Leitlinienprogramm OnkologiePerioperatives Management bei gastrointestinalen Tumoren (POMGAT)

7. Postoperatives Management – Perioperatives Management bei gastrointestinalen Tumoren (POMGAT)

Version 1.0 · November 2023 · AWMF 088-010OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

7.1 Postoperative Verwendung von Magensonden

7.1.1 Ösophagusresektionen

7.1 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Nach transthorakaler Ösophagektomie und gastraler Rekonstruktion sollte zur Dekompression des hochgezogenen Magens intraoperativ eine doppellumige Magensonde eingelegt werden.

Konsens
Starker Konsens
7.2 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Die nasogastrale Magensonde kann im frühen postoperativen Verlauf innerhalb der ersten 48 Stunden entfernt werden.

Konsens
Starker Konsens

Die Beurteilung der nasogastralen Dekompression des hochgezogenen Magens nach transthorakaler Ösophagektomie unterscheidet sich grundlegend von anderen abdominal-chirurgischen Eingriffen, bei welchen sich zunehmend Evidenz für den Verzicht einer Dekompression findet. Der Unterschied ist erklärt durch die beidseitige trunkuläre Vagotomie im Rahmen der Ösophagektomie, die bei einem relevanten Anteil der Patienten zu einer verzögerten Magenentleerung postoperativ führt (,delayed gastric conduit emptying‘, DGCE). Zudem wird mit der Ösophagektomie der untere Ösopaggussphinkter als natürliche Antireflux-Barriere reseziert. Zwei Fragestellungen sind von klinischem Interesse. Die erste Frage ist, ob überhaupt eine Dekompression des hochgezogenen Magens postoperativ notwendig ist (Ösophagekotmie/Magenhochzug mit versus ohne nasogastrale Dekompression). Die zweite Frage bezieht sich auf den Zeitpunkt der Entfernung der intraoperativ eingebrachten Magensonde im postoperativen Verlauf (frühe versus späte Entfernung). Insgesamt wurden zu beiden Fragestellungen 2006-2019 fünf prospektiv-randomisierte Studien mit insgesamt 363 untersuchten Patienten publiziert [200][201][202][203] [204]. In drei dieser Studien wurde die erste, in den zwei weiteren Studien die zweite Frage adressiert. Die ersten 4 publizierten Studien wurden zusammen mit 3 vergleichenden Kohortenstudien in einem 2017 publizierten systematischen Review/Metaanalyse mit insgesamt 608 Patienten zusammengefasst [205]. In 3 dieser 7 Studien wurde die nasogastrale Dekompression nach Ösophagekotmie im Rahmen eines mPOM Protokolls analysiert. Die untersuchten Outcome-Parameter dieses SR/Metaanalyse waren pulmonale Komplikationen, Anastomoseninsuffizienz und Mortalität [205].

Von besonderem klinischem Interesse ist die Rate pulmonaler Komplikationen, da postuliert wird, dass durch die nasogastrale Dekompression bei verzögerter gastraler Entleerung in den ersten postoperativen Tagen das Risiko einer Aspirationspneumonie gesenkt wird. In der Metaanalyse der 4 eingeschlossenen RCTs konnte jedoch kein Einfluss der nasogastralen Dekompression auf die Gesamtrate postoperativer Pneumonien nachgewiesen werden [205]. Auch in der letzten RCT publiziert 2019, war die Rate postoperativer Pneumonie mit 21% in beiden Untersuchungsgruppen gleich [204]. Hier wurde die Magensonde in der ,frühen‘ Gruppe im Durchschnitt nach einem Tag und in der ,späten‘ Gruppe nach 7 Tagen entfernt. Auffällig war, dass Patienten der ,späten‘ Gruppe häufiger tracheotomiert wurden, dies sicherlich bedingt durch eine höhere Rate postoperativer Rekurrensparesen nach 3-Feld Lymphadenektomie. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine frühe Entfernung der Magensonde sicher möglich ist. In der Studie von Shackcloth et al. wurde mittels trachealer pH-Messung gezeigt, dass die Menge aspirierter Säure mit einer Doppel-Lumen Sonde geringer war als bei Gebrauch einer Einzel-Lumen Sonde und dass in diesen beiden Gruppen weniger Pneumonie auftraten als bei den Patienten ohne nasogastrale Dekompression [200]. Die größte randomisierte Studie vergleicht mit jeweils 75 Patienten eine Entfernung der Magensonde nach 2 Tagen (,frühe‘ Gruppe) und 6-10 Tagen (,späte‘ Gruppe) [202]. Auch hier war der primäre Endpunkt (,major pulmonary complications‘) in beiden Untersuchungsgruppen vergleichbar. Allerdings musste wegen einer verzögerten Magenentleerung bei immerhin 30% der ,frühen‘ Gruppe im weiteren postoperativen Verlauf wieder eine Magensonde gelegt werden. Diese Zahlen weisen auf das spezifische Problem des DGCE nach gastraler Rekonstruktion hin. Ungeklärt ist, ob diese Komplikation durch das längere Belassen der Magensonde verhindert oder zumindest reduziert wird, zumal auch verschiedene Verfahren zur Therapie des Pylorospasmus zur Anwendung kommen (prä- und postoperative endoskopische Intervention mittels Ballondilatation oder Botoxinjektion, chirurgische Pyloromytomie). In zunehmend publizierten mPOM Protokollen wird zumeist ganz auf die nasogastrale Dekompression postoperativ verzichtet. In dem oben zitierten SR wird dieses Vorgehen in zwei kontrollierten Beobachtungsstudien und einer RCT untersucht, ohne dass hieraus konklusiv Therapieempfehlungen abzuleiten sind [205].

 

7.1.2 Magenresektionen

7.3 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Nach Gastrektomie oder Magenteilresektion soll eine intraoperativ eingelegte Magensonde vor Narkoseausleitung gezogen werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Metaanalyse zum Vergleich: Patienten ohne postoperative Anlage einer transnasalen Sonde versus Patienten mit routinemäßiger Anlage einer Sonde: 8 RCTs, 1141 Patienten


⊕⊕⊕⊕

Postoperative Anastomoseninsuffizienz (8 RCTs): Kein Effekt (RR 1,25; 95% KI 0,68 bis 2,27)


⊕⊕⊕⊕

Postoperative pulmonale Komplikationen (7 RCTs): Kein Effekt (RR 1,31; 95% KI 0,90 bis 1,89)


⊕⊕⊕⊕

Postoperative Morbidität (6 RCTs): Kein Effekt (RR 1,33; 95% KI 0,83 bis 1,55)


⊕⊕⊕⊕

Postoperative Mortalität (8 RCTs): Kein Effekt (RR 1,27; 95% KI 0,34 bis 4,78)


⊕⊕⊕⊕

Länge des Klinikaufenthaltes (6 RCTs): längerer Krankenhausaufenthalt mit Anlage einer transnasalen Sonde (MD 0,48 Tage; 95% KI -0,01 bis 0,98)


⊕⊕⊕⊕

Zeit bis zum Kostaufbau (6 RCTs): Kürzer ohne Anlage einer transnasalen Sonde (MD 0,45 Tage; 95% KI 0,29 bis 0,61)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[206]
Evidenztabellen (3)7.1 Magen_Evidenztabelle(SR); 7.3 SoF-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden Gastrektomie; 7.3 EtD-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Magen

Die Bewertung des Nutzens der postoperativen transnasalen Dekompressionssonde nach Gastrektomie basiert auf einer Metaanalyse aus 2015, in welche insgesamt 8 RCTs mit 1141 Patienten eingeschlossen wurden [206]. Fünf der publizierten Einzelstudien wurden im asiatischen Raum durchgeführt. Der Risk of Bias der Einzelstudien wurde in der Metaanalyse systematisch untersucht und hinreichend positiv für eine evidenzbasierte Leitlinien-Empfehlung bewertet. Eine Update-Recherche von 2015 bis zur Erstellung der Leitlinie erbrachte keine weiteren RCTs ergänzend zur vorgestellten Metaanalyse.

Die vorliegenden Daten zeigen, dass der Verzicht auf eine Dekompression mittels transnasaler Sonde nach Gastrektomie keinen Unterschied ergibt hinsichtlich der Outcome-Parameter Anastomoseninsuffizienz, pulmonale Komplikationen, postoperative Morbidität und Mortalität. Die Krankenhausliegedauer ist bei Patienten ohne transnasale Dekompression zwar kürzer, der durchschnittliche Unterschied von 0,49 Tagen ist jedoch nicht klinisch relevant. Gleiches gilt für den Endpunkt des oralen Kostaufbaus, der bei Patienten ohne transnasale Dekompression früher beginnt. Anzumerken ist weiterhin, dass in den Einzelstudien verschiedene Formen der Resektion (Gastrektomie und subtotale/distale Magenresektion) eingehen, entsprechend auch unterschiedliche Formen der Rekonstruktion gewählt werden. Eine Subgruppen-Analyse dieser kleineren Kollektiven zeigt für die primären Endpunkte ebenfalls keinen Unterschied zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe. Da somit kein klinischer Vorteil für das postoperative Verbleiben einer transnasalen endoluminalen Sonde spricht, soll auf die vom Patienten als subjektiv belastend empfundene Intervention nach Gastrektomie und Magenresektion verzichtet werden. 

7.1.3 Pankreasresektionen

7.4 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Nach Pankreaskopfresektion als klassische Whipple-OP kann die nasogastralen Sonde am Ende der OP gezogen werden.

Konsens
Starker Konsens

Zur Frage der nasogastralen Dekompression nach Pankreaskopf- oder Pankreaslinksresektion wurde lediglich eine RCT von einer französischen Arbeitsgruppe im Jahr 2020 publiziert [207]. In dieser unizentrischen Studie wurden 111 Patienten mit Pankreatikoduodenektomie (Whipple-Operation) randomisiert. Bei 52 Patienten wurde nach Abschluss der Rekonstruktion eine Magensonde gelegt, aber unmittelbar nach Operationsende gezogen. Bei 59 Patienten wurde eine nasogastrale Sonde platziert, die nach 3-5 postoperativen Tagen entfernt wurde. Primärer Endpunkt war die postoperative Komplikationsrate (Clavien-Dindo ≥ II). Bei demographisch vergleichbaren Gruppen gab es postoperativ keine Unterschiede hinsichtlich der Gesamtkomplikationen, der pulmonalen Komplikationen und der Magenentleerung. Die Autoren schlussfolgern, dass der Verzicht auf eine Magensonde für dieses Operationsverfahren sicher ist.

Für Pankreaskopfresektionen mit Pylorus-Erhalt, für Rekonstruktionen mittels Pankreato-Gastrostomie und für Pankreaslinksresektionen können mangels valider Studien keine Empfehlungen ausgesprochen werden.

7.1.4 Leberresektionen

7.5 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Bei elektiven Leberresektionen soll eine intraoperativ eingelegte Magensonde vor Narkoseausleitung gezogen werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Metaanalyse zum Vergleich keiner Magensondeneinlage mit einer routinemäßigen Magensondeneinlage nach Leberresektionen: 7 RCTs, 1306 Patienten


⊕⊕⊝⊝

Übelkeit postoperativ: Kein Effekt (OR 0,81; 95% KI 0,40 bis 1,67)


⊕⊕⊝⊝

Erbrechen postoperativ: Kein Effekt (OR 1,06; 95% KI 0,19 bis 5,93)


⊕⊕⊕⊝

Abdominelle Distension: Kein Effekt (OR 0,87; 95% KI 0,60 bis 1,25)


⊕⊕⊕⊕

Länge des Klinikaufenthaltes: Kürzerer Krankenhausaufenthalt ohne Magensonde (MD -0,48 Tage; 95% KI -0,93 bis -0,03)


⊕⊕⊝⊝

Erster Flatus postoperativ: Kein Effekt (MD -0,34 Tage; 95% KI -0,86 bis 0,18)


⊕⊕⊕⊕

Erste Defäkation: Kürzere Zeit bis zur ersten Defäkation ohne Magensonde (MD -0,95 Tage; 95% KI -0,79 bis -0,39)


⊕⊕⊕⊝

Zeit bis zum Kostaufbau: Kürzer ohne Magensonde (MD -0,46 Tage; 95% KI -0,90 bis -0,03)


⊕⊕⊕⊕

Erneute Magensondeneinlage: Häufiger in Gruppe ohne postoperative Magensonde (OR 6,88; 95% KI 1,77 bis 26,72)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[208]
Evidenztabellen (3)7.1 Leber_Evidenztabelle; 7.5 SoF-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Leber; 7.5 EtD-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Leber

Für die Bewertung des Nutzens der postoperativen nasogastralen Dekompression nach elektiven Lebereingriffen gibt es eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2019 [208]. Hier wurden sieben RCTs mit insgesamt 1306 Patienten eingeschlossen. Bei etwas eingeschränkter Qualität der Metaanalyse wurde der Risk of Bias der Einzelstudien zufriedenstellend bewertet. Es wurden nur randomisiert-kontrollierte Einzelstudien eingeschlossen, die hauptsächlich im asiatischen Raum durchgeführt wurden. In dieser Metaanalyse wurde der Verzicht auf eine Magensonde als Intervention gewertet.

Zusammengefasst zeigen sich Vorteile im Hinblick auf eine Verkürzung des Klinikaufenthaltes, sowie im Hinblick zu einer schnelleren Defäkation in der Gruppe ohne postoperativ verbliebene Magensonde (jeweils hohe Zuverlässigkeit der Evidenz gemäß GRADE), auch die Zeit bis zum Kostaufbau ist kürzer bei Patienten ohne Magensonde (moderate Zuverlässigkeit der Evidenz). Gleichzeitig besteht in der Gruppe der Patienten ohne nasogastrale Dekompression nach Leberresektionen ein erhöhtes Risiko für eine postoperativ notwendige erneute Magensondeneinlage (hohes Vertrauen in die Evidenz). Bezüglich Übelkeit und Erbrechen postoperativ, abdomineller Distension sowie der Zeit bis zum ersten Flatus postoperativ bestehen keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen bei auch nur niedrigem bzw. moderatem Vertrauen in die Effektschätzer gemäß GRADE.

Es zeigen sich also keine Vorteile durch die Einlage von Magensonden im Rahmen von Leberresektionen. Zudem wird eine Magensonde von den meisten Patienten als sehr unangenehm empfunden. Auf das postoperative Belassen einer Magensonde nach Leberresektionen soll daher verzichtet werden. Sollte sich im Verlauf eine Verzögerung der Magendarmpassage zeigen und der Patient entsprechend unter Übelkeit und Erbrechen leiden, kann sekundär eine Magensonde zur nasogastralen Dekompression eingebracht werden.

7.1.5 Kolorektale Resektionen

7.6 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Bei elektiven kolorektalen Eingriffen soll eine nasogastrale Sonde vor Narkoseausleitung gezogen werden.

Konsens
Starker Konsens

Für die Bewertung des Nutzens der postoperativen nasogastralen Dekompression nach kolorektalen Eingriffen stammt die derzeit aktuellste Metaanalyse aus dem Jahr 2011 [209], zudem ein Cochrane Review von 2007 bzw. 2010 [210], beide insgesamt mit eingeschränkter Qualität gemäß der AMSTAR II-Kriterien. Zusätzlich existieren noch RCTs aus den Jahren 2011 und 2015.

Gemäß der Metaanalyse von Rao 2011 (7 Studien, 1416 Patienten) verkürzte die routinemäßige nasogastrale Dekompression in der kolorektalen Chirurgie trotz weniger postoperativem Erbrechen nicht die Zeit bis zum Wiedereinsetzen einer suffizienten gastrointestinalen Passage, erhöhte aber die Rate an Pharyngolaryngitiden und respiratorischen Infektionen, sodass keine routinemäßige Magensondeneinlage für diese Patienten empfohlen ist [209]. Auch der Cochrane Review spricht sich gegen eine routinemäßige Magensondeneinlage im Rahmen kolorektaler Chirurgie aus (kein Vorteil im Hinblick auf pulmonale Komplikationen oder das Auftreten einer Anastomoseninsuffizienz, schnelleres Einsetzen der Magendarmpassage in der Kontrollgruppe ohne Magensonde) [210]. Der aktuellste vorliegende RCT aus dem Jahr 2015 (100 Patienten) zeigt ebenfalls keinen Benefit für die routinemäßige Anlage einer Magensonde [211]; Ähnliches gilt für den älteren RCT aus dem Jahr 2011, welcher ebenfalls im Hinblick auf elektive Rektumresektion ein besseres Outcome im Hinblick auf postoperativen Kostaufbau und Dauer des Klinikaufenthaltes in der Kontrollgruppe ohne Magensonde zeigt [212].

7.2 Belassen des Blasenkatheters über die intraoperative Phase hinaus

7.7 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Der transurethrale Dauerkatheter soll bei kolorektalen Resektionen innerhalb der ersten 24 Stunden entfernt werden.

Bei Risikofaktoren für einen Harnverhalt (männliches Geschlecht, tiefe anteriore Rektumresektion, Rektumexstirpation) kann eine verlängerte Ableitung bis zum 3. postoperativen Tag erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
7.8 · Konsensbasiertes Statement 2023

Zum Harnableitungs-Management bei nicht-kolorektalen Resektionen sowie zur Anlage einer suprapubischen Harnableitung kann mangels ausreichender Evidenz keine Empfehlung ausgesprochen werden.

Konsens
Starker Konsens

Bei kolorektalen Resektionen gilt die perioperative Einlage eines transurethralen Dauerkatheters als chirurgischer Standard. Die Harnableitung erfolgt zur Vermeidung einer übermäßigen Blasenfüllung bei längerer Eingriffsdauer und zum Monitoring der Nierenfunktion sowie des intraoperativen Flüssigkeitsmanagements. Die Dauer der postoperativen Dauerkatheterableitung korreliert mit dem Risiko einer Harnwegsinfektion und behindert die Mobilisierung im Rahmen von multimodalen perioperativen Behandlungskonzepten.

In den beiden systematischen Reviews und Metaanalysen ([213], [214]) werden sechs Einzelstudien mit insgesamt 951 Patienten zwischen Januar 1980 und Februar 2019 zur Frage des optimalen Zeitpunktes der postoperativen Katheterentfernung in Bezug auf die Rate an postoperativen Harnwegsinfektionen und Harnverhalt nach Katheterentfernung analysiert. Beide Metaanalysen konnten übereinstimmend zeigen, dass die frühzeitige Entfernung des transurethralen Dauerkatheters (POD 1 – POD 3) die Rate an postoperativen Harnwegsinfektionen senkt. Castelo M. et al [213] konnten keinen Einfluss des Zeitpunktes der Katheterentfernung auf die Rate an Harnverhalten nachweisen, wohingegen Lee Y. et al [214] zeigen konnten, dass die späte Entfernung des Dauerkatheters (POD 5) im Gegensatz zu einer Entfernung bis zum 3. postoperativen Tag mit einer höheren Rate an Harnverhalten einhergeht.

Die prospektive Beobachtungsstudie von Okraniec et al [215] hat 2927 Patienten eingeschlossen, von denen bei 1897 (64,9%) eine Dick-oder Dünndarmresektion und bei 1030 (44%) eine Rektumresektion durchgeführt wurde. Es zeigte sich, dass die frühzeitige Entfernung des Dauerkatheters mit einer Reduktion des Risikos einer Harnwegsinfektion und einer Verkürzung der Krankenhausverweildauer assoziiert ist. Die Autoren empfehlen eine Katheter-Entfernung für Kolonresektionen innerhalb von 24 Stunden postoperativ und für tiefe anteriore Rektumresektionen mit einer Anastomose <6 cm oder abdominoperinealer Resektion innerhalb von 72 Stunden.

Zur Frage, ob ein epiduraler Analgesiekatheter einen Risikofaktor für einen postoperativen Harnverhalt darstellt, finden sich in der Literatur unterschiedliche Angaben. Coyle D. et al. [216] konnten in ihrer prospektiv randomisierten Single-Center Studie (n=44) zeigen, dass Männer mit einer Rektumresektion und epiduraler Analgesie ein erhöhtes Risiko für einen postoperativen Harnerhalt haben, wohingegen Zaouter C. et al. [217] in ihrer ebenfalls prospektiv randomisierten Studie an 215 Patienten zeigten, dass die frühzeitige Entfernung des Dauerkatheters unabhängig von der Anwendung einer epiduralen Analgesie mit einer Reduktion von Harnwegsinfektionen einhergeht, ohne die Rate an Re-Insertionen zu erhöhen (vgl. hierzu die Empfehlungen zur postoperativen Schmerztherapie in dieser Leitlinie).

Zur Frage transurethrale versus suprapubische Harnableitung haben Kidd et al [218] im Rahmen ihres Cochrane-Reviews 25 Studien identifiziert. Patienten mit einer transurethralen Harnableitung zeigten häufiger eine asymptomatische Bakteriurie und berichteten häufiger über Schmerzen bei kürzerer Dauer der Katheterisierung. Aufgrund der sehr heterogenen Datenlage und dem daraus resultierenden niedrigen Vertrauen in die Evidenz kann die Frage nach dem Stellenwert einer perioperativen suprapubischen Harnableitung bei kolorektalen Resektionen nicht beantwortet werden.

7.3 Postoperative Schmerztherapie

Diese Leitlinie hat sich durch die Generierung von PICO Fragen mit speziellen Themen im Rahmen des perioperativen Managements bei gastrointestinalen Tumoren beschäftigt. Dies gilt auch für die speziellen Aspekte der perioperativen Schmerztherapie im Zusammenhang mit diesen Operationen. Für Aspekte der perioperativen Schmerztherapie, die bereits in der AWMF-S3- Leitlinie „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ ausführlich Erwähnung finden, ist auf die Empfehlungen der AWMF-S3-LL „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ verwiesen.

7.3.1 Systemische Schmerztherapie versus Epiduralanalgesie

7.9 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Eine kontinuierliche Epiduralanalgesie sollte intra- und postoperativ zur perioperativen Analgesie bei offenen viszeralchirurgischen, onkologischen Eingriff eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel

Vergleich von (Postoperative systemische Schmerztherapie) vs. (Epiduralanalgesie) Evidenz: Metaanalyse von 17 RCTs


⊕⊕⊝⊝

Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der Operation: verringerte Ruhe -Schmerzen durch Epiduralanästhesie (MD 1,05; 95% KI -1,35 bis -0,75)


⊕⊕⊝⊝

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der OP: Belastungs -Schmerzen durch Epiduralanästhesie möglicherweise verringert (MD -1,83; 95% KI -2,34 bis -1,33)


⊕⊝⊝⊝

Postoperativer lleus: Kein Effekt (RR 1,23; 95% KI -0,31 bis 4,81)


⊕⊝⊝⊝

EA-assoziierten Adverse Events: Das Risiko für EA-assoziierte Adverse Events war in der EA – Gruppe möglicherweise erhöht (RR 4,54; 95% KI 0,23 bis 89,62) (SA: 0 bis 0 vs EA: 0,54 bis 37,99)


⊕⊕⊝⊝

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der OP: Belastungs -Schmerzen durch Epiduralanästhesie verringert (MD -1,68; 95% KI -2,22 bis -1,14)


⊕⊝⊝⊝

Übelkeit und Erbrechen: Kein Effekt (RR 0,72; 95% KI 0,47 bis 1,09)


Krankenhausverweildauer: Durch Epiduralanästhesie verkürzt (MD -1,80; 95% KI -2,77 bis - 0,83)

Konsens
Konsens
Literatur
[219] [220] [221] [222] [223] [224] [225] [226] [227] [228] [229] [230]
Evidenztabellen (3)7.9 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus Epiduralanalgesie; 7.9 EtD-Tabelle Systemische Schmerztherapie versus Epiduralanalgesie; 7.3 SA vs EA_Evidenztabelle
7.10 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Bei MIC-Eingriffen kann dann eine Epiduralanalgesie eingesetzt werden, wenn deren Einsatz aufgrund von Risiko-Konstellationen (lange OP-Zeiten, zu erwartender hoher postoperativer Opioidverbrauch) Erfolg verspricht.

Konsens
Konsens

Zur evidenzbasierten Aufarbeitung dieser Fragestellung konnten 25 RCTs eingeschlossen werden. Diese Studien waren bezüglich der Art der onkologisch-viszeralchirurgischen Eingriffe sowie des operativen Zugangsweges (offen versus minimalinvasiv) sehr heterogen (Studien: 4x Ösophagus, 7x Magen, 1x Ösophagus-Magen, 2x Kolon, 1x Rektum, 8x Kolorektum, 2x gemischt Gastrointestinum); sie waren aber alle darin übereinstimmend, dass sie ausschließlich Operationen auf Grund von onkologischen Diagnosen eingeschlossen haben.

Der Einsatz einer perioperativen EA führt verglichen mit einer systemischen Schmerztherapie zu einer Reduktion von Belastungsschmerzen im Umfang von -2,52 Punkten auf einer Skala von 1 bis 10; 95% KI -3,92 bis 0,99, 2 Stunden nach Operation, so wie von -1,83 Punkten auf einer Skala von 1 bis 10; 95% KI -2,34 bis -1,33 24 Stunden nach Operation, und von -1,7 Punkten auf einer Skala von 1 bis 10 48 Stunden nach Operation. Alle diese Effekte sind als klinisch-relevant anzusehen [231]. Ähnliches gilt für den Ruheschmerz; bei Einsatz einer EA vermindert sich der Ruheschmerz 2 Stunden nach Operation um -2,45 auf einer Skala von 1 bis 10; 95% KI -3,92 bis -0,99 und 24 Stunden nach Operation um -1,05 auf einer Skala von 1 bis 10; 95% KI -1,35 bis -0,75.
Der Opioidverbrauch wird durch den Einsatz einer EA deutlich vermindert (orale Morphinäquivalenzdosis in den ersten 24 Stunden nach Operation mit einer Einsparung von MD -99.46mg; 95% KI -111,90 bis -87,01). Allerdings waren die Ergebnisse bzgl. Reduktion der Schmerzintensität von geringer (Ruheschmerz) bis sehr geringer (Belastungsschmerz) Evidenz, so dass dies dazu beigetragen hat, die Empfehlung auf eine sollte Empfehlung abzuschwächen. Die Opioideinsparung führt zu einer Reduktion der opioidbedingten Nebenwirkung Sedierung (RR 0,49; 95% KI 0,26 bis 0,94); weitere Opioid-bedingte Nebenwirkungen wie Übelkeit (RR 0,53; 95% KI 0,14 bis 2,03), Erbrechen (RR 2,15; 95% KI 0,33 bis 14,11), Atemdepression (RR 0,79; 95% KI 0,16 bis 3,96), Schwindel (RR 0,48; 95% KI 0,21 bis 1,08) und Delir (RR 0,31; 95% KI 0,04 bis 2,54), sind in den Gruppen vergleichbar. Patienten ohne EA haben weniger Juckreiz (RR 2,70; 95% KI 1,11 bis 6,52) sowie ein geringeres Risiko für Hypotension (RR 2,21; 95% KI 0,37 bis 13,05] und für Harnverhalt (RR 2,85; 95% KI 0,66 bis 12,38) als Patienten mit einer EA; diese Nebenwirkungen können der Intervention zugeordnet werden. Auf Grund der sehr niedrigen Evidenz ist aber unklar, ob eine Epiduralanästhesie zu einer Veränderung des Risikos von blockade-assoziierten Nebenwirkungen führt.

Das Risiko für das Auftreten eines postoperativen Ileus war in beiden Gruppen vergleichbar niedrig und konnte durch eine EA nicht weiter reduziert werden (RR 1,23; 95% KI -0,31 bis 4,81) Das Risiko für das Auftreten einer Anastomoseninsuffizienz ist in der Gruppe der Patienten, die EA erhalten haben, reduziert (RR 0,20; 95% KI 0,09 bis 0,92) bei gleichbleibender Rate von Wundinfekten (RR 1,08; 95% KI 0,35 bis 3,33; Anzahl der Studien: 6). Die Liegedauer im Krankenhaus kann durch den Einsatz einer EA um fast zwei Tage reduziert werden (RR 1,80; 95% KI -2,77 bis -0,83).

Den Risiken einer EA stehen die positiven Aspekte einer EA gegenüber, nicht nur bezüglich des analgetischen Effektes, sondern auch bezüglich der Reduktion von Morbidität und Mortalität, z.B. bei Anwendung einer thorakalen EA: Es besteht ein Konsens, dass eine Epiduralkatheteranlage die postoperative pulmonale, kardiale und gastrointestinale Morbidität reduzieren kann (u. a. Reduktion von Atelektasen, Pneumonien, Herzrhythmusstörungen) [232], so dass die Epiduralkatheteranlage auch in der aktuellen S3-LL „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ für verschiedenste Operationen als Verfahren der 1. Wahl empfohlen wird (offene Kolonchirurgische Eingriffe, Thorakotomien). Auch mit der Einschätzung der Risiko-Nutzen-Abschätzung einer EA hat sich die aktualisierte S3-LL „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ beschäftigt. Hier findet sich mit Empfehlungsgrad GoR A (höchster Empfehlungsgrad) die folgende Empfehlung: „Bei Patient:innen, die sich bestimmten Eingriffen unterziehen müssen, soll in die Risiko-Nutzen-Abwägung für die Wahl eines neuraxialen Verfahrens auch ein geringeres Mortalitätsrisiko durch das Verfahren einbezogen werden“.

Unter dem Aspekt, dass eine EA möglicherweise die perioperative Immunantwort verbessert, hat eine dänische retrospektive Registeranalyse den Einfluss der EA auf das onkologische Outcome nach kolorektalchirurgischen Eingriffen aufgrund eines Malignoms untersucht. In dieser Untersuchung konnte allerdings kein Zusammenhang zwischen dem Endpunkt „Rezidiv“ und dem Analgesieverfahren beobachtet werden  [233].

Zusammenfassend bestätigen diese Ergebnisse den guten Effekt einer EA im Vergleich zur systemischen Analgesie bei anderen Operationen und sprechen für den Einsatz einer EA bei Patienten mit offenen onkologisch-viszeralchirurgischen Eingriffen. Die verbesserte Analgesie, geringerer Opioidverbrauch, und frühere Entlassung aus dem Krankenhaus sind die hauptsächlichen Vorteile, die in der hier durchgeführten Meta-Analyse gezeigt werden konnten. Die Daten der hier durchgeführten Meta-Analyse zeigen, dass die EA bezüglich Reduktion von Schmerzen der systemischen Analgesie überlegen ist, wenn auch mit niedrigem Vertrauen in die Evidenz.

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass eine perioperative Schmerztherapie entsprechend eines balanzierten Behandlungskonzeptes durchgeführt werden soll. Hier verweisen wir auf die allgemeinen Empfehlungen der AWMF-S3-LL „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“. Diese empfiehlt z.B., dass Nicht-Opioid-Analgetika zur Analgesie im Rahmen eines balancierten Analgesieregimes verabreicht werden sollen. Diese und weitere allgemeine Empfehlungen dieser Leitlinie gelten auch für die Behandlung von Patienten nach onkologischen viszeralen Eingriffen.

Forschungsfrage

Die Studienlage ist, aufgrund einer geringen Qualität und hohen Heterogenität der Studien, noch deutlich verbesserungswürdig. Weitere randomisiert-kontrollierte Studien müssen klären, ob für bestimmte viszeralchirurgische Eingriffe spezifische Empfehlungen ausgesprochen werden müssen, insbesondere nach Art der OP und des OP Zuganges (offen vs minimalinvasiv).

7.3.2 Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

7.11 · Evidenzbasiertes Statement 2023

Im Vergleich zu peripheren Regionalanalgesieverfahren ist die Epiduralanalgesie bei viszeralchirurgischen, onkologischen Eingriffen - nicht stratifiziert nach Organsystemen und unabhängig vom OP-Zugang - überlegen.

Evidenzlevel

Vergleich von Epiduralanalgesie (EA) vs. Periphere Regionalanalgesie (PRA) - Evidenz: Metaanalyse aus 9 RCTs


⊕⊕⊝⊝

Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach Operation: Kein Effekt (MD -0,74 auf einer Skala von 0 bis 10; 95% KI -1,42 bis -0,05)


⊕⊕⊝⊝

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach Operation: Eine EA führt im Vergleich zur PRA zu einer klinisch relevanten Verringerung der Schmerzintensität (MD -1,07 auf einer Skala von 0 bis 10; 95% KI -1,78 bis -0.35)


⊕⊝⊝⊝

Verfahrensspezifische Adverse Events: Es besteht vermutlich kein Unterschied hinsichtlich verfahrensspezifischer AEs. (RR 4,08; KI 0,48 bis 34,81; Anzahl der Studien: 3)


⊕⊝⊝⊝

Postoperativer Ileus: Kein Effekt (EA: 71 pro 1.000; PRA: 71 pro 1.000; RR 1,00; 95% KI 0,07 bis 14,45)

Konsens
Konsens
Literatur
[234] [235] [236] [237] [238] [239] [240] [241] [242]
Evidenztabellen (3)7.11 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren; 7.11 EtD-Tabelle Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren; 7.11 Evidenztabelle Postoperative Schmerztherapie - Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

Im Rahmen dieser Leitlinie haben wir uns evidenzbasiert mit der Frage beschäftigt, ob es Unterschiede zwischen EA und PRA im Rahmen onkologisch – viszeralchirurgischer Eingriffe gibt, die einen differenzierten Einsatz rechtfertigen. Für die Beantwortung dieser PICO-Frage wurde eine neue Meta-Analyse durchgeführt; 9 Studien konnten zur Beantwortung dieser Frage eingeschlossen werden. Diese Studien waren bezüglich der Art der viszeralchirurgischen Eingriffe sehr heterogen (Studien: 1x Ösophagus, 1x Lunge, 1x Magen, 1x Leber, 2x gemischt Gastrointestinum, 3x Kolorektum); sie enthielten jedoch ausschließlich Operationen auf Grund von onkologischen Diagnosen. Auch bezüglich der Art der PRA waren die Studien unterschiedlich. Bei einer Studie wurde ein TAP -Block durchgeführt, bei 4 Studien eine Wundinfiltration, bei einer Studie eine Interkostalblockade und bei einer Studie ein Paravertebralblock.

Die Unterschiedlichkeiten der eingeschlossenen Maßnahmen führen zu einer erheblichen Heterogenität, da für einzelne Verfahren nicht genügend Studien zur Verfügung standen, konnte im Rahmen der Metaanalyse keine direkteren Vergleiche einzelner PRA durchgeführt werden.  Dies führte zu einer Herabstufung der Qualität der Evidenz und ist einer der Gründe für das nur geringe bis sehr geringe Vertrauen in die Evidenz.

Die EA führt im Vergleich zu einer PRA zu einer klinisch relevanten Verbesserung des primären Outcomes „Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der Operation“. Die Auswertung der 4 diesbezüglichen Studien waren mit einer Verminderung der Schmerzintensität um -1,07 (auf einer Skala von 0-10; 95% KI -1,78 bis -0,35) assoziiert. Dieser klinisch relevante Effekt [231] war bei dem hier angestellten Vergleich auch 48 Stunden nach der Operation assoziiert(MD -1,04 auf einer Skala von 0-10; 95% KI -1,59, bis -0,50). Die Metaanalyse der 7 Studien bei dem primären Outcome „Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der Operation“ ergab keine Unterschiede zwischen EA vs PRA mit einem Wert von -0,74 (auf einer Skala von 0-10; 95% KI -1,42 bis -0,05).

Das primäre Outcome „Anzahl der Patienten mit Verfahren-spezifischen Adverse Events“ wurde in drei und das primäre Outcome „Anzahl der Patienten mit postoperativen Ileus“ in lediglich eine eingeschlossenen Studie untersucht. Die untersuchten Daten waren für beide Parameter mit keinem Unterschied zwischen den beiden untersuchten Verfahren assoziiert. Problematisch ist hier allerdings die Tatsache, dass bei diesen Studien ausgeprägte Bedenken hinsichtlich des risk of bias, der Inkonsistenz der Ergebnisse und des publication bias bestanden, so dass eine Unsicherheit hinsichtlich des nachgewiesenen Effekts bleibt. Hinsichtlich der Outcome-Parameter “Anzahl der Patienten mit Pruritus” und „Anzahl der Patienten mit Hypotension” fand sich in der EA-Gruppe im Vergleich zur PRA-Gruppe ein klinisch relevant erhöhtes Risiko für Pruritus in 3 Studien (RR 5,66; 95% KI 1,03 bis 30,99) und für Hypotension in 4 Studien (RR 3,11; 95% KI 1,57 bis 6,14). Hinsichtlich der sekundären Outcome-Parameter „Anzahl der Patienten mit Übelkeit”, „Anzahl der Patienten mit Übelkeit und Erbrechen" fanden sich keine Unterschiede.

Bei den sekundären Outcome-Parametern „Opioidverbrauch am 1. und 2. Tag nach Operation“ (2 Studien), „Zeit bis erster Flatus“ (2 Studien), „Postoperatives Erbrechen“ (1 Studie), „Postoperative Atemdepression“ (1 Studie), „Postoperative Sedierung“ (1 Studie), „Postoperativer Schwindel“ (1 Studie), „Anastomoseninsuffizienz“ (2 Studien), „Wundinfektion“ (1 Studie), „Hospitalisation“ (MD 0,93 Tage; KI 0,17 bis 1,70; 4 Studien) fanden sich keine Unterschiede zwischen EA und PRA.

Zusammenfassend ergibt sich aus den erhobenen Daten ein Vorteil für den Einsatz einer EA bei onkologisch – viszeralchirurgischen Eingriffen bezüglich Schmerz bei Belastung für mindestens 48 Stunden nach Operation. Allerdings ist basierend auf den Ergebnissen der "de novo"-Literaturrecherche in der berechneten Meta-Analyse keine Stratifizierung nach Organsystemen oder chirurgischem Zugangsweg im Sinne einer Subgruppenanalyse möglich. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, konkrete Handlungsempfehlungen für diese PICO-Frage zu formulieren. Es wurde daher vereinbart, die Evidenz in Form eines evidenzbasierten Statements darzustellen, aber keine Empfehlungen auszusprechen.

Da – bei summarischer Betrachtung vielfältiger Organgebiete - eine thorakale EA Morbidität und Mortalität reduzieren kann [232], sollte auch dies bei der Entscheidung für oder gegen eine EA berücksichtigt werden (vgl hierzu auch 2 weitere S3 Leitlinien: 001-025 und 001-012). In der Subgruppe "abdominalchirurgische Operationen" besteht bei einer OR von 0,73 bezüglich der Mortalität ein möglicher Benefit für den Einsatz der EA, allerdings ist das Vertrauen in den Effekt aufgrund des hohen Konfidenzintervalles (95% KI; 0,35 bis 1,52) gering [232].

 

Forschungsfrage

Die Studienlage ist, aufgrund einer geringen Qualität und hohen Heterogenität der Studien, noch deutlich verbesserungswürdig. Weitere Studien müssen klären, ob kontinuierliche PRA die Qualität der Analgesie verbessern und für bestimmte viszeralchirurgische Eingriffe spezifische Empfehlungen ausgesprochen werden müssen.

7.3.2.1 Minimalinvasive kolorektale Chirurgie

7.12 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Bei minimalinvasiven Kolonresektionen oder (tiefen) anterioren Rektumresektionen kann zur perioperativen Analgesie ein TAP-Block (Transversus abdominis plane block) als Alternative zur EA verwendet werden. 

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel

Vergleich der perioperativen Analgesie mittels TAP-Block versus Epiduralanalgesie bei laparoskopischen kolorektalen Eingriffen. Evidenz aus einer Metaanalyse von 4 RCTs


⊕⊕⊕⊝

Schmerzen in Ruhe 24 Stunden postoperativ: Kein klinisch relevanter Effekt (VAS 1-10: MD 0,22; 95% KI 0,03 bis 0,4)


⊕⊕⊕⊝

Schmerzen bei Bewegung 24 Stunden postoperativ: Kein klinisch relevanter Effekt (VAS 1-10: MD 0,33; 95% KI 0,11 bis 0,55)


⊕⊕⊕⊝

Schmerzen bei Bewegung 48 Stunden postoperativ: Kein klinisch relevanter Effekt (VAS 1-10: MD 0,2; 95% KI 0,05 bis 0,35)


⊕⊝⊝⊝

Opiatkonsum innerhalb von 48 Stunden postoperativ: Kein Effekt (VAS 1-10: MD 3,43; 95% KI -1,88 bis 8,74)


⊕⊕⊕⊝

PONV-Inzidenz: Durch TAP-Block verringert (RR 0,40; 95% KI 0,21 bis 0,73)


⊕⊕⊝⊝

Postoperativer Verbleib des Harnkatheters: Mit TAP-Blockade frühere Entfernung des Blasenkatheters (MD -14,27 Stunden; 95% KI -21,66 bis -6,87)


⊕⊕⊕⊝

Krankenhausverweildauer: kein Effekt (MD 0,4 Tage; 95% KI -0,96 bis 1,75)


⊕⊕⊕⊝

Empfindungsstörungen: Mit TAP-Block erhebliche Risikoreduktion (RR 0,05; 95% KI 0,01 bis 0,28)


⊕⊕⊕⊝

Postoperative Hypotonie nach 48 Stunden: Mit TAP-Block erhebliche Risikoreduktion (RR 0,14; 95% KI 0,03 bis 0,58)

Konsens
Konsens
Literatur
[243] [244] [245] [246] [247]
Evidenztabellen (3)7.12 Evidenztabelle Postoperative Schmerztherapie - Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (Minimalinvasive kolorektale Chirurgie); 7.12 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (minimalinvasive kolorektale Chirurgie); 7.12 EtD-Tabelle Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (Minimalinvasive kolorektale Chirurgie)

Aufgrund der guten analgetischen Wirkung mit Möglichkeiten der Dosisreduktion von Opioiden sowie durch die Prophylaxe eines postoperativen Ileus durch eine Sympathikolyse wird die thorakale Epiduralanalgesie trotz bekannter Risiken und Nebenwirkungen (z. B. Hypotonie oder Empfindungsstörungen) häufig in der Viszeralchirurgie eingesetzt (siehe Kapitel 7.3.1). Das geringere chirurgische Trauma, das mit minimalinvasiven Eingriffen einhergeht, führt zu geringeren Schmerzen und damit zu einem geringeren Analgetikabedarf sowie zu einer Reduktion des POI.

Alternative Verfahren, wie eine periphere Nervenblockade, könnten daher eine mögliche Alternative darstellen. Ein Verfahren, das bereits in der Praxis eingesetzt wird, ist der Transversus abdominis plane (TAP)-Block. Bei dieser Technik wird ein Lokalanästhetikum ultraschallgesteuert oder im Rahmen der Laparoskopie zwischen den Musculus obliquus internus und den Musculus transversus abdominis injiziert, was zu einer peripheren Nervenblockade der anterolateralen Bauchwand führt. Dies kann als einmalige Injektion oder als kontinuierliche Infusion über das Einführen eines Schmerzkatheters erfolgen.

Eine qualitativ hochwertige systematische Übersichtsarbeit hat in einer Subgruppenanalyse die Wirkung der perioperativen Analgesie mittels TAP-Block gegenüber einer thorakalen Epiduralanalgesie (EA) bei laparoskopischen kolorektalen Resektionen verglichen [243]. Eine Update-Suche konnte keine weiteren RCTs zu dieser Fragestellung identifizieren, sodass die Evidenz zu dieser Fragestellung auf der Meta-Analyse von 4 RCTs beruht [244][246][247][241]. In allen 4 Studien wurden sowohl eine einmalige Injektion als auch eine kontinuierliche Lokalanästhesieanwendung über 48 Stunden postoperativ durchgeführt. In zwei der Studien wurde der TAP-Block präoperativ [244][246] und in den anderen beiden postoperativ [241][247] gesetzt. Die EA wurde in allen Studien unmittelbar präoperativ begonnen und postoperativ fortgesetzt.

In Bezug auf die analgetische Wirkung wurde ein Unterschied von einem Punkt auf einer Schmerzskala von 1 bis 10 als klinisch relevanter Unterschied definiert. Dementsprechend zeigten die Ergebnisse der Meta-Analyse sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung nach 24 und 48 Stunden zwar einen geringen Effekt zugunsten der EA, der jedoch nicht klinisch relevant war [243]. Dies bedeutet, dass eine TAP-Blockade mit kontinuierlicher Infusion eines Lokalanästhetikums für 48 Stunden postoperativ eine klinisch gleichwertige analgetische Wirkung wie die EA hat. Auch hinsichtlich des zusätzlichen Opioidbedarfs innerhalb von 48 Stunden postoperativ und der Dauer des Krankenhausaufenthalts konnte kein Unterschied in der Wirksamkeit der beiden analgetischen Verfahren festgestellt werden [243].
 Zu den Vorteilen der TAP-Blockade gehören dagegen eine kürzere Liegedauer des Blasenkatheters, eine kürzere Dauer bis zur Gehfähigkeit (MD -3,33 Stunden; 95% KI -5,32 bis -1,35), ein früheres Auftreten des ersten Flatus (MD -2,72 Stunden; 95% KI -5,01 bis -0,43) und eine geringere Inzidenz von PONV. Hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen zeigt sich der TAP Block der EA ebenfalls überlegen; So wurden in den eingeschlossenen RCTs keine Block-spezifischen Komplikationen erwähnt, wohingegen die EA mit einer erhöhten Inzidenz an Sensibilitätsstörungen sowie von Hypotonien assoziiert war.

In Anbetracht der gleichwertigen analgetischen Wirkung und der deutlichen Verringerung der EA-assoziierten Nebenwirkungen kann daher bei minimalinvasiven kolorektalen Eingriffen (Ausnahme: Rektumexstirpationen) eine TAP-Blockade mit kontinuierlicher Applikation eines Lokalanästhetikums verwendet werden.

Forschungsfrage

Die Wirksamkeit und Sicherheit von peripheren Nervenblockaden wie der TAP-Blockade sind in der minimalinvasiven gastrointestinalen Tumorchirurgie nur unzureichend untersucht. Abgesehen von der kolorektalen Chirurgie konnten keine qualitativ hochwertigen Studien gefunden werden. Daher werden randomisierte kontrollierte Studien benötigt, die die Wirkung von abdominalen Blockaden mit epiduraler oder periduraler Analgesie bei minimalinvasiven Eingriffen im oberen Gastrointestinaltrakt und in der hepatopankreatischen Chirurgie vergleichen.

7.3.3 Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

7.13 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Ein peripheres Regionalanalgesieverfahren kann zur perioperativen Analgesie bei onkologisch-viszeralchirurgischen Eingriffen eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel

Vergleich der postoperativen systemischen Schmerztherapie vs. einer periphereren Regionalanalgesie - Evidenz: Metaanalyse von 26 RCT


⊕⊕⊕⊝

Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der Operation: Kein klinisch relevanter Effekt (MD -0,75 auf einer Skala von 1 bis 10; 95% KI; -1,20 bis -0,31; Anzahl der Studien: 24)


⊕⊕⊕⊝

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der OP: Kein klinisch relevanter Effekt (MD -0,93 auf einer Skala von 1-10; 95% KI -1,34 bis -0,53; Anzahl der Studien: 17)


-

"Kritische Endpunkte", zu denen keine Daten vorlagen: Mortalität, kardiale Komplikationen, Delir, GI-II Kriterien

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[248] [249] [250] [251] [252] [253] [254] [255] [256] [257] [258] [259] [260] [261] [262] [263] [264] [265] [240] [245] [266] [267] [242] [268] [269] [270]
Evidenztabellen (5)7.13 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (offene Operationen); 7.13 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (laporoskopisch); 7.13 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren gesamt; 7.13 EtD-Tabelle Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren; 7.13 Evidenztabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

Für die Beantwortung dieser PICO-Frage wurde eine neue Meta-Analyse durchgeführt; 26 Studien konnten zur Beantwortung dieser Frage eingeschlossen werden. Diese Studien waren bezüglich der Art der onkologisch-viszeralchirurgischen Eingriffe sehr heterogen (Studien: 6x Ösophagus, 4xMagen, 3x Kolon, 1x Rektum, 9x Kolorektum, 4x Leber) sie waren aber alle darin übereinstimmend, dass sie ausschließlich Operationen auf Grund von onkologischen Diagnosen eingeschlossen haben. Es kamen Interkostale Nervenblockaden (3 Studien), der Transversus abdominis plane (TAP) Block (14 Studien), Wundinfusionen (3 Studien), Paravertebralblock (5 Studien), Erectus spinae plane (ESP) Blockade (1 Studie), und Musculus quadratus lumborum Blockade (1 Studie) zum Einsatz.

Eine perioperative PRA führt zu einer nicht klinisch relevanten Reduktion von Ruhe- und Belastungsschmerzen 24 Stunden sowie 48 h nach der Operation (in Ruhe: MD -0,36; 95% KI -0,66 bis -0,06; Anzahl der Studien: 19; bei Belastung: MD -0,78; 95% KI -1,22 bis -0,33; Anzahl der Studien: 14) im Rahmen einer onkologisch-viszeralchirurgischen Operation im Vergleich zu einer systemischen, opioidbasierten Analgesie. Analysiert man die Studien getrennt nach laparoskopischen versus offenen Operationen, kann das Risiko für Schmerzen bei Belastung 24 Stunden nach Operation durch ein PRA klinisch relevant reduziert für offene (MD -1,04; 95% KI -1,73 bis -0,36; Anzahl der Studien: 7) Operationen, aber nicht klinisch relevant für laparoskopische onkologisch-viszeralchirurgische Operationen (MD -0,83; 95% KI -1,41 bis -0,25; Anzahl der Studien: 9). In Ruhe hingegen werden die Schmerzen durch eine PRA sowohl für die offene (MD -0,78; 95% KI -1,50 bis -0,05; Anzahl der Studien: 11) als auch die laparoskopische Chirurgie (MD -0,72; 95% KI -1,35 bis -0,09; Anzahl der Studien: 11) zwar gesenkt, dies ist jedoch nicht als klinisch relevant einzustufen. Alleine 2 Stunden nach der Operation (sekundärer Endpunkt) zeigte sich ein klinisch relevanter Effekt auf die Schmerzintensität in Ruhe und bei Belastung (Ruheschmerz: MD -1,87; 95% KI -2,44 bis -1,29 und Belastungsschmerz: MD -1,79; 95% KI -2,24 bis 1,34).

Der Opioidverbrauch (orales Morphinäquivalent) wird durch den Einsatz einer PRA in den ersten 24 Stunden nach einer Operation verringert (MD -36,83; 95% KI -46,10 bis -27,56). Dies führt zu einer Reduktion Opioid-bedingter Nebenwirkungen nach der Operation, beispielsweise Übelkeit (RR 0,55; 95% KI 0,40 bis 0,76), Erbrechen (RR 0,55; 95% KI 0,32 bis 0,97), Übelkeit und Erbrechen (RR 0,52; 95% KI 0,33 bis 0,83) sowie Sedierung (RR 0,68; 95% KI 0,48 bis 0,95). Der Einsatz eines PRA führt zu keiner Beeinflussung folgender Opioid-bedingter Nebenwirkungen: Atemdepression (RR 0,14; 95% KI 0,02 bis 1,11), Pruritus (RR 0,44; 95% KI 0,17 bis 1,10), Hypotension, (RR 1,00; 95% KI 0,11 bis 9,30), Harnverhalt (RR 1,34; 95% KI 0,32 bis 5,62) und Schwindel (RR 0,65; 95% KI 0,36 bis 1,18).

Die Inzidenz eines postoperativen Ileus war in beiden Gruppen vergleichbar (SA: 76 pro 1.000; PRA: 87 pro 1.000; RR 1,14; 95% KI 0,44 bis 2,94); Die Konfidenzintervalle waren allerdings sehr breit und nur 4 Studien berichten über diesen Endpunkt. Die Zeit bis zum ersten Flatus wird durch ein PRA verringert (RR 0,28; 95% KI 0,09 bis 0,86), nicht jedoch die Zeit bis zur ersten Defäkation (MD 8,06 Stunden; 95% KI -26,84 bis 10,72). Die Liegedauer im Krankenhaus kann durch den Einsatz eines PRA um etwa einen halben Tag reduziert werden, was klinisch allerdings nicht relevant ist (MD -0.62 Tage; KI 95% -0,99 bis -0,25).

Hinsichtlich Pneumonierate (RR 0,28; 95% KI 0,09 bis 0,86; Anzahl der Studien: 2) und Inzidenz von Wundinfekten (RR 0,46; 95% KI 0,17 bis 1,29; Anzahl der Studien: 4) führt die PRA zu einer Reduktion verglichen mit einer systemischen Analgesie.

Zusammenfassend sprechen die Ergebnisse eingeschränkt für den Einsatz eines PRA bei Patienten mit onkologisch-viszeralchirurgischen Eingriffen; die Effekte auf die Schmerzintensität in den Studien sind nur kurzfristig klinisch relevant (2 Stunden nach Operation); später sind sie nicht mehr klinisch relevant unterschiedlich. Dagegen zeigt sich eine klinisch relevante Einsparung von Opioiden mit einhergehender Reduktion Opioid-bedingter Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Übelkeit und Erbrechen, Sedierung), wenn auch weniger deutlich als im Vergleich EA zu systemischen Opioiden. Eine Reduktion von Pneumonien, früherer erster Flatus und frühere Entlassung aus dem Krankenhaus sind mögliche weitere Vorteile. Die Daten der hier durchgeführten Meta-Analyse zeigen, dass ein PRA der systemischen Analgesie überlegen sein könnte; der Effekt ist größer bei offenen Operationen. Ein Katheterverfahren könnte den Effekt verlängern, muss aber erst in klinischen Studien untersucht werden.

Forschungsfrage

Die Studienlage ist, aufgrund einer geringen Qualität und hohen Heterogenität der Studien, noch deutlich verbesserungswürdig. Der Effekt ist nur kurz anhaltend, deshalb wären Untersuchungen mit Katheterverfahren sinnvoll. Weitere Studien müssen klären, ob für bestimmte viszeralchirurgische Eingriffe spezifische Empfehlungen ausgesprochen werden müssen.

7.4 Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen

7.4.1 Pharmakologische Prävention und Therapie

7.4.1.1 Medikamentöse Behandlungsoptionen

Aufgrund der multifaktoriellen Pathogenese stehen verschiedene pharmakologische Interventionen postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen zur Verfügung. Allerdings ist die Studienlage aufgrund uneinheitlicher Core outcome sets hinsichtlich ihrer Qualität und Endpunkte sowie der verwendeten Pharmaka heterogen [271] [272]. Im Folgenden wird die Evidenzlage in Deutschland zugelassener medikamentöser Optionen zur Prävention oder Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen bzw. des postoperativen (paralytischen) Ileus (POI) dargestellt.

7.14 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Die unmittelbar postoperative s.c. Gabe von Methylnaltrexon zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus nach onkologischen kolorektalen Resektionen soll bei systemischer opioidbasierter Schmerztherapie nicht erfolgen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Vergleich der postoperativen Applikation von i.v. Methylnaltrexon gegen Placebo Evidenz: Metaanalyse von 3 randomisiert kontrollierten Studien


⊕⊕⊕⊝

Gesamtkomplikationen: Kein Effekt (RR 1,00; 95% KI 0,9 bis 1,10)


⊕⊕⊕⊕

Kardiale Komplikationen: Kein Effekt (RR 1,25; 95% KI 0,90 bis 1,73)


⊕⊕⊕⊝

Pulmonale Komplikationen: Kein Effekt (RR 0,79; 95% KI 0,21 bis 2,96)


⊕⊕⊝⊝

Dauer bis GI-2: Kein Effekt (MD -0,79 Tage; 95% KI -2,02 bis 0,45)


⊕⊕⊝⊝

Dauer bis zur ersten Defäkation: Kein Effekt (MD -0,44 Tage; 95% KI -1,26 bis 0,39)


⊕⊝⊝⊝

Toleranz solider Kost: Methylnaltrexon verkürzt möglicherweise die Dauer bis zum vollständigen Kostaufbau (MD -26,50 Stunden; 95% KI -33,63 bis -19,37)


⊕⊕⊝⊝

Krankenhausverweildauer: Kein Effekt (MD -0,28 Tage; 95% KI -1,99 bis 1,42)

Konsens
Konsens
Literatur
[273] [274]
Evidenztabellen (3)7.14 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Methylnaltrexon; 7.14 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Methylnaltrexon; 7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen

Methylnaltrexon ist der einzige in Deutschland zugelassene selektive µ-Opioidrezeptorantagonist, der in drei RCTs gegen Placebo in verschiedenen Dosierungen zur Prävention einer postoperativen gastrointestinalen Motilitätsstörung bei Patienten mit (u.a. onkologischen) kolorektalen Resektionen mit primärer Anastomose geprüft wurde. Eine Zulassung zur Prophylaxe oder Therapie des POI gibt es in Deutschland allerdings nicht. Während sich in der deutlich kleineren Studie von Viscusi et al. Vorteile der Intervention auf die gastrointestinale Motilität zeigten [273], konnten diese in den deutlich größeren Patientenkollektiven bei ähnlicher Dosierung von Sik Yu et al. nicht nachvollzogen werden [274]. Kritisch ist hierbei anzumerken, dass die Ergebnisse der zweiten von Sik Yu et al. zusammengefassten Studie nicht in die Metaanalyse überführt werden konnten, jedoch aufgrund des auch hier beschriebenen fehlenden Effektes von Methylnaltrexon auf die postoperative gastrointestinale Motilität und den postoperativen Stuhlgang nicht von einer Änderung der Empfehlung ausgegangen werden muss. Für andere viszeralonkologische Operationen kann aufgrund der fehlenden Datenlage keine Empfehlung ausgesprochen werden.

Für einen weiteren selektiven µ-Rezeptorantagonisten, das Alvimopan, konnte zwar ein positiver Effekt hinsichtlich verkürzter Zeitdauer bis zum vollständigen Kostaufbau, hinsichtlich der Dauer bis zur ersten Defäkation, hinsichtlich der Dauer bis GI-2 sowie einer Reduktion der Krankenhausverweildauer nachgewiesen werden [271], allerdings ist die Substanz in Deutschland nicht zugelassen.

7.15 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Die präoperativ begonnene und postoperativ fortgesetzte Gabe von NSAR kann zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus nach onkologischen kolorektalen Resektionen durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel

Vergleich der postoperativen Applikation von 1mg/kg i.v. Flurbiprophen oder 2x/d 50mg oral Diclophenac gegen Placebo Evidenz: Metaanalyse von 2 randomisiert kontrollierten Studien


⊕⊕⊝⊝

Kardiale Komplikationen: Kein Effekt (RR 0,49; 95% KI 0,05 bis 5,23)


⊕⊕⊕⊕

Dauer bis zur ersten Defäkation: NSAR verkürzen die Dauer bis zur ersten Defäkation (MD -18,00 Stunden; 95% KI -31,07 bis -4,93)


⊕⊕⊝⊝

Toleranz solider Kost: Kein Effekt


⊕⊕⊝⊝

Krankenhausverweildauer: Kein Effekt

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[275] [276]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.15 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - NSAR; 7.15 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - NSAR

Aus analgetischen Gründen und somit einem opioidsparenden Effekt, sowie wegen ihrer antiinflammatorischen Eigenschaften wurden nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAR) und selektive Cyclooxygenaseinhibitoren in mehreren kleineren RCTs bezüglich ihrer Wirkung auf postoperative gastrointestinale Motilitätsstörungen überprüft. In zwei voneinander unabhängigen systematischen Reviews konnten 5 bzw. 6 RCTs identifiziert und in deren Metaanalysen ein Effekt für die Medikamentengruppe hinsichtlich der Dauer bis zum ersten postoperativen Stuhlgang und dem Kostaufbau nach kolorektalen Resektionen berechnet werden [Milne, TGE et al. 2018] [278]. Jedoch sind hier mehrere RCTs eingeschlossen worden, deren Interventionen mit Medikamenten durchgeführt wurden, die derzeit in Deutschland nicht zugelassen sind, wie bspw. Ketorolac in der erprobten Darreichungsform und Coxibe. Wie bereits im Review von Milne et al. diskutiert, bleibt offen, welche Medikamente aus der Gruppe der NSAR und / oder selektiveren COX-Inhibitoren besonders effektiv hinsichtlich der Prophylaxe eines POI sind [Milne, TGE et al. 2018].

In der systematischen Literaturrecherche konnten zwei RCTs identifiziert werden, bei denen perioperativ NSAR verabreicht wurden. Zusammenfassend ist die Hinzunahme von NSAR in die perioperative Schmerztherapie klinischer Standard. Durch eine bereits präoperativ begonnene Applikation von NSAR, bspw. 50mg Diclophenac, kann die Dauer bis zum ersten postoperativen Stuhlgang nach kolorektalen Resektionen verringert werden [275][276]. Weitere Effekte auf Kostaufbau oder Krankenhausverweildauer konnten in der Analyse der beiden Studien nicht gezeigt werden, wobei hier jedoch das Vertrauen in die Evidenz gering ist [276]. Zu beachten ist bei der perioperativen Applikation von NSAR, dass diese mit einer erhöhten Inzidenz an Anastomoseninsuffizienzen einherzugehen scheinen, sodass bei dieser Empfehlung ein möglicher Zusammenhang zwischen der Applikation von NSAR und einer erhöhten Inzidenz an Anastomoseninsuffizienzen berücksichtigt werden muss [279][280][281][282][283].

Als weiteren opioidsparenden Mechanismus wurde die intra-abdominelle oder i.v. Applikation der Lokalanästhethika, Bupivacain und Lidocain hinsichtlich ihres Effektes auf postoperative gastrointestinale Motilitätsstörungen und die Entwicklung eines POI im Rahmen von abdominellen Eingriffen getestet [222], [284]. Eine Studie konnte identifiziert werden, bei der Patienten mit onkologischen kolorektalen Resektionen eingeschlossen wurden [222]. Hier wurden in einer dreiarmigen Randomisierung der Effekt von perioperativ verabreichtem Lidocain entweder über einen thorakalen Epiduralkatheter oder i.v. gegen Placebo verglichen. Die Dauer bis zum ersten Stuhlgang wurde nicht erfasst, aber die Lidocaintherapie, besonders über den thorakalen Epiduralkatheter verabreicht, zeigte einen Effekt bezüglich der Dauer bis zum ersten Flatus und Vorteile hinsichtlich postoperativer Schmerzen, jedoch nicht bezüglich der Krankenhausaufenthaltsdauer [222]. Auch ein Cochrane Review aus dem Jahr 2018 untersucht die Wirkung einer intravenösen Lidocain Gabe vs. EA, Placebo oder ohne Kontrollgruppe hinsichtlich analgetischer Wirkung sowie Prophylaxe eines POI bei verschiedenen abdominalchirurgischen Eingriffen. Bei insgesamt niedrigem bis sehr niedrigem Vertrauen in die Evidenz verbleibt der Effekt von Lidocain unklar bzw. es ist kein Effekt nachweisbar [285]. Aufgrund der limitierten Datenlage kann daher (parallel zu der sehr schwachen Empfehlung der AWMF-S3-LL „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ für Lidocain i.v. als „kann“ Empfehlung mit einem Empfehlungsgrad GoR 0) keine Empfehlung für die i.v. oder intra-abdominelle Applikation von Lokalanästhetika im Rahmen viszeralonkologischer Operationen ausgesprochen werden.

Reduzierung der perioperativen sympathetischen Hyperaktion

Durch die Therapie mit B-Adrenorezeptorblockern und A2-Rezeptoragonisten soll die postoperative sympathische Hyperaktion herunterreguliert und der Anteil des enterischen Nervensystems an der Pathopyhsiologie der postoperativen gastrointestinalen Paralyse durchbrochen werden [286][287].

7.16 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Propranolol soll nicht zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus nach onkologischen kolorektalen Resektionen angewendet werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Vergleich der postoperativen Applikation von zunächst i.v., dann oralem Propranolol (i.v.: 4 mg und 10 mg; oral: 40 mg und 80 mg) gegen Placebo Evidenz: Ergebnisse einer randomisiert, kontrollierten Studie aus 1987


⊕⊝⊝⊝

Pulmonale Komplikationen: Kein Effekt (RR nicht bestimmbar)


⊕⊝⊝⊝

Dauer bis zur ersten Defäkation: Propranolol verkürzt möglicherweise die Dauer bis zur ersten Defäkation (MD -29,00 Stunden; 95% KI -49,94 bis -8,06)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[286]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.16 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Propanolol; 7.16 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Propanolol

Der Einfluss des unselektiven Betablockers Propranolol versus Placebo wurde in der Cochrane-Analyse von Traut et al. 2008 überprüft. Jedoch wurden in die Studie von Ferraz et al. aus 2001 keine Patienten, die einer gastrointestinalen Tumorresektion unterzogen worden sind, eingeschlossen, sodass im Folgenden lediglich die Ergebnisse der Studie von Hallerbäck et al. aus 1987 isoliert betrachtet werden [286][271][288]. Der perioperative Einsatz von B-Adrenorezeptorblockern in der Prophylaxe des postoperativen Ileus wurde in der placebokontrollierten Studie von Hallerbäck an Patienten nach kolorektalen Resektionen, u.a. aus onkologischen Gründen, erprobt [286][271]. Beide eingesetzten Dosierungen von Propranolol zeigten eine kürzere Dauer bis zum ersten Stuhlgang (p<0,01). Dieser Effekt war insbesondere evident bei älteren Patienten (>60 Jahre) und bei Patienten, die einer linksseitigen Kolonresektion unterzogen worden waren [286]. Allerdings handelt es sich hier um eine alte Studie mit gemischtem Patientenkollektiv und unklarer Verblindung, sodass die Zuverlässigkeit und das Vertrauen in die Evidenz sehr gering ist. Zusätzlich wurde von Hallerbäck et al. lediglich die Dauer bis zur ersten Defäkation als Surrogatparameter für die gastrointestinale Funktion nach kolorektalen Resektionen verwendet. Aufgrund dessen können keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Behandlung zukünftiger Patienten geschlossen werden und Propranolol soll nicht zur Prophylaxe des POI nach onkologischen kolorektalen Resektionen eingesetzt werden. Für andere viszeralonkologische Operationen kann aufgrund der fehlenden Datenlage keine Empfehlung ausgesprochen werden.

Dexmedetomidin

Dexmedetomidin, ein alpha2-Rezeptoragonist, wirkt zentral sedierend sowie analgetisch und hat somit besonders bei intraoperativer Gabe einen opioidsparenden Effekt [287]. In der Metaanalyse von Behera et al. kommen die Autoren zu der Schlussfolgerung, dass die perioperative Applikation von Dexmedetomidin zu einer schnelleren Regulierung der gastrointestinalen Funktionen postoperativ führt [289]. 

Dexmedetomidin wurde in den eingeschlossenen Studien im Rahmen von viszeralchirurgischen Tumorresektionen zumeist perioperativ verabreicht: Loading (0,5 µg/kg – 1 µg/kg) kurz vor der Narkoseeinleitung und intraoperativ mit einer Laufrate von 0,2 µg/kg/h – 0,4µg/kg/h fortgeführt [287][290][291]. In der Studie von Xin erfolgte die Dexmedetomidingabe in Form einer PCA zusätzlich zur opioidbasierten Schmerztherapie [292]. In letzterer wurden die hier relevanten Zielparameter nicht erfasst. Die Metaanalyse der hier eingeschlossenen Studien konnte eine verkürzte Dauer bis zur ersten Defäkation, bis zum vollständigen Kostaufbau und des Krankenhausaufenthaltes nach Dexmedetomidingabe zeigen. Eine Limitation ist jedoch, dass die eingeschlossenen Studien keine Informationen hinsichtlich der perioperativen Verwendung rückenmarksnaher Analgesieverfahren bereitstellen. Besonders die Periduralanästhesie hat sympathikolytische Eigenschaften, die auch einer postoperativen gastrointestinalen Motilitätssteigerung zu Nutze kommen. Ob der Effekt von Dexmedetomidin vergleichbar mit der sympatholytischen Reaktion unter Periduralanästhesie ist, müssen weitere Studien zeigen.

Unter Therapie mit Dexmedetomidine kam es in den Studien, die in die Metaanalyse eingeschlossen wurden, zwar zu niedrigeren Herzfrequenzen und Blutdruckwerten sowie geringeren Variabilitäten, jedoch nicht zu kritischen Bradykardien, Hypotensionen oder einer höheren Rate von klinisch apparenten hämodynamischen Instabilitäten. Im Gegensatz zum von Cho et al., Chen et al. und Lu et al. beschriebenen kardialen Sicherheitsprofil von Dexmedetomidin [287][290][291] musste die Studie zur balancierten, opioidfreien Narkose von Beloeil et al. wegen schwerer intraoperativer Bradykardien bis zur Asystolie in der Dexmedetomidin Gruppe, aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden [293]. Die bradykarden Komplikationen wurden auf die wesentlich höheren Dosen von Dexmedetomidin zurückgeführt [293].

Nichtsdestoweniger sind bei der Anwendung von Dexmedetomidin der opioidsparende und zusätzlich sedierende Effekt des Pharmakons, sowie die beschriebenen Kontraindikationen, insbesondere Bradykardie und kardiale Erregungsbildungs-/-leitungsstörungen dringend zu beachten. Ausserdem zu beachten ist der aktuelle Rote Hand Brief (BfArM - Risikoinformationen - Rote-Hand-Brief zu Dexmedetomidin: Risiko von erhöhter Mortalität bei Intensivpatienten ≤ 65 Jahren, 15.06.2022), der das generelle Sicherheitsprofil von Dexmedetomidin in Frage stellt. Die Risikoinformation basiert auf der Sekundärdatenanalyse der SPICE III Studie ([294], [295]). Eine allgemeine Konversion dieser Ergebnisse auf die hier intendierte Indikation von Dexmedetomidin und Fragestellung dieser Leitlinie ist zwar nicht möglich, da sich die Patientenpopulation, die Anwendungsindikation, Applikationsdauer und Dosierung deutlich unterscheiden, aber in der Sekundärdatenanalyse der SPICE III Studie zeigte sich eine erhöhte 90-Tage Letalität bei kritisch kranken, jüngeren Patienten (≤ 65 Jahre) unter Dexmedetomidin als alleiniges Sedativum auf Intensivstation [295]. Dexmedetomidin wurde hier zum Teil über einen langen Zeitraum (bis zu 28 Tage) und in einer höheren Dosierung (bis 1,5µg/kg/h in SPICE III, um eine ausreichende Sedierung zu erreichen) verabreicht [295]. Zusätzlich fiel die gesteigerte 90-Tage Letalität in einem non-operativen Setting auf [295]. Somit ist die Situation nur bedingt mit dem zeitlich deutlich begrenzten und kumulativ niedriger dosierten peri- bzw. intraoperativen Einsatz von Dexmedetomidin als Adjuvans im Rahmen der Allgemeinnarkose zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus vergleichbar. In der Leitlinienkommission wurde nach ausgiebiger Diskussion aufgrund des o.g. Rote Hand Briefes vorerst von einer Empfehlung zur peri- bzw. intraoperativen adjuvanten Anwendung von Dexmedetomidin im Rahmen der Allgemeinnarkose zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus abgesehen, jedoch ein erheblicher Forschungsbedarf festgestellt. Es sind weitere Studien notwendig, um zum einen die Effektivität in der Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus, zum anderen die Sicherheit von peri- bzw. intraoperativ verabreichtem Dexmedetomidin weiter zu belegen.

Forschungsfrage – Dexmedetomidin zur Prophylaxe des POI

Angesichts der aktuellen Studienlage ist die Evidenz für die medikamentöse Prävention einer postoperativen gastrointestinalen Motilitätsstörung oder die Therapie eines klinisch manifesten postoperativen (paralytischen) Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen, insbesondere hinsichtlich in Deutschland zugelassener bzw. erhältlicher Medikamente, gering.

Insuffiziente medikamentöse Präventionsmöglichkeiten führen zu Steigerungen der Morbidität, der Krankenhausverweildauer und erhöhten Kosten im Gesundheitssystem.

Auf der Grundlage der vorliegenden Evidenz hat sich perioperativ, als Adjuvans zur Allgemeinanästhesie verabreichtes Dexmedetomidin als potenzielles Pharmakon zur Prävention einer gastrointestinalen Motilitätsstörung herausgestellt. Die in der Metaanalyse evaluierten Effekte von Dexmedetomidin auf den postoperativen (paralytischen) Ileus sind vielversprechend. Allerdings erfolgten die eingeschlossenen Studien an heterogenen, asiatischen Patientenkollektiven, sodass Rückschlüsse auf ein westeuropäisches Patientenkollektiv nicht gänzlich möglich sind. Die in die Metanalyse eingeschlossenen Studien konnten keine Sicherheitsbedenken in o.g. Dosierungen hinsichtlich des zeitlich begrenzten peri- und intraoperativen Einsatzes von Dexmedetomidin zur Allgemeinnarkose im Rahmen von gastrointestinalen Tumorresektionen nachweisen.  Demgegenüber stehen die Ergebnisse der SPICE III Studie, allerdings mit gänzlich unterschiedlichem Patientenkollektiv, Indikation, Anwendungsdauer und Dosierung von Dexmedetomidin. Somit sind weitere prospektive, randomisiert kontrollierte Studien notwendig, um die Effektivität und insbesondere Sicherheit von Dexmedetomidin im perioperativen Setting gänzlich zu bestätigen.

Zudem ist nicht geklärt, welche Patienten hinsichtlich der Art der gastrointestinalen Tumorresektion von der perioperativen Verabreichung von Dexmedetomidin profitieren. Außerdem bleibt bezüglich des sympatholytischen und analgetischen Effektes von Dexmedetomidin offen, ob die medikamentöse Therapie mit Dexmedetomidin äquivalent oder sogar effektiver im Vergleich zur in der Abdominalchirurgie weit verbreiteten Anwendung einer Periduralanästhesie ist oder inwieweit die Wirkung durch rückenmarksnahe Analgesieverfahren potenziert werden kann.

Somit muss die Wirksamkeit bei verschiedenen Patientengruppen und verschiedenen perioperativen Behandlungsschemata in künftigen Studien verglichen und weiter untersucht werden

Parasympathomimetika

Parasympathomimetika wirken tonussteigernd auf glatte Muskelzellen im Intestinum.

7.17 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Neostigmin kann als Ultima ratio zur Therapie des klinisch manifesten postoperativen (paralytischen) Ileus angewendet werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel

Vergleich der Applikation von i.m. Neostigmin gegen Placebo oder Standardtherapie - Evidenz: Metaanalyse von 2 randomisiert kontrollierten Studien


⊕⊝⊝⊝

Dauer bis zur ersten Defäkation: Neostigmin verkürzt möglicherweise die Dauer bis zur ersten Defäkation (MD -42,90 Stunden; 95% KI -47,54 bis -38,25)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[296] [297]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.17 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Neostigmin; 7.17 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Neostigmin

Trotz der breiten Anwendung in der klinischen Routine zur Therapie des postoperativen paralytischen Ileus, ist die Evidenz für den Acetylcholinesteraseinhibitor Neostigmin zur Prävention oder Therapie einer postoperativen gastrointestinalen Motilitätsstörung nach gastrointestinalen Tumorresektionen in der derzeitigen Literatur gering. In der Cochrane Analyse von Traut et al. wurden zwei Studien zusammengefasst. Hier wurde unmittelbar postoperativ mit der Neostigmintherapie begonnen. Es zeigte sich zwar eine Reduktion der Dauer bis zum ersten postoperativen Flatus und Stuhlgang, allerdings war die Fallzahl gering und das Patientenkollektiv heterogen [271]. Es wurden ausschließlich Patienten nach Cholezystektomie und Notfalllaparotomie eingeschlossen [271].

Bereits 1988 wurde Neostigmin von Myrhoj et al. zur Therapie der postoperativen gastrointestinalen Paralyse nach u.a. onkologischen abdominellen Resektionen evaluiert. Die Paralyse wurde definiert als ausbleibender Flatus oder Stuhlgang am zweiten postoperativen Tag, sodass Patienten Placebo oder 0,5mg Neostigmin intramuskulär in dreistündlicher Wiederholung erhielten [296]. Allerdings konnte kein Effekt der Neostigmintherapie auf die Dauer der gastrointestinalen Paralyse festgestellt werden [296]. Ähnliche Einschlusskriterien (ausbleibender Flatus oder Defäkation an postoperativem Tag 3-6) verwendeten You et al. 2018 in ihrer vierarmigen placebokontrollierten Studie bei Patienten nach onkologischer Gastrektomie [297]. Insbesondere die beidseitige Injektion von jeweils 0,5mg Neostigmin am ST36 Akkupunkturpunkt war besonders effektiv und reduzierte die Dauer bis zum ersten Flatus und Stuhlgang [297]. Daneben war die alleinige intramuskuläre Injektion von 1mg Neostigmin der alleinigen Akkupunktur und der Standardtherapie überlegen [297]. 

7.18 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Prucaloprid zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen sollte nicht eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel

Vergleich der perioperativen Applikation von oralem Prucaloprid gegen Placebo - Evidenz: Metaanalyse von 3 randomisiert kontrollierten Studien


⊕⊕⊕⊕

Gesamtkomplikationen: Kein Effekt (RR 1,15; 95% KI 0,77 bis 1,70)


⊕⊕⊕⊕

Magensondenreinsertionsrate: Kein Effekt (RR 0,75; 95% KI 0,40 bis 1,39)


⊕⊕⊕⊕

Chirurgische Komplikationen > CD II°: Kein Effekt (RR 1,05; 95% KI 0,56 bis 1,95)


⊕⊕⊕⊝

Kardiale Komplikationen: Kein Effekt (RR 0,95; 95% KI 0,33 bis 2,76)


⊕⊕⊕⊕

Pulmonale Komplikationen: Kein Effekt (RR 2,00; 95% KI 0,19 bis 21,58)


⊕⊝⊝⊝

Dauer bis GI-2: Die Dauer bis zum Erreichen des Composite-Kriterium GI-2: Kein Effekt (MD -1,80 Tage; 95% KI -5,39 bis 1,78)


⊕⊕⊝⊝

Dauer bis zur ersten Defäkation: Kein Effekt (MD -0,39 Tage; 95% KI -1,15 bis 0,37)


⊕⊝⊝⊝

Toleranz solider Kost: Kein Effekt (MD -3,08 Tage; 95% KI -9,60 bis 3,43)


⊕⊝⊝⊝

Krankenhausverweildauer: Kein Effekt (MD -3,06 Tage; 95% KI -7,21 bis 1,09)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[298] [299] [300]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.18 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Prucaloprid; 7.18 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Prucaloprid

Serotonin-5-Hydroxytryptamin-4 (5-HT4-) Rezeptoragonisten, wirken zum einen durch neuronale Acteylcholinfreisetzung im Plexus myentericus über parasympathomimetische Mechanismen prokinetisch, sowie lokal antiinflammatorisch, was wiederum gastrointestinale Motilitätsstörungen insbesondere nach abdominellen Operationen entgegenwirkt [298] [Milne, T et al. 2022] [301].

Der Effekt des 5-HT4-Rezeptoragonisten Cisaprid auf die gastrointestinale Motilität nach abdominalchirurgischen Eingriffen wurde In der Metaanalyse von Traut et al. überprüft. Hier zeigte sich eine kürzere Dauer bis zur ersten postoperativen Defäkation, jedoch kein Effekt auf den postoperativen Kostaufbau oder Krankenhausverweildauer [271]. Aufgrund des kardialen Nebenwirkungsprofils ist Cisaprid in Deutschland nicht zugelassen. Narita et al. und Toyomasu et al. konnten in ihren RCTs für den 5-HT4-Rezeptoragonisten Mosaprid Vorteile hinsichtlich der Dauer bis zur ersten Defäkation herausarbeiten. Die Ergebnisse bezüglich des Kostaufbaus und der Krankenhausverweildauer sind jedoch divergent [302], [303].

Drei weitere RCTs evaluieren den aufgrund eines günstigeren kardiovaskulären Risikoprofils in Deutschland in der Reservetherapie der chronischen Obstipation zugelassen oralen 5-HT4-Rezeptoragonisten Prucaloprid zur Prävention einer gastrointestinalen Motilitätsstörung und des POI nach u.a. viszeralonkologischen Eingriffen. Hier wurde perioperativ 2 mg Prucaloprid oral bis maximal zum 7. Postoperativen Tag verabreicht [298], [Stakenborg, N et al. 2019], [Milne, T et al. 2022]. In der Metaanalyse der Studiendaten konnte jedoch kein Effekt auf die postoperative gastrointestinale Motilität gezeigt werden. Limitierend muss angemerkt werden, dass die kontinuierlichen Studiendaten von Gong et al. nicht der Metaanalyse zugänglich waren. Hier zeigte sich in einem gemischten Kollektiv von 45 Patienten in der Interventionsgruppe ebenfalls kein Effekt von Prucaloprid auf den Kostaufbau, aber ein Vorteil für Prucaloprid hinsichtlich der Dauer bis zur ersten Defäkation und der Krankenhausverweildauer nach gastrointestinalen Resektionen [298].

Prokinetika

7.19 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Metoclopramid soll nicht zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Vergleich der postoperativen Applikation von i.v. Metoclopramid gegen Placebo - Evidenz: Metaanalyse von 2 randomisiert kontrollierten Studien


⊕⊕⊕⊝

Magensondenreinsertionsrate: Kein Effekt (RR 0,88; 95% KI 0,27 bis 2,92)


⊕⊕⊕⊝

Toleranz solider Kost: Kein Effekt (MD -0,20 Tage; 95% KI -1,04 bis 0,64)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[304] [305]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.19 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Metoclopramid; 7.19 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Metoclopramid

In der Metaanalyse von Traut et al. von einigen älteren Studien zur unmittelbar postoperativ begonnenen i.v. oder i.m. Medikation mit Dopaminantagonisten konnte kein Vorteil der Intervention auf die Dauer bis zum ersten Stuhlgang oder hinsichtlich des Kostaufbaus nach Abdominalchirurgie beschrieben werden [271]. Allerdings wurden hier heterogene Patientenkollektive mit unter anderem ausschließlich Cholezystektomien [306] oder aortalen Eingriffen [307], sowie eine Studie mit dem in Deutschland nicht zugelassenen Bromoprid inkludiert [271]. Zur Evaluation des Effekts von Metoclopramid auf die Prävention postoperativer gastrointestinaler Motilitässtörungen nach onkologischen Dünn- und Dickdarmresektionen wurden zwei Studien identifiziert [304] [305]. Weder in der Einzelstudien- noch in der Metaanalyse konnte ein Effekt für Metoclopramid (10mg, repetitiv 3x/d parenteral verabreicht, unmittelbar postoperativ begonnen) hinsichtlich der Dauer bis zur ersten Defäkation oder in der Magensonden-Reinsertionsrate gesehen werden.

7.20 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Erythromycin soll nicht zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Vergleich der perioperativen Applikation von i.v. Erythromycin gegen Placebo - Evidenz: Metaanalyse von 4 randomisiert kontrollierten Studien


⊕⊕⊕⊝

Dauer bis zur ersten Defäkation: Kein Effekt (MD 0,99 Tage; 95% KI 0,90 bis 1,08)


⊕⊕⊕⊝

Toleranz solider Kost: Kein Effekt (MD 1,04 Tage; 95% KI 0,93 bis 1,15)


⊕⊕⊕⊝

Krankenhausverweildauer: Kein Effekt (MD 1,00 Tage; 95% KI 0,90 bis 1,11)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[271]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.4.1 Erythromycin_SoF; 7.20 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Erythromycin

Das Makrolidantibiotikum Erythromycin wirkt v.a. über Motilinrezeptoren überwiegend auf den Magen prokinetisch und entleerungsfördernd. Dazu passend haben Yeo et al. in 1993 in ihrer prospektiv-randomisierten, placebokontrollierten Studie eine reduzierte Inzidenz des Delayed Gastric Emptying nach Pankreaskopfresektionen und totalen Pankreatektomien, unter postoperativer Infusion von 200mg alle 6h im postoperativen Verlauf, zeigen können [308]. Hinsichtlich einer postoperativen gastrointestinalen Funktionsstörung konnten Traut et al. in ihrer Metaanalyse keinen Effekt einer unmittelbar postoperativ begonnenen i.v. Erythromycintherapie auf den postoperativen Kostaufbau, die Dauer bis zum ersten Stuhlgang oder die Krankenhausverweildauer nach vornehmlich trans-abdominellen Tumorresektionen zeigen [271].

7.21 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Laxantien sollten frühzeitig in eine multimodale Prophylaxe und / oder Therapie des postoperativen (paralytischen) Ileus nach onkologischen kolorektalen Resektionen implementiert werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel

Vergleich der perioperativen, rektalen oder oralen Applikation von Laxantien gegen Placebo oder Standardtherapie - Evidenz: Metaanalyse von 3 randomisiert kontrollierten Studien


⊕⊕⊝⊝

Gesamtkomplikationen: Kein Effekt (RR 0,86; 95% KI 0,41 bis 1,79)


⊕⊕⊝⊝

Magensondenreinsertionsrate: Kein Effekt (RR 0,94; 95% KI 0,65 bis 1,36)


⊕⊕⊝⊝

Chirurgische Komplikationen > CD II°: Kein Effekt (RR 1,65; 95% KI 0,92 bis 2,97)


⊕⊕⊝⊝

Kardiale Komplikationen: Kein Effekt (RR 1,26; 95% KI 0,35 bis 4,60)


⊕⊕⊝⊝

Pulmonale Komplikationen: Kein Effekt (RR 2,39; 95% KI 0,85 bis 6,77)


⊕⊕⊝⊝

Dauer bis GI-2: Die Dauer bis zum Erreichen des Composite-Kriterium GI-2 (narrativ: Vorteil für Laxantien)


⊕⊕⊝⊝

Dauer bis zur ersten Defäkation: Laxantien verkürzen die Dauer bis zur ersten Defäkation (MD -1,12 Tage; 95% KI -1,42 bis -0,82)


⊕⊕⊝⊝

Toleranz solider Kost: Kein Effekt (MD -0,07 Tage; 95% KI -0,38 bis 0,25)


⊕⊕⊝⊝

Krankenhausverweildauer: Kein Effekt (MD -1,08 Tage; 95% KI -3,01 bis 0,84)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[309] [310] [311]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.21 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Laxantien; 7.21 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Laxantien

Laxantien wirken zum Teil osmotisch, sowie im Kolon motilitätssteigernd. Zwei Studien mit Patienten nach kolorektalen Tumorresektionen konnten identifiziert werden, die Laxantien (Bisacodyl [310]oder Coloxyl® mit Senna + Movicol® + Fleet® [311]) geplant perioperativ, oral appliziert, zur Prävention einer gastrointestinalen Motilitätsstörung, eine, die Bisacodyl in der Therapie bei klinisch manifestem POI, rectal appliziert [309], evaluiert hat. Die Laxantien wurden repetitiv, v.a. bis zum Erreichen des jeweiligen Studienendpunktes (Defäkation oder GI-2) verabreicht.

Unsere Metaanalyse konnte einen Vorteil für eine Laxantiengabe sowohl zur Prävention einer gastrointestinalen Motilitätsstörung als auch in der Therapie des klinisch manifesten POI nach kolorektalen Resektionen hinsichtlich der Dauer bis zur Defäkation zeigen. Zusätzlich haben Dudi-Venkata et al. einen Vorteil hinsichtlich der GI-2 Composite-Kriterien für die prophylaktische postoperative Laxantiengabe versus perioperative Standardbehandlung gesehen [311]. Einen isolierten Effekt auf den Kostaufbau oder die Krankenhausverweildauer haben Laxantien dabei jedoch nicht. Da sich die Komplikationsraten in den untersuchten Gruppen nicht unterschieden, kann empfohlen werden, dass Laxantien frühzeitig sowohl in die Prophylaxe als auch in die Therapie einer gastrointestinalen Motilitätsstörung und des POI nach onkologischen kolorektalen Resektionen im Sinne eines multimodalen Stufenkonzepts implementiert werden sollten. Für andere viszeralonkologische Operationen kann aufgrund der fehlenden Datenlage keine Empfehlung ausgesprochen werden.

Im Gegensatz zu Laxantien hat Simethicon (160 mg oral, 4x/d) keinen Effekt auf die Prophylaxe gastrointestinaler Motilitätsstörungen nach kolorektalen Resektionen [312] und osmotisch wirksame Röntgenkontrastmittel [zum Beispiel Gastrografin® (100 ml oral)] keinen Nutzen in der Therapie des klinisch manifesten POI [313].

7.22 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Simethicon soll nicht zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Vergleich der postoperativen, oralen, repetitiven Applikation von Simethicon gegen Placebo - Evidenz: Analyse von 1 randomisiert kontrollierten Studie


⊕⊕⊕⊕

Gesamtkomplikationen: Kein Effekt (RR 1,10; 95% KI 0,63 bis 1,91)


⊕⊕⊕⊕

Chirurgische Komplikationen > CD II°: Kein Effekt (RR 0,52; 95% KI 0,05 bis 5,55)


⊕⊕⊕⊕

Dauer bis zur ersten Defäkation: Kein Effekt (MD -1,80 Tage; 95% KI -11,02 bis 7,42)


⊕⊕⊕⊕

Krankenhausverweildauer (narrativ: Kein Effekt)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[312]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.22 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Simethicon; 7.22 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Simethicon
7.23 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Osmotisch wirksame Röntgenkontrastmittel (z.B. Gastrografin®) sollen nicht zur Therapie des postoperativen (paralytischen) Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel

Vergleich der oralen Applikation von 100 ml Gastrografin® gegen Placebo über eine Magensonde beim klinisch manifesten POI zu dessen Therapie - Evidenz: Analyse von 1 randomisiert kontrollierten Studie


⊕⊕⊕⊕

Gesamtkomplikationen: Kein Effekt (RR 1,21; 95% KI 0,72 bis 2,03)


⊕⊕⊕⊕

Pulmonale Komplikationen: Kein Effekt (RR 0,56; 95% KI 0,05 bis 5,82)


⊕⊕⊕⊕

Dauer bis zur ersten Defäkation: Kein Effekt (MD -1,18 Tage; 95% KI -4,03 bis 1,67)


⊕⊕⊕⊕

Toleranz solider Kost: Kein Effekt (MD -2,22 Tage; 95% KI -5,42 bis 0,98)


⊕⊕⊕⊕

Krankenhausverweildauer: Kein Effekt (MD -4,50 Tage; 95% KI -11,17 bis 2,17)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[313]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.4.23 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Osmotisch wirksames Röntgenkontrastmittel (z.B. Gastrografin®); 7.23 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen -– Osmotisch wirksames Kontrastmittel (z.B. Gastrografin®)

7.4.1.2 Traditionell-japanische Medizin: Daikenchuto

7.24 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Daikenchuto sollte nicht zur Prophylaxe des postoperativen (paralytischen) Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel

Vergleich der perioperativen, oralen Applikation von Daikenchuto gegen Placebo oder Standardtherapie - Evidenz: Metaanalyse von 11 randomisiert kontrollierten Studien


⊕⊕⊝⊝

Gesamtkomplikationen: Kein Effekt (RR 0,93; 95% KI 0,69 bis 1,24)


⊕⊕⊝⊝

Magensondenreinsertionsrate: Kein Effekt (RR 0,99; 95% KI 0,06 bis 15,62)


⊕⊝⊝⊝

Chirurgische Komplikationen > CD II°: Kein Effekt (RR 0,60; 95% KI 0,31 bis 1,16)


⊕⊕⊝⊝

Pulmonale Komplikationen: Kein Effekt (RR 0,37; 95% KI 0,10 bis 1,47)


⊕⊝⊝⊝

Dauer bis zur ersten Defäkation: Kein Effekt (MD -9,41 Stunden; 95% KI -25,27 bis 6,44)


⊕⊝⊝⊝

Toleranz solider Kost: Kein Effekt (MD -36,73 Stunden; 95% KI -95,11 bis 21,66)


⊕⊝⊝⊝

Patientenzufriedenheit: Kein Effekt


⊕⊝⊝⊝

Krankenhausverweildauer: Kein Effekt (MD -2,41 Tage; 95% KI -5,56 bis 0,74)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[314] [315] [316] [317] [318] [319] [320] [321] [322] [323] [324]
Evidenztabellen (3)7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen; 7.4.24 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Daikenchuto; 7.24 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Daikenchuto

Daikenchuto (DKC) ist eine phytotherapeutische Formel aus der tradionellen japanischen Medizin und besteht aus den pflanzlichen Inhaltsstoffen japanischer Pfeffer, getrockneter Ingwer, Ginsengwurzel und Maltosepulver [314]. DKC werden stuhlregulierende und antiinflammatorische Eigenschaften zugesprochen [318][316][325]. Eine Vielzahl an RCTs, vor allem aus dem asiatisch-japanischen Bereich beschäftigt sich mit der Wirkung von perioperativ oral verabreichtem DKC auf postoperative gastrointestinale Motilitätsstörungen und den POI nach abdominalchirurgischen Eingriffen. In der hier de-novo durchgeführten systematischen Literaturrecherche konnten 11 RCTs identifiziert werden, bei denen die perioperative, orale Gabe von DKC auf die postoperative gastrointestinale Motilität im Rahmen viszeralchirurgischer Tumorresektionen gegen Placebo oder die Standardtherapie getestet wurde [314][315][316][317][318][319][325][321][322][323][324]. Wie aus der Metaanalyse dieser RCTs hervorgeht, konnte kein Effekt von DKC auf die Dauer bis zur ersten Defäkation, den Kostaufbau, die Krankenhausverweildauer festgestellt werden. Limitierend ist hier zu erwähnen, dass bezüglich der Dauer bis zur ersten Defäkation 3 / 7 Studien ausgeschlossen werden mussten. Allerdings konnten zwei der ausgeschlossenen RCTs mit hoher Probandenanzahl einen positiven Effekt von DKC auf die Dauer bis zur ersten Defäkation zeigen [314][315]. Die dritte Studie konnte dies nicht belegen [316]. Bezüglich der Krankenhausverweildauer konnten die Daten von einem RCT nicht der Metaanalyse zugeführt werden [317]. Hier wurde jedoch, passend zu den Ergebnissen der Metaanalyse, kein Effekt von DKC auf die Krankenhausverweildauer beschrieben [317]. In der narrativen Analyse der postoperativen Lebensqualität, als Ausdruck der Patientenzufriedenheit unter Therapie, die in 4 / 11 Studien in verschiedenen Dimensionen erhoben wurde, ergaben sich ebenfalls keine Unterschiede zwischen Interventions- und Placebo- bzw. Standardtherapiegruppe. 

Zusammenfassend bleibt der Effekt von perioperativ oral verabreichtem DKC auf die Dauer bis zur ersten Defäkation unklar. Da DKC jedoch keinen Effekt auf Kostaufbau, Krankenhausverweildauer oder Magensondenreinsertionsrate hat und der Bezug in Deutschland schwierig ist, sollte auf die perioperative Gabe im Rahmen von gastrointestinalen Tumorresektionen verzichtet werden.

7.4.2 Adjuvante Interventionen

7.4.2.1 Kaffee

7.25 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Koffeinierter Kaffee (bis zu 3x150 ml) kann nach abdominalchirurgischen Operationen den Patienten angeboten werden.

 

Der Kaffee-Konsum kann bereits im Aufwachraum begonnen werden.

Konsens
Konsens

Die Empfehlung basiert auf einer aktuellen Metaanalyse von vier RCTs und 312 Patienten nach kolorektalchirurgischen Eingriffen [326]. Das untersuchte Kollektiv war hierbei hinsichtlich Indikation (Benigne und maligne Operationen), hinsichtlich des operativen Zuganges (offen und minimalinvasiv) als auch hinsichtlich des resezierten Darmabschnittes (Hemikolektomie rechts/links, Rektumresektion, Kolektomie) heterogen. In der Metaanalyse konnte gezeigt werden, dass durch Kaffeekonsum die Zeitdauer bis zum ersten Stuhlgang um 10,36h (95% KI −14,61 bis −6,11h) verkürzt werden kann, die Zeitdauer bis zum ersten Flatus oder vollständigen Kostaufbau unterschied sich zwischen Kontroll- und Interventionsgruppe allerdings nicht. Zusätzlich konnte durch Kaffeekonsum die Krankenhausverweildauer um 0,95 Tage reduziert werden (95% KI −1,57 bis −0,34 d).

Eine Stratifizierung in Operationen im hepatopankreatiobiliären Bereich sowie Operationen im oberen Gastrointestinaltrakt ist anhand der aktuellen Literatur nicht möglich. Allerdings existieret eine weitere Metaanalyse mit gemischten operativen Eingriffen: Eine Metaanalyse zum Thema postoperativer Kaffeegebrauch und POI aus dem Jahre 2020 mit insgesamt 563 eingeschlossenen Patienten kommt zu dem Ergebnis, dass Kaffeegebrauch nach abdominalchirurgischen Eingriffen effektiv die Inzidenz eines postoperativen Ileus reduziert [327]. Dabei waren das Auftreten des ersten Flatus um 7 Stunden (95% KI -9,5 bis -4,4) verkürzt, die erste feste Nahrungsaufnahme um 10 Stunden (95% KI -18,2 bis -0,9) und Defäkation um 9 Stunden (95% KI -17,6 bis -1,2) beschleunigt. Die Krankenhausverweildauer wurde allerdings in dieser Metaanalyse nicht reduziert [327].

Der Evidenzgrad war in den Untersuchungen durch einen Performance Bias auf Grund der fehlenden Verblindung des Patienten sowie des Untersuchers (Detection Bias) eingeschränkt. Aufgrund des günstigen Nebenwirkungsprofils und des nachweisbaren Effektes wird trotz des möglichen Bias eine Empfehlung für den postoperativen Konsum von koffeinhaltigem Kaffee ausgesprochen.

7.4.2.2 Kaugummi

7.26 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Nach kolorektalen Resektionen sollten die Patienten in den ersten fünf postoperativen Tagen 3-4 x für 10-15 min Kaugummi kauen.

Konsens
Starker Konsens

Kaugummi kauen imitiert die Nahrungsaufnahme, was wiederum in der Ausschüttung Peristaltik-fördernder Hormone sowie einer Aktivierung des antiinflammatorischen und prokinetischen cephalovagalen Reflexes resultiert.

Zwei aktuelle und methodisch gute Metaanalysen führen zu ähnlichen Schlussfolgerungen, dass die Motilität durch Kaugummikauen gesteigert und die Inzidenz des postoperativen Ileus reduziert wird [328][329]. 

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 inkludierte RCTs mit kolorektalen Resektionen, die sowohl offen als auch laparoskopisch bei malignen und benignen Darmerkrankungen durchgeführt wurden. Von 16 initial eingeschlossenen RCTs wurden 6 Studien aufgrund eines hohen Bias-Risikos ausgeschlossen, so dass 10 Studien mit geringem Bias-Risiko in die Meta-Analyse aufgenommen wurden. Bei den insgesamt 970 Patienten wurde eine Reduktion des postoperativen Ileus mit einer Risk Ratio von 0,55 (95% KI 0,30 bis 0,79) ermittelt. Die erste Defäkation trat in der Kontrollgruppe trat nach 2,7-4,5 Tagen, in der Kaugummi-Gruppe bereits nach 2,0-3,9 Tagen auf. Der erste postoperative Flatus war in der Kaugummi Gruppe etwa 8h, die erste Defäkation etwa 12h früher im Vergleich mit der Placebogruppe nachweisbar. Untersuchungen hinsichtlich der Krankenhausverweildauer sowie der Mortalität zeigten keine Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Gruppen. Eine Stratifizierung hinsichtlich minimalinvasiver oder offener Operationen erfolgte im Rahmen der Metaanalyse von Roslan nicht [328].

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2017 analysierte 17 Studien mit 1845 Patienten mit kolorektalen Karzinomen, die sowohl offen als auch laparoskopisch operiert wurden. Auch kleinere und qualitativ schlechter bewertete Studien wurden hier in die Analyse einbezogen. Die Ergebnisse der beiden Metaanalysen sind jedoch vergleichbar. Auch hier zeigten sich deutlich kürzere Zeiten bis zum ersten Flatus (ca. 12 Stunden) sowie bis zum Nachweis der ersten Darmgeräusche (ca. 14 Stunden). In zwei der Studien mit insgesamt 80 Patienten wurde die Toleranz der ersten Nahrungsaufnahme um 1,3 Tage verkürzt. (Mei 2017).

Die Kontroll-Gruppe wurde in den meisten Studien als „Standard-Behandlung“ definiert. Inwieweit mPOM-Protokolle sowie Periduralkatheter und Opioidsparende Analgesie dort schon Einfluss gefunden haben, wurde meist nicht berichtet.

7.27 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Nach offenen Leberresektionen kann den Patienten Kaugummi angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens

In einer randomisiert kontrollierten Studie wurde bei offenen Lebereingriffen ohne genauere Spezifizierung der Effekt von Kaugummikauen auf die Darmfunktion untersucht [330]. Bei 107 Patienten mit HCC wurde durch das Kauen von Kaugummi die Darmmotilität verbessert (p<0.05). Die erste Defäkation trat früher ein (3,3 vs 4,7 Tage), die Peristaltik begann früher (25 vs 30 Stunden) und der erste Flatus setzte früher ein (56 vs 71 Stunden). Allerdings führte die Verkürzung des POI nicht zu einer reduzierten Krankenhausverweildauer.

Bei Pankreasresektionen wurde eine RCT durchgeführt, bei der allerdings nur sieben Patienten in die Interventionsgruppe und zehn Patienten in die Kontrollgruppe eingeschlossen wurden. Letztlich war hier kein Effekt hinsichtlich einer Verbesserung der Darmmotilität nachweisbar [331].

Bezüglich des postoperativen Kaugummikauens bei minimalinvasiven Leber- oder Pankreasresektionen gibt es keine Daten aus randomisiert-kontrollierten Studien.

Zusammengefasst ist die wissenschaftliche Evidenz für den Einsatz von Kaugummi in der Leber- und Pankreaschirurgie niedrig. Da die Verwendung von Kaugummis keine Nebenwirkung hat und bei Leberresektionen sogar eine Reduktion von postoperativen Komplikationen (Clavien–Dindo Classification 0: 34% bei Kaugummi vs 4 % ohne Kaugummi) auftrat [330], kann der Einsatz von Kaugummis bei dieser OP-Indikationen erwogen werden.

7.4.2.3 Akupunktur

7.28 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Akupunktur kann nach abdominalchirurgischen Eingriffen angewendet werden.

Hierfür sollten die Akupunkturpunkte ZuSanLi und ShangJuXu als eine gering invasive und nebenwirkungsarme Option genutzt werden.

Konsens
Konsens

Ein systematischer Review aus dem Jahre 2016 konnte bezüglich der Erholung nach kolorektalen Operationen aufzeigen, dass Akupunktur hinsichtlich des postoperativen Outcomes inklusive des postoperativen Ileus (POI) effizient und sicher war [332].
Eine aktuelle Metanalyse aus 2018 ergänzt diese Aussagen und fasste die Ergebnisse von 21 Studien mit 1.546 Patienten zusammen [333]: In vier verblindeten, qualitativ guten randomisierten Studien mit 281 Teilnehmern und 17 qualitativ geringwertigeren, nicht-verblindeten randomisierten Studien mit 1.265 Teilnehmern konnte gezeigt werden, dass die Anwendung einer Akupunktur nach kolorektalen Tumor-Operationen zu einer Reduktion der Zeitdauer bis zum Auftreten der ersten Darmgeräusche (MD -11,41; 95% KI -20,96 bis -1,85), des ersten Flatus (MD -15,79; 95% KI -26,10 bis -5,49) und der ersten Defäkation (MD -22,42; 95% KI -39,14bis -5,70) führten.

Eine weitere Metaanalyse mit 15 qualitativ hochwertigen randomisierten Studien bei 965 Patienten analysierte den Effekt von Elektroakupunktur und transkutaner Elektroakupunktur auf die Zeitdauer des POI bei verschiedenen abdominalchirurgischen Operationen, 12 Studien bei konventioneller und 3 Studien bei laparoskopischer Chirurgie [334]. Die gepoolten Ergebnisse von 15 Studien, die den primären Endpunkt „Zeitdauer bis zum Auftreten des ersten Flatus“ untersucht haben, zeigen einen positiven Effekt durch die Intervention (MD -11,60; 95% KI -16,19 bis -7,02). Auch für den Endpunkt „Zeitdauer bis zum ersten Stuhlgang“ konnte in 13 Studien ein positiver Effekt der Akupunktur im Vergleich zu Patienten in der Kontrollgruppe nachgewiesen werden (MD -12,94; 95% KI -12,94 bis -7,06). Zusätzlich konnte eine Reduktion der Krankenhausverweildauer sowohl in der Gesamtpopulation (MD -1,19; 95% KI -1,78 bis -0,60) wie auch in einer Subgruppenanalyse für minimalinvasive Operationen nach Elektroakupunktur und transkutaner Elektroakupunktur (MD -1,30; 95% KI -2,10 bis -0,51) nachgewiesen werden.

 

Bei Einsatz der Akupunktur nach abdominalchirurgischen Eingriffen kann die meridianbezogene Punktauswahl ZuSanLi und ShangJuXu („Magen 36“ und „Magen 37“) allein oder in Kombination mit weiteren Akupunkturpunkten zur Beschleunigung des Auftretens der ersten Darmgeräusche, des ersten Flatus und der ersten Defäkation umfassen.

In den Metanalysen von Bik, Liu und Kim werden unterschiedliche Akupunkturformen analysiert, wobei das Spektrum sowohl Nadeltechniken als auch spezielle Anwendungen wie der Elektroakupunktur oder der Moxibustion umfasst, zumeist als Körperakupunktur, seltener als Ohrakupunktur bzw. weiterer topischer TCM-Techniken wie z.B. der Akupressur ([332], [333], [334]).

Dieser scheinbaren Heterogenität steht die überwiegend homogene Auswahl spezifischer Akupunkturpunkte wie ZuSanLi und ShangJuXu („Magen 36“ und „Magen 37“) gegenüber, die entsprechend der Meridianlehre der TCM in den unterschiedlichen Techniken angewandt wurden. Nach Chen [334] war ZuSanLi zu 93,3% Zielort einer Akupunkturtechnik mit Nachweis einer verkürzten Zeitdauer bis zur ersten postoperativen Defäkation gegenüber Kontrollgruppen ohne Akupunkturanwendung. Trotz der methodischen Problematik mit Einschluss von Studien heterogenen Designs zeigte sich in der Metanalyse von Kim [332] eine geringe Überlegenheit der Auswahl der Akupunkte ZuSanLi und ShangJuXu gegenüber der Sham-Akupunktur. Die Mehrheit der in die o.g. Metanalysen inkludierten Untersuchungen kombiniert die Behandlung der Akupunkte ZuSanLi bzw. ShangJuXu mit weiteren TCM-Techniken wie z.B. der Anwendung spezieller traditioneller chinesischer Kräuterzubereitungen. Außerdem werden in einer Vielzahl der eingeschlossenen Untersuchungen die genannten Akupunkte mit weiteren in unterschiedlichen Kombinationsmustern angewandt: zu diesen zählen Xiajuxu („Magen 39“), Yanglingquan („Gallenblase 34“), Hegu („Dickdarm 4“), Xiajuxu (Magen 39), Zhongwan („Konzeptionsgefäß 12“), Tianshu (Magen 25), Guanyuan („Konzeptionsgefäß 4“), Qihai („Konzeptionsgefäß 6“), Zhigou („Dreifacher-Erwärmer 6“), Yinlingquan („Milz 9“) and Pishu („Blase 20“).

Die Applikationsdauer der Akupunktur ist in fast allen Studien der 4 Meta-Analysen mit 20-30 Minuten pro Anwendung recht konstant und die individuelle Frequenz pro Tag mit nahezu immer 1 Anwendung sehr konstant; die Anwendungsdauer variiert in den Studien zwischen 2 und 6 postoperativen Tagen.

 
Zwar gibt es eine gute Evidenzbasis für den Einsatz der Akupunktur zur Behandlung und Prophylaxe des postoperativen Ileus, doch erfordert sie entsprechende Fachkenntnisse. Da diese nicht flächendeckend vorhanden ist, wurde der Empfehlungsgrad auf eine „Kann-Empfehlung“ herabgestuft.

 
 

Appendix:

ZuSanLi befindet sich ca. 1,5 cm lateral-ventral der Tibiakante ca. 4,5 cm unterhalb der Patella in Höhe der Tuberositas tibiae.

ShangJuXu befindet sich ca. 4,5 cm distal von ZuSanLi ca. 1,5 cm lateral der Tibiavorderkante.

Zur Anwendung können kommerziell vertriebene Akupunkturnadelprodukte kommen; die Vorgehensweise sollte unter sterilen Kautelen erfolgen.

7.5 Postoperative Mobilisation

7.29 · Konsensbasierte Empfehlung 2023

Patienten sollen postoperativ frühmobilisiert werden.

Konsens
Konsens

Frühe postoperative Mobilisierung ist im Rahmen von mPOM-Programmen inzwischen vielerorts in die klinische Routine der postoperativen Nachsorge eingegangen. Die ausgewählten relevanten Studien haben als Frühmobilisation den ersten postoperativen Tag definiert. Nur eine Studie hat den Zeitpunkt direkt nach Extubation oder Eintreffen auf Intensivstation und passive Beübung mit Bettfahrrad als Frühmobilisation definiert. Die Art der Mobilisierung ist dabei heterogen und reicht vom einfachen Sitzen an der Bettkante bis hin zu mehrfach täglich angeleiteter Physiotherapie oder der Nutzung eines Bettfahrrads. Der Begriff „intensivierte“ Mobilisation bleibt daher undefiniert. Die Beobachtungszeiträume beschränken sich meist nur auf den stationären Aufenthalt. 

Im systematischen Review von Castelino et al. 2016 [335] wurden neben 4 thoraxchirurgischen Studien 3 RCTs und eine prospektive Beobachtungsstudie mit gemischten abdominellen Eingriffen (n=225) zusammengefasst. Bezüglich postoperativer Komplikationen konnten 2 der 4 Studien analysiert werden und in keiner der Studien wurde ein Unterschied bezüglich der postoperativen Komplikationsrate gefunden [336][337]. Von den 3 Studien des Reviews, die die Krankenhausverweildauer analysierten, berichtete nur eine von einer Verringerung der Aufenthaltsdauer in der frühmobilisierten Interventionsgruppe [337]. Außerdem konnte in 2 der 4 Studien ein positiver Einfluss der frühen Mobilisation auf PROs (Patient reported Outcomes) berichtet werden [336], [338]. Die beiden anderen Studien haben PROs nicht untersucht.

Zusätzlich sind seither 4 weitere relevante Studien erschienen.

Almeida et al. [339] schlossen 108 Pat. nach komplexen viszeralchirurgischen, gynäkologischen und urologischen Operationen ein. Die Pat. erhielten entweder am 1. postop. Tag eine Frühmobilisation oder in der Kontrolle eine Standardmobilisation. Primärer Endpunkt war eine selbständige Mobilisation im Patientenzimmer am 5. postoperativen Tag. Die Interventionsgruppe war rascher selbstständig mobil, bei den sekundären Endpunkten gesundheitsbezogene Lebensqualität, Krankenhausverweildauer und perioperativer Morbidität bestand kein Unterschied. 

Balvardi et al [340] randomisierten 99 Patienten mit kolorektalen Eingriffen und fokussierten auf die postoperative Lungenfunktion als primären Endpunkt; eine intensivierte Frühmobilisierung verbesserte weder die postoperative Lungenfunktion noch die Rekonvaleszenz. 

Die RCT von Fiore et al. [341] untersuchte als primären Endpunkt den Anteil der Patienten, die 4 Wochen nach der Operation wieder die gleiche Gehfähigkeit wie vor der Operation erreichen (6-Minuten-Gehtest). Dabei sollte der Effekt der frühen und intensivierten Mobilisation analysiert werden. Bezüglich der Gehstrecke nach 4 Wochen (primärer Endpunkt), Darmmotilität, Mobilisation im Krankenhaus (sekundäre Endpunkte) fanden sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Das Bias-Risiko dieser Studie wurde allerdings als "bedenklich" eingestuft, da kein Studienprotokoll mit vordefinierter Methodik vorliegt.

Svensson-Raskh et al. [342] haben Patienten nach komplexen abdominalchirurgischen Operationen (>2h) randomisiert. Primärer Endpunkt war die Veränderung der Sauerstoffsättigung (SpO2) zwischen den Gruppen und im Zeitverlauf. Bei insgesamt 214 Personen in drei Vergleichsgruppen (frühes Sitzen im Stuhl inklusive Atemübungen, nur frühes Sitzen im Stuhl und Kontrollgruppe ohne Intervention) zeigte sich, dass in der Gruppe mit Atemübungen bessere Messwerte (Sauerstoffsättigung und Sauerstoffpartialdruck) nachweisbar waren, als in den Vergleichsgruppen. Werden nur allgemeine postoperative Komplikationen betrachtet, finden sich keine Unterschiede zwischen Interventions- und Vergleichsgruppe.

Eine einzelne RCT an 56 Patienten nach Pankreasresektion mit Nachbeobachtung über 12 Monate zeigte wesentliche Vorteile einer früh initiierten und über den stationären Aufenthalt hinaus fortgesetzten intensivierten Physiotherapie im Langzeitergebnis bzgl. bestimmter Aspekte der Lebensqualität [343]. Die Autoren schlussfolgerten, dass eine überwachte Physiotherapie oder ein verordnetes häusliches Training nach einer Bauchspeicheldrüsenkrebsresektion sicher und durchführbar ist und so bald wie möglich nach der Operation begonnen werden sollte.

Zusammenfassend zeigt die Literatur bei Morbidität, Mortalität, Darmmotilität und postoperativer Verweildauer keine gesicherten Vorteile nach früh-postoperativer und intensiver Mobilisation als isolierte Einzelintervention. Insgesamt scheint aber eine Tendenz zu bestehen, dass frühe Mobilisation eher förderlich ist und insbesondere zeigen sich in keiner der Studien Hinweise auf ein erhöhtes Komplikationsrisiko durch frühe Mobilisation. Einige der bereits untersuchten Interventionen sind zudem mit geringem Aufwand gut klinisch umsetzbar. Als integraler Bestandteil aller mPOM-Programme, die für alle viszeralchirurgischen Entitäten in dieser Leitlinie evidenzbasiert empfohlen werden (siehe Kapitel 8 dieser Leitlinie), ist eine evidenzbasierte Empfehlung isoliert für diese Einzelmaßnahme nicht möglich, zumal Interventionen, Patientenkollektive, Kontrollen, Outcomes und Nachbeobachtungszeiträume so heterogen sind, dass das Vertrauen in die spärliche Evidenz sehr niedrig ist.

7.6 Postoperative Atemtherapie

7.30 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Nach abdominellen und thorakalen Eingriffen kann auf eine Atemtherapie in Form einer Incentive-Spirometrie als alleinige Maßnahme zur Vermeidung postoperativer pulmonaler Komplikationen verzichtet werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel

Evidenz: Metaanalyse zum Vergleich von Patienten mit postoperativer Incentive-Spirometrie vs. Patienten ohne Incentive-Spirometrie oder eine andere Rehabilitationsform nach thorakalen und abdominellen Eingriffen: 31 RCTs mit 3776 Patienten


⊕⊕⊕⊝

Postoperative pulmonale Komplikationen (26 RCTs): Kein Effekt (RR 1,00; 95% KI 0,88 bis 1,33)


⊕⊕⊝⊝

Postoperative Mortalität (9 RCTs): Kein Effekt (RR 0,73; 95% KI 0,42 bis 1,25)


⊕⊕⊝⊝

Krankenhausliegedauer (15 RCTs): Kein Effekt (MD -0,17 Tage; 95% KI -0,65 bis 0,3)

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[344]
Evidenztabellen (3)7.30 Evidenztabelle Postoperative Atemtherapie; 7.30 SoF-Tabelle Postoperative Atemtherapie; 7.30 EtD-Tabelle Postoperative Atemtherapie

Abdominelle und thorakale Eingriffe, offen wie auch minimal-invasiv, führen multifaktoriell zu einer Beeinträchtigung der postoperativen Lungenfunktion, die sich in einer reduzierten Vitalkapazität (VC) und Einsekunden-Kapazität (FEV1) spirometrisch nachweisen lässt. Die eingeschränkte Lungenfunktion ist ein nachweislicher Risikofaktor für postoperative pulmonale Komplikationen (PPC), insbesondere für Atelektasen und Pneumonien. Verschiedene physiotherapeutische Rehabilitations-Programme wurden zur Verbesserung der postoperativen pulmonalen Funktion etabliert. In diesem Zusammenhang ist die postoperative Incentive-Spirometrie eine weit verbreitete Methode, die durch Einsatz von Atemtrainern (z.B. TRIFLO®) auf ein maximales inspiratorisches Lungenvolumen abzielt [345].

Die Bewertung des Nutzens der Incentive-Spirometrie nach thoraxchirurgischen und abdominellen Eingriffen basiert auf einer Metaanalyse aus 2021, in welche insgesamt 31 RCTs mit insgesamt 3776 Patienten eingeschlossen wurden [344]. In dieser Metaanalyse wird die Incentive-Spirometrie verglichen mit keinem Einsatz eines Atemtrainers oder anderen Rehabilitationsstrategien (z.B. Zwerchfellatemübungen oder CPAP-Atemübungen mittels Überdruckbeatmung). Die Einzelstudien wurden zwischen 1974 und 2019 publiziert. Eingeschlossen wurden offen und minimal-invasive Prozeduren. Ausgeschlossen wurden Studien, die Teil eines mPOM oder Prähabilitations-Programmes waren, da mögliche Effekte nicht der Incentive-Spirometrie in der Auswertung zugeordnet werden können. Die Metaanalyse ist von hoher methodischer Qualität, da die Erstellung auf der Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions basiert, entsprechend wurde eine Summary-of-Findings Tabelle mittels GRADE-Pro für das gesamte Kollektiv generiert.

Die vorliegenden Studien zeigen, dass durch den Einsatz der postoperativen Incentive-Spirometrie die Inzidenz von postoperativen pulmonalen Komplikationen, die 30-Tage Mortalität und die Krankhausliegedauer für das gesamte Untersuchungskollektiv nicht gesenkt wird. In der Subgruppenanalyse konnte ebenfalls für den primären Endpunkt PPC nach abdominellen (RR 0,93; 95% KI 0,74 bis 1,17) und thorakalen Eingriffen (RR 0,99; 95% KI 0,79 bis 1,25) kein Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe gezeigt werden.

Trotz hoher methodischer Qualität der Metaanalyse sind weitere Faktoren zu berücksichtigen, die in eine abschließende Empfehlung für den Einsatz der Incentive-Spirometrie zusätzlich einfließen. In den meisten Einzelstudien der Metaanalyse wird die Incentive-Spirometrie nicht als alleinige Maßnahme, sondern im Vergleich zu anderen möglichen Rehabilitations-Strategien untersucht. Dies schränkt die Aussage zum Stellenwert der Incentive-Spirometrie als Einzelmaßnahme ein. Des Weiteren wird in den Einzelstudien zwar ein homogenes Patientenkollektiv untersucht, welches aber bezüglich ihres präoperativen Risikos für pulmonale postoperative Komplikationen nicht stratifiziert wird. Unbeantwortet bleibt somit die Frage, ob Patienten mit bereits präoperativ eingeschränkter Lungenfunktion aufgrund vorbestehender Lungenerkrankungen einen Nutzen von der postoperativen Incentive-Spirometrie haben und somit die Patientenselektion ein Faktor zum Nachweis einer möglichen Evidenz ist. Die Aussage zum Nutzen wird weiterhin durch die nachweislich eingeschränkte Compliance eingeschlossener Studienpatienten eingeschränkt. Eine Metaanalyse aus 2016 mit 31 inkludierten RCTs kam zu der abschließenden Bewertung, dass wenige Daten hinsichtlich der Patienten-Compliance bei Anwendung einer Incentive-Spirometrie zur Verfügung stehen und diese inkonsistent sind [346]. Die Autoren empfehlen deshalb eine Standardisierung der Methodik, um erhobene Daten der Incentive-Spirometrie vergleichbarer zu machen. Aus Patientensicht ist der Einsatz eines Atemtrainers an ein effektives Schmerzmanagement gebunden.

Auch wenn in dieser Metaanalyse Studien zu mPOM und Prähabilitationsprogrammen ausgeschlossen wurden, ist damit nicht geklärt, ob ein möglicher Nutzen der postoperativen Incentive-Spirometrie nicht erst im Kontext weiterer Maßnahmen deutlich wird. Einzelne RCTs sprechen für ein Nutzen im Zusammenhang multipler prä- und postoperativer Maßnahmen [347]. Eine 2020 publizierte Metaanalyse mit insgesamt 95 RCTs und 18.062 Patienten untersuchte eine Vielzahl möglicher Variablen mit dem Potential, die Inzidenz von PPC reduzieren [348]. Sieben der untersuchten Interventionen zeigten eine niedrige bis moderate Evidenz dieses Ziel zu erreichen. Hierzu gehörten neben mPOM auch die prophylaktische Gabe von Mukolytika, die postoperative CPAP-Ventilation, die intraoperative protektive Lungenbeatmung, eine prophylaktische Physiotherapie, eine Schmerztherapie mittels Epiduralkatheter und eine zielgerichtete hämodynamische Therapie.

Nicht zu vernachlässigen sind die relevanten Kosten, wenn routinemäßig alle Patienten postoperativ mit einem Atemtrainer ausgestattet werden.

Zusammenfassend ist der routinemäßige Einsatz einer Incentive-Spirometrie unabhängig vom chirurgischen Eingriff und Patienten-bezogen Faktoren als alleinige Maßnahme gegenwärtig nicht zu empfehlen. Basierend auf den vorliegenden Daten und Ausführungen ist es sinnvoll, den Stellenwert der Incentive-Spirometrie als alleinige präoperative Prähabilitations-Intervention in einem randomisierten Studiendesign zu untersuchen.  Als Kollektiv mit hohem Risiko für PPC sind Patienten mit Ösophaguskarzinom und geplanter transthorakaler Ösophagektomie aufgrund ihrer pulmonalen Komorbidität und der intraoperativen Einseitenventilation in besonderem Maße geeignet.

7.7 Bauchbinde nach medianer Laparotomie

7.31 · Evidenzbasierte Empfehlung 2023

Nach medianer Laparotomie kann eine Bauchbinde zur Schmerzreduktion angelegt werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel

Evidenz: Metaanalyse zum Vergleich Patienten mit Bauchbinde vs ohne Bauchbinde (5 RCTs, 281 Patienten)


⊕⊕⊕⊕

Abdomineller Schmerz am 1. Postoperativen Tag (5 RCTs): geringer mit Bauchbinde (SMD -0,38; 95% KI -0,69 bis -0,07)


⊕⊕⊕⊕

Abdomineller Schmerz am 5.postoperativen Tag (3 RCTs): geringer mit Bauchbinde (SMD -0,55; 95% KI -0,89 bis -0,21)


Konsens
Konsens
Literatur
[349]
Evidenztabellen (3)7.31 Evidenztabelle Bauchbinde nach medianer Laparotomie; 7.31 SoF-Tabelle Bauchbinde nach medianer Laparotomie; 7.31 EtD-Tabelle Bauchbinde nach medianer Laparotomie

Die Bewertung des Nutzens einer Bauchbinde nach medianer Laparotomie basiert auf einer Metaanalyse aus 2021, in welche insgesamt 5 RCTs mit 281 Patienten eingeschlossen wurden [349]. Die Gesamtzahl der untersuchten Patienten ist für diese Frage als niedrig zu bewerten. Für drei der untersuchten Endpunkte (FEV1, VC und 6-Minuten Gehtest) liegen keine statistischen Berechnungen eines Effektschätzers vor. Der Risk of Bias wird in den Einzelstudien insgesamt unzureichend dokumentiert bzw. untersucht. In der Meta-Analyse werden auch keine Angaben zur Art der postoperativen Schmerztherapie gemacht.

Die vorliegende Metaanalyse lässt die Schlussfolgerung zu, dass die routinemäßige Anlage einer Bauchbinde nach medianer Laparotomie die abdominellen Schmerzen im frühen postoperativen Verlauf reduziert, ohne dass durch diese Intervention die postoperative Lungenfunktion beeinträchtigt wird. Diese Aussage wird durch die geringe Anzahl der untersuchten Patienten, die mangelnde Qualität der Einzelstudien und der Meta-Analyse eingeschränkt. Da aber durch das Tragen einer postoperativen Bauchbinde nur geringe Kosten verursacht und keine medizinischen Nachteile (gestörte Wundheilung, abdominelles Kompartment) zu erwarten sind, überwiegt der primäre Nutzen einer postoperativen Schmerzreduktion als eines der Patienten-relevanten Primärziele des postoperativen Managements. In der vorliegenden Meta-Analyse werden ausschließlich Endpunkte des frühen postoperativen Verlaufs analysiert, so dass keine Aussage zum langfristigen Nutzen der Bauchbinde (Reduktion der Inzidenz postoperativer Narbenhernien) gemacht werden kann. Eine weitere Limitation ist, dass die Einzelstudien ausschließlich Patienten nach medianer Laparotomie mit Mindestinzisionslängen von 14cm bzw. 17cm inkludieren und somit eine Aussage zum Effekt der Bauchbinden bei anderen konventionellen abdominellen Zugängen (quere Laparotomie) oder minimalinvasiver Chirurgie nicht möglich ist. Auch fehlt eine genauere Definition, wie lange die Bauchbinde zu tragen ist und inwieweit die Binde selbst als störend/lästig empfunden wird.

Evidenztabellen

7.1 Magen_Evidenztabelle(SR)

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Wang D

Is Nasogastric or Nasojejunal Decompression Necessary

Following Gastrectomy for Gastric Cancer? A Systematic

Review and Meta-Analysis of Randomised Controlled Trials

J Gastrointest Surg (2015) 19:195–204

PMID: 25238814

8 RCTs mit 1141 Patienten

 

Untersuchungszeitraum bis 01/2014

Nasojejunale Dekompression (Magensonde) nach Gastrektomie vs. keine Dekompression

Anastomoseninsuffizienz

Pulmonale Komplikationen

Morbidität

Mortalität

Beginn Kostaufbau

Krankenhausliegedauer

Anastomoseninsuffizienz:

Studien: 8

Teilnehmer: 1141

(RR 1,25; 95% KI 0,68 bis 2,27; p=0,47; I²=0%)

Pulmonale Komplikationen:

Studien: 7

Teilnehmer: 1091

(RR 1,31; 95% KI 0,90 bis 1,89; p=0,16; I²=0%)

Morbidität:

Studien: 6

Teilnehmer: 955

(RR 1,33; 95% KI 0,34 bis 4,78; p=0,44, I² = 0%)

Mortalität:

Studien: 8

Teilnehmer: 1141

(RR 1,27; 95% KI 0,68 bis 2,27; p=0,72; I²=0%)

Beginn Kostaufbau

Studien: 6

Teilnehmer: 931

(MD 0,45; SD 0,29 bis 0,61;  p<0,0001; I²=0%)

Krankenhausliegedauer

Studien: 6

Teilnehmer: 931

(MD 0,48 Tage; SD 0,29 bis 0,61; p=0,05; I²=0%)

 

Keine relevanten methodischen Limitationen

Pacelli F, Gastric Cancer (2013),

PMID: 24292257

 

Li C, DIg Surg (2011)

PMID: 21540604

 

Tavassoli A, Int J Surg (2011),

PMID: 21167327

 

Wu CC, Eur J Surg (1994)

PMID: 7948356

 

Yoo CH, Eur J Surg (2002)

PMID: 12463426

 

Lee JH, Yonsei Med J (2002)

PMID: 12205733

 

Doglietto GB, Arch Surg (2004)

PMID: 15611456

 

Hsu SD, Chir Gastroenterol (2007)

https://doi.org/10.1159/000105624

 

7.3 SoF-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden Gastrektomie

Endpunkte

Risiko ohne transnasale endoluminale Sonde

Risiko mit transnasaler endoluminaler Sonde

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Anastomoseninsuffizienz (AI)

32 pro 1.000

39 pro 1.000
(21 bis 72)

RR 1.25
(0.68 bis 2.27)

1141
(8 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Pulmonale Komplikationen (PU)

139 pro 1.000

182 pro 1.000
(125 bis 263)

RR 1.31
(0.90 bis 1.89)

1091
(7 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Morbidität (MB)

204 pro 1.000

271 pro 1.000
(169 bis 316)

RR 1.33
(0.83 bis 1.55)

955
(6 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Mortalität (MT)

7 pro 1.000

9 pro 1.000
(2 bis 33)

RR 1.27
(0.34 bis 4.78)

1141
(8 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Beginn Kostaufbau (Diet)

 

MD 0.45 höher
(0.29 höher bis 0.61 höher)

-

931
(6 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Krankenhausliegedauer (KH)

 

MD 0.48 höher
(0.01 weniger bis 0.98 höher)

-

931
(6 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

 

7.3 EtD-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Magen

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Der Verzicht auf eine routinemäßige postoperative transnasale endoluminale Dekompresssion nach Gastrektomie zeigt in einer Metaanalyse von 8 RCT’s eine gleich hohe Mortalität und Morbidität (einschließlich Anastomoseninsuffizienz und pulmonaler Komplikation) im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Anlage einer postoperativen Magensonde. Die Krankhausliegedauer wird bei Patienten ohne postoperative Magensonde verkürzt, der postoperative Kostaufbau kann früher begonnen werden.

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

In der vorliegenden Metaanalyse werde keine negativen Folgen durch den Verzicht auf eine postoperative transnasale endoluminale Dekompression berichtet. 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz (certainty of evidence mittels GRADE PRO) wird für alle sechs untersuchten Endpunkte bei ausreichend hoher Fallzahl inkludierter Patienten als hoch bewertet.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Da eine einliegende transnasale Sonde durch die meisten Patienten als belastend empfunden wird, ist davon auszugehen, dass der Verzicht auf die endoluminale Dekompression nach Gastrektomie eine breite Akzeptanz findet.

 

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Der Verzicht auf die Anlage einer transnasalen Sonde verlangt keine zusätzlichen Ressourcen, sodass einer allgemeinen Umsetzung dieser Empfehlung nichts im Wege steht. Der Verzicht auf die routinemäßige Anlage einer Sonde sowie der dadurch bedingte kürzere Krankenhausaufenthalt sollten zudem zu einer entsprechenden Kostenreduktion führen, sodass hier ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis vorliegt.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Nach Gastrektomie oder Magenteilresektion soll eine intraoperativ eingelegte Magensonde vor Narkoseausleitung gezogen werden.

 

7.1 Leber_Evidenztabelle

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Wen Z (2019):

Is routine nasogastric decompression after hepatic surgery necessary? A systematic review and meta-analysis.

International Journal of Nursing Studies (2019): 103406

(PMID 31629211)

7 RCTs

 

Suchzeitraum bis einschließlich 30.03.2019

 

Datenbanken:

Pubmed

Embase

Science Direct

Cochrane Central Register of Controlled Trials

China National Knowlegde Infrastructure (CNKI)

Wanfang Database

 

Einschlusskriterien:

- RCTs

- Leberchirur-gische Eingriffe

- Vergleichs-gruppen bzgl. Einlage Magensonde oder nicht

- Outcome und Komplika-tionen berichtet

 

Ausschlusskriterien:

- kein RCT

- unpassende Vergleichs-gruppe

- andere Sprachen als Englisch oder Chinesisch

 

Verzicht auf Magensonden-einlage nach Leberresektionen im Vergleich zu routinemäßiger Anwendung einer Magensonde

Erster Flatus postoperativ

Erste Defäkation postoperativ

Zeit bis zum Kostaufbau

Erneutes Einlegen einer Magensonde

Übelkeit

Erbrechen

Abdominelle Distension

Länge des Klinikaufenthaltes

Flatus postoperativ:

Studienanzahl:5

Teilnehmer: 973

(MD -0,34 Tage; 95% KI -0,86 bis 0,18; p=0,20, I² = 99%)

 

Defäkation postoperativ:

Studienanzahl: 2

Teilnehmer: 590

(MD -0,59 Tage; 95% KI -0,79 bis -0,39;  p<0,00001; I²=0%)

 

Kostaufbau:

Studienanzahl: 3

Teilnehmer: 520

(MD -0,46; 95% KI -0,90 bis -0,03; p=0,04; I²=92%)

 

Erneute Magensonde:

Studienanzahl: 2

Teilnehmer: 410

(OR 6,88; 95% KI 1,77 bis 26,72; p=0,005; I²=0%)

 

Übelkeit:

Studienanzahl: 3

Teilnehmer: 491

(OR 0,81; 95% KI 0,40 bis 1,67; p=0,57; I²=50%)

 

Erbrechen:

Studienanzahl: 3

Teilnehmer: 533

(OR 1,06; 95% KI 0,19 bis 5,93; p=0,94; I²=81%)

 

Abdominelle Distension:

Studienanzahl: 4

Teilnehmer: 815

(OR 0,87; 95% KI 0,60 bis 1,25; p=0,45; I²=0%)

 

Krankenhausaufenthalt:

Studienanzahl: 3

Teilnehmer: 653

(MD -0,48 Tage; 95% KI -0,93 bis 0,03;  p=0,03 I²=40%)

Methodische Schwächen/Limitationen:

- zum Teil recht große Heterogenität zwischen den Einzelstudien

- insgesamt hpts. Studien aus dem asiatischen Raum (dort MS-Anlage nach Leber wohl die aktuelle Routine)

 

 

Cai Y,

Nurs J Chin People´s Lib Army (2006)

 

Chen M,

Nurs Pract Res (2014)

 

Ichida H,

J Gastro-intest Surg (2016),

PMID 27197829

 

Li Z,

Chin J Hepatobi-liary Surg (2009)

 

Ni C,

J Nurs (2014)

 

Pessaux P,

Br J Surg (2007),

PMID

17315273

 

Yin X,

J Nurs (2011)

 

7.5 SoF-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Leber

Endpunkte

Risiko mit einer routinemäßigen

postoperativen Magensonde

Risiko ohne

Magensondeneinlage

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Übelkeit postoperativ

207 pro 1.000

175 pro 1.000
(95 bis 304)

OR 0.81
(0.40 bis 1.67)

491
(3 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Wichtig

Erbrechen postoperativ

70 pro 1.000

74 pro 1.000
(14 bis 308)

OR 1.06
(0.19 bis 5.93)

533
(3 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrigc,d

Kritisch

abdominale Distension postoperativ

181 pro 1.000

162 pro 1.000
(117 bis 217)

OR 0.87
(0.60 bis 1.25)

815
(4 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderate

Gering

Länge des Krankenhausaufenthaltes

MD 0.48 Tage weniger
(0.93 weniger bis 0.03 weniger )

-

653
(3 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Erster Flatus postoperativ

 

MD 0.34 Tage weniger
(0.86 weniger bis 0.18 höher)

-

973
(5 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrigfg

Gering

Erste Defäkation postoperativ

 

MD 0.59 Tage weniger
(0.79 weniger bis 0.39 weniger )

 

590
(2 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Gering

Zeit bis zum Kostaufbau

 

MD 0.46 Tage weniger
(0.9 weniger bis 0.03 weniger )

 

520
(3 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderath

Wichtig

erneute Magensondeneinlage

10 pro 1.000

63 pro 1.000
(17 bis 206)

OR 6.88
(1.77 bis 26.72)

410
(2 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; OR: odds ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. mäßige Heterogenität (I² = 50%)

b. Effektschätzer schließt Nuten sowie fehlenden Effekt ein

c. erhebliche Heterogenität (I² = 81%)

d. Effektschätzer schließt Nutzen sowie fehlenden Effekt ein

e. Effektschätzer schließt Nutzen und fehlenden Effekt ein

f. erhebliche Heterogenität (I² = 99%)

g. Effektschätzer schließt sowohl Nutzen als auch keinen Effekt ein

h. erhebliche Heterogenität (I² = 92%)

 

 

7.5 EtD-Tabelle Routinemäßige postoperative Verwendung von Magensonden – Leber

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Der Verzicht auf eine routinemäßige postoperative orale Dekompression via Magensonde nach Leberresektionen führt zu einem kürzeren Krankenhausaufenthalt sowie zu einer kürzeren Zeit bis zum Auftreten der ersten Defäkation und zum Kostaufbau. Erbrechen tritt in der Interventions- und Kontrollgruppe nicht unterschiedlich häufig auf. Das Auftreten von Übelkeit und Distension ist in der Gruppe der Patienten ohne postoperative Magensonde nicht seltener. Zudem ist die Zeit bis zum Auftreten des ersten Flatus in der Gruppe ohne Magensonde nicht kürzer.

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Der Verzicht auf das routinemäßige postoperative Belassen einer Magensonde nach Leberresektionen führt zu einer häufiger notwendigen Wiedereinlage einer Magensonde im postoperativen Verlauf im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz schwanken zwischen den jeweiligen Endpunkten. Für die Endpunkte Länge des Krankenhausaufenthaltes, erste Defäkation postoperativ sowie Notwendigkeit der Neu-/Wiedereinlage einer Magensonde ist die Zuverlässigkeit der Evidenz gemäß der GRADE-Einschätzung hoch.

Bezüglich der Zeit bis zum Kostaufbau sowie der abdominellen Distension postoperativ wird die Zuverlässigkeit der Evidenz als moderat bewertet; für die Endpunkte postoperative Übelkeit und Erbrechen sowie erster Flatus postoperativ wir die Zuverlässigkeit der Evidenz mittels GRADE als niedrig bewertet.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Da eine einliegende Magensonde durch die meisten Patienten als störend empfunden wird, ist davon auszugehen, dass der Verzicht auf die routinemäßige nasogastrale Dekompression nach Leberresektionen eine breite Akzeptanz findet.

 

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Der Verzicht auf die routinemäßige Anlage einer Magensonde verlangt keine zusätzlichen Ressourcen, sodass der breitflächigen Umsetzbarkeit dieser Empfehlung nichts im Wege steht. Der Verzicht auf die routinemäßige Anlage einer Magensonde sowie der dadurch bedingte kürzere Krankenhausaufenthalt sollten zudem zu einer entsprechenden Kostenreduktion führen, sodass hier ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis vorliegt.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Bei elektiven Leberresektionen soll eine intraoperativ eingelegte nasogastrale Sonde vor Narkoseausleitung gezogen werden.

 

7.9 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus Epiduralanalgesie

Endpunkte

Risiko ohne Epiduralanalgesie

Risiko mit Epiduralanästhesie

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der OP

MD 1.05 weniger
(1.35 weniger bis 0.75 weniger )

-

1039
(17 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Kritisch

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der OP

MD 1.83 weniger
(2.34 weniger bis 1.33 weniger )

-

592
(11 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,b,c

Kritisch

Anzahl der Patienten mit EA-assoziierten Adverse Events

0 pro 1.000

0 pro 1.000
(0 bis 0)

RR 4.54
(0.54 bis 37.99)

170
(2 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,d,e

Kritisch

Anzahl der Patienten mit postoperativem paralytischem Ileus

43 pro 1.000

53 pro 1.000
(13 bis 209)

RR 1.23
(0.31 bis 4.81)

138
(3 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,d,e

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

 

Erläuterungen

a. Es konnte keine Studie mit einem low risk of bias in die Sensitivitätsanalyse eingeschlossen werden.

b. Die gepoolten Daten weisen auf eine Heterogenität der eingeschlossenen Studien hin, die durch keine Subgruppenanalyse erklärt werden konnte.

c. Der Funnel Plot zeigt eine asymmetrische Verteilung der Studien, was auf die Möglichkeit einer Publikationsverzerrung hinweist

d. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf und die Konfidenzintervalle sind eher weit und schließen sowohl Nutzen als auch Schaden ein, sodass Unsicherheit über das Ausmaß des Effekts besteht.

e. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf, sodass ein Publication bias wahrscheinlich ist.

 

7.9 EtD-Tabelle Systemische Schmerztherapie versus Epiduralanalgesie

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Eine perioperative EA führt zu einer klinisch relevanten Reduktion der Schmerzintensität in den ersten 24 Stunden nach der Operation in Ruhe und unter Belastung nach einer onkologisch-viszeralchirurgischen Operation im Vergleich zu einer systemischen, Opioid-basierten Analgesie. Dieser klinisch relevante Effekt - insbesondere hinsichtlich der Reduktion des Belastungsschmerzes - ist für mindestens 48 Stunden nach der Operation nachweisbar. Das Risiko für das Auftreten eines postoperativen Ileus unterschied sich zwischen den beiden Gruppen nicht. Der Opioidverbrauch wird hingegen durch den Einsatz einer EA deutlich vermindert. Die Opioideinsparung führt zu einer Reduktion der Opioid-bedingten Nebenwirkung Sedierung; weitere Opioid-bedingte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Atemdepression, Schwindel und Delir sind in den Gruppen vergleichbar, Patienten ohne EA haben weniger Juckreiz, weniger Blasenentleerungsstörungen und weniger Hypotension (ANMERKUNG DER LENKUNGSGRUPPE: Hypotension und Blasenentleerungstörung wurde ergänzt). Das Risiko für das Auftreten einer Anastomoseninsuffizienz ist in der Gruppe der Patienten, die EA erhalten haben, reduziert. Die Liegedauer im Krankenhaus kann durch den Einsatz einer RA um fast zwei Tage in reduziert werden.

 

 

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabelle

 

 

 

 

 

 

Möglicher Schaden durch die Intervention

Der Einsatz einer EA ist nicht mit einem erhöhten Risiko einer EA-assoziierten Komplikation (u.a. Blutung, Infektion) verbunden. (ANMERKUNG DER LENKUNGSGRUPPE: Hypotension und Blasenentleerungstörung? Siehe auch Empfehlungstext). Allerdings basiert diese Einschätzung nur auf zwei eingeschlossenen Studien, die AE berichten. Deshalb wird zur Einschätzung des Risiko-Nutzens einer EA die S3—LL „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ mit herangezogen

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Für den Vergleich des Einsatzes einer EA mit einer rein systemischen, in der Regel Opioid-basierten Analgesie, konnten bezüglich des primären Outcomes „Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der Operation“ insgesamt 17 Studien herangezogen werden. Das Vertrauen in die Evidenz ist allerdings niedrig. Niedrige und sehr niedrige Evidenz liegen für alle anderen primären Endpunkte vor.

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Der Einsatz der EA in Krankenhäusern, die onkologisch-viszerale Operationen durchführen, ist sehr divergent. Der G-BA hat im Jahr 2020 auf Initiative von Patientenvertretungen und mit Unterstützung der Deutschen Schmerzgesellschaft Ende 2020 die Qualitätsmanagement-Richtlinie des G-BA „zur verpflichtenden Einführung und Umsetzung von Akutschmerzmanagementkonzepten für eine angemessene

postoperative Schmerztherapie“ verabschiedet (https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-

meldungen/892/). Damit sind Krankenhäuser verpflichtet, ihren Patienten eine optimale Akutschmerztherapie zur Verfügung zu stellen. Die Daten der hier durchgeführten Meta-Analyse zeigen, dass die EA der systemischen Analgesie überlegen ist, wenn auch mit niedrigem Vertrauen in die Evidenz. Die EA könnte damit durch die verbesserte Schmerzbehandlung sowohl die Patientenzufriedenheit, die postoperative Erholung als auch die in QM-Berichten dargestellten Ergebnisse verbessern. Weitere Vorteile sind nachgewiesen, allerdings für die Indiktion um die es in dieser LL geht, mit geringer Evidenz. Die Sicherheit der EA ist aber hoch und Komplikationen sind bei Beachtung von Risiken wie der gleichzeitigen Gabe gerinnungshemmender Substanzen so wie einer adäquaten Betreuung der Patienten, z.B. durch einen Akutschmerzdienst, hoch.

Expertenbewertung

/

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Die EA ist in vielen KH bereits etabliert; die Betreuung von Patienten mit postoperativen EA Verfahren soll durch einen Akutschmerzdienst oder eine ähnliche Einheit erfolgen. Dies bedarf, falls in Kliniken nicht vorhanden, zusätzliche Ressourcen. Der bereits o.g. G-BA Beschluss hat aber ebenfalls hier eine klare Empfehlung zur Einführung einer derartigen Organisationseinheit in operativ tätigen Kliniken getätigt. Die S3-LL „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ empfiehlt deshalb auch mit dem höchsten Empfehlungsgrad (GoRA): „Ein Akutschmerzdienst (oder eine entsprechende organisatorische Einheit) soll in jeder Klinik mit operativer Einheit zur Verbesserung der Akutschmerztherapie und Reduktion von Komplikationen vorgehalten werden.“

Expertenbewertung

/

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Die Studienlage ist, aufgrund einer geringen Qualität und hohen Heterogenität der Studien, noch deutlich verbesserungswürdig. Weitere Studien müssen darüber hinaus klären, ob für bestimmte viszeralchirurgische Eingriffe spezifische Empfehlungen ausgesprochen werden müssen.

 

7.3 SA vs EA_Evidenztabelle

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

Kuo, CP, Jao, SW, Chen, KM, Wong, CS, Yeh, CC, Sheen, MJ, et.al. Comparison of the effects of thoracic epidural analgesia and i.v. infusion with lidocaine on cytokine response, postoperative pain and bowel function in patients undergoing colonic surgery.. Br J Anaesth, 2006. 97 (5)(5): p. 640-6., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16952918/

Patientenanzahl (n =  40)

 

Epiduralkatheteranlage T6-11

Placebotherapie

 

Postoperative Schmerzintensitäten, Anzahl an Patienten mit opioidbedingten Nebenwirkungen, Darmerholung, Krankenhausverweildauer

Unklarheiten hinsichtlich Reporting Bias 

 

Chen, WK, Ren, L, Wei, Y, Zhu, DX, Miao, CH, Xu, JM, General anesthesia combined with epidural anesthesia ameliorates the effect of fast-track surgery by mitigating immunosuppression and facilitating intestinal functional recovery in colon cancer patients.. Int J Colorectal Dis, 2015. 30 (4)(4): p. 475-81., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25579161/

Patientenanzahl (n =  53)

 

Epiduralkatheteranlage T10-11

Placebotherapie

Postoperative Schmerzintensitäten, Opioidbedingte Nebenwirkungen, Anzahl der Patienten mit Anastomoseninsuffizienzen, Wundinfektionen, Anastomoseninsuffizienzen, Darmerholung,

Krankenhausverweildauer

Unklarheiten hinsichtlich selektions Bias, Performance Bias, Detection Bias

Liu, Q, Lin, JY, Zhang, YF, Zhu, N, Wang, GQ, Wang, S, et.al. Effects of epidural combined with general anesthesia versus general anesthesia on quality of recovery of elderly patients undergoing laparoscopic radical resection of colorectal cancer: A prospective randomized trial..J Clin Anesth, 2020. 62 (): p. 109742., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32088534/

Patientenanzahl (n =  61)

 

Epiduralkatheter

Placebotherapie

Postoperative Schmerzintensitäten, Opioidbedingte Nebenwirkungen, Krankenhausverweildauer, Zeitdauer bis zum ersten Stuhlgang

Unklarheiten hinsichtlich Selektion Bias, Performance Bias, Detection Bias, Attrition Bias

Fares, KM, Mohamed, SA, Muhamed, SA, Hamza, HM, Sayed, DM, Hetta, DF, Effect of thoracic epidural analgesia on pro-inflammatory cytokines in patients subjected to protective lung ventilation during Ivor Lewis esophagectomy..Pain Physician 17 (4)(4): p. 305-15., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25054390/

 

Patientenanzahl (n =  30)

 

Epiduralkatheter

Placebotherapie

Krankenhausverweildauer, Häufigkeit der Anastomoseninsuffizienz, Opioidverbrauch, opioidbedingte Nebenwirkungen

Unklarheiten hinsichtlich Performance Bias, Detection Bias, Attrition Bias, Reporting Bias

Han, X, Lu, Y, Fang, Q, Fang, P, Wong, GTC, Liu, X, Effects of Epidural Anesthesia on Quality of Life in Elderly Patients Undergoing Esophagectomy.. Semin Thorac Cardiovasc Surg 33 (1)(1): p. 276-285., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32805363/

Patientenanzahl (n =  65)

 

Epiduralkatheter

Placebotherapie

Postoperative Schmerzintensität

Unklarheiten hinsichtlich Reporting Bias

Lavand'homme, P, De Kock, M, Waterloos, H, Intraoperative epidural analgesia combined with ketamine provides effective preventive analgesia in patients undergoing major digestive surgery..Anesthesiology, 2005. 103 (4)(4): p. 813-20., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16192774/

Patientenanzahl (n =  40)

 

Epiduralkatheter

Placebotherapie

Postoperative Schmerzintensität

Unklarheiten hinsichtlich Selektion Bias, Reporting Bias, hohes Risiko für Attrition Bias

Li, Y, Dong, H, Tan, S, Qian, Y, Jin, W, Effects of thoracic epidural anesthesia/analgesia on the stress response, pain relief, hospital stay, and treatment costs of patients with esophageal carcinoma undergoing thoracic surgery: A single-center, randomized controlled trial.. Medicine (Baltimore), 2019. 98 (7)(7): p. e14362., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30762735/

 

Patientenanzahl (n =  50)

 

Epiduralkatheter

Placebotherapie

Schmerzintensität, erster Stuhlgang, opioidbedingte Nebenwirkung, Häufigkeit der Wundinfektion, Dauer des Krankenhausaufenthaltes, Dauer der Darmerholung

Unklarheiten hinsichtlich Reporting Bias,

Sadurní, M, Beltrán de Heredia, S, Dürsteler, C, Pérez-Ramos, A, Langohr, K, Escolano, F, et.al. Epidural vs. intravenous fentanyl during colorectal surgery using a double-blind, double-dummy design.. Acta Anaesthesiol Scand, 2013. 57 (9)(9): p. 1103-10., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23560884/

Patientenanzahl (n =  30)

 

Epiduralkatheter

Placebotherapie

Opioidbedingte Nebenwirkung, paralytischer Ileus

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Performance, Reporting Bias

Rimaitis, K, Pavalkis, D, Does epidural anaesthesia and analgesia really improves surgical outcome after colorectal cancer surgery?. Acta Chir Iugosl, 2006. 53 (2)(2): p. 85-9., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17139892/

Patientenanzahl (n =  100)

 

Epiduralkatheter

Wundkatheter

Postoperative Schmerzintensität, Krankenhausverweildauer, opioidbedingte Nebenwirkungen

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Performance, Detection, Reporting Bias,

Radovanović, D, Radovanović, Z, Škorić-Jokić, S, Tatić, M, Mandić, A, Ivković-Kapicl, T, Thoracic Epidural Versus Intravenous Patient-Controlled Analgesia after Open Colorectal Cancer Surgery.. Acta Clin Croat, 2017. 56 (2)(2): p. 244-254., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29485791/

Patientenanzahl (n =  60)

 

Epiduralkatheter

keine

Postoperative Schmerzintensität, Krankenhausverweildauer, opioidbedingte Nebenwirkungen, paralytischer Ileus

Unklarheiten hinsichtlich Selection und Attrition Bias, Hohes Risiko hinsichtlich Performance und Detection Bias

 

 

 

 

 

Mann, C, Pouzeratte, Y, Boccara, G, Peccoux, C, Vergne, C, Brunat, G, et.al. Comparison of intravenous or epidural patient-controlled analgesia in the elderly after major abdominal surgery..Anesthesiology, 2000. 92 (2)(2): p. 433-41., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10691230/

Patientenanzahl (n =  70)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Epiduralkatheter

keine

Postoperative Schmerzintensität, opiodbedingte Nebenwirkungen, Anzahl an Anastomoseninsuffizienzen, Darmerholung

Unklarheiten hinsichtlich Reporting Bias, Performance und Detection Bias, Selection Bias

 

7.11 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

Endpunkte

Risiko mit Peripherer Regionalanalgesie

Risiko mit Epiduralanalgesie

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der OP

MD 0.74 weniger
(1.42 weniger bis 0.05 weniger)

-

749
(7 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Kritisch

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der OP

MD 1.07 weniger
(1.78 weniger bis 0.35 weniger)

-

373
(4 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Kritisch

Anzahl der Patienten mit Verfahrens-spezifischen Adverse Events

13 pro 1.000

53 pro 1.000
(6 bis 455)

RR 4.08
(0.48 bis 34.81)

319
(3 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,b,c,d

Kritisch

Anzahl der Patienten mit postoperativem paralytischen Ileus

71 pro 1.000

71 pro 1.000
(5 bis 1.000)

RR 1.00
(0.07 bis 14.45)

28
(1 RCT)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,c,e,f

Gering

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Es konnte keine Studie mit einem low risk of bias in die Sensitivitätsanalyse eingeschlossen werden.

b. Die gepoolten Daten weisen auf eine Heterogenität der eingeschlossenen Studien hin, die durch keine Subgruppenanalyse erklärt werden konnte.

c. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf und die Konfidenzintervalle sind eher weit und schließen sowohl Nutzen als auch Schaden ein, sodass Unsicherheit über das Ausmaß des Effekts besteht.

d. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf, sodass ein Publication bias wahrscheinlich ist.

e. Die Heterogenität konnte nicht berechnet werden, da nur eine Studie von diesem Ereignis berichtete.

f. Nur eine Studie berichtete von diesem Ereignis, sodass ein Publication bias wahrscheinlich ist.

 

7.11 EtD-Tabelle Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Die Schmerzintensität in Ruhe unterscheidet sich nicht bzw. ist nicht klinisch relevant in der EA-Gruppe gegenüber der PRA-Gruppe reduziert.

Die EA führt im Vergleich zu einer PRA zu einer klinisch relevanten Verringerung der Schmerzintensität bei Belastung nur am ersten postoperativen Tag nach onkologisch – viszeralchirurgischen Eingriffen. Danach ist kein Unterschied mehr nachweisbar.

Lediglich eine bzw. zwei Studien untersuchen den Opioidverbrauch und zeigen nur einen geringen bzw. keinen Unterschied zwischen beiden Verfahren.

In einer Studie zeigt sich kein Unterschied im Risiko des Auftretens eines paralytischen Ileus.

Opioidbedingte Risiken sind nicht unterschiedlich,  abgesehen von einem erhöhten Risiko für eine Hypotension bzw. Pruritus in der EA-Gruppe.

In wenigen Studien zeigt sich kein Unterschied in der Krankenhausverweildauer und der Anastomoseninsuffizienz. 

 

Evidenz siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Möglicher Schaden durch die Intervention

In drei Studien zeigt sich kein Unterschied im Auftreten einer blockadebedingten Komplikation (u.a. Blutung, Infektion).

Evidenz siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Für den Vergleich EA vs. PRA liegt für die primären Endpunkte Schmerzintensität in Ruhe und bei Bewegung 24 Stunden nach der Operation eine niedrige Zuverlässigkeit der Evidenz vor.

 

Sehr niedrig ist die Zuverlässigkeit der Evidenz für die Endpunkte blockassoziierte Nebenwirkungen und die Entwicklung eines paralytischen Ileus.

 

Evidenz siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

Präferenzen und Akzeptanz

Der Einsatz der EA und der PRA in Krankenhäusern, die onkologisch-viszeralchirurgische Operationen durch-führen, ist sehr divergent. Der G-BA hat im Jahr 2020 die Qualitätsmanagement-Richtlinie „Aufnahme einer Regelung zur verpflichtenden Einführung und Umsetzung von Akutschmerzmanagementkonzepten für eine angemessene postoperative Schmerz-therapie“ verabschiedet. Damit sind Krankenhäuser verpflichtet, ihren Patienten eine optimale Akutschmerztherapie zur Verfügung zu stellen.

Die Daten der hier durchgeführten Meta-Analyse zeigen, dass die EA der PRA lediglich hinsichtlich des Endpunktes Schmerzintensität bei Belastung und dort nur am ersten postoperativen Tag nach onkologisch – viszeralchirurgischen Eingriffen überlegen ist, wenn auch mit niedriger Evidenz.

Der Einsatz der EA könnte damit durch die verbesserte Schmerzbehandlung sowohl die Patienten-zufriedenheit, die postoperative Erholung als auch die in QM-Berichten dargestellten Ergebnisse verbessern.

Weitere Vorteile können beim Vergleich EA vs. PRA für die Indiktion, um die es in dieser LL geht, nicht nachgewiesen werden.

Evidenz siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Der Einsatz der EA und der PRA ist in vielen KH bereits etabliert; die Betreuung von Patienten mit postoperativen EA oder PRA Verfahren soll durch einen Akutschmerzdienst oder eine ähnliche Einheit erfolgen. Dies bedarf, falls in Kliniken nicht vorhanden, zusätzlicher Ressourcen. Der bereits o.g. G-BA Beschluss hat aber ebenfalls hier eine klare Empfehlung zur Einführung einer derartigen Organisationseinheit in operativ tätigen Kliniken getätigt. Die S3-LL „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ empfiehlt deshalb auch mit dem höchsten Empfehlungsgrad (GoR A): „Ein Akutschmerzdienst (oder eine entsprechende organisatorische Einheit) soll in jeder Klinik mit operativer Einheit zur Verbesserung der Akutschmerztherapie und Reduktion von Komplikationen vorgehalten werden.“

 

Evidenz siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Die Studienlage ist, aufgrund einer geringen Qualität und hohen Heterogenität der Studien, noch deutlich verbesserungswürdig. Weitere Studien müssen darüber hinaus klären, ob für bestimmte viszeralchirurgische Eingriffe spezifische Empfehlungen ausgesprochen werden können.

 

7.11 Evidenztabelle Postoperative Schmerztherapie - Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

Wu, Y, Liu, F, Tang, H, Wang, Q, Chen, L, Wu, H, et.al. The analgesic efficacy of subcostal transversus abdominis plane block compared with thoracic epidural analgesia and intravenous opioid analgesia after radical gastrectomy.. Anesth Analg, 2013. 117 (2)(2): p. 507-13.,

[240]

Patientenanzahl (n =  82)

 

Epiduralkatheteranlage

Keine, Transversus Abdominis Plain Block

 

Postoperative Schmerzintensitäten, Opioidverbrauch, Darmerholung, opioidbedingte Nebenwirkungen, erster Stuhlgang

Unklarheiten hinsichtlich Performance, Attrition, Reporting Bias

 

Zhang, W, Cong, X, Zhang, L, Sun, M, Li, B, Geng, H, et.al. Effects of thoracic nerve block on perioperative lung injury, immune function, and recovery after thoracic surgery.. Clin Transl Med, 2020. 10 (3)(3): p. e38.,

[242]

 

Patientenanzahl (n =  110)

 

Epiduralkatheteranlage

Keine, Paravertebralblock

Postoperative Schmerzintensitäten

 

Unklarheiten hinsichtlich Selektion Bias

Boulind, CE, Ewings, P, Bulley, SH, Reid, JM, Jenkins, JT, Blazeby, JM, et.al. Feasibility study of analgesia via epidural versus continuous wound infusion after laparoscopic colorectal resection..Br J Surg, 2013. 100 (3)(3): p. 395-402.,

[234]

 

Patientenanzahl (n =  31)

 

Epiduralkatheter

Wundkatheter

Krankenhausverweildauer, Paralytischer Ileus, Anastomoseninsuffizienzen

Unklarheiten hinsichtlich Reporting Bias

Hausken, J, Fretland, ÅA, Edwin, B, Andersen, MH, Dagenborg, VJ, Bjørnelv, GMW, et.al. Intravenous Patient-controlled Analgesia Versus Thoracic Epidural Analgesia After Open Liver Surgery: A Prospective, Randomized, Controlled, Noninferiority Trial..Ann Surg, 2019. 270 (2)(2): p. 193-199.,

[235]

 

Patientenanzahl (n =  143)

 

Epiduralkatheter

Wundinfiltration

Postoperative Schmerzintensität, dauer des Krankenhausaufenthaltes Opioidverbrauch, opioidbedingte Nebenwirkungen

Unklarheiten hinsichtlich Performance Bias, Detection Bias, Reporting Bias

Jayr, C, Thomas, H, Rey, A, Farhat, F, Lasser, P, Bourgain, JL, Postoperative pulmonary complications. Epidural analgesia using bupivacaine and opioids versus parenteral opioids.. Anesthesiology, 1993. 78 (4)(4): p. 666-76; discussion 22A., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8466067/

 

Patientenanzahl (n =  153)

 

Epiduralkatheter

Wundinfiltration

Postoperative Schmerzintensität, opioidbedingte Nebenwirkungen, Dauer des Krankenhausaufenthaltes

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Reporting Bias

Jayr, C, Mollié, A, Bourgain, JL, Alarcon, J, Masselot, J, Lasser, P, et.al. Postoperative pulmonary complications: general anesthesia with postoperative parenteral morphine compared with epidural analgesia..Surgery, 1988. 104 (1)(1): p. 57-63.,

[237]

 

Patientenanzahl (n =  146)

 

Epiduralkatheter

Wundinfiltration

Postoperative Schmerzintensität

Unklarheiten hinsichtlich Selektion, Performance, Detection Bias

Peng, J, Wang, SD, Effect of anesthesia combined with intercostal nerve block on analgesia for esophageal cancer after operation.. Eur Rev Med Pharmacol Sci, 2015. 19 (12)(12): p. 2293-6.,

[238]

 

Patientenanzahl (n =  80)

 

Epiduralkatheter

Intercostalblockade

Postoperative Schmerzintensität

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Performance, Detection, Reporting Bias,

Rimaitis, K, Marchertiene, I, Pavalkis, D, [Comparison of two different methods of analgesia. Postoperative course after colorectal cancer surgery].. Medicina (Kaunas), 2003. 39 (2)(2): p. 129-37.,

[239]

 

Patientenanzahl (n =  100)

 

Epiduralkatheter

Wundinfiltration

Wundinfektion, Postoperative Schmerzintensität, , opioidbedingte Nebenwirkungen, Dauer des Klinikaufenthaltes

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Performance, Reporting, Attrition Bias

Xu, YJ, Sun, X, Jiang, H, Yin, YH, Weng, ML, Sun, ZR, et.al. Randomized clinical trial of continuous transversus abdominis plane block, epidural or patient-controlled analgesia for patients undergoing laparoscopic colorectal cancer surgery..Br J Surg, 2020. 107 (2)(2): p. e133-e141.,

[245]

Patientenanzahl (n =  180)

 

Epiduralkatheter

Keine, Transversus Abdominis Plane Block

opioidbedingte Nebenwirkungen,. Blockadeassoziierte Nebenwirkungen

Unklarheiten hinsichtlich Performance, Detection, Attrition Bias,

 

7.12 Evidenztabelle Postoperative Schmerztherapie - Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (Minimalinvasive kolorektale Chirurgie)

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Hamid et al. 2020

 

Transversus abdominis plane block versus thoracic epidural analgesia in colorectal surgery: a systematic review and meta-analysis.

 

[243]

randomisierte kontrollierte Studien (RCTs)

Subgruppenanalyse von 4 RCTs zur separaten Analyse der Wirkung bei minimalinvasiver Chirurgie

Vergleich eines TAP-Blocks mit einer thorakalen Epiduralanalgesie bei kolorektalen Eingriffen.

Schmerzen in Ruhe 24 Stunden postoperativ:

 

Schmerzen bei Bewegung 24 Stunden postoperativ:

 

Schmerzen bei Bewegung 48 Stunden postoperativ:

Opiatkonsum innerhalb von 48 Stunden

PONV-Inzidenz

Postoperativer Verbleib des Harnkatheters:

Krankenhausverweildauer:

Empfindungsstörungen:

Postoperative Hypotonie

Kein klinisch relevanter Unterschied hinsichtlich der analgetische Wirkung.

Effekte, die für die Verwendung von TAP-Blocks sprechen: kürzere Liegedauer des Blasenkatheters, kürzere Zeit bis zum Aufstehen, früheres Auftreten des ersten Flatus, geringeres Auftreten von PONV, weniger Sensibilitätsstörungen und weniger Hypotonien.

Da eine Update-Recherche keine neueren RCTs für diesen Vergleich identifizieren konnte, wurde eine Neuberechnung der bereits von Hamid et al. beschriebenen Subgruppenanalyse mit RevMan5 durchgeführt und eine GRADE-Bewertung der als relevant eingestuften Ergebnisparameter vorgenommen.

[Niraj, G et al. 2014]

[Qin, C. S. et al. 2016]

[Dai, Y. et al. 2017]

[Xu, YJ et al. 2020].

 

7.12 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (minimalinvasive kolorektale Chirurgie)

Endpunkte

Risiko mit PDK

Risiko mit TAP

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence (GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Schmerzen in Ruhe 24 Stunden postoperativ

MD 0.22 höher
(0.03 höher bis 0.4 höher)

-

301
(4 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Schmerzen bei Bewegung 24 Stunden postoperativ

MD 0.33 höher
(0.11 höher bis 0.55 höher)

-

301
(4 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Schmerzen bei Bewegung 48 Stunden postoperativ

MD 0.2 höher
(0.05 höher bis 0.35 höher)

-

301
(4 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Schmerzen in Ruhe 48 Stunden postoperativ

 

MD 0.08 höher
(0.05 weniger bis 0.2 höher)

-

301
(4 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Wichtig

Opiatkonsum innerhalb von 48 Stunden postoperativ

MD 3.43 höher
(1.88 weniger bis 8.74 höher)

-

132
(2 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,b,c

Wichtig

PONV-Inzidenz

256 pro 1.000

102 pro 1.000
(54 bis 187)

RR 0.40
(0.21 bis 0.73)

240
(3 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Gering

Postoperativer Verbleib des Harnkatheters (Stunden)

MD 14.27 weniger
(21.66 weniger bis 6.87 weniger )

-

301
(4 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,d

Wichtig

Zeit bis zum ersten Flatus (Stunden)

MD 2.72 weniger
(5.01 weniger bis 0.43 weniger )

-

301
(4 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,d

Gering

Schmerzen in Ruhe 0 bis 2 Stunden postoperativ

 

MD 0.09 höher
(0.07 weniger bis 0.24 höher)

-

242
(3 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Gering

Krankenhausverweildauer (Tage)

 

MD 0.4 höher
(0.96 weniger bis 1.75 höher)

-

311
(4 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,b,d

Wichtig

Empfindungsstörungen

264 pro 1.000

13 pro 1.000
(3 bis 74)

RR 0.05
(0.01 bis 0.28)

240
(3 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata,c

Wichtig

Postoperative Hypotonie nach 48 Stunden

116 pro 1.000

16 pro 1.000
(3 bis 67)

RR 0.14
(0.03 bis 0.58)

240
(3 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata,c

Wichtig

Dauer bis zur Gehfähigkeit

 

MD 3.33 weniger
(5.32 weniger bis 1.35 weniger )

-

301
(4 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,c

Gering

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Bias-Risikos bezüglich des eingeschränkten Allocation Concealments und der Verblindung von Teilnehmern und Personal um eine Stufe herabgestuft.

b. Aufgrund mäßiger Heterogenität zwischen den Studien (I2 = 46%) um eine Stufe herabgestuft

c. Aufgrund weiter Konfidenzintervalle, die sowohl Nutzen als auch Schaden einschließen, um eine Stufe herabgestuft

d. Aufgrund eines sehr weiten Konfidenzintervalls der gepoolten Daten um eine Stufe herabgestuft

 

7.12 EtD-Tabelle Epiduralanalgesie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (Minimalinvasive kolorektale Chirurgie)

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Die analgetische Wirkung entspricht der Wirkung der Epiduralanalgesie. Der Urinkatheter kann früher entfernt werden und der erste Flatus tritt früher auf.

Nebenwirkungen der EA (Sensibilitätsstörungen, Hypothonie) treten nicht auf.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Die spezifischen Nebenwirkungen des TAP-Blocks sind nicht untersucht worden.

 

Der zusätzliche Opioidbedarf könnte höher sein als bei der EA.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Für die meisten Outcomes besteht ein moderates Vertrauen in die Evidenz

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Da der TAP-Block ein vergleichsweise neues Verfahren im Vergleich zur EA ist, mit dem es weniger Erfahrung gibt, könnte es sein, dass die EA in der klinischen Praxis bevorzugt wird.

 

Aufgrund der kürzeren Anwendungsdauer eines TAP-Block-Schmerzkatheters (48 Stunden) im Vergleich zu einem PDK, der in der Regel über einen Zeitraum von 48 Stunden angewendet wird, könnte es sein, dass Patienten einen TAP-Block bevorzugen. Ein Nachteil des TAP-Blocks mit kontinuierlicher Applikation eines Lokalanästhetikums könnte jedoch sein, dass die postoperative Mobilisierung durch die Bauchdeckenkatheter gestört wird. Diese Katheter müssen für die kontinuierliche Infusion des Analgetikums an ein Pumpensystem angeschlossen werden, was zu einem zusätzlichen Pflegeaufwand führen könnte.

 

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Die postoperative Analgesie mittels PDK oder TAP-Block erfordert wahrscheinlich vergleichbare Ressourcen.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Bei minimalinvasiven Kolonresektionen oder (tiefen) anterioren Rektumresektionen kann zur perioperativen Analgesie ein TAP-Block (Transversus abdominis plane block) als Alternative zur Epiduralanalgesie verwendet werden.

 

7.13 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (offene Operationen)

Endpunkte

Risiko mit systemischer Analgesie

Risiko mit Peripherer Regionalanästhesie

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der OP

MD 0.78 weniger
(1.5 weniger bis 0.05 weniger )

-

765
(11 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Kritisch

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der OP

MD 1.04 weniger
(1.73 weniger bis 0.36 weniger )

-

518
(7 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga,b

Kritisch

Anzahl der Patienten mit blockadeassoziierten Adverse Events

19 pro 1.000

22 pro 1.000
(3 bis 129)

RR 1.11
(0.18 bis 6.65)

210
(3 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,c,d

Kritisch

Anzahl der Patienten mit postoperativem paralytischen Ileus

nicht gepoolt

nicht gepoolt

nicht gepoolt

(0 RCTs)

-e

Gering

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Es konnte keine Studie mit einem low risk of bias in die Sensitivitätsanalyse eingeschlossen werden.

b. Die gepoolten Daten weisen auf eine Heterogenität der eingeschlossenen Studien hin.

c. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf und die Konfidenzintervalle sind eher weit und schließen sowohl Nutzen als auch Schaden ein, sodass Unsicherheit über das Ausmaß des Effekts besteht.

d. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf, sodass ein Publication bias wahrscheinlich ist.

e. In den eingeschlossenen Studien wurde der Endpunkt nicht erfasst, sodass eine Aussage nicht möglich ist.

 

7.13 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren (laporoskopisch)

Endpunkte

Risiko mit systemischer Analgesie

Risiko mit Peripherer Regionalanästhesie

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der OP

MD 0.72 weniger
(1.35 weniger bis 0.09 weniger )

-

700
(11 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der OP

MD 0.83 weniger
(1.41 weniger bis 0.25 weniger )

-

590
(9 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Anzahl der Patienten mit blockadeassoziierten Adverse Events

0 pro 1.000

0 pro 1.000
(0 bis 0)

RR 3.75
(0.42 bis 33.12)

165
(2 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedrig b,c,d

Kritisch

Anzahl der Patienten mit postoperativen paralytischen Ileus

76 pro 1.000

87 pro 1.000
(34 bis 224)

RR 1.14
(0.44 bis 2.94)

211
(4 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedrig c,e,f

Gering

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Die gepoolten Daten weisen auf eine Heterogenität der eingeschlossenen Studien hin.

b. Es konnte keine Studie mit einem low risk of bias in die Sensitivitätsanalyse eingeschlossen werden.

c. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf und der Konfidenzintervalle ist eher weit und schließt sowohl Nutzen als auch Schaden ein, sodass Unsicherheit über das Ausmaß des Effekts besteht.

d. Nur zwei Studien berichtete von diesem Ereignis, sodass ein Publication bias wahrscheinlich ist.

e. Das Ergebnis der Sensitivitätsanalyse mit nur low risk of bias RCTs ergab einen abweichenden Effekt mit einem erweiterten 95% CI.

f. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf, sodass ein Publication bias wahrscheinlich ist.

 

7.13 SoF-Tabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren gesamt

Endpunkte

Risiko mit systemischer Analgesie

Risiko mit Peripherer Regionalanalgesie

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Schmerzintensität in Ruhe 24 Stunden nach der OP

MD 0.75 weniger
(1.2 weniger bis 0.31 weniger)

-

1604
(24 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Schmerzintensität bei Belastung 24 Stunden nach der OP

MD 0.93 weniger
(1.34 weniger bis 0.53 weniger)

-

1180
(17 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Anzahl der Patienten mit blockadeassoziierten Adverse Events

11 pro 1.000

20 pro 1.000
(5 bis 79)

RR 1.81
(0.45 bis 7.24)

375
(5 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedrig a,b,c,d

Kritisch

Anzahl der Patienten mit postoperativen paralytischen Ileus

76 pro 1.000

87 pro 1.000
(34 bis 224)

RR 1.14
(0.44 bis 2.94)

211
(4 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedrig a,c,d,e

Gering

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Die gepoolten Daten weisen auf eine Heterogenität der eingeschlossenen Studien hin, die durch keine Subgruppenanalyse erklärt werden konnte.

b. Es konnte keine Studie mit einem low risk of bias in die Sensitivitätsanalyse eingeschlossen werden.

c. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf und die Konfidenzintervalle sind eher weit und schließen sowohl Nutzen als auch Schaden ein, sodass Unsicherheit über das Ausmaß des Effekts besteht.

d. In den eingeschlossenen Studien traten nur wenige Ereignisse auf, sodass ein Publication bias wahrscheinlich ist.

e. Das Ergebnis der Sensitivitätsanalyse mit nur low risk of bias RCTs ergab einen abweichenden Effekt mit einem erweiterten 95% CI.

 

7.13 EtD-Tabelle Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

ist

Die kombinierte periphere Regional- und Allgemeinanästhesie führt nicht zu einer klinisch relevanten Verringerung der Schmerzintensität in Ruhe und bei Bewegung einen bis drei Tage nach einer viszeralonkologischen Operation im Vergleich zu einer alleinigen Allgemeinanästhesie. Direkt nach der Operation ist allerdings ein klinisch relevanter Effekt nachweisbar. Eine periphere Regionalanästhesie in Kombination mit einer Allgemeinanästhesie führt nicht zu einem Unterschied hinsichtlich des Risikos für das Auftreten eines paralytischen Ileus. Allerdings ist der Opioidverbrauch bis zu drei Tage nach der Operation vermindert, wobei der Effekt im Verlauf deutlich nachlässt. Dies ist mit einem reduzierten Risiko für das Auftreten opioidbedingter Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Übelkeit und Erbrechen, Sedierung) verbunden. Nur eine Studie untersucht das Risiko für das Auftreten einer Anastomoseninsuffizenz und weist keinen Unterschied in den Gruppen nach. Die Krankenhausverweildauer ist nur geringfügig reduziert.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

Möglicher Schaden durch die Intervention

Vier Studien berichten, dass es bei Patienten, die periphere Regionalanästhesie in Kombination mit einer Allgemeinanästhesie oder nur eine Allgemeinanästhesie erhalten haben, keine Unterschiede in blockadebedingten Nebenwirkungen (u.a. Blutung, Infektion) gibt.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Für den Vergleich der kombinierten peripheren Regional- und Allgemeinanästhesie mit der alleinigen Allgemeinanästhesie liegt für die primären Endpunkte „Schmerzintensität in Ruhe und bei Bewegung 24 Stunden nach der Operation“ eine moderate Zuverlässigkeit der Evidenz vor.

 

Sehr niedrig ist die Zuverlässigkeit der Evidenz für die Endpunkte „blockassoziierte Nebenwirkungen“ und die „Entwicklung eines paralytischen Ileus“.

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Wie wahrscheinlich ist es, dass eine beträchtliche Anzahl von Menschen eine andere Präferenz als die empfohlene Variante haben wird?

 

 

Tipp: Geben Sie an, ob es bestimmte Patientengruppen oder andere am Prozess Beteiligte gibt, die mit größerer Wahrscheinlichkeit eine alternative Option wünschen.

Expertenbewertung

/

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Besteht ein Bedarf an spezifischen Ressourcen für die Anwendbarkeit der Empfehlung?
Wie sind die Kosten und der Nutzen im Verhältnis zueinander zu bewerten?

 

 

Berücksichtigen Sie bei Ihrer zusammenfassenden Erklärung auch:

Kosten-Wirksamkeit

Auswirkungen auf die gesundheitliche Chancengleichheit

Machbarkeit der Umsetzung der Empfehlung

Expertenbewertung

/

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

 

 

7.13 Evidenztabelle Postoperative Schmerztherapie - Systemische Schmerztherapie versus periphere Regionalanalgesieverfahren

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

Chen, H, Liao, Z, Fang, Y, Niu, B, Chen, A, Cao, F, et.al. Continuous right thoracic paravertebral block following bolus initiation reduced postoperative pain after right-lobe hepatectomy: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial.. Reg Anesth Pain Med 39 (6)(6): p. 506-12.,

[249]

 

Patientenanzahl (n =  44)

 

Paravertebralblock T7

keine

 

Postoperative Schmerzintensitäten, Anzahl an Patienten mit opioidbedingten Nebenwirkungen, Darmerholung, Krankenhausverweildauer

Unklarheiten hinsichtlich Reporting Bias 

 

Zhu, M, Gu, Y, Sun, X, Liu, X, Chen, W, Miao, C, Ultrasound-Guided Intercostal Nerve Block Following Esophagectomy for Acute Postoperative Pain Relief in the Postanesthesia Care Unit.. Pain Pract, 2018. 18 (7)(7): p. 879-883.,

[269]

 

Patientenanzahl (n =  81)

 

Intercostalblockade

Keine

Postoperative Schmerzintensitäten, Opioidbedingte Nebenwirkungen, Anzahl der Patienten mit Anastomoseninsuffizienzen, Wundinfektionen, Anastomoseninsuffizienzen, Darmerholung,

Krankenhausverweildauer

Unklarheiten hinsichtlich selektions Bias, Performance Bias, Detection Bias

Zheng, J, Feng, Z, Zhu, J, Effect of preintravenous injection of parecoxib, combined with transversus abdominis plane block in strategy of enhanced recovery after radical resection of colorectal cancer.. J Cancer Res Ther, 2018. 14 (7)(7): p. 1583-1588.,

[268]

 

Patientenanzahl (n =  40)

 

Transversus abdominis Plain Block

keine

Postoperative Schmerzintensitäten, Opioidbedingte Nebenwirkungen, Krankenhausverweildauer, Zeitdauer bis zum ersten Stuhlgang

Unklarheiten hinsichtlich Selektion Bias, Performance Bias, Detection Bias, Attrition Bias

Zhang, W, Fang, C, Li, J, Geng, QT, Wang, S, Kang, F, et.al. Single-dose, bilateral paravertebral block plus intravenous sufentanil analgesia in patients with esophageal cancer undergoing combined thoracoscopic-laparoscopic esophagectomy: a safe and effective alternative.. J Cardiothorac Vasc Anesth, 2014. 28 (4)(4): p. 966-72.,

[267]

 

Patientenanzahl (n =  52)

 

Paravertebralblock

keine

Krankenhausverweildauer, Häufigkeit der Anastomoseninsuffizienz, Opioidverbrauch, opioidbedingte Nebenwirkungen

Unklarheiten hinsichtlich Performance Bias, Detection Bias, Attrition Bias, Reporting Bias

Yoon, S, Song, GY, Lee, J, Lee, HJ, Kong, SH, Kim, WH, et.al. Ultrasound-guided bilateral subcostal transversus abdominis plane block in gastric cancer patients undergoing laparoscopic gastrectomy: a randomised-controlled double-blinded study.. Surg Endosc, 2022. 36 (2)(2): p. 1044-1052.,

[266]

 

Patientenanzahl (n =  106)

 

Transversus abdominis Plain Block

keine

Postoperative Schmerzintensität

Unklarheiten hinsichtlich Reporting Bias

Xu, YJ, Sun, X, Jiang, H, Yin, YH, Weng, ML, Sun, ZR, et.al. Randomized clinical trial of continuous transversus abdominis plane block, epidural or patient-controlled analgesia for patients undergoing laparoscopic colorectal cancer surgery.. Br J Surg, 2020. 107 (2)(2): p. e133-e141.,

[245]

 

Patientenanzahl (n =  180)

 

Transversus abdominis Plain Block

Keine,

Epiduralanalgesie

Postoperative Schmerzintensität

Unklarheiten hinsichtlich Selektion Bias, Reporting Bias, hohes Risiko für Attrition Bias

Wu, Y, Liu, F, Tang, H, Wang, Q, Chen, L, Wu, H, et.al. The analgesic efficacy of subcostal transversus abdominis plane block compared with thoracic epidural analgesia and intravenous opioid analgesia after radical gastrectomy.. Anesth Analg, 2013. 117 (2)(2): p. 507-13.,

[240]

 

Patientenanzahl (n =  82)

 

Transversus abdominis Plain Block

Keine

Epiduralanalgesie

Postoperative Schmerzintensität, erster Stuhlgang, opioidbedingte Nebenwirkung, Häufigkeit der Wundinfektion, Dauer des Krankenhausaufenthaltes, Dauer der Darmerholung

Unklarheiten hinsichtlich Reporting Bias,

Wang, Y, Cheng, J, Yang, L, Wang, J, Liu, H, Lv, Z, Ropivacaine for Intercostal Nerve Block Improves Early Postoperative Cognitive Dysfunction in Patients Following Thoracotomy for Esophageal Cancer.. Med Sci Monit, 2019. 25 (): p. 460-465.,

[265]

 

Patientenanzahl (n =  100)

 

Intercostalblock

keine

Opioidbedingte Nebenwirkung, paralytischer Ileus

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Performance, Reporting Bias

Wang, D, He, Y, Chen, X, Lin, Y, Liu, Y, Yu, Z, Ultrasound guided lateral quadratus lumborum block enhanced recovery in patients undergoing laparoscopic colorectal surgery.. Adv Med Sci, 2021. 66 (1)(1): p. 41-45.,

[264]

 

Patientenanzahl (n =  60)

 

Quadratus Lumborum Block

keine

Postoperative Schmerzintensität, Krankenhausverweildauer, opioidbedingte Nebenwirkungen

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Performance, Detection, Reporting Bias,

Liu, R, Qin, H, Wang, M, Li, K, Zhao, G, Transversus abdominis plane block with general anesthesia blunts the perioperative stress response in patients undergoing radical gastrectomy.. BMC Anesthesiol, 2019. 19 (1)(1): p. 205.,

[259]

 

Patientenanzahl (n =  61)

 

Transversus abdominis plain Block

keine

Postoperative Schmerzintensität, opioidbedingte Nebenwirkungen, erster Stuhlgang, postoperative Darmerholung

Unklarheiten hinsichtlich Performance, Detection und Attrition Bias,

Liang, M, Xv, X, Ren, C, Yao, Y, Gao, X, Effect of ultrasound-guided transversus abdominis plane block with rectus sheath block on patients undergoing laparoscopy-assisted radical resection of rectal cancer: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial.. BMC Anesthesiol, 2021. 21 (1)(1): p. 89.,

[258]

 

Patientenanzahl (n =  52)

 

Transversus abdominis plain Block

keine

Opioidverbrauch, erster Stuhlgang, opioidbedingte Nebenwirkungen, Paralytischer Ileus, Aufenthalt in der Klinik, Darmerholung,

keine

Li, K, Li, L, Gao, M, Zhu, Z, Chen, P, Yang, L, et.al. Application of ultrasound-guided subcostal transversus abdominis plane block in gastric cancer patients undergoing open gastrectomy.. Int J Clin Exp Med, 2015. 8 (8)(8): p. 13976-82.,

[257]

 

Patientenanzahl (n =  40)

 

Transversus abdominis plain block

keine

Postoperative Schmerzintensität, opioidbedingte Nebenwirkungen

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Performance, Detection und Reporting Bias,

Kim, D, Kim, JM, Choi, GS, Heo, G, Kim, GS, Jeong, JS, Ultrasound-guided erector spinae plane block for postoperative analgesia in laparoscopic liver resection: A prospective, randomised controlled, patient and observer-blinded study.. Eur J Anaesthesiol, 2021. 38 (Suppl 2)(Suppl 2): p. S106-S112.,

[256]

 

Patientenanzahl (n =  70)

 

Erector spinae plane block

keine

Postoperative Schmerzintensität, Opioidverbrauch, opioidbedingte Nebenwirkungen

keine

Jin, L, Yao, R, Heng, L, Pang, B, Sun, FG, Shen, Y, et.al. Ultrasound-guided continuous thoracic paravertebral block alleviates postoperative delirium in elderly patients undergoing esophagectomy: A randomized controlled trial.. Medicine (Baltimore), 2020. 99 (17)(17): p. e19896.,

[255]

 

Patientenanzahl (n =  167)

 

Paravertebral Block

keine

Postoperative Schmerzintensität, Dauer des Klinikaufenthalts, opioidbedingte Nebenwirkungen, Opioidverbrauch

Unklarheiten hinsichtlich Selection, Performance, Detection Bias,

Hu, L, Xu, X, Shen, W, He, J, Feasibility and effectiveness of multi-injection thoracic paravertebral block via the intrathoracic approach for analgesia after thoracoscopic-laparoscopic esophagectomy.. Esophagus, 2021. 18 (3)(3): p. 513-521.,

[254]

 

Patientenanzahl (n =  60)

 

Paravertebralblock

keine

Opioidbedingte Nebenwirkungen, postoperative Schmerzintensität, Opioidverbrauch, Dauer des Klinikaufenthaltes

Unklarheiten hinsichtlich Performance, Detection und Selection Bias,

Huang, D, Ma, X, Zhou, D, [Effects of postoperative analgesia of ultrasound-guided transversus abdominis plane block in hemicolectomy patients].. Zhonghua Yi Xue Za Zhi, 2014. 94 (21)(21): p. 1623-6.,

[253]

 

Patientenanzahl (n =  40)

 

Transversus Abdominis Plane Block

keine

Postoperative Schmerzintensität, Opioidverbrauch, opioidbedingte Nebenwirkungen

Unklarheiten hinsichtlich Performance, Detection und Attrition Bias,

Haruethaivijitchock, P, Ng, JL, Taksavanitcha, G, Theerawatanawong, J, Rattananupong, T, Lohsoonthorn, V, et.al. Postoperative analgesic efficacy of modified continuous transversus abdominis plane block in laparoscopic colorectal surgery: a triple-blind randomized controlled trial.. Tech Coloproctol, 2020. 24 (11)(11): p. 1179-1187.,

[252]

 

Patientenanzahl (n =  51)

 

Transversus Abdominis Plane Block

keine

Postoperative Schmerzintensität, Opioidverbrauch, Blockadeassoziierte Nebenwirkungen, Wundinfektionen, Dauer des Klinikaufenthaltes

 

Guo, JG, Li, HL, Pei, QQ, Feng, ZY, The analgesic efficacy of subcostal transversus abdominis plane block with Mercedes incision.. BMC Anesthesiol, 2018. 18 (1)(1): p. 36.,

[251]

 

Patientenanzahl (n =  70)

 

Transversus Abdominis Plane Block

keine

Postoperative Schmerzintensität, opioidbedingte Nebenwirkungen, Opioidverbrauch,

 

Fustran, N, Dalmau, A, Ferreres, E, Camprubí, I, Sanzol, R, Redondo, S, et.al. Postoperative analgesia with continuous wound infusion of local anaesthesia vs saline: a double-blind randomized, controlled trial in colorectal surgery.. Colorectal Dis, 2015. 17 (4)(4): p. 342-50.,

[250]

 

Patientenanzahl (n =  60)

 

Wundinfiltration

keine

Postoperative Schmerzintensität, Wundinfektionen, opioidbedingte Nebenwirkungen, Opioidverbrauch, Dauer des Klinikaufenthaltes, Darmerholung

 

Beaussier, M, El'Ayoubi, H, Schiffer, E, Rollin, M, Parc, Y, Mazoit, JX, et.al. Continuous preperitoneal infusion of ropivacaine provides effective analgesia and accelerates recovery after colorectal surgery: a randomized, double-blind, placebo-controlled study.. Anesthesiology, 2007. 107 (3)(3): p. 461-8.,

[Beaussier, M et al. 2007]

Patientenanzahl (n =  42)

 

Wund Katheter

none

Postoperative Schmerzintensität, Opioidverbrauch, Darmerholung, Dauer des Klinikaufenthaltes, erster Stuhlgang, Darmerholung

 

Torup, H, Hansen, EG, Bøgeskov, M, Rosenberg, J, Mitchell, AU, Petersen, PL, et.al. Transversus abdominis plane block after laparoscopic colonic resection in cancer patients: A randomised clinical trial.. Eur J Anaesthesiol, 2016. 33 (10)(10): p. 725-30.,

[263]

Patientenanzahl (n =  63)

 

Transversus abdominis Plain Block

keine

Opioidverbrauch, Postoperative Schmerzintensität, opiodbedingte Nebenwirkungen

 

Oh, TK, Yim, J, Kim, J, Eom, W, Lee, SA, Park, SC, et.al. Effects of preoperative ultrasound-guided transversus abdominis plane block on pain after laparoscopic surgery for colorectal cancer: a double-blind randomized controlled trial.. Surg Endosc, 2017. 31 (1)(1): p. 127-134.,

[260]

 

Patientenanzahl (n =  55)

 

Transversus Abdominis Plane Block

keine

Postoperative Schmerzintensität, opioidbedingte Nebenwirkungen, Wundinfektionen, Dauer des Klinikaufenthaltes, Anastomosenleckagen,

 

 

7.14 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Methylnaltrexon

Endpunkte

Risiko mit Placebo

Risiko mit i.v. Methylnaltrexon

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen

827 pro 1.000

827 pro 1.000
(744 bis 910)

RR 1.0
(0.9 bis 1.1)

1048
(2 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Wichtig

Reinsertion Magensonde - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Chirurgische Komplikationen > CD II° - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Kardiale Komplikationen

119 pro 1.000

148 pro 1.000
(107 bis 205)

RR 1.25
(0.90 bis 1.73)

1113
(3 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Pulmonale Komplikationen

84 pro 1.000

66 pro 1.000
(18 bis 248)

RR 0.79
(0.21 bis 2.96)

580
(2 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderatb

Wichtig

Dauer bis GI-2


MD 0.79 Tage weniger
(2.02 weniger bis 0.45 höher)

-

580
(2 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrigc

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation


MD 0.44 Tage weniger
(1.26 weniger bis 0.39 höher)

-

580
(2 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrigd

Kritisch

Solider Kostaufbau


MD 26.5 Stundenweniger
(33.63 weniger bis 19.37 weniger )

-

65
(1 RCT)

⨁◯◯◯
Sehr niedrige

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer


MD 0.28 Tage weniger
(1.99 weniger bis 1.42 höher)

-

580
(2 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrigf

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. I2=66%

b. I2=74%

c. I2=88%

d. I2=94%

e. Einzelstudienanalyse von Viscusi et al., deren Ergebnisse in Diskrepanz zu den größeren Patientenkollektiven von Sik Yu et al stehen.

f. I2=91%

 

7.14 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Methylnaltrexon

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Zur evidenzbasierten Beantwortung der Frage, ob Methylnaltrexon einen Effekt auf den postoperativen Ileus (POI) nach gastrointestinalen Tumorresektionen hat, konnten zwei Arbeiten identifiziert werden. Diese von Sik Yu fasst dabei zwei große RCTs mit identischer Intervention und Setting zusammen. Allerdings stehen die kontinuierlichen Variablen der zweiten Studie von Sik Yu für die Metaanalyse nicht zur Verfügung.

 

In beiden Artikeln wurden Patienten mit kolorektalen Resektionen eingeschlossen. In beiden Arbeiten erfolgte die Applikation von Methylnaltrexon zur Prävention des POI.

 

In unserer Metaanalyse zeigte sich kein Effekt von Methylnaltrexon auf:

die Dauer bis zum ersten Stuhlgang,

Dauer bis GI-2

und die Krankenhausverweildauer

Allerdings ergab sich ein Vorteil hinsichtlich des Kostaufbaus, der alleinig auf den positiven Ergebnissen der kleineren Studie von Viscusi et al. basiert, sodass diese Ergebnisse im Gesamtkollektiv eher fragwürdig sind.

 

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

Möglicher Schaden durch die Intervention

In unserer Metaanalyse kein Hinweis auf erhöhte Gesamt-, kardiale oder pulmonale Komplikationsraten.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Hinsichtlich der Komplikationsraten ist die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz moderat bis hoch.

Hinsichtlich der Dauer bis zum ersten Stuhlgang, GI-2 und der Krankenhausverweildauer niedrig, hinsichtlich des Kostaufbaus aufgrund der Einzelstudienanalyse von Viscusi et al., deren Ergebnisse in Diskrepanz zu den größeren Patientenkollektiven von Sik Yu et al. stehen.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Methylnaltrexon ist zwar ein Medikament der klinischen Routine im intensivmedizinischen Bereich, spielt jedoch in der Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus standardmäßig keine Rolle.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Keine zusätzlichen Ressourcen notwendig.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Die unmittelbar postoperative s.c. Gabe von Methylnaltrexon zur Prophylaxe des postoperativen Ileus nach onkologischen kolorektalen Resektionen soll nicht erfolgen.

 

7.4.1 Evidenztabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Intervention

Kontrolle

untersuchte Endpunkte und Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

 

 

* unter anderem onkologische Resektionen

 

 

 

/ = nicht erfasst

↔ = kein Unterschied zwischen Intervention und Kontrolle

↑ = Unterschied zwischen Intervention und Kontrolle zu Gunsten der Intervention (bsp. kürzere Dauer bis zum ersten Stuhlgang)

↓= Unterschied zwischen Intervention und Kontrolle zu UNgunsten der Intervention (bspw. längere Dauer bis zum ersten Stuhlgang)

 

Viscusi et al.

(2013)

Randomized placebo-controlled study of intravenous methylnaltrexone in postoperative ileus.

[273]

RCT

Intervention: n=33

Placebo: n=32

 

07/2003-12/2004

 

kolorektale Resektionen per Laparotomie *

 

0,3mg/kg Methylnaltrexon

 

i. v., Beginn 1,5h nach der Operation im 6h-Intervall bis zum 7. Postoperativen Tag oder bis 24h nach Erreichen des Endpunktes

 

Placebo

 

 

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: ↑ (p=0,049)

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,038)

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Yu et al.

(2011)

Safety and efficacy of methylnaltrexone in shortening the duration of postoperative ileus following segmental colectomy: results of two randomized, placebo-controlled phase 3 trials.

[274]

RCT-study 1 (NCT 00401375)

Intervention (12mg): n=171

Intervention (24mg): n=173

Placebo: n= 171

 

10/2006-02/2008

 

kolorektale Resektionen per Laparotomie mit Anastomose *

 

12mg Methylnaltrexon

24mg Methylnaltrexon

 

i.v., Beginn 1,5h nach der Operation im 6h-Intervall bis zum 10. Postoperativen Tag oder bis 24h nach Erreichen des Endpunktes

Placebo

 

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: ↔

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Yu et al.

(2011)

Safety and efficacy of methylnaltrexone in shortening the duration of postoperative ileus following segmental colectomy: results of two randomized, placebo-controlled phase 3 trials.

[274]

RCT-study 2 (NCT00387309)

Intervention (12mg): n=179

Intervention (24mg): n=178

Placebo: n= 176

 

12/2006-11/2007

 

kolorektale Resektionen per Laparotomie mit Anastomose *

 

12mg Methylnaltrexon

24mg Methylnaltrexon

 

i.v., Beginn 1,5h nach der Operation im 6h-Intervall bis zum 10. Postoperativen Tag oder bis 24h nach Erreichen des Endpunktes

Placebo

 

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Xu et al.

(2008)

Intraveneous flurbiprofen axetil accelerates restoration of bowel function after colorectal surgery.

[275]

RCT

Intervention: n=20

Placebo: n= 20

 

10/2006-02/2007

 

Onkologische kolorektale Resektionen

 

1mg/kg Flurbiprophen

 

i.v. 30min vor Hautschnitt und 6h nach Hautschnitt

Placebo

 

 

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,008)

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Wattchow et al. (2009)

Clinical trial: the impact of cyclooxygenase inhibitors on gastrointestinal recovery after major surgery - a randomized double blind controlled trial of celecoxib or diclofenac vs. placebo.

[276]

RCT

Intervention.C: n=74

Intervention.D: n=69

Placebo: n=67

 

11/2003-12/2006

 

Kolorektale Resektionen *

100mg Colecoxib

50mg Diclophenac

 

oral, 2x/d, Beginn 2h vor Operation bis zum 7. Postoperativen Tag oder vorheriger Entlassung

Placebo

 

 

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,043)

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Hallerbäck et al. (1987)

Beta-adrenoceptor blockade in the treatment of postoperative adynamic ileus.

[286]

RCT

Intervention (4mg): n=10

Intervention (10mg): n=10

Placebo: n=19

 

Kolorektale Resektionen *

 

 

4mg Propranolol

10mg Propranolol

 

i.v. / oral,

4mg: 2x/d, Beginn am Morgen des 1. postoperativen Tages, nach dem ersten Flatus auf 40mg oralisiert

10mg: 2x/d, Beginn 30min präoperativ, nach dem ersten Flatus auf 80mg oralisiert

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p<0,01)

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Cho et al.

(2015)

Effect of intraoperative Dexmedetomidine infusion on postoperative bowel movements in patients undergoing laparoscopic gastrectomy: A prospective, randomized, placebo-controlled study.

[287]

RCT

Intervention: n=44

Placebo: n=46

 

06/2014-11/2014

 

Laparoskopische Gastrektomie *

Dexmedetomidin

 

i.v., intraoperativ, Loading mit 0,5µg/kg über 10 min, mit 0,4µg/kg/h bis zum Ende der Operation weitergeführt

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: ↔

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: /

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Chen et al.

(2016)

Dexmedetomidine improves gastrointestinal motility after laparoscopic resection of colorectal cancer: A randomized clinical trial.

[290]

RCT

Intervention: n=30

Placebo: n=30

 

06/2015-12/2015

 

Laparoskopische, onkologische kolorektale Resektionen

Dexmedetomidin

 

i.v. perioperativ, Loading mit 1µg/kg unmittelbar vor Beginn der Narkose, intraoperativ mit 0,3µg/kg/h weitergeführt

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,014)

Dauer solider Kostaufbau: ↑ (p=0,037)

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↑ (p=0,045)

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Xin et al.

(2017)

Effect of dexmedetomidine infusion for intravenous patient-controlled analgesia on the quality of recovery after lapartomy surgery.

[292]

RCT

Intervention: n=46

Kontrolle: n=47

 

12/2016-05/2017

 

HBP, gastrointestinale Operationen per Laparotomie *

PCA mit 0,04µg/kg/h Dex. + 0,02µg/kg/h Sufentanyl

 

Beginn unmittelbar postoperativ, PCA über 48h

 

PCA mit 0,04µg/kg/h Sufentanyl

Beginn unmittelbar postoperativ, PCA über 48h

 

 

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: /

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: ↑ (gemessen in verschiedenen Dimensionen)

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Lu et al.

(2021)

Effect of intraoperative Dexmedetomidine on recovery of gastrointestinal function after abdominal surgery on older adults: a randomized clinical trial.

[291]

RCT

Intervention: n=344   

Placebo: n=331

 

08/2018-12/2019

 

Elektive gastrointestinale Operationen (Dauer von 1-6h, u.a. Magen, Darm, hepatobiliär, Pankreas) bei Patienten ≥ 60 Jahre *

Dexmedetomidin

 

i.v., perioperativ, Loading mit 0,5µg/kg über 15 min vor Beginn der Narkose, mit 0,2µg/kg/h bis 30min vor Operationsende weitergeführt

 

Placebo

 

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,001)

Dauer solider Kostaufbau: ↑ (p<0,001)

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↑ (p=0,005)

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Myrhöj et al.

(1988)

Neostigmine in postoperative intestinal paralysis. A double-blind, clinical, controlled trial.

[296]

RCT

Intervention: n=42     

Placebo: n=44

 

12/1986-05/1987

 

Prolongierte Paralyse (Kein Flatus/Stuhlgang) innerhalb von 48h nach Magen-Darm oder bilio-pankreatischen Eingriffen *

 

 

0,5mg Neostigmin

 

i.m., Beginn am 3. postoperativen Tag alle 3h bis zum Erreichen des Endpunktes oder max. 3 Applikationen

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

You et al.

(2018)

Zusanli (ST36) acupoint injection with Neostigmine for paralytic postoperative Ileus following radical gastrectomy for gastric cancer: a randomized clinical trial.

[297]

RCT

ST36 Akkupunktur: n=59

Injektion von bds. 0,5mg Neostigmin an den Akupunkturpunkt ST36: n=67

i.m. Injektion von 1mg Neostigmin: n=67

Standardtherapie: n=67

 

09/2014-03/2017

 

Prolongierte Paralyse (Kein Flatus/Stuhlgang) am 3.-6. Postoperativen Tag nach laparoskopisch-assistierter oder offener, onkologischer Gastrektomie

2x 0.5mg Neostigmin an ST36 oder

i.m. 1mg Neostigmin

 

 

Beginn am 3. postoperativen Tag bei klinischen Zeichen eines POI. Insg. 1mg Neost. 1x/d oder alleinige Akkupunktur vs. Standardtherapie bis zum Erreichen des Endpunktes

ST36 Akkupuntur oder Standardtherapie

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Gong et al.

(2016)

Randomized clinical trial: prucalopride, a colonic pro-motility agent, reduces the duration of post-operative ileus after elective gastrointestinal surgery.

[298]

RCT

Intervention: n=55     

Placebo: n=55

 

11/2013-12/2014

 

Gastrointestinale Resektionen per Laparotomie oder Laparoskopie *

 

2mg Prucaloprid

 

Oral, 1x/d, Beginn 24h nach Operation, über max. 7 Tage oder bis zum Erreichen des Endpunktes

 

Placebo

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: ↔

Chirurgische Komplikationen > CD II°: ↔

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,001)

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↑ (p=0,001)

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Stakenborg et al.

(2019)

Preoperative administration of the 5-HT4 receptor agonist prucalopride reduces intestinal inflammation and shortens postoperative ileus via cholinergic enteric neurons.

[Stakenborg, N et al. 2019]

RCT

Intervention: n=10     

Placebo: n=10

 

07/2014-02/2016

 

Pankreaticoduodenektomien per Laparotomie

 

2mg Prucaloprid

 

Oral, 16h und 2h präoperativ

 

 

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: ↔

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: ↑ (p<0,01)

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↑ (p<0,05)

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Milne et al.
(2022)

Effect of prucalopride to improve time to gut function recovery following elective colorectal surgery: randomized clinical trial.

[Milne, T et al. 2022]

RCT

Intervention: n=74     

Placebo: n=74

 

10/2017-05/2020

 

Elektive kolorektale Resektionen *

 

2mg Prucaloprid

 

Oral, 1x/d, Beginn 2h präoperativ Operation, bis max. zum 6. Postoperativen Tag oder bis zur Entlassung oder zum Erreichen des Endpunktes

Placebo

 

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: ↔ (p=0,082)

Chirurgische Komplikationen > CD II°: ↔

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: ↔

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,027)

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Cheape et al.

(1991)

Does metoclopramide reduce the length of ileus after colorectal surgery? A prospective randomized trial

[304]

RCT

Intervention: n=40     

ø: n=53

 

08/1988-09/1989

 

Kolorektale Resektionen *

10mg MCP

 

i.v., Beginn unmittelbar postoperativ, alle 8h bis zum Kostaufbau (solide)

Kein MCP

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: ↔

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: /

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer:

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Davidson et al.

(1979)

The effects of metoclopramide on postoperative ileus. A randomized double-blind study

[305]

RCT

Intervention: n=58     

Placebo: n=57

 

 

 

Laparotomie ohne (Gruppe A) und mit (Gruppe B) Anastomose *

10mg MCP

 

i.m., Beginn am Abend des Operationstages, dann 3x/d bis zum soliden Kostaufbau oder ersten Defäkation. Oralisiert, wenn Flüssigkeiten toleriert wurden

Placebo

 

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: /

Dauer solider Kostaufbau: (↓)

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Traut et al.

(2008)

Systemic prokinetic pharmacologic treatment for postoperative adynamic ileus following abdominal surgery in adults

[271]

Cochrane-Analyse

Cochrane-Analyse für Erythromycin hinsichtlich unserer PICO-Frage anwendbar

 

Metaanalyse von 4 RCTs

Erythromycin

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe AMSTAR-2

Siehe SoF

Wiriyakosol et al.

(2007)

Randomized controlled trial of bisacodyl suppository versus placebo for postoperative ileus after elective colectomy for colon cancer.

[309]

RCT

Intervention: n=10     

Placebo: n=10

 

01/2005-12/2005

 

Onkologische kolorektale Resektionen

10mg Bisacodyl [Zäpfchen]

Rektal, bei fehlender Defäkation am 3. Postoperativen Tag, wenn weiterhin keine Defäkation 1 Wiederholung nach 12h

Placebo

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p<0,001)

Dauer solider Kostaufbau: (↔)

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Zingg et al.

(2008)

Effect of bisacodyl on postoperative bowel motility in elective colorectal surgery: a prospective, randomized trial.

[310]

RCT

Intervention: n=83     

Placebo: n=86

 

11/2004-02/2007

 

Kolorektale Resektionen ohne Stoma *

10mg Bisacodyl

Oral, perioperativ, 2x/d, Beginn am Tag vor der Operation bis postoperativer Tag 3

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: ↔

Chirurgische Komplikationen > CD II°: ↔

Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,001)

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Dudi-Venkata et al.

(2021)

Impact of STIMUlant and osmotic LAXatives (STIMULAX trial) on gastrointestinal recovery after colorectal surgery: randomized clinical trial.

[311]

RCT

Intervention: n=85     

ø: n=85

 

08/2018-05/2020

 

Kolorektale Resektionen *, Stomarückverlagerungen oder Stomaanlagen *

STIMULAX (1. Coloxyl® mit Senna + 2. Movicol® + ggf. 3. Fleet®**)

 

1. und 2. oral, 2x/d, Beginn 6h postoperativ, 3. Rectal im Falle von rechtsseitigen Resektionen,

1x/d, Beginn am 1. Postoperativen Tag, bis zum Erreichten der GI-2 Kriterien oder zur Entlassung

Routine care (kein Placebo)

 

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: ↔

Chirurgische Komplikationen > CD II°: ↔ Kardiale Komplikationen: ↔

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: ↑ (p=0,029)

Dauer erste Defäkation: ↑ (p<0,001)

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

 

 

 

 

 

 

Springer et al.

(2018)

The effect of simethicone on postoperative ileus in patients undergoing colorectal surgery (SPOT), a randomized controlled trial.

[312]

RCT

Intervention: n=58     

Placebo: n=60

 

10/2014-04/2015

 

Kolorektale Resektionen *

160mg Simethicon

Oral, 4x/d, Beginn am Abend des Operationstages bis zum 5. postoperativen Tag bzw. bis zur Entlassung

Placebo

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: ↔ Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Biondo et al.

(2016)

A double-blinded randomized clinical study on the therapeutic effect of gastrografin in prolonged postoperative ileus after elective colorectal surgery.

[313]

RCT

Intervention: n=29     

Placebo: n=29

 

01/2011-11/2013

 

Patienten mit POI (Symptome ab dem 4. postoperativen Tag) nach kolorektalen Resektionen *

100ml Gastrographin

Oral via Magensonde bei POI am 4. postoperativen Tag

Placebo

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /  Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Itoh et al.

(2002)

The effect of the herbal medicine dai-kenchu-to on post-operative ileus.

[322]

RCT

Intervention: n=13     

Placebo: n=11

 

 

Patienten mit einem POI nach Magen- und Dickdarmresektionen *, Cholezystektomie

15g Daikenchuto

 

Oral, 15g Daikenchuto täglich über 14 Tage bei Patienten mit POI

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: ↑ (p<0.05)

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: /

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Suehiro et al.

(2005)

The effect of the herbal medicines dai-kenchu-to and keishi-bukuryo-gan on bowel movement after colorectal surgery.

[321]

RCT

Intervention: n=30     

ø: n=36

 

 

Onkologische kolorektale Resektionen

7,5g Daikenchuto + 6g Keishibukuryogan

 

Oral, Beginn am Morgen des 1. postoperativen Tages, keine weiteren Angaben

Kein Daikenchuto

 

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: / Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: /

Dauer solider Kostaufbau: ↑ (p<0,01)

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↑ (p<0,01)

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Nishi et al.

(2012)

The beneficial effects of Kampo medicine Dai-ken-chu-to after hepatic resection: A prospective randomized control study

[320]

RCT

Intervention: n=16     

ø: n=16

 

07/2007-08/2008

 

Leberresektionen *

2,5 g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn am Morgen des 1. postoperativen Tages

Kein Daikenchuto

 

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: / Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,02)

Dauer solider Kostaufbau: ↑ (p=0,03)

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Yaegashi et al.

(2014)

Daikenchuto stimulates colonic motility after laparoscopic-assisted colectomy.

[319]

RCT

Intervention: n=26     

Kontrolle: n=25

 

10/2010-03/2012

 

Laparoskopisch-assistierte onkologische kolorektale Resektionen

2,5g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn zwei Tage präoperativ bis zum Morgen der Operation und ab dem Morgen des ersten postoperativen Tages bis zur Entlassung

1g Laktobazilluspräparation

 

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,002)

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Shimada et al.

(2015)

Effect of TU-100, a traditional Japanese medicine, administered after hepatic resection in patients with liver cancer: a multi-center, phase III trial (JFMC40-1001).

[314]

RCT

Intervention: n=108   

Placebo: n=101

 

02/2010-05/2011

 

Onkologische Leberresektionen

5g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn drei Tage präoperativ bis zum 10. postoperativen Tag, mit Ausnahme des Operationstages

Placebo

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: / Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,047)

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Okada et al.

(2016)

Evaluation of the efficacy of Daikenchuto (TJ -100) for the prevention of paralytic ileus after pancreaticoduodenectomy: A multicenter, double-blind, randomized, placebo-controlled trial.

[317]

RCT

Intervention: n=104   

Placebo: n=103

 

08/2012-07/2013

 

Onkologische Pankreaskopfresektionen

5g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn drei Tage präoperativ bis zum 14. postoperativen Tag, am Operationstag nur 1 Dosis via Magensonde

Placebo

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: ↔

Chirurgische Komplikationen > CD II°: ↔ Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: /

Dauer solider Kostaufbau: ↔

Patientenzufriedenheit: ↔

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Akamaru et al.

(2015)

Effects of Daikenchuto, a Japanese herb, on intestinal motility after total gastrectomy: A prospective randomized trial.

[318]

RCT

Intervention: n=41     

ø: n=40

 

09/2007-12/2009

 

Onkologische totale Gastrektomien

 

2,5g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn am 1. postoperativen Tag für 3 Monate

 

Kein Daikenchuto

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: ↔

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Yoshikawa et al.

(2015)

Effect of Daikenchuto, a traditional Japanese herbal medicine, after total gastrectomy for gastric cancer: A multicenter, randomized, double-blind, placebo-controlled, phase II trial.

[315]

RCT

Intervention: n=96     

Placebo: n=99

 

01/2011-12/2012

 

Onkologische totale Gastrektomien

 

5g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn am 1. postoperativen Tag bis zum 12. postoperativen Tag

Placebo

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: / Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↑ (p=0,05)

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: ↔

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Katsuno et al.

(2015)

Clinical efficacy of Daikenchuto for gastrointestinal dysfunction following colon surgery: A randomized, double-blind, multicenter, placebo-controlled study (JFMC39-0902).

[316]

RCT

Intervention: n=174

Placebo: n=162

 

01/2009-06/2011

 

Offene onkologische kolorektale Resektionen

5g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn am 2. postoperativen Tag bis zum 8. postoperativen Tag

Placebo

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: / Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: ↔

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: ↔

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Katsuno et al.

(2016)

Clinical pharmacology of daikenchuto assessed by transit analysis using radiopaque markers in patients with colon cancer undergoing open surgery: A multicenter double-blind randomized placebo-controlled study (JFMC39-0902 additional study).

[323]

RCT

Intervention: n=38

Placebo: n=33

 

01/2009-06/2011

 

Offene onkologische Rektosigmoidresektionen

5g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn am 2. postoperativen Tag bis zum 8. postoperativen Tag

Placebo

Gesamtkomplikationen: /

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: /

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

Wakasugi et al.

(2020)

Effects of Daikenchuto on postoperative gastrointestinal motility in colorectal carcinoma patients with abdominal pain and distension: A prospective, randomized trial.

[324]

RCT

Intervention: n=16

ø: n=16

 

Bis 05/2015

 

Onkologische kolorektale Resektionen

 

5g Daikenchuto

 

Oral, 3x/d, Beginn 2 Wochen präoperativ und ab dem 2. postoperativen Tag bis zum 28. postoperativen Tag

Kein Daikenchuto

Gesamtkomplikationen: ↔

Reinsertion Magensonde: /

Chirurgische Komplikationen > CD II°: /

Kardiale Komplikationen: /

Pulmonale Komplikationen: /

Dauer bis GI-2: /

Dauer erste Defäkation: ↔

Dauer solider Kostaufbau: /

Patientenzufriedenheit: /

Krankenhausverweildauer: /

Siehe RoB-2

Siehe SoF

 

7.15 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - NSAR

Endpunkte

Risiko mit Placebo

Risiko mit NSAR

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Reinsertion Magensonde - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Chirurgische Komplikationen > CD II° - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Kardiale Komplikationen

30 pro 1.000

15 pro 1.000
(1 bis 156)

RR 0.49
(0.05 bis 5.23)

136
(1 RCT)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

Pulmonale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Dauer bis GI-2 - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation


MD 18 Stunden weniger
(31.07 weniger bis 4.93 weniger )

-

40
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Solider Kostaufbau

Kein Effekt von Diclophenac auf die Dauer bis zum Kostaufbau soliter Speisen

(1 RCT)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer

Kein Effekt von Diclophenac auf die Dauer des Krankenhausaufenthaltes

(1 RCT)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Siehe RoB

 

7.15 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - NSAR

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Zur evidenzbasierten Beantwortung der Frage, ob NSAR oder COX-Inhibitoren einen Effekt auf den postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen hat, konnte ein systamtisches Review mit Meta-analyse identifiziert werden. Allerdings wurden hier bei einem Großteil der eingeschlossenen Studien (4/6) Medikamente (Ketorolac und Valdecoxib) verabreicht, die in Deutschland in der Form derzeit u.a. wegen gravierender Nebenwirkungen nicht zugelassen sind. Somit wurde eine Analyse von zwei Einzelstudien durchgeführt.

 

Unter perioperativer NSAR-Therapie (Diclophenac und Flurbiprophen) konnte in beiden Studien die Dauer bis zum ersten Stuhlgang nach kolorektalen Resektionen verkürzt werden.

Einen Unterschied auf den Kostaufbau oder die Krankenhausverweildauer zeigte sich bei der einen Studie jedoch nicht. 

Die Ergebnisse für perioperativ verabreichtes Colecoxib sind bei Wattchow ähnlich, jedoch ist das Medikament derzeit in Deutschland umstritten.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

Möglicher Schaden durch die Intervention

Die Aufarbeitung von unerwünschten Ereignissen ist in beiden eingeschlossenen Studien schlecht. Eine erhöhte kardiale Komplikationsrate ist jedoch nicht beschrieben worden.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz ist wegen methodischer Mängel in der Studie von Wattchow bei den Outcomes: Kardiale Komplikationen, Solider Kostaufbau und Krankenhausverweildauer niedrig.

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz der Dauer bis zur ersten Defäkation ist hoch.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Die Hinzunahme von nicht-opioiden Analgetika, insb. NSAR, gemäß des WHO-Stufenschemas in der intra- und postoperativen Schmerztherapie ist etablierter Standard. 

Eine kurzfristige präoperative Applikation, wie in den Studien erfolgt, ist in der klinischen Routine möglich.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Insb. für Diclophenac (50mg) sind keine wesentlichen zusätzlichen Ressourcen notwendig.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Die Hinzunahme von NSAR in die perioperative Schmerztherapie ist klinischer Standard.

Durch eine bereits präoperativ begonnene Applikation von NSAR, bsp. 50mg Diclophenac, kann die Dauer bis zum ersten postoperativen Stuhlgang nach kolorektalen Resektionen verringert werden. Die Qualtität der Evidenz hierfür ist jedoch niedrig und weitere Effekte auf Kostaufbau oder Krankenhausverweildauer konnten in der Analyse der beiden Studien nicht gezeigt werden.

 

Wie bereits im Review von Milne et al. diskutiert bleibt offen, welche Medikamente aus der Gruppe der NSAR und / oder selektiveren COX-Inhibitoren besonders effektiv hinsichtlich der Prophylaxe eines POI sind. Letztere sind allerdings in Deutschland nicht uneingeschränkt verfügbar.

 

7.16 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Propanolol

Endpunkte

Risiko mit Placebo

Risiko mit i.v. / orales Propanolol

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Reinsertion Magensonde - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Chirurgische Komplikationen > CD II° - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Kardiale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Pulmonale Komplikationen

0 pro 1.000

0 pro 1.000
(0 bis 0)

nicht bestimmbar

39
(1 RCT)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga

Wichtig

Dauer bis GI-2 - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation


MD 29 Stunden weniger
(49.94 weniger bis 8.06 weniger )

-

39
(1 RCT)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga

Kritisch

Solider Kostaufbau - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Verblindung durch verschiedene Studienarme nicht möglich, multiple Interventionen

 

7.16 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Propanolol

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Eine ältere Studie wurde identifiziert, bei der zwei verschiedene Therapieregime zur Prophylaxe eines postoperativen Ileus mit dem unselektiven Betablocker Propanolol gegen Placebo mit geringer Fallzahl im Rahmen von kolorektalen Resektionen geprüft wurde.

 

Es zeigte sich ein Vorteil für die Propanolol-Intervention hinsichtlich der Dauer bis zur ersten Defäkation. Weitere relevante Outcomeparameter hinsichtlich einer postoperativen gastrointestinalen Motilitätsstörung wurden nicht beschrieben.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unter Propanololtherapie wurde eine Verringerung der Pulsrate, jedoch keine manifesten kardialen Komplikationen beschrieben.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Basierend auf den Ergebnissen eines einzigen, älteren, sehr kleinen RCT ist die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz sehr niedrig, die relevanten Outcomeparameter hinsichtlich der postoperativen gastrointestinalen Motilität beschränken sich auf die Dauer bis zum ersten Stuhlgang.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Die perioperative Gabe von Propanolol zur Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumoroperationen hat in der klinischen Routine keinen Stellenwert.

Gerade in einem kardiovaskulär stark vorerkrankten Patientenkollektiv mit gastrointestinalen Tumoren müssen unerwünschte Ereignisse durch Propanolol in einer therapeutischen Dosierung erwartet werden.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Propanolol kann nicht zur Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen empfohlen werden, somit die Ausarbeitung einer Kosten-Nutzen Wirksamkeit obsolet.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Aufgrund der sehr begrenzten Evidenz aus einem kleinen, älteren RCT mit o.g. Einschränkungen und möglichen kardialen Nebenwirkungen soll Propanolol nicht zur Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

 

7.17 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Neostigmin

Endpunkte

Risiko mit Placebo

Risiko mit Neostigmin

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Reinsertion Magensonde - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Chirurgische Komplikationen > CD II° - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Kardiale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Pulmonale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Dauer bis GI-2 - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation

-

MD 42.9 Stunden weniger
(47.54 weniger bis 38.25 weniger )

-

260
(1 RCT)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,b

Kritisch

Solider Kostaufbau - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Fehlende Verblindung

b. I2=64%

 

7.17 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Neostigmin

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

2 Studien wurden identifiziert, die den Einfluss von Neostigmin auf den postoperativen Stuhlgang bei Patienten mit einer prolongierten Paralyse nach gastrointestinalen Tumorresektionen untersuchten.

In der älteren Studie von Myrhoi et al. aus 1987 wurde kein Effekt von 0,5mg Neostigmin (i.m.) im Vergleich mit Placebo gesehen. Allerdings konnten diese Ergebnisse nicht in die Metaanalyse überführt werden.

In der höheren Dosierung von 1mg zeigte sich bei You et al. ein signifikanter Vorteil hinsichtlich der Dauer bis zum Stuhlgang, insb. bei Injektion am ST36 Akupunkturpunkt.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Eine hohe Rate abdomineller Nebenwirkungen sind von You et al. insb. nach i.m. Injektion fern vom ST36 Punkt beschrieben.

 

Zu beachten ist das mögliche cholinerge Nebenwirkungsprofil sodass bei der Medikation mit Neostigmin ein kardiales Monitoring durchgeführt werden sollte.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

 

 

Expertenbewertung

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die Gesamtsicherheit der Effektschätzungen für den Endpunkt „Dauer bis zur Defäkation“ basiert auf den Ergebnissen von You et al. und wird aufgrund der fehlenden Verblindung als sehr niedrig geschätzt.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Trotz der niedrigen Evidenz ist Neostigmin das weit verbreitete Standardmedikament in der Therapie der prolongierten gastrointestinalen Paralyse nach viszeralchirurgischen Operationen.

 

Es wird häufig als Ultima ratio in einem stufentherapeutischen Procedere bei Patienten mit einem postoperativen Ileus eingesetzt. Hier hat sich bei erwachsenen Patienten in der klinischen Routine die Dosierung von 1mg i.v. oder i.m., ggf. repetitiv appliziert, etabliert.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Für die Umsetzung von Neostigmin als Ultima ratio-Medikation zur Therapie einer postoperativen gastrointestinalen Atonie und des postoperativen (paralytischen) Ileus sind, bis auf ein kontinuierliches, kardio-pulmonales Monitoring, keine außergewöhnlichen Mittel erforderlich, die einer großflächigen Implementierung im Wege stehen würden.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Neostigmin kann (Expertenbewertung) als Ultima ratio in der Dosierung von 1mg (bei Erwachsenen, i.v. oder i.m.) im Rahmen eines stufentherapeutischen Verfahrens bei Patienten mit einer prolongierten gastrointestinalen Atonie bzw. eines postoperativen paralytischen Ileus unter kontinuierlichem kardiopulmonalen Monitoring eingesetzt werden.

 

Keine Evidenz besteht für Neostigmin zur Prophylaxe des POI bei Patienten nach gastrointestinalen Tumorresektionen.

 

7.18 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Prucaloprid

Endpunkte

Risiko mit Placebo

Risiko mit Prucaloprid

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen

444 pro 1.000

511 pro 1.000
(342 bis 756)

RR 1.15
(0.77 bis 1.70)

109
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Reinsertion Magensonde

156 pro 1.000

117 pro 1.000
(63 bis 217)

RR 0.75
(0.40 bis 1.39)

257
(2 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Chirurgische Komplikationen > CDII°

132 pro 1.000

138 pro 1.000
(74 bis 257)

RR 1.05
(0.56 bis 1.95)

258
(2 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Kardiale Komplikationen

93 pro 1.000

88 pro 1.000
(31 bis 257)

RR 0.95
(0.33 bis 2.76)

258
(2 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Wichtig

Pulmonale Komplikationen

14 pro 1.000

27 pro 1.000
(3 bis 292)

RR 2.00
(0.19 bis 21.58)

148
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Dauer bis GI-2


MD 1.8 weniger
(5.39 weniger bis 1.78 höher)

-

164
(2 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedrigb,c

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation


MD 0.39 Tage weniger
(1.15 weniger bis 0.37 höher)

-

164
(2 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrigb

Kritisch

Solider Kostaufbau


MD 3.08 Tage weniger
(9.6 weniger bis 3.43 höher)

-

164
(2 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedrigb,d

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer


MD 3.06 Tage weniger
(7.21 weniger bis 1.09 höher)

-

164
(2 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedrigb,e

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. I2=41%

b. fehlende Verblindung bei Stakenborg et al.

c. I2=69%

d. I2=91%

e. I2=58%

 

7.18 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Prucaloprid

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Zur evidenzbasierten Beantwortung der Frage, ob Prucaloprid einen Effekt auf den postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen hat, konnten drei Arbeiten identifiziert werden.

 

In unserer Metaanalyse in die die dichotom verteilten Daten aller drei Studien, sowie die kontinuierlichen Daten von Milne et al. und Stakenborg et al. zugeführt werden konnten, zeigte sich kein Unterschied nach kolorektalen Resektionen und Pankreatikoduodenektomien in

der Dauer bis GI-2

der Dauer bis zum ersten Stuhlgang

der Dauer bis zum (soliden) Kostaufbau

der Krankenhausverweildauer

der Magensondenreinsertionsrate.

 

Limitierend ist hier zu erwähnen, dass in dem mittelgroßen Patientenkollektiv von Gong et al. zusätzlich ein positiver Effekt auf die Dauer bis zum ersten Stuhlgang und die Krankenhausverweildauer nach gastrointestinalen Resektionen beschrieben wurde, diese kontinuierlichen Variablen jedoch nicht unserer Metaanalyse zugänglich waren.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

Möglicher Schaden durch die Intervention

In unserer Metaanalyse kein Hinweis auf erhöhte chirurgische Komplikationsrate >CD2, erhöhte Gesamt-, kardiale oder pulmonale Komplikationsraten.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Hinsichtlich der Komplikationsraten ist die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz moderat bis hoch. Hinsichtlich der Magensindenreinsertionsrate hoch.

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz hinsichtlich Dauer bis Gi-2, Dauer bis zum ersten Stuhlgang, Kostaufbau und Krankenhausverweildauer ist niedrig bis sehr niedrig.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Prucaloprid ist in Deutschland ein Resevetherapeutikum in der ansonsten therapierefraktären, chronischen Obstipation. Es spielt in der Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus keine Rolle.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Derzeit keine Akzeptanz in der bzw. keine Empfehlung zur Prophylaxe oder Therapie des POI.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Aufgrund der Datenlage und der eingeschränkten klinischen Erfahrungen mit Prucaloprid sollte dieses nicht zur Prophylaxe oder Therapie des POI eingesetzt werden.

 

7.19 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Metoclopramid

Endpunkte

Risiko mit Placebo

Risiko mit Metoclopramid

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Reinsertion Magensonde

113 pro 1.000

100 pro 1.000
(31 bis 331)

RR 0.88
(0.27 bis 2.92)

93
(1 RCT)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Chirurgische Komplikationen > CD II° - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Kardiale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Pulmonale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Dauer bis GI-2 - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Solider Kostaufbau


MD 0.2 Tage weniger
(1.04 weniger bis 0.64 höher)

-

93
(1 RCT)

⨁⨁⨁◯
Moderata

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Vergleich gegen "kein Metoclopramid", kein Placebo

 

7.19 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Metoclopramid

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Zwei Studien wurden identifiziert, bei denen 10mg Metoclopramid (MCP) postoperativ zur Prophylaxe einer gastrointestinalen Atonie verabreicht wurden. Ein Effekt auf die Dauer bis zum Stuhlgang, den Kostaufbau, die Rate an Magensondenreinsertionen oder die Rate an prolongiertem Ileus konnte nicht festgestellt werden.

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unterschiede in der postoperativen Komplikationsrate, soweit untersucht, wurden nicht beschrieben, jedoch war die Rate an Nausea und Emesis in einer Studie unter MCP erhöht.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Basierend auf den Ergebnissen eines einzigen RCT ist die Zuverlässigkeit der Evidenz hinsichtlich des Kostaufbaus und der Magensondenreinsertionsrate moderat. Die Dauer bis zur ersten Defäkation wurde von Davidson nicht in Zeit, sondern in Medikamentendosen angegeben. Auch hier ist die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz moderat.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

MCP ist derzeit in der klinischen Routine ein niedrigpotentes Medikament zur gastrointestinalen Motilitätssteigerung in verschiedenen Situationen.

 

Häufig wird es in Kombination z.B. mit Neostigmin bei der postoperativen gastrointestinalen Atonie / Paralyse eingesetzt.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

MCP ist außerhalb seiner Kontraindikationen ein Medikament der klinischen Routine, sodass keine weiteren Ressourcen für eine Umsetzbarkeit einer Empfehlung nötig sind.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

MCP hat keinen Effekt in der Prophylaxe des POI nach gastrointestinalen Tumorresektionen.

MCP sollte nicht alleine zur Therapie des POI eingesetzt werden.

MCP (i.v.) kann adjuvant, z.B. in Kombination mit Neostigmin, zur Therapie des POI eingesetzt werden.

 

7.4.1 Erythromycin_SoF

Fehlt, bitte nachreichen

7.20 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Erythromycin

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Zur evidenzbasierten Beantwortung der Frage, ob Erythromycin einen Effekt auf den postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen hat, wird die Cochraneanalyse von Traut et al aus 2008 herangezogen.

 

Es zeigte sich kein Effekt (homogene Ergebnisse) von Erythromycin auf

die Dauer bis zum ersten Stuhlgang,

den Kostaufbau

und die Krankenhausverweildauer

 

In der Volltestanalyse der beiden Studien, die explizit u.a. gastrointestinale Tumorresektionen inkludierten, konnte weiterhin kein Unterschied in der Magensondenreinsertionsrate und der Komplikationsrate festgestellt werden.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

 

s. Traut et al.?!

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unterschiede in der postoperativen Komplikationsrate, soweit bestimmt, wurden nicht beschrieben.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

In der Zusammenfassung wird die Qualität der Evidenz von Traut et al. als moderat eingeschätzt.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Erythromycin spielt in der klinischen Routine keine alleinige Rolle in der Prophylaxe oder Therapie des postoperativen paralytischen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen.

 

Aufgrund seines Wirkmechanismus an Motilinrezeptoren wirkt es überwiegend am Magen motilitätssteigernd, sodass es zur Prophyaxe und Therapie des Delayed Gastric Emptying , welches ein spezifisches Problem nach Oberbaucheingriffen, insbesondere Pankreaskopf- und abdominothorakalen Ösophagusresektionen ist, eingesetzt werden kann.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Keine zusätzlichen Ressourcen notwendig.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Obwohl es eine Rolle bei Delayed Gastric Emptying spielt, sollte Erythromycin nicht als alleiniges Prophylaktikum oder Therapeutikum einer postoperativen gastrointestinalen Paralyse bzw. Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

 

7.21 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Laxantien

Endpunkte

Risiko mit Placebo oder Standardtherapie

Risiko mit Laxantien

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen

579 pro 1.000

498 pro 1.000
(237 bis 1.000)

RR 0.86
(0.41 bis 1.79)

190
(2 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

Reinsertion Magensonde

246 pro 1.000

231 pro 1.000
(160 bis 334)

RR 0.94
(0.65 bis 1.36)

339
(2 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Kritisch

Chirurgische Komplikationen >CD2

94 pro 1.000

154 pro 1.000
(86 bis 278)

RR 1.65
(0.92 bis 2.97)

339
(2 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

Kardiale Komplikationen

22 pro 1.000

28 pro 1.000
(8 bis 102)

RR 1.26
(0.35 bis 4.60)

359
(3 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

Pulmonale Komplikationen

33 pro 1.000

79 pro 1.000
(28 bis 224)

RR 2.39
(0.85 bis 6.77)

359
(3 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

Dauer bis GI-2

Vorteil im Median von 1 Tag für die Laxanzgruppe

(1 RCT)

⨁⨁◯◯
Niedrigb

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation


-

MD 1.12 Tage weniger
(1.42 weniger bis 0.82 weniger )

-

359
(3 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Kritisch

Solider Kostaufbau

-

MD 0.07 Tage weniger
(0.38 weniger bis 0.25 höher)

-

359
(3 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer

-

MD 1.08 Tage weniger
(3.01 weniger bis 0.84 höher)

-

359
(3 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. Vergleich gegen Standardtherapie, kein Placebo in der einen Studie

b. Vergleich gegen Standardtherapie, kein placebo

 

7.21 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Laxantien

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Drei Studien wurden identifiziert, bei denen rektal (n=1), oral (n=1) oder kombiniert (n=1) Laxantien entweder zur Prophylaxe (n=2) oder Therapie (n=1) des postoperativen Ileus nach kolorektalen Resektionen verabreicht wurden.

 

Es zeigte sich in allen drei Studien ein Vorteil für die Laxantientherapie hinsichtlich der Dauer bis zum ersten Stuhlgang, nicht jedoch hinsichtlich des Kostaufbaus oder der Krankenhausverweildauer.

Dies konnte ebenso in unserer Metaanalyse nachvollzogen werden.

 

Eine nicht-placebokontrollierte Studie zeigte zudem Vorteile in dem Composite-Kriterium GI-2.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unterschiede in der postoperativen Komplikationsrate oder Medikamentennebenwirkungen durch die Laxantientherapie wurden nicht beschrieben.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Aufgrund der fehlenden Placebokontrolle in einer Studie ist die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz bezüglich der erfassten Outcome-Parameter niedrig.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Laxantien werden häufig im Rahmen eines Stufenkonzepts frühzeitig zur Prophylaxe und/oder Therapie des postoperativen Ileus bzw. in einem multimodalen Setting adjunktiv verabreicht.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Für die Implementierung von Laxantien in ein Konzept zur Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen sind keine außergewöhnlichen Mittel erforderlich, sodass die Umsetzbarkeit einfach möglich ist.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Laxantien sollten postoperativ frühzeitig in eine multimodale Prophylaxe und Therapie des postoperativen Ileus integriert werden. Aufgrund ihres positiven Effektes auf die Dauer bis zum Stuhlgang, nicht jedoch auf den Kostaufbau oder die Krankenhausverweildauer sollte dies multimodal erfolgen.

 

7.22 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Simethicon

Endpunkte

Risiko mit Placebo

Risiko mit Simethicon

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen

283 pro 1.000

312 pro 1.000
(179 bis 541)

RR 1.10
(0.63 bis 1.91)

118
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Reinsertion Magensonde - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Chirurgische Komplikationen > CD II°

33 pro 1.000

17 pro 1.000
(2 bis 185)

RR 0.52
(0.05 bis 5.55)

118
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Kardiale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Pulmonale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Dauer bis GI-2 - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation

-

MD 1.8 Tage weniger
(11.02 weniger bis 7.42 höher)

-

118
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Solider Kostaufbau - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer

Kein Unterschied zwischen den Gruppen

(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

 

7.22 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Simethicon

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Eine Studie wurde identifiziert, bei der ab dem Abend des Operationstages Simethicon oral appliziert wurde.

 

Einen Unterschied bis zum ersten postoperativen Stuhlgang oder der Krankenhausverweildauer konnte, verglichen mit Placebo, nicht herausgearbeitet werden.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unterschiede in der postoperativen Komplikationsrate oder Medikamentennebenwirkungen durch Simethicon wurden nicht beschrieben.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Basierend auf den Ergebnissen eines einzigen RCT ist die Zuverlässigkeit der Evidenz hoch.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Die Gabe von Simethicon oder anderen Carminativa zur Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus hat in der klinischen Routine keinen Stellenwert.

 

Der Indikation folgend, kann Simethicon adjunktiv bei Patienten mit übermäßigem Völlegefühl der Blähungen auch im postoperativen Verlauf eingesetzt werden.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Simethicon kann nicht zur Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen empfohlen werden, somit die Ausarbeitung einer Kosten-Nutzen Wirksamkeit obsolet.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Simethicon soll nicht zur Prophylaxe des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

 

7.4.23 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Osmotisch wirksames Röntgenkontrastmittel (z.B. Gastrografin®)

Endpunkte

Risiko mit Placebo

Risiko mit Gastrographin

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen

481 pro 1.000

583 pro 1.000
(347 bis 977)

RR 1.21
(0.72 bis 2.03)

51
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Reinsertion Magensonde - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Chirurgische Komplikationen > CD II° - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Kardiale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Pulmonale Komplikationen

74 pro 1.000

41 pro 1.000
(4 bis 431)

RR 0.56
(0.05 bis 5.82)

51
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

Dauer bis GI-2 - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation

-

MD 1.18 Tage weniger
(4.03 weniger bis 1.67 höher)

-

51
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Solider Kostaufbau

-

MD 2.22 Tage weniger
(5.42 weniger bis 0.98 höher)

-

51
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Patientenzufriedenheit - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Krankenhausverweildauer

-

MD 4.5 Tage weniger
(11.17 weniger bis 2.17 höher)

-

51
(1 RCT)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

 

7.23 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen -– Osmotisch wirksames Kontrastmittel (z.B. Gastrografin®)

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Eine Studie wurde identifiziert, bei der ab klinischer Diagnose eines postoperativen Ileus am 4. postoperativen Tag nach kolorektalen Resektionen das Röntgenkontrastmittel Gastrografin via Magensonde verabreicht wurde.

 

Unterschiede in der Darmmotilität oder der Krankenhausverweildauer konnten, verglichen mit Placebo, nicht herausgearbeitet werden.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unterschiede in der postoperativen Komplikationsrate oder Medikamentennebenwirkungen durch Gastrografin wurden nicht beschrieben.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Basierend auf den Ergebnissen eines einzigen RCT ist die Zuverlässigkeit der Evidenz hoch.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Gastrografin wird in der klinischen Routine gelegentlich bei Patienten mit gastrointestinalen Motilitätsstörungen aus Hyperosmolaritätsgründen verabreicht.

 

Allerdings entspricht dies nicht der Indikation von Gastrografin.

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Basierend auf der Indikation von Gastrografin, sowie den Ergebnissen der identifizierten RCT, kann Gastrografin nicht zur Prophylaxe oder Therapie des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen empfohlen werden, somit die Ausarbeitung einer Kosten-Nutzen Wirksamkeit obsolet.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Gastrografin soll nicht zur Therapie des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

 

7.4.24 SoF-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Daikenchuto

Endpunkte

Risiko mit Placebo (oder Standardtherapie)

Risiko mit Daikenchuto

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Gesamtkomplikationen

203 pro 1.000

188 pro 1.000
(140 bis 251)

RR 0.93
(0.69 bis 1.24)

1128
(8 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

Reinsertion Magensonde

10 pro 1.000

10 pro 1.000
(1 bis 152)

RR 0.99
(0.06 bis 15.62)

207
(1 RCT)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Kritisch

Chirurgische Komplikationen >CD2

237 pro 1.000

142 pro 1.000
(73 bis 275)

RR 0.60
(0.31 bis 1.16)

231
(2 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,b

Wichtig

Kardiale Komplikationen - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Wichtig

Pulmonale Komplikationen

25 pro 1.000

9 pro 1.000
(3 bis 37)

RR 0.37
(0.10 bis 1.47)

804
(4 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedriga

Wichtig

Dauer bis GI-2 - nicht gemessen

-

-

-

-

-

Kritisch

Dauer bis zur ersten Defäkation

-

MD 9.41 Stunden weniger
(25.27 weniger bis 6.44 höher)

-

196
(4 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,c

Kritisch

Solider Kostaufbau

-

MD 36.73 Stunden weniger
(95.11 weniger bis 21.66 höher)

-

356
(4 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,d

Kritisch

Patientenzufriedenheit

In der narrativen Analyse der postoperativen Lebensqualität, als Ausdruck der Patientenzufriedenheit unter Therapie, die in 4 der 11 Studien in verschiedenen Dimensionen erhoben wurde, ergab sich ebenfalls keine Unterschiede zwischen Interventions- und Placebo- bzw. Standardtherapiegruppe.

(4 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,e

Wichtig

Krankenhausverweildauer

-

MD 2.41 Tage weniger
(5.56 weniger bis 0.74 höher)

-

358
(4 RCTs)

⨁◯◯◯
Sehr niedriga,f

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

Erläuterungen

a. siehe RoB Tool

b. I2=48%

c. I2=55%

d. I2=96%

e. Verschiedene Scores und Erhebungen verwendet. Keine sichere Vergleichbarkeit

f. I2=80%

 

7.24 EtD-Tabelle Pharmakologische Prävention und Therapie postoperativer gastrointestinaler Motilitätsstörungen - Daikenchuto

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Mehrere prospektive Studien, vornehmlich aus dem japanisch-asiatischen Bereich wurden identifiziert, die den Einfluss von perioperativ oder postoperativ verabreichtem Daikenchuto (DKC) auf postoperative gastrointestinale Motilitätsstörungen bzw. den postoperativen Ileus nach (u.a.) gastrointestinalen Tumorresektionen untersuchten.

 

Wie aus unserer Metaanalyse hervorgeht, konnte im Random effects model bei hoher Heterogenität (I²) der untersuchten Ergebnisse kein signifikanter Effekt von DKC auf

die Dauer bis zur ersten Defäkation

den Kostaufbau (solider Nahrung)

die Krankenhausverweildauer zeigen.

 

Limitierend ist hier zu erwähnen, dass bezüglich der Dauer bis zur ersten Defäkation 3 / 7 Studien ausgeschlossen werden mussten, wegen angegebenem Median (n=2) oder fehlenden absoluten Zahlen im Manuskript (n=1). Allerdings konnten zwei der ausgeschlossenen Studien mit hoher Probandenanzahl einen positiven Effekt von DKC auf die Dauer bis zur ersten Defäkation zeigen (Shimada 2015, Yoshikawa 2015). Die dritte Studie konnte dies nicht belegen (Katsuno 2015).

Bezüglich der Krankenhausverweildauer konnten die Daten von Okada et al. und Yoshikawa et al. nicht in die Metaanalyse hinzugefügt werden. Hier wurde kein Effekt von DKC beschrieben, was zu den Ergebnissen unserer Metaanalyse passt.

 

In der narrativen Analyse der postoperativen Lebensqualität, als Ausdruck der Patientenzufriedenheit unter Therapie, die in 4 der 11 Studien in verschiedenen Dimensionen erhoben wurde, ergab sich ebenfalls keine Unterschiede zwischen Interventions- und Placebo- bzw. Standardtherapiegruppe.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

Unsere Metaanalyse konnte keinen signifikanten Unterschied aufzeigen, was Gesamt-, chirurgische oder pulmonale Komplikationsraten anbelangt. 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Aufgrund methodischer Schwächen einiger Studien und einer höhergradigen Heterogenität der Ergebnisse ist die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz generell niedrig bis sehr niedrig.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

DKC hat in der perioperativen westlichen Schulmedizin derzeit keinen Stellenwert. Es handelt sich um eine Zubereitung aus der traditionellen japanischen Kampo-Medizin auf phytotherapeutischer Basis, sodass eine Anwendung in Deutschland generell möglich ist.

Allerdings ist der Bezug in Deutschland schwierig. 

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

DKC ist im medizinischen Fachhandel in Deutschland derzeit nicht als Mixtur erhältlich. Die einzelnen Wirkstoffe sollten jedoch aufgrund ihrer phytotherapeutischen Natur gut erhältlich sind, sodass eine individuelle Zusammensetzung möglich ist.

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Perioperativ verabreichtes DKC hat in unserer Metaanalyse keinen Effekt auf den Kostaufbau und die Krankenhausverweildauer. Hinsichtlich des ersten Stuhlgangs sind die Ergebnisse unklar, da die Ergebnisse dreier größerer Studien von der Metaanalyse ausgeschlossen werden musste.

 

Die Ergebnisse unserer Metaanalyse zu DKC hinsichtlich der Dauer bis zur ersten Defäkation, Kostaufbau und Krankenhausverweildauer stehen im Konsens zum Cochrane Review von Hoshino et al. aus 2020, welches allerdings mittlerweile wegen Interessenskonflikten zurückgezogen wurde.

 

Daikenchuto sollte nicht zur Prophylaxe des postoperativen Ileus nach gastrointestinalen Tumorresektionen eingesetzt werden.

 

7.30 Evidenztabelle Postoperative Atemtherapie

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Sullivan KE et al.. Use of Incentive Spirometry in Adults following

Cardiac, Thoracic, and Upper Abdominal Surgery to

Prevent Post-Operative Pulmonary Complications:

A Systematic Review and Meta-Analysis.

Respiration 2021;100:1114–1127

[344]

31 RCTs mit 3776 Patienten

 

Untersuchungszeitraum bis 03/2019

 

Postoperative Incentive-Spirometrie (Rehablilitation) nach kardiochirurgischen, thorakalen und abdominellen Eingriffen vs keine Incentive-Spirometrie oder andere Rehablilitations-Programme

 

Incentive-Spirometrie: maximales inspiratorisches Lungenvolumen als Zielparameter (Bartlett RH, JAMA 1973: 224:11017-21)

 

Postoperative pulmonale Komplikationen (PPC)

30-Tage Mortalität

KH-Liegedauer

PPC

RCTs: 26

Teilnehmer: 3444

(RR 1,00; 95% KI 0,88 bis 1,33; p=0,96)

30-Tage Mortalität

RCTs: 9

Teilnehmer: 2166

(RR 0,73; 95% KI 0,42 bis 1,25; p=0,25)

KH-Liegedauer

RCTs: 15

Teilnehmer: 2629

(MD -0,17 Tage; 95% KI -0,65 bis 0,3; p=0,48)

 

Methodische Bemerkungen:

- Hohe methodische Qualität der Metaanalyse durch eine strikte Umsetzung des Cochrane Handbook for Systematic Reviews and Interventions und SoF-Tabelle mit detaillierter Begründung der ,Certainty of Evidence‘ im Textteil.

- Ausreicheichend Gesamtanzahl inkludierter Patienten und der Events

- Subgruppenanalyse nach Art des Eingriffs (kardiochirurgisch, thorakal, abdominell)

- ,Moderate certainty of evidence’ (GRADE) für primären Endpunkt PPC

 

Heterogenität der Einzelstudien:

- Definition der PPC

- Unterschiedliche Trainingsprogramme der Incentive-Spirometrie

31 RCTs, sh. Originalpublikation

 

7.30 SoF-Tabelle Postoperative Atemtherapie

Endpunkte

Risiko ohne Spirometrie

Risiko mit Postoperative Incentive Spirometrie

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Postoperative pulmonale Komplikationen (PPC)

196 pro 1.000

196 pro 1.000
(173 bis 261)

RR 1.00
(0.88 bis 1.33)

3444
(26 RCTs)

⨁⨁⨁◯
Moderat

Kritisch

30-Tage Mortalität (30-TM)

32 pro 1.000

23 pro 1.000
(14 bis 40)

RR 0.73
(0.43 bis 1.25)

2169
(9 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrig

Kritisch

Krankenhausliegedauer (KHL)

MD 0.17 weniger
(0.65 weniger bis 0.3 höher)

-

2629
(15 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrig

Wichtig

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; MD: mean difference; RR: risk ratio

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

 

7.30 EtD-Tabelle Postoperative Atemtherapie

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

In der vorliegenden Metaanalyse von 2021 mit insgesamt 31 RCTs und 3776 eingeschlossenen Patienten konnte gezeigt werden, dass durch den Einsatz der Incentive-Spirometrie die Inzidenz postoperativer pulmonaler Komplikationen (PPC) gering bis gar nicht gesenkt wird. Zu gleichen Ergebnissen kam die Analyse der zwei weiteren untersuchten Outcome-Variablen 30-Tage Mortalität und Krankenhausliegedauer. Auch eine Subgruppenanalyse von kardiochirurgischen, thorakalen und abdominellen Eingriffen konnte für diese drei Endpunkte keinen Unterschied nachweisen.

Die Evidenz zeigt somit keinen Nutzen für den postoperativen Einsatz einer Incentive-Spirometrie.

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

In der Metaanalyse sind keine negativen Folgen nach postoperativem Einsatz der Incentive-Spirometrie dokumentiert.

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die publizierte Metaanalyse ist insgesamt von hoher methodischer Qualität. Ein- und Ausschlusskriterien sind genau definiert. Der Risk of Bias wird für alle inkludierten Studien bewertet. Für die Bewertung der Zuverlässigkeit der Evidenz (‚Summary of Findings‘-Tabelle mittels GRADE PRO) werden im Text detaillierte Begründungen für alle Endpunkte angegeben. Das Vertrauen in die Evidenz wird für den primären Endpunkt PPC als moderat, für die zwei weiteren Endpunkt als niedrig bewertet. In einer Subgruppen-Analyse für kardiochirurgische, thorakale und abdominelle Eingriffe werden für alle Endpunkte Effektschätzer berechnet und diese in Forest Plots dargestellt. Die Anzahle der inkludierten Patienten und der Ereignisse ist für den primären Endpunkt ausreichend hoch.

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabelle

Präferenzen und Akzeptanz

Die Patienten-Compliance für ein regelmäßiges, postoperatives Training mit einem Atemtrainer wird einem aktuellen SR als gering bewertet. Der Einsatz korreliert mit einem effizienten Schmerzmanagement und anderen Maßnahmen der Prä- und Rehabilitation.

 

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Die notwendigen Ressourcen für den routinemäßigen, nicht selektiven Einsatz einer postoperativen Incentive-Spirometrie für alle chirurgischen Eingriffe sind als moderat bis hoch zu bewerten.

 

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Nach abdominellen und thorakalen Eingriffen kann auf eine Atemtherapie in Form einer Incentive-Spirometrie als alleinige Maßnahme zur Vermeidung postoperativer pulmonaler Komplikationen verzichtet werden.

 

 

7.31 Evidenztabelle Bauchbinde nach medianer Laparotomie

  Studientyp

Untersuchte Studien

verglichene Interventionen

untersuchte Endpunkte

Ergebnisse

methodische Bemerkungen

Eingeschlossene Studien

Ossola P

Evidence on postoperative abdominal binding: A

systematic review with meta-analysis of randomized controlled trials.

The Surgeon 2021,19: 244-251

[349]

5 RCTs mit 281 Patienten

 

Untersuchungszeitraum bis 03/2020

Abdominelle Bauchbinde nach Laparotomie vs keine Bauchbinde

Postop. Schmerz Tag 1

Postop. Schmerz Tag 5

6 Min Walking Test

FEV1

VC

Postoperativer Schmerz Tag 1:

Studien: 5

Teilnehmer: 281

(SMD -0.38; 95% KI -0,69 bis -0,07; p=0,01; I²=24%)

Postoperativer Schmerz Tag 5:

Studien: 3

Teilnehmer: 139

(SMD -0,55; 95% KI -0,89 bis -0,21; p=0,002; I²=0%)

6 Min Walking Test:

Studien: 2

Teilnehmer: 144

In beiden Studien signifikante Verbesserung der Laufstrecke (in m) mit Bauchbinde. Arici et al.: POD 4 (p<0,01)

Cheifetz et al.: POD 5 (p=0,01)

FEV1:

Studien: 4

Teilnehmer: 227

Keine signifikante Änderung mit Bauchbinde am POD 1 (p=0,37), POD 3 (p=0,86) und POD 5 (p=0,74)

VC1:

Studien: 4

Teilnehmer: 227

Keine signifikante Änderung mit Bauchbinde am POD 1(p=0,29), POD 3 (p=0,25) und POD 5 (p=0,8)

 

 

Methodische Limitationen:

- Kleine Anzahl inkludierter Patienten

- Keine Forest-Plots mit Berechnung der Effektschätzer für die Endpunkte 3-5 (narrative Analyse GRADE PRO)

- Risk of Bias nicht für alle Einzelstudien untersucht

- Keine Analyse von mittelfristigen Endpunkten (z.B. postop. Narbenhernie)

 

Arici E,

https://doi.org/

10.1016/j.ijnurstu.2016.07.017.

 

Cheifetz O,

https://doi.org/10.3138/

physio.62.3.242.

 

Clay L,

https://doi.org/10.1007/s00384-014-1834-x

 

Fagevik OM,

https://doi.org/10.1080/

14038190802141073

 

Larson CM,

Am Surg 2009 Feb;75(2):169e71.

 

7.31 SoF-Tabelle Bauchbinde nach medianer Laparotomie

Endpunkte

Risiko ohne Bauchbinde

Risiko mit Anlage einer Bauchbinde

Relativer Effekt
(95% CI)

№ der Teilnehmer
(Studien)

Certainty of the evidence
(GRADE)

Relevanz des Endpunkts

Postoperativer Schmerz Tag 1 (POP 1)

-

SMD 0.38 SD weniger
(0.69 weniger bis 0.07 weniger )

-

281
(5 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

Postoperativer Schmerz Tag 5 (POP 5)

-

SMD 0.55 SD weniger
(0.89 weniger bis 0.21 weniger )

-

139
(3 RCTs)

⨁⨁⨁⨁
Hoch

Kritisch

6 Minuten Walking Test (6MWT)

In 2 RCT (Arici et al, Cheifetz et al) war der 6 MWT am 4. bzw. 5. postoperativen Tag signifikant besser in den Gruppen mit Bauchbinde als bei Patienten ohne Bauchbinde.

144
(2 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrig

Gering

Lungenfunktion FEV1 (FEV1)

Die 1-Sekundenkapazität (FEV1) wurde in 3 von 4 RCTs prä- und postoperativ an verschiedenen Tagen in den zwei Untersucgungsgruppen verglichen (Arici et, Cheifetz et al, Fagevitz et al). In den drei Studien konnte für Patienten mit und ohne Bauchbinde kein signifikanter Unterschied zwischen der FEV1 präoperativ und dem 1. , 3. und 5. postoperativen Tag nachgewiesen werden.

227
(4 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrig

Kritisch

Lungenfunktion VC (VC)

Die Vitalkapazität (VC) wurde in 3 von 4 RCTs prä- und postoperativ in den zwei Untersuchungsgruppen verglichen (Arici et al, Cheifetz et al, Fagevitz et al). In eingeschlossenen Studien konnte für Patienten mit und ohne Bauchbinde kein signifikanter Unterschied zwischen der VC präoperativ und dem 1., 3. und 5. postoperativem Tag nachgewiesen werden.

 

227
(4 RCTs)

⨁⨁◯◯
Niedrig

Kritisch

*Das Risiko in der Interventionsgruppe (und das 95% Konfidenzintervall) basiert auf dem vermuteten Risiko in der Vergleichsgruppe und der relativen Wirkung der Intervention (und dem 95% KI).

CI: confidence interval; SMD: standardised mean difference

GRADE Working Group grades of evidence
High certainty: we are very confident that the true effect lies close to that of the estimate of the effect.
Moderate certainty: we are moderately confident in the effect estimate: the true effect is likely to be close to the estimate of the effect, but there is a possibility that it is substantially different.
Low certainty: our confidence in the effect estimate is limited: the true effect may be substantially different from the estimate of the effect.
Very low certainty: we have very little confidence in the effect estimate: the true effect is likely to be substantially different from the estimate of effect.

 

7.31 EtD-Tabelle Bauchbinde nach medianer Laparotomie

Kriterium

Bewertung

Grundlage für die Bewertung

Nutzen der Intervention

Das postoperative Trage einer Bauchbinde nach medianer Laparotomie führt zu einer signifikanten Reduktion der Schmerzen am 1. und 5. postoperativen Tag.  Gleichzeitig wird eine signifikante Verbesserung der Laufstrecke gemessen als 6-Minuten Gehtest am 4. und 5. post-operativen Tag in der Interventionsgruppe erzielt. Die postoperative Lungenfunktion gemessen als FEV1 und VC wird durch das Tragen einer Bauchbinde nicht beeinflusst.

 

 

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Möglicher Schaden durch die Intervention

In der Metaanalyse wird mit keinem der untersuchten Endpunkte ein möglicher Schaden durch das postoperative Tragen einer Bauchbinde dokumentiert.

Möglich sind bei unsachgemäßer Handhabung der Bauchbinde lokale Hautirritationen.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen,

Expertenbewertung

Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz

Die vorliegende Evidenz gilt nur für die mediane Laparotomie und nicht für andere abdominelle Zugänge.

Die Zuverlässigkeit und Qualität der Evidenz schwankt zwischen den jeweiligen Endpunkten. Für den Endpunkt ,postoperativer Schmerz‘ an verschiedenen Tagen ist die Zuverlässigkeit der Evidenz gemäß der GRADE-Einschätzung hoch.

Für die weiteren Endpunkte ,postoperative Veränderungen der Lungenfunktion‘ (FEV1 und VC) sowie die Länge der Gehstrecke (6-Min Gehtest) wird  die Zuverlässigkeit der Evidenz mittels GRADE als niedrig bewertet.

Evidenz, siehe Summary-of-Findings-Tabellen

Präferenzen und Akzeptanz

Die Reduktion postoperativer Schmerzen wird von Patienten als wesentliches Ziel angegeben, so dass die vermutete Compliance für das Tragen einer Bauchbinde nach medianer Laparotomie hoch sein wird. Mit zunehmender Abnahme der postoperativen Schmerzen wird sich die Compliance auch bei gutem Tragekomfort reduzieren.

 

Expertenbewertung

 

Ressourcen und Umsetzbarkeit der Empfehlung

Das routinemäßige Tragen einer Bauchbinde nach medianer Laparotomie verbraucht nur geringfügig zusätzliche Ressourcen, sodass diese Empfehlung im klinischen Alltag umsetzbar ist. Bei reduziertem Schmerzmittelbedarf und damit verbunden einer denkbaren Reduktion der Krankenhausverweildauer werden hier möglicherweise Ressourcen eingespart.

 

Expertenbewertung

 

Fazit der Studienlage und Einschätzungen

Nach medianer Laparotomie kann eine Bauchbinde zur Schmerzreduktion angelegt werden.

 

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