Leitlinienprogramm OnkologiePalliativmedizin

5. Versorgungsstrukturen – Palliativmedizin

Version 3.0 · Juli 2026 · AWMF 128-001OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

AG-Leiter: Bernd Oliver Maier, Raymond Voltz

5.1 Behandlungspfad

Die 5-Jahres-Prävalenz der Krebserkrankungen in Deutschland bis Ende 2023 betrug 1.687.000 (Frauen: 815.500, Männer: 871.500), die Sterbefälle aufgrund von Krebs betrugen in 2023 228.960 (Frauen: 105.911, Männer: 123.049) [9]. Jeder vierte Mann und jede fünfte Frau verstarb an einer Krebserkrankung [10]. Auf europäischer Ebene wurde in einem 2014 erschienenen WHO-Bericht der palliativmedizinische Bedarf für Patient:innen mit einer Krebserkrankung auf 218 pro 100.000 Erwachsene geschätzt [11] weltweit sind es schätzungsweise 56,8 Millionen Menschen – von denen erhielt aber nur ca. 14% tatsächlich eine palliativmedizinische Versorgung [12].

Palliativversorgung in Deutschland ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfolgreich in der Regelversorgung etabliert – dokumentiert u.a. durch einen gesetzlich verbürgten Leistungsanspruch auf palliativmedizinische Behandlung und die Schaffung einer Leistungsgruppe Palliativmedizin im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG).

Die vielfältigen politischen Bemühungen um Akzeptanz und Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung werden zunehmend durch wissenschaftliche Evidenz bezüglich der Wirksamkeit der einzelnen Bausteine unterstützt.

Ziel dieses Kapitels ist es, die Evidenz für alle Versorgungsformen zusammenzuführen, internationale Erfahrungen, wo möglich, zu adaptieren und damit für Deutschland gültige Empfehlungen [13] zu entwickeln. Hierbei liegt der Fokus auf den Bedürfnissen von Patient:innen und Angehörigen ab der Diagnosestellung einer nicht-heilbaren Krebserkrankung. Dies spiegelt sich auch in der Strukturierung des Kapitels entlang eines patient:innenorientierten Behandlungspfades wider (siehe Abbildung Behandlungspfad für Patient:innen und Angehörige):

Eine Krebserkrankung, insbesondere wenn sie nicht mehr heilbar ist, stellt für die Betroffenen (Patient:innen und Angehörigen) eine enorme Herausforderung dar. In dieser Lebensphase gibt es Bedürfnisse in allen Dimensionen des Lebens: körperlich, psychisch, sozial und existentiell/spirituell. Daher sollen spätestens ab der Diagnose einer nicht heilbaren Krebserkrankung diese Bedürfnisse regelmäßig, im Verlauf dann zusätzlich jedenfalls nach Änderung der klinischen Situation erfasst (Kapitel Informationen zur Palliativversorgung und Erfassen der Patient:innenbedürfnisse) und nach ihrer Komplexität (niedrig/mittel/hoch) eingestuft werden (Kapitel Bestimmung der Komplexität der Situation und Indikation für Intensität der Palliativversorgung). Diese Einstufung leitet die Indikation der Versorgungsintensität und somit die indizierten Stufen der Palliativversorgung: Palliativmedizinische Basisversorgung durch die Primärbehandelnden, Allgemeine Palliativversorgung (APV) und Spezialisierte Palliativversorgung (SPV) (Kapitel Die drei Stufen der Palliativversorgung). Selbstverständlich schließen sich eine Palliativversorgung und eine indizierte tumorspezifische Therapie nicht aus („best of both worlds“, Kapitel Gleichzeitigkeit von Palliativversorgung und tumorspezifischer Therapie). Schließlich werden die in Deutschland eingeführten Qualifikationen der verschiedenen Berufsgruppen im Bereich Palliativversorgung in Kapitel Qualifikation von Leistungserbringer:innen in der Palliativversorgung dargestellt.

In der Gliederung nach Versorgungsintensität innerhalb der Palliativversorgung gehen wir inzwischen von einem Modell der Dreiteilung in spezialisierte und allgemeine Palliativversorgung aufbauend auf der Palliativmedizinischen Basisversorgung durch die Primärbehandlenden aus, auch wenn es international Modelle von einer Zwei- bis hin zu einer Vierteilung (siehe [14], [15],[13], [16]) gibt. Die Adaption der Evidenz an die in Deutschland bestehenden gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen lässt die Dreiteilung als das repräsentativste Modell erscheinen.

Den besonderen Belangen der (Mit-)Betreuung von Angehörigen wird in dem Extrakapitel Angehörige Rechnung getragen.

 

Eingebettet ist dieser Behandlungspfad selbstverständlich in die soziale Umgebung von Patient:innen und Angehörigen. Hier hat sich in den letzten Jahren das Konzept von Caring/Compassionate Communities/Cities international und auch in Deutschland etabliert. Es hat zum Ziel, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung im Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben/Tod und Trauer zu stärken und somit die Betroffenen neben den professionellen Hilfen als Nachbarschaft und Zivilgesellschaft verstärkt zu unterstützen [17].

In früheren Versionen der Leitlinie enthielt dieses Kapitel die Unterkapitel "Angehörige" sowie "Abschieds- und Trauerbegleitung". Diese Themen werden im Rahmen der Aktualisierung der Leitlinie 2026 in einem eigenen, neu strukturierten Kapitel Angehörige ausführlich behandelt. An dieser Stelle wird daher auf das entsprechende neue Kapitel verwiesen.

Behandlungspfad für Patient:innen und Angehörige
Behandlungspfad für Patient:innen und Angehörige

 *Die Pflegeeinrichtungen und stationären Hospize sind „stationäre“ Einrichtungen, jedoch erfolgt die ärztliche Behandlung durch die ambulante Versorgung (z.B. Hausärzte, SAPV).

5.2 Information zur Palliativversorgung und Erfassen der Patient:innenbedürfnisse

5.1 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einer nicht-heilbaren Krebserkrankung sollen die physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse sowie die Belastungen und Informationsbedürfnisse der Patient:innen und Angehörigen wiederholt und bei einer Änderung der klinischen Situation erfasst werden.

Konsens
Starker Konsens
5.2 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei einer nicht-heilbaren Krebserkrankung sollte die Erfassung der Bedürfnisse sowie der Belastungen und der Informationsbedürfnisse der Patient:innen und Angehörigen mit Hilfe von validierten multidimensionalen Erfassungsinstrumenten erfolgen.

Konsens
Konsens

Informationen und Gespräche über Palliativversorgung

Grundsätzlich soll jede:r von einer Krebserkrankung betroffene Patient:in Zugang zu Informationen über Palliativversorgung haben, da die Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen rund um das Lebensende unabhängig von der individuellen Prognose und den tumorbiologischen Determinanten ist. Dies kann z. B. in Form von ausliegenden Flyern an Orten, wo die Patient:innen aufgrund ihrer Krebserkrankung behandelt und betreut werden, erfolgen.

Gegebenenfalls wird der:die Patient:in von sich aus nach Gesprächen mit einer an der Behandlung beteiligten Person über Endlichkeit und andere Themen der Palliativversorgung suchen. Das bedeutet für die behandelnde Person die Bereitschaft, in ein offenes Gespräch mit den Patient:innen zu diesem Thema zu treten und ihnen, wenn nötig, weiterzuverweisen. Diese Angebote sind der strukturellen Ebene der palliativmedizinischen Basisversorgung durch die Primärberhandelnden zuzuordnen und sind Bestandteil einer jeden onkologischen Behandlungseinrichtung. Da jede Diagnose einer Krebserkrankung d. Patient:in mit seiner:ihrer Endlichkeit konfrontiert, ist es Aufgabe der primär behandelnden Ärzt:innen zu klären, welche Tiefe der Information über Palliativversorgung zu welchem Zeitpunkt von Patient:innen als angemessen angesehen wird. Die Aufklärung über den (höchstwahrscheinlich) nicht-heilbaren Charakter der Krebserkrankung und über Möglichkeiten der tumorspezifischen Therapien sowie über Inhalte der Palliativversorgung (siehe Glossar) ist Aufgabe der primär behandelnden Ärzt:innen. Die Aufklärung über spezielle Inhalte der Palliativversorgung kann durch ein in der Palliativversorgung erfahrenes Team bzw. durch einzelne Teammitglieder ergänzt werden.

Prognoseeinschätzung

Die Einschätzung, dass eine onkologische Erkrankung „nicht-heilbar“ ist, beruht auf prognostischen Wahrscheinlichkeiten (siehe Glossar). Diese statistischen Erkenntnisse sind immer mit einer prognostischen Unsicherheit im Einzelfall verbunden, weshalb jeder Einzelfall individuell beurteilt werden muss [18]. Bei diesbezüglicher prognostischer Unsicherheit kann eine Einschätzung auch gemäß der WHO-Definition für Palliative Care erfolgen, die von einer „schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung“ spricht [19].

Nicht selten ist die Differenzierung der Unheilbarkeit nicht eindeutig (z.B. bei OIigometastasierung eines soliden Tumors) oder auch bei gegebener Unheilbarkeit ein chronischer Krankheitsverlauf zu erwarten (z.B. Prostatakrebs, Multiples Myelom, Chronisch Lymphatische Leukämie), sodass der palliativmedizinische Handlungsbedarf im Zweifelsfall interdisziplinär in Kenntnis der onkologischen Progressionswahrscheinlichkeit abgeschätzt werden sollte.

Neben tumorbiologischen Parametern, die eine Prognoseabschätzung erlauben, spielen patientenindividuelle Faktoren wie Allgemeinzustand, Komorbidität und soziale Einbindung eine wesentliche Rolle. Ein Patient, der bereits vor Diagnosestellung einer Krebserkrankung aufgrund anderer Begleiterkrankungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens eingeschränkt ist, hat ein höheres Risiko für Komplikationen unter einer Therapie und eine höhere Wahrscheinlichkeit, die Therapie abzubrechen ([20][21][22][23]). Das wiederum wird von vornherein in der onkologischen Therapieplanung berücksichtigt. Die Therapieplanung orientiert sich also nicht unbedingt an der höchsten Wirksamkeit, sondern auch an der klinischen Situation der Patient:innen. Die Therapieplanung kann insofern prognostisch relevant sein.

Die Therapiemotivation und die individuellen Therapieziele, bzw. die Frage des informierten Einverständnisses bzgl. einzelner Therapiemaßnahmen sind ebenfalls eigene prognostische Parameter ([24][25]).

Der Einsatz von Scores, wie z.B. dem Palliative Prognosis Score zur besseren Abschätzung der Prognose wird in einer Metaanalyse als sinnvoll und zuverlässig bewertet. ([26])

Ob eine Beratung zur Palliativversorgung geboten ist, lässt sich auch durch die sogenannte surprise question abschätzen: „Wären Sie überrascht, wenn Ihr:e Patient:in innerhalb der nächsten 6–12 (bis 24) Monate versterben würde?“ ([27][28][29]). Diese Frage sollte im Sinne einer Selbstreflexion oder auch im kollegialen Austausch erörtert werden, wenn wegweisende Strategieentscheidungen in der Behandlungsplanung anstehen, um die Angemessenheit der einzelnen Optionen und die Wertigkeit der Ansätze bzgl. eines Nutzens für die Patient:innen zu beurteilen. Wenn diese Frage mit „Nein“ („Ich wäre nicht überrascht“) beantwortet wird, sollte kritisch reflektiert werden, ob die Prognose der Patient:innen nicht doch schlechter ist als bisher angenommen. Dies kann z. B. dazu führen, dass Therapieentscheidungen neu getroffen werden müssen (z. B. die Lebensqualität als Therapieziel stärker ins Zentrum rücken) und Gespräche mit Patient:innen und Angehörigen stärker auf eine kürzere verbleibende Lebenszeit zu richten sind. Bei Patient:innen mit einer kurativen Behandlungsintention und einer heilbaren Erkrankung ist die Durchführung von Palliativversorgung primär nicht indiziert. Ausnahmen können Patient:innen sein, bei denen die Heilungswahrscheinlichkeit sehr gering ist, z. B. Patient:innen mit lokal fortgeschrittenen Lungenkarzinomen oder Ovarialkarzinomen oder auch mit hämatologischen Neoplasien mit schlechter Prognose. Bei diesen Patient:innen muss abhängig z. B. von der persönlichen Lebenssituation und in enger Absprache mit ihnen individuell entschieden werden, ob Palliativversorgung frühzeitig angeboten wird. Die Stabilität der Testcharakteristika der surprise question wurde in einer Meta-Analyse bestätigt ([30])

Erfassen der Bedürfnisse

Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und ihre Angehörigen haben unterschiedliche physische, psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse. Die Bedürfnisse der Patient:innen können vielfältig sein und reichen von der Linderung von belastenden Symptomen über Informationsbedarf und Autonomie, um Entscheidungen treffen zu können, zu psychosozialer Unterstützung, um die Krankheit zu bewältigen, oder spiritueller Unterstützung bei existenziellen Fragen. Bedürfnisse von Angehörigen können praktische Fragen der Versorgung betreffen oder Unterstützung bei eigener Belastung. Die Bedürfnisse von Angehörigen der Patient:innen sind häufig hoch in Bezug auf psychische Belastung, praktische Unterstützung inklusive pflegerischer Anleitung sowie allgemeinen Informationen und Informationen speziell über Schmerztherapie und Symptomkontrolle ([31][32]). Die Besonderheiten der Angehörigenperspektive werden im Kapitel Angehörige als Schwerpunkt bearbeitet.

Die frühzeitige und wiederholte Evaluation und Re-Evaluation der Bedürfnisse von Patient:innen und Angehörigen und deren Zielen sowie die Anpassung des Behandlungsplans an deren Ziele sind Voraussetzung für eine effektive Palliativversorgung [27]. Die Evaluation der physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse sollte im Rahmen eines Gesprächs mit den Patient:innen und den Angehörigen erfolgen. In dieses Gespräch sollten für die Evaluation der Bedürfnisse validierte Erfassungsinstrumente integriert werden, um die realen Symptomprävalenzen zu ermitteln ([33]). Es liegt kein einzelnes Instrument vor, welches alle Parameter umfasst und empfohlen werden kann. So wird in der Tabelle Beeinflussende Faktoren für die Komplexität und mögliche Messinstrumente eine Auswahl an möglichen Erfassungsinstrumenten aufgeführt.

Der Goldstandard ist die Ermittlung der Bedürfnisse durch d. Patient:innen selbst mit dem sogenannten Patient-Reported Outcome Measurement (PROM). Nur wenn die Patient:innen dazu nicht (mehr) in der Lage sind, weil sie zu krank oder nicht mehr kontaktfähig sind, kann die Einschätzung der Situation durch Professionelle oder Angehörige erfolgen – unter Berücksichtigung der von Patient:innen zu einem früheren Zeitpunkt geäußerten Bedürfnisse.

Durch die wiederholte Re-Evaluation der Situation der Patient:innen ist es möglich, Veränderungen bei Bedürfnissen schnell zu erkennen, aber auch den Effekt der Palliativversorgung zu dokumentieren.

5.3 Bestimmung der Komplexität der Situation und Indikation für Intensität der Palliativversorgung

5.3 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Bei Patient:innen soll nach der Diagnose einer nicht-heilbaren Krebserkrankung regelmäßig die Komplexität der Bedürfnisse und Probleme (niedrig/mittel/hoch) evaluiert und die Indikation der Versorgungsstufe (Palliativmedizinische Basisversorgung durch die Primärbehandelnden, allgemeine oder spezialisierte Palliativversorgung) gestellt werden.

Konsens
Starker Konsens
5.4 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung soll die Komplexität der Situation durch die Patienten- und Angehörigenbedürfnisse, den Funktionsstatus d. Patient:in und die Krankheitsphase eingeschätzt werden.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung soll die Komplexität der Situation wiederholt eingeschätzt werden; dies schließt ein: die Patienten- und Angehörigenbedürfnisse, den Funktionsstatus des Patienten und die Krankheitsphase.
Ermittlung der Komplexität

Nach Erfassung der Patient:innenbedürfnisse und Probleme wird anhand der vorliegenden Informationen die Komplexität der Gesamtsituation bewertet und in niedrig, mittel oder hoch eingeteilt. Die Komplexität wird durch viele verschiedene Faktoren bestimmt – insbesondere die in Tabelle Beeinflussende Faktoren für die Komplexität und mögliche Messinstrumente aufgeführten Faktoren haben sich für die Palliativversorgung als relevant herausgestellt. Die Komplexität wird sowohl von der Intensität einzelner Symptome oder psychosozialer, spiritueller oder ethischer Probleme als auch von deren gleichzeitigen Auftreten (Simultanität; inkl. des gleichzeitigen Vorliegens von Komorbiditäten) beeinflusst.

Die hier genannte Komplexitätsbestimmung basiert auf einem Modell, welches primär in Australien entwickelt wurde, dort seit vielen Jahren mit positiven Erfahrungen angewendet wird und zunehmend auch in anderen Ländern implementiert wird (u. a. England, Deutschland). Die Komplexität der Situation der Patient:innen lässt sich demnach am besten aus den erfassten Bedürfnissen, Problemen und Belastungen von Patient:innen und Angehörigen ermitteln, wird aber auch anhand des Funktionsstatus d. Patient:innen in Verbindung mit der Krankheitsphase beschrieben ([34]). Mit Funktionsstatus versteht man die Quantifizierung des Allgemeinzustandes und der Aktivitäten des alltäglichen Lebens. Krankheitsphasen in dem hier verwendeten Sinne werden als stabil, instabil, verschlechternd und sterbend charakterisiert [34] (siehe Tabelle Beeinflussende Faktoren für die Komplexität und mögliche Messinstrumente). Krankheitsphasen beschreiben einen klinisch bedeutsamen Zeitraum im Krankheitsverlauf von Patient:innen mit weit fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankungen und deren betreuenden Angehörigen. Sie zeigen an, ob der durch das interdisziplinäre Behandlungsteam erarbeitete Versorgungsplan für die aktuelle Situation der Patient:innen und Angehörigen angemessen ist oder ob dieser verändert werden muss [35].

Tabelle 6: Beeinflussende Faktoren für die Komplexität und mögliche Messinstrumente

Beeinflussender Faktor für die Komplexität

Mögliches Messinstrument

1. Probleme und Bedürfnisse d. Patient:in

z.B. Minimales Dokumentationssystem (MIDOS 2) [36], Edmonton Symptom Assessment System (ESAS/revised version ESAS-r) [36], [37], Integrated Palliative Care Outcome Scale (POS) [38], [39], Distress-Thermometer mit Problemliste [40]

2. Belastungen der Angehörigen

 z. B. Multidimensionaler CAREPAL-Fragebogen [41], Deutsche Version des Zarit Burden Interviews (G-ZBI) [42], Häusliche Pflegeskala (HPS) der DEGAM   

3. Funktionsstatus

Funktionsstatus v.a. im Sinne von Aktivität, Selbstversorgung und Selbstbestimmung 

z.B. Australian-modified Karnofsky-Performance Status (AKPS) [43], Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG) [44], Activities of Daily Living (ADL) [45], Barthel Index [46]

4. Krankheitsphase:

Beschreibung 

a) stabil

Symptome und Probleme (psychosozial, spirituell) durch Versorgungsplan angemessen kontrolliert, Situation der Angehörigen relativ stabil, keine neuen Probleme erkennbar

b) instabil

Dringende Änderung des Versorgungsplans oder notfallmäßige Intervention erforderlich, weil neues unerwartetes Symptom/Problem oder unerwartete rasche Verschlechterung eines bestehenden Symptoms/Problems

c) verschlechternd 

Versorgungsplan berücksichtigt zu erwartende Symptome/Probleme, regelmäßige Überprüfung erforderlich.

d) sterbend (terminal)

Tod innerhalb der nächsten Tage wahrscheinlich mit Notwendigkeit der regelmäßigen, i. d. R. täglichen Überprüfung des Betreuungsplans und regelmäßigen Unterstützung der Familie 

Um einen angemessenen Therapie- und Behandlungsplan zu erstellen, ist die Bewertung der Komplexität entscheidend. Die Komplexität der Patient:innen- und Angehörigensituation wird in die drei Stufen niedrig, mittel oder hoch eingeteilt. Abhängig davon, in welcher der Komplexitätskategorien d. Patient:in eingestuft wurde, wird entschieden, welche Interventionsebene – ob Palliativmedizinische Basisversorgung durch die Primärbehandelnden, allgemeine oder spezialisierte Palliativversorgung – den Patient:innen angeboten werden soll. Patient:innen mit einer hohen Komplexität der Situation sollen spezialisierte Palliativversorgung bekommen.

Orientierungshilfen für die Ermittlung der Komplexität in drei Kategorien:

  1. Niedrig Wenig ausgeprägte Symptome, langsames bzw. mäßiges Fortschreiten der zugrunde liegenden Erkrankung, keine bzw. nicht belastende weitere Krankheiten – insbesondere keine floriden psychischen Erkrankungen –, eine ausgeglichene psychische Befindlichkeit und eine stabile familiäre Situation stellen eher eine niedrig komplexe Situation dar.
  2. Mittel: Symptome, die schnelle Reaktion durch erfahrene Behandler erfordern, aber durch kurzfristige und/oder  impulsgebende Interventionen adäquat behandelt werden können, können der mittleren Komplexität zugerechnet werden.
  3. Hoch: Ausgeprägte Symptome, die schwierig zu behandeln sind und wiederholt oder dauerhaft spezialisierte Expertise erfordern, wie z.B. exulzerierende Tumoren oder eine drohende Querschnittslähmung spiegeln eine hochkomplexe medizinische Situation wider. Ausgeprägte Angstzustände, fehlende Krankheitsbewältigung oder schwierige Familienverhältnisse, die die Patient:innen belasten und wenig unterstützend sind, können als hochkomplexe Patient:innensituationen beschrieben werden. Hochkomplexe Situationen zeichnen sich auch dadurch aus, dass der Behandlungsplan aufgrund der fluktuierenden Situation immer wieder angepasst und regelmäßig überprüft werden muss.

5.4 Die drei Stufen der Palliativversorgung

In der Versorgungspraxis werden Angebote in Palliativmedizinische Basisversorgung durch die Primärbehandelnden (PBP), Allgemeine Palliativversorgung (APV) und Spezialisierte Palliativversorgung (SPV) kategorisiert. Die Indikationsstellung für ein spezialisiertes Angebot ist anhand der Komplexität und des Aufwands der Versorgung zu stellen. Spezialisierte Angebote können auch nur vorübergehend erforderlich sein.

Die Zuordnung einzelner Angebote zu einer der Versorgungsebenen orientiert sich dabei in aller Regel an Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualitätskriterien des Leistungsangebotes [6]. Eine verbindliche, gar gesetzlich definierte Differenzierung existiert nicht, auch wenn die Begrifflichkeit in die gesetzlichen Grundlagen für Palliativversorgung übernommen wurde. Aber: Die Leistungsmerkmale eines Angebotes geben Hinweise auf den Spezialisierungsgrad des Angebotes.

Für Betroffene selbst ist es wichtig zu wissen, ob das Angebot eine kontinuierliche und sektorenübergreifende Begleitung mit Möglichkeit des Aufbaus einer langfristigen vertrauensvollen Beziehung oder einer impulsgebenden Beratung ist. Im Sinne der Patient:innen und ihrer Angehörigen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Anbieter:innen der Palliativversorgung sowie sektorenübergreifend zwischen ambulanten und stationären Angeboten wesentlich für eine gelingende und gute Versorgungspraxis und -qualität.

5.4.1 Palliativmedizinische Basisversorgung durch die Primärbehandelnden

5.5 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Die Palliativmedizinische Basisversorgung durch die Primärbehandelnden der Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und niedriger Komplexität soll folgende Aufgabenfelder beinhalten:

  • Behandlung von Symptomen und Begleitung bei Problemen in allen vier Dimensionen (physisch, psychisch, sozial und spirituell)
  • Kommunikation über Auswirkungen der Krebsdiagnose und -Therapie für die weitere Lebensplanung
  • Konsentierung der patient:innenindividuellen Therapiezielfindung
  • Koordination der palliativmedizinischen Versorgung
  • Einbeziehung von APV und/oder SPV, wenn indiziert
Konsens
Starker Konsens

Hintergrund

Die Behandlung und Begleitung von schwerkranken Krebspatienten gehört schon immer zur primären Aufgabe aller onkologisch Tätigen aller Berufsgruppen und ist demnach Teil der Versorgung [47][15].

Die Erfassung von Symptomen und eine einfache Symptomkontrolle gehören zur onkologischen Grundausbildung, weshalb eine gute Symptomkontrolle zumindest in einer niedrig komplexen Situation die primäre Aufgabe eines jeden Onkologen bzw. Hausarzt darstellt. Dies gilt ebenso für eine unterstützende, empathische und offene Kommunikation, ebenso für die Therapiezielfindung. Diese Kompetenzen sollten alle onkologisch Tätigen in ihrer Grundausbildung erlangen und in der klinischen Praxis weiterentwickeln.

Die kompetente und umfassende Ersterhebung hat weichenstellende Bedeutung, um die schwerkranken Patient:innen und ihre individuellen Bedürfnisse korrekt zu erkennen, diese den Patient:innen adäquat zu vermitteln und eine entsprechende Behandlung im Sinne des informierten Patient:innenwillens einzuleiten. Eine Möglichkeit, dabei strukturiert und vorausschauend vorzugehen und auch Veränderungen der Bedürfnisse und Wünsche des Patient:innen rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, bietet das Konzept der vorausschauenden Versorgungsplanung (auf Englisch: Advance Care Planning). Die vorausschauende Versorgungsplanung beschreibt einen systematischen, interprofessionell begleiteten Kommunikations- und Implementierungsprozess zwischen Patient:innen, Angehörigen und relevanten an der Behandlung des Patient:innen beteiligten Personen (siehe Abschnitt vorausschauende Versorgungsplanung). Eine Patient:innenverfügung kann ein Ergebnis der vorausschauenden Versorgungsplanung sein.

Über die Symptomkontrolle, Kommunikation und Therapiezielfindung hinaus beinhaltet die Palliativmedizinische Basisversorgung durch die Primärbehandelnden die Koordination der Behandlung und ggf. die Einbeziehung von weiterer palliativmedizinischer Expertise durch die Allgemeine und/oder Spezialisierter Palliativversorgung in das Behandlungskonzept. Für Patient:innen in einer komplexen Situationen stehen sowohl für den stationären Bereich in Form von Palliativstationen oder Palliativdiensten als auch im ambulanten Bereich im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung Angebote zur Verfügung, die die ärztliche und pflegerische Primärversorgung ergänzen, ohne sie zu ersetzen [48].

Indikationen zur Einbeziehung der APV und/oder SPV (ambulant oder stationär) können aus unterschiedlichen Gründen gegeben sein, sei es in Bezug auf die Symptomkontrolle (z. B. bei refraktären Schmerzsyndromen, bei speziellen parenteralen oder rückenmarksnahen Applikationstechniken), pflegerische Versorgung (z. B. bei speziellen Wundbehandlungen), psychosoziale Unterstützung (z. B. schwierige Verarbeitungsprozesse in der Familie) oder 24h-Erreichbarkeit bei krisenhaften Ereignissen ([48]).

5.4.2 Allgemeine Palliativversorgung (APV)

5.6 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Die allgemeine Palliativversorgung (APV) von Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und mittlerer Komplexität soll folgende Aufgabenfelder beinhalten:

  • Behandlung von Symptomen und Begleitung bei Problemen in allen vier Dimensionen (physisch, psychisch, sozial und spirituell)
  • Kommunikation über Auswirkungen der Krebsdiagnose und -Therapie für die weitere Lebensplanung, umfassende und vorausschauende Versorgungsplanung und Möglichkeiten der abgestuften Palliativversorgung
  • Konsentierung des patient:innenindividuellen Therapieziels und Moderation einer differenzierten Therapielziefindung
  • Anteilige Koordination der palliativmedizinischen Versorgung 
  • Einbeziehung von SPV, wenn indiziert
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisDie allgemeine Palliativversogung eines Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung soll folgende Aufgabenfelder beinhalten: • Behandlung von Symptomen und Begleitung bei Problemen niedriger bis mittlerer Komplexität in allen vier Dimensionen (physisch, psyschisch, sozial und spirituell), • Kommunikation, • Therapielzielfindung, • Kooridnation der Versorgung unter Einbeziehung von SPV, wenn indiziert

Hintergrund

Die o.g. Ausführungen zur Palliativmedizinischen Basisversorgung durch die Primärbehandelnden im Kapitel Palliativmedizinische Basisversorgung durch die Primärbehandelnden gelten ebenso für die Allgemeine Palliativversorgung (APV).

Im Unterschied zur Palliativmedizinischen Basisversorgung durch die Primärbehandelnden liegt bei der APV eine mittelgradige Komplexität bei Patient:innen und/oder Angehörigen vor und benötigt deshalb weitergehende Kompetenzen und Möglichkeiten der Palliativversorgung. Die onkologisch Tätigen in der APV zeichnen sich durch Kenntnisse und Fertigkeiten in der klinischen Palliativmedizin aus, die z.B. durch eine Zusatzweiterbildung (ZWB Palliativmedizin) edokumentiert werden können.

Hinweise für die Zuordnung einer Versorgungsleistung in die Kategorie der Allgemeinen Palliativversorgung sind:

  • Leistungserbringung durch Behandelnde, die ihr Haupttätigkeitsfeld nicht in der Palliativversorgung haben (z. B. Hausärzt:innen, Onkologen, etc.), die jedoch eine zusätzliche Qualifikation im Bereich der Palliativmedizin haben
  • die Patient:innensituation ist mittelgradig komplex, damit mehr komplex als in der Palliativmedizinischen Basisversorgung durch die Primärbehandelnden und weniger komplex als in der Spezialisierten Palliativversorgung;
  • die Versorgungsleistung ist nicht zwingend an spezifische strukturelle Voraussetzungen gekoppelt.

Die Allgemeine Palliativversorgung kann nur adäquat stattfinden, wenn alle beteiligten Gesundheitsberufe weiterführende Kenntnisse zur Palliativversorgung besitzen, die in Aus-, Weiter- und Fortbildungen erworben werden. Zum Thema Qualifikation siehe auch den Abschnitt Qualifikationen von Leistungserbringer:innen in der Palliativversorgung.

5.4.3 Spezialisierte Palliativversorgung (SPV)

5.7 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und einer hohen Komplexität ihrer Situation sollen eine spezialisierte Palliativversorgung erhalten.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
3

Literatur ergänzt

Konsens
Konsens
Literatur
[49] [50] [51] [52] [53] [54] [55] [56] [57] [58] [59] [60] [61] [62] [63] [64] [65] [66] [67]
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.8 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein SPV-Kernteam soll aus überwiegend in der SPV tätigen Mitgliedern von mindestens drei Berufsgruppen (Ärzt:innen, Pflegefachpersonen, weitere Berufsgruppe) bestehen, von denen zumindest Ärzt:innen und Pflege die spezialisierte palliativmedizinische Qualifikation aufweisen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2

Literatur ergänzt

Konsens
Konsens
Literatur
[68] [69] [70] [71] [72] [73] [74] [75] [76]
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen

Hintergrund 

Bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und mit einer hohen Komplexität ihrer Situation ist Spezialisierte Palliativversorgung (SPV) indiziert und soll auch für sie und ihre Angehörigen zur Verfügung stehen. Der Anteil der Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung, die in ihrem Krankheitsverlauf eine komplexe Situation erfahren und spezialisierte Strukturen der Palliativversorgung (SPV) benötigen, kann für Deutschland derzeit nur geschätzt werden, da valide Zahlen fehlen. Die anfängliche Schätzung bei der Implementierung der SAPV-Strukturen gingen von 10–15 % aller Patient:innen (onkologisch und nicht-onkologisch) aus und bei 20 % der Patient:innen mit einer Krebserkrankung im Terminalstadium, was sich aber in der Praxis als zu niedrig herausgestellt hat ([15][13]. Auch international gibt es verschiedene Versuche, den Bedarf näher zu bestimmen [77]. Allerdings besteht hier die Schwierigkeit der Übertragbarkeit, da viele Autor:innen nicht zwischen APV und SPV unterscheiden [77]. Eine Publikation, basierend auf Studien aus England, beschreibt einen Bedarf von 15–25 % für die Versorgung auf einer Palliativstation/Hospiz und 25–65 % für die Begleitung durch einen Palliativdienst im Krankenhaus oder zu Hause (ambulante spezialisierte Palliativversorgung) [78]. Berechnungen aus Australien gehen von 70 % der Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung aus, die eine palliativmedizinische Mitbehandlung (ongoing consultancy) benötigen und 20 % der Krebspatient:innen, die eine primäre palliativmedizinische Behandlung (direct care) benötigen [79].

Für die SPV besonders hervorzuheben ist die Bedeutung der Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team. Die Erfahrung zeigt, dass die Teamarbeit selbst eine eigene Dynamik bzgl. Qualitätsentwicklung und -sicherung besitzt, die für die Versorgung von Patient:innen am Lebensende relevant ist und sich nicht auf die Summe der von den einzelnen Teammitgliedern erbrachten Leistungen reduzieren lässt. Multiprofessionalität im SPV-Kernteam bedeutet eine Zusammensetzung aus Vertretern von mindestens drei Professionen, darunter eine:m Ärzt:in und einer Pflegefachperson. Die Teambesetzungen in den Studien zur SPV in diesem Kapitel weisen fast ausschließlich ein spezialisiertes und interdisziplinäres Team aus und belegen eine Wirksamkeit bzgl. verschiedener Outcomes (z.B. Lebensqualität, Zufriedenheit, Wunsch-Sterbeort, Kostenreduktion) unabhängig von den verschiedenen SPV-Interventionen (z. B. SAPV oder Palliativambulanz) [69][74][70][71][73][75][80]).

Die Mitglieder des Kernteams der SPV sollen überwiegend (im Sinne einer Hauptberufstätigkeit) in der SPV tätig sein, sodass die spezialisierte Versorgungsqualität auch gewährleistet werden kann [81]. Mit „überwiegend“ wird eine Beschäftigung definiert, die mindestens 50 % des gesamten Tätigkeitsumfangs beträgt. Die generelle Mitwirkung in der SPV außerhalb des Kernteams ist nicht an eine überwiegende Berufstätigkeit gebunden

Hinweise für die Zuordnung einer Versorgungsleistung zur Spezialisierten Palliativversorgung sind (siehe auch Abschnitt SPV.):

  • Patient:innenbedürfnisse erfordern eine komplexere und aufwändigere Versorgungsleistung als in der Allgemeinen Palliativversorgung.
  • Leistungserbringer haben ihr Tätigkeitsfeld überwiegend oder ausschließlich in der SPV.
  • Leistungserbringer verfügen über spezifische weiterführende palliativmedizinische Qualifikation und Erfahrung.
  • Teamansatz und Multiprofessionalität (über ärztlich – pflegerisches Team hinausgehend) sind konzeptionelle und strukturelle Voraussetzung[81].
  • 24-h-Verfügbarkeit der Versorgungsleistung ist in der Regel gewährleistet.

 

Spezialisierte Palliativversorgung ist im ambulanten Bereich gesetzlich verankert als SAPV (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung). Sie basiert auf dem Leistungsanspruch von SAPV im SGB V (§ 37b, § 132d), daraus folgend den SAPV-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses sowie den Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes. Seit 2022 existieren bundeseinheitliche Rahmenverträge die SAPV für Erwachsene und gesondert für Kinder- und Jugendliche. Im stationären Bereich ist die Spezialisierte Stationäre Palliativversorgung (SSPV)  eingeschränkt über die Mindestmerkmale der OPS 8–982 und umfänglich über die OPS 8–98e (Palliativstation)  und 8-98h (Palliativdienst) formal erfasst.

Im Verständnis der Leitlinie wird der Begriff SPV für Versorgungsinhalte und Strukturen verwendet, die diese Merkmale erfüllen, unabhängig von den bestehenden gesetzlichen Regelungen.

 

Konzept der „Frühintegration“ oder „zeitgerechte Integration“ der Palliativversorgung

(Synonyme: early palliative care, early integration, zunehmend genutzt:  timely integration )

 

Unter Frühintegration oder zeitgerechte Integration wird ein Behandlungskonzept verstanden, das onkologische und palliativmedizinische Versorgung von Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung frühzeitig und routinemäßig integriert [82]. Dieses tut diese Leitlinie, indem ab der Diagnosestellung einer nicht-heilbaren Erkrankung automatisch palliative Bedürfnisse evaluiert und den entsprechenden Versorgungsstrukturen zugewiesen werden.  

Die v.a. auf die spezialisierte Palliativversorgung bezogene Evidenz zeigt, dass eine solche durch frühzeitige und routinemäßige Kooperationen in einem begleitenden Versorgungskonzept organisierte Palliativversorgung effektiv und wirksam ist ([28][49][55]). Die weiter unten beschrieben Evidenz zur SPV umfasst damit viele Studien auch zur sog. Früh- bzw. zeitgerechten Integration. Der Evidenz entsprechend kann die Integration spezialisierter Palliativteams in die Behandlung onkologischer Patient:innen in Abhängigkeit von der Phase der Krebserkrankung (Nicht-Heilbarkeit) erfolgen und im Verlauf der Belastung bzw. dem Bedarf und den Bedürfnissen der Patient:innen und ihrer Angehörigen angepasst werden. Bei einer stadienabhängigen Integration ist die frühzeitige Beratung durch Mitglieder eines Palliativteams auch bei asymptomatischen, relativ unbelasteten Patient:innen von Nutzen ([83][84][75]). Für die Patient:innen und ihre Angehörigen ist es v.a. wichtig, von den Möglichkeiten und der Erreichbarkeit spezialisierter Palliativversorgung zu erfahren, Schwellenängste zu überwinden und die Möglichkeit zu haben, bisher nicht identifizierte bzw. berücksichtigte Patient:innenbedürfnisse in das Behandlungskonzept mit aufzunehmen ([85][83][86][75]).

Gesundheitsökonomische Effektivität

Es gibt eine zunehmende Anzahl an Literatur zu gesundheitsökonomischen Aspekten der Palliativversorgung. Der überwiegende Großteil der (wenigen) Studien wurden außerhalb des deutschen Gesundheitssystems durchgeführt. Es gibt nur wenige Studien in Deutschland. Aufgrund der sehr eingeschränkten Datenlage wurde entschieden, gesundheitsökonomische Aspekte in diesem Update nicht ausführlich zu behandeln und beim nächsten Update erneut zu prüfen, ob dann genug Datenmaterial zu Verfügung steht, um das Thema ausführlicher zu behandeln

In einer Analyse der gesundheitsökonomischen Effizienz unterschiedlicher SAPV Strukturen in Deutschland lassen die Ergebnisse aufgrund der Heterogenität der Angebote und methodischer Limitationen ebenso keine eindeutige Identifikation von Wirkfaktoren und kosteneffizientem Ressourceneinsatz bei beschriebener bemerkenswerter breiter Streuung der Parameter zu. Aber: alle Strukturen sind patient:innenbezogen als wirksam beschrieben [87]. 

Evidenzzusammenfassung zur Spezialisierten Palliativversorgung (SPV)

Im Folgenden werden alle systematische Reviews beschrieben, die Studien einschließen, die die Spezialisierte Palliativversorgung (SPV) struktur- (alle Versorgungsformen einschließend) und sektorenübergreifend (ambulant, stationär) auf Wirksamkeit prüfen – in der Regel gegen „standard/usual oncology care“. Einige dieser Studien untersuchen explizit die zeitgerechte Integration (u.a. „early palliative care“ - s.o.), auch diese Studien werden hier beschrieben. Einige Studien behandeln mehrere Krebsentitäten, manche nur einzelne. Die Vielfalt/Heterogenität ist groß, so dass sie hier zusammen beschrieben werden. Die Studien/Systematische Reviews, die nur eine Versorgungsform behandeln werden weiter unter in den Unterkapiteln zu der entsprechenden Versorgungsform aufgeführt und beschrieben.

Im Jahr 2025 wurde die systematische Recherche mit einer Suche nach systematischen Reviews von RCTs aktualisiert. Insgesamt konnten 8 neue systematische Übersichtsarbeiten eingeschlossen werden, die über 42 verschiedene RCTs und eine Gesamtzahl von über 5.514 Patient:innen mit unheilbaren Krebserkrankungen berücksichtigten. Da jede Übersichtsarbeit unterschiedliche Studien einschloss und keine vollständige Überschneidung der Studien bestand, werden im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse der inkludierten Reviews zusammengefasst.

Der Review von Hoomani et al. (2022) schloss 25 RCTs mit insgesamt 5.160 Patient:innen mit fortgeschrittener Krebserkrankung ein (OLoE: 1). Untersucht wurden vorrangig patient:innenrelevante Outcomes zur Lebensqualität zu unterschiedlichen Zeitpunkten [68]. Es zeigten sich signifikante Effekte zugunsten palliativmedizinischer Versorgung nach 1–3 Monaten, 4–7 Monaten sowie in Subgruppenanalysen für frühe, ambulante und end-of-life-Palliativversorgung. Bei Follow-up-Zeiträumen >10 Monate zeigte sich kein signifikanter Effekt. Weitere Outcomes wie Symptomlast oder psychische Belastung wurden nicht gepoolt ausgewertet.

Der Review von Kumari et al. (2024) untersuchte spezifisch Patient:innen mit fortgeschrittener gynäkologischer Krebserkrankung und deren Angehörige (OLoE: 1) [76]. Eingeschlossen wurden vier randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit 670 Probanden, von denen drei RCTs auch im Review von Hoomani et al. (2022) enthalten sind. Die Metaanalyse zeigte kleine Effekte zugunsten spezialisierter Palliativversorgung auf die Lebensqualität (SMD = 0,26; 95 %-KI: −0,29 bis 0,80) und die Symptomlast (SMD = −0,75; 95 %-KI: −1,75 bis 0,25). Effekte auf depressive Symptome bei Patient:innen und Angehörigen waren gering und statistisch nicht signifikant.

Kochovska et al. (2020) untersuchte die zeitgerechte Integration von Palliativversorgung bei Patient:innen mit Lungenkarzinom . Es konnte 11 RCTs eingeschlossen werden, zwei davon in einer Metaanalyse [60].  Es wird der potenzielle Nutzen einer rechtzeitigen Palliativversorgung hervorgehoben, aber die Heterogenität der Ergebnisse und Versorgungsmodelle schränkt die Schlussfolgerungen ein.

Byrne et al. (2022) berichten in ihrer Cochrane-Übersicht von einem erheblichen Mangel an Evidenz bezüglich der zeitgerechten Integration bei Patient:innen mit primären malignen Hirntumoren [57]. Sie schlossen lediglich eine kleine RCT-Studie (Zucchella 2013) ein, die sich auf die kognitive Rehabilitation innerhalb von 2 Wochen nach der Operation konzentrierte. Diese zeigte lediglich begrenzte Vorteile in der visuellen Aufmerksamkeit und verbalen Gedächtnisleistung, ohne Auswirkungen auf die Lebensqualität oder die Symptomkontrolle (OLoE : 2).

Die Metaanalyse von Huo et al. (2022) mit 16 eingeschlossenen RCTs belegt, dass palliativmedizinische Mitversorgung im Vergleich zur Standardonkologie oder bedarfsgerechter Palliativversorgung positive Auswirkungen auf die Lebensqualität (SMD = 0,737), die Symptomlast (SMD = 0,304), die Stimmung (SMD = -0,443) und die Überlebensraten (HR = 1,521) hat [88]. Zudem zeigte sich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, zu Hause zu sterben (HR = 1,153). Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse wird die Qualität der Evidenz mit Vorsicht betrachtet, da die Studien heterogen waren und für einige Ergebnisse nur eine begrenzte Anzahl von Studien vorlag (OLoE: 1). Cui et al. (2023) führten eine Metaanalyse durch, die 19 RCTs einbezog und ebenfalls die Vorteile der Frühintegration der Palliativversorgung hinsichtlich der Lebensqualität (SMD = 0,14) und der Symptomkontrolle (SMD = 0,14) bestätigte [58]. Allerdings zeigte sich kein signifikanter Einfluss der Frühintergration auf die Angstsymptomatik (MD = -0,10) oder die Überlebensraten (HR = 0,88). Diese Ergebnisse unterstützen die Frühintegration zur Verbesserung der Lebensqualität und der Zufriedenheit der Patient:innen, auch wenn die psychologischen Ergebnisse gemischte Resultate zeigten (OLoE: 1). Shih et al. (2022) lieferten weitere Bestätigungen der Wirksamkeit von Frühintegration, insbesondere bei der Verbesserung der Lebensqualität und der Symptomintensität über längere Zeiträume [61]. Ihre Analyse umfasste 12 RCTs (N = 2980) und ergab einen moderaten, aber konsistenten Nutzen für die Lebensqualität (SMD = 0,16 bei <3 Monaten und SMD = 0,26 bei >3 Monaten) sowie eine Reduktion der Symptomintensität (SMD = 0,18 bei >3 Monaten). Auch wenn die heterogene Studienpopulation die Interpretation erschwerte, bestätigten die Ergebnisse, dass die Frühintegration eine klinisch bedeutende Ergänzung zur Krebstherapie darstellt (OLoE : 1). Die Ergebnisse der Metanalyse von Gautama et al. (2023), die 12 RCTs (N = 2364) einbezog, stimmten mit den vorherigen Studien überein und zeigten eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität (SMD = 0,16) [62]. Allerdings wurden keine signifikanten Verbesserungen bei der Symptomkontrolle oder der Stimmung festgestellt, was die Notwendigkeit weiterer Forschung unterstreicht, um den Einfluss auf diese sekundären Outcomes genauer zu verstehen (OLoE : 1).

Im Vergleich zur vorherigen Recherche ([52][53][54][49][55][50][56]) zeigen die neueren Studien, dass die bereits belegten positiven Effekte auf Lebensqualität und Symptomkontrolle bestätigt und nun zusätzlich um Evidenz zu Überlebensraten und Sterben zu Hause erweitert wurden. Die zentrale Herausforderung bleibt jedoch die heterogene Studienlage und die Ableitung gezielter Empfehlungen.

Die vorliegende Evidenz bis 2019 wurde durch eine systematische Suche von systematischen Literaturübersichten zum Thema Wirksamkeit und Beschreibung der frühen Integration der Palliativversorgung ermittelt. Es konnten acht systematische Literaturübersichten in die Analyse eingeschlossen werden ([52][53][54][49][55][50][89][56]. Die systematische Literaturübersicht und Metaanalyse aus der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2017 analysiert die gleiche Zielgruppe wie die vorliegende Leitlinie ("incurable cancer") und schließt sieben RCTs (1.614 Patient:innen) ein, davon vier RCTs mit spezialisierter Palliativversorgung [55]. Sie beschreiben einen positiven, signifikanten Effekt durch die frühe Integration der Palliativversorgung auf die Lebensqualität (SMD 0,27; 95 % CI: 0,15 bis 0,38) und die Symptomintensität (SMD -0,23; 95 % CI -0,35 bis -0,10). Auch wenn sich die Effekte in der Metaanalyse als gering erwiesen, nehmen die Autoren an, dass diese klinisch relevant sind angesichts der Patient:innengruppe und Lebenssituation (nicht-heilbare Krebserkrankung mit in der Regel abnehmendem Funktionsstatus und Lebensqualität). Der Effekt auf die Mortalität (survival) und auf Depression ist uneinheitlich. Die Autoren raten zu einer vorsichtigen Interpretation, da die Studien sehr heterogen sind. Hoffnungsvoll stimmt die Tatsache, dass für die vorliegende Fragestellung derzeit viele RCTs durchgeführt werden, so dass sich die Studienevidenz mit deren Ergebnissen weiter verbessern wird, offene Fragen geklärt bzw. differenziert werden können, um so Empfehlungen für die klinische Versorgung mit größerer Sicherheit aussprechen zu können [55].

Die weiteren systematischen Übersichtsarbeiten unterstützen die Wirksamkeit der frühen Integration der Palliativversorgung [54] [49][56]. Gärtner et al. fokussiert auf die spezialisierte Palliativversorgung (SPV) nach dem Kriterium des multiprofessionellen Teams als Kernelement der SPV (gleiche Definition wie die vorliegende Leitlinie) und schließt alle Studien im Krankenhaus, Hospiz und der ambulanten Versorgung ein ([49]). Es konnten 12 Studien eingeschlossen werden (n = 2.454 Patient:innen, 72 % mit einer Krebserkrankung) und in einer Metaanalyse von sieben RCTs wurde ein positiver Effekt durch die SPV auf die Lebensqualität beschrieben (SMD 0,16; 95% CI 0,01 bis 0,31). Der Effekt war bei Patient:innen mit einer Krebserkrankung und bei der frühen Integration der Palliativversorgung jeweils größer. Die Systematische Übersichtsarbeit von Davis et al. schloss 15 RCTs für Ambulanzen und 13 RCTs für die häusliche Versorgung ein, die Arbeit von Tassinari konnte neun RCTs und zwei prospektive Kohortenstudien analysieren - beide Arbeiten führten jedoch keine Metaanalyse durch ([54][56]).

Drei systematische Übersichtsarbeiten beschreiben die verschiedenen Konzepte der Integration, wobei Dalgaard et al. auch Studien zu nicht-onkologischen Patient:innengruppen einschlossen ([53][90][51]). Dalgaard beschreibt drei verschiedene Arten von Konzepten zur Umsetzung der Integration: 1. nach dem Krankheitsverlauf, 2. mittels Integrationsinstrumenten und 3. mittels Prognose-Instrumenten ([53]). Allen drei Konzept-Arten gemeinsam ist zentrale Stellung der Prognose auf der Basis der Erfassung des Funktionsstatus und der Bedürfnisse von Patient:innen und Angehörigen. Die beiden umfassenden und systematischen Literaturübersichten von Hui et al. beschreiben Indikatoren für die Integration der Palliativversorgung (101 Artikel, d.h. Originalstudien, Reviews etc. bis hin zu Editorials), sowie Kriterien für die Auswahl geeigneter Patient:innen (21 Artikel) - letztere mit einem Fokus auf die Palliativversorgung in Ambulanzen ([90][51]). Zentrales Ergebnis ist auch hier die große Bandbreite und Heterogenität in den Konzepten, Versorgungsangeboten, Überweisungs- bzw. Einschlusskriterien (inkl. Zeitpunkt). Beide Arbeiten - gemeinsam mit Anderen - sollen als Grundlage für die zukünftige Entwicklung von Standards zur Integration der Palliativversorgung dienen.

Eine weitere systematische Übersichtsarbeit untersuchte beschreibend Studien zur Situation der Integration der Palliativversorgung in die Intensivmedizin (Intensivstation) [52]. Ebenso erarbeitete eine andere systematische Übersicht auf Basis von acht klinischen Versuchen erste Hinweise, dass eine palliativmedizinische Beratung auf der Intensivstation bei vergleichbarer Mortalität zu einer Verminderung der Verweildauer und der Kosten beitragen kann [91]. Eine Metaanalyse untersuchte sechs Kohortenstudien mit über 130.000 Patient:innen verschiedener Indikationsgebiete, darunter über 40 % an Krebs Erkrankte. Die Studie zeigte, dass eine frühe palliative Konsultation im Krankenhaus die Kosten senken kann und die Reduktion bei Patient:innen mit Krebserkrankung größer ausfällt [92].

Die sektorenübergreifende Palliativversorgung (d. h. zwischen den Sektoren „ambulant“ und „stationär“) zeigt sich in der klinischen Praxis als eine wichtige Voraussetzung für eine kontinuierliche Betreuung des Patient:innen und seiner Angehörigen. Hierbei ist eine gute Zusammenarbeit zwischen diesen Sektoren und den Versorgern der APV und SPV nötig – die bei dem sektoralen deutschen Gesundheitssystem immer wieder eine Herausforderung für alle Beteiligten darstellt. Ein enger Austausch mit einem funktionierenden Informationsfluss hat sich dabei in der Praxis als hilfreich erwiesen.

In der vorhergehenden Recherche haben wenige Studien die Wirksamkeit der Palliativversorgung sektorenübergreifend untersucht [85][93][94] [95]. In den meisten dieser Studien werden sektorenübergreifende Strukturen der spezialisierten Palliativversorgung (SPV) beschrieben, allerdings besteht nicht bei allen internationalen Studien die Möglichkeit der genauen Differenzierung zwischen APV und SPV. Alle Interventionen wurden sowohl im stationären (Palliativstation oder Palliativdienst) als auch im ambulanten Bereich (zu Hause oder im Rahmen von Palliativambulanzen) von multiprofessionellen Teams durchgeführt und jeweils gegenüber einer sogenannten Standardversorgung verglichen. Zwei dieser Studien (drei Publikationen) sind auf die heutige Palliativversorgungssituation in Deutschland nur sehr eingeschränkt anwendbar und übertragbar, da sie beide in den 1980er Jahren ein sogenanntes hospice program in den USA bzw. in Australien evaluiert haben [93][94][95]. Demgegenüber spiegelt die Studie von Zimmermann et al., die 2014 im Lancet publiziert wurde, die auch in Deutschland angebotenen Palliativversorgungsstrukturen relativ gut wider [85]). Als sektorenübergreifende Intervention schließt diese Studie alle in diesem Kapitel SPV aufgeführten Strukturen und Interventionen ein (bis auf die des stationären Hospizes, die eine typisch deutsche Struktur ist, kein internationales Pendant hat und sich deshalb in der internationalen Literatur auch nicht widerspiegeln kann). 461 Krebspatient:innen mit verschiedenen Tumorentitäten konnten in die Studie eingeschlossen werden und 393 dieser Patient:innen mindestens ein Follow-up beschreiben. Als primäres Outcome wurde Spiritual Wellbeing (FACIT-Sp) nach drei Monaten gewählt. Die Interventionsgruppe zeigte zwar eine Verbesserung bzgl. dieses Outcomes gegenüber der Kontrollgruppe, diese Differenz war allerdings nicht statistisch signifikant (3,56 points [95 % CI –0,27 to 7,40], p = 0,07). Allerdings zeigte sich eine signifikante Verbesserung für Lebensqualität am Lebensende [QUAL-E; (2,25 [0,01 to 4,49], p = 0,05)] und für Zufriedenheit [FAMCARE-P16; (3,79 [1,74 to 5,85], p = 0,0003)]. Ein Unterschied in der Symptomkontrolle (ESAS) oder der Interaktion zwischen Patient:in und Professionellen (CARES-MIS) konnte nicht festgestellt werden. Nach vier Monaten zeigten für die Interventionsgruppe alle Outcomes (bis auf CARES-MIS) eine signifikante Verbesserung an.

Zwei weitere systematische Übersichtsarbeiten, die SPV übergeordnet in den Blick nehmen, indem sie Studien zu einer speziellen Struktur der SPV einschließen (Palliativstation, ambulante spezialisierte Palliativversorgung etc.) und diese gemeinsam untersuchen, um so Aussagen zu SPV im Allgemeinen zu machen sind von Folgende:

Ein Systematic Review von Zimmermann et al. 2008 von 22 RCTs untersucht die Effektivität von spezialisierter Palliativversorgung auf die Outcomes Lebensqualität, Zufriedenheit und Kosten bei Patient:innen mit palliativmedizinischen Bedürfnissen [96]. Grundsätzlich ist der Effekt von SPV gering, mit den besten Ergebnissen für das Outcome „Familienzufriedenheit mit der Patientenversorgung“ (sieben von zehn Studien ([97][98][99][100][95][101]). Dennoch ist die Qualität der Evidenz durch methodologische Schwäche der eingeschlossenen Studien begrenzt (Verzerrung [Bias] und keine statistische Power). Es ist schließlich anzumerken, dass der Begriff SPV im Review von Zimmermann et al. breiter gefasst ist und z. T. auch Interventionen einschließt, die nach dem Verständnis der vorliegenden Leitlinie als APV gelten. Eine Übertragung der Ergebnisse ist von daher nur begrenzt möglich und sinnvoll.

Ein weiterer Systematic Review von Higginson et al. 2010 mit acht RCTs und 32 Beobachtungs- oder quasiexperimentellen Studien unterschiedlicher Evidenzqualität [64] untersucht SPV im Krankenhaus, als Palliativdienst oder ambulante häusliche Versorgung bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung. Die Übersichtsarbeit zeigt die beste Evidenz für die Besserung von Schmerz- und Symptomkontrolle ([93][102][103][104][105][106][107][108][109][110] [111][112][113][114][115][116][117][118][119]), für die Minderung von Krankenhauseinweisungen oder –aufenthalten bzw. für das Sterben im häuslichen Umfeld [120]; [69]; [121]; [122] und z. T. auch für Angehörigenoutcomes. Manche Studien zeigen eine Besserung der Zufriedenheit von Patient:innen und/oder Angehörigen [71][93][102][123][124]  sowie der Angst und Depressionen [105][110][125][107][126][75][127].

Der Einfluss der Interventionen auf die Lebensqualität ist in den meisten Studien gering. In diesem Review wird SPV enger definiert: Es soll von einem Team mit zumindest zwei Mitgliedern – davon einem mit spezialisierter Qualifikation in Palliativmedizin – angeboten werden. In den meisten eingeschlossenen RCTs besteht dieses Team mindestens aus spezialisierten Ärzt:innen und Pflegefachpersonen, ggf. aus weiteren Berufsgruppen

Ein Systematic Review von sechs früheren Systematic Reviews sowie einem RCT, einer prospektiven Kohortenstudie, einer Querschnittstudie und einer Studie zur Kostenanalyse untersucht die Überlegenheit einer bestimmten SPV-Struktur über andere  [63]. Dennoch können zu dieser Frage aufgrund methodologischer Schwäche der Studien und Heterogenität der Interventionen keine Schlussfolgerungen gezogen werden.

 

In den folgenden Kapiteln werden die spezialisierten Strukturen der Palliativversorgung (SPV) einzeln behandelt und die dazugehörigen Wirksamkeitsstudien aufgeführt:

  • Palliativstation
  • Palliativdienst im Krankenhaus
  • Ambulante spezialisierte Palliativversorgung
  • Spezialisierte Palliativambulanz
  • Palliativmedizinische Tagesklinik und Tageshospiz

5.4.3.1 Palliativstation

5.9 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Eine Palliativstation soll folgende Komponenten einer Behandlung anbieten:

  • Erfassung der Symptome und Bedürfnisse in allen vier Dimensionen von Patienten und ihren Angehörigen und ergänzenden Komplexitätsschätzung
  • Behandlung von Symptomen und Problemen in allen vier Dimensionen
  • Regelmäßige Evaluation des Therapieplans durch Einsatz patient:innenzentrierter und angehörigen-zentrierter Outcome-Messung
  • Ressourcenorientierte Unterstützung der Patient:innen und seiner Angehörigen, v. a. bei der Therapiezielfindung und der Krankheitsauseinandersetzung
  • Palliativversorgung auch im Sinne von Entlastungsbetreuung
  • Vorausschauende Versorgungsplanung
  • Koordination bzw. Organisation der Palliativversorgung
  • Begleitung durch befähigte Ehrenamtliche
  • Begleitung in der Sterbephase
  • Rituale des Abschiednehmens und Erinnerns
  • Vermittlung von Trauerbegleitung
Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.10 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Palliativstation soll als eigenständige organisatorische und räumliche Einheit umgesetzt werden. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.11 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Zur Sicherstellung einer qualifizierten Behandlung auf einer Palliativstation soll ein ärztlicher und pflegerischer Dienst mit einer spezialisierten palliativmedizinischen Qualifikation für 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche zur Verfügung stehen. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen

* Bei den Empfehlungen dieses Kapitels mit einem SIGN-LoE 4 wurde eine systematische Literaturrecherche nur für RCTs, CCTs, kontrollierte Prä-Post-Studien und ITS (interrupted time series), d. h. für ein Level-of-evidence 1 bis 2 nach SIGN, durchgeführt. Bei LoE 4 (Expertenmeinung) wurden also die SIGN-Stufen 2 (zum Teil) und 3 übersprungen und dafür keine ergänzende Literatursuche durchgeführt, da Aussagen über die Wirksamkeit von Interventionen auf der Basis von SIGN-Stufen 2 und 3 nicht getroffen werden können.

Hintergrund 

Eine Palliativstation als eine Form der stationären, spezialisierten Palliativversorgung ist Teil eines Krankenhauses und steht für Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung und begrenzter Lebenszeit zur Verfügung, mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität. Voraussetzung für eine Aufnahme auf eine Palliativstation ist eine Krankenhausbehandlungsbedürftigkeit.

Palliativstationen, als spezialisierte Form der stationären Palliativversorgung, stellen einen in besonderem Maße geschützten Raum für Betroffene dar. Gleichzeitig gehören Palliativstationen zur palliativmedizinischen Maximalversorgung. Deshalb ist – vergleichbar einer Intensivstation in der Inneren Medizin oder Stroke Unit (Schlaganfallstation) in der Neurologie – ein vielfältiges Spektrum an hochspezifischen Interventionsmöglichkeiten auch kurzfristig verfügbar vorzuhalten. Die Evidenz in der Literatur gibt nur vereinzelt Hinweise auf spezifische Wirkfaktoren. Zudem limitiert der Einfluss regionaler und nationaler gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen die Generalisierbarkeit der Untersuchungen. Insgesamt ist also die Evidenzbasierung für Palliativstationen schwach. Allerdings gibt es in der Literatur Daten zur Beeinflussung klinisch relevanter Faktoren wie zum Opioid-Verbrauch oder zur Reduktion von „aggressiven Behandlungen“ [128], [129] und der Beeinflussung patientenbezogener Ergebnisse wie Lebensqualität [130] durch die Behandlung auf einer Palliativstation. Neben den klinischen Effekten sind auch ökonomische Effekte im Sinne einer Kostenreduktion beschrieben [131], [132]. 

Eine Indikation zur Aufnahme eines Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung auf eine Palliativstation ist gegeben, wenn grundsätzlich eine stationäre Behandlungsbedürftigkeit besteht und eine komplexe Symptom- oder Problembelastung besteht, Unsicherheiten bezüglich des Therapieziels gegeben sind, eine aufwändige medizinische oder pflegerische Versorgung benötigt wird oder eine Überforderung oder Unsicherheit der häuslichen Versorgung vorliegt.

Die individuell empfundene Symptombelastung ist Grundlage einer bedarfsgerechten Zuweisung. In den Studien ist die Kapazität der palliativstationären Behandlung zum Problemlösen belegt [133]. Für die Versorgungspraxis muss Symptombelastung präzisiert werden: Entscheidende Kriterien für die Zuweisung können – wie in der SAPV – die Komplexität mehrerer gleichzeitig bestehender Probleme, die Intensität einer Belastung in einer einzelnen Symptomdimension und der erwartete Aufwand der zu leistenden Versorgung sein. 

  • Komplexe Symptom- oder Problembelastung: Die komplexe Symptom- oder Problembelastung setzt sich aus zwei grundsätzlichen Dimensionen zusammen: der Intensität und der Simultanität von Beschwerden. Die Intensität einer Symptombelastung, wie z. B. bei Schmerz oder Atemnot erfordert bei höheren Schweregraden ein schnelles, kontinuierliches und nachhaltiges Handeln wie z. B. die evtl. notwendige schnelle Titration von Opioiden unter kontrollierten Bedingungen. Um das angemessen umsetzen zu können, benötigt es einen strukturell abgesicherten therapeutischen Rahmen, der ausreichend Zeit für Patientenbeobachtung und emotional stützenden Kontakt sowie die notwendige fachliche Qualifikation und Handlungskompetenz bietet. Dies ist Auftrag einer Palliativstation. 
  • Unsicherheiten bezüglich des Therapieziels: Bei ethisch komplexen Fragestellungen oder hoher Ambivalenz im Festlegen der Therapieziele kann die Palliativstation den emotional „geschützten“ Raum bieten, um eine Annäherung an Dilemmasituationen und das Kennenlernen neuer Handlungsoptionen zu bieten. Als Beispiel sei der Umgang mit parenteraler Ernährung genannt. Der Verzicht auf eine bilanzierte, aber nicht indizierte Ernährungstherapie wird häufig als emotional belastend von Patient:innen und Angehörigen empfunden. Durch Moderation des Entscheidungsfindungsprozesses, das Kennenlernen alternativer Unterstützungsmöglichkeiten und emotionaler Stützung der Zulässigkeit des Gedankens, Therapieziele zu ändern, kann auf einer Palliativstation eine Befähigung im Umgang mit diesen Themen erreicht werden, die auch in einer Anschlussbehandlung, z. B. im häuslichen Umfeld, fortgesetzt werden kann. 
  • Aufwändige medizinische oder pflegerische Versorgung: In der Palliativversorgung erfordern bestimmte Situationen wie z. B. die Wundbehandlung bei exulzerierenden Tumoren oder die Lagerung bei massiver Hirndrucksymptomatik und Luftnot mit Angststörung hohe zeitliche Ressourcen und fachliche Kompetenz von mehreren Vertretern verschiedener Berufsgruppen gleichzeitig. Adäquate Voraussetzungen dafür sollten auf einer Palliativstation gegeben sein. 
  • Überforderung oder Unsicherheit der häuslichen Versorgung: Wenn auch ambulante spezialisierte Palliativversorgung nicht mehr ausreicht, um eine häusliche Versorgung adäquat zu gewährleisten, kann die Palliativstation der angemessene Ort sein, um die oftmals dann emotional angespannte Situation für Patienten und Angehörige zu beruhigen. 

Die Vielfältigkeit der oben aufgeführten Belastungen, die ihren Ursprung in jeder der palliativmedizinisch relevanten Dimensionen haben können – in der medizinisch-pflegerischen, psychologischen, sozialen und spirituellen Ebene –, erklärt warum das Zusammenwirken im Team von besonderer Bedeutung ist. Alle Angebote der Palliativstation erfordern eine multiprofessionelle Perspektive: die Erfassung der Symptome und Bedürfnisse (in den vier Dimensionen) von Patient:innen und ihren Angehörigen, die Behandlung von Symptomen und Problemen in allen vier Dimensionen, die Unterstützung d. Patient:in und seiner Angehörigen im Krankheitsverständnis und die ressourcenorientierte Unterstützung d. Patient:in und seiner:ihrer Angehörigen bei der Krankheitsbewältigung (coping) und der Therapiezielfindung.

Eine Besonderheit bietet das Angebot der medizinischen und pflegerischen Versorgung, im Sinne von Entlastungsbetreuung (Respite Care), das speziell die Aufnahme d. Patient:in zur Entlastung der Primärpflegenden für einen begrenzten Zeitraum beschreibt. Grund für die Aufnahme ist hier nicht nur die akute Belastung, sondern die nachhaltige Befähigung des Systems durch vorübergehende Unterbrechung und Entlastung von der Pflegeverantwortung der Primärpflegenden. Aus diesem Grund ist dies die Aufgabe einer Palliativstation und kann meistens von einem stationären Hospiz oder einer Pflegeeinrichtung nicht geleistet werden.

Die Behandlung auf einer Palliativstation benötigt die Präsenz qualifizierter und kompetenter Ansprechpartner für jedes Aufgabengebiet. Das Zusammenwirken im multiprofessionellen Team ist eine entsprechende Grundvoraussetzung. Die spezialisierte Teamkompetenz entsteht durch strukturiertes, aktiv gefördertes und qualifiziert geleitetes Zusammenwirken der verschiedenen Berufsgruppen. Da die Krankheitsverläufe in der spezialisierten Palliativversorgung eine hohe Variabilität und Dynamik aufweisen, ist eine ausreichende Personalausstattung in Zahl, Qualifikation und Multiprofessionalität 24-stündig zu gewährleisten.

Anhaltswerte für eine ausreichende Personalausstattung (nach Empfehlung der DGP): 

  • Anzahl:

o Mindestens 1,2 Pflegestellen/aufgestelltes Patient:innenbett

o 0,2 Vollzeitäquivalent Ärzt:in/aufgestelltes Patient:innenbett

o 0,2 Vollzeitäquivalent Vertreter der weiteren Therapiebereiche/aufgestelltes Patientenbett, wie z. B. Sozialdienst, Psychologie, Physiotherapie, Ergotherapie,  Künstlerische Therapien (Kunst-, Musiktherapie u.a.), Case Management, Seelsorge, Apotheker:innen

o Die ärztliche und pflegerische Leitungsfunktion und damit verbundene Strukturierung und Pflege der Teamprozesse benötigt weitere je 0,1 VZÄ/aufgestelltes Patient:innenbett.  

Anhaltswerte für eine ausreichende Personalausstattung (entsprechend DGP)
Anhaltswerte für eine ausreichende Personalausstattung (entsprechend DGP)

VZÄ = Vollzeitäquivalent

Annahmen:

  • Wochenarbeitszeit 39h
  • Ausfallzeit (siehe Berechnung) 20,7%

  • Qualifikation: Der Anteil von berufsspezifisch curricular in Palliativversorgung und Palliativmedizin spezialisierten Mitarbeitern sollte > 75 % sein. 
  • Verfügbarkeit

o Tägliche 24 Stunden verfügbare Ruf- und Einsatzbereitschaft in spezialisierter Palliativversorgung erfahrener Ärzt:innen

o Tägliche 24 Stunden verfügbare Präsenz in spezialisierter Palliativversorgung erfahrener Pflegefachpersonen

o Kurzfristig und regelmäßig verfügbare Angebote der in spezialisierten Palliativversorgung erfahrenen Vertreter der weiteren therapeutischen Bereiche

Weiteres: Regelmäßige externe Teamsupervision 

Neben der spezifischen Kompetenz des multiprofessionellen Kernteams der Palliativstation ist die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit wichtiges Kennzeichen einer umsichtigen Therapieplanung und -durchführung – für onkologische Patient:innen sei beispielweise die gemeinsame Erörterung in Tumorboards genannt.

Die räumliche Gestaltung einer Palliativstation ist ein eigenständig wirksamer therapeutischer Faktor, da die therapeutische Flexibilität in der konventionellen Krankenhausbehandlung häufig durch die rein funktionsorientierte Umgebung limitiert wird. So ist in vielen Allgemeinstationen ein unkompliziertes Dabei-Sein von Angehörigen – auch über Nacht – nicht möglich. Die Einbindung von Angehörigen, das Prinzip der Anleitung und Befähigung zur Alltagsgestaltung trotz bestehender und im Verlauf fortschreitender Defizite, benötigen eine spezifische strukturell räumliche Unterstützung, die es erlaubt, den Alltag zu simulieren und gleichzeitig Rückzugsmöglichkeiten und Schutz der Privatsphäre bietet. Dazu gehört die bedarfsgerechte Unterbringung im Einzelzimmer, die Möglichkeit für Angehörige mit zu wohnen (Rooming-in), die Ausstattung der Begegnungsräume und die Erreichbarkeit von Außenbereichen (Planungshilfe DGP).

Evidenzzusammenfassung 

Wegen Mangel an Studien zur Palliativstation (quantitativ und qualitativ) ist die Aussagefähigkeit zur Wirksamkeit beschränkt und basiert überwiegend auf der klinischen Evidenz (Erfahrung). Es liegt keine Studie vor, die eine Palliativstation als singuläre Intervention evaluiert, sondern nur in Kombination mit anderen Strukturen (gemeinsam mit home care bei Greer et al. [133] bzw. gemeinsam mit Palliativdienst und home care in Kane et al. [134], [135]). Allein die Daten von zwei prospektiven Studien mit 887 Patienten, deren Behandlungsart am ehesten der Struktur einer deutschen Palliativstation entspricht, können mit großer Einschränkung (methodisch und inhaltlich) zur Untersuchung der Effektivität einer Palliativstation im Vergleich zu konventioneller Behandlung in der Terminalphase ausgewertet werden. Eine Studie erfüllte methodisch die Kriterien eines RCT und erreicht LoE 1- [134], [135], die andere basiert auf einem quasi-experimentellen Ansatz mit LoE 2+ [133]. Die Studien beschreiben eine Überlegenheit der Behandlung auf Palliativstationen in der Effektivität der Linderung einzelner Symptome zu bestimmten Zeitpunkten im Behandlungsverlauf, allerdings nicht durchgängig. Die Behandlungszufriedenheit der Patienten selbst bzw. der Angehörigen weist zu bestimmten Zeitpunkten ebenso eine Überlegenheit der Behandlung auf Palliativstationen gegenüber der konventionellen Krankenhausbehandlung aus. Die Inanspruchnahme aggressiver Therapien und Diagnostik fällt auf Palliativstationen geringer aus. Kostenunterschiede zwischen konventioneller und palliativversorgerischer Krankenhausbehandlung werden nicht detektiert.

Im Rahmen der Aktualisierung 2025 wurde eine umfassende, übergreifende Recherche durchgeführt. Dabei konnten jedoch keine neuen systematischen Reviews zur Wirksamkeit von Palliativstationen identifiziert werden. Die Ergebnisse der bisherigen Recherchen bleiben somit weiterhin gültig.

5.4.3.2 Palliativdienst im Krankenhaus

5.12 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Jedes Krankenhaus, das Patienten wegen einer nicht heilbaren Krebserkrankung behandelt, soll einen Palliativdienst anbieten. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.13 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und komplexen Belastungen sollen während eines stationären Aufenthaltes durch einen Palliativdienst mitbehandelt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2

Literatur ergänzt mit Downgrading aufgrund der Inkonsistenz der Evidenz und des hohen Risiko für Bias

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[123] [136] [80] [137]
ÄnderungshinweisPatienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung soll während eines stationären Aufenthaltes Kontakt mit einem Palliativdienst angeboten werden. (A, 1+)
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.14 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein Palliativdienst soll folgende Komponenten einer Behandlung anbieten:  

  • Erfassung der Symptome und Bedürfnisse in allen vier Dimensionen von Patient:innen und ihren Angehörigen 
  • Behandlung von Symptomen und Problemen in allen vier Dimensionen 
  • Ressourcenorientierte Unterstützung d. Patient:in und seiner Angehörigen, v. a. bei der Therapiezielfindung und der Krankheitsauseinandersetzung 
  • Vorausschauende Versorgungsplanung 
  • Koordination bzw. Organisation der Palliativversorgung 
  • Mitbegleitung in der Sterbephase 
  • Rituale des Abschiedsnehmen und Erinnerns 
  • Vermittlung von Trauerbegleitung 
  • Unterstützung der Mitglieder des primären Behandlungsteams 
Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.15 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Beratung und Mitbehandlung durch den Palliativdienst soll in enger Abstimmung mit dem primär behandelnden Team erfolgen. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.16 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Das Team eines Palliativdienstes sollte folgende Maßnahmen zur Sicherstellung der Prozessqualität durchführen: 

  • Austausch mit zuweisenden und weiterführenden Behandelnden und Abstimmung mit stationären und ambulanten Versorgungs- und Therapieangeboten 
  • Multiprofessionelle, regelmäßige Teamtreffen zur Fallbesprechung 
  • Gemeinsame multiprofessionelle Dokumentation 
  • Angebot einer externen Supervision für alle Teammitglieder 
Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen

*Bei den Empfehlungen dieses Kapitels mit einem SIGN-LoE 4 wurde eine systematische Literaturrecherche nur für RCTs, CCTs, kontrollierte Prä-Post-Studien und ITS (interrupted time series), d. h. für ein Level-of-evidence 1 bis 2 nach SIGN, durchgeführt. Bei LoE 4 (Expertenmeinung) wurden also die SIGN-Stufen 2 (zum Teil) und 3 übersprungen und dafür keine ergänzende Literatursuche durchgeführt, da Aussagen über die Wirksamkeit von Interventionen auf der Basis von SIGN-Stufen 2 und 3 nicht getroffen werden können.

Hintergrund 

Ein Palliativdienst ist eine Form der stationären, spezialisierten Palliativversorgung und behandelt Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung und begrenzter Lebenszeit, die nicht auf einer Palliativstation behandelt werden. Ein Palliativdienst steht zur begleitenden Mitbehandlung (ein- oder mehrmalige Visiten) mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität zur Verfügung.

Ein Palliativdienst im Krankenhaus ist ein multiprofessionelles, spezialisiertes Team, das eine spezialisierte Palliativbetreuung für stationäre Patienten außerhalb einer Palliativstation anbietet [138]. Dies impliziert eine kontinuierliche, palliativmedizinische Beratung und Mitbehandlung im Falle komplexer Symptome und Bedürfnisse. Damit entsprechen Inhalte und Struktur des Palliativdienstes eher dem in der psychiatrischen/psychotherapeutischen Versorgung etablierten Begriff des „Liaisondienstes“, welcher über eine rein beratende, kurzfristig ausgelegte Konsiltätigkeit im engeren Sinne hinausgeht. Deshalb wurde auf den oft verwendeten Begriff „Konsildienst“ für den Zweck dieser Leitlinie verzichtet. In der deutschen und internationalen Literatur werden mit dem Begriff des Palliativdienstes auch sektorenübergreifend oder ausschließlich ambulant arbeitende Dienste bezeichnet [139]. Weitere Bezeichnungen wie „Palliativmedizinischer Konsildienst“, „Palliative Care Consultation Service“, „Inpatient Palliative Care Team“ oder „Hospital Support Team“ spiegeln unterschiedliche Nuancierungen in Tätigkeitsinhalten und Arbeitsweise wider.

Für die Finanzierung von Palliativdiensten im Krankenhaus steht seit 2017 eine OPS (8-98h) mit einem Zusatzentgelt (ZE133/134) zu Verfügung, der krankenhausindividuell ausgehandelt werden muss (Stand: 2024/2025). Der Dienst kann als interner oder als externer Palliativdienst angeboten und abgerechnet werden.

Palliativdienste haben bei Patient:innen mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung positive Effekte auf klinische (z. B. Symptomkontrolle, Lebensqualität) und strukturelle (z. B. Liegedauer, Kosten) Parameter [80], [140], [123], [136] (siehe auch Evidenzzusammenfassung). Daher sollen Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und relevanter Progressionswahrscheinlichkeit während eines stationären Aufenthaltes einem Palliativdienst vorgestellt werden. Es existieren zwei unterschiedliche Konzepte, die hier integriert werden: ein frühzeitiges, vom Tumorstadium abhängiges Vorgehen (entsprechend den ambulanten „Early-integration“-Konzepten analog der Studie von Temel et al.[141], [142]) und ein bedürfnisorientiertes Vorgehen, welches eine komplexe, palliativmedizinisch relevante Problematik und eine entsprechend vorliegende Unterstützungsbedürftigkeit voraussetzt.

In jedem Krankenhaus, in dem Patient:innen mit nicht-heilbaren Erkrankungen behandelt werden, ist das Vorhandensein eines Palliativdienstes ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Behandlung. Kleinere und nahe gelegene Krankenhäuser (z. B. in derselben Stadt), deren Patient:innenzahl für das Betreiben eines Palliativdienstes zu gering ist, können sich auch einen Palliativdienst teilen. Für Krankenhäuser mit einer Palliativstation ergänzt der Palliativdienst die Palliativstation. Für Krankenhäuser ohne eine Palliativstation ist eine enge Kooperation mit einer Palliativstation in einem nahegelegenen anderen Krankenhaus notwendig. Die retrospektive, beschreibende Querschnittsstudie von Gärtner et al. [143] beschreibt und vergleicht klinische und strukturelle Merkmale einer Palliativstation mit einem Palliativdienst und kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Koexistenz beider palliativmedizinischer Bereiche aufgrund der gefundenen Unterschiede und der sich ergänzenden Aufgabenbereiche berechtigt und sinnvoll ist.

Ein Palliativdienst sollte d. Patientinnen und seinen Angehörigen sowie dem primären Behandlungsteam ein breit gefächertes Unterstützungsangebot im Hinblick auf Symptomkontrolle, Therapiezielklärung, Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung, u. v. m. machen. Ob einzelne Palliativdienstangebote (Interventionen) oder Teamkonstellationen weniger oder stärker wirksam sind, muss noch in Studien geklärt werden [140]. 

Ein Palliativdienst sollte dafür folgende Strukturqualitätskriterien erfüllen: eigenständiges multiprofessionelles Team mit mindestens drei Berufsgruppen (Ärzt:innen, Pflegefachpersonen und ein Vertreter eines weiteren Therapiebereiches) und angemessener Infrastruktur wie  Raum für Besprechungen und Dokumentation.

Die Krankheitsverläufe von Patient:innen mit nicht-heilbaren Krebserkrankungen sind gekennzeichnet von Phasen zunehmender, aber auch stabiler oder wechselnder Krankheitsaktivität. Die palliativmedizinisch relevanten Bedürfnisse von Krebspatienten variieren dabei. Daher sollte das Palliativdienstteam aus erfahrenen, spezialisierten Palliativmediziner:innen, Pflegefachpersonen und eine:m Mitarbeiter:in der psychosozialen Berufsgruppen besetzt sein [138], [144], damit eine umfassende, spezialisierte Palliativversorgung außerhalb einer Palliativstation angeboten werden kann. Ein erweitertes Team je nach Krankenhaussetting könnte z. B. aus Seelsorgenden, Sozialarbeitenden, Apotheker:innen, Physiotherapeuten, Ergotherapeut:innen, künstlerischen Therapeut:innen (Kunst-, Musiktherapeuten u.a.) und Case Manager:innen bestehen. Ob eine Konstellation besser als eine andere ist, ist noch unklar.

Das Zusammenwirken im multiprofessionellen Team ist, wie auf der Palliativstation, eine wichtige Grundvoraussetzung. Durch strukturiertes und qualifiziert geleitetes Zusammenwirken der verschiedenen Berufsgruppen entsteht die spezialisierte Teamkompetenz des Palliativdienstes, die folgende Maßnahmen beinhalten sollte:

  • Individualisierte Therapieplanung
  • Regelmäßige Evaluation des Therapieziels
  • Regelmäßige Evaluation der durchgeführten Behandlungsmaßnahmen
  • Multiprofessionelle, regelmäßige Teamtreffen zur Fallbesprechung
  • Gemeinsame multiprofessionelle Dokumentation
  • Angebot einer externen Supervision für alle Teammitglieder:innen

Da die Arbeitsweise des Palliativdienstes (kontinuierliche, multiprofessionelle, palliativmedizinische Beratung und Mitbehandlung im multiprofessionellen Team) sich von der Konsiltätigkeit anderer Fachbereiche unterscheidet, sollten Teamstruktur, Indikation und Erreichbarkeit des Palliativdienstes klar definiert werden. Der enge Austausch mit dem primären Behandlungsteam und die gemeinsame Definition des individuellen Therapieziels für d. Patient:innen stellen hierfür eine Grundvoraussetzung dar [144]. 

Evidenzzusammenfassung 

Im Rahmen der systematischen Recherche aus dem Jahr 2025 wurde ein Cochrane Review und Meta-Analyse von Bajwah et al., 2020 [137] (OLoE: 1) identifiziert, dass die Wirksamkeit und Kosten-Effektivität der hospitalbasierten SPV (Palliativdienst im Krankenhaus für Erwachsene mit fortgeschrittener Erkrankung sowie deren Angehörige untersuchte. Diese Übersichtsarbeit umfasste 42 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 7779 Teilnehmenden (21 RCTs mit Krebspatient:innen, 14 mit nicht-onkologischen Patient:innen & 7 mit gemischter Patient:innengruppe). Es zeigte sich ein signifikanter, kleiner positiver Effekt des Palliativdienstes auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SMD = 0,26; 95 % KI 0,15 bis 0,37; 10 Studien; 1344 Patient:innen), die Symptomlast (SMD = –0,26; 95 % KI –0,41 bis –0,12; 6 Studien; 761 Patient:innen) sowie die Patient:innenzufriedenheit (SMD = 0,36; 95 % KI 0,14 bis 0,57; 2 Studien; 337 Patient:innen). Zudem war die Wahrscheinlichkeit, zu Hause zu versterben, unter HSPC signifikant höher als unter Standardversorgung (OR = 1,63; 95 % KI 1,23 bis 2,16; 7 Studien; 861 Patient:innen). Für die Belastung der Angehörigen (2 Studien; 170 Angehörige), die Schmerzintensität (4 Studien; 525 Patient:innen) sowie die Kosten zeigte die Metaanalyse hingegen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Versorgungsformen. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien wurde insgesamt als niedrig bis sehr niedrig bewertet, da in 40 der 42 Studien ein hohes Verzerrungsrisiko in mindestens einem Bewertungsbereich vorlag (downgrading Oxford 2).

Des Weiteren wurden in vorherigen Recherchen bis 2019 für die evidenzbasierte Empfehlung zur Effektivität eines Palliativdienstes fünf Studien extrahiert, publiziert in den Jahren 1995 bis 2008, davon zwei RCTs mit einer Studiengröße von zusammen 778 Patient:innen und Level of Evidence 1++ und 1+, und ein weiteres RCT mit 4.804 Patienten und methodischen Einschränkungen (LoE 1-) [145]. Die Studie von Gade et al. [80] wurde im Review von Bajwah et al. [137] eingeschlossen. Hinzu kommen zwei kontrollierte Prä-Post-Studien mit asymmetrischer Kontrollgruppenzuteilung und insgesamt 291 Patient:innen mit LoE 2+ [146] und 2- [136]. Symptomkontrolle, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Krankenhausaufenthalt, Patient:innenzufriedenheit und Ressourcenverbrauch sind wiederkehrende Beispiele der definierten Dimensionen von Ergebnisqualität und Effektivität der jeweiligen palliativmedizinischen Interventionen. In allen drei RCTs erhielten die Patienten der Interventionsgruppe eine Betreuung durch den Palliativdienst und die Kontrollgruppen eine Standardbetreuung bzw. lediglich eine telefonische Beratung durch den Palliativdienst [123]. 

Die Studien mit hauptsächlich onkologischen Patient:innen [80], [123], [136] zeigten gemischte Ergebnisse in Bezug auf die gewählten Outcomes. Die Prä-Post-Studie von Jack et al. zeigte eine signifikante Besserung der Schmerzkontrolle in beiden Gruppen, aber die Besserung in der Interventionsgruppe (spezialisierter Palliativdienst mit Ärzt:innen und Pflegefachpersonen) war signifikant höher als in der Kontrollgruppe (0,36 Punkte Unterschied mit p = 0,029 am vierten Tag; 0,74 Punkte Unterschied mit p < 0,001 am 7. Tag) [136]. Das RCT von Gade konnte keine signifikanten Ergebnisse für die Outcomes Symptomkontrolle oder Überlebenszeit beweisen, aber zeigte eine signifikant höhere Zufriedenheit der Patient:innen sowie weniger Aufnahmen auf die Intensivstation [80]. In dem RCT von Hanks et al. waren u. a. Symptomkontrolle und gesundheitsbezogene Lebensqualität in beiden Vergleichsgruppen signifikant höher [123]. Die Prä-Post-Studie von Norton et al. [146] bezieht sich auf Patient:innen einer internistischen Intensivstation mit entsprechend niedrigem Prozentsatz an Krebspatient:innen, aber positivem Wirkungsnachweis auf das Kriterium des kürzeren Intensivstationsaufenthaltes. Für Mortalität und Verweildauer (im Krankenhaus und auf Intensivstation) konnte keine Verbesserung belegt werden. Die randomisierte SUPPORT-Studie [145] mit einer niedrigen Prozentzahl (1/6) an onkologischen Patient:innen und mit dem Ziel, die Entscheidungsfindung am Lebensende zu verbessern, zeigte keinen Wirkungsnachweis u. a. in Bezug auf das Verfassen und die Umsetzung einer DNR-Anordnung, auf aggressive Therapien und auf Schmerzen. Sie weist jedoch methodische als auch konzeptuelle Mängel auf, da sich die Intervention ausschließlich auf kommunikative, prognostische bzw. planerische Aspekte bezieht und in Hinblick auf den Patienten lediglich durch eine:n Pflegefachperson (nurse) anstelle eines Teams durchgeführt wird.

5.4.3.3 Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)

5.17 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

SAPV soll folgende Komponenten in der Behandlung von Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung zur Verbesserung der Lebensqualität anbieten:

  • Erfassung der Symptome und Bedarfe in allen vier Dimensionen von Patient:innen und ihren Angehörigen
  • Behandlung von Symptomen und Problemen in allen vier Dimensionen
  • Regelmäßige Evaluation des Therapieplans durch Einsatz patient:innen- und angehörigenzentrierter Outcome-Messung
  • Ressourcenorientierte Unterstützung des Patient:innen und seiner Angehörigen bei der Therapiezielfindung und der Krankheitsauseinandersetzung
  • Vorausschauende Versorgungsplanung
  • Koordination bzw. Organisation der Palliativversorgung
  • Begleitung in der Sterbephase
  • Rituale des Abschiednehmens und Erinnerns
  • Vermittlung von Trauerbegleitung
  • Unterstützung des primär behandelnden Teams bzw. des Primärbehandelnden
  • 24h Verfügbarkeit des Behandlungsangebots
Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2

Literatur ergänzt

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[147] [148] [149] [150] [151] [152]
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.18 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Das Team der SAPV soll als eigenständiges und multiprofessionelles Team (Pflege, Ärzt:innen und weitere Berufsgruppe) arbeiten. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2

Literatur ergänzt

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[153] [148] [154] [155] [156] [157] [152] [151]
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.19 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein SAPV-Team soll folgende Maßnahmen zur Sicherstellung der Prozessqualität durchführen:

  • Austausch mit zuweisenden und weiterführenden Behandelnden und Abstimmung mit stationären und ambulanten Versorgungs- und Therapieangeboten in regionalen Qualitätszirkeln
  • Multiprofessionelle, regelmäßige Teambesprechungen
  • Gemeinsame multiprofessionelle Dokumentation
  • Angebot einer externen Supervision für alle Teammitglieder
Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

Hintergrund

SAPV entspricht dem gemäß §§ 37b, 132d SGB V geregelten Anspruch.

Im Kontext dieser Leitlinie bezieht sich die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung und die Abkürzung „SAPV“ auf den gesetzlich verankerten Versorgungsanspruch - und geht an manchen Stellen aber auch darüber hinaus, wenn dies aufgrund klinischer Erfahrung und Studienevidenz angemessen erscheint. Z.B. definiert die Leitlinie das Team der spezialisierten Palliativversorgung und explizit auch das ambulante SAPV durch mindestens drei Berufsgruppen: Ärzt:in, Pflege und eine weitere Berufsgruppe. Der Gesetzesgeber definiert nur mindestens zwei Berufsgruppen als SAPV-Team.

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung soll vorhandene Versorgungsstrukturen ergänzen, wenn diese keine angemessene und ausreichende Betreuung d. Patient:in an dem Ort seines Wunsches in der häuslichen Umgebung (inkl. Pflegeheim) gewährleisten können.

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) hat das Ziel, für Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und zugleich hohen Komplexität ihrer Situation sowie einem hohen Versorgungsaufwand eine spezialisierte Versorgung in der gewohnten Umgebung d. Patient:in (zu Hause, Pflegeheim, Hospiz) zur Verfügung zu stellen, sodass diese Patient:innen in ihrer gewohnten Umgebung leben und sterben können. Dadurch können selbst bei schwerstkranken Patient:innen Krankenhauseinweisungen häufig vermieden werden. Die ambulante spezialisierte Palliativversorgung ist beratend, koordinierend und/oder behandelnd tätig. Sie ist nicht gleichzusetzen mit der „ambulanten Palliativversorgung“, sondern ist deren spezialisierter Teil und ergänzt demnach die ambulante allgemeine Palliativversorgung (AAPV). Sie vermitteln Sicherheit in einer bedrohlichen Lebenssituation und verhelfen dazu, dass trotz schwerster Erkrankung ein Leben daheim gestaltet werden kann bis hin zum Sterben.

Durch Studien, die ambulante spezialisierte Palliativversorgung untersuchen, sind eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Erhöhung der Zahl der Menschen, die auf eigenen Wunsch zu Hause versterben konnten, durch den Einsatz von Home-care-Programmen gut belegt, s. hierzu Evidenzzusammenfassung weiter unten.

Eine Verbesserung hinsichtlich der Linderung der Symptomlast und einer entlastenden Unterstützung von Angehörigen durch den Einsatz von ambulanten Palliativteams konnte durch Studien bisher nur eingeschränkt nachgewiesen werden (siehe auch Evidenzzusammenfassung).

Sichergestellt wird die Versorgung in der ambulanten spezialisierten Palliativversorgung durch ein multiprofessionelles Team aus qualifizierten Ärzt:innen, Pflegefachpersonenn und weiteren Koordinationskräften. Insbesondere für die Entlastung der Mitarbeiter:innen eines Teams ist es wichtig, eine eigenständige Teamstruktur sowie eine regelmäßige Zusammenarbeit zu pflegen. Auch in Studien wurden fast ausschließlich multiprofessionelle Teams untersucht, bei denen Pflegefachpersonen durch Ärzt:innen, Psycholog:innen, Sozialarbeitenden, Seelsorgenden und weitere Berufsgruppen ergänzt wurden [158], [159].Das Haupttätigkeitsfeld aller Mitarbeiter:innen im Team ist die Palliativversorgung. Das Leistungsspektrum reicht von der Beratung von Patient:innen, Angehörigen und an der Versorgung Beteiligten über die Koordination der Palliativversorgung bis hin zu einer umfassenden Betreuung (Teil- oder Vollversorgung) mit 24-Stunden-Bereitschaft [73], [159]. An Leistungen wird erbracht, was ergänzend benötigt wird, z. B. speziell schwierige Wundversorgung, aufwendige Schmerztherapie, entlastende Punktionen, Anleitung und Unterstützung der Angehörigen, vorausschauende Organisation nötiger weiterer Hilfen. Explizit soll das Team der ambulanten spezialisierten Palliativversorgung ergänzend zur vorhandenen Versorgungsstruktur tätig werden, also z. B. gemeinsam mit Hausärzt:innen, Pflegediensten, Therapeut:innen und Hospizvereinen arbeiten. Hierbei hat sich auch in Studien gezeigt, dass die palliativmedizinische Beratung der primär Behandelnden und palliativmedizinische Schulung am konkreten Fall wirksam die Palliativversorgung verbessert und zudem die Zusammenarbeit zwischen dem Palliativteam und den primär Behandelnden fördert [70], [159]. Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige ambulante spezialisierte Palliativversorgung ist die Integration in bestehende, vernetzte Versorgungsstrukturen. In Studien hat sich eine regelmäßige Rückmeldung (z. B. durch ein Telefonat oder Schreiben) als wirksam gezeigt, vor allem dann, wenn das Palliativteam eine koordinierende Funktion übernommen hat [159].

Die in Studien untersuchten Palliativteams sind bezüglich Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualitätskriterien sehr heterogen, sodass eindeutige Kriterien nur eingeschränkt aus den Studiendaten zu definieren sind, mit Ausnahme der Multiprofessionalität im Team sowie der regelmäßigen Therapieüberprüfung anhand von standardisierten Erfassungsinstrumenten; diese beiden Kriterien sind in fast allen Studien erfüllt. Allerdings vergleicht die Mehrheit der Studien die Behandlung durch ein Palliativteam mit einer Standardbehandlung ohne Palliativteam, sodass nur eine globale Aussage über die Wirksamkeit des Teams gemacht werden kann, aber nicht über einzelne Komponenten. Es fehlen Vergleichsstudien zwischen alternativen Komponenten, z. B. zur Teambesetzung (Pflege + Ärzt:in versus Pflege + Ärzt:in + weitere Berufsgruppe), zur Interventionsfrequenz (regelmäßiger Kontakt versus Kontakt bei Bedarf), Art des Kontakts (persönlich versus telefonisch) oder anderen Komponenten.

In Deutschland ist die SAPV (Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung) ein im Jahr 2007 neu geschaffener Leistungsanspruch nach §§ 37b und 132d SGB V für alle gesetzlich Versicherten, wenn sie unter einer nicht-heilbaren, fortgeschrittenen und fortschreitenden Erkrankung leiden, ihre Lebenszeit dadurch begrenzt wird und wenn komplexe Probleme vorliegen, die eine besonders aufwendige Versorgung benötigen. Der Versorgungsanspruch besteht für Patient:innen, die in ihrer häuslichen bzw. familiären Umgebung (inklusive Pflegeheim) versorgt werden. Dazu gehören auch stationäre Pflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung und stationäre Hospize.

Wichtige Begriffe aus den Richtlinien des Gemeinsamen Bundessauschusses zur SAPV:

Aufwändige Versorgung (GBA Richtlinie § 4):

Bedarf nach einer besonders aufwändigen Versorgung besteht, soweit die anderweitigen ambulanten Versorgungsformen sowie ggf. die Leistungen des ambulanten Hospizdienstes nicht oder nur unter besonderer Koordination ausreichen würden, um die Ziele der SAPV zu erreichen. Anhaltspunkt dafür ist das Vorliegen eines komplexen Symptomgeschehens, dessen Behandlung spezifische palliativmedizinische und/oder palliativpflegerische Kenntnisse und Erfahrungen sowie ein interdisziplinär, insbesondere zwischen Ärzten und Pflegefachpersonen, abgestimmtes Konzept voraussetzt.

Komplexes Symptomgeschehen (GBA Richtlinie § 4):

Ein Symptomgeschehen ist nach der Definition des GBA komplex, wenn mindestens eines der nachstehenden Kriterien erfüllt ist:

  • ausgeprägte Schmerzsymptomatik
  • ausgeprägte neurologische/psychiatrische Symptomatik
  • ausgeprägte respiratorische Symptomatik
  • ausgeprägte gastrointestinale Symptomatik
  • ausgeprägte urogenitale Symptomatik
  • ausgeprägte exulzerierende Wunden oder Tumore

Diese Definition bezieht die Komplexität allein auf Symptome. Das ansonsten in dieser Leitlinie verwendete Verständnis von Komplexität geht darüber hinaus und bezieht deutlich mehr Faktoren mit ein.

Evidenzzusammenfassung

Im Zuge der aktuellen systematischen Recherche 2025 konnten zwei neuere systematische Übersichtsarbeiten identifiziert werden, die eine deutlich erweiterte und differenzierte Evidenz zu verschiedenen Modellen der palliativen Versorgung bei Patient:innen mit fortgeschrittenem Krebs liefern.

Shepperd et al. [152] untersuchten in einem Cochrane-Review die Wirksamkeit der häuslichen Versorgung am Lebensende im Vergleich zur stationären Behandlung im Krankenhaus (OLoE : 2). Die Review schloss 4 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 1.141 Patient:innen ein. Die Analyse zeigte eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, zu Hause zu sterben (RR 1,31; 95% CI 1,12–1,52). Die Ergebnisse zu ungeplanten Krankenhausaufnahmen waren heterogen, mit einer Spannbreite von einer Reduktion (RR 0,62; 95% CI 0,48–0,79) bis zu einer Erhöhung (RR 2,61; 95% CI 1,50–4,55), was keine zusammenfassende Schlussfolgerung zulässt. Hinsichtlich der Patient:innenzufriedenheit zeigte sich nach einem Monat eine leichte Verbesserung (OR: 3,37; 95% CI 1,42–8,10), jedoch kein signifikanter Unterschied nach zwei Monaten (OR 1,79; 95% CI 0,65–4,96). Für andere Outcomes wie funktionellen Status, psychisches Wohlbefinden oder kognitive Funktion bestand keine klare Evidenz. Die Autoren betonen die Evidenz hoher Qualität für den Effekt auf den Sterbeort, während die Evidenz für andere Patient:innen- und Angehörigenoutcomes als unzureichend oder von niedriger Qualität eingestuft wurde.

Hwang et al. [151] evaluierten in einer systematischen Übersichtsarbeit die Wirkung häuslicher supportiver Versorgung (im Sinne der SAPV) auf die Lebensqualität von Patient:innen mit fortgeschrittenem Krebs (OLoE: 1). Es wurden 17 kontrollierte Studien, darunter 16 RCTs, mit insgesamt 3.172 Patient:innen eingeschlossen. Die Versorgung umfasste Hausbesuche, Patienten- und Angehörigenedukation, häusliche Pflege, Psychotherapie, Bewegung, telefonische Beratung und interdisziplinäre Team-Meetings. Neun Studien berichteten signifikante Verbesserungen in verschiedenen Dimensionen der Lebensqualität. Außerdem wurden Verbesserungen der Mobilität (Δ 4,88 ±4,66 vs. 0,23 ±5,22; p=0,002), der Fatigue (Δ 4,46 ±8,65 vs. –0,79 ±9,11; p=0,03) und der Schlafqualität (Δ 1,46 ±1,88 vs. –0,11 ±1,71; p=0,002) berichtet. In acht Studien wurden keine signifikanten Unterschiede in der Lebensqualität festgestellt, und die Autor:innen führen die Heterogenität der Ergebnisse unter anderem auf Unterschiede in Programmkomponenten und Patient:innencharakteristika zurück. Bei Patient:innen mit sehr kurzer Überlebenszeit (Median 2 Monate) zeigte sich kein signifikanter Nutzen. Die Autor:innen betonen die Bedeutung individualisierter Programme und einer sorgfältigen Patient:innenselektion, um die potenziellen Vorteile von SAPV optimal zu realisieren.

Zur Einordnung folgt im Anschluss eine Zusammenfassung der bisherigen Evidenzlage aus früheren Recherchen: Die hier beschriebenen Primärstudien stammen aus Systematic Reviews, hauptsächlich aus einem aktuellen Cochrane-Review zu palliativmedizinischen Home-care-Programmen von Gomes et al. [81]. Für den Zweck dieser Leitlinie wurden nur Primärstudien gewählt, die eine onkologische Population einschließen. In Studien wurde überwiegend die Nicht-Heilbarkeit und das fortgeschrittene Stadium einer Krebserkrankung (z. B. mit Metastasierung) als Einschlusskriterium ohne eine bestimmte Bedarfs- oder Bedürfniskomplexität definiert [159]. Auch weisen die in Studien untersuchten Home-care-Programme eine große Heterogenität auf. Die Home-care-Programme der Palliativversorgung entsprechen relativ gut dem hier beschriebenen Verständnis der ambulanten spezialisierten Palliativversorgung, jedoch nur mit gewisser Einschränkung dem spezifisch deutschen SAPV.

15 der 18 eingeschlossenen Publikationen belegen ganz oder teilweise die Wirksamkeit von Home-care-Programmen im Vergleich zu anderen Versorgungsformen oder -strukturen; darunter ein RCT mit sehr geringer [159], drei mit geringer Fehleranfälligkeit [70], [73], [101] und eins mit hoher Fehleranfälligkeit [160] sowie sieben CCTs mit Fehleranfälligkeit [69], [119], [161], [121], [162], [163], [164], eine prospektive Kohorte [165], eine kontrollierte Prä-Post-Studie [166] und eine quasi-experimentelle Studie [167].

Drei der 18 Publikationen berichten keinen Vorteil durch Home-care-Programme, darunter drei RCTs (eine mit geringer [158] und zwei mit hoher Fehleranfälligkeit [71], [168]).

Zusammenfassend zeigt sich, dass die Ergebnisse der früheren Recherchen und die Evidenz aus dem aktuellen Update 2025 in ihrer Grundaussage konsistent sind: SAPV können bei Patient:innen mit fortgeschrittenem Krebs wesentliche Vorteile für Lebensqualität und Versorgungserfahrungen bieten und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, zu Hause zu sterben. Das Update 2025 ergänzt und vertieft diese Evidenzbasis durch zusätzliche aktuelle Übersichtsarbeiten und eine differenziertere Betrachtung von Interventionsmodellen und Outcomes. Gleichzeitig unterstreicht es den weiterhin bestehenden Bedarf an Forschung zu Langzeiteffekten sowie zu spezifischen Angehörigenoutcomes.

5.4.3.4 Spezialisierte Palliativambulanz

5.20 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Eine Palliativambulanz sollte ergänzend zu vorhandenen Versorgungsstrukturen ambulanten Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung angeboten werden. 

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1+
Konsens
Konsens
Literatur
[141] [169]
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.21 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Eine Palliativambulanz soll folgende Komponenten in der Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung zur Verbesserung der Lebensqualität anbieten:  

  • Erfassung der Symptome und Bedürfnisse in allen vier Dimensionen von Patienten und ihren Angehörigen 
  • Behandlung von Symptomen und Problemen in allen vier Dimensionen 
  • Ressourcenorientierte Unterstützung d. Patient:in und seiner Angehörigen bei der Therapiezielfindung und der Krankheitsauseinandersetzung 
  • Vorausschauende Versorgungsplanung 
  • Koordination bzw. Organisation der Palliativversorgung 
  • Unterstützung des primär behandelnden Teams bzw. des Primärbehandelnden 
Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1+
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[141] [169]
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.22 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die Beratung und Mitbehandlung durch die Palliativambulanz soll in enger Abstimmung mit den Primärbehandelnden bzw. dem Behandlungsteam erfolgen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1+
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[141] [169]
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen

Hintergrund 

Eine Palliativambulanz ist Bestandteil der ambulanten spezialisierten Palliativversorgung. Sie ist eine Einrichtung für ambulante Patient:innen mit dem Angebot einer spezialisierten Palliativversorgung ohne eine häusliche Versorgung (diese kann allerdings in Kooperation mit einem Dienst der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung zusätzlich angeboten werden). Eine Palliativambulanz kann an ein Krankenhaus oder MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) angebunden oder Teil einer niedergelassenen Praxis (Hausarzt, Onkologie, Schmerzambulanz) sein und ist vergleichbar mit einer onkologischen oder Schmerzambulanz.

Eine Palliativambulanz soll möglichst multiprofessionell besetzt sein, d. h. mit Ärzt:in, Pfleger und einem Vertreter aus einer weiteren Berufsgruppe. Die derzeit wenigen bestehenden Einrichtungen in Deutschland sind allerdings häufig monoprofessionell besetzt (meistens ärztlich). Die einzigen beiden Studien zur Palliativambulanz, die zudem einen Vorteil belegen, beinhalten eine multiprofessionelle Intervention, allerdings fehlt ein direkter Vergleich eines mono- versus multiprofessionellen Ansatzes [141], [169]. Eine spezialisierte, palliativmedizinische Qualifikation ist noch nicht für alle Berufsgruppen eindeutig geregelt, soll dennoch mindestens für Ärzte und Pfleger gegeben sein.

Insbesondere die Studie von Temel et al. [141] lässt eine Aussage zur Effektivität von spezialisierten Palliativambulanzen zu (siehe Evidenzzusammenfassung), da hier in einem qualitativ hochwertigen RCT eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität gezeigt werden konnte. Auch wenn die Evidenz nur begrenzt übertragbar ist, da die Temel-Studie sich ausschließlich auf eine Patientenpopulation mit der Diagnose von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen (NSCLC) bezieht und so keine Empfehlung des stärksten Grades gemacht werden kann, sprechen die Ergebnisse der Studie für die Integration der Palliativambulanz in die Behandlung aller Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung.

Auch Inhalt und Zeitpunkt der Intervention können v. a. auf der Basis der Temel-Studie nun gut festgehalten werden. Demnach – und auf der Basis der klinischen Erfahrung – sollte die Integration der palliativmedizinischen Expertise möglichst frühzeitig, d. h. innerhalb der ersten acht Wochen nach der Diagnosestellung einer nicht-heilbaren Krebserkrankung (hier: metastasiertes Stadium eines NSCLC) erfolgen und im weiteren parallel zur onkologischen Behandlung erfolgen. Ob die parallele Behandlung regelmäßig (an festgelegten Zeitpunkten) oder nach Bedarf erfolgen soll, ist bisher ungeklärt. Die Studie von Temel et al. und eine weitere Studie kombinierten die zwei Ansätze, indem regelmäßige Termine mit dem Patienten (z. B. monatlich) sowie zusätzlich Termine bei Bedarf [141], [169] vereinbart wurden. Der Nachweis einer Besserung der Lebensqualität wurde auch für Patient:innen mit anderen Krebsdiagnosen als mit nur metastasierten NSCLC geführt [170]. 

Eine Palliativambulanz sollte dem Patienten und seinen Angehörigen eine breite Palette palliativmedizinischer Angebote machen. Im Rahmen der Temel-Studie zeigte sich, dass sich die Mehrheit der Interventionen der Palliativambulanz auf die Symptombehandlung in allen vier Dimensionen und die Anpassung an die Krankheit (coping) bezogen und die onkologische Behandlung primär auf die Tumortherapie und das Management von medizinischen Komplikationen fokussierte [171]. Durch diese Integration der Palliativversorgung in die onkologische Behandlung konnten eine bessere Symptombehandlung, eine Stärkung der Krankheitsbewältigung, eine Verbesserung des Krankheitsverständnisses und eine angemessene und sensible Prognoseeinschätzung erreicht werden [171]. 

Die wichtige Frage, ob einzelne Komponenten der Interventionen weniger oder stärker wirksam sind als andere, sowie ob eine Erweiterung oder eine Reduktion der Interventionskomponenten ein besseres Ergebnis erzielen, ist offen und muss durch weitere Studien geklärt werden. Die vorhandenen Studien und die klinische Erfahrung weisen darauf hin, dass ein externer Dienst (Palliativambulanz), der die o. g. palliativmedizinischen Angebote durchführt, ein wichtiger und entscheidender Einflussfaktor für die Verbesserung der Behandlung (v. a. im Hinblick auf die Lebensqualität) ist. Allerdings stehen vergleichende Studien noch aus, die z. B. „palliativmedizinische Interventionen“ durch externen Dienst versus durch Primärbehandelnde (Onkologen) vergleichen.

Evidenzzusammenfassung 

Eine randomisiert-kontrollierte, klinische Studie [141] verglich die Wirksamkeit und Effektivität einer frühen Integration (acht Wochen nach Diagnosestellung) von SPV in einer Palliativambulanz an einem Krankenhaus für ambulante Patienten mit einem histologisch gesicherten, metastasierten NSCLC. Die Intervention wurde durch einen spezialisierten Palliativarzt und eine erfahrene Pflegefachperson mittels einer ambulanten Vorstellung spätestens drei Wochen nach Studieneinschluss und in der Folge mindestens monatlich angeboten. Die Intervention enthielt folgende Komponenten: Erfassung der Symptome und Bedürfnisse in den vier Dimensionen; Unterstützung bei Krankheitsverständnis und Prognoseabschätzung d. Patient:in und seiner Angehörigen; Diskussion von Wiederbelebungsmaßnahmen; Unterstützung bei der Anpassung an die Krankheit (coping) d. Patient:in und seiner Angehörigen; Unterstützung in der Therapiezielfindung und Festlegung eines Therapieziels; Koordination der Behandlung nach den individuellen Bedürfnissen d. Patient:in. Die Kontrollgruppe beinhaltete „standard care“. Primäres Studienziel war die Veränderung der Lebensqualität zwischen Studieneinschluss und nach 12 Wochen. Sekundäre Ziele waren Angst/Depression, Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen (v. a. invasive-aggressive Therapie am Lebensende, Notfälle) und Überlebenszeit. 151 Patienten konnten randomisiert werden, 107 Patienten konnten vollständig untersucht werden (u. a. 27 Patienten verstarben). Ergebnisse (Intervention im Vergleich zu standard care): signifikant bessere Lebensqualität (Mittelwert FACT-L 98.0 vs. 91.5; p = 0.03); signifikant weniger Patienten hatten depressive Symptome (16 % vs. 38 %, P p = 0.01); weniger Patienten erhielten invasiv-aggressive Therapie am Lebensende (33 % vs. 54 %, p = 0.05) und die Überlebenszeit war signifikant länger für Patienten der Palliativambulanz (11,6 Monate vs. 8,9 Monate, p = 0.02).

Eine kontrollierte, klinische Studie mit 90 Patienten [169] (Intervention/Kontrolle: 50/40; Krebspatienten: 13/17) zur Untersuchung der Wirksamkeit eines multiprofessionellen Palliativteams, welches beratend (primärverantwortlicher Hausarzt) und direkt unterstützend (Patienten) innerhalb eines großen Hausarztzentrums (70 Hausärzte) in den USA mit dem Ziel tätig war, eine Verbesserung in der Symptombehandlung, Lebensqualität, Zufriedenheit und Advance Care Planning (ACP) zu erreichen. Die Intervention war durch einen Sozialarbeiter koordiniert und involvierte einen Seelsorger, Krankenpfleger, Apotheker, Psychologen, Freiwilligenkoordinator und drei Palliativärzte. Sie bot Beratung, Gruppenarbeit, Case-Management, Seelsorge und Kunsttherapie an. Der primär behandelnde Hausarzt erhielt schriftliche Empfehlungen zur Therapie und Begleitung, die zuvor in einer Sitzung des Palliativteams erarbeitet wurden. Die Intervention verbesserte Atemnot (p = .01), Angst (p = .05) und spirituelles Wohlbefinden (p = .007). Die Ergebnisse für Schmerz (p = .41), Depression (p = .28), Lebensqualität (p = .43) und Zufriedenheit (p = .26) waren dagegen nicht signifikant. Dennoch führte die Intervention zu einer geringeren Anzahl an Hausarzt- und Notfall-Konsultationen (p = .03 bzw. p = .04). Die sehr komplexe Intervention und differierende Annahme durch die Hausärzte schränken die Übertragbarkeit der Ergebnisse ein.

Im Rahmen der Aktualisierung 2026 konnten keine neuen systematischen Reviews zur spezialisierten Palliativambulanz identifiziert werden. Die bisher vorliegenden Evidenzen aus früheren Auswertungen behalten daher weiterhin ihre Gültigkeit.

5.4.3.5 Palliativmedizinische Tagesklinik und Tageshospiz

5.23 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2026

Die palliativmedizinische Tagesklinik und das Tageshospiz sind spezialisierte Angebote für ambulante Patient:innen mit einer nicht heilbaren Erkrankung und begrenzter Lebenszeit. 

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund

Die palliativmedizinische Tagesklinik oder das Tageshospiz (hospice/palliative day care) ist in den meisten Fällen an eine Einrichtung angeschlossen (z. B. Krankenhaus, stationäres Hospiz, ambulanter Hospizdienst), welche ein tagestherapeutisches Angebot an ambulante Patient:innen richtet. Das Ziel einer palliativmedizinischen Tagesklinik ist die Symptomkontrolle und Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit einer lebenslimitierenden Erkrankung mit komplexer Symptomlage durch gebündelte multiprofessionelle, zum einen ärztliche und pflegerische Beratung und Behandlung zur Symptomkontrolle, aber auch Einbeziehung physiotherapeutischer, psychologischer, kreativtherapeutischer, sozialtherapeutischer und seelsorgerlicher Therapeut:innen. Die erste palliativmedizinische Tagesklinik wurde 1975 in England eröffnet, wo bis heute die meisten palliativmedizinischen Tageskliniken zu finden sind [172]. Weitere, wenige palliativmedizinische Tageskliniken sind auch noch in anderen europäischen Ländern gegründet worden, z. B. Belgien, Schweden, Österreich [173]. Auch in Deutschland gibt es einige wenige Tageskliniken, die an eine Palliativstation oder ein Hospiz angegliedert sind. In Deutschland gibt es 320 Krankenhäuser mit Palliativstationen [174] und insgesamt 5 palliativmedizinische Tageskliniken [175], d.h. eine Tagesklinik pro 16,9 Millionen Einwohner:innen [176]. Die Abrechnung der tagesklinischen Behandlungsformen erfolgt über tagesgleiche Sätze, d.h. tagesbezogenes Entgelt, welches mit Kostenträgern verhandelt wird [175]. Im Vergleich dazu sind in Deutschland 13 in Betrieb befindliche tageshospizliche Angebote zu finden [175]. Im Jahr 2010 schätzte die European Association for Palliative Care (EAPC) einen Bedarf von einer tagesklinischen oder tageshospizlichen Versorgungsform pro 150.000 Einwohner:innen[13].

Die u. g. Studienevidenz lässt keine angemessene Übertragung auf die deutsche Versorgungssituation zu, da die Definition und Konzeption einer palliativmedizinischen Tagesklinik in diesen internationalen Studien nicht auf die palliativmedizinischen Tageskliniken in Deutschland übertragbar sind und es zudem in Deutschland noch zu wenig praktische Erfahrungen mit diesem Versorgungsangebot gibt. Deshalb wurde auf eine Empfehlung zur Wirksamkeit einer palliativmedizinischen Tagesklinik und eines Tageshospizes verzichtet

Das Angebot einer palliativmedizinischen Tagesklinik oder eines Tageshospizes ist heterogen. Im internationalen Kontext werden zwei Modelle einer palliativmedizinischen Tagesklinik unterschieden, die auch kombiniert werden können [173]-[177]: zum einen das soziale Modell (im Sinne eines Tageshospizes), welches primär soziale Angebote für den Austausch mit anderen Betroffenen macht und den Patienten zu Aktivitäten ermuntert („andere Betroffene treffen“, „mal rauskommen“) [173]; zum anderen das medizinische Modell (im Sinne einer palliativmedizinischen Tagesklinik), bei dem die palliativmedizinische (Mit-)Behandlung mit dem Ziel einer verbesserten Symptomkontrolle im Vordergrund steht. Bei dem medizinischen Modell wird die Tagesklinik durch eine, wie weiter oben beschrieben, Palliativambulanz ergänzt. Bei dem medizinischen Modell gelten die Empfehlungen zur Palliativambulanz auch für die palliativmedizinische Tagesklinik. Der Patient braucht die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten eines Krankenhauses mit einem multiprofessionellen Behandlungsteam, ist aber in einem Gesundheitszustand, der keine 24-Stunden-Krankenhausbetreuung erfordert und einen Transport ins Krankenhaus für den Patienten zumutbar erscheinen lässt. Die tagesklinische Betreuung wird im häuslichen Bereich durch ambulante Palliativpflegedienste (APD) und Ehrenamtliche Ambulante Hospize ergänzt und abgesichert [178].

Die Zeit, die Patienten in der palliativmedizinischen Tagesklinik/Tageshospiz verbringen, ist sehr unterschiedlich. Häufig besuchen die Patienten die Tagesklinik an 1–5 Tagen in der Woche, häufig in der Zeit von 10–15 Uhr [173]. Auch dieses Versorgungsangebot nehmen in der Mehrheit Krebspatienten an (75–96 %) [173]. Gängige Aufnahmekriterien für eine palliativmedizinische Tagesklinik sind die medizinische Indikation mit Vorliegen einer komplexen Symptomlage und der Bedarf d. Patient:in an multiprofessioneller Betreuung und Behandlung zur Wiedererlangung oder dem Erhalt von Lebensqualität mit dem Ziel, die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu schließen [173]. Die Mehrheit der Patienten in einer palliativmedizinischen Tagesklinik/Tageshospiz wird durch einen ambulanten Dienst, den behandelnden Haus- oder Facharzt oder eine Palliativstation an die Tagesklinik überwiesen [173].

Ein positiver Effekt durch das Angebot einer palliativmedizinischen Tagesklinik/Tageshospiz auf die Lebensqualität oder Symptomkontrolle konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Allerdings zeigte sich in qualitativen Studien eine hohe Zufriedenheit und die Förderung der sozialen Interaktion [173].

Evidenzzusammenfassung

Obwohl die Literatur zu palliativmedizinischen Tageskliniken/Tageshospizen begrenzt ist, fassen wir hier beispielhaft zwei systematische Übersichtsarbeiten zusammen [173], [177]. Die inkludierten Studien sind in der Mehrheit von geringer methodischer Qualität und es fehlen kontrollierte klinische Studien. Zudem erschwert die große Heterogenität in der Angebotspalette der palliativmedizinischen Tageskliniken/Tageshospize eine Vergleichbarkeit. Eine Aussage zur Wirksamkeit bzgl. Verbesserung der Symptomkontrolle oder Lebensqualität durch das Angebot einer palliativmedizinischen Tagesklinik kann derzeit aufgrund mangelnder kontrollierter Studien nicht getroffen werden. Die Mehrheit der bestehenden Studien beschreibt allerdings einen fehlenden Vorteil bzgl. der Outcomes Symptomkontrolle und Lebensqualität. Insbesondere die qualitativen Studien beschreiben jedoch eine hohe Zufriedenheit in der sozialen, psychologischen und spirituellen Dimension bei den Teilnehmern an einem tagesklinischen Angebot.

Eine prospektive, kontrollierte Kohortenstudie [179] konnte bei einem Vergleich mit 173 Patienten, die entweder die Standard-Palliativversorgung oder zusätzlich die Angebote einer palliativmedizinischen Tagesklinik/Tageshospiz wahrnahmen, keinen Unterschied in der Lebensqualität nachweisen. Allerdings wurden etwas mehr starke Schmerzen in der Kontrollgruppe bei der Baseline-Untersuchung (p = .053) und mehr schwere Symptome bei der zweiten Untersuchung (p = .025) beschrieben.

Eine kontrollierte Kohortenstudie [180] untersuchte zwei palliativmedizinische Tageskliniken/Tageshospize in Schweden. Bei den 48 Teilnehmern wurden Lebensqualität und emotionales Wohlbefinden beschrieben. Das multiprofessionelle Team (Physiotherapeut, Ärzt:in, Sozialarbeiter und Seelsorger) der palliativmedizinischen Tageskliniken/Tageshospize wurde durch einen Ergotherapeuten bzw. Krankenpflegenden koordiniert und bot u. a. kreative und soziale Aktivitäten an. Das Angebot wurde bis zu dreimal wöchentlich für 2–5 Stunden in Anspruch genommen, zumeist in einer Gruppe von 8–10 Teilnehmern. In der Interventionsgruppe zeigte sich ein größeres, dennoch nicht signifikantes, emotionales Wohlbefinden und ein gleiches Level an Lebensqualität zwischen den Gruppen. Studiendesign und –qualität lassen jedoch keine Aussage über eine Wirksamkeit zu.

5.4.4 Stationäres Hospiz

5.24 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2026

Ein stationäres Hospiz ist Teil der allgemeinen und spezialisierten Palliativversorgung mit dem Ziel der palliativmedizinischen Behandlung sowie einer hospizlichen Begleitung in der letzten Lebensphase bis zum Tod und wird als eigenständige Einrichtung auf der Basis der gesetzlichen Rahmenbedingungen nach § 39a, Abs. 1 SGB V und der dazugehörigen Rahmenvereinbarung betrachtet. 

Konsens
Starker Konsens
5.25 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Eine palliativmedizinische Behandlung und hospizliche Begleitung in einem stationären Hospiz soll Menschen mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung mit einer auf Tage, Wochen oder Monate begrenzten Lebenserwartung angeboten werden, wenn eine Begleitung weder zu Hause noch durch anderweitige stationäre Pflegeeinrichtungen gewährleistet werden kann oder angemessen ist. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.26 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein stationäres Hospiz soll folgende Komponenten einer palliativmedizinischen Behandlung und hospizlichen Begleitung anbieten: 

  • Erfassung der Symptome und Bedürfnisse in allen vier Dimensionen von Patienten und ihren Angehörigen 
  • Basissymptomkontrolle, zusammen mit ambulant tätigen Ärzten 
  • Unterstützung d. Patient:in und seiner Angehörigen im Krankheitsverständnis 
  • Ressourcenorientierte Unterstützung d. Patient:in und seiner Angehörigen, v. a. auch psychosoziale und spirituelle Unterstützung 
  • Grund- und Behandlungspflege 
  • Psychosoziale und spirituelle Unterstützung 
  • Begleitung durch befähigte Ehrenamtliche 
  • Begleitung in der Sterbephase 
  • Rituale des Abschiednehmens und Erinnerns 
  • Würdevolle, dem Willen d. Patient:in und der Angehörigen angemessene Aufbahrung 
  • Vermittlung von Trauerbegleitung 
Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.27 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die palliativmedizinische Behandlung und hospizliche Begleitung soll durch ein qualifiziertes multiprofessionelles Team mit spezialisierter Palliativpflege erfolgen, dass eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung gewährleistet und die besonderen Bedürfnisse der schwerkranken Bewohner und ihrer Angehörigen berücksichtigt. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.28 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die ärztliche Betreuung sollte durch den Hausarzt oder Ärzte mindestens mit einer palliativmedizinischen Basisqualifikation erfolgen, die für 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche zur Verfügung stehen. 

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.29 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Bedarf soll SAPV hinzugezogen werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen
5.30 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein stationäres Hospiz soll ein Lebensort für Patienten und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase sein, mit Einzelzimmern und Übernachtungsmöglichkeiten für Angehörige.  

Die Einrichtung soll einen wohnlich-familiären Charakter mit Begegnungsräumen und Räumen für Rückzugsmöglichkeiten anbieten. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

*

Konsens
Starker Konsens
Evidenztabellen (1)Versorgungsstrukturen

*Bei den Empfehlungen dieses Kapitels mit einem SIGN-LoE 4 wurde eine systematische Literaturrecherche nur für RCTs, CCTs, kontrollierte Prä-Post-Studien und ITS (interrupted time series), d. h. für ein Level-of-evidence 1 bis 2 nach SIGN durchgeführt. Bei LoE 4 (Expertenmeinung) wurden also die SIGN-Stufen 2 (zum Teil) und 3 übersprungen und dafür keine ergänzende Literatursuche durchgeführt, da Aussagen über die Wirksamkeit von Interventionen auf der Basis von SIGN-Stufen 2 + 3 nicht getroffen werden können.

Hintergrund 

Stationäre Behandlung kann unterschiedlich verstanden werden. Grund ist die Doppeldeutigkeit des Wortes „stationär“ je nach leistungsrechtlicher Perspektive. Medizinische stationäre Behandlung bedeutet nach § 39 SGB V grundsätzlich, dass Behandlungsleistungen im Krankenhaus erbracht und entsprechend abgerechnet werden. Als Voraussetzung gilt, dass bei Patienten Krankenhausbehandlungsbedürftigkeit besteht, also eine ambulante Behandlung nicht ausreicht. Behandlung im stationären Hospiz bedeutet, dass der Aufenthaltsort des Betroffenen zwar leistungsrechtlich eine stationäre Einrichtung nach § 39a Abs. 1 SGB V ist, d. h. die pflegerischen Leistungen sowie Leistungen weiterer nicht-ärztlicher Berufsgruppen erfolgen durch Mitarbeiter:innen einer stationären Einrichtung, aber die ärztlichen Leistungen werden in der Regel von Ärzt:innen im Rahmen ihrer vertragsärztlichen (niedergelassenen, ambulanten) Tätigkeit oder im Rahmen der SAPV erbracht.

Es besteht also eine Mischform der Finanzierungsgrundlage mit ärztlichen Leistungen aus dem ambulanten Sektor und nichtärztlichen Leistungen aus dem stationären Sektor.

Das stationäre Hospiz ist nicht eindeutig einer der drei Palliativversorgungsbereiche (PBP, APV oder SPV) zuzuordnen und werden im Rahmen dieser Leitlinie allen drei Bereichen der Palliativversorgung zugeordnet. Sie sind organisatorisch und räumlich eigenständige Einrichtungen mit durchschnittlich 9,8 Plätzen (in der Regel mindestens 8, maximal 16) [181]. Die durchschnittliche Verweildauer von Bewohnern in Deutschland ist 20 Tage (http://www.dhpv.de/tl_files/public/Service/Gesetze%20und%20Verordnungen/2009- 03-13_Neuregelungen§39a.pdf), wobei in der Praxis eine Prognose von etwa 3–6 Monaten genannt wird [182]-[183]. Gesetzliche Grundlage bildet § 39a Abs. 1 SGB V in Verbindung mit der entsprechenden Rahmenvereinbarung. In dieser wird ausgeführt: Stationäre Hospize sind selbstständige Einrichtungen mit dem eigenständigen Versorgungsauftrag, für Patientinnen und Patienten mit unheilbaren Krankheiten in der letzten Lebensphase palliativmedizinische und palliativ-pflegerische Versorgung zu erbringen. Sie sind kleine Einrichtungen mit familiärem Charakter mit in der Regel mindestens 8 und höchstens 16 Plätzen, wobei die räumliche Gestaltung der Einrichtung auf die besonderen Bedürfnisse schwer kranker, sterbender Menschen auszurichten ist. Stationäre Hospize verfügen über eine besondere Ausstattung, die eine palliativmedizinische, palliativpflegerische, psychologische, soziale sowie spirituelle Begleitung gewährleistet, und müssen einen Anteil der Kosten durch Spenden (mindestens 5 %) aufbringen und zeichnen sich in der Regel durch ein vielfältiges ehrenamtliches Engagement aus. Stationäre Hospize verstehen sich als Teil einer vernetzten Versorgungsstruktur im regionalen Gesundheits- und Sozialsystem. Sie sind integraler Bestandteil eines ambulanten ehrenamtlichen Hospizdienstes (Vergleiche auch: www.dhpv.de/service_gesetze-verordnungen.html). 

Voraussetzungen und Indikation für eine Aufnahme im Hospiz sind: 

  • eine bedarfsgerechte Versorgung kann weder zu Hause noch in einer anderen stationären Pflegeeinrichtung wegen zu großer Last für die Familien und/oder zu anspruchsvoller Pflegetätigkeit oder schwerwiegender palliativpflegerischer Probleme vorübergehend oder auf Dauer erbracht werden und 
  • eine Krankenhausbehandlung ist nicht indiziert [184], [185]-[186]. 

D. Patient:in soll über die Nichtheilbarkeit der Erkrankung und begrenzte Lebenszeit aufgeklärt sein und der Versorgung in einem Hospiz zustimmen [185], [186]. Das Versorgungsangebot besteht bis zum Tod (rund 90 % der Patienten verbleiben bis zu ihrem Tod im Hospiz) [185], [186]. 

Die Begleitung erfolgt durch ein multiprofessionelles Team und ehrenamtliche Begleiter:innen. Sie richten ihr Handeln an den Bedürfnissen der Patient:innen und Angehörigen aus [15], [13], [182], [183], [187], [188], [189]. 

Anhaltswerte für Personalausstattung (nach Empfehlung des DHPV): 

  • Anzahl:

o Mindestens 1,2–1,5 Pflegestellen je aufgestelltem Bett

o 0,7–1,0 weitere Berufsgruppen (jeweils Sozialarbeiter oder Psychologen; Seelsorger) je Hospiz

o mind. 2 Ehrenamtliche je aufgestelltes Bett 

  • Qualifikation:

o Anteil Palliative Care Ausbildung unter allen Pflegefachpersonen 55 %– 100 %

o Alle anderen Mitarbeiter:innen im patientennahen Bereich verfügen über intensive Erfahrungen und Kenntnisse in der Betreuung von und der Linderung belastender Symptome im Sterbeprozess.

  • Weiteres: Regelmäßige externe Supervision und Weiterbildung [187] 

Lebensmittelpunkt des Bewohners ist sein Zimmer mit eigenen Gestaltungsmöglichkeiten. Die wohnliche Ausstattung und Atmosphäre wird ergänzt durch Gemeinschaftsräume, Küche usw. Hospize sollten darüber hinaus Angehörigen und Mitarbeiter:innen die Möglichkeit bieten (räumlich, zeitlich, organisatorisch) sich von Verstorbenen zu verabschieden z. B. Aufbahrungsraum, Raum der Stille usw. [182], [184]. 

Die medizinische Begleitung erfolgt in der Regel durch ambulant tätige Ärzt:innen. Dies können Hausärzte oder feste Kooperationsärzte mit mindestens einer palliativmedizinischen Basisqualifikation (40-Stunden-Basiskurs Palliativmedizin) sein, die eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit (24 Stunden pro Tag an 7 Tagen in der Woche) sicherstellen [184], [186]. Bei komplexeren Geschehen soll die Möglichkeit bestehen, eine ambulante spezialisierte Palliativversorgung hinzuzuziehen.

Für die SAPV gemäß § 37b Abs.1 SGB V haben Versicherte in stationären Hospizen nur Anspruch auf die Teilleistung der erforderlichen ärztlichen Versorgung im Rahmen der SAPV. 

Evidenzzusammenfassung 

In der internationalen Literatur wurden keine Studien zum Thema „Stationäres Hospiz“ (Wirksamkeit, Ausstattung, Qualifikation etc.) identifiziert, die einerseits den Einschlusskriterien und andererseits der speziellen Form des Hospizes in Deutschland entsprechen. Auch in der deutschen Literatur wurden nach einer systematischen Recherche und einer Expert:innenbefragung keine relevanten Interventionsstudien gefunden.

5.4.5 Hospizdienste / Ehrenamt

5.31 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung in der Palliativversorgung und ihren Angehörigen sollte Unterstützung durch ehrenamtliche Hospizbegleitende unabhängig von Alter, Versorgungsort, Krankheitsphase oder der Art der Palliativversorgung angeboten werden. 

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund 

Seit Beginn der modernen Hospizbewegung (Cicely Saunders 1967 St. Christopher’s Hospice, London) sind ehrenamtliche Begleitende essenzieller Bestandteil der Hospiz- und Palliativbewegung. So ist auch in Deutschland die Hospizbewegung als Bürgerbewegung seit den 1980er Jahren entstanden.

Ambulante Hospizdienste bieten ehrenamtliche Sterbebegleitung an. Bei geförderten Hospizdiensten erfolgt dies entsprechend der Rahmenvereinbarung zur Förderung der ambulanten Hospizarbeit nach § 39a Abs. 2 SGB V. Diese geförderte Begleitung kann im häuslichen Bereich, in stationären Pflegeeinrichtungen, in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung oder – seit dem Hospiz- und Palliativgesetz im Jahr 2015 - in Krankenhäusern stattfinden. Für Tätigkeit der Hospizdienste in Krankenhäusern ist der Auftrag des Krankenhausträgers notwendig. Die Zusammenarbeit mit stationären Einrichtungen und Krankenhäusern wird meist über Kooperationsvereinbarungen mit regionalen ambulanten Hospizdiensten geregelt.

Wenn die Kriterien der Rahmenvereinbarung vorliegen und der ambulante Hospizdienst einen Antrag stellt, wird die Arbeit durch die Krankenkassen finanziell gefördert. Diese Förderung umfasst einen angemessenen Zuschuss zu den Personal- und Sachkosten für hauptamtlich angestellte und qualifizierte Koordinationskräfte, sowie für Aus-, Fort- und Weiterbildungskosten.

Die Aufgaben, die ehrenamtliche Begleitende übernehmen, sind sehr variabel und unterscheiden sich auch zwischen Ländern innerhalb eines Landes, auch zwischen den Orten der Versorgung und den einzelnen betreuten Familien. Generell lassen sich patientennahe und patientenferne Aufgaben unterscheiden. Bei den patientennahen gibt es vor allem psychosoziale, emotionale und spirituelle Unterstützung für Patienten und Angehörige, angefangen von Alltagsgesprächen bis hin zu existenziellen Gesprächen, von Dasein über Aushalten hin zur Stille. Es können sekundär auch praktische Unterstützungen (kleine Erledigungen und praktische Handgriffe etc.) sein. Auf der organisatorischen Ebene sind vielfältige ehrenamtliche Betätigungsfelder (v.a. Vorstandsarbeit, wozu z.B. Finanzwesen mit Fundraising bzw. Spendenakquise, Öffentlichkeitsarbeit, Personalwesen, etc. zählen). Essenziell festzuhalten ist, dass derartige ehrenamtliche Tätigkeiten keinen Ersatz für hauptamtliche Dienste darstellen, sondern diese die hauptamtlichen Versorgungsangebote sinnvoll ergänzen. Dies betont eine systematische Übersichtsarbeit von qualitativen Studien zur Rolle der ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Demnach übernehmen ehrenamtliche Begleitende eine eigene Rolle sozialer Natur als Mediatoren zwischen Patienten und Betreuungsteam [156]. Vorteil einer derartigen heterogenen Aufgabenbeschreibung ist eine flexible Anpassung an die Bedürfnisse der Patienten und ihrer Angehörigen.

In Deutschland erfolgt eine Auswahl, Befähigung, externe Supervision und Fortbildung der ehrenamtlichen Begleitenden; dies wird als hilfreich für die patientennahen Tätigkeiten gesehen. Deutschland hat im internationalen Vergleich eine herausragende Stellung eingenommen, sodass alle Ehrenamtlichen im Hospizbereich in Deutschland auch im internationalen Vergleich eine gute Befähigung zeigen. 

Über den positiven Effekt von ehrenamtlicher Arbeit gibt es eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien, wie eine systematische Übersichtsarbeit hierzu belegt [190]. Die Übersichtsarbeit weist trotz limitierter Evidenz aufgrund methodischer Schwächen darauf hin, dass die Arbeit von ehrenamtlichen Begleitenden den Patienten, Angehörigen und Hauptamtlichen zugutekommt. Ehrenamtliche erweitern die Palette an Angeboten für Patienten und Angehörige und ergänzen so die Arbeit der Hauptamtlichen. Das ehrenamtliche Angebot, als „Bürger“ die Patienten und ihre Angehörigen zu begleiten, kann kein Hauptamtlicher leisten und kann helfen, die Bedürfnisse der Betroffenen am Lebensende noch besser zu verstehen und zu beantworten. Ein europäisches Projekt zur Verbesserung der Versorgung Sterbender (OPCARE9) hat internationale Experten zum Thema ehrenamtlicher Begleitung in der Sterbephase befragt (www.liv.ac.uk/opcare9). Hieraus resultiert die Feststellung, dass der Einsatz ehrenamtlicher Begleitenden auch in der Sterbebegleitung sinnvoll sein kann.

Die klinische Erfahrung sowie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien haben dazu geführt, dass sowohl im internationalen Bereich (z. B. in den Empfehlungen des Council of Europe 2003 [191] oder des EAPC [13]) als auch im nationalen Bereich (Charta zur Verbesserung der Versorgung Schwerkranker und sterbender Menschen in Deutschland [192]) ehrenamtliche Mitarbeit im Hospiz- und Palliativbereich ausdrücklich empfohlen wird.

Trauerbegleitung kann ein zusätzliches Angebot von Hospizdiensten sein.

5.5 Gleichzeitigkeit von Palliativversorgung und tumorspezifischer Therapie

5.32 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Optionen der tumorzentrierten onkologischen Therapie und der Palliativversorgung sollen systematisch und patient:innenindividuell in der Behandlungsplanung berücksichtigt werden.

Konsens
Starker Konsens

Die Durchführung palliativer Tumortherapien bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung mit dem primären Ziel der Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität/Symptomkontrolle schließt eine zeitgleiche palliativmedizinische Versorgung ausdrücklich nicht aus, sondern sollen wenn indiziert parallel erfolgen im Sinne "best of both worlds".

Hintergrund

Die Durchführung palliativer Tumortherapien bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung mit dem primären Ziel der Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität/Symptomkontrolle schließt eine zeitgleiche palliativmedizinische Versorgung ausdrücklich nicht aus, sondern sollen wenn indiziert parallel erfolgen im Sinne "best of both worlds".Die Durchführung palliativer Tumortherapien bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung mit dem primären Ziel der Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität/Symptomkontrolle schließt eine zeitgleiche palliativmedizinische Versorgung ausdrücklich nicht aus, sondern sollen wenn indiziert parallel erfolgen im Sinne "best of both worlds".Die Durchführung palliativer Tumortherapien bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung mit dem primären Ziel der Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität/Symptomkontrolle schließt eine zeitgleiche palliativmedizinische Versorgung ausdrücklich nicht aus, sondern sollen wenn indiziert parallel erfolgen im Sinne "best of both worlds".Die Durchführung palliativer Tumortherapien bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung mit dem primären Ziel der Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität/Symptomkontrolle schließt eine zeitgleiche palliativmedizinische Versorgung ausdrücklich nicht aus, sondern sollen wenn indiziert parallel erfolgen im Sinne "best of both worlds".Die Durchführung palliativer Tumortherapien bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Erkrankung mit dem primären Ziel der Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität/Symptomkontrolle schließt eine zeitgleiche palliativmedizinische Versorgung ausdrücklich nicht aus, sondern sollen wenn indiziert parallel erfolgen im Sinne "best of both worlds".

Therapieempfehlungen und Therapiezielfindung im onkologischen Kontext orientieren sich mehrheitlich an objektiven Befunden wie Tumorgröße, Proliferationsaktivität und molekularpathologischen und immunhistochemischen Charakteristika der Tumorzellen. In der Palliativversorgung steht das subjektive Befinden des Betroffenen im Vordergrund und ist handlungsleitend. Diese unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine für die jeweilige Patientensituation individuell angepasste und angemessene Therapieempfehlung zu geben. In den interdisziplinären Gremien zur Entscheidungsfindung ist Palliativversorgung bislang üblicherweise unterrepräsentiert [16]. Da hier aber der Ort der Weichenstellung ist, muss Palliativversorgung genau hier wirksam werden können. Entweder durch z.B. Anwesenheit eines qualifizierten Palliativmediziners in den interdisziplinären Tumorboards oder durch andere systematische und strukturierte Modelle wie gemeinsame Visiten und Sprechstunden von Vertretern der Palliativversorgung (alle Berufsgruppen) mit den behandelnden Onkologen. Die Ärzte, die die Palliativversorgung in interdisziplinären onkologischen Entscheidungsprozessen vertreten, sollen die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin oder zukünftig klinische Palliativmedizin und ausreichend klinische Erfahrung in Palliativmedizin vorweisen.

Neben der Integration der Palliativversorgung in onkologische Strukturen und Abläufe ist die Integration onkologischer Expertise in palliativmedizinische Entscheidungsprozesse von besonderer Relevanz. Dies gilt z.B. für Fragen der Symptomkontrolle mittels tumorspezifischer Therapien oder der Bewertung von tumorspezifischen Maßnahmen bzgl. Therapiezielfindung und -entscheidung, wobei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt ist (siehe auch: Grundsätze der Palliativversorgung).

Die rasante Wandlung und Fortentwicklung onkologischer Therapieoptionen, die sich wandelnden Nebenwirkungsprofile durch neuartige Therapiemodalitäten, wie z. B. die autoimmunogenen Nebenwirkungen durch PDL-1 gerichtete Therapeutika und die sichere Beurteilung der Sinnhaftigkeit des Einsatzes neuer Therapien erfordert den Zugang zu fachlich fundierter onkologischer Beratung, auch wenn die Behandlungsführung in der (spezialisierten) Palliativmedizin liegt. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass dem nachvollziehbaren Informationsbedürfnis der Betroffenen durch onkologisch fundierte Einschätzung entsprochen werden kann. Spezialisierte Palliativmedizin muss diese Möglichkeit strukturell abbilden, die Art und Weise ist dabei sehr an den regionalen Kooperationsmöglichkeiten auszurichten.

Systematisch lassen sich 4 Gruppen onkologisch erkrankter Patienten unterschieden, deren Konstellation eine Zuordnung zu den palliativen Versorgungsebenen erleichtert:

  • Gruppe 1: gekennzeichnet durch niedrige Symptomlast und niedrig Mortalität (hinweisend für angemessene Berücksichtigung palliativmedizinischer Inhalte im Rahmen der Palliativmedizinischen Basisversorgung durch den Primärbehandelnden)
  • Gruppe 2: gekennzeichnet durch hohe Symptomlast und hohe Mortalität (hinweisend für angemessene Beantwortung der palliativmedizinischen Bedarfe im Rahmen der spezialisierten Palliativversorgung)
  • Gruppe 3: gekennzeichnet durch längere Phasen niedriger Symptomlast (hinweisend für Bedeutung der Palliativmedizinischen Basisversorgung durch den Primärbehandelnden und Allgemeine Palliativversorgung und bedarfsgerechte Ergänzung durch SPV
  • Gruppe 4: gekennzeichnet durch hohe Symptomlast bei „kurativer“ Erkrankung (hinweisend für Bedeutung einer intermittierenden spezialisierten Palliativversorgung / allgemeinen Palliativversorgung/ Palliativmedizinische Basisversorgung durch den Primärbehandelnden)

Die Erfassung der Komplexität stellt den Schlüssel zur Evaluation der Symptomlast dar, die Mortalitätsabschätzung basiert auf der Expertise der onkologischen Behandler:innen [16].

5.6 Qualifikation von Leistungserbringer:innen in der Palliativversorgung

Die palliativmedizinischen Qualifikationen der einzelnen Berufsgruppen sind uneinheitlich geregelt, bei einzelnen Berufsgruppen liegen bisher keine anerkannten Qualifikationen vor (Stand von 07.2025). Zudem ist eine eindeutige Zuordnung des Qualifikationsniveaus zu einer der drei Ebenen Palliativmedizinische Basisversorgung durch den Primärbehandelnden, allgemeine-Palliativversorgung und spezialisierte Palliativversorgung häufig nicht möglich. Aus diesem Grund hat die Leitliniengruppe beschlossen, eine Differenzierung zwischen generalistischer Basisqualifikation und spezialisierter Qualifikation zu benennen, wobei die aktuellen Qualifikationsniveaus der einzelnen Berufsgruppen deskriptiv und ohne Zuordnung zu einer spezifischen Ebene beschrieben werden. Die formale Verknüpfung der Versorgungsintensität an Qualifikationsgebundene Voraussetzungen ist aktuell Gegenstand der Diskussion und im Klärungsprozess.

Folgende Qualifikationen basierend auf Curricula der Dt. Gesell. für Palliativmedizin (DGP) und des Dt. Hospiz. und Palliativ-Verband (DHPV) bestehen aktuell für die einzelnen nicht-ärztlichen Berufsgruppen (Stand: 07.2025); eine gute Übersicht, inkl. der Unterrichtsinhalte und Weiterbildungsstätten in Deutschland wird auf der Webseite der DGP angeboten.

  • Für Ärzt:innen: Palliativmedizin ist seit 2009 Pflichtlehrfach in der Ausbildung von Ärzten in Deutschland (Querschnittsbereich QB13) [193]. Zudem gibt es einen anerkannten 40-stündigen Basiskurs für Ärzt:innen nach den Empfehlungen der DGP [194]. Zudem bieten die Landesärztekammern eine anerkannte Zusatzweiterbildung (ZWB) Palliativmedizin (160-Stunden-Kurs als o. g. Basiskurs plus drei Fallseminare einschließlich Supervision) an, die einen Facharztstatus voraussetzt [195].
    Auf dem Ärztetag 2025 wurde eine Überarbeitung der Musterweiterbildungsordnung im Hinblick auf Zusatzbezeichnungen beschlossen. Für die palliativmedizinischen Weiterbildungsmöglichkeiten wurde ein duales System eingeführt. Zukünftig soll es entsprechend der MWBO der BÄK eine Zusatzweiterbildung „Palliativmedizin“ geben, die ein Kurs-basiertes Weiterbildungskonzept über 160 Stunden beinhaltet, und darüber hinaus die Zusatzweiterbildung „Klinische Palliativmedizin“, die eine 12-monatige Weiterbildung unter Befugnis an Weiterbildungsstätten vorsieht. Beide ZWB sollen mit einer Prüfung durch die zuständige Ärztekammer abgeschlossen werden. Die inhaltliche Ausgestaltung der ZWB „Klinische Palliativmedizin“ ist aktuell in Abstimmung mit der Bundesärztekammer (BÄK)
    Die Umsetzung der Inhalte der MWBO der BÄK ist dann Aufgabe der Landesärztekammern.
  • Für Pflegefachpersonen (inkl. medizinische Assistenzberufe und Pflegehelfer:innen): In der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger:innen werden Grundkenntnisse der Palliativmedizin/Palliativversorgung vermittelt. Zudem existiert für examinierte Pflegefachpersonen eine Weiterbildung zur Palliativpflege in einem 160-Stunden-Kurs, basierend auf dem Basiscurriculum von Kern/Müller/Aurnhammer[196].
    Für die Abrechnungsziffer im Krankenhaus für die spezialisierte stationäre palliativmedizinische Komplexbehandlung (OPS 8–98e) wird als Mindestmerkmal für die pflegerische Leitung ein. 160-Stunden-Kurs und eine mindestens 6-monatige Erfahrung in einer Einrichtung der SPV definiert [197].
    Die Voraussetzungen für eine Tätigkeit gibt der Bundesrahmenvertrag vor.

  • Für psychosoziale Berufsgruppen (z. B. Sozialarbeit, Psychologie, Supervision): In der Ausbildung von Psycholog:innen, Sozialarbeitenden und Supervisor:innen werden keine Grundkenntnisse der Palliativmedizin/Palliativversorgung verpflichtend vermittelt. Es gibt es einen anerkannten 120-Stunden-Palliative-Care-Kurs für Fachkräfte aus psychosozialen Berufen [198]. Dieser Kurs basiert auf dem Basiscurriculum für psychosoziale Berufsgruppen von Kern/Müller/Aurnhammer [196]. Für Psycholog:innen gibt es auch einen eigenen Weiterbildungskurs nach dem Basiscurriculum für Psychologen [199].

  • Für Physiotherapeut:innen: In der physiotherapeutischen Ausbildung werden bisher nur in Bayern Grundkenntnisse der Palliativmedizin/Palliativversorgung vermittelt. Zudem gibt es einen anerkannten 40-Stunden-Basiskurs und 20-Stunden-Aufbaukurs für Physiotherapeute:innen [200], basierend auf dem Basiscurriculum Mehne/Nieland/Simander [201].
  • Für Seelsorger:innen: In der Ausbildung von Seelsorgenden werden bisher nicht regelhaft Grundkenntnisse der Palliativmedizin/Palliativversorgung vermittelt. Als Weiterbildungsmöglichkeit gibt es einen 40-Stunden-Kurs (von den Kirchen anerkannt) und einen 120-Stunden-Kurs in Spiritual Care/Palliative Care für Seelsorgende, basierend auf dem Curriculum nach Hagen/Roser/Reigber/Tönnesmann [202]. Weitere Spezifikationen im Kapitel Spiritualität.

  • Für Apotheker:innen/Pharmazeut:innen: In der Ausbildung von Pharmazeut:innen werden Grundkenntnisse der Palliativmedizin/Palliativversorgung vermittelt. Als Weiterbildungsmöglichkeit gibt es einen 40-Stunden-Kurs (z. B. bei der Christophorus Akademie) [203], basierend auf dem Curriculum der Bundesapothekerkammer und der DGP [204].

  • Für künstlerische Therapeut:innen: In der Ausbildung von künstlerischen Therapeut:innen (Kunst-, Musiktherapie u.a.) werden bisher nicht regelhaft Grundkenntnisse der Palliativmedizin/Palliativversorgung vermittelt, je nach Ausbildungsinstitut sind sie aber Teil der Ausbildung. Grundsätzlich gelten die Absolventen mit dem Abschluss Bachelor, Master oder als gleichwertig anerkannte Abschlüsse als umfassend berufsqualifiziert. Es existieren künstlerisch-therapeutische Qualifizierungsmaßnahmen für den Bereich der Palliativversorgung, die aufgrund Ihrer Anbindung an Ausbildungsinstitutionen und Verbände als qualitätsgesichert gelten.

  • Weitere Qualifikationen (siehe auch sonstige Weiterbildungsangebote der DGP [205]: Es gibt eine Vielzahl von weiteren Fort- und Weiterbildungsangeboten, die hier nicht umfassend und abschließend beschrieben werden können. Neben Kursen gibt es auch das Angebot von Studiengängen, entweder als Master of Arts (M. A., z. B. Universität Bremen) oder als Master of Science (M. Sc., z. B. Universität Freiburg, Universität Münster).

Evidenztabellen

Versorgungsstrukturen
5. Versorgungsstrukturen

5.1                      Integration von Palliativversorgung

5.1.1                  Zeitpunkt der Integration von Palliativversorgung: Aktualisierung 2019

5.1.1.1       Systematic Reviews

Study
(author, journal, year)

Type of study

(SR=systematic review; MA=meta-analysis)

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O = primary outcome;

2.O = secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Adler,

Anaesthesist

2017 [Adler, K. et al. 2017]

 

SR

to determine the current situation of palliative patients in ICU

settings: what is the impact of palliative care

interventions on the quality of care of ICU

patients? To what extent is palliative care

support at ICUs available and to what extent

is it used? Which factors trigger palliative care

consultations?

18 publications quantitative and qualitative studies and review articles         

(2 review articles, 2 retrospective cohort studies, 2 prospective cohort studies, 1 literature review, 1 RCT, 2 qualitative studies, 1 prospective case-control study, 1 prospective observational study, 1 retrospective analysis, 1 qualitative interview study, 2 surveys (1 experts study), 1 quantitative questionnaire, 1 mainly quantitative questionnaire

Participants in the intensive care unit (ICU), namely primarily intensive care patients, their relatives and the intensive care team.

Palliative care interventions and surveys

Benefit, needs and reasons for palliative care

Co-treatment and attitude of the participants.

1 study (RCT, n=517): improvement of the communication between patients and doctors/nurses and significantly increased patient satisfaction in one randomly offered palliative treatment on normal stations, fewer admissions to intensive care units and reduced treatment costs.

1 study (prospective/observational study, n=191): the length of stay in the intensive care unit significantly reduced from 16 to 9 days after the introduction of a palliative care co-treatment.

 

 

§  PICO instrument (no control groups)

§  not specified for patients with

§  different sample sizes (from 17 interviews to 385,770 retrospective dates)

 

1-

(Body of Evidence: 3)

Dalgaard,

Palliat Support Care

2014 [Dalgaard, K. M. et al. 2014]

SR;

to document the best evidence on methods for early identification (EI) of palliative trajectories in cancer, chronic heart failure (CHF), and chronic

obstructive pulmonary disease (COPD) populations, and to identify preconditions for early integration of general PC in hospitals and outcomes for patients and relatives.

44 articles

(10 methods for early identification of palliative trajectories in cancer, 10 methods for early identification of palliative trajectories in CHF, 4 methods for early identification of palliative trajectories in  COPD, 9 general methods for early identification of palliative trajectories, 8 preconditions for early integration of palliative trajectories in cancer, CHF, and COPD, 3 outcome of early integration of palliative trajectories for patients and relatives)

Patients with cancer, CHF, and COPD

Methods, preconditions, and outcomes for patients with cancer, CHF, and COPD

1.O: methods for EI of palliative trajectories in cancer, CHF, and COPD populations                 

2.O: preconditions for early integration of general PC in hospitals and outcomes for patients and relatives

1. trajectory approch

2. integrated tools

3. prognostic tool

Common of all (1.-3.):

Emphasis on prognostication based on assessment of functional status and needs.

 

No methods can be recommended for routine clinical practice without further validation.

 

 

 

§  The evidence about outcome is sparse and mostly relates to cancer populations receiving specialized PC

§  There is an urgent need to develop and evaluate methods based on the holistic assessment of symptoms or needs. The barriers to early integration of PC are most extensive with regard to CHF and COPD. Professional training and education are recommended to facilitate early implementation of PC.

 

 

 

1-

(Body of evidence: 3)

Davis,

Ann Palliat Med

2015 [Davis, M. P. et al. 2015]

SR;

to review and discuss randomized control trials examining the integration of palliative care earlier in the course of the disease trajectory for patients with serious illnesses as an outpatient and at home

Database:

PubMed (no period mentioned); handsearch

Study design:

RCTs, SR

Patients with serious illnesses

Early palliative care (PC) (=early in the course of the disease) for outpatients and patients at home

Symptoms

QoL

Cargiver outcomes

Length of stay, hospitalizations

Costs

Number of studies:

·      15 RCTs on outpatients

·      13 RCTs on home PD

·      7 SR

Quality of included studies: high risk of bias

Outcomes:

incongruent results across studies:

10 RCTs showing some benefit:  improvement in certain symptoms such as depression, improved patient QoL, reduced aggressive care at the end of life, increased advanced directives, reduced hospital length of stay and hospitalizations, improved caregiver burden and better maintenance of caregiver QoL and reduction in the medical cost of care as well as patient and family satisfaction

9 RCTs showing no benefit: symptoms and QoL, and resource utilization and costs not improved

 

Method:

Literature search performed in 1 database only;

Inclusion criteria not clearly defined

Content: author’s conclusions: Incongruent results may be attributed to:

·    Structures: interventions often did not involve full multidisciplinary PC team

·    Control (usual care) not standardized

·    Low quality of studies

·    Variable definition of “early PC”: diagnosis of advanced cancer (or few months later), > 3 months before death, resistance to tumor therapy, prognostic signs and symptoms, etc.

·    Variable referral criteria for home PC: expected survival (varied between 2 years and 2 weeks), impairment of activities of daily living

1-

(Body of evidence: 1-)

Gaertner,

BMJ

2017 [Gaertner, J. et al. 2017]

SR; MA

to assess the effect of specialist palliative care on quality of life and additional outcomes relevant to

patients with advanced illness.

 

3,967 publications

RCTs, cluster RCTs (specific palliative care compared with standard care (full text articles, abstract)

10 RCTs (12 articles; n=2,454 patients; n=1,766 [72%] patients with cancer) included in qualitative synthesis and quantitative synthesis (MA)

Patients with any advanced illness, inpatients and outpatients (hospital, hospice, or community settings) 

Age ≥18 years

Effect of specialist palliative care services on quality of life in adults with advanced incurable illness in hospital, hospice, or community settings (specialist palliative care [SPC] vs. standard care (StC)

1.O: Quality of life (physical, psychological or social)

2.O: Symptom burden (pain, fatigue, nausea, dyspnea), psychosocial variables (distress, depression, anxiety, spiritual wellbeing, social wellbeing, satisfaction), survival time, place of death, cost of care, attrition (or completion rate)

The integration of specialized palliative care was associated with small effect  for quality of life, pain and other secondary outcomes were inconclusive. 

Quality of life: 8 RCTs (80%) measured quality of life: 3 studies (38%) had a small significant effect (0.2-<0.5=small, 0.5-<0.8=moderate,

≥0.8=large)

7 RCTs (MA): Small significant effect in favor of specialist palliative care (SMD 0.16, 95% CI 0.01 to 0.31)

The effect in favor of specialist palliative care was marginally higher for patients with cancer (SMD: 0.20, 95% CI 0.01 to 0.38; 5 RCTs (n=828) and highest for early care (0.33, 0.05 to 0.61)

Pain: 7 RCTs (0.57, 95% CI -0.02 to 1.15); 3 RCTs included in the MA (-0.38, 95% CI -0.82 to 0.06)

§  Body of evidence: low (pain) and moderate (QoL) quality of evidence    

§  The true effect of the intervention might be substantially higher than reported due to a number of methodologic issues of the RCTs

§  All RCTs provided specialist palliative care in addition to routine care to ALL patients (no focus or screening for those in need of a specialist intervention)

§  Very strict inclusion criteria, especially concerning the mandatory multi-professional team.

 

1+

Haun,

Cochrane

2017 [Haun, M. W. et al. 2017]

 

SR, MA;

to compare effects of early palliative care (PC) interventions versus treatment as usual/standard cancer care on health-related QoL (HRQOL),

depression, symptom intensity, and survival among adults with a diagnosis of advanced cancer.

Databases: Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL), MEDLINE, Embase, the Cumulative Index to Nursing and Allied Health Literature (CINAHL), PsycINFO, OpenGrey (grey literature), and three clinical trial registers to October 2016

Study design: RCTs, cluster-RCTs (cRCTs)

Adult patients whom had been given the diagnosis of a malignant tumor entity at an advanced stage (as assessed by the oncologist and based on disease stage and tumor type) and without curative treatment options (i.e. owing to metastatic disease or inoperability, or both)

Professional palliative care services that provided or co-ordinated comprehensive care for adults at early advanced stages of cancer

vs. usual/standard cancer care

1.O:

·  HRQOL

·  Survival

·  Depression

·  Symptom intensity

measured by means of a validated tool

2.O:

·  Caregiver burden

·  Healthcare utilization

·  Harms/adverse events (AE)

 

Study number: 7 RCTs/cRCTs (n=1614)

Models of care:

Specialized PC team: 4 RCTs

Coordinated care: 3 RCTs

Quality of studies: low/moderate risk of bias; evidence of low to very low certainty main outcomes

Outcomes (meta-analysis):

·      HRQOL (n=1,028; low evidence): sign. small effect (SMD 0.27, 95% CI: 0.15 to 0.38)

·      Survival (n=800; very low evidence; I2=81%): n.s. (death hazard ratio 0.85, 95% CI 0.56 to 1.28)

·      Depressive symptoms (n=762): n.s. (SMD -0.11, 95% CI -0.26 to 0.03)

·      Symptom intensity (n=1,054): sign. small effect (SMD -0.23, 95% CI -0.35 to -0.10)

The type of model used to provide early palliative care did not affect study results

AE (1 RCT): higher percentage of participants with severe scores for pain and poor appetite

Well-conducted SR

Although we found only small effect sizes, these may be clinically relevant at an advanced disease stage with limited prognosis, at which time further decline in quality of life is very common.

§  We have to interpret current results with caution owing to very low to low certainty of current evidence and between-study differences regarding participant populations, interventions, and methods.

1++

(Body of evidence:

1-)

Hui,

Oncologist

2015 [Hui, D. et al. 2015]

 

SR;

to identify articles addressing the clinical, educational, research, and administrative indicators of integration of palliative care and oncology

 

Databases:

Ovid MEDLINE and Ovid EMBASE between 1948 and 2013

Study design:

Original studies, reviews, systematic reviews, guidelines, editorials, commentaries, and letters

Oncology patients treated integratively by palliative care specialists and oncologists

(No intervention but collection of the following descriptive data):

Clinical, educational, research, and administrative indicators of integration of palliative care (PC) and oncology

We used frequencies and percentages to summarize the data

Study number/design: 101 articles. A majority of these articles were review articles (n=59, 58%), published in oncology journals (n=60, 59%), and from North America (n=64, 63%). Original articles: n=35 (34%); European origin: n=27 (27%)

Clinical indicators:

a) Structure:

·      Outpatient PC clinics (54%)

·      Community-based PC (32%)

·      PC units (24%)

·      Inpatient consultation teams (14%)

b) Process (i.a.):

·     Interdisciplinary teams (71%)

·     Acceptance of patients on active cancer treatment (simultaneous care, 70%)

·     High degree of availability of PC clinics (10%)

·     Routine symptom screening (25%)

·     Timing of PC referral (18%): most articles gave the diagnosis of advanced/metastasized cancer or the weeks after the diagnosis as timing of referral.

c) Outcomes: Although many clinical outcomes were mentioned in the literature (e.g., survival, QoL), it could not be determined whether these outcomes were related to the mere presence of a palliative care program, successful integration specifically, or other cointerventions (i.e., cancer treatments). 

Education indicators (i.a.):

·      Palliative skills for oncologists

·      Palliative skills for students

Research/administrative indicators: discussion about needs for research and for policy on PC (i.a.)

Descriptive SysRev aiming at identifying indicators of integration from original publications (incl. RCTs), (systematic) reviews or discussion articles.

 

Well conducted systematic review

3

Hui,

Oncologist

2016 [Hui, D. et al. 2016]

 

SR;

to identify criteria that are considered when an outpatient palliative cancer care referral is initiated.

Study design:

Original studies, reviews, systematic reviews, guidelines, editorials, commentaries, and letters

Cancer palliative patients in outpatient setting

(No intervention but collection of the following descriptive data):

Criteria that are considered when an outpatient cancer palliative care referral is initiated

 

We used frequencies and percentages to summarize the data 

If a referral criterion was described by at least 5 articles, it was considered as a major category.

Study number/design: 21 articles 

Major categories for referral criteria:

· physical symptoms (n=13 [62%]): n=9 used a validated tool. From these, n=7 used ESAS (only n=2 set a cut-off: ≥6 or 5/10)

· cancer diagnosis/trajectory (n=13[62%]): diagnosis of advanced cancer as most common criteria. Definition of advanced cancer varied between the 13 studies.

· prognosis (n=7[33%]): wide variation

· performance status (n=7 [33%]): n=5 used ECOG (cut-offs varied); n=2 used PPS (Palliative Performance Scale)

· psychosocial distress (n=6 [29%]): n=2 used a tool (NCCN distress thermometer; cut-offs ≥4 or 6/10)

EoL care planning (n=6 [29%]) as reason for referral

Descriptive SysRev aiming at identifying referral criteria for outpatient cancer PC from original articles (incl. RCTs), (systematic) reviews or discussion articles, as first step toward developing a standardized set of referral criteria.

 

Well conducted SysRev

 

3

Tassinari,

Rev Recent Clin Trials

2016 [Tassinari, D. et al. 2016]

 

SR;

to assess the role of early palliative care in patients with advanced oncologic and non-oncologic chronic diseases

Databases:

MEDLINE, EMBASE, CINAHL, CRISP and Cochrane Systematic Reviews Databases, from January 2000 to June 2015

Study design:

RCTs phase III

Patients with advanced oncologic and non-oncologic diseases

Early, simultaneous palliative care (PC) + standard care

vs.

 standard care alone

QoL

symptoms control

overall survival

quality of care

patients' and caregivers' satisfaction

costs of the assistance

Study number: 9 RCTs + 2 prospective cohort trials (14 publications)

Quality of studies: moderate to high risk of bias

Outcomes:

QoL: improved in 2/7 studies

Symptom control: improved in 1/5 studies

Overall survival: improved in 2/3 studies

Quality of care: improved in 5/8 studies

Satisfaction: improved in 3/4

Cost reduction: in 2/3 studies

Method:

Clear focused question;

Inclusion of non-randomized cohort studies despite clear RCT-inclusion criteria;

Otherwise well-conducted

Content:

Heterogeneous results may be due to (author’s conclusions):

·    Lack of clear definition of “early” and “simultaneous” and of timing and setting for PC

·    Heterogeneity of PC service models included

Moderate to high risk of bias

1+

(Body of evidence: 1-)

Aktualisierung 2025: Zeitpunkt der Integration von Palliativversorgung

Systematic Review

Study

Type of study

(SR=Systematic Review; MA=Meta-analysis)

Databases, Inclusion Criteria. Population

Intervention & Outcomes

Results

Comments

Level of Evidence

Oxford 2011

Byrne,

Cochrane,

2022 [57]

Cochrane Systematic Review

 

Aim: To To assess the evidence for early palliative care interventions, including referral to specialist palliative care services, for improving outcomes in adults diagnosed with a primary malignant brain tumour and their carers.

Databases: CENTRAL, MEDLINE, CINAHL, Web of Science, PsycINFO, plus clinical trial registries and grey literature.

Inclusion: RCTs, non-randomised studies, qualitative and mixed-methods studies evaluating early palliative care interventions for adults with primary malignant brain tumors and/or their informal carers.

Intervention: Early palliative care interventions (specialist or generalist) within a defined timeframe post-diagnosis or surgery. Outcomes: Quality of life, symptom control, psychological outcomes, survival, and carer outcomes.

Only one small RCT was included, focusing on early cognitive rehabilitation within 2 weeks of surgery (Zucchella 2013). This showed limited benefits in visual attention and verbal memory but no impact on broader cognitive functions or quality of life. No studies were found addressing early referral to specialist palliative care services.

·          There is a significant lack of evidence on early palliative care for people with primary brain tumors.

·          High-quality research is needed to define effective early palliative care interventions in this population.

1

Cui,

Nurs Res,

2023

[58]

Meta-analysis, trial sequence analysis.

 

Aim: To evaluate the effects of early palliative care on quality of life (QoL), depression, anxiety, and survival in patients with advanced cancer.

Databases: PubMed, Embase, Cochrane Library, Web of Science.

Inclusion: Randomized controlled trials involving patients with advanced cancer receiving early palliative care.

Intervention: Early palliative care versus standard care

Outcomes: QoL, depression, anxiety, survival

19 RCTs included. EPC has a positive effect on quality of life (SMD = 0.14, 95% CI [0.06, 0.22], p = .001), symptom burden (SMD = 0.14, 95% CI [0.01, 0.26], p = .028), and levels of satisfaction (MD = 4.31, 95% CI [2.87, 5.75], p < .001). However, EPC did not have a significant positive effect on anxiety (MD = −0.10, 95% CI [−0.26, 0.05], p = .199) or survival rates (HR = 0.88, 95% CI [0.74, 1.03], p = .119).

·          Findings support early palliative care as beneficial for QoL;

·          psychological outcomes showed mixed results.

·          Heterogeneity across studies was generally low for QoL outcomes.

1

Huo,

Eur J Cancer Care,

2022 [59]

Systematic Review and Meta-analysis

 

Aim: To compare the effects of early palliative care versus standard oncologic or on-demand palliative care in patients with incurable cancer.

Databases: PubMed, Embase, Web of Science, Cochrane Library, ClinicalTrials.gov, WHO ICTRP.

 

Inclusion: Randomized controlled trials in patients with incurable cancer receiving early palliative care versus standard care.

Intervention: Early palliative care

 

Outcomes: quality of life, symptom burden, mood, survival, place of death, resource use"

16 RCTs included. Early palliative care improved quality of life (SMD=0.737). Patients had fewer symptoms (SMD=0.304), better mood (SMD=-0.443), better survival (HR=1.521), and increased probability of dying at home (HR=1.153). No significant differences in resource use.

 

 

§   Quality of evidence considered low due to heterogeneity and limited number of studies for some outcomes.

§   Effects are promising but need further validation

1

Kochovska,

Transl Lung Cancer Res,

2020 [60]

Systematic Review and Meta-analysis Aim: To evaluate the effectiveness of early integrated palliative care in people with lung cancer and their caregivers.

Databases: MEDLINE and PubMed

 

Inclusion: Studies on lung cancer patients and/or their caregivers receiving early palliative care.

Intervention: Early integrated palliative care

Outcomes: Patient and caregiver QoL, mood, symptom burden, satisfaction, survival

11 included studies: Mixed results. Some studies showed improved QoL and symptom control in patients, and reduced caregiver burden. Meta-analyses conducted where possible, but variation in measures limited pooling.

§   Narrative synthesis with some pooled data. Highlights potential benefit of early palliative care, but heterogeneity in outcomes and delivery models limits conclusions

1

Shih,

Am J Hosp Palliat Care,

2022 [61]

 

Meta-analysis

Aim: To evaluate the effects of early palliative care on quality of life (QoL), symptom intensity, and functional well-being (TOI) in advanced cancer patients.

Databases: PubMed, Embase, CINAHL, MEDLINE, Cochrane Library

 

Inclusion: RCTs including patients with advanced cancer receiving early palliative care.

Intervention: Early palliative care

 

Outcomes: Quality of life (QoL), symptom intensity, Trial Outcome Index (TOI)",

12 RCTs (N=2980). Early palliative care improved QoL ≤3 months (SMD = 0.16 95% CI: 0.05–0.27) and >3 months (SMD = 0.26 95% CI: 0.11–0.40). Reduced symptom intensity >3 months (SMD = 0.18 95% CI: 0.06–0.31) and improved TOI ≤3 months (SMD = 0.28 95% CI: 0.11–0.45).

§   Consistent small-to-moderate benefits across outcomes.

§   Supports early palliative care as clinically meaningful addition to cancer treatment.

§   Heterogeneity moderate.,

1

Gautama,

Indian J Palliat Care,

2023 [Gautama, MSN et al. 2023]

Systematic Review and Meta-analysis

 

Aim: To determine the effectiveness of early palliative care (EPC) on quality of life (QoL) in patients with advanced cancer.

Databases: PubMed, ProQuest, MEDLINE (EBSCOhost), Cochrane Library, ClinicalTrials.gov

 

Inclusion: RCTs on adults with advanced/metastatic cancer, assessing effects of EPC vs. standard oncology care on QoL, mood, and symptoms.

Intervention: Early palliative care

 

Outcomes: QoL (primary), mood and symptom control (secondary)

 

12 RCTs (N=2364). Significant improvement in QoL (SMD = 0.16, 95% CI: 0.04–0.28). No significant effect on mood (MD = -0.90, 95% CI: -2.32–0.51) or symptom control (MD = -1.49, 95% CI: -3.81–0.81).

§   Supports effectiveness of EPC for QoL in advanced cancer.

§   No consistent effects on mood or symptom burden. Moderate heterogeneity varied intervention timing and cancer types.

1

5.2                      Erfassen der Patientenbedürfnisse und Ermittlung der Komplexität: Aktualisierung 2019

Siehe dazu Evidenztabellen des Kapitels 5.1.1, Zeitpunkt der Integration von Palliativversorgung: Aktualisierung 2019

5.3                      Interventionen für Angehörige

5.3.1                  Systematic Reviews

Study

(author, journal, year)

Type of study

(SR=systematic review; MA=meta-analysis)

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O = primary outcome;

2.O = secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Candy,

Cochrane

2011 [Candy, Bridget et al. 2011]

SR, MA

11 RCTs

Caregivers (CG) = adults caring informally for a relative/friend with a disease in the terminal phase

(n=1,836)

Most patients with cancer

Interventions providing support to the caregiver + usual care: directly (9): support in the caring role (7), family life review (1), grief therapy (1)

Indirectly via patients care (2)

1.O

Psychological health (symptoms of depression/anxiety/ hopelessness, QoL, coping, …)

Physical health

Service delivery

Adverse outcomes

2.O

Acceptability to CG

CG’s knowledge of patient’s disease

Perceived impact of care by patient

CG bereavement

Cost

Interventions supporting directly the CG:

Low quality evidence that they significantly reduce psychological distress in the short term (8 trials: standardized mean difference (SMD) -0.15; 95% confidence interval (CI) -0.28 to -0.02).

Low quality evidence that they in the short term may marginally improve coping skills and quality of life, but neither results were statistically significant (7 trials: SMD -0.05; 95% CI -0.24 to 0.14; 6 trials: SMD 0.08; 95% CI -0.11 to 0.26, respectively)

1 trial assessed physical outcome: no difference

Indirect interventions:

May reduce psychological distress, but not sign.

No study assessing health service use or adverse outcomes.

Risk of bias unclear, as all trials underreported methods

1++

Harding,

Pall Med 

2003 [Harding, R. et al. 2003]

SR (no MA due to heterogeneity)

22 studies (no design limit)

Evaluation studies:

2 RCTs

2 prospective single-group

1 retrospective single-group

1 feedback

CG =

Adults providing informal care (including family members) for noninstitutionalized cancer and palliative care patients.

 

Interventions for CG

specifically for CG (6)

home nursing care (4)

respite services (3)

social network and activity enhancements (2)

problem solving and education (3)

group work (10)

Description or evaluation of intervention

The current evidence contributes more to understanding feasibility and acceptability than to effectiveness.

Small sample size

Lack of evaluation design

Use of untested measures

1- (English only, few databases, few RCTs)

Harding,

Pall Med

2012 (update) [Harding, Richard et al. 2012]

SR (no MA due to heterogeneity)

33 studies (included are RCT, prospective, concurrent mixed-methods, qualitative, qualitative post-intervention data, before-after study): 10 (quasi-) experimental design

 

 

CG = adults providing informal care (including family members) for noninstitutionalized cancer and palliative care patients.

(24 studies with CG of cancer patients)

Interventions for CG:

specifically for CG (17)

1 to 1 psychological models (8)

Psychological interventions for patient/carer dyads (4)

Palliative care/hospice (6)

Information and training (3)

respite (1)

group interventions (10)

physical (1)

Description or evaluation intervention

Group interventions (2 RCTs, 2 quasi-experimental studies): 2/4 sign. benefit

1 to 1 psych. interventions (3 (quasi) experimental studies): 2/3 positive effect; sign. treatment effect with respect to positive rewards of caring

Pt/carer dyads (3 RCTs: 3/3 sign. effect (improved QoL, reduced stress…). No sign. effect on coping, hopelessness and uncertainty.

PC/hospice (1 RCT out of 6 studies): n.s. on carer outcomes post-death

(Quasi-)experimental studies: moderate to good quality

1+ (English only, few databases)

Lorenz,

Ann Int Med

2008 [Lorenz, Karl A. et al. 2008]

SR (no MA due to heterogeneity).

Comprehensive review to EoL care, with one chapter analyzing caregiver burden.

8 SR

19 intervention studies (RCT, CCT)

EoL patients

Interventions for serving informal caregivers, including family, when patients are approaching EoL

CG outcomes (burden relieve, satisfaction)

Weak to moderate evidence suggests that caregiver interventions, especially when comprehensive and individually targeted, can relieve burden, although effect sizes are generally small.

Moderate evidence suggests that palliative care interventions improve satisfaction.

Because existing research focuses on dementia, evidence is moderate in dementia and weak in cancer. No evidence addressed caregivers in heart failure.

Most literature related to dementia, less to cancer

1++

5.3.2                  Primärstudien

Study

(author, journal, year)

Type of study/

design

(RCT/CCT, blinded, cross-over/parallel

Number of included patients/dropouts

 

Patients characteristics

Intervention/control

Outcomes
(
1.O=primary outcome;
2.O= secondary outcome)

Outcome measure

Results

Comment

Level of Evidence

SIGN

Fegg,

Psycho-Oncology,

2013 [Fegg, M. J. et al. 2013]

RCT; parallel-group design (with equal randomization

1:1)

n=160

(81 EBT; 79 control group)

Dropouts=35

§ 54.5+-13.2 years old; 69.9% were female

§ Study participants were informal caregivers (CG) of patients receiving inpatient palliative care (life expectancy ≤ 6 months according to the patient’s physician) and post-death; minimum 21 years of age

§ Patients’ diagnosis: Cancer (82,7%), neurological disease (12,8%), other (4,5%)

§ Only one relative per patient took part with the next of kin being selected.

§ Exclusion criteria: severe mental illness

Intervention:

EBT (Existential behavioral therapy) treatment to support informal CG of palliative patients:

Six group sessions totalling 22 h

§ First meeting: Becoming acquainted and introduction into mindfulness.

§ Second meeting: Death, bereavement and mindfulness

§ Third meeting: Activating resources and finding meaning.

§ Fourth meeting: Self-care and stress management.

§ Fifth meeting: Personal values for (re-)orientation.

§ Sixth meeting: Saying goodbye and new steps.

Control group did not receive

any special comparative treatment. However, they were free to use the spectrum of available support at the institution or elsewhere

1.O: mental stress and QOL

Severity of symptoms (Brief Symptom Inventory - BSI, sub-scales of;

§ somatization,

§ depression

§ anxiety

Raw scores were transformed into gender-specific T-values (T≥60 is clinically striking).

QOL

§ Satisfaction with Life Scale (SWLS) assessing its cognitive aspects

§ WHOQOL-BREF comprising QOL domains

§ NRS on individual, overall QOL experience (QOL-NRS, range 0–10, ‘How do you rate your quality of life at the moment?’)

(Data were collected at baseline, pre-treatment, post-treatment and follow-ups after 3 and 12 months.)

2.O:

§ changes in affect (Positive and Negative Affect Scale (PANAS)

§ helpfulness ratings of specific intervention (0-4)

§ no sign. differences between both groups at baseline

§ The multivariate model was significant for the pre-/postcomparison (p = 0.005) and the pre-/12-month comparison (p = 0.05) but not for the pre-/3-month comparison.

§ Medium to large effects on anxiety (regression coefficient B (95% CI) =4,59 (1.34 to 7.85)) and QOL (SWLS: B (95% CI) =-0.39 (-0.69 to -0.10), WHOQOL-BREF: B (95% CI) =-3.68 (-6.34 to -1.02), QOL-NRS: B (95% CI) = -1.17 (-1.78 to -0.56)) were found at post-treatment;

§ medium effects on depression (regression coefficient B (95% CI) =3.27 (0.15 to 6.39) and QOL (QOL-NRS: B (95% CI) =-1.18 (-1.90 to -0.45) emerged in the 12-month follow-up.

§ No adverse effects of the intervention were observed.

§ 2.O: EBT participants had significantly less negative affect (regression coefficient B (95% CI) =0.29 (0.10 to 0.49) and a tendency towards more positive affect in the pre-/post-comparison. At 3-month follow-up, differences in the same direction but not significant (p=0.05). At 12-month follow-up, significantly less negative (regression coefficient B (95% CI) = 0.33 (0.11 to 0.54) and by trend more positive affect in EBT compared with controls.

§ Intention to treat analysis

§ Powered study: 44 CG had to participate in the EBT to achieve a power of 0.8 at p = 0.05

§ Participants selected from different institutions, improving generalizability.

§ A possible limitation is the heterogeneity of the sample. Participating informal CG had varying relationships to the patient, with partners being predominant.

§ No reported calculation of overall effect of multivariate model

§ No information about blinding

1+

Hudson,

Psycho-Oncology

2013 [Hudson, P. et al. 2013]

Phase III randomized parallel group (three-arm RCT)

n=298 (control: n=148; Intervention 1: n=57; Intervention 2: n=93)

Dropouts: 21 at Time 1; 137 at Time 2 (46%):

patient no longer met the inclusion

criteria (n = 22); patient died before time 2 (n = 9); or the

carer withdrew from the study (n = 17). In the

majority of circumstances (n = 80), the reason(s) were not identified.

 

§ primary family caregivers (CG) of patients with advanced cancer receiving home-based palliative care

§ age > 18 years

§ able to understand English

§ exclusion criteria: confronted with significant emotional distress precluding them from completing questionnaires. CG of patients with a nonmalignant diagnosis or a poor functional status (using a standardized measure) indicating likelihood of imminent death were excluded in order to reduce attrition.

 

Intervention:

The psycho-educational focus included tailored information and resources (primary written resource was a family CG guidebook) given to family CG to promote psychological well-being by preparing them for their role. Each CG was allocated a Family CG Support Nurse (FCSN) who assisted the local palliative care service. The intervention was delivered over 4 weeks and comprised the following:

§ Step 1: preparing CG for the intervention.

§ Step 2: assessing caregiver needs and preparing a care plan.

§ Step 3: re-assessing needs and evaluating the care plan

§ Step 4: assisting the family caregiver to prepare for their relative’s death and to prepare for bereavement.

 

Arm 1: 1 visit and 3 phone calls

Arm 2: 2 visits and 2 phone calls

Arm 3: control (standard care)

 

1.O:

§ psychological distress (General Health Questionnaire (GHQ)

 

2.O: Caregiving experiences prior to the patient’s death

§ caregiver competence scale (CCS) (4 questions scored 0–3)

§ preparedness for caregiving scale (8 questions scored 0–4, ‘total’ score is the mean of valid responses)

§ family inventory of need—part/scale B (20 questions scored 0–4)

§ rewards for caregiving scale (10 questions scored 0–4)

 

Measurement at:

§ baseline (T1)

§ 1 week post-intervention (T2)

§ 8 weeks post-patient death (T3)

 

§ Psychological well-being: not sign. improved in intervention groups

§ No significant reduction in unmet needs or improvements in positive aspects of caregiving amongst the intervention group were identified.

§ significant improvement in preparedness and competence for Intervention 2: The difference in change between the two-visit group and the control group was significant (p = 0.035). The effect sizes for the one-visit group, the two-visit group and the two groups combined relative to the control group were 0.14, 0.29 and 0.22 indicating small effects.

The change between Times 1 and 2 in the two intervention groups combined versus the control group was significant (p = 0.03), as was the change in the two-visit group versus the control group (p = 0.04). The effect sizes of the changes in the one visit, two visits and both groups combined relative to the control group were 0.27, 0.33 and 0.30, respectively, indicating small effects. 

§ Computer-gernerated randomization

§ Research assistants blinded to group allocation to minimize response bias

§ Selection bias: many relatives declines to participate

§ Younger participants produced the higher scores (normally older people do)

§ Attrition bias, with the biggest net loss between T1 and T2

§ no guarantee that implementation of the intervention was carried out routinely as intended (performance bias?)

1-

McLean,

Psycho-Oncology

2011 [McLean, L. M. et al. 2013]

Two-group RCT; couples randomly assigned to EFT or standard care (CTL) in a 1:1 ratio by statistician, no blinding of participants to their assignments.

Study personal blinded to condition assignment

N= 42 couples

22 couples for intervention group and 20 for control group

Dropout=2 couples (one patient died of cancer and one had progressive disease and was too ill to continue [both from CTL group])

§ Participants were recruited from Princess Margaret Hospital (PMH), Canada’s largest comprehensive cancer center

§ Metastatic cancer

§ English speaking

§ ≥18 years old

§ In a romantic partnership of ≥ 1 year, endorsing marital distress (Revised Dyadic Adjustment Scale (RDAS) ≤ 47) in minimally one partner

§ Not currently in couple therapy

§ Patient Karnofsky Performance Status score of ≥ 60

 

Emotionally Focused Therapy (EFT), modified for the advanced cancer population versus standard care. Aim of the couple-based intervention: support couples facing death

 

EFT:

§ 8-session EFT intervention adapted for use with couples where one partner has advanced metastatic cancer.

§ 1-hour weekly couple sessions (M = 7.7, SD = 0.94, median = 8, mode = 8) were delivered by one EFT-trained psychologist (LM) and occurred over a 2–3-month period. Sessions took place at PMH clinical offices or at alternative locations in four of the INT group couples, including home (n = 2) and/or inpatient hospital room (n = 2), to accommodate needs and to maximize adherence.

Control (CTL):

§ standard care provided by the POPC department.

1.O:

§ marital functioning (Revised Dyadic Adjustment Scale = RDAS (standardized and validated 14-item self-report that is widely used to evaluate both individual and dyadic adjustments in distressed relationships.)

2.O:

§ Psychological Symptoms (Beck Depression Inventory-II (BDI-II) and Beck Hopelessness Scale (BHS))

§ CG’s Burden (two subscales [Demand/Difficulty] of the Caregiver Burden Scale were used to access objective and subjective caregiving burden (CG only)

§ Patient’s perspective of CG empathic behavior (10-item Relationship-Focused Coping Scale [RFCS])

 

Measures at

§ baseline (T0) (before random assignment),

§ immediately post-intervention (T1),

3-month post-intervention follow-up (T2).

§ Marital functioning: At T1, sign. difference on the RDAS (p<0.0001), with the EFT having higher mean scores (better marital functioning) than the CTL group. Effect size for this difference: Cohen’s d = 1.00, which is in the large range. In both groups, patients showed a marginally higher mean score for marital functioning compared with CG [EFT: M= 56.3, standard deviation (SD) = 4.6 vs M= 54.3, SD = 4.5; CTL group: M= 43.4, SD = 10.3 vs M= 42.4, SD = 6.8, respectively]. At T2, results were maintained.

§ Psychological symptoms: no difference in BHS between groups.

§ Caregiver burden and patient-perceived empathic behavior: sign. higher mean scores at T1 for EFT patients, indicating higher patient perceived caregiver empathic behavior (p = 0.02). There was no sign. difference (p = 0.09) between groups in CG subjective difficulty in caregiving for their ill spouses.

§ Power analysis

§ relatively small sample size.

§ results limited to couples who were referred by their clinical team and met the RDAS cut-off for marital distress.

 

1+

Northouse,

Psychooncology

2013 [Northouse, L. L. et al. 2013]

RCT, blinded

(three-arm RCT)

N= 484 dyads (completed baseline assessment)

N= 343 dyads

completed Time 2 assessments (70.9% retention); and

N= 302 dyads completed Time 3 assessments (62.4% retention)

§ advanced breast, colorectal, lung or prostate cancer (i.e., Stage III or IV), and were within a six-month window of having a new advanced cancer diagnosis, progression of their advanced cancer, or change of treatment for it.

§ life expectancy ≥ 6 months,

§ age 21 or older,

§ living within 75 miles [120 km] of participating cancer centers, and

§ having a family caregiver willing to participate.

§ CG were eligible if they were age 18 or older and identified by patients as their primary caregiver

Intervention:

The original FOCUS Program was a home-based, dyadic intervention that provided information and support to cancer patients and CG together, as the unit of care. We revised the original five-session program into Brief and Extensive versions.

 

§ Arm 1: Brief FOCUS: 3 contacts (two 90-minute home visits and one 30-minute phone session).

§ Arm 2: Extensive FOCUS: 6 contacts (four 90-minute home visits and two 30-minute phone sessions).

§ Control: All study participants received usual care at their cancer center, consisting of the medical treatment of cancer and symptom management. Psychosocial support was provided occasionally, but was not delivered routinely to patients or CG.

1.O: Quality of Life: General Functional Assessment of Cancer Therapy (FACT-G), assessing 4 domains: social, emotional, functional, physical well-being

 

2.O:

Appraisals

§ Appraisal of Illness and Caregiving (Appraisal of Illness Scale (patients) and Appraisal of Caregiving Scale (CG))

§ Uncertainty (brief version of the Mishel Uncertainty in Illness Scale)

§ Hopelessness (Beck Hopelessness Scale)

Resources:

§ Coping: strategies (Brief Cope) and Healthy behaviors (researcher-developed scale to assess activities that were encouraged in the intervention)

§ Interpersonal relationship: Dyadic support (modified family support subscale of the Social Support Questionnaire) and Communication (Lewis Mutuality and Sensitivity Scale)

§ Self-efficacy (Lewis Cancer Self-efficacy Scale)

Measures at:

§ Hopelessness (Beck Hopelessness Scale)

§ baseline (T1),

§ 3 months after baseline (T2)

§ 6 months after baseline (T3)

§ Significant Group by Time interactions showed there was improvement in dyads'

§ Coping  (F= 2.15,

p = 0.013), self-efficacy  (F = 2.84, p = 0.024), and social QOL (F = 4.28, p = 0.002), and in CG' emotional QOL (p<.05).

§ Effects varied by intervention dose.

§ Most effects were found at 3 months only.

§ Risk for distress accounted for very few moderation effects.

> Both brief and extensive programs had positive outcomes for patient–caregiver

dyads, but few sustained effects. Patient–caregiver dyads benefit when viewed as the ‘unit of care’.

§ stratified randomization process

§ sample size calculation > powered study

§ only patients' risk status (i.e., high versus low) were used as a stratification variable

§ high drop-out rate

§ risk for distress measured instead of current distress

1-

Yun, 

J Clin Oncol

2011 [Yun, Y. H. et al. 2011]

RCT (two arms)

N=444

§ primary family CG older than age 18 years

§ patients of potentially eligible CG: were diagnosed with terminal cancer, older than age 18 years

§ Korean speaking/reading

§ DA (decision aid):

professionally developed 20-minute take-home DVD and a companion 43-page workbook entitled Patients Want to Know the Truth. The material provided a protocol for informing patients about their terminal status and was aimed at improving both communication between patients and their families and satisfaction with the decision-making process.

§ Control group received a Korean version of a US National Cancer Institute DVD of similar length on pain management entitled Controlling Cancer Pain: A Video for Patients and Families, 16 and 29-page educational book on pain control by the Korean Ministry of Health and Welfare entitled Cancer Pain Can Be Controlled.

1.O:

§ CG decision to discuss a terminal prognosis with the patient

2.O:

§ Decision Conflict Scale (DCS): Total score, Support Score, Uncertainty score, Conflict Score, Informed Score, Value Clarity Score 

§ Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS),

§ Caregiver Quality of Life Index–Cancer (CQOL-C)

Each completed by the caregiver at 0, 1, 3, and 6 months.

 

§ Decision Regret Scale (DRS) at 1, 3, and 6 months (to measure decisional conflict and assessed conflict using personal perceptions of the level of uncertainty (uncertainty subscale), how well-informed patients felt about their choice (informed subscale), the clarity of personal values (values clarity subscale), and the support they had in the decision-making process (support subscale)

§ no difference in changes in the decision to discuss terminal prognosis between the two groups.

§ Conflict (P=.003), uncertainty (P=.019), and value clarity (P=.007) subscale scores and total DCS score (P=.008) improved from baseline to 1 month significantly more in the DA than in the control arm.

§ Over 6 months, the significant between-group differences continued for the conflict (P=.031), uncertainty (P=.014), and value clarity (P=.039) subscale scores and total DCS score (P = .040).

§ 80% power with min n=444

§ Descriptive statistics for estimation

§ Analysis of covariances

§ Analysis of baseline à no differences

§ focus only on a family caregiver’s prognostic disclosure to a terminally ill patient with cancer

§ all study participants were Korean

§ the outcomes we assessed were not typical end-of-life trial outcomes

§ many CG were lost to follow-up

 

1-

5.4                      Interventionen zur Trauerbegleitung

5.4.1                  Systematic Reviews

Study

(author, journal, year)

Type of study

(SR=systematic review; MA=meta-analysis)

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O = primary outcome;

2.O = secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Gauthier,

Clin Psychol-Sci Pr

2012 [Gauthier, L. et al. 2012]

SR/no MA

8 studies (10 articles):

2 RCTs

1 CBA (controlled before-after)

2 BA (before-after)

1 RCS (retrospective controlled study)

3 descriptive

1 qualitative

Bereaved spouses of patients with cancer.

Most middle aged and women.

(n=1,366)

Bereavement interventions (4 studies, 6 articles):

3 BSG=bereave. support group (thereof: 1 RCT, 1 CBA)

1 relaxation training (BA)

 

Prebereavement interventions (specialized EoL care) (4 studies, thereof 1 RCT)

Bereavement outcomes

Prebereavement well-being (as factor for adjustement to bereavement)

Specialized EoL care: may impact favorably on bereavement well-being (1 RCT: distress sign. lower over 1 year, then no difference)

Bereavement interventions (above all: BSG): little to no effect on psychological well-being (i.a. 1 RCT, 1 CBA)

Studies did not include assessments of spouses’ psychological well-being in the prebereavement period > effect of prebereavement well-being on spousal adjustement not measurable.

 

Body of evidence (1-): 2 RCTs without sample size calculation); 1 study fairly strong evidence; others weak evidence

Few studies

Because of no sample size calculation, it is difficult to determine whether the finding that bereavement interventions have little to no effect on psychological well-being is because of the effects of the interventions themselves or a result of insufficient power to detect an effect.

1++

 

Wittouck,

Clin Psychol Rev

2011 [Wittouck, C. et al. 2011]

SR/MA

14 RCTs:

9 RCTs: prevention of complicated grief (CG)

5 RCTs: treatment of (CG)

Adults who had lost a loved one through violent or non-violent death (n=1,655; n=910 in the intervention group):

41 y mean age

70% female

4% of cancer survivors

 

Specific grief intervention to treat or prevent CG, initiated after the loss and non-psychopharmacological

vs. control condition or an a-specific intervention (i.e. used for a variety of disorders)

 

Number of sessions differed substantially among studies, with one to twelve sessions in preventive interventions and ten to sixteen sessions in treatment interventions.

(C)G: pre- and post- or follow-up-measurements, with a quantitative standardized questionnaire

Prevention: inconsistent support for the effectiveness of interventions.

The meta-analysis of the interventions aiming at prevention of CG yielded a pooled standardized mean difference (SMD) of −0.03 (95% CI: −0.18−0.11; Z=0.47; p=0.64) at post-test and of 0.13 (95% CI: −0.08−0.33; Z=1.21; p=0.23) at follow-up. With regard to the outcome variable, studies were homogeneous in the post-test analysis (p=0.12) and heterogeneous in the follow-up analysis (p=0.07).

Treatment: efficacious in the short- and long-term. Contrary to preventive interventions, the positive effect of treatment interventions increases significantly over time. Positive results reported for interventions employing cognitive-behavioral techniques.

The meta-analysis of the interventions aiming at treatment of CG yielded a pooled SMD of −0.53 (95% CI: −1.00−−0.07; Z=2.23; p=0.03) at post-test and of −1.38 (95% CI: −2.08 to −0.68; Z=3.87; p=0.0001) at follow-up. With respect to the outcome variable, studies were heterogeneous (p=0.009) in the post-test analysis and homogeneous (p=0.87) in the follow-up analysis.

 

The difference among the pooled SMD's of preventive and treatment interventions at post-test was significant in favor of treatment interventions (χ²=3.71; df=1; p=0.05). Heterogeneity among the studies was found (p=0.0006)

Body of evidence: unclear quality often due to lack of reporting methodology > intermediate to high level of evidence (1+)

At the moment CG is not recognized as an official (DSM-) diagnosis. Nevertheless, CG-symptoms have shown to be different from other symptoms and disorders, such as normal grief reactions, mood disorders and anxiety disorders

Only 4% cancer survivors. Wide range of death causes (violent and non-violent)

1++

 

Only 2 data-bases searched Grey literature not searched, but MA

5.4.2                  Primärstudie

Study

(author, journal, year)

Type of study/

design

(RCT/CCT, blinded, cross-over/parallel

Number of included patients/dropouts

 

Patients characteristics

Intervention/control

Outcomes
(
1.O=primary outcome;
2.O= secondary outcome)

Outcome measure

Results

Comment

Level of Evidence

SIGN

Guldin,

Family Practice

2012 [Guldin, M. B. et al. 2013]

RCT

N = 402 (dropouts = 107)

§ >17 years

§ registration with a Danish general practitioners (GP) and informed consent

§ exclusion criteria: poor language (Danish) skills or cognitive impairment

Information pamphlets were sent by mail after completion of the baseline questionnaire to GPs and patients. Pilot-tested pamphlets featured updated information on complicated grief (CG) symptoms, the dual-process model of adaptive coping and risk factors for the development of CG. GPs received information: results of the patient’s baseline risk assessment based on the depression level 8 weeks post-loss; how to assess CG and simple suggestions; how to support the patient to ask about which reactions to grief the patient was experiencing and relate the reactions to the dual-process model of adaptive coping.  Patients were encouraged to contact their GP if they showed signs of depression or CG or worried about their bereavement reaction. Questionnaires were mailed to the bereaved participants 2, 6 and 13 month post-loss. If the bereaved participant was still in the study 13 months after the loss, a clinical assessment questionnaire was sent to the GP. Assessment battery consisted of BDI-II and ICG-R and sociodemographic questions.

1.O:

§ bereaved relatives’ score on the Beck’s Depression Inventory II (BDI-II) and the Inventory of Complicated Grief-Revised (ICG-R)

§  GP’s clinical assessment of the relative’s grief reaction

§  relative’s number of contacts with general practice

§ Clinical grief assessment by the GP

 

§ Larger improvements in ICG-R scores were found in the intervention group than in the control group.

§ The sensitivity of the GP’s

§ assessment in the intervention group was 42.9% (95% CI: 21.8–66.0) and the specificity 73.8% (95% CI: 61.5–84.0); the positive predictive value was 34.6% (95% CI: 17.2–55.7) and the negative predictive value 80% (95% CI: 67.7–89.2). In the control group, sensitivity was 40% (95% CI: 19.1–63.9), specificity 83.7% (95% CI: 70.3–92.7), the positive predictive value 50% (95% CI: 24.7–75.3) and the negative predictive value 77.4% (95% CI: 63.8–87.7).

§ In the intervention group, patients exhibiting CG symptoms were more likely to receive supportive care and to be referred to mental health practitioners, whereas GP’s in the control group more often prescribed psychotropic drugs for patients with symptoms of CG.

§ The GP’s ability to identify CG at 13 months did not seem to be better in the intervention group than in the control group.

§ Contact frequencies with GPs were generally higher in the control group both before and after the loss. Compared with the control group, IRs were lower among bereaved relatives in the intervention group after the loss [IR = 4.68 (95% CI = 3.90– 5.62)/5.08 (95% CI = 4.33–5.96); IRR = 0.92 (95% CI = 0.72–1.17); P = 0.50].

§ Changes in sum score between the two groups did not reach statistical significance.

 

§ Computerized randomization

§ Sample size calculation > power good, but could have been higher

§ Risk of systematic bias because of the recruitment procedure

§ Men were under-represented

§ No Danish validation of ICG-R

available

1-

5.5                      SPV-Interventionen

5.5.1                  Systematic Reviews

5.1.1.1       Systematic Reviews, die verschiedene Strukturen einschließen ("SPV allgemein")

Study

(author, journal, year)

Type of study

(SR = systematic review; MA = meta-analysis)

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O=primary outcome;

2.O= secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

García-Pérez,

Pall Med 

2009 [Garcia-Perez, L. et al. 2009]

SR/no MA

6 SR

3 studies (4 publications) on effectiveness (1 RCT, 1 prospective cohort, 1 cross-sectional)

1 cost analysis

Terminally ill patients

Comparison of at least two different specialized palliative care programs and/or their cost-effectiveness

·   control of pain and other symptoms,

·   psychological symptoms,

·   health-related QoL,

·   well-being,

·   functional state,

·   satisfaction,

·   place of death,

·   number of patients cared,

·   number of home visits,

·   number of days at hospital

All systematic reviews drew the conclusion that specialized palliative care is more effective than conventional care. The methodological limitations of the original studies and the heterogeneity of programs did not allow to draw conclusions about whether a specific model of specialized palliative care is more or less effective or cost-effective than other.

SR of low quality studies

RCT and cohort: good quality

 

1++

Higginson,

Cancer J

2010 [Higginson, I. J. et al. 2010]

 

SR (meta-synthesis, but no MA)

8 RCTs, 32 observational or quasi-experimental studies

Patients with advanced cancer and their caregivers

Specialist palliative care interventions in the home, hospital or designated inpatient settings for patients with cancer

Pain, symptoms, QOL, use of hospital services, anxiety

Home, hospital, and inpatient specialist palliative care significantly improved patient outcomes in the domains of pain and symptom control, anxiety, and reduced hospital admissions. The results suggest that specialist palliative care should be part of care for cancer patients.

We were able to identify and include a wide range of robust literature, focusing more closely on specialist palliative care services and overcoming some of the weaknesses of earlier reviews that included specialist and nonspecialist services. Our review was still weakened by the wide range of outcomes measured.

1++

Higginson,

J Pain Symptom Manag

2003 [Higginson, I. J. et al. 2003]

SR/MA where possible

44 studies, mostly lower quality (retrospective, observational, cross-sectional studies). Anecdotal and case reports were excluded.

Patients with a progressive life threatening illness and their caregivers

Comparison of palliative care or hospice team (PCHCT) and conventional care.

(Teams: home care (22), hospital-based (9), combined home/ hospital care (4), inpatient units (3), and integrated teams (6))

Pain and symptom control

QOL and quality of death

Patient and family satisfaction/ morbidity pre- and post-bereavement

Meta-regression (26 studies) found slight positive effect (0.1) of PCHCTs on patient outcomes, independent of team make-up, patient diagnosis, country, or study design.

Meta-analysis (19 studies) demonstrated small benefit on patients’ pain (odds ratio [OR]: 0.38, 95% confidence interval [CI]: 0.23–0.64), other symptoms (OR: 0.51, CI: 0.30–0.88), and a non-significant trend towards benefits for satisfaction, and therapeutic interventions. Data regarding home deaths were equivocal.

Metasynthesis (all studies) found wide variations

First study to quantitatively demonstrate benefit from PCHCTs.

1++

Thomas,

Can J Aging

2006 [Thomas, Roger E. et al. 2006]

SR/no MA

23 RCTs

Patients terminally ill, near death or dying

PC interventions

Effect of PC provided by community teams:

QoL, manag. of symptoms

Satisfaction with care

Duration of care and place of death

 

Effect of specific interventions (ACP, held records, etc…)

 

Costs of PC compared to conventional care

Effect of PC provided by community teams:

QoL and manag. of symptoms: Some improvement in 6 studies, no improvement in 3 studies

Satisfaction with care: higher satisfaction of patient (1 study) and caregivers (2); no increase in 2 studies

Duration of care and place of death: 4 studies showed no increase of death at home. 1 RCT found it, as well as shorter survival

RCTs mostly published in the late 1990s or early 2000s and mostly single-site studies with small sample sizes. 10 included a power computation.

1+

(poor description of inclusion criteria, and interventions)

Zimmermann,

JAMA

2008 [Zimmermann, C. et al. 2008]

SR (no MA due to the heterogeneity

of the studies

22 RCTs

Patients receiving specialized PC (the majority were cancer patients)

USA, UK, Canada, Norway

Specialized palliative care (11 in a home setting, 5 at outpatient clinics, 1 in a nursing home, 1 in a combined inpatient and home setting, 4 assessed patients)

QOL

Satisfaction with care

Economic cost

The existing evidence does not conclusively support specialized palliative care programs.

QoL (13 RCTs): 9 RCTs showed no significant difference between specialist palliative care and control treatments, one favored the control and three favored the intervention.

Symptoms (14 RCTs): 1 RCT demonstrated significant benefits for the palliative care group for any measured single symptom, while three found a benefit of palliative care for reduction of symptom distress but not symptom severity.

Patient satisfaction with care (10 RCTs): 1 RCT showed a significant difference between groups in favor of the intervention at 30 days but not at 60 days.

Most of the studies were small and likely to be underpowered.

1++

5.5.1.2       Palliativstation und Konsildienst

Study

Type of study

(SR = systematic review; MA = meta-analysis)

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O=primary outcome;

2.O= secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Evans,

Cochrane Review

(Protocole)

 

SR (MA if possible)

RCTs, CCTs, CBA (controlled before and after studies), ITS (interrupted time series analyses with min 3 data collection points before and 3 after the intervention)

Adults patients with advanced malignant or non-malignant disease and their caregivers, receiving support from SPCT

Effectiveness of SPCTs (specialist palliative care teams) in in-patients settings

 

Control: general hospital/oncology services or usual care

1.O: pain control

2.O: symptom control, depression, satisfaction with care, time spent in hospital, caregiver burden/strain/distress, professionals’ adherence to guidelines, prescribing rationale

 

 

 

5.5.1.3       Home Care Programm

Study

Type of study

(SR = systematic review; MA = meta-analysis)

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O=primary outcome;

2.O= secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Candy,

Int J Nurs Stud

2011 [Candy, B. et al. 2011]

SR (MA not possible because of heterogeneity)

18 comparative studies (thereof 2 RCT)

4 qualitative studies

Patients and their family in the final phases of a terminal disease

Specialist hospice care provided at home, in nursing home, or in hospice

Control (quantitative studies): usual generalist healthcare

§ symptom management

§ pain assessment and other aspects of patient care

§ satisfaction with services family carer well-being such as care burden and bereavement/grief

§ health service use

§ costs

§ place of death

Hospice care at home reduced general health care use and increased family and patient satisfaction with care

 

Mostly limited quality of quantitative evidence

Low concordance of identified studies in comparison with other SysRev (e.g. Gomes 2013), what raises the question of the accuracy of the search strategy and selection process

1-

Gomes,

Cochrane Review

2013 [Gomes, B. et al. 2013]

SR and MA

16 RCTs (6 high quality), 4 CCTs, 2 CBA (controlled before and after studies), 1 ITS (interrupted time series analyses)

Adults patients and/or caregivers receiving a home palliative care service

(n=37,561, 4,042 caregivers; majority cancer)

Home specialist palliative care service

Control: usual care

 

Reinforced home specialist PC

Control: home specialist PC

1.O: death at home

2.O: time spent at home, satisfaction with care, pain/other symptoms control, physical function, QOL, caregiver outcomes, costs and cost-effectiveness measures

Sign. increase of death at home (Meta-analysis for dying at home (7 trials, 3 of high quality): odds ratio (OR) 2.21, 95% CI 1.31 to 3.71; P value = 0.003)

Small but sign. reduction of symptom burden for patients

No effect on caregiver grief

Cost-effectiveness: inconclusive results

 

1++

Hall,

Cochrane Review

2011 [Hall, S. et al. 2011]

 

SR (MA not possible because of heterogeneity)

2 RCTs and 1 controlled before-and-after study included

Residents of care homes for older people

(care home = institutional settings where care is provided 24 hours a day, 7 days a week)

Palliative care service delivery interventions for residents of care homes for older people (referrals to external palliative care services and/or palliative care training for care home staff)

We extracted all measures reported as outcomes for individual residents, including process of care (e.g. completion of advance care plans and place

of death)

One study reported higher satisfaction with care and the other found lower observed discomfort in residents with end-stage dementia (mean [SD] 218.10 [142.10] and 368.88 [168.30] respectively, t = 3.80, difference in means = 150.78, 95% CI for difference = 77.38 to 230.18. Two studies reported group differences on some process measures. Both reported higher referral to hospice services in their intervention group (,enrollment to hospice within 30 days of the intervention (21/107 [20%] compared with 1/98 [1%]) and (24/346 [6.8%] compared with

2/113 [2%]), one found fewer hospital admissions and days in hospital in the intervention group, (0.28 [range 0-4] compared with 0.49 [range 0.4] and 1.2 [range 0-18] compared with 3.0 [range 0-29] respectively) the other found an increase in do-not-resuscitate orders and documented advance care plan discussions. (225/346 [65%] compared with 50/113 [44%], chi-squared = 15.32, absolute risk reduction = 20.78%, 95% CI = 10.34% to 31.23%, NNT = 5, 95% CI for NNT = 3.2 to 9.7)

Few studies identified, and all were in the USA

1++

Shepperd,

Cochrane Review

2011 [Shepperd, S. et al. 2011]

SR and MA

 

Aim: To determine if providing home-based end of life care reduces the likelihood of dying in hospital and what effect this has on patients’

symptoms, QoL, health service costs and caregivers compared with inpatient hospital or hospice care.

4 RCT (thereof 1 cluster-RCT)

Adults at the end of life and requiring terminal care

End of life care at home

 

Control: inpatient hospital or hospice care

§ Place of death

§ Patients’ preferred place of death

§ Control of symptoms (pain, breathlessness, nausea and vomiting, constipation, terminal agitation)

§ Delay in care (medical, nursing or domiciliary care) from point of referral to intervention (end of life home care/hospice at home or inpatient care)

§ Family or care giver stress

§ Family or care giver unable to continue caring

§ Patient anxiety

§ Family/care giver anxiety

§ Unplanned/precipitous admission or discharge

Place of death: patients receiving home-care sign. more likely to die at home (RR 1.33, 95% CI 1.14 to 1.55, P=0.0002 – 2 trials, n=652)

 

No sign. differences for functional status, psychological well-being, cognitive status

 

Hospital admission: high variation between studies, no conclusion possible

 

Some evidence of increased satisfaction with home-based end of life care

 

Little evidence of the impact of home care on caregivers

Moderate quality of included studies, due to lack of power by high mortality, unblinded trials and difficulty in measuring symptoms in a way that permits comparability.

 

1++

5.5.1.4       Tageskliniken

Study

Type of study

(SR = systematic review; MA = meta-analysis)

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O = primary outcome;

2.O = secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Davies, Support Care Cancer

2005 [Davies, Elizabeth et al. 2005]

SR/no MA

12 studies in 15 publications (any design, only English):

1 CBA (prospective)

6 observational (no comparison)

5 qualitative

 

Adults receiving care from specialist palliative day-care services

Specialist day-care services with reported information on service structure, care processes or outcomes

Service structure:

·   Funding, organization and management of services

·   Staff skill mix and interventions offered to patients and relatives

 

Care processes:

·   Referral, allocation of places to patients and discharge

·   Uptake of interventions by patients and relatives

 

Patient outcomes:

·   symptom control,

·   health related quality of life

·   social and psychological support

·   patient or relative satisfaction with care

 

Service structure:

Most services are nurse-led, but varied in the facilities,

staff mix, care models, activities and places they offered.

Process:

Patients attending seemed a selected group of those already receiving palliative care who were mostly white, aged over 60 years and retired, with needs for emotional and social support and pain control.

Patient outcomes:

Insufficient studies to provide conclusive evidence of improved symptom control or health related quality of life, but all qualitative studies found evidence for high satisfaction in the social, psychological and spiritual domain

Low grade of evidence of most studies

 

2++

(no RCTs, CCTs)

Stevens,

Pall Med

2011 [Stevens, Elaine et al. 2011]

SR/no MA

35 studies in 36 publications (any design, only English):

4 reviews

2 controlled cohort studies

Others observational not controlled or qualitative

 

Population attending PDS (no more description)

PDS (palliative care day services)

Outcomes of PDS utilizing the perceptions of attendees/other stakeholders

Outcomes of PDS using validated measures

Some quantitative evidence

showing that PDS had an impact on attendees’ quality of life or wellbeing

·   Less than half of the studies could be fully analyzed for quality

·   Fewer studies utilized validated outcome measures to determine the effect of PDS on attendees’ wellbeing

·   Small sample sizes combined with high attrition rates influenced the significance of some the results.

2-

(unclear question and results)

5.5.2                  Primärstudien

Im Folgenden werden Interventionsstudien dargestellt, die aus Systematic Reviews zu SPV identifiziert wurden (zur Methodik, siehe Leitlinienreport). Ergänzend zu den eingeschlossenen Primärstudien sind Begleitstudien (weitere Publikation derselben Studie) in hellgrau dargestellt. Obwohl diese Begleitstudien die Einschlusskriterien nicht erfüllen, wurden sie extrahiert mit dem Ziel, ergänzende Informationen zu den Interventionsstudien darzustellen.

 

Überblick Literatur Versorgung:

Palliativstation

sektorübergreifend

Tagesklinik

Konsil

SAP

Literaturhinweise

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