9. Qualitätsindikatoren – Perioperatives Management bei gastrointestinalen Tumoren (POMGAT)
Qualitätsindikatoren sind Messgrößen, deren Erhebung der Beurteilung der Qualität der zugrunde liegenden Strukturen, Prozesse bzw. Ergebnisse dient. Qualitätsindikatoren sind ein wichtiges Instrument des Qualitätsmanagements. Ziel ihres Einsatzes ist die stetige Verbesserung der Versorgung, indem die Ergebnisse der Versorgung dargestellt, kritisch reflektiert und wenn nötig verbessert werden. Die vorliegende Auswahl von Qualitätsindikatoren wurde gemäß der Methodik des Leitlinienprogramms Onkologie erstellt [376]. Für den Ableitungsprozess konstituierte sich eine „Arbeitsgruppe Qualitätsindikatoren“ (AG QI). Diese erstellte das finale Set der Qualitätsindikatoren auf Grundlage der starken Empfehlungen („soll“) der neuen Leitlinie „Perioperatives Management bei gastrointestinalen Tumoren“ sowie der Ergebnisse der Recherche nach bestehenden nationalen und internationalen Qualitätsindikatoren. Die genaue Vorgehensweise und die Zusammensetzung der AG QI sind im Leitlinienreport dargelegt.
Nach 2 Online-Sitzungen dieser AG wurde das finale Set von 4 Qualitätsindikatoren (QI) definiert.
Der Zähler ist stets eine Teilmenge des Nenners.
Keiner der 4 Qualitätsindikatoren ist mit dem onkologischen Basisdatensatz der Krebsregister zu dokumentieren. (Stand: 03/2022).
Keine intraabdominelle Drainage nach elektiven onkologischen kolorektalen Resektionen (neu 2023)
Zähler
Pat. des Nenners mit intraabdomineller Drainage
Nenner
Alle Pat. mit Kolonkarzinom (C18) oder Rektumkarzinom (C20) und elektiver Resektion
Anmerkung
Qualitätsziel
Möglichst wenige intraabdominelle Drainagen nach elektiver kolorektaler Resektion:
Qualitätsziel 0%
Referenz-Empfehlungen
Bei elektiven kolorektalen Resektionen soll keine intraabdominelle Drainage eingelegt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
-
Metaanalyse (Cochrane-Review) zum Vergleich prophylaktischer intraabdomineller Drainageeinlage nach elektiver kolorektaler Chirurgie vs. keiner Drainageeinlage, Rolph et al. 2004/2016: 3 RCTs, 908 Patienten)
⊕⊕⊕⊝Klinische Anastomoseninsuffizienz: kein Unterschied (RR 1,40; 95% KI 0,45 bis 4,40)
⊕⊕⊕⊝Radiologische Anastomoseninsuffizienz: kein Unterschied (RR 0,85; 95% KI 0,39 bis 1,83)
⊕⊕⊕⊝Wundinfektion: kein Unterschied (RR 0,82; 95% KI 0,45 bis 1,51)
⊕⊕⊕⊝Reintervention: kein Unterschied (RR 1,11; 95% KI 0,67 bis 1,82)
⊕⊕⊕⊝Mortalität: kein Unterschied (RR 0,77; 95% KI 0,41 bis 1,45)
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [168]
Keine Drainage nach unkomplizierten onkologischen Leberresektionen (neu 2023)
Zähler
Pat. des Nenners mit Einlage einer Drainage
Nenner
Alle Pat. mit gastrointestinalem Tumor und unkomplizierter Leberresektion
Anmerkung
Qualitätsziel:
Möglichst wenige Drainagen nach unkomplizierten onkologischen Leberresektionen
Anmerkung:
- Qualitätsziel 0%
- Unkomplizierte Leberresektion = Leberresektion ohne biliäre oder vaskuläre Rekonstruktion
Referenz-Empfehlungen
Bei unkomplizierten Leberresektionen soll keine prophylaktische Drainage eingelegt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
-
Metaanalyse zum Vergleich prophylaktischer Drainagen nach Major-Leberchirurgie vs. keiner Drainageneinlage, Dezfouli et al. 2019: 3 RCTs, 5 nicht-randomisierte Studien, 5050 Patienten
⊕⊝⊝⊝Postoperatives Galleleck: Häufiger mit Drainage (OR 2,32; 95% KI 1,18 bis 4,55)
⊕⊕⊕⊝Postoperative Nachblutung: kein Unterschied (OR 2,73; 95% KI 0,41 bis 18,19)
⊕⊝⊝⊝Sekundär postoperativ notwendige perkutane Drainageeinlage: Häufiger nach intraoperativer Drainageeinlage (OR 1,53; 95% KI 1,11 bis 2,10)
⊕⊝⊝⊝Wundinfektionen: kein Unterschied (OR 1,14; 95% KI 0,52 bis 2,50)
⊕⊝⊝⊝Gesamtkomplikationen: Erhöht nach intraoperativer Drainage (OR 1,71; 95% KI 1,45 bis 2,03)
⊕⊕⊝⊝Länge des Krankenhausaufenthaltes: Verlängert mit Drainage (MD 1,01 Tage; 95% KI 0,47 bis 1,56)
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [165]
Keine Magensonde nach Extubation (neu 2023)
Zähler
Pat. des Nenners ohne Magensonde nach Extubation
Nenner
Alle Pat. mit • Gastrektomie oder Magenteilresektion oder • elektiver Leberresektion oder • elektiver kolorektaler Operation
Anmerkung
Qualitätsziel:
Möglichst viele Pat. ohne Magensonde nach Extubation
Referenz-Empfehlungen
Nach Gastrektomie oder Magenteilresektion soll eine intraoperativ eingelegte Magensonde vor Narkoseausleitung gezogen werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
-
Metaanalyse zum Vergleich: Patienten ohne postoperative Anlage einer transnasalen Sonde versus Patienten mit routinemäßiger Anlage einer Sonde: 8 RCTs, 1141 Patienten
⊕⊕⊕⊕Postoperative Anastomoseninsuffizienz (8 RCTs): Kein Effekt (RR 1,25; 95% KI 0,68 bis 2,27)
⊕⊕⊕⊕Postoperative pulmonale Komplikationen (7 RCTs): Kein Effekt (RR 1,31; 95% KI 0,90 bis 1,89)
⊕⊕⊕⊕Postoperative Morbidität (6 RCTs): Kein Effekt (RR 1,33; 95% KI 0,83 bis 1,55)
⊕⊕⊕⊕Postoperative Mortalität (8 RCTs): Kein Effekt (RR 1,27; 95% KI 0,34 bis 4,78)
⊕⊕⊕⊕Länge des Klinikaufenthaltes (6 RCTs): längerer Krankenhausaufenthalt mit Anlage einer transnasalen Sonde (MD 0,48 Tage; 95% KI -0,01 bis 0,98)
⊕⊕⊕⊕Zeit bis zum Kostaufbau (6 RCTs): Kürzer ohne Anlage einer transnasalen Sonde (MD 0,45 Tage; 95% KI 0,29 bis 0,61)
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [206]
Bei elektiven Leberresektionen soll eine intraoperativ eingelegte Magensonde vor Narkoseausleitung gezogen werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
-
Metaanalyse zum Vergleich keiner Magensondeneinlage mit einer routinemäßigen Magensondeneinlage nach Leberresektionen: 7 RCTs, 1306 Patienten
⊕⊕⊝⊝Übelkeit postoperativ: Kein Effekt (OR 0,81; 95% KI 0,40 bis 1,67)
⊕⊕⊝⊝Erbrechen postoperativ: Kein Effekt (OR 1,06; 95% KI 0,19 bis 5,93)
⊕⊕⊕⊝Abdominelle Distension: Kein Effekt (OR 0,87; 95% KI 0,60 bis 1,25)
⊕⊕⊕⊕Länge des Klinikaufenthaltes: Kürzerer Krankenhausaufenthalt ohne Magensonde (MD -0,48 Tage; 95% KI -0,93 bis -0,03)
⊕⊕⊝⊝Erster Flatus postoperativ: Kein Effekt (MD -0,34 Tage; 95% KI -0,86 bis 0,18)
⊕⊕⊕⊕Erste Defäkation: Kürzere Zeit bis zur ersten Defäkation ohne Magensonde (MD -0,95 Tage; 95% KI -0,79 bis -0,39)
⊕⊕⊕⊝Zeit bis zum Kostaufbau: Kürzer ohne Magensonde (MD -0,46 Tage; 95% KI -0,90 bis -0,03)
⊕⊕⊕⊕Erneute Magensondeneinlage: Häufiger in Gruppe ohne postoperative Magensonde (OR 6,88; 95% KI 1,77 bis 26,72)
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [208]
Bei elektiven kolorektalen Eingriffen soll eine nasogastrale Sonde vor Narkoseausleitung gezogen werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Kein transurethraler Dauerkatheter 24h nach Ende OP (neu 2023)
Zähler
Pat. des Nenners ohne transurethralen Dauerkatheter 24h nach Ende der OP des Nenners
Nenner
Alle Pat. mit onkologischen Kolonresektion
Anmerkung
Qualitätsziel:
Möglichst viele Pat. ohne transurethalen Dauerkatheter 24h nach Ende der OP
Referenz-Empfehlungen
Der transurethrale Dauerkatheter soll bei kolorektalen Resektionen innerhalb der ersten 24 Stunden entfernt werden.
Bei Risikofaktoren für einen Harnverhalt (männliches Geschlecht, tiefe anteriore Rektumresektion, Rektumexstirpation) kann eine verlängerte Ableitung bis zum 3. postoperativen Tag erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Evidenztabellen
6.1 Kolon_Evidenztabelle
|
Studientyp |
Untersuchte Studien |
verglichene Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Ergebnisse |
methodische Bemerkungen |
Eingeschlossene Studien |
|
Rolph R (2016): Intra-abdominal drains for the prophylaxis of anastomotic leak in elective colorectal surgery (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 4. Art.No.: CD002100 |
3 RCTs
Suchzeitraum initial bis 02/2005, im Verlauf upgedatet bis 06.02.2015
Datenbanken: Cochrane Colorectal Cancer Group´s Specialized Register (Februar 2015) Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL 2015, Issue 2) Medline (1950 – Februar 2015) Embase (1974 – Februar 2015) Trial Registers Citation indexes Pubmed Open Grey database Conference abstracts in Web of Knowlegde
Einschlusskriterien: - RCTs - Patienten mit elektiven kolorektalen Anastomosen - Interventions- und Kontrollgruppe bzgl. intraabdomineller Drainage
Ausschlusskriterien: - Beobachtungs-studien/non-RCTs (aufgrund des hohen risk of Bias) |
Intraabdominelle Drainageneinlage vs. keine Drainageneinlage bei elektiven kolorektalen Resektionen (Subgruppen-analyse für intraperitoneale Anastomosen) |
Anastomosen-insuffizienz (klinisch)
Radiologische Anastomosen-insuffizienz
Mortalität
Reintervention
Wundinfektion |
Klinische Anastomoseninsuffizienz Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 809 (RR 1,40; 95% KI 0,45 bis 4,40; p=0,56; I²=0%)
Radiologische Anastomoseninsuffizienz Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 809 (RR 0,85; 95% KI 0,39 bis 1,83; p=0,67; I²=0%)
Mortalität Studienanzahl: 3 Teilnehmer: 908 (RR 0,77; 95% KI 0,41 bis 1,45; p=0,41; I²=0%)
Reintervention Studienanzahl: 3 Teilnehmer: 908 (RR 1,11; 95% KI 0,67 bis 1,82; p=0,69; I²=29%)
Wundinfektion Studienanzahl: 3 Teilnehmer: 908 (RR 0,82; 95% KI 0,45 bis 1,51; p=0,52; I²=0%)
Subgruppe intraperitoneale Anastomosen:
Klinische Anastomoseninsuffizienz: Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 416 (RR 0,66; 95% KI 0,11 bis 3,94; p=0,65; I²=0%)
Radiologische Anastomoseninsuffizienz: Studienanzahl: 1 Teilnehmer: 317 (RR 0,34; 95% KI 0,01 bis 8,38; p=0,51)
Mortalität: Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 416 (RR 0,74; 95% KI 0,30 bis 1,80; p=0,51; I²=0%)
Reintervention: Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 416 (RR 0,71; 95% KI 0,31 bis 1,62; p=0,41; I²=0%)
Wundinfektion: Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 416 (RR 1,01; 95% KI 0,39 bis 2,66; p=0,98; I²=0%) |
Methodische Schwächen/Limitationen: - Cochrane-Review, entsprechend hoher Standard, aber RCTs alle schon recht alt
|
Menningen R, Coloproctology (1989), https://scholar.google.com/scholar_lookup?title=Prophylaktische%20Drainage%20von%20Colonanastomosen&journal=Coloproctology&volume=11&pages=76-76&publication_year=1989&author=Menningen%2CR&author=Kusche%2CJ&author=Troidl%2CH
Merad F, Archives of Surgery (1998), PMID 9517746
Merad F, Surgery (1999), PMID 10330942 |
6.10 SoF-Tabelle Intraoperative Einlage einer Drainage in das OP Feld – Kolon und Rektum (intraperitoneal)
|
Endpunkte |
Risiko ohne intraabdominellen Drainagen |
Risiko mit intraabdominellen Drainagen |
Relativer Effekt |
№ der Teilnehmer |
Certainty of the evidence |
Relevanz des Endpunkts |
|
klinische Anastomoseninsuffizienz |
12 pro 1.000 |
17 pro 1.000 |
RR 1.40 |
809 |
⨁⨁⨁◯ |
Kritisch |
|
radiologische Anastomoseninsuffizienz |
32 pro 1.000 |
27 pro 1.000 |
RR 0.85 |
809 |
⨁⨁⨁◯ |
Gering |
|
Mortalität |
46 pro 1.000 |
36 pro 1.000 |
RR 0.77 |
908 |
⨁⨁⨁◯ |
Kritisch |
|
Reintervention |
62 pro 1.000 |
68 pro 1.000 |
RR 1.11 |
908 |
⨁⨁⨁◯ |
Kritisch |
|
Wundinfektion |
48 pro 1.000 |
40 pro 1.000 |
RR 0.82 |
908 |
⨁⨁⨁◯ |
Wichtig |
|
*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI). |
||||||
|
GRADE Working Group grades of evidence Erläuterungen a. Effektschätzer, der sowohl Nutzen als auch fehlenden Effekt einschließt b. Effektschätzer, der sowohl Nutzen als auch fehlenden Effekt einschließt c. Effektschätzer, der sowohl Nutzen als auch fehlenden Effekt einschließt d. Effektschätzer, der sowohl Nutzen als auch fehlenden Effekt einschließt e. Effektschätzer, der sowohl Nutzen als auch fehlenden Effekt einschließt |
||||||
6.10 EtD-Tabelle Intraoperative Einlage einer Drainage in das OP Feld – Kolon und Rektum (intraperitoneal)
|
Kriterium |
Bewertung |
Grundlage für die Bewertung |
|
Nutzen der Intervention |
Die prophylaktische intraabdominelle Drainageeinlage nach elektiven kolorektalen Resektionen zeigt keinen relevanten Nutzen für die Patienten. Weder im Hinblick auf eine klinische oder radiologische Anastomoseninsuffizienz noch bezüglich Wundinfektionen, der Rate an notwendigen Reinterventionen noch im Hinblick auf die Mortalität zeigten sich Unterschiede zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Möglicher Schaden durch die Intervention |
Die prophylaktische intraabdominelle Drainageeinlage nach elektiver kolorektaler Chirurgie scheint mit keinem Schaden für die Patienten verbunden zu sein, da sich im Hinblick sämtlicher hier untersuchter Endpunkte kein Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe zeigt. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz |
Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz wird für sämtliche hier untersuchten Endpunkte (klinische bzw. radiologische Anastomoseninsuffizienz, Wundinfektionen, Reinterventionen sowie Mortalität) mit moderat gemäß der GRADE-Einschätzungen bewertet. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Präferenzen und Akzeptanz |
Durch den Verzicht auf eine prophylaktische Drainageeinlage ist der Patientenkomfort postoperativ insgesamt erhöht (keine Mobilitätseinschränkungen durch Drainage, kein schmerzhafter Drainagenzug notwendig), diesbezüglich sollte also eine breite Akzeptanz des drainagenfreien Vorgehens vorliegen. Da jedoch die prophylaktische intraabdominelle Drainageeinlage auch im Rahmen elektiver kolorektaler Chirurgie oft noch der Standard ist, wird es einige Zeit brauchen, bis der Verzicht auf intraabdominelle Drainagen nach elektiver kolorektaler Chirurgie eine breite Akzeptanz findet. |
Expertenbewertung
|
|
Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung |
Der Verzicht auf eine prophylaktische intraabdominelle Drainageeinlage nach elektiven kolorektalen Resektionen verlangt keine zusätzlichen Ressourcen, sodass der breitflächigen Umsetzbarkeit dieser Empfehlung diesbezüglich nichts im Wege steht. Zudem führt der Verzicht auf die Drainageeinlage zur Einsparung der Materialkosten für die Drainage. Insgesamt besteht hier also ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis. |
Expertenbewertung
|
|
Fazit der Studienlage und Einschätzungen |
Bei elektiven kolorektalen Resektionen soll keine intraabdominelle Drainage eingelegt werden. |
|
6.8 Evidenztabelle Intraoperative Einlage einer Drainage in das OP Feld – Leber
|
Studientyp |
Untersuchte Studien |
verglichene Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Ergebnisse |
methodische Bemerkungen |
Eingeschlossene Studien |
|
Dezfouli SA (2021): Systematic review and meta-analysis of the efficacy of prophylactic abdominal drainage in major liver resections. Scientific reports (2021) 11:3095 |
3 RCTs sowie 5 Beobachtungs-studien
Suchzeitraum bis einschließlich 10/2020
Datenbanken: Medline/PubMed Web of Science Cochrane Central Database
Einschlusskriterien: - alle Erwachsenen mit Major Hepatectomy - Interventions- und Kontrollgruppe bzgl. intraoperativer Drainageneinlage
Ausschluss-kriterien: - Case reports, Studienprotokolle, Tierstudien, Konferenzpapiere sowie Briefe an den Editor
|
Drainageneinlage nach Major Leberresektionen vs. keiner Drainageneinlage |
Postoperatives Galleleck Postoperative Nachblutung Postoperative perkutane Drainageneinlage Wundinfektionen Gesamtkomplikationen Länge des Krankenhausaufenthaltes
|
Galleleck Teilnehmer: 3934 (OR 2,32; 95% KI 1,18 bis 4,55; p=0,01; I² = 71%)
Nachblutung Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 154 (OR 2,73; 95% KI 0,41 bis 18,19; p=0,30; I²=0%)
Interventionelle Drainage Studienanzahl: 3 Teilnehmer: 2157 (OR 1,53; 95% KI 1,11 bis 2,10; p=0,009; I²=0%)
Wundinfektionen Studienanzahl: 4 Teilnehmer: 2244 (OR 1,14; 95% KI 0,52 bis 2,50; p=0,75; I²=68%)
Gesamtkomplikationen Studienanzahl: 4 Teilnehmer: 2244 (OR 1,71; 95% KI 1,45 bis 2,03; p<0,00001; I²=0%)
Krankenhausaufenthalt Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 2046 (MD 1,01 Tage; 95% KI 0,47 bis 1,56; p=0,0003; I²=0%)
|
Methodische Schwächen/Limitationen: - Sowohl RCTS als auch die Beobachtungsstudien haben some concerns bzw. Intermediate risk of bias - Für Endpunkt “Nachblutung” nur zwei sehr kleine Studien mit jeweils wenigen Events eingeschlossen - Z.T. recht große Heterogenität (Galleleck, Wundinfekt)
|
Belghiti J, Ann Surg (1993), PMID 8257225
Fong Y, Am J Surg (1996), PMID 8554132
Kim YI, Hepatogastroenterology (2014), PMID 26176061
Aldameh A, J Gastrointest Surg (2005), PMID 15862261
Squires MH, J Am Coll Surg (2015), PMID 25724607Cauchy F, Surg Endosc (2016), PMID 26578433
Shwaartz C, World J Surg (2017), PMID 27738836
Martin AN, J Gastro-intest Surg (2018), PMID 29247421 |
6.8 SoF-Tabelle Intraoperative Einlage einer Drainage in das OP Feld – Leber
|
Endpunkte |
Risiko ohne Drainageneinlage |
Risiko mit einer prophylaktischen Drainageneinlage |
Relativer Effekt |
№ der Teilnehmer |
Certainty of the evidence |
Relevanz des Endpunkts |
|
Postoperatives Galleleck |
48 pro 1.000 |
105 pro 1.000 |
OR 2.32 |
3934 |
⨁◯◯◯ |
Kritisch |
|
Postoperative Nachblutung |
53 pro 1.000 |
132 pro 1.000 |
OR 2.73 |
154 |
⨁⨁⨁◯ |
Wichtig |
|
Postoperative perkutane Drainageneinlage |
66 pro 1.000 |
98 pro 1.000 |
OR 1.53 |
2157 |
⨁◯◯◯ |
Wichtig |
|
Wundinfektionen |
49 pro 1.000 |
56 pro 1.000 |
OR 1.14 |
2244 |
⨁◯◯◯ |
Wichtig |
|
Gesamtkomplikationen |
420 pro 1.000 |
553 pro 1.000 |
OR 1.71 |
2244 |
⨁◯◯◯ |
Kritisch |
|
Länge des Krankenhausaufenthaltes |
|
MD 1.01 Tage höher |
- |
2046 |
⨁◯◯◯ |
Wichtig |
|
*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI). |
||||||
|
GRADE Working Group grades of evidence
Erläuterungen a. Heterogenität mäßig (I² = 71%) b. "some concerns" bei allen Punkten gemäß Cochrane RoB 2.0 c. Kleiner Stichprobenumfang, niedrige Anzahl Ereignisse je Gruppe sowie Effektschätzer, der Nutzen und keinen Effekt einschließt d. intermediate risk of bias der Einzelstudien e. intermediate risk of bias der Einzelstudien f. Heterogenität mäßig (I² = 68%) g. Stichprobenumfang und Anzahl der Ereignisse ausreichend, aber Effektschätzer, der sowohl Nutzen als auch Risiken einschließt h. intermediate risk of bias oder some concerns der Einzelstudien i. intermediate risk of Bias der Einzelstudien |
||||||
6.8 EtD-Tabelle Intraoperative Einlage einer Drainage in das OP Feld – Leber
|
Kriterium |
Bewertung |
Grundlage für die Bewertung |
|
Nutzen der Intervention |
Die prophylaktische intraabdominelle Drainage nach unkomplizierten Major-Leberresektionen zeigt keinen relevanten Nutzen für die Patienten. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Möglicher Schaden durch die Intervention |
Die prophylaktische Drainageeinlage nach Leberresektionen führt zu mehr Galleleckagen im Vergleich zur Kontrollgruppe sowie zu mehr Gesamtkomplikationen und entsprechend auch zu einem längeren Krankenhausaufenthalt. Zudem benötigen die Patienten mit prophylaktischer Drainage dennoch im postoperativen Verlauf häufiger eine erneute interventionelle perkutane Drainageeinlage. Bezüglich postoperativer Nachblutungen bleibt es unklar, ob Drainagen zu mehr Blutungen führen. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz |
Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz schwankt zwischen den jeweiligen Endpunkten und ist insgesamt als niedrig zu betrachten. Lediglich für den Endpunkt der postoperativen Nachblutung liegt eine moderate Zuverlässigkeit der Evidenz vor, für die restlichen Endpunkte wird die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz als sehr niedrig gemäß der GRADE-Einschätzungen bewertet. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Präferenzen und Akzeptanz |
Durch den Verzicht auf eine prophylaktische Drainageeinlage ist der Patientenkomfort postoperativ insgesamt erhöht (keine Mobilitätseinschränkungen durch Drainage, kein schmerzhafter Drainagezug notwendig), diesbezüglich sollte also eine breite Akzeptanz des drainagefreien Vorgehens vorliegen. Da jedoch die prophylaktische Drainageeinlage bisher oft Routine ist, wird es einige Zeit brauchen, bis das drainagefreie Vorgehen nach elektiver Leberchirurgie eine breite Akzeptanz findet. |
Expertenbewertung |
|
Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung |
Der Verzicht auf eine prophylaktische Drainageeinlage nach Leberresektionen verlangt keine zusätzlichen Ressourcen, sodass der breitflächigen Umsetzbarkeit dieser Empfehlung nichts im Wege steht. Zudem führt der Verzicht auf die Drainageeinlage zum einen zur Einsparung der Kosten für die Drainage und das Verbandsmaterial. Der ohne Drainage verkürzte Klinikaufenthalt resultiert ebenfalls in Kosteneinsparungen. Die in der Drainagegruppe möglicherweise häufiger notwendige interventionelle Neuanlage einer Drainage erzeugt zusätzliche Kosten. Für den Verzicht auf eine prophylaktische Drainageeinlage bei unkomplizierten Leberresektionen besteht daher ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis. |
Expertenbewertung
|
|
Fazit der Studienlage und Einschätzungen |
Nach unkomplizierten Leberresektionen soll keine prophylaktische Drainage eingelegt werden. Im Rahmen komplexerer Leberresektionen (mit biliären und/oder vaskulären Rekonstruktionen) kann eine Drainage eingelegt werden (Expertenkonsens; hierzu kann aufgrund der mangelnden Evidenz keine evidenzbasierte Empfehlung ausgesprochen werden). |
|
7.1 Magen_Evidenztabelle(SR)
|
Studientyp |
Untersuchte Studien |
verglichene Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Ergebnisse |
methodische Bemerkungen |
Eingeschlossene Studien |
|
Wang D Is Nasogastric or Nasojejunal Decompression Necessary Following Gastrectomy for Gastric Cancer? A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised Controlled Trials J Gastrointest Surg (2015) 19:195–204 PMID: 25238814 |
8 RCTs mit 1141 Patienten
Untersuchungszeitraum bis 01/2014 |
Nasojejunale Dekompression (Magensonde) nach Gastrektomie vs. keine Dekompression |
Anastomoseninsuffizienz Pulmonale Komplikationen Morbidität Mortalität Beginn Kostaufbau Krankenhausliegedauer |
Anastomoseninsuffizienz: Studien: 8 Teilnehmer: 1141 (RR 1,25; 95% KI 0,68 bis 2,27; p=0,47; I²=0%) Pulmonale Komplikationen: Studien: 7 Teilnehmer: 1091 (RR 1,31; 95% KI 0,90 bis 1,89; p=0,16; I²=0%) Morbidität: Studien: 6 Teilnehmer: 955 (RR 1,33; 95% KI 0,34 bis 4,78; p=0,44, I² = 0%) Mortalität: Studien: 8 Teilnehmer: 1141 (RR 1,27; 95% KI 0,68 bis 2,27; p=0,72; I²=0%) Beginn Kostaufbau Studien: 6 Teilnehmer: 931 (MD 0,45; SD 0,29 bis 0,61; p<0,0001; I²=0%) Krankenhausliegedauer Studien: 6 Teilnehmer: 931 (MD 0,48 Tage; SD 0,29 bis 0,61; p=0,05; I²=0%) |
Keine relevanten methodischen Limitationen |
Pacelli F, Gastric Cancer (2013), PMID: 24292257
Li C, DIg Surg (2011) PMID: 21540604
Tavassoli A, Int J Surg (2011), PMID: 21167327
Wu CC, Eur J Surg (1994) PMID: 7948356
Yoo CH, Eur J Surg (2002) PMID: 12463426
Lee JH, Yonsei Med J (2002) PMID: 12205733
Doglietto GB, Arch Surg (2004) PMID: 15611456
Hsu SD, Chir Gastroenterol (2007) https://doi.org/10.1159/000105624 |
7.3 SoF-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden Gastrektomie
|
Endpunkte |
Risiko ohne transnasale endoluminale Sonde |
Risiko mit transnasaler endoluminaler Sonde |
Relativer Effekt |
№ der Teilnehmer |
Certainty of the evidence |
Relevanz des Endpunkts |
|
Anastomoseninsuffizienz (AI) |
32 pro 1.000 |
39 pro 1.000 |
RR 1.25 |
1141 |
⨁⨁⨁⨁ |
Kritisch |
|
Pulmonale Komplikationen (PU) |
139 pro 1.000 |
182 pro 1.000 |
RR 1.31 |
1091 |
⨁⨁⨁⨁ |
Wichtig |
|
Morbidität (MB) |
204 pro 1.000 |
271 pro 1.000 |
RR 1.33 |
955 |
⨁⨁⨁⨁ |
Kritisch |
|
Mortalität (MT) |
7 pro 1.000 |
9 pro 1.000 |
RR 1.27 |
1141 |
⨁⨁⨁⨁ |
Kritisch |
|
Beginn Kostaufbau (Diet) |
|
MD 0.45 höher |
- |
931 |
⨁⨁⨁⨁ |
Wichtig |
|
Krankenhausliegedauer (KH) |
|
MD 0.48 höher |
- |
931 |
⨁⨁⨁⨁ |
Wichtig |
|
*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI). |
||||||
|
GRADE Working Group grades of evidence |
||||||
7.3 EtD-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Magen
|
Kriterium |
Bewertung |
Grundlage für die Bewertung |
|
Nutzen der Intervention |
Der Verzicht auf eine routinemäßige postoperative transnasale endoluminale Dekompresssion nach Gastrektomie zeigt in einer Metaanalyse von 8 RCT’s eine gleich hohe Mortalität und Morbidität (einschließlich Anastomoseninsuffizienz und pulmonaler Komplikation) im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Anlage einer postoperativen Magensonde. Die Krankhausliegedauer wird bei Patienten ohne postoperative Magensonde verkürzt, der postoperative Kostaufbau kann früher begonnen werden. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Möglicher Schaden durch die Intervention |
In der vorliegenden Metaanalyse werde keine negativen Folgen durch den Verzicht auf eine postoperative transnasale endoluminale Dekompression berichtet. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz |
Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz (certainty of evidence mittels GRADE PRO) wird für alle sechs untersuchten Endpunkte bei ausreichend hoher Fallzahl inkludierter Patienten als hoch bewertet. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Präferenzen und Akzeptanz |
Da eine einliegende transnasale Sonde durch die meisten Patienten als belastend empfunden wird, ist davon auszugehen, dass der Verzicht auf die endoluminale Dekompression nach Gastrektomie eine breite Akzeptanz findet. |
Expertenbewertung
|
|
Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung |
Der Verzicht auf die Anlage einer transnasalen Sonde verlangt keine zusätzlichen Ressourcen, sodass einer allgemeinen Umsetzung dieser Empfehlung nichts im Wege steht. Der Verzicht auf die routinemäßige Anlage einer Sonde sowie der dadurch bedingte kürzere Krankenhausaufenthalt sollten zudem zu einer entsprechenden Kostenreduktion führen, sodass hier ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis vorliegt. |
Expertenbewertung
|
|
Fazit der Studienlage und Einschätzungen |
Nach Gastrektomie oder Magenteilresektion soll eine intraoperativ eingelegte Magensonde vor Narkoseausleitung gezogen werden. |
|
7.1 Leber_Evidenztabelle
|
Studientyp |
Untersuchte Studien |
verglichene Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Ergebnisse |
methodische Bemerkungen |
Eingeschlossene Studien |
|
Wen Z (2019): Is routine nasogastric decompression after hepatic surgery necessary? A systematic review and meta-analysis. International Journal of Nursing Studies (2019): 103406 (PMID 31629211) |
7 RCTs
Suchzeitraum bis einschließlich 30.03.2019
Datenbanken: Pubmed Embase Science Direct Cochrane Central Register of Controlled Trials China National Knowlegde Infrastructure (CNKI) Wanfang Database
Einschlusskriterien: - RCTs - Leberchirur-gische Eingriffe - Vergleichs-gruppen bzgl. Einlage Magensonde oder nicht - Outcome und Komplika-tionen berichtet
Ausschlusskriterien: - kein RCT - unpassende Vergleichs-gruppe - andere Sprachen als Englisch oder Chinesisch
|
Verzicht auf Magensonden-einlage nach Leberresektionen im Vergleich zu routinemäßiger Anwendung einer Magensonde |
Erster Flatus postoperativ Erste Defäkation postoperativ Zeit bis zum Kostaufbau Erneutes Einlegen einer Magensonde Übelkeit Erbrechen Abdominelle Distension Länge des Klinikaufenthaltes |
Flatus postoperativ: Studienanzahl:5 Teilnehmer: 973 (MD -0,34 Tage; 95% KI -0,86 bis 0,18; p=0,20, I² = 99%)
Defäkation postoperativ: Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 590 (MD -0,59 Tage; 95% KI -0,79 bis -0,39; p<0,00001; I²=0%)
Kostaufbau: Studienanzahl: 3 Teilnehmer: 520 (MD -0,46; 95% KI -0,90 bis -0,03; p=0,04; I²=92%)
Erneute Magensonde: Studienanzahl: 2 Teilnehmer: 410 (OR 6,88; 95% KI 1,77 bis 26,72; p=0,005; I²=0%)
Übelkeit: Studienanzahl: 3 Teilnehmer: 491 (OR 0,81; 95% KI 0,40 bis 1,67; p=0,57; I²=50%)
Erbrechen: Studienanzahl: 3 Teilnehmer: 533 (OR 1,06; 95% KI 0,19 bis 5,93; p=0,94; I²=81%)
Abdominelle Distension: Studienanzahl: 4 Teilnehmer: 815 (OR 0,87; 95% KI 0,60 bis 1,25; p=0,45; I²=0%)
Krankenhausaufenthalt: Studienanzahl: 3 Teilnehmer: 653 (MD -0,48 Tage; 95% KI -0,93 bis 0,03; p=0,03 I²=40%) |
Methodische Schwächen/Limitationen: - zum Teil recht große Heterogenität zwischen den Einzelstudien - insgesamt hpts. Studien aus dem asiatischen Raum (dort MS-Anlage nach Leber wohl die aktuelle Routine)
|
Cai Y, Nurs J Chin People´s Lib Army (2006)
Chen M, Nurs Pract Res (2014)
Ichida H, J Gastro-intest Surg (2016), PMID 27197829
Li Z, Chin J Hepatobi-liary Surg (2009)
Ni C, J Nurs (2014)
Pessaux P, Br J Surg (2007), PMID 17315273
Yin X, J Nurs (2011) |
7.5 SoF-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Leber
|
Endpunkte |
Risiko mit einer routinemäßigen postoperativen Magensonde |
Risiko ohne Magensondeneinlage |
Relativer Effekt |
№ der Teilnehmer |
Certainty of the evidence |
Relevanz des Endpunkts |
|
Übelkeit postoperativ |
207 pro 1.000 |
175 pro 1.000 |
OR 0.81 |
491 |
⨁⨁◯◯ |
Wichtig |
|
Erbrechen postoperativ |
70 pro 1.000 |
74 pro 1.000 |
OR 1.06 |
533 |
⨁⨁◯◯ |
Kritisch |
|
abdominale Distension postoperativ |
181 pro 1.000 |
162 pro 1.000 |
OR 0.87 |
815 |
⨁⨁⨁◯ |
Gering |
|
Länge des Krankenhausaufenthaltes |
MD 0.48 Tage weniger |
- |
653 |
⨁⨁⨁⨁ |
Wichtig |
|
|
Erster Flatus postoperativ |
|
MD 0.34 Tage weniger |
- |
973 |
⨁⨁◯◯ |
Gering |
|
Erste Defäkation postoperativ |
|
MD 0.59 Tage weniger |
|
590 |
⨁⨁⨁⨁ |
Gering |
|
Zeit bis zum Kostaufbau |
|
MD 0.46 Tage weniger |
|
520 |
⨁⨁⨁◯ |
Wichtig |
|
erneute Magensondeneinlage |
10 pro 1.000 |
63 pro 1.000 |
OR 6.88 |
410 |
⨁⨁⨁⨁ |
Wichtig |
|
*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI). |
||||||
|
GRADE Working Group grades of evidence Erläuterungen a. mäßige Heterogenität (I² = 50%) b. Effektschätzer schließt Nuten sowie fehlenden Effekt ein c. erhebliche Heterogenität (I² = 81%) d. Effektschätzer schließt Nutzen sowie fehlenden Effekt ein e. Effektschätzer schließt Nutzen und fehlenden Effekt ein f. erhebliche Heterogenität (I² = 99%) g. Effektschätzer schließt sowohl Nutzen als auch keinen Effekt ein h. erhebliche Heterogenität (I² = 92%)
|
||||||
7.5 EtD-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Leber
|
Kriterium |
Bewertung |
Grundlage für die Bewertung |
|
Nutzen der Intervention |
Der Verzicht auf eine routinemäßige postoperative orale Dekompression via Magensonde nach Leberresektionen führt zu einem kürzeren Krankenhausaufenthalt sowie zu einer kürzeren Zeit bis zum Auftreten der ersten Defäkation und zum Kostaufbau. Erbrechen tritt in der Interventions- und Kontrollgruppe nicht unterschiedlich häufig auf. Das Auftreten von Übelkeit und Distension ist in der Gruppe der Patienten ohne postoperative Magensonde nicht seltener. Zudem ist die Zeit bis zum Auftreten des ersten Flatus in der Gruppe ohne Magensonde nicht kürzer. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Möglicher Schaden durch die Intervention |
Der Verzicht auf das routinemäßige postoperative Belassen einer Magensonde nach Leberresektionen führt zu einer häufiger notwendigen Wiedereinlage einer Magensonde im postoperativen Verlauf im Vergleich zur Kontrollgruppe. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz |
Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz schwanken zwischen den jeweiligen Endpunkten. Für die Endpunkte Länge des Krankenhausaufenthaltes, erste Defäkation postoperativ sowie Notwendigkeit der Neu-/Wiedereinlage einer Magensonde ist die Zuverlässigkeit der Evidenz gemäß der GRADE-Einschätzung hoch. Bezüglich der Zeit bis zum Kostaufbau sowie der abdominellen Distension postoperativ wird die Zuverlässigkeit der Evidenz als moderat bewertet; für die Endpunkte postoperative Übelkeit und Erbrechen sowie erster Flatus postoperativ wir die Zuverlässigkeit der Evidenz mittels GRADE als niedrig bewertet. |
Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen |
|
Präferenzen und Akzeptanz |
Da eine einliegende Magensonde durch die meisten Patienten als störend empfunden wird, ist davon auszugehen, dass der Verzicht auf die routinemäßige nasogastrale Dekompression nach Leberresektionen eine breite Akzeptanz findet. |
Expertenbewertung
|
|
Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung |
Der Verzicht auf die routinemäßige Anlage einer Magensonde verlangt keine zusätzlichen Ressourcen, sodass der breitflächigen Umsetzbarkeit dieser Empfehlung nichts im Wege steht. Der Verzicht auf die routinemäßige Anlage einer Magensonde sowie der dadurch bedingte kürzere Krankenhausaufenthalt sollten zudem zu einer entsprechenden Kostenreduktion führen, sodass hier ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis vorliegt. |
Expertenbewertung
|
|
Fazit der Studienlage und Einschätzungen |
Bei elektiven Leberresektionen soll eine intraoperativ eingelegte nasogastrale Sonde vor Narkoseausleitung gezogen werden. |
|
Literaturhinweise
[376] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF), Entwicklung von leitlinienbasierten Qualitätsindikatoren. Methodenpapier für das Leitlinienprogramm Onkologie, Version 3.0, 2021., https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/methodik/grundlegende-informationen-zur-methodik
[168] Jesus, EC, Karliczek, A, Matos, D, Castro, AA, Atallah, AN, Prophylactic anastomotic drainage for colorectal surgery., Cochrane Database Syst Rev, 2004. (4)(4): p. CD002100., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15495028/
[165] Dezfouli, SA, Ünal, UK, Ghamarnejad, O, Khajeh, E, Ali-Hasan-Al-Saegh, S, Ramouz, A, et.al. Systematic review and meta-analysis of the efficacy of prophylactic abdominal drainage in major liver resections., Sci Rep, 2021. 11 (1)(1): p. 3095., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33542274/
[206] Wang, D, Li, T, Yu, J, Hu, Y, Liu, H, Li, G, Is nasogastric or nasojejunal decompression necessary following gastrectomy for gastric cancer? A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials., J Gastrointest Surg, 2015. 19 (1)(1): p. 195-204., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25238814/
[208] Wen, Z, Zhang, X, Liu, Y, Bian, L, Chen, J, Wei, L, Is routine nasogastric decompression after hepatic surgery necessary? A systematic review and meta-analysis., Int J Nurs Stud, 2019. 100 (): p. 103406., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31629211/