Leitlinienprogramm OnkologiePrävention Zervixkarzinom

14. Therapie – Prävention Zervixkarzinom

Version 1.1 · März 2020 · AWMF 015/027OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

A. Schneider , C. Dannecker , M. Fehr , C. Grimm , W. Kühn 

(Potentielle Interessenskonflikte der Autoren dieses Kapitels siehe Kapitel Interessenkonflikte)

14.1 Welche Therapieverfahren sind für die Behandlung der squamösen und glandulären zervikalen intraepithelialen Neoplasien geeignet?

14.1 · Evidenzbasierte Empfehlung 2017

Schlingenexzision und Laserexzision sollen die Methoden der Wahl für die Behandlung der squamösen und glandulären zervikalen intraepithelialen Neoplasie sein.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
⊕⊝⊝⊝
Literatur
[363] [473] [474]
14.2 · Evidenzbasierte Empfehlung 2017

Die Messerkonisation kann bei der Behandlung glandulärer intraepithelialer Neoplasien als Alternative gewählt werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
⊕⊝⊝⊝
Literatur
[473]
14.3 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Die Laservaporisation zur Behandlung von CIN 1, CIN 2 oder CIN 3 soll nach histologischer Abklärung durch Knipsbiopsien nur durchgeführt werden, wenn alle folgenden Bedingungen erfüllt sind: 

  • die komplette Transformationszone ist einsehbar (T-Zone Typ 1),
  • kein Anhalt für Veränderungen des Drüsenepithels,
  • kein Anhalt für ein invasives Geschehen,
  • keine Diskrepanz zwischen zytologischer, kolposkopischer und histologischer Einschätzung der Biologie der Veränderung,
  • die Patientin ist nicht älter als 50 Jahre.

Für die Behandlung von Präkanzerosen der Cervix uteri stehen sowohl Exzisions- als auch Ablations-Verfahren zur Verfügung. Prinzipiell sind durch Schlingenexzision, Laserexzision, Messerexcision, Laservaporisation und Kryotherapie die Präkanzerosen der Cervix uteri komplett entfernbar und die Erkrankung heilbar. Bei CIN 2 oder CIN 3 sind Exzisionsverfahren zu bevorzugen, um etwaige invasive Läsionen histologisch zu erfassen. Bei allen Verfahren gilt es zu beachten, dass das erkrankte Gewebe komplett entfernt und das gesunde Gewebe soweit als möglich erhalten wird. Dies beugt dem Wiederauftreten der Erkrankung und dem erhöhten Risiko der Frühgeburtlichkeit wegen verkürzter Cervix uteri bei bestehendem Kinderwunsch vor.

Für die Gewebeexzision am Gebärmutterhals wird empfohlen, dass ein mittleres Volumen von weniger als 1,5 ml entfernt wird, die Nachblutungsrate innerhalb von 30 Tagen nicht über 3% liegt und die Frühgeburtsrate bei nachfolgender Schwangerschaft vor der 37. Schwangerschaftswoche nicht höher als 10% liegt [475]. Das Volumen des exzidierten Gewebes kann nach Archimedes bestimmt und die Tiefe der endozervikalen Ausdehnung der Exzision in Millimeter gemessen werden. 

Beim Vergleich der verschiedenen Therapieformen kann nur für wenige Parameter ein signifikanter Unterschied nachgewiesen werden: für die Schlingenexzision verglichen mit Laserkonisation benötigt man signifikant weniger Zeit, für die Laserkonisation verglichen mit der Messerkonisation sowie für die Laservaporisation verglichen mit der Kryotherapie ist postoperativ die kolposkopische Beurteilung der Zervix signifikant einfacher und für die Laserkonisation verglichen mit der Messerkonisation ist die Rate an postoperativen Zervixstenosen signifikant geringer (s. Tabelle Cochrane Analyse).

Tabelle 15: Die Cochrane Analyse von 28 randomisierten kontrollierten Studien vergleicht 7 verschiedene OP Techniken: Messerkonisation, Laserkonisation, large loop excision of the transformation zone (LLETZ), Laservaporisation, Kryotherapie, kalte Koagulation und radikale Diathermie

[476]

 

Therapiemethode

Vergleich 

Outcome 

Studienteilnehmer 
RR, 95% CI 

Signifikanter Unterschied

 

Laservaporisation

(Signifikant besseres Verfahren) 

Kryotherapie

Inadäquate Kolposkopie postoperativ 

n = 272

RR 0,38;

95%CI 0,26 – 0,56

Laserkonisation

(Signifikant besseres Verfahren)

Messerkonisation

Inadäquate Kolposkopie postoperativ

n = 160

RR 0,57;

95% CI 0,39 – 0,81

Laserkonisation

(Signifikant besseres Verfahren)

Messerkonisation

Postoperative Zervixstenose

n = 1.009

RR 0,38;

95% CI 0,19 – 0,76

LLETZ 

(Signifikant besseres Verfahren)

Laserkonisation

Dauer des Eingriffes

n = 419

durchschnittliche Zeitdifferenz 11,66;

95% CI 1,37 – 21,95

Kein signifikanter Unterschied

              

Laservaporisation

   

Kryotherapie

   

Residuelle Dysplasie im Follow-up 

(CIN 1, 2 oder 3)

n = 935

RR 1,13;

95% CI 0,73 – 1,76

Starke Schmerzen perioperativ

n = 493

RR 2,00,

95% CI 0,64 – 6,27

Starke Blutung perioperativ

n = 305

RR 5,83;

95% CI 0,71 – 47,96

Übelriechender Fluor

n = 400

RR 0,30;

95% CI 0,12 – 0,77

Postoperative Zervixstenose

n = 464

RR 1,45;

95% CI 0,45 – 4,73

Laserkonisation

 

Messerkonisation

 

Residuelle Dysplasie im Follow-up 

(CIN 1, 2 oder 3)

n = 194

RR 0,64;

95% CI 0,22 – 1,90

Primäre Hämorrhagie

n = 316

RR 0,53;

95% CI 0,18 – 1,54

Sekundäre Hämorrhagie

n = 359

RR 0,91;

95% CI 0,34 – 2,40

Laserkonisation

 

LLETZ

 

Residuelle Dysplasie im Follow-up

(CIN 1, 2 oder 3)

n = 889

RR 1,24;

95% CI 0,77 - 1.99

Starke Schmerzen perioperativ

n = 594

RR 4,34;

95% CI 0,25 – 75,67

Sekundäre Hämorrhagie

n = 889

RR 1,41;

95%CI 0,72 – 2,76

Signifikante thermische Artefakte im Exzidat

n = 373

RR 2,38;

95% CI 0,61 – 9,34

Inadäquate Kolposkopie postoperativ

n = 339;

RR 1,38;

95% CI 0,48 – 3,97

Postoperative Zervixstenose

n = 560

RR 1,21;

95%CI 0,57 – 2,57

Laservaporisation

 

LLETZ

 

Residuelle Dysplasie im Follow-up 

(CIN 1, 2 oder 3)

n = 991

RR 1,15;

95% CI 0,59 – 2,25

Starke Schmerzen perioperativ

n = 851

RR 0,38;

95% CI 0,02 – 7,91

Primäre Hämorrhagie

n = 560

RR 0,35;

95% CI 0,04 – 3,14

Sekundäre Hämorrhagie

n = 231

RR 0,54;

95% CI 0,14 – 2,10

Messerkonisation

 

LLETZ

 

Residuelle Dysplasie im Follow-up 

n = 279

RR 0,47;

95% CI 0,20 – 1,08

Primäre Hämorrhagie

n = 306

RR 1,04;

95% CI 0,45 – 2,37

Inadäquate Kolposkopie postoperativ

n = 291

RR 1,63;

95% CI 0,85 – 3,15

Postoperative Zervixstenose

n = 249

RR 1,12;

95% CI 0,44 – 2,84

Anmerkung: Vergleiche mit Risk Ratio 0,0 sind nicht dargestellt.

Bezüglich der sicheren Entfernung von erkranktem Gewebe, Schmerzempfindung, intra- und postoperativer Blutung, postoperativem Fluor und histopathologischer Beurteilbarkeit des entnommenen Gewebes gibt es keine signifikanten Unterschiede für die evaluierten Verfahren (Cochrane [476], s. Tabelle Cochrane Analyse)

Die WHO Expertengruppe empfiehlt, dass Schlingenexzision anstatt Messerkonisation zur Behandlung von CIN bei Frauen, für die beide Verfahren in Frage kommen, durchgeführt werden sollte und dass Messerkonisation anstatt LEEP zur Behandlung von ACIS bei Frauen, für die beide Verfahren in Frage kommen, durchgeführt werden kann [473].

14.2 Sollte die Therapie unter kolposkopischer Kontrolle erfolgen?

14.4 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Eine Therapie, ob Exzisions- oder Ablationsverfahren, soll unter kolposkopischer Kontrolle erfolgen.

Vor der Therapie von Frauen mit Verdacht auf eine Krebsvorstufe des unteren Genitaltraktes erfolgt eine Differentialkolposkopie mit Biopsie, damit die richtige Indikation zur Ausdehnung und zur Art des Eingriffes gestellt wird ([474], S. 37). Die Behandlung selbst sollte unter Vergrößerungskontrolle erfolgen. Es gibt jedoch keine vergleichenden Studien zu mit und ohne Vergrößerungskontrolle, u.a. deshalb, weil es in anglo-amerikanischen Ländern selbstverständlich ist, dass die Therapie unter kolposkopischer Sicht erfolgt. In einer prospektiv randomisierten Studie wurden zwei Vergrösserungstechniken verglichen (binokulares Kolposkop versus bildschirmgesteuerte Optik). Es wurde gezeigt, dass das mittlere Volumen des durch Schlingenexzision entfernten Gewebes bei einer R1 Rate von unter 10% bei 1,2 ml lag, wenn unter Vergrößerungskontrolle operiert wird [477].

Unter Vergrößerung wird der Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe knapp gewählt und damit gesundes Gewebe geschont. Zudem kann die Blutstillung gezielt erfolgen, ohne umliegendes Gewebe unnötig zu koagulieren und zu zerstören. Es gelingt unter kolposkopischer Sicht leichter, die Gewebeprobe als ein komplettes und intaktes Operationspräparat (in ca. 80%) zu gewinnen ([474], S. 38). 

14.3 Management der CIN

14.3.1 Abwarten, Kontrolle oder Therapie der CIN 1

14.5 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Bei histopathologisch gesicherter CIN 1 soll abgewartet und die Patientin nach 6 Monaten wieder evaluiert werden*.

 

*Kommt eine exspektative Verlaufsbeobachtung oder ein rein ablatives Therapieverfahren zum Einsatz, wird empfohlen, dass eine kolposkopische Expertise mit einem positiven Vorhersagewert für CIN 2 oder CIN 3 von mindestens 65% besteht 483. Colposcopy and programme management Guidelines for the NHS Cervical Screening Programme. 2010  [cited 2016 15.01.2016]; 2:[NHSCSP Publication No 20]. Abgerufen von: https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/436873/nhscsp20.pdf.

Literatur
[363]
14.6 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Wenn eine CIN 1 mit einer Pap Gruppe IVa oder schwergradiger assoziiert ist und die Läsion kolposkopisch nicht adäquat beurteilbar ist und sich in die Endozervix ausdehnt, soll eine histopathologische Evaluierung des Endozervikalkanals erfolgen.

Niedriggradige CIN haben eine hohe spontane Abheilungsrate. In einer brasilianischen Studie heilten 90% der zytologischen LSIL innerhalb 24 Monaten ab [478]. In einer niederländischen Studie über 4 Jahre heilten alle LSIL, welche mit nicht-onkogenen HPV Typen assoziiert waren und 70% der LSIL-Patientinnen mit onkogener HPV Infektion ab [479]. Bei Adoleszentinnen ist die Abheilungsrate von LSIL für Patientinnen mit Nachweis von high-risk HPV Typen innert 36 Monaten 91% unabhängig vom Typ der HPV Infektion [480]. Bei einer durch kolposkopisch gezielte Biopsie gesicherten CIN 1 beträgt das Risiko der Entwicklung einer CIN 2/3 innerhalb den nächsten 2 Jahren nur 13% [481].

Ergibt die kolposkopische Abklärung bei zytologischem Verdacht auf CIN 1 (s. Kapitel VI „Differentialdiagnostik und Abklärungsalgorithmus“) den histopathologischen Nachweis von CIN 1, so wird die Patientin bzgl. einer Kontrolluntersuchung oder Behandlung beraten. Das Risiko für eine okkulte CIN 3+ korreliert direkt mit dem zytologischen Vorbefund: liegt ein Pap Gruppe IIID1oder HPV positiver Pap II-p vor, beträgt das 5 Jahres Risiko für CIN 3+ 3,8%, bei Pap IIID2 oder IVA-p in der Vorgeschichte beträgt das 5 Jahres Risiko 15% ([363], S16). 

Bei Frauen mit histopathologisch gesicherter CIN 1 und leichtgradigen zytologischen Veränderungen in der Vorgeschichte (z.B. PapIIID1oder HPV positiver Pap II-p ) wird nach einem Jahr eine Kontrolle mit Zytologie und HPV Nachweis empfohlen ([363], S.17). 

Wenn CIN 1 für 2 Jahre persistiert, dann ist sowohl die chirurgische Behandlung als auch weitere Beobachtung möglich. Für die Behandlung sind Ablation und Exzision möglich ([363], S17).

Bei kolposkopisch komplett beurteilbarer Platten-Zylinderepithelgrenze und vorheriger histopathologischer Evaluierung durch kolposkopisch entnommene Biopsie, die eine glanduläre und invasive Läsion ausgeschlossen hat, sowie fehlender Diskrepanz zwischen zytologischem, kolposkopischem und histologischem Befund sowie Alter jünger als 51 Jahre kann die Laservaporisation eingesetzt werden* (s. 14.1).

Bei inadäquater kolposkopischer Aussage, Verdacht auf endocervikale CIN 2 oder CIN 3 oder Zustand nach früherer Behandlung einer CIN wird die Exzision mit kompletter histopathologischer Evaluierung empfohlen ([363], S17).

Frauen mit Nachweis von CIN 1 in der ECC haben ein niedriges Risiko für CIN 2 und CIN 3 ([372], S17). Wird eine CIN 1 histopathologisch in einer endozervikalen Biopsie nachgewiesen bei leichtgradigen zytologischen Veränderungen mit oder ohne HPV Nachweis in der Vorgeschichte, ist die Beobachtung mit einer Kontroll-Evaluierung der Endozervix in 12 Monaten möglich.*

Die endozervikale Kürettage mit unauffälligem histopathologischen Ergebnis schließt eine CIN 3+ nicht mit letzter Sicherheit aus. Je älter die Patientin, umso größer ist das Risiko für das Vorliegen einer endozervikalen schwergradigen Veränderung und umso großzügiger sollte man die Indikation zu einem exzidierenden Verfahren stellen.

Falls eine rein ektozervikal liegende CIN I behandelt werden soll (z.B. auf Wunsch der Patientin) sind ablative Verfahren wie die Laservaporisation zu bevorzugen. Bei einer Ausdehnung in den Endozervikalkanal ist eine histopathologische Evaluierung des endozervikalen Anteiles der Läsion empfohlen ([474], S. 31; [363], S. 18).

Eine Hysterektomie als primäre Therapie sollte bei histologisch nachgewiesener CIN 1 ohne Zusatzindikation nicht durchgeführt werden. Vor Hysterektomie bei V.a. CIN ist eine kolposkopische Untersuchung mit Biopsie empfohlen ([474], S.62).

 

*Kommt eine exspektative Verlaufsbeobachtung oder ein rein ablatives Therapieverfahren zum Einsatz, wird empfohlen, dass eine kolposkopische Expertise mit einem positiven Vorhersagewert für CIN 2 oder CIN 3 von mindestens 65% besteht 483. Colposcopy and programme management Guidelines for the NHS Cervical Screening Programme. 2010  [cited 2016 15.01.2016]; 2:[NHSCSP Publication No 20]. Abgerufen von: https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/436873/nhscsp20.pdf.

14.3.2 Kontrolle oder Therapie der CIN 2

14.7 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Ist bei histopathologisch gesicherter CIN 2 durch komplettes Einsehen der Platten-Zylinderepithelgrenze die gesamte Läsion beurteilbar, soll abgewartet und die Patientin nach 6 Monaten wieder untersucht werden*.

 

*Kommt eine exspektative Verlaufsbeobachtung oder ein rein ablatives Therapieverfahren zum Einsatz, wird empfohlen, dass eine kolposkopische Expertise mit einem positiven Vorhersagewert für CIN 2 oder CIN 3 von mindestens 65% besteht 483. Colposcopy and programme management Guidelines for the NHS Cervical Screening Programme. 2010  [cited 2016 15.01.2016]; 2:[NHSCSP Publication No 20]. Abgerufen von: https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/436873/nhscsp20.pdf.

Literatur
[363] [474]
14.8 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Ist die Platten-Zylinderepithelgrenze bei histopathologisch gesicherter CIN 2 nicht komplett einsehbar und/oder liegt mind. ein Pap IVa vor, soll eine histopathologische Evaluierung des Endozervikalkanals erfolgen.

Ergibt die Abklärung bei zytologischem Verdacht auf CIN 2 (s. Kapitel VI „Differentialdiagnostik und Abklärungsalgorithmus“) den histopathologischen Nachweis von CIN 2 kann operativ oder konservativ vorgegangen werden.* Ein konservatives Vorgehen unter zytologischer und kolposkopischer Kontrolle wird bei Frauen jünger als 25 Jahre oder bei Schwangeren empfohlen ([363], S.14).

Bei kolposkopisch komplett beurteilbarer Platten-Zylinderepithelgrenze und vorheriger histopathologischer Evaluierung durch kolposkopisch entnommene Biopsie, die eine glanduläre und invasive Läsion ausgeschlossen hat, sowie fehlender Diskrepanz zwischen zytologischem, kolposkopischem und histologischem Befund sowie Alter jünger als 51 Jahre kann neben einem Exzisionsverfahren auch die Laservaporisation zur Anwendung kommen66, (s. 14.1). Bei kolposkopisch nicht komplett beurteilbarer Platten-Zylinderepithelgrenze oder V.a. auf endozervikale CIN 2 in der Zytologie oder ECC erfolgt ein Exzisionsverfahren mit histopathologischer Evaluierung und ein ablatives Verfahren wird nicht empfohlen. ([474] S.38)

Persistiert eine CIN 2 über 24 Monate, wird die Läsion chirurgisch entfernt und histopathologisch untersucht ([363], S. 14). 

Eine Behandlung der CIN 2 durch primäre Hysterektomie erfolgt nur bei Vorliegen einer Zusatzindikation und präoperativem Ausschluss eines invasiven Karzinoms.

 

*Kommt eine exspektative Verlaufsbeobachtung oder ein rein ablatives Therapieverfahren zum Einsatz, wird empfohlen, dass eine kolposkopische Expertise mit einem positiven Vorhersagewert für CIN 2 oder CIN 3 von mindestens 65% besteht 483. Colposcopy and programme management Guidelines for the NHS Cervical Screening Programme. 2010  [cited 2016 15.01.2016]; 2:[NHSCSP Publication No 20]. Abgerufen von: https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/436873/nhscsp20.pdf.

14.3.3 Therapie der CIN 3

14.9 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Die histopathologisch gesicherte CIN 3 soll entfernt werden.

Literatur
[363] [474]

Ergibt die Abklärung (s. Kapitel „Differentialdiagnostik und Abklärungsalgorithmus“) den histopathologischen Nachweis von CIN 3, erfolgt die operative Sanierung ([366], S.20; [477] S.38). Derzeitiger Standard ist die gewebeschonende Entfernung der Läsion im Gesunden unter kolposkopischer Führung, in den meisten Fällen einschließlich der Transformationszone66.

Bei einer T Zone Typ 2 oder 3 kann die Tiefe der Läsion in den Endozervikalkanal durch Aufspreizen oder Endocervikoskopie bestimmt, und bis zu dieser Tiefe die Veränderung im Gesunden entfernt werden.

Bei Frauen mit Kinderwunsch wird möglichst viel gesundes Gewebe erhalten. Dies impliziert nicht, dass bei Frauen ohne Kinderwunsch keine Rücksicht auf gesundes Gewebe zu nehmen ist, da mit zunehmenden Volumen des entfernten Gewebes das Risiko für postoperative Komplikationen wie Blutung und Stenose steigt.

Es ist unklar, ob bei Läsionen, die nicht alle Quadranten betreffen, die alleinige Entfernung der kolposkopisch sichtbaren CIN-Läsionen ausreicht, oder ob die gesamte Transformationszone mitentfernt werden soll. Da die squamo-columnar (SC) junctional Zellen im Bereich der gesamten PZG vorliegen und wahrscheinlich für die Entstehung HPV-assoziierter Zervixkarzinome verantwortlich sind, ergibt sich die Rationale für Entfernung der Transformationszone [13]. Im Wissen um die positive Korrelation von Resektatgröße und dem Risiko geburtshilflicher Komplikationen werden jedoch Frauen mit CIN 3 zunehmend konservativer therapiert, was jedoch möglicherweise mit einem Anstieg von CIN-Rezidiven und Zervixkarzinomen assoziiert sein könnte [482].

Die histopathologische Untersuchung des gesamten entfernten Gewebes ist obligat.

14.3.4 Therapieempfehlungen für Adoleszentinnen

14.10 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Bei Frauen bis 24 Jahren mit histopathologisch gesicherter CIN 2 soll, bei CIN 3 kann eine konservative Strategie verfolgt werden, vorausgesetzt 

  • die Läsion ist in ihrer gesamten Ausdehnung kolposkopisch überwachbar und 
  • enthält keine atypische glanduläre Komponente und 
  • ein invasives Geschehen ist mit hoher Sicherheit ausgeschlossen.

Bei Persistenz der CIN 2 für mehr als 24 Monate bzw. der CIN 3 für mehr als 12 Monate oder Ausdehnung der Läsion nach endozervikal, sollte eine Therapie erfolgen.

Die Therapie soll gewebeschonend durchgeführt werden*.

 

*Kommt eine exspektative Verlaufsbeobachtung oder ein rein ablatives Therapieverfahren zum Einsatz, wird empfohlen, dass eine kolposkopische Expertise mit einem positiven Vorhersagewert für CIN 2 oder CIN 3 von mindestens 65% besteht 483. Colposcopy and programme management Guidelines for the NHS Cervical Screening Programme. 2010  [cited 2016 15.01.2016]; 2:[NHSCSP Publication No 20]. Abgerufen von: https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/436873/nhscsp20.pdf.

 

14.11 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Die konservative Behandlung der CIN 3 sollte bei Frauen bis 24 Jahren in einer zertifizierten Dysplasie-Sprechstunde (s. Kapitel 11.6, S. 107) stattfinden. 

Bei CIN 3 ist eine engmaschige Kontrolle mittels Kolposkopie, Zytologie und HPV Nachweis möglich, da bis zu einem Drittel der CIN 3 regredieren können [24]. Über einen Zeitraum von bis 30 Jahren progredieren 30-70% der CIN 3 zum Karzinom [483].

Bei histopathologischem Nachweis von CIN 2 oder CIN 3 und kolposkopisch komplett einsehbarer Platten-Zyliderepithelgrenze wird bei Adoleszentinnen in 6-monatigem Abstand mittels Kolposkopie, Zytologie und HPV Nachweis die Läsion überwacht. Glanduläre Veränderungen und Verdacht auf Invasion sind für dieses Vorgehen ausgeschlossen, ebenso wie bei Diskrepanz zwischen zytologischen, kolposkopischen und histologischen Befunden ([363], S. 21; [474] S. 34).

Progrediert oder persistiert die Läsion für die Dauer von 24 Monaten bei CIN 2 oder persistiert die Läsion für die Dauer von 12 Monaten bei CIN 3, dann erfolgt die chirurgische Sanierung inklusive histopathologischer Analyse ([363], S. 21).

Die chirurgische Sanierung mit histopathologischer Aufarbeitung erfolgt primär, wenn bei CIN 2 oder CIN 3 die Platten-Zylinderepithelgrenze nicht einsehbar ist und/oder zytologisch der Verdacht auf eine endozervikale CIN 3 besteht ([363], S. 21).

14.3.5 Ist ein Exzisionsverfahren der Hysterektomie beim zervikalen Adenocarcinoma in situ (ACIS) gleichwertig?

14.12 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Die definitive histopathologische Diagnose des ACIS (in Differentialdiagnose zum invasiven Adenokarzinom) soll mittels eines Exzisionsverfahrens erfolgen.

Für die definitive Behandlung des ACIS sollte bei abgeschlossener Familienplanung eine Hysterektomie durchgeführt werden.

Bei nicht abgeschlossener Familienplanung soll eine Entfernung im Gesunden gefolgt von Nachbeobachtung mittels Kolposkopie, Zytologie und HPV Nachweis erfolgen.

Literatur
[363] [474]

Bei zytologischem Verdacht auf ACIS oder histologischer Diagnose eines Adenocarcinoma in situ (ACIS) der Cervix uteri erfolgt primär ein Exzisionsverfahren mit endozervikaler Kürettage, um ein invasives Adenokarzinom auszuschließen ([363][474], S. 21-22; [483], S.57). Beim ACIS sind häufig endozervikale Drüsenkrypten befallen, und es kann eine diskontinuierliche Ausbreitung vorliegen. Daher ist eine Ent¬fernung im Gesunden (R0 Resektion) bei ACIS schwieriger zu erreichen als bei CIN 3. Auch eine Entfernung im Gesunden schließt verbliebene ACIS-Anteile in der Restzervix nicht aus.

Bei befallenen Resektaträndern oder ACIS in der endozervikalen Kürettage bei bestehendem Kinderwunsch erfolgt die Re-Exzision. Alle 6 Monate erfolgt eine Reevaluation mit Kolposkopie, Zytologie, HPV-Test und endozervikaler Probeentnahme ([363], S.21-22).

Bei Frauen mit Kinderwunsch, bei denen durch exzidierende Verfahren das Adenocarcinoma in situ nicht komplett entfernt werden kann, bleibt als letzte Option, die einfache Trachelektomie, wobei die im Rahmen der Trachelektomie verbleibende Endozervix mittels Schlingenexzision bis zum inneren Muttermund komplett entfernt werden kann und eine prophylaktische Cerclage vor oder in der Schwangerschaft erfolgt, ggfs. kombiniert mit einem totalen Muttermundsverschluss in der Frühschwangerschaft.

14.3.6 R0 Resektion und Vorgehen bei R1 Resektion

14.13 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Die R0-Resektion der CIN 3 soll angestrebt werden.

Literatur
[474]

35.109 Frauen, von denen 8091 (23%) mindestens einen befallenen Schnittrand im OP Präparat hatten, wurden in einer Metaanalyse evaluiert. Nach R1 Resektion liegt das relative Risiko für postoperatives CIN 2/3 bei 6,1 und Rezidive wurden bei 597 von 3335 (18%) Patientinnen mit R1 versus 318 von 12 493 (3%) Patientinnen mit R0 festgestellt. Die Autoren folgern, dass eine inkomplette Resektion vermieden werden soll [484].

Frauen, bei denen eine CIN 3 nicht im Gesunden exzidiert wurde, insbesondere endozervikal, haben ein signifikant erhöhtes Risiko für das Wiederauftreten der Erkrankung ([474], S.39). Daher wird immer die Entfernung der CIN 3 im Gesunden angestrebt. 

Bei Vorliegen einer T-Zone Typ 3 kann versucht werden, den endozervikalen Übergang zwischen der Läsion und dem normalen Zylinderepithel durch Aufspreizen oder Endozervikoskopie zu identifizieren, um die Ausdehnung der Konisation festzulegen.

Der entscheidende Ergebnisparameter für eine Dysplasiesprechstunde/-einheit ist jedoch nicht der R-Status, sondern die Rate an Rezidiven von CIN 2 oder CIN 3 nach operativer Behandlung, die nicht höher als 5% in einem postoperativen Nachsorge-Zeitraum von 12 Monaten liegen sollte ([474], S.44-45). Es wird empfohlen, dass bei der zytologischen Kontrolluntersuchung 6 Monate nach Therapie mehr als 90% der Abstriche der Patientinnen keine Dyskariosen aufweisen. ([474] S.44-45).

14.14 · Konsensbasierte Empfehlung 2017

Bei einer R1-Situation nach chirurgischer Entfernung einer CIN 3 und fehlendem Verdacht auf ein invasives Karzinom soll primär die zytologische und HPV-basierte Nachkontrolle nach 6 Monaten erfolgen.

Zeigen die Befunde der Nachbetreuung, dass eine Persistenz der CIN 3 vorliegt, soll erneut operiert werden.

Bei CIN 2 oder CIN 3 an den Resektaträndern des Operationspräparates oder in der endozervikalen Kürettage erfolgt eine zytologische Kontrolle mit endozervikaler Probenentnahme (Cytobrush), eine kolposkopische Evaluierung und eine Untersuchung auf HPV 6 Monate nach Konisation ([363], S. 21).

Ergeben diese Untersuchungen den Verdacht auf Persistenz von CIN 2 oder 3 erfolgt die histologische Abklärung (Knipsbiopsie, endozervikale Kürettage) und bei histo-pathologischem Nachweis von CIN 2 oder CIN 3 die erneute operative Sanierung mit dem Ziel der Entfernung im Gesunden ([363], S. 21).

Eine Hysterektomie kann der Patientin angeboten werden, falls eine erneute Gebärmutter-erhaltende Operation technisch schwer machbar oder nicht sinnvoll erscheint oder Zusatzindikationen vorliegen; vorher sollte das Vorliegen eines invasiven Karzinoms ausgeschlossen werden ([474], S.50).

Zur Qualitätssicherung sollte die sofortige Re-Konisation bei positivem Absetzungsrand innerhalb von 3 Monaten bei weniger als 5% aller Patientinnen erfolgen (entsprechend DKG Zertifizierungsanforderungen).

14.3.7 Sollten Exzidate immer hochgradige präkanzeröse Befunde enthalten?

Operative Eingriffe am Gebärmutterhals, die mit Gewebeverlust einhergehen, dienen vorwiegend dazu, schwergradige Präkanzerosen (CIN 3) zu entfernen. Das Fehlen einer CIN 2 oder CIN 3 im Exzidat zeigt aber nicht automatisch eine falsche Indikations¬stellung an: durch eine präoperative Biopsie kann die Läsion auch einmal komplett entfernt worden sein.

85% der therapeutischen Gewebexzisionen aus dem Gebärmutterhals sollten CIN 2 und/oder CIN 3 enthalten, da eine komplette Entfernung einer schwergradigen Präkanzerose durch Biopsie eher die Ausnahme darstellt (Zertifizierungssystem für Gynäkologische Dysplasie-Einheiten nach DKG, DGGG, AG-CPC und AGO). Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in den letzten Jahren häufig die Entnahme von mehr als einer Biopsie im Rahmen der differentialkolposkopischen Abklärung erfolgt, was potentiell eine höhere Raten an CIN 2- oder CIN 3-negativen Gewebeexzisionen zur Folge hat.

14.3.8 Histopathologische Beurteilung des Konisats/ Exzidats

Alle Biopsien, exzidierten Gewebeanteile und Abradate werden histopathologisch untersucht. Dabei werden Serienschnitte durchgeführt, mit denen das gesamte Gewebe aufgearbeitet wird. Die Anwendung von immunhistochemischen Markern kann hilfreich sein. Es wird eine Aussage zum Schweregrad der Veränderung, zum endozervikalen/ektozervikalen Resektionsrand und zur Beurteilbarkeit des Präparates gemacht.

Liegt ein invasives Geschehen vor, werden der Tumortyp, der Differenzierungsgrad, die vertikale und horizontale Ausdehnung, der potentielle Einbruch von Tumorzellen in Lymph- und/oder Blutgefäße (L und V) und/oder (Nervenscheiden Pn) sowie der Resektionsstatus beschrieben.

14.3.9 Blutungskomplikationen nach chirurgischer Therapie

Die Differentialdiagnose „Nachblutung“ umfasst ein breites Spektrum, das vom blutig-wässrigen Fluor, der zu früh oder zu spät einsetzenden oder verstärkten Periodenblutung bis zur kreislaufwirksamen arteriellen Blutung reicht. Der verminderte Einsatz von Elektrokoagulation und von Umstechungen im Rahmen gewebeschonender Operationen am Gebärmutterhals erfordert ein gut organisiertes postoperatives Management. Ein Messparameter in der postoperativen Nachsorge ist die Nachblutungsrate, die zu einer zweiten Operation und/oder einer Bluttransfusion führt. Es wurde empfohlen, dass diese Rate innerhalb von 30 Tagen nach Operation nicht über 3% liegt ([482], S.66). Konservative Maßnahmen wie temporäre Tamponade und lokale Applikation oder systemische Gabe von Hämostyptika dienen dazu, einen zweiten operativen Eingriff zu verhindern und werden in ihrer Häufigkeit nicht erfasst.

14.3.10 Spätkomplikationen (Zervixstenose, Frühgeburt)

Die endozervikale Ausdehnung (RR 1,95, 95% CI 1,02 - 3,76) und das Vorliegen einer rein endozervikal liegenden CIN (RR 5,07, 95% CI 1,96 - 14,44) waren die einzigen unabhängigen Risikofaktoren für die postoperative Entwicklung einer Zervixstenose nach Schlingenexzision. Frauen älter als 50 Jahre haben ein 3-fach erhöhtes Risiko für Zervixstenose [485].

Symptomatische Zervixstenosen können als absolut oder relativ definiert werden: Hämatometra oder stark verzögerter Abfluss des Menstrualblutes sind die Leitsymptome. Eine anatomisch definierte Zervixstenose liegt bei einem Durchmesser der Zervikalkanales von weniger als 2,5 mm vor. Das Risiko für die Entstehung von Zervixstenosen korreliert direkt mit der endozervikalen Ausdehnung des entfernten Gewebes sowie mit der endozervikalen Lage der Läsion. Daher sind Frauen, die älter sind als 50 Jahre, eher gefährdet, eine Zervixstenose zu entwickeln.

Eine Häufigkeit des Auftretens von Zervixstenosen nach Exzisions- oder Ablationsverfahren der Cervix uteri, die zu einem weiteren operativen Eingriff führen, über einen Nachbeobachtungszeitraum von 1 Jahr von nicht über 5%. wird angestrebt.

Frühgeburtlichkeit ist die wichtigste Spätkomplikation nach Operationen an der Cervix uteri, die es zu verhindern gilt. Dabei korreliert das Risiko für Frühgeburt direkt mit dem Volumen des entfernten Gewebes und der endozervikalen Ausdehnung der Resektion bzw. Ablation (s. Tabelle Frühgeburtsrisiko nach Konisation und Tabelle Frühgeburtsrisiko und Ausdehnung der Gewebeentfernung). Der Anteil der Frühgeburten verglichen mit Kontrollen variiert zwischen 9 und 14% versus 5 und 10%, wobei diese Raten aus Studien stammen, in denen nicht gewebeschonend operiert wurde. Daher wird nach Exzision oder Destruktion von CIN 2, CIN 3 oder ACIS eine Rate der Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche von maximal 10% angestrebt.

Tabelle 16: Frühgeburtsrisiko nach Konisation

Autor

Anzahl an Studien

relatives Frühgeburtsrisiko (< 37 SSW)

Kyrgiou 2006 [486]

27 

Messerkonisation: 2,59 (95% CI 1,80 – 3,72;
100/704 [14%] vs 1.494/27.674 [5%])

LLETZ: 1,70 (95% CI 1,24 – 2,35;
156/1402 [11%] vs 120/1739 [7%])

Bruinsma 2011 [487]

30

Messerkonisation: 3,41 (95% CI 2,38 – 4,88;
33/204 [16%] vs 1.976/30.012 [7%])

Laserkonisation: 3,58 (95% CI 1,93 – 6,61;
41/196 [21%] vs 20/326 [6%])

LEEP: 1,85 (95% CI 1,59 – 2,15;
782/10.676 [7%] vs 26.070/645.905 [4%])

Tabelle 17: Frühgeburtsrisiko und Ausdehnung der Gewebeentfernung

Autor

Fallzahl 

Gewebe 

relatives Frühgeburtsrisiko (< 37 SSW)  

Khalid 2012 [488]

321

Volumen > 6 cm³

Dicke >12 mm 

3,00 (95% CI 1,45–5,92;
10/48 [20,8%] vs 19/273 [7,0%])

2,98 (95% CI 1,27–7,01;
5/21 [23,8%]) vs 24/300 [8,0%]) 

Simoens 2012 [489]

97

Dicke > 10 mm

4,55 (95% CI, 1.32–15.65;
9/43 [20,9%] vs 6/86 [7,0%])

14.4 Zukünftiger Forschungsbedarf

Künftige Studien über die Behandlung von CIN und ACIS müssen sich auf nicht-invasive Therapieverfahren wie therapeutische Vakzinierung oder Einsatz lokal oder systematisch applizierter Moleküle fokussieren, um die psychische Belastung der betroffenen Frauen und die mit invasiver Therapie verbundene Morbidität zu reduzieren. Realistisch gesehen wird dieses Ziel nicht innerhalb der nächsten Dekade in den klinischen Alltag umgesetzt werden. Daher sollte die nahe Zukunft genutzt werden, um die Gewebeschonung der Exzisionsverfahren ohne Einschränkung der kompletten Entfernung des erkrankten Gewebes zu verbessern.

Dabei sollte zudem die Frage nach dem Ausmaß des zu resezierenden Areals beantwortet werden, insbesondere, ob wegen potentiell erhöhtem Risiko für Rezidiv oder Persistenz die alleinige knappe Resektion der CIN-Läsion ausreicht, oder ob zusätzlich auch ein zirkulärer Saum der Transformationszone entfernt werden soll. Zur Beantwortung dieser Frage ist eine prospektive randomisierte Studie erforderlich.

Diese Leitlinie soll einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Frauen mit der Diagnose „CIN und ACIS“ leisten. Ob es durch die konsequente Umsetzung der Behandlungsempfehlungen gelingt, die unerwünschten Lang- und Kurzzeitkomplikation nach Behandlung einer CIN bzw. eines ACIS zu senken und somit die Lebensqualität der betroffenen Frauen zu verbessern, sollte durch begleitende Versorgungsforschungs-Projekte an Hand der definierten Qualitätsparameter überprüft werden.

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