Leitlinienprogramm OnkologiePerioperatives Management bei gastrointestinalen Tumoren (POMGAT)

8. Multimodales perioperatives Managementkonzept (mPOM) als Gesamtmaßnahme – Perioperatives Management bei gastrointestinalen Tumoren (POMGAT)

Version 1.0 · November 2023 · AWMF 088-010OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

8.1 Betreuung im Rahmen eines multimodalen perioperativen Managementkonzepts (mPOM)

8.1.1 Ösophagusresektionen

8.1 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Eine onkologische Ösophagusresektion sollte in dem Kontext eines multimodalen perioperativen Managementkonzepts stattfinden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel

Anwendung eines mPOM-Protokolls vs. traditionelle perioperative Behandlung - Evidenz aus einer Metaanalyse


⊕⊝⊝⊝

Mortalität: Kein Effekt (OR 1,33; 95% KI 0,48 bis 3,70)


⊕⊕⊝⊝

Gesamtmorbidität: Senkung durch mPOM (OR 0,68; 95% KI 0,49 bis 0,96)


⊕⊝⊝⊝

Anastomoseninsuffizienz: Senkung durch mPOM (OR 0,60; 95% KI 0,37 bis 0,99)


⊕⊕⊕⊝

Postoperative Krankenhausverweildauer: Verkürzung durch mPOM (SMD -1,92; 95% KI -2,78 bis -1,06)


⊕⊕⊕⊕

Kosten: Senkung durch mPOM (SMD -1,62; 95% KI -2,24 bis -1,01)


⊕⊕⊕⊕

Zeitraum bis zum ersten Stuhlgang: Verkürzung durch mPOM (SMD -1,36; 95% KI -1,78 bis -0,94)


⊕⊕⊕⊕

Pulmonale Komplikationen: Durch mPOM gesenkt (OR 0,45; 95% KI 0,31 bis 0,65)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[350]
Evidenztabellen (3)8.1 Evidenztabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Ösophagus; 8.1 SoF-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Ösophagus; 8.1 EtD-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Ösophagus

Die Metaanalyse von Triantafyllou et al. [350] poolt die Daten aus insgesamt 8 Studien mit 1133 Patienten. Unter den eingeschlossenen Studien fanden sich 4 chinesische RCTs aus den Jahren 2014-2017. Die restlichen 4 Studien waren prospektive Beobachtungsstudien aus Kanada, China, den USA und der Niederlande. Die Ergebnisse der quantitativen Synthese zeigen eine Senkung folgender Endpunkte durch mPOM: Gesamtmorbidität, Anastomoseninsuffizienzrate, pulmonale Komplikationen, Kosten.

Nach Erscheinen der Metaanalyse von Triantafyllou wurden 2020 noch zwei chinesische RCTs mit kleiner Fallzahl publiziert, welche den Effekt einer intensivierten enteralen Ernährungsunterstützung in Kombination mit einem mPOM-Konzept untersuchten.

Liu et al. [74] randomisierten 50 Patienten in einen experimentellen Arm mit intensiviertem prä- und postoperativen enteralen Ernährungssupport in Kombination mit mPOM und einen Kontroll-Arm mit konventionellem Ernährungsregime ebenfalls in Kombination mit mPOM. Im Arm mit intensiviertem Ernährungssupport und mPOM ergab sich ein geringerer Verlust an Gewicht, BMI und Muskulatur (quantifiziert durch den ASMI, appendicular skeletal muscle mass index). Zudem fanden sich bessere Scores im EORTC QoL C30 Fragebogen hinsichtlich „physical function“ und Fatigue. Bezüglich Morbidität, Verweildauer, Intensivstations-Aufenthalt, Wiederaufnahme und Mortalität gab es keine Unterschiede.

Die von partiell den gleichen Autoren publizierte RCT von Ding [351] untersuchte den Zusatzeffekt von mPOM in Kombination mit einem enteralen Ernährungsprogramm versus enterales Ernährungsregime ohne mPOM bei 100 Patienten mit Ivor-Lewis-Ösophagektomie. Es ergab sich ein positiver Effekt durch die Kombination von mPOM mit enteralem Ernährungssupport hinsichtlich eines besseren Ernährungsstatus (höheres Albumin und Präalbumin). In Übereinstimmung mit der vorhandenen Evidenz zu mPOM ergab sich zudem eine Reduktion pulmonaler Infekte, eine raschere Wiederaufnahme der Darmtätigkeit und eine kürzere Verweildauer.

Die Aussagekraft der beiden RCTs bleibt aufgrund der kleinen Fallzahlen und bei Liu aufgrund des Designs als Pilot-RCT und somit mit rein explorativem Charakter limitiert.

Forschungsfrage

Die vorhandene Evidenz lässt einen relevanten Mangel an Daten zum Effekt eines von mPOM hinsichtlich onkologischer Endpunkte erkennen. Auch hinsichtlich des Effekts von mPOM auf die Lebensqualität fehlt es an Evidenz.

8.1.2 Magenresektionen

8.2 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Eine onkologische Magenresektion sollte eingebettet in ein multimodales perioperatives Managementkonzept stattfinden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel

Anwendung eines mPOM-Protokolls vs. traditionelle perioperative Behandlung - Evidenz aus der Metaanalyse von Changsheng et al. 2019


⊕⊕⊝⊝

Wundinfekt: Kein Effekt (RR 0,83; 95% KI 0,42 bis 1,62)


⊕⊕⊝⊝

Postoperativer Ileus: Kein Effekt (RR 1,73; 95% KI 0,84 bis 3,56)


⊕⊕⊝⊝

Anastomoseninsuffizienz: Kein Effekt (RR 0,87; 95% KI 0,35 bis 2,15)


⊕⊕⊕⊝

Pulmonale Infekte: mPOM zeigt eine Senkung (RR 0,51; 95% KI 0,29 bis 0,91)


⊕⊕⊝⊝

Harnwegsinfekte: Kein Effekt (RR 1,73; 95% KI 0,84 bis 3,56)


⊕⊕⊕⊕

Postoperative Krankenhausverweildauer: mPOM zeigt eine Verkürzung (MD -1,85 Tage; 95% KI -2,27 bis -1,43)


⊕⊕⊝⊝

Kosten: Reduktion mit mPOM (MD -548$; 95% KI -761 bis -335)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[352]
Evidenztabellen (4)8.2 Evidenztabelle SR Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Magen; 8.2 Evidenztabelle RCT Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Magen; 8.2 EtD-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Magen; 8.2 SoF-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Magen

Die Metaanalyse von Changsheng et al. [352] poolt die Daten aus 15 RCTs mit insgesamt 1216 Patienten, welche vor Februar 2019 publiziert wurden. Die Aussagekraft der Ergebnisse der Metaanalyse werden durch folgende Faktoren limitiert: nur 2 der 15 RCTs waren qualitativ hochwertig, alle eingeschlossenen Studien stammen aus dem ostasiatischen Raum (ggf. eingeschränkte Übertragbarkeit auf europäische Patientenpopulationen) und es lag eine relevante Heterogenität bezüglich der Ergebnisse zur Wiederaufnahme der Darmtätigkeit (Chi2= 55.85, df= 11 (p< 0.00001); I2= 80%) sowie der Kosten (Chi2= 60.16, df= 8 (p< 0.00001); I2= 87%) vor. Trotz der genannten Limitationen stellt diese Metaanalyse die bestverfügbare Evidenz dar. Die Ergebnisse der Metaanalyse legen nahe, dass mit mPOM eine Reduktion pulmonaler Infekte, ein kürzerer stationärer Aufenthalt, eine raschere Wiederaufnahme der Darmtätigkeit und geringere Kosten erzielt werden. Im Vergleich zum konventionellen perioperativen Management treten allerdings im Rahmen eines mPOM häufiger Übelkeit/Erbrechen und Magenentleerungsstörungen auf. Zudem ist die Wiederaufnahmerate höher.

Nach Erscheinen der Metaanalyse von Changsheng wurden noch drei weitere relevante RCTs in den Jahren 2020 und 2021 publiziert, die sämtlich in den Effekten konkordant zur Metaanalyse sind:

Cao et al. [353] randomisierte 171 ältere (65-85 Jahre) Patienten mit laparoskopischer onkologischer Gastrektomie. Die postoperative Krankenhausverweildauer war kürzer im mPOM-Arm (11 (7-11) vs 13 (8-20) Tage, p<0,001). Zudem ergaben sich weniger Major-Morbidität, ein schnellerer Kostaufbau und ein geringerer CRP-Wert nach mPOM.

Swaminathan et al. [354] schlossen 58 Patienten mit elektiver offener Gastrektomie bei Magenkarzinom ein. Auch hier war die postoperative Krankenhausverweildauer (primärer Endpunkt) kürzer in der mPOM Gruppe (11 vs 13 Tage, p=0,003). Zudem ergaben sich Hinweise auf eine bessere respiratorische Funktion im mPOM-Arm am zweiten postoperativen Tag.

Die hochwertigste der aktuellen Studien ist die Multicenter- RCT von Tian et al. [355], die 400 Patienten mit Magenkarzinom und geplanter laparoskopischer distaler Gastrektomie rekrutieren konnte. Im mPOM-Arm ergab sich ein kürzerer stationärer Aufenthalt (7,27 vs 8,85 Tage), eine kürzere Zeit bis zur ersten Flatulenz (2,52 vs 3,37 Tage), bis zum Trinken von Flüssigkeiten (1,13 vs 3,09 Tage), bis zur Mobilisation (1,38 vs 2,85 Tage) sowie niedrigere Kosten (6328$ vs 6826$). Zudem begannen mPOM-Patienten früher ihre adjuvante Chemotherapie: 29 vs 32 Tage. Keine Unterschiede fanden sich in Bezug auf Komplikationen, Wiederaufnahmerate und Mortalität. Limitierend war die Selektion durch Ausschluss von Patienten mit neoadjuvanter Therapie und/oder relevanten Komorbiditäten.

Auch wenn Tian et al. den Beginn der adjuvanten Chemotherapie untersuchten, so fehlen in dieser ansonsten qualitativ hochwertigen RCT dennoch Endpunkte, die das onkologische Langzeit-Ergebnis abbilden. Hierzu liegen lediglich zwei retrospektive Kohortenstudien aus China von Yang et al. [356] und Tian et al [357] aus dem Jahr 2020 vor. Yang et al. analysierten die Langzeitdaten von 1042 Patienten, die eine onkologische Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie zwischen 2007 und 2012 an ihrer Institution erhalten hatten. Die mPOM-Kohorte hatte ein besseres 5-Jahres-Gesamtüberleben als die Kontrollen (73 vs 66%). Die Subgruppenanalyse nach UICC-Stadien zeigte, dass dieser Vorteil für die Stadien II und III ebenfalls war, nicht jedoch im Stadium I. Konkordante Ergebnisse brachte auch die Studie von Tian et al.

 

Forschungsfrage

Die vorhandene Evidenz lässt einen relevanten Mangel an Daten zum Effekt eines von mPOM hinsichtlich onkologischer Endpunkte erkennen. Die Multicenter-RCT von Tian et al. [355] untersucht lediglich den Endpunkt „Beginn der adjuvanten Chemotherapie“, was allenfalls als Surrogat-Parameter für das onkologische Ergebnis gelten kann. Ansonsten gibt es keine Evidenz aus randomisiert-kontrollierten Studien, welche den Effekt von mPOM auf das onkologische Ergebnis untersucht. Auch hinsichtlich des Effekts von mPOM auf die Lebensqualität fehlt es an Evidenz.

8.1.3 Pankreasresektionen

8.3 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Eine onkologische Pankreasresektion sollte im Rahmen eines multimodalen perioperativen Managementkonzepts erfolgen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel

Anwendung eines mPOM-Protokolls vs. traditionelle perioperative Behandlung - Evidenz aus der Metaanalyse von Kümmerli et al.


⊕⊝⊝⊝

Gesamtmorbidität durch mPOM gesenkt (RD [risk difference] 0,96; 95% KI 0,92 bis 0,99)


⊕⊝⊝⊝

Operative Revision: Kein Unterschied (RD 1,00; 95% KI 0,98 bis 1,02)


⊕⊝⊝⊝

Postoperative Pankreasfistel (POPF): Kein Effekt (RD 0,99; 95% KI 0,97 bis 1,02)


⊕⊝⊝⊝

Postoperative Krankenhausverweildauer durch mPOM verkürzt (MD -2,33 Tage; 95% KI -2,98 bis -1,69)


⊕⊝⊝⊝

Verzögerte Magenentleerung mit mPOM seltener (RD 0,89; 95% KI 0,80 bis 0,99)


⊕⊝⊝⊝

Mortalität: Kein Effekt (RD 1,00; 95% KI 0,99 bis 1,01)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[358]
Evidenztabellen (4)8.3 Evidenztabelle SR Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Pankreas; 8.3 Evidenztabelle RCT Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Pankreas; 8.3 SoF-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Pankreas; 8.1 Pankreas_EtD

Die Metaanalyse von Kümmerli et al. [358] schloss 31 Studien mit insgesamt 3108 Patienten ein, welche vor August 2020 publiziert wurden. Für 17 der 31 komparativen Studien waren individuelle Patientendaten (IPD) verfügbar. Unter allen Studien finden sich jedoch nur 5 RCTs. Die restlichen Studien waren Beobachtungsstudien, was eine deutliche Minderung des Vertrauens in die Evidenz zur Folge hat. Zudem waren die RCTs überwiegend Fallzahl-schwach. Mit Ausnahme einer RCT enthielten die Interventionsarme im Schnitt nur 49 (37-83) Patienten. Trotz der genannten Schwächen stellt diese Metaanalyse die bestverfügbare Evidenz dar. Die Ergebnisse der Metaanalyse deuten darauf hin, dass mPOM zu einer Reduktion der Gesamtmorbidität, zu einem kürzeren stationären Aufenthalt und zu einer Senkung der Rate an verzögerter Magenentleerung führt. Hinsichtlich Mortalität, Nachblutung, pulmonalen Komplikationen und Wiederaufnahmerate konnten keine Unterschiede zwischen mPOM und dem traditionellen perioperativen Management assoziiert werden.

Nach Erscheinen der Metaanalyse von Kümmerli wurden noch keine weiteren relevanten RCTs publiziert. Die Daten der drei aktuellsten RCTs von Hwang [359], Takagi [360] und Kapritsou [361] aus den Jahren 2019 und 2020 sind bereits in die Metaanalyse von Kümmerli eingeflossen.

Die von Kümmerli nicht analysierten Endpunkte Lebensqualität und Kosten wurden nur von Takagi untersucht. In der 2019 publizierten monozentrischen RCT aus Japan mit 74 Patienten, die sich zwischen 2014 und 2016 aufgrund von maligner oder benigner Indikation einer Pankreatoduodenektomie unterzogen, ergab sich eine bessere Lebensqualität (erhoben mittels QoR-40 Fragebogen) im Rahmen von mPOM. Bezüglich der Kosten fand sich kein Unterschied (25.445 vs 28.384 $).

Zum Effekt von mPOM auf das onkologische Ergebnis liegen bisher keine randomisiert-kontrollierten Studien vor. Die beste verfügbare Evidenz stammt aus einer US-amerikanischen prospektiven Kohortenstudie aus dem Jahr 2020: Passeri et al. [362] verglichen die onkologischen Langzeitergebnisse von 86 mPOM-Patienten mit 86 Kontrollen, wobei sich das 2-Jahres-Gesamtüberleben bzw. das 2-Jahres-Krankheitsfreie-Überleben nach Pankreatoduodenektomie zwischen den Kohorten nicht unterschied.

Forschungsfrage

Die vorhandene Evidenz lässt einen Mangel an hochwertigen Daten zum Effekt von mPOM hinsichtlich onkologischer Endpunkte sowie hinsichtlich Lebensqualität und Kosten erkennen. Ergebnisse zur Lebensqualität und den Kosten finden sich lediglich in der monozentrischen RCT von Takagi et al. [360], wobei das Vertrauen in den Effektschätzer durch die kleine Fallzahl eingeschränkt ist.

8.1.4 Leberresektionen

8.4 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Eine onkologische Leberresektion sollte eingebettet in ein multimodales perioperatives Managementkonzept (mPOM) stattfinden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel

Anwendung eines mPOM-Protokolls vs. traditionelle perioperative Behandlung - Evidenz aus der Metaanalyse von Noba et al.


⊕⊕⊝⊝

Mortalität: Kein Effekt (RR 0,98; 95% KI 0,06 bis 15,17)


⊕⊕⊝⊝

Gesamtmorbidität: mPOM geht mit weniger Komplikationen einher (RR 0,58; 95% KI 0,48 bis 0,72)


⊕⊝⊝⊝

Postoperative Krankenhausverweildauer: mPOM führt zu einer kürzeren postoperativen Krankenhausverweildauer (MD -3,18 Tage; 95% KI -3,97 bis -2,38)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[363]
Evidenztabellen (4)8.4 Evidenztabelle RCT Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Leber; 8.4 Evidenztabelle SR Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Leber; 8.4 SoF-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Leber; 8.4 EtD-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Leber

Die Metaanalyse von Noba et al. [363] poolt die Daten aus 6 RCTs mit insgesamt 803 Patienten, welche zwischen 2008 und März 2019 publiziert wurden. Die Aussagekraft der Ergebnisse der Metaanalyse werden durch folgende Faktoren limitiert: 5 der 6 eingeschossenen Studien stammen aus dem ostasiatischen Raum (ggf. eingeschränkte Übertragbarkeit auf europäische Patientenpopulationen), in die Studie wurden sowohl Resektionen aufgrund maligner als auch benigner Erkrankungen eingeschlossen und es lag eine relevante Heterogenität bezüglich der Ergebnisse zur Komplikationsrate (I²=54%) als auch zur postoperativen Krankenhausverweildauer vor (I²= 98%). Trotz der genannten Limitationen stellt diese Metaanalyse die bestverfügbare Evidenz dar. Die Ergebnisse der Metaanalyse zeigten, dass mPOM zu einer Senkung der Komplikationsrate und zu einem kürzeren postoperativen Krankenhausaufenthalt als ein konventionelles perioperatives Behandlungsregime führt. Ein Effekt auf die Mortalität ließ sich nicht nachweisen.

Nach Erscheinen der Metaanalyse von Noba wurden noch drei weitere relevante RCTs in den Jahren 2020 und 2021 publiziert, die sämtlich in den Effekten konkordant zur Metaanalyse sind:

Kang et al. [364] haben 250 Patienten mit partieller Leberresektion oder Hemihepatektomie randomisiert. Die postoperative Krankenhausverweildauer war im mPOM-Arm verkürzt (8 Tage [6 bis 10] vs 9 Tage [7 bis 11]; p=0,022). Zudem traten im mPOM-Arm häufiger keine Komplikationen auf (72% vs 52%; p=0,001). Bezüglich Komplikationen Clavien-Dindo >I, Mortalität und Wiederaufnahmerate waren keine statistischen Unterschiede nachweisbar.

Nakanish et al. [365] haben lediglich 57 Patienten in einem Zeitraum von knapp 3 Jahren randomisiert. In diesem kleinen Kollektiv zeigte sich nur bezüglich des Zeitpunktes des ersten Flatus und der ersten Defäkation ein Vorteil für mPOM. In allen weiteren Endpunkten (Zeit bis Patienten als entlassfähig eingeschätzt wurden, Krankenhausverweildauer, Mortalität, Morbidität Clavien-Dindo ≥ 3, Mortalität, erstes Gehen und Freiheit von Infusionen) konnte kein Unterschied herausgearbeitet werden.

Jones et al. [366] schlossen 91 Patienten mit elektiver offener Leberresektion ein. In dieser Studie wurden nur Endpunkte untersucht, die in der Metaanalyse nicht abgedeckt wurden. Zum einen führte mPOM zu im Median geringeren Gesamtkosten (£9538 vs £14793). Eine statistische Auswertung zu diesen Daten liegt jedoch nicht vor. Zum anderen wurde im mPOM-Arm nach 2 Jahren ein Überlebensvorteil nachgewiesen (91% vs 73%, p=0,03), welcher nach 1 und 5 Jahren allerdings nicht nachweisbar war.

Zum onkologischen Outcome liegen keine Daten aus randomisiert-kontrollierten Studien vor. Day et al. [367] haben in einer prospektiven Kohortenstudie 118 Patienten mit Leberresektionen ausgewertet. Einer der Endpunkte war die Initiierung einer notwendigen adjuvanten Chemotherapie. Im mPOM-Arm benötigten 38 Patienten eine adjuvante Chemotherapie, im Arm mit traditioneller perioperativer Therapie 24 Patienten. Die Patienten im mPOM-Arm waren häufiger (96 % vs 87 %) und schneller (45 vs 60 Tage) in der Lage, mit der adjuvanten Therapie zu beginnen. Langzeitüberlebensdaten fehlen in dieser Studie allerdings gänzlich. 

Forschungsfrage

Die vorhandene Evidenz lässt einen relevanten Mangel an Daten zum Effekt eines mPOM hinsichtlich onkologischer Endpunkte erkennen. Auch hinsichtlich des Effekts von mPOM auf die Lebensqualität fehlt es an Evidenz.

8.1.5 Kolorektale Resektionen

8.5 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Eine kolorektale Resektion soll eingebettet in ein multimodales perioperatives Managementkonzept (mPOM) stattfinden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Anwendung eines mPOM-Protokolls vs. traditionelle perioperative Behandlung - Evidenz aus zwei Metaanalysen


⊕⊕⊝⊝

Mortalität: Kein Effekt (RR 0,89; 95% KI 0,34 bis 2,3 bzw. Greer et al.: OR 1,79; 95% KI 0,81 bis 3,95)


⊕⊕⊝⊝

Komplikationen: Weniger mit mPOM (RR 0,59; 95% KI 0,40 bis 0,86 bzw. Greer et al.: RR 0,66; 95% KI 0,54 bis 0,80)


⊕⊕⊕⊝

Zeit bis zum ersten Flatus: Mit mPOM kürzer (MD -12,18 Stunden; 95% KI -16,69 bis -7,67)


⊕⊕⊕⊝

Zeit bis zum ersten Stuhlgang: Mit mPOM verkürzt (MD -32,93 Stunden; 95% KI -45,36 bis -20,5)


⊕⊕⊝⊝

Wundinfektionen: Kein Effekt (RR 0,75; 95% KI 0,52 bis 1,07)


⊕⊕⊕⊝

Postoperative Krankenhausverweildauer: mPOM verkürzt (MD -2,0 Tage; 95% KI -2,52 bis –1,48 bzw. MD -2,59 Tage; 95% KI -3,22 bis -1,97)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[368] [369]
Evidenztabellen (4)8.5 Evidenztabelle RCT Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Kolorektum; 8.5 Evidenztabelle SR Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Kolorektum; 8.5 SoF-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Kolorektum; 8.1 Kolorektum_EtD

Die Metaanalyse von Ni et al. [368] poolt die Daten aus 13 RCTs mit insgesamt 1298 onkologischen Patienten. Die Aussagekraft der Ergebnisse der Metaanalyse werden durch folgende Faktoren limitiert: 3 der eingeschlossenen RCTs haben ausschließlich Rektumresektionen ausgewertet, die übrigen 10 kolorektale Resektionen gemischt. Die Metaanalyse hat sich zudem ausschließlich auf laparoskopische Eingriffe konzentriert. Darüber hinaus lag eine relevante Heterogenität bezüglich der Ergebnisse zur Wiederaufnahme der Darmtätigkeit (I²=92% bzw. 96%), der Komplikationsrate (I²=57%) und der postoperativen Krankenhausverweildauer (I²=95%) vor. Trotz der genannten Limitationen stellt diese Metaanalyse die bestverfügbare Evidenz dar. Die Ergebnisse der Metaanalyse legen nahe, dass mPOM im Vergleich zu einem konventionellen perioperativen Behandlungsregime zu einer Reduktion von Komplikationen, zu einer kürzeren postoperativen Krankenhausverweildauer und zu einer rascheren Wiederaufnahme der Darmtätigkeit führt. Die Mortalität wird durch mPOM nicht verändert.

Die zweite vorliegende aktuelle Metaanalyse guter Qualität von Greer et al. [369] (sowie ausführlich unter https://www.hsrd.research.va.gov/publications/esp/eras.cfm), in der 20 RCTs und 4 kontrollierte klinische Studien mit 3787 Patienten gepoolt wurden, hat sowohl Studien mit laparoskopischen als auch offenen kolorektalen Resektionen eingeschlossen. Es wurden sowohl onkologische als auch benigne Erkrankungen gemischt. Auch in dieser Metaanalyse hat mPOM im Vergleich zu einem konventionellen perioperativen Behandlungsregime zu einer Reduktion der Gesamtmorbidität und zu einer relevant kürzeren postoperativen Krankenhausverweildauer geführt. Mortalität und Wundinfektionsrate waren vergleichbar.

Nach Erscheinen der Metaanalyse von Ni wurden noch 7 weitere relevante RCTs von 2019 bis 2021 publiziert, die sämtlich in den Effekten konkordant zu den beiden Metaanalysen sind. Im Folgenden werden die 4 Studien mit einer Kohortengröße > 100 dargestellt:

Li et al. [370] haben 200 Patienten mit elektiver laparoskopischer kolorektaler Resektion aufgrund eines Karzinoms randomisiert. Es wurden allerdings nur Patienten zwischen 55 und 65 Jahren eingeschlossen. Die postoperative Komplikationsrate war im mPOM-Arm geringer (12% vs 25%; p=0,028). Auch in dieser Studie führte mPOM zu einem rascheren Einsetzen der Darmtätigkeit (definiert als erste Defäkation postoperativ; Mittelwert 60±17 Stunden vs 69±16 Stunden; p=0,0001). Zudem wurden die Patienten im mPOM-Arm rascher extubiert. Die Laborparameter Albumin und Gesamteiweiß waren im mPOM-Arm am 7. postoperativen Tag höher.

De Queiroz et al. [371] randomisierten 161 Patienten mit elektiver laparoskopischer kolorektaler Resektion. Die Krankenhausverweildauer war kürzer im mPOM-Arm (Median 3,0 Tage vs 5,0 Tage, p<0,0001). Zudem setzte die Darmtätigkeit (definiert als Fähigkeit zum Flatus) im mPOM-Arm schneller ein (65% vs 35% am ersten postoperativen Tag, p=0,002). Auch war die Toleranz fester Nahrung im mPOM-Arm früher möglich und der Schmerzmittelverbrauch geringer.

Ng et al. [372] haben 150 Patienten zwischen 18 und 80 Jahren mit einem Kolon- oder hohen Rektumkarzinom randomisiert. Im mPOM-Arm ergab sich ein kürzerer postoperativer stationärer Aufenthalt (4 [2-24] Tage vs 5,5 [4-59] Tage, p<0,001), geringere Schmerzen, eine verbesserte Lebensqualität, die frühere Toleranz fester Nahrung, ein rascheres Wiedereinsetzen der Darmtätigkeit und der Möglichkeit selbstständig zu Gehen. Keinen signifikanten Effekt fanden sich in Bezug auf Komplikationen (p=0,051), Wiederaufnahmerate, Mortalität sowie Kosten.

Osterman et al. [373] haben 150 Patienten ≥ 70 Jahren mit geplanter offener oder laparoskopischer kolorektaler Resektion (maligne und benigne) randomisiert. MPOM führte in dieser Kohorte zu einer Reduktion der Gesamtmorbidität (35 % vs 65 %, p=0,0003), der infektiösen Komplikationen, dem Auftreten von Anastomoseninsuffizienzen und der Krankenhausverweildauer (7 vs 12 Tage, p=0,003).

Zum Effekt von mPOM auf das onkologische Ergebnis liegen bisher keine randomisiert-kontrollierten Studien vor. Eine prospektive Kohortenstudie von Lohsiriwat [374] hat 2014 kolorektale Resektionen, die im Notfall-Setting durchgeführt wurden, miteinander verglichen (mPOM 20 Patienten vs 40 Patienten mit traditionellem perioperativem Management). Bei den Patienten im mPOM-Arm konnte eine notwendige adjuvante Therapie signifikant schneller initiiert werden (37 vs 49 Tage, p=0,009). Aus der gleichen Arbeitsgruppe stammt eine ebenfalls prospektive Kohortenstudie aus dem Jahr 2021 [375], die onkologisches Langzeitüberleben bei 359 Patienten untersucht hat. Das 5-Jahres-Überleben war im mPOM-Arm 80,3 % versus 65,6 % bei traditionellem Management. mPOM war im UICC-Stadium III mit einem besseren 5-Jahres-Überleben vergesellschaftet (73% vs 57%, p=0,041). In den Stadien I und II ließ sich dieser Effekt jedoch nicht nachweisen. In einer Subgruppenanalyse der UICC-Stadium III Patienten war das 5-Jahres-Überleben im mPOM-Arm bei Rektumkarzinomen verbessert (68,8% vs 48,7%; p=0,035), nicht jedoch beim Kolonkarzinom. Eine schwedische Kohortenstudie an 911 konsekutiven Patienten [18] war mit einer besseren Adhärenz zu mPOM-Maßnahmen mit dem 5-Jahres krebsspezifischen Überleben assoziiert (HR 0,58; 95% KI 0,39 bis 0,88). Ganz ähnliche Ergebnisse zeigte auch eine polnische Kohortenstudie [20]. 

Forschungsfrage

Die vorhandene Evidenz lässt einen relevanten Mangel an Daten zum Effekt eines von mPOM hinsichtlich onkologischer Endpunkte erkennen. Auch hinsichtlich des Effekts von mPOM auf die Lebensqualität fehlt es an Evidenz.

8.2 Perioperative Begleitung durch auf perioperative Interventionen spezialisierte Fachkräfte

8.6 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Perioperativ können Patienten, die sich einer kolorektalen Resektion im Kontext eines multimodalen perioperativen Managementkonzepts (mPOM) unterziehen, durch eine auf perioperative Interventionen spezialisierte Fachkraft begleitet werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel

mPOM mit perioperativer Begleitung durch eine auf perioperative Interventionen spezialisierte Fachkraft vs. mPOM ohne Begleitung durch eine spezialisierte Fachkraft - Evidenz aus der RCT von Forsmo et al.


⊕⊕⊝⊝

Mortalität: Kein Effekt (0/80 im Arm mit spezialisierter Fachkraft vs 2/84 im Kontrollarm, p=0,17)


⊕⊕⊕⊝

Gesamtmorbidität: Kein Effekt (29/80 im Arm mit spezialisierter Fachkraft vs 37/84 im Kontrollarm, p=0,31) Ebenfalls keine Unterschiede bei der Einzelbetrachtung von Major- (Anastomoseninsuffizienz, Ileus/Nachblutung mit Reoperationsbedarf, Multiorganversagen) und Minor-Komplikationen (Wundinfekt, Pneumonie, Darmatonie, Pleuraerguss, Lungenembolie, Harnwegsinfekt etc.).


⊕⊕⊕⊝

Postoperative Krankenhausverweildauer: Verkürzung durch den Einsatz einer spezialisierten Fachkraft (5 (2-24) Tage vs 7 (2-35) Tage)

Konsens
Konsens
Literatur
[84]
Evidenztabellen (3)8.6 Evidenztabelle Perioperative Begleitung durch auf perioperative Interventionen spezialisierte Fachkräfte – Kolorektum; 8.6 SoF-Tabelle Perioperative Begleitung durch auf perioperative Interventionen spezialisierte Fachkräfte – Kolorektum; 8.2 Spezialisierte Pflegekraft_EtD
8.7 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Für Patienten, die sich einer nicht-kolorektalen viszeralonkologischen Resektion im Kontext eines multimodalen perioperativen Managementkonzepts unterziehen, kann die Betreuung durch eine auf perioperative Interventionen spezialisierte Fachkraft erwogen werden.

Konsens
Starker Konsens

Zur Fragestellung nach dem Stellenwert der Begleitung der mPOM-Patienten durch eine spezialisierte Fachkraft liegt bisher nur eine monozentrische RCT von Forsmo et al. [84] aus Bergen, Norwegen, vor.

Untersucht wurde, inwieweit der Einsatz einer spezialisierten Fachkraft im Kontext eines multimodalen perioperativen Managementkonzepts einen Zusatznutzen bringt im Vergleich zu mPOM ohne spezialisierte Fachkraft. Primärer Endpunkt der RCT war die totale Krankenhausverweildauer (Summe des primären stationären Aufenthalts plus etwaige stationäre Tage nach Wiederaufnahme aufgrund von Komplikationen). Sekundäre Endpunkte waren postoperative Komplikationen, Reoperationsrate und Mortalität. Insgesamt wurden binnen 1,5 Jahren Rekrutierungsdauer (03/2015-12/2016) 164 Patienten mit geplanter laparoskopischer oder offener elektiver kolorektaler OP bei benigner oder maligner Grunderkrankung randomisiert.

Die postoperative Krankenhausverweildauer und auch die totale Krankenhausverweildauer waren kürzer im Arm, der von einer spezialisierten Fachkraft perioperativ begleitet wurde. Zudem zeigten sich eine höhere Adhärenz und Compliance hinsichtlich der Kernelemente von mPOM: eine frühere Mobilisation, eine rascher begonnene orale Kostzufuhr, eine schneller erlangte Schmerzkontrolle durch orale Analgetika sowie ein früher erfolgter erster Stuhlgang. Hinsichtlich postoperativer Komplikationen, Reoperationsrate, Wiederaufnahmerate und 30-Tage-Mortalität ergaben sich hingegen keinerlei Unterschiede zwischen den beiden Armen.

Auch wenn die RCT von Forsmo et al., abgesehen von fehlender Verblindung, monozentrischem Setting und eher geringer Fallzahl, methodisch hochwertig ist, so bleibt die Evidenzgrundlage für eine Empfehlung mangels weiterer Studien sehr schwach.

Zu anderen Organ-Entitäten (Ösophagus, Magen, Leber und Pankreas) kann bei fehlender Evidenz keine Empfehlung abgegeben werden.

Die vorhandene Evidenz lässt keinerlei Schlüsse zum Effekt einer perioperativen Begleitung des Patienten durch eine spezialisierte Fachkraft im mPOM-Kontext auf onkologische Endpunkte sowie auch auf die Lebensqualität zu.

Evidenztabellen

8.1 Evidenztabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Ösophagus

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Triantafyllou (2020) Enhanced recovery pathways vs standard care pathways in esophageal cancer surgery: systematic review and meta-analysis. Esophagus

[350]

RCTs + prospective comparative NRS

01/1990-09/2019

MEDLINE, Embase, PubMed, Cochrane Library

 

Inclusion: studies comparing ERAS vs. standard care after esophagectomy, sample size >/= 30 patients, at least reporting of 3 predefined outcomes

 

Exclusion: non-comparative design, technical report, editorial, conference abstract etc., not in English

ERAS vs. standard care

Anastomotic leak rate and overall morbidity

LOS, time to first flatus and defecation, cardiopulmonary complications, readmission rate, procedure cost, mortality

Anastomotic leak rate (7 Studien) OR 0.60, 95%CI 0.37-0.99, p 0.04, favours ERAS

 

overall morbidity (6 Studien) OR 0.68, 95%CI 0.49-0.96, p 0.03, favours ERAS

 

2ndary outcomes:

 

LOS (8 Studien) MD -1.92 95%CI -2.78-1.06, p<0.0001, favours ERAS

 

time to first defecation (2 Studien) MD -1.36 95%CI -1.78-0.94, p<0.00001, favours ERAS

 

cardiopulmonary complications (5 Studien) MD 1.11 95%CI 0.57-2.13, p=0.76

 

readmission rate (6 Studien) MD 1.03 95%CI 0.58-1.80, p=0.93

 

procedure cost (2 Studien) MD -1.62 95%CI -2.24—1.01, p<0.00001, favours ERAS

 

Mortality (5 Studien) MD 1.33 95%CI 0.48-3.70, p=0.59

 

Keine Verblindung

Einschluss von Beobachtungsstudien (erhöhtes Biasrisiko)

 

AMSTAR2 9 von 16 (POMGAT Score 7 von 10)

 

RoB assessment erfolgt

Li 2012

Cao 2013

Blom 2013

Zhao 2014

Ford 2014

Wang 2015

Chen 2016

Li 2017

 

8.1 SoF-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Ösophagus

Endpunkte

Risiko mit traditionellem perioperativen Regime

Risiko mit mPOM

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Mortalität
Nachbeobachtung: 30 Tage

17 pro 1.000

22 pro 1.000
(8 bis 61)

OR 1.33
(0.48 bis 3.77)

775
(2 RCTs, 3 Beobachtungsstudien)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,b

Kritisch

Gesamtmorbidität
Nachbeobachtung: 30 Tage

333 pro 1.000

254 pro 1.000
(197 bis 324)

OR 0.68
(0.49 bis 0.96)

907
(3 RCTs, 3 Beobachtungsstudien)

⨁⨁◯◯
niedrig

Kritisch

Anastomoseninsuffizienz
Nachbeobachtung: 30 Tage

92 pro 1.000

58 pro 1.000
(36 bis 92)

OR 0.60
(0.37 bis 0.99)

953
(3 RCTs, 4 Beobachtungsstudien)

⨁◯◯◯
Sehr niedrig

Kritisch

Postoperative Krankenhausverweildauer

-

SMD 1.92 SD weniger
(2.78 weniger bis 1.06 weniger )

-

1133
(4 RCTs, 4 Beobachtungsstudien)

⨁⨁⨁◯
Moderat

Wichtig

Kosten

-

SMD 1.62 SD weniger
(2.24 weniger bis 1.01 weniger )

-

328
(2 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Zeitraum bis zum ersten Stuhlgang
Nachbeobachtung: 14 Tage

SMD 1.36 SD weniger
(1.78 weniger bis 0.94 weniger )

-

248
(2 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Gering

Kardiale Komplikationen
Nachbeobachtung: 30 Tage

50 pro 1.000

55 pro 1.000
(29 bis 101)

OR 1.11
(0.57 bis 2.13)

726
(3 RCTs, 2 Beobachtungsstudien)

⨁⨁⨁◯
Moderatb

Wichtig

Pulmonale Komplikationen
Nachbeobachtung: 30 Tage

219 pro 1.000

112 pro 1.000
(80 bis 154)

OR 0.45
(0.31 bis 0.65)

1017
(4 RCTs, 3 Beobachtungsstudien)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; OR: odds ratio; SMD: standardised mean difference

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. RoB nicht ganz klar; in die Analyse flossen die Daten aus 2 RCTs und 3 NRS ein.

b. Heterogene Ergebnisse.

c. CAVE: das Systematic review poolt hier Daten aus NRS und RCTs. Da man nur 1 Design auswählen kann, habe ich "cohort studies" ausgewählt, da diese >/= 50% der einbezogenen Studien ausmachen. Durch den Anteil der Kohortenstudien ist der RoB als beträchtlich einzuschätzen, insbesondere aufgrund von Selektionsbias.

d. Die Daten stammen zwar nur aus 2 RCTs, allerdings sollte hier kein erhöhtes Risiko für Bias vorhanden sein.

e. Hier werden 5 Studien gepoolt, 2 NRS und 3 RCTs. Da immerhin 3 RCTs enthalten sind, also die Mehrheit der Studien, ist der Risk of Bias als nicht schwerwiegend einzuschätzen.

f. Hier werden 7 Studien gepoolt, darunter immerhin 4 RCTs, somit kein schwerwiegendes Bias-Risiko vorhanden. Da die Mehrheit der Studien RCTs sind und nur ein Design auswählbar ist, habe ich RCTs angeklickt.

 

8.1 EtD-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Ösophagus

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Ein mPOM führt zu einer Senkung bzw. Verkürzung folgender Outcomes gegenüber einem konventionellen perioperativen Behandlungsregime: Dauer des Krankenhausaufenthaltes, Gesamtmorbidität, pulmonale Infekte, Anastomoseninsuffizienzrate, Dauer bis zur ersten Flatulenz bzw. bis zum ersten Stuhlgang sowie Kosten.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Es ergaben sich keine Hinweise auf einen möglichen Schaden durch mPOM im Vergleich zum traditionellen Behandlungskonzept.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz zum Vergleich des konventionellen perioperativen Behandlungsregime versus mPOM ist hinsichtlich des Endpunktes Kosten, Zeit bis zur ersten Flatulenz/ bis zum ersten Stuhlgang sowie bzgl. pulmonaler Komplikationen hoch (++++) und bezüglich stationärer Verweildauer und kardialer Komplikationen moderat (+++). Hinsichtlich der Endpunkte Mortalität, Morbidität und Anastomoseninsiffizienzrate ist das Vertrauen in den Effektschätzer niedrig (+).

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Da mPOM bereits seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich untersucht und diskutiert wird und mPOM zunehmend auch in der klinischen Praxis implementiert werden, ist eher nicht zu erwarten, dass bestimmte Patientengruppen oder an der Umsetzung Beteiligte sich gegen die ausgesprochene Empfehlung richten oder eine andere Behandlungspräferenz zum Ausdruck bringen werden.

Expertenbewertung

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

mPOM hat sich als Ressourcen-sparend und kosteneffizient bewiesen. Da pulmonale Komplikationen, Gesamtmorbidität, Anastomoseninsuffizienzrate und die Liegedauer reduziert werden können, werden auch die Kosten signifikant gesenkt. Somit resultiert ein Kosten-Nutzen-Verhältnis, das die Anwendung von mPOM unterstützt.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Eine onkologische Ösophagusresektion sollte eingebettet in ein mPOM stattfinden.

 

8.2 Evidenztabelle SR Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Magen

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Changsheng (2019) Application of enhanced recovery after surgery (ERAS) protocol in radical gastrectomy: a systematic review and meta-analysis Postgrad Med J

[352]

 

RCTs; Bis 02/2019; EMBASE, PubMed, Cochrane Library, Qanfang database

 

Inclusion criteria: RCT, patients undergoing radical gastrectomy for gastric adenocarcinoma; ERAS application

Anwendung eines ERAS Protokolls vs. traditioneller periop. Behandlung

Anastomotic leak, readmission; postop hospitalisation time; first passage time of defecation and flatus; medical cost; (not relevant for the POMGAT guideline: CRP; IL-6; albumin)

Anastomotic leak (4 RCTs): RR 0.87, 95% CI 0.35 to 2.15; p=0.77; readmission (5 RCTs): RR 3.14, 95%CI 1.37 to 7.17, p=0.007); postop hospitalisation time (15 RCTs): MD -1.85, 95% CI -2.27 to 1.43, p<0.00001; first passage time of defecation and flatus (4 bzw. 12 RCTs): MD -27.55 bzw. -14.36, 95% CI 47.56 to 7.46 bzw. -18.63 to 10.08, p=0.007 bzw. <0.00001; medical cost (9 RCTs): MD -548.02, 95% CI -760.80 to 335.23, p<0.00001

(CRP; IL-6; albumin: no significant diff)

Nur 2 high quality RCTs

Keine Verblindung

Alle Studien stammten aus Ostasien

Signifikante Heterogenität der Ergebnisse z.B. bzgl. first passage time of defecation and flatus und medical cost

 

AMSTAR2: 10 von 16

 

RoB assessment erfolgt

Wang 2010

Liu 2010

Hu 2012 (open)

Hu 2012 (lap)

Kim 2012

Feng 2013

Bu 2015 (adult)

Bu 2015 (elder)

Abdikarim 2015

Li 2016

Xia 2016

Liu 2016 (lap)

Liu 2016 (open)

Kang 2018

Zang 2018

 

8.2 Evidenztabelle RCT Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Magen

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

Aoyama (2019 Equivalent feasibility and safety of perioperative care by ERAS in open and laparoscopy assisted distal gastrectomy for gastric cancer: a single institution ancillary study using the patient cohort enrolled in the JCOG0912 phase III trial. Gastric Cancer

 

Single institution exploratory analysis of the multicenter phase III JCOG0912 trial (= retrospective analysis of data from an RCT)

 

[Aoyama, T et al. 2019]

163 Patienten

03/2010-11/2013

 

Age, median: 63 (laparoscopic arm) vs. 67 (conventional arm) (ns)

 

Comorbidity:

Hypertension 35/81 vs. 27/82 (ns)

Diabetes mellitus 6/81 vs. 4/82 (ns)

COPD 7/81 vs. 8/82 (ns)

 

Inclusion: patients registered to JCOG RCT from the Kanagawa Cancer Center undergoing either open or lap distal gastrectomy for gastric cancer

 

 

 

ERAS in the context of lap distal gastrectomy

 

 

ERAS in the context of open distal gastrectomy

 

Letztlich keine klare Outcome-Definition.

Es werden u.a. untersucht: Komplettierung des ERAS-Pfades bzw. der items, Schmerzmedikation, Verweildauer, Morbidität, Mortalität

 

Es finden sich keine signifikanten Unterschiede, woraus die Autoren die gleich(wertig)e Machbarkeit und Sicherheit von ERAS sowohl für lap. als auch offene onkologische Magenresektionen schlussfolgern

RoB2tool: some concerns

 

Schwächen: kleine Population, retrospective Analyse von Daten aus früherer RCT, eigentlich werden nur die Machbarkeit und Sicherheit von ERAS im lap. vs. offenen Kontext verglichen, also kein Vergleich von ERAS vs. traditionelle Behandlung, somit eigentlich nicht ganz adäquat für unsere Leitlinienfragestellung

 

Die Autoren negieren zwar einen COI, allerdings wurde die JCOG RCT finanziell u.a. von Takeda unterstützt…

Cao (2020) Enhanced Recovery After Surgery in Elderly Gastric Cancer Patients Undergoing Laparoscopic Total Gastrectomy. Journal of Surgical Research

 

RCT

 

[353]

171 Patienten

01/2014-12/2018

 

Einschluss: Alter 65-85 J., histolog. Gesicherters Magenkarzinom, keine Fernmetastasen, geplante lap.-assistierte Gastrektomie

ERAS

Conventional care

Postop. LOS war signifikant kürzer in der ERAS Gruppe (11 (7-11) vs. 13 (8-20) Tage, p<0,001)

 

Weniger >/= IIIa Morbidität in der ERAS Gruppe sowie schnellerer Kostaufbau, geringeres CRP und erhöhte HLA-DR Expression nach ERAS

 

Keine Unterschiede bzgl. Mortalität, Gesamt und >II Morbidität, Wiederaufnahmerate und Revisionen

RoB2Tool: some concerns

 

Limitationen: monozentrisch, keine strikte Verblindung, keine Langzeit-Outcomes

Chen (2019) Three Nurse-administered Protocols Reduce Nutritional Decline and Frailty in Older Gastrointestinal Surgery Patients. J Am Med Dir Assoc.

 

Cluster RCT

 

[Chia-Hui Chen, C et al. 2019]

N=377

Rekrutierungszeitraum nicht angegeben

 

Einschluss: >/=65 Jahre, elektiver GI Eingriff mit erwarteter Verweildauer >6 Tage

Hospital based mHELP (3 nursing protocols: early mobilization, oral and nutritional assistance and orienting communication

Standard care

In hospital nutritional decline (body, weight, Mini Nutrional Assessment) and Fried’s frailty phenotype: less weight loss, less MNA decline, less in-hospital frailty after mHELP

 

Return of GI motility: only trends towards a faster return of motility after mHELP

RoB2tool: some concerns

 

Problematische Frailty Definition/Messung

 

Aus chirurgischer Sicht sehr heterogene Patienten: Magen, Pankreas, Ösophagus…wohl auch benigne…

 

No COI; no financial support declared…

Swaminathan (2020) ERAS protocol with respiratory prehabilitation versus conventional perioperative protocol in elective gastrectomy – a randomized controlled trial. International Journal of Surgery.

 

RCT

[354]

N=58

07/2017-03/2019

 

Einschlusskriterien: Patienten mit Magenkarzinom und geplanter elektiver offener Gastrektomie, 18-75 Jahre, = ASA III, adäquate Nieren- und Leberfunktion

 

Ausschluss: IDDM, Kontraindikation gegen thorakalen PDK, Unfähigkeit mit Atemtrainer zu üben

ERAS

Conventional perioperative pathway

Primär: LOS signifikant kürzer in der ERAS Gruppe (11 vs. 13 Tage, p=0,003)

 

Sekundäre Endpunkte: postop. geringere Abnahme der peak expiratory flow rate in der ERAS Gruppe (signifikant am 2. POD), kein Unterschiede hinsichtlich Anastomoseninsuffizienz, pulmonaler Komplikationen, SSI, PONV, sonstige Komplikationen…

Schwächen: sehr kleine Fallzahl (nur 58 Pat), monozentrisch, keine Verblindung, nur offene OPs, Fokus rein auf der pulmonalen Funktion und Erholung…

Kein COI, lediglich intramurale Förderung

RoB tool 2: some concerns

Tian (2021) Randomized Controlled Trial Comparing the Short-term Outcomes of Enhanced Recovery After Surgery and Conventional Care in Laparoscopic Distal Gastrectomy. Annals of Surgery

 

RCT

 

[355]

N=400

04/2019-05/2020

Einschluss: histologisch gesichertes T2-4aN0-3M0 Adenokarzinom des Magens

ERAS

Conventional care

Längerer stat. Aufenthalt (8,85 vs. 7,27 Tage), längere Zeit bis zur ersten Flatulenz (3,37 vs. 2,52), bis zum Trinken von Flüssigkeiten (3,09 vs. 1,13), bis zur Mobilisation (2,85 vs. 1,38) sowie höhere Kosten (6826 vs. 6328 $) in der konventionellen Gruppe

 

Zudem begannen ERAS Patienten früher ihre adjuvante CTX: 29 vs. 32 Tage

 

ERAS Patienten hatten ein signifikant niedrigeres PCT und CRP an POD 3 und höheren Hb an POD 5

 

KEINE signifikanten Unterschiede bzgl. Komplikationen, Wiederaufnahmerate, Mortalität

Auffällige viele Dropouts (30 von 400 eingeschlossenen), die dann doch keine OP erhielten, keine Verblindung, keine Patienten mit neoadjuvanter CTX oder high risk Komorbiditäten, Verwendung abdomineller Drains auch in der ERAS Gruppe (eigentlich anti-ERAS)

 

Kehlet ist Coautor!

 

Stärke: erste mcRCT zu dieser Fragestellung im Kontext lap. Gastrektomie, hohe Fallzahl

 

RoB2 tool: some concerns

Wang (2019) Impact of Enhanced Recovery after Surgery on Postoperative Rehabilitation, Inflammation, and Immunity in Gastric Carcinoma Patients: a randomized clinical trial. Brazilian Journal of Medical and Biological Research

 

RCT

 

[Wang, WK et al. 2019]

 

N=60

03-10/2016

 

Einschluss: Patienten (<75 Jahre) mit histolog. Gesichertem Magenkarzinom und geplanter radikaler Gastrektomie ohne vorige RT und/oder CTX

 

Ausschluss: Unfähigkeit zur ERAS-Compliance (Demenz, Lähmungen etc,), schwere Organdysfunktion, schwere Mangelernährung, Fernmetastasen

ERAS

Conventional care

Primärer Endpunkt: postop. Verweildauer signifikant kürzer im ERAS Arm (8,89 vs. 10,76 Tage)

 

Sekundäre E.: zudem schnellere Wiederaufnahme der Darmfunktion, schnellerer Kostaufbau, frühere Drainageentfernung, frühere Mobilisation im ERAS Arm

 

Kosten ebenfalls geringer im ERAS Arm (4800,99$ vs. 5173,89$

 

Höheres Albumin an POD 7 in der ERAS Gruppe

 

KEINE signifikanten Unterschiede bzgl. Komplikationen

 

Weitere Unterschiede hinsichtlich inflammatorischer und immunologischer Parameter…

Sehr kleine Fallzahl, monozentrisch, kurze Rekrutierungszeit von nur 7 Monaten, reichlich Ausschlusskriterien => sehr selektioniertes Patientengut, Förderung durch einen extramuralen Grant, kein COI ersichtlich

 

RoB2 tool: some concerns

 

 

8.2 EtD-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Magen

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Ein multimodales perioperatives Behandlungskonzept führt zu einer Reduktion pulmonaler Infekt, zu einem kürzeren stationären Aufenthalt, zu einer rascheren Wiederaufnahme der Darmtätigkeit und geringeren Kosten als ein konventionelles perioperatives Behandlungsregime.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Im Vergleich zum konventionellen perioperativen Behandlungsregime treten im Rahmen eines mPOM häufiger Übelkeit/Erbrechen und Magenentleerungsstörungen auf. Zudem ist die Wiederaufnahmerate im mPOM-Kontext höher.

 

Hinsichtlich chirurgischer Komplikationen wie Anastomoseninsuffizienz, Ileus und Wundinfekt ergaben sich keine Unterschiede zwischen mPOM und traditionellem Behandlungskonzept.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz zum Vergleich des konventionellen perioperativen Behandlungsregime versus mPOM ist hinsichtlich des Endpunktes stationäre Verweildauer hoch. Hinsichtlich des Endpunktes Kosten ist das Vertrauen in den Effektschätzer niedrig und hinsichtlich des Endpunktes pulmonale Infekte moderat.

 

Bezüglich weiterer relevanter Endpunkte wie Anastomoseninsuffizienz, Ileus und Wundinfekt wurde die Zuverlässigkeit der Evidenz mittels GRADE als niedrig bewertet.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Da mPOM bereits seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich untersucht und diskutiert wird und mPOM zunehmend auch in der klinischen Praxis implementiert werden, ist eher nicht zu erwarten, dass bestimmte Patientengruppen oder an der Umsetzung Beteiligte sich gegen die ausgesprochene Empfehlung richten oder eine andere Behandlungspräferenz zum Ausdruck bringen werden.

Expertenbewertung

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

mPOM hat sich als Ressourcen-sparend und kosteneffizient erwiesen. Da pulmonale Komplikationen und die Liegedauer reduziert werden können, werden auch die Kosten signifikant gesenkt. Somit resultiert ein Kosten-Nutzen-Verhältnis, das die Anwendung eines mPOM unterstützt.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Eine onkologische Magenresektion sollte eingebettet in ein mPOM stattfinden.

 

8.2 SoF-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Magen

 

Endpunkte

Risiko mit einem traditionellen perioperativen Regime

Risiko mit einem modernen perioperativen Behandlungskonzept

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Wundinfekt
nachbeobachtung: 30 Tage

41 pro 1.000

34 pro 1.000
(17 bis 67)

RR 0.83
(0.42 bis 1.62)

824
(9 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Gering

Ileus
nachbeobachtung: 30 Tage

26 pro 1.000

45 pro 1.000
(22 bis 93)

RR 1.73
(0.84 bis 3.56)

690
(7 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,c

Wichtig

Anastomoseninsuffizienz
nachbeobachtung: 30 Tage

34 pro 1.000

30 pro 1.000
(12 bis 73)

RR 0.87
(0.35 bis 2.15)

532
(4 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,d,e

Kritisch

Postoperative Krankenhausverweildauer
Skala von: 0 bis 365

 

Mittelwert 1.85 Tage weniger
(2.27 weniger bis 1.43 weniger )

-

1216
(15 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hochf

Gering

Kosten

 

MD 548 $ weniger
(761 weniger bis 335 weniger )

-

677
(9 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrigg,h

Gering

Harnwegsinfekt

26 pro 1.000

45 pro 1.000
(22 bis 93)

RR 1.73
(0.84 bis 3.56)

690
(9 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Wichtig

Pulmonaler Infekt

95 pro 1.000

48 pro 1.000
(28 bis 86)

RR 0.51
(0.29 bis 0.91)

636
(6 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Außer Feng et al. haben alle RCTs moderate bis high risk for bias.

b. Die Studien kommen zu sehr heterogenen Ergebnissen bzgl. des Outcomes.

c. Die Studien kommen zu sehr inkonsistenten Ergebnissen; insgesamt ist die Datenlage heterogen.

d. Bu (adult) und Li favorisieren ERAS, wohingegen Bu (elder) und Xiao das trationelle Regime favorisieren.

e. Die eingeschlossene Evidenz beantwortet direkt die zentrale Fragestellung, somit kein Hinweis auf Indirektheit.

f. Insbesondere in den Bias-Domänen allocation concealment, blinding und other bias schneiden die meisten der 15 Studien schlecht ab im Sinne von hohem oder unklarem Biasrisiko.

g. Außer Feng et al. (low risk of bias) haben alle anderen 8 Studien high bis moderate risk of bias in mehreren entscheidenden Domänen.

h. Zwar ist in allen 9 Studien ERAS günstiger als die Kontrolle, allerdings variieren die angegeben Hospitalisierungskosten signifikant. Ggf. entsteht diese Heterogenität der Kostenniveaus durch die unterschiedlichen Gesundheitssysteme, in denen die RCTs durchgeführt wurden. I² beträgt 87%!

 

 

8.3 Evidenztabelle SR Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Pankreas

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Kuemmerli (2022) Impact of enhanced recovery protocols after pancreatoduodenectomy: meta-analysis. BJS

[358]

RCTs and comparative NRS, bis 08/2020, Cochrane Library, MEDLINE, Embase, Scopus, Web of Science

 

Inclusion: RCT or comparative observational study reporting the efficacy of ERAS in patients undergoing classical PD or pylorus preserving PD with a minimum f/u of 30 days postop

 

Exclusion: = 4 ERAS items, non-elective surgery, non comparative study, <20 pts per cohort/arm, distal or total pancreatectomy

ERAS protocol vs. conventional care

Postop functional recovery elements (time to liquid intake, time to solid intake, time to bowel movement, time to removal of NGT, time to removal of the last abdominal drain); overall postop morbidity, hospital stay, readmission

Major and minor complications (CD), rate of POPF, DGE

Primary outcomes:

time to liquid intake (4 studies, p<0.001), time to solid intake (4 studies, p<0.001), time to removal of NGT (4 studies, p=0.001), time to first defecation (2 studies, p<0.001), and hospital stay (16 studies, (MD -2.33 (-2.98, - 1,69) days; p<0.001) shorter in the ERAS group. Morbidity was lower in the ERAS group (15 studies, -0.04 (-0.08, -0.01, p=0.015). No significant differences regarding mortality (16 studies; 0 (-0.02, 0.01), p=0.836), removal of drains, and readmission rates (14 studies, 0.02 (-0.01, 0.05, p=0.144).

 

Secondary outcomes: no significant differences except for less overall DGE in the ERAS group (RD -0.11; 95%CI -0.22, 0.01; p=0.039) but comparable rates of DGE grade B and C in both groups

Potentieller Selektionsbias, da IPD nicht von allen Studien verfügbar waren

Nicht standardisierte Outcome Definitionen zwischen den Studien

Potentielle Heterogenität der ERAS-Programme

Meta-analyse aus RCTs und Beobachtungsstudien, allesamt before-and-after-studies (erhöhtes Biasrisiko)

Keine Verblindung

 

AMSTAR2: 13 von 16 (POMGAT Score 9 von 10)

 

Studies with IPD: Balzano BJS 2008

Braga WJS 2014

Coolsen Dig Surg 2014

Daniel PLoS One 2018

Hwang J Hepatobiliary Pancreat Sci 2019

Kagedan HPB 2017

Lavu J Am Coll Surg 2019

Lof Pancreatology 2020

Nussbaum J Surg Res 2015

Partelli HPB 2016

Passeri Am Surg 2020

Pillai Int J Surg 2014

Su Medicine 2017

Sutcliffe WJS 2015

Van der Kolk J Gastrointest Surg 2017

Williamson BJS 2015

Zouros Hepatobiliary Pancreat Dis Int 2016

 

8.3 Evidenztabelle RCT Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Pankreas

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

Hwang (2019) Effect of Enhanced Recovery after Surgery program on pancreaticoduodenectomy: a randomized controlled trial. J Hepatobiliary Pancreat Sci

 

RCT

 

[359]

N=276

03/2015-05/2017

 

Einschluss: Patienten (Alter 18-80) mit PD-Indikation bei periampullärem Karzinom ohne Metastasen und ohne Knochenmarksdysfunktion oder Leber-/Niereninsuffizienz

 

Ausschluss: Fernmetastasen, Rezidivtumoren, unkontrollierte Infektionen, schwere psycholog. oder neurolog. Erkrankung, Alkohol- oder Drogensucht

ERAS

Conventional care

Primärer Endpunkt:90 d overall morbidity

 

Sekundäre E.: in hospital und 30d Mortalität, LOS, nutritional status, overall hospital costs

 

Keine signifikanten Unterschiede, somit Nicht-Unterlegenheit von ERAS gegenüber dem konventionellen Pathway

Stärken: große Fallzahl

Schwächen: monozentrisch, keine Verblindung, interessanterweise ein non-inferiority Design!

Kein COI, aber unterstützt durch einen Grant des Asan Medical Centers, Seoul, Korea

 

RoB2 tool: some concerns

Kapritsou (2020) Effects of the Enhanced Recovery Program on the Recovery and Stress Response in Patients with Cancer. Gastroenterology Nursing

 

RCT

 

[361]

N=85

05/2012-03/2015

 

Einschluss: ASA I-III, 30-82 Jahre, PD bei Karzinom, normaler mentaler Status und kommunikationsfähig

 

Ausschluss: chron. Schmerzen mit Analgetikabedarf, Nierenerkrankung, Neuropathie

ERAS

Conventional care

Weniger postop. Schmerzen im ERAS-Arm und „Trend“ zu weniger Komplikationen

 

Vergleichbare stress/emotional responses => ERAS führt trotz fast track Natur nicht zu erhöhtem postop. Stresslevel

Exploratives RCT Design zur Stress Response nach ERAS, Pilot Studie, kleine Fallzahl, monozentrisch, limitierte externe Validität/Übertragbarkeit, keine Verblindung

 

RoB 2 tool: some concerns

Takagi (2019) Effect of an enhanced recovery after surgery protocol in patients undergoing pancreaticoduodenectomy: a randomized controlled trial. Clinical Nutrition

 

RCT

[360]

N=74

06/2014-10/2016

 

Einschluss: 20-80-Jährige mit geplantem PD

 

Ausschluss: schwere respirator. Dysfunktion, NYHA >/= III, Child Pugh C, Hämodialyse, Schwangerschaft, präop CTX und/oder RT, akute Infektion, schwere psychiatrische Erkrankung, fortgeschrittenes Malignom, palliativer Eingriff, Notfall-OP

ERAS

Conventional care

Primär: LOS => significant kürzer in der ERAS Gruppe: 20,1 vs. 26,9 Tage

 

Sekundär: postop. Komplikationen, QoL (QoR-40), Wiederaufnahme, Kosten

Signifikant geringere Komplikations- und Wiederaufnahmerate im ERAS Arm (32,4 vs. 56,8 und 0 vs. 8,1%), zudem auch signifikant bessere QoL und niedrigere (jedoch nicht signifikant) Kosten (25,445 vs. 28,384 $)

Kleine Fallzahl, keine Verblindung, monozentrisch, multiple und teils fragwürdige Ausschlusskriterien, z.B. waren alle neoadjuvant vorbehandelten Patienten ausgeschlossen ebenso wie diverse Komorbiditäten, somit hochselektioniertes Patientengut

Kein COI, kein externes Funding

 

RoB2 tool: some concerns

Statement (Hardt/Koch/Post): Die Daten der Update Recherche RCTs waren alle bereits im ausgewählten Systematic Review für die betreffende Organentität enthalten, da Kümmerli et al. -erschienen 2022 - auch erst im Rahmen einer Update Recherche detektiert wurde und die zuvor ausgewählte, ältere (2020 erschienene) Metaanalyse von Sun et al. (PMID: 32462014) ersetzte. Somit erübrigt sich die Berechnung einer neuen Metaanalyse, da es keine neueren RCTs als die bereits in der Metaanalyse von Kümmerli inkludierten gibt.

 

8.3 SoF-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Pankreas

 

Endpunkte

 

Risiko mit traditionellem perioperativen Regime

Risiko mit mPOM

 

Relativer Effekt
(95% CI)

 

№ der Teilnehmer
(Studien)

 

Certainty of the evidence
(GRADE)

 

Relevanz des Endpunkts

 

Gesamtmorbidität
Nachbeobachtung: 30 Tage

 

568 pro 1.000

 

 546 pro 1.000
(523 bis 563)

 

RD 0,96
(0,92 bis 0,99)

 

2817
(13 Beobachtungsstudien, 2 RCTs)

 

⨁◯◯◯
Sehr niedriga

 

Kritisch

Operative Revision
Nachbeobachtung: 30 Tage

 

80 pro 1.000

 

 80 pro 1.000
(79 bis 82)

 

RD 1,00
(0,98 bis 1,02)

 

2745
(13 Beobachtungsstudien, 2 RCTs)

 

⨁◯◯◯
Sehr niedriga

 

Wichtig

Postoperative Krankenhausverweildauer
Skala von: 0 bis 365
Nachbeobachtung: 365 Tage

 

 

MD: 2,33 (-2,98 bis -1,69) Tage kürzer

-

 

2993
(14 Beobachtungsstudien, 2 RCTs)

 

⨁◯◯◯
Sehr niedriga

 

Wichtig

POPF (gleichbedeutend mit AI)
Nachbeobachtung: 365 Tage

 

230 pro 1.000

 

 228 pro 1.000
(223 bis 235)

 

RD 0,99
(0,97 bis 1,02)

 

2850
(14 Beobachtungsstudien, 2 RCTs)

 

⨁◯◯◯
Sehr niedriga

 

Gering

Verzögerte Magenentleerung
Nachbeobachtung: 30 Tage

 

212 pro 1.000

 

 189 pro 1.000
(170 bis 210)

 

RD 0,89
(0,80 bis 0,99)

 

2392
(12Beobachtungsstudien, 2 RCTs)

 

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,b

 

Wichtig

Mortalität
Nachbeobachtung: 30 Tage

 

24 pro 1.000

 

 24 pro 1.000
(24 bis 24)

 

RD 1,00
(0,99 bis 1.,01)

 

2945
(14 Beobachtungsstudien, 2 RCTs)

 

⨁◯◯◯
Sehr niedriga

 

Kritisch

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Von den insgesamt 48 Studien (17 mit IPD und 31 mit AD) sind nur 5 RCTs, der Rest Beobachtungsstudien; dementsprechend sehr hohes Biasrisiko. Für die hiesige Darstellung wurden lediglich die Studien mit IPD betrachtet, so wie es auch die Intention der Autoren dieser systematischen Übersichtsarbeit war.

b. I²: 90,1, p<0.001 , somit beträchtliche Heterogenität.

 

8.1 Pankreas_EtD

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Ein mPOM führt zu einer Reduktion der Dauer des Kostaufbaus, der Dauer bis zum ersten Stuhlgang sowie der Dauer bis zur Entfernung der nasogastralen Sonde. Darüber hinaus waren die Gesamtmorbidität, die Rate an verzögerter Magenentleerung sowie die Dauer des stationären Aufenthaltes geringer als im Rahmen eines konventionellen perioperativen Behandlungsregimes.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Der Vergleich zwischen einem mPOM mit einem konventionellen perioperativen Behandlungsregime ergab keinen Hinweis auf mögliche Schäden oder Nachteile von mPOM. Hinsichtlich Mortalität, Nachblutung, pulmonaler Komplikationen und Wiederaufnahmerate zeigten sich keine Unterschiede zwischen mPOM und traditionellem Behandlungskonzept.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz zum Vergleich des konventionellen perioperativen Behandlungsregime versus mPOM  ist hinsichtlich aller Endpunkte sehr niedrig (+).

Die Zuverlässigkeit der Evidenz ist niedrig bewertet, weil die Evidenz überwiegend aus nicht-randomisierten Studien stammt.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Da das mPOM bereits seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich untersucht und diskutiert wird und mPOM zunehmend auch in der klinischen Praxis implementiert werden, ist eher nicht zu erwarten, dass bestimmte Patientengruppen oder an der Umsetzung Beteiligte sich gegen die ausgesprochene Empfehlung richten oder eine andere Behandlungspräferenz zum Ausdruck bringen werden.

Expertenbewertung

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

mPOM hat sich als Ressourcen-sparend und kosteneffizient erwiesen. Da der Kostaufbau und die Wiederaufnahme der Darmtätigkeit beschleunigt werden und die Morbidität gesenkt wird, verkürzt sich die Liegedauer, was die Kosten nochmals reduziert. Somit resultiert ein Kosten-Nutzen-Verhältnis, das die Anwendung von mPOM unterstützt.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Eine onkologische Pankreasresektion sollte im Rahmen eines multimodalen perioperativen Managementkonzepts erfolgen.

 

8.4 Evidenztabelle RCT Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Leber

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

Jones et al. (2021) Hospital Costs and Long-term Survival of Patients Enrolled in an

Enhanced Recovery Program for Open Liver Resection:

Prospective Randomized Controlled Trial. JMIR Perioper Med.

 

[366]

 

RCT

n= 104, nach Drop-outs 91 (45 received standard care and 46 ERAS)

 

March 2011 – May 2012

 

All patients presenting for open liver resection were eligible. Patients were excluded if they underwent an entirely

laparoscopic operation, needed a second concomitant procedure

(eg, bile duct repair), were found to be inoperable at the time

of surgery, or were unable to provide consent.

ERAS

Standard care

1. health economic analysis (favours ERAS - overall costs £9538.279 vs. £14,793.05 for standard treatment)

2. long-term survival (favours ERAS at 2 years - 91% (42/46) versus 73%, no statistically significant difference at 5 years)

Overall Risk of Bias: some concerns

Kang et al. (2021) Comparison of Clinical Outcomes Between Chinese Patients Receiving Hepatectomy With or Without Enhanced Recovery After Surgery Strategy. Frontiers in Surgery.

 

[364]

 

RCT

n=250 (125 ERAS vs. 125 standard care)

 

January 2011 – December 2017

 

Inclusion criteria contained the following: (1) partial or half hepatectomy (either right or left lobe); (2) hepatic function: Child-Pugh A or B; (3) physical status: American Society of

Anaesthesiologists (ASA) I to III; and (4) no main concomitant operation, such as bowel, gastro, or bile duct resection.

 

Exclusion criteria were the following: (1) unwillingness to participate; (2) hepatic function: Child–Pugh C; (3) physical status: ASA IV or V; or (4) involved the inferior vena cava or confluence of the

hepatic vein.

ERAS

Standard care

1. mortality over the 30 days after the operation (no

statistically significant difference)

2. length of hospital stay after the operation (favours ERAS - 8 (6–10) vs. 9 (7–11))

3. readmission (no

statistically significant difference)

4. complications

(Clavien–Dindo class) over the 30 days after operation (favours ERAS – no complication - 90 (72.0 %) vs. 65 (52.0 %)/grade I-III no

statistically significant difference)

Overall Risk of Bias: some concerns

Nakanish et al. (2020) Effect of enhanced recovery after surgery protocol on recovery after open hepatectomy: a randomized clinical trial. Ann Surg Treat Res.

 

[365]

 

RCT

n=57 (29 ERAS vs. 28 standard care)

 

August 2014 – March 2017

 

All adults who underwent liver resection at our department were eligible.  Patients were excluded if they had previously undergone upper digestive surgery, if they required additional procedures (e.g., bile duct reconstruction), if their body mass index was ≤18 or ≥30 kg/m2, if their performance status was ≥2, or if they did not consent to participate.

ERAS

Standard care

1. amount of time that elapsed before patients were considered medically fit for discharge (MFD) (no

statistically significant difference)

2. length of hospital stay (LOHS) (no

statistically significant difference)

3. morbidity (Clavien-Dindo ≥ 3) (no

statistically significant difference)

4. mortality (no

statistically significant difference)

5. the time to first flatus and defecation (favours ERAS - 1.8 vs. 2.4 days)

6. first walk (no

statistically significant difference)

7. freedom from infusion (no

statistically significant difference)

8. Perioperative serum nutritional markers, insulin resistance, respiratory quotient (RQ), and resting energy expenditure (REE) were also assessed (no

statistically significant difference)

Overall Risk of Bias: some concerns

 

8.4 Evidenztabelle SR Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Leber

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Noba et al. (2019) Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) Reduces Hospital Costs and Improve Clinical Outcomes in Liver Surgery: a Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Gastrointestinal Surgery.

[363]

 

RCTs and non-RCTs (getrennte Auswertung erfolgt)

2008 und March 2019

CINAHL Plus, EMBASE, MEDLINE, PubMed and Cochrane

RCTs and non-RCTs studies were eligible for inclusion if they all meet the following criteria, (1) studies of adult patients undergoing liver surgery

(2) compared ERAS to standard care and

(3) report on at least one of the following outcomes:

length of hospital stay (LOS), complication rate, hospital cost, readmission rates and mortality rates.

Studies were excluded if they were non-elective or transplant patients, non-English and not comparing ERAS to standard care

ERAS vs standard care

1. hospital cost

2. LOS

3. complication rate

4. readmission rates

5. mortality rates

6. compliance

1. 4 RCTs / 266 ERAS vs. 286 Standard Care / -0.68 [-1.02, -0.33] / p=0.0001

2. 6 RCTs / 392 ERAS vs. 411 Standard Care / -3.18 [-3.97, -2.38] / p<0.0001

3. 6 RCTs / 96/392 ERAS vs. 175/411 Standard Care / RR 0.58 [0.48-0.73] / p<0.0001

4. 6 RCTs / 17/392 ERAS vs. 19/411 Standard Care / RR 0.95 [0.51, 1.79] / p=0.88

5. 6 RCTs / 1/365 ERAS vs. 1/377 Standard Care / RR 0.98 [0.06, 15.17] / p=0.99

6. kein Forest Plot mit detaillierten Daten

 

High heterogenity in Studien

 

AMSTAR 2

Gesamtscore: mit Ja beantwortet 8 von 16 / mit tlw. Ja beantwortet 1 von 16 / mit Nein beantwortet 7 von 16

POMGAT-Score: mit Ja beantwortet 5 von 10 / mit tlw. Ja beantwortet 1 von 10 / mit Nein beantwortet 4 von 10 / Frage 9 mit Ja beantwortet

 

RoB: nein

He, F., et al., Clin Transl Oncol, 2015. doi: 10.1007/s12094-015-1296-9

Jones, C., et al., Br J Surg, 2013. doi: 10.1002/bjs.9165.

Liang, X., et al., Surg Endosc, 2018. doi: 10.1007/s00464-017-5973-3.

Liang, X., et al., Medicine (Baltimore), 2016. doi: 10.1097/MD.0000000000002835.

Ni, C.Y., et al., Eur J Surg Oncol, 2013. doi: 10.1016/j.ejso.2013.03.013.

Qi, S., et al., J Clin Lab Anal, 2018. doi: 10.1002/jcla.22434.

 

8.4 SoF-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Leber

Endpunkte

Risiko mit traditionellem perioperativen Regime

Risiko mit mPOM

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Mortalität
Nachbeobachtung: 30 Tage

3 pro 1.000

3 pro 1.000
(0 bis 40)

RR 0.98
(0.06 bis 15.17)

742
(6 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Kritisch

Komplikationsrate
Nachbeobachtung: 30 Tage

426 pro 1.000

247 pro 1.000
(204 bis 307)

RR 0.58
(0.48 bis 0.72)

803
(6 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,c

Kritisch

Postoperative KH-Verweildauer

 

MD 3.18 Tage weniger
(3.97 weniger bis 2.38 weniger )

-

803
(6 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,c

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence intervall; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. onkologische und nicht-onkologische Resektionen

b. geringe Anzahl Ereignisse pro Gruppe

c. Hohe Heterogenität

 

 

8.4 EtD-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Leber

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

mPOM führt zu einer Reduktion der Komplikationsrate und zu einem kürzeren stationären Aufenthalt als ein konventionelles perioperatives Behandlungsregime bei Leberresektionen.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unerwünschte Effekte sind nicht vermehrt beobachtet worden.  Hinsichtlich Mortalität ergaben sich keine Unterschiede zwischen mPOM und dem traditionellen Behandlungskonzept.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz zum Vergleich des konventionellen perioperativen Behandlungsregimes versus mPOM bei Leberresektionen ist hinsichtlich der Endpunkte Mortalität und niedrig.  Bezüglich des Endpunktes postoperative Krankenhausverweildauer wurde die Zuverlässigkeit der Evidenz mittels GRADE als sehr niedrig bewertet.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Da  mPOM bereits seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich untersucht und diskutiert wurden und   mPOM zunehmend auch in der klinischen Praxis implementiert werden, ist eher nicht zu erwarten, dass bestimmte Patientengruppen oder an der Umsetzung Beteiligte sich gegen die ausgesprochene Empfehlung richten oder eine andere Behandlungspräferenz zum Ausdruck bringen werden.

Expertenbewertung

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Die positiven Effekte von mPOM konnten auch bei Leberresektionen nachgewiesen werden. Die nachhaltige Implementierung dieser Konzepte sind herausfordernd, aber möglich wie viele Kliniken bereits gezeigt haben.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Eine Leberresektion sollte eingebettet in mPOM stattfinden.

 

8.5 Evidenztabelle RCT Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Kolorektum

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

Shetiwy et al. (2017) Standardizing the Protocols for Enhanced Recovery from Colorectal Cancer Surgery: Are We a Step Closer to Ideal Recovery? Ann Coloproctol

 

[Shetiwy, M et al. 2017]

RCT

N=70

 

June 2012 – October 2016

 

Inclusion criteria for participants were the presence of a pathologically confirmed colorectal carcinoma amenable for elective surgery and no severe physical disability (ASA I–III).

 

Exclusion criteria included a previous history of abdominal surgery, chronic pain syndrome, and the need for emergency surgery.

ERAS

Standard Care

1. Length of hospital stay (favours ERAS - 4.49 ± 0.85 days vs. 13.31 ± 6.9 days)

2. time of removal of NGTs (favours ERAS - 0.77 ± 1.031 days vs. 3.26 ± 2.737 days)

3. time of successful enteral feeding (favours ERAS - 1.89 ± 1.13 days vs. 5.46 ± 1.67 days)

 4. the mean time for removal of intra-abdominal drains (favours ERAS - 2.94 ± 1.056 days vs. 9.06 ± 3.757 days)

5. Complications (favours ERAS - 25.7% vs. 65.7%))

6. readmission (no

statistically significant difference)

 

 

Overall Risk of Bias: High Risk

Abd ElRahman et al. (2020) Early Outcome of Enhanced Recovery Programs Versus Conventional

Perioperative Care in Elective Open Left Side Colonic Carcinoma

Surgery: Analysis of 80 Cases. Indian Journal of Surgical Oncology.

 

[Abd ElRahman, EM et al. 2020]

 

RCTs

N=80

 

March 2016 – January 2019

 

The study included 80 patients who were diagnosed as stage I or II left colonic carcinoma and are eligible for elective resection:

sigmoidectomy, left hemicolectomy, or extended left hemicolectomy.

 

Exclusion criteria included patients with ad-

vanced, perforated, or obstructed left-sided colon cancer. Immunocompromised patients or those with ASA score more

than 3, bleeding tendency or contraindication to regional anesthesia, were also excluded.

ERAS

Standard care

1. pain (favours ERAS - 3 (2–5) vs. 4.5 (3–6) median (min-max) VAS)

2. PONV (favours ERAS - 7 (17.5%) vs. 15 (37.5%))

3. surgical and non-surgical complications (no

statistically significant difference)

4. length of hospital stay (favours ERAS - 5 (3–9) vs. 7 (6–14) days median (min-max))

5. readmission (no

statistically significant difference)

 

 

 

Overall Risk of Bias: Some concerns

Bednarski et al. (2019) Randomized clinical trial of accelerated enhanced recovery

after minimally invasive colorectal cancer surgery (RecoverMI

trial). BJS

 

[Bednarski, BK et al. 2019]

 

RCT

N=30

 

July 2016 – August 2017

 

Inclusion criteria: English-speaking patients aged 18–80 years undergoing

surgery with curative intent for colonic or rectal cancer. Patients with endoscopically

unresectable polyps requiring surgical management were also eligible. The planned surgical resection had to be performed by laparoscopic or robotic surgery, and the surgeon

had to plan for primary anastomosis without creation of an

ostomy.

 

Exclusion criteria included patient-reported history of severe postoperative nausea/ vomiting. Patients with a

serum creatinine level above 1⋅5 ng/ml, measured within 30 days of surgery, or a history of congestive heart failure,

defined as ejection fraction of 40 per cent or less, or of more

than 40 per cent with associated systemic signs of heart failure, were also excluded. Finally, any patients requiring

conversion to open surgery or in whom an ostomy was necessary at completion of surgery were removed from the

study and not randomized.

ERAS

Standard care

1. Length of stay (postoperative stay plus readmission/emergency department/observation days) – (favours ERAS 28⋅3 (i.q.r. 23⋅7–43⋅6) h vs. 51⋅5 (43⋅8–67⋅0) h)

2. patient-reported outcomes measured by EQ-5D-5L™, Brief Pain Inventory (BPI) - (no

statistically significant difference)

3. satisfaction

Questionnaire (no

statistically significant difference)

 

 

Overall Risk of Bias: Some concerns

de Queiroz et al. (2021) Conditions associated with worse

acceptance of a simplified accelerated recovery

after surgery protocol in laparoscopic colorectal

surgery. BMC Surg

 

[371]

 

RCT

N=161

 

Patients over 18 years of age were included, as per classifications I and II of the American Society of Anesthesiologists (ASA). These patients underwent elective laparoscopic colorectal surgery with anastomosis, 

with or without protective ostomy. The study excluded patients with end-stage colorectal cancer, mental or

psychiatric disorders, and those with contraindications to laparoscopic surgery. Also excluded were pregnant patients and those who had previously undergone esophageal, gastroduodenal, or pancreatic surgery, as well as those who refused to participate in the study.

ERAS

Standard Care

1. length of hospital

Stay (favours ERAS - 3.00 (2.0; 4.00) vs. 5.00 (5.0; 7.00) days)

2. elimination of flatus (favours ERAS - 49 (65.3 %) vs. 26 (34.7 %) on 1st POD)

3. ability to walk (favours ERAS - 64 (65.3 %) vs. 34 (34.7 %) on 1st POD)

4. ability to tolerate a diet sooner (favours ERAS - 72 (97.3 %) vs. 2 (2.7 %) on 3rd POD)

5. Complications rates and

readmissions to emergency room (no statistically significant difference)

 

 

Multivariate analysis revealed that prolonged operating time, stoma creation and rates of surgical complications were independently associated with poor adherence to

ERAS (p < 0.0001).

Overall Risk of Bias: Some concerns

Li et al. (2019) Clinical Application of Enhanced Recovery After Surgery in Perioperative Period of Laparoscopic Colorectal Cancer Surgery. Journal of Laparoendoscopic and Advanced Surgical Techniques

 

[370]

 

RCT

N=200

 

June 2014 – June 2017

 

Inclusion criteria: Patientes aged 55-65 years, preoperative diagnosis of colorectal malignant tumors, and undergoing elective laparoscopic radical resection of colorectal cancer.

 

Exclusion criteria: benign colorectal tumor, emergency surgery, conversion from laparoscopic to open surgery, open surgery, and palliative surgery. Surgical contraindications included severe heart, liver, and lung disease, distant metastatic carcinoma of the organs and infiltration of adjacent organs.

ERAS

Standard Care

1. first exhaust time (56.29 h +/- 12.29 vs. 67.29 h +/- 18.57), first defecation time (60.33 h +/- 17.29 vs. 69.38 +/- 15.55 h) and time to extubation (7.23 h +/- 1.28 vs. 8.69 h +/- 1.66) (favours ERAS)

2. overall complications (favours ERAS – 12 vs 25 %)

3. pain (no statistically significant difference)

4. albumin and total protein levels (no statistically significant difference on 1st and 3rd day after surgery, on 7th day favours ERAS)

Overall Risk of Bias: Some concerns

Ng et al. (2020) Fast-track versus traditional perioperative care for laparoscopic colorectal surgery: a prospective randomized trial (abridged secondary publication). Hong Kong Med J

 

[372]

 

RCT

N=150

 

December 2010 – March 2013

 

Inclusion criteria were consecutive patients aged 18 to 80 years with American Society

of Anesthesiologists grade I to III who underwent elective laparoscopic resection of colonic or upper rectal cancer. 

 

Patients were excluded if they underwent laparoscopic resection of mid or low rectal cancer, complex/ combined laparoscopic procedures, or emergency surgery, had a stoma created, developed intraoperative problems that required conversion, or had known metastatic disease or a history of midline laparotomy.

ERAS

Standard care

1. postoperative hospital stay (including that of patients readmitted within 30 days of surgery) – favours ERAS - 4 (2-24) vs. 5.5 (4-59) days median (min-max)

2. immunological parameters,

including cytokine and CRP levels (no statistically significant difference), and lymphocyte subsets (favours ERAS)

3. pain score on a visual analogue scale (favours ERAS - 3.8±2.0 vs 5.1±1.9 on 1st POD, 2.6±1.3 vs. 3.6±1.8 on 2nd POD and 2.2±1.2 vs. 3.0±1.5 on 3rd POD VAS)

4. overall 30-day complication rate (no statistically significant difference; p=0.051)

5. mortality within 30 days (no statistically significant difference)

6. readmission rate (no statistically significant difference)

7. quality of life at 12 weeks

measured by the SF-36 questionnaire (favours ERAS - physical functioning (P=0.002),

bodily pain (P=0.018), social functioning (P=0.017),

and role-emotional (P=0.033))

8. direct medical costs (no statistically significant difference, p=0.054)

9. Time to first passing flatus (days) – favours ERAS 2.0±0.9 vs. 2.9±1.0

10. Time to first bowel motion (days) – favorus ERAS 3.2±1.3 vs. 4.4±1.5

11. Time to resume normal diet (days) – favours ERAS 2.3±1.0 vs. 4.5±4.4

12. Time to walk independently (days) – favours ERAS 2.1±0.8 vs. 3.8±2.8

Overall Risk of Bias: Some concerns

Osterman et al. (2019) Randomized Controlled Trial of Enhanced Recovery

Program Dedicated to Elderly Patients After

Colorectal Surgery. Dis Colon Rectum

 

[373]

 

RCT

N=150

 

Randomization over 3 years

 

All elderly patients ≥70 years of age scheduled to undergo elective laparoscopic or open colorectal surgery for malignant or benign disease, with or without stoma, were eligible for the trial over a 2-year period.

 

Patients undergoing

emergency surgery or multiorgan surgery and those who had a contraindication to systemic lidocaine were disregarded for inclusion. The ability to understand either French or English and to provide written informed consent was required.

ERAS in the elderly

Standard care

1. postoperative morbidity according to Clavien-Dindo

classification (favours ERAS - 35% vs 65%)

2. total number of complications

(favours ERAS - 54 vs 118)

3. infectious complications 

(favours ERAS - 13 vs 29)

4.  anastomotic leak (favours ERAS – 0 vs. 5)

5. hospital stay (favours ERAS - 7 vs 12 d)

6. independence preservation (home discharge, favours ERAS - 87% vs 67%).

 

According

to multivariate analysis, enhanced recovery program was

strongly associated with reduced morbidity (OR 0.23, 95% CI, 0.09 to 0.57; p=0.001), less severe complications

(OR 0.36, 95% CI 0.15 to 0.84; p=0.02), and shorter

hospital stay (OR 2.07, 95% CI 1.33 to 3.22; p = 0.001).

Overall Risk of Bias: Some concerns

 

8.5 Evidenztabelle SR Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Kolorektum

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Greer et al. (2018): Enhanced Recovery Protocols for Adults Undergoing Colorectal Surgery: A Systematic Review and Meta-analysis

 

[369]

 

3 controlled clinical trials and 22 RCTs (keine getrennte statistische Auswertung)

 

2011 to July 2017

 

MEDLINE (Ovid) and the Cumulative Index to Nursing and Allied Health Literature (CINAHL)

 

We included:

1) Studies of adults undergoing elective colorectal surgery (any colorectal procedure, open or

laparoscopic surgery)

2) For effectiveness of ERAS programs (KQ1-KQ4): 

a. randomized controlled trial (RCT) or controlled clinical trial (CCT) 

b. comparator is usual care or subset of ERAS components (as defined by study authors),

3) For barriers to and facilitators of implementation (KQ5): 

a. any study design providing qualitative data on barriers and facilitators

b. study conducted in healthcare system relevant to VA.

 

We excluded:

1) Non-English language publications,

2) Studies that compared laparoscopic and open surgery within an enhanced recovery protocol,

3) Studies reporting outcomes before and after implementation of an enhanced recovery protocol (ie, pre-post or case series with historical controls design); we included controlled clinical trials

if data collection was concurrent, 4) Trials of single a component of enhanced recovery,

5) Studies that included post-operative components only (often referred to as “Post-operative Rehabilitation” or “Controlled Rehabilitation”).

ERAS vs. standard care

1. Length of stay

2. overall perioperative morbidity

3. mortality (30 days)

4. Readmission (30 days)

5. Pain and Quality of Life

6. Ileus and return of GI function (time to flatus and/or first bowel movement and time

to oral intake of solid foods)

7. Surgical site infection and other harms (bleeding events, anastomotic

leakage, need for re-operation, urinary tract infection, and cardiovascular complications)

8. Staffing and organizational barriers

 

 

 

1. 24 trials / 1838 ERAS vs. 1949 Standard care (MD 2.59 days, 95% CI -3.22 to 1.97, p<0.00001)

2. 19 trials / 1456 ERAS vs. 1463 Standard care (RR 0.66, 95% CI 0.54 to 0.80, p<0.0001)

3. 22 trials / 1619 ERAS vs. 1636 Standard care (RR 1.79, 95% CI 0.81 to 3.95, p=0.15)

4. 19 trials / 1196 ERAS vs. 1319 Standard care (RR 1.11, 95% CI 0.82 to 1.50, p=0.52)

5. und 6. Keine Forest plots mit Daten vorliegend

7. SSI 17 trials / 1443 ERAS vs. 1437 Standard care (RR 0.75, 95% CI 0.52 to 1.07, p=0.11) – Other harms: kein Forest plot

8. Auswertung aus Interviewfragen / keine Statistik

a. Mostly moderate, high or unclear risk of bias

b. I-square indicated substantial statistical heterogeneity although all but 2 studies reported lower duration with ERAS. Strong association observed.

c. Wide confidence intervals and very few events 

d. Wide confidence intervals

 

AMSTAR 2:

Gesamtscore: mit Ja beantwortet 8 von 16 / mit tlw. Ja beantwortet 3 von 16 / mit Nein beantwortet 5 von 16

POMGAT-Score: mit Ja beantwortet 6 von 10 / mit tlw. Ja beantwortet 2 von 10 / mit Nein beantwortet 2 von 10 / Frage 9 mit Ja beantwortet

 

RoB: nein

Anderson 2003 (9)

Feng 2016 (10)

Gatt 2005 (11)

Gouvas 2012 (12)

lonescu 2009 (13)

Jia 2014 (14)

Khoo 2007 (15)

Muller 2009 (16)

Nanavati 2014 (17)

Pappalardo 2016 (18) 

Ren 2011 (19)

Serclova 2009 (20)

VIug 2011 (21)

Wang 2012 (22)

Wang 2011 (23)

Yang 2012 (24)

Feng 2014 (25)

Mari 2016 (27)

Mari 2014 (28) 

Ota 2017 (29)

Scioscia 2017 (30)

Wang 2012 (31)

 Wang 2015 (32)

Wang 2012 (33)

Forsmo 2016 (35)

 

 

Ni et al. (2019) Is the Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) Program Effective

and Safe in Laparoscopic Colorectal Cancer Surgery? A Meta-Analysis

of Randomized Controlled Trials

 

[368]

RCTs

 

Bis Oktober 2018

 

PubMed, EMBASE, Cochrane Library, Web of Science, and ClinicalTrials.gov

 

inclusion criteria: (1) RCTs comparing the ERAS group with TC group in patients undergoing laparoscopic colorectal cancer surgery;

(2) studies describing the ERAS program with a clear protocol;

(3) studies including at least three of the following parameters—the average length of PHS, duration of flatus or defecation, rates of complications, readmissions, or mortality; and

 (4) studies describing an ERAS program at least 13 parameters in the ERAS group.

 

The exclusion criteria were as follows:

(1) studies were reviews, letters, cases, or bioinformatics;

(2) studies were not RCTs;

(3) studies only had the abstracts presented at national or international conferences without full-text articles;

(4) studies reported ERAS program without laparoscopic colorectal cancer surgery;

(5) when duplicate publications were extracted, only the latest one was included

ERAS vs. standard care

1. Length of Postoperative Hospital Stay

2. Time to First Flatus and Defecation

3. Complication

4. Readmission

5. Mortality

6. Inflammatory Response Indicators

1. 12 RCTs / 620 ERAS vs. 636 Standard care (WMD -2.00 d, 95% CI -2.52 to -1.48, p=0.00)

2. First Flatus / 9 RCTs / 1071 participants (WMD -12.18 h, 95% CI -16.69 to -7.67, p=0.00)

First defecation /7 RCTs / 678 participants (WMD -32.93 h, 95% CI -45.36 to 20.50, p=0.00)

3. 13 RCTs / 639 ERAS vs. 659 Standard care (RR 0.59, 95% CI 0.40 to 0.86, p<0.01)

4. 5 RCTs / keine Angabe der Teilnehmer bzw. inkludierten Studien (RR 0.65, 95% CI 0.35 to 1.20, p=0.77)

5. 5 RCTs / keine Angabe der Teilnehmer bzw. inkludierten Studien (RR 0.89, 95% CI 0.34 to 2.38, p=0.61)

6. Interleukin-6 / 220 participants WMD = −26.45 pg/L, −24.21 pg/L, and −18.33 pg/L on days 1, 3, and 5 after surgery / kein p angegeben

CrP / 290 participants / WMD = −24.72 mg/L, −25.98 mg/L, and −30.34 mg/L on days 1, 3, and 5 after surgery / kein p angegeben

high heterogeneity

eindeutige Studienzuordnung nicht zu jedem Endpunkt möglich

 

 

 

AMSTAR 2:

Gesamtscore: mit Ja beantwortet 8 von 16 / mit tlw. Ja beantwortet 3 von 16 / mit Nein beantwortet 5 von 16

POMGAT-Score: mit Ja beantwortet 7 von 10 / mit tlw. Ja beantwortet 2 von 10 / mit Nein beantwortet 1 von 10 / Frage 9 mit Ja beantwortet

 

RoB: nein

Lee, Taek-Gu 2011

Van Bree, S.H. 2011

Vlug, M.S. 2011

Veenhof, A.A.F.A. 2012

Wang, G. 2012

Wang, Q. 2011

Lee, S.M. 2013

Feng, F. 2014

Mari, G.M. 2014

Taupyk, Y. 2015

Mari, G.M. 2016

Wang, G. 2011

Shetiwy, M. 2017

 

8.5 SoF-Tabelle Betreuung im Rahmen eines modernen perioperativen Behandlungskonzeptes – Kolorektum

Endpunkte

Risiko mit einem traditionellen perioperativen Regime

Risiko mit einem modernen perioperativen Behandlungskonzept

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Mortalität
nachbeobachtung: 30 Tage

0 pro 1.000

0 pro 1.000
(0 bis 0)

RR 0.89
(0.34 bis 2.38)

(5 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata,b

Kritisch

Komplikationsrate

270 pro 1.000

159 pro 1.000
(108 bis 232)

RR 0.59
(0.40 bis 0.86)

1298
(13 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrigc

Kritisch

Time to first flatus

MD 12.18 Stunden weniger
(16.69 weniger bis 7.67 weniger )

-

1071
(9 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderatc

Gering

Postoperative KH-Verweildauer

MD 2 Tage weniger
(2.52 weniger bis 1.48 weniger )

-

1256
(12 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderatc

Wichtig

Time to first defecation

MD 32.93 Stunden weniger
(45.36 weniger bis 20.5 weniger )

-

678
(7 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderatc

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

 

8.1 Kolorektum_EtD

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

mPOM führt zu einer Reduktion der Gesamtmorbidität und zu einem kürzeren stationären Aufenthalt als ein konventionelles perioperatives Behandlungsregime  sowie zu einer rascheren Wiederaufnahme der Darmtätigkeit  (erster Windabgang / erster Stuhlgang). Dieser Nutzen ist sowohl für minimal-invasive als auch konventionelle Zugänge nachgewiesen und gilt für Kolon und Rektumresektionen.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unerwünschte Effekte sind nicht vermehrt beobachtet worden. Hinsichtlich Mortalität und Wundinfektionsrate ergaben sich keine Unterschiede zwischen mPOM und dem traditionellen Behandlungskonzept.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz zum Vergleich des konventionellen perioperativen Behandlungsregimes versus mPOM  bei onkologischen kolorektalen Resektionen ist hinsichtlich der untersuchten Endpunkte als moderat bis niedrig bewertet. 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Da mPOM bereits seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich untersucht und diskutiert wurden und   mPOM zunehmend auch in der klinischen Praxis implementiert werden, ist eher nicht zu erwarten, dass bestimmte Patientengruppen oder an der Umsetzung Beteiligte sich gegen die ausgesprochene Empfehlung richten oder eine andere Behandlungspräferenz zum Ausdruck bringen werden.

Expertenbewertung

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Die positiven Effekte von mPOM konnten auch bei kolorektalen Resektionen nachgewiesen werden. Die nachhaltige Implementierung dieser Konzepte ist herausfordernd, vor allem hinsichtlich hoher Adhärenz zu Einzelmaßnahmen.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Eine onkologische kolorektale Resektion soll eingebettet in mPOM stattfinden.

 

8.6 Evidenztabelle Perioperative Begleitung durch auf perioperative Interventionen spezialisierte Fachkräfte – Kolorektum

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

Forsmo (2018) Randomized controlled trial of extended perioperative counseling in enhanced recovery after colorectal surgery. Diseases of the colon & rectum.

[84]

RCT

N=164

10.03.2015-5.12.2016

Einschluss: Pat.>18 J. mit geplanter lap./offener elektiver kolorektaler OP bei benigner/maligner Grunderkrankung

„extended counseling“ = 1-2 zusätzliche präop. Konsultationen durch eine spezialisierte ERAS nurse

 

keine zusätzlichen Konsultationen, Standard-ERAS, keine Supervision durch spez. ERAS nurse

Primär: total length of hospital stay = postop. Stat. Aufenthalt + etwaige stationäre Tage im Fall einer Wiederaufnahme innerhalb von 30d postop.=>hier signifikant kürzerer TLHS in der extended counseling Gruppe (median 5 vs. 7 Tage; p<0,001)

Sekundär: postop. LOS, postop. Komplikationen (CD Klass.), Wiederaufnahmerate, Mortalität =>hier keine signifikanten Unterschiede

s. RoB2 assessment (some concerns); Schwächen: keine Verblindung, monozentrisch, eher kleine Fallzahl, keine Angabe von Konfidenzintervallen (nur p-Werte); Stärken: klinisch sehr relevanter primärer Endpunkt, der nicht nur den initialen stat. Aufenthalt erfasst, sondern auch potentielle Wiederaufnahmen

 

8.6 SoF-Tabelle Perioperative Begleitung durch auf perioperative Interventionen spezialisierte Fachkräfte – Kolorektum

 

Endpunkte

Risiko ohne periop. Begleitung durch spezialisierte Pflegekräfte

Risiko mit perioperativer Begleitung der Patienten durch auf periop. Interventionen spezialisierte Pflegekräfte

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Postop. KH-Verweildauer
Skala von: 0 bis 365
Nachbeobachtung: Median 365 Tage

 

Die mediane postop. KH-Verweildauer lag bei 7 Tagen

 

Die mediane postop. KH-Verweildauer lag bei 5 Tagen

-

164
(1 RCT)

⨁⨁⨁◯
Moderat a

Wichtig

Postop. Morbidität
Nachbeobachtung: Median 30 Tage

440 pro 1.000

363 pro 1.000
(249 bis 529)

RR 0,8230
(0,5642 bis 1,2005)

164
(1 RCT)

⨁⨁⨁◯
Moderat a

Kritisch

Postop. Mortalität
Nachbeobachtung: Median 30 Tage

24 pro 1.000

5 pro 1.000
(0 bis 103)

RR 0,2099
(0,0102 bis 4,3055)

164
(1 RCT)

⨁⨁◯◯
Niedrig a,b

Kritisch

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Keine Verblindung, kleine Fallzahl, monozentrisch; im Cochrane RoB assessment "some concerns"

b. Das Konfidenzintervall bei der postop. Mortalität ist extrem weit, was das Vertrauen in den Effektschätzer massiv reduziert.

 

8.2 Spezialisierte Pflegekraft_EtD

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Ein multimodales perioperatives Behandlungskonzept mit perioperativer Begleitung durch eine spezialisierte Pflegekraft führt im Kontext kolorektaler Resektionen zu einem signifikant kürzeren stationären Aufenthalt als mPOM ohne Begleitung durch eine spezialisierte Pflegekraft. Allerdings sind die klinisch relevantesten Endpunkte Morbidität und Mortalität nicht beeinflusst.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Ein möglicher Schaden ist schon theoretisch nicht vorstellbar und auch durch die Daten nicht belegt.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die mittels GRADE bewertete Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz zum Vergleich von mPOM mit perioperativer Begleitung durch eine spezialisierte Pflegekraft versus mPOM ohne spezialisierte Pflegekraft ist hinsichtlich der Endpunkte postoperative stationäre Verweildauer und 30-Tage-Gesamtmorbidität moderat, hinsichtlich 30-Tage-Mortalität niedrig, allerdings basiert die vorhandene Evidenz einzig und allein auf einer monozentrischen RCT mit eher kleiner Fallzahl, was eine relevante Limitation bedeutet.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Es ist nicht zu erwarten, dass bestimmte Patientengruppen oder Kliniker sich gegen die „kann“-Empfehlung richten, da diese ja nur schwach ist und es den Kliniken selbst überlässt, inwieweit man auf Basis der aus einer einzigen, wenn auch methodisch soliden RCT stammenden Evidenz für den kolorektalen Bereich den Einsatz einer spezialisierten Pflegekraft propagiert.

Expertenbewertung

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Die signifikante Senkung der postoperativen Verweildauer sowie etwaiger erneuter stationärer Aufenthalte nach kolorektalen Resektionen durch die Begleitung durch eine spezialisierte Pflegekraft führt zu einer Senkung der Kosten. Die hierdurch erzielten Einsparungen könnten die durch die Anstellung einer spezialisierten Pflegekraft anfallenden Kosten kompensieren.

Expertenbewertung

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Perioperativ können Patienten, die sich einer kolorektalen Resektion im Kontext eines multimodalen perioperativen Managementkonzepts unterziehen, durch eine auf perioperative Interventionen spezialisierte Pflegekraft begleitet werden

 

Literaturhinweise

[350] Triantafyllou, T, Olson, MT, Theodorou, D, Schizas, D, Singhal, S, Enhanced recovery pathways vs standard care pathways in esophageal cancer surgery: systematic review and meta-analysis., Esophagus, 2020. 17 (2)(2): p. 100-112., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31974853/

[74] Liu, K, Ji, S, Xu, Y, Diao, Q, Shao, C, Luo, J, et.al. Safety, feasibility, and effect of an enhanced nutritional support pathway including extended preoperative and home enteral nutrition in patients undergoing enhanced recovery after esophagectomy: a pilot randomized clinical trial., Dis Esophagus, 2020. 33 (2)(2):, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31329828/

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