Leitlinienprogramm OnkologieÖsophaguskarzinom

11. Palliativversorgung – Ösophaguskarzinom

Version 4.0 · Dezember 2023 · AWMF 021-023OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Patienten mit einem fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom oder Adenokarzinome des Ösophagus leiden zumeist an erheblichen körperlichen Einschränkungen. Hier spielen vor allem Probleme der Nahrungsaufnahme, Erhalt des Ernährungszustandes und abdominelle/thorakale Schmerzen eine große Rolle. Bei der Planung einer palliativen Chemo-/Radio-/Immuntherapie, operativen oder endoskopischen Therapie sollte die Prognose eines jeden Patienten im Tumorboard multiprofessionell diskutiert werden.

Dabei kann die Surprise-Question als mögliche Screening-Frage für die Integration palliativer/supportiver Versorgung beispielhaft genutzt werden: „Würde ich mich wundern, wenn der Patient in den nächsten 12 Monaten verstirbt“. Beantwortet man diese Frage mit „Nein“, sollte man über eine palliativmedizinische Erstvorstellung nachdenken [711], [712], [713], [714].

Die Beantwortung dieser Frage und die Einschätzung der Prognose sind natürlich bei der großen Auswahl neuer Therapiemöglichkeiten nicht immer einfach. Umso wichtiger ist es im Sinne einer Double Awareness-Strategie palliative Unterstützungskonzepte frühzeitig mitzudenken [715], [716].

Palliativversorgung ist definiert als ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen. Dies geschieht durch Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Problemen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art. Die Palliativversorgung von Patienten mit einem Ösophaguskarzinom umfasst beispielsweise eine Reihe von Maßnahmen zur Linderung von Dysphagie, Übelkeit, Dyspnoe und/oder Schmerzen. An dieser Stelle sei auf die allgemeinen Empfehlungen hingewiesen, wie sie in der "Erweiterten S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung" (AWMF-Registernummer: 128/001OL) ausführlich beschrieben werden und im August 2019 veröffentlich wurden (https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/palliativmedizin/). 

Dort finden sich auch wichtige Empfehlungen zu Versorgungsstrukturen in der Palliativmedizin, inklusive eines Behandlungspfades für Patienten und Angehörige, da den Angehörigen bei der Betreuung dieser Patientengruppe eine wichtige Rolle zukommt. 

Literaturhinweise

[711] Hamano, J, Morita, T, Inoue, S, Ikenaga, M, Matsumoto, Y, Sekine, R, et.al. Surprise Questions for Survival Prediction in Patients With Advanced Cancer: A Multicenter Prospective Cohort Study., Oncologist, 2015. 20 (7)(7): p. 839-44., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26054631/

[712] Moroni, M, Zocchi, D, Bolognesi, D, Abernethy, A, Rondelli, R, Savorani, G, et.al. The 'surprise' question in advanced cancer patients: A prospective study among general practitioners., Palliat Med, 2014. 28 (7)(7): p. 959-964., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24662237/

[713] Murray, S, Boyd, K, Using the 'surprise question' can identify people with advanced heart failure and COPD who would benefit from a palliative care approach., Palliat Med, 2011. 25 (4)(4): p. 382., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21610113/

[714] Moss, AH, Lunney, JR, Culp, S, Auber, M, Kurian, S, Rogers, J, et.al. Prognostic significance of the "surprise" question in cancer patients., J Palliat Med, 2010. 13 (7)(7): p. 837-40., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20636154/

[715] Schuler, Ulrich S., Hornemann, Beate, Hoffnung und „double awareness“ in der palliativen Onkologie, 2020. 35(3): p. 219 - 222., https://doi.org/10.1007/s12312-020-00782-3

[716] Chen, CH, Kuo, SC, Tang, ST, Current status of accurate prognostic awareness in advanced/terminally ill cancer patients: Systematic review and meta-regression analysis., Palliat Med, 2017. 31 (5)(5): p. 406-418., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27492160/