Leitlinienprogramm OnkologieSchilddrüsenkarzinom

8. Medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC) – Schilddrüsenkarzinom

Version 1.3 · September 2026 · AWMF 031-056OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom („medullary thyroid carcinoma“, MTC) betrifft ca. 5 % aller Schilddrüsenkarzinome und ist durch einige Besonderheiten gekennzeichnet:

  • es ist eine maligne Entartung der C-Zellen der Schilddrüse, 
  • es ist am Iodumsatz nicht beteiligt und speichert kein Iod, deshalb ist eine Radioiodtherapie nicht möglich [1061],
  • es sezerniert Calcitonin (Ctn) und Carcinoembryonales Antigen (CEA) 
  • es kann nur durch eine Operation geheilt werden,
  • es hat insgesamt eine relativ gute Prognose bei verhältnismäßig guter Lebensqualität,
  • es kommt in ca. 75 % sporadisch und in ca. 25 % hereditär im Rahmen der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN2) in Assoziation mit Phäochromozytomen und/ oder primärem Hyperparathyreoidismus vor,
  • eine pathogene Keimbahn-Variante im RET-Protoonkogen ist Ursache der MEN2, eine somatische Variante im RET-Protoonkogen im Tumorgewebe ist häufig bei sporadischem MTC nachweisbar.

8.1 Präoperative Diagnostik

Die präoperative Verdachtsdiagnose MTC wird durch die gemeinsame Beurteilung von Klinik, Ultraschall der Schilddrüse (V.a. Malignität) und der Zervikalregion (V.a. Lymphknoten (LK)- Metastasen), des Ctn-Spiegels (erhöht) und im Einzelfall durch Feinnadelpunktion (V.a. Malignität/ V.a. MTC) erhärtet. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bestimmen das Ausmaß der chirurgischen Resektion und sind prognostisch bedeutsam.

8.1.1 Klinische Untersuchung

8.1 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Die allgemeinen anamnestischen und klinischen Kriterien für ein Schilddrüsenkarzinom: palpabler, wachsender Knoten in der Schilddrüse und/oder zervikale Lymphknotenschwellung gelten auch für das MTC, bei entsprechendem Verdacht soll eine weitere Abklärung zum Ausschluss bzw. Nachweis eines MTC erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
8.2 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

MTC-spezifische anamnestische und klinische Hinweise können sein: ein erhöhter Ctn- und eventuell erhöhter CEA-Spiegel, therapieresistente Durchfälle, meist im fortgeschrittenen, metastasierten Stadium, sind richtungsweisend.

Eine positive Eigenanamnese von Phäochromozytom und/oder primärem Hyperparathyreoidismus und/oder Familienanamnese bei Verwandten 1. Grades mit MTC und/oder Phäochromozytom und/oder primärem Hyperparathyreoidismus lassen an eine MEN2 denken.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Das sporadische MTC manifestiert sich meist in der vierten bis fünften Lebensdekade. Von den über einen palpablen Schilddrüsenknoten diagnostizierten MTC haben 70 % bereits zervikale Lymphknotenmetastasen und 13 % Fernmetastasen in Leber, Lunge oder Knochen [1062] [1063] [1064] [1065]. Das 10-Jahres-Überleben beträgt ca. 61-81 % [1066] [1067], abhängig vom Tumorstadium bei Diagnose, Alter, Geschlecht und prä- und postoperativen Ctn- Spiegeln. Im letzten Jahrzehnt hat aufgrund zunehmend früherer Diagnosestellung, günstigerer Tumorstadien und verbesserter Operationsstrategien das Überleben insgesamt, aber auch in den höheren Tumorstadien zugenommen [1066][1068].

8.1.2 Labor

8.3 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei V.a. MTC sowie vor jeder Schilddrüsen-Operation wegen Knoten soll eine Ctn-Bestimmung durchgeführt werden, ein erhöhtes Ctn ist richtungsweisend für ein MTC.

Bei V.a. MTC im Rahmen der MEN2 soll eine Keimbahnanalyse des RET Gens durchgeführt werden, der molekulargenetische Nachweis einer aktivierenden pathogenen Keimbahn-Variante des RET Gens ist beweisend für ein MEN2 Syndrom.

Bei MEN2-Verdacht soll vor der Operation zum Ausschluss bzw. Nachweis eines Phäochromozytoms bzw. Hyperparathyreoidismus eine entsprechende Diagnostik (Plasma-, Urin-Metanephrine bzw. Serumkalzium, Parathormon) durchgeführt werden.

Konsens
Konsens (90,0%)

Die wichtigste zur Diagnose MTC führende Laboruntersuchung ist das Ctn. Der molekulargenetische Nachweis einer aktivierenden pathogenen Keimbahn-Variante im RET-Gens beweist die familiäre Variante des MTC. Bei Verdacht auf eine hereditäre Form des MTC (MEN2) sollte präoperativ die molekulargenetische Keimbahn-Diagnostik durchgeführt werden (siehe Kapitel 8.5). Sollte eine aktivierende pathogene Keimbahn-Variante im RET-Gen vorliegen oder anamnestisch der V.a. MEN2 bestehen, muss vor einer Thyreoidektomie zunächst biochemisch ein Phäochromozytom und ein primärer Hyperparathyreoidismus ausgeschlossen bzw. gesichert werden. Im Falle des Nachweises eines Phäochromozytoms, soll dieses zur Vermeidung hypertensiver Krisen während der Thyreoidektomie zuerst operiert werden (siehe Kapitel 8.5).

8.1.2.1 Calcitonin

8.4 · Konsensbasierte Empfehlung 2025
  1. Zur Abklärung von Schilddrüsenknoten sollte eine basale Ctn-Bestimmung durchgeführt werden, zumindest präoperativ vor einer Schilddrüsen-Operation und bei sonographisch suspekten Befunden.
  2. Die Ctn-Bestimmung soll unter Beachtung der präanalytischen Notwendigkeiten mit einem Doppelantikörper-Immunoassay erfolgen. Die Interpretation der Werte soll unter Berücksichtigung der geschlechts- und altersspezifischen Referenzwerte erfolgen.
  3. Besteht der Verdacht auf ein MTC, sollte die operative Therapie in einem Zentrum mit ausgewiesener Erfahrung in der Operation des Schilddrüsenkarzinoms erfolgen.
Konsens
Starker Konsens (100%)

Ctn ist ein spezifischer und sensitiver Tumormarker des MTC und dient zur Früherkennung, Verlaufskontrolle und Prognose-Einschätzung. Es wird auch von normalen C-Zellen sezerniert, die Höhe der Serumkonzentration korreliert mit der Tumormasse. Selten (< 0,7 %) findet sich ein MTC ohne Ctn- Sekretion [1069]. Da die Früherkennung des MTC die Prognose verbessert [1070], [1071]  und medulläre Mikrokarzinome auch durch Ultraschalluntersuchung oder Feinnadelpunktion nicht sicher ausgeschlossen werden können [1072], wird die präoperative Bestimmung des Ctn spätestens vor einer Schilddrüsenoperationen wegen sonographisch suspektem Schilddrüsenknoten empfohlen [1070][1073] [1074][1075].

Calcitonin-Bestimmung: Die neuen vollautomatischen Doppelantikörper-Immunoassays für Ctn erlauben eine sichere Festlegung geschlechtsspezifischer oberer Referenzwerte (Männer je nach Assay bis 10 pg/ml, Frauen bis 7,5 pg/ml) und altersabhängiger Referenz-Werte für Kinder [1076][1077][1078][1079]. Bei der Präanalytik ist zu beachten, dass die Blutprobe innerhalb von 60 Minuten zentrifugiert und das Serum tiefgefroren wird, da das Ctn bei Raumtemperatur um 20 % innerhalb von 2 Std. abgebaut werden kann [1078]. Ist eine korrekte Vorbehandlung der Probe nicht gesichert, darf eine Ctn-Bestimmung nicht vorgenommen werden.

Calcitonin-Erhöhung: Ctn-Spiegel über 100 pg/ml sprechen in nahezu 100 % für ein MTC, während bei Ctn-Spiegeln zwischen 10-20 pg/ml (Frauen) bzw. 20-50 pg/ml (Männer) die Diagnose eines MTC nur bei 5 bzw. 8,3 % lag [1074][1080]. Die neueren Assays erfassen den für die Diagnose eines Mikro-MTC wichtigen Bereich zwischen 10 und 100 pg/ml sicher und reproduzierbar. Leicht erhöhte Ctn-Spiegel finden sich auch bei einer C-Zell-Hyperplasie, die einerseits als Vorstufe eines hereditären MTC, aber auch als Begleitphänomen bei anderen benignen Schilddrüsenerkrankungen zu finden ist [1081]. Der Graubereich mit unspezifisch erhöhten Ctn-Spiegeln durch andere Erkrankungen oder Medikamente ist inzwischen besser zu definieren. Die mit den früheren Assays häufiger gesehenen unspezifischen Erhöhungen des basalen Serum-Ctn-Spiegels bei Autoimmun-Thyreoiditis, Niereninsuffizienz, Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren, bei Alkoholkonsum, bei Rauchern usw. kommen mit den neuen Assays nur noch in einem geschlechtsspezifischen Graubereich bis 20 pg/ml bei Frauen bzw. bis 30 pg/ml bei Männern vor [1079]. Seltene Ausnahmen sind heterophile Antikörper, Einnahme von Biotin und die paraneoplastische Sekretion von Ctn bei  neuroendokrinen Tumoren [1082][1082][1083].

Calcitonin-Screening bei Schilddrüsenknoten: Die Prävalenz des MTC in einer Population mit Struma nodosa beträgt ca. 0,31-0,4 % [1070][1084], in Autopsie-Serien zwischen 0,14 und 7,6 % [1085] je nach geographischer Region. Durch die Routine-Bestimmung des Ctn bei der Abklärung von Schilddrüsenknoten ist eine frühzeitige Diagnose und dadurch eine Verbesserung der Prognose möglich. Das Ctn-Screening bei Schilddrüsenknoten wird von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie [1086], Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK), sowie der European Thyroid Association [1087][1088] und der European Society of Medical Oncology (ESMO) [1089] befürwortet. Die American Thyroid Association Thyroid Nodule and Cancer Guideline [1090][24] und die American Thyroid Association guidelines for the Management of Medullary Thyroid Carcinoma [336] lassen die Empfehlung offen, die British Thyroid Association [60] empfiehlt es wegen mangelnder Evidenz nicht.

Eine Cochrane Analyse zur Frage der Bedeutung der Ctn-Bestimmung zur Detektion von MTC bei Patienten mit Schilddrüsenknoten findet bei 16 Studien mit insgesamt 72.368 Patienten eine Prävalenz des MTC von 0,32 %. Bei einem Grenzwert von 10 pg/ml fand sich eine Sensitivität von 100 % (95 %CI: 99,7-100). Wegen der niedrigen Prävalenz und der hohen Rate an falsch positiven Ergebnissen bei einem Grenzwert von 10 pg/ml mit einem positiv prädiktiven Wert von nur 7,7 % (95 %: 4,9-12,1) bleibt das Ctn-Screening umstritten [1091]. Für das Struma und Schilddrüsenknoten-Endemie-Gebiet Deutschland fehlen Daten zur Kosten-Nutzen/(Kosten-Schaden) -Analyse eines entsprechenden Screenings. Wegen der Seltenheit des MTC, der diagnostischen Unsicherheit bei nur leicht erhöhten Ctn-Spiegeln, der Nicht-Vergleichbarkeit alter Ctn-Assays mit unterschiedlichen Referenzbereichen, der früher fehlenden verbindlichen Grenzwerte, hatte sich die basale Ctn-Bestimmung nicht generell durchgesetzt. Bei nur leicht erhöhten Ctn-Werten wurde versucht durch Stimulation des Ctn mit Hilfe von Pentagastrin oder Calcium eine bessere Diagnosesicherheit zu erreichen. Bei nur schlecht definierten Grenzwerten für einen pathologischen Stimulationstest ist eine sichere Trennung zwischen C-Zell Hyperplasie und Mikrokarzinom nicht möglich [1073] und eine Übertherapie kann die Folge sein [1092][1093]. Die fehlende Verfügbarkeit von Pentagastrin und die gelegentlich auftretenden kardialen Nebenwirkung unter Calcium-Stimulation [1094], haben die Stimulationsteste zunehmend in den Hintergrund treten lassen. Beim Vergleich zwischen Ctn-Stimulation mit Pentagastrin oder Calcium und der Bestimmung der Ctn-Basalspiegeln mit modernen Messsystemen zeigte sich keine Überlegenheit der Ctn-Stimulation [1080][1095][1092].

8.5 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

1.a. Ab einem Grenzwert von ≥ 30 pg/ml Ctn für Frauen und von ≥ 60 pg/ml für Männer kann mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem MTC gerechnet werden. 

1.b. Ctn-Spiegel im Graubereich zwischen oberem Referenzwert und 30 pg/ml (Frauen) bzw. 60 pg/ml (Männer) sollen kontrolliert werden. Bei Bestätigung erhöhter Ctn-Werte über den Grenzwert von ≥ 30 pg/ml Ctn für Frauen und von ≥ 60 pg/ml für Männer soll operiert werden. Diese Grenzwerte gelten nicht für Kinder und Jugendliche.

1.c. Stimulationsteste für Ctn bringen nur in Einzelfällen eine höhere Sicherheit bei der Frühdiagnostik des MTC und sollen daher nicht routinemäßig erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (95,0%)

Durch die Wahl der o.g. Grenzwerte zur Operationsempfehlung werden im Bereich bis ca. 30 pg/ml bei Frauen und ca. 60 pg/ml bei Männern 6-13 % Mikro-MTC übersehen, jedoch auch genauso häufig nur eine nicht operationswürdige C-Zell Hyperplasie oder unspezifische manchmal persistierende Ctn-Erhöhungen  gefunden [1080][1096][1097]. In der Literatur wird der positiv prädiktive Wert ein MTC zu detektieren für die Grenzwerte über 26/35 pg/ml bei Frauen mit bei 95/100 % angegeben und entsprechend über Grenzwerten von 46/68 pg/ml bei Männern mit 95/100 % [1080][1096]. Mit den Grenzwerten gelingt es eine gute Balance zwischen Übertherapie, d.h. Schilddrüsenoperationen bei erhöhtem Ctn und benigner Histologie (C-Zell Hyperplasie/ kein MTC) und dem Risiko ein im Frühstadium befindliches Mikro-MTC zu übersehen, herzustellen. Bei Ctn Werten > 100 pg/ml liegt in der Regel ein MTC vor. Bei Patienten mit Schilddrüsenknoten und Ctn-Werten im Graubereich (bis 30 pg/ml bei Frauen und bis 60 pg/ml bei Männern) sollten Ctn im 3-6 Monatsabstand kontrolliert und bei Überschreitung der Grenzwerte operiert werden. Berücksichtigt man zusätzlich die Tatsache, dass bei Ctn-Werten < 100 pg/ml eine nahezu 100 % Heilungsrate zu erreichen ist [1072], führt dies zu einer weiteren Verbesserung der Zuverlässigkeit in der Nutzung basaler Werte im Ctn-Screening der Struma nodosa. Das Ctn-Screening sollte auch bei allen Knoten, die kleiner als 1 cm sind, durchgeführt werden. MTC der Größe 0,4 bis 0,6 cm haben Ctn-Spiegel zwischen 20 und 100 pg/ml [1072].

8.1.2.2 CEA und andere Marker

8.6 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Das Carcinoembryonale Antigen (CEA) ist der zweite Tumor-Marker beim MTC. Es soll nicht zur präoperativen Diagnostik eingesetzt werden. Es ist ein stabilerer Marker im Vergleich zum Ctn zum Tumormonitoring und kann in der Verlaufskontrolle beim metastasierten MTC eingesetzt werden (siehe Empfehlung [8.15]).

Konsens
Konsens (80,0%)

Neben dem Ctn können vom MTC noch andere Substanzen wie CEA, Pro-Calcitonin, ACTH, Chromogranin A und andere neuroendokrine Marker sezerniert werden. Das CEA hat eine besondere Bedeutung, da gelegentlich bei Patienten mit gastroenterologisch schon abgeklärter, jedoch persistierender unklarer CEA Erhöhung ein MTC vorliegt. Das CEA ist der unempfindlichere Marker und steigt häufig erst an, wenn das Ctn eindeutig erhöht ist (häufig erst bei Ctn Spiegeln über 100 pg/ml). Ebenso wie das Ctn korreliert CEA mit der Tumormasse. Im Verlauf hat CEA neben dem Ctn eine Bedeutung als Tumormarker, die Schwankungsbreite der CEA-Werte ist im Verlauf geringer als beim Ctn, die Abbaurate im Blut ist deutlich länger. Die paraneoplastische ACTH-Produktion kann beim MTC ein ektopes Cushing Syndrom auslösen [1098].

8.1.3 Präoperative Bildgebung

8.1.3.1 Ultraschall

8.7 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Eine Sonographie des Halses von Schilddrüse und zervikalen Lymphknoten soll präoperativ durchgeführt werden. Sie dient als Hinweis auf suspekte Schilddrüsenknoten und lokoregionäre Lymphknotenmetastasen.

Konsens
Konsens (87,5%)

Ultraschall ist aufgrund der weiten Verbreitung und der einfachen Durchführung die Methode der Wahl zur Evaluierung von Schilddrüsenknoten. Die Erfahrung des Untersuchers beeinflusst die Risikoeinschätzung eines Knotens. Die Datenlage zu sonographischen Charakteristika, die auf ein Schilddrüsenkarzinom hinweisen ist umfangreich, basiert aufgrund der hohen Prävalenz, aber in erster Linie auf der Analyse papillärer Schilddrüsenkarzinome. Die sonographischen Kriterien für ein MTC unterscheiden sich nicht wesentlich von einem papillären Schilddrüsenkarzinom: Hypoechogenität, Mikroverkalkung, unscharfe Begrenzung, Hypervaskularität. Dies sind Indikatoren für eine mögliche Malignität und stellen prinzipiell eine Indikation für eine Feinnadel-Punktion (FNP) dar [1099][51][1100]; bei V.a. MTC sollte zunächst das Ergebnis der Ctn-Bestimmung abgewartet werden und bei erhöhtem Ctn auf die FNP verzichtet werden, um die Desmoplasiereaktion im intraoperativen Schnellschnitt sicher beurteilen zu können (siehe Kapitel 8.1.3.1.).

Wolinski et al. untersuchten die sonographischen Charakteristika medullärer Schilddrüsenkarzinome [1101]. Eingeschlossen wurden sechs ausschließlich retrospektive Studien mit insgesamt 169 MTC-Patienten. Häufige sonographische Merkmale waren dabei fehlendes oder irreguläres Halo-Zeichen (89,9 %), Hypoechogenität (83,4 %), deutliche Echoarmut (32,7 %) und ein solider Knoten (79 %). Mikrokalzifikationen zeigten sich bei 35,5 %, Makrokalzifikationen bei 27 % der MTC. Eine irreguläre Randbegrenzung wiesen 38 % der MTC, eine „taller-than-wide“ Form 14,4 % auf.

Kim et al. untersuchten die Häufigkeit verdächtiger sonographischer Merkmale bei MTC im Vergleich zum papillären Schilddrüsenkarzinom [1102]. MTC wiesen im Vergleich zum PTC signifikant häufiger eine ovaläre bzw. runde Form auf und zeigten seltener eine irreguläre oder „taller-than-wide“ Form. Für Echogenität, Zusammensetzung, Randbegrenzung und Kalzifikationen fanden sich keine signifikanten Unterschiede. In einer ähnlichen, ebenfalls retrospektiven Studie, waren zystische Anteile [1103] oder eine gemischte Echogenität [1104] bei MTC signifikant häufiger anzutreffen, als bei PTC. Trimboli et al. konnten im retrospektiven Vergleich zeigen, dass PTC signifikant häufiger suspekte sonographische Merkmale aufwiesen als MTC [1100]. Im Unterschied zu den zuvor genannten Studien war hier das Merkmal Mikrokalzifikation bei MTC häufiger als bei PTC vorhanden.

Cho et al. untersuchten, ob sonographische Merkmale mit der Wahrscheinlichkeit einer biochemischen Heilung korrelieren und fanden eine geringe Größe, eine runde oder ovale Form, eine glatte Randbegrenzung und das Fehlen von Mikrokalk als prädiktive Faktoren für eine biochemische Heilung [1105]. Oh et al. untersuchten, ob sonographische Merkmale prädiktiv für das Vorhandensein von zervikalen Lymphknotenmetastasen im lateralen Kompartiment sind [1106]. Als Risikofaktor wurden neben der Größe eine irreguläre Form, ein spikulärer Rand und eine subkapsuläre Lage identifiziert. Trimboli et al. zeigten in einer retrospektiven Multizenterstudie, dass MTC, die als sonographisch suspekte Knoten imponieren, häufiger eine Lymphknotenmetastasierung und eine extrathyreoidale Ausbreitung aufweisen als nach sonographischen Kriterien nicht suspekt erscheinende MTC [1107][1107]. 

Zwei Arbeitsgruppen untersuchten die Anwendbarkeit eines standardisierten Reporting Systems bzw. der von der ATA vorgeschlagenen sonographischen Muster und konnten zeigen, dass 95 % der MTC in eine intermediäre oder hohe Risikoklasse (TIRADS 4-5) fielen und die Interobserver-Varianz akzeptabel ist [1108][1109].

Fokale Autonomien, die nicht selten eine intermediäre oder hohe TIRADS Risikokasse aufweisen, lassen sich mittels Schilddrüsenszintigraphie ausschließen.

Sollte sich durch Ultraschall und Ctn-Bestimmung der V.a. ein lokal weit fortgeschrittenes MTC (Invasion, Lymphknotenmetastasen) erhärten, ist zur OP-Planung ggf. eine Computertomographie (CT) bzw. Magnetresonanztomographie (MRT) von Hals und vor allem Mediastinum sinnvoll.

8.1.3.2 Erweiterte präoperative Bildgebung

8.8 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Eine erweiterte Schnittbilduntersuchung (CT Hals / Thorax / Abdomen und/oder MRT Abdomen (Leber) soll im Rahmen des initialen Stagings bei Ctn Spiegeln von mehr als 500 pg/ml und einer klinisch vermuteten Fernmetastasierung (Lunge, Leber, Knochen) durchgeführt werden. Zum initialen Staging kann ein PET/CT mit geeigneten Radiopharmaka (bevorzugt ¹⁸F-DOPA) erfolgen.

Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (62,5%)

Bei Ctn-Spiegeln über 1000 pg/ml und V.a. zervikale LK-Metastasen ist von einer lokoregionären Metastasierung/Fernmetastasierung auszugehen [1072]. Eine CT/MRT Untersuchung von Hals und Mediastinum/Thorax kann zur OP-Planung hilfreich sein. In der präoperativen Diagnostik ist die Rolle der funktionellen Radionuklid-Bildgebung zur Zeit gering, da nur wenige Studien vorliegen [1110]. Bei Anwendung einer Positronen-Emissionstomographie/Computertomographie (PET/CT) mit dem Tracer ¹⁸F-DOPA fand sich eine höhere Nachweisrate für zervikale Lymphknoten als durch den Ultraschall im zentralen bzw. lateralen Kompartiment. Durch additiven Nachweis mediastinaler Lymphknoten-Metastasen bzw. Fernmetastasen durch ¹⁸F-DOPA-PET/CT konnte bei jeweils 6 % der Patienten die Operationsplanung beeinflusst werden [1111]. Durch additiven Nachweis mediastinaler Lymphknoten-Metastasen bzw. Fernmetastasen durch ¹⁸F-DOPA-PET/CT konnte bei jeweils 6 % der Patienten die Operationsplanung beeinflusst werden. Ein detailliertes Staging bei bekannter Fernmetastasierung ist präoperativ nicht notwendig. Die laterale LK-Dissektion erfolgt unabhängig von einer Fernmetastasierung systematisch und dient der zervikalen Tumorentfernung. Für den Einsatz eines PET/CT vor primärer OP bei V.a. Metastasierung gibt es bislang nicht genügend Studien [1110].

8.1.4 Cytologie, Pathologie

8.9 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Die Ctn-Bestimmung ist der Cytologie überlegen. Aufgrund des besonderen Stellenwertes des Calcitoninsscreenings ist eine FNP für die präoperative Diagnose eines MTC in der Regel nicht erforderlich.

Die Beurteilung einer desmoplastischen Stromareaktion in der Histologie ist nach FNP nicht mehr sicher möglich, deshalb sollte solange kein normaler Ctn Spiegel vorliegt bei V.a. MTC keine FNP durchgeführt werden.

Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (68,75%)

Der histomorphologische Befund eines vollständig erfassten MTC im Rahmen einer Thyreoidektomie oder Hemithyeroidektomie wird durch die Pathologie mit einer entsprechenden pTNM-Klassifikation (siehe auch Abschnitt 4.1) eingeordnet. Die TNM-Klassifikation unterscheidet sich beim MTC lediglich hinsichtlich der klinischen Stadien, die T, N und M-Kategorien sind identisch.
Die 5. Auflage der WHO-Klassifikation sieht eine neue Gruppe von high-grade MTC mit entsprechend schlechterer klinischer Prognose vor. Diese neue Kategorie definiert sich auf Grund von histologischen Parametern wie Proliferation und Nekrosen[1112][1113][1114].

Tabelle 22: Histomorphologische Kriterien zur Diagnose eines high-grade MTC nach der 5. Auflage der WHO-Klassifikation. Ein high-grade MTC ist zu diagnostizieren bei Positivität zumindest eines der drei Merkmale.

low-grade MTC high-grade MTC
1. Mitosenzahl
pro 2 mm²
< 5 ≥ 5
2. Ki-67 Index > 5 % ≥ 5 %
3. Nekrosen nicht vorhanden vorhanden

Als Desmoplasie wird allgemein eine neoplastisch induzierte und somit tumorassoziierte Neubildung von kollagenem Bindegewebe, welche vor allem bei Karzinomen zu finden ist, bezeichnet. Die Desmoplasie ist von einer reaktiven Bindegewebsneubildung im Rahmen einer physiologischen Narbenbildung als Folge von Gewebsverletzungen und / oder Entzündungen abzugrenzen. Im Falle einer histomorphologischen Begutachtung von malignen Neoplasien ist nicht in jedem Fall sicher zu unterscheiden, ob es sich bei einer vorliegenden intra- oder peritumoralen Fibrose um eine desmoplastische oder um eine regeneratorische Bindegewebsbildung handelt.

Die bei klinischer Diagnose eines Rundherdes der Schilddrüse häufig durchgeführte Feinnadelpunktion führt im Schilddrüsen- und Tumorgewebe zu histologisch fassbaren regeneratorischen Effekten. In der alltäglichen Praxis erkennt der Histopathologe solche Areale im Tumor anhand von Tumorkapseldefekten, herdförmiger Fibrose mit Blutungsresiduen, fibroblastärer Stromareaktion und teils radiär angeordneter Tumorepithelstränge mit regeneratorischen Veränderungen [1115][1116][1117]. Pandit et al. konnten in einer Studie an 265 Schilddrüsenpräparaten mit Zustand nach Feinnadelpunktion reparatorische Effekte nachweisen. In 38 % der Fälle waren zudem suspekte Veränderungen wie regeneratorische Tumorzellveränderungen mit nukleären Atypien, Kapselpseudoinvasion und metaplastische Veränderungen beschrieben worden [1116]. Bolat et al. verglichen 150 Schilddrüsenpräparate mit Zustand nach Feinnadelpunktion mit 150 Schilddrüsenpräparaten ohne vorherige Punktion. Als Ergebnis konnten signifikant erhöhte Zeichen von Hämorrhagien, Blutungsresiduen, Granulationsgewebe, pseudopapilläre Hyperplasie, Fibrose, Kalzifikation, Kapseldefekte, Cholesterin-kristallspalten und fokale Mikrothrombenbildung nachgewiesen werden [1117]. Vor diesem Hintergrund ist die klinische Information einer vorhergehenden Feinnadelaspiration an den Pathologen notwendig, um eine richtige Einschätzung der intratumoralen Veränderungen einschließlich der Fibrose / Desmoplasie zu ermöglichen.

Die Bedeutung der Stromadesmoplasie beim MTC ist als prädiktiver Marker hinsichtlich einer lymphonodalen Ausbreitung inzwischen mehrfach beschrieben und wird auch in der aktuellen Version der WHO Klassifikation für Tumoren der endokrinen Organe diesbezüglich erwähnt [172]. In einer retrospektiven Studie an einer Kohorte von 50 hereditären und sporadischen MTC beschrieben Kaserer et al. 2001 erstmals das Fehlen einer Tumordesmoplasie als statistisch signifikanten histologischen Marker gegen eine lymphonodale Tumorausbreitung [1118]. Die gleiche Arbeitsgruppe publizierte weitere retrospektive Studien an 120 sporadischen bzw. 196 hereditären und sporadischen MTC [175][176]. Beide Arbeiten unterstützten die Rolle der fehlenden Tumordesmoplasie als stark positiven prognostischen Marker und diskutierten die Möglichkeit einer intraoperativen Schnellschnittdiagnostik zur Vermeidung einer lateralen Lymphknotendissektion. In einer erweiterten und teils prospektiv angelegten Studie dieser Gruppe konnte an insgesamt 360 hereditären und sporadischen MTC diese These weiter gestützt werden. 17,8 % der MTC zeigten in der Analyse keine Tumordesmoplasie. Die Patienten, welche auf Grund der im intraoperativen Schnellschnitt erhobenen Diagnose einer fehlenden Tumordesmoplasie keine laterale Lymphknotendissektion erhielten, erreichten dennoch alle eine biochemische Heilung im Verlauf [178]. Eine unabhängige Studie einer weiteren Arbeitsgruppe konnte ähnliche Daten erheben. Aubert et al. zeigten an 54 sporadischen MTC ebenfalls den positiv prognostischen Wert der fehlenden Tumordesmoplasie. Dabei konnte ein Schwellenwert einer Desmoplasie von 20 % der Tumorfläche als prädiktiv für das Fehlen einer lymphonodalen Ausbreitung definiert werden [1119]. Erst kürzlich konnte eine deutsche Arbeitsgruppe in einer Studie an 139 retrospektiv aufgearbeiteten Fällen von MTC mit einem Durchmesser von ≤ 25mm Durchmesser diese Aussagen stützen. Tumore mit einer Desmoplasie von < 10 % zeigten keine Lymphknotenmetastasen [179]. Die intraoperative Beurteilung der Desmoplasie bem MTC erfordert ein hohes Maß an Erfahrung hinsichtlich der prozentualen Einordnung der Fibrose auf Grund der Differenzierung einer echten Desmoplasie in Abgrenzung zu pervaskulärer intratumoraler Fibrose bei gefäßreichen Anteilen und zu Amyoidablagerungen.

8.1.5 Molekulargenetische Diagnostik

8.10 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei V.a. MTC (eindeutig erhöhtes Ctn, Frauen ≥ 30 pg/ml, Männer ≥ 60 pg/ml) sollte eine Keimbahn-Analyse des RET-Gens aus Voll-Blut durchgeführt werden, da in ca. 25 % ein hereditäres MTC ggf. mit Phäochromozytom und/oder primärem Hyperparathyreoidismus vorliegen kann (siehe auch Kapitel 8.5.2.).

Sofern präoperativ kein negatives Ergebnis einer Keimbahn-Analyse des RET-Gens vorliegt, sollen ein Phäochromozytom und der primäre Hyperparathyreoidismus präoperativ biochemisch ausgeschlossen werden.

Konsens
Konsens (87,5%)

Wenn die RET-Analyse nicht vorliegt, müssen vor OP des MTC ein Phäochromozytom und ein primärer Hyperparathyreoidismus ausgeschlossen werden. Da ein familiäres MTC nicht allein aufgrund der Familienanamnese sicher auszuschließen bzw. zu beweisen ist, empfiehlt sich bei allen MTC eine molekulargenetische Diagnostik. In ca. 3-7 % ist bei scheinbar „sporadischem“ MTC mit unauffälliger Familienanamnese überraschenderweise eine pathogene Keimbahn-Variante nachweisbar, entweder als de novo-Variante oder als pathogene Variante im RET-Gen mit geringer Penetranz des MTC [1120]. Spätestens nach histologischem Nachweis eines MTC muss eine molekulare Diagnostik auf das Vorliegen einer aktivierenden pathogenen Keimbahn-Variante im RET-Gen veranlasst werden (siehe [8.15] / 8.3.1.).

8.2 Initiale operative Therapie

8.2.1 OP-Indikation

8.11 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei biochemisch, molekulargenetisch und klinisch dringendem V.a. MTC soll eine Operation durchgeführt werden, da sie die einzige kurative Therapiemöglichkeit darstellt.

Patienten mit Schilddrüsenknoten und einem Ctn ≥ 30 pg/ml (Frauen) bzw. Ctn ≥ 60 pg/ml (Männer) haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein MTC und sollen operiert werden (siehe 8.1.2.1.).

Bei Vorliegen von Schilddrüsenknoten und leicht erhöhtem Ctn oberhalb des Referenzbereiches bis 30 pg/ml bei Frauen bzw. bis 60 pg/ml bei Männern sollte zunächst der Wert spätestens nach 3 Monaten kontrolliert werden, bei reproduzierbaren steigenden Werten, die sich dem Grenzwert nähern, kann eine Operation diskutiert werden. Man findet in einem geringen Prozentsatz der Patienten ein Mikro-MTC (< 10mm), und bei denen sehr selten eine Lymphknotenbeteiligung.

Konsens
Konsens (81,25%)

Das Ziel der Operation des MTC ist die Heilung durch komplette Entfernung des Primärtumors und eventuell befallener Lymphknoten.
Klinisch fassbare MTC weisen fast immer bereits mehr als 10 Lymphknoten- und häufig Fernmetastasen auf und sind meist nicht durch die Operation zu heilen.

Bei grob invasiv wachsenden Tumoren, ausgeprägt lokal metastasierten Tumoren oder bei Fernmetastasen ist das Ziel eine lokale Tumorkontrolle zur Vermeidung lokaler Komplikationen durch den Tumor.

Zur Frühdiagnose des MTC soll die Bestimmung der basalen Ctn-Werte bei Patienten mit Schilddrüsenknoten durchgeführt werden [1121]. Ein MTC gilt bei Ctn-Werten über dem Grenzwert von 30 pg/ml bei Frauen und über 60 pg/ml bei Männern als sehr wahrscheinlich (siehe 8.1.2.1).

Bei Ctn-Werten oberhalb des Referenzwertes bis 30 pg/ml bei der Frau und bis 60 pg/ml beim Mann (Grauzone) besteht nur eine relative Operationsindikation, da nur selten ein Mikro-MTC (pT1a) aber weit häufiger eine C-Zell Hyperplasie mit fraglicher präkanzeröser Bedeutung gefunden wird. Ein Lymphknotenbefall wird hier selten beobachtet. Sollte man sich nicht zur Operation entschließen, sind 3-6monatige, später jährliche Ctn-Kontrollen empfohlen. Bei Anstieg über 30 pg/ml bei der Frau und über 60 pg/ml beim Mann soll die Indikation zur OP gestellt werden. Bei basalen Ctn-Werten bis 100 pg/ml ist in nahezu allen Fällen eine Heilung möglich [1072].

8.2.2 OP-Ausmaß – Calcitonin- und Desmoplasie-abhängig

8.12 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Operative Therapie des MTC:

  1. Es soll eine Thyreoidektomie durchgeführt werden, da hereditäre MTC und auch 10 % der sporadischen MTC multifokal (beidseits) auftreten,
  2. Die Thyreoidektomie soll durch eine zentrale und ggf. laterale zervikale LK-Dissektion ergänzt werden, da eine frühzeitige lokale/regionäre Metastasierung stattfinden kann,
  3. Eine transsternale mediastinale Lymphadenektomie ist indiziert, wenn LK-Metastasen bildgebend gesehen werden und eine kurative Operation möglich erscheint, oder die LK-Resektion zur Vermeidung lokaler Probleme indiziert ist.
  4. Bei fortgeschrittenem Organ-überschreitendem MTC mit Infiltration von Trachea und/oder Oesophagus kann in Einzelfällen eine Resektion zur Verbesserung der Prognose sinnvoll sein.

Ausnahmen bei der operativen Therapie des MTC:

  • Bei im Gefrierschnitt fehlender desmoplastischer Stromareaktion sollte primär auf eine einzeitige zervikale LK Dissektion verzichtet werden. 
  • Bei präoperativ gering erhöhten Ctn-Werten bis 30 pg/ml bei Frauen, bis 60 pg/ml bei Männern) kann primär auf die zervikal laterale LK-Dissektion verzichtet werden.
  • Die zervikal laterale LK-Dissektion kann wahlweise auch im Rahmen einer Zweitoperation erfolgen, sofern 6 -12 Wochen postoperativ der Ctn-Wert nicht unter der Nachweisgrenze liegt.
Konsens
Konsens (87,5%)

Bei biochemisch nachgewiesenem MTC wird eine Thyreoidektomie mit beidseitiger zentraler LK-Dissektion empfohlen, da auch 10 % der sporadischen MTCs multifokal (bilateral) auftreten und Mikro-MTC auch mit Lymphknotenmetastasen assoziiert sind (Ausnahme fehlender Desmoplasie-Nachweis im Gefrierschnitt) [1122][1123]. Es konnte gezeigt werden, dass bei Frauen mit basalem Ctn ≥ 85 pg/ml und Männern ≥ 100 pg/ml zumindest 40 % der Frauen und 53 % der Männer laterale Lymphknotenmetastasen vorliegen [1092]. Die Autoren empfehlen deshalb im Ersteingriff neben der Thyreoidektomie und der beidseitigen zentralen auch eine (einseitig) laterale LK-Dissektion auf der Tumorseite durchzuführen. Spätestens bei einem basalen Ctn >200pg/ml soll auch eine kontralaterale laterale LK-Dissektion erfolgen, da ein kontralateraler LK-Befall beschrieben ist [1072].

Die systematische laterale (einseitige) LK-Dissektion als Kompartmentdissektion kann im Einzelfall auch im Rahmen einer Zweitoperation erfolgen [1124]. Aufgrund der frühen Mikrometastasierungsneigung ist die zentrale LK-Dissektion ein wichtiger Teil des Ersteingriffs. Das damit verbundene Morbiditätsrisiko wird geringer eingeschätzt als die Verschlechterung der Prognose bzw. im Krankheitsverlauf auftretende lokale Komplikationen durch potentiell befallene, aber belassene Lymphknoten. Darüber hinaus ist das Morbiditätsrisiko bei zentralem Re-Eingriff erhöht.

Es sollte immer eine systematische, en bloc Kompartmentdissektion mit quantitativer Lymphknotenanalyse (Relation entfernter zu befallenen Lymphknoten) erfolgen. Eine selektive, also nicht systematische Lymphknotenentfernung („berry picking“ vergrößerter Lymphknoten) ist zu vermeiden. Sie verringert die Chance auf eine Heilung, da die Operationsbedingungen bei der dann häufiger notwendigen Zweit- oder Komplettierungsoperation narbenbedingt erschwert sind und die Morbidität dadurch deutlich ansteigt [1125]. Eine Reoperation kann in besonderen Einzelfällen nach vorausgegangener adäquater Kompartmentresektion notwendig sein.

Eine transsternale mediastinale Lymphknotendissektion ist nur bei Verdacht auf LK-Befall der entsprechenden Lymphknoten und fehlenden Fernmetastasen indiziert, oder im Einzelfall um lokale Komplikationen zu vermeiden.

Die Gewebsreaktion durch die Feinnadelbiopsie gleicht mikroskopisch einer desmoplastischen Stromareaktion und sollte deshalb vermieden werden. Der intraoperative Gefrierschnitt ist notwendig, da nur dadurch das Fehlen einer desmoplastischen Stromareaktion nachgewiesen werden kann und damit bei ca. 27 % der Patienten auf die laterale LK-Dissektion verzichtet werden kann [175].

Die desmoplastische Stromareaktion ist das Charakteristikum eines invasiven Tumorwachstums. Das MTC ohne desmoplastische Stromareaktion stellt eine Sonderform dar. Tumore ohne desmoplastische Stromareaktion bilden keine LK-Metastasen. Patienten mit MTC ohne desmoplastische Stromareaktion wurden auch ohne LK-Dissektion im Langzeitverlauf geheilt [175]. Bei fehlender desmoplastischer Reaktion im intraoperativen Gefrierschnitt ist somit unabhängig vom präoperativen basalen Ctn-Spiegel keine weitere LK Dissektion notwendig.

Da das Fehlen einer desmoplastischen Stromareaktion im Gefrierschnitt jedoch erst nach Organentnahme im Gefrierschnitt des Primärtumors gezeigt werden kann, die zentrale beidseitige LK-Dissektion aber technisch einfacher ist, solange die Schilddrüse noch in Situ ist, wird in einigen Zentren zunächst immer eine zentrale, beidseitige LK-Dissektion durchgeführt [1126].

8.2.2.1 Indikation zur Komplettierungs-Operation

8.13 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Wird ein sporadisches MTC als Zufallsbefund nach Schilddrüsenteilresektion gefunden und ist der postoperative basale Ctn-Spiegel nicht messbar niedrig soll keine Komplettierungs-OP durchgeführt werden.

Bei postoperativ persistierend erhöhten Ctn-Spiegeln nach inadäquatem Ersteingriff (keine totale Thyreoidektomie, keine LK Dissektion) soll eine Komplettierungs-Operation vorgenommen werden.  Bei fehlendem Nachweis von Fernmetastasen besteht eine Chance durch eine Komplettierungs-Operation eine "biochemische" Heilung zu erreichen.

Bei postoperativ persistierend erhöhten Ctn Spiegeln mit Nachweis von Fernmetastasen kann durch eine Komplettierungs-Operation ein lokoregionäres Rezidiv vermieden werden.

Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (60%)

Im Falle eines zufällig histologisch dokumentierten MTC muss nach Schilddrüsenteilresektion bei Patienten ohne Nachweis einer pathogenen Variante im RET-Gen und bei postoperativ nicht messbaren Ctn-Spiegeln keine Komplettierungsoperation erfolgen [1127][1128], da in der Restschilddrüse und in den LK kein Tumorgewebe zu erwarten ist. Bei einigen älteren Ctn-Bestimmungsmethoden mit weniger spezifischen Assays liegt der postoperative Ctn-Spiegel im unteren Referenzbereich [1129]. Bei postoperativ erhöhten Ctn-Spiegeln sollte eine Komplettierungsoperation (Rest-Thyreoidektomie mit zentraler und eventuell lateraler LK-Dissektion) erfolgen.

Bei postoperativ persistierend erhöhten Ctn-Spiegeln ohne Nachweis von Fernmetastasen kann eine Komplettierungs-Operation im Einzelfall eine "biochemische" Heilung erreichen [1130][1131][1132]. Bei Nachweis von Fernmetastasen kann durch eine Komplettierungs-Operation ein lokoregionäres Rezidiv vermieden werden.

Ist im Rahmen der Thyreoidektomie mit beidseitiger zentraler LK-Dissektion im Ersteingriff keine laterale LK-Dissektion erfolgt, kann im Falle eines post-operativen Ctn-Wertes unterhalb der Nachweisgrenze bzw. im unteren Referenzbereich (je nach Bestimmungsmethode) auf eine laterale LK-Dissektion verzichtet werden.

8.2.2.2 Operation bei Mikro-MTC ≤ 10 mm (mMTC, pT1a)

8.14 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Patienten mit einem Mikro-MTC (≤ 10 mm) und Ctn-Werten über dem geschlechtsspezifischen Grenzwert (Frauen > 30 pg/ml; Männer >60 pg/ml) sollen wie größere MTC thyreoidektomiert und zervikale LK-disseziert werden, da LK-Metastasen bei 18,5 % vorliegen.

Bei Patienten mit Mikro-MTC (≤ 10 mm) und einem Ctn unter dem Grenzwert kann beim Ersteingriff auf die laterale LK-Dissektion verzichtet werden (insbesondere bei fehlender desmoplastischer Stromareaktion im Gefrierschnitt), es fanden sich lediglich bei <3 % Lymphknotenmetastasten im zentralen Kompartiment.

Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (62,5%)

Patienten mit Ctn-Werten über den geschlechtsspezifischen Grenzwert (Frauen > 30 pg/ml; Männer >60 pg/ml), haben ein deutlich erhöhtes Risiko für ein MTC und haben somit eine absolute Operationsindikation.

Bei Patienten mit Mikro-MTC (≤ 10 mm) und einem Ctn über dem Grenzwert liegen in 18,5 % LK Metastasen vor. Das chirurgische Vorgehen sollte wie bei einem größeren MTC (pT1b - pT4) erfolgen [1133] [1134] (siehe Kapitel 8.2.2.1). Wurde im Rahmen der Erstoperation auf die laterale LK-Dissektion verzichtet, soll in Abhängigkeit vom postoperativen Ctn Spiegel eine laterale LK Dissektion nachgeholt werden.

Bei Patienten mit einem mikro-MTC (≤ 10 mm) und einem Ctn unter dem Grenzwert fanden sich lediglich bei <3 % Lymphknotenmetastasten im zentralen Kompartiment. Bei diesen Patienten kann beim Ersteingriff auf die laterale LK-Dissektion verzichtet werden. Diese kann, im Falle eines postoperativ erhöhten Ctn Spiegels im Rahmen einer Zweitoperation erfolgen [1133].

8.3 Risikoadaptierte Nachsorge des medullären Schilddrüsenkarzinoms

8.3.1 Klassifikation nach Risikogruppen – Nachsorgestrategie

8.15 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Zur Planung einer risikoadaptierten postoperativen Nachsorge eines histologisch und immunhistologisch gesicherten MTC sollen folgende Befunde vorliegen:

  • pTNM Klassifikation = Stadieneinteilung
  • postoperativer basaler Ctn- und CEA-Spiegel (6-8 Wochen nach der OP)
  • Molekulargenetische Analyse auf pathogene Keimbahn-Variante im RET-Protoonkogen
Konsens
Starker Konsens (93,33%)

Eine lebenslange Nachsorge ist bei allen MTC angezeigt. Voraussetzung für eine adäquate Nachsorge nach operativer Entfernung des MTC ist eine histologische Sicherung der Diagnose ggf. mit Hilfe einer Immunhistologie, eine Klassifikation nach dem pTNM-Schema und somit Stadieneinteilung, ein postoperativer basaler Ctn und CEA-Spiegel und das Ergebnis der molekulargenetischen Diagnostik auf das Vorliegen einer pathogenen Keimbahn-Variante im RET-Gen zur Klassifikation in sporadische oder hereditäre Variante des MTC. Diese Parameter bestimmen Intensität und Häufigkeit der biochemischen und bildgebenden Untersuchungen im Rahmen einer risikoadaptierten Nachsorge. Im weiteren Verlauf kann eine risikoadaptierte Nachsorge aufgrund der Erfassung des Progresses mittels Ctn/CEA-Verdopplungszeiten und bildgebenden Untersuchungen mit Erfassung des Wachstums nach RECIST-Kriterien adaptiert werden (dynamische Risiko-Stratifizierung). Je nach Ansprechen auf die Primärtherapie lassen sich 3 Gruppen von Patienten definieren: biochemisch geheilt, biochemisch inkomplett und strukturell inkomplett [1135], die sich auch bezüglich ihrer Prognose und Untersuchungsintervalle in der Nachsorge unterscheiden [1136][1137][1138]:

Biochemisch geheilt, sehr gutes Ergebnis der Primärtherapie: Der Ctn-Spiegel ist postoperativ nicht messbar niedrig, CEA im Normbereich, der Tumor ist mikroskopisch komplett entfernt (R0-Resektion, meist Stadium I und II): dann ist von einer biochemischen Heilung des Patienten auszugehen vorausgesetzt die Histologie stimmt (Ctn-Immunhistologie obligat). In den ersten 2 Jahren sollen halbjährliche Nachuntersuchungen mit Sonographie des Halses, Ctn- und CEA-Bestimmung durchgeführt werden [1139]. Danach kann, wenn kein Ctn-Anstieg erfolgt ist, auf jährliche Kontrollen oder noch längere Intervalle übergegangen werden. Die Prognose ist sehr gut: 87 % Überleben nach 20 Jahren [1135].

Biochemisch inkomplettes Ansprechen: Der Ctn-Spiegel ist persistierend meist gering bis mäßig erhöht (meist ≤ 1000 pg/ml) (meist Stadium II und III). Es ist von verbliebenem aber bildgebend meist nicht nachweisbarem (klinisch okkult persistierendem) MTC auszugehen. Sollte die bisherige Operation nicht „adäquat“ gewesen sein, sollte bei erhöhtem postoperativen Ctn Spiegel auch bei negativem zervikalen bildgebenden „Staging“ und nach Ausschluss von Fernmetastasen eine Komplettierungsoperation durchgehführt werden (siehe Kapitel 8.2.2.1.) [1140][1141]. Im weiteren Verlauf sind halbjährliche Verlaufskontrollen in der Regel ausreichend. Die Häufigkeit der bildgebenden Diagnostik kann anhand des Primärbefundes und der Tumormarker-Verdopplungszeit geplant werden, eine engmaschige Maximaldiagnostik ohne therapeutische Konsequenz ist nicht sinnvoll, die schnittbildgebende Diagnostik dient zur Erfassung der Tumorlast oder zum "Staging" im Zusammenhang mit einer erneuten therapeutischen Option. In den meisten Fällen ist aktives Abwarten ("Active Surveillance") ausreichend, da die Überlebensrate in dieser Gruppe nach 20 Jahren bei bis zu 82 % liegen kann [1135].

Strukturell inkomplettes Ansprechen: Der Ctn-Spiegel ist deutlich (in der Regel ≥ 1.000 pg/ml) erhöht: Hier ist von lokal infiltrierendem Tumorgewebe (pT4a-b) oder von einer Fernmetastasierung (Stadium IV) meist in Lunge, Leber und/oder Knochen auszugehen (klinisch manifestes MTC). Ein kurativer Ansatz ist nicht mehr möglich. Trotz Fernmetastasen haben viele Patienten über Jahre eine gute Lebensqualität, da das Tumorwachstum häufig sehr langsam ist. Eine Strategie der „Active Surveillance“ ist dann oft möglich. Bei progredientem Tumorwachstum kann mit Hilfe der Ctn-Verdopplungszeit und der Bildgebung im Verlauf (z. B. RECIST-Kriterien) die Indikation zur Intervention abgeschätzt werden (siehe Kapitel 8.4.) [1142]. Alle Therapien in dieser Situation sind nicht kurativ, die Indikationsstellung muss deshalb besonders auch die Lebensqualität und den Wunsch des Patienten berücksichtigen. Auch bei Fernmetastasierung zum Zeitpunkt der Diagnose beträgt die 10 Jahres-Überlebensrate 44 % [1143].

8.3.2 Labordiagnostik im Rahmen der Nachsorge

8.16 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Eine TSH suppressive Therapie beim MTC ist nicht indiziert, das TSH soll unter Levothyroxin-Substitution im Referenzbereich liegen.

Konsens
Konsens (93,75%)

Nach Thyreoidektomie sollte bei jeder ambulanten Vorstellung eine Überprüfung der Substitution mit Levothyroxin vorgenommen werden. Da das MTC nicht TSH abhängig wächst, ist ein TSH im Referenzbereich ausreichend.

8.17 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Eine postoperative Ctn-Bestimmung soll 6-8 Wochen nach Thyreoidektomie erfolgen.

Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (75%)

Je nach Höhe des präoperativen basalen Ctn Werts kann der Abfall des (hohen) Ctn Werts Wochen dauern. Entsprechendes gilt mehr noch für das CEA mit per se längerer Halbwertzeit. 6-8 Wochen postoperativ ist der Nadir erreicht [1144]. Ist das basale Ctn nicht messbar oder im niederen Referenzbereich, spricht dies für eine biochemische Heilung mit exzellentem Therapieergebnis. Die halbjährlichen Kontrollen mit nicht messbarem Ctn belegen die biochemische Heilung. Ist der Ctn-Spiegel bei Kontrollen persistierend erhöht, spricht dies für noch vorhandenes Tumorgewebe, bei Spiegeln bis 150 pg/ml meist für eine lokoregionale Persistenz, ≥1000 pg/ml oft schon für Fernmetastasen. Die Bildgebung bei Ctn ≤ 150 pg/ml ist meist wegen zu geringer Tumormasse nicht erfolgreich, bezogen auf die Primärtherapie gehören diese Patienten zu der Gruppe mit biochemisch inkomplettem Ansprechen.

8.18 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Die Ctn-Verdopplungszeit (ggf. CEA-Verdopplungszeit) sollte nach Möglichkeit mit 4 Werten über 2 Jahre kalkuliert werden.

Konsens
Konsens (81,25%)

Die Progredienz der Tumorerkrankung im weiteren Verlauf kann sehr unterschiedlich sein und lässt sich anhand der Ctn- und CEA-Verdopplungszeit relativ gut einschätzen (eine Berechnungshilfe findet sich unter (www.thyroid.org/professionals/calculators/CDTC.php) [1145]. Voraussetzung für eine gute Aussage sind mindestens 4 Ctn/CEA-Werte über 2 Jahre. Patienten mit Tumormarker-Verdopplungszeiten ≤ 24 Monaten hatten in 94 % auch bildmorphologisch einen Progress, lagen die Tumormarker-Verdopplungszeiten ≥ 24 Monate, hatten 86 % der Patienten kein nachweisbares Tumorwachstum [1146]. Im günstigen Fall (keine oder lange Tumormarker Verdopplungszeit > 2 Jahre), sind weitere Kontrollen alle 12 Monate ausreichend, eine Therapie asymptomatischer Metastasen ist nicht notwendig, eine "Active Surveillance" ist angebracht. Das Gleiche gilt auch bei höheren Ctn-Werten und langsamem Progress in der Gruppe mit strukturell inkomplettem Ansprechen auf die Primärtherapie. Dagegen sind bei Verdopplungszeiten von Ctn und CEA ≤ 1 Jahr Kontrollen von Ctn, CEA und auch der Bildgebung in 3 Monatsabständen zur Therapie-Entscheidung (z. B. Tyrosinkinase-Inhibitoren) angebracht.

8.3.3 Molekulargenetische Diagnostik in der Nachsorge

8.19 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei sporadischem MTC kann eine RET-Analyse im Tumorgewebe bezüglich somatischer pathogener Varianten zur Prognose-Einschätzung und zukünftigen Therapieplanung (z. B. selektive RET-Kinase-Inhibitoren) sinnvoll sein.

Konsens
Starker Konsens (93,33%)

Bei sporadischen MTC kann im Tumorgewebe in bis zu 90 % eine somatische RET-Variante nachgewiesen werden, am häufigsten die pathogene  Variante M918T mit großer inter- und intra-tumoraler Heterogenität [1147]. In kleinen Primärtumoren finden sich nur selten somatische RET-Varianten, hingegen nimmt die Prävalenz in großen Primärtumoren und Lymphknotenmetastasen zu, am häufigsten liegen somatische RET-Varianten in Fernmetastasen vor [1148], [1149]. Dies hat prognostische und therapeutische Bedeutung. Patienten mit einer somatischen RET M918T Variante haben einen aggressiveren Krankheitsverlauf und eine schlechtere Prognose. Für die Therapieentscheidung, insbesondere für die zukünftig zur Verfügung stehenden selektiven RET-Kinase-Inhibitoren, ist der Nachweis einer pathogenen RET-Variante notwendig.

8.3.4 Postoperative Bildgebung

8.20 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei Patienten mit postoperativ persistierend erhöhtem Ctn (> 150 pg/ml) sollen durch die Bildgebung Metastasen des MTC lokalisiert und im Verlauf das Tumorwachstum überprüft werden. Methoden, Intervall und Umfang sollen in Abhängigkeit vom initialen Risikoprofil, der Lokalisation von Metastasen und dem Verlauf der Erkrankung bestimmt werden.

Konsens
Konsens (81,25%)

An bildgebenden Verfahren kommen je nach Lokalisation der vermuteten Metastasen oder des lokoregionären Rezidives Sonographie von Hals und Abdomen, CT mit Kontrastmittel, Kernspin-Tomogramm (MRT) ggf. mit leberspezifischem Kontrastmittel, Knochenszintigramm, ggf. DOPA-PET/CT, [¹⁸F]FDG-PET/CT oder SSTR-PET in Frage [1150]. Die Abstände der Untersuchung, alle 6 Monate bis einmal pro Jahr, hängen von den Ctn- und CEA- Werten und deren Verdopplungszeit, der Größe und Lage des Rest-Tumors/der Metastasen und dem Ausmaß der Progression des Tumors, den Beschwerden des Patienten, ggf. der geplanten palliativen Therapie ab [1151]. Eine Bildgebung ist erst ab einem Ctn-Spiegel >150 pg/ml sinnvoll [336]. Bei nur hemithyreoidektomierten geheilten Patienten (Ctn nicht messbar niedrig) sind in der Langzeitbeobachtung Untersuchungen in Jahresabstand und bei erhöhtem Ctn bis 150 pg/ml mit Ultraschalluntersuchung des Halses ausreichend. Dies gilt auch bei biochemisch inkomplettem Ansprechen auf die Primärtherapie einschließlich einer Rezidiv-/Komplettierungs-OP und langer Ctn/CEA Verdopplungszeit (> 2 Jahre).

8.3.4.1 Ultraschall-Diagnostik (siehe auch Kapitel 8.1.3.1)

8.21 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Eine Ultraschalluntersuchung des Halses soll 3 Monate nach OP zur Frage des lokoregionären Rezidivs und des Vorliegens von zervikalen Lymphknotenmetastasen durchgeführt werden; danach sollen Ultraschalluntersuchung des Halses in Abhängigkeit vom initialen Risikoprofil, der Lokalisation von Metastasen und dem Verlauf der Erkrankung erfolgen.

Konsens
Konsens (87,5%)

Mit Hilfe des zervikalen Ultraschalls lassen sich lokoregionäre Rezidive bei erhöhtem Ctn gut erfassen und im Verlauf das Wachstum dokumentieren. Die Ultraschalluntersuchung des Halses ist einfach durchführbar und eine empfindliche Methode zur Entdeckung eines lokalen Rezidives [1152]. Zur Beurteilung von Lebermetastasen kann die Sonographie hilfreich sein, bei V.a. Fernmetastasen sind zusätzlich andere Bildgebungs-Modalitäten erforderlich.

8.3.4.2 CT/MRT, Skelett-Szintigramm

8.22 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Zur Diagnostik und Verlaufsbeobachtung von Metastasen des MTC außerhalb der Halsregion sollten zunächst morphologische Schnittbildverfahren eingesetzt werden: CT- und / oder MRT-Untersuchungen (CT Thorax / Abdomen, MRT Abdomen, dedizierte MRT je nach Lokalisation von Metastasen des MTC). Eine Sonographie des Abdomens kann zur Lokalisation und Verlaufsbeurteilung von Lebermetastasen eingesetzt werden. Ein Knochenszintigraphie kann im Einzelfall durchgeführt werden, ist heutzutage aber weitgehend ersetzt durch die zuerst genannten Methoden. Die Zeitintervalle der Bildgebung sollen in Abhängigkeit vom initialen Risikoprofil, der Lokalisation von Metastasen und dem Verlauf der Erkrankung (Verdopplungszeit des Tumormarkers) erfolgen.

Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (75%)

Bei V.a. Fernmetastasierung ist ein Kontrastmittel-CT des Thorax (für Lungenmetastasen und mediastinale LK) sowie MRT der Leber (Lebermetastasen) und ggf. ein Knochenszintigramm sinnvoll, alternativ kann bei Verfügbarkeit eine ¹⁸F-DOPA-PET/CT durchgeführt werden.

8.3.4.3 Molekulare (funktionelle) Bildgebung

8.23 · Evidenzbasierte Empfehlung 2025

Zur Diagnostik und Verlaufsbeobachtung von Metastasen des MTC außerhalb der Leber sollte ein PET/CT mit einem geeigneten Radiopharmakon erfolgen, sowie bei V.a. Leber- oder Hirnmetastasen ergänzend eine entsprechende regionale MRT.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3a
Konsens
Konsens (81,25%)
Literatur
[1153]
8.24 · Evidenzbasierte Empfehlung 2025

Als PET-Radiopharmakon sollte bevorzugt ¹⁸F-DOPA eingesetzt werden, alternativ ein DOTA-SSTR-Radiopharmakon. Beim schlecht differenzierten bzw. rasch progredienten MTC (Tumormarkerverdopplungszeit üblicherweise ≤ 12 Monate) kommt zusätzlich auch [¹⁸F]FDG in Betracht.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3a
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1153]

Die Publikationen zu PET-Untersuchungen beim metastasierten MTC zu diagnostischen Zwecken untersuchen verschiedene Tracer, vorzugsweise [18F]Fluor-DOPA, 68Ga-DOTATOC und [18F]FDG. Die Ergebnisse sind heterogen. Die Originalarbeiten schließen – der Seltenheit des Krankheitsbildes geschuldet – meist etwa 20 Patienten ein.

Treglia et al. [1153] führten eine Metaanalyse unter Berücksichtigung von acht Publikationen durch und werteten die Ergebnisse der Fluor-DOPA und der FDG-PET/CT aus, auch in Abhängigkeit von der Kalzitonin (Ctn) bzw. CEA Serumkonzentration, die als Indikator für die Tumorlast und -aggressivität gesehen werden dürfen. Bei einem Ctn > 1000 ng/l wurde die Sensitivität zu 86 % (73 % bis 95 %) bestimmt, bei Ctn< 150 ng/l zu 39 % (20 % – 61 %) Im Vergleich über alle Läsionen lag die Sensitivität für DOPA etwas höher als für FDG; 71 % gegen 66 %. Ferner wurde berichtet, dass die PET-Diagnostik bei kürzerer Kalzitoninverdopplungszeit sensitiver ist, bei einer CTn Verdoppelungszeit unter 2 Jahren 86 % unabhängig von der Höhe des Serum CTn. Die Ergebnisse der berücksichtigten Arbeiten sind heterogen. Die Arbeiten [1154] und [1155], die in der o.g. Metaanalyse enthalten sind, weisen auf die Komplementarität der beiden Tracer FDG und DOPA hin, wobei mit zunehmender Aggressivität des MTC die Sensitivität für FDG steigt. In [1155] wird auch bei 18 Patienten ein direkter Vergleich zwischen DOPA-, FDG- und einem 68Ga-DOTATOC durchgeführt, die Sensitivitäten lagen bei 72 %, 17 % bzw. 33 %.

In einer prospektiven Studie verglichen Terroir et al. [1156] die Untersuchungsergebnisse ( CT, MRT, DOPA-PET/CT und FDG-PET/CT) von 36 Patienten mit insgesamt 74 Metastasen eines MTC. Sie fanden eine Überlegenheit der PET/CT Untersuchungen gegenüber der morphologischen Bildgebung mit Ausnahme der Leber. In dem Organ konnte die MRT alle 11 Filiae nachweisen, DOPA und FDG dagegen keine. DOPA war dem FDG bei kleineren Läsionen überlegen. Die quantitative Analyse auf Läsionsbasis ergab folgende Sensitivitäten; DOPA 84 % (75 %-100 %); FDG 45 % (34 % 57 %), Ganzkörper MRT 32 % (21 %-44 %) Ganzkörper CT 32 % (21 %-44 %). Zwar ist die SSTR-PET/CT der nur von wenigen Zentren angebotenen DOPA- Untersuchung unterlegen, hat aber den Vorteil in Deutschland weit verbreitet und verfügbar zu sein. Zusätzlich bietet SSTR-Untersuchung im Sinne der Theragnostik die Option bei entsprechend positivem Befund auch über eine SSTR-Radionuklidtherapie zu entscheiden. Die Berücksichtigung aller o.g. Aspekte führt zu der differenzierten Empfehlung.

8.25 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Sofern eine Radionuklidtherapie in Betracht gezogen wird, soll die Erfolgsaussicht einer [¹³¹I]-mIBG-Therapie mittels [¹²³I]-mIBG SPECT bzw. SPECT/CT bzw. die Erfolgaussicht einer Radio-DOTA-SSTR-Therapie mit DOTA-SSTR-PET/CT evaluiert werden.

Konsens
Starker Konsens (95,2%)

8.4 Therapie des metastasierten MTC (einschl. Persistenz und MTC-Rezidiv)

8.26 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Patienten mit metastasiertem MTC, das asymptomatisch, stabil oder wenig progredient ist, entwickeln im späteren Verlauf mit geringer Wahrscheinlichkeit, einen raschen Progress. Es soll eine abwartende Haltung - "Active Surveillance" – mit regelmäßigen Kontrollen alle 6-12 Monate eingenommen werden, da viele Interventionen die Lebensqualität einschränken, ohne Evidenz, das Überleben zu verbessern.

Konsens
Konsens (81,25%)
Literatur
[1157]
8.27 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei Patienten mit progredientem metastasierendem MTC soll die Möglichkeit einer lokalen Therapie vor Einleitung einer systemischen Therapie geprüft werden.

Konsens
Konsens (87,5%)

Bei einem eindeutigen Progress der Metastasen (RECIST-Kriterien, mehr als 20 % Zunahme/Jahr), Tumormarker Verdopplungszeit ≤ 1 Jahr und drohenden bzw. vorhandenen tumorbedingten Symptomen, Funktionseinbußen oder Komplikationen sollte zunächst die Möglichkeit einer lokalen Therapie evaluiert werden z. B. palliative Operation oder Strahlentherapie [1158]. Wenn eine lokale Therapie nicht möglich bzw. onkologisch nicht sinnvoll ist, sollte die Indikation für eine systemische Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren oder RET-Kinase Inhibitoren evaluiert werden. Auch bei einer Primärdiagnose des MTC im fortgeschrittenen metastasierten Zustand sollte eine Operation des Primärtumors mit LK-Dissektion unter palliativem Gesichtspunkt durchgeführt werden, um lokale Komplikationen bezüglich Trachea und/oder Ösophagus zu vermeiden.

Die Behandlung des metastasierten MTC ist ausgesprochen symptomorientiert, dazu gehört auch die konsequente Behandlung der sekretorischen Diarrhoe im fortgeschrittenen Tumorstadium mit Loperamid und/oder Tinctura opii, dies wird oft zu Lasten der Lebensqualität vernachlässigt bzw. zu vorsichtig dosiert.

8.4.1 Indikation zur (lokalen) Re-Operation

8.28 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei persistierendem oder neu aufgetretenem und progredienten Lokalrezidiv bzw. bei schmerzhaften Lymphknotenmetastasen im zentralen Halsbereich (Trachea- oder Oesophagus-Nähe/Infiltration) kann eine Operation unter palliativem Ansatz sinnvoll sein, um lokale Komplikationen zu vermeiden.

Konsens
Starker Konsens (97%)

Bei postoperativ persistierend erhöhten Ctn-Spiegeln ist von verbliebenem Tumorgewebe im Hals oder von Fernmetastasen auszugehen. Bei nicht adäquater Primär-Operation soll eine Komplettierungs- Operation (siehe Kapitel 8.2.2.1.) durchgeführt werden [1140][1141]. Durch Komplettierung sollte der Versuch einer kurativen chirurgischen Therapie erfolgen. Sind folgende Grenzen (postoperativ persistierend erhöhte Ctn-Spiegel bis max. 1000 pg/ml ohne Nachweis von Fernmetastasen,  weniger als 5-10 befallene LK, nur zwei betroffene Lymphknotenkompartimente und Fehlen einer Lymphangiosis carcinomatosa) jedoch überschritten, ist ein kurativer Ansatz nicht mehr möglich. Deshalb sollten alle weiteren therapeutischen Maßnahmen unter Abwägen des Morbiditätsrisikos und der Lebensqualität bei verbliebenem Tumor mit unter Umständen günstiger Prognose überlegt werden. War die Primäroperation „adäquat“ (totale Thyreoidektomie mit zentraler und lateraler Lymphknotendissektion), kann nach bildgebenden „Staging“ mit lokoregionärem MTC Befund eine Re-Operation indiziert sein.

Re-Operationen unter palliativem Ansatz sind vor allem bei progredientem Lokalrezidiv oder schmerzhaften Lymphknotenmetastasen im zentralen Halsbereich (Trachea- oder Oesophagus-Nähe/Infiltration) sinnvoll, um lokale Komplikationen zu reduzieren. Eine automatische Operation neu aufgetretener zervikaler Metastasen („Berry-Picking“) sollte nicht gemacht werden, da dies zu zahlreichen, die Lebensqualität einschränkenden Eingriffen führt, die die Prognose nicht beeinflussen aber häufig zu Komplikationen wie Recurrensparese, Hypoparathyreoidismus und Armmuskellähmungen führen können [450].

Eine lokale Strahlentherapie (Tumorbettbestrahlung) kann nach Ausschöpfung von operativen Verfahren bei symptomatischen Tumormanifestationen sinnvoll sein [1159].

8.4.2 Therapie bei spezifischen Fragestellungen

8.4.2.1 Invasion des MTC in Trachea, Larynx oder Ösophagus

8.29 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Radikale Resektionen von Larynx, Trachea oder Ösophagus sollten erst nach individueller und sehr strenger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (68,75%)

Bei lokal infiltrierendem Tumorwachstum in den Aerodigestivtrakt ist eine Resektion von Larynx, Trachea oder Ösophagus möglich, wenn die lokale Situation eine Resektion erfordert. Meist liegt eine weit fortgeschrittene Tumorerkrankung mit disseminierter Fernmetastasierung vor [458]. Entsprechend kritisch sollte die Indikation zu erweiterten, organübergreifenden Resektionen gestellt werden, da sie häufig die Lebensqualität signifikant beinträchtigen.

Im Falle eines lokal inoperablen MTCs kann, bei gleichzeitig vorliegenden lokalen Beschwerden oder zur Vermeidung von Komplikationen, eine Radiatio indiziert sein.

8.4.3 Lokale Therapie von Fernmetastasen

8.30 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bisphosphonate oder Denosumab sollten bei Patienten mit diffusen und/oder symptomatischen Knochenmetastasen in Erwägung gezogen werden unter Berücksichtigung der renalen Funktion und Monitoring der Calciumwerte und nach vorhergehender zahnärztlicher Untersuchung (siehe S3-Leitlinie Supportive Therapie).

Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (68,75%)

Knochenmetastasen des MTC treten meist zusammen mit anderen Fernmetastasen auf. Sie sind meist multifokal, am häufigsten in der Wirbelsäule und Becken lokalisiert, sie sind osteolytisch, osteoplastisch oder gemischt [1160][1161]. Ihre Behandlung stellt eine besondere Herausforderung dar. Kleinere klinisch nicht auffällige Knochenmetastasen können zunächst beobachtet werden. Bei schmerzhaften Knochenmetastasen und/oder bei Frakturgefährdung ist eine externe Radiatio oder chirurgische Intervention indiziert, insbesondere bei frakturgefährdeten Wirbelkörpermetastasen. Eine systemische Therapie z. B. mit Tyrosinkinase Inhibitoren bei fortgeschrittenem MTC alleine ist oft nicht ausreichend, um die Knochenmetastasierung zu kontrollieren. Insbesondere bei disseminierter Knochenmetastasierung wird daher der Einsatz einer antiresorptiven Therapie (Bisphosphonate/Denosumab) empfohlen. Es gibt zum MTC selbst hierfür keine prospektiven Studien [1088][336]. Die Empfehlung beruht somit in erster Linie auf Studien in anderen Tumorentitäten, die eine Verzögerung des Auftretens skelettaler Komplikationen gezeigt haben [1160][1057][1058][1162][1059][1060]. Eine aktuelle Arbeit ergibt Hinweise, dass beim MTC mit osteolytischen Metastasen die Komplikationsrate und die Prognose ungünstiger sind und eine antiresorptive Therapie angebracht sein könnte [1161].

Lebermetastasen des MTC sind häufig klein und disseminiert und verursachen meist wenig Beschwerden. Deutlich progrediente und schmerzhafte Lebermetastasen sollten behandelt werden, insbesondere wenn eine ausgeprägte Diarrhoe vorliegt, die sich durch Loperamid oder Tinctura opii nicht beherrschen lässt. Singuläre oder große Metastasen sollten, wenn möglich, chirurgisch entfernt werden, meist handelt es sich jedoch um eine ausgedehnte Metastasierung, eine Therapie mit einem lokal ablativen Verfahren ist deshalb oft von beschränkter Wirksamkeit. Eine systemische Therapie mit einem Tyrosinkinase-Inhibitor wäre bei einem aggressiven MTC sinnvoll (siehe Kapitel 8.4.4.).

Lungenmetastasen des MTC sind häufig miliar, multipel und häufig mit mediastinalen LK assoziiert. Bei Verlegung der Atemwege mit respiratorischen Problemen können lokale operative oder strahlentherapeutische Maßnahmen ergriffen werden, sie stellen aber auch eine Indikation zur systemischen Therapie dar.

Hirnmetastasen des MTC sind selten und werden meist erst bei klinisch-neurologischer Symptomatik manifest. Eine chirurgische Resektion, stereotaktische Radiochirurgie oder konventionelle Radiotherapie können erwogen werden.

Weichteilmetastasen des MTC in Haut und Mammae sind selten und treten erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Sie können, wenn möglich, lokal behandelt werden (Resektion oder Bestrahlung) bei aggressiven MTC ist eine systemische Therapie sinnvoll.

8.4.4 Systemische medikamentöse Therapie

8.31 · Evidenzbasierte Empfehlung 2025

Eine systemische Therapie mit den Tyrosinkinase-Inhibitoren Cabozantinib oder Vandetanib soll bei Patienten mit fortgeschrittenem MTC bei signifikanter Tumorlast und symptomatischer oder klinisch relevant progredienter Erkrankung in Erwägung gezogen werden, wobei Vandetanib nach Reanalyse der Zulassungsstudie nur noch beim RET-mutierten MTC eingesetzt werden soll.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1b
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1163] [1164] [1165]

Die zytotoxische Chemotherapie ist beim metastasierten MTC nur eingeschränkt wirksam, weshalb neuen molekular-gezielten Therapieansätzen der Vorzug gegeben wird [336]. Seit mehr als 10 Jahren werden bei fortgeschrittenen Schilddrüsenkarzinomen Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) in Studien untersucht. Seit Februar 2012 steht der Tyrosinkinase-Inhibitor Vandetanib in Deutschland zur Therapie des fortgeschrittenen, rasch progredienten und symptomatischen MTC zur Verfügung, seit Oktober 2014 auch Cabozantinib.

Vandetanib ist ein oral zu verabreichender TKI, der auf den beim MTC häufig mutierten RET-Tyrosinkinase-Rezeptor aber auch auf EGF-Rezeptor und VEGF-Rezeptor wirkt. Im Rahmen einer randomisierten Phase-III-Studie (n = 331 Patienten) mit 300 mg Vandetanib/Tag von Wells [1164] konnte gezeigt werden, dass das progressionsfreie Überleben im Vergleich zu Placebo signifikant um 11,2 Monate verlängert war auf 30,5 Monate unter Vandetanib vs. 19,3 Monate unter Placebo. Die objektive Responserate betrug 45 % nach RECIST Kriterien. Nebenwirkungen traten häufiger im Vandetanib Arm auf als im Placebo Arm, die häufigsten waren Diarrhoe (56 % vs. 26 %, Hautausschlag (45 % vs. 11 %), Übelkeit (33 % vs. 16 %), Hypertonie (32 % vs. 5 %) sowie Kopfschmerzen (26 % vs. 9 %). Die häufigsten Grad 3,4 Nebenwirkungen waren Diarrhoe (11 % vs. 2 %), Hypertonie (9 % vs. 0 %), QT Zeit Prologation (8 % vs. 1 %), Fatigue (6 % vs. 1 %). Therapieabbruch aufgrund von Nebenwirkungen erfolgte bei 28 % der Pat. vs. 3 % im Placebo Arm.

Eine aktuelle, nur in Form eines Rote-Hand-Briefs publizierte Reanalyse der Patienten aus der Vandetanib Zulassungsstudie, die ursprünglich mit unbekanntem Mutationsstatus eingeschlossen worden waren, hat eine unzureichende objektive Ansprechrate von 18,2 % bei den RET-Mutations-negativen Patienten gezeigt gegenüber eine objektiven Ansprechrate von 51,7 % bei Patienten mit einer RET-Mutation. In Anbetracht dieser geänderten Datenlage wird die Wirksamkeit von Vandetanib als unzureichend erachtet, um das Risiko von Nebenwirkung bei RET-negativen Patienten zu rechtfertigen. Daher wurde die Indikation für Vandetanib im Januar 2023 beschränkt auf die Behandlung eines aggressiven und symptomatischen RET-mutierten medullären Schilddrüsenkarzinoms bei Patienten mit nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung.

Cabozantinib wird ebenfalls oral verabreicht und wirkt auf den RET-Tyrosinkinase-Rezeptor, den c-Met- sowie den EGF- und VEGF-Rezeptor. In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie zeigte sich bei 330 Patienten mit bildmorphologisch gesichertem MTC-Progress nach RECIST unter einer Initialdosis von 140 mg Cabozantinib/Tag, ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben (11,2 Monate) im Vergleich zu Placebo (4,0 Monate) [1165]. Subgruppen-Analysen zeigen, dass Patienten mit RET-Mutationen die längste Verlängerung des progressionsfreien Überlebens aufweisen und sich in dieser Subgruppe auch Hinweise auf eine Verlängerung des Gesamtüberlebens ergeben – auch wenn diese Analysen mit Vorsicht interpretiert werden müssen, da sie nur post-hoc erhoben wurden und nicht prospektiv validiert sind. Auch für Patienten mit unbekanntem RET-Status und RET-negativem Status konnte eine Wirksamkeit im Sinne einer Verlängerung des progressionsfreien Überlebens gezeigt werden konnte [1165]. Eine partielle Remission nach RECIST zeigten 28 % der Cabozantinib behandelten Patienten. Grad 3 oder 4 Adverse Events wurden in 69 % der Patienten im Cabozantinib-Arm berichtet (am häufigsten Diarrhoe (15,9 %), Hand-Fuß-Syndrom 12,6 %, Fatigue 9,3 %) vs. 33 % im Placebo Arm. Die Dosis musste bei 79 % der Patienten wegen signifikanter Toxizität reduziert werden (vs. 9 % im Placebo Arm), ein Therapieabbruch wegen Nebenwirkungen erfolgte bei 16 % der Patienten unter Cabozantinib (vs. 8 % im Placebo Arm).

Die Ergebnisse beider Studien sind aufgrund konzeptioneller Unterschiede im Studiendesign nicht vergleichbar. Während in der Cabozantinib-Studie nur Patienten mit einem radiologisch dokumentierten Progress in einem Zeitraum von 14 Monaten eingeschlossen wurden, wurden in der Vandetanib Studie auch Patienten ohne Progress eingeschlossen. Zudem war in der Vandetanib-Studie bei radiologisch nachgewiesenem Progress unter Therapie ein Wechsel in den Verum-Arm möglich. In der Cabozantinib-Studie war ein Cross-Over nicht vorgesehen. Diese konzeptionellen Unterschiede, die eine Vergleichbarkeit der erzielten Ergebnisse unmöglich machen, zeigen sich auch in der kürzeren Zeit des progressionsfreien Überlebens im Verum- und Placebo-Arm der Cabozantinib-Studie. Es gibt keine Studien, die die Effektivität von Vandetanib und Cabozantinib direkt miteinander vergleichen. Daher muss anhand von Anamnese, körperlicher Untersuchung, EKG- und Laborergebnissen, Vorerkrankungen, Begleitmedikation sowie Tumorcharakteristika entschieden werden, welches Medikament im individuellen Fall bevorzugt eingesetzt wird.

Eine Verlängerung der Überlebenszeit ist bisher mit keinem TKI beim metastasierten MTC überzeugend nachgewiesen. Auch Komplettremissionen wurden nicht beschrieben. Darüber hinaus gibt es keine Evidenz dafür, dass ein früher Beginn der Therapie die Effektivität erhöht.

Wie zuvor aufgeführt, ist die Therapie mit TKI häufig mit Nebenwirkungen verbunden: Diarrhoe, Hautauschlag, Übelkeit, Hypertonie, Kopfschmerzen und auch schwere Nebenwirkungen wie EKG-Veränderungen. Diese Nebenwirkungen beeinträchtigen die Lebensqualität z. T. erheblich, können aber durch symptomatische Therapien gelindert werden. Trotzdem ist nicht selten eine Dosisreduktion, Therapiepause oder ein Absetzen der Therapie erforderlich. Da der Nachweis eines Nutzens im Frühstadium der Erkrankung eindeutig fehlt, wird unter individueller Risiko-Nutzen-Abwägung auch in Anlehnung an internationale Leitlinien [1088], [1145], [336] derzeit die Indikation zur Therapie mit TKI erst bei folgenden Kriterien gesehen: hohe Tumorlast und progredienter (RECIST-Kriterien), kurzer Ctn/CEA-Verdopplungszeit < 1 Jahr sowie ausgeprägte symptomatische Erkrankung, wenn lokale Therapiemaßnahmen ausgeschöpft sind. Auch nicht zu beherrschende Schmerzen und therapieresistente Durchfälle können im Einzelfall die Indikation zur TKI-Therapie unterstützen. Da ein Großteil der Patienten auch im Stadium der fortgeschrittenen Metastasierung nur langsam progredient ist und eine kaum eingeschränkte Lebensqualität hat, ist der alleinige Nachweis der Metastasierung und eines Progresses keine Therapie-Indikation, ebenso wenig der alleinige Nachweis von erhöhten oder steigenden Tumormarkern Ctn und/oder CEA.

Die Empfehlung basiert auf der hohen Evidenzqualität der Studien für das Ansprechen der Therapie und zielt auf therapiebedürftige Patienten.

Ist ein Patient kein guter Kandidat für Vandetanib oder Cabozantinib bzw. zeigt sich im Verlauf ein signifikanter Progress, ist an den Einschluss in eine klinische Studie zu denken. Alternativ können andere TKIs eingesetzt werden, die in Phase-II-Studien beim MTC positive Effekte gezeigt haben und aufgrund ihrer Zulassung bei anderen Tumorentitäten im Rahmen eines individuellen Heilversuch eingesetzt wurden (z. B Axitinib, Pazopanib, Sorafenib, Sunitinib, Lenvatinib) [1166], [1167], [1027], [1168], [1029], [1169], [1170].

8.32 · Evidenzbasierte Empfehlung 2025

Bei Patienten mit fortgeschrittenem MTC mit signifikanter Tumorlast und symptomatischer oder progredienter (nach RECIST) metastasierter Erkrankung und Nachweis einer RET-Variante soll ein selektiver RET-Inhibitor mit niedriger Nebenwirkungsrate und hohem Therapieansprechen angewendet werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1b
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1033] [1171] [1172]

Die Phase-I/II-Studie [1033] und auch Phase III-Studie [1172] zu dem selektiven RET-Inhibitor Selpercatinib zeigen beim progredienten fortgeschrittenen MTC in der Erstlinientherapie sowie nach TKI-Vorbehandlung sehr gute Ansprechraten bei deutlich geringerer Nebenwirkungsrate im Vergleich zu den TKI-Inhibitoren Cabozantinib und Vandetanib.

In der abgeschlossenen Phase-I/II-Studie zu Selpercatinib [1033] zeigte sich bei 55 Patienten mit RET-positivem medullärem Schilddrüsenkarzinom, die mit Vandetanib und/oder Cabozantinib vorbehandelt waren, eine objektive Ansprechrate von 69 % (Komplettremission 9 %, partielle Remission 60 %) sowie ein 1-Jahres-PFS von 82 %. Bei 88 Patienten mit RET-positivem medullärem Schilddrüsenkarzinom ohne Vortherapie zeigte sich eine objektive Ansprechrate von 73 % (Komplettremission 11 %, partielle Remission 61 %) und 1-Jahres-PFS von 92 %. Die Nebenwirkungen waren überwiegend mild (Grad 1-2), die häufigsten Grad 3, 4 Nebenwirkungen waren Hypertonie (21 %), Transaminasenerhöhung (GPT 11 %, GOT 9 %), Hyponatriämie (8 %), und Diarrhoe (6 %). Auf dem Boden dieser Studienergebnisse ist eine Zulassung von Selpercatinib in den USA im Mai 2020 erfolgt für erwachsene und pädiatrische Patienten ≥ 12 Jahre mit fortgeschrittenem oder metastasiertem RET positivem medullärem Schilddrüsenkarzinom, die eine systemische Therapie benötigen. In Europa erfolgte im März 2021 eine Zulassung für die Zweitlinientherapie nach Therapie mit Vandetanib und/oder Cabozantinib bei Patienten ≥ 12 Jahre mit fortgeschrittenem RET positivem medullärem Schilddrüsenkarzinom.

Mittlerweile wurde die Phase-III-Studie zu Selpercatinib bei fortgeschrittenem RET-mutiertem, medullären Schilddrüsenkarzinom publiziert [1172]. In die Studie wurden insgesamt 291 Patienten eingeschlossen. Es handelt sich um eine Erstlinientherapie mit Selpercatinib im Vergleich zu Vandetanib oder Cabozantinib. Der mediane Follow-up betrug 12 Monate. Das mediane progressionsfreie Überleben wurde in der Selpercatinib-Gruppe nicht erreicht; in der Kontrollgruppe betrug dieses 16,8 Monate. Das progressionsfreie Überleben nach 12 Monaten betrug in der Selpercatinib-Gruppe 86,8 % (95 % CI, 79,8 - 91,6) sowie in der Kontrollgruppe 65,7 % (95 % CI, 51,9 - 76,4). Das mediane Behandlungsversagen-freie Überleben wurde in der Selpercatinib-Gruppe nicht erreicht und betrug in der Kontrollgruppe 13,9 Monate. Das objektive Ansprechen betrug in der Selpercatinib-Gruppe 69,4 % und in der Kontrollgruppe 38,8 %. Eine Dosisreduktion aufgrund von Nebenwirkungen war in der Selpercatinib-Gruppe bei 38,9 % der Patienten notwendig im Vergleich zu der 77,3 % in der Kontrollgruppe. Ein Behandlungsabbruch war in der Selpercatinib-Gruppe bei 4,7 % notwendig und in der Kontrollgruppe bei 26,8 %. Wichtige Nebenwirkungen in der Selpercatinib-Gruppe (Grad ≥ 3) war ein arterieller Hypertonus (18,7 %), Diarrhöen (3,1 %), Leberwerterhöhung (10,4 %) etc. Auf dem Boden dieser Daten erfolgte im Juli 2022 durch die EMA eine Zulassungserweiterung für Selpercatinib auch als Erstlinientherapie bei RET-mutiertem medullären Schilddrüsenkarzinom.

Der selektive RET-Inhibitor Pralsetinib ist in Deutschland derzeit nur für das RET-Fusions-positive, nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom zugelassen. Eine Zulassung für die Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms wird nicht angestrebt. Er wurde in einer Phase-I/II-Studie bei Patienten mit RET-positivem medullärem Schilddrüsenkarzinom untersucht [1035]. In die Studie wurden 55 Patienten mit RET-positivem medullärem Schilddrüsenkarzinom, die mit Vandetanib und/oder Cabozantinib vorbehandelt waren, eingeschlossen. Es zeigte sich eine objektive Ansprechrate von 60 % (Komplettremission 2 %, partielle Remission 58 %) sowie eine Stabilisierung in 33 % der Patienten, und bei den Patienten ohne Vorbehandlung (n=21) eine objektive Ansprechrate von 71 % (Komplettremission 5 %, partielle Remission 67 %) sowie eine Stabilisierung bei 29 % der Patienten. Das mediane PFS war noch nicht erreicht. Die Nebenwirkungen waren relativ selten, überwiegend Grad 1-3. Die häufigsten Nebenwirkungen Grad 3 oder höher waren Hypertonie (17 %), Neutropenie (13 %), Lymphopenie (12 %) und Anämie (10 %) [1340]. Auf dem Boden dieser Daten erfolgte in den USA im Dezember 2020 eine Zulassung für erwachsene und pädiatrische Patienten ≥12 Jahre mit fortgeschrittenem oder metastasiertem RET positivem medullärem Schilddrüsenkarzinom, die eine systemische Therapie benötigen. Aufgrund der fehlenden Phase III Studien kann der Stellenwert in Bezug auf die schon zugelassenen Substanzen Vandetanib und Cabozantinib als auch im Vergleich zum selektiven RET-Inhibitor Selpercatinib nicht abschließend bewertet werden. Die positive Empfehlung berücksichtigt die Therapiebedürftigkeit der Patienten und den Wirksamkeitsnachweis der Pharmaka bei guter Evidenzqualität.

Zusammenfassend ist daher bei Nachweis eines medullären Schilddrüsenkarzinoms eine RET-Mutationsanalyse (somatische Mutation) des Tumorgewebes zu empfehlen (mit Ausnahme von Patienten, bei denen eine pathogene RET-Keimbahnvariante bekannt ist). Im Fall einer RET-Mutation soll beim fortgeschrittenem MTC mit signifikanter Tumorlast und symptomatischer oder progredienter (nach RECIST) metastasierter Erkrankung ein selektiver RET-Inhibitor (a.e. Selpercatinib) angewendet werden. Dieser ist a.e. einer Therapie mit einem nicht-selektiven Multikinase-Inhibitor vorzuziehen.
Um eine optimale individuelle Therapieplanung unter Ausschöpfung aller möglichen Therapieoptionen, einschließlich Einschluss in kontrollierte klinische Studien, zu gewährleisten, wird dringend empfohlen, diese Patienten von einem interdisziplinären Expertenteam an spezialisierten Zentren zu betreuen.

8.33 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei Patienten mit metastasiert sporadischem MTC soll vor Beginn einer systemischen Therapie eine molekulargenetische Analyse des Tumors auf das Vorliegen einer somatischen Variante im RET-Gen in Hinblick auf den Einsatz selektiver RET-Inhibitoren sowie von Vandetanib durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

8.5 Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 (MEN2)

8.5.1 Klinik MEN2

8.34 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei familiärem Auftreten eines MTC und/ oder eines primären Hyperparathyreoidismus und /oder eines Phäochromozytoms sollte immer an eine Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 gedacht werden und eine entsprechende Diagnostik eingeleitet werden.
Eine psychosoziale Betreuung sollte den meist jungen Patienten und ihren Familien angeboten werden [1058][1162]. Ein Erfahrungsaustausch innerhalb passender Selbsthilfegruppen sollten kommuniziert werden.

Konsens
Starker Konsens (97%)

Das MTC kommt hereditär in ca. 25 % der Fälle im Rahmen der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN2) vor. Die MEN2 gehört zu den hereditären Tumorsyndromen, bei denen ein MTC in Assoziation mit Phäochromocytomen in bis zu 50 % (ein- oder beidseitig) und mit primärem Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsen-Adenomen/-Hyperplasie) in bis zu 20 % abhängig von der Art der pathogenen RET-Variante auftreten kann [336], [1173]. Das MEN2-Syndrom hat eine geschätzte Häufigkeit von 1:30.000, der Erbgang ist autosomal dominant. Das hereditäre MTC kommt in zwei verschiedenen phänotypischen Ausprägungsformen vor (MEN2A ca. 95 % und MEN2B ca. 5 %), die sich bezüglich Häufigkeit, Genetik, Alter bei klinischer Manifestation, Assoziation mit anderen Tumoren, Aggressivität und Prognose unterscheiden [336][1174]:

MEN2A (Sipple-Syndrom) - charakterisiert durch ein MTC, mit uni- oder bilateralen Phäochromozytomen in bis zu 50 %, primärem Hyperparathyreoidismus auf dem Boden einer Mehrdrüsenerkrankung in bis zu 10-20 %, und selten mit einer Hautveränderung am Rücken (cutaner Lichen amyloidosis) oder extrem selten auch der Hirschsprung Erkrankung. Davon abzugrenzen ist eine seltene Variante:  FMTC - familiäres MTC mit alleinigem Auftreten eines MTC ohne Phäochromocytom oder primärem Hyperparathyreoidismus.

MEN2B - assoziiert mit MTC, uni- oder bilateralen Phäochromozytomen und richtungsweisendem im Kindesalter sich entwickelndem Phänotyp mit marfanoidem Habitus und centrofacial betonten Schleimhautneuromen an Lippen, Zunge und Augenlidern und einer intestinalen Ganglioneuromatose, die zu Phasen von Konstipation und Diarrhoe führen kann. Ein primärer Hyperparathyreoidismus wird nicht beobachtet. Meist erlaubt der typische Phänotyp (wulstige Lippen, multiple Ganglioneurome etc.) die Blickdiagnose der MEN2B [1175][1176].

Das hereditäre MTC ist der Leittumor der MEN2 und manifestiert sich früher als bei der sporadischen Form. Bei MEN2B entwickelt sich das MTC schon im ersten Lebensjahr, bei der klassischen MEN2A meist im ersten/zweiten Lebensjahrzehnt und bei den milden MEN2A Formen je nach ursachlicher pathogener Variante im RET-Gen im dritten/vierten Lebensjahrzehnt oder später. Histopathologisch ist das hereditäre MTC häufig assoziiert mit einer „neoplastischen“ C-Zell Hyperplasie, Multifokalität, mit Auftreten in einem oder beiden Schilddrüsenlappen [1177]. Klinisch präsentiert sich der Indexfall wie ein sporadisches MTC. Die MEN2-assoziierten Tumore (Phäochromozytom oder primärer Hyperparathyreoidismus) treten häufig erst nach der Manifestation des MTC auf und können bilateral oder multiglandulär sein. Der primäre Hyperparathyreoidismus hat häufig einen „asymptomatischen“ (milden) Verlauf.

8.5.2 Molekulargenetische Diagnostik

8.35 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei allen Patienten mit MTC oder C-Zell Hyperplasie soll nach entsprechender Aufklärung und Einwilligung eine Keimbahndiagnostik des RET Protoonkogens erfolgen.

Wird bei einer Indexperson eine pathogene RET Variante nachgewiesen, sollte dieser Person eine genetische Beratung empfohlen werden. Allen Verwandten 1. Grades dieser Person sollte im Rahmen einer genetischen Beratung eine prädiktive Diagnostik angeboten werden.

Alle Patienten mit einer MEN2 sollen eine Risiko-Stratifizierung an Hand der pathogenen RET Variante bezüglich eines frühen Manifestationszeitpunkt des MTC in "moderat, hoch, am höchsten" (mäßig, hoch, sehr hoch) erhalten.

Konsens
Starker Konsens (100%)
8.36 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei sporadischem MTC sollte eine molekulargenetische Untersuchung des Tumorgewebes bezüglich pathogener Varianten im RET Gen im Hinblick auf gezielte Systemtherapie bei aggressiven MTC Verlauf erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (96%)

Ursache der autosomal dominant vererbbaren MEN2 ist eine aktivierende Keimbahn Variante im RET Protoonkogen auf Chromosom 10q11.2, einem Gen, das für einen Tyrosinkinase-Rezeptor kodiert. Bestimmte Varianten im RET-Protoonkogen führen zu einer dauerhaften Aktivierung des RET-Rezeptors und damit Aktivierung der Postrezeptor-Signalkaskade, die u.a. für die Proliferation der neuroendokrinen Zellen verantwortlich ist. Als Vorstufe bzw. Präkanzerose des hereditären MTC kann die C-Zellhyperplasie, definiert als multifokale Proliferation der C-Zellen innerhalb der Schilddrüse, gelten.

Bisher sind über 100 verschiedene pathogene RET-Varianten bei MEN2 bekannt. Eine Liste der klassifizierten RET-Varianten findet sich z. B. in der ClinVar Datenbank: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/clinvar/search/?term=MEN2. In nahezu allen Familien, die die klinischen Kriterien einer MEN2 erfüllen, ließen sich aktivierende, pathogene Keimbahn-Varianten im RET Gen aus der DNA peripherer Lymphozyten nachweisen und dienen als genetischer Marker. Zwischen dem Genotyp (Art und Lage der pathogenen Variante im RET-Protoonkogen) und dem Phänotyp (klinisches Erscheinungsbild) findet sich eine gute Korrelation. Die Expression und Penetranz des MTC aber auch der anderen MEN2 Tumoren ist sehr variabel, vom früh metastasierenden MTC im Säuglingsalter mit einer aktivierenden Variante im Codon 918 (MEN2B), zum im Jugendalter auftretenden MTC mit Varianten im Codon 634 (MEN2A) bis im Erwachsenenalter auftretende MTC, die mit Varianten in den Exons 13-15 (MEN2A) einhergehen. Entsprechend dem Lebensalter bei Manifestation des MTC und dem klinischem Verlauf werden 3 Risikogruppen gebildet: mit "höchstem" Risiko (MEN2B, RET Variante M918T), mit "hohem" Risiko (MEN2A, z. B. RET-Varianten, die das Codon 634 betreffen) und mit "moderatem" Risiko (MEN2A, z. B. RET-Varianten in den Exons 13-15) [336] (Tabelle 23).

Wird eine pathogene Keimbahn-Variante im RET-Protoonkogen bei einem Indexpatienten gefunden, kann die familiär vorkommende RET-Variante bei weiteren Familienangehörigen identifiziert werden. Bei diesen Personen mit pathogener Variante im RET-Gen sind dann weitere klinische, biochemische und morphologische Untersuchungen zur Klärung des Ausmaßes und zur Sicherung der Diagnose MTC, Phäochromozytom und pHPT notwendig. Bei der MEN2B findet man häufig "de novo" Varianten. Der prädiktive Ausschluss einer familiären bekannten RET Variante führt zur Entlastung dieser Personen, sie bedürfen keiner weiteren Untersuchung bezüglich Manifestationen des MEN2.

8.5.3 Calcitonin-Screening bei familiären MTC

8.37 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei Anstieg des Ctn über den alters- und geschlechtsspezifischer Referenzwert soll in Abhängigkeit von der Risikoklassifikation der pathogenen Variante im RET-Gen eine prophylaktische Thyreoidektomie geplant werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Die Ctn-Bestimmung bei Trägern einer pathogenen RET-Variante in Familien mit MEN2 dient zur Festlegung des Zeitpunktes für die prophylaktische Thyreoidektomie. In diesen Fällen ist aufgrund der deutlich höheren Prätest-Wahrscheinlichkeit bei Anstieg des Ctn über den oberen Referenzbereich mit einer neoplastischen Vorstufe, der C-Zell-Hyperplasie (dann prophylaktische Thyreoidektomie), oder einem Mikro-MTC (dann frühzeitige Thyreoidektomie) zu rechnen. Der optimale Zeitpunkt der prophylaktischen Thyreoidektomie wird unter Berücksichtigung der RET-Variante, dem typischen Alter bei Manifestation (3 Risikogruppen: "moderat, hoch, am höchsten") und dem Ctn-Spiegel empfohlen (siehe Risiko-Stratifizierung und Management von Patienten mit MEN2 in Abhängigkeit von der pathogenen RET Variante). Zu beachten ist, dass Kinder altersabhängig höhere Ctn-Referenzwerte aufweisen.

8.5.4 Prophylaktische Thyreoidektomie

8.38 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Trägern einer pathogenen Keimbahn-Variante im RET-Protoonkogen soll im asymptomatischen Stadium eine prophylaktische Thyreoidektomie angeboten werden.

Der optimale Zeitpunkt der Thyreoidektomie hängt von der Risikoklassifikation der nachgewiesenen pathogenen RET-Variante, vom Alter des Patienten und vom Ctn-Spiegel ab (siehe Risiko-Stratifizierung und Management von Patienten mit MEN2 in Abhängigkeit von der pathogenen RET Variante)

Vor Operation eines hereditären MTC sollen ein Phäochromozytom und ein primärer Hyperparathyreoidismus ausgeschlossen bzw. gesichert werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Da das Lebenszeitrisiko von Trägern einer pathogenen Keimbahnvariante im RET-Protoonkogen, an einem MTC zu erkranken, bei über 90 % liegt, wird die Durchführung einer prophylaktischen Thyreoidektomie vor Manifestation eines schilddrüsenüberschreitenden MTCs empfohlen. Der optimale Zeitpunkt der prophylaktischen Thyreoidektomie von asymptomatischen Trägern einer pathogenen Keimbahnvariante des RET-Gens wird anhand der Risikoklassifikation der spezifischen RET-Variante in "moderates, hohes und höchstes" Risiko für eine frühe Entwicklung des MTC (frühe oder späte Penetranz) empfohlen [336]. Der Ctn-Spiegel ergänzt und definiert individuell den Zeitpunkt der prophylaktischen Thyreoidektomie. Sobald der Ctn-Spiegel über den alters- und geschlechts-spezifischen Normbereich ansteigt, ist von einer (meist) neoplastischen C-Zellhyperplasie als Vorstufe des MTC auszugehen. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Ausbreitung des MTCs jenseits der Schilddrüse nicht anzunehmen, eine zentrale (prophylaktische) Lymphknotenentfernung ist dann nicht erforderlich und eine Thyreoidektomie ausreichend. Mit zunehmendem Anstieg der Ctn Spiegel ist mit einem Mikro-MTC zu rechnen, das ein Risiko für LK Metastasen beinhaltet, ggf. muss je nach Ctn Spiegel dann eine zentrale LK Dissektion diskutiert werden [1178]. Der Zeitpunkt der MTC-Entwicklung in der "höchsten" Risikogruppe ist schon im ersten Lebensjahr ggf. im ersten Lebensmonat zu erwarten, in der "hohen" Risikogruppe mit 3-5 Jahren und in der "moderaten" Risikogruppe nach dem 5.Lebensjahr in der frühen Jugend. Wenn der zu diesem Zeitpunkt gemessene Ctn-Spiegel im Referenzbereich liegt, kann durch Ctn-Bestimmung alle 6 Monate die Thyreoidektomie bis zum Ctn-Anstieg auf maximal 30 pg/ml verschoben werden, das gilt insbesondere für Patienten der "moderaten" Risikogruppe [1179] [1180]. Durch dieses Vorgehen können nahezu alle Kinder bei minimaler Morbidität geheilt werden.

Indexpatienten und später diagnostizierte Trägern einer pathogenen RET-Variante mit klinisch manifestem MTC und basal erhöhtem Ctn erhalten wie Patienten mit sporadischem MTC eine Thyreoidektomie mit bilateraler zentraler und ggf. lateraler Lymphknotendissektion  (Kompartimente I-III) (siehe Kapitel 8.2.2)

8.5.5 Management von Phäochromozytom und primärem Hyperparathyreoidismus bei MEN2

8.39 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei allen MEN2 Patienten soll durch jährliche Untersuchung in der "höchsten" und "hohen" Risikogruppe ab 11. Lebensjahr, bei der "moderaten" Gruppe ab dem 16. Lebensjahr) ein Phäochromozytom frühzeitig diagnostiziert und durch (wenn möglich partielle) Adrenalektomie behandelt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

MEN2 Patienten entwickeln in bis zu 50 % der Fälle im Laufe des Lebens in Abhängigkeit vom Genotyp ein Phäochromozytom, häufig bilateral. Meist geht das MTC dem Phäochromozytom um im Mittel 10 Jahre voraus, es ist in der Regel benigne, multizentrisch und auf die Nebenniere beschränkt [1181]. Wichtig ist die Diagnose des Phäochromozytoms biochemisch (Plasma-Metanephrine, Plasma-Normetanephrine) [1182] sowie, wenn nötig, bildgebend (CT/MRT/MIBG-Szintigraphie oder F-18-DOPA-PET/CT) vor der Thyreoidektomie zu stellen, um erst das Phäochromocytom und dann das MTC zu operieren. Bei frühzeitig thyreoidektomierten MEN2-Patienten ist jährlich ein biochemisches Screening auf das Vorliegen eines Phäochromozytom auch bei asymptomatischen Patienten erforderlich. Das Screening beginnt in der "höchsten" und "hohen" Risikogruppe im Alter von 11 Jahren, bei der "moderaten" Gruppe im Alter von 16 Jahren. Bei kleineren Phäochromozytomen und in Abhängigkeit vom Tumorsitz in der Nebenniere besteht die Möglichkeit einer subtotalen Nebennierenrinden-erhaltenden Adrenalektomie auf laparoskopischem oder endoskopisch-retroperitonalem Weg [1183]. Im Restgewebe bzw. auf der Gegenseite entwickelt sich häufig im Laufe der nächsten 10 Jahre ein weiteres Phäochromozytom [1184]. Nach totaler Adrenalektomie ist eine lebenslange Glucocortikoid- und Mineralcortikoid-Substitution sowie die regelmäßige Schulung der Patienten und Versorgung mit einem Notfallausweis notwendig, um eine Nebenniereninsuffizienz zu vermeiden.

8.40 · Konsensbasierte Empfehlung 2025

Bei allen MEN2 Patienten soll eine jährliche Untersuchung bezüglich eines primären Hyperparathyreoidismus durchgeführt (in der "hohen" Risikogruppe ab dem 11. Lebensjahr, bei der "moderaten" Gruppe ab dem 16. Lebensjahr) und bei Bestätigung operiert werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Der primäre Hyperparathyreoidismus zeigt ebenfalls eine Genotyp Phänotyp-Korrelation, er wird nicht bei MEN2B Patienten beobachtet, jedoch typischerweise bei Patienten mit den pathogenen Varianten im RET Codon 634 in bis zu 20 %, meist ebenfalls erst nach Manifestation des MTC. Der primäre Hyperparathyreoidismus ist meist asymptomatisch mit häufig nur gering erhöhtem Serum-Calcium [1185][1186]. Es findet sich häufig eine Ein-Drüsenerkrankung, seltener eine Mehrdrüsenerkrankung. Chirurgisch kommt je nach makroskopischem Befund eine selektive Entfernung der vergrößerten Nebenschilddrüse(n), eine subtotale (3 ½) Resektion oder als Alternative eine totale Parathyreoidektomie mit synchroner Autotransplantation einer Nebenschilddrüse zur Anwendung. Eine höhere Rezidiv-Wahrscheinlichkeit bei selektivem eingeschränktem Eingriff gegen das höhere Risiko eines postoperativen Hypoparathyreoidismus bei totaler Thyreoidektomie mit Autotransplantation bleibt abzuwägen [1187][1188]. Untersuchungen wie die Sestamibi-SPECT/CT bzw. Cholin-PET/CT zur Lokalisation der führenden Nebenschilddrüse bzw. vor Rezidiveingriffen zur Lokalisation der persistierenden/rezidivierenden hyperaktiven Nebenschilddrüse sind hilfreich [1189].

Tabelle 23: Risiko-Stratifizierung und Management von Patienten mit MEN2 in Abhängigkeit von der pathogenen RET Variante

MEN 2 Subtyp

FMTC/MEN2A

MEN2A

MEN 2B

Häufige pathogene

RET-Variante, Codon

533, 609, 611, 618, 620, 630, 631, 768, 790, 804, 891,

634

918

Risikogruppe

moderat

hoch

am höchsten

Auftreten des MTC (Alter)

meist 5 Jahre und älter

oft vor dem 5. Lebensjahr

oft im 1. Lebensjahr

Zeitpunkt der prophylaktischen Thyreoidektomie

sobald Ctn über den oberen Referenzwert ansteigt, meist im Jugendalter

sobald Ctn über den oberen Referenzwert ansteigt, meist vor dem 5.Lebensjahr

sobald wie möglich, im 1. Lebensjahr

Screening Phäochromozytom

ab dem 16. Lebensjahr,
jährlich

ab dem 11. Lebensjahr, jährlich

ab dem 11. Lebens-jahr, jährlich

Screening primärer Hyperparathyreoidismus

ab dem 16. Lebensjahr,
jährlich

ab dem 11. Lebensjahr, jährlich

-

Quelle: [336]

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