Leitlinienprogramm OnkologieProstatakarzinom

10. Psychosoziale Aspekte und Lebensqualität – Prostatakarzinom

Version 8.1 · August 2025 · AWMF 043-022OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

10.1 Aufklärung und Beratung

10.1 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2018

Dem Patienten soll angeboten werden, seine Partnerin/seinen Partner an Aufklärungs- und Beratungsgesprächen teilhaben zu lassen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[779] [1254] [1255] [1256] [1257]
10.2 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2018

Im ärztlichen Gespräch soll der Patient über alle in dieser Leitlinie beschriebenen relevanten Therapieoptionen, deren Erfolgsaussichten und deren mögliche Auswirkungen informiert werden. Insbesondere soll auf die Auswirkungen auf sein körperliches Erscheinungsbild, sein Sexualleben (Impotenz), seine Harn- und Stuhlkontrolle (Inkontinenz) und Aspekte des männlichen Selbstverständnisses (Selbstbild) eingegangen werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens (97%)
Literatur
[779] [1254] [1258] [1259] [1260] [1234]
10.3 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2018

Im ärztlichen Gespräch sollen die individuellen Präferenzen, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste des Patienten eruiert und berücksichtigt werden. Wenn ein Patient dafür mehrere Gespräche benötigt, soll das Angebot zu weiteren Gesprächen bestehen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[779] [1254] [1258] [1259] [1260] [1234]
10.4 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2018

Der Patient soll auf die evidenzbasierten Patientenleitlinien zum Prostatakarzinom hingewiesen werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[779] [1254] [1258] [1259] [1261]
10.5 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2018

Der Patient soll durch ebenso qualifizierte wie allgemeinverständliche Informationen zur Therapieentscheidung befähigt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Hintergrundinformationen

Zusammenfassung der Evidenzlage

Die Publikationen zum Stellenwert der Erfassung von Lebensqualität, Einbindung von psychoonkologischer Betreuung und von Selbsthilfe sind vorwiegend nicht als randomisierte Studien durchgeführt worden. Die Aussagen sind daher zumeist als Expertenkonsens formuliert.

 

Zu [10.1]

Letztlich entscheidet der Patient selbst darüber, ob und welche Informationen über den persönlichen Gesundheitszustand an Dritte weitergegeben werden sollen. Aufgrund der Tatsache, dass die Mehrzahl der Therapieoptionen zu einer Einschränkung von sexueller Aktivität und auch zu einer Veränderung des körperlichen Erscheinungsbildes führen kann, haben Diagnose und Therapie eines Prostatakarzinoms Konsequenzen für die Partnerschaft. Zudem ist bekannt, dass Partnerinnen/Partner von PCa-Patienten ebenfalls ein starkes Informationsbedürfnis haben [Echlin, K.N. et al. 2002] und z. T. stärker unter der Diagnose leiden als die Patienten selbst [National Collaborating Centre for Cancer et al. 2008], [Kornblith, A.B. et al. 1994]. Partner kennen die Probleme und mögliche Verarbeitungsmechanismen der Patienten gut [Carlson, L.E. et al. 2001] und treiben z. T. den physischen und psychischen Problemlösungsprozess aktiver voran als die Betroffenen selbst [Lavery, J.F. et al. 1999]. Hinzu kommt die allgemeine Tatsache, dass der Schock der Diagnose und die Vielzahl von neuen Eindrücken eine Informationsaufnahme beim Patienten behindert und ein anwesender Partner dies möglicherweise kompensieren kann.

 

Zu [10.2] bis [10.5]

Die Aufklärung gehört zu den Basisprinzipien der Good-Clinical-Practice-Grundsätze. Patienten mit Prostatakarzinom haben ein ausgeprägtes Informationsbedürfnis und versuchen aktiv Informationen über ihre Erkrankung und mögliche Therapieoptionen zu sammeln [Echlin, K.N. et al. 2002]. Die Informationsbedürfnisse variieren dabei sehr stark von Patient zu Patient [1234], [Feldman-Stewart, D. et al. 2000], sodass eine den Bedürfnissen angepasste Information angestrebt werden sollte.

Die Vermittlung von Behandlungsnutzen und -risiken durch den Arzt soll den Patienten bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Als Nutzen und Risiken sollen dabei vorrangig die Auswirkungen einer Maßnahme auf Lebenszeit und Lebensqualität des Patienten beschrieben werden (Berücksichtigung patientenrelevanter Endpunkte). Die Darstellung von Wahrscheinlichkeiten sollte in absoluten Zahlen erfolgen: „Jeder zehnte Patient“ oder „zehn von hundert Patienten“ statt 10 %. Die Bezugsgrößen sollten klar genannt werden. Die Anzahl der Patienten, die behandelt werden müssen, damit ein Patient von der Behandlung profitiert (number needed to treat = NNT) ist eine patientenverständliche Darstellung, das relative Risiko und die relative Risikoreduktion sind hingegen schwer nachvollziehbar und sollten vermieden werden.

Nach Untersuchungen von Crawford und Mitarbeitern sind für PCa-Patienten Informationen über die Erhaltung der Lebensqualität (45 %), Lebensverlängerung (29 %) und Krankheitsverlangsamung (13 %) die wichtigsten Aufklärungsinhalte [Crawford, E.D. et al. 1997].

Weitere wichtige Informationen für Männer mit Prostatakarzinom können sein:

  • basale anatomische und pathologische Fakten, die es den Patienten und ihren Angehörigen ermöglichen, das Krankheitsbild und dessen klinische Implikationen zu verstehen;
  • Ziele, Risiken und mögliche Konsequenzen diagnostischer Maßnahmen;
  • mögliche Krankheitsfolgen und Progressionsrisiko;
  • Therapieoptionen inklusive Angaben zu Effekt auf Überleben und Symptome, Nutzen und Risiken, Kurz- und Langzeittoxizität, Unsicherheiten in der Datenlage;
  • Argumente für und wider eine sofortige oder verzögerte lokale Therapie;
  • Auswirkungen der Therapie auf Lebensqualität und Partnerschaft;
  • Begründung für Therapieoptionen, die nicht in Frage kommen;
  • Informationen über Ansprechpartner in Urologie, Onkologie, Strahlentherapie, Palliativtherapie u. a.;
  • weitere Informationsquellen, Möglichkeiten zur Selbsthilfe und Unterstützungsangebote. (aus [National Collaborating Centre for Cancer et al. 2008])

Untersuchungen zeigen, dass die behandelnden Ärzte häufig die funktionellen Einschränkungen und Symptomausprägungen anders einschätzen als ihre Patienten [da Silva, F.C. et al. 1996]. Das individuelle Patientenfeedback ist für das Gelingen der Aufklärung entscheidend [Feldman-Stewart, D. et al. 2000].

 

Zu [10.3]

Individualisierte Aufklärungen, die sich am Informationsbedürfnis und den Präferenzen des einzelnen Patienten orientieren, erlauben den Patienten einen aktiveren Part im therapeutischen Entscheidungsprozess und vermindern so den psychologischen Distress [Davison, B.J. et al. 2003]. Zu diesen Ergebnissen kam eine Studie von Davison et al. 2003 [Davison, B.J. et al. 2003], in der Patienten die Gelegenheit hatten, ihr Informationsbedürfnis und ihre Präferenzen computergesteuert zu ermitteln und zum Aufklärungsgespräch mitzubringen. Untersuchungen von Fischer und Mitarbeitern [1262] deuten darauf hin, dass jüngere Patienten stärker in Entscheidungen eingebunden werden möchten und höhere Anforderungen an Aufklärung und Entscheidungsfindung stellen [1262].

 

Zu [10.4]

Von Patienten als wichtig erachtete und gewünschte Aufklärungsinhalte unterliegen starken interindividuellen Unterschieden, sodass die Erstellung eines Standardaufklärungskatalogs nicht sinnvoll erscheint [Echlin, K.N. et al. 2002], [Feldman-Stewart, D. et al. 2000]. Es ist daher auch wahrscheinlich, dass im Aufklärungsgespräch nicht alle für den Patienten wichtigen Inhalte zur Sprache kommen. Crawford und Mitarbeiter befragten in einer größeren Analyse Patienten und Urologen zum Aufklärungsgespräch. Während nach dem Eindruck der befragten Urologen bei allen Aufklärungsgesprächen (100 %) die bedeutsamsten Themen besprochen wurden (Therapieoptionen, Watchful-Waiting (WW), Lebenserwartung, Patientenpräferenzen, Kosten, Einschränkung der Sexualfunktion), hatten nur 20 % der aufgeklärten Patienten diesen Eindruck [Crawford, E.D. et al. 1997]. Der Verweis auf andere Informationsquellen stellt eine Möglichkeit dar, über das ärztliche Aufklärungsgespräch hinaus Informationen zu erhalten. Die evidenzbasierten Patientenleitlinien werden von Autoren der vorliegenden ärztlichen Leitlinie in Zusammenarbeit mit Patientenvertretern erstellt und orientieren sich an deren Inhalt. Das unabhängige Patienteninformationsportal http://www.patienten-information.de wird von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung betrieben und ermöglicht sowohl einen Überblick über zahlreiche Patienteninformationen zum Thema als auch eine transparente Qualitätsbewertung der Informationen, sodass der Patient sich über die Seriosität und Zuverlässigkeit der angebotenen Informationen selbst ein Bild machen kann.

10.2 Psychosoziale Unterstützung

10.6 · Evidenzbasiertes Statement · modifiziert 2018

Standardisierte Fragebögen ermöglichen die Erfassung und Quantifizierung der Lebensqualität.

Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[779] [1257] [1263] [1264] [1265] [1234]
10.7 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2018

Dem Patienten sollte eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung bei psychischen, sexuellen oder partnerschaftlichen Problemen angeboten werden (siehe S3-Leitlinie Psychoonkologie).

Konsens
Starker Konsens (97%)
10.8 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2018

Der Patient soll auf die Möglichkeit hingewiesen werden, sich mit einer Selbsthilfegruppe in Verbindung zu setzen. Die Internetseite des Bundesverbandes Prostatakrebs-Selbsthilfe https://www.prostatakrebs-bps.de/ enthält die Adressen aller bundesdeutschen Prostatakrebs-Selbsthilfegruppen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens (97%)
Literatur
[1259] [1266]

Hintergrundinformationen

Zu [10.6] und [10.7]

Primäre Zielsetzung der psychoonkologischen Diagnostik ist das frühzeitige Erkennen psychischer, familiärer und sozialer Belastungen, psychischer und psychosomatischer Symptome und der Krankheitsverarbeitung insbesondere in Hinblick auf die Folgen der Krebserkrankung und der Behandlungsmaßnahmen. Die psychoonkologische Diagnostik stellt neben der Art der Belastung auch deren Schweregrad, den Zeitpunkt des Auftretens sowie den Verlauf der Belastung fest. Sie zielt auch auf die Erfassung individueller und sozialer Ressourcen und der Lebensqualität wie auch auf die Erfassung der subjektiven Behandlungsbedürftigkeit und die Behandlungsmotivation.

Lebensqualität und deren Erfassung

Psychosoziale Belastungen, Symptome und Funktionseinschränkungen werden unter dem Konzept der Lebensqualität zusammengefasst [1267]. Das Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualität umfasst ein breites Spektrum von Aspekten wie körperliche Beschwerden, funktionelle Fähigkeiten, Aktivitäten, familiäres Wohlbefinden, seelisches Wohlbefinden, Behandlungszufriedenheit, Sexualität/Körperbild, soziale Funktion und Zufriedenheit [1268]. Nach heutigem Verständnis ist die gesundheitsbezogene Lebensqualität ein multidimensionales subjektives und dynamisches Konstrukt [1269] mit mindestens drei Dimensionen: körperliche Funktionen/Symptome, psychische und geistige Funktionen sowie soziale Funktionen. In den medizinischen Wissenschaften wird Lebensqualität definiert als das Handlungsvermögen und das subjektive Wohlbefinden im somatischen, im psychischen und im sozialen Bereich [1270]. Die Zielgröße Lebensqualität rückt bei der Beurteilung therapeutischer Maßnahmen in der Medizin immer mehr in den Vordergrund und kann die Aussagekraft klinischer Studien über traditionelle klinische Endpunkte hinaus um komplexe und patientenrelevante Endpunkte erweitern [1269], [1270], [1271]. Ein Großteil der Patienten mit einem Prostatakarzinom wird im höheren Lebensalter diagnostiziert. Für diese Patienten kann die Lebensqualität sogar eine höhere Bedeutung erlangen als klassische „harte“ Endpunkte wie z. B. die reine Überlebenszeit.

Messinstrumente

In der Erfassung der Lebensqualität werden die Patienten mit Hilfe von standardisierten Fragebögen zu verschiedenen Symptomen, Beschwerden oder subjektiven Einschränkungen der Funktionalität befragt. Zur Beurteilung der funktionellen Ergebnisse und der Lebensqualität werden im Rahmen der Qualitätsanalyse und in klinischen Studien verstärkt patientenbezogene Daten durch standardisierte und validierte Fragebögen erhoben. Die von Patientenseite erhaltenen Daten (Patient reported outcome measures) werden dabei zur nationalen und internationalen Ergebnismessung verwendet. Aus diesem Grund ist 2012 das gemeinnützige „International Consortium for Health Outcomes Measurement“ (ICHOM) gegründet worden (http://www.ichom.org). Bezogen auf das lokalisierte Prostatakarzinom existiert hier ein bereits etabliertes Datenset, welches zur Ergebnismessung eingesetzt werden kann [1272].

Kernstück der Ergebnismessung bildet hierbei der „Expanded Prostate Cancer Index Composite“ in der 26 Fragen-Version (EPIC-26) [1273]. Die Grundlage des EPIC war der UCLA-Prostate Cancer Index (PCI), der bereits 1995 erstellt wurde. Dieser wurde erweitert und zum universell einsetzbaren Fragebogen für alle Behandlungsmodalitäten des Prostatakarzinoms umgearbeitet und validiert. Es werden dabei folgende Domänen abgefragt:

  • Kontinenz
  • Irrititive/Obstruktive Symptome
  • Darmfunktion
  • Sexualfunktion
  • Hormonelle Symptome

Mittels des EPIC-26 als Teil des ICHOM Standard Sets wird eine Vergleichsmöglichkeit hinsichtlich der kurativen Erfolge der jeweiligen Therapien und der Effekt auf die Gesundheit und Lebensqualität der Patienten geschaffen [1274]. Im Rahmen der Zertifizierung von Prostatakrebszentren wird sowohl von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) als auch vom Dachverband der Prostatazentren Deutschlands (http://www.dvpz.de) die Verwendung des ICHOM Standard Sets empfohlen.

Häufig wird auf europäischer Ebene ebenfalls das modulare Messkonzept der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC, http://groups.e-ortc.be/qol/) verwendet. Hierbei erfolgt in der Regel eine Basiserhebung über einen Kernfragebogen (EORTC QlQ C30) [1275], der die Lebensqualität differenziert und multidimensional erfasst. Spezifische Probleme bei verschiedenen Diagnosegruppen, besonderen Behandlungsformen oder die Vertiefung bestimmter Symptome oder anderer Teilaspekte der Lebensqualität werden über Module erfasst, für Prostatakarzinom das Modul PR-25 [1276] zur Verfügung. Das amerikanische Pendant zum EORTC ist das FACIT-Instrumentarium (http://www.facit.org/), bestehend aus dem Kernbogen FACT-G und Prostatakarzinom-Modul FACT-P.

Methodische Aspekte

Alle genannten Fragebögen haben einen aufwendigen Entwicklungsprozess durchlaufen. Die Messgütekriterien Reliabilität, Validität und Sensitivität wurden in psychometrischen Studien überprüft. EPIC-26, EORTC und FACT finden auch vielfach in internationalen Multicenterstudien Verwendung. Dies ist möglich, da die Bögen (vom englischen Original ausgehend) in mehrere dutzend Sprachen übersetzt wurden. Das Übersetzungsprocedere ist an definierte methodische Standards gebunden und folgt einem Forward-Backward-Format [1277] , [1278].

Anwendungsperspektiven

Bei der Entwicklung von Fragebögen zur Lebensqualität stand deren Einsatz in klinischen Studien im Vordergrund. Durch computergestützte Verfahren in der Lebensqualitätserfassung ergeben sich neue Möglichkeiten des Einsatzes auch in der klinischen Routine. Eine konsequente Nutzung dieser Möglichkeit wird zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse des lokalisierten Prostatakarzinoms beitragen.

Psychosoziale Probleme

Psychosoziale Probleme sind unter Prostatakarzinompatienten häufig [Voerman, B. et al. 2007]. Nach Untersuchungen von Steginga et al. (2000) hat ein Drittel der Prostatakarzinom-Patienten ein mäßig bis stark ausgeprägtes Hilfsbedürfnis bezüglich psychologischer und sexueller Probleme sowie im Hinblick auf die Orientierung im Gesundheitssystem und bezüglich Gesundheitsinformationen.

Prostatakarzinom-Patienten neigen dazu, Beschwerden zu verschweigen oder nicht deren volles Ausmaß zu berichten [Lavery, J.F. et al. 1999]. Dies resultiert aus dem Wunsch nach der Fortführung eines „normalen Lebens“, aus Angst vor Stigmatisierung und Hilfsbedürftigkeit und aus der Sorge, das soziale Umfeld zu belasten [Gray, R.E. et al. 2000]. Dieser Tendenz zur Vermeidung „aktiver Copingstrategien“ kann durch eine aktive Nachfrage begegnet werden. Roesch et al. (2005) konnten zeigen, dass ein „aktives Coping“ positive psychische und physische Effekte hat und ein günstiger prognostischer Marker für die Rückkehr zur normalen Alltagsaktivität ist [Roesch, S.C. et al. 2005].

Detaillierte Empfehlungen sowie Hintergrundinformationen zur psychoonkologischen Begleitung und Betreuung der Patienten finden sich in der S3 Leitlinie „Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten“ [1229], http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/psychoonkologie/.

 

Zu [10.7] 

Die Krebsdiagnose und damit verbundene Ängste betreffen nicht nur den Patienten, sondern ganz besonders die unmittelbare Partnerin/den unmittelbaren Partner. Zu diesen generell für alle Krebserkrankungen geltenden Problemen kommen beim Prostatakarzinom spezifische Schwierigkeiten in Form von sexuellen Störungen, Veränderung des körperlichen Erscheinungsbildes, Harn- und Stuhlinkontinenz hinzu, die eine schwere Belastung der Beziehung nach sich ziehen können (siehe oben). Es ist daher wünschenswert, mögliche aufkommende Probleme auch bei der Partnerin/ dem Partner aufzufangen und entsprechende therapeutische Interventionen anzubieten (für detaillierte Empfehlungen und Informationen siehe ebenfalls [1229], https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/psychoonkologie).

 

Zu [10.8]

Neben den eigenen Erfahrungen von Patienten konnten Gray et al. [Gray, R.E. et al. 1997] in qualitativen Studien nachweisen, dass die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe die Kenntnisse über Erkrankung und Therapien verbessern, das Gespräch über schwierige Themen ermöglicht, die persönliche und soziale Aktivität und die Fähigkeit verbessert, mit der Familie über die Erkrankung zu sprechen bzw. sie in den Verarbeitungsprozess einzubeziehen.

85 bis 90 % der Patienten sehen Selbsthilfegruppen für Information und emotionale Unterstützung als wichtig an [Crawford, E.D. et al. 1997].

Literaturhinweise

[779] National Collaborating Centre for Cancer, National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE), Prostate Cancer: diagnosis and treatment, 2008., http://www.nice.org.uk/Guidance/CG58

[1254] Echlin, K.N., Rees, C.E., Information needs and information-seeking behaviors of men with prostate cancer and their partners: a review of the literature, Cancer Nurs, 2002. 25(1): p. 35-41., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11838718

[1255] Kornblith, A.B., Herr, H.W., Ofman, U.S., Scher, H.I., Holland, J.C., Quality of life of patients with prostate cancer and their spouses. The value of a data base in clinical care, Cancer, 1994. 73(11): p. 2791-2802., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8194021

[1256] Carlson, L.E., Ottenbreit, N., St, Pierre M., Bultz, B.D., Partner understanding of the breast and prostate cancer experience, Cancer Nurs, 2001. 24(3): p. 231-239., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11409068

[1257] Lavery, J.F., Clarke, V.A., Prostate cancer: Patients' and spouses' coping and marital adjustment, Health Med, 1999. 4: p. 289-302.

[1258] Feldman-Stewart, D., Brundage, M.D., Hayter, C., Groome, P., Nickel, J.C., Downes, H., et.al. What questions do patients with curable prostate cancer want answered?, Med Decis Making, 2000. 20(1): p. 7-19., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10638532

[1259] Crawford, E.D., Bennett, C.L., Stone, N.N., Knight, S.J., DeAntoni, E., Sharp, L., et.al. Comparison of perspectives on prostate cancer: analyses of survey data, Urology, 1997. 50(3): p. 366-372., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9301699

[1260] da Silva, F.C., Fossa, S.D., Aaronson, N.K., Serbouti, S., Denis, L., Casselman, J., et.al. The quality of life of patients with newly diagnosed M1 prostate cancer: experience with EORTC clinical trial 30853, Eur J Cancer, 1996. 32A(1): p. 72-77., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8695246

[1234] Stetinga, S.K., Dunn, J., Gardiner, R., Heathcote, P., Yaxley, J., The supportive care needs of men with prostate cancer, Psychooncology, 2001. 10: p. 66-75.

[1261] Davison, B.J., Goldenberg, S.L., Gleave, M.E., Degner, L.F., Provision of individualized information to men and their partners to facilitate treatment decision making in prostate cancer, Oncol Nurs Forum, 2003. 30(1): p. 107-114., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12515988

[1262] Fischer, M., Visser, A., Voerman, B., Garssen, B., van Andel, G., Bensing, J., Treatment decision making in prostate cancer: patients' participation in complex decisions, Patient Educ Couns, 2006. 63(3): p. 308-313., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16965887

[1263] Voerman, B., Visser, A., Fischer, M., Garssen, B., van Andel, G., Bensing, J., Determinants of participation in social support groups for prostate cancer patients, Psychooncology, 2007. 16(12): p. 1092-1099., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17278186

[1264] Roesch, S.C., Adams, L., Hines, A., Palmores, A., Vyas, P., Tran, C., et.al. Coping with prostate cancer: a meta-analytic review, J. Behav. Med, 2005. 28(3): p. 281-293., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16015462

[1265] Gray, R.E., Fitch, M., Phillips, C., Labrecque, M., Fergus, K., To tell or not to tell: patterns of disclosure among men with prostate cancer, Psychooncology, 2000. 9(4): p. 273-282., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10960925

[1266] Gray, R.E., Fitch, M., Davis, C., Phillips, C., Interviews with men with prostate cancer about their self-help group experience, J Palliat Care, 1997. 13(1): p. 15-21., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9105153

[1267] Fayers, P.M., Machin, P., Quality of Life: The assessment, analysis and interpretation of patient-reported outcomesWiley, 2013.

[1268] Cella, D.F., Tulsky, D.S., Quality of life in cancer: definition, purpose, and method of measurement, Cancer Invest, 1993. 11(3): p. 327-336., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8485655

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[1270] Koller, M., Neugebauer, E.A., Augustin, M., Bussing, A., Farin, E., Klinkhammer-Schalke, M., et.al. Die Erfassung von Lebensqualität in der Versorgungsforschung - konzeptionelle, methodische und strukturelle Voraussetzungen (Memorandum III: Methoden der Versorgungsforschung), Gesundheitswesen, 2009. 71(12): p. 864-872., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19806535

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[1274] Beyer, B., Huland, H., Feick, G., Graefen, M., "Expanded prostate cancer index composite"(EPIC-26): Funktionelles Behandlungsergebnis bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom, Urologe A, 2015. 54(11): p. 1591-1595., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26347350

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[1278] Dewolf, L., Koller, M., Velikova, G., Johnson, C., Scott, N., Bottomley, A., EORTC Quality of Life Group translation procedureEORTC, 2009.

[1229] Leitlinienprogramm Onkologie (OL), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Krebshilfe, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten. AWMF-Register-Nummer (032/051OL). Langversion 1.1, 2014., https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/psychoonkologie