6. Therapie des lokalisierten Prostatakarzinoms – Prostatakarzinom
Mit der Aktualisierung der S3-Leitlinie Prostatakarzinom auf Version 8.0 hat sich die Leitliniengruppe entschlossen, in Anlehnung an die Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU)-Leitlinie die verschiedenen Therapieoptionen in Abhängigkeit von Risikoprofil und Tumorstadium zu gliedern.
Eine Herausforderung ist hierbei, dass sich viele ältere Studien und damit die verfügbare Evidenz nach der Risikoklassifikation nach D’Amico [255] richten, welche wiederum vornehmlich auf der digital-rektalen Untersuchung beruht. Heute stehen bei der Risikokalkulation die Internationale Gesellschaft für Urologische Pathologie (ISUP)-Klassifikation und bezüglich der lokalen Tumorausdehnung der Magnetresonanztomographie (MR)T-Befund mehr im Vordergrund.
Die Kapitelstruktur wurde in Anlehnung an die EAU-Leitlinie gegliedert. Dabei wird neben der D’Amico-Risikoklassifikation die klinische National Comprehensive Cancer Network-Klassifikation in der Version 01/2025 berücksichtigt (vgl. Einleitung im Kapitel 4.3 Stadieneinteilung).
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
Aktive Überwachung (Active Surveillance) erfordert eine besonders intensive ärztliche Beratung und Begleitung.
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (97%)
Nichtkurativ intendierte palliative Strategien sind Watchful Waiting und Androgendeprivation sowie medikamentöse, operative und Bestrahlungsmaßnahmen zur Symptomvorbeugung und -behandlung. Folgende Faktoren sind bei der Entscheidung ausschlaggebend und vom behandelnden Arzt zu beachten:
- Patientenpräferenz;
- eingeschränkte Lebenserwartung durch Alter oder Komorbiditäten;
- Erkrankung mit hohem Progressionsrisiko.
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (95%)
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom, die für eine kurative Behandlung in Frage kommen, sollen die unerwünschten Wirkungen und Therapiefolgen einer sofortigen lokalen Therapie gegen das Risiko einer nicht rechtzeitigen Behandlung im Falle einer Strategie der Aktiven Überwachung (Active Surveillance) abgewogen werden.
Patienten, für die eine kurative Therapie in Frage kommt, sollte vor der Therapieentscheidung angeboten werden, sowohl von einem Urologen als auch von einem Strahlentherapeuten über die Vor- und Nachteile der radikalen Prostatektomie und der Strahlentherapie aufgeklärt zu werden.
Anmerkung: Diese Empfehlung gilt auch für das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Komorbiditätsklassifikationen und dazugehörige Überlebensraten können zur Entscheidungsfindung im Hinblick auf Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms berücksichtigt werden. Hierzu können Charlson-Score und ASA-Klassifikation eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (97%)
Hintergrundinformationen
Zu [6.1]
Die genannten Empfehlungen sollen die Kommunikation mit dem Patienten und seine Therapieentscheidung unterstützen. Handelt es sich um einen klinisch nicht metastasierten Tumor, müssen Arzt und Patient gemeinsam entscheiden, ob eine lokale potenziell kurative Therapie erfolgen soll oder nicht.
Bei der Aufklärung erkennt der Arzt die Patientenautonomie an, dies entspricht dem Good-Clinical-Practice-Prinzip.
Zu [6.2]
Ein systematischer Review mit Studien, die mehrere tausend Männer nach der Diagnose Prostatakarzinom in Bezug auf Ausprägung und Umgang mit Angst umfassten, zeigte, dass Ereignisse wie eine bevorstehende ärztliche Untersuchung und die Kontrolle des Prostata-spezifischen Antigen (PSA)-Wertes Ängste induzierten, die nach einem normalen Testergebnis wieder abnahmen [383]. Die mit der wiederholten PSA-Testung verbundene Angst und die wiederholte (antizipierte oder tatsächliche) Entscheidungssituation führen dazu, dass sich bis 10 % der Männer unter Aktiver Überwachung (AS) einer kurativen Behandlung unterziehen, ohne dass der Tumorverlauf diese erforderte [384]. Ob Faktoren wie aktive Informationssuche, soziale Unterstützung und kognitive Umdeutung langfristig die Unsicherheit und Angst reduzieren und die Lebensqualität verbessern, kann auf Basis der verfügbaren Daten nicht beantwortet werden.
Nach einer Prostatakarzinom-Diagnose ist zu beobachten, dass ein hoher Prozentsatz von Männern (sowohl nach radikaler Prostatektomie (RPE) als auch unter AS) zumindest kurzfristig den Lebensstil ändert. Männer vor der Entscheidung für AS und unter AS scheinen dabei eine besondere Patientenpopulation zu repräsentieren. Da ein passives Abwarten mit erhöhtem Stress verbunden ist [385], kann angenommen werden, dass Männer unter dieser Therapieoption eine noch höhere Bereitschaft als operierte Männer haben, ihre Lebensqualität zu erhalten und ihre Krankheitsangst zu reduzieren sowie nach ergänzenden Behandlungsoptionen zu suchen und/oder ihren Lebensstil zu ändern (Ernährung, körperliche Aktivität, komplementärmedizinische Maßnahmen) [386]. Mehrere Studien zeigen, dass zusätzliche Strategien wie z. B. eine besondere Diät oder auch komplementäre Therapien am ehesten mit der Partnerin besprochen werden (z. B. [387]. Von den Männern werden die Partnerinnen als wichtigste Unterstützungsquelle genannt (vgl. auch van den Bergh et al. [388], [389]).
Aus den vorliegenden Daten kann geschlossen werden, dass das abwartende Verhalten für die Patienten häufig schwierig ist. Die Haltung „aktiv“ zu werden ist international anerkannt. Oft besteht dieser Wunsch auch bei den Familienangehörigen und dem sozialen Umfeld. Nicht zuletzt mangelt es an ärztlicher Unterstützung der Patienten unter Aktiver Überwachung [390]. Fragebogenuntersuchungen in einer Gruppe von Patienten mit Aktiver Überwachung zeigten im Vergleich zu Gesunden nur wenig mehr Distress, Angst und Depression maximal sechs Monate nach der Diagnose. Im Zeitverlauf wurden die Werte allerdings schlechter [391], [392]. Beherrschendes Thema ist vor allem die Unsicherheit und Angst vor unkontrolliertem Tumorwachstum, die zu den Kontrollterminen am größten ist. In qualitativen Interviews wurde dem betreuenden Arzt der größte Einfluss auf die Entscheidung zu Aktiver Überwachung zugeschrieben, danach wurden Angst vor Nebenwirkungen bei aktiver Therapie genannt [386], [392], [393]. Im Zeitverlauf zeigt sich aber auch, dass ein sehr großer Einfluss des Arztes bei der Entscheidung negativ sein kann [392]. Der behandelnde Arzt sollte ein offenes Ohr für die individuellen Informationsbedürfnisse des Patienten haben und dafür geschult sein, mit ihm Strategien zur Bewältigung der Unsicherheit einzuüben [394]. Daten aus Querschnittsstudien/Fall-Kontroll-Studien zeigen keine schlechtere Lebensqualität von Patienten mit Aktiver Überwachung im Vergleich zu Patienten mit Strahlentherapie und/oder hormonablativer Therapie [395], [396]. Prospektiv vergleichende Daten liegen nicht vor.
Zu [6.3]
Hier werden nicht kurativ intendierte, palliative Behandlungsstrategien betrachtet. Die Planung einer Therapiestrategie beinhaltet stets die Abwägung von Nutzen und Risiko. Die WW-Strategie und die palliativen Maßnahmen sind dem Patienten zu erläutern: z. B. Hormonkaskade, Interventionen zur Blutstillung, Bestrahlung bei Schmerzen, palliative TUR-P bei Störung der Blasenentleerung. Indikation: lokal begrenzter, wenig aggressiver Tumor, begrenzte Lebenserwartung. Im HTA-Bericht von Ip et al. [Ip, S. et al. 2011] waren über 70 % dieser Patienten der T2-Kategorie zugeordnet, Gleason ≤7, normaler Knochenscan, Alter < 75 Jahre, nur in einer Studie <85 Jahre. Als Indikator einer Behandlung gilt der symptomatische Progress [397]. Da Gleason ≤7 als Indikator für WW genannt wird, kann indirekt daraus geschlossen werden, dass schlecht differenzierte Tumoren sofort systemisch behandelt werden können.
Da es sich beim Prostatakarzinom um eine im Allgemeinen langsam progrediente Erkrankung mit langen Gesamtüberlebenszeiten auch ohne therapeutische Intervention handelt, sind die durch eine Therapie gewonnenen Lebensjahre gegen einen Verlust an Lebensqualität durch Therapiefolgen abzuwägen. Zu erwähnen ist, dass im reiferen Alter ein hohes Risiko einer Dekompensation der Blasenfunktion nach lokalen Therapiemaßnahmen (Radikale Prostatektomie, Perkutane Strahlentherapie, Brachytherapie) besteht. So berichteten 2 Jahre nach Studienbeginn signifikant mehr Patienten nach radikaler Prostatektomie von einer Dekompensation der Blasenfunktion als Patienten mit palliativer Therapie [Wilt, T.J. et al. 2012].
Auch bei einem hohen Progressionsrisiko ist ein palliatives Vorgehen möglich. Das Progressionsrisiko soll daher in jedem Falle thematisiert und diskutiert werden. Neben der Risikostratifizierung von D’Amico et al. 1998 [D'Amico, A.V. et al. 1998] stehen validierte Nomogramme zur Verfügung, die zur Abschätzung des Progressionsrisikos herangezogen werden können (siehe Kapitel 4.3).
Die PIVOT-Studie (RCT, 2012) vergleicht radikale Prostatektomie und Watchful Waiting bei Patienten mit überwiegend durch PSA-Screening entdecktem Prostatakarzinom (mittl. Alter 67 Jahre) [Wilt, T.J. et al. 2012]. Die lange Rekrutierungszeit (1994-2002) wird als potentielle Schwäche der Studie gesehen, da Diagnose- und Therapieverfahren weiterentwickelt wurden. Die ursprünglich geplante Anzahl an Probanden konnte nicht erreicht werden (geplant: 2000, rekrutiert 731 Patienten, revidierte Powerberechnung 91 % Power für Entdeckung eines 25 %igen Unterschieds in der Gesamtmortalität bei mittlerer Lebenserwartung von 10 Jahren). Die Zuordnung der Todesursache „Prostatakarzinom“ kann nicht als sicher gelten [398]. Im Ergebnis wurde für Patienten mit einem PSA-Wert 10 ng/ml (Median 15) zugunsten der RPE (relative Reduktion um 13,2 %, HR 0,67, 95 % KI 0,48–0,94). Weiterhin wurden nach RPE signifikant weniger Knochenmetastasen diagnostiziert (n=17, 4,7 %) als unter Beobachtung (n=39, 10,6 %, HR 0,40; 95 % KI 0,22-0,70; p<0,001). Zu unerwünschten Wirkungen siehe Empfehlung [6.4].
Zu [6.4]
Bei Patienten mit einem low-risk Karzinom konnte keine höhere oder nur eine gering erhöhte Sterblichkeit mit einer beobachtenden Behandlungsstrategie (WW) im Vergleich zu Prostatektomie gezeigt werden [Bill-Axelson, A. et al. 2011], [Wilt, T.J. et al. 2012]. Dieser geringen Überlegenheit steht das Risiko einer Übertherapie (siehe auch Hintergrundinformationen zu Kapitel 6.2.1) mit unerwünschten Wirkungen und Therapiefolgen gegenüber. Über diese Aspekte sollen die Patienten aufgeklärt werden.
Aus den bisherigen zeitlich limitierten Daten ergibt sich keine schlechtere Prognose unter Aktiver Überwachung [399]. Von 2.079 Männern der PRIAS-Studie unterzogen sich 189 einer RPE. Für 167 Patienten waren pathologische Ergebnisse verfügbar: 71 % hatten eine günstige Histologie (definiert als pT ≤2 und GS: 3+4), 81 % einen organbegrenzten Tumor und 86 % Gleason 6 oder 3+4.
Konkrete vergleichende Angaben zu unerwünschten Wirkungen und Therapiefolgen der einzelnen lokal kurativen Verfahren sind aufgrund der wenigen vergleichenden Studien problematisch. Die Nebenwirkungen sind zudem sehr unterschiedlich definiert [400]. Toxizitätszahlen aus Fallserien sind wegen verschiedener Patientenkollektive nicht direkt vergleichbar. Schließlich unterscheiden sich die Zahlenwerte in Abhängigkeit davon, ob befragte Patienten oder behandelnde Ärzte die Daten erhoben haben.
Ein Empfehlungsvorschlag mit der Nennung der Übertherapie mit den Folgen Harninkontinenz und Erektionsstörungen nach Prostatektomie und Darmstörungen nach Strahlentherapie wurde von der Mehrheit der Leitlinienautoren nicht befürwortet, da die Nebenwirkungen nicht differenziert genug aufgeführt wurden, wenngleich die Aufklärung zu diesen Aspekten als wesentlich erachtet wird.
Nachfolgend wird ein Überblick der in der Literatur am häufigsten genannten Nebenwirkungen/Krankheitsbilder in Abhängigkeit der Therapiestrategie gegeben. Gravierendste unerwünschte Wirkungen und Folgen der lokalen Therapie des Prostatakarzinoms sind Sexualstörungen in Form von erektiler Dysfunktion, Störungen der Kontinenz und Harnblasenfunktion sowie Dick- und Enddarmbeschwerden.
Zur adäquaten Beurteilung des Ausmaßes von erektiler Dysfunktion wären prätherapeutische Daten zum Vergleich von Interesse, da die Prävalenz von Erektionsstörungen naturgemäß im älteren Patientenkollektiv nicht unerheblich ist. Diese Daten fehlen zumeist. Trotzdem lässt sich aus den publizierten postinterventionellen Prävalenzen die Aussage machen, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer erektilen Dysfunktion nach radikaler Prostatektomie höher ist als nach perkutaner Bestrahlung [Dutch Urological Association et al. 2007], [400], [401],[402]. Kurzfristige Ergebnisse zur Sexualfunktion auch unter Aktiver Überwachung von van den Bergh [403] 6 und 12-18 Monate nach Behandlung ergaben, dass 65-68 % der Männer unter Aktiver Überwachung, 35-36 % der Operierten, 36-37 % der Bestrahlten und 36 % der kombiniert Behandelten sexuell aktiv waren.
Harninkontinenz oder Harnverhalt treten häufiger nach radikaler Prostatektomie auf als nach perkutaner Strahlentherapie oder LDR-Brachytherapie. Die Datenlage für einen Vergleich von perkutaner Strahlentherapie und LDR ist spärlich. In einer Kohortenstudie [404] schneidet die LDR-Brachytherapie auch im Vergleich zur perkutanen Strahlentherapie günstiger ab.
Eine intestinale Symptomatik (z. B. erhöhte Stuhlfrequenz, rektale Blutung) tritt häufiger nach perkutaner Bestrahlung oder Brachytherapie als nach radikaler Prostatektomie auf [405], [Dutch Urological Association et al. 2007], [401], [402], [406]. Ein Vergleich zwischen LDR-Brachytherapie und perkutaner Strahlentherapie gestaltet sich aufgrund der eingeschränkten Datenlage schwierig. Es gibt jedoch Hinweise für einen Vorteil der LDR-Brachytherapie gegenüber der perkutanen Strahlentherapie bezüglich der Enddarmfunktion [407]. Eine Beurteilung der Toxizität für die HDR-Brachytherapie ist anhand von Fallserien möglich – ein direkter Vergleich des Verfahrens mit radikaler Prostatektomie, perkutaner Strahlentherapie oder LDR-Brachytherapie im Rahmen von Studien existiert jedoch nicht. Es kann diesbezüglich nur auf die Absolutzahlen der Studien verwiesen werden [408], [Grills, I.S. et al. 2004]. Die Gefahr von Enddarmbeschwerden, Inkontinenz bzw. Harnentleerungsstörungen und erektiler Dysfunktion ist auch bei dieser Therapieoption gegeben.
Eine für radiotherapeutische Verfahren spezifische Nebenwirkung ist das Auftreten von Zweitmalignomen. Das Risiko ist nach Studien zur perkutanen Strahlentherapie [409], [410], [411] signifikant erhöht. Für die LDR-Brachytherapie ergab sich in einer Arbeit im Vergleich ein geringeres Risiko, der Unterschied zur perkutanen Strahlentherapie war jedoch nicht statistisch signifikant [412]. In einer weiteren Arbeit war die Rate an Zweitmalignomen bei der LDR-Brachytherapie insgesamt ebenfalls geringer, zu beachten ist jedoch, dass die Hazard-Ratio bei der perkutanen Strahlentherapie konstant bei 1,26/100.000 lag, die Hazard-Ratio bei LDR-Therapie sich jedoch von 0,72/100.000 nach fünf Jahren auf 1,2/100.000 nach neun Jahren erhöhte [413]. Die Häufigkeit von Zweitmalignomen liegt, wie die genannten Zahlen zeigen, dabei jedoch deutlich unter denen der anderen erwähnten unerwünschten Wirkungen. Für die HDR-Brachytherapie existieren hierfür (noch) keine Langzeitdaten.
Die unerwünschten Wirkungen der hormonablativen Therapie finden sich im entsprechenden Kapitel.
Zu [6.5]
Diese Empfehlung trägt der Tatsache Rechnung, dass aufgrund der eingeschränkten vorliegenden Evidenz ohne randomisierte kontrollierte interventionsübergreifende Vergleiche keine Priorisierung einer lokalen Therapieoption möglich ist. Diese Tatsache wird sowohl in der AUA-Leitlinie 2007, der EAU-Leitlinie als auch der niederländischen Leitlinie bestätigt [405], [Dutch Urological Association et al. 2007], [Thompson, I. et al. 2007]. Das einzige Verfahren, das in einem randomisierten Studiendesign gegenüber einer Watchful-Waiting-Strategie untersucht wurde, ist die radikale Prostatektomie. Die Wirksamkeitsaussagen der übrigen lokalen Verfahren stützen sich auf vergleichende Kohortenstudien (perkutane Strahlentherapie, LDR-Brachytherapie) oder sogar Fallserienvergleiche (HDR-Brachytherapie). Bei einer Bewertung des RCT von Bill-Axelson et al. [Bill-Axelson, A. et al. 2008] zum Stellenwert der operativen Therapie ist zu berücksichtigen, dass der karzinomspezifische Überlebensvorteil nur Patienten im Alter unter 65 Jahren betraf und die Patienten aus der Vor-PSA-Ära stammten. Angesichts dieser Situation hängt die Wahl des lokalen Therapieverfahrens entscheidend von individuellen Charakteristika und persönlichen Präferenzen des Patienten ab.
Um in diesem Prozess sowohl von ärztlicher Seite als auch aus der Warte des Patienten das am besten geeignete Verfahren auszuwählen, wird eine Aufklärung sowohl beim Urologen (neben RPE und LDR-Brachytherapie auch zu der Strategie der Aktiven Überwachung bzw. der sekundären symptomorientierten Therapie Watchful Waiting) als auch beim Strahlentherapeuten (perkutane Strahlentherapie und HDR-Brachytherapie) empfohlen. Die Aufklärung sollte auch mögliche multimodale Therapiekonzepte umfassen. Der betroffene Patient wird so über Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren umfassend informiert. Da die Wahl der lokalen Therapie häufig auch von den Präferenzen des/der aufklärenden Arztes/Ärzte abhängt [Ip, S. et al. 2011], [414], wird es als sinnvoll angesehen, über weitere Informationsmöglichkeiten aufzuklären. In Anerkennung der Tatsache, dass aus personellen und organisatorischen Gründen eine Doppelaufklärung nicht immer realisierbar ist, wurde ein abgeschwächter Empfehlungsgrad (B) ausgesprochen. Eine doppelte Aufklärung wird jedoch ausdrücklich als wünschenswert angesehen.
Der Gesundheitszustand numerisch gleich alter Menschen variiert erheblich. Komorbiditäten sind ein Bereich, diese Heterogenität und ihre Auswirkungen auf das Überleben systematisch zu erfassen. Zu der systematischen Erfassung von Komorbiditäten stehen verschiedene Klassifikationen zur Verfügung.
Bisher sind in den verfügbaren Leitlinien wenige Empfehlungen zum praktischen Umgang mit Komorbiditätsklassifikationen zu finden [415], [National Collaborating Centre for Cancer et al. 2008], [Thompson, I. et al. 2007]. Lediglich die Leitlinie der EAU nennt als Entscheidungshilfen für eine Prostatabiopsie den Charlson-Score und ASA-Klassifikation [415]. Orientiert an dieser Empfehlung wurden beide Klassifikationen in die S3-Leitlinie aufgenommen.
Tabelle 15: Gewicht der zum Charlson-Score beitragenden Begleiterkrankungen (Charlson et al. 1987). Der Charlson-Score wird durch Addition der Punkte eines Patienten berechnet.
| Krankheitsbild | Gewicht (Punkte) |
| Herzinfarkt | 1 |
| Kongestives Herzversagen | 1 |
| Periphere Gefäßerkrankung | 1 |
| Zerebrovaskuläre Erkrankung | 1 |
| Demenz | 1 |
| Chronische Lungenerkrankung | 1 |
| Kollagenose | 1 |
| Ulkus-Leiden | 1 |
| Milde Lebererkrankung | 1 |
| Diabetes mellitus ohne Endorganschaden | 1 |
| Hemiplegie | 2 |
| Moderate bis schwere Nierenerkrankung | 2 |
| Diabetes mellitus mit Endorganschaden | 2 |
| Tumor | 2 |
| Leukämie | 2 |
| Lymphome | 2 |
| Moderate bis schwere Lebererkrankung | 3 |
| Metastasierender solider Tumor | 6 |
| AIDS | 6 |
| Quelle: [416] | |
Beide Klassifikationen liefern bei Prostatakarzinompatienten eigenständige prognostische Informationen hinsichtlich des Langzeitüberlebens über das kalendarische Alter hinaus [417], [418]. Sie sind einfach anwendbar, weitverbreitet und bewerten zumindest teilweise unterschiedliche Aspekte des Gesundheitszustandes: der Charlson-Score [416] eine Liste von Begleiterkrankungen unterschiedlichen prognostischen Gewichtes (Tabelle 12) und die ASA-Klassifikation [419] die Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes mit Fokus auf das perioperative Risiko (Tabelle 13).
Tabelle 16: Klassifikation des Gesundheitszustandes der American Society of Anesthesiologists (ASA) (American Society of Anesthesiologists 2013)
| ASA-Klasse | Definition |
| 1 | Normaler, gesunder Patient |
| 2 | Patient mit einer leichten systematischen Erkrankung |
| 3 | Patient mit einer schweren systematischen Erkrankung |
| 4 | Patient mit einer schweren, permanent lebensbedrohlichen systemischen Erkrankung |
| 5 | Moribunder Patient, der voraussichtlich mit und ohne Operation nicht überleben wird |
| 6 | Hirntoter Organspender |
| Quelle: [419] | |
Bei den relativ gesunden Kandidaten für eine radikale Prostatektomie liegt selbst bei Patienten von 65 Jahren oder älter die konkurrierende Sterblichkeit nach 10 Jahren in den ungünstigsten Klassen dieser Klassifikationen noch unter 50 % [420]. Das heißt, die mittlere weitere Lebenserwartung liegt auch in diesen Subgruppen über 10 Jahren, einem Limit, das häufig als Limit für eine kurative Therapie des Prostatakarzinoms genannt wird [415].
Die Assoziation einer Komorbiditätsklasse mit dem Überleben variiert stark je nachdem ob es sich um eine populationsbasierte Stichprobe (enthält alle Risiken), eine radikale-Prostatektomie-Stichprobe (enthält vorwiegend gute Risiken) oder eine Strahlentherapie-Stichprobe (kann viele ungünstige Risiken enthalten) handelt. Für die Abgrenzung dieser jeweiligen Kohorten fehlen allgemein akzeptierte Kriterien. Deutlich wird das in den sehr großen Überlebensunterschieden zwischen operierten und bestrahlten Patienten in nominell identischen Risikoklassen eines Nomogramms von Walz und Mitarbeitern [417]. Was auf die Unzulänglichkeit des Nomogramms hinweist, in dem das Alter, die Komorbiditäten und die Therapie (radikale Prostatektomie vs. externe Bestrahlung) darüber hinaus aber keine anderen Variablen berücksichtigt sind. Komorbiditätsklassifikationen und dazugehörige Überlebensraten können daher zur Therapieentscheidungsfindung beim Prostatakarzinom nur unter Beachtung der zugrundeliegenden Patientenpopulationen herangezogen werden. Weiterhin sollten die steigende Lebenserwartung und eine mögliche Vorverlagerung der Diagnose (Lead-Time-Bias) in Betracht gezogen werden. Die weitere Lebenserwartung eines 65-jährigen Mannes erhöhte sich zwischen 1990/92 (früheres Bundesgebiet) und 2008/10 von 14,4 auf 17,3 Jahre [Statistisches Bundesamt et al. 2012]. Gleichzeitig ist durch die PSA-gestützte Früherkennung mit einer Vorverlagerung der Diagnose (Lead-Time-Bias) zu rechnen. Bei einem vierjährigen Screeningintervall ist mit einer Diagnosevorverlagerung um 11 Jahre zu rechnen [74]. Schlussfolgerungen aus älteren Patientenstichproben müssen daher mit Vorsicht auf heutige Patienten übertragen werden: die Tumoren sind zwar früher erkannt (und darum möglicherweise länger indolent), die weitere Lebenserwartung hat jedoch gleichzeitig zugenommen, wodurch bei ausbleibender kurativer Therapie die Zeit, die ein Tumor zur Progression hat, zunimmt. Dabei betrifft die Zunahme der Lebenserwartung vor allem Männer jenseits des 65. Lebensjahres [421], [422].
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
6.2.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance)
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils (ISUP Gruppe 1 und low risk nach D’Amico-Kriterien) sollen aktiv überwacht werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Änderungshinweis
Der Tumor soll nach Beginn der Aktiven Überwachung und innerhalb der ersten 2 Jahre bei ISUP Gruppe 1 alle 6 Monate und bei ISUP Gruppe 2 alle 3 Monate durch PSA-Bestimmung kontrolliert werden. (geprüft 2024)Bei Patienten ohne initiale MRT der Prostata soll diese innerhalb von 6 Monaten erfolgen. Im Fall einer Target Läsion PI-RADS ≥3 soll eine gezielte Biopsie erfolgen. Liegt keine Target Läsion vor, soll keine konfirmatorische Biopsie durchgeführt werden (s. Flussdiagramm).
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Änderungshinweis
Erste Re-Biopsie [s. Flussdiagramm]: Bei Patienten mit initialer mpMRT soll eine erneute mpMRT mit gezielter und systematischer Biopsie nach 12-18 Monaten erfolgen. Bei Patienten ohne initiale mpMRT soll eine mpMRT mit gezielter und systematischer Biopsie innerhalb von 6 Monaten erfolgen. (geprüft 2024)- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Weitere gezielte und systematische Biopsien sollten abhängig vom Ergebnis der ersten Re-Biopsie entsprechend der Ergebnisse der im Verlauf durchgeführten MRT-Bildgebung und den erhobenen PSA-Werten durchgeführt werden, spätestens jedoch alle 3 Jahre innerhalb der ersten 10 Jahre aktiver Überwachung.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Bei signifikantem PSA-Anstieg (Verdopplungszeit <3 Jahre) sollte eine erneute MRT mit gezielter und systematischer Re-Biopsie erfolgen. Eine alleinige Progression des PSA-Wertes und/oder einer MRT-Läsion sollte nicht zum Abbruch der Aktiven Überwachung führen.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Evidenztabellen (1)
6.2 EvT 6.11Die Aktive Überwachung soll beendet werden, bei:
Upgrading zu ISUP Gruppe 2 mit ungünstigem Risikoprofil*
Upgrading zu >= ISUP Gruppe 3
Lokal fortgeschrittenem Tumorstadium (≥cT3 und/oder cN+)
Hintergrundinformationen
Zu [6.6]
Bei Vorliegen eines lokal begrenzten Prostatakarzinom (PCa) des niedrigen Risikoprofils werden Patienten über das Konzept der Aktiven Überwachung informiert, da das Risiko einer Überbehandlung in dieser Gruppe am höchsten ist. Die Priorisierung der Aktiven Überwachung bei Erfüllung der genannten Charakteristika eines niedrigen Risikoprofils (ISUP Gruppe 1, PSA <10ng/ml, T1c/T2a) wird im Konsens der Leitliniengruppe unterstützt. Bei der Patientenaufklärung wird die natürliche Prognose eines PCa mit niedrigem Risikoprofil den Ergebnissen der aktiven Behandlungsmethoden gegenübergestellt. Dies betrifft die Mortalität, Morbidität und Lebensqualität (z. B. notwendige Kontrollen, mögliche Vermeidung von Übertherapien). Thematisiert werden sollen auch explizit die Rezidivraten bei kurativ intendierter Therapie sowie die bestehende Unsicherheit hinsichtlich der primären prognostischen Einschätzung der diagnostizierten Karzinome, die für jede Art der Primärtherapie/-strategie besteht. So sind die Raten einer niedrigeren oder höheren Stadieneinteilung (Under- und Overstaging) bei low- und intermediate-risk-Tumoren mit ca. 20 % bis annähernd 50 % Prozent beschrieben [423], [424], [425], [426], [427], [428]. Die unerwünschten Nebenwirkungen aktiver Therapie werden im Hintergrundtext zu Empfehlung [6.4] dargestellt.
Exemplarisch zeigt eine große prospektive Studie an 1.818 Patienten mit Niedrigrisiko-PCa der Grade Group 1 sowohl nach 10 als auch nach 15 Jahren Aktiver Überwachung eine kumulative PCa-spezifische Mortalität von 0,1 % [429]. Diese Langzeitdaten implizieren, dass die Aktive Überwachung bei Patienten mit einem niedrigen Risiko angemessen und onkologisch sicher ist, da das Risiko für ein Versterben aufgrund des PCa oder die Entwicklung von Metastasen <1 % beträgt. Zu beachten ist, dass im Rahmen des in dieser Studie relativ intensiven, strukturierten Programms der Aktiven Überwachung 48 % der Männer innerhalb der ersten 10 Jahre eine aktive Therapie erhalten haben.
Patienten, deren initiale Diagnostik eine mpMRT/TRUS-fusionierte Prostatabiopsie beinhaltete, hatten ein geringeres Risiko für eine Reklassifikation während der Aktiven Überwachung und damit für die Notwendigkeit einer aktiven Therapie. Dies scheint die Rolle der mpMRT für eine präzise Selektion geeigneter Kandidaten für eine Aktive Überwachung zu stärken.
Aufgrund der heterogenen Konzepte für eine Aktive Überwachung und fehlender prospektiv-randomisierter Studien hat die Leitliniengruppe der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) mit der sog. DETECTIVE-Studie ein strukturiertes Projekt zur Standardisierung der Aktiven Überwachung initiiert und existierende Protokolle evaluiert [430], [431]. Neben den Kriterien ISUP Grad 1, klinisches Tumorstadium cT1c oder cT2a sowie einem PSA-Wert <10 ng/mL wurde basierend auf systematischen Biopsieschemata zusätzlich die PSA-Dichte als Selektionskriterium <0,15 ng/mL/cc vorgeschlagen [432], [433]. Valide Daten zur Selektion mittels mpMRT liegen noch nicht vor, während die Beteiligten der DETECTIVE-Studie konsentierten, dass Anzeichen für ein ausgedehntes Tumorwachstum in der mpMRT möglicherweise ein Ausschlusskriterium für die Aktive Überwachung sein wird. Die Publikation dieser Daten wird erwartet.
Alle verfügbaren kurativen Therapieoptionen für das Prostatakarzinom (PCa) sind mit einem Risiko für signifikante Nebenwirkungen und Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. Das Konzept der Aktiven Überwachung (Active Surveillance) und die initiale Vermeidung einer aktiven ablativen Therapie kommt prinzipiell für alle Patienten in Frage, die ein geringes Risiko an einem PCa zu versterben haben, und wird daher empfohlen.
Viele Patienten, die im Laufe ihres Lebens ein PCa entwickeln, müssen nicht mit einer turmorbedingten Einschränkung ihrer Lebenserwartung rechnen. Dies ist ein bekanntes Phänomen – Autopsiestudien haben schon vor Jahrzehnten gezeigt, dass die Zahl der „Karzinomträger“ um ein Vielfaches höher ist als die Zahl derer, die an einem PCa erkranken oder versterben [434]. Die häufige Bestimmung des PSA-Wertes und eine undifferenzierte Interpretation des Messergebnisses führen oft zur Erkennung von Tumoren, bei denen bei Nichtbehandlung das gleiche tumorspezifische Überleben erreicht werden kann wie bei definitiver invasiver Therapie [435]. Das gilt insbesondere für ältere Patienten (>65 Jahre). Das tumorspezifische Überleben der Patienten mit Tumoren des niedrigen Risikoprofils ohne definitive Intervention ist sehr hoch [436], [380].
Die PCa-Diagnostik hat sich in den letzten Jahren entscheidend verändert, sodass viele Karzinome in einem frühen Stadium erkannt werden. Seit der Einführung und zunehmenden Anwendung der PSA-Testung besteht ein erhöhtes Risiko für eine Überdiagnose und anschließende Übertherapie indolenter PCa [437]. Von Überdiagnose spricht man, wenn Karzinome entdeckt werden, die den Patienten in seiner Lebenserwartung nicht bedrohen. Sie zu behandeln bedeutet eine Übertherapie. Ein hoher Anteil von Übertherapie ergibt sich v. a. durch die definitiven Therapien in der Gruppe der Patienten mit Tumoren des niedrigen Risikos.
Mittlerweile liegen Langzeitdaten mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 25 Jahren zu Patienten mit PCa, die initial keiner lokalen Therapie unterzogen wurden, vor. Die karzinomspezifischen Überlebensraten lagen bei 82–87 % nach 10 Jahren [438], [439], [440], [441] und bei 80-95% für Tumoren im Stadium T1/T2 und ISUP Grad <2 [442], [256], [443]. Der Nutzen einer Aktiven Überwachung ist bei Männern, die eine Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren haben, am höchsten. Begleiterkrankungen sind dabei zu berücksichtigen, da sie das Risiko, an anderen Ursachen zu versterben, erhöhen. Männer mit neu diagnostiziertem PCa und mehreren Komorbiditäten (Charlson Comorbidity Index (CCI)-Wert >2) zeigten unabhängig von ihrem Alter zum Zeitpunkt der Diagnose nach 10 Jahren Nachbeobachtung eine sehr geringe PCa-abhängige Mortalität, sodass hier ein Watchful Waiting (siehe Kapitel 6.8) diskutiert werden muss. Die Tumoraggressivität hatte kaum Einfluss auf das Gesamtüberleben. Hingegen hatten Männer mit einem CCI-Wert <1 ein geringes Risiko, innerhalb von 10 Jahren zu versterben, sodass in dieser Gruppe eine Aktive Überwachung im niedrigen Risiko bzw. eine aktive Therapie bei höherer Aggressivität erfolgt [113].
Um das klinisch signifikante PCa von einem indolenten zu unterscheiden, sind mehrere Definitionen entwickelt und publiziert worden. Je nachdem, wie strikt die einzelnen Definitionen angewendet werden, finden sich eine Vielzahl verschiedener Definitionen des „insignifikanten“ Prostatakarzinoms [444], [445], [446]; [447], [448], [449], [450], [451], [452], [453], [454], [455], [456], [457], [458], [459], [460], [461], [462], [463], [464], [465], [466], [467], [468], [469], [470], [471]. Die meisten Definitionen basieren auf der Arbeit von Stamey et al., die das Tumorvolumen als Hauptkriterium für seine klinische Bedeutsamkeit angeben [468]. Die Kriterien Gleason-Score und Organbegrenzung wurden später ergänzt und werden uneinheitlich verwendet (Volumen <0,5 oder ≤0,5 ml; Gleason-Score <7 oder Pattern 4/5, Bezeichnung ebenfalls uneinheitlich z. T. als „insignifikant“, z. T. als „minimal signifikant“). In der klinischen Routine spielt aktuell noch die D’Amico Klassifikation die größte Rolle. Hierin ist die Niedrigrisikogruppe als T1c/T2a, ISUP GG1, PSA <10ng/ml definiert. Modernere Klassifikationen wie die Cambridge Prognostic Groups inkludieren alle T1- und T2-Tumoren [256].
Eine Aktive Überwachung bei ansonsten gesunden und für eine kurativ intendierte Therapie geeignete Patienten hat das Ziel, eine rechtzeitige aktive Behandlung bis zu einem Zeitpunkt aufzuschieben, an dem sich Hinweise für eine Progression ergeben oder der Patient diese aktive Therapie wünscht [397], [472]. Die im Falle einer Progression angestrebte Therapie ist weiterhin kurativ intendiert und es sollen den Patienten im Falle eines Abbruchs der Aktiven Überwachung und bei Vorliegen eines weiterhin lokal begrenzten Tumors die etablierten kurativen Therapieoptionen angeboten werden. Auch im Falle einer verzögert eingeleiteten kurativ intendierten Therapie können sehr hohe PCa-spezifische Überlebensraten erreicht werden [473]. Bei der Aktiven Überwachung werden strukturierte Verlaufskontrollen mit festgelegten Progressionsparametern einschließlich multiparametrischer MRT-Bildgebung (mpMRT) und Kontrollbiopsien vorgenommen. Eine kurativ intendierte Therapie wird im Verlauf durch definierte Schwellenwerte initiiert, die auf eine relevante Progression hindeuten. Das Ziel der Aktiven Überwachung ist die Reduktion der Überbehandlung früher Tumorstadien mit ihren assoziierten möglichen Nebenwirkungen ohne die Heilungsraten einzuschränken.
Bisherige Studien nutzten keine einheitliche und vordefinierte Strategie für die Aktive Überwachung. Durch die Weiterentwicklung der Biopsie- und Bildgebungsoptionen und deren Integration in das Konzept der Aktiven Überwachung sind die heutigen Standards nicht mit älteren Protokollen vergleichbar. Es liegen jedoch mehrere prospektive Kohortenstudien vor, aus denen Implikationen für die aktuellen Empfehlungen einer Aktiven Überwachung abgeleitet werden können. Diese werden im Folgenden skizziert.
In die PIVOT-Studie wurden größtenteils Patienten eingeschlossen, die durch PSA-gestützte Früherkennung diagnostiziert wurden [381]. Es fand sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Beobachtung und radikaler Prostatektomie (RPE) in Bezug auf die prostatakarzinom-spezifische Mortalität nach 10 Jahren (31 vs. 21 Fälle). In der Subgruppenanalyse fand sich kein signifikanter Unterschied im Gesamtüberleben bei Patienten mit einem PSA-Wert <10ng/ml (Median 6; HR 1,03; 95 % KI 0,79-1,35), jedoch ein signifikanter Unterschied im Gesamtüberleben bei Patienten mit PSA >10ng/ml (Median 15) zugunsten der RPE (absolute Reduktion um 13,2 %, HR 0,67; 95 % KI 0,48-0,94). Es zeigte sich eine signifikante Verminderung der Inzidenz von Knochenmetastasen zugunsten der RPE: 17 (4,7 %) vs. 39 (10,6 %) unter Beobachtung (HR 0,40; 95 % KI 0,22-70) [381]. Die Probleme der PIVOT-Studie sind unter anderem Folgende: die lange Rekrutierungszeit, die unter der Ausgangsplanung zurückgebliebene Fallzahl und die hohe konkurrierende Sterblichkeit mit über 30 % nach 10 Jahren (zum Vergleich siehe [474], [475]).
In einer großen prospektiven Kohortenstudie von Männern mit Niedrigrisiko-PCa, die einer Aktiven Überwachung unterzogen wurden, zeigten sich nach 10 Jahren hohe metastasenfreie (99,4 %), karzinomspezifische (99,9 %) und Gesamtüberlebensraten (93 %) [476].
Studienergebnisse ausgewählter größerer Kohorten von Patienten (zwischen 99 und 2.664 Teilnehmer) unter Aktiver Überwachung mit langer Nachbeobachtungszeit (Median 22-77 Monate) zeigen, dass das 10-Jahres-karzinomspezifische Überleben mindestens 98,1 % und das 10-Jahres-Gesamtüberleben 81-100 % beträgt [429], [477], [478], [479], [480], [481], [482], [483], [484].
Die PROTECT-Studie randomisierte 1.643 Patienten mit einem im Rahmen der Früherkennung diagnostizierten klinisch lokal begrenzten PCa in die Gruppen „Aktives Monitoring“, RPE oder externe Radiotherapie (EBRT) [485]. Zu beachten ist, dass es sich beim „Aktiven Monitoring“ nicht um eine vordefinierte Strategie der Aktiven Überwachung handelte und somit die Ergebnisse entsprechend interpretiert werden müssen. In der Gruppe der initial nicht aktiv behandelten Patienten war die Überwachungsstrategie nicht einheitlich. Der Anteil von Patienten mit einem Niedrigrisiko-PCa (90 % mit PSA-Wert <10 ng/l; 77 % ISUP-Grad 1, 20 % ISUP-Grad 2–3; 76 % Tumorstadium T1c) lag bei 56 %. Die restlichen Patienten hatten in der Mehrzahl ein PCa mit mittlerem Risiko. Das krankheitsspezifische Überleben lag nach 10 Jahren in der Gruppe mit Aktivem Monitoring bei 98,8 % versus 99,0 % nach RPE und 99,6 % nach EBRT. Das Risiko für eine Progression des PCa bzw. die Entstehung von Metastasen war jedoch signifikant höher bei Patienten, die initial einem Aktiven Monitoring zugeführt wurden. In dieser Gruppe von 545 Patienten erhielten im Laufe der Studie 291 Männer eine ablative Therapie (54,8 %). Im weiteren Verlauf der PROTECT-Studie nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 15 Jahren starben insgesamt 356 Männer (21,7 %, Gesamtmortalität), wobei die Anzahl in allen drei Gruppen ähnlich hoch war. Die PCa-spezifische Mortalität war in allen 3 Gruppen nach 15 Jahren weiterhin niedrig (45 Patienten, 2,7 %): 17 (3,1 %) in der Gruppe mit aktivem Monitoring, 12 (2,2 %) in der Prostatektomiegruppe und 16 (2,9 %) in der Strahlentherapiegruppe. Der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant. Eine aktive ablative Therapie führte zu einem geringeren Risiko einer Tumorprogression als bei Aktivem Monitoring, jedoch nicht zu einer geringeren karzinomspezifischen Mortalität. Metastasen entwickelten sich bei 51 Männern (9,4%) in der Gruppe mit Aktivem Monitoring, bei 26 (4,7 %) in der Prostatektomiegruppe und bei 27 (5,0 %) in der Strahlentherapiegruppe. Eine langfristige Androgenentzugstherapie wurde bei 69 Männern (12,7 %), 40 (7,2 %) bzw. 42 (7,7 %) begonnen. Von den Patienten in der Monitoring-Gruppe, die zum Zeitpunkt der letzten Analyse am Leben waren, erhielten ein Viertel keinerlei Therapie [473]. In einer weitergehenden Analyse der Patientenkohorte waren folgende Parameter mit einem erhöhten Risiko für eine Progression assoziiert [486]: Aktives Monitoring, das Patientenalter (65–69 vs. 50–64 Jahre), ein höherer PSA-Wert bei der Diagnose, ein höherer ISUP-Grad bei der Diagnose, ein höheres cT-Stadium, die Anzahl der positiven Stanzzylinder, die Länge des Tumors im Stanzzylinder und das Vorhandensein einer Perineuralscheideninvasion (Pn1). Ein prädiktiver Wert eines einzelnen Faktors für das Auftreten von Metastasen konnte nicht abgeleitet werden.
Die Strategie des „Aktiven Monitorings“ in der PROTECT-Studie basierte fast ausschließlich auf PSA-Testungen. Aktuelle Protokolle für eine Aktive Überwachung, insbesondere mit einer Integration der mpMRT in die Patientenauswahl und in die regelmäßige Überwachung, sind damit nicht mehr vergleichbar und lassen erwarten, dass eine mögliche Tumorprogression rechtzeitiger diagnostiziert werden kann. Außerdem ist zu beachten, dass in der Gruppe der Patienten mit Aktivem Monitoring ein Drittel ein PCa mit mittlerem (24,1%) oder hohem (9,6%) Risikoprofil aufwiesen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Strategie der verzögerten Aktiven Überwachung bei Vorliegen eines Niedrigrisiko-PCa umso plausibler.
Die Identifikation geeigneter Patienten für eine Aktive Überwachung muss neben der Berücksichtigung der Lebenserwartung und vorliegender Komorbiditäten eine zeitgemäße individuelle Risikostratifizierung unter Berücksichtigung von mpMRT-Bildgebung und gezielter Biopsie auffälliger Befunde beinhalten. Somit kann eine optimale Beratung der Patienten über den Nutzen und die möglichen Risiken einer Aktiven Überwachung erfolgen. Die Aktive Überwachung im Umgang mit PCa-Patienten ist beratungs- und betreuungsintensiv, insbesondere, wenn die Problematik der Überdiagnose und Übertherapie nicht bereits im Kontext der PSA-Testung und der Prostatabiopsie besprochen wurde. Eine Entscheidung für eine Aktive Überwachung können nur Arzt und Patient gemeinsam in einem ausführlichen Gespräch und einem sog. shared decision making treffen. Zur Erleichterung der gemeinsamen Entscheidungsfindung stehen u. a. evidenzbasierte online-gestützte Prostatakrebs-Entscheidungshilfen zur Verfügung [487]. Auch das Einholen einer Zweitmeinung kann dem Patienten zusätzliche Sicherheit bei seiner Therapieentscheidung und im weiteren Verlauf der Aktiven Überwachung geben. Patienten, die sich trotz umfassender Aufklärung gegen eine Aktive Überwachung entscheiden, werden im Weiteren über die etablierten lokal kurativen Therapieoptionen informiert (s. Kapitel 6.2.2 Ablehnung/Beendigung der Aktiven Überwachung).
Zu [6.7]
Der regelmäßige Patientenkontakt und eine sorgfältige Tumorkontrolle sind bei der Strategie der Aktiven Überwachung notwendig, weil eine Tumorprogression eintreten kann oder Patienten, ohne symptomatisch zu werden, eine Beratung zu einer kurativen Therapie wünschen. Im Laufe der Aktiven Überwachung müssen laut bisheriger Studienlage 30-61 % der Patienten im Verlauf damit rechnen, sich einer aktiven Therapie unterziehen zu müssen [488], [473]. Der Anteil aktiver Therapien explizit auf Wunsch der Patienten beträgt 8 bis 17 % [489], [490], [491]. Von den Männern, die in der Aktiven Monitoring-Gruppe am Ende der Nachbeobachtungszeit der letzten Auswertung der PROTECT-Studie am Leben waren, benötigten 133 Männer (24,4 %) keinerlei Therapie. Von diesen Männern hatten 17 (12,8 %) zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ein PCa mit intermediärem oder high-risk-Profil nach D’Amico-Kriterien und 14 Patienten (10,5 %) hatten einen Gleason-Score der Grade-Gruppe ≥ 2 [473].
In der PROTECT-Studie wurde der PSA-Wert lediglich im ersten Jahr nach Beginn des Aktiven Monitorings 3-monatlich, in der Folge 6-12-monatlich gemessen [485]. Strukturierte Bildgebung und Re-Biopsien waren kein Bestandteil der Studie. Die 15-Jahres PCa-spezifischen Überlebensdaten sind exzellent (s. o.; [473]). In der PRIAS-Studie, eine der größten prospektiv-randomisierten Studien zur Aktiven Überwachung, erfolgte die Nachbeobachtung in den ersten 2 Jahren mit einer PSA-Messung alle 3 Monate, einer DRU alle 6 Monate und nach dem 2. Jahr jeweils alle 6 bzw. 12 Monate [492]. Der häufigste Auslöser zum Wechsel auf eine aktive Therapie war bei 41 % ein histopathologisches up-grading oder up-staging in der Re-Biopsie, d. h. eine Reklassifikation, jedoch nicht ein alleiniger PSA-Progress.
Die Rolle der PSA-Wertbestimmung zur Identifikation von Patienten mit einer potentiellen Progression unter Aktiver Überwachung ist unklar und wird in bisherigen Studien nicht einheitlich definiert bzw. durchgeführt. In der DETECTIVE-Studie wurde ein hoher Konsens bezüglich der Häufigkeit der PSA-Wertbestimmung unter 109 Ärzten sowie 16 Patienten erzielt, der eine Messung des PSA-Wertes zumindest alle 6 Monate unabhängig von den Einschlusskriterien zur Aktiven Überwachung empfiehlt [430]. Dies spiegelt jedoch nicht notwendigerweise eine wissenschaftliche Evidenz wider.
Die wesentliche Rolle der regelmäßigen PSA-Wertmessung beruht auf der damit verbundenen validen Option, die PSA-Verdopplungszeiten (PSADT) adäquat berechnen und die PSA-Dichte (PSAD) bei ebenfalls durchgeführter mpMRT der Prostata objektiv bestimmen zu können. Beide Parameter erlauben eine Beurteilung einer eventuell vorhandenen Progression und der Notwendigkeit einer erweiterten Diagnostik (siehe Empfehlung [6.11]).
Die Interpretation des PSA-Wertes muss bekanntermaßen differenziert erfolgen. Äußere Faktoren beeinflussen die Höhe der Serumkonzentrationen des PSA [493]. Anhand einer Kohorte von 404 Männern im Alter von 50 bis 69 Jahren unter aktivem Monitoring identisch zur PROTECT-Studie wurde der Einfluss von Sport, Alkoholkonsum und Nikotinabusus auf die PSA-Werte analysiert. Nach einer mittleren Nachbeobachtung von 4,8 ± 2,3 Jahren wurde der mittlere PSA-Wert im Alter von 50 Jahren mit 3,95 ng/ml und der mittlere jährliche PSA-Anstieg mit 8,3 % berechnet. Der PSA-Wert im Alter von 50 Jahren war jedoch um 2,1 % niedriger pro Einheit sportlicher Aktivität und um 5,3 % niedriger pro 5 cm größerer Körperlänge bzw. er lag um 24,5 % höher bei Rauchern. Diese Daten untermauern die Anfälligkeit der PSA-Werte von exogenen Faktoren und begründen die längeren Intervalle der PSA-Messung in der ISUP Gruppe 1.
Ehdaie et al. untersuchten an 541 Patienten, die im Median 4 Jahre unter Aktiver Überwachung waren, den Stellenwert von PSA-Variationen in Bezug auf die Prädiktion einer Tumorprogression [494]. Der mittlere PSA-Wert betrug initial 4,3 ng/ml. Innerhalb der ersten 5 Jahre erhielten 14 % der Patienten eine aktive Therapie. Es konnte eine sehr hohe Variabilität in Bezug auf PSA-Schwankungen beobachtet werden, die mit zunehmender Zeit unter Aktiver Überwachung zunahm. Somit sollten isolierte PSA-Wertveränderungen keine unmittelbare diagnostische oder gar therapeutische Konsequenz haben. Soeterik et al. analysierten 1.000 Patienten unter Aktiver Überwachung und zeigten, dass eine PSAD ≥ 0,2 ng/ml/ml der wichtigste individuelle Faktor war, der mit einem signifikant erhöhten Risiko einer Tumorprogression assoziiert war [495]. In einer Kohorte von 851 Patienten unter Aktiver Überwachung untersuchten Cooperberg et al. serielle PSA-Wertmessungen [496]. Die Autoren konnten darstellen, dass die mittlere prozentuale Abweichung der seriellen PSA-Werte vom Basiswert 4,3 % betrug. Der Veränderung eines PSA-Wertes als alleinigem Faktor kam keine Bedeutung in der Identifikation einer potentiellen Progression zu. Der wesentliche Wert der seriellen PSA-Messungen liegt in der Möglichkeit einer korrekten Bestimmung der längerfristigen PSA-Kinetik. Tosoian et al. haben in ihrer Kohorte von 1.818 Patienten unter aktiver Überwachung außerdem zeigen können, dass der alleinigen PSA-Wertveränderung keine Rolle in der Re-Klassifikation eines PCa zukommt, sondern dass nur die PSAD ein unabhängiger Faktor mit erhöhtem Risiko für eine Reklassifikation der ISUP-Gruppierung darstellt [429].
Bei der Interpretation der PSA-Befunde ist neben der biologischen, präanalytischen und analytischen Variabilität vor allem die methodenabhängige Variabilität zu berücksichtigen. Verschiedene zertifizierte Labormethoden können sich um bis zu 30 % unterscheiden. Zusätzlich werden bei Ringversuchen Abweichungen innerhalb einer Methode von ± 25 % akzeptiert [90]. Für Verlaufsuntersuchungen ist grundsätzlich dieselbe Methode (Hersteller, Analyseplattform) zu verwenden. Nicht zertifizierte, semiquantitative und Point-of-Care-Testing-Methoden (z. B. Lateralflow-Tests) sind für Verlaufsuntersuchungen nicht geeignet.
Zu [6.8]
Veränderungen der Histologie im Verlauf können auf einem Tumorwachstum, einer Entdifferenzierung oder einer Fehleinschätzung der Erstbiopsie beruhen. Deshalb ist eine Zweitbiopsie durchzuführen, um den Erstbefund zu kontrollieren. Der empfohlene Zeitabstand zum Beginn der Aktiven Überwachung richtet sich danach, ob vor der Entscheidung bereits eine MRT mit gezielter Biopsie erfolgte (zur MRT in der Primärdiagnostik siehe u. a. [4.15] und [4.17]). Für Patienten mit initialer MRT und gezielter sowie systematischer Biopsie empfiehlt die Leitliniengruppe nach 12-18 Monaten eine erneute MRT-gestützte und systematische Re-Biopsie (wiederum in Kombination mit einer MRT-Bildgebung). Die vorhandenen und mittlerweile umfangreicheren Daten zur MRT-gestützten Biopsie weisen auf eine niedrigere Rate an Fehlklassifikationen hin, sodass hier ein Intervall bis zu 18 Monaten als vertretbar angesehen wird.
Erst nach der Durchführung einer kombinierten Biopsie (mpMRT/TRUS-fusionierte Target-Biopsie und systematische Biopsie), spätestens als konfirmatorische Re-Biopsie innerhalb von 6 Monaten im Falle einer initial lediglich systematischen Biopsie ohne MRT, soll die Aktive Überwachung begonnen werden (s. Flussdiagramm Aktive Überwachung).
Die Notwendigkeit einer kombinierten MRT-Fusionsbiopsie durch Biopsien der Indexläsion sowie einer systematischen Biopsie wird anhand einer Meta-Analyse mehrerer Studien deutlich [497]. In der Kombination werden in der Re-Biopsie 27 % der Patienten mit einem höheren Tumorgrad detektiert, im Vergleich zu 17 % bzw. 20 % mit alleiniger Fusionsbiopsie bzw. systematischer Biopsie. Liegt eine PI-RADS 3-5 Läsion in der MRT vor, erhöht sich die Detektion eines höheren Tumorgrads bei kombiniertem Vorgehen auf 35 %, verglichen mit jeweils 24 % bei den Einzelverfahren. Den positiven Einfluss einer Kombination aus Fusionsbiopsie und systematischer Biopsie auf die Detektionsrate von höheren Tumorgraden unter der Aktiven Überwachung konnten auch Klotz et al. in einer prospektiv-randomisierten Studie zeigen [498]. Alle Patienten in dieser Studie erhielten eine konfirmatorische Re-Biopsie nach einem Jahr, die eine Gruppe mit einer systematischen Biopsie, die andere Gruppe mit einer Kombination aus Fusionsbiopsie und systematischer Biopsie. Nach 2 Jahren erhielten alle Patienten eine Kombination aus Fusionsbiopsie und systematischer Biopsie. In der Gruppe der initial nur systematisch biopsierten Männer kam es zu einem Abbruch der Aktiven Überwachung in 35 % der Fälle, verglichen mit 19 % in der kombiniert biopsierten Gruppe. Dabei wurde ein höherer Tumorgrad (ISUP Grade ≥2) in 23 % der Fälle mit initial systematischer Biopsie detektiert, verglichen mit lediglich 10 % in der initial kombiniert biopsierten Gruppe.
Der Wert der systematischen Biopsien bleibt erhalten, was die Kombination aus Target-Biopsien und systematischer Biopsie unterstützt [497], [499]. Es wird bei Patienten, deren Diagnose durch eine alleinige Target-Biopsie gestellt wurde, empfohlen, eine systematische Biopsie baldmöglichst nachzuholen [430], [500]. Dies sieht auch die Leitliniengruppe wie bereits erwähnt als notwendig an, da nach aktueller Datenlage die Kombination aus systematischer und Target-Biopsie die höchstmögliche diagnostische Sicherheit bietet.
Aktuelle Studien hinterfragen, ob eine erneute MRT-Fusionsbiopsie erforderlich ist oder von individuellen Faktoren abhängig gemacht werden kann. Osses et al. untersuchten eine Kohorte von 111 Patienten mit einem Niedrigrisiko Prostatakarzinom unter Aktiver Überwachung, die alle nach 1 Jahr eine MRT mit bzw. ohne MRT-Fusionsbiopsie erhielten [501]. Eine kombinierte zielgerichtete und systematische Biopsie erfolgte bei allen Patienten mit einer PI-RADS Läsion ≥3; ein Verzicht auf eine Biopsie erfolgte bei Männern mit unauffälliger MRT (PI-RADS 1-2). Das Risiko einer Höherstufung (Upgrading) (Gruppe 1: ISUP ≥2, Gruppe 2: ISUP ≥2 und cribriformes oder intraduktales Prostatakarzinom, Gruppe 3: ISUP ≥3) fand sich bei 48 % (30/63) bzw. 10 % (5/48) der Patienten mit positiver bzw. negativer MRT. Bei negativer MRT ist das Risiko eines Upgradings deutlich geringer als bei positiver MRT. Bei seriellen MRT-positiven Männern ist der zusätzliche Nutzen einer Re-Biopsie erheblich. Auch wenn die Rate der signifikanten Höherstufung der Gruppen 2-3 bei den Männern mit negativer MRT deutlich geringer ist als bei denjenigen mit einer positiven MRT, bleibt nach derzeitiger Datenlage die Indikation zur Re-Biopsie 12-18 Monate nach Diagnosestellung bestehen.
Luiting et al. untersuchten anhand einer Kohorte von 1.185 Patienten, die unter Aktiver Überwachung 1.488 Re-Biopsien erhielten, mögliche Prädiktoren für eine fehlende Reklassifikation [502]. Die mediane Zeit zwischen Erstbiopsie und Rebiopsie betrug 13 (IQR 10-40) Monate und 326 (22 %) bzw. 106 (7 %) Patienten zeigten eine Reklassifikation zu ISUP ≥2 bzw. ≥3. Patienten mit einer unauffälligen mpMRT zeigten eine solche Reklassifikation in 6 % bzw. 1 % der Fälle. Patienten mit einer negativen mpMRT und einer PSAD <0,15 ng/ml/ml hatten nur in 10/315 Fällen eine Höherstufung zu erwarten, während dies bei 20/142 Patienten mit einer PSAD ≥0,15 der Fall war. Patienten mit einer PI-RADS 3-Läsion und einer PSAD <0,15 bzw. ≥0,15 wurden in 21/156 bzw. in 28/124 Fällen reklassifiziert. Diese Daten legen nahe, dass zumindest bei Patienten mit unauffälliger MRT und nicht suspekter PSAD eine Re-Biopsie kritisch diskutiert werden kann, während diese in allen anderen Situationen unabdingbar ist.
Zu [6.9]
Die MRT muss geltenden Qualitätsstandards entsprechen. Dabei empfiehlt sich gerade in der Verlaufsbeobachtung der Patienten der Prostate Cancer Radiological Estimation of Change in Sequential Evaluation (PRECISE)-Instrument zur, der eine objektive Beurteilung einer radiologischen Progression der initialen Indexläsion bzw. neu aufgetretener Indexläsionen zulässt [503], [504], [505].
Zu [6.10]
Wenn das Ergebnis der 1. Re-Biopsie keine Re-Klassifikation bzw. keinen Tumorprogress ergibt, kann die Aktive Überwachung fortgesetzt werden. Die Evidenzlage zum Langzeitnutzen neuer Monitoring-Strategien in Bezug auf patientenrelevante Endpunkte ist begrenzt.
In einer prospektiven Studie zur Aktiven Überwachung von 369 Patienten (272 mit ISUP Grad 1 Tumoren und 97 mit ISUP Grad 2 Tumoren) wurde alle 2 Jahre eine systemische-, eine Fusions- und eine kombinierte Biopsie durchgeführt. Durch die kombinierte Biopsie kam es jeweils zu einer erhöhten Detektion von Tumorgradprogression, sodass die Autoren einen Zusatznutzen attestierten [506]. Ein systematischer Review, der 263 unterschiedliche Protokolle der Durchführung der Aktiven Überwachung verglich, zeigt, dass 57,7 % der Protokolle eine konfirmatorische Biopsie innerhalb der ersten 2 Jahre empfehlen und Folgebiopsien mindestens alle 3 Jahre bis zu 10 Jahre nach Beginn der Aktiven Überwachung [431]. Eine weitere systematische Übersichtsarbeit belegt, dass eine negative Folgebiopsie für den Patienten zu einer 50 %-igen Risikoreduktion führt, in der Nachfolge eine Reklassifikation und Höherstufung des Tumors zu erleben [507].
Der Stellenwert der mpMRT wurde in den letzten Jahren gestärkt. Dem soll für die Steuerung der Aktiven Überwachung und insbesondere weiterer Re-Biopsien im Verlauf Rechnung getragen werden [508], [509], [430]. Die mpMRT nach geltenden Qualitätsstandards bietet bei der Verlaufsbeobachtung unter Aktiver Überwachung die Möglichkeit eines morphologischen Monitorings der Prostata und der Indexläsionen. Zur Objektivierung einer möglichen Tumorprogression und Standardisierung der Befundung wurde das bereits oben erwähnte PRECISE-Instrument entwickelt [503], [504], [505]. Eine Tumorprogression in der MRT nach PRECISE-Kriterien stellt einen starken Prädiktor für eine Höherstufung dar [510], [511]. Zwar könnten den Patienten durch die alleinig PRECISE-getriggerte Re-Biopsie im Verlauf der Aktiven Überwachung zwei Drittel der Re-Biopsien erspart werden, jedoch besteht möglicherweise ein Risiko, Tumorprogressionen zu verpassen. Eine weitere Arbeit zu dieser Thematik konnte zeigen, dass der negativ prädiktive Wert zum Ausschluss einer Progression in der mpMRT unter Verwendung der PRECISE-Kriterien lediglich 0,81 betrug [512]. Diese Daten stellen die Rationale für die noch beibehaltene Empfehlung einer Re-Biopsie alle 3 Jahre innerhalb der ersten 10 Jahre aktiver Überwachung dar (s. Flussdiagramm Aktive Überwachung). Aktuelle Studien evaluieren, wie repetitive MRT-Untersuchungen in das Konzept der Aktiven Überwachung sinnvoll integriert werden können und inwiefern sie Re-Biopsien ersetzen könnten [513]. Die Datenlage reicht für eine evidenzbasierte Empfehlung diesbezüglich noch nicht aus.
Die prospektive in Deutschland durchgeführte PROMM-AS Studie untersuchte an 101 Männern, inwiefern stabile PRECISE Werte Re-Biopsien ersetzen können [514]. Eine Re-Biopsie wurde bei Patienten mit einem stabilen Wert um 1 Jahr verschoben und bei Patienten, deren Wert sich verschlechterte, unmittelbar durchgeführt. Nach 24 Monaten Aktiver Überwachung unterzogen sich alle Männer einer MRT und einer Biopsie. Von den Patienten mit ISUP Grad 1 und einem stabilen MRT-Wert konnten 88 % eine Biopsie vermeiden. Bei Patienten mit fortschreitendem MRT-Wert wurde der Abbruch der Aktiven Überwachung in 81 % der Fälle der Gradgruppe 1 und in 92 % der Fälle der Gradgruppe 2 korrekt empfohlen.
Prognosefaktoren, die mit einer histopathologischen Reklassifikation und einer Tumorprogression im Laufe der Aktiven Überwachung assoziiert sind, werden immer als Entscheidungshilfe für die Durchführung einer Re-Biopsie herangezogen. Dazu zählen eine hohe PSAD und eine hohe PSA-Dynamik. Durch die genauere Bestimmung der PSAD über die Volumetrie in der MRT steht ein Surrogat-Parameter für eine mögliche Tumorprogression zur Verfügung [515]. In der PRIAS-Studie stellt die Zunahme der PSAD auf >0,2 ng/ml/ml eine Biopsieindikation dar [492].
Zu [6.11]
Bezüglich der Reklassifikationskriterien im Verlauf der Aktiven Überwachung zeigt sich eine große Heterogenität, da sich die Diagnostik im Laufe der letzten Jahre, insbesondere durch die Integration der MRT, stetig verändert hat. Re-Biopsien, die im Laufe der Aktiven Überwachung indiziert sind, sind bevorzugt als kombinierte mpMRT/TRUS-fusionierte Target-Biopsie und systematische Biopsie nach geltenden Qualitätsstandards durchzuführen. Die entsprechenden histopathologischen Befunde stellen eine valide Entscheidungsgrundlage für eine Fortführung oder den Abbruch der Aktiven Überwachung dar.
Die Verdopplungszeit des PSA-Wertes (PSADT) dient zunächst als Kriterium für die Indikationsstellung zu einer diagnostischen Re-Evaluation. Diese neue Empfehlung liegt darin begründet, dass ein PSA-Anstieg zwar Folge einer Tumorprogression sein kann, jedoch bekanntermaßen anderen möglichen Einflussfaktoren unterliegt und somit als alleiniger Therapietrigger angesichts der Möglichkeiten der MRT-Untersuchung nicht mehr adäquat erscheint [516], [517], [518], [519], [520], [521]. Klotz et al. 2010 konnten nach 7,8 Jahren eine statistisch signifikante Korrelation mit der Prognose bei einem Grenzwert einer Verdoppelungszeit von drei Jahren bestätigen [516].
Zusätzlich zur PSADT kommt der PSA-Dichte (PSAD) eine besondere Bedeutung in der Identifikation der Patienten mit einer Progression unter Aktiver Überwachung zu. Es konnte an einer Kohorte von 391 Patienten unter Aktiver Überwachung gezeigt werden, dass die PSAD eine klinisch signifikante Progression insbesondere dann detektierte, wenn unter PRECISE-Definitionen eine systematische Biopsie trotz negativem mpMRT erfolgte (HR 1,95, 95 % KI 1,17-3,25) [522].
Soeterik et al. analysierten 1.000 Patienten unter Aktiver Überwachung und zeigten, dass eine PSAD ≥0,2 ng/ml/ml der wichtigste individuelle Faktor war, der mit einem signifikant erhöhten Risiko einer Tumorprogression assoziiert war [495]. An einer anderen großen Kohorte von 1818 Patienten unter Aktiver Überwachung konnte gezeigt werden, dass der alleinigen PSA-Wertveränderung keine Rolle bei der Re-Klassifikation eines PCa zukommt, sondern dass nur die PSAD ein unabhängiger Faktor mit erhöhtem Risiko einer Reklassifikation der ISUP-Gruppierung darstellt [429]. Weitere Daten sprechen für einen zukünftigen Nutzen der PSAD im Kontext der MRT-Bildgebung bei der Einschätzung der klinischen Signifikanz des PCa und einer möglichen Progression [523], [515], [524].
Selbstverständlich sind während der Aktiven Überwachung stets die Befindlichkeit und der mögliche Patientenwunsch nach einer aktiven Therapie zu re-evaluieren und zu berücksichtigen. Bis zu 10 % der Patienten berichten im Kontext der Aktiven Überwachung über relevante Ängste, die zu einem Abbruch und zum Umstieg auf eine aktive Therapie führten [516]. In der PRIAS-Studie lag der Anteil der Patienten, die aus Angstgründen die Therapie wechselten, nach 5 und 10 Jahren Nachbeobachtung bei jeweils 5 % [492]. Persistierende Angst als Grund zum Abbruch der Aktiven Überwachung wurde auch in der DETECTIVE-Studie als valider Grund zum Strategiewechsel aufgeführt [430].
Gleichermaßen müssen neu aufgetretene Komorbiditäten, die sich auf die Strategie der Aktiven Überwachung und den kurativen Ansatz auswirken können, berücksichtigt werden und ggf. ein Wechsel zu einem Watchful Waiting erwogen werden (siehe Kapitel 6.8). Dies gilt insbesondere dann, wenn durch PCa-unabhängige Gegebenheiten die Lebenserwartung des Patienten deutlich eingeschränkt erscheint.
Es empfiehlt sich die Aktive Überwachung beizubehalten, wenn der Patient dieser Strategie weiterhin zustimmt, keines der unter Empfehlung [6.11] genannten Abbruchkriterien aufgetreten ist und keine neue Komorbidität, die die Lebenserwartung des Patienten einschränkt, vorliegt. Möglicherweise auftretende Vorbehalte oder Ängste seitens des Patienten müssen bereits früh im Rahmen der Aufklärung über die Aktive Überwachung unter Darstellung der Vor- und Nachteile thematisiert werden. Gespräche und erneute Aufklärung sind Hilfestellungen, um die Ängste und die Anzahl der Abbrecher einer Aktiven Überwachung trotz objektiver Eignung zu reduzieren.
6.2.2 Ablehnung/Beendigung der Aktiven Überwachung
Für Patienten mit einem Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils (nach D’Amico beziehungsweise „very low risk“ und „low risk“ nach NCCN-Klassifikation [244]) wird die aktive Überwachung als Standardtherapie angesehen. Die vorliegenden Daten belegen, dass durch Aktive Überwachung die behandlungsassoziierte Morbidität vermieden werden kann ohne die tumorassoziierte Mortalität bzw. Gesamtmortalität zu erhöhen. Deshalb sollten alle Patienten mit low-risk Karzinom aktiv überwacht werden.
Bei Patienten, die nach entsprechender Aufklärung eine Aktive Überwachung ihres low-risk- oder very-low-risk-Prostatakarzinoms ablehnen, diese im Verlauf abbrechen oder aus anderen Gründen wie beispielsweise einer symptomatischen subvesikalen Obstruktion eine aktive Therapie ihres low-risk- oder very-low-risk-Prostatakarzinoms wünschen, sind die radikale Prostatektomie, die perkutane Strahlentherapie (ohne begleitende Androgendeprivation) oder (wenn keine relevante Obstruktion oder andere Kontraindikationen vorliegen) die LDR-Brachytherapie Optionen.
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils (nach D’Amico beziehungsweise „very low risk“ und „low risk“ nach NCCN-Klassifikation) sollen keine Lymphadenektomie erhalten.
- Konsens
- Konsens (77%)
- Literatur
- [262]
Änderungshinweis
Bei Patienten mit Prostatakarzinom und einem niedrigen Risiko (cT1c und PSA < 10 und Gleason ≤ 6) kann auf eine Lymphadenektomie verzichtet werden. (geprüft 2018)Hintergrundinformationen
Zu [6.13]
Bei Patienten mit einem Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils (nach D’Amico beziehungsweise „very low risk“ und „low risk“ nach NCCN-Klassifikation [244]), die sich gegen eine aktive Überwachung entscheiden oder für diese nicht geeignet sind und eine radikale Prostatektomie wünschen, ist keine Lymphadenektomie erforderlich. Die von aktuellen Nomogrammen vorhergesagte Wahrscheinlichkeit einer Lymphknotenbeteiligung bei diesen Patienten liegt, von wenigen Ausnahmefällen abgesehen, bei unter 1 % [525], [286]. Ältere Nomogramme wie das „Briganti 2012 Nomogram" geben etwas höhere Wahrscheinlichkeiten für einen Lymphknotenbefall an. Demgegenüber steht das Risiko für Lymphadenektomie assoziierte Komplikationen, insbesondere behandlungsbedürftige Lymphozelen [526].
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
Die in diesem Kapitel dargestellten Therapieoptionen beim lokal begrenzten Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils sind (inkl. ausgewählter Informationen zur Ausführung) nach Empfehlungsgrad in der folgenden Abbildung zusammengefasst. Die jeweilige Evidenzdarstellung bzw. klinische Beweggründe sind in den nachfolgenden Abschnitten aufgeführt. Auch die exakte Definition des Risikoprofils ist den jeweiligen Empfehlungen zu entnehmen. Siehe hierzu auch Kapitel 4.3.
In den sich anschließenden Unterkapiteln sind die Empfehlungen nach Therapiemodalitäten sortiert. Die Reihenfolge der Unterkapitel hat keinen Bezug zur Wertigkeit der Empfehlungen.
Die exakte Definition des Risikoprofils ist den jeweiligen Empfehlungen zu entnehmen. Siehe hierzu auch Kapitel 4.3 (Staging). * Der Empfehlungsgrad bezieht sich jeweils auf die Hauptempfehlung zu einer Modalität.
6.3.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance) beim intermediären Risikoprofil
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom der ISUP Gruppe 2 und günstigem Risikoprofil kann eine Aktive Überwachung angeboten werden. Das günstige Risikoprofil beinhaltet kein cribriformes und/oder intraduktales Wachstum und einen geringen Anteil Gleason-Muster 4.
- Konsens
- Starker Konsens (95,9%)
Änderungshinweis
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom der ISUP Gruppe 2 und günstigem Risikoprofil können aktiv überwacht werden (Active Surveillance) . Das günstige Risikoprofil beinhaltet kein cribriformes und/oder intraduktales Wachstum und einen Anteil Gleason-Muster 4 unter 10%. (geprüft 2023)Patienten mit folgenden Parametern sollen keine Aktive Überwachung erhalten:
- PSA-Werte ≥15 ng/ml
- ISUP Gruppe 2 mit ungünstigem Risikoprofil* oder ISUP Gruppe 3 bis 5 (Gleason-Score ≥7b)
- Lokal fortgeschrittenes Tumorstadium (≥cT3 und/oder cN+)
*cribriformes oder intraduktales Wachstum, hoher Anteil Gleason-Muster 4.
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Hintergrundinformationen
Zu [6.14]
Internationale Leitlinien, inklusive der Leitlinie der EAU, empfehlen die Strategie der Aktiven Überwachung auch bei Patienten mit intermediärem Risiko zu diskutieren und in ausgewählten Fällen anzuwenden [527], [528], [529], [530].
In der bereits erwähnten PROTECT-Studie wiesen 34 % der randomisierten Patienten ein PCa mit intermediärem oder hohem Risiko auf (s. o.; [485]). Zu den Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für eine Tumorprogression assoziiert waren, zählten: das Aktive Monitoring, die Höhe des PSA-Wertes bei Diagnose, ein höherer ISUP-Grad zum Zeitpunkt der Diagnosestellung, ein höheres cT-Stadium, eine höhere Risikogruppierung, die Anzahl und Länge der befallenen Stanzzylinder und das Vorhandensein einer Perineuralscheideninvasion (Pn1). Diese Faktoren konnten jedoch den Krankheitsverlauf einzelner Patienten nicht zuverlässig vorhersagen, d.h. sie eigneten sich nicht als alleiniger Prädikator für eine spätere Progression.
Eine systematische Übersichtsarbeit zu Patienten, die mit intermediärem Risikoprofil aktiv überwacht wurden, identifizierte 17 relevante Studien mit insgesamt 6.591 Patienten [531]. Die Definitionen für das intermediäre Risiko waren heterogen, jedoch war eine vergleichende Analyse des Überlebensendpunktes zwischen der Gruppe mit niedrigem und intermediärem Risiko möglich. Das krebsspezifische Überleben war nach 10 Jahren (OR 0,47, 95 % KI 0,31–0,69) und nach 15 Jahren (OR 0,34, 95 % KI 0,2–0,58) in der Gruppe mit intermediärem Risiko geringer. Auch das metastasenfreie Überleben (OR 0,46, 95 % KI 0,28–0,77) und das Gesamtüberleben (OR 0,43, 95 % KI 0,35–0,53) war nach 10 Jahren signifikant kürzer in der Gruppe mit intermediärem Risiko.
Eine weitere systematische Übersichtsarbeit, die Studien mit insgesamt 29.673 Patienten mit niedrigem und intermediärem Risiko einschloss, zeigte ebenfalls ungünstigere Ergebnisse für Patienten mit intermediärem Risikoprofil [532]. Dies betraf nach einer Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren das behandlungsfreie Überleben (RR 1,16; 95 % KI 0,99–1,36), das Risiko für die Entwicklung von Metastasen (RR 5,79; 95 % KI 4,61–7,29), das Risikos für eine PCa-spezifische Mortalität (RR 3,93; 95 % KI 2,93–5,27) und das generelle Mortalitätsrisiko (RR 1,44; 95 % KI 1,11–1,86). Eine Subgruppenanalyse mit vier Studien (n=1.900) ergab jedoch, dass das behandlungsfreie und metastasenfreie Überleben von Patienten mit intermediärem und niedrigem Risiko bei ISUP-Grad ≤ 2 vergleichbar war. Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied hinsichtlich des behandlungsfreien Überlebens oder des Risikos für eine Metastasierung.
Ergänzt werden diese Daten durch eine weitere Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 [533]. Die Übersichtsarbeit umfasste 25 Studien, von denen 13 Studien Daten zur behandlungsfreien, 6 Studien zur PCa-spezifischen (CSS) und 7 Arbeiten Daten zum Gesamtüberleben (OS) lieferten. Die behandlungsfreie Überlebenszeit unterschied sich in der Gruppe mit mittlerem Risiko im Vergleich zur Niedrigrisiko-Gruppe nach 5, 10 und 15 Jahren nicht signifikant. Die krebsspezifische Überlebenszeit hingegen war nach 15 Jahren signifikant niedriger (RR: 0,92; 95%-KI: 0,89-0,96) und die Gesamtüberlebenszeit nach zehn Jahren signifikant niedriger (RR: 0,87; 95%-KI: 0,82-0,93) in der Gruppe mit mittlerem Risiko im Vergleich zu Patienten mit niedrigem Risiko. In einigen der Studien waren jedoch Patienten mit ISUP-Gradgruppe-3 eingeschlossen. In der Subgruppe der Patienten mit ISUP-Gruppe ≤ 2 konnte kein Unterschied bei den jeweiligen onkologischen Endpunkten zwischen low und intermediate risk beobachtet werden.
Somit scheint ein Teil der Patienten in der Gruppe mit intermediärem Risiko für eine Aktive Überwachung geeignet zu sein. Die Strategie der Aktiven Überwachung erscheint in dieser Patientengruppe anwendbar, jedoch muss innerhalb der intermediären Risikogruppe ein günstiges Risikoprofil (kein cribriformes oder intraduktales Wachstum, geringer Anteil des Gleason-Musters 4) vorliegen [430], [534], [535]. Außerdem müssen die Patienten über ein möglicherweise erhöhtes Risiko für eine Tumorprogression im Vergleich zu Patienten in der Niedrigrisikogruppe aufgeklärt werden. Eine mpMRT scheint auch in dieser Patientengruppe sinnvoll, um das Risiko, kurzfristig klinisch signifikante Tumoren zu übersehen, zu senken.
Für weitere Ausführungsempfehlungen zur Aktiven Überwachung siehe Kapitel 6.2.
Zu [6.15]
Weitgehender Konsens besteht dahingehend, dass Patienten mit ISUP Grad 3 oder Patienten mit intraduktaler oder cribriformer Histologie, das heißt biologisch aggressiven Tumoren, nicht für eine Aktive Überwachung in Betracht zu ziehen sind [430]. Das Vorhandensein eines Gleason Musters 4 geht beispielsweise mit einem dreifach erhöhten Risiko für die Entwicklung von Metastasen im Vergleich zu ISUP Grad 1 einher. Jedoch konnte gezeigt werden, dass sich die rezidivfreien Überlebensraten nicht signifikant unterscheiden, wenn der quantitative Anteil des Gleason-Patterns 4 zwischen 0-30 % liegt [536]. Auch andere ungünstige histopathologische Kriterien werden zum Ausschluss einer Aktiven Überwachung herangezogen. Dazu zählen ein sarkomatoides oder kleinzelliges Wachstum und das Vorhandensein einer lymphovaskulären oder Perineuralscheideninvasion in der Stanzbiopsie [537], [538]. Ein initial höherer PSA-Wert (bis zu 20 ng/ml) scheint jedoch weniger mit einer Tumorprogression assoziiert zu sein [539], [540], [541].
Die Leitliniengruppe hat sich bezüglich der Definition eines PSA-Schwellenwertes zum Ausschluss für eine Aktive Überwachung mit ≥15 ng/ml auf einen Kompromiss verständigt, da keine eindeutige Evidenz für die Anwendung dieses Schwellenwertes existiert. Sowohl in die prospektive Serie von Klotz et al. als auch in die PROTECT-Studie wurden Patienten mit einem PSA-Wert bis <20 ng/ml eingeschlossen [483], [485]. Diesen Wert sieht die Leitliniengruppe jedoch als Obergrenze. Es könnte in Ausnahmefällen, z.B. bei sehr großen Prostatadrüsen, einen Einschluss in die Aktive Überwachung erlaubt werden, wenn PSA-Werte zwischen 15 und 20 ng/ml vorliegen. Hohe PSA-Werte ≥10ng/ml waren in der PROTECT-Studie jedoch lediglich bei 10 % der Patienten in der Gruppe unter Aktivem Monitoring vorhanden [542]. Der Einschluss von Patienten mit einem PSA-Wert bis zu 15 ng/ml erscheint vertretbar bei sonstiger Erfüllung der unter Empfehlung [6.6] und [6.14] genannten Einschlusskriterien. Im individuellen Fall und im Kontext sehr großer Prostatadrüsen mit geringer PSA-Dichte sind individuelle Grenzen sinnvoll und vertretbar.
Die Kriterien „Anzahl der befallenen Stanzzylinder“ und „Karzinomanteil in den einzelnen Stanzzylindern“ werden durch die zunehmende Durchführung der mpMRT/TRUS-fusionierten Prostatabiopsie in Frage gestellt, da durch die Target-Biopsie ein verzerrtes Bild entstehen kann und keine klaren Schwellen- bzw. Surrogatparameter für die Einschätzung des Tumorvolumens in den Stanzbiopsaten definiert sind. Beispielsweise ist die Detektion von geringvolumigen Arealen eines Gleason-Musters 4 durch die Anwendung der mpMRT/TRUS fusionierten Biopsie wahrscheinlicher als mit der rein systematischen Biopsie ohne vorherige MRT. Wenn eine initiale mpMRT-gestützte Biopsie durchgeführt wurde, ist die Anzahl der positiven Stanzzylinder kein eindeutiger Indikator mehr für die Ausdehnung des PCa bzw. für das Tumorvolumen [430]. Das Volumen der dominierenden Target-Läsion in der mpMRT liefert diesbezüglich präzisere Informationen.
Gleichermaßen muss die Wertigkeit des klinischen Tumorstadiums (cT) für die Auswahl geeigneter Kandidaten für eine Aktive Überwachung hinterfragt werden. Durch die Integration der MRT in die initiale Diagnostik ist eine klinische und bildgebende Risikostratifizierung besser möglich und Patienten mit einem tatsächlich fortgeschritteneren Tumorwachstum können unmittelbar identifiziert und von einer Aktiven Überwachung ausgeschlossen werden. Eine rein klinische Differenzierung der Kategorien cT2a vs. cT2b vs. cT2c mittels digital-rektaler Untersuchung ist ohnehin mit Ungenauigkeiten behaftet und wird perspektivisch durch eine umfassendere Risikoeinteilung, wie z. B. der Cambridge Prognostic Groups ersetzt werden [543]. Letztere erweitert die D’Amico Niedrigrisikogruppe durch Integration von cT2-Tumoren. Durch den Einschluss der MRT zur klinischen Risikoklassifizierung wird in einem geringen Prozentsatz ein Stadienshift in höhere Risikogruppen hervorgerufen (cT3a). Dieses Phänomen ist aber in der Häufigkeit begrenzt und im Kontext der Aktiven Überwachung nicht relevant, da es die onkologische Sicherheit derselben eher steigert [544].
Bei Patienten mit einem intermediären Risikoprofil muss die Aktive Überwachung besonders stringent, aufgrund des im Vergleich zur Niedrigrisikogruppe erhöhten Progressionsrisikos, durchgeführt werden. Die Leitliniengruppe hält es für indiziert, die Aktive Überwachung nur unter Integration der mpMRT-Bildgebung anzubieten (s. [6.8] inklusive Flussdiagramm). Sollte eine MRT kontraindiziert sein, so müssen bei rein systematischen Biopsien Surrogatparameter für die Einschätzung des Tumorvolumens herangezogen werden (z. B. die Anzahl der befallenen Stanzzylinder und der prozentuale Befall eines Stanzzylinders).
Die Empfehlungen zur Aktiven Überwachung beim intermediären Risikoprofil sind im Flussdiagramm in Abbildung 7 (siehe Kapitel 6.2.1) veranschaulicht.
6.3.2 Radikale Prostatektomie
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils und einer Lebenserwartung von über 10 Jahren soll eine radikale Prostatektomie angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [545]
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils und einer Lebenserwartung von über 10 Jahren soll eine radikale Prostatektomie, gegebenenfalls als Teil einer multimodalen Therapie, angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [545]
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils können eine ausgedehnte Lymphadenektomie erhalten.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [262]
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom mit hohem oder sehr hohem Risiko (nach NCCN-Klassifikation) und Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom sollten im Rahmen einer radikalen Prostatektomie eine ausgedehnte Lymphadenektomie erhalten.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [262]
Hintergrundinformationen
Für eine Empfehlung zum lokal begrenzten Prostatakarzinom des sehr hohen Risikos nach NCCN siehe [6.55].
Die in den Empfehlungen genannte Risikoklasse „intermediäres Risikoprofil“ meint die D’Amico-Risikoklasse „intermediate risk“ und die NCCN-Risikoklassen „favorable intermediate risk“ und „unfavorable intermediate risk“ [244]. Die Risikoklasse „hohes Risikoprofil“ meint die D’Amico-Risikoklasse „high risk“ und die NCCN-Risikoklasse „high risk“. Die Risikoklasse „sehr hohes Risiko“ meint die NCCN-Risikoklasse „very high risk“ [244]. Die Risikoklasse „sehr hohes Risiko“ ist in den Empfehlungen zur radikalen Prostatektomie mit dem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom (klinische Stadien T3 und T4) zusammengefasst, welches sie einschließt (siehe Kapitel 6.4.1).
Die Aufklärung von Patienten, die eine radikale Prostatektomie wünschen, umfasst mindestens die Risiken Harninkontinenz, erektile Dysfunktion, positive Resektionsränder, mögliche Zusatztherapien sowie allgemeine und spezielle mit der Operation zusammenhängende Komplikationsmöglichkeiten, die Vor- und Nachteile einer Lymphadenektomie und mögliche Therapiealternativen.
Für keinen der operativen Zugangswege (offen, konventionell laparoskopisch, roboterassistiert-laparoskopisch) bei der radikalen Prostatektomie ist eine Überlegenheit hinsichtlich der onkologischen oder funktionellen Ergebnisse bewiesen [Haney, CM et al. 2023], [Ilic, D et al. 2018]. Neuere randomisierte Studien suggerieren bei gleichen onkologischen Ergebnissen leichte Vorteile für den roboterassistierten Zugang hinsichtlich Potenz- und Kontinenzerhalt [546], [547]. Da Können und Erfahrung des Operateurs und die Bevorzugung eines Zugangsweges möglicherweise einen hohen und im Vergleich zum Zugangsweg schwerer objektiv messbaren Einfluss auf die funktionellen Ergebnisse nach radikaler Prostatektomie haben, kann derzeit jedoch kein Zugang bevorzugt empfohlen werden. Minimal-invasive Zugangswege sind mit einem geringeren Blutverlust und kürzerem Klinikaufenthalt verbunden [546].
Zur Abschätzung des individuellen Risikos stehen der rektale Tastbefund, der ISUP-Grad, der Befund eines Magnetresonanz-Tomogramms oder eine Kombination dieser Informationen, beispielsweise mittels eines Nomogramms zusammengeführt, zur Verfügung [262]. Ein Erhalt des neurovaskulären Bündels ist bei Patienten mit einem hohen Risiko eines Kapseldurchbruchs auf der betreffenden Seite nicht zu empfehlen [262]. Bei weitgehendem Fehlen aussagekräftiger randomisierter Studien zum Vergleich von Strahlentherapie und radikaler Prostatektomie bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom mit intermediärem, hohem oder sehr hohem Risiko müssen Meta-Analysen zum Vergleich beider Optionen [Wang, Z et al. 2020] wegen Verzerrungsgefahr mit Vorsicht interpretiert werden. Auch neuere randomisierte Studien [548], [473] bringen hier keine wesentlichen zusätzlichen Erkenntnisse. Die Leitlinie verzichtet darum auf eine bevorzugte Empfehlung einer der beiden Optionen für diese Indikationen. Gegenüber verzögerter oder unterlassener Operation ist die frühzeitige radikale Prostatektomie in Metaanalysen beim lokal begrenzten Prostatakarzinom mit intermediärem Risiko hinsichtlich tumorspezifischem und Gesamtüberleben überlegen [545], [Luo, X et al. 2021]. Bei Patienten mit hohem Risiko wurde zwar in der Metaanalyse der zwei auswertbaren randomisierten Studien das Signifikanzniveau für das Gesamtüberleben knapp verfehlt (HR 1,23 (95% KI 0,95; 1.59), zu Ungunsten der konservativen oder verzögerten Therapie), der starke Trend, die Wahrscheinlichkeit einer Selektion zugunsten „guter“ Risiken und die geringe Power dieser Subgruppenanalysen lässt einen Überlebensvorteil für die radikale Prostatektomie jedoch auch in dieser Population wahrscheinlich erscheinen. In den Metaanalysen wurde keine „very-high-risk“-Kategorie abgetrennt [545], [Luo, X et al. 2021].
Gegenüber konservativer Therapie ist die radikale Prostatektomie mit einer höheren Rate an Inkontinenz und Impotenz als Nebenwirkungen verbunden [Luo, X et al. 2021], [Vernooij, RW et al. 2020]. Verglichen mit einer perkutanen Strahlentherapie sind nach einer radikalen Prostatektomie Inkontinenz und Impotenz häufiger, Darmprobleme dagegen seltener [549], [Moris, L et al. 2020].
Die EAU-Leitlinie gibt keine getrennten Lymphadenektomie-Empfehlungen für das intermediäre und das hohe Risiko [262]. Patienten mit günstigem intermediärem Risikoprofil können eine Wahrscheinlichkeit für einen Lymphknotenbefall von einem Prozent oder weniger haben [526],[525], sodass bei diesen Patienten eine (ausgedehnte) Lymphadenektomie nicht in jedem Fall erforderlich ist. Wird eine Lymphadenektomie durchgeführt, so empfiehlt die EAU-Leitlinie 2024 diese ausgedehnt durchzuführen. Dies umfasst laut EAU-Leitlinie 2024 die Entfernung der Lymphknoten im Gebiet der A. und V. iliacae externae, der Fossa obturatoria oberhalb und unterhalb des Nervus obturatorius sowie die Lymphknoten medial und lateral der A. iliaca interna [262]. Schnellschnittuntersuchungen von Lymphknoten, um über einen möglichen Abbruch der Operation zu entscheiden, werden nicht empfohlen [262]. Bisher ist nicht gesichert, ob eine Lymphadenektomie beim Prostatakarzinom das onkologische Ergebnis verbessert [262].
6.3.3 Perkutane Strahlentherapie
Die perkutane Strahlentherapie soll in IMRT-Technik unter Einsatz bildgeführter Techniken (IGRT) durchgeführt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1++
2+ - Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [550] [551]
Änderungshinweis
Die perkutane Dosis eskalierende Strahlentherapie soll in IMRT-Technik unter Einsatz bildgeführter Techniken (IGRT) durchgeführt werden. (neu 2021)Patienten mit einem Prostatakarzinom aller Risikogruppen sollen bei Verwendung einer Standardfraktionierung mit einer Dosis von mindestens 74,0 Gy bis ca. 80 Gy (IMRT + IGRT) bestrahlt werden.
Hintergrundinformationen
Zu [6.20]
Die intensitätsmodulierte Bestrahlung, sei es in der sogenannten VMAT-Technik (Volumetrik Arc-Therapy) oder in der sogenannten Stehfeldtechnik („Dynamic Arc“), hat in der klinischen Routine die frühere 3 dimensional-geplante Bestrahlung in den allermeisten Fällen abgelöst. Speziell für die Therapie des Prostatakarzinoms hat die Arbeitsgruppe um Viani et al [551] in einer prospektiven randomisierten Phase 3-Studie mit 215 Patienten zeigen können, dass mit der intensitätsmodulierten Bestrahlung im Vergleich zu primär 3D-geplanten Bestrahlung sowohl die Akut- als auch die Spätfolgen signifikant gesenkt werden können. Der primäre Endpunkt dieser Studie war die Reduktion der genitourinären (GU)- und gastrointestinalen (GI)-Spättoxizität. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 4 Jahre. Sowohl die Raten >= Grad 2 GU- und GI-Toxizität konnten als Bestätigung des Endpunktes signifikant verringert werden (für beides p< 0,05). Darüber hinaus zeigte sich ebenfalls eine Reduktion der >= Grad 2 akuten GI- und GU-Toxizität (p< 0,05). Indirekt bestätigt wurden die Daten durch eine Metaanalyse von Yu et al [550]. Es wurden 23 Studien mit über 9.500 Patienten, zumeist retrospektiv untersucht. Hierbei zeigte sich, dass die Grad 2-4 akuten und späten GI-Toxizitäten (insbesondere auch die späte rektale Blutung) signifikant im Vergleich zur 3D-geplanten Bestrahlung verringert wurden. Darüber hinaus war die Effektivität der biochemischen Progressionsfreiheit verbessert.
In der Summe unterstützen die vorliegenden Daten durch Level 1-Evidenz den Einsatz der Intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT)- / VIMAT-Technik als Standardtherapie der Bestrahlung des Prostatakarzinoms sowohl primär als auch indirekt bei gleicher Technik postoperativ nach radikaler Prostatektomie.
Zu [6.21]
Eine Dosis von 74-80 Gy soll bei Patienten mit Prostatakarzinom aller Risikogruppen bei Verwendung einer Normofraktionierung (ED 1.8 - 2 Gy, Zielvolumen gesamte Prostata) angewendet werden. Dies beruht auf den Daten von 6 randomisierten Phase-III-Studien zum Effekt einer Erhöhung der Gesamtdosis einer normofraktionierten Radiotherapie (RT) auf 74-80 Gy. Alle 6 RCTs konnten zeigen, dass ein signifikanter Vorteil der Dosiseskalation hinsichtlich des biochemisch und klinisch progressionsfreien Überlebens vorliegt [552], [553], [554], [555], [556], [557]. Eine Metaanalyse aus den 6 RCTs inkludierte 2420 Patienten mit primärem Prostatakarzinom aller Risikogruppen und konnte eine signifikante Reduktion des Risikos für ein biochemisches Rezidiv für alle Risikogruppen nachweisen (OR 0.60, 99% CI 0.47-0.76) [558]. Zwei der vorher genannten RCTs, berichteten nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von >8 Jahren über eine signifikante Reduktion der Rate an Fernmetastasen [556], [557]. Eine single-center RCT mit 301 Patienten des mittleren und hohen Risikos verglich eine Dosierung von 70 mit 78 Gy in 2 Gy [556]. Die Studie konnte nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 15 Jahren einen signifikanten Vorteil im krankheitsspezifischen Überleben (6.3% vs 3.2%, p=0.045) und im Auftreten von Fernmetastasen (3.1 % vs 1.1 %, p=0.018) zeigen. Die RTOG 0126 Studie schloss 1532 Patienten des niedrigen und mittleren Risikos ein und verglich eine Dosierung von 70.2 Gy mit 79.2 Gy in 1.8 Gy Einzeldosen [557]. Die kumulative Rate an Fernmetastasen lag bei 6% (70.2 Gy) versus 4% im dosiseskalierten Arm (79.2 Gy) (HR: 0.65; 95% CI, 0.42-1.01; p =0.05). In keiner der Studien konnte ein signifikanter Vorteil in Bezug auf das Gesamtüberleben gezeigt werden (HR: 1.00; 95% CI: 0.83-1.20; p = 0.98).
In einem Cochrane Review von Kim et al., wurden die Toxizitäten nach dosiseskalierter Strahlentherapie des primär-lokalisierten Prostatakarzinoms untersucht [558]. Hierbei wurden 5437 Patienten aus 9 RCTs eingeschlossen und eine dosiseskalierte Strahlentherapie als eine normofraktionierte Bestrahlung von ≥74 Gy in 1.8-2 Gy Einzeldosis definiert. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass eine Eskalation der Gesamtdosis zu keiner gesicherten Steigerung der Rate an Grad ≥3 GU (RR 1.25, 95% CI 0.95 to 1.63; I2 = 0%; 4962 Patienten) und GI (RR 1.72, 95% CI 1.32 to 2.25; I2 = 0%; 4992 Patienten) Toxizitäten führt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass nur zwei der neun RCTs des Cochrane Reviews eine moderne IMRT/IGRT-gestützte Strahlentherapie durchgeführt haben. Eine dosiseskalierte Strahlentherapie in 3D-konformaler Technik hat im Vergleich zu einer modernen IMRT/IGRT Technik, also der heutigen Standardtechnik eine dreifach erhöhte Rate akuter GI Toxizität vom Grad ≥2 (20 % vs. 61 %, p = 0.001) 5 Jahre nach Strahlentherapie [559]. In neueren RCTs, in denen eine Strahlentherapie von 74-80 Gy unter Anwendung von modernen IMRT/IGRT Techniken eingesetzt wurde, wurden kumulative GI und GU Grad ≥3 Toxizitäten mit einer Rate von <3% beschrieben [560], [561], [562].
Derzeit ist unklar, ob eine weitere Eskalation der Bestrahlungsdosis >80 Gy auf die gesamte Prostata die Tumorkontrolle signifikant verbessert. So wurden in einer Meta-analyse 13.384 Patienten aus 14 RCTs zur Bestrahlung des primären Prostatakarzinoms inkludiert [563]. Nach der Modellierung einer generalisierten Dosisleistungskurve für alle Patienten, schlussfolgerten die Autoren, dass Bestrahlungsdosen >80 Gy zu keiner weiteren Steigerung der biochemischen Kontrolle führen. Die modernen Dosiskonzepte zielen daher auf eine Dosiserhöhung der dominanten Läsion in der mpMRT, weil dabei eine erhebliche bessere Schonung der Risikoorgane gegenüber der RT der gesamten Prostata möglich wird.
In der Summe der Argumente ist die „soll“-Empfehlung aus dieser Evidenz heraus gerechtfertigt.
6.3.3.1 Perkutane Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des intermediären Risikoprofils
Patienten mit einem lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils soll eine perkutane Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (96,3%)
- Literatur
- [473]
Änderungshinweis
Die perkutane Strahlentherapie ist eine primäre Therapieoption beim lokal begrenzten Prostatakarzinom aller Risikogruppen. (modifiziert 2018)Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils sollten zusätzlich zur perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine begleitende hormonablative Therapie von 4 bis 6 Monaten erhalten. Diese kann vor der Strahlentherapie beginnen.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [564] [565]
Änderungshinweis
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des mittleren Risikoprofils sollten zusätzlich zur perkutanen Strahlentherapie eine begleitende hormonablative Therapie von 4 bis 6 Monaten erhalten. Diese kann vor der Strahlentherapie beginnen. Bei der Entscheidung für oder gegen eine zusätzliche Hormontherapie sollten zusätzliche Faktoren (insbesondere Gleason Score, Komorbidität) beachtet und mit dem Patienten diskutiert werden. (modifiziert 2018)Bei der Entscheidung für oder gegen eine zusätzliche Hormontherapie sollten zusätzliche Faktoren (insbesondere Gleason Score, Komorbidität) beachtet und mit dem Patienten diskutiert werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Bei der Entscheidung für oder gegen eine zusätzliche Hormontherapie sollten zusätzliche Faktoren (insbesondere Gleason Score, Komorbidität) beachtet und mit dem Patienten diskutiert werden. (modifiziert 2018)Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils soll eine Standardfraktionierung (74 Gy bis 80 Gy) oder eine moderate Hypofraktionierung (z. B. 3 Gy/60 Gy; 2,5 Gy bis 70 Gy) angeboten werden.
Zusätzlich sollte eine Androgendeprivationstherapie von 4-6 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (96,2%)
- Literatur
- [567]
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils können mit einer extremen Hypofraktionierung (6,1 Gy bis 42,7 Gy oder 7,25 / 8 Gy bis 40 Gy) analog der HYPO-RT-Studie oder der PACE-B-Studie bestrahlt werden.
Vor einer Entscheidung für eine extreme Hypofraktionierung sollen Patienten über das Risiko einer erhöhten urogenitalen Toxizität der hypofraktionierten Bestrahlung gegenüber der Standardfraktionierung aufgeklärt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Zusätzlich sollte eine Androgendeprivationstherapie von 4-6 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [567]
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils besteht kein Hinweis auf einen patientenrelevanten Vorteil der Protonentherapie im Vergleich zur Photonentherapie (IMRT + IGRT).
- Evidenzlevel
- 2+
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [573]
Änderungshinweis
Es besteht kein Hinweis auf einen Patienten-relevanten Vorteil der Protonen-therapie im Vergleich zur hochkonformalen Photonentherapie (IMRT) bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom. (modifiziert 2018)Hintergrundinformationen
Seit der Publikation der 15-Jahres-Daten der PROTEcT-Studie [473] ist für die normofraktionierte Bestrahlung (ED 2 Gy, GD 74 Gy) und die radikale Prostatektomie belegt, dass das karzinomspezifische Überleben und das Gesamtüberleben bei der Normofraktionierung vollständig identisch sind.
Diese Daten beziehen sich allerdings weitestgehend auf das Niedrigrisiko-Karzinom, das mit einer aktiven Überwachung standardmäßig behandelt werden soll. Trotzdem hatte ein nicht unerheblicher Teil der Patienten in der PROTEcT-Studie ein PCa des intermediären Risikoprofils (n=369, 24%) [473], sodass die Daten auch auf das intermediäre Risikoprofil übertragen werden können. Die Bestrahlungstechniken der PROTEcT-Studie waren teilweise veraltet (3-D-Technik), darüber-hinaus war die Fraktionierung eine Normofraktionierung (ED 2 Gy). Zwischenzeitlich wurden in einem (kleinen) randomisierten Vergleich auch die RP und die extrem hypofraktionierte RT (ED 7,25 Gy GD 36,25 Gy) verglichen (PACE A-Studie) [548].
Die Studie war ausgelegt auf 234 Patienten, um die primären Endpunkte (GU-Tox und GI-Tox nach 2 Jahren) mit einem signifikanten Unterschied nachzuweisen. Sie wurde vorzeitig nach Einschluss von 123 Patienten auf Empfehlung des unabhängigen Daten-Monitoring-Komittees abgebrochen, da die Ergebnisse früher erreicht wurden. Fünfzig Patienten wurden in die Prostatektomie-Gruppe (84 % Roboter-gestützt DaVinci) und 60 Patienten in die Gruppe mit einer extremen Hypofraktionierung randomisiert.
Der primäre Endpunkt zur Kontinenz (mindestens 1 Vorlage/Tag) ergab einen signifikanten Vorteil zugunsten der stereotaktischen Bestrahlung (SBRT), insbesondere in den ersten sechs Monaten nach der RP. Ebenso erwartungsgemäß wurde der zweite primäre Endpunkt bestätigt (EPIC-Bowel-Domain-Score) und zeigte einen signifikanten Vorteil zugunsten der RP (100 versus 87,5, p<0,01). Ein weiterer Vorteil zeigte sich für die SBRT bei dem nicht-primären Endpunkt des „EPIC-sexual-domain-score“. Durch beide RCT’s ist daher die Gleichwertigkeit von RP und RT auf Level 1 belegt.
Es gibt mehrere Studien, die eine Verbesserung von Gesamt- und prostataspezifischen Überleben durch eine zusätzliche Kurzzeit-hormonablative Therapie bei Patienten mit intermediärem PCa zeigen. In der RTOG 94-08-Studie wurden 1979 Patienten mit niedrigem- (35 %) und intermediärem Risiko (54 %) zwischen alleiniger Radiotherapie (46,8 Gy der LAW des Beckens + 19,8 Gy Boost auf die Prostata, insgesamt 66,6 Gy) oder mit neoadjuvanter und gleichzeitiger hormonablativer Therapie (Goserelin oder Leuprolid für 4 Monate, Beginn 2 Monate vor RT) randomisiert [564]. In der Gruppe mit mittlerem Risiko wurde bei den Patienten mit kombinierter Behandlung ein Anstieg des 10-Jahres-Gesamtüberlebens (54 % gegenüber 61 %, HR für Tod bei alleiniger RT, 1,23; 95 % CI, 1,02 bis 1,49) und eine Verringerung der 10-Jahres-prostataspezifischen Mortalität von 10 % auf 3 % (HR, 2,49; 95 % CI, 1,50 bis 4,11) festgestellt.
Die optimale Dauer der hormonablativen Therapie wurde in der RTOG 9910-Studie untersucht, in welcher Patienten mit Prostatakarzinom des intermediären Risikos entweder mit vier oder neun Monaten hormonablativer Therapie behandelt wurden. In der RTOG 9910-Studie konnte gezeigt werden, dass es keinen zusätzlichen Nutzen der hormonablativen Therapie über vier Monate hinaus bei einem 10-Jahres-PCa spezifischen - von 95 % bzw. 96 % und einem 10-Jahres-Gesamtüberleben von 66 % bzw. 67 % bei vier- bzw. neunmonatiger hormonablativer Therapie gibt [565].
Der Nutzen der hormonablativen Therapie wurde auch bei einer RT-Dosis-Eskalation in der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) 22991 Studie von Bolla et al. untersucht: 819 Patienten (75 % Patienten mit intermediärem Risiko) wurden zwischen alleiniger Radiotherapie (70-78 Gy) und Radiotherapie plus hormonablativer Therapie (6 Monate LHRH-Agonist) randomisiert [574]. Fünfundzwanzig Prozent der Patienten erhielten 70 Gy, 50 % 74 Gy und 25 % 78 Gy. Insgesamt betrug das klinische Fünf-Jahres-krankheitsfreie Überleben 89 % für den Kombinationsarm und 81 % für den Radiotherapie Arm (HR 0,63; 95 % CI, 0,48 bis 0,84; p = 0,001) mit einem ähnlichen Effekt über alle drei Dosisgruppen hinweg. Die Gesamtüberlebens-Daten dieser Studie wurden nicht publiziert.
In der NRG Oncology/RTOG 0815 Phase-3-Studie wurden Patienten mit intermediärem Risiko nach dem Zufallsprinzip zwischen einer dosiseskalierten Strahlentherapie (79.2Gy (89%) bzw. 45Gy + Brachytherapie Boost (11%)) alleine oder in Kombination mit einer Kurzzeit-hormonablativen Therapie randomisiert. Die Kombinationstherapie geht mit einer signifikanten Verbesserung des biochemisch rezidivfreien (HR, 0,52; P <.001), metastasenfreien (HR, 0,25; P <.001) und prostataspezifischen Überlebens (HR, 0,10; P = .007) einher. Ein signifikanter Vorteil für das Gesamtüberleben (das war der primäre Endpunkt) zeigte sich bei einer Nachbeobachtungszeit von 6,3 Jahren bislang nicht (90 % bzw. 91 %; HR, 0,85; 95 % CI, 0,65 bis 1,11; P = .22) [575].
Hinsichtlich der optimalen Reihenfolge der ADT-Gabe wurde in einer randomisierten Phase-III-Studie kein signifikanter Unterschied zwischen der neoadjuvanten und der gleichzeitigen Einleitung einer 6-monatigen hormonablativen Therapie in Kombination mit einer dosiseskalierten Radiotherapie festgestellt [576]. Im Gegensatz zu diesem Ergebnis, konnte in einer post hoc-Metaanalyse, die individuelle Patientendaten aus zwei randomisierten Phase-III-Studien (Ottawa 0101 und RTOG 9413) einbezog, ein signifikant besseres progressionsfreies Überleben bei adjuvanter im Vergleich zur neoadjuvanten Anwendung von einer hormonablativen Therapie (15-Jahres- progressionsfreies Überleben, 29 % gegenüber 36 %) gezeigt werden [577]. Ebenso wurde in einer Metaanalyse von 12 randomisierten Studien eine signifikante Verbesserung des metastasenfreien Überlebens (10-Jahres-Nutzen 8,0 %, HR, 0,65; 95 % CI, 0,54-0,79; p < 0,0001), der prostatakrebsspezifischen Mortalität (HR, 0,30; 95 % CI, 0,16-0,54; p < 0,0001) und des Gesamtüberlebens (HR, 0,69; 95 % CI, 0,57-0,83; p = 0,0001) bei gleichzeitiger/adjuvanter hormonablativer Therapie im Vergleich zur neoadjuvanten/gleichzeitigen hormonablativen Therapie festgestellt [578]. Bei einer Stratifizierung der Patienten nach intermediärem und hohem Risiko war die statistische Aussagekraft nicht ausreichend, um die Wirkung der zeitlichen Abfolge des Einsatzes der hormonablativen Therapie in jeder Risikogruppe zu ermitteln. Es bleibt also unklar, ob Patienten mit intermediärem Risiko mehr von einer neoadjuvanten im Vergleich zu einer adjuvanten hormonablativen Therapie signifikant profitieren, daher sind beides mögliche Therapieoptionen.
In drei großen Hypofraktionierungsstudien wurden Patienten mit mittlerem Risiko [562], [579], [560] in unterschiedlicher Anzahl eingeschlossen. In der CHIPP-Studie wurden 3 bis 6 Monate einer hormonablativen Therapie für alle Patienten mit PCa des mittleren Risikos appliziert [562]. Siebenundzwanzig Prozent der Patienten in der HYPRO-Phase-3-Studie hatten ein Prostatakarzinom mit intermediärem Risiko, die hormonablative Therapie wurde nach Ermessen des Prüfarztes in der Regel leitliniengerecht verabreicht [579]. Im Gegensatz zu diesen Studien wurde in der PROFIT-Studie keiner der Patienten mit hormonablativer Therapie behandelt [560]. Alle drei Studien zeigten vergleichbare (nicht statistisch signifikant verschiedene) onkologische Ergebnisse für die Hypofraktionierung im Vergleich zur Normofraktionierung.
Stratifiziert man nach günstige (1 intermediärer Risikofaktor und International Society of Urological Pathology (ISUP) Grad Gruppe 2 und < 50 % positive Biopsiestanzen) gegenüber ungünstigen intermediärem Prostatakarzinom (2 intermediäre Risikofaktoren oder ISUP-Gradgruppe 3 oder mindestens 50 % positive Biopsiestanzen) nach NCCN, so ist beim Prostatakarzinom des günstigen intermediären Stadiums nach NCCN eine Radiotherapie ohne ADT möglich, die Bestätigung durch prospektiv randomisierte Studien steht jedoch noch aus.
Denn bislang weisen die vorhandenen Subgruppenanalysen darauf hin, dass bei Patienten mit hohem Progressionsrisiko der Nutzen einer hormonablativen Therapie deutlicher ausgeprägt ist.
Zusammenfassend zeigt sich, dass für Patienten mit Prostatakarzinom mit intermediärem Risikoprofil nach D‘Amico die Radiotherapie in Kombination mit einer Kurzzeit-hormonablativen Therapie (4-6 Monate) neoadjuvant oder adjuvant ein therapeutischer Standard ist. Sind bedingt durch Co-Morbiditäten Kontraindikationen zu einer hormonablativen Therapie vorhanden, kann auch eine alleinige definitive RT durchgeführt werden.
Hintergrundinformationen
Unter moderat hypofraktionierter Radiotherapie versteht man eine Behandlung mit höherer täglich Einzeldosis (2.4-3.4 Gy) bei niedrigerer Gesamtdosis und damit verkürzter Behandlungsdauer (20-30 Behandlungen). Im Gegensatz dazu ist die Normofraktionierung eine 7-8 Wochen dauernde Behandlung mit Einzeldosen von 1.8-2.0 Gy [580]. Inzwischen liegt eine umfangreiche Datenbasis vor (mehrere systematische Reviews von mehr als 10 randomisierten Studien), die die Gleichwertigkeit der onkologischen Endpunkte (Gesamtüberleben, krankheitsspezifisches Überleben und metastasenfreies Überleben) von beiden Fraktionierungsschemata bei lokal begrenztem Prostatakarzinom sowohl des intermediären als auch des hohen Risikoprofils belegt [566], [558], [581], [Sinzabakira, F et al. 2023].
Sowohl hinsichtlich der Akut- und der Spättoxizität kann bei Einsatz der moderaten Hypofraktionierung ein leicht erhöhtes Risiko nicht ausgeschlossen werden [558], [Sinzabakira, F et al. 2023], [David, R et al. 2023], [567]. Die Metaanalysen/systematischen Reviews zeigen jedoch kein einheitliches Bild:
Einerseits war die akute G2+-GI-Toxizität bis zu 6.3% höher bei der Hypofraktionierung [Sinzabakira, F et al. 2023]. Die späte G2+-GI-Toxizität war mit einem relativen Risiko von 1.05-1.12 (n.s.) bis 1.27 (CI 1.04-.1.55) leicht erhöht [566], [558]. Andererseits war die späte G2+-GU-Toxizität mit einem relativen Risiko von 1.05-1.12 vergleichbar oder nicht signifikant erhöht [566], [558].
Vergleichbare Unterschiede zeigten beim Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils die aktuell publizierten Langzeitdaten der NRG-RTOG 0415-Studie mit einer mehr als 10-jährigen medianen Nachbeobachtung: Gleichwertige onkologische Endpunkte bei leicht erhöhten späten Grad-2-Toxizitäten zuungunsten der Hypofraktionierung (ED 2.5 Gy, GD 70 Gy) (GI-G2+ 11.4 vs. 18.3% p=0.005; GU-G2+: 20.5 vs.26.2% p=0.009). Bei dieser Studie wurde zumeist die ältere 3-D-geplante Bestrahlung eingesetzt, die wichtigen Toxizitäten >= Grad 3 zeigten jedoch keine signifikanten Differenzen [Lee, WR et al. 2024].
Diese Daten können bei gleicher Technik und ähnlichem Zielvolumen als indirekte Evidenz für andere Stadien des lokal begrenzten PCa verwendet werden. Zusammengefasst haben sowohl die konventionelle Fraktionierung (Einzeldosis 1.8-2.0 Gy) als auch die moderate Hypofraktionierung ihre Berechtigung bei der Behandlung des intermediären Risikoprofils des PCa. Die moderate Hypofraktionierung weist zwar eine kürzere Behandlungszeit für die Patienten auf, dieser Nutzen wird jedoch wahrscheinlich von einer leicht erhöhten Toxizität begleitet. Es können daher beide Verfahren gleichermaßen empfohlen werden.
Hintergrundinformationen
Unter ultrahypofraktionierter Radiotherapie („extreme“ Hypofraktionierung) (UHF-RT) versteht man eine Behandlung mit deutlich höherer Einzeldosis bei Verkürzung der Gesamtbehandlungszeit auf ca. 2 Wochen mit den aktuell etablierten Therapieschemata (z.B. 5x7,25 bis 7x6.1 Gy dreimal bis fünfmal/Woche bis 35-42.7 Gy) [568], [569], [570], [571], [572], [548].
Bisher wurden Langzeitdaten von zwei randomisierten Studien, HYPO-RT [568], [569] und PACE-B [570], [571], [572], [548] zur extremen Hypofraktionierung publiziert. Bei der HYPO-RT-Studie, bei der vor allem Patienten (N= 1200) mit intermediärem Risikoprofil (90%) entweder normofraktioniert (ED 2 Gy GD 78 Gy) oder extrem hypofraktioniert jeden zweiten Tag (ED 6,1 Gy, GD 42,7 Gy) behandelt wurden, kam keine stereotaktische RT zum Einsatz, sondern zumeist die ältere, 3-D-geplante RT. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 5 Jahren betrug das „failure free survival“ 84% in beiden Armen (p>0,05). Die extreme Hypofraktionierung war jedoch mit einer signifikant erhöhten Akuttoxizität (v.a. GI) sowie einer erhöhten 1 Jahres GU-Toxizität verbunden, möglicherweise auch beeinflusst durch die alte Bestrahlungstechnik. Die Spättoxizitäten nach 5 Jahren waren gleich. Bei der PACE-B Studie [570], [571], [572], [548] wurden 874 Männer mit zumeist intermediärem Risikoprofil (91,6%) entweder in die normofraktionierte Standard-RT (ED 2 Gy GD 78 Gy oder 62 Gy in 20 Fraktionen) oder in eine stereotaktische RT (ED 7,25 Gy, GD 36,25 Gy mit simultan integrierten Boost auf 95% des CTV von 40 Gy entweder über 1 Woche oder 2 Wochen - SBRT) randomisiert. Die Auswertung hinsichtlich der 2-Jahres-Toxizitäten [572] zeigte höhere GU-Toxizitäten nach 2 Jahren für die extreme Fraktionierung (11 vs. 18% RTOG-G2+-GU Toxizität). Die Rate akuter G2+GU-Toxizitäten konvertierte auch in eine höhere Rate G2+-GU-Spättoxizitäten. Dieser Effekt zeigte sich ebenfalls bei vorbestehenden Symptomen (baseline) [572].
Bei der Auswertung mit einer medianen Nachbeobachtung von 74 Monaten wurde diese Entwicklung bestätigt [548]. Die Effektivität zeigte eine „Gleichwertigkeit“ („non inferiority“) für die biochemische oder klinische Kontrolle (95,8% versus 94,6%) (primärer Endpunkt). Allerdings zeigte sich eine signifikant höhere kumulative Rate der GU-Toxizität RTOG Grad >=2 zuungunsten der SBRT-Gruppe von 26,0% versus 18,3% in der Standardfraktionierung (p<0,001), jedoch nicht in der GI-Toxizität. Die 5-Jahres GU-Toxizität ergab keinen signifikanten Unterschied mehr. Dieser Effekt der höheren GU-Spättoxizität zeigte sich auch bei den Patienten, die eine höhere Akut-GU-Toxizität hatten (wie bereits bei der 2-Jahres-Analyse) sowie bei denen mit LUTS (lower urinary tract symptoms).
In beiden Studien wurde keine zusätzliche ADT appliziert. Daher fehlt auch ein Vergleich der (möglicherweise höheren) Effektivität der Kombination, der ansonsten der Standard in dieser Risikogruppe ist. Außerhalb von Studien sollte daher eine zusätzliche ADT von 4-6 Monaten eingesetzt werden.
In der Gesamtsumme der Daten beider randomisierten Phase-3 Studien kann selektionierten Patienten die extreme Hypofraktionierung analog der Dosierungen beider Studien angeboten werden. Vorsicht geboten ist bei Patienten mit einer Obstruktion und einer LUTS, diese Patienten sollen nicht mit einer extremen Hypofraktionierung behandelt werden.
Zu [6.30]
Der Stellenwert einer Protonentherapie bei lokal begrenztem und lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom wird schon seit längerem diskutiert. Mögliche Vorteile wären eine bessere Schonung von Risikoorganen um die Prostata (insbesondere Rektum und Harnblase), eine optimierte Plan-Homogenität im Zielvolumen sowie ein geringeres Risiko für Zweittumoren nach Strahlentherapie. Im Jahr 2008 kam ein Bericht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) auf der Grundlage einer systematischen Recherche zu dem Ergebnis, dass für die Protonentherapie noch keine ausreichenden Nutzenbelege für die Therapie beim Prostatakarzinom vorliegen [573].
Mit Beschluss vom September 2018 wurde die Aussetzung des Bewertungsverfahren im Hinblick auf noch laufende Studien verlängert [582]. Zum aktuellen Zeitpunkt (März 2025) liegen weiterhin keine ausreichenden Daten vor, die eine generelle Änderung dieser allgemeinen Feststellung rechtfertigen würden. Inzwischen wurde eine multizentrische, randomisierte Phase III Studie mit 144 eingeschlossenen Patienten veröffentlicht (NCT01230866), die nach noch kurzer Nachbeobachtungszeit (median 5 Jahre) eine sehr gute Freiheit von Therapieversagen nach zwei Jahren (100%) in beiden Behandlungsarmen (konventionelle vs. ultrahypofraktionierte Protonentherapie) bei insgesamt niedrigem Toxizitätsprofil (0-11%) zeigte [583]. Prospektiv erhobene Observationsstudien oder Phase I/II Studien mit meist moderat hypofraktionierter Protonentherapie (2,5 – 3,0 Gy Einzeldosis) kommen zu ähnlichen Ergebnissen [584], [585], [586], [587], [588]. In einer Propensity-Score-gematchten Kohorte mit knapp 4200 jüngeren Patienten (< 65 Jahren) und unterschiedlichsten Therapieverfahren (Protonen, IMRT, SBRT) ergab sich für die Protonen-Therapie im Vergleich zu einer IMRT-Bestrahlung ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen im Harntrakt (33 vs. 42% nach 2 Jahren) sowie für eine erektile Dysfunktion (21 vs. 28% nach 2 Jahren), dafür aber ein höheres Risiko für Darmbeschwerden (20 vs. 15% nach 2 Jahren) [589]. Eine retrospektive Analyse der National Cancer Data Base (NCDB) mit knapp 280.000 Patienten (> 95% T1 & T2-Tumore) identifizierte nach Propensity-Score-Matching erstmalig einen Überlebensvorteil (80,2% vs. 71,3%) zugunsten einer Protonentherapie im Vergleich zu einer perkutanen Photonenbehandlung [590]. Dieser Vorteil konnte in einer aktuellen Metaanalyse mit 160 Studien nicht reproduziert werden. Dennoch zeigte in dieser Auswertung die Protonentherapie eine geringere, höhergradige GI-Akuttoxizität (2% vs. 7%) sowie ein verbessertes biochemisches rezidivfreies Überleben nach 5 Jahren (95% vs. 91%) im Vergleich zur klassischen Photonentherapie [591].
Im Hinblick auf die bestehende Evidenzlage mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen für das lokal begrenzte PCa des intermediären und des hohen Risikoprofils sind die finalen Ergebnisse prospektiver Studien, wie beispielsweise COMPPARE (NCT03561220) sowie PARTIQoL (NCT01617161), abzuwarten, ehe abschließende Empfehlungen verfasst werden können.
6.3.3.2 Perkutane Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des hohen Risikoprofils
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils soll eine perkutane Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2+
1+ - Konsens
- Starker Konsens (98,2%)
- Literatur
- [485] [592] [473]
Änderungshinweis
Die perkutane Strahlentherapie ist eine primäre Therapieoption beim lokal begrenzten Prostatakarzinom aller Risikogruppen. (modifiziert 2018)Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils sollen zusätzlich zur perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine adjuvante hormonablative Therapie erhalten.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [593]
Änderungshinweis
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils sollen zusätzlich zur perkutanen Strahlentherapie eine adjuvante hormonablative Therapie erhalten. Diese kann bis zu 6 Monate vor der Strahlentherapie beginnen. (modifiziert 2018)Die hormonablative Therapie soll 24 bis 36 Monate dauern. Diese kann bis zu 6 Monate vor der Strahlentherapie beginnen.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (98,1%)
- Literatur
- [594] [595] [596] [597]
Änderungshinweis
Die hormonablative Therapie soll mindestens 24 Monate, besser 36 Monate dauern. (modifiziert 2018)Die Entscheidung über die Dauer der hormonablativen Therapie soll individuell in Abhängigkeit von Komorbidität und Verträglichkeit getroffen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Die Entscheidung über die Dauer der hormonablativen Therapie soll individuell in Abhängigkeit von Komorbidität und Verträglichkeit getroffen werden. (modifiziert 2018)Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils soll eine Standardfraktionierung (74 Gy bis 80 Gy) oder eine moderate Hypofraktionierung (z. B. 3,0 Gy / 60,0 Gy; 2,5 Gy / 70,0 Gy) angeboten werden.
Zusätzlich soll eine Androgendeprivationstherapie von 24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (95,9%)
- Literatur
- [567]
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils können mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit integrierter Dosiserhöhung der dominanten intraprostatischen Läsion in der mpMRT (analog FLAME-Studie) bestrahlt werden.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [598]
Zusätzlich soll eine Androgendeprivationstherapie von 24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (96,1%)
- Literatur
- [567]
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils besteht kein Hinweis auf einen patientenrelevanten Vorteil der Protonentherapie im Vergleich zur Photonentherapie (IMRT + IGRT).
- Evidenzlevel
- 2+
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [573]
Hintergrundinformationen
Durch eine kombinierte Behandlung aus Radiotherapie mit hormonablativer Therapie im Vergleich zur alleinigen Radiotherapie wird bei Patienten mit lokal begrenztem PCa des Hochrisikoprofils eine signifikante Verbesserung des Gesamt- und prostataspezifischen Überlebens erreicht: In der EORTC-Studie 22863 wurden Patienten mit T1-2 und schlecht differenziertem Prostatakarzinom oder T3-4 Prostatakarzinom jeglichen histologischen Grades zwischen alleiniger Radiotherapie (50 Gy der pelvinen LAW und Boost von 20 Gy der Prostata und Samenblasen) sowie Radiotherapie plus 3 Jahre hormonablativer Therapie randomisiert. Die Kombinationstherapie führte zu einer signifikanten Verbesserung des 10-Jahres-krankheitsfreien (48 % vs. 23 %) und auch des Gesamtüberlebens (58 % vs. 40 %) [593]. Insgesamt wurde ein Vorteil für das Gesamtüberleben bei der Langzeit- gegenüber der Kurzzeittherapie gesehen: In der RTOG 9202 Studie wurden 1554 Patienten mit T2c -T4 und PSA < 150 ng/ml zwischen neoadjuvanter und gleichzeitiger Kurzzeit-hormonablativer Therapie (4 Monate Goserelin und Flutamid) und Radiotherapie (44-46 Gy der LAW des Beckens und 65-70 Gy Boost der Prostata) oder Langzeit-hormonablativer Therapie für 28 Monate und gleicher Radiotherapie randomisiert [594]. Nach 19,6 Jahren medianer Nachbeobachtungszeit ergab sich für die Langzeit-hormonablative Therapie ein relativer Benefit von 30% des prostataspezifischen und einen relativen Benefit von 12 % des Gesamtüberlebens [595].
In der EORTC 22961-Studie wurden 970 Patienten mit cT2c- 4 oder N1 und PSA < 150 ng/ml zwischen einer kurzzeitigen hormonablativen Therapie (6 Monate Triptorelin) plus Radiotherapie (50 Gy der LAW des Beckens sowie Boost der Prostata mit 70 Gy) und einer Langzeit-hormonablativen Therapie (36 Monate) plus Radiotherapie randomisiert. Diese Studie bestätigte eine signifikant niedrigere 5-Jahres-Gesamt-Mortalität (15,2 % gegenüber 19,0 %; HR 1,42 (obere 95,71 % Konfidenzgrenze, 1,79; P = 0,65 für Nichtunterlegenheit) sowie Prostatakarzinom-spezifische Sterblichkeit 3,2 % (95 % CI, 1,6 bis 4,8) gegenüber 4,7 % (95 % CI, 2,7 bis 6,7; HR, 1,71 [95 % CI, 1,14 bis 2,57]; p = 0,002) für die kombinierte Langzeitbehandlung [596]. Nabid et al. versuchten ein kürzeres hormonablatives Schema zu etablieren, indem sie Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko- (76 %) oder lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom (24 %) zwischen einer mittel- (18 Monate) und langfristigen hormonablativen Therapie (36 Monate) plus Becken- (44 Gy) und Prostata-Radiotherapie (70 Gy) randomisierten [597]. Insgesamt gab es keinen signifikanten Unterschied beim 5-Jahres-Gesamtüberleben (91 % für Langzeitarm vs. 86 % für Kurzzeitarm, p = 0,07). Diese Ergebnisse werden jedoch dadurch eingeschränkt, dass die Wirkung der Langzeit hormonablativen Therapie durch die schlechte Therapieadhärenz (53 %) in der 36-monatigen Gruppe abgeschwächt wurde. Im Vergleich hierzu hatten von den 487 Patienten, die in der EORTC-22961-Studie der Langzeit hormonablativen Therapie zugewiesen waren, 349 (71,7 %) die kompletten 3-Jahre abgeschlossen [596].
Der Überlebensvorteil der Langzeit-hormonablativen Therapie bleibt auch bei einer Dosis-Eskalation erhalten: Zapatero et al. randomisierten 355 Patienten mit intermediärem (47 %) oder Hochrisiko-Prostatakarzinom (53 %) (cT1c-cT3aN0M0 und PSA < 100 ng/ml) zwischen einer neoadjuvanten und gleichzeitigen Kurzzeit hormonablativen Therapie (4 Monate) und Langzeit-hormonablativen Therapie (28 Monate) mit jeweils dosis-eskalierter Radiotherapie (76-82 Gy) [599]. Insgesamt war das 5-Jahres-Gesamtüberleben der Langzeit- hormonablativen Gruppe signifikant besser (95 % gegenüber 86 %, p<0.05)). Bei einer Stratifizierung nach Risikogruppen war der Vorteil der Langzeit hormonablativen Therapie beim Gesamtüberleben signifikant bei den Hochrisikopatienten, nicht aber bei Patienten mit intermediärer Erkrankung vorhanden.
In Hinblick auf die moderate hypofraktionierte Radiotherapie bei Prostatakarzinom-Patienten mit hohem Risiko führten alle verfügbaren Studien eine Radiotherapie mit zusätzlicher hormonablativer Therapie mit einer unterschiedlichen medianen Dauer von 9-32 Monaten und einem unterschiedlichen Anteil der Patienten (67 % - 100 %) durch. Insgesamt wurde weder in der HYPRO-Studie noch in der Studie von Arcangeli et al. ein signifikanter Unterschied in den onkologischen Ergebnissen zwischen Hypo- und Normofraktionierung festgestellt [600], [601].
Dies wurde auch kürzlich, allerdings im Rahmen einer post-hoc-Analyse von dem MARCAP-Konsortium (Individual Patient Data Meta- Analysis of Randomised Trials in Cancer of the Prostate) in einer Meta-Analyse von Studien mit individuellen Patientendaten und dem primären Endpunkt metastasenfreien Überleben, einem validierten Surrogat für das Gesamtüberleben, bestätigt: Es wurden 12 Studien mit 10853 Patienten einbezogen. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug über 11 Jahre. Der Einsatz der hormonablativen Therapie war eindeutig mit einer signifikanten Verbesserung des biochemisch rezidiv-, metastasenfreien und des Gesamtüberlebens verbunden. Der Nutzen der hormonablativen Therapie war unabhängig von der Radiotherapie-Dosis, dem Alter und den eingeschlossenen Risikogruppen (NCCN ungünstiges intermediäres Risiko, hohes Risiko und lokal fortgeschrittene Erkrankung) [567].
Es lässt sich zusammenfassen, dass eine langfristige hormonablative Therapie über 2 bis 3 Jahre sowohl bei der dosiseskalierten als auch bei der moderat hypofraktionierten Radiotherapie durchgeführt werden soll. Die Dauer der hormonablativen Therapie soll den klinischen Status, die Komorbiditäten und die Anzahl schlechter prognostischer Faktoren berücksichtigen um individuell patientenadaptiert zu behandeln.
Unter moderat hypofraktionierter Radiotherapie versteht man eine Behandlung mit höherer täglich Einzeldosis (2.4-3.4 Gy) bei niedrigerer Gesamtdosis und damit verkürzter Behandlungsdauer (20-30 Behandlungen). Im Gegensatz dazu ist die Normofraktionierung eine 7-8 Wochen dauernde Behandlung mit Einzeldosen von 1.8-2.0 Gy [580].
Inzwischen liegt eine umfangreiche Datenbasis vor (mehrere systematische Reviews von mehr als 10 randomisierten Studien), die die Gleichwertigkeit der onkologischen Endpunkte (Gesamtüberleben, krankheitsspezifisches Überleben und metastasenfreies Überleben) von beiden Fraktionierungsschemata bei lokal begrenztem Prostatakarzinom sowohl des intermediären als auch des hohen Risikoprofils belegt [566], [558], [581], [Sinzabakira, F et al. 2023].
Sowohl hinsichtlich der Akut- und der Spättoxizität kann bei Einsatz der moderaten Hypofraktionierung ein leicht erhöhtes Risiko nicht ausgeschlossen werden [558], [Sinzabakira, F et al. 2023], [David, R et al. 2023], [567]. Die Metaanalysen/systematischen Reviews zeigen jedoch kein einheitliches Bild:
Einerseits war die akute G2+-GI-Toxizität bis zu 6.3% höher bei der Hypofraktionierung [Sinzabakira, F et al. 2023]. Die späte G2+-GI-Toxizität war mit einem relativem Risiko von 1.05-1.12 (n.s.) bis 1.27 (CI 1.04-.1.55) leicht erhöht [566], [558]. Andererseits war die späte G2+-GU-Toxizität mit einem relativem Risiko von 1.05-1.12 vergleichbar oder nicht signifikant erhöht [566], [558].
Vergleichbare Unterschiede zeigten beim Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils die aktuell publizierten Langzeitdaten der NRG-RTOG 0415-Studie mit einer mehr als 10-jährigen medianen Nachbeobachtung: Gleichwertige onkologische Endpunkte bei leicht erhöhten späten Grad-2-Toxizitäten zuungunsten der Hypofraktionierung (ED 2.5 Gy, GD 70 Gy) (GI-G2+ 11.4 vs. 18.3% p=0.005; GU-G2+: 20.5 vs.26.2% p=0.009). Bei dieser Studie wurde zumeist die ältere 3-D-geplante Bestrahlung eingesetzt, die wichtigen Toxizitäten >= Grad 3 zeigten jedoch keine signifikanten Differenzen [Lee, WR et al. 2024].
Zwei aktuell publizierte randomisierte Studien wurden von den bereits (Abschnitt intermediäres Risikoprofil) genannten Metaanalysen/systematischen Reviews (mit Patienten bei lokal begrenztem intermediären- und Hochrisiko-Profil) nicht erfasst. In beiden Studien wurden die Lymphabflusswege normofraktioniert mitbehandelt und eine Langzeit-ADT appliziert:
Glicksman et al. zeigte in einer kleinen randomisierten Phase 2-Studie (180 Patienten) mit 67 Monaten Nachbeobachtung keine signifikant unterschiedlichen onkologischen Ergebnisse aber eine etwas erhöhte G3-GI-Toxizität nach 2 und 5 Jahren (2.4% vs. 8.3% und 2.4% vs.13.5%; p=0.01) zuungunsten der moderaten Hypofraktionierung (Lymphabflusswege/Prostata-Stereotaktische intensitätsmodulierte Bestrahlung mit 48/68 Gy in 25 Fraktionen) im Vergleich zu einer Normofraktionierung [Glicksman, RM et al. 2024].
Niyazi et al. zeigte in der PCS-5-Studie (randomisierte Phase 3) mit 2 Jahren Nachbeobachtung bei der Toxizitätsanalyse keine signifikanten Unterschiede bei 329 Hochrisiko-Pat. mit moderater Hypofraktionierung (Lymphabflusswege/Prostata-Stereotaktische intensitätsmodulierte Bestrahlung mit 48/68 Gy in 25 Fraktionen) vs. Standardfraktionierung (76 Gy GD, 2 Gy ED). Die Nebenwirkungsraten waren insgesamt niedrig (Akut-GI-G2-Toxizität 22 vs. 37 Ereignisse zu Ungunsten der Hypofraktionierung, p=0.031; GU-G2-Spättoxizität mit 3 vs.11 Ereignissen zu Ungunsten der Normfraktionierung; p=0.035) [Niazi, T et al. 2024].
Auch die Effektivitätsanalyse ergab keinen signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben (90,3% vs. 89,7%), im karzinomspezifischen Überleben (97,4% vs. 97,5%) oder dem metastasenfreien Überleben 87,1% vs. 87,1% (alle p>0,05) [602].
Zusammengefasst haben sowohl mit höchster Evidenz die konventionelle Fraktionierung (Einzeldosis 1.8-2.0 Gy) als auch die moderate Hypofraktionierung ihre Berechtigung bei der Behandlung des lokal begrenzten hohen Risikoprofils. Die moderate Hypofraktionierung weist zwar eine kürzere Behandlungszeit für die Patienten auf, dieser Nutzen wird jedoch wahrscheinlich von einer leicht erhöhten Toxizität begleitet. Es können daher beide Verfahren gleichermaßen empfohlen werden.
Das Konzept einer fokalen Eskalation der Bestrahlungsdosis auf den in der mpMRT sichtbaren intraprostatischen Tumor wurde in der randomisiert-kontrollierten Phase III FLAME-Studie mit 571 Patienten des mittleren (16%) und hohen (84%) Risikoprofils getestet [598]. Die Patienten wurden in zwei Therapiearme randomisiert: der Standard Arm erhielt eine Gesamtdosis von 77 Gy in 35 Fraktionen von 2,2 Gy (gesamte Prostata). Der experimentelle Arm erhielt dieselbe Dosis plus eine fokal-simultane Dosiseskalation der dominanten Tumorläsion in der mpMRT bis zu 95 Gy. Die applizierte Bestrahlungsdosis der Risikoorgane Harnblase und Rektum u.a. war von höchster Priorität für die Bestrahlungsplanung (“Dose constraints”), sodass die mediane applizierte Dosis auf das Tumorvolumen i 91.9 Gy ± 3.6 Gy betrug. Zusätzlich erhielten 65 % der Patienten in beiden Gruppen eine Androgendeprivationstherapie mit einer Dauer von 6-36 Monaten unter der Verantwortung des jeweiligen Studienzentrums nach gültiger EAU-Leitlinie.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 72 Monaten zeigte sich eine signifikante Verbesserung des primären Endpunkts, des biochemisch progressionsfreien Überlebens (HR: 0,45; 95 % CI: 0,28–0,71; p < 0,001). Darüber hinaus verringerte die fokale Dosiseskalation die Rate an Lokalrezidiven (HR: 0,33) und erhöhte die Rate des metastasenfreien Überlebens (HR: 0,58) innerhalb von 72 Monaten nach fokaler Strahlentherapie signifikant [Groen, VH et al. 2022]. Hinsichtlich später GU- oder GI-Toxizitäten des Grades ≥ 2 wurde kein signifikanter Unterschied berichtet (Standardarm: 23 % (GU) und 12% (GI), experimenteller Arm 28 % (GU) und 13 % (GI). Bei der GU-Toxizität Grad ≥ 3 lagen diese Werte bei 5,6 % und 3,5 % (p > 0,05) für den experimentellen und den Standardarm. Auf Grund der beobachteten Differenz und dem Trend zu einer erhöhten Rate an späten Grad ≥ 3 Toxizitäten, ist eine längere Nachbeobachtungszeit erforderlich, um eine stärkere Empfehlung für eine fokale Dosiseskalation bei Patienten des hohen Risikoprofils geben zu können. Die aktuelle Empfehlung wurde daher trotz der Daten auf “kann” limitiert [598].
In einem systematischen Review mit anschließender Metaanalyse wurden 17 Studien (1290 Patienten) zur fokalen Dosiseskalation unter Verwendung eines konventionellen Fraktionierungsschemas untersucht [603]. Alle Studien berichteten von einer guten Verträglichkeit, mit geschätzten Raten von 7,5 %/7,0 % und 0,1 %/0,2 für akute/späte kumulative gastrointestinale Nebenwirkungen vom Grad ≥2 und Grad ≥3. Die geschätzte Rate für akute/späte urogenitale Toxizitäten vom Grad ≥2 und Grad ≥3 lagen bei 29,5 %/16,0 % und 0,4 %/1,3 %. Unter alleiniger Einbeziehung von Studien (n=5) mit einer Nachbeobachtungszeit von über 5 Jahren lag das biochemische progressionsfreie Überleben bei 92,4 % (95 % KI 84,5–97,7 %). Die Rolle der fokalen Dosiseskalation bei der Anwendung einer moderaten oder extremen Hypofraktionierung wird derzeit in prospektiven Phase II und Phase III Studien untersucht.
Zu [6.39]
Der Stellenwert einer Protonentherapie bei lokal begrenztem und lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom wird schon seit längerem diskutiert. Mögliche Vorteile wären eine bessere Schonung von Risikoorganen um die Prostata (insbesondere Rektum und Harnblase), eine optimierte Plan-Homogenität im Zielvolumen sowie ein geringeres Risiko für Zweittumoren nach Strahlentherapie. Im Jahr 2008 kam ein Bericht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) auf der Grundlage einer systematischen Recherche zu dem Ergebnis, dass für die Protonentherapie noch keine ausreichenden Nutzenbelege für die Therapie beim Prostatakarzinom vorliegen [573]. Mit Beschluss vom September 2018 wurde die Aussetzung des Bewertungsverfahren im Hinblick auf noch laufende Studien verlängert [582]. Zum aktuellen Zeitpunkt (März 2025) liegen weiterhin keine ausreichenden Daten vor, die eine generelle Änderung dieser allgemeinen Feststellung rechtfertigen würden. Inzwischen wurde eine multizentrische, randomisierte Phase III Studie mit 144 eingeschlossenen Patienten veröffentlicht (NCT01230866), die nach noch kurzer Nachbeobachtungszeit (median 5 Jahre) eine sehr gute Freiheit von Therapieversagen nach zwei Jahren (100%) in beiden Behandlungsarmen (konventionelle vs. ultrahypofraktionierte Protonentherapie) bei insgesamt niedrigem Toxizitätsprofil (0-11%) zeigte [583]. Prospektiv erhobene Observationsstudien oder Phase I/II Studien mit meist moderat hypofraktionierter Protonentherapie (2,5 – 3,0 Gy Einzeldosis) kommen zu ähnlichen Ergebnissen [583], [584], [585], [586], [587]. In einer Propensity-Score-gematchten Kohorte mit knapp 4200 jüngeren Patienten (< 65 Jahren) und unterschiedlichsten Therapieverfahren (Protonen, IMRT, SBRT) ergab sich für die Protonen-Therapie im Vergleich zu einer IMRT-Bestrahlung ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen im Harntrakt (33 vs. 42% nach 2 Jahren) sowie für eine erektile Dysfunktion (21 vs. 28% nach 2 Jahren), dafür aber ein höheres Risiko für Darmbeschwerden (20 vs. 15% nach 2 Jahren) [588]. Eine retrospektive Analyse der National Cancer Data Base (NCDB) mit knapp 280.000 Patienten (> 95% T1 & T2-Tumore) identifizierte nach Propensity-Score-Matching erstmalig einen Überlebensvorteil (80,2% vs. 71,3%) zugunsten einer Protonentherapie im Vergleich zu einer perkutanen Photonenbehandlung [589].
Dieser Vorteil konnte in einer aktuellen Metaanalyse mit 160 Studien nicht reproduziert werden. Dennoch zeigte in dieser Auswertung die Protonentherapie eine geringere, höhergradige GI-Akuttoxizität (2% vs. 7%) sowie ein verbessertes biochemisches Rezidiv-freies Überleben nach 5 Jahren (95% vs. 91%) im Vergleich zur klassischen Photonentherapie [590].
Im Hinblick auf die bestehende Evidenzlage mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen für das lokal begrenzte PCa des intermediären und des hohen Risikoprofils sind die finalen Ergebnisse prospektiver Studien, wie beispielsweise COMPPARE (NCT03561220) sowie PARTIQoL (NCT01617161), abzuwarten, ehe abschließende Empfehlungen verfasst werden können.
6.3.4 Brachytherapie
LDR-Brachytherapie (Low-Dose-Rate-Brachytherapie)
Bei der LDR-Brachytherapie (auch Permanent Seed Implantation genannt) werden kleine radioaktive Seeds (Jod-125 oder Palladium-103) einmalig in die Prostata eingebracht, die über Wochen bis Monate kontinuierlich Strahlung abgeben. Die LDR-Brachytherapie kann sowohl als Monotherapie als auch als Kombinationstherapie eingesetzt werden (siehe auch bei den einzelnen Risikogruppen). Die empfohlenen Dosisverteilungen, die Grenzdosen für angrenzende gesunde Organe und die Empfehlungen zur Nebenwirkungsdokumentation können publizierten Leitlinien entnommen werden (s. oben) [604], [605], [606]. Maßnahmen der Qualitätssicherung sind nach dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses vorgeschrieben [607].
HDR-Brachytherapie (High-Dose-Rate-Brachytherapie)
Bei der HDR-Brachytherapie wird im Sinne einer Afterloading-Technik über mehrere transperineal implantierte Hohlnadeln ein umschlossener Strahlenträger vorübergehend in die Prostata eingebracht.
Die Hochdosis-Brachytherapie kann in einer oder mehreren Fraktionen durchgeführt werden und wird häufig mit einer EBRT von mindestens 45 Gy mit konventioneller Fraktionierung kombiniert [608]. Sie kann auch mit einer hypofraktionierten perkutanen Bestrahlung kombiniert werden [609]. Die HDR-Brachytherapie wird hauptsächlich als Methode zur Dosiseskalation eingesetzt.
Die HDR-Monotherapie mit nur einer Fraktion von 19 Gy soll nicht eingesetzt werden, da sie im Vergleich zur fraktionierten HDR-Monotherapie schlechtere biochemische Kontrollraten aufweist [604], [610].
Tabelle 17: Allgemeine Unterschiede zwischen LDR- und HDR-Brachytherapie
| Prostata-Brachytherapie-Verfahren | Technische und patientenbezogene Unterschiede |
| Niedrige Dosisleistung (LDR) |
|
| Hohe Dosisleistung (HDR) |
|
Patientenauswahl
Um urogenitale (UG)-Toxizitäten zu vermeiden, sollten die Patienten auf ihre Eignung hin untersucht werden. Entsprechend der Empfehlungen der American Brachytherapy Society (ABS) und Groupe Européen de Curietherapie und European Society for Radiotherapy (GEC-Estro) sind Patienten mit einem IPSS-Score kleiner <15, einem Prostatavolumen von ≤60 ml, einem maximalen Urinfluss Qmax >15 ml/s und einem Restharn <100 ml geeignet [605], [611], [612], [604]. Prostatae mit größerem Volumen sind technisch schwieriger zu implantieren und bergen das Risiko einer unzureichenden Dosisabdeckung und einer erhöhten UG-Toxizität wenn präinterventionell bereits irritative oder obstruktive Beschwerden vorliegen.
Patienten, bei denen zuvor eine TURP mit geringem Defekt der zentralen Zone durchgeführt wurde, können eine Brachytherapie erhalten, ohne dass sich das Risiko einer UG-Toxizität erhöht. Ein Gewebesaum von mindestens 1 cm Prostatagewebe um den post-TURP Defekt und an den posterolateralen Seiten der Prostata wird empfohlen. Zwischen TURP und Brachytherapie sollte ein Intervall von mindestens 3 Monaten liegen [613], [614].
Durchführung der Implantation
Die Implantation der Seeds bzw. der temporären Strahlenträger erfolgt überwiegend in Regionalanästhesie (bevorzugt Spinalanästhesie) oder Vollnarkose während eines kurzen stationären Aufenthaltes oder ambulant. Die Operation wird in Steinschnittlage durchgeführt und die Implantation der Hohlnadeln (HDR) oder Seeds erfolgt transperineal in der Regel unter Template-basierter TRUS und/oder seltener unter Bildwandlerkontrolle. Zur besseren Sicht und damit zur Schonung der Harnröhre wird zu Beginn ein Blasenkatheter eingelegt. Dieser kann am/nach Ende des Eingriffs entfernt werden.
Im Rahmen der LDR-Brachytherapie ist nach 4-6 Wochen eine CT-Untersuchung zur Qualitätskontrolle und Postimplantationsdosimetrie empfohlen. Die empfohlenen Dosisverordnungen und Einschränkungen für Risikoorgane basieren auf den Richtlinien der Arbeitsgruppen der ABS und GEC-ESTRO [604], [605].
Toxizität/Nebenwirkungen
Beide Methoden haben spezifische Toxizitätsprofile, die von individuellen Faktoren des Patienten, der Dosis und der Technik abhängen. Die Nebenwirkungen lassen sich in akute und späte Toxizität unterteilen, deren Schwere und Häufigkeit je nach Therapieform variieren.
Während die LDR-Brachytherapie in der Regel mildere und länger anhaltende akute Nebenwirkungen verursacht, treten bei der HDR-Brachytherapie intensivere akute Toxizität auf, die jedoch schneller abklingen. Spättoxizität, insbesondere der erektilen Funktion und der Harnwege, sind bei beiden Therapien möglich, wobei die Kombinationstherapien ein höheres Komplikationsrisiko aufweisen.
Drei systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass die urogenitale Toxizität bei der Brachytherapie erhöht sein kann, insbesondere bei der kombinierten Tele-Brachytherapie [Moris, L et al. 2020], [Li, X et al. 2023]. Insbesondere ist das Risiko für Urethrastrikturen erhöht. In der Analyse von Awad betrug das Risiko 4,9 % für EBRT + Brachytherapie vs. 1,5 % für EBRT und 1,9 % für Brachytherapie allein [615].
In einem systematischen Review von Zhang (2020) wurde die urogenitale Inkontinenz zwischen radikaler Prostatektomie und Brachytherapie verglichen. Tendenziell zeigte sich eine geringere Belastungsinkontinenz bei verbesserter Sexualfunktion für die Brachytherapie. Eine Unterscheidung zwischen LDR- und HDR-Brachytherapie wurde in der Übersichtsarbeit nicht vorgenommen. Kritisch anzumerken ist, dass die Datenqualität der untersuchten Studien mittelmäßig war und die gastrointestinale (GI)-Toxizität nicht analysiert wurde [Zhang, P et al. 2020].
In den randomisierten Studien finden sich hinsichtlich der therapieassoziierten Nebenwirkungen divergierende Ergebnisse im Vergleich von LDR-Brachytherapie und Prostatektomie bezüglich Harninkontinenz, erektiler Dysfunktion und irritativer Miktionsbeschwerden. Diese Ergebnisse sind jedoch schwer zu bewerten, da die genannten Studien entweder vorzeitig abgebrochen wurden oder unterschiedliche Operationsverfahren (retropubische versus roboterassistierte Prostatektomie) durchgeführt wurden.
Die Ergebnisse prospektiver und retrospektiver Studien wurden in systematischen Übersichtsarbeiten zusammengefasst und hinsichtlich urogenitaler und gastrointestinaler Nebenwirkungen sowie der Lebensqualität analysiert. Sie ergaben weniger Belastungsinkontinenz und erektile Dysfunktion nach LDR-Brachytherapie im Vergleich zur Operation und mehr irritative Miktionsprobleme, aber weniger Darmprobleme im Vergleich zur perkutanen Strahlentherapie [615], [616], [617], [618]. Nachteile bezüglich der Lebensqualität sind für die Brachytherapie vorübergehend und nach 5 Jahren nicht mehr nachweisbar [618]. Im Vergleich zur intensitätsmodulierten perkutanen Strahlentherapie sind die Unterschiede der LDR-Brachytherapie bezüglich gastrointestinaler und urogenitaler Akut- und Spättoxizitäten gering [618].
Dabei ist zu beachten, dass die Häufigkeit akuter Nebenwirkungen höher ist als die der Spätfolgen, d. h. die meisten akuten Nebenwirkungen klingen ab. In der NRG-0232 Studie war die Inzidenz einer akuten Proktitis in der Brachytherapie-Gruppe im Vergleich zur perkutanen Strahlentherapie geringer, andere akute Toxizitäten waren jedoch gleich [619].
Daten zur urogenitalen und gastrointestinalen Spätfolgen der HDR-Brachytherapie bestätigen niedrigere Raten gastrointestinaler Toxizität im Vergleich zur alleinigen EBRT und Grad 3 Toxizität bei 10 %, aber eine höhere Inzidenz von Harnretention [609]. In einer kleinen randomisierten Phase 2 Studie [610] lag der Anteil der Patienten mit späten Grad 3+ geniturinäre (GU)-Toxizitätsraten <5 % und keinen oder sehr geringen Grad 3+ GI-Toxizitätsraten.
In der TROG 03.04 RADAR-Studie hatten Patienten, die mit EBRT + HDR-Brachytherapie Boost behandelt wurden, einen vorübergehenden, um 3 Punkte höheren IPSS-Score als Patienten, die nur mit EBRT behandelt wurden.
Die Rate an urethralen Strikuren lag bei 12 vs. 1-4 % (EBRT + HDR-Brachytherapie-Boost vs. EBRT 66-74 Gy) nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,4 Jahren. Die rektale Toxizität war im Kombinationsarm geringer als im reinen EBRT-Arm [620].
6.3.4.1 Brachytherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des intermediären Risikoprofils
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des günstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN) soll eine LDR-Brachytherapie angeboten werden.
Die LDR-Brachytherapie soll bei lokal begrenztem Prostatakarzinom des günstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN) als Monotherapie (ohne perkutane Strahlentherapie) durchgeführt werden.
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des ungünstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN) sollte ein LDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [623] [624]
Änderungshinweis
Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom der intermediären bzw. hohen Risikogruppe kann eine primäre kombinierte perkutane Bestrahlung plus LDR/HDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer Kurzzeit- bzw. Langzeit-Androgendeprivationstherapie (ADT) durchgeführt werden. (Empfehlungsgrad: 0) (modifiziert März 2021)Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform verbundene signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden. (Empfehlungsgrad: A) (modifiziert März 2021)Eine Androgendeprivationstherapie soll bei Einsatz der Brachytherapie analog zu den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 4-6 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2+
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [619] [625]
Änderungshinweis
Eine Androgendeprivationstherapie (ADT) soll bei Einsatz der Brachytherapie analog zu den Empfehlungen bei der perkutanen Strahlentherapie eingesetzt werden. (Empfehlungsgrad: A) (modifiziert März 2021)Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils sollte eine HDR Brachytherapie, kombiniert mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT), angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1+
3 - Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [609] [626]
Änderungshinweis
Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom der intermediären bzw. hohen Risikogruppe kann eine primäre kombinierte perkutane Bestrahlung plus LDR/HDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer Kurzzeit- bzw. Langzeit-Androgendeprivationstherapie (ADT) durchgeführt werden. (Empfehlungsgrad: 0) (modifiziert 2021)Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Änderungshinweis
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform verbundene signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden. (Empfehlungsgrad: A) (modifiziert 2021)Eine Androgendeprivationstherapie (4-6-Monate) soll bei Einsatz der HDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie eingesetzt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Eine Androgendeprivationstherapie (ADT) soll bei Einsatz der Brachytherapie analog zu den Empfehlungen bei der perkutanen Strahlentherapie eingesetzt werden. (Empfehlungsgrad: A) (modifiziert 2021)Hintergrundinformationen zu [6.40] und [6.41]
LDR-Brachytherapie bei Patienten des günstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN)
Die Low-Dose-Brachytherapie ist eine alternative kurative Therapie zur radikalen Prostatektomie und perkutanen Strahlentherapie für Patienten mit Prostatakarzinom des günstigen intermediären Risikoprofils (NCCN).
Die Empfehlung gründet auf 3 randomisierten Studien. Neben der NRG-RTOG-0232 Studie liegt eine gepoolte Auswertung aus 2 randomisierten monozentrischen Studien (44/20 und 20/0 Studie) [619], [627], [628].
Die randomisierte Phase 3 NRG-Oncology-RTOG-Studie 0232 [619] verglich eine LDR-Monotherapie mit einer kombinierten LDR-Brachytherapie und zusätzlicher perkutaner Bestrahlung bei 588 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils. Dabei hatten die Patienten mit Gleason-Summe 6 einen PSA-Wert von 10-20 ng/ml (10,8 % der Patienten) und jene mit Gleason-Summe 7 einen PSA-Wert von <10 ng/ml (89,2 % der Patienten). Die Studie war als Überlegenheitsstudie für die kombinierte Therapie mit einem angenommenen Vorteil von 12 % geplant. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 12,1 Jahren wurde weder ein signifikanter Unterschied des primären Endpunktes Freiheit von Progression noch der sekundären Endpunkte biochemisches Versagen, krankheitsspezifische Mortalität, lokale Progression, Fernmetastasen, Toxizität oder Lebensqualität gefunden. Die Studie zeigte für keinen Endpunkt eine Verbesserung der Kombinationstherapie und ist somit negativ im Sinne des Studienziels. In einer post-hoc Analyse, aufgetrennt nach Patienten mit einem günstigen intermediären Profil der ISUP Gruppe 2 (n= 413) versus ISUP-Gruppe 3 (n=103) und einem PSA <10 ng/ml für beide Gruppen zeigte sich auch hier kein Unterschied in der Freiheit von einer Progression.
In den beiden monozentrischen randomisierten Studien „44/20“ und „20/0“ wurden die Kombination aus perkutaner Strahlentherapie mit 2 unterschiedlichen Dosisstufen (44 Gy und 20 Gy) mit einem LDR-Brachytherapie Boost und in der zweiten Studie (20/0) die Kombinationstherapie mit der LDR-Monotherapie untersucht. In einer gepoolten Analyse der beiden Studien (n=630) wurden die Patienten getrennt nach günstigem (n=294), ungünstigem intermediären (n=290) und hohem Risiko (n=46) ausgewertet. Patienten in der günstigen intermediären Gruppe hatten im Vergleich zu den anderen Risikogruppen ein verbessertes Outcome, unabhängig ob zusätzlich zur LDR-Brachytherapie eine perkutane Bestrahlung eingesetzt wurde oder nicht [627], [628].
Bis heute wurden vier prospektive randomisierte Studien durchgeführt, die eine radikale Prostatektomie mit einer LDR-Brachytherapie verglichen [629], [621], [622], [630]. Eine weitere Studie verglich die LDR-Brachytherapie, die radikale Prostatektomie, die perkutane Bestrahlung oder eine Active-Surveillance-Strategie (PREFERE-Studie) [631]. Drei der fünf Studien [629], [631], [630] konnten aufgrund mangelnder Rekrutierung nicht abgeschlossen werden und wurden vorzeitig abgebrochen. Mit zwei abgeschlossenen randomisierten Studien verfügen wir über eine Level 1 Evidenz für vergleichbare Ergebnisse der LDR-Brachytherapie mit der retropubischen [621] bzw. roboterassistierten [622] Prostatektomie hinsichtlich der PSA-Rezidiv Freiheit. Auch die Publikationen zu den vorzeitig beendeten randomisierten Untersuchungen suggerieren im Hinblick auf die onkologische Sicherheit eine Vergleichbarkeit der LDR-Brachytherapie in Bezug auf die biochemische Rezidiv Freiheit.
In den beiden randomisierten italienischen Single-Center-Studien zeigte sich kein Unterschied im biochemischen rezidivfreien Überleben. Unterschiede zeigten sich jedoch bei den urogenitalen Symptomen. Während in der Prostatektomie-Gruppe in den ersten 6 Monaten eine höhere Inkontinenzrate auftrat, zeigten LDR-Monotherapie-Patienten im weiteren Verlauf eine erhöhte GU-Toxizität im Vergleich zur OP [622], [621]. In der PREFERE-Studie wurden die LDR-Brachytherapie, die radikale Prostatektomie, die perkutane Bestrahlung oder eine Active-Surveillance-Strategie miteinander verglichen (PREFERE-Studie). Die Studie wurde wegen fehlender Rekrutierung vorzeitig beendet [631] . Nach einer medianen Nachbeobachtung von 19 Monaten wurden 93/345 randomisierten Patienten mit einer LDR-Brachytherapie behandelt, was der größten Patientengruppe mit definitiver Therapie entsprach. Schwerwiegende Toxizität wurden prozentual nicht signifikant häufiger berichtet als bei der radikalen Prostatektomie oder der perkutanen Bestrahlung.
Die mangels Rekrutierung vorzeitig geschlossene SPIRIT-Studie verglich die radikale Prostatektomie mit der LDR-Monotherapie. Die nach 5 Jahren durchgeführte Lebensqualität-Befragung der 190 eingeschlossenen Patienten zeigte eine höhere Lebensqualität bezüglich urogenitaler und sexueller Funktion und eine höhere Zufriedenheit bei den mit LDR-Monotherapie behandelten Patienten [629]. Kürzlich wurden die Langzeitdaten dieser Studie nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13 bzw. 15 Jahren für beide Patientenkohorten publiziert. Ein biochemisches Rezidiv lag nach 15 Jahren für die LDR-Gruppe bei 2,4 % und für die Prostatektomie Gruppe bei 15,8 % (p<0,001) vor. Im Prostatakrebs spezifischen Überleben konnte kein Unterschied festgestellt werden [632].
Eine weitere monozentrische Studie von Moran et al. randomisierte jeweils 70 Patienten, die eine LDR-Brachytherapie entweder mit 125-J oder 131-Caesium erhalten hatten. Eine ergänzende ADT war nicht erlaubt. Primärer Endpunkt war die urogenitale Lebensqualität gemessen durch den EPIC-Score. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 97 Monaten zeigten sich keine langfristigen Unterschiede bezüglich der einzelnen Lebensqualitäts-Domänen oder der biochemischen Rezidiv Freiheit [633].
Vergleichbare Ergebnisse liegen in einer Reihe großer Bevölkerungskohorten mit längerer Nachbeobachtung vor [255], [634], [635], [636], [637]. Das biochemische krankheitsfreies Überleben (disease-free survival, DFS) für Patienten der ISUP-Gruppe 1 liegt nach 5 bzw. 10 Jahren zwischen 71 % und 93 % bzw. 65 % und 85 % [638], [639], [640], [641], [642]. Es wurde eine signifikante Korrelation zwischen der Dosis bzw. der Einhaltung der Dosisbeschränkungen und der biochemischen Kontrolle nachgewiesen [643]. Eine D90 (Dosis, welche 90 % des Prostatavolumens abdeckt) von >140 Gy führt zu einer signifikant höheren biochemischen Kontrollrate (PSA <1,0 ng/ml) nach 4 Jahren (92 vs. 68 %). Langzeit PSA-Analysen legen das Erreichen eines PSA-Wertes von <0,2 ng/ml nach 4 Jahren für das Erreichen einer langfristigen Tumorkontrolle (freedom from prostate cancer) nahe. Die Rezidiv Freiheit nach 15 Jahren lag dann bei 96,1 % [644].
In eine monozentrische prospektive Phase 2 Studie aus dem MD Anderson Cancer Center wurden 300 Patienten mit einem intermediären Risikoprofil (65 % günstiges intermediäres Risikoprofil) eingeschlossen und mit einer LDR-Monotherapie behandelt [645]. Eine kombinierte EBRT oder eine begleitende ADT waren nicht erlaubt. Die 5-Jahres biochemische Rezidivfreiheit lag mit 97 % sehr hoch. Die Rate an Grad 3 GU/GI Toxizität lag bei jeweils 1 %.
In der japanischen prospektiven Registerstudie (J-POPS) werden Patienten mit LDR-Brachytherapie, sowohl als Boost (23 %) als auch als Monotherapie (77 %), eingeschlossen. In einer ersten Auswertung wurden die Ansprechraten von 2.316 Patienten ausgewertet. Der primäre Endpunkt war das biochemische rezidivfreie Überleben (bRFS). 1.114 Patienten (48 %) wiesen ein intermediäres Risiko auf (28 % ISUP Gruppe 2 und 16 % Gruppe 3). In der multivariaten Regressionsanalyse war das bRFS nur für die ISUP Gruppen >3 signifikant schlechter mit einer Hazard-Ratio von 1,85 [646].
Verschiedene systematische Übersichten analysierten onkologische Ergebnisse und Nebenwirkungen [647], [648], [649], [650]. Der G-BA stellte keinen eindeutigen Unterschied hinsichtlich des PSA-basierten krankheitsfreien Überlebens nach Behandlung mit LDR-Brachytherapie im Vergleich zur Behandlung mit Prostatektomie oder perkutaner Strahlentherapie [39] fest. Alle Publikationen zeigen hinsichtlich der biochemischen Rezidivfreiheit eine Vergleichbarkeit der LDR-Monotherapie mit der radikalen Prostatektomie. Die langfristige urogenitale Toxizität kann bei der LDR-Monotherapie erhöht sein. Eine adäquate Patientenselektion und die Erfahrung des Zentrums haben einen Einfluss auf die langfristige Lebensqualität.
Zusammenfassend ergibt sich aus Sicht der Autoren der Nachweis eine Äquivalenz der onkologischen Ergebnisse der LDR-Monotherapie im Vergleich zur externen Bestrahlung (+/- LDR-Brachytherapie) und der radikalen Prostatektomie bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des günstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN).
HDR–Brachy-Monotherapie
Für die isolierte Subgruppe der Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des günstigen intermediären Risikoprofils existieren keine Studien einer HDR-Brachy-Monotherapie. In einer randomisierten Phase 2 Studie wurden Patienten mit niedrigem und intermediärem Risikoprofil entweder mit einer fraktionierten (2x13,5 Gy) oder einer Einzeit (1x19 Gy) HDR-Brachytherapie behandelt. Der Anteil der Patienten mit einem günstigen intermediären Risiko lag bei 51 % und für das ungünstige Risikoprofil bei 30 %, 19 % der Patienten hatten ein niedriges Risikoprofil. Nach medianer Nachbeobachtung von 107 Monaten lag die 8-Jahres-PSA-Kontrollrate bei 83,2 % und 61,5 % für Patienten mit 2-Fraktionen gegenüber Patienten mit einer Fraktion (p=0,001). Es ergab sich kein signifikanter Unterschied bezüglich UG oder GI-Spätfolgen. Allerdings zeigte sich im Einzeit-Arm eine nach 4 und 5 Jahren persistierende Verschlechterung der urogenitalen gesundheitsbezogenen Lebensqualität [651] mit späten Grad 3+ urogenitalen Toxizitäten <5 % und Grad 2+ GI-Toxizitätsraten von 1 % [651], [652].
In den Anfang der 2000er Jahre publizierten Phase-II-Studien zur HDR-Monotherapie wurden ca. 350 Patienten mit niedrigem Risikoprofil behandelt [653], [654], [655], [656], [657]. Alle Studien zeigten die technische und klinische Durchführbarkeit dieser Therapieoption sowie eine geringe akute Toxizität. In einem systematischen Review wurden 3.534 Patienten aus 14 Studien zusammengefasst. Es wurden 5-Jahres-PSA-Kontrollraten von 97,5 % bzw. 93,5 % für PCa mit niedrigem bzw. mittlerem Risiko berichtet, mit späten Grad 3+ GU-Toxizitätsraten <5 % und keinen oder sehr geringen Grad 3+ GI-Toxizitätsraten [658]) . Es zeigte sich, dass die Dosis pro Fraktion und das Fraktionierungsschema einen Einfluss auf das biochemische rezidivfreie Überleben hatten.
Für eine HDR-Monotherapie mit nur einer Fraktion im Vergleich zur fraktionierten HDR-Monotherapie wird eine schlechtere biochemische Kontrollrate angegeben [610], [658], [651], [652].
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine fraktionierte HDR-Monotherapie ausgewählten Patienten mit günstigem intermediärem Risikoprofil angeboten werden kann, wobei die Patienten darüber informiert werden sollten, dass nur Ergebnisse aus kleinen Serien in sehr erfahrenen Zentren vorliegen.
Effekte einer zusätzlichen Hormontherapie bei Einsatz einer Brachytherapie
In einem systematischen Review mit 52 analysierten Studien mit insgesamt 43.303 Patienten zeigte sich kein Benefit für eine zusätzliche ADT bei Patienten des niedrigen Risikoprofils sowie des günstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN). Die zusätzliche neoadjuvante oder adjuvante ADT zur LDR-Monotherapie brachte keinen Vorteil bezüglich des biochemischen progressionsfreien Überlebens [659] . Dahingegen bringt die zusätzliche ADT für einige Patienten des intermediären und hohen Risikoprofils einen Vorteil von 12-20 %.
Die Autoren kommen zum Schluss, dass aufgrund der fehlenden Unterscheidung von günstigem und ungünstigem intermediären Risikoprofil in den meisten Untersuchungen eine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine ADT nicht möglich ist. Da ein Benefit einer Kurzzeit-ADT nicht ausgeschlossen werden kann, wird die Evaluation einer Kurzzeit-ADT empfohlen. Bezüglich der Dauer der ADT soll sich analog den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie für diese Risikogruppe orientiert werden. Dabei sollten die individuellen Risikofaktoren von Patienten (Alter, kardiale Vorerkrankungen, etc.) bei der Indikationsstellung berücksichtigt werden.
LDR-Brachytherapie bei Patienten des ungünstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN)
Sowohl die LDR als auch die HDR-Brachytherapie sind in Kombination mit externer Strahlentherapie und einer ADT eine etablierte Behandlungsoption für Patienten mit einem ungünstigen intermediären Risikoprofil.
Beide Brachytherapieformen sollen nicht als Monotherapie für das ungünstige intermediäre Risikoprofil eingesetzt werden.
ABS und GEC-ESTRO empfehlen, dass die LDR-Brachytherapie als Boost in Kombination mit einer perkutanen Strahlentherapie bei Patienten des ungünstigen intermediären Risikos eingesetzt werden kann [604], [650] Diese Empfehlungen werden durch die Ergebnisse der Studie ASCENDE-RT unterstützt [623], [624].
LDR- Brachytherapie
Die prospektiv randomisierte ASCENDE-RT-Studie (n=398) verglich die perkutane Strahlentherapie (Gesamtdosis 78 Gy) mit der EBRT (Gesamtdosis 46 Gy), gefolgt von einem LDR-BT-Boost (vorgeschriebene Dosis 115 Gy) bei Patienten mit intermediärem (31 %) und hohem Risiko (69 %). In beiden Therapiearmen erhielten die Patienten eine 12-monatige ADT [623], [624], [660]. Der LDR-Boost führte zu einer signifikanten Verbesserung des biochemischen PFS nach 5, 7 und 10 Jahren (89 %, 86 % bzw. 85 %) im Vergleich zum perkutanen Boost (84 %, 75 % bzw. 70 %). Dies führte nicht zu einer Verbesserung der Rate von Fernmetastasen, des Prostatakarzinom-spezifischen- oder des Gesamtüberlebens.
Diese Verbesserung der biochemischen Kontrolle der Kombinationstherapie war jedoch verbunden mit einer signifikant erhöhten kumulativen Inzidenz an späten Grad 3+ GU-Toxizitäten (18 % vs. 5 %) und zwei Therapie-bedingten Todesfällen [623], [624], [660]. Die kumulative Indidenz an Grad 3+ GI Nebenwirkungen war nach 5 Jahren nicht signifikant erhöht mit 8 % vs. 3 %.
In der NRG Oncology/RTOG 0232-Studie wurden 588 Patienten mit intermediärem Risikoprofil randomisiert. Die Patienten erhielten entweder 45 Gy perkutane Therapie plus einem LDR-Brachytherapie-Boost oder einer LDR-Brachytherapie allein. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6,7 Jahren zeigte sich kein Unterschied im primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben. Allerdings wies nur ein Fünftel der Patienten ein PCa des ungünstigen intermediären Risikoprofoils auf. Bezüglich der Spätnebenwirkungen zeigte sich ein signifikanter Vorteil für die alleinige Brachytherapie. Die Grad 2 urogenitalen und gastrointestinalen Spätfolgen betrugen 42,8 % für die Kombinationstherapie, gegenüber 25,1 % für die LDR-Monotherapie. Die Grad 3+ UG Toxizitäten betrugen 9 % vs 3 % und die Grad 3+ GI Toxizitäten lagen bei 3 % vs 1 % (Kombi- vs. Monotherapie) [619].
HDR-Brachytherapie bei Patienten des ungünstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN)
HDR-Brachytherapie
Es liegen 2 randomisierte Studien zur kombinierten perkutanen Bestrahlung mit einem HDR-Brachytherapie-Boost im Vergleich zur alleinigen perkutanen Strahlentherapie vor [609], [626], [661].
In der Studie von Hoskin wurden 216 Patienten eingeschlossen. Davon wiesen 9 (4,2 %), 91 (42,1 %) und 116 (53,7 %) ein Prostatakarzinom des niedrigen, intermediären und hohen Risikoprofils nach NCCN auf. Knapp 40 % der Patienten mit alleiniger perkutaner Strahlentherapie hatten nach 2 Jahren ein biochemisches Rezidiv. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 50 Monaten ergab sich ein signifikanter Vorteil für die HDR-Brachytherapie in Kombination mit einer perkutanen Strahlentherapie hinsichtlich der biochemischen Progressionsfreiheit. In einem Update im Jahr 2021 mit einer Nachbeobachtung von 12 Jahren betrug das biochemische rezidiv freie Überleben 48 % für die kombinierte Tele-Brachytherapie und war damit signifikant höher im Vergleich zu 27 % für den Behandlungsarm mit alleiniger EBRT. Im Gesamtüberleben ergab sich kein signifikanter Unterschied. Die GI-Toxizität war über die Zeit stabil, während die GU-Toxizität weiter anstieg. Es gab jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Behandlungsarmen [609].
In der zweiten randomisierten Studie [626] erhielten 104 Patienten mit intermediärem (41 %) oder Hochrisikoprofil (59 %) entweder eine perkutane Bestrahlung mit HDR-Brachytherapie-Boost oder eine alleinige perkutane Bestrahlung. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 8,2 Jahren konnte eine signifikante Verbesserung der biochemischen Progressionsfreiheit für die Kombinationstherapie nachgewiesen werden (p=0,024). Ein Effekt auf das Gesamtüberleben zeigte sich nicht. Urogenitale oder GI-Spätfolgen waren nicht signifikant unterschiedlich [626].
In beiden Studien war die Vergleichsgruppe mit alleiniger perkutaner Strahlentherapie nach heutigen Maßstäben unterdosiert (Gesamtdosis 66 Gy/Einzeldosis 2 Gy bei Satya et al. [626] bzw. Gesamtdosis 55 Gy/Einzeldosis 2,75 Gy bei Hoskin et al. [609]).
In prospektiven und retrospektiven Kohortenstudien/Fallserien erhöhte die Dosiseskalation der perkutanen Bestrahlung mit einem HDR-Brachytherapie-Boost durch eine höhere biologische Wirksamkeit den Anteil des biochemisch rezidiv freien Überlebens auf Werte von über 85 % nach 5 Jahren (p<0,001). Dies galt insbesondere für Patienten mit Tumoren mit hohem Risikoprofil, welches bei einem Großteil der untersuchten Patienten vorlag. Darüber hinaus zeigte sich eine Reduktion der Lokalrezidivrate und eine Reduktion der Fernmetastasierungsrate bei Patienten mit Tumoren des Hochrisikoprofils (22 % vs. 9 % bei höherer Dosierung, p=0,043). [608], [657], [662], [663], [664], [665]. Die Studien basieren auf der Annahme, dass Prostatakrebszellen eine höhere Strahlenempfindlichkeit bei Einsatz hoher Einzeldosen aufweisen (Alpha/Beta-Wert zur Charakterisierung der tumorbiologischen Strahlenwirksamkeit). Die Vergleichbarkeit mit anderen Studien zur primären Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms ist schwierig, da die verwendeten Risikoklassifikationen in den einzelnen Studien unterschiedlich war und nicht denen von D’Amico entsprachen.
Deger et al. [666] verwendeten in ihrer Kohortenstudie zur kombinierten perkutanen Bestrahlung mit HDR-Brachytherapie-Boost die Risikoklassifikation von D’Amico. Die Studie ergab ein biochemisches rezidivfreies 5-Jahres-Überleben von 65 % bzw. 59 % bei Patienten mit Tumoren mit mittlerem bzw. hohem Risikoprofil. Diese Effekte entsprechen den in der Literatur beschriebenen Ergebnissen einer kombinierten perkutanen Strahlentherapie und hormonablativen Therapie bei Patienten mit Tumoren dieser Risikoprofile. Brenner et al. konnten zeigen, dass zwei HDR-Implantationen mit höherer Einzeldosis zu günstigeren Ergebnissen führten (p<0,05) als drei HDR-Implantationen mit niedrigerer Einzeldosis [667].
6.3.4.2 Brachytherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des hohen Risikoprofils
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils sollte eine HDR Brachytherapie, kombiniert mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT), angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (95,7%)
- Literatur
- [609] [626]
Änderungshinweis
Die HDR-Brachytherapie, kombiniert mit der perkutanen Strahlentherapie, ist eine primäre Therapieoption bei Patienten mit Tumoren des mittleren und hohen Risikoprofils. (geprüft 2021)Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz der HDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen bei der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24-36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2+
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [609] [626] [659] [567]
Änderungshinweis
Der Stellenwert einer zusätzlichen hormonablativen Therapie ist nicht geklärt. (geprüft 2021), Eine Androgendeprivationstherapie soll bei Einsatz der Brachytherapie analog zu den Empfehlungen bei der perkutanen Strahlentherapie (IMRT+IGRT) mit 24-, besser 36 Monaten Dauer eingesetzt werden.Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils kann ein LDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [623] [624]
Änderungshinweis
Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom der intermediären bzw. hohen Risikogruppe kann eine primäre kombinierte perkutane Bestrahlung plus LDR/HDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer Kurzzeit- bzw. Langzeit-Androgendeprivationstherapie (ADT) durchgeführt werden. (Empfehlungsgrad: 0) (modifiziert 2021)Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform verbundene signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden. (Empfehlungsgrad: A) (modifiziert 2021)Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz der LDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen bei der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24-36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 2+
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
- Literatur
- [619] [625] [620] [623] [624]
Änderungshinweis
Eine Androgendeprivationstherapie (ADT) soll bei Einsatz der Brachytherapie analog zu den Empfehlungen bei der perkutanen Strahlentherapie eingesetzt werden. (Empfehlungsgrad: A) (modifiziert 2021)Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils sollen keine LDR oder HDR-Brachytherapie als Monotherapie erhalten.
Hintergrundinformationen
Zu [6.48] bis [6.50], [6.51] bis [6.53] und [6.54]
LDR- bzw. HDR-Brachytherapie bei Patienten des hohen Risikoprofils (nach NCCN)
Alle randomisierten Studien und die Mehrzahl der Kohortenstudien, die die onkologische Wirksamkeit sowie die akuten und späten Nebenwirkungen der kombinierten Tele- Brachytherapie bei Patienten mit Hochrisikoprofil untersuchten, wurden als Kombinationstherapien durchgeführt. Im aktuellen systematischen Review von Slevin et al. (2024) wurden die meisten Studiendaten zum HDR- und LDR-Brachytherapie-Boost im Vergleich zur alleinigen EBRT zusammengefasst. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ein Brachytherapie-Boost zu verbesserten biochemischen rezidiv freien Kontrollraten führt, aber mit einer höheren urogenitalen Toxizität assoziiert ist [Slevin, F et al. 2024].
LDR-Brachytherapie
In die prospektive Studie ASCENDE-RT wurden Patienten mit intermediärem (31 %) und hohem (69 %) Risikoprofil eingeschlossen. Nach 8 Monaten neoadjuvanter ADT (Gesamtdauer 12 Monate) erhielten alle Patienten eine perkutane Bestrahlung der Prostata und der loko regionären Lymphabflusswege mit einer Einzeldosis von 2 Gy bis zu einer Gesamtdosis von 46 Gy. Anschließend wurden die Patienten 1:1 randomisiert für eine Fortsetzung der perkutanen Therapie bis zu einer Gesamtdosis von 78 Gy oder für eine LDR-Brachytherapie mit einer minimalen peripheren Dosis von 115 Gy, beginnend 2-3 Wochen nach der Beckenbestrahlung [623], [624], [660]. Der LDR-Boost führte zu einer Verbesserung des biochemischen PFS nach 5, 7 und 10 Jahren (89 %, 86 % bzw. 85 %) im Vergleich zum perkutanen Boost (84 %, 75 % bzw. 70 %) (p<0,001). Dies führte jedoch nicht zu einer Verbesserung der Fernmetastasierung, des Prostatakarzinom-spezifischen- oder des Gesamtüberlebens.
Diese Verbesserung der biochemischen Kontrolle der Kombinationstherapie war jedoch verbunden mit einer signifikant erhöhten kumulativen Inzidenz an späten Grad 3+ GU-Toxizität (18 % vs. 5 %) und zwei therapiebedingten Todesfällen [623], [624], [660]. Die kumulative Inzidenz an Grad 3+ GI-Nebenwirkungen war nach 5 Jahren nicht signifikant erhöht mit 8 % vs. 3 % [623], [624], [660].
In mehreren retrospektiven Fallserien des LDR-Brachytherapie-Boosts in Kombination mit perkutaner Strahlentherapie und ADT bei Patienten mit hohem Risikoprofil zeigten sich nach einer medianen Nachbeobachtung von bis zu 8,5 Jahren biochemisch rezidiv freie Überlebensraten von 30-88 % [669], [670], [671], [672], [673], [674], [675], [676].
Eine Monotherapie mit LDR oder HDR bei Patienten mit hohem Risikoprofil soll nicht durchgeführt werden. Die empfehlungsstützenden Quellen zu [6.54] werden im Evidenztabellendokument der Version 5.0 ausführlich dargelegt [62].
HDR-Brachytherapie
Es liegen 2 randomisierte Studien zur kombinierten perkutanen Bestrahlung mit einem HDR-Brachytherapie-Boost im Vergleich zur alleinigen perkutanen Strahlentherapie vor [609], [626], [661]. In der Studie von Hoskin wurden 216 Patienten eingeschlossen. Davon wiesen 9 (4,2 %), 91 (42,1 %) und 116 (53,7 %) ein Prostatakarzinom des niedrigen, intermediären und hohen Risikoprofils nach NCCN auf. Knapp 40 % der Patienten mit alleiniger perkutaner Strahlentherapie hatten nach 2 Jahren ein biochemisches Rezidiv. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 50 Monaten ergab sich ein signifikanter Vorteil für die HDR-Brachytherapie in Kombination mit einer perkutanen Strahlentherapie hinsichtlich der biochemischen Progressionsfreiheit. In einem Update im Jahr 2021 mit einer Nachbeobachtung von 12 Jahren betrug das biochemische rezidiv freie Überleben 48 % für die kombinierte Tele-Brachytherapie und war damit signifikant höher im Vergleich zu 27 % für den Behandlungsarm mit alleiniger EBRT. Im Gesamtüberleben ergab sich kein signifikanter Unterschied. Die GI-Toxizität war über die Zeit stabil, während die GU-Toxizität weiter anstieg. Es gab jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Behandlungsarmen [609].
In der zweiten randomisierten Studie [626] erhielten 104 Patienten mit intermediärem (41%) oder Hochrisikoprofil (59%) entweder eine perkutane Bestrahlung mit HDR-Brachytherapie Boost oder eine alleinige perkutane Bestrahlung. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 8,2 Jahren konnte eine signifikante Verbesserung der biochemischen Progressionsfreiheit für die Kombinationstherapie nachgewiesen werden (p=0,024). Ein Effekt auf das Gesamtüberleben zeigte sich nicht. Urogenitale oder GI-Spätfolgen waren nicht signifikant unterschiedlich [626].
In beiden Studien war die Vergleichsgruppe mit alleiniger perkutaner Strahlentherapie nach heutigen Maßstäben unterdosiert (Gesamtdosis 66 Gy/Einzeldosis 2 Gy bei Satya et al. [626] bzw. Gesamtdosis 55 Gy/Einzeldosis 2,75 Gy bei Hoskin et al. [609]).
In prospektiven Kohortenstudien/Fallserien [608], [657], [663], [664], [665] erhöhte eine Dosiseskalation mittels HDR-Brachytherapie durch eine höhere biologische Gesamtdosis den Anteil des biochemisch rezidiv freien Überlebens auf Werte von über 85 % nach 5 Jahren (p<0,001). Dies galt insbesondere für Patienten mit hohem Risikoprofil. Weiterhin zeigte sich eine Reduktion der Lokalrezidivrate und eine Reduktion der Fernmetastasierungsrate bei Patienten mit Tumoren mit hohem Risikoprofil (22 % vs. 9 % bei höherer Dosis, p=0,043).
Deger et al. (2005) [666] verwendeten in einer weiteren Serie zur HDR-Brachytherapie die Risikoklassifikation von D‘Amico. Die Daten zeigen ein biochemisch rezidiv freies 5-Jahres-Überleben von 65 % bzw. 59 % bei Patienten mit mittlerem bzw. hohem Risikoprofil. Diese Effekte entsprechen den in der Literatur beschriebenen Ergebnissen einer kombinierten perkutanen Strahlentherapie und hormonablativen Therapie bei Patienten mit Tumoren dieser Risikoprofile.
Eine retrospektive Analyse von 1.641 Patienten mit mittlerem und hohem Risiko zeigte ein besseres fernmetastasenfreies Überleben, wenn ein HDR-Brachytherapie-Boost mit einer EBRT von 50-54 Gy kombiniert wurde. Der Unterschied vergrößerte sich nach 10 Jahren auf 12 % [677]. Weitere nicht-randomisierten Studien und Daten aus Bevölkerungsstudien weisen darauf hin, dass die Ergebnisse von EBRT plus HDR-Brachytherapie der EBRT allein überlegen sind [678], [679].
Brenner et al. zeigten, dass zwei HDR-Implantationen mit höherer Einzeldosis zu günstigeren Ergebnissen führten (p<0,05) als drei HDR-Implantationen mit niedrigerer Einzeldosis [667].
Weitere nicht-randomisierte Studiendaten und Kohortenstudien weisen ebenfalls auf eine Überlegenheit der EBRT plus HDR-Brachytherapie gegenüber der EBRT allein hin [659], [679].
Androgendeprivationstherapie (ADT)
Eine unterstützende Evidenz für den Nutzen des HDR-Brachytherapie-Boosts liefert die prospektive randomisierte RADAR-Studie TROG 03.04. Insgesamt 1.051 Patienten mit vorwiegend ungünstig intermediärem Risikoprofil (33,7 %) oder hohem Risikoprofil (64,6 %), aber auch lokal fortgeschrittene Tumoren (36,2 % T3/4 Tumoren) erhielten entweder eine 6-monatige oder einer 18-monatige ADT zusätzlich zu einer definitiven Bestrahlung. Die teilnehmenden Zentren konnten wählen zwischen einer perkutanen Strahlentherapie mit 66 Gy, 70 Gy oder 74 Gy EBRT oder einer kombinierten perkutanen Therapie 46 Gy EBRT mit einem HDR-Brachytherapie-Boost [620]. 11,9 %, 40,6 %, 24,9 % und 22,6 % der Patienten erhielten die genannten Therapien. Der primäre Endpunkt war die Progression außerhalb der Prostata. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 10,5 Jahren reduzierte die 18-monatige ADT signifikant die Progression außerhalb der Prostata (p=0,002), die ossäre Metastasierung (p=0,0001), die Lokalrezidivrate (p=0,03) und das Prostatakarzinom-spezifische Überleben (p=0,009). Im Vergleich zur alleinigen EBRT mit 66 und 70 Gy zeigte die kombinierte perkutane Bestrahlung plus HDR-Boost einen signifikanten Vorteil bezüglich der Knochenmetastasierung und des Gesamtüberlebens. Gegenüber der Gruppe mit 74 Gy ergab sich nur ein signifikanter Vorteil bezüglich der lokalen Progression und des Gesamtüberlebens.
Für die Patienten der Kombinationstherapie brachte die 18-monatige ADT ebenfalls eine Verbesserung über alle Endpunkte.
Die HDR-Boost-Gruppe zeigte einen Anstieg des IPSS um 3 Punkte 18 Monate nach der Behandlung, der sich bis zu 3 Jahre später wieder auflöste und eine Reduktion der rektalen Symptome im Vergleich zur EBRT [620]. Betrachtet man den Effekt der ADT, dann erscheinen die Daten der aktuellen TRIP-Studie hierzu etwas widersprüchlich. In dieser Studie wurde randomisiert verglichen, ob eine ergänzende adjuvante ADT über 24 Monate im Vergleich zu einer 6-monatigen neoadjuvanten und simultanen ADT zur kombinierte EBRT + LDR-Brachytherapie-Boost eine verbesserte biochemische Progression aufweisen kann. Die angenommene Überlegenheit der Langzeit-ADT über insgesamt 30 Monate versus 6 Monate ADT konnte nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 9 Jahren nicht nachgewiesen werden [625].
Obwohl die Eskalation der Strahlendosis durch den Brachytherapie-Boost zu deutlich höheren biologischen Dosen führt, zeigen die TROG 03.04 RADAR RCT und die systematischen Übersichtsarbeiten, dass die ADT unabhängig von der Intensivierung der Strahlendosis zu besseren Ergebnissen führt [620], [659], [680].
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass nach Bewertung der derzeitige Datenlage bei Einsatz eines LDR- oder HDR-Boostes zur perkutanen Bestrahlung bei Patienten des hohen Risikoprofils der Verzicht auf eine ADT zu einem schlechteren OS führen kann. Die Dauer der ADT zusätzlich zu einem Brachytherapie-Boost sollte daher analog der Dauer bei der alleinigen EBRT erfolgen (24-36 Monate).
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
6.4.1 Radikale Prostatektomie
Patienten mit einer Lebenserwartung von über 10 Jahren und einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom oder einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des sehr hohen Risikoprofils nach NCCN soll eine radikale Prostatektomie als Teil einer multimodalen Therapie angeboten werden.
- Konsens
- Konsens (92%)
Hintergrundinformationen
Zu [6.55]
Die in den Empfehlungen genannte Risikoklasse „sehr hohes Risikoprofil“ meint die NCCN-Risikoklasse „very high risk“ [244]. Die Risikoklasse „sehr hohes Risikoprofil“ ist in den Empfehlungen zur radikalen Prostatektomie mit dem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom (klinische Stadien T3 und T4) zusammengefasst, welches sie einschließt.
Für keinen der operativen Zugangswege (offen, konventionell laparoskopisch, roboterassistiert-laparoskopisch) bei der radikalen Prostatektomie ist eine Überlegenheit hinsichtlich der onkologischen oder funktionellen Ergebnisse bewiesen [Haney, CM et al. 2023], [Ilic, D et al. 2018]. Für Ausführungen u.a. zu den unterschiedlichen Operationsverfahren siehe Hintergrundinformationen zu [6.16] und [6.17].
Für das Hochrisiko- und lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom (zwecks Adaptation an die NCCN-Risikoklassifikation wurde die Empfehlung auch auf die NCCN-Kategorie „very high risk“ ausgedehnt) sind sowohl radikale Prostatektomie als Teil einer multimodalen Strategie als auch perkutane Strahlentherapie plus Langzeithormontherapie Optionen [262]. Unklar ist im Falle der radikalen Prostatektomie die Rolle der neuen antiandrogenen Substanzen im Rahmen multimodaler Therapiekonzepte, die bei Ultrahochrisikokonstellationen in Kombination mit einer perkutanen Strahlentherapie einer konventionellen Hormontherapie plus Strahlentherapie überlegen sind [681].
Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom sollten im Rahmen einer radikalen Prostatektomie eine ausgedehnte Lymphadenektomie erhalten (siehe Empfehlung [6.19], Kapitel 6.3.2).
6.4.2 Perkutane Strahlentherapie
Allgemeine Aspekte zur Durchführung der perkutanen Strahlentherapie siehe Kapitel 6.3.3.
Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom soll eine perkutane Strahlentherapie (IMRT+IGRT) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (98,2%)
- Literatur
- [682]
Änderungshinweis
Die perkutane Strahlentherapie in Kombination mit einer langfristigen hormonablativen Therapie von mindestens 24, besser 36 Monaten ist eine primäre Therapieoption für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom. (modifiziert 2018)Evidenztabellen (2)
6.4.2 EvT 6.43; 1) Ist bei Patienten mit lokal begrenztem PCa des intermediären Risikoprofils die moderate Hypofraktionierung +/- ADT im Vergleich zur Standardfraktionierung +/- ADT in Bezug auf das onkologische Ergebnis sowie die Akut- und Spätfolgen gleichwertig? 2) Ist bei Patienten mit lokal begrenztem PCa des hohen Risikoprofils die moderate Hypofraktionierung kombiniert mit einer ADT im Vergleich zur Standardfraktionierung kombiniert mit einer ADT in Bezug auf das onkologische Ergebnis sowie die Akut- und Spätfolgen gleichwertig?Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom sollen zusätzlich zur perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine hormonablative Therapie erhalten.
Die hormonablative Therapie soll mindestens 24 bis 36 Monate dauern. Diese kann bis zu 6 Monate vor der Strahlentherapie beginnen.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (98,1%)
- Literatur
- [597]
Die Entscheidung über die Dauer der hormonablativen Therapie soll individuell in Abhängigkeit von Komorbidität und Verträglichkeit getroffen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (98,2%)
Wenn Patienten mit hormonsensitivem Prostatakarzinom des Stadiums Nx/N0 M0) mit 2 oder mehr Risikofaktoren (PSA>40 ng/ml/T3/4 oder ISUP 4-5) eine Bestrahlung der Prostata und des pelvinen Lymphabflusses (IMRT + IGRT) erhalten, soll zusätzlich eine hormonablative Therapie mit GnRH-Analogon (3 Jahre) und Abirateron/Prednison (2 Jahre) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (96,2%)
- Literatur
- [681]
Evidenztabellen (1)
ET RCT STAMPEDEPatienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom (cN0 M0 – PSMA-PET-CT) (Risikofaktoren analog POP-RT-Studie) kann zusätzlich zu einer Prostatabestrahlung (IMRT + IGRT) eine Bestrahlung der pelvinen Lymphabflussgebiete kombiniert mit einer Androgendeprivationstherapie (24 Monate) angeboten werden.
Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom soll eine Protonentherapie nur innerhalb klinischer Studien angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 2+
- Konsens
- Konsens (92%)
- Literatur
- [573]
Hintergrundinformationen
Zu [6.56] bis [6.59]
Kombinierte Hormon- und Strahlentherapie bei der Behandlung des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom
Das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom ist keine einheitliche Entität. Hierunter werden Patienten mit T3/T4 Tumoren und solche mit Lymphknotenbefall (N1) subsummiert. Die beiden Gruppen N1 und N0 werden getrennt betrachtet, obwohl bekannt ist, dass ein erheblicher Anteil der Patienten mit cT3/4 Tumor bereits eine okkulte Lymphknotenmetastasierung aufweist, insbesondere bei hohen Risikofaktoren, also PSA > 20 ng/ml und die ISUP Gruppen 4 und 5. Aktuell sind für die Patientengruppe der lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinome nur randomisierte Studien mit der Strahlentherapie als definitiver Behandlungsmethode verfügbar. Die derzeit größte Studie, in welcher die radikale Prostatektomie +/- postoperative Radiatio mit einer definitiven Radiohormon-therapie untersucht wird, ist die SPCG-15 Studie, in der bereits mehr als die Hälfte der geplanten 1200 Patienten randomisiert wurden [689]. Die Randomisation wird voraussichtlich 2026 abgeschlossen, erste Ergebnisse sind nicht vor 2029 zu erwarten.
Mehrere methodisch belastbare Studien (Evidenzlevel 1+ oder 1++) mit überwiegend lokal fortgeschrittenem Patientenkollektiv bestätigen die Wirksamkeit einer begleitenden hormonablativen Therapie zur perkutanen RT [690] [691] [692] [693] [694] [695] [696] [697] [691] [593] [255] [698] (siehe Übersicht in den Evidenztabellen zur Leitlinie). In mehreren Metaanalysen wurden signifikante Vorteile bzgl. des krankheitsspezifischen Überlebens und der Gesamtsterblichkeit ermittelt [683] [684] [685] [686]. Auch im Vergleich zu einer alleinigen hormonablativen Therapie zeigt die Kombination aus perkutaner Strahlentherapie und hormonablativer Therapie eine größere Wirksamkeit. In der randomisierten Studie (SPCG-7/SFUO-3) zeigte sich nach zehn Jahren eine absolute Reduktion der Prostatakarzinomspezifischen Mortalität um 12 % [682]. Obwohl die Vergleichstherapie (alleinige Flutamidtherapie) aus heutiger Sicht eine Untertherapie darstellt, kann angesichts der signifikanten Effekte davon ausgegangen werden, dass das Ergebnis dieser Studie auch bei heutiger Standardtherapie gültig ist.
Die Dauer der hormonablativen Therapie betrug in der EORTC-22863 Studie drei Jahre, in der RTOG-Studie 86-10 vier Monate, in der RTOG-Studie 85-31 adjuvant bis zum Progress und im Early Prostate Cancer Trial zwei Jahre. Bolla et al. zeigten 2009 in einer Non-Inferioritätsstudie (EORTC-22961) für die langfristige hormonablative Therapie von insgesamt drei Jahren + RT eine signifikant niedrigere Prostatakrebs-spezifische Mortalität. In dieser Studie erhielten die Patienten eine neoadjuvante und konkomitante maximale Androgen-blockade von sechs Monaten oder eine Langzeittherapie zusätzlich über 2,5 Jahre mit einem LHRH-Analogon [596]. Granfors et al. [696] untersuchten in einer Phase -3 Studie den Effekt der Orchiektomie, d. h. des dauerhaften Hormonentzugs zusätzlich zur Strahlentherapie im Vergleich zu einer alleinigen RT. 14-19 Jahre nach Studienbeginn zeigte sich ein signifikanter Vorteil der Langzeit-Hormontherapie bezüglich der Prostatakrebs-spezifischen Mortalität.
Eine Metaanalyse von 12 randomisierten Studien mit 10853 individuellen Patientendaten untersuchte die Rolle der prolongierten Hormontherapie. Eingeschlossen wurden vorwiegend Patienten mit nach NCCN intermediärem und hohem Risikoprofil. Die zusätzliche ADT mit einer definitiven Bestrahlung ergab für die verlängerte adjuvante ADT-Gabe einen hochsignifikanten (alle mit p < 0,0001) Vorteil im metastasenfreien und Gesamtüberleben im Vergleich zu einer Kurzzeit ADT. Eine verlängerte neoadjuvante ADT war ohne Vorteil [567].
Eine kanadische randomisierte Studie zur Dauer der Hormontherapie verglich 18 Monate mit 36 Monaten ADT zusätzlich zu einer definitiven Strahlentherapie [597]. Nach median 9,3 Jahren ergaben sich hinsichtlich des Gesamtüberlebens, des Prostatakarzinom-spezifischen Überlebens und des metastasenfreien Überlebens keine Unterschiede zwischen beiden Behandlungsarmen. Das biochemische Versagen war im 36-Monats-Arm signifikant niedriger als im 18 Monats-Arm (p = 0.02). Die globale Lebensqualität war nicht unterschiedlich (p = 0.3). Mehrere Items der EORTC QLQ30 - und PR25-Lebensqualitätsfragen waren signifikant besser im Kurzzeit-Arm, jedoch nur die beiden Items Hitzewallungen und „enjoyable sex“ erreichten klinische Signifikanz. Die Studie hat mehrere Schwächen. Die Gruppe der lokal fortgeschrittenen Karzinome ist mit einem geringen Anteil von nur 25% repräsentiert. Somit sind die Ergebnisse nur eingeschränkt auf diese Patientengruppe anwendbar. Darüber hinaus erhielten nur 53% der Patienten im 36 Monats-Arm die volle Dauer der medikamentösen Therapie. Bezüglich der „harten“ klinischen Endpunkte (Gesamtüberleben (OS), Krankheitsspezifisches
Überleben (DSS) und Metastasenfreies Überleben (MFS)) muss dies als kritischer Bias bewertet werden. Aus diesem Grund ist nicht auszuschließen, dass eine höhere Compliance mit der Therapie und eine längere Nachbeobachtung, die Ergebnisse zugunsten der Langzeittherapie hätten verändern können.
Die Autoren der Leitlinie kommen zu dem Schluss, dass für die Gruppe der Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom eine Dauer der ADT von 24-36 Monaten mit der Stärke „soll“ empfohlen wird, da sich aus den unterschiedlichen Ergebnissen keine eindeutigere Zeitabgrenzung ergibt. Es besteht aber die Möglichkeit der Verringerung der Gesamtdauer der ADT auf 18 Monate bei Berücksichtigung von Lebenserwartung und Komorbidität.
Zu [6.61]
Behandlung des lokal fortgeschrittenen PCa (cN0 M0) und elektive Beckenbestrahlung
Es ist aus mehreren randomisierten Studien bekannt, dass Patienten in der cN0-Situation im konventionellen Staging (CT/MRT Becken und Ganzkörperskelettszintigraphie) nicht von einer zusätzlichen Beckenbestrahlung profitieren [699] und GETUG-01 Studie [687]. Dieses Ergebnis wurde auch in einer Subgruppenanalyse der französischen Phase 3 GETUG-12 Studie bestätigt [688]. In der vierarmigen RTOG-Studie wurde eine neoadjuvante oder adjuvante hormonablative Therapie jeweils mit einer RT der pelvinen Lymphabflusswege plus Prostatabestrahlung oder einer alleinigen Prostatabestrahlung bei Patienten mit hohem Risiko für einen Lymphknotenbefall aber cN0 (>15 %, keine histologische Sicherung angegeben) verglichen. Die Studie zeigte nach einer medianen Nachbeobachtung von 8,8 Jahren inkonsistente Ergebnisse, die auf unerwartete Interaktionen zwischen dem Zeitpunkt der hormonablativen Therapie und der Art der Bestrahlung zurückgeführt wurden. Die Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege war nur in Kombination mit einer neoadjuvanten Hormonentzugstherapie effektiv, in dieser Sequenz konnte in einer vom Design der Studie jedoch nicht prospektiv geplanten Analyse ein Vorteil im progressionsfreien Überleben gegenüber den anderen Armen der Studie gezeigt werden [699]. In der GETUG-01-Studie wurden 446 Patienten der Tumorkategorien cT1b bis cT3 cN0 randomisiert. 51 % der Patienten hatten ein niedriges und 49 % ein mittleres oder hohes Risiko für einen okkulten Lymphknotenbefall. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 42 Monaten zeigte sich für keine der Risikogruppen ein Vorteil durch die Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege [687].
In der GETUG-12 Studie wurde die neoadjuvante Therapie mit Docetaxel plus Estramustin zusätzlich zu 3 Jahren einer ADT verglichen mit einer ADT für 3 Jahre. Eingeschlossen wurden Patienten der hohen Risikogruppe und Patienten mit lokal fortgeschrittenem PCa. Eine Lokaltherapie wurde nach 3 Monaten angeschlossen. 358 von 413 randomisierten Patienten erhielten eine definitive Radiatio, davon 208 Patienten mit Einschluss der pelvinen Lymphabflusswege und 150 Patienten mit einer perkutanen Prostatabestrahlung [688]. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 8.8 Jahren ergab sich kein Vorteil für die elektive Beckenbestrahlung hinsichtlich des biochemisch progressionsfreien Überlebens. Alle Patienten der drei oben genannten Studien erhielten lediglich ein konventionelles Staging, d. h. eine Bildgebung des Beckens mit CT oder MRT sowie eine Skelettszintigraphie. Dies könnte ein Hauptgrund für den fehlenden Vorteil der Bestrahlung der Lymphabflusswege sein.
Bei Einsatz moderner Bildgebung (PSMA-PET-CT) zeigt sich bei Nachweis einer cN0 Situation ein signifikanter Vorteil einer Radiohormontherapie unter Einschluss der pelvinen Lymphabflusswege im Vergleich zur Radiohormontherapie mit alleiniger Bestrahlung der Prostata.
In die randomisierte Phase 3 Studie POP-RT [Murthy, V et al. 2021] wurden 224 Patienten mit einem errechneten LK- Befallsrisiko von >20% nach der Roach-Formel eingeschlossen; 54% der Patienten hatten ein Risiko von 20-40%, 46% der Patienten ein Risiko von >40%. Fünfzig Prozent der Patienten hatten einen Gleason Score von 8-10 (ISUP 4-5), 78% hatten ein lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom. Alle Patienten wurden mit einer modernen IMRT und IGRT bestrahlt. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 68 Monaten konnte in der Studie ein hochsignifikanter Vorteil zugunsten der Beckenbestrahlung hinsichtlich des Biochemical-Failure-Free-Survival (primärer Endpunkt) und des Disease-Free-Survival gezeigt werden, jedoch bisher ohne signifikanten Einfluss auf das Gesamtüberleben (sekundäre Endpunkte). Das metastasenfreie Überleben war durch die zusätzliche Becken RT signifikant verbessert (95.9% v 89.2%; HR, 0.35; 95% CI, 0.15 - 0.82; P = .01). Dieser Vorteil wurde auf Kosten einer erhöhten GU-Toxizität erreicht ( ≥ Grad II späte GU Toxzität 20.0% v 8.9%, p = 0.02).
Zusammenfassend wird aufgrund der positiven aber relativ kleinen Phase-3-Studie mit nur 224 Patienten die elektive RT der LAW des kleinen Beckens trotz der erhöhten GU-Spät Toxizität aber mit modernster Bildgebung und Strahlen/Hormontherapie mit einem „kann“-Empfehlung versehen.
Zu [6.62]
Nur sehr wenige Studien mit meist geringer Evidenz beschäftigen sich mit der Protonentherapie beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom. Zudem bilden vielfach die lokal fortgeschrittenen Tumoren nur eine kleine Subgruppe im untersuchten Kollektiv [700], [701]. Eine kleine, prospektive Studie (NCT02874014) mit moderater Hypofraktionierung (67,5 bzw. 45,0 Gy in 25 Fraktionen) zeigte auch unter Einschluss der pelvinen Lymphabflusswege in das Zielvolumen eine geringe Rate später, höhergradiger gastrointestinaler sowie urogenitaler Nebenwirkungen (7.4% bzw. 29.2% nach 3 Jahren) [702]. Valide Daten aus prospektiven, randomisierten Studien mit Aussagen zur Effektivität sowie zum Toxizitätsprofil liegen zum aktuellen Zeitpunkt nicht vor.
6.4.3 Brachytherapie
Allgemeine Aspekte zur Durchführung der Brachytherapie siehe Kapitel 6.3.4.
Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom der klinischen Kategorie cT3a kann eine HDR-Brachytherapie kombiniert mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [626] [609]
Änderungshinweis
Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom der klinischen Kategorie cT3 ist die HDR-Brachytherapie kombiniert mit perkutaner Bestrahlung eine Therapieoption. Bei Tumoren der klinischen Kategorie cT4 ist die HDR-Brachytherapie nicht indiziert. (geprüft 2021)Evidenztabellen (2)
6.3.3.2 EvT 6.29; Ist die LDR oder HDR Brachytherapie kombiniert mit einer perkutanen Bestrahlung und einer Androgen-Deprivations-Therapie (ADT) bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils/Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom im Vergleich zu einer perkutanen Strahlentherapie + ADT gleichwertig in Bezug auf das onkologische Ergebnis und die Akut- und Spätfolgen?Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz der HDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Änderungshinweis
Für eine zusätzliche hormonablative Therapie gelten die gleichen Kriterien wie bei der alleinigen kombinierten Hormon-Strahlentherapie. (geprüft 2021)Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom der klinischen Kategorie cT3a kann ein LDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Starker Konsens (97,9%)
- Literatur
- [623]
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz der LDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrundinformationen
Zu [6.63] bis [6.65] und [6.66] bis [6.68]
LDR- bzw. HDR-Brachytherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom
Die empfehlungsstützenden Quellen werden in der Version 5.1 dieser Leitlinie sowie im dazugehörigen Evidenztabellendokument ausführlich besprochen [61], [62]. Im Folgenden werden weitere aktuelle Studienergebnisse präsentiert.
In den drei aktuellen randomisierten Studien zur Kombinationstherapie beim intermediären und hohen Risikoprofil waren lokal fortgeschrittene Tumoren der klinischen Stadien cT3b oder cT4 nicht eingeschlossen. Daher kann hier keine Empfehlung für den Einsatz einer kombinierten Brachytherapie abgegeben werden [619], [623], [625]. In den aktuellen Empfehlungen der europäischen und amerikanischen Fachgesellschaften (GEC-ESTRO und ABS) wird derzeit der Einsatz einer Brachytherapie bei einem cT4 Stadium generell nicht empfohlen.
Auch in den bereits älteren randomisierten Studien zur EBRT + HDR-Brachytherapie-Boost von Hoskin et al. und Sathya et al. wurden die Patienten im Stadium cT3 nicht weiter differenziert. Patienten im Stadium cT4 waren nicht eingeschlossen [626], [703].
Eine Publikation aus dem Jahr 2016 fasste die Ergebnisse aus zwei prospektiven Phase 2 Studien beim hohen und sehr hohen Risikoprofil nach NCCN zusammen [704]. Es wurde eine perkutane Bestrahlung mit 54 Gy auf die Prostata inklusive der pelvinen Lymphabflusswege mit einer HDR-Brachytherapie kombiniert. Eine begleitende ADT wurde über 2 Jahre appliziert. In die erste Studie wurden 183 Patienten und in die zweite Studie 56 Patienten eingeschlossen. Beide Studien unterschieden sich hinsichtlich der Fraktionierung bei der HDR-Brachytherapie (Studie 1: 4x 4,75 Gy innerhalb 48 h; Studie 2: 2x 9,5 Gy in 24 h). Der Anteil der Patienten mit einem cT3b/cT4 Tumor lag bei 10 bzw. 20 %. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 8 und 5 Jahren. Grad 3+ UG Toxizität traten bei 8 und 9 % der Patienten auf, gastrointestinale Nebenwirkungen Grad 3+ traten bei 2 % und 4 % der Patienten auf. In der ASCENDE-RT Studie waren 2 Todesfälle aufgrund fataler rektaler Blutungen 3 und 4 Jahre nach Therapie aufgetreten. Ein direkter Zusammenhang mit der Strahlenbehandlung konnte nicht sicher ausgeschlossen werden.
Eine retrospektive Auswertung der US National Cancer Database aus dem Jahr 2020 untersuchte Patienten des hohen Risikos mit einer cN1 M0 Situation [705]. Es wurden 1.650 Patienten identifiziert. Eine EBRT+ADT erhielten 1.547 (93,8 %) Patienten und 103 (6,2 %) eine Kombinationstherapie aus einer perkutanen Bestrahlung mit einer ADT und einer Brachytherapie (LDR- oder HDR-Boost). Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 4 Jahren lag das mittlere OS bei 99 vs. 109 Monaten zugunsten der Tripel-Kombinationstherapie. Nach adjustieren der Daten und einem Propensity-Score-Matching bzgl. prognostischer Faktoren war der Unterschied im OS nicht mehr signifikant. Die Auswertung zeigt aber dennoch, dass eine Dosis-eskalierte Kombinationstherapie durchaus eine sinnvolle Therapieoption bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Stadium sein kann.
Salvage-Brachytherapie nach vorangegangener Strahlentherapie
Patienten in gutem Allgemeinzustand mit primär lokalisiertem Prostatakarzinom und histologisch nachgewiesenem Lokalrezidiv nach vorheriger Strahlentherapie können eine Salvage-Brachytherapie entweder mit HDR oder LDR erhalten. In einem internationalen Delphi-Konsens von 2023 wurden die Daten zur Salvage-Brachytherapie zusammengefasst. Die Mehrheit der Experten sprach sich für die HDR-Brachytherapie aus. Meist wird eine Behandlung der gesamten Drüse angestrebt [706].
In weiteren systematischen Übersichten wurden insgesamt 16 Arbeiten (vier prospektiv) zur HDR-Brachytherapie und 32 Studien (zwei prospektiv) zur LDR-Brachytherapie analysiert. Die Mehrzahl der Patienten (>85 %) erhielt eine Nachbestrahlung der gesamten Drüse [707]. Die adjustierte gepoolte Analyse für das 2-Jahres biochemisch rezidivfreie Überleben betrug für HDR 77 % (95% KI 70-83 %) und für LDR 81 % (95% KI 74-86 %). Das biochemisch rezidivfreie 5-Jahres-Überleben betrug für HDR 60 % (95 % KI: 52-67 %) und für LDR 56 % (95 % KI 48-63 %). Die Brachytherapie war mit einer geringen Rate an schweren UG-Toxizitäten verbunden. 8 % für HDR (95 % KI 5,1-11 %) und 8,1 % für LDR (95 % KI 4,3-13 %). Die Rate der schweren GI-Toxizitäten beträgt 0 % für HDR (95 % KI 0-0,2 %) und 1,5 % für LDR (95 % KI 0,2-3,4 %). HDR- und LDR-Brachytherapie sind wirksame Behandlungsoptionen mit einem akzeptablen Toxizitätsprofil. In einer systematischen Analyse der lokalen Salvage-Optionen wurde die HDR-Brachytherapie aufgrund der besseren GU- und GI-Toxizität favorisiert [707].
Ein aktuelles systematisches Review einschließlich einer Metaanalyse zur Wirksamkeit und Toxizität ausschließlich der HDR-Salvage-Brachytherapie konnte 26 Studien mit 1.447 Patienten identifizieren [708].
Es zeigte sich ein medianes 5-Jahres rückfallfreies Überleben nach Salvage-Brachytherapie von 61,2 Monaten (57,6 bis 72 Monate). Es wurde ein hochsignifikanter Vorteil für Patienten gefunden, die eine Behandlung der gesamten Prostata in mehr als 2 Fraktionen erhalten hatten, gegenüber denen mit einer fokalen Behandlung in nur einer Fraktion (p>0,0001). Überraschenderweise war ein jüngeres Alter (60–70 Jahre gegenüber 71–75 Jahre) (p<0,0001) und ein kurzer Zeitraum seit der Primärtherapie (56–67,2 Monate gegenüber 70–120 Monate) (p<0,0001) hochsignifikante Faktoren für ein besseres rezidiv freies Überleben. Grad 3+ UG und GI Spätnebenwirkungen waren mit 5 % und 0,3 % sehr gering.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die publizierten Daten vorwiegend aus kleinen Therapieserien stammen und Ergebnisse randomisierter Studien fehlen. Daher kann keine klare Empfehlung der Art der Salvage-Brachytherapie nach Prostatabestrahlung gegeben werden. Die vorhandenen Daten der Effektivität und Toxizität sind positiv. In jedem Fall sollte diese Behandlung nur in erfahrenen Zentren angeboten werden.
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms
Lokale Behandlungsoptionen für Patienten mit histologisch gesicherten Lymphknotenmetastasen sind die operative Therapie oder die Strahlentherapie. Als systemische Behandlung steht die sofortige oder die verzögerte hormonablative Therapie zur Verfügung.
Ein valider Vergleich der möglichen Primärtherapieverfahren als Monotherapie oder in Kombination ist aufgrund der vorliegenden Studien nicht möglich.
- Evidenzlevel
- 1-
3 - Konsens
- Starker Konsens (97%)
- Literatur
- [709]
Evidenztabellen (1)
6.5 EvT 6.57Der therapeutische Stellenwert der Lymphadenektomie im Rahmen der radikalen Prostatektomie beim lymphknotenpositiven Prostatakarzinom ist nicht in prospektiven Studien geklärt.
Der therapeutische Stellenwert der Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege nach radikaler Prostatektomie mit Lymphknotendissektion beim lymphknotenpositiven Prostatakarzinom ist nicht in prospektiven Studien geklärt.
Wenn Patienten mit lymphknotenpositivem hormonsensitivem Prostatakarzinom (N1 M0) eine Bestrahlung der Prostata und des pelvinen Lymphabflusses (IMRT + IGRT) erhalten, soll zusätzlich eine hormonablative Therapie mit GnRH-Analogon (3-Jahre) und Abirateron/Prednison (2 Jahre) angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 1+
- Konsens
- Starker Konsens (96,2%)
- Literatur
- [681]
Hintergrundinformationen
Zu [6.69]
Zur Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms wurde zuletzt mit der Aktualisierung 2018 eine systematische Literaturrecherche und Evidenzbewertung vorgenommen. Aufgrund einer aktuellen Studie wurde mit Version 8 dieser Leitlinie eine Empfehlung zur erweiterten hormonablativen Therapie mit Abirateron im Fall einer lokalen Strahlenbehandlung von Prostata und Lymphabflusswegen ergänzt (siehe [6.71]).
Zusammenfassung der Evidenzlage - Stand 2018
Die recherchierte Literatur zur Behandlung des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms stellt sich wie folgt dar:
Es finden sich vorwiegend retrospektive Fallserien mit unzureichender Risikoadjustierung (im Hinblick auf prognostische Faktoren wie T-Kategorie-Verteilung, Gleason-Score und insbesondere in Bezug auf die Anzahl befallener Lymphknoten).
Ab 2000 wurden folgende RCTs zum Thema identifiziert:
- Schröder F. H. et al. 2008 [716]: sofortige versus verzögerte alleinige endokrine Behandlung des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms. Die RCT war laut Studienprotokoll zum Nachweis einer Nichtinferiorität der verzögerten endokrinen Behandlung angelegt. Die Studie hat eine zu geringe Fallzahl bezüglich dieses Nachweises, da die Patienten nicht alle randomisiert wurden. Sie ist auch bezüglich des Nachweises eines Vorteils einer sofortigen endokrinen Behandlung zu klein. Hierfür war sie auch nicht ausgelegt.
- Lawton et al. 2001/2005 [717], [718]: retrospektive Subgruppenanalyse des RTOG-85-31 RT zum Vergleich sofortiger endokriner Therapie nach Bestrahlung mit endokriner Therapie erst bei Auftreten eines Rezidivs bei (histologisch gesicherten) lymphknotenpositiven Patienten.
- Kleeberg et al. 2000 [719]: RCT zum Vergleich sofortiger versus verzögerter endokriner Therapie bei lymphknotenpositiven Patienten. Die RCT hat eine geringe Fallzahl und damit Teststärke (Power).
- Iversen et al. 2004 [720]: retrospektive explorative gepoolte Subgruppenanalyse für 150 lymphknotenpositive Patienten aus drei Studien mit insgesamt >8.000 Patienten (57 % histologisch gesichert, 43 % Diagnose aufgrund bildgebender Verfahren): Bicalutamid versus Placebo. Nur vorläufige Ergebnisse, keine Messung von Überlebensdaten.
- Messing et al. 2006 [721]: RCT zum Vergleich sofortiger versus verzögerter hormonablativer Therapie bei lymphknotenpositiven Patienten (n=98) mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 11,9 Jahren. Die RCT zeigt einen statistisch signifikanten Vorteil in Bezug auf progressionsfreies und krankheitsfreies Überleben sowie Gesamtüberleben.
Die vorliegenden Auswertungen aus RCTs zeigen demzufolge methodische Schwächen.
Zur Wertigkeit prognostischer Faktoren bei lymphknotenpositivem Karzinom wurde eine populationsbezogene Studie identifiziert [722]. Hier zeigte sich bei der multivariaten Analyse nur der Differenzierungsgrad (Gleason-Score/WHO-Grading) des Tumors als grenzwertig signifikant.
Folgende Therapieoptionen wurden in den vorliegenden Studien (unter Einschluss jeglicher Studienqualität) untersucht:
- operative Therapie allein;
- operative Therapie und Androgenablation;
- operative Therapie und Radiotherapie;
- Androgenablation allein;
- Radiotherapie allein;
- Radiotherapie und Androgenablation;
- Radiotherapie, Androgenablation und Abirateron (vgl. Empfehlung [6.71]);
- Additive Chemotherapie;
- Kombinierte Therapieformen.
Die Lymphknotenmetastasen in den Studien sind nicht immer histologisch gesichert gewesen, dies impliziert eine Unsicherheit in der Beurteilung der erzielten Effekte. Ein valider Vergleich der Therapieoptionen ist anhand der vorliegenden Studien nicht möglich.
Für die Option einer additiven Chemotherapie liegen lediglich eine Phase-II-Studie und zwei Phase-III-RCTs mit kleinen Fallzahlen und marginalen Effekten vor, sodass diese Therapieoption als experimentell bezeichnet werden muss [723], [724].
Es scheint bei der Wahl des primären Vorgehens regionale oder nationale Unterschiede zu geben. So führt Aus [722] in seiner populationsbasierten Analyse aus, dass in Schweden ein Konsens erzielt wurde, bei Nachweis von Lymphknotenmetastasen primär endokrin zu behandeln und auf eine lokale Therapie zu verzichten.
Die Literaturübersicht (siehe Literaturzitate Swanson et al. 2006 [Swanson, G.P. et al. 2006]) zeigt eine Überlegenheit der Kombinationstherapie (lokal + hormonell) im Vergleich zu einer Monotherapie. Die eingeschränkte methodische Wertigkeit der Studien muss dabei berücksichtigt werden.
Zur Fragestellung einer sofortigen versus einer verzögerten endokrinen Therapie bei lymphknotenpositiven Patienten liegen RCTs [716], [717], [718], [719], [721] oder (retrospektive) Subgruppenanalysen aus RCTs vor, die einen Vorteil einer sofortigen endokrinen Therapie zeigen (als alleinige Therapie oder als additive Therapie), der jedoch nicht durchgehend statistisch signifikant ist. Darüber hinaus haben die Studien für die Fragestellung oft eine zu geringe Fallzahl. Aufgrund der Studienlage sind Therapieempfehlungen deshalb mit Unsicherheiten behaftet.
Aus den wenigen Studien, die nach Anzahl befallener Lymphknoten oder in Bezug auf Mikro- oder Makrometastasen differenzieren, kann eine negative Korrelation von Anzahl befallener Lymphknoten und Prognose im Hinblick auf krankheitsfreies Überleben und Gesamtüberleben abgeleitet werden [723], [724], [725],[726], [727].
Briganti et al. 2009 [726] konnten in einer konsekutiven Serie (n=703) mit einer medianen Überlebenszeit von 9,5 Jahren nachweisen, dass das tumorspezifische Überleben bei mehr als zwei befallenen Lymphknoten signifikant schlechter war als bei weniger als zwei befallenen Lymphknoten (62 % versus 84 %, nach Adjustierung absoluter Unterschied 4,9 %, beides p<0,001). Dieser cut-off hatte sich bereits in einer Serie von 2007 (n=507) [727] als prognostischer Faktor für das tumorspezifische Zehn-Jahres-Überleben als signifikant gezeigt. In der Serie von Boorjian et al. waren in der multivariaten Analyse weiterhin ein Gleason-Score von 8-10, positive Schnittränder und die Ploidie des Tumors (diploid versus nichtdiploid) signifikant mit einer schlechteren Prognose assoziiert.
Aufgrund fehlender Daten zur Behandlung von Patienten mit erhöhtem Risiko für einen Lymphknotenbefall, wird ein Verfahren analog dem Vorgehen bei nachgewiesenem Lymphknotenbefall empfohlen. Grundsätzlich sollte bei erhöhtem Risiko für Lymphknotenbefall immer eine Lymphonodektomie zur histologischen Beurteilung des Lymphknotenstatus erfolgen. Nur wenn diese nicht möglich ist, sollte das Risiko anhand von prognostischen Parametern/Nomogrammen abgeschätzt werden.
Zu [6.70]
Der Hintergrundtext zu diesem Statement orientiert sich an den bereits verabschiedeten Empfehlungen zum Stellenwert der Lymphadenektomie und der Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege bei lokal fortgeschrittenen Tumoren.
Effekt der Lymphadenektomie
Der therapeutische Effekt der Lymphadenektomie bei Lymphknotenmetastasierung wurde bisher weit überwiegend in nicht-randomisierten, retrospektiven Studien untersucht [Fossati, N. et al. 2017]. Die Ergebnisse sind laut Übersichtsarbeit nicht ausreichend, um eine allgemeine Therapieempfehlung zu geben. Daher ist keine allgemein gültige Indikationsstellung für dieses Verfahren auf dem Boden der existierenden Evidenz möglich.
Effekt der Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege
Zur Begründung siehe Hintergrundtext zu Empfehlung [6.77].
Hintergrundinformationen
Behandlung des lokal fortgeschrittenen PCa mit Hochrisikofaktoren cN0 (siehe Empfehlung [6.60]) und des cN1 M0 Prostatakarzinoms
Das lymphknotenmetastasierte Prostatakarzinom (cN1) stellt eine Entität dar, die neben einer lokalen Therapie eine intensive Systemtherapie erfordert. Bei Einsatz einer konventionellen Ausbreitungsdiagnostik (CT/MRT und Skelettszintigraphie) weisen ca. 5-10% der untersuchten Patienten eine Lymphknoten- aber noch keine ossäre oder Organmetastasierung auf (Stadium cN1 M0). In Metaanalysen konnte gezeigt werden, dass durch den Einsatz der PSMA-PET-Bildgebung eine Tumorausdehnung in der N1-Region des Beckens in dieser Patientengruppe bei ca. 32 % der untersuchten Patienten vorlag, die in konventioneller Diagnostik negativ waren [728]. In einer zur gleichen Zeit veröffentlichten randomisierten Studie konnte die Ergebnisse dieser Metaanalyse bestätigen [259].
Die radioonkologische Behandlung des lokal fortgeschrittenen cN0 PCa sowie des cN1M0 PCa basiert traditionell auf einer langfristigen ADT in Kombination mit einer lokalen RT. In einer aktuellen Metanalyse von 2 randomisierten Studien wurde die Wirksamkeit einer definitiven perkutanen Strahlenhormontherapie (RT + 3 Jahre ADT) im Vergleich mit einer intensivierten kombinierten Hormontherapie (Studie 1: RT + ADT für 3 Jahre plus Abirateron/Prednison für 2 Jahre oder Studie 2: RT + ADT für 3 Jahre plus Abirateron/Prednison plus Enzalutamid für 2 Jahre) untersucht. Neununddreißig Prozent der Patienten (n = 774) wiesen in der konventionellen Bildgebung ein N1-Stadium auf. 80% bzw. 90 % der Patienten erhielten eine Strahlentherapie als Standard-of-Care. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 72/60 Monaten konnten Attard und Kollegen der STAMPEDE Gruppe [681] bei Patienten mit Prostatakarzinom der (sehr) hohen Risikogruppe (entweder N1 oder mindestens 2 der folgenden Faktoren: ISUP-Gruppe 4 oder 5, PSA > 40 ng/ml, cT3/cT43) zeigen, dass mit der Kombinationstherapie mit Abirateron neben dem progressionsfreien Überleben auch bezüglich der Endpunkte MFS, OS und Prostate-Cancer-Specific-Survival ein hochsignifikanter Vorteil erreicht wird.
Zusammenfassend sehen die Autoren der S3-Leitlinie im Fall einer Prostata- und Beckenbestrahlung (IMRT + IGRT) die Kombination mit einer intensivierten Hormontherapie (ADT für 3 Jahre und zusätzlich Abirateron für 2 Jahre) bei cN1-Patienten oder solchen mit den genannten Risikofaktoren als Standardbehandlung an. Trotz dieses Evidenzlevels (LoE 1) ist Abirateron aktuell in Deutschland für diese Indikation nicht zugelassen.
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom aller Risikoprofile sollte vor radikaler Prostatektomie keine neoadjuvante antihormonelle Therapie erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1++
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
- Literatur
- [262]
Änderungshinweis
Vor radikaler Prostatektomie soll keine neoadjuvante hormonablative Therapie bei klinisch lokal begrenztem Stadium durchgeführt werden. (geprüft 2018)Als adjuvante perkutane Strahlentherapie (IMRT+IGRT) wird die Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie nach Erreichen des definierten PSA-Nullbereichs bezeichnet.
(Zur Behandlung bei postoperativ persistierendem PSA-Wert siehe Kapitel 7.2)
(Zur Definition der PSA-Progression siehe Kapitel 7.1)
- Konsens
- Starker Konsens (98,2%)
Änderungshinweis
Als adjuvante perkutane Strahlentherapie wird die Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie nach Erreichen des definierten PSA-Nullbereichs bezeichnet. (Zur Behandlung bei postoperativ persistierendem PSA-Wert siehe Kapitel 7.2. Zur Definition der PSA-Progression siehe Kapitel 7.1.)Die Indikation zur adjuvanten Strahlentherapie (IMRT+IGRT) beschränkt sich auf folgende Risikogruppen:
Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom (pN0) mit hohem Risiko und den nachfolgenden Faktoren sollte eine adjuvante Strahlentherapie (IMRT+IGRT) unter Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten werden: pT3/pT4 (unabhängig vom R-Status) + Gleason Score 8-10 (ISUP 4-5).
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Konsens (79%)
- Literatur
- [729] [730] [731] [732] [733] [734] [735]
Änderungshinweis
Die Indikation zur Adjuvanten Strahlentherapie beschränkt sich auf folgende Risikogruppen: a. Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom (pN0) mit hohem Risiko und den nachfolgenden Faktoren sollte eine adjuvante Strahlentherapie unter Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten werden: pT3/pT4+R1 (positiver Schnittrand) + Gleason Score 8-10 (ISUP 4-5). (Empfehlungsgrad: B) b. Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom (pN0) mit erhöhtem Risiko und den nachfolgenden Faktoren kann eine adjuvante Strahlentherapie unter Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten werden: pT3/pT4+R0 (negativer Schnittrand) + Gleason Score 8-10 (ISUP 4-5). (Empfehlungsgrad: 0) c. Patienten mit einem lokal begrenztem Prostatakarzinom (pN0) und den nachfolgenden Faktoren kann eine adjuvante Strahlentherapie unter Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten werden: R1 (multifokal-positiver Schnittrand) + Gleason Score 8-10 + pT2. (Empfehlungsgrad: 0) d. Bei jeder der drei Gruppen (a-c) soll bei der Aufklärung über die adjuvante Strahlentherapie die alternative Option der perkutanen Strahlentherapie bei PSA-Anstieg aus dem definierten Nullbereich genannt werden (siehe Kapitel 7.2 zur Behandlung des PSA-Rezidivs). (Empfehlungsgrad: A) (geprüft (2021)Patienten mit einem lokal begrenztem Prostatakarzinom (pN0) und den nachfolgenden Faktoren kann eine adjuvante Strahlentherapie (IMRT+IGRT) unter Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten werden: R1 (multifokal-positiver Schnittrand) + Gleason Score 8-10 + pT2.
Bei jeder der genannten Gruppen soll bei der Aufklärung über die adjuvante Strahlentherapie die alternative Option der perkutanen Strahlentherapie (IMRT+IGRT) bei PSA-Anstieg aus dem definierten Nullbereich genannt werden (siehe Kapitel 7.2 zur Behandlung des PSA-Rezidivs).
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Patienten mit histopathologisch nachgewiesenen Lymphknotenmetastasen kann eine adjuvante Hormontherapie oder eine adjuvante Hormontherapie plus adjuvante Strahlentherapie (IMRT + IGRT von Prostataloge und Lymphabflussgebiet) angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrundinformationen
Zu [6.72]
Die Leitlinie der EAU 2024 empfiehlt beim lokal begrenzten Prostatakarzinom keine neoadjuvante Hormontherapie („Do not offer neoadjuvant androgen deprivation therapy before surgery.“ [262]). Die EAU-Leitlinie nimmt aber nicht explizit zur Rolle der neoadjuvanten Hormontherapie beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom Stellung. Die Empfehlung lautet in diesem Kontext lediglich „Offer RP to patients with cN0 disease as part of multi-modal therapy.“ [262], wobei unterstrichen wird, dass „cN0“ sich auf die Resultate konventioneller Bildgebung bezieht. Im Rahmen multimodaler Konzepte bei fortgeschrittenen Tumoren ist eine neoadjuvante Hormontherapie vor radikaler Prostatektomie eine Option, die nicht komplett auszuschließen ist. Dies gilt auch für einzelne Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom mit sehr hohem Risiko nach NCCN-Klassifikation (beispielsweise Patienten mit sehr hohem PSA-Wert und vielen befallenen Zylindern mit ISUP-Grad 4 oder 5), deren Wahrscheinlichkeit eines tatsächlich organbegrenzten Tumors gering ist und die darum ebenfalls Kandidaten für eine multimodale Therapie sein können.
Hintergrundinformationen
Zusammenfassung der Evidenzlage der adjuvanten perkutanen Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie (pN0)
Die recherchierte Literatur zur adjuvanten perkutanen Strahlentherapie (ART) im Stadium pN0 nach RP erbrachte für die adjuvante Strahlentherapie im Vergleich zur „wait and see-Strategie“ drei RCT zur Fragestellung des Nutzens der ART [729], [733], [735]. Zur Frage des Vergleiches der adjuvanten Strahlentherapie mit der frühen Salvage-Strahlentherapie (SRT) liegen Ergebnisse von drei randomisierten Studien sowie eine Metaanalyse vor [Parker, CC et al. 2024], [732], [734].
Die Einschlusskriterien für die adjuvante Strahlentherapie versus „wait and see“ waren in den Studien unterschiedlich, in der Regel handelte es sich um lokal fortgeschrittene Prostatakarzinome im Stadium pT3/4, jedoch auch teilweise im Stadium des lokal begrenzten PCa (pT2), dann mit positivem Schnittrand. Bei den lokal fortgeschrittenen Karzinomen handelt es sich um Patienten sowohl mit als auch ohne positiven Schnittrand. Aus diesen drei RCT liegen zusätzliche Auswertungen zur Stratifizierung spezifischer Risikofaktoren für eine Tumorprogression vor. Zusätzlich liegen Auswertungen hinsichtlich der möglichen Akut- und Spätfolgen vor.
Die Voraussetzung für die Diskussion der randomisierten Studien ist die Festlegung eines definierten „Nullbereichs“ des PSA nach radikaler Prostatektomie. Dieser sogenannte „PSA-Nullbereich“ wird in der Literatur in der großen Mehrzahl der Fälle als ein PSA-Wert <0,1 ng/ml angesehen, in einigen Leitlinien jedoch auch als <0,2 ng/ml [736]. Von diesem Erreichen des „PSA-Nullbereichs“ zu unterscheiden sind Patienten, die nach der radikalen Prostatektomie diesen Nullbereich nicht erreichen. Es handelt sich dann um einen „persistierenden“ PSA-Wert. Diese Patienten werden definitionsgemäß nicht adjuvant bestrahlt, sondern einer Salvage-Strahlentherapie zugeführt. Zu dem Zeitpunkt der Konzeption der RCT der adjuvanten Strahlentherapie im Vergleich zu einer „wait and see-Strategie“ waren diese Kriterien noch nicht hinlänglich definiert. Bei diesen drei RCT war nur in der deutschen Studie das Erreichen des Nullbereiches gefordert (<0,1 ng/ml) [735]. In den beiden anderen RCT wurde ein Cutoff <0,2 ng/ml angesetzt [729] [733]. In der EORTC-Studie [729] erreichten 87 % der Interventionsgruppe diesen Wert, bei der SWOG-Studie [733] lag dieser Anteil nur bei 65 %, wobei PSA-Werte in dieser Studie nur für 85 % der Patienten verfügbar waren.
In den neueren RCT, in denen die adjuvante Strahlentherapie mit der frühen SRT verglichen wurde, war als Eingangsvoraussetzung für den PSA-Nullbereich ein PSA-Wert < 0,1 ng/ml [732], [734] oder ein Wert von < 0,2 ng/ml [Parker, CC et al. 2024] gefordert.
Die perkutane Strahlentherapie wurde in den frühen drei RCT mit älteren Bestrahlungstechniken durchgeführt, nur in der deutschen Studie wurde eine relativ moderne 3D-Bestrahlungstechnik eingesetzt [735]. Dementsprechend finden sich relativ hohe Raten an Spätfolgen der Therapie in der EROTC- und der SWOG-Studie [729], [733]. Die Gesamtdosis der Bestrahlung in allen 3 Studien betrug 60 Gy bei einer Einzeldosis von 2 Gy. In den neueren drei RCT war sowohl die 3D-geplante RT Standard als auch mit zunehmender Frequenz die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT), da diese Studien in den Jahren 2005 und aufwärts konzipiert wurden. Hier betrug die Einzeldosis aufgrund einer frühen Absprache dieser 3 Studiengruppen (ART versus SRT) 2 Gy pro Fraktion, die Gesamtdosis 64–66 Gy jeweils in beiden Therapiearmen.
Während in den frühen RCT eine alleinige Strahlentherapie durchgeführt wurde, erhielten in den neueren RCT die Patienten der GETUG AFU-17-Studie in beiden Armen (ART und SRT) eine 6-monatige ADT [734]. In der britischen Studie (RADICALS-RT) war im Rahmen einer sekundären Randomisation auch die Teilnahme der Patienten in einem randomisierten Vergleich von zusätzlich einer Kurzzeit-ADT (6 Monate) versus 24 Monate ADT möglich (RADICALS-HD) [730].
Zum Nutzen der adjuvanten Strahlentherapie im Vergleich zur frühen Salvage-Strahlentherapie
Den Empfehlungen liegen die drei frühen RCT zugrunde [729], [733], [735] sowie die drei neueren RCT und die Metaanalyse dieser RCT [Parker, CC et al. 2024], [732], [734], [731] (s. o.). Bei den frühen RCT lag die mediane Nachbeobachtung bei ca. 10 Jahren, bei den neueren RCT und der Metaanalyse bei ca. 5 Jahren, abgesehen von RADICALS RT, von der nun bei einer medianen Nachbeobachtung von 7,8 Jahren 10-Jahresdaten vorliegen [Parker, CC et al. 2024].
In den drei frühen RCT im Vergleich adjuvante RT vs. „wait and see“ konnte grundsätzlich die Wirksamkeit der perkutanen adjuvanten Strahlentherapie nachgewiesen werden. Der primäre Endpunkt zweier dieser Studien [729], [735] war die Verbesserung der biochemischen Progressionsfreiheit, in der SWOG-Studie war der primäre Endpunkt das metastasenfreie Überleben. In allen drei Studien konnte mit einer medianen Nachbeobachtung von 10 Jahren eine signifikante Verbesserung der biochemischen Progressionsfreiheit in der Interventionsgruppe gezeigt werden (SWOG: 53 % vs. 30 %) (EORTC 60,6 % vs. 41 %) (ARO 56 vs. 35 %). Eine vierte, finnische Studie ist nicht gut mit den anderen Studien zu vergleichen, da hier eine Vielzahl der Patienten den PSA-Nullbereich nicht erreicht hat und es zu einer Durchmischung einer adjuvanten RT mit einer SRT kam [737]. In Bezug auf das Gesamtüberleben zeigte sich lediglich in der SWOG-Studie nach 10 Jahren ein signifikanter Überlebensvorteil (74 % vs. 66 %) [733]. In Bezug auf die Nebenwirkungsrate war von den drei Studien lediglich die deutsche Studie mit heutigen Therapien vergleichbar, weil alle Patienten 3D-geplant bestrahlt wurden. Dementsprechend war bei einer Gesamtdosis von 60 Gy die Rate schwerer Nebenwirkungen (RTOG Grad >3) bei 1-2 %, sie lag in den zwei anderen Studien signifikant höher.
Zusammenfassend haben diese drei randomisierten Studien den Nutzen der adjuvanten Strahlentherapie gegenüber einer „wait and see“-Strategie bewiesen. Allerdings konnte ein Überlebensvorteil nicht eindeutig nachgewiesen werden, da die Studien hierfür entweder nicht gepowert waren oder einen anderen primären Endpunkt aufwiesen. Bereits aus diesen drei Studien wurde evident, dass die Patienten mit dem höchsten Progressionsrisiko (pT3/4+SR+Gleason 8-10) nach radikaler Prostatektomie (RP) die geeignetsten Kandidaten für eine adjuvante Therapie sein würden, da viele Patienten (nach 5 Jahren noch 50 %) aus diesen drei Studien biochemisch noch nicht progredient waren, möglicherweise also übertherapiert wurden. Die wichtige neue Fragestellung zu diesem Zeitpunkt war, ob dieser Vorteil auch bei einem direkten Vergleich der adjuvanten Strahlentherapie mit der frühen Salvage-Therapie, also bei beginnender Progression, bestehen bleiben würde. Diese Fragestellung konnte mit den drei älteren Studien nicht beantwortet werden, da bei Progression keine konkrete SRT in dem Design dieser drei Studien gefordert war. Konsequenterweise waren die neueren drei randomisierten Studien unter Einschluss der Meta-Analyse dieser Fragestellung gewidmet [Parker, CC et al. 2024], [731], [732], [734].
In die sog. „Raves“-Studie sollten 470 Patienten randomisiert werden, die entweder einen positiven Schnittrand oder ein pT3-Stadium sowie Kombinationen davon aufwiesen [732]. Die Rekrutierung wurde jedoch 2015 nach 333 Patienten vorzeitig abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass der primäre Endpunkt (Äquivalenz beider Studienarme) wegen einer zu geringen Zahl von progredienten Patienten nach Radikaler Prostatektomie nicht erreicht werden würde.
Randomisiert wurde in eine adjuvante RT innerhalb von 4-6 Monaten nach OP, Einzeldosis (ED) 2 Gy, Gesamtdosis (GD) 64 Gy vs. eine SRT bei den Patienten, bei denen der PSA-Wert über 0,2 ng/ml angestiegen war. Auch diese Patienten erhielten dann 64 Gy Gesamtdosis. Die biochemische Progression wurde definiert als PSA-Anstieg über 0,4 ng/ml nach SRT. Insgesamt handelte es sich um ein prognostisch günstiges Kollektiv mit nur 15 % der Patienten mit Gleason 8-10-Tumoren. 67 % der Tumoren hatten einen positiven Schnittrand (inkl. pT2-Karzinome) und lediglich 20 % der Tumoren eine Samenblaseninfiltration. Zum Zeitpunkt der Auswertung, drei Jahre nach Ende der Rekrutierung, zeigten 84 Patienten im Beobachtungsarm (50,3 %) eine biochemische Progression, 80 von diesen wurden bisher bestrahlt. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6 Jahren insgesamt ergab sich für den primären Endpunkt (freedom from biochemical failure) nach 5 Jahren medianer Nachbeobachtung kein signifikanter Unterschied (86 vs. 87 %). Aufgrund der viel zu geringen Anzahl von biochemischen Progressionen und der zu kleinen Zahl randomisierter Patienten konnte die angenommene Nicht-Unterlegenheit der SRT nicht nachgewiesen werden. Es zeigte sich eine signifikant erhöhte Rate an GU-Toxizität Grad II+ (ART-Arm 70 %, SRT-Arm 54 %) zu Ungunsten der adjuvanten RT. Nur ein Teil der Patienten im Salvage-Arm wurde bisher bestrahlt (50 %). In der „Intent to treat“ Analyse werden die Raten an Spätfolgen auf die Gesamtzahl der randomisierten Patienten bezogen. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass im Kontext der drei randomisierten Studien und der Meta-Analyse die frühe SRT gegenüber einer adjuvanten Strahlentherapie grundsätzlich favorisiert werden sollte.
In die zweite randomisierte Studie („GETUG-AFU-17“) [734] sollten 718 Patienten randomisiert werden, die entweder adjuvant oder verzögert Salvage-strahlentherapiert werden sollten. Auch hier konnten insgesamt weniger Patienten als geplant eingebracht werden (n=424), sodass die Studie wegen schlechter Rekrutierung geschlossen wurde. Die Patienten hatten ein pT3/4-Karzinom und mussten zusätzlich einen positiven Schnittrand aufweisen. Die Gesamtdosis der RT betrug in beiden Armen 66 Gy, eine RT der pelvinen Lymphabflussgebiete war erlaubt. Der mediane PSA-Wert vor SRT betrug 0,26 ng/ml. Alle Patienten erhielten zusätzlich eine sechsmonatige LHRH-Analogon-Therapie (was keinem therapeutischen Standard entspricht). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 75 Monate. Nach fünf Jahren zeigte sich bei dem primären Endpunkt („event-free survival“) kein signifikanter Unterschied (92 % vs. 90 %). Auch hier zeigte sich darüber hinaus ein signifikanter Unterschied zu Ungunsten von ART bei den Spätfolgen Grad II + am GU-Trakt (27 % der Patienten mit ART, 7 % der Patienten mit SRT). Vergleichbare Unterschiede zeigten sich auch bei der erektilen Dysfunktion. Zum Zeitpunkt der Analyse hatten 115/212 Patienten (54 %) eine SRT wegen Progress erhalten.
In die dritte randomisierte Studie („RADICALS-RT) [Parker, CC et al. 2024] wurden zwischen 2007 und 2016 1.396 Patienten randomisiert. Die Patienten hatten zumindest einen Risikofaktor (pT3/4, Gleason Score 7-10, SR+ oder einen prä-RP-PSA >10 ng/ml). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 7,8 Jahre. Der primäre Endpunkt der Studie war das metastasenfreie Überleben. Bisher haben lediglich 39 % der Patienten (270/699), im Beobachtungsarm die SRT gestartet, 82/699 (12%) weitere Patienten haben eine nachgewiesene Progression, die SRT wurde aber noch nicht gestartet. Nach 10 Jahren betrug die FFDM („Freedom From Distant Metastasis“ – primärer Endpunkt 93% (ART) versus 90% (SRT) (HR=0.68; 95% KI 0.43-1.07, P=0.095). Auch das Gesamtüberleben zeigte keinen signifikanten Unterschied (p=0.917). Nur 17 Patienten waren an dem PCa verstorben. Zusätzlich zeigten die Patienten nach ART-Randomisation nach einem Jahr eine signifikant schlechtere Kontinenz und eine leichte Stuhlinkontinenz (p<0.001), die leichte Stuhlinkontinenz verblieb auch nach 10 Jahren noch signifikant (p=0,017) [Parker, CC et al. 2024].
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Nebenwirkungsrate an GU-Spätfolgen durch die adjuvante Strahlentherapie erhöht wird und kein Vorteil in Bezug auf klinisch relevante Vorteile zu sehen ist. Daher sei die SRT der zukünftige Standard, eine ART sollte nicht mehr durchgeführt werden.
Eine Meta-Analyse der 3 genannten Studien [731] umfasst insgesamt 2.153 Männer davon 1.075 mit ART und 1.078 mit SRT. Von diesen hatten bisher erst 39,1 % eine SRT benötigt bzw. erhalten (421/1.078). Die mediane Nachbeobachtungszeit in den Studien reichte von 60–78 Monate. Diese erste Analyse beruhte auf lediglich 270 PSA-Progressionsereignissen. Es zeigte sich kein Hinweis auf einen Vorteil von ART gegenüber SRT; das „event-free survival“ betrug nach 5 Jahren 89 % (ART) vs. 88 % (SRT) (p>0,05). Die Schlussfolgerung der Autoren dieser Meta-Analyse, die allerdings teilweise identisch mit denen der randomisierten Studien sind, ist, dass grundsätzlich nur noch eine frühe SRT eingesetzt werden sollte.
In der Gesamtbeurteilung aller drei RCTs und der Meta-Analyse zeigen sich verschiedene Aspekte, die einer kritischen Diskussion bedürfen. Eine Zusammenfassung dieser Kritikpunkte findet sich in dem Kommentar von Frau Tilki und Herrn D’Amico [738] sowie Herrn Ghadjar et al. [739].
Kritisch anzumerken ist, dass für viele der Patienten in allen drei Studien, die in den (ca. 2005 konzipierten) Studien einer ART zugeführt wurden, heute die ART als nicht mehr indiziert angesehen wird, da keine ausreichenden adäquaten Risikofaktoren vorhanden waren und damit die Progressionsraten erheblich zu niedrig waren. Zum Beispiel konnten Patienten in die RADICALS-RT-Studie eingebracht werden, die ein pT2-Karzinom hatten, wenn der PSA-Wert präoperativ >10 ng/ml war, unabhängig vom Schnittrand. Dementsprechend zeigt sich in der Meta-Analyse, dass mehr als 20 % der Patienten ein pT2-Karzinom hatten, jedoch nur 16 % die echten Risikofaktoren für einen Progress (Gleason Score 8-10; pT3b-Stadium – 20 %). Zusätzlich ist zu kritisieren, dass die in der adjuvanten Situation eingesetzten Strahlentherapie-Gesamtdosen von 64-66 Gy denen entsprachen, die bei der SRT eingesetzt wurden und damit höher waren, als der Standard zu dieser Zeit (60 Gy). Die erhöhte Rate an > Grad 2- und 3 - Nebenwirkungen (hauptsächlich GU-Toxizität) erklärt sich auch dadurch, dass viele Patienten behandelt wurden, die nach heutigen Kriterien nicht mehr behandelt worden wären. Die Nebenwirkungsraten der SRT wurden daher hochgerechnet auf die Gesamtzahl der randomisierten Patienten, auch wenn diese gar nicht bestrahlt wurden. Vergleicht man die GU-Spättoxizität Grad 3 zwischen den nur bestrahlten ART-Patienten aus RADICALS-RT (N=697) mit den nur mit einer SRT behandelten Patienten in RADICALS HD (N=737), dann zeigen bei den mit ART bestrahlten Patienten 11% und bei denen mit einer SRT bestrahlten Patienten 16% diese Nebenwirkungen. Von einem signifikanten Unterschied der Spätfolgen zum Nachteil der mit ART bestrahlten Patienten kann also keine Rede sein. Hinzu kommt der Einsatz der ADT (bei allen Patienten in der GETUG-Studie, zusätzlich bei ca. 20 % der RADICALS-RT-Patienten, die in einer sekundären Randomisation auch zwischen einer antihormonellen Therapie von 6 oder 24 Monaten im Rahmen der RADICALS-HD Studie wählen konnten) [740]. Durch eine solche antihormonelle Therapie kann es zu einer erheblichen Verlängerung der Zeit bis zu einer biochemischen oder klinischen Progression kommen. Die Metaanalyse wurde durchgeführt, obwohl zwei der drei randomisierten Studien frühzeitig wegen mangelnder Patientenrekrutierung abgebrochen wurden und für RADICALS-RT zum Zeitpunkt der Metaanalyse nicht der primäre Endpunkt (FFDM) berichtet wurde. Diese Punkte können zu erheblichen methodischen Einschränkungen führen.
In diesem Kontext ist die Abstufung der evidenzbasierten [6.74] bis [6.76] dahingehend zu verstehen, dass Patienten mit hohem Risiko und speziellen Faktoren (pT3/pT4 + Gleason Score 8-10) unabhängig von der Schnittrandsituation (R0 und R1) eine adjuvante Therapie unter Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten werden sollte ([6.62]), da hier die Zahl der Patienten in den drei randomisierten Studien bei deutlich unter 20 % lag. Deshalb werden auch bei einer Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren selbst in der Metaanalyse kaum statistisch belastbare Daten generiert werden können. Dieses Vorgehen entspricht auch den aktuellen Leitlinien der EAU [740].
Zusätzlich kann Patienten, die bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom (pT2) die Risikofaktoren multifokal positiver Schnittrand + Gleason Score 8-10 + pT2 aufweisen, eine adjuvante RT unter Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten werden ([6.75]), da die genannten Faktoren mit einem signifikant erhöhten lokalen Rezidivrisiko verbunden sind [740].
Da grundsätzlich der Wert der Salvage-Therapie belegt ist und sichere Aussagen nicht gemacht werden können, sollen deshalb nach der [6.76] diese Patienten eine Aufklärung über die alternative Option der perkutanen Salvage-Therapie bei Progress aus dem Nullbereich erhalten.
Diese Empfehlungen tragen der Problematik Rechnung, dass bei den drei neueren randomisierten Studien und der Metaanalyse erst Nachbeobachtungszeiten von 10 und mehr Jahren mit Darstellung des metastasenfreien Überlebens und des karzinomspezifischen Überlebens herangezogen werden müssen, was aktuell nur für die RADICALS-RT-Studie gilt. Erst dann könnten endgültige Aussagen über die adjuvante Strahlentherapie im Vergleich zur frühen SRT getroffen werden.
Hintergrundinformationen
Zu [6.77]
Die EAU-Leitlinie 2024 rät von einer adjuvanten Hormontherapie nach radikaler Prostatektomie bei Patienten ohne Lymphknoten ab („Do not prescribe adjuvant androgen deprivation therapy (ADT) to pN0 patients.“ [262]). Daneben nennt die EAU-Leitlinie bei Patienten mit maximal 2 histopathologisch nachgewiesenen Lymphknotenmetastasen bei ausgedehnter Lymphadenektomie und einem PSA-Wert unter der Nachweisgrenze die Beobachtung ohne adjuvante Therapie als Option [262]. Als Referenzen für die adjuvante Strahlentherapie nennt die EAU-Leitlinie verschiedene retrospektive Studien, eine randomisierte Studie wird für die adjuvante Hormontherapie bei positiven Lymphknoten bei radikaler Prostatektomie zitiert [721]. Dabei wird aber darauf verwiesen, dass die Ergebnisse dieser Studie [721] [721] nicht notwendigerweise auf Patienten mit geringerer Tumorlast anwendbar sind [262]. Unklar ist die Bedeutung des Zeitpunktes des Therapiebeginns (frühzeitige Salvagetherapie gegenüber adjuvanter Therapie) und die Rolle neuartiger Hormontherapiesubstanzen wie Abiraterone oder Enzalutamid bei Patienten mit histopathologisch nachgewiesenen Lymphknotenmetastasen. Die EAU-Leitlinie 2024 gibt dazu keine Empfehlungen [262].
6.7 Fokale Therapie
6.7.1 Einleitung
Bei der fokalen Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms wird nur ein Teil der Prostata behandelt.
- Konsens
- Konsens (91%)
Hintergrundinformationen
Zu Statement 6.77
Prinzipiell sind fokale Therapien beim lokal begrenzten Prostatakarzinom minimal-invasive Verfahren, die im Gegensatz zu den Standardtherapien (radikale Prostatektomie, perkutane Strahlentherapie und LDR-Brachytherapie) dem Therapiekonzept der Teildrüsenbehandlung folgen, also der Therapie nur der Karzinom-tragenden Region in der Prostata mit einem gewissen Sicherheitsabstand. Behandelt wird also ein Karzinomherd oder mehrere dicht beieinanderliegende Karzinomherde.
Wie die Standardtherapien verfolgen auch die fokalen Therapien das Ziel einer kurativen Behandlung. Dem Konzept der Teildrüsentherapie steht die häufige Multifokalität und Heterogenität des Prostatakarzinoms entgegen. Die sachgerechte Anwendung der fokalen Therapie setzt deshalb eine genaue Diagnostik der Karzinomherde innerhalb der Prostata voraus und die Beschränkung der Anwendung auf Fälle, in denen eine lokale Begrenzung des Karzinoms tatsächlich gegeben ist.
Zusätzlich sind nach der Behandlung bioptische Kontrollen der behandelten Prostataareale sowie der restlichen, nicht behandelten Prostata notwendig. Da die fokalen Therapien als minimal-invasive Verfahren potentiell weniger Nebenwirkungen als die Standardtherapien haben können, werden sie von Patienten nachgefragt.
Die Datenlage zu den Ergebnissen der fokalen Therapien ist, verglichen mit der zu den Standardtherapien (perkutane Strahlentherapie, radikale Prostatektomie, LDR-Brachytherapie) vergleichsweise schlecht. Mit wenigen Ausnahme existieren keine prospektiven, randomisierten Studien, sondern überwiegend retrospektive Kohortenstudien und Fallserien mit oft kleinen Patientenzahlen. Lediglich für die vaskulär-gezielte photodynamische Therapie existieren Daten aus einer randomisiert-kontrollierten Phase III-Studie (siehe Kapitel 6.7.4).
Deshalb kann die langfristige onkologische Effektivität der verschiedenen fokalen Therapien noch nicht abschließend beurteilt werden. Diese Umstände sind Bestandteil der Patientenaufklärung (siehe Empfehlung [6.83]) und die Indikation zur Anwendung fokaler Therapien beschränkt sich auf lokalisierte Prostatakarzinome mit niedrigem Risiko, die nach geltenden Qualitätsstandards diagnostiziert wurden (siehe Empfehlung [6.81]).
6.7.2 Statement
Ziel der fokalen Therapie bei lokal begrenztem Prostatakarzinom ist die Eradikation aller signifikanten Tumoren.
- Konsens
- Konsens (86%)
Hintergrundinformationen
Zu [6.79]
Bei der Anwendung einer fokalen Therapieform wird eine kurative Behandlung angestrebt. Dies bedeutet, dass die Anwendung alle signifikanten Karzinomherde erfassen und effektiv behandeln soll. Dazu muss der Karzinomanteil in der Prostata lokal begrenzt sein, um einer fokalen Therapie mit kurativer Intention überhaupt zugänglich zu sein. Dies setzt eine umfassende Diagnostik voraus sowie die Einhaltung klarer Indikationskriterien (siehe [6.80]).
6.7.3 Einsatz Fokaler Therapien
Patienten mit einem unilateralen, lokal begrenzten Prostatakarzinom niedrigen Risikos kann eine fokale Therapie angeboten werden, wenn diese sowohl Standardtherapien als auch eine Active Surveillance (AS) ablehnen sowie die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
- Gleason Score 6
- PSA < 10 ng/ml
- unauffälliger Tastbefund
- maximal 50 % positive Stanzen nur auf einer Seite in der systematischen Biopsie
- Diagnose durch mpMRT, Fusionsbiopsie und systematische Biopsie.
- Konsens
- Konsens (81%)
a. Patienten, die eine fokale Therapie erwägen, sollen eine mpMRT, eine mpMRT-Fusionsbiopsie und eine systematische Biopsie erhalten.
- Konsens
- Konsens (95%)
b. Wenn eine MRT-Fusionsbiospie nicht möglich ist, kann alternativ eine templatebasierte Biopsie erfolgen.
a. Die Aufklärung über eine fokale Therapie soll beinhalten, dass der Nachweis einer Gleichwertigkeit der Therapie mit den Standardtherapien nicht vorliegt.
b. Die Aufklärung über eine fokale Therapie soll für den Falle, dass eine Salvagetherapie erforderlich wird, zusätzlich zu den unter Empfehlung a. beschriebenem, den Hinweis auf möglicherweise schlechtere funktionelle und onkologische Ergebnisse einer Salvagetherapie beinhalten.
- Konsens
- Starker Konsens (a. 97 %, b. 98 %)
In Anlehnung an die Active Surveillance Strategie soll 6 bis 12 Monate nach einer fokalen Therapie eine gezielte und eine systematische Biopsie erfolgen (behandeltes Areal gezielt und die restliche Drüse zusätzlich systematisch).
- Konsens
- Konsens (95%)
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Hintergrundinformationen
Aufgrund der fehlenden Datenlage zur Anwendung fokaler Therapien beim lokal fortgeschrittenen wie auch beim lokalisierten Prostatakarzinom mit intermediärem Risiko beschränkt sich die Anwendung fokaler Therapien ausschließlich auf die in Empfehlung [6.80] benannten Patientengruppen. Das befallene Areal soll relativ klein sein (maximal die Hälfte der Stanzen einer Prostataseite befallen). Die Diagnostik des Prostatakarzinoms hat dem modernen Standard zu entsprechen (mpMRT-Fusionsbiopsie plus systematische Biopsie), um sicherzustellen, dass tatsächlich nur ein fokales, begrenztes Prostatakarzinom vorliegt (siehe auch Kapitel 4.2 und 4.3).
Zu [6.83]
Bei der Anwendung fokaler Therapien zur Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms kommt der Patientenaufklärung besondere Bedeutung zu, da die Datenlage zur Wirksamkeit der fokalen Therapien im Vergleich zu den Standardtherapien unzureichend ist. Die Patienten sind deshalb darüber aufzuklären, dass eine onkologische Gleichwertigkeit der fokalen Therapien im Vergleich zu den Standardtherapien nicht bewiesen ist. Zweitens müssen die Patienten auch darüber aufgeklärt werden, dass gegebenenfalls erforderliche Salvagetherapien nach primärer fokaler Therapie schlechtere funktionelle und onkologische Ergebnisse haben können.
Zu [6.84]
Die post-interventionelle Kontrollbiopsie nach fokaler Therapie ist notwendig, um den Therapieerfolg oder –misserfolg festzustellen und zu dokumentieren. Ein PSA-Monitoring allein ist dafür unzureichend. Die Kontrollbiopsie soll nach Durchführung eines Kontroll-mpMRTs gezielt das behandelte Areal, aber auch systematisch die übrige, nichtbehandelte Prostata erfassen; dies schließt auch die gezielte Biopsie von im mpMRT verdächten Arealen mit ein. Damit soll der lokale Behandlungserfolg erfasst und mögliche heterotope weitere Karzinomherde erfasst oder ausgeschlossen werden.
Bei Nachweis von signifikantem Karzinom im behandelten Areal nach 6-12 Monaten liegt ein Versagen der fokalen Therapie vor. Die Aufklärung über weitere Konsequenzen soll sich am Ausmaß (Tumorvolumen) und dem individuellen Risiko (Gleason-Score, Alter, Komorbidität) ausrichten. Dies gilt ebenfalls, falls das behandelte Areal tumorfrei ist, aber zusätzliche Karzinomherde außerhalb des therapierten Areals festgestellt werden.
Zu [6.85]
Die Vielzahl an angebotenen und propagierten fokalen Therapien erschwert die Beurteilung der verschiedenen Verfahren. Hinzu kommt, dass die Datenlage zu jeder einzelnen fokalen Therapie ungenügend ist und in verschiedenen Publikationen von den Autoren nicht systematisch zwischen Teildrüsen- und Ganzdrüsenbehandlung, fokaler Primär- und Salvage-Therapie sowie lokalisiertem Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom und lokal fortgeschrittenem sowie solchen mit intermediärem oder teilweise auch hohem Risiko unterschieden wurde. Auch sind die Kriterien für die Durchführung des Follow-ups und die Dokumentation des Behandlungserfolgs in der Literatur sehr heterogen. Schließlich wurden in unterschiedlichen Studien Behandlungsziele untersucht, die nur eingeschränkt vergleichbar sind (u. a. zum Beispiel ‚bioptisch rezidivfrei‘, ‚bioptisch frei von signifikanten Tumoren‘, ‚frei von Folgetherapien‘). Diese Datenlage erschwert deshalb gegenwärtig eine zuverlässige Beurteilung des Stellenwertes fokaler Therapieverfahren. Die Empfehlungen dieser Leitlinie sollen deshalb dazu dienen, dass einzelne fokale Therapieverfahren nur nach klaren Indikationskriterien und biopsiekontrolliert durchgeführt werden.
Eine vergleichende Beurteilung der Wirksamkeit und Nebenwirkungsraten der verschiedenen fokalen Therapieverfahren ist aus den gleichen Gründen ebenfalls nicht möglich. Es existieren lediglich retrospektive, narrative Vergleichspublikationen zu einzelnen Verfahren, sodass zum gegenwärtigen Zeitpunkt insgesamt aufgrund der Evidenz kein fokales Therapieverfahren besser als ein anderes angesehen werden kann.
Zu [6.86]
Alle fokalen Therapieformen stellen vergleichsweise neue ablative Therapien zur Behandlung des Prostatakarzinoms dar. Die Datenlage unterscheidet dabei in vielen Serien nicht zwischen lokal begrenzten und lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinomen.
So gilt für den Hochintensiven Fokussierter Ultraschall (HIFU), dass der Großteil der Evidenz auf Fallserien von Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom basiert. Auch die vorliegenden systematischen Übersichtsarbeiten [Ramsay, C.R. et al. 2015], [Cordeiro, E.R. et al. 2012] differenzieren in ihren Auswertungen nicht nach T-Kategorie; der Anteil von Patienten mit ≥T3-Stadium in den zugrunde liegenden Primärstudien war jeweils gering. In den ergänzenden großen Fallserien wurden ebenfalls keine oder nur wenige Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom eingeschlossen (3,6 % von 918 [Uchida, T. et al. 2015]; 18,7 % von 359 [Berge, V. et al. 2014]).
Nur in einer älteren Fallserie werden spezifische Ergebnisse für T3-Patienten dargestellt. In der Studie von Uchida et al. 2009 betrug die Rate von cT3-Patienten (n = 32) mit biochemisch definiertem rezidivfreien Überleben (PSA-Nadir plus 2 ng/ml) nach fünf Jahren 33 % [Uchida, T. et al. 2009]. Insgesamt kann auf der Grundlage der identifizierten Studien zum Nutzen und den Nebenwirkungen von HIFU beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom keine belastbare Aussage getroffen werden [Uchida, T. et al. 2009].
Das Gleiche gilt nach Einschätzung der Autoren für die irreversible Elektroporation (IRE) und die Kryotherapie. In Anbetracht der sehr begrenzten Datenlage, der möglichen Nebenwirkungen und dem Vorhandensein etablierter Therapiealternativen kann HIFU zur Zeit nicht zur Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms empfohlen werden.
6.7.4 Einzelne Verfahren der fokalen Therapie
Die fokale, vaskuläre gezielte photodynamische Therapie (VTP) unter Verwendung von Padeliporfin ist die einzige fokale Technologie, für die Ergebnisse aus einer prospektiven randomisierten kontrollierten Studie zum Vergleich der fokalen Therapie beim Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom mit der Active Surveillance vorliegen.
- Evidenzlevel
- 1-
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
- Literatur
- [743]
Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der onkologischen Effektivität und Sicherheit der fokalen, hochintensiven, fokussierten Ultraschallablation (HIFU) vor.
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Konsens (95%)
Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der onkologischen Effektivität und Sicherheit der fokalen Kryotherapie vor.
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (98%)
Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der onkologischen Effektivität und Sicherheit der fokalen irreversiblen Elektroporation (IRE) vor, insbesondere zu den Langzeitergebnissen.
- Evidenzlevel
- 4
- Konsens
- Starker Konsens (97%)
Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der onkologischen Effektivität und Sicherheit für die fokale Laserablation, die fokale Brachytherapie, die fokale Radiofrequenzablation (RFA), die fokale stereotaktische Bestrahlung (SBRT) die fokale Mikrowellentherapie sowie die fokale transurethrale Ultraschallablation vor.
- Konsens
- Starker Konsens (97%)
Hintergrundinformationen
Zu [6.87]
Die vaskulär-gezielte photodynamische Therapie (VTP) mit Padeliporfin (TOOKAD©) ist durch die EMA zugelassen für die Behandlung des unbehandelten, lokalisierten Niedrig-Risiko Prostatakarzinoms (T1c oder T2a, Gleason Score 6, PSA < 10 ng/ml) mit lokaler Begrenzung (maximal drei positive Proben mit einer maximalen Tumorinfiltrationslänge von 5 mm bei jeder der drei Proben oder 1-2 positiven Proben mit >50 % Befall oder einer PSA-Dichte ≥0,15 ng/ml/mm3).
Bei der VTP aktiviert Laserlicht einer spezifizierten Wellenlänge in Gegenwart von Sauerstoff die photosensitivierende Substanz Padeliporfin, was zu lokaler Gewebenekrose führt. Padeliporfin wird intravenös verabreicht, die Prostata wird dann sofort über zuvor in das zu behandelnde Areal eingeführte optische Laserfasern für 22 Minuten beleuchtet (753 nm, 150 mW/cm, 200 J/cm). Die Positionierung und Einführung der optischen Fasern erfolgt mittels einer Planungssoftware und Template-basiert transperineal unter Ultraschall-Kontrolle. Die Anwendung ist durch die Zulassung auf Krankenhäuser beschränkt und erfolgt unter Narkose. Nach der Anwendung ist für einige Stunden eine direkte Lichtexposition zu vermeiden.
Grundlage der Zulassung war das Vorliegen einer randomisierten, kontrollierten Phase III Studie. Diese in Europa durchgeführte prospektive, randomisierte open-label Multicenterstudie (PCM301) verglich VTP mit der Aktiver Überwachung an insgesamt 413 Patienten mit unilateralem Niedrig-Risiko Prostatakarzinom [743]. Der primäre Endpunkt ‚negative Biopsie nach 12 Monaten‘ lag im VTP-Arm bei 47,6 % und im AS-(Kontroll)-Arm bei 19,8 %, die Odds Ratio bei 3,67 zugunsten der VTP Therapie (p<0,001) [743].
Die Vier-Jahres-Ergebnisse dieser Studie wurden für 266/413 Patienten mit dem Endpunkt ‚Konversion auf Radikale Therapie‘ berichtet [744]. Diese Konversionsrate betrug in der VTP-Gruppe im Vergleich zur Gruppe mit Aktiver Überwachung nach 2 Jahren 7 % versus 32 %, nach 3 Jahren 15 % versus 44 % und nach 4 Jahren 24 % versus 53 % (jeweils p<0,001) [744].
In einer einarmigen, open-label Multizenterstudie aus Mittelamerika wurden 81 Patienten mit einem lokalisierten, kleinen Prostatakarzinom, einem PSA-Wert bis 20 ng/ml und einem Gleason Score bis 7a mit VTP behandelt [745]. Die Rate an negativer Kontrollbiopsie nach 12 Monaten wurde mit 74 % (intention to treat) und 79 % (per protocol) angegeben [745].
Die berichteten Nebenwirkungen der VTP-Therapie in der kontrollierten Phase III Studie waren im Vergleich zum Aktiven Überwachungsarm-Arm: Dysurie (26 % versus 2 %), Hämaturie (28 % versus 3 %), Drangsymptomatik (11 % versus <1 %), Harnverhaltung (17 % versus <1 %), Inkontinenz (10 % versus 4 %), Harnwegsinfekte (10,7 % versus 4,3 %) erektile Dysfunktion (38 % versus 11 %) sowie Prostata- oder Perinealschmerzen (18 % versus <1 %) [743]. Diese Nebenwirkungen waren passagerer Natur.
Zu [6.88]
Bei der „Hochintensiven Fokussierten Ultraschallablation" (HIFU) werden hochenergetische Schallwellen über eine im Rektum platzierte Ultraschallsonde auf die Prostata fokussiert, um dort an einem einzigen Punkt zu konvergieren. Der Ultraschallstrahl führt im Fokuspunkt zu Vibrationen im Gewebe. Dadurch kommt es zu einem mechanischen Kavitationseffekt und zu einem thermischen Effekt mit Hitzebildung. Die Energiequelle ist ein piezoelektrischer Transducer, der spannungsabhängig Ultraschallwellen verschiedener Frequenz erzeugt. Bei der HIFU-Therapie werden Frequenzen von 3-4 MHz benutzt, die Energie am Fokuspunkt liegt zwischen 1300 und 2200 W/cm3. Die Absorption der Ultraschallenergie führt nach 1 Sekunde Anwendung zu einer Erhitzung auf 75-90ºC mit Entstehung elliptisch-konfigurierter koagulativer Nekrosezonen von 50-300 mm2 Ausdehnung. Größere Behandlungszonen werden durch die Kombination von Einzelanwendungen erzeugt.
Die Behandlung erfolgt in Regionalanästhesie oder Vollnarkose. Die Therapie wird individualisiert durch Variation der Größe der Behandlungszone, der Ultraschallfrequenz, der Dauer des Einzelimpulses und der Wartezeit zwischen den Einzelimpulsen. Nach der Therapie sind die Behandlungszonen im konventionellen Ultraschall in der Regel hyperechogen, mit einem Kontrastmittel zur Verbesserung der Darstellung der Vaskularisierung hingegen echofrei. Ähnliches gilt für die MRT mit Kontrastmittel.
Unterschieden wird zwischen der Behandlung der ‚Indexläsion‘ und einer Hemiablation der Prostata. Als Indexläsion wird dabei das vermeintlich prognoserelevante Areal bezeichnet. Diese Bezeichnung birgt jedoch erhebliche Unschärfen. Das Volumen der Läsion, der Gleason Score und die Lage spielen eine wesentliche Rolle, sodass nicht immer klar zu unterscheiden ist, welcher Herd die tatsächliche Indexläsion ist. Bei einer Hemiablation wird ein ganzer Seitenlappen der Prostata behandelt, wobei dennoch die Harnröhre ausgespart wird.
In etlichen Studien wurde abhängig von der eingesetzten Technik vor der HIFU-Behandlung eine transurethrale Resektion der Prostata (TURP) durchgeführt [746]. Die Rationale dafür war, die Rate an Blasenausgangsstenosen und postoperativen Harnretentionen zu senken [747]. Dies ist in den meisten Fällen jedoch nicht notwendig. Je nach Lage und Ausdehnung des zu behandelnden Areals und vorbestehender Obstruktion ist in Einzelfällen eine transurethrale Resektion (TUR-P) im Vorfeld notwendig.
Nutzen und Schaden der Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms mit HIFU wurde bisher nicht ausreichend in kontrollierten Studien im Vergleich zu anderen etablierten Therapieoptionen untersucht. Zu diesem Verfahren konnten Fallserien bzw. systematische Übersichtsarbeiten von Fallserien und eine Studie zum Vergleich mit Kryotherapie identifiziert werden. Übersichtsarbeiten mit metaanalysierten Endpunkten [617], [748] sind aufgrund der unterschiedlichen Nachbeobachtungszeiträume und Endpunkt-Definitionen und meist kleiner Datenbasis (Studien-Anzahl) wenig aussagekräftig.
Eine systematische Übersichtsarbeit ohne Qualitätsbewertung der eingeschlossenen Studien und ohne Metaanalyse analysierte 13 Studien mit insgesamt 543 Patienten (8 mit Hemiablation, 3 mit Indexläsionstherapie, und zwei vergleichende Studien zwischen Ganzdrüsenablation vs. Urethra-Schonung bzw. Ganzdrüsen- vs. Teildrüsenablation) [749]. Einige Studien hatten auch Salvage Patienten inkludiert. Bei den in den verschiedenen Studien sehr unterschiedlichen Ergebnisdefinitionen variierte das mediane Follow-up zwischen 6 und 125 Monaten, die eingeschlossenen Patientenzahlen zwischen 4 und 111 [749]. Das in nur zwei Studien angegeben biochemische Rezidiv-freie Überleben wurde mit 87,7 % [750] und 83,3 % nach zwei Jahren für Niedrig Risiko Karzinome und mit 53,6 % [751] für Karzinome mit intermediärem Risiko angegeben [749]. Die in dieser Übersichtsarbeit berichteten Nebenwirkungen variierten stark, am häufigsten berichtet wurden Harnröhrenstrikturen mit 0-8 %, erektile Dysfunktion mit 0-48 % und Harninkontinenz mit 0-50 % [749].
In einer weiteren Übersichtsarbeit wurden 16 Serien mit mindestens 100 Patienten bewertet, mit einer Gesamtzahl von 5.094 Patienten [752]. 0-66 % der Patienten erhielten eine neoadjuvante Hormonablation, 0-100 % vor der HIFU-Therapie eine TURP [752]. Das Follow-up variierte von 11-76 Monaten [752]. Das Krankheits-freie Überleben wurde in 11 Studien berichtet, überwiegend anhand des PSA-Wertes nach den PHOENIX Kriterien der ASTRO. Dies variierte zwischen 53 % nach 3 Jahren und 97 % nach 10 Jahren [752]. Nicht alle Nebenwirkungen wurden in allen Studien bewertet. Erektile Dysfunktion nach der Therapie wurde mit 13-90 % berichtet (11 Studien), Harninkontinenz verschiedener Ausprägung mit 4-34 % (alle Studien), Harnwegsinfektionen mit 0,8-26 %, akute Harnverhaltung mit 3,9-28 %, die Entstehung rekto-urethraler Fisteln mit 0-1,6 %, die einer Harnröhrenstriktur mit 0-30 % [752].
Die ergänzend identifizierten Primärstudien [741], [753], [754], [755], [742], [756] berichten für teils große Kohorten und verhältnismäßig lange Nachbeobachtungszeiträume (bis 10 Jahre) onkologische Endpunkte. Für den jeweils längsten Beobachtungszeitraum sind die gesamt- und Krebs-spezifischen Überlebensraten sowie die Raten an nachfolgenden Salvage-Therapien in der Tabelle 15 zusammengefasst.
Der routinemäßige Einschluss von HIFU-behandelten Patienten in ein prospektives Register (bspw. AT-REGISTRY) wird von der Autorengruppe befürwortet.
Ein systematischer Review zum Vergleich von HIFU und Standardtherapien (radikaler Prostatektomie (RP) und Strahlentherapie (RT)) mit der Evaluierung der Daten von über 4.000 Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom in 21 Studien ergab für HIFU ein signifikant schlechteres 1-Jahres Krankheits-freies Überleben. Dieser Unterschied war nach 3 Jahren nicht mehr signifikant [617].
Zu [6.89]
Das Ziel der lokalen Kryotherapie ist die kurative fokale Behandlung mit Zerstörung des/der lokalisierten Karzinomherde durch Gewebenekrosen, die durch lokalisierte Kühlung auf -40ºC erzeigt werden. Die Kryonadeln werden TRUS-gesteuert über ein perineales Template in die Prostata eingeführt, zusätzliche Thermosensornadeln registrieren fortlaufend die Temperatur in der Umgebung sowie die Temperatur der Rektumwand.
Mit dem verfügbaren System werden Argon- und Heliumgas unter hohem Druck über die Kryonadeln abwechselnd in das Gewebe eingespritzt. Dies erzeugt sehr rasche Temperaturwechsel, die über intra- und extrazelluläre Eiskristallbildung zu Zellschädigungen sowie über Mikrothrombenbildung zu koagulativen Nekrosen führen. Die Thermosensoren und ein zusätzlich eingeführter urethraler Wärmekatheter sollen die Urethra schützen.
Der intraprostatische Eisball ist im Ultraschall gut sichtbar und erlaubt die Kontrolle des Ausmaßes der induzierten Nekrose. Durchgeführt werden zwei Gefrier-/ Auftauzyklen. Der Eingriff wird unter Narkose durchgeführt [757]. Der PSA Nadir nach Kryotherapie wird meistens nach 3 Monaten erreicht [757].
In einer randomisierten, kontrollierten Studie zu Kryotherapie vs. Radiotherapie mit insgesamt 244 Patienten und einem medianen Follow-up von 100 Monaten betrug die biochemische Progressionsrate nach 36 Monaten nach Kryotherapie 23,9 % (PSA Nadir plus 2 ng/ml, 17,1 %) und nach perkutaner Strahlentherapie 23,7 % (PSA Nadir plus 2 ng/ml, 13,2 %) [758]. Es bestanden keine Unterschiede im Gesamt- oder Krankheitsspezifischen Überleben. Die Rate an positiven Biopsien nach 36 Monaten lag bei 28,9 % in der Radiotherapiegruppe und bei 7,7 % in der Gruppe nach Kryoablation [758].
Ein Cochrane Review zur Kryotherapie als Primärtherapie des lokalisierten Prostatakarzinoms inkludierte nur Studien mit mindestens 50 Patienten und einem Follow-up von mindestens einem Jahr [759]. Die 8 ermittelten Kohortenstudien umfassten eine Gesamtzahl von 1.483 Patienten [759]. Vier der acht Studien zeigten eine positive Biopsie in 17–28 % der Patienten nach Kryotherapie bei einem mittleren PSA-Nadir von 0,55–1,75 ng/ml (Median 0,4–1,85 ng/ml) [759]. Die anderen vier Studien berichteten von einem Progressions-freien Überleben von 71– 89 % und positiven Biopsien bei 1,4–13 % der Patienten [759]. Nach 5 Jahren lag das Gesamtüberleben bei 89–92 % (zwei Studien), und das krankheits-spezifische Überleben in einer Studie bei 94 % [759].
In einem Update des Cochrane Reviews von 2018 wurde nur ein Vergleich der Ganzdrüsen-Kryotherapie mit der perkutanen Strahlentherapie basierend auf zwei randomisierten Studien [760], [758] vorgenommen, mit einer Gesamtzahl von 307 randomisierten Patienten. Das mediane Follow-up lag bei 100-105 Monaten [760], [761], [758]. Diese Metaanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass klare Aussagen zu Unterschieden in onkologischer Effektivität, Lebensqualität und dem Einfluss auf das Überleben aufgrund dieser Studien nicht möglich waren. Ein Bias der beiden evaluierten Studien war, dass die applizierte Strahlendosis nicht unbedingt den heute empfohlenen Standards entsprach.
In einer anderen Metaanalyse von kontrollierten Studien, die Kryotherapie mit Radiotherapie und Kryotherapie mit radikaler Prostatektomie verglichen sowie einarmigen Studien, die Kryotherapie-Ergebnisse berichteten, wurden 10 Publikationen aus sieben Studien mit einer Gesamtzahl von 1.252 Patienten identifiziert [762]. Dabei zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Kryotherapie einerseits und Strahlentherapie sowie radikaler Prostatektomie andererseits bezüglich des Gesamtüberlebens und des tumor-spezifischen Überlebens, aber ein signifikant niedrigeres biochemisch-rezidiv-freies Überleben nach Kryotherapie [762].
Zu [6.90]
Bei der irreversiblen Elektroporation handelt es sich um eine relativ neue ablative Technologie. Elektroporation bedeutet hierbei, dass Gewebenekrosen durch den zwischen zwei in die Prostata eingestochene Elektroden fließenden Strom hervorgerufen werden. Diese Nekrose erfolgt nicht durch Hitzeentwicklung, sondern durch Disruption von Zellmembranen. Es wird postuliert, dass eine bessere Schonung von sensiblen Strukturen (Urethra, neurovaskuläre Bündel) im Vergleich zu anderen ablativen Methoden, die auf Temperaturveränderung basieren, erreicht werden kann [763].
Der Eingriff erfolgt in Narkose mit Muskelrelaxation, die Elektroden werden template-basiert transperineal eingeführt. Typischerweise werden 2-6 Elektroden platziert, und ca. 90 Pulse von 70-100 µsek Pulslänge und einer Energie von 1.500 V/cm appliziert.
Bislang liegen für diese ablative Technik beim lokalisierten Prostatakarzinom nur sehr wenige Daten vor.
In einer prospektiven Kohortenstudie wurden 30 Patienten mit low risk oder intermediate-risk Prostatakarzinom (PSA ≤15 ng/ml, Gleason Score ≤3 + 4, ≤T2c, Tumorherd im mpMRT ≤20 mm) behandelt [764]. Das PSA sank vom medianen Ausgangswert von 8,6 ng/ml auf im Median 2,3 ng/ml nach 12 Monaten. 6 Monate post-interventionell wurden 28/30 Patienten rebiopsiert. Ein persistierender Karzinomnachweis im Behandlungsfeld war bei 5/28 Männern (17,9 %) gegeben [764]. 23 von 25 prä-interventionell potenten Männer waren nach der IRE potent. Die Kontinenzrate lag nach 12 Monaten bei 90 % [764].
In einer prospektiven Registerstudie wurden 12-Monatsdaten (medianer Follow-up 36 Monate) für 123 Patienten mit IRE gesammelt (91 % intermediate risk, 9 % low risk) [765]. Tumorpersistenz im Behandlungsareal lag nach 12 Monaten bei 2,7-9,8 % [765]. 18 Patienten bekamen eine Salvagetherapie [765]. 80/123 Patienten beantworteten Nachsorgefragebögen [765]. Dabei gaben 99 % komplette Kontinenz und 76 % keine Veränderung der erektilen Funktion an [765].
In einer systematischen Übersichtsarbeit zur publizierten Evidenz zur IRE beim lokalisierten Prostatakarzinom wurden 10 Publikationen mit insgesamt 433 Patienten identifiziert [766]. 265/433 Patienten hatten ein Prostatakarzinom mit intermediärem Risiko, die Nachbeobachtung lag bei 6-36 Monaten [766]. Alle Patienten wurden im Verlauf nachbiopsiert: Die Rate an Karzinompersistenz im behandelten Areal lag dabei bei 0 %-39 % und die Rate an neu diagnostiziertem Karzinom außerhalb des Behandlungsareals bei 6,4 %-24 % [766].
Zu [6.91]
Neben den oben genannten Verfahren (VTP, Radiofrequenzablation (RFA), HIFU und Kryotherapie) sind weitere Verfahren fokal-ablativer Technologien beschrieben. Neben den Methodenbeschreibungen liegen für diese Verfahren keine Wirksamkeitsnachweise und keine Sicherheitsdaten vor. Daher wird keines dieser Verfahren (fokale Brachytherapie, fokale Radiofrequenzablation, fokale stereotaktische Bestrahlung, fokale Mikrowellentherapie) zur allgemeinen Patientenbehandlung empfohlen. Eine Anwendung bleibt daher nur prospektiven, kontrollierten Studien vorbehalten.
Tabelle 18: Onkologische Endpunkte der großen Kohortenstudien (n>300) zu HIFU bei lokal begrenztem Prostatakarzinom
|
Studie / Kohorte |
n Pat. |
Weitere PCa-Therapie über Follow-up Zeitraum |
|
Crouzet et al. 2014 [741] |
1.002 |
8 Jahre: 32 % (low risk), 47 % (intermediate risk), 62 % (high risk)
|
|
Uchida et al. 2015 [753] |
918 |
6,5 Jahre: 27,7 % |
|
Thüroff et al. 2013 [754] |
704 |
10 Jahre: 2 % (low risk), 28 % (intermediate risk) 32 % (high risk) |
|
Dickinson et al. 2016 [755] |
569 |
|
|
Ganzer et al. 2013 [742] |
538 |
8 Jahre: 18 % (Subgruppen: low risk 10,9 %, intermediate risk 19,4 %, high risk 34 %) |
|
Berge et al. 2014 [756] |
359 |
weitere PCa-Therapie: 26,4 % (einmalige HIFU) bzw. 44,8 % (weitere HIFU-Behandlung) |
6.8 Watchful Waiting
Watchful Waiting ist eine Strategie zur Vermeidung einer Therapie bei nicht symptomatischen Patienten mit Prostatakarzinom und mutmaßlich limitierter Lebenserwartung (z. B. aufgrund hohen Lebensalters und/oder größerer Komorbidität).
- Konsens
- Starker Konsens (100%)
Während einer Watchful Waiting-Strategie sollen keine anlassfreien krebsspezifischen Kontrolluntersuchungen wie z. B. Prostata-spezifische Antigen-Wert-Bestimmungen oder eine Bildgebung durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens (97,8%)
Watchful Waiting sollte gewählt werden, wenn die Lebenserwartung des Betroffenen bei unter 10 Jahren liegt. Zur Abschätzung der Lebenserwartung sollte das Lebensalter, die Komorbidität, die Gebrechlichkeit und der mentale Status herangezogen werden.
- Konsens
- Starker Konsens (95,6%)
Kommt es während des Watchful Waiting zu einer symptomatischen Progression, soll eine palliative Therapie erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens (96%)
Hintergrundinformationen
Wird die Diagnose Prostatakrebs im hohen Lebensalter als Zufallsbefund oder auf Wunsch des Patienten gestellt und es zeigt sich weder eine Symptomatik, die für ein fortgeschrittenes Tumorstadium spricht, noch bestehen Anzeichen einer ausgedehnten Metastasierung, handelt es sich in den allermeisten Fällen um eine nicht lebensbedrohliche, sogenannte indolente Erkrankung [767], [768].
In einem solchen Fall soll dem Betroffenen die Belastung einer unnötigen Krebstherapie erspart werden.
Regelmäßige Verlaufsuntersuchungen wie PSA-Bestimmungen, eine anlassfreie Bildgebung oder Ähnliches sind nicht indiziert. Sie können dazu führen, die Angst des Betroffenen als Trigger einer unnötigen onkologischen Therapie zu steigern.
Eine psychoonkologische Evaluation, z. B. mit dem NCCN-Distress-Score [769] und ggf. eine psychoonkologische Betreuung sind in solchen Fällen wichtig.
Eine verkürzte Lebenserwartung wird in der Regel angenommen, wenn ein hohes Lebensalter besteht. Naturgemäß gibt es keine absoluten Altersgrenzen. In anderen Leitlinien wird eine Lebenserwartung von deutlich unter 10 Jahren als „kurz“ angesehen [770].
Eine Abschätzung ermöglichen in Deutschland die Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes [771].
Die Komorbidität ist zu berücksichtigen. Der Charlson Comorbidity Index gibt ein gutes Bild zur Abschätzung der Begleiterkrankungsschwere [416].
Weiterhin spielt Abschätzung der Gebrechlichkeit sowohl mittels der CISR-G-Skala als auch mittels der Clinical Frailty Scale eine Rolle [772].
Der mentale Status ist bei der Entscheidung für oder gegen eine aktive Therapie ebenfalls zur berücksichtigen. Eine unnötige Androgendeprivation kann beispielsweise eine bestehende Demenz erheblich verschlechtern. Zur schnellen Abschätzung, ob Anzeichen für eine Demenz vorliegen, ist der Mini-COG-Test sehr gut geeignet [773].
Im Laufe einer Aktiven Überwachung ist der Wechsel zu einer Watchful Waiting- (WW-) Strategie zu erwägen, wenn die o. g. Kriterien (Alter, Komorbidität usw.) eingetreten sind.
Kommt es im Verlauf einer WW-Strategie zu einer symptomatischen Progression der Erkrankung, ist eine Androgendeprivation sinnvoll. Ob es sich dabei um eine chirurgische Kastration, eine Therapie mit einem LHRH-Analogon, einem LHRH-Antagonisten oder um eine Kombination mit einem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI) handelt, ist auf Basis der Schwere der Symptome zu entscheiden. Im Übrigen sind die Therapiegrundsätze wie im Kapitel 7.9 (Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation) beschrieben, einzuhalten.
Evidenztabellen
6.2 EvT 6.11
|
Artikel (Autor, Jahr, Journal) |
Studientyp |
Anzahl der Patienten |
Patientenmerkmale |
Intervention |
VergleichsIntervention |
Nachverfolgung |
Outcomes |
Effekte |
Evidenz- |
|
Aus, |
Kohortenstudie |
Zwischen 1987-1999 wurden insgesamt 8.887 Patienten mit einem Prostatakarzinom registriert. |
Beobachtungsdaten mit Angaben zu Überleben und Todesursachen bis einschließlich 31. Dezember 2002 konnten in die Analyse einbezogen werden. Durchschnittsalter bei Diagnosestellung 75 Jahre; im Mittel 74,1 Jahre; Bereich 40-96 Jahre. |
Watchful-Waiting. |
|
Mortalität |
Insgesamt betrug das Prostatakarzinomspezifische Todesfallrisiko nach 15 Jahren 56% bei Anwendung der im Beobachtungszeitraum üblichen Diagnose- und Behandlungsstrategien. Die für das Ende des Beobachtungszeitraums berechnete Gesamtmortalität betrug 85%. |
2+ |
|
6.4.2 EvT 6.43
|
Artikel |
Studientyp |
Anzahl der Patienten |
Patientenmerkmale |
Intervention |
Vergleichs-Intervention |
Nachverfolgung |
Outcomes |
Ergebnisse |
Bemerkung |
Evidenz-Niveau (SIGN) |
||||
|
Bolla 2002 |
RCT |
412 |
cT1-2 WHO Grad 3 (8%), cT3 (82%), cT4 (9%), N0-1 M0, Alter median 71J |
EBRT 70 Gy (50+20) + adj. HT (Goserelin ab RT f. 3 J+ Cyproteron f. 1 M) |
EBRT 70 Gy allein |
Median 66 M (5,5J) |
5-J-DFS, 5-J-OS, 5-J-DSS |
Outcome EBRT+HT EBRT mono
5-J-bDFS 76% 45% 5-J-DFS 74% 40%* 5-J-OS 78% 62%* 5-J-DSS 94% 79%*
*p<0,001 |
Bestandteil des Kumar-Reviews (s. (neo-)adj. HT) |
1+ |
||||
|
Akakura 2006 |
RCT |
95 |
cT2b-3N0M0, durchschn. Alter 68J, Japan |
RPE+ neoadj. HT (8 Wo DES) +adj. HT (kont. LHRHa+/- Antiandrogen o. Östrogen o. Orchiektomie) |
EBRT (40-50 Gy+ 20 Gy) + neoadj. HT (8 Wo DES) +adj. HT (kont. LHRHa+/- Antiandrogen o. Östrogen o. Orchiektomie) |
Med. 102 Mo (8,5J) |
OS, bPFS, cPFS, csPFS, Toxitzitäten |
RPE versus EBRT: 10J OS 67,9% 60,9% (n.s.) 10J bPFS 76,2% 71,1% (n.s.) 10J cPFS 83,5% 66,1% (n.s.) 10J csPFS 85,7% 77,1% (n.s.) Toxizitäten: keine signifikanten Unterschiede für erektile Dysfunktion, Dysurie, Defäkationsschmerzen Signifikant mehr Inkontinenz in RPE-Gruppe (p<0,01) |
Kleine Fallzahlen, daher unter-powert, multim
odale und langwierige HT, Vermischung cT2b/3, keine cT4 |
1(+) |
||||
|
Edamura 2005 |
Retrospektive Kohorte |
121 (Subgruppe aus 420 berichteten Patienten) |
Klinisches Stadium C, durchschnittl. Alter nicht angegeben (Subgruppe) |
“surgery-based therapy” (+neoadj./adj. HT, 27 Pat); |
„radiation-based therapy“ (+neoadj. HT, 16 Pat); |
alleinige HT (78 Pat) |
Für alle 420 Pat. Durchschn. 31 Mo (2,6J) |
CSS |
5-J-CSS für „surgery-based therapy“ 93% „radiation-based therapy“ 100% Alleinige HT 79% (kein signifikanter Unterschied)
|
Retrospektive Analyse, sehr kleine Fallzahlen, EBRT und HT nicht näher beschrieben, sehr kurzes Follow-up |
2- |
|||
|
Saito 2006 |
Retrospektive Kohorte |
209 |
cT3, Alter für RPE 64, für EBRT 69, für HT 78, Japan |
RPE+HT (n=30, 14,4%) |
EBRT+HT (n=78) |
HT (n=101) |
Median 55 Mo (4,6J) |
OS, DSS |
RPE EBRT HT 5-J-OS 87,3% 94,9% 66,1% 10-J-OS 66,5% 70,0% 17,2% RPE+HT signifikant besser als HT EBRT+HT signifikant besser als HT Kein Unterschied RPE vs EBRT RPE EBRT HT 5-J-DSS 93,8% 96,6% 88,6% 10-J-DSS 71,4% 93,6% 62,3% EBRT+HT signifikant besser als HT Kein Unterschied RPE vs EBRT und zwischen RPE vs HT Klinisches Overstagingin 50% der Fälle (15 von 30 operierten) |
Kleine Zahl an RPE-Fällen, alle adjuvant, starke Unterschiede zwischen den Gruppen bez. Alter |
2- |
|||
|
Bolla 2009 |
RCT (EORTC 22961 |
n=970 randomisiert von n=1113 eligible |
Patienten mit PCa cT1c-cT2b, N+ und cT2c-cT4N0-N2mit PSA max. 40fach der oberen Norm |
EBRT 50Gy pelvine Lymphabflusswege/70Gy Prostata + 6 Monate maximale Androgenblockade + 2,5J Langzeittherapie mit LHRH-Analogon |
EBRT 50Gy pelvine Lymphabflusswege/70Gy Prostata + 6 Monate maxilame Androgenblockade
|
Median 6,4J |
5-Jahres –Mortalität gesamt |
Gesamtmortalität Interventionsgruppe: 15,2% Gesamtmortalität Vergleichsgruppe_ 19% HR 1,42 p=0,65 für Nachweis der Nichtunterlegenheit |
Non-inferioriätsstudie |
1+ |
||||
|
Granfors 2006 |
RCT |
91 |
„locally advanced“, vermutlich cT3/4, N0 (57%) N1 (43%) Z.n. PLND, Alter durchschn. 69J |
EBRT 65 Gy + HT (Orchiektomie) |
EBRT 65 Gy allein |
Durchschn. 9,7 J |
OS, CSS im Vergleich |
OS der EBRT+HT-Gruppe significant besser als EBRT mono (p=0,03) CSS der EBRT+HT-Gruppe significant besser als EBRT mono (p=0,02) Subgruppen-Analyse zeigt Vorteil der kombinierten Intervention nur bei N1, nicht bei N0 |
Kleine Fallzahl, aber langes Follow-up, relevante Outcomes |
1(+) |
||||
|
See 2006 |
RCT |
1.370 |
cT1/2 (78%), cT3/4 (22%), Alter durchschn. 69J |
EBRT median 64 Gy plus Bicalutamid adjuvant (ca. 2 J) |
EBRT median 64 Gy allein |
Median 7,2J |
HRs für PFS, OS, bPFS |
HRs für EBRT+Bicalutamid vs EBRT allein: PFS alle: 0,75 p=0,002 PFS cT1/2 : 0,86 p=0,17 PFS cT3/4: 0,56 p<0,001 OS alle: 0,86 p=0,12 OS cT1/2: 0,94 p=0,63 OS cT3/4: 0,65 p=0,03 bPFS alle: 0,61 p<0,001 bPFS cT1/2: 0,73 p<0,001 bPFS cT3/4: 0,41 p<0,001 |
Uneinheitliche Therapieregime innerhalb der Arme |
1+ |
||||
|
Widmark 2009 |
RCT |
880 |
lokal fortgeschr. PCa, cT3 78%, Alter nicht angegeben |
HT (3 M max, dann kont. einfache AD) + EBRT (n=436) |
HT (3 M max, dann kont. einfache AD) + EBRT (n=439) |
median 7,5 J |
OM, DSM, Tox, QOL |
EBRT+HT HT OM 21,6% 30% p=0,004 DSM 8,5% 18% RR OM 0,68 (p=0,004) RR DSM 0,44 (p=0,00003) höhere Inkontinenz-, ED- und Darmtox-Rate in EBRT-Arm, aber gleiche QOL |
Beleg für Wirksamkeit EBRT gegenüber alleiniger HT |
1+ |
||||
|
Roach 2008 |
RCT |
456 |
cT1/2 (30%), cT3 (70%), Alter median 70 J |
EBRT 65-70 Gy plus (neo-)adj HT (Goserelin + Flutamide über 4 M) |
EBRT 65-70 Gy allein |
Median 11,9 bis 13,2 J |
OS, DSM, DM, DFS, BF |
EBRT+HT EBRT
10-J-OS 43% 34% p=0,12 Surival 8,7J 7,3J p=0.12 10-J-DSM 23% 36% p=0,01 10-J-DM 35% 47% p=0,006 10-J-DFS 11% 3% p<0,0001 10-J-BF 65% 80% p<0,0001 |
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1++ |
||||
|
Artikel |
Anzahl der Patienten/ |
Intervention/ |
Vergleichs-intervention |
Outcomes |
Ergebnisse |
Bemerkungen |
Evidenzniveau |
|
Denham et al. 2011, RCT Follow up Publikation von Denham 2005 |
n=802, T2b-T4, N0M0, Lebenserwartung <5Jahre |
3 Monate /6 Monate vor und während Radiatio neoadjuvant Hormontherapie (Zoladex + Flutamide) + Radiatio (265/267) Medianes Follow up 10,6 Jahre |
Radiatio allein (270) 66 Gy |
1. BF 2. LP 3. DFS 4. DM 5. CSS 6. OS 7. Therapiebedingte Morbidität |
3 Monate HT 1. 0,57 (95% KI 0,46-0,72), p < 0,0001 2. 0,49 (95% KI 0,33-0,73), p < 0,0005 3. 0,63 (95% KI 0,52-0,77), p < 0,0001 Andere Endepunkte : n.s. 6 Monate HT 1. 0,72 (95% KI 0,57-0,90), p < 0,001 2. 0,45 (95% KI 0,30-0,66), p = 0,0001 3. 0,51 (95% KI 0,42-0,61), p < 0,0001 4. 0,49 (95% KI 0,31-0,76), p = 0,001 5. 0,49 (95% KI 0,32-0,74), p = 0,0008 6. 0,63 (95% KI 0,48-0,83), p < 0,0008 7. n.s. innerhalb der ersten 5 Jahre |
High-Risk Population, Alpha Fehler für primären Endpunkt adjustiert wegen 2 primärer Endpunkte CSS und OS (0,0125) Randomisierung adäquat beschrieben |
1+ |
|
Efstathiou et al. 2009, Posthoc Analyse eines RCT |
n=945 cT3N+ T1-2 N+ T4 Karnofsky >60 |
Adjuvante Hormontherapie nach Radiatio (Goserelin) (477) Follow-up: Median 9 Jahre |
Radiatio allein (468) |
Kardiovaskuläre Mortalität |
keine Hinweise auf Zunahme der kardiovaskulären Mortaliät durch adjuvante Hormontherapie |
Todesursache nicht einheitlich erhoben (spezifisch in jedem teilnehmenden Zentrum Ergebnisse mit mehreren Sensitovitätsanalysen bzgl. Endpunktdefinition, Salvage-Therapie, Datenverlust |
1+ |
|
Artikel |
Studien- |
Anzahl der Patienten |
Patienten- |
Intervention |
Vergleichs-Intervention |
Nach- |
Outcomes |
Effekte |
Evidenz-Niveau (SIGN) |
|
Pilepich 2001 |
RCT |
n=456 |
T2b—T4, NxM0 |
2 Monate vor und während Radiatio neoadjuvant Hormontherapie (Goserelin + Flutamide) + Radiatio (226)
|
Radiatio allein (230) |
8 Jahre |
Fermetastasen, lokale Progression Gesamtüberleben, PSA-progressionsfreies Überleben |
Kein signifikanter Unterschied im Gesamtüberleben für alle Patienten, aber signifikanter Überlebensvorteil durch neoadj. Therapie bei Gleason 2-6; signifikant niedrigere krankheitsspezifische Mortalität in neoadj. Gruppe, krankheitsfreies Überleben signifikant höher bei neoadj. Therapie (PSA + klinisch) |
1+ |
|
Laverdiere 2004 |
RCT |
n=148 |
T2-T3, M0 |
3 Monate vor und während Radiatio neoadjuvant Hormontherapie (LHRH Agonist + Antiandrogen) + Radiatio |
Radiatio allein |
7 Jahre |
Progressionsfreies Überleben |
krankheitsfreies Überleben signifikant höher bei neoadj. Therapie (PSA) |
1(+) spärliche Patienten-charakteristika |
|
Zagars |
RCT |
n=78 |
Stadium C (lokal fortgeschritten, T3+4) |
Adjuvante Hormontherapie nach Radiatio (DES) (38)
|
Radiatio allein (40) |
15 Jahre |
Krankheitsfreies Überleben Gesamtüberleben |
Kein signifikant höheres Gesamtüberleben mit adjuvanter Therapie, aber überlegenes krankheitsfreies Überleben im adjuvanten Arm |
1- kleine Fallzahl, spärliche Studien- und Patienten charakteristika |
|
Tyrrell |
RCT |
n=1.370 |
T1-4, jedes N, M0 |
Adjuvante Hormontherapie nach Radiatio (Bicalutamide)
|
Radiatio allein |
7,4 Jahre |
Progressionsfreies Überleben, Gesamtüberleben |
signifikant höheres Gesamtüberleben und krankheitsspezifisches Überleben mit adjuvanter Therapie nur für Gruppe der lokal fortgeschrittenen |
1+ |
|
Studien-typ |
Autoren, Jahr |
untersuchte Studien/ Materialien |
Welche Behandlungen wurden geprüft |
Befunde in Bezug auf Therapie-Wirkungen und Überleben |
Methodische Besonder-heiten/ |
Level of Evidence |
Literaturbelege |
|
Systematischer Review |
Kumar |
RCTs von Patienten mit T1-3, N0-x, M0 |
Neoadjuvante Hormontherapie vor RPE gegen RPE allein, unterschiedliche Therapiezeiten und Therapieformen |
neoadj. Hormontherapie vor RPE verlängert das Gesamtüberleben nicht (Meta-analyse von Aus, Klotz, Schulman) neoadj. Hormontherapie vor RPE verlängert das krankheitsfreie Überleben nicht (Meta-analyse aus Klotz, Aus, Schulman, Soloway) neoadjuvante Hormontherapie vor RPE erhöht die Rate an R0-Resektionen (Meta-analyse aus Aus, Dalkin, Klotz, Labrie, Prezioso, Schulman, Selli, Soloway) neoadjuvante Hormontherapie länger als 3 Monate vor RPE erhöht die Rate and R0-Resektionen gegenüber einer Therapiedauer von <= 3 Monaten |
Meta-analysen beziehen sowohl Studien mit T3-Stadien und unklarem N-Stadium ein |
1++ |
|
|
Systematischer Review |
Kumar 2006 |
RCTs von Patienten mit T2-4, N0-x, M0 |
Neoadjuvante Hormontherapie vor Radiatio gegen Radiatio allein, unterschiedliche Therapiezeiten und Therapieformen |
neoadj. Hormontherapie vor Radiatio verlängert das Gesamtüberleben für Patienten mit Gleason-Score 2-6 (Pilepich, begrenzt und fortgeschrittene Stadien) neoadj. Hormontherapie vor Radiatio verlängert das krankheitsspezifische Überleben nicht (Meta-analyse Denham, Pilepich) neoadj. Hormontherapie vor Radiatio verlängert das biochemisch definierte krankheitsfreie Überleben (Meta-analyse Denham, Laverdiere, Pilepich) neoadj. Hormontherapie vor Radiatio verlängert das klinisch definierte krankheitsfreie Überleben (Meta-analyse Denham, Pilepich) die Dauer der neoadj. Hormontherapie vor Radiatio hat keinen Einfluss auf das biochemisch definierte krankheitsfreie Überleben (Meta-analyse aus Denham und Crook) |
|
1+ |
|
|
Systematischer Review |
Kumar 2006 |
RCTs von Patienten mit T1-4, N0-+, M0 |
Adjuvante Hormontherapie nach RPE gegen RPE allein, unterschiedliche Therapiezeiten und Therapieformen |
adjuvante Hormontherapie nach RPE verlängert das Gesamtüberleben nicht (Meta-analyse Messing und Wirth) adjuvante Hormontherapie nach RPE verlängert das krankheitsfreie Überleben (Meta-analyse aus Messing und McLeod) |
|
1+ |
|
|
Systematischer Review |
Kumar 2006 |
RCTs von Patienten mit T1-4, Nx-+, M0 |
Adjuvante Hormontherapie während und nach Radiatio gegen Radiatio allein, unterschiedliche Therapiezeiten und Therapieformen |
adjuvante Hormontherapie zu und nach Radiatio verlängert das Gesamtüberleben nicht (Meta-analyse aus Bolla, Pilepich 2005, Zagars, Tyrrell) adjuvante Hormontherapie zu und nach Radiatio verlängert das krankheitsspezifische Überleben (Meta-analyse aus Pipelich 2005 und Bolla) adjuvante Hormontherapie zu und nach Radiatio verlängert das krankheitsfreie Überleben (Meta-analyse aus Bolla, Zagars, Tyrrell und Pipelich 2005) |
Studien heterogen |
1+ |
|
|
Studientyp |
Autoren, Jahr |
Untersuchte Studien/ Materialien |
Welche Behandlungen wurden geprüft |
Charakteristik eingeschlossener Studien / |
Literaturbelege |
Evidenzniveau (SIGN) |
|
Systematischer Review mit Metaanalyse (Cochrane Review), Akzualisierung von Kumar et al. 2004 |
Shelley et al. 2009, |
Medline, Embase, Cochrane, Science Citation Index, LILACS, SIGLE, Kongressabstracts, Reference-Check, Handsuche 1966-2007 |
Neoadjuvante Hormontherapie bei lokal begrenztem und lokal fortgeschrittenem PCa, nach RPE und EBRT |
HT vor RPE (10 RCTs) : OS, CSS und bDFS: kein Hinweis auf signifikante Reduktion, Dagegen signifikant bessere Werte bei Rate an positiven Resektionsrändern, Organbegrenzung oder positiven Lymphknoten, bei längerer (6-8 Monater vs. 3 Monate) HT bessere Ergebnisse bzgl. Organbegrenzung und positiven Resektionsrändern HT vor EBRT (4 RCTs) : HT+EBRT vs. EBRT OS : eine Studie (Pilepich 2001) ohne signifikante Unterschiede nach 5,8, und 10 Jahren, Subgruppenanalyse zeigt signifikanten Überlebensvorteil bei Gleason 2-6 vs. 7-10 CCS : zwei Studien, signifikanter Unterschied bei 6 Monaten HT, nicht aber bei HT für 3 Monate (Denham 2005), signifikanter Unterschied bei HT für 2 Monate vor EBRT und während Therapie (Pilepich 2001). bDFS : drei Studien (Laverdiere 2004, Pilepich 2001, Denham 2005), alle mit signifikanten Unterschieden, gepoolt : relative risk 1,59 (95 % KI 1-2,55), p =0,05, signifikante Heterogenität cDFS : zwei Studien (Pilepich 2001, Denham 2005) mit signifikanten Unterschieden, gepoolt : relative risk 1,46 (95 % KI 1,24-1,71), p < 0,0001 3 Monate HT+EBRT vs. 6 bzw. 8 Monate HT+EBRT OS und CSS : kein signifikant Unterschied (bei Deham 6 Monate-HT signifikant, aber nicht bei 3-Monate-HT vs. 0., keine Unterschied 3 vs. 6 Monate). bDFS : zwei Studien (Crook 2004, Denham 2005) ,inkonsistente Ergebnisse : gepoolt : n.s. Bemerkungen : Review mit jeweils 2 unabhängigen Reviewern und Qualitätsbewertung der Studien, random effect model erst bei signifikanter Heterogenität, sonst fixed effect model - unabhängig von klinischen Aspekte. EBRT Pat. meist intermediate oder high risk, RPE Patienten meist cT1-2 |
HT vor RPE : Dalkin B J Urol 1996;155:1357–60, Prezioso D Urol Int 2004;72:189–95. Gleave ME J Urol 2001;166:500–7. Labrie F Urol 1997;49:56–64. Selli C J Clin Pathol 2002;55:508–13. Soloway M J Urol 2002;167:112–6. Van Der Kwast T Urol 1999;53:523–9. Schulman CC Eur Urol 2000;38:706–13. Aus G BJU Int 2002;90:561–6. Klotz LH J Urol 2003;170:784–91., 13 HT vor EBRT Pilepich MV Int J Rad Oncol Biol Phys 2001;50:1243–52. Laverdiere J, J Urol 2004;171:11137–40. Crook J Int J Rad Oncol Biol Phys 2004;60:15–23. Denham JW 2005;6:841–50 |
1+ |
|
Systematischer Review mit Metaanalyse (Cochrane Review), Akzualisierung von Kumar et al. 2004 |
Shelley et al. 2009 |
Medline, Embase, Cochrane, Science Citation Index, LILACS, SIGLE, Kongressabstracts, Reference-Check, Handsuche 1966-Ende des Suchzeitraums nicht angegeben, spätestens Januar 2009 |
Adjuvante Hormontherapie bei lokal begrenztem und lokal fortgeschrittenem PCa, nach RPE und EBRT |
HT nach RPE (3 RCTs) : OS : 1 Studie mit sign. Effekten (Messing 1999), 2 Studien ohne sign. Effekt (Wirth 2004, McLeod 2006), gepoolt : n.s. CSS : 1 Studie mit sign. Effekten (Messing 1999) DFS: 3 Studien mit sign. Effekten (Messing 1999, Wirth 2004, McLeod 2006). Gepoolt : sign. Effekt nach 5 und 10 Jahren Toxizität : 1 Studie (McLeod 2006), brest pain = 73,6 %, gynäkomastie 68,8 %, 30 vs. 10 % Therapieabbruch wegen Nebenwirkungen 1 Studie (Messing 1999) ; sign. Zunahme von hämatologischen, gastrointestinalen, und urogenitale Nebenwirkungen Grad 1 und 2 und Hitzewallungen. 1 Studie (Wirth 2004) : doppelt so viele Therapieabrüche wegen Nebenwirkungen in Interventionsgruppe HT vor EBRT (4 RCTs) : OS : eine Studie (Bolla 2002) mit signifikanten Unterschieden nach 5 Jahren; eine Studie mit sign. Effekten nur bei Subgruppe T3-T4 (Tyrell 2005) ; 2 Studien ohne signifikante Effekte (Pilepich 2005, Zagar 1999) Gepoolt : kein sign. Effket im random effect model CSS : eine Studie (Bolla 2002) mit signifikanten Unterschieden nach 5 Jahren; eine Studie mit sign. Effekten nur bei Subgruppe T3-T4 (Tyrell 2005) ; 1 Studie ohne signifikanten Effekt (Pilepich 2005) Gepoolt : kein sign. Effket im random effect model DFS : Alle 4 Studien mit signifikanten Effekten, sign. Heterogenität der 5 Jahres Ergebnisse, 10 Jahresergebnisse von zwei Studien nicht heterogen. DM : 2 Studien mit signifikanten Effekten (Bolla 2002, Pilepich 2005) Loco-regional Failure : 1 Studie mit sign. Effekten (Bolla 2002) Bemerkungen : Review mit jeweils 2 unabhängigen Reviewern und Qualitätsbewertung der Studien, random effect model erst bei signifikanter Heterogenität, sonst fixed effect model - unabhängig von klinischen Aspekte. Ende des Suchzeitraums nicht angegeben. Studien bei EBRT unterscheiden sich stark bzgl. der eingeschlossenen Patienten. Zu HT+EBRT keine Schadensendpunkte berichtet |
HT+RPE Zagars 1988;14(6):1085–91. Messing EM. New Engl J Med 1999;341(24):1781–8. Wirth MP Eur Urol 2004; 45(3):267–70. McLeod DG BJU Int 2006;97(2):247–54.
HT+EBRT Zagars 1988;14(6):1085–91. Bolla M, Lancet 2002;360(9327): 103–6. Pilepich MV RTOG 85–31. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2005;61(5):1285–90. Tyrrell CJ Radiother Oncol 2005;76(1):4–10. |
1+ |
1) Ist bei Patienten mit lokal begrenztem PCa des intermediären Risikoprofils die moderate Hypofraktionierung +/- ADT im Vergleich zur Standardfraktionierung +/- ADT in Bezug auf das onkologische Ergebnis sowie die Akut- und Spätfolgen gleichwertig? 2) Ist bei Patienten mit lokal begrenztem PCa des hohen Risikoprofils die moderate Hypofraktionierung kombiniert mit einer ADT im Vergleich zur Standardfraktionierung kombiniert mit einer ADT in Bezug auf das onkologische Ergebnis sowie die Akut- und Spätfolgen gleichwertig?
Patient: Patienten mit lokal begrenztem PCa des intermediären Risikoprofils / hohen Risikoprofils
Intervention: moderate Hypofraktionierung +/- ADT
Kontrolle: Standardfraktionierung +/- ADT
Endpunkte: onkologische Ergebnis sowie Akut- und Spätfolgen
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Referenz |
Studientyp Evidenz-graduierung |
Teilnehmer |
Intervention |
Kontrolle |
Zielgrößen |
Hauptergebnis |
Methodische Bemerkung |
|
NICE ER Prostate cancer: diagnosis and management [C] Evidence review for radical radiotherapy NICE guideline NG131 Evidence reviews May 2019 |
systematic review LoE 1++
SR and RCT (n = 10 RCT, n = 21 articles) search until August 2018 (Cochrane, DARE, HTA, Embase, MEDLINE) sample sizes 162 to 3,216 participants (up to n = 7,050 men)
image-guided, intensity-modulated radiotherapy (IG-IMRT)
|
men with localised prostate cancer (T1b–T3a N0 M0)
median age 63-72 years
HYPRO: intermediate to high risk prostate cancer (T1b–T4 NX–0 MX–0, SPSA ≤ 60 ng/mL, WHO performance status 0–2) PROFIT: intermediate risk (T1-T2a, Gleason score of 6 or less and PSA 10.1 to 20; T2b-T2c, Gleason score of 6 or less and PSA 20ng/mL or less; or T1-2, Gleason score of 7 and PSA ≤ 20 ng/mL) without evidence of spreading to lymph nodes or bones CHHiP: T1b–T3aN0M0 and WHO performance status 0-1, PSA < 40 ng/mL and < 30% risk of lymph node involvement RTOG 0415: low-risk: T1b - T2c, Gleason score 2-6, PSA <10, Zubrod performance status <2 Marzi 2009: high risk, with two of following factors: T2c-T4, PSA > 10 ng/ml, Gleason score 7-10 Norkus 2009: low-Intermediate risk with less than 15% risk of seminal vesicle and/or lymph node involvement FCCC: T1-T3, Gleason score 5 or more if they had intermediate/high risk features |
hypo fractionated external beam radiotherapy (roughly 4 weeks)
HYPRO: 63.6gy/ 19 x 3.4 fr PROFIT: 60 gy in 20 x 3gy fractions CHHiP: 60 gy in 20 x 3 gy fractions or; 57 gy in 19 x 3 gy fractions RTOG 0415: 70 gy in 28 x 2.5gy fractions Marzi 2009: 62gy in 20 x 3.1gy fractions Norkus 2009: 57gy in 13 x 3gy fractions plus 4 x 4.5gy fractions FCCC: 70.2gy in 26 x 2.7gy fractions
|
conventional external beam radiotherapy (around 7.5 weeks)
HYPRO: 78gy / 39 x 2gy fr PROFIT: 78gy in 39 x 2gy fractions CHHiP: 74 gy in 37 x 2 gy fractions RTOG 0415: 73.8gy in 41 x 1.8gy fractions Marzi 2009: 80gy in 40 x 2gy fractions Norkus 2009: 74gy in 37 x 2 gy fractions FCCC: 76gy in 38 x 2gy fractions |
overall survival (and time to death) freedom from prostate cancer-related death metastasis-free survival freedom from biochemical failure (and time to biochemical failure) freedom from biochemical–clinical failure (and time to biochemical–clinical failure) acute toxicity (gastrointestinal and genitourinary) late toxicity (gastrointestinal and genitourinary) quality of life (for urinary, bowel, sexual and hormonal domains) |
overall survival n = 3,569/3,950 vs. n = 2,522/2,839 RR 1.01 (95% CI 0.99; 1.03); n = 7 studies; p = 0.33; high quality of evidence time to death (any cause) HR 1.13 (95% CI 0.97; 1.33); n = 5 studies; p = 0.13; moderate quality of evidence freedom from prostate cancer-related death n = 1,765/1,799 vs. n = 1,734/1,774 RR 1.00 (95% CI 0.99; 1.01); n = 5 studies; p = 0.45; high quality of evidence time to prostate cancer-related death HR 1.66 (95% CI 0.84; 3.28); n = 2 studies; p = 0.14; moderate quality of evidence freedom from biochemical failure n = 1,424/1,648 vs. n = 1,365/1,622 RR 1.03 (95% CI 1.00; 1.06); n = 4 studies, p = 0.07; high quality of evidence time to biochemical failure HR 1.39 (95% CI 0.99; 1.96); n = 2 studies; p = 0.06; low quality of evidence freedom from biochemical-clinical failure n = 3,346/3,867 vs. n = 2,319/2,754 RR 1.01 (95% CI 0.99; 1.03); n = 6 studies; p = 0.27; moderate quality of evidence time to biochemical-clinical failure HR 1.03 (95% CI 0.93; 1.14); n = 6 studies; p = 0.61; moderate quality of evidence acute toxicity genitourinary n = 1,347/3,236 vs. n = 984/2,474 RR 1.01 (95% CI 0.95; 1.07); n = 9 studies; p = 0.82; moderate quality of evidence gastrointestinal n = 945/3,235 vs. n = 470/2,474 RR 1.42 (95% CI 1.29; 1.56); n = 9 studies; p < 0.0001; moderate quality of evidence late toxicity genitourinary n = 699/3,990 vs. n = 578/2,898 RR 1.07 (95% CI 0.97; 1.18); n = 8 studies; p = 0.16; moderate quality of evidence gastrointestinal n = 518/4,071 vs. n = 396/2,979 RR 1.03 (95% CI 0.91; 1.16); n = 9 studies; p = 0.65; low quality of evidence quality of life time to worsening of IPSS overall- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 0.90 (95% CI 0.46; 1.78) time to worsening of IPSS Quality of life- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 1.47 (95% CI 0.62; 3.48) time to worsening of urinary incontinence (EPIC) – HR<1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 1.91 (95% CI 0.97; 3.76) time to worsening urinary irritative/obstructive (EPIC)- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 0.40 (95% CI 0.10; 1.55) time to worsening sexual bother (EPIC)- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 2.27 (95% CI 0.68; 4.91) time to worsening hormonal bother (EPIC)- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 1.22 (95% CI 0.59; 2.55) time to worsening bowel bother (EPIC)- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 0.77 (95% CI 0.25; 2.36) time to worsening visual analogue scale scores (EQ5D)- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 1.61 (95% CI 0.42; 6.18) time to worsening EQ5D Index scores- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 2.13 (95% CI 0.60; 7.56) time to worsening of overall urinary bother- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 1.03 (95% CI 0.72 ; 1.48) HR 0.85 (95% CI 0.58; 1.24) time to worsening of overall bowel bother- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 1.10 (95% CI 0.80 ; 1.48) HR 0.90 (95% CI 0.65; 1.24) time to worsening of overall sexual bother- HR <1 favours better outcomes associated with hypo fractionated over time HR 1.19 (95% CI 0.92; 1.55) HR 1.14 (95% CI 0.88 ; 1.48) each: n = 1 study; very low quality of evidence |
AMSTAR-2 high quality assessment Cochrane Risk of Bias Tool GRADE overall: low to high quality of evidence with moderate or high risk of bias (lack of blinding, variability in allocation concealment) |
ET RCT STAMPEDE
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Referenz |
Studien-charakteristika LoE |
Studienziel |
Patientenmerkmale |
Intervention |
Kontrolle
|
Ergebnisse |
Schlussfolgerungen des Autors |
Methodische Bemerkungen
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Parker et al. 2022 [1003]
PMID: 35671327 |
randomized controlled trial
LoE 1-
NCT268476; STAMPEDE; (long-term results), primary results reported in Parker et al. Lancet 2018
n = 2061 men; n = 1032 vs. n = 1029 |
in this final analysis, we report long-term findings on the primary outcome measure of overall survival and on the secondary outcome measures of symptomatic local events, RT toxicity events, and quality of life |
patients with newly diagnosed prostate cancer, with no previous radical treatment, confirmed metastatic disease
n = 1,939 had metastatic burden classifiable, with 42% (n = 409) low burden (only lymph node metastasis) and 58% (n = 567) high burden
median age 68 years
median follow up 61.3 months
all patients received lifelong hormone therapy or orchidectomy; docetaxel with or without prednisolone after it became available |
standard of care (SOC) + external beam radiotherapy (RT) |
standard of care (SOC) |
primary overall survival total deaths n = 1,183 (n = 574 vs. n = 609)
overall survival (all patients) 45% vs. 42% HRa 0.90 (95% CI 0.81; 1.01) with weekly RT (36 Gy/6f) HRa 1.00 (95% CI 0.85; 1.18) with daily RT (55 Gy/20f) HRa 0.83 (95% CI 0.71; 0.97)
low metastatic burden total deaths n = 358 SOC+RT n = 156/410 vs. SOC n = 202/409
median survival 85.5 months vs. 63.6 months 5 years survival 65% vs. 53% HRa = 0.64 (95% CI 0.52, 0.79), p < 0.001
high metastatic burden total deaths n = 761 SOC+RT 386/553 SOC 375/567
median survival 38.8 months vs. 41.2 months 5 years survival 30% vs. 35% HRa = 1.11 (95% CI 0.96, 1.28), p = 0.164
differential treatment effect according to metastatic burden (interaction p < 0.001
death due to prostate cancer total deaths n = 789 (n = 389 (65%) vs. 400 (66%))
prostate cancer specific survival all patients 51% vs. 49% HRa 0.92 (95% CI 0.81; 1.04) low metastatic burden HRa 0.62 (95% CI 0.49; 0.79) high metastatic burden HRa 1.12 (95% CI 0.96; 1.31)
secondary local intervention-free survival (LIFS) all patients 47% vs. 44% HRa 0.94 (95% CI 0.83; 1.06) low metastatic burden HRa 0.62 (95% CI 0.49; 0.77) high metastatic burden HRa 1.18 (95% CI 1.01; 1.137)
symptomatic local event-free survival (SLEFS) men with at least 1 symptomatic local event n = 1,209 (59%) (n = 601 vs. n = 608)
men with 1 or more local intervention event n = 530 vs. n = 556
most common urinary tract infection n = 80 (13%) vs. n = 57 (9%) urinary catheter n = 44 (7%) vs. n = 52 (9%) acute kidney injury n = 34 (6%) vs. n = 33 (5%)
median symptomatic local event free survival 43.3 months vs. 43.8 months 5 years SLEFS survival all patients 40% vs. 39% HR 1.00 (95% CI 0.90; 1.13); p = 0931
low metastatic burden HRa 0.72 (95% CI 0.59; 0.88) high metastatic burden HRa 1.23 (95% CI 1.06; 1.42)
adverse events total at least 1 grade 3 to 5 adverse event n = 451 (45%) vs. n = 458 (44%)
most common (> 5%) endocrine disorders n = 155/992 (16%) vs. n = 160/1,052 (15%) musculoskeletal disorders n = 104/992 (10%) vs. n = 112/1,052 (11%) at 1 year urinary related (grade 3) RT n = 20 (2%) urinary related (grade 4 or 5) RT n = 0
bowel related (grade 3 or 4) RT n = 26 (3%)
at 2 years (available for n = 610 patients) urinary related (grade 3) RT n = 3 (0.5%)
bowel related (grade 3 or 4) RT n = 6 (1%)
quality of life (QoL) global QoL (average in the first 2 years) 72.4% vs. 73.2% absolute difference -0.8% (95% CI -2.5%; 0.9%); p = 0.349
OLQ-30 Summary Score (average in the first 2 years) 84.2% vs. 85.4% absolute difference -1.2% (95% CI -2.4%; 0.0%); p = 0.050
cross sectional analyses indicated poorer QoL at week 12 after randomization for SOC+RT: global QoL difference -2.9% (95% CI -4.8%; -1.0%), p = 0.003 Summary Score difference -2.0% (95% CI -3.2%; -.8%), p = 0.0001 |
STAMPEDE has previously reported that radiotherapy (RT) to the prostate improved overall survival (OS) for patients with newly diagnosed prostate cancer with low metastatic burden, but not those with high-burden disease
prostate radiotherapy improves overall survival, without detriment in quality of life, in men with low-burden, newly diagnosed, metastatic prostate cancer, indicating that it should be recommended as a standard of care |
Risk of Bias
imitations: change in clinical practice since trial started (e.g. imagine techniques and systematic treatment); low burden was defined according to bone scan and CT scan (no agreed definition);
unknown effect of hormone agents in addition to ADT on the survival benefit of prostate RT (authors concluded to assume prostate RT and one of the newer hormonal agents as standard of care for low-burden metastatic disease in addition to ADT)
authors noted that a comparison was added to the STAMPEDE protocol to assess RT to the prostate for males with metastatic prostate cancer |
|
Ali et al. 2021 [1004] PMID: 33599706 |
secondary analysis (exploratory) based on metastatic site and extent as determined by conventional imaging
LoE 2+
NCT268476; STAMPEDE; primary results reported in Parker et al. Lancet 2018
n = 1,939/2,061 men (94%) |
to evaluate the association of bone metastasis count and location with survival benefit from prostate RT
(multivariable fractional polynomial interaction (MFPI) algorithm using a nested adjusted Cox regression model; interaction model with the lowest Bayesian information criterion and Akaike information criterion) |
patients with newly diagnosed metastatic prostate cancer
median age 68 years
median PSA 98 ng/mL
bone metastasis n = 1,587 (82%)
median follow-up 37 months
first-degree fractional polynomial, second-degree fractional polynomial, and linear functions of bone metastasis counts |
standard of care and prostate radiotherapy |
standard of care (androgen deprivation therapy with or without docetaxel) |
association of baseline bone metastasis counts with
overall survival (OS) bone metastases (±NRLN) n = 291/785 vs. n = 303/802 64% vs. 61%; HRa 0.96 (95% CI 0.82-1.13); interaction p = 0.006
≤3 bone metastases n = 58/287 vs. n = 81/290 85% vs. 75% HRa 0.64 (95% CI 0.46-0.89)
≥4 bone metastases n = 233/498 vs. n = 222/512 52% vs. 53% HRa 1.12 (95% CI 0.93-1.34)
failure-free survival (FFS) bone metastases (±NRLN) n = 532/785 vs. n = 598/802 30% vs. 22% HRa 0.75 (95% CI 0.67-0.85); interaction p = 0.004
≤3 bone metastases n = 135/287 vs. n = 184/290 53% vs. 33% HRa 0.56 (95% CI 0.45-0.71)
≥4 bone metastases n = 397/498 vs. n = 414/512 16% vs. 15% HRa 0.86 (95% CI 0.75-0.99) |
exploratory analysis of a randomized clinical trial, bone metastasis count and metastasis location based on conventional imaging were associated with OS and FFS benefit from prostate RT in M1 disease
|
Risk of Bias not applicable
imitations: secondary analysis (exploratory); retrospective; some patients had to be excluded; lack of information on quantitative lymph node and visceral metastasis (sensitivity analyses); around 20% received docetaxel; unclear how to translate these data to staging with newer imaging modalities authors noted that controversy exists on how to define low metastatic burden |
|
Attard et al. 2022 [681] PMID: 34953525 |
meta-analysis of two separate trials (phase 3) conducted in the STAMPEDE protocol
LoE 1-
(STAMPEDE MAMS platform); design reported previously (James et al. N Engl J Med 2017; James et al. Lancet 2016))
n = 2 trials (open-label); comparing ADT with ADT plus abiraterone and prednisolone ADT with ADT plus abiraterone, prednisolone, and Enzalutamide
n = 1,974 non-metastatic men:
for abiraterone: n = 459 in combination therapy vs. n = 455 to control
for abiraterone and enzalutamide: n = 527 in combination vs. n = 533 to control |
analysed new data from two randomised controlled phase 3 trials done in a multiarm, multistage platform protocol to assess the ecacy of adding abiraterone and prednisolone alone or with enzalutamide to ADT in this patient population |
patients with advanced prostate cancer starting ADT stratified by the presence or absence of distant metastases on conventional imaging
metastatic and non-metastatic patients were managed differently
publication focused on non-metastatic patients assigned to the abiraterone (n = 914 men) or abiraterone and enzalutamide (n = 1,060 men) trials
median age 67-69 years
median PSA 32-40 mg/mL
NO 55-62% N1 1-2% Nx < 1%
radiotherapy (RT) was mandated for patients with node-negative disease (74 Gy in 37 fractions to the prostate and seminal vesicles or the equivalent using hypofractionated schedules)
RT as standard of care in 81-89% of patients
(for metastatic patients and long-term outcomes separate publications[1]) |
standard of care with combination therapy
____________
androgen deprivation therapy (ADT)
plus abiraterone and prednisolone (and enzalutamide) for 2 years or util progression
|
standard of care alone _______________
androgen deprivation therapy (ADT) (for 3 years) |
primary metastasis-free survival overall events n = 180 vs. n = 306 HR 0·53 (95% CI 0·44–0·64); p<0·0001
abiraterone and prednisolone trial events n = 111/459 vs. n = 183/455 HR 0·54 (95% CI 0·43–0·68); p<0·0001
abiraterone and prednisolone plus enzalutamide trial events n = 69/527 vs. n = 123/533 HR 0·53 (95% CI 0·39–0·71); p<0·0001
no evidence of a difference in treatment effect (interaction HR 1·02, 0·70–1·50, p=0·91)
no evidence of between trial heterogeneity (I² p=0·90)
secondary overall survival overall deaths n = 147 vs. n = 236 HR 0·60 (95% CI 0·48–0·73), p<0·0001
abiraterone and prednisolone trial events n = 95/459 vs. n = 142/455 HR 0·63 (95% CI 0·48–0·82)
abiraterone and prednisolone plus enzalutamide trial n = 52/527 vs. 94/533 HR 0·54 (95% CI 0·39–0·76)
prostate cancer-specific survival disease specific deaths n = 73 vs. n = 142 HR 0·49 (95% CI 0·37–0·65), p<0·0001
(effect was consistent in both trials; appendix)
failure-free survival events n = 204 vs. n = 402 HR 0·39 (95% CI 0·33–0·47), p<0·0001 (effect was consistent in both trials; appendix)
progression free-survival events n = 138 vs. n = 277 HR 0·44 (95% CI 0·36–0·54), p<0·0001
(effect was consistent in both trials; appendix)
toxicity and adverse events grade 3 or worse adverse events at 24 months abiraterone and prednisolone trial n = 169/451 (37%) vs. n = 130/455 (29%)
abiraterone and prednisolone plus enzalutamide trial n = 298/513 (57%) vs. n = 172/533 (32%)
most common grade 3 adverse event control: ecectile dysfunction (10-11%) abiraterone and prednisolone: erectile dysfunction (9%), hypertension (5%), increased ALT (5%) abiraterone and prednisolone plus enzalutamide: erectile dysfunction (14%), hypertension (14%), increased ALT (12%), fatigue (10%)
grade 5 adverse events control n = 0 abiraterone and prednisolone n = 3 abiraterone and prednisolone plus enzalutamide n = 4 (rectal adenocarcinoma, pulmonary haemorrhage, respiratory disorder, septic shock, sudden death) |
among men with high-risk non-metastatic prostate cancer, combination therapy is associated with significantly higher rates of metastasis-free survival compared with ADT alone
abiraterone acetate with prednisolone should be considered a new standard treatment for this population |
AMSTAR II not applicable (no systematic search)
stratification of randomization: planned use of prostate radiotherapy (yes vs. no)
decisions/changes for STAMPEDE (based on data that emerged after competition of accrual to both trials) in 2019; to: (1) formally separately report non-metastatic and metastatic patients, (2) combine the non-metastatic patients from both trials (both trials assigned control patients to the same standard of care treatment, no overlapping control patients, included the same dose and regimen of abiraterone acetate) (3) change the primary outcome measure for the non-metastatic population from overall survival to metastasis-free survival, and (4) extend follow-up of both trials until sufficient events in the non-metastatic population original sample size calculations for each trial are available in the protocol; no predefined sample size for non-metastatic patients
data on subsequent therapies are unreliable
conclusions of the study should be restricted to patients who meet the protocol’s definition for disease at high risk of relapse |
|
Abbreviation A adjusted CI confidence interval FFS failure-free survival HR hazard ratio LIFS local intervention-free survival OS overall survival QoL quality of life (EORTC QLQ-3 for quality of life) RT radiotherapy SLEFS symptomatic local event-free survival SOC standard of care
Association of Bone Metastatic Burden With Survival Benefit From Prostate Radiotherapy in Patients With Newly Diagnosed Metastatic Prostate Cancer: A Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial. JAMA Oncol. 2021 Apr 1;7(4):555-563. doi: 10.1001/jamaoncol.2020.7857. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33599706/ Parker et al. Radiotherapy to the prostate for men with metastatic prostate cancer in the UK and Switzerland: Long-term results from the STAMPEDE randomised controlled trial. PLoS Med. 2022 Jun 7;19(6):e1003998. doi: 10.1371/journal.pmed.1003998. eCollection 2022 Jun. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35671327/ Attard G, Murphy L, Clarke N, Cross W, Jones R, Parker C, et al. Abiraterone acetate and prednisolone with or without enzalutamide for high-risk non-metastatic prostate cancer: a meta-analysis of primary results from two randomised controlled phase 3 trials of the STAMPEDE platform protocol. Lancet. 2022;399(10323):447-460. URL: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34953525/ Clarke et al. Addition of docetaxel to hormonal therapy in low- and high-burden metastatic hormone sensitive prostate cancer: long-term survival results from the STAMPEDE trial. Ann Oncol 2019; 30: 1992–2003. and Hoyle et al. Abiraterone in “high-” and “low-risk” metastatic hormone-sensitive prostate cancer. Eur Urol 2019; 76: 719–28. |
||||||||
6.3.3.2 EvT 6.29
|
Artikel |
Studientyp |
Anzahl der Patienten |
Patientenmerkmale |
Intervention |
Vergleichs-Intervention |
Nachverfolgung |
Outcomes |
Ergebnisse |
Bemerkungen |
Evidenz-Niveau (SIGN) |
|
|
Martinez, 2005 |
Fallserie/ Kohorten |
934 |
PSA>10 Gleason³7 ³T2b; 137 (15%) ≥cT3a. |
EBRT: 36-50 Gy HDR: 5,5-11,5 Gy, 2-4 x + £6Mon neoadj. HT (n=406 = 44%). |
EBRT: 36-50 Gy HDR: 5,5-11,5 Gy, 2-4 x ohne HT (n=528). |
4,5 J |
bNED, Einfluss von Hormonen und GS auf Outcome (MVA). |
5-J-bNED 85% 8-J-bNED 82% Rate Fernmetastasen HDR+Hormone 8,1% HDR allein 5,2% p=0,045 Krankheitspez Überleben Hormone ja/nein p=0,02 Gleason £6vs7vs³8 p=0,02. |
Retrospektive Analyse. |
2 bis 3 |
|
|
Galalae, 2004
|
Fallserie/ Kohortenstudie |
611 3 Instit. |
46-low risk (Gr1) 188-intermediate risk (Gr2) 359-high risk (Gr3); 112 (18%) cT3. |
EBRT: 45.6-50 Gy mit 1.8 to 2 Gy Einzeldosis HDR: 3-11.5 Gy, 2-4 x 177 Hormonther. 434 nicht. |
mittl. FU: 5 J |
OSS, CSS, BC, DFS, LR, MVA auf prognostische Faktoren. |
Endpoint All Gr1 Gr2 Gr3 (n=593) (n=46) (n=188) (n=359) OS 85% 88% 86% 85% CSS 96% 100% 99% 95% BC 77% 96% 88% 69% DFS 67% 83% 75% 61% LR 7.4% 0% 3.5% 10% Gleason, PSA, Risikogruppe und Stadium waren signifikante multivariate prognostische Faktoren. Zusätzliche Hormontherapie ohne Vorteil für alle Endpunkte (Außer CSS in der Hochrisikogr. |
Retrospektive Analyse, ungleiche Gruppen. |
2 bis 3 |
||
|
Deger, 2005 |
Fallserie/ Kohorte |
442 |
94-low risk 53-intermediate risk 295-high risk keine Hormontherapie; 247 (56%) cT3 |
EBRT 40-50,4 Gy 2 x HDR 9-10 Gy |
Median 5 J. |
bPFS, OS, DSS; MVA bezüglich Einflussfaktoren für Outcome |
bPFS DSS OS 5 Jahre 81% 94% 87% Low risk 81% Interm. Risk 65% High risk 59% Signifikante Einflussfaktoren auf bPFS in MVA: PSA (>10), Alter (>70), Risiko-Gruppe (low vs. intermediate/high) |
|
2 bis 3 |
||
|
Demanes, 2005 |
Fallserie/ Kohorten- |
209 |
70-low risk 92-inter-mediate risk 47-high risk keine Hormon-therapie; 13 (6%) cT3. |
HDR-22–24 Gy (4x 5.5– 6.0 Gy) EBRT 1,8 Gy bis 36 Gy. |
7,25 J |
GCF |
General Clinical Failure (PSA>25, Hormontherapie, DRE oder Biopsie positive, Fernmeta) Risk Low 0.93 (59) 0.93 (16) 0.93 (4) Inter- High 0.85 (37) 0.79 (22) 0.79 (10) 5 y 8 y 10 y Low 93 (58) 93 (16) 93 (4) Inter- high 83 (35) 66 (18) 62 (8). |
Nur beschreibend. Best Korrelation mit klinischem Versagen erbrachte Nadir + 2 ng/ml +. |
2 bis 3 |
||
|
Galalae, |
Fallserie/ Kohortenstudie |
144 |
46 (32%) cT3 |
EBRT Arc Technik 2 Gy bis 40 Gy HDR: 8-9 Gy Prostata umschließend (15 Gy periphere Dosis). |
Minimum 5 J Median 8,2 J |
bNED |
bNED (%) bNED (%) 5-year 8-year <10 ng/mL, G1–2 94.7 93 10–20 ng/mL, G1–2 83.3 81 >20 ng/mL, G1–2 67.7 63.6 <10 ng/mL, G3 72.2 64.3 10–20 ng/mL, G3 76.9 75 >20 ng/mL, G3 38 32
Tox GI GU Grade 1 9.72% 12.5% Grade 2 6.94% 4.16% Grade 3 4. 10% 2.08% erhöhte Tox, wenn TURP innerhalb von 6 Monaten (median 16 Monate). |
-- |
2 bis 3 |
||
|
Galalae, 2006 |
Fallserie/ Kohorten- |
579 2 Instit. |
122-low risk 122-inter-mediate risk 80-high risk; cT-Kategorie nicht erkennbar |
EBRT: 45.6-50 Gy mit 1.8 to 2 Gy Einzeldosis HDR: 5,5-11,5 Gy, 2-4 x 222 Kurzzeit Hormonther. 324 keine HAT. |
mittl. FU: |
BED |
Berechnung der Equivalenzdosis mit a/b = 1.2 (<94 Gy vs. >94 Gy) BED > 94 Gy signifikante Verbesserung der bNED, der Lokalrez. und der Metastasenrate (nur für intermediate risk und high risk Patienten). |
Retrospektive Analyse. |
2 bis 3 |
||
|
Hoskin, 2007 |
RCT |
220 |
T1-T3 PSA< 50; 57 (26%) cT3. |
109 – HDR+EBRT = 2,75 Gy bis 35,75 + 2x8.5 Gy. |
109 – EBRT alleine = 2,75 Gy bis 55 Gy. |
30 Mo (2,5 J ) |
bRFS |
HDR+RT EBRT bRFS 5,1 J. 4,3 J p= 0,03. |
Verwendete Risikostratifizierung nicht gebräuchlich, unterdosierte EBRT. |
1+ |
|
|
Sathya, 2005 |
RCT |
104 51komb 53EBRT |
T2-T3 pN0M0 Pat Lymphadenektomie; 42 (40%) cT3. |
EBRT: 40 Gy in 20 Frakt. HDR:35 Gy. |
EBRT alleine: 66 Gy á 2Gy. |
8,2 J |
bF, cF, positive Biopsie nach 24 Mo |
HDR+EBRT vs. EBRT biochem/clinical Failure 33,3% vs 62,3% p=0,0024
positive Biopsie 24 Mon 24% 51% p=0,015 |
-- |
1+ |
|
Ist die LDR oder HDR Brachytherapie kombiniert mit einer perkutanen Bestrahlung und einer Androgen-Deprivations-Therapie (ADT) bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils/Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom im Vergleich zu einer perkutanen Strahlentherapie + ADT gleichwertig in Bezug auf das onkologische Ergebnis und die Akut- und Spätfolgen?
|
Referenz |
Studiencharakteris-tika/LoE |
Studienziel |
Patienten- merkmale |
Intervention |
Kontrolle
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Ergebnisse |
Schlussfolgerungen des Autors |
Methodische Bemerkungen
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Systematische Reviews |
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(1)
included RCT
Hoskin et al. Radiother Oncol 2021
Morris et al. In J Radiat Oncol Biol Phys 2017
|
systematic review and meta-analysis LoE (2- overall) LoE 1- (RCT)
PROSPERO (CRD42022349278)
n = 73 studies (n = 2 RCT, n = 7 prospective, n = 64 retrospective studies)
(search from Jan 2020 until July 2023)
RCT and prospective/retrospective nonrandomized comparative studies |
several questions:
how EBRT-BT compares with definitive EBRT or RP ± postoperative (adjuvant or early salvage) EBRT (RP ± EBRT) for
1. term biochemical control (at/beyond 5 yr), 2. clinically relevant survival endpoints (metastasisfree survival [MFS], cancer-specific survival [CSS], and overall survival [OS]), 3. long-term genitourinary (GU) and gastrointestinal (GI) toxicities, and 4. health-related quality of life (HRQoL)
which patients are most likely to benefit from EBRT-BT and the role of ADT |
histologically confirmed localised/locally advanced nonmetastatic PCa (cN0 M0)
treated with curative intent (low), intermediate (30-40%) or high risk (55-70%)))
median age 62 to 72 years
median PSA <10 to 20 ng/mL
approximately 75% of participants received ADT
_______________ note:
for n = 2 RCT classification of localized / (locally advanced) PCa includes T1-2 (about 70%) and T3(a) (about 30%) N0 M0 |
external beam radiotherapy (EBRT) + brachytherapy (BT) performed using high-dose-rate (HDR) or low-dose-rate (LDR) BT boost ± androgen deprivation therapy (ADT) |
external beam radiotherapy (EBRT) ± androgen deprivation therapy (ADT)
and
radical prostatectomy (RP) ± external beam radiotherapy (EBRT) |
n = 2 RCT (LDR/HDR EBRT-BT vs. EBRT); n = 200 vs. n = 198 men (LDR-BT) and n = 110 vs. n = 106 men (HDR-BT)
n = 6 prospective studies (LDR/HDR EBRT-BT vs. EBRT)
n = 1 prospective study (EBRT-BT vs. RP +/- EBRT)
primary (Table 1) biochemical control (bPFS - progression free survival) at 5 years 88.7% vs. 83.8% at 10 years 85% vs. 67%
HR 0.46 (95% CI 0.28; 0.76); n = 1 RCT (LDR-BT)
at 6 years 76% vs. 60% at 12 years 69% vs. 49%
HR 0.58 (95% CI 0.40; 0.85); n = 1 RCT (HDR-BT)
overall HR 0.54 (95% CI 0.40; 0.72); p < 0.001); n = 2 RCT (n = 308 vs. n = 306 men); moderate certainty of evidence
grade 3+ late GU/GI toxicity GU: patient reported outcome (n = 1 RCT; LDR-BT) as well as n = 6 prospective studies
EBRT-BT vs. EBRT or RP +/- EBRT: significantly worse late GU toxicity was reported in at least one urinary domain (n = 7 studies, including n = 1 RCT)
GU: clinician assessed (n = 21 studies, including n = 2 RCT; LDR/HDR-BT) EBRT-BT vs. EBRT or RP +/- EBRT: significantly worse late grade 3+/severe GU toxicity (n = 7 studies; including n = 2 RCT) overall function, irritative symptoms, frequency, burning
GU toxicity 3+ moderate certainty of evidence (for n = 2 RCT)
at 5 years incidence, patient report (cumulative) 18.4% vs. 5.2% HR 3.46 (95% CI 1.7; 77), p < 0.001; n = 1 RCT (LDR-BT) (n = 2 men died)
prevalence, patient report (cumulative) 8.6% vs. 2.2%; p = 0.058; HR n. r.; n = 1 RCT (LDR-BT))
at 6 years incidence (actuarial) clinician-reported 30% vs. 29% (p = 0.6) n = 1 RCT (HDR-BT)
prevalence 11% vs. 4%; p = 0.05; n = 1 RCT (HDR-BT)
GI: n = 25 studies (n = 7 with patient reported outcomes (including n = 2 RCT); n = 18 studies with clinician-assessed GI toxicity (including n = 2 RCT))
GI toxicity 3+: EBRT vs. EBRT-BT: significantly worse late GI toxicity (patient reported) was reported in at least one bowel domain (n = 2 studies)
significantly worse late grade 3+ GI toxicity (clinician assessed) (n = 1 study)
lower- and higher-grade toxicities (n = 4 studies)
GI toxicity 3+ high certainty of evidence (for n = 2 RCT)
EBRT-BT vs. EBRT at 5 years incidence, clinician assessed (cumulative) 8.1% vs. 3.2% (p = 0.12); HR n. r.; n = 1 RCT (LDR-BT)
prevalence (cumulative) 1% vs. 2.2%; n = 1 RCT (LDR-BT)
at 6 years incidence (actuarial) 7% vs. 6% (p = 0.9); n = 1 RCT (HDR-BT)
prevalence 0.9% vs. 0.8%; p = 1; n = 1 RCT (HDR-BT)
secondary (Table 2) MFS (metastasis free survival) at 5 years 93.3% vs. 92.5% at 10 years 88% vs. 85%
HR 0.93 (95% CI 0.48; 1.82); n = 1 RCT (LDR-BT)
at 6 years 88% vs. 90% at 12 years 83% vs. 76%
HR 0.75 (95% CI 0.42; 1.35); n = 1 RCT (HDR-BT)
overall HR 0.82 (95% CI 0.53; 1.28); p = 0.04; n = 2 RCT (n = 308 vs. n = 306 men); moderate certainty of evidence
OS (overall survival) at 5 years 91.3% vs. 88.7% at 10 years 80% vs. 75%
HR 0.78 (95% CI 0.49; 1.25); n = 1 RCT (LDR-BT)
at 6 years 86% vs. 88% at 12 years 64% vs. 61%
HR 0.95 (95% CI 0.62; 1.46); n = 1 RCT (HDR-BT)
overall HR 0.87 (95% CI 0.63; 1.19); p = 0.04; n = 2 RCT (n = 308 vs. n = 306 men); moderate certainty of evidence
CSS (cancer specific survival) at 5 years 96.8% vs. 97.5% at 10 years 95% vs. 92%
HR 0.62 (0.24– 1.60); p = 0.3; n = 1 RCT (LDR-BT); low certainty of evidence
HRQoL(quality of life) (reported in total n = 6 studies)
physical function score (mean change) at 6 years -15.3 vs. -6.9; p = 0.03; n = 1 RCT (LDR-BT); moderate certainty of evidence _____________________ data for retrospective studies (supplement) (n = 64 studies; n = 11 for LDR boost, n = 17 for HDR boost, n = 11 for both, n = 24 type of BT n. r. vs. EBRT n = 41; ADT use in n = 45)
n = 25 studies with 5 years results for bPFS range: EBRT-BT 67% to 98.9% EBRT 44% to 94.8% |
EBRT-BT using LDR or HDR BT is associated with superior biochemical control to EBRT, with absolute improvements in bPFS at 5–6 years of 4.9–16% across the two RCT
its impact on distant metastatic disease, CSS, and OS is less certain
fewer studies examined RP ± EBRT, making it difficult to draw firm comparisons with EBRT-BT
biochemical control with EBRT-BT compared with EBRT need to be weighed against the risk of severe late GU toxicity
some evidence of a greater prevalence of severe GU toxicity of 6.4–7% with EBRT-BT at 5–6 years
insufficient evidence as to whether ADT can safely be omitted with EBRTBT
recommendations to consider EBRT-BT for unfavourable intermediate/high-risk PCa patients with good urinary function |
AMSTAR-2: critically low (e. g. provide no list of excluded studies with justification; did not account for risk of bias within the discussion and interpretation of results)
note: standardized documentation of study results within text, tables and figures was missed
quality assessment Cochrane Risk of Bias 2 tool confounding factors GRADE
n = 2 RCT were rated as low risk of bias in most domains; blinding was rated as high risk of bias n = 7 prospective studies were rated as high risk of bias (high risk of confounding)
risk of bias/confounding assessment for retrospective studies were high (supplement; e. g. clinical T stage, Gleason score, use of ADT, type of BT boost, EBRT volume)
heterogeneity was reported
limitations for n = 2 RCT eligible patients had T1-T3a N0 M0 intermediate or high risk PCa and T1-T3 N0 M0 low, intermediate or high risk PCa (PSA < 50 ng/mL) – with 30-40% of intermediate risk, 55-70% high risk PCa; T1-2 about 70% and T3(a) about 30%
separate evaluations were not available/possible (n = 200 vs. n = 198 men and n = 110 vs. n = 106 men) – subgroup; sample size; statistical power
|
6.5 EvT 6.57
|
Studientyp |
Autoren, Jahr |
Untersuchte Studien/ Materialien |
Welche Behandlungen wurden geprüft |
Befunde in Bezug auf Therapie-Wirkungen und Überleben |
LoE |
Literaturbelege |
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Systematischer Review |
Swanson, 2006 |
Syst. Literaturrecherche in Medline lt Autor Studien zur Behandlung des LK+ Prostatakarzinoms (keine Angabe darüber ob durch Bildgebung oder histologisch gesichert)
kaum RCTs verfügbar, einige Fall-Kontrollstudien, v.a. retrospektive Fallserien, Studien methodisch nicht gekennzeichnet |
1) RP allein 2) RP +Androgenablation 3) RP und Radiotherapie 4)Androgenablation allein 5) RT allein 6)RT und Androgenablation 7)Chemotherapie 8)kombinierte Therapieformen Bei Patienten mit LK-positivem Prostatkarzinom, T-Stadien Verteilung nicht angegeben, M0 |
Grundsätzliches Problem der Studien: häufig : bei operierten Patienten weniger LK-Befall im Vergleich zu den anderen Behandlungsstrategien 1.operative Therapie allein: (12 Studien 1973-2003 publiziert (1.-12.); n=11-135; med. Follow up 18,3-120 Monate) 10 Jahres-Überleben (Angaben aus 4 Studien): 20%-71% 10 Jahres- Krankheitsfreies Überleben (Angaben aus 6 Studien): 0-24% Rationale für RP wird in Studien z.T. in Frage gestellt. 2. operative Therapie und Androgenablation: (8 Studien, 1990-2004 publiziert , (5., 8., 13.-18.); n=21-243; med. Follow up 72-120 Monate) 10 Jahres–Überleben (Angaben aus 5 Studien): 34%-91% 10 Jahres-krankheitsfreies Überleben (Angaben aus 6 Studien): 36%-76% Vergleichsstudien zeigen überwiegend Vorteil der kombinierten Therapie gegenüber RP oder Androgenablation allein, dabei fehlt oft eine Risikoadjustierung der Patientenkollektive (z.B. im Hinblick auf Anzahl befallener LK). 3. operative Therapie und Bestrahlung (3 Studien, 1992-1998 publiziert (45.-47.), n=24-43; med. Follow up 48-86 Mo) 45. zeigt bei 1 bef. LK bei 11 Pat. ein progressionsfreies Überleben bei 18% und bei 13 Pat. mit mehr als 1 bef. LK einen Progress bei allen Pat. 46. zeigte nach 5 J ein krankheitsfreies Überleben von 69%, fast alle der 36 Pat. hatten nur mikroskopischen LK-Befall 47. 10J. krankheitsfreies Überleben bei 1 LK<5mm positiv: 37%, bei 1Lk > 5mm pos. 25%, bei > 1Lk positiv 10%. 4. Androgenablation allein (9 Studien, 1985-2004 publiziert (13., 14., 17., 19.-24.), n=30-83; med. Follow up 34 Monate bis 9,4 Jahre) 10 Jahres-Überleben (Angaben aus 4 Studien): 17-46% 10 Jahres-krankheitsfreies Überleben (Angaben aus 5 Studien ): 15-45% RCT aus 2004 zeigt keinen signifikante Unterschied zwischen sofortiger Androgenablation und Androgenablation bei klinischer Progression im 5 Jahres-Überleben (20.), war aber unterpowert Eine Studie (13.) zeigte eine hohe lokale Progressionsrate bei alleiniger Androgenablation (69%, bei 33% war eine transurethrale RP erforderlich) – dies spricht für definitive Behandlung der Prostata. 4. Radiotherapie allein (15 Studien, 1984-2001 publiziert (1., 7., 25-36) n=19-152; med. Follow up 36-120 Monate) 10 Jahres-Überleben (Angaben aus 4 Studien): 29%-44% 10 Jahre- krankheitsfreies Überleben (Angaben aus 7 Studien): 5%-48% Kaum prospektive Vergleichsstudien. In einer Studie, bei der aufgrund eines Risikos einer Lymphknotenmetastasierung eine Beckenbestrahlung zusätzlich zu einer Bestrahlung der Prostata erfolgte, zeigte sich in Bezug auf das OS eine Benefit (Seaword et al, . Ein RCT zum Vergleich einer alleinigen Bestrahlung der Prostata mit einer Bestrahlung der Beckenregion bei lymphknotenpositiven Patienten konnte aufgrund mangelnder Rekrutierung nicht durchgeführt werden (RTOG 96-08). Bezüglich einer Beckenbestrahlung einschließlich der paraaortalen Region gegenüber einer reinen Beckenbestrahlung zeigte ein historischer RCT (-RTOG 75-06)- keinen Vorteil. Cave: Biasmöglichkeit Auswahl der Patienten nach Risikoeinteilung und nicht nach histologischem Befund und durch Androgenablation bei Anteil der Patienten (31.) 5. Radiotherapie und Androgenablation (6 Studien, 1993-2002 publiziert (23., 30.,37.-40); n=20-106; med. Follow up 9,3-101 Monate) 10 Jahres-Überleben (Angaben aus 2 Studien): 64% und 67% 10 Jahres-krankheitsfreies Überleben (Angaben aus 2 Studien): 57% und 80% Eine kontrollierte, nicht randomisierte Studie zeigte 25% bRFS bei endokriner Therapie allein verglichen mit 80% bei Kombination mit Radiotherapie. Der Unterschied in der 10 Jahres-Überlebensrate war 19% zugunsten der Kombinationstherapie In einem RCT (RTOG 9413) bei Patienten mit lediglich einem >15% Risiko eines Lymphknotenbefalls zeigte sich ein signifikanter Benefit einer Beckenbestahlung im Vergleich zu einer alleinigen Bestrahlung der Prostata bei gleichzeitiger Hormontherapie für das bRFS nach 5 Jahren. Ein Effekt auf das Gesamtüberleben wurde nicht nachgewiesen (44.). 6. additive Chemotherapie (2 Studien 1983 und 1996 publiziert (7., 33.), n=12-159; med. Follow up 36 Monate bzw. n.a.) Alle Ergebnisse aufgrund der kleinen Fallzahlen statistisch nicht signifikant. Eingesetzte Substanzen zur Chemotherapie: Cyclophosphamid, Doxorubicin, Estramustine. 10 Jahresüberleben nur in 1 Studie angegeben: 45%. zu sofortiger versus verzögerter endokriner Behandlung siehe 5. CAVE: In den Studien unterschiedliche Patientenselektion, Kollektive meist nicht risikoadjustiert Schlussfolgerung der Autoren: Vergleich von Therapien aufgrund vorliegender Daten kaum möglich, weiterer Forschungsbedarf, RCTs erforderlich, sowie ein Konsensusverfahren für das aktuelle therapeutische Vorgehen |
1-3 |
1. Kramer et al. 1981 2.Catalona et al., 1988 3. Messing et al., 2003 4. Golimbu et al., 1987 5. DeKernion et al., 1990 6. Steinberg et al., 1990 7. Schmidt et al., 1996 8. Zincke et al., 1992 9. Hull et al., 2002 10.Flocks, 1973 11.Pound et al., 1997 12. Han et al., 2001 13. Frohmuller et al., 1995 14 Schmeller and Lubos, 1997 15. Messing et al., 2003 16. Da Pozzo et al., 2003 17. Grimm et al., 2002 18. Zwergel et al., 2004 19. Aus et al., 2003 20. Schroeder 2004 21. Kramolowsky, 1988 22. Zagars and Pollack, 2001 23. Cheng et al., 1993 24. Olav et al., 1985 25. Lawton et al., 1992 26. Gervasi et al., 1989 27. Steinberg et al.,1990 28. Paulson et al., 1982 29. Smith et al., 1984 30. Lawton et al., 1997 31. Hanks et al., 1998 32. Bagshaw, 1984 33. deVere White et al., 1983 34. Puthawala et al.,2001 35. Lee et Sause, 1994 36. Granfors et al., 1998 37. Zagars et al., 2001 38. Buskirk et al., 2001 39. Granfors et al., 1998 40. Robnett et al., 2002 41. Steinberg et al., 1990 42. Paulson et al., 1982 43. Davidson et al., 1995 44. Roach et al, 2003 45. Anscher et al, 1992 46. Lange et al, 1998 47. Schidt et al, 1997
|
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