3. Anatomische Zuordnung Oro- und Hypopharynx – Oro- und Hypopharynxkarzinom
Die anatomische Zuordnung der Regionen des Oro- und Hypopharynx erfolgt nach ICD-10-GM Version 2022: Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10-GM) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland. Seit dem 1. Januar 2022 ist die ICD-10-GM in der Version 2022 anzuwenden.
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In der klinisch-epidemiologischen Literatur ist die Abgrenzung des Hypopharynx und insbesondere des Oropharynx von anderen Teilbereichen der Kopf- und Halsregion schwieriger als bei vielen anderen Krebserkrankung.
Der Oropharynx erstreckt sich über die Gaumenmandeln, Zungenmandeln, Zungengrund bis in die Vallecula und der linguale Epiglottis, weicher Gaumen (Grenze harter Gaumen, der zur Mundhöhle gerechnet wird), Zäpfchen (Uvula) und hintere Rachenwand. Die Plica pharyngoepiglottica wird als anatomischer Grenze zwischen Oro- und Hypopharynxseitenwand gesehen. Der Hypopharynx beinhaltet den an den Oropharynx grenzenden unteren Teil des Rachens, der sich vom Zungenbein bis zum Ringknorpel erstreckt. Nach unten wird der Hypopharynx vom oberen Ösophagusmund begrenzt. Die anatomische Zuordnung erfolgt nach ICD-10-GM Version 2022: Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10-GM) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland. Seit dem 1. Januar 2022 ist die ICD-10-GM in der Version 2022 anzuwenden.
Oropharynx
Faktisch treten Oropharynxkarzinome überwiegend am Zungengrund und in den Gaumenmandeln auf, also den Epithelien des Waldeyerschen Rachenrings. Der Oropharynx wird nach oben durch die Übergangslinie zwischen hartem und weichem Gaumen begrenzt. Der weiche Gaumen mitsamt Uvula wird dazugerechnet. Die Hinterfläche des weichen Gaumens mitsamt Uvula wird allerdings zu der Nasopharynxvorderwand gezählt (C11.3). Seitlich wird der Nasopharynx durch eine imaginäre Linie am Oberrand der Gaumentonsille incl. Gaumenbögen vom Oropharynx getrennt. Die Hinterwand folgt der gleichen nach medial weitergezogenen Trennlinie. Die Zunge wird über die Linea terminalis in das hintere Drittel des Zungengrundes (Oropharynx) und die vorderen zwei Drittel (Mundhöhle) eingeteilt. Der Kehlkopf beginnt auf der Oberkante der Epiglottis und inkludiert den laryngealen Teil der Epiglottis (Supraglottis). Der Oropharynx beinhaltet die Zungengrundtonsille (Tonsilla lingualis), die Vallecula und die linguale Epiglottis. Die Abgrenzung zur Hypopharynxseiten und-Hinterwand erfolgt auf einer imaginären Linie auf Höhe des Larynxeingangs bzw. der Obergrenzen der beiden Recessus piriformes (Abb.1).
Bei der Betrachtung der Zuordnung überlappender Malignome nach ICD-10 gibt es immer noch kleine Unschärfen in der Abgrenzung zu Nachbarregionen. Ein sehr typischer Fall von unzureichender Abgrenzung ist „Zunge, nicht näher bezeichnet“ (C02.9), da das untere Drittel der Zunge (der Zungengrund) zum Oropharynx gehört, die vorderen zwei Drittel aber zur Mundhöhle. Die Zungengrundtonsille in Abgrenzung zum Zungengrund war in der ICD-9 noch berücksichtigt, ist aber in der ICD.10 unter der Rubrik „Bösartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile der Zunge“ unter C02.4 (mangels spezifischer Zuordnung der Neubildung) subsummiert worden. Von Kreimer et al. [3] wurde ein systematischer Versuch unternommen, unklare Definitionen anhand von ICD-Codes auszuschließen, und dazu eine „mixed sites“ Kategorie eingeschlossen: „Mundhöhle (C020-C023, C030-C050, C060-69), Oropharynx (C019, C024, C051, C052, C090-C109), und Larynx (C320-C329); Die “mixed sites” Kategorie wird für überlappende Läsionen zur besseren Einordnung und Vergleichbarkeit in wissenschaftlichen Betrachtungen vorgeschlagen (C028, C029, C058, C059, C140, C142, C148, C149)“. Dieses Konzept ist in die BROADEN-Studie eingeflossen, eine multizentrische Studie zur Untersuchung der „HPV attributable fractions in multiplen head and neck sites“ [4].
Hypopharynx
Für den Hypopharynx selbst sind drei Unterbezirke definiert: [5]. Der Sinus piriformis, der beidseitig der aryepiglottischen Falte (Plica aryepiglottica) kaudal bis an den Ösophagusmund reicht. Der Übergang zum Ösophagus ist fließend und onkologisch aufgrund der phylogenetischen gemeinsamen Entwicklung des Hypopharynx und Ösophagus in engerem Zusammenhang als der Übergang Oro- und Hypopharynx zu begreifen. In ersten proteomischen Analysen konnte gezeigt werden, dass die molekulare Feldkanzerisierung oft parallele Entwicklungen in Hypopharynx und Ösophagus im gleichen Individuum zeigt [6]. Die Oberkante der Aryepiglottischen Falte bildet die Trennlinie des Hypopharynx zum supraglottischen Teil des Larynx. Etwa 60 % aller Hypopharynxkarzinome entstehen im Sinus piriformis. Die Postkrikoidregion reicht von der äußeren Hinterwand des Kehlkopfes bis zur Unterkante des Ringknorpels. In dieser Region entstehen circa 30 % der Hypopharynxkarzinome. Die Hypopharynxhinterwand ist Ursprung von etwa 10 % aller Hypopharynxkarzinome. [5]
Tabelle 4: Nach ICD-10-GM-2022 Code werden der Oro- und Hypopharynx wie folgt untergliedert
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ICD-10 |
ICD-10 Definition |
Anatomische |
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C13 |
Bösartige Neubildung des Hypopharynx |
Hypopharynx |
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C12 |
Bösartige Neubildung des Sinus (Recessus) piriformis |
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C13.0 |
Regio postcricoidea |
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C13.1 |
Aryepiglottische Falte, hypopharyngealer Aspekt |
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C13.2 |
Hinterwand Hypopharynx |
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C13.8 |
Hypopharynx, mehrere Teilbereiche überlappend |
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C13.9 |
Hypopharynx, nicht näher bezeichnet |
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C01 |
Bösartige Neubildung des Zungengrundes |
Oropharynx |
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C10 |
Bösartige Neubildung des Oropharynx |
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C02.4 |
Linguale Tonsille |
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C02.4 |
Weicher Gaumen |
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C05.1 |
Uvula |
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C05.2 |
Maligne Neoplasie der Tonsille (Tonsilla palatina) |
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C09 |
Bösartige Neubildung der Tonsille (Tonsilla palatina) |
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C09.0 |
Fossa Tonsillaris1 |
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C09.1 |
Gaumenbogen (vorderer) (hinterer) |
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C10.0 |
Vallecula epiglottica |
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C10.1 |
Vorderfläche der Epiglottis, Inkl.: Epiglottis, freier Rand [Margo], Plica(e) glosso-epiglottica(e) Exkl.: Epiglottis (suprahyoidaler Anteil) o.n.A. (C32.1) |
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C10.2 |
Seitenwand des Oropharynx |
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C10.3 |
Hinterwand des Oropharynx |
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C10.8 |
Oropharynx, mehrere Teilbereiche überlappend |
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C10.9 |
Oropharynx, nicht näher bezeichnet |
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C09.8 |
Tonsille (Tonsilla palatina), mehrere Teilbereiche überlappend |
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C09.9 |
Tonsille, nicht näher bezeichnet Inkl.: Gaumen-, Schlund-Tonsille: o.n.A. |
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C14.0 |
Pharynx, nicht näher bezeichnet |
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C14.2 |
Waldeyer Rachenring |
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1 Fossa tonsillaris: Nische für die Gaumenmandeln, die zwischen Arcus palatoglossus und Arcus palatopharyngeus lokalisiert ist. Die Fossa tonsillaris wird außerdem von der Plica triangluaris und der Plica semilunaris faucium begrenzt. Quelle: Morais E 2021 |
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Literaturhinweise
[3] Kreimer, AR, Johansson, M, Yanik, EL, Katki, HA, Check, DP, Lang Kuhs, KA, et.al. Kinetics of the Human Papillomavirus Type 16 E6 Antibody Response Prior to Oropharyngeal Cancer., J Natl Cancer Inst, 2017. 109 (8)(8):, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28376197/
[4] Morais, E, Kothari, S, Chen, YT, Roberts, CS, Gómez-Ulloa, D, Fenoll, R, et.al. The BROADEN study: The design of an observational study to assess the absolute burden of HPV-related head and neck cancers., Contemp Clin Trials, 2022. 115 (): p. 106631., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34838716/
[5] Dietz, Andreas., Kopf-Hals-Tumoren - Therapie des Larynx-/Hypopharynxkarzinoms unter besonderer Berücksichtigung des Larynxorganerhalts.UNI-MED Verlag, 2010.
[6] Roesch-Ely, M, Leipold, A, Nees, M, Holzinger, D, Dietz, A, Flechtenmacher, C, et.al. Proteomic analysis of field cancerization in pharynx and oesophagus: a prospective pilot study., J Pathol, 2010. 221 (4)(4): p. 462-70., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20593486/