhand der individuellen klinischen Symptomatik und der Therapieziele gestellt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Änderungshinweis
Bei Patienten mit längerfristig bestehender Tumortherapie induzierten Anämie ist eine Transfusion bei einer Unterschreitung eines Hk von 24–21% bzw. einer geringeren Hämoglobinkonzentration als 8–7 g/dl (< 5,0–4,3 mmol/l) unter Beachtung und Abwägung der Gesamtsituation zu erwägen.Laut Querschnitts-Leitlinie der BÄK ist bei chronisch anämischen Patient*innen ohne kardiovaskuläre Erkrankungen auch bei Hämoglobinkonzentrationen bis zu 8,0 – 7,0 g/dl (Hk 24 – 21 % = 5,0 – 4,3 mmol/l) eine Transfusion nicht indiziert, solange keine auf die Anämie zurückzuführenden Symptome auftreten. Ausnahmen lassen noch tiefere Trigger zu, einerseits wenn die Symptomlast gering oder tolerabel ist, andererseits in speziellen therapeutischen Situationen. So wird z.B. bei geplanter allogener Stammzelltransplantation zur Vermeidung der Sensibilisierung eine restriktive Transfusionsstrategie empfohlen. Aspekte der Lebensqualität müssen gegen Risiken der in der Regel bei chronischen Anämien multipel erforderlichen Transfusionen (v.a. auch der Eisenüberladung) abgewogen werden.
Ergänzend zur BÄK-Querschnittsleitlinie sollte Erwähnung finden, dass bei Vorliegen von kardiovaskulären Risikofaktoren bisher nur Trigger von 8 g/dl versus 10 g/dl randomisiert verglichen wurden [46][54], ohne dass Nachteile für die restriktive Strategie gefunden wurden. Patient*innen mit Infarkten in den letzten 30 Tagen waren nicht eingeschlossen. Wegen der im höheren Alter gelegentlich vorliegenden Koinzidenz von neoplastischen und kardiovaskulären Erkrankungen sollte berücksichtigt werden, dass aus randomisierten Studien zum Bereich < 7 g/dl als mögliche Trigger für diese Patient*innengruppe bisher nur begrenzte, nicht systematisch aufgearbeitete Erfahrungen vorliegen.
Bei hospitalisierten Patient*innen mit chronischen Anämien, deren klinischer Zustand und Laborparameter überwacht werden, sollte bei der Indikation für eine Transfusion zunächst nur ein Erythrozytenkonzentrat gegeben werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Änderungshinweis
Bei hospitalisierten Patienten mit chronischen Anämien, deren klinischer Zustand und Laborparameter engmaschig überwacht werden, sollte bei geringfügiger Unterschreitung des Triggers nur ein Erythrozytenkonzentrat verabreicht werden.In einer neueren Pilotstudie, in der restriktive mit liberalen Transfusionsstrategien bei Leukämiepatient*innen verglichen wurden, wurden Einzeltransfusionen nachdrücklich empfohlen. Die Ergebnisse zeigten eine 27%ige Verringerung der durchschnittlichen Anzahl der Erythrozyteneinheiten pro Patient/in (p=0,01), ohne dass sich der Fatigue-Score, das Ansprechen auf die Chemotherapie oder die Aufenthaltsdauer verschlechterten [75].
Die Reduktion der Transfusionshäufigkeit ist Bestandteil der nordamerikanischen Initiative „Choosing wisely“ zur Optimierung der medizinischen Maßnahmen [76]. Dort wurde die Empfehlung gewählt, „die minimale Anzahl von Einheiten zu transfundieren, die erforderlich sind die Symptome der Anämie zu lindern oder den Patient*innen in einen sicheren Hb-Bereich zu bringen (7 - 8 g/dl bei stabilen, nicht-kardiologischen stationären Patient*innen)“. Im Hintergrundtext wird ebenfalls empfohlen, die Transfusion von zwei Einheiten zu vermeiden, wenn eine Einheit ausreichend wäre. Andererseits kann es z.B. bei ambulanten Patient*innen zur Verbesserung der Lebensqualität (verminderte Fatigue, bessere Mobilität im alltäglichen Leben und Sport, Verminderung der Häufigkeit der Arztbesuche) sinnvoll sein, abhängig vom geplanten Intervall bis zur Wiedervorstellung, auch bei Hb-Werten um 8 g/dl zwei Erythrozytenkonzentrate zu transfundieren. Hierbei sind auch die Aspekte der transfusionsmedizinischen Versorgung (Blutbereitstellungszeit und –logistik) zu berücksichtigen.
Tabelle 9: Transfusionstrigger für Erythrozytenkonzentrate mit liberaler und restriktiver Strategie - eine Übersicht über die entsprechenden Grenzwerte in einer Serie von Studien
|
|
Autor |
Kontext |
n |
Restriktiver |
liberaler |
Setting |
|
1 |
Bracey et al. 1999 [77] |
kardiochirurgisch, Bypass |
427 |
8 |
9 |
USA |
|
2 |
Hajjar et al. 2010 [78] |
kardiochirurgisch, Herz-Lungenmaschine |
512 |
8 |
10 |
Brasilien |
|
3 |
Carson et al. 2013 [79] |
kardiologisch, Herz-Katheter |
110 |
8 |
10 |
USA |
|
4 |
de Gast-Bakker et al. 2013 [80] |
kardiochirurgisch, pädiatrische Intensivmedizin |
107 |
8 |
10,8 |
Niederlande |
|
5 |
Hebert et al. 1999 [81] |
Intensivmedizin |
838 |
7 -9 |
10 -12 |
Kanada |
|
6 |
LaCroix et al. 2007 [82] |
pädiatrische Intensivmedizin |
648 |
7 |
9,5 |
Belgien, Kanada, USA und UK |
|
7 |
Villanueva et al. 2013 [83] |
obere gastrointestinale Blutung |
921 |
7 |
9 |
Spanien |
|
8 |
Kirpalani et al. 2006 [84] |
niedriges Geburtsgewicht |
451 |
Komplex* |
Kanada, USA und Australien |
|
|
9 |
Grover et al. 2006 [85] |
Orthopädie, TEP Hüfte/ Knie |
218 |
8- 9,5 |
10- 12,0 |
England |
|
10 |
Foss et al. 2009 [86] |
Orthopädie, Frakturen |
120 |
8 |
10 |
Dänemark |
|
11 |
So-Osmanet al. 2010 [87] |
Orthopädie, TEP Hüfte/ Knie |
619 |
Komplex* |
Niederlande |
|
|
12 |
Carson et al. 2011 [88] |
Orthopädie, Hüftfrakturen |
2016 |
8 oder Anämie-Symptome |
10 |
USA und Kanada |
|
13 |
Gregersen et al. 2015 [55] |
Orthopädie, Hüftfrakturen |
284 |
9,7 |
11,3 |
Dänemark |
|
14 |
Prick et al. 2014 [89] |
postpartal |
521 |
Komplex* |
Niederlande |
|
|
15 |
Karam et al. 2011 [90] |
Pädiatrie, Sepsis |
137 |
7 |
9,5 |
Belgien, UK, USA und Kanada |
|
15 |
Holst et al. 2015 [51] |
septischer Schock |
1005 |
7 |
9 |
Skandinavien |
|
16 |
Hoeg et al. 2013 [91] |
AML |
150 |
< 9,7 + Symptome |
< 9,7 g/dl |
Dänemark |
|
17 |
Jansen et al. 2004 [92] |
AML |
84 |
7,2 – 8,8 (abhängig von Alter und Symptomen) |
9,6 g/del |
Niederlande |
|
18 |
Lightdale et al. 2012 [93] |
HSZT (Kinder) |
141 |
7 |
9 |
USA |
|
19 |
Webert et al. 2008 [94] |
AML, andere hämatol. Neoplasien |
60 |
8 |
12 |
Kanada |
|
20 |
DeZern et al. 2016 [75] |
akute Leukämie |
89 |
7 |
8 |
USA |
|
21 |
Froman et al., 2012 [95] |
kolorektale Tumoren |
272 |
|
|
USA |
|
22 |
Wehry et al. 2015 [96] |
hepatobiliäre Tumoren |
126 |
7 |
liberale Standard-Praxis |
USA |
|
23 |
Pinheiro et al. 2015 [97] |
Tumorchirurgie, verschiedene Entitäten |
97 |
7 |
9 |
Brasilien |
|
24 |
Park et al. 2008 [98] |
Magentumoren |
43 |
10 |
12 |
Südkorea |
|
25 |
Robitaille et al. 2013 [99] |
HSZT |
6 |
7 |
12 |
Kanada |
|
26 |
Tay et al. 2020 [100] |
HSZT |
300 |
7 |
9 |
Kanada, randomisierte kontrollierte Studie zur Nicht-Unterlegenheit in vier verschiedenen Zentren |
|
27 |
Stanworth et al. 2020 [64] |
MDS |
38 |
8 |
10,5 |
UK, USA, Kanada, New Zealand, Australien |
|
28 |
Vichinsky et al. 1995 [101] |
Sichelzellanämie |
551 |
Hb S-abhängig |
USA |
|
|
*„komplex“: Entscheidung zur Gabe von Erythrozytenkonzentraten im Rahmen der Studie hing nicht nur vom Hb-Wert, sondern auch von anderen klinischen Parametern ab. modifiziert und ergänzt nach Rohde et al. [49] |
||||||
3.5.4 Weitere Interventionen zur Korrektur einer Anämie (komplementäre oder alternative Medizin)
Änderungshinweis
Aufgrund fehlender RCT ist keine Empfehlung zum Einsatz von komplementärer oder alternativer Medizin (z.B. Homöopathie, Akupunktur, Heilkräuter, Schüssler Salze, Rote Beete Saft, Brennnesselsaft, Schwarzkümmelöl, Rotwein, Amalgamentfernung, Behandlung von angeblichen Störfeldern an den Zähnen) bei Tumortherapie-induzierter Anämie möglich.Traditionell chinesische Medizin (TCM):
Bei der aktuellen de novo Recherche fanden sich zwei chinesische Metaanalysen zu TCM in Kombination mit Chemotherapie und Aussagen zu Tumortherapie-induzierter Myelosupression. In einer Metaanalyse von 2022 [102] mit 39 RCTs wurde der Einfluss von TCM bei Patient*innen, welche eine Capecitabine-Therapie erhalten haben, im Hinblick auf das Tumoransprechen und Sicherheit im Vergleich zu einer alleinigen Capecitabine-Therapie untersucht. Dabei zeigte sich eine signifikant niedrigere Myelosupressionsrate, in neun der 39 Studien bewertet (RR 0,67 [0,54; 0,82], p < 0,0001) und Anämierate, in fünf der 39 Studien auswertbar (RR 0,69 [0,52; 0,92], p = 0,012) in der Patient*innengruppe die gleichzeitig TCM erhalten hatte.
Eine zweite Metaanalyse mit 14 RCTs von 2019 [103] untersuchte Effizienz und Sicherheit von TCM bei Patient*innen mit Magenkarzinom, welche eine Paclitaxel-basierte Chemotherapie mit und ohne TCM erhielten. In den fünf Studien, die die Auswirkung von TCM auf die Anämierate berichten, konnte kein signifikanter Gruppenunterschied gezeigt werden (RR: 0,65; 95 % KI: 0,40 – 1,04; p = 0,07).
Bei kleinen Fallzahlen der Einzelstudien und heterogenen TCM Therapien, welche in Europa weitgehend unbekannt sind, sowie divergentem Ansprechen ist eine sichere Beurteilung zur Wirksamkeit von TCM auf die Tumortherapie-induzierte Anämie nicht möglich. Kontrollierte randomisiertes Studien mit vergleichbaren Substanzen sind abzuwarten.
Anmerkung: Der Themenkomplex „Anämie“ ist nicht Bestandteil der S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen Version 2.01.
3.5.5 Chemoprotektiva
Beobachtungen bei Chemotherapiestudien zum kleinzelligen Bronchialkarzinom mit dem CDK4/6-Inhibitor Trilaciclib zeigten einen deutlichen myeloprotectiven Effekt mit Reduktionen an Neutropenie, Thrombozytopenie und Transfusionsbedürftigkeit, die in den USA zur Zulassung als Cytoprotektivum führte. Auch andere Substanzen mit unterschiedlichen Zielstrukturen (z.B. p53-Inhibition) sind in der Entwicklung [104].
3.6 Anmerkung - Anämie in der Radioonkologie
Die Zusammenhänge zwischen Anämie, Tumorhypoxie und Therapieansprechen einer Strahlentherapie werden kontrovers diskutiert.
So zeigen mehrere experimentelle und klinische Studien, dass es einen Zusammenhang zwischen niedrigen Hämoglobinwerten (Hb) im Blut und einer Tumorhypoxie gibt. Tumorhypoxie wird dabei mit Tumorprogression, der Entwicklung einer Behandlungsresistenz und damit einhergehend mit einer schlechten Prognose in Verbindung gebracht [105]. Beispielsweise waren niedrige Hb-Spiegel in einer großen prospektiven Studie an Patient*innen mit fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren mit einer statistisch signifikanten Verringerung der Überlebenszeit und einer Zunahme der lokoregionären Rezidive verbunden [106]. Weitere Review-Artikel fassten neunzehn klinische Studien zu Anämie und acht klinische Studien zu Tumorhypoxämie zusammen, die eine multivariate Analyse beinhalteten, um die Wirkung auf die lokale Kontrolle und/oder das Überleben von Krebspatient*innen zu bestimmen. Alle Studien haben eine Korrelation zwischen niedrigen Hb-Spiegeln und/ oder höheren Tumorhypoxien mit schlechterer Prognose gezeigt [107].
Die zugehörigen Untersuchungen klinischer Daten legt nahe, dass bei soliden Tumoren ein maximaler Oxygenierungsstatus im Bereich von 12 g/dl < Hb < 14 g/dl für Frauen und 13 g/dl < Hb < 15 g/dl für Männer zu erwarten ist. In Anbetracht des „optimalen“ Hb-Bereichs im Hinblick auf die Tumoroxygenierung gilt daher das Konzept „je höher, desto besser“ nicht mehr [107].
Die Korrektur der Anämie hat in klinischen Studien zu einer Verbesserung der Tumoroxygenierung geführt. Strittig bleibt jedoch, ob damit auch eine Zunahme der therapeutischen Wirksamkeit einer Strahlentherapie einhergeht.
3.6.1 Transfusion
Daten zu spezifischen Entitäten: Kopf-Hals-Tumoren
Als Teil der randomisierten DAHANCA-5 Studie für Patient*innen mit fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren, in der die Rolle von Nimorazol als hypoxischen Radiosensibilisator bewertet wurde, wurde der Effekt von Transfusionen bei Patient*innen mit niedrigem Hämoglobinspiegel bewertet. Patient*innen mit „niedrigen“ Hb-Werten vor der Bestrahlung (Frauen < 13 g/dl; Männer < 14,5 g/dl) wurden subrandomisiert in eine Gruppe mit und ohne Transfusion [108].
Insgesamt wurden 414 Patient*innen eingeschlossen, 171 Patient*innen hatten initial niedrige Hb-Spiegel. Die univariate prognostische Bedeutung hoher Hb-Spiegel wurde bei Patient*innen mit Kopf-Hals-Tumoren, die mit Strahlentherapie behandelt wurden, nachgewiesen; jedoch verbesserte eine Transfusion vor und während der Behandlung das Ergebnis bei Patient*innen mit niedrigen Hb-Werten nicht [108].
Eine zweite Studie zu mehreren DAHANCA-Kollektiven, die insgesamt 1.200 Patient*innen inkludierte, bestätigte diese Ergebnisse erneut [109]. In der Gruppe mit niedrigem Hämoglobin verbesserte die Transfusion das Ergebnis hinsichtlich lokoregionärer Kontrolle, krankheitsspezifischem oder Gesamtüberleben nicht. Eine Transfusion vor und während einer Strahlenbehandlung führte nicht zu einer Verbesserung des Outcomes bei Patient*innen mit Kopf-Hals-Tumoren und niedrigen Hämoglobinwerten, kann sich aber eventuell sogar negativ auf das Überleben auswirken [109].
In der retrospektiven Studie von Bhide, SA et al. 2009 hatten Patient*innen mit Bluttransfusionen unter radikaler Therapie ihres Kopf-Hals-Tumores ein schlechteres Outcome. Bei Transfusion aufgrund eines niedrigen Hb kann die Transfusion allerdings auch als Surrogatmarker für Patient*innen mit schlechter Prognose gesehen werden [110].
Daten zu spezifischen Entitäten: Zervix
Die Verwendung von Transfusionen zur Verbesserung der hypoxischen Strahlenresistenz wurde in einer älteren, kleinen randomisierten Studie bei Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs untersucht. Die Studie kam zu dem Schluss, dass bei Hämoglobinspiegeln unter 12 g/dl während der Behandlung eine signifikant höhere Rezidivrate und eine niedrigere Heilungsrate zu erwarten sind und dass eine Korrektur der Anämie durch Transfusion die Rezidive verringern und die Heilungsrate erhöhen kann [111]. Eine erneute kritische Analyse dieser Studie durch Fyles et al. unter Anwendung des Intention-to-treat-Prinzips zeigte jedoch, dass die Transfusion keinen Nutzen für die Patientinnen hatte [112]. Da die Hämoglobinwerte vor und während der Behandlung stark mit der Tumorgröße korrelieren, könnte die prognostische Auswirkung der Anämie in älteren Studien dadurch erklärt werden.
Andere nicht-randomisierte Studien zu Patientinnen mit Zervixkarzinom wiesen eine Bedeutung des Hämoglobinspiegels und der Wirkung von Transfusionen nach [113][114]. Weitere Daten in ähnlichen Patientinnenkollektiven waren jedoch weniger überzeugend [115][116]. Obwohl die endgültige multivariate Analyse einen therapeutischen Nutzen für Patientinnen zeigte, deren Hb-Wert korrigiert wurde, ergab sich kein signifikanter Vorteil bezüglich des Ansprechens auf die Strahlentherapie.
Daten zu spezifischen Entitäten: Mamma-Ca
In der Studie von Harris et al. gab es keine signifikanten Unterschiede im lokalen oder regionalen Rezidiv, im krankheitsfreien, ursachenspezifischen oder krankheitsfreien Gesamtüberleben zwischen Patientinnen mit Anämie zu Studienbeginn oder mit normalem Hämoglobin. Die Autor*innen schlussfolgerten, dass deshalb während der Bestrahlung der Brust kein Grund zur Transfusion oder Gabe von Erythropoese-stimulierenden Mitteln besteht [117].
Daten zu spezifischen Entitäten: Ösophagus-Ca
In einer kleinen, retrospektiven Studie an 65 Patient*innen mit Ösophaguskarzinomen, die mit einer kombinierten Radiochemotherapie behandelt wurden, ergab sich in der multivariaten Analyse ein signifikanter Vorteil für das Überleben, wenn die Patient*innen eine Transfusion erhalten hatten. Einschränkend ist auf die in die Multivarianzanalyse eingegangene geringe Patient*innenzahl (n = 18) hinzuweisen [118].
3.6.2 Erythropoetin (EPO)
ESA sind bei Strahlentherapie-induzierter Anämie nicht zugelassen.
Daten zu spezifischen Entitäten: Kopf-Hals-Tumoren
In einer randomisierten Studie von Patient*innen mit fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren wurde der Effekt einer prophylaktischen Therapie mit Erythropoetin (EPO) einmal wöchentlich, beginnend 7 - 10 Tage vor Beginn der Strahlentherapie, untersucht. Die Epo-Gabe während einer definitiven Strahlentherapie verbesserte die Ergebnisse jedoch nicht [119].
Die Studie mit Erythropoetin-ß (Epoetin-ß) von Henke at al. bei Strahlentherapie führte aufgrund der negativen Ergebnisse zur umfangreichen Diskussion und Neubewertung der EPO-Therapie bei Tumorpatient*innen [120]. Krebsbedingte unerwünschte Ereignisse traten bei 78 (46 %) Placebo-Patient*innen und bei 92 (51 %) Epoetin-ß-Patient*innen auf, und ein lokales Fortschreiten des Tumors wurde bei 50 (29 %) bzw. 65 (36 %) gemeldet. Insgesamt starben 89 (52 %) Patient*innen in der Placebogruppe und 109 (61 %) in der Epoetin-ß-Gruppe. 119 (34 %) der Patient*innen in den beiden Behandlungsgruppen starben an Krebs. Die Mortalität unterschied sich zwischen den Gruppen bei Herz- und Allgemeinerkrankungen: Fünf Placebo- und zehn Epoetin-ß-Patient*innen starben an Herzerkrankungen und ein Placebo- und neun Epoetin-ß-Patient*innen an Allgemeinerkrankungen.
Daten zu spezifischen Entitäten: Zervix
In einer Phase-I/II-Studie an wenigen Patientinnen mit Zervixkarzinom, die mit einer Radiochemotherapie behandelt wurden, wurde EPO und Eisen(II)-sulfat 5 – 10 Tage vor Beginn der externen Bestrahlungstherapie substituiert, die bis zu Hb-Werten > 14 g/dl fortgesetzt wurde. Die Autor*innen schlussfolgerten, dass eine solche Therapie sowohl sicher als auch wirksam zu sein scheint [121]. Randomisierte Phase-III-Studien existieren jedoch nicht.
Daten zu spezifischen Entitäten: Lungenkarzinom
Für Patient*innen mit lokal-fortgeschrittenen Lungenkarzinomen existiert eine randomisierte Studie, die bei sequentieller Radiochemotherapie den Effekt einer EPO-Gabe untersucht hat. Es ergab sich ein statistisch nicht signifikanter Trend für ein besseres 2-Jahres-Gesamtüberleben in einer Untergruppe von mit EPO Patient*innen mit einer Ausgangsanämie. Dieser konnte jedoch in der Gesamtpopulation nicht aufrechterhalten werden [27].
Die ESMO-Guidelines empfehlen keine prophylaktische Anwendung von EPO zur Vorbeugung einer Anämie bei Patient*innen, die sich einer Strahlentherapie unterziehen und zu Beginn der Behandlung normale Hb-Spiegel aufweisen, da die Literatur keinen Vorteil hierfür gezeigt hat [122].
Evidenztabellen
Tonia 2012
|
Referenz (Autor, Jahr, Journal) |
Studientyp Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum |
Patienten- Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX |
Intervention |
Kontrolle |
Zielgröße |
Primary Endpoint |
Secondary Endpoint |
Finanzierung |
Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN) Bei Abwertung: Angabe von Gründen |
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Tonia 2012 Cochrane Database of Systematic Reviews
Update search CHMG 2014 Update search on 08/2014 Data of 3 RCTs (Machtay 2012, Moebus 2013, Debus 2014) was updated and one new RCT (Nitz 2014) was included
|
Multicentric worldwide Blinding: 46 trials with placebo and 46 trials without placebo in the control group SR with 92 RCTs, n=21,301 pts Search: 01/1985 to 08/2014 |
Inclusion criteria Malignant diseases (all types, all stages, any previous therapy) Anaemic pts or at risk for anaemia from chemo-therapy, radio-therapy, a combination therapy, or the underlying malignant disease All ages and both genders Exclusion criteria Other causes of anaemia More than 80% diagnosed with leukaemia Trials with < 10 pts Characteristics of included trials Malignancies 60 trials: solid tumours 12 trials: HM 2 trials: MDS 18 trials: solid tumours and MDS Therapy regimen 64 trials concomitant chemotherapy 7 trials RT 8 trials RT+CT 9 no concomitant anticancer therapy 1 trial unclear 3 trials defined chemotherapy as “other” Age 91 trials adult population 1 trial children Hb level 30 trials with Hb level < 10 g/dl at baseline 38 trials with Hb level 10 to 12 g/dl at baseline 19 trials with Hb level > 12 g/dl at baseline 5 trials unclear |
Overall 76 trials ESA: epoetin alpha, epoetin beta, epoetin theta 16 trials darbepoetin Specific per arm ESAs ESAs and RBC transfusion as necessary ESAs plus conventional-dose cancer therapy (non-myeloablative CT and/or RT) ESAs and RBC transfusion as necessary plus conventional-dose cancer therapy |
Placebo or no treatment Observation and RBC transfusions as necessary (alone or with placebo) Identical therapy alone or with placebo Observation and RBC transfusions as necessary plus identical therapy (alone or with placebo) |
Primary outcomes Haematological response (increase in Hb level of 2 g/dl or more, or an increase in haematocrit of 6% points or more; measured as change in Hb level from baseline until end of study) Participants receiving RBC transfusions Overall survival Number of RBC units transfused per patient On-study mortality Secondary outcomes Tumour response Changes in quality of life Adverse events |
Reported as prioritized Change in FACT-F (13 items) 18 trials; 4,965 pts; MD 2.08 (95% CI 1.43 to 2.72; P<0.00001) Subgroup analyses CT: 14 trials; 3,515 pts; MD 2.79 (95% CI 2.03 to 3.55; P<0.00001) Change in FACT-An (20 items) 7 trials; 1,554 pts; MD 5.55 (95% CI 4.06 to 7.05; P<0.00001) Subgroup analyses CT: 5 trials; 1,051 pts; MD 6.21 (95% CI 4.60 to 7.82; OS 81 trials; 20,173 pts; Peto OR 1.06 (95% CI 1.00 to 1.11; P=0.04) Subgroup analyses CT: 55 trials; 13,800 pts; Peto OR 1.04 (95% CI 0.98 to 1.11; P=0.24) On-study mortality 73 trials; 17,134 pts; Peto OR 1.17 (95% CI 1.06 to 1.29; P=0.002) Subgroup analyses CT: 52 trials; 12,058 pts; Peto OR 1.10 (95% CI 0.98 to 1.24; P=0.11) Haematological response 46 trials; 6,413 pts; RR 3.39 (95% CI 3.10 to 3.71; P<0.00001) Subgroup analyses CT: 38 trials; 5,562 pts; RR 3.32 (95% CI 3.02 to 3.64; P<0.00001) Change in haemoglobin level from baseline until end of study 75 trials; 11,609 pts MD 1.57 (95% CI 1.51 to 1.62; P<0.00001) Subgroup analyses CT: 58 trials; 8,956 pts; MD 1.46 (95% CI 1.39 to 1.52; P<0.00001) Participants receiving RBC transfusions 89 trials; 16,482 pts; RR 0.64 (95% CI 0.62 to 0.67; P<0.00001) Subgroup analyses CT: 71 trials; 13,409 pts; RR 0.64 (95% CI 0.61 to 0.67; P<0.00001) Number of RBC units transfused per patient 26 trials; 5,100 pts; MD -0.93 (95% CI Subgroup analyses CT: 23 trials; 4,376 pts; MD -0.98 (95% CI -1.18 to -0.78; P<0.00001) Complete tumour response 20 trials; 5,397 pts; RR 1.01 (95% CI 0.97 to 1.05; P=0.70) Subgroup analyses HB < 10 / CT: |
Reported as prioritized Thrombotic events 61 trials; 16,731 pts; RR 1.56 (95% CI 1.38 to 1.78; P<0.00001) Subgroup analyses CT: 37 trials; 10,878 pts; RR 1.51 (95% CI 1.29 to 1.76; P<0.00001) Hypertension 37 trials; 7,228 pts; RR 1.30 (95% CI 1.08 to 1.56; P=0.006) Subgroup analyses CT: 33 trials; 5,522 pts; RR 1.71 (95% CI 1.29 to 2.26; P=0.0002) |
No funding provided for this Cochrane Review
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1a
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Adams 2022
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Referenz (Autor, Jahr, Journal) |
Studientyp Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum
|
Patienten-merkmale Indikation, Alter, Geschlecht (m/w) |
Intervention Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme |
Kontrolle Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme |
Zielgrößen Primärer Endpunkt Sekundäre(r) Endpunkt(e) |
Primärer Endpunkt Angaben für Intervention vs. Kontrolle |
Sekundäre(r) Endpunkt(e) Angaben für Intervention vs. Kontrolle |
Finanzierung |
Evidenzstufe Bei Abwertung: Angabe von Gründen Bewertung des Autors |
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Adams
2022
Cochrane Database systematic Review |
Network Metaanalyse
N = 62 trials (24,603 participants)
until June 2021 |
Participants of any age
Confirmed malignancy incl. MDS
CTX, radiotherapy, Radio-CTX, Combination or no anticancer therapy |
ESA with iron
ESA without iron
iron alone
|
no treatment |
primary endpoint: on-study mortality
secondary outcome: hematological response, number of patients with RBC transfusion, number of RBC transfusions, overall mortality, AE |
Comparison vs. “no treatment” On-study mortality: (55 trials; 15,074 participants) ESA + iv iron (12 of 1000; RR 0.13, 95% CI 0.01 to 2.29; low certainty) ESA + oral iron (34 of 1000; RR 0.37, 95% CI 0.01 to 27.38; low certainty) ESA alone (103 of 1000; RR 1.12, 95% CI 0.92 to 1.35; moderate certainty) IV iron alone (271 of 1000; RR 2.95, 95% CI 0.71 to 12.34; low certainty) oral iron alone (24 of 1000; RR 0.26, 95% CI 0.00 to 19.73; low certainty)
Comparison vs. “no ESA + Iron, unclear application (u.a.)”
On-study mortality: Placebo + iron (u.a.) RR 0.33, 95% CI 0.08 to 1.28, P-Score 0.91
ESA + iron (u.a.) RR 0.42, 95% CI 0.12 to 1.53, P-Score 0.52 |
Comparison vs. “no treatment”
Hb Response: (31 trials; 6985 participants) ESA + iv iron (604 of 1000; RR 6.71, 95% CI 4.93 to 9.14; moderate certainty) ESA + oral iron (527 of 1000; RR 5.85, 95% CI 4.06 to 8.42; moderate certainty) ESA alone (467 of 1000; RR 5.19, 95% CI 4.02 to 6.71; moderate certainty) oral iron alone (153 of 1000; RR 1.70, 95% CI 0.69 to 4.20; low certainty)
Red blood cell transfusions: (69 trials; 18,684 participants) ESA + iv iron (158 of 1000; RR 0.44, 95% CI 0.31 to 0.63; moderate certainty) ESA + oral iron (144 of 1000; RR 0.40, 95% CI 0.24 to 0.66; moderate certainty) ESA alone (212 of 1000; RR 0.59, 95% CI 0.51 to 0.69; moderate certainty) iv iron alone (268 of 1000; RR 0.74, 95% CI 0.43 to 1.28; low certainty) oral iron alone (333 of 1000; RR 0.92, 95% CI 0.54 to 1.57; low certainty)
Overall mortality (71 trials; 21,576 participants) - low-certainty evidence ESA + iv iron (507 of 1000; RR 1.46, 95% CI 0.87 to 2.43) ESA + oral iron (482 of 1000; RR 1.39, 95% CI 0.60 to 3.22) iv iron alone (521 of 1000; RR 1.50, 95% CI 0.63 to 3.56) oral iron alone (534 of 1000; RR 1.54, 95% CI 0.66 to 3.56) ESA alone (357 of 1000; RR 1.03, 95% CI 0.97 to 1.10; low certainty).
Thromboembolic events (50 trials; 15,408 participants) ESA + iv iron (66 of 1000; RR 1.82, 95% CI 0.98 to 3.41; moderate certainty) ESA alone (66 of 1000; RR 1.82, 95% CI 1.34 to 2.47; high certainty) None of the trials reported results on the other comparisons.
Comparison vs. “no ESA + Iron, unclear application (u.a.)”
Red blood cell transfusions: ESA + iron (u.a.) RR 0.46, 95% CI 0.33 to 0.64, P-Score 0.99
Placebo + iron (u.a.) RR 0.63, 95% CI 0.40 to 0.98, P-Score 0.50
Overall mortality ESA + iron (u.a.) RR 1.25, 95% CI 0.94 to 1.66, P-Score 0.28
Placebo + iron (u.a.) RR 1.24, 95% CI 0.90 to 1.71, P-Score 0.30
Thromboembolic events ESA + iron (u.a.) RR 1.47, 95% CI 0.78 to 2.75, P-Score 0.17
Placebo + iron (u.a.) RR 0.99, 95% CI 0.30 to 3.27, P-Score 0.64 |
Federal Ministry of Education and Research , Germany
Funding number 01KG1405 |
1 no explanation for including only RCTs not enough evidence to reach firm conclusions
"When considering ESAs with iron as prevention for anaemia, one has to balance between efficacy and safety. Results suggest that treatment with ESA and iron probably decreases number of blood transfusions, but may increase mortality and the number of thromboembolic events. For most outcomes the different comparisons within the network were not fully connected, so ranking of all treatments together was not possible. More head-to-head comparisons including all evaluated treatment combinations are needed to fill the gaps and prove results of this review." |
Mhaskar 2016
|
Referenz (Autor, Jahr, Journal) |
Studientyp Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum
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Patienten-merkmale Indikation, Alter, Geschlecht (m/w) |
Intervention Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme |
Kontrolle Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme |
Zielgrößen Primärer Endpunkt Sekundäre(r) Endpunkt(e) |
Primärer Endpunkt Angaben für Intervention vs. Kontrolle |
Sekundäre(r) Endpunkt(e) Angaben für Intervention vs. Kontrolle |
Finanzierung |
Evidenzstufe Bei Abwertung: Angabe von Gründen Bewertung des Autors |
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Mhaskar
2016
Cochrane Database of Systematic Reviews |
systematic review
N = 8 RCTs (12 comparisons; 2087 participants)
USA
Until February 2016 |
participants diagnosed with CIA
regardless of cancer type or severity and age, |
ESA plus iron or iron alone |
ESA alone |
Primary outcomes: Overall survival
secondary outcomes: 1. Hematopoietic response 2. RBC transfusions 3. Time to hematopoietic response 4. Mean change in Hb level from baseline 5. Changes in quality of life 6. Adverse events 7. Treatment-related mortality |
None of the included RCTs reported overall survival. |
iron + ESAs vs. ESAs alone
hematopoietic response RR 1.17, 95% CI 1.09 to 1.26; P < 0.0001; 1712 participants; 11 comparisons; high-quality evidence
red blood cell (RBC) transfusions RR 0.74 (95% CI 0.60 to 0.92); P = 0.007; 1719 participants; 11 comparisons; moderate-quality evidence)
median time to hematopoietic response HR 0.93 (95% CI 0.67 to 1.28); P = 0.65; 1042 participants; seven comparisons; low-quality evidence
improvement in the hemoglobin (Hb) levels MD 0.48 (95% CI 0.10 to 0.86); P = 0.01; 827 participants; seven comparisons; low-quality evidence
quality of life mean SD 0.01 (95% CI -0.10 to0.12); P = 0.88; 1124 participants; three RCTs; high-quality evidence
risk of grade III-IV thromboembolic events RR 0.95 (95% CI 0.54 to 1.65); P = 0.85; 783 participants; three RCTs; moderate-quality evidence
incidence of treatment-related mortality (TRM) 0% (997 participants; four comparisons; high-quality evidence
|
- |
1 no assess of the publication bias - only 8 RCTs
"Our systematic review shows that addition of iron to ESAs offers superior hematopoietic response, reduces the risk of RBC transfusions, and improves Hb levels, and appears to be well tolerated. None of the included RCTs reported overall survival. We found no evidence for a difference in quality of life with iron supplementation." |
Literaturhinweise
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