8. Lokale Metastasentherapie – Nierenzellkarzinom
In diesem Kapitel werden lokale Verfahren beschrieben, die das Ziel verfolgen, auch bei schon eingetretener limitierter Metastasierung die Metastasen oder den Primärtumor lokal-kurativ oder lokal-kontrollierend zu behandeln.
8.1 Allgemeines Vorgehen
Beim Auftreten von Metastasen sollte das weitere Procedere interdisziplinär diskutiert werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Bei synchron metastasierten Patienten mit einem guten Performance Status (ECOG 0-1) sollte der Primärtumor operativ entfernt werden.
Hintergrund
Bedeutung der Primärtumorentfernung
In historischen Fallsammlungen finden sich immer wieder Berichte von spontanen Remissionen von Nierenzellkarzinommetastasen nach Entfernung des Primärtumors, insbesondere für Patienten mit Lungenmetastasen wird eine spontane Remissionsrate von 0,3-4 % angegeben [383][384]. Auch wenn diese historischen Beobachtungen heutzutage nur schwer nachzuvollziehen sind, stellt sich die Frage der Primärtumorentfernung als sog. zytoreduktive Nephrektomie in der primär metastasierten Situation.
Für die Resektion des Primarius mit einer nachfolgenden medikamentösen Therapie sind aus der Zytokinära zwei unabhängige prospektiv randomisierte Studien, die ebenfalls in einer Meta-Analyse untersucht wurden, publiziert. Bei beiden Studien erfolgte die Analyse einer Interferon-α(IFN-α)-Therapie im Anschluss an eine Resektion des Primärtumors vs. eine alleinige Interferon-α-Therapie in Bezug auf eine Verlängerung des Gesamtüberlebens.
In der Studie von Flanigan et al. (SWOG8949) wurden 246 Patienten mit einem histologisch gesicherten Nierenzellkarzinom 1 : 1 in die Arme Nephrektomie (Nx) + Interferon-α (3x 5 Mio IU/m², n=121) und alleinige Interferon-α-Gabe (n=120) randomisiert. 5 Patienten wurden aufgrund einer nicht konklusiven Histologie für die spätere Analyse ausgeschlossen. Eine Unterscheidung der histologischen Subtypen erfolgte nicht. Das mediane Gesamtüberleben im Nx + IFN-α-Arm war signifikant verlängert (11,1 vs. 8,1 Monate; Nx + IFN-α vs. IFN-α). Prognostisch günstig für ein signifikant verlängertes Gesamtüberleben im Behandlungsarm Nx + IFN-α war das Vorhandensein von alleinigen Lungenmetastasen vs. andere Organmetastasen (14,3 vs. 10,2 Monate) und ein Performance Status von ECOG 0 vs. ECOG 1 (17,4 vs. 6,9 Monate) [306].
In der Studie von Mickisch et al. (EORTC30947) wurden 85 Patienten mit einem histologisch gesicherten Nierenzellkarzinom 1 : 1 in die Arme Nephrektomie (Nx) + Interferon-α (n=42) und alleinige Interferon-α-Gabe (n=43) randomisiert. Die objektive Ansprechrate (radiologisch komplettes und partielles Ansprechen) unterschied sich nicht zwischen den Behandlungsarmen (19 % [8 von 42] vs. 12 % [5 von 43]; p=0,38; Nx + IFN-α vs. IFN-α). Die Hazard Ratio zeigte ein verlängertes Gesamtüberleben (HR 0,54) und ein verlängertes progressionsfreies Überleben (HR 0,60) für den Behandlungsarm Nx + IFN-α an. Das geschätzte mediane Überleben verbesserte sich für den Nx + IFN-α-Arm von 7 auf 17 Monate (p=0,03) [307].
Die Meta-Analyse beider Studien, die ein identisches Studiendesign aufwiesen, ergab ein medianes Gesamtüberleben von 13,6 Monaten vs. 7,8 Monate (HR 0,69 [95 % CI 0,55-0,87]; p=0,002) für den Nx + IFN-α-Arm. In dieser Analyse war der Performance Status prognostisch signifikant (ECOG 0 vs. ECOG 1, p=0,0001), die Lokalisation der Metastasen und die Messbarkeit der Metastasen nicht [382].
Da die Zytokintherapie heute selten in der Erstlinienbehandlung metastasierter Patienten eingesetzt wird, stellt sich die Frage, ob die zytoreduktive Nephrektomie auch für Patienten zu empfehlen ist, die eine TKI- oder mTOR-basierte Therapie erhalten. Prospektive Studienergebnisse zur Beantwortung dieser Fragestellung fehlen. Derzeit sind zwei prospektive Studien (CARMENA und SURTIME) aktiv, die dieser Fragestellung nachgehen.
Die vorhandenen Ergebnisse für eine Zytoreduktion durch die Entfernung des Primarius stammen daher überwiegend aus retrospektiven Untersuchungen bzw. auch aus prospektiven Fallserien. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass die Ergebnisse der Phase-III-Studien der zielgerichteten Therapien, die heute in der Erstlinienbehandlung eingesetzt werden, bei der überwiegenden Mehrzahl der behandelten Patienten eine Primärtumorentfernung durchgeführt wurde (90-100 %) [385]. Die in diesen Studien behandelten Patienten hatten jedoch nicht nur synchrone Metastasen, so dass bei einem Teil der Patienten auch eine frühere kurativ intendierte Entfernung des Primarius stattfand mit einer späteren metachronen Metastasierung zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses. Für das Medikament Sunitinib liegen Daten aus dem erweiterten Zulassungsprogramm vor (Expanded Access Trial), die einen leichten, jedoch statistisch nicht signifikanten Vorteil für Patienten mit zytoreduktiver Nephrektomie im Vergleich zu Patienten ohne Nephrektomie zeigen [386].
Ein weiterer Gesichtspunkt, der bei der Entscheidung für eine zytoreduktive Nephrektomie berücksichtigt werden sollte, ist das geringere Ansprechen des Primarius auf eine zielgerichtete Therapie im Vergleich zum Ansprechen der Metastasen auf eine Sunitinib-, Sorafenib- oder Bevacizumab-Behandlung, was Ergebnisse aus neoadjuvanten Behandlungsstudien aufzeigen [387][388][389][390].
Ebenfalls sind bei der Entscheidung zur zytoreduktiven Nephrektomie individuelle Patientenfaktoren wie der allgemeine Gesundheitszustand, die Symptomatik des Tumors (Makrohämaturie, Schmerzen) sowie paraneoplastische Syndrome zu berücksichtigen. Weitere Faktoren, die in diese Therapieentscheidung mit einbezogen werden sollten, sind das Ausmaß der Metastasen, vorhandene Begleiterkrankungen, Komorbiditäten, die das intra- und perioperative Risiko steigern könnten und eine vorbestehende Einschränkung der Nierenfunktion.
8.2 Stellenwert lokaler Therapien in Abhängigkeit von Zeitpunkt und Lokalisation der Metastasierung
Bei metachroner Metastasierung sollten solitäre Befunde lokal therapiert werden. Bei kurativer Intention und kompletter Resektabilität sollte unabhängig vom Organsystem eine Operation erwogen werden.
Zu Hirnmetastasen siehe auch Empfehlung in Kapitel 8.3.3
Sondervotum von DEGRO und BVDST
Bei einer Oligometastasierung in einem Organsystem und nicht komplett resektablen Metastasen oder Inoperabilität des Patienten sollte entweder eine hochdosierte externe Radiotherapie oder eine Radiochirurgie/ Stereotaktische Radiotherapie durchgeführt werden. Hierbei soll mit dem Patienten die Morbidität der Radiotherapie besprochen und ein eventueller Überlebensvorteil individuell abgewogen werden.
- Konsens
- Konsens
Treten metachron mehrere Metastasen in nur einem Organsystem auf, sollte eine lokale Behandlung geprüft werden.
Hintergrund
Stellenwert der Metastasenchirurgie und der stereotaktischen Radiotherapie/ Radiochirurgie
Zur Metastasenchirurgie oder Metastasenbestrahlung beim Nierenzellkarzinom liegen keine randomisierten Studien bezüglich Evaluation der lokalen Therapiekomponente vor. Die Datenlage basiert auf Beobachtungsstudien zum größten Teil retrospektiver Art. Dabei lassen sich Studien mit alleiniger Metastasenresektion/Metastasenbestrahlung und der Kombination von systemischer Therapie und lokaler Therapie nicht klar trennen.
Zur Metastasenresektion gibt es 3 größere retrospektive Serien aus den 90er Jahren, also aus der Zeit vor Einführung der Target-spezifischen Therapien. Kierney et al. berichteten über 41 Patienten mit metachroner Metastasierung im Median 27 Monate nach kurativer Nephrektomie. Es handelte sich in 20 Fällen um Lungenmetastasen, 10-mal um Weichteilmetastasen intraabdominell oder mediastinal, um 7 Hirnfiliae, 3 Schilddrüsenmetastasen und eine Hautmetastase. Eine komplette Resektion gelang in 36 der 41 Patienten (88 %), wobei 23 der 36 Patienten einzig eine solitäre Metastase aufwiesen. 50 % der Patienten erhielten adjuvante Therapien. Das mediane Überleben betrug 3,4 Jahre. Das 1-, 3- und 5-Jahres-Überleben lag bei 77 %, 59 % und 31 %. Einziger prognostisch ungünstiger Faktor war ein schlechterer Differenzierungsgrad der Metastasen gegenüber dem Primärtumor. Das Intervall bis zum Auftreten der Metastasen und die Anzahl der Metastasen waren prognostisch nicht von Bedeutung [393].
Kavolius et al. berichteten über 278 Patienten mit Rezidiv nach kurativer Nephrektomie. Bei 141 Patienten gelang eine komplette, bei 70 eine nur inkomplette Metastasenresektion. 67 Patienten unterzogen sich nicht-operativen Maßnahmen. Das 5-Jahresüberleben in diesen 3 Gruppen betrug 44 %, 14 % und 11 %. Prognostisch signifikant für ein langes Überleben waren ein Intervall bis zum Auftreten der Metastasen > 12 Monate, der Nachweis einer solitären Metastase und ein Alter < 60 Jahre. Die Überlebensraten nach wiederholter kompletter Metastasenresektion waren nicht schlechter als nach primärer Operation [392].
Van der Poel et al. berichteten über 152 Metastasenresektionen bei 101 Patienten. Es fanden sich Metastasen in der Lunge (n=54), im Knochen (n=42), in Lymphknoten (n=18), im Gehirn (n=12) sowie im Spinalkanal, in der Schilddrüse, im Darm und im Hoden. 40 Patienten wiesen solitäre Befunde auf. 35 Patienten unterzogen sich im Verlauf einer zweiten Metastasenresektion, 6 Patienten auch einer dritten Operation. Das mediane Überleben betrug 28 Monate. Die Charakteristika des ursprünglichen Nierentumors (Größe, T-Kategorie, Grad) hatten keinen Einfluss auf das Überleben. Patienten mit solitärer Metastase zeigten kein längeres Überleben verglichen mit Patienten mit mehreren Metastasen. Prognostisch positiv waren dagegen ein Intervall von > 2 Jahren bis zum Auftreten der Metastasen, ein Auftreten der Metastasen in der Lunge, eine komplette Resektion und auch die wiederholte Resektion von Metastasen. Eine zusätzliche Immun- oder Radiotherapie hatte keinen Einfluss auf das Überleben [399].
In einer retrospektiven Analyse aus dem Jahr 2007 verglichen Kwak et al. 21 Patienten, bei denen eine Metastasenresektion erfolgte, mit 41 Patienten, die diese ablehnten, wobei auch keiner der Patienten eine systemische Therapie erhielt. Alle Patienten waren nephrektomiert. Das mediane Überleben betrug 36,5 (4-182) vs. 8,4 (1-64) Monate (p < 0,001). Die 1-, 3- und 5-Jahresüberlebensraten wurden kalkuliert auf 71,4 %; 47,6 % und 9,8 % vs. 34,1 %, 9,8 %; und 2,4 % (p < 0,001). Bei Stratifizierung der Patienten war das Überleben schlechter in der nicht-operierten Gruppe, bei jungen Patienten, bei schlechtem Performance-Status, bei kurzem Intervall bis zum Auftreten der Metastasen und bei solitären Befunden. In der Multivarianzanalyse erwies sich nur die Metastasenresektion als unabhängiger prädiktiver Faktor (p=0,014) [403].
Erweist sich in den meisten Analysen das Vorhandensein einer solitären Metastase als günstig und gut geeignet für die Resektion, ist der Stellenwert der Resektion bei Vorhandensein multipler Metastasen weniger klar. Hierzu publizierten Alt et al. Daten von 887 Patienten, alle nephrektomiert und im weiteren Verlauf mit multipler Metastasierung. Bei 125 (14 %) gelang eine komplette Resektion aller Metastasen. In dieser Gruppe betrug das mediane krankheitsspezifische Überleben 4,8 Jahre im Vergleich zu 1,3 Jahren bei den übrigen Patienten (p < 0,001). Ebenso günstig fiel der Vergleich für das 5-Jahres-krankheitsspezifische Überleben aus: 32,5 % vs.12,4 % (p <0,001). Der Vorteil für die komplette Resektion war unabhängig von der Metastasenlokalisation, obwohl die Ergebnisse für Lungenfiliae am besten waren. Die prädiktive Bedeutung einer kompletten Resektion war unabhängig von der Tatsache, ob es sich um metachrone oder synchrone Metastasen handelte [402].
Die gleichen günstigen prognostischen Faktoren (solitäre Läsionen, langes krankheitsfreies Intervall), die bei der Metastasektomie eine Rolle spielen, rechtfertigen abhängig von der Lokalisation und der Resektabilität der Metastasen als Alternative eine hochdosierte Radiotherapie mit dem Ziel einer lang anhaltenden Tumorkontrolle (siehe auch) [398][400][396][397][395][401][394][391]. Dazu beschreiben de Meerleer et al. in einer Übersichtsarbeit die Effektivität von stereotaktischen/radiochirurgischen Behandlungsoptionen bei Nierenzellkarzinomen mit geringer Metastasenlast (solitäre bis Oligometastasierung). Als Erfolgsparameter der Behandlung wird die lokale Kontrolle entsprechend der Response Evaluation Criteria in Solid Tumors (RECIST)-Kriterien verwendet [391].
Wersäll et al. zeigten in der größten Arbeit zur Behandlung von 50 oligometastasierten Nierenzellkarzinompatienten mit 162 Metastasen (117 Lungenmetastasen, 20 Nieren[logen]metastasen, 6 Nebennierenmetastasen, 5 Thoraxwandmetastasen, 4 Knochenmetastasen, 2 Lebermetastasen, 1 Pankreasmetastase sowie 7 weitere Manifestationen) ebenso eine hohe lokale Kontrollrate mit 98 %. Es wurden 5x 5 Gy bis 2x 16 Gy in Abhängigkeit von der Lokalisation gegeben. 15/50 Patienten erhielten eine systemische Therapie vor der Metastasenbehandlung. Das mediane Überleben betrug 37 Monate. Höhergradige Toxizität trat bei 12/50 Patienten auf. Führend waren dabei Pneumonitis mit Husten/Dyspnoe, die Steroide erforderlich machte, und vorübergehende lokale Haut-/Schmerzreaktionen die symptomatisch behandelt wurden [400].
Die gleiche Autorengruppe (Svedman et al.) führte eine prospektive Phase-II-Studie mit 30 oligometastasierten Nierenzellkarzinompatienten mit 90 Metastasen durch. Die meisten Läsionen lagen in Lunge und im Mediastinum (63/90). Die Dosierungen reichten von 5x 5 Gy bis 3x 15 Gy. Die lokale Kontrollrate lag bei 98 % nach RECIST. Jede 5. Läsion war komplett regredient. Das mediane Überleben betrug 32 Monate [396].
Teh et al. behandelten 14 oligometastasierte Nierenzellkarzinompatienten mit 23 Läsionen (Orbita, HNO-Bereich, Lunge, Mediastinum, Knochen und Bauchwand) mit 24-40 Gy in 3-6 Fraktionen. Alle Patienten waren deutlich vorbehandelt mit Interleukin 2, Interferon, Sorafenib, Sunitinib oder in klinischen Studien mit neuen systemisch wirksamen Medikamenten. Fast alle Patienten (93 %) berichteten eine Verbesserung der Schmerzsituation und die lokale Kontrolle betrug 87 % nach einem Jahr entsprechend den RECIST-Kriterien. Es trat keine höhergradige Toxizität auf [397].
Stinauer et al. untersuchten bei 13 oligometastasierten Nierenzellkarzinompatienten mit 25 Metastasen nach TKI-Vorbehandlung die Wertigkeit einer stereotaktischen Radiotherapie. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Lungen- und Lebermetastasen. Die Behandlung wurde mit 40-50 Gy in 5 Fraktionen (n =23) oder 42-60 Gy in 3 Fraktionen durchgeführt. Es zeigte sich nach 18 Monaten eine 88%ige lokale Kontrolle, die entweder durch negative Biopsie oder analog der RECIST-Kriterien (keine Vergrößerung im CT) definiert war. Die Nebenwirkungen waren mild. Es trat eine höhergradige Toxizität auf mit einer Grad-3-Pneumonitis, die nach typischer Steroidbehandlung wieder komplett regredient war. Eine pulmonale Verschlechterung eines Patienten ließ sich bei Zunahme der pulmonalen Metastasierung nicht von einer möglichen Toxizität abgrenzen. Das mediane Überleben wurde nach der Nachbeobachtungszeit von median 28 Monaten noch nicht erreicht [395].
In der Arbeit von Zelefsky et al. wurden 105 extrakranielle Nierenzellkarzinommetastasen (104 Knochenmetastasen und eine Lymphknotenmetastase) mit hypofraktionierten (3-5 Fraktionen mit 20-30 Gy) oder mit einer Einzeit-Radiochirurgie (18-24 Gy in einer Phase-1-Dosiseskalationsstudie) prospektiv bei insgesamt 58 Patienten untersucht. Bei Patienten mit 24-Gy-Einzeitbehandlung wurde ein signifikant höheres geschätztes rezidivfreies Überleben (p=0,001) von 88 % nach 36 Monaten gegenüber 20 % bei niedrigeren Strahlendosen oder hypofraktionierten Regimen erreicht. Vorsicht sollte jedoch aufgrund des ansteigenden Frakturrisikos mit diesen hohen Dosen bei ausgedehnten Wirbelkörpermetastasen walten. Die Nebenwirkungen waren insgesamt moderat mit zwei Grad-2- und einem Grad-4-Erythem sowie 4/104 ossären Frakturen [401].
Ranck et al. erreichten eine vergleichbare hohe lokale Kontrolle nach RECIST (91 %) bei 18 oligometastasierten Nierenzellkarzinompatienten mit 39 Metastasen (11 Knochenmetastasen, 17 nodale Metastasen, 4 Lungenmetastasen, 2 Lebermetastasen und 5 weitere Lokalisationen) nach körperstereotaktischer Bestrahlung (Dosiseskalationsprotokoll mit 3x 8-14 Gy oder 10x 4-5 Gy). Nach 2 Jahren lag das Gesamtüberleben bei 85 %. Bei Patienten, bei denen alle Metastasen lokal behandelt wurden, lag das Gesamtüberleben bei 100 %. Es trat keine höhergradige Toxizität auf [394].
Zusammenfassend zeigen die oben aufgeführten Studien zur Körperstereotaxie von Nierenzellkarzinommetastasen eine geringe Toxizität (< 5 % in Tabelle 29). Die lokale Kontrollrate nach RECIST-Kriterien erreicht 90 %. Damit ist die Körperstereotaxie eine Alternative zur Metastasektomie vor allem für Metastasen, die technisch schwierig oder nicht chirurgisch resezierbar sind. Der Nachteil der Körperstereotaxie ist die fehlende histologische Konfirmation im Gegensatz zur Metastasektomie. Andererseits ist bei bekannter metastasierter Erkrankung diese Information auch weitaus weniger bedeutsam bzw. entbehrlich.
Tabelle 36: Studien zur extrakraniellen Oligometastasierung beim Nierenzellkarzinom nach de Meerleer et al.
|
Autoren |
Design/ |
Lokalisation |
Nachsorge (Mon.) |
Therapie |
Lokale Kontrolle |
Nebenwirkung [n] |
|
|
G3 |
G4 |
||||||
|
Wersäll et al., 2005 [400] |
retrospektiv/ |
Lunge, Lymphknoten, Niere, Nebenniere, Leber, Milz, Knochen, Thoraxwand, Pankreas |
37 |
4x 8-10 Gy, |
90 % |
11 |
1 |
|
Svedman et al., 2006 [396] |
prospektiv/ |
Lunge, Lymphknoten, Nebenniere, Milz, Thorax-wand, Leber |
52 |
5x 5-6 Gy, |
98 % |
0 |
1 |
|
Teh et al, 2007 [397] |
retrospektiv/ |
Lunge, Lymphknoten, Knochen, Bauchwand |
9 |
24-40 Gy in 3-6 Fraktionen |
87 % |
0 |
0 |
|
Stinauer et al, 2011 [395] |
retrospektiv/ |
Lunge, |
28 |
5x 8-10 Gy, |
88 % |
2 |
0 |
|
Zelefsky et al, 2012 [401] |
retro-spektiv/ |
Lymphknoten, Knochen |
12 |
1x 18-24 Gy, |
44 % |
2 |
1 |
|
Ranck et al, 2013 [394] |
retrospektiv/ |
Lunge, Lymphknoten, Niere, Nebenniere, Leber, Knochen, Weichteil |
16 |
3 x 8-16 Gy, |
91 % |
0 |
0 |
|
Quelle: [391] |
|||||||
Der unklare Stellenwert der lokalen Behandlung bei synchroner oder metachroner Metastasierung in mehreren Organsystemen bezieht sich mit Statement 8.5 ausdrücklich nur auf lokal-kurative Verfahren. Die Wertigkeit rein palliativer Verfahren wird in diesem Kapitel nicht behandelt, siehe dazu Kapitel 10.
Begründung des Sondervotums von DEGRO und BVDST
Der zweite Teilsatz steht im Widerspruch/Teilwiderspruch zum ersten Teilsatz und den Empfehlungen 8.5 und zu Beginn von Kapitel 8.3.3. Die OP ist eine lokale Therapieoption aber nicht die einzige Therapieoption für solitäre Metastasen. Das Evidenzniveau ist für die Chirurgie und die lokale kurativ-intendierte Strahlentherapie identisch. Die meisten genannten Serien zur ebenso durchführbaren Stereotaxie/Radiochirurgie in diesem Kapitel (cerebrale und viszerale Metastasen) enthielten Patienten mit solitärer metachroner Metastasierung. Daher ist dieser zweite Teilsatz mit alleiniger Empfehlung zur kurativ-intendierten OP von solitären Läsionen nicht korrekt. Alternativ steht die kurativ-intendierte Stereotaxie/Radiochirurgie zur Verfügung. Die entsprechende Literatur (für Stereotaxie retrospektive Daten und prospektive Phase I/II Studien) ist in den einzelnen Unterkapiteln je Region bereits hinterlegt und ausgeführt.
Dies ist auch für den Fall hervorzuheben, wenn eine Operation einer solitären Filia z. B. wegen funktioneller Reserve oder Lokalisation (z. B. eloquentes Areal, Gefäßnähe etc.) nicht möglich ist. Sollte stattdessen eine Stereotaxie/Radiochirurgie durchführbar sein, wäre diese Methode die einzige verbleibende kurative Option, die dem Patienten nicht vorenthalten werden sollte.
8.3 Vorgehen bei speziellen Metastasenlokalisationen
Während 20-30 % der Patienten mit einem Nierenzellkarzinom primär Metastasen aufweisen, entwickeln weitere 20-30 % solche im Verlauf. Die Lunge ist mit 60-70 % am häufigsten betroffen, gefolgt von regionären Lymphknoten (60-65 %), Knochen (39-40 %), Leber (19-40 %) und Gehirn (5-7 %).
8.3.1 Lungenmetastasen
Resektable Lungenmetastasen sollten wegen der häufigen lymphogenen Metastasierung mit einer systematischen Lymphknotendissektion reseziert werden.
Nur bei kleinen, singulären, günstig gelegenen Lungenmetastasen oder zu diagnostischen Zwecken kann die VATS erfolgen.
- Empfehlungsgrad
- 0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Konsens
- Literatur
- [409]
Eine sekundäre Resektion von Lungenmetastasen nach zielgerichteter Systemtherapie kann erfolgen, wenn dann eine R0-Resektion zu erwarten ist.
- Konsens
- Konsens
Hintergrund
Die Lunge stellt die erste Filterstation für Tumorzellaggregate dar, die aus einem Nierentumor abgeschwemmt werden. Lungenmetastasen haben selbst die Fähigkeit zur lymphogenen und hämatogenen Streuung auch nach reseziertem Nierenzellkarzinom. Die Unterbrechung der Disseminierungskaskade durch komplette Resektion von Lungenmetastasen erscheint vor diesem Hintergrund sinnvoll. Die Prognoseverbesserung durch komplette Metastasektomie und die Chance auf Heilung nach Entfernung alleiniger Lungenmetastasen konnte in retrospektiven Studien gezeigt werden. Alt et al. konnten an 887 Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom zeigen, dass 86 % der Patienten nach R0-Resektion aller Metastasen einen signifikanten Überlebensvorteil hatten (DSS [disease specific survival] und OS [overall survival] von 4,8 und 4,0 Jahren, 5-Jahres-DSS 49,4 %), verglichen mit 14 % bei nicht komplett metastasektomierten Patienten (DSS und OS von 1,3 und 1,3 Jahren, 5-Jahres-DSS 13,9 %) [402]. Weiterhin war die Prognose nach kompletter Lungenmetastasektomie (5-Jahres-DSS 73,6 %) deutlich besser als nach kompletter Entfernung extrapulmonaler Metastasen (5-Jahres-DSS 32,5 %). Diese Ergebnisse unterstützen das Modell der „Lunge als erster Metastasenfilter“.
Lungenmetastasen werden in 15-40 % synchron mit dem Nierenzellkarzinom diagnostiziert und in 60-85 % metachron [402] [410]. Davon haben ¾ mehr als eine Lungenmetastase bei Erstdiagnose [410]. Der natürliche Verlauf nicht behandelter alleiniger synchroner Lungenmetastasen wurde von Oddsson et al. ausgewertet. Sie fanden ein 1- und 5-Jahres-DSS von 40 % und 12,7 % [410].
Im Vergleich dazu zeigen Fallserien nach operativer Metastasektomie von synchronen und metachronen Lungenmetastasen deutlich bessere Ergebnisse: 5-Jahres-OS 36,9 -49 % [411][412][413][414]. Wichtigstes Ziel der Lungenmetastasektomie ist die R0-Resektion aller Metastasen. Während R0-resezierte Patienten ein 5-Jahres-OS von 41-45 % aufweisen, ist bei R1-oder R2-resezierten Patienten das 5-Jahres-OS 0-22 % [411][412][413].
Zahlreiche Prognosefaktoren wurden für die Lungenmetastasektomie beschrieben. Für das Nierenzellkarzinom sind die wichtigsten die Metastasenzahl [402],[411],[412],[413],[414], das krankheitsfreie Intervall [402],[411],[413] und die komplette Resektion [402][411],[412],[413]. Alle retrospektiven Fallserien zeigen, dass Patienten mit einer oder wenigen Metastasen, einer langen Zeit bis zum Auftreten der Metastasen nach Nephrektomie und ohne intrathorakalen Lymphknotenbefall, die eine komplette Metastasektomie erhalten, die höchste kurative Chance haben (5-Jahres-OS 60 %) [411].
Die Einbeziehung weiterer Prognosefaktoren wie z. B. intrathorakaler Lymphknotenbefall [412],[413],[414], Lymphknotenbefall des Primärtumors [411],[413], Metastasengröße [411],[413] und eines Pleurabefalls durch Lungenmetastasen [413] erlaubt noch genauer die Patienten zu selektieren, die am meisten von einer operativen Metastasektomie profitieren können. Das Überleben nach Metastasenresektion wird vom Lymphknotenbefall des Primärtumors und seinem Grading beeinflusst [415]. Die Metastasektomie kann mit einer niedrigen Komplikationsrate (4 %-13,8 %) [411], [413], [414] und einer niedrigen Mortalitätsrate (0 %-2,1 %) [411], [412], [413], [414], [416] durchgeführt werden.
Voraussetzungen zur Metastasenresektion:
- Der Primärtumor sollte unter Kontrolle sein
- Weitere extrathorakale Metastasierung nach interdisziplinärer Absprache
- Die Metastasen müssen komplett resektabel sein
- Das allgemeine und funktionelle Operationsrisiko muss vertretbar sein
Operationsindikationen sind:
- Solitäre Metastasen: klassische Operationsindikation, → Differentialdiagnostische Abklärung: Metastase, synchrones Zweitkarzinom (primäres Lungenkarzinom) und benigne Erkrankung
- Multiple Metastasen: prinzipiell keine Kontraindikation, limitierender Faktor verbleibende Parenchymreserve
- Rezidivmetastase: erneute Metastasierung stellt per se keine Kontraindikation dar; im Verlauf sollte immer die Möglichkeit einer erneuten Metastasenresektion geprüft werden, es gelten die Grundsätze der o. g. Voraussetzungen
- Erweiterte Resektionen: bei Brustwandbefall, endobronchialem Tumorwachstum
Chirurgische Technik
Lungenmetastasen sollten parenchymsparend mit einem Sicherheitsabstand von 5-10 mm in alle Richtungen reseziert werden [417]. Dies ist am besten durch Präzisionsresektion mit Stapler oder Laser zu erreichen. Durch Anwendung von Staplern besteht das Risiko eines größeren Parenchymverlustes. Da im Verlauf der Tumorerkrankung häufig weitere hämatogene Metastasen auftreten, verbietet sich die Lobektomie oder Pneumonektomie als Standardeingriff.
Lymphknotendissektion im Rahmen der Metastasenchirurgie
Eine mediastinale und hiläre Lymphknotenmetastasierung kann im Rahmen eines individuellen Heilungsversuchs mit vielversprechendem Langzeitüberleben reseziert werden [404], [405], [412], [414].
Tabelle 37: Retrospektive Studien zur Überlebensrate nach Lungenmetastasektomie
| Referenz | Jahr | Datenerhebung | N | 5 (10)-J-OS | 5 (10)-J-OS (R0) | Letalität |
| Pfannschmidt J [412] | 2002 | 1985-1999 | 149 | 36,9 % | 41,5 % | 2,1 % |
| Murthy SC [418] | 2005 | 1986-2001 | 92 | 31 % | 42 % | 0 % |
| Hoffmann HS [419] | 2005 | 1975-2003 | 64 | 33,4 | 39,9 | 0 % |
| Kanzaki R [416] | 2011 | 1973-2008 | 48 | 47 % (18 %) | 50 % | 0 % |
| Meimarakis G [413] | 2011 | 1986-2006 | 202 | 39 % (27 %) | 45 % (31 %) | 1/202 |
| Kudelin N [414] | 2013 | 1999-2009 | 116 | 49 % (21 %) | k. A. | 0,9 % |
| k.A.=keine Angaben; 5(10) J-OS=5 (bzw. 10) Jahres-Gesamtüberleben | ||||||
Hintergrund Empfehlung 8.7
In einer retrospektiven Analyse mit 122 Patienten konnte ein Lymphknotenbefall sowohl in der univariaten als auch in der multivariaten Analyse als unabhängiger Prognosefaktor ermittelt werden. Das mediane Überleben ohne Lymphknotenbefall betrug 107 Monate, mit Befall 37 Monate (p=0,003). Die Länge des Überlebens hing im Weiteren von der Zeit des krankheitsfreien Intervalls ab (>/< 12 Monate). Hier ergab sich ein medianes Überleben von 94 vs. 23 Monate (p < 0,0001). Daher sollte die Lymphadenektomie Bestandteil der Metastasenresektion sein, um ein akkurateres Staging und damit eine differenziertere weitere Therapieplanung zu ermöglichen [404].
Auch in der Arbeit von Winter et al. mit 110 Patienten bestätigte sich für Patienten mit einem hilären und/oder mediastinalen Lymphknotenbefall ein signifikant schlechteres Überleben (19 vs. 102 Monate, p < 0,001). In einer matched-pair-Analyse zeigte sich, dass die Lymphknotenresektion aber einen positiven Einfluss auf das Überleben hatte [405].
Hintergrund Empfehlung 8.8
Parsons et al. berichteten über eine retrospektive Auswertung von 34 ihrer Patienten, bei denen insgesamt 41 pulmonale Metastasenresektionen erfolgten. Präoperativ wurde ein Spiral-CT durchgeführt. Hiermit konnte die Detektionsrate der Metastasen gegenüber einem konventionellen CT verbessert werden. Die Operation erfolgte offen. Intraoperativ wurde die Lunge manuell durchpalpiert. Es sollte analysiert werden, ob durch die Palpation die Detektionsrate gegenüber dem Spiral-CT höher war. Es zeigte sich, dass durch die Palpation bei 9/41 Patienten (22 %) weitere Befunde entdeckt wurden, die im Spiral-CT nicht nachgewiesen worden waren. Mit diesem waren 69 von insgesamt 88 operativ entfernten Herden festgestellt worden. Somit lag die Sensitivität des Spiral-CTs nur bei 78 %, und es bestätigte sich, dass die intraoperative Palpation der Lunge notwendig ist [407].
Cerfolio et al. führten eine vergleichbare Untersuchung prospektiv durch. In diese Studie gingen 152 Patienten ein, davon hatten 19 Patienten Metastasen eines Nierenzellkarzinoms in der Lunge. Diese hatten im Vorfeld ein Spiral-CT, in den meisten Fällen in Form eines PET-CTs, erhalten. 51 intraoperativ entfernte Befunde waren in der präoperativen Bildgebung nicht sichtbar, konnten aber palpiert werden. 30 dieser Befunde (59 %) erwiesen sich histologisch als maligne [406].
Eckardt et al. publizierten Daten von 89 konsekutiven Patienten, bei denen radiologisch Lungenherde festgestellt worden waren. Die Patienten unterzogen sich einem Video-assistierten thorakalen Eingriff (VATS) mit digital geführter Palpation der Lunge. Anschließend erfolgte durch ein zweites Team eine offene Thorakotomie ebenfalls mit intraoperativer Durchpalpation der Lunge. Im CT hatte man präoperativ 140 Befunde gesehen. Bei der VATS konnten 122 Befunde (87 %) palpiert werden. Bei der offenen Operation wurden 189 Befunde palpatorisch gefunden und entfernt, so dass dies 67 Herde mehr waren als mittels der digitalen Palpation im Rahmen der VATS [408].
Hintergrund Empfehlung 8.9
Greenwood et al. führten eine systematische Literatursuche zur Frage durch, ob eine Thorakotomie gegenüber einem thorakoskopischen Vorgehen (VATS) zur Resektion von Lungenmetastasen Vorteile bringt. Die Analyse konnte zeigen, dass bei der VATS die Patienten eine kürzere Zeit ihre Drainage behielten, weniger Komplikationen aufwiesen und schneller das Krankenhaus verlassen konnten. Einen Einfluss auf das Überleben hatte der gewählte Zugangsweg nicht [409]. Die Autoren kommen allerdings zu dem Schluss, dass den ausgewerteten retrospektiven Fallserien ein erheblicher Selektions-Bias zugrunde liegt, der eine Interpretation für das eine oder andere Verfahren nicht zulässt. Beispielsweise wurden subpleurale Metastasen per VATS reseziert und intermediäre und zentrale Metastasen offen entfernt und dann die Zugangswege mit ihrem prognostischen Einfluss verglichen. Nachgewiesen wurde in der offen Metastasektomie zudem ein ca. doppelt so großer Sicherheitsabstand zwischen Metastase und Klammernahtreihe (8 vs. 4 mm) wie nach VATS-Resektionen.
Stereotaktische Behandlung von Lungenmetastasen
Die größte Arbeit zur stereotaktischen Behandlung von Lungenmetastasen (n=117) wurde von Wersäll et al. publiziert. Die lokale Kontrollrate betrug mindestens 92 % nach 5x 5 Gy bis 2x 16 Gy in Abhängigkeit von der Lokalisation. 8 % der Patienten waren aus verschiedenen Gründen nicht auswertbar, so dass sie als lokales Versagen gerechnet wurden (daher 92 und nicht 100 % lokale Kontrolle) [400]. Weitere Publikationen, welche Lungenmetastasen enthielten und welche die hohen Ansprechraten bestätigen, sind in 8.2 bereits erwähnt.
Folglich zeigt sich auch in diesem Organsystem die Wirksamkeit lokal-ablativer Strahlendosen. Generell ist im Falle einer nicht ausreichenden funktionellen Lungenreserve oder medizinisch-internistischer Inoperabilität die hochdosierte Körperstereotaxie ein nicht-invasives Verfahren, das eine lokale Tumorkontrolle zwischen 44 % und 90 % und damit einen kurativen Therapieansatz ermöglicht. Die gleichen günstigen prognostischen Faktoren (solitäre Läsionen, langes krankheitsfreies Intervall), die bei der Metastasektomie eine Rolle spielen, rechtfertigen daher die hochdosierte Radiotherapie [398], [400], [396], [397], [395], [391].
8.3.2 Knochenmetastasen
Knochenmetastasen stellen nach den Lungenmetastasen die zweithäufigste Metastasenlokalisation beim Nierenzellkarzinom dar. Anlass zu lokaltherapeutischen Maßnahmen ist die Symptomatik (Fraktur, drohende Fraktur, Querschnitt) wie aber auch eine kurative Option.
Althausen beschrieb als einer der Ersten 1997 seine Ergebnisse an 38 Patienten. Die Gruppe wählte einen eher aggressiven therapeutischen Ansatz und erzielte damit ein Gesamtüberleben von 39 % nach 5 Jahren. Positiv wirkten sich später Metastasierungszeitpunkt, ein solitärer Befund und eine periphere Lokalisation (Extremitäten) der Läsionen aus [420].
Kollender et al. operierten 56 Knochenfiliae bei 45 Patienten. Indikationen waren Frakturgefährdung, Schmerzen bzw. eine kurative Intention bei solitären Befunden. In 29 Fällen erfolgte eine Exzision im Gesunden (R0), in 25 Fällen eine marginale Resektion (ggf. R1), 2x eine Amputation. Es traten keine schwerwiegenden intra- oder postoperativen Komplikationen auf, insbesondere keine schweren Blutungen, Wundinfektionen, Nervenschädigungen oder thromboembolischen Ereignisse. Eine deutliche Verbesserung der Schmerzen konnte bei 91 % der Patienten erzielt werden, ein gutes funktionelles Ergebnis wiesen 89 % auf. Im Verlauf kam es zu 4 Lokalrezidiven (7 %). 22 Patienten (49 %) überlebten mehr als 2 Jahre, 17 Patienten (38 %) mehr als 3 Jahre. Wurde eine komplette Metastasenresektion erreicht, so überlebten 73 % mehr als 3 Jahre. Die Autoren empfehlen deshalb, wann immer möglich, die weitere Resektion der Läsionen [421].
Lin et al. berichteten über die Operation von 368 Knochenmetastasen bei 295 Patienten. Neben Kürettage und stabilisierenden Maßnahmen sowie in wenigen Fällen einer Amputation erfolgte in 117 Fällen eine En-bloc-Resektion. Das Überleben der Gesamtgruppe nach einem und 5 Jahren betrug 47 und 11 %. Als günstiger prädiktiver Faktor erwies sich die komplette Resektion eines solitären Befundes (5-Jahres-Überleben 35 %). Prognostisch vorteilhaft war die Histologie eines klarzelligen Karzinoms. Der Tumorgrad hatte keine Bedeutung [422].
In einer Auswertung von Szendroi et al. an 65 Patienten mit Knochenmetastasen erwiesen sich ein spätes Auftreten der Knochenmetastasen, solitäre Befunde mit niedrigem Fuhrmann-Grad sowie die komplette Resektion als günstig für das Überleben. Nach kompletter Resektion eines solitären Befundes betrug das 5-Jahres-Überleben auch hier 35 %. Lagen multiple Metastasen vor oder konnte keine komplette Resektion erzielt werden, überlebte kein Patient 5 Jahre [423].
Jung et al werteten den Verlauf von 99 Patienten aus. Davon hatten 26 % solitäre Knochenfiliae, 48 % multiple Knochenfiliae und 26 % auch Metastasen in anderen Organsystemen [424]. Bei der Hälfte der Patienten bestand eine synchrone Metastasierung zur Entdeckung des Primärtumors. Bei der anderen Hälfte traten die Metastasen im Durchschnitt nach 33 (Range 1-231) Monaten auf. Bei der Behandlung der ossären Filiae war bei 9 Patienten eine komplette Resektion möglich, bei 37 Patienten erfolgte eine intraläsionale Resektion mit Stabilisierung, bei 53 Patienten war kein operatives Vorgehen möglich. Bei den operierten Patienten kam es zu keinen schwerwiegenden intra- oder postoperativen Komplikationen. Das Überleben der Gesamtgruppe nach 1, 2, 3 und 5 Jahren betrug 49 %, 35 %, 26 % und 14 %. Die mittlere Überlebenszeit lag bei 24 Monaten. Von den Patienten mit metachroner Metastasierung lebten nach 5 Jahren noch 14 %, bei synchroner Metastasierung kein Patient mehr, wobei der Unterschied nicht signifikant war (p=0,35). Ein signifikanter Unterschied zeigte sich aber beim Vergleich solitäre vs. multiple Metastasen im 5-Jahres-Überleben mit 38 % vs. 7 % (p < 0,001). Ein ebenfalls signifikanter Unterschied zeigte sich für Patienten, die nephrektomiert waren, mit einem 5-Jahres-Überleben von 22 % vs. 0 % (p < 0,001). Bei 8 Patienten mit Z. n. Nephrektomie und kompletter Resektion einer solitären Filia betrug das krankheitsspezifische Überleben 100 % [424].
In der größten deutschen Studie an 101 operativ versorgten Patienten mit Knochenmetastasen (1980-2005) zeigten sich ein 5-Jahres- und 10-Jahres-Gesamtüberleben von 40 % und 28 % trotz des eher historischen Kollektivs, wenn es gelang, die Patienten operativ tumorfrei zu bekommen. Konnte dies nicht erreicht werden, überlebten weniger als 10 % der Patienten die ersten 5 Jahre [425].
Während Befunde an den großen Röhrenknochen im Vergleich einfach zu resezieren sind, stellt sich die Situation bei Befall des Achsenskeletts schwieriger dar. Ulmar et al. berichteten über die Operation von Wirbelsäulenmetastasen bei 37 Patienten. Die Indikation bestand aufgrund von Instabilität und spinaler Kompression oder therapierefraktärer Schmerzen. In 11 Fällen erfolgte die kombinierte Spondylodese mit Wirbelkörperersatz, in 26 Fällen die alleinige dorsale Instrumentierung. Hier zeigte sich eine hohe perioperative Komplikationsrate mit 59,5 %. Die 30-Tage-Letalität betrug 10,8 % (n=4). Todesursachen waren eine perioperative Tumormassenblutung, eine fulminante Lungenembolie, ein Herz-Kreislauf-Versagen und eine respiratorische Insuffizienz. Die Schmerzen konnten bei 24 Patienten (65 %), die neurologische Situation bei 7 Patienten (19 %) verbessert werden. 15 Patienten (40,5 %) wurden postoperativ mittels Immun-/Chemotherapie und/oder Bestrahlung nachbehandelt. Dies wirkte sich günstig auf das Überleben aus: mit Nachbehandlung im Median 17,2 Monate, ohne Nachbehandlung 3,8 Monate. Das mittlere Überleben für die Gesamtgruppe betrug 13,6 Monate. Die postoperative Überlebenswahrscheinlichkeit nach 1, 5 und 10 Jahren betrug 35 %, 5 % und 0 %. In der univariaten Analyse zeigten sich der Karnofsky-Index, der Frankel-Score, der Broca-Index und das Intervall zwischen Primärdiagnose und Metastasierung als signifikant für das Überleben. In der multivariaten Analyse bestand für keinen der Faktoren mehr eine Bedeutung [426].
In der Publikation von Jackson et al. über 107 Operationen an der Wirbelsäule verringerte sich zwar der Schmerz mit 89 % und die neurologische Symptomatik verbesserte sich mit 65 % bei deutlich mehr Patienten, das mediane Überleben lag aber ebenfalls nur bei 12,3 Monaten [427].
Gelingt an der Wirbelsäule aber eine weite Resektion, was naturgemäß nur bei selektiven Indikationen erfolgen kann, so ist selbst dieser aufwendige und komplikationsreichere Eingriff prognostisch zu rechtfertigen [428].
In allen zitierten Studien wird klar, dass eine weite Resektion der Metastasen, soweit sie technisch machbar und den Patienten zumutbar ist, die Prognose erheblich verbessert und auch lokale Komplikationen durch ein Lokalrezidiv mit Versagen der gewählten Rekonstruktion/Osteosynthese vermeidet. Insofern sollte eine Knochenmetastasierung stets die Frage nach sich ziehen, ob ein resezierendes Vorgehen möglich wäre und inwieweit ggf. weitere Läsionen mit reseziert werden könnten. Nach einer operativen Entfernung von Knochenmetastasen sollte eine postoperative Radiotherapie wegen der möglichen Kontamination des Operationsgebietes und der häufig inkompletten Resektion folgen [429].
Die Bestrahlung von Wirbelsäulenmetastasen eines Nierenzellkarzinoms mittels körperstereotaktischer Technik (SBRT) wird seit einigen Jahren vermehrt eingesetzt, da das Therapieansprechen auf eine konventionelle Bestrahlungsdosis schlechter ist als bei radiosensitiveren Histologien. Die Körperstereotaxie erlaubt eine dosisintensivierte Bestrahlung der Wirbelsäulenmetastasen bei gleichzeitiger Schonung des strahlensensiblen Rückenmarks. Dies wird durch die Kombination der Hochpräzisions-Bestrahlungstechniken intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) und bildgeführte Strahlentherapie (IGRT) erreicht. Die SBRT wird überwiegend dann angewendet, wenn aufgrund einer oligometastasierten Erkrankung mit längerer Lebenserwartung eine dauerhafte Schmerz- und/oder lokale Tumorkontrolle angestrebt wird.
Gerszten et al. beschrieben eine retrospektive Serie von 48 Patienten, die mittels Radiochirurgie an 60 Wirbelsäulenmetastasen behandelt wurden. Die mittlere Bestrahlungsdosis betrug 20 Gy, die in einer einzigen Bestrahlungssitzung appliziert wurde. Bei keinem der Patienten ist eine radiogene Myelopathie aufgetreten. Wenn die Patienten aufgrund von Schmerzen mittels SBRT behandelt wurden, trat eine Schmerzlinderung bei 89 % der Patienten ein. Eine radiologisch verifizierte lokale Tumorkontrolle wurde bei 7/8 Patienten erzielt, wenn die Behandlungsindikation eine radiologische Tumorprogression gewesen war [430].
Nguyen et al. beschrieben eine retrospektive Behandlungsserie, in der bei 48 Patienten insgesamt 55 Wirbelsäulenmetastasen mittels SBRT (1x 24 Gy, 3x 9 Gy, 6x 5 Gy) behandelt wurden. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13 Monaten wurde eine 1-Jahres-lokale Tumorkontrolle bei 82 % der Fälle beobachtet. Es wurden keine Grad-3- bis Grad-5-Nebenwirkungen beschrieben [431].
Balagamwala et al. berichten über 47 Patienten und 88 Läsionen, die alle mit einer Radiochirurgie (median 1x 15 Gy) behandelt wurden. Das mediane Überleben betrug 8,3 Monate und die mediane Zeit bis zu einem radiologischen Tumorprogress betrug 27 Monate. Lediglich ein Patient erlitt eine Grad–III-Nebenwirkung (Nausea). Nach 14 % der Bestrahlungen entwickelte sich eine Kompressionsfraktur der metastatisch befallenen und bestrahlten Wirbelkörper [432].
Thibault et al. erfassten ein prospektiv erhobenes Kollektiv von 37 Patienten und 71 Wirbelsäulenmetastasen. Die Patienten wurden mit median zwei Fraktionen und einer medianen Gesamtdosis von 24 Gy behandelt. Bei 15 % der Behandlungen handelte es sich um eine Re-Bestrahlung. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 12,3 Monaten betrug das 1-Jahresüberleben 64 % und die lokale Tumorkontrolle 83 %. Eine oligometastatische Erkrankung war in der multivariaten Analyse mit längerem Gesamtüberleben assoziiert. Nach einem Jahr wurden bei 18 % der Behandlungen Wirbelsäulen-Kompressionsfrakturen beobachtet, dabei handelte es sich in 2/3 Fällen um eine Progression einer bereits vorher bestehenden Fraktur. Das Risiko für Kompressionsfrakturen hängt auch von Dosiswahl und Fraktionierungskonzept ab [433].
Sellin et al. untersuchten prognostische Faktoren nach SBRT von 37 Patienten, die überwiegend mittels Radiochirurgie (1x 24 Gy) behandelt wurden. Das mediane Gesamtüberleben betrug 16,3 Monate. Ein lokales Rezidiv nach SBRT, das Intervall zwischen Primärdiagnose und Metastasierung, der Allgemeinzustand, das Vorhandensein von neurologischen Ausfällen bedingt durch eine metastatische Rückenmarkskompression und die metastatische Gesamtsituation waren in der multivariaten Analyse mit dem Gesamtüberleben korreliert [434].
Hunter et al. verglichen in einer retrospektiven Studie die Ergebnisse konventioneller Bestrahlung (n=34) und von SBRT (n=76; Radiochirurgie mit 1x 8-16 Gy) bei schmerzhaften Wirbelsäulenmetastasen. Eine Schmerzlinderung wurde nach konventioneller Bestrahlung bei 68 % und nach SBRT bei 62 % der Patienten beschrieben (p > 0,05); eine vollständige Schmerzfreiheit wurde dagegen häufiger nach SBRT beobachtet: 33 % vs. 12 % (p=0,01). Die Dauer des Therapieansprechens betrug 1,7 Monate nach konventioneller Bestrahlung und 4,8 Monate nach SBRT (p=0,095) [435].
Zusammenfassend können in Analogie zu den Erfahrungen mit einer stereotaktischen Radiotherapie bei neurologischen Strukturen [436] extrakraniell ebenso hohe Bestrahlungsdosen verabreicht werden, die eine dauerhafte oder länger andauernde lokale Tumorkontrolle bei Nierenzellkarzinommetastasen ermöglichen. [398], [401], [391], [430], [437], [438], [439].
Trotz der intensivierten Radiotherapie wurden aber im Laufe der Zeit noch in 12-15 % Rezidive beobachtet.
8.3.3 Hirnmetastasen
Bei Patienten mit Nierenzellkarzinom und intrakranieller Oligometastasierung soll die Indikation für eine stereotaktische Strahlentherapie geprüft werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- 3
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [440]
Bei Patienten mit limitierter Hirnmetastasierung und günstigem Risikoprofil (keine progressive extrakranielle Tumoraktivität) soll eine Radiochirurgie/stereotaktische Radiotherapie ohne anschließende Ganzhirnbestrahlung durchgeführt werden. Die Ganzhirnbestrahlung sollte erst als Salvage-Therapie bei Auftreten multipler Hirnmetastasen angewendet werden. Die Vor- und Nachteile einer WBRT sollen individuell mit dem Patienten besprochen werden.
Hintergrund
Prognosescores für die Beurteilung von Patienten mit Hirnmetastasen
Hirnmetastasen treten bei 5-10 % der Nierenzellkarzinompatienten auf mit einer 5-Jahres-Kumulativrate von 9.8 % [440]. Für die Behandlungsentscheidungen bei Patienten mit Hirnmetastasen existieren mehrere Prognosescores. Die wichtigsten RPA- und GPA-Index werden im Folgenden kurz vorgestellt:
Bei der RPA (Recursive Partition Analysis) Klassifikation der RTOG von Gaspar et al. werden folgende Prognosegruppen beschrieben [443], [444] (siehe Tabelle 31).
Tabelle 38: RPA-Klassen und Prognoseschätzung nach Gaspar et al.
| RPA-Klasse | Karnofsky-Performance Index | Alter | Erkrankung | Medianes Überleben in Monaten |
| 1 | 70-100 | <65 | Kontrollierter Primärtumor und keine extrakraniellen Metastasen | 7.2 |
| 2 | 70-100 | Entweder >65 | Oder unkontrollierter Primärtumor | 4.2 |
| 3 | <70 | alle Altersklassen und Erkrankungs-stadien | 2.3 | |
Da die RPA-Klassen bei Patienten mit multiplen Hirnmetastasen das Überleben potentiell überschätzen [445], wurde kürzlich ein weiterer Score definiert. Es handelt sich um den GPA (graded prognostic assessment) oder Sperduto-Index [446]. Der GPA-Index basiert auf 1960 Patientendaten (siehe Tabelle 32).
Tabelle 39: GPA-/Sperduto-Index für Summenscorebildung
|
Kriterien |
GPA-Index |
||
|
|
0 Punkte |
1/2 Punkt |
1 Punkt |
|
Alter |
>60 |
50-59 |
<50 |
|
Karnofsky-Performance Index |
<70 |
70-80 |
90-100 |
|
Hirnmetastasen |
n>3 |
n=2 |
n=1 |
|
Extrkranielle Erkrankung |
vorhanden |
|
keine |
Die Summe der Punkte korrespondiert mit dem Überleben (siehe Tabelle 33).
Tabelle 40: GPA-/Sperduto-Index und Prognose
| GPA-Index | Medianes Überleben in Monaten |
| 0-1 Punkte | 2.6 |
| 1.5-2.5 Punkte | 3.8 |
| 3 Punkte | 6.9 |
| 3.5-4 Punkte | 11 |
Für das Nierenzellkarzinom sind die signifikanten prognostischen Faktoren der Karnofsky-Performance Index und die Anzahl von Hirnmetastasen [447]. Das mediane Überleben von unbehandelten Patienten mit Hirnmetastasen beträgt einen Monat, mit Kortikosteroiden 2 Monate und nach Behandlung mit Ganzhirnradiatio 3-6 Monate (siehe Kapitel zu Hirnmetastasen). In den Publikationen, in denen spezifisch das Nierenzellkarzinom [438], [448], [449] untersucht wurde, präsentierten sich 70-80 % der Patienten in der RPA-Klasse 2. Lediglich 4-14 % präsentieren sich in der günstigen RPA-Klasse 1, 16-18 % in der Klasse 3. Das Überleben von Nierenzellkarzinompatienten mit symptomatischen Hirnmetastasen nach Ganzhirnradiatio liegt im Median bei 4,4 Monaten und ist damit nicht schlechter als bei anderen Tumorentitäten [450].
Entsprechend des Sperduto-Scores sollten lokal-kurativ intendierte Methoden (Stereotaxie oder Chirurgie+/-Radiotherapie) mit hoher lokaler Kontrolle spätestens ab 3 Punkten angeboten werden, da hier die Überlebenszeit länger als ein halbes Jahr ist und die lokale Kontrolle dann zunehmend an Bedeutung für Symptomfreiheit und Lebensqualität gewinnt. Auch bei niedrigerer Punktzahl sollte die lokal-kontrollierende Therapie diskutiert werden, wenn durch eine Radiochirurgie oder einen neurochirurgischen Eingriff eine Ganzhirnbestrahlung vermieden werden kann, wodurch bereits im kurzfristigen Verlauf von 3-4 Monaten eine Verbesserung der Lebensqualität oder Neurokognition erreicht wird.
Ganzhirnbestrahlung alleine versus Kombination von Neurochirurgie oder Radiochirurgie mit Ganzhirnbestrahlung
Patienten mit limitierter Anzahl an Hirnmetastasen in gutem Allgemeinzustand profitieren zusätzlich zu der Ganzhirnbestrahlung von der vorherigen neurochirurgischen Entfernung bzw. der radiochirurgischen Abtötung der Metastase. Bei der Radiochirurgie wird die Hirnmetastase mit einer hohen Bestrahlungsdosis (18 – 25 Gy) mit großer Präzision in einer einmaligen oder wenigen Fraktionen behandelt. Die Radiochirurgie kann mit einem Leksell-Gamma-knife® oder mit einem speziell hierfür ausgerüsteten Linearbeschleuniger (Stereotaxie) durchgeführt werden.
In drei randomisierten Studien wurde der Stellenwert einer neurochirurgischen Exstirpation einer singulären Hirnmetastase zusätzlich zu einer Ganzhirnbestrahlung untersucht [451], [452], [453]. Die Strahlendosis der Ganzhirnbestrahlung variierte zwischen 20 x 2Gy [452], 12 x 3Gy [453] und 10 x 3Gy [451]. In zwei von drei Studien konnte durch die operative Entfernung eine Verbesserung des Gesamtüberlebens erzielt werden, 40 Wochen versus 15 Wochen [453] und 10 Monate versus 6 Monate [452], nicht jedoch in der Studie von Mintz et al. [452] mit 5,6 Monate versus 6,3 Monate.
Ähnliche Daten liegen für die Radiochirurgie vor. In die RTOG 9508 Studie wurden Patienten mit 1-3 Hirnmetastasen und einem KPS ≥ 70 eingeschlossen und zwischen Ganzhirnbestrahlung alleine mit 15 x 2,5Gy und Ganzhirnbestrahlung gefolgt von einer Radiochirurgie randomisiert [454]. Die Radiochirurgie verwendete ein Größen-adaptiertes Bestrahlungskonzept mit 1 x 24Gy bei Metastasen-Durchmesser ≤ 2cm, 1 x 18Gy bei Metastasen-Durchmesser 2cm < x ≤ 3cm und 1 x 15Gy bei Metastasen-Durchmesser 3cm < x ≤ 4cm. Im Gesamtkollektiv verbesserte die Radiochirurgie das radiologische Ansprechen nach 3 Monaten sowie die lokale Tumorkontrolle nach einem Jahr was nach 6 Monaten eine Verbesserung des Performance Status sowie eine Reduktion des Steroidverbrauches bedingte. Im Gesamtkollektiv wurde keine Verbesserung des Gesamtüberlebens erzielt sondern lediglich in der Subgruppe der Patienten mit RPA Klasse I. Eine sekundäre Analyse unter Verwendung der GPA Klassifikation zeigte einen Überlebensvorteil von 21 Monaten versus 10,3 Monaten bei Patienten mit einem GPA von 3,5 bis 4 [455].
Es existiert kein randomisierter Vergleich zwischen Operation und Radiochirurgie von Hirnmetastasen. Muacevic et al. verglichen in einer randomisierten Phase III Studie eine alleinige GammaKnife Radiochirurgie mit einer Metastasenresektion gefolgt von einer Ganzhirnbestrahlung [456]. Ausschließlich Patienten mit singulärer Hirnmetastase ≤3cm und KPS von einem ≥ 70 wurden randomisiert. Die Studie musste wegen schlechter Rekrutierung frühzeitig abgeschlossen werden (n=64). Es zeigten sich keine Unterschiede im Gesamtüberleben, neurologischer Sterberate und lokaler Kontrolle; nach alleiniger Radiochirurgie kam es allerdings zu vermehrten distanten Hirnmetastasen. Die Toxizität war im Kombinationsarm höher im Vergleich zur Radiochirurgie.
Die retrospektive Studie von Elaimy et al. analysierte die verschiedenen Therapieverfahren bei Hirnmetastasen. Die Studie umfasste 275 Patienten mit verschiedenen Primärtumordiagnosen, wobei es sich nur in 9 Fällen um ein Nierenzellkarzinom handelte [457]. An Behandlungsverfahren gingen die Ganzhirnbestrahlung, die Radiochirurgie, die offene Resektion und Kombinationen der Verfahren ein. In der multivariaten Analyse war das Überleben nach Radiochirurgie signifikant besser im Vergleich zu Ganzhirnbestrahlung (p<0,001), sowie die offene Resektion in Kombination mit Radiochirurgie im Vergleich zu SRS alleine (p=0,02). Kein signifikanter Unterschied ergab sich für den Vergleich von alleiniger SRS und Resektion kombiniert mit WBRT, was den Ergebnissen der Studie von Muacevic et al. entspricht.
Die Ergebnisse aller oben beschriebenen Studien werden von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom dominiert, das zu den Tumoren mit geringerer Strahlensensibilität zählt. Folglich sind die Effekte einer alleinigen niedrig-dosierten Ganzhirnbestrahlung limitiert und erklären den Vorteil einer lokalen Therapieintensivierung mittels Radiochirurgie oder Neurochirurgie. Die Ergebnisse sollten daher gut auf die Situation des Nierenzellkarzinoms übertragbar sein, das ebenfalls als geringer strahlensensibel gilt. Randomisierte Studien spezifisch für Hirnmetastasen existieren nicht.
Radiochirurgie oder Neurochirurgie alleine ohne Ganzhirnbestrahlung
Ob eine Ganzhirnbestrahlung zusätzlich zur lokalen Strahlentherapie oder Neurochirurgie notwendig ist wurde in drei randomisierten Studien überprüft.
Aoyama et al. randomisierten 132 Patienten mit 1-4 Hirnmetastasen, jede maximal 3cm im Durchmesser, zu alleiniger Radiochirurgie mit 1 x 18 – 25Gy oder Ganzhirnbestrahlung mit 10 x 3Gy gefolgt von Radiochirurgie [458]: nach Ganzhirnbestrahlung wurde die Radiochirurgie Bestrahlungsdosis um 30% reduziert. Nur 7-8% der Patienten hatten ein Nierenzell Karzinom. Die zusätzliche Ganzhirnbestrahlung verbesserte die lokale Kontrolle der behandelten Hirnmetastasen von 72,5% auf 88,7% nach einem Jahr und reduzierte gleichzeitig das Auftreten von neuen Hirnmetastasen von 63,7% auf 41,5%. Allerdings hatte die Ganzhirnbestrahlung keinen Einfluss auf die neurologische Sterberate sowie insbesondere keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben, welches median 7,5 Monate sowie median 8 Monate nach Kombinationsbestrahlung sowie nach alleiniger Radiochirurgie betrug. Neurokognitive Defizite vor der Therapie waren signifikant mit dem Volumen der Hirnmetastasen korreliert. Obwohl die Ganzhirnbestrahlung keinen signifikanten Effekt auf die Neurokognition hatte, wurde nach alleiniger Radiochirurgie eine stabile Neurokognition nach ca. 13 Monaten beobachtet, während es nach Ganzhirnbestrahlung und Radiochirurgie nach 24 Monaten zu einer kontinuierlichen Verschlechterung kam [459].
Chang et al. untersuchten in einer randomisierten Studie die Neurokognition nach alleiniger Radiochirurgie versus Ganzhirnbestrahlung gefolgt von Radiochirurgie [460]. Nach der Rekrutierung von 58 Patienten wurde die Studie vorzeitig geschlossen, da nach Kombinationsbestrahlung ein zu hohes Risiko für Neurokognitive Defizite beobachtet wurde. Nach vier Monaten war die Merkfähigkeit im Kombinationsarm bei 52% der Patienten verschlechtert, was signifikant häufiger war als bei 24% der Patienten nach alleiniger Radiochirurgie.
In der größten Studie von Kocher et al. wurden 359 Patienten zwischen Neurochirurgie oder Radiochirurgie alleine und einer zusätzlichen Ganzhirnbestrahlung randomisiert [441]. Nur 8% der Patienten hatten ein Nierenzell Karzinom. Eingeschlossen wurden Patienten mit 1-3 Hirnmetastasen und einem WHO Performance Status von 0 – 2. Analog zu den beiden obigen Studien verbesserte die Ganzhirnbestrahlung die lokale Metastasenkontrolle und verhinderte das Auftreten von neuen Hirnmetastasen. Dies führte aber zu keiner Verbesserung des Überlebens mit einem Performance Status ≥ 2, median 10 Monate nach alleiniger lokaler Metastasentherapie und 9,5 Monate nach zusätzlicher Ganzhirnbestrahlung. Auch wurde das Gesamtüberleben nicht durch die Ganzhirnbestrahlung beeinflusst (10,7 Monate versus 10,9 Monate).
Sahgal et al. berichteten über eine Meta-Analyse der drei obigen Studien, basierend auf Patienten-individuellen Daten [461]. Nur radiochirurgisch behandelte Patienten wurden in die Studie eingeschlossen. Für Patienten ≤ 50 Jahre alt wurde ein signifikant besseres Gesamtüberleben nach alleiniger Radiochirurgie beschrieben als nach zusätzlicher Ganzhirnbestrahlung.
Die Erfahrungen der alleinigen Radiochirurgie scheinen gut auf Patienten mit Nierenzellkarzinom übertragbar zu sein. Kano et al. berichteten über 158 konsekutive Patienten mit Hirnmetastasen eines Nierenzellkarzinoms, die mittels alleiniger Gamma Knife Radiochirurgie behandelt wurden [462]. Das mediane Gesamtüberleben betrug 8,2 Monate und eine lokale Kontrolle der bestrahlten Hirnmetastasen wurde nach einem Jahr in 92% der Patienten beobachtet.
Zusammenfassend verbessert die Ganzhirnbestrahlung zusätzlich zur Radiochirurgie oder Neurochirurgie die lokale Metastasenkontrolle und verhindert das Auftreten von neuen Hirnmetastasen ohne dabei aber das Gesamtüberleben oder das Überleben in gutem Performance Status zu verbessern. Die Neurokognition scheint bereits im kurzfristigen Verlauf nach 4 Monaten durch eine Ganzhirnbestrahlung beeinträchtigt zu werden. Bei limitierter cerebraler Metastasierung (1 – 4 Hirnmetastasen) sollte daher auf eine Ganzhirnbestrahlung verzichtet werden. Die Patienten sollten dann in engmaschiger Nachsorge (kranielles MRT alle 2-3 Monate) bleiben, um neue Hirnmetastasen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Salvage Therapien durchzuführen. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass nach alleiniger Radiochirurgie ohne Ganzhirnbestrahlung auch bei 5-10 kleinen Hirnmetastasen ein ähnlich gutes Überleben erzielt wird wie nach Radiochirurgie von 2-4 Hirnmetastasen [463].
Postoperative Bestrahlung der Resektionshöhle
Nach alleiniger neurochirurgischer Metastasenextirpation kommt es in bis zu 59% der Patienten zu einem lokalen Rezidiv der Metastasen [441]. Eine lokale Bestrahlung der Resektionshöhle, fraktioniert stereotaktisch oder radiochirurgisch, könnte eine Alternative zur Ganzhirnbestrahlung sein, ohne das Risiko neurokognitiver Toxizität.
In einer prospektiven Phase II Studie an 49 Patienten (50 Läsionen) wurden 39 Patienten (40 Läsionen) postoperativ mittels Radiochirurgie behandelt [464]. Die Bestrahlungsdosis variierte zwischen 15 – 22Gy. Insgesamt wurde bei 22% der Läsionen nach 12 Monaten ein Lokalrezidiv beobachtet, signifikant häufiger in der Kohorte ohne postoperative Radiochirurgie (50%) im Vergleich zu bestrahlten Kohorte (15%). Insgesamt 17,5% der bestrahlen Patienten entwickelten eine Radionekrose.
Zahlreiche retrospektive Studien berichten ähnliche vielversprechende lokale Kontrollraten nach postoperativer Bestrahlung der Resektionshöhle [465], [466], [467], [468]. Insbesondere bei der Bestrahlung von größeren Resektionshöhlen könnte eine fraktionierte stereotaktische Bestrahlung ein günstigeres Sicherheitsprofil haben und niedrigere Raten an Radionekrosen verursachen [469], [470], [471].
Ob die verbesserte lokale Kontrolle durch eine Bestrahlung der Resektionshöhle die Lebensqualität und / oder Gesamtüberleben verbessert bleibt zu überprüfen.
Kombination von systemischer Therapie und Strahlentherapie
Zur Kombination von Strahlentherapie mit einem Tyrosinkinase Inhibitoren (TKI) existieren keine prospektiven Daten.
In einer retrospektiven Studie der University of Rochester wurden 25 Patienten mit Hirnmetastasen eines Nierenzell Karzinoms untersucht und mittels Ganzhirnbestrahlung, Radiochirurgie oder deren Kombination behandelt [472]. 7 Patienten wurden simultan zur Radiotherapie mit einem TKI behandelt, was keinen Einfluss auf lokale Tumorkontrolle oder Überleben hatte im Vergleich zur Therapie ohne simultane TKI Gabe.
Staehler et al. untersuchten 106 Patienten mit spinal (n=55) oder cerebral (n=51) metastasiertem Nierenzellkarzinom, die mit Sorafenib oder Sunitinib simultan zur Radiochirurgie behandelt wurden [473]. Es wurden keine Grad III Nebenwirkungen der Radiochirurgie beobachtet; jeweils 3 Patienten entwickelten eine Grad 2 Tumorblutung oder einen Grad 2 Krampfanfall. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 14,7 Monaten konnte eine lokale Tumorkontrolle in 98 % der Patienten beobachtet werden und das mediane Gesamtüberleben betrug 11,1 Monate im Kollektiv der Patienten mit Hirnmetastasen.
Verma et al. berichteten über 81 Patienten mit cerebral metastasiertem Nierenzell Karzinom, von welchen etwa jeweils die Hälfte mit bzw. ohne TKI behandelt worden waren. Der Zeitpunkt der TKI Behandlung war nicht spezifiziert. Die Mehrzahl der Patienten (n=34) wurde mittels alleiniger Radiochirurgie behandelt, bei 13 Patienten wurde eine Ganzhirnbestrahlung durchgeführt und bei 33 Patienten erfolgte keinerlei Lokaltherapie. Im Gesamtkollektiv betrug das mediane Überleben lediglich 5,4 Monate. In der Kohorte, in der eine TKI Therapie erstmals erst nach Diagnose der Hirnmetastasen angesetzt wurde, konnte ein Gesamtüberleben von 23,6 Monaten erzielt werden.
Zusammenfassend gibt es keine eindeutigen Hinweise auf synergistische Effekte einer simultanen TKI Therapie und Strahlentherapie, Ganzhirnbestrahlung und / oder Radiochirurgie. Ebenso scheint die simultane Therapie aber auch keine gesteigerten Nebenwirkungen und Toxizitäten zu verursachen. Bei hohem Druck durch extra-cerebrale Metastasierung und gleichzeitiger Hirnmetastasierung kann daher die TKI Therapie ohne Unterbrechung für die cerebrale Strahlentherapie fortgesetzt werden. Umgekehrt kann bei im Vordergrund stehender Hirnmetastasierung die Systemtherapie für die lokale Strahlentherapie pausiert werden.
Zusammenfassung
Zusammenfassend verbessert die lokale Therapie-Intensivierung mittels Radiochirurgie oder Neurochirurgie zusätzlich zur Ganzhirnbestrahlung das Gesamtüberleben bei Patienten mit singulärer Metastase und gutem KPS. Bei kleineren Metastasen ist die Radiochirurgie isoeffektiv und weniger toxisch im Vergleich zur neurochirurgischen Resektion. Bei größeren Metastasen (> 3,5 - 4 cm) mit z.B. midline shift und bei schneller Symptomprogression sollte die neurochirurgische Entfernung angestrebt werden [474]. Bei limitierter Metastasierung (1-4 Hirnmetastase) verbessert eine Ganzhirnbestrahlung zusätzlich zur Radiochirurgie oder Neurochirurgie nicht das Gesamtüberleben bei jedoch verschlechterter Neurokognition nach einem Jahr. Daher sollte sie erst als Salvage Therapie bei Auftreten multiplen Hirnmetastasen angewendet werden [441], [442], [461], [475].
8.3.4 Lebermetastasen
Auch Lebermetastasen kommen selten isoliert vor.
Thelen et al. führten bei 31 Patienten eine Resektion von Lebermetastasen durch. Das 1-, 3- und 5-Jahres-Überleben erreichte 82 %, 54 % und 39 %. In einer Multivarianzanalyse waren freie Resektionsränder der einzig signifikante Prognosefaktor [476].
In einer holländischen Studie wurde über die Resektion von Leberfiliae bei 33 Patienten berichtet. Das 1-, 3- und 5-Jahres-Überleben betrug 79 %, 47 % und 43 %. Ein metachrones Auftreten und eine R0-Resektion waren günstige prognostische Faktoren [477].
Staehler et al. berichteten über 88 Patienten mit Leberfiliae, von denen sich 68 einer Resektion unterzogen. Im Median wurden 2 Befunde (1-30) reseziert. 79 % der Gesamtgruppe erhielten zudem eine systemische Therapie. Das 5-Jahres-Überleben war signifikant besser in der Resektionsgruppe: 62 % vs. 29 % mit einem medianen Überleben von 142 vs. 27 Monate (p=0,003). Das mediane Überleben bei metachroner Metastasierung betrug 155 Monate. Patienten mit einer synchronen Metastasierung profitierten nicht von der Resektion [478].
Die gleichen günstigen prognostischen Faktoren (solitäre Läsionen, langes krankheitsfreies Intervall), die bei der Metastasektomie eine Rolle spielen, rechtfertigen abhängig von der Lokalisation und der Resektabilität der Metastasen als Alternative eine hochdosierte Radiotherapie mit dem Ziel einer lang anhaltenden Tumorkontrolle [398], [400], [395], [394], [391]. Insgesamt sind die Erfahrungen zur Leberstereotaxie von Nierenzellkarzinommetastasen begrenzt. Der größte Report von Stinauer et al. enthält zu 20 % Lebermetastasen, deren lokale Kontrolle analog den RECIST-Kriterien mit 88 % vergleichbar zur lokalen Kontrolle nach Hochpräzisionsbestrahlung in anderen Organsystemen war.
8.3.5 Pankreasmetastasen
Da Pankreasmetastasen selten sind, gibt es hier nur wenige Fallberichte. Gelingt die komplette Resektion, können sehr gute Überlebensraten erzielt werden. Sohn et al. gaben ein 5-Jahres-Überleben von 75 % bei 10 Patienten mit Metastasenresektion an [479].
Aus der Mayo Clinic wurde die Erfahrung bei 23 Patienten mit Pankreasmetastasen vorgestellt, wobei die Befunde bei 11 Patienten reseziert wurden. Nach im Mittel 42 Monaten waren 12 Patienten (52 %) am Leben, 6 der resezierten Patienten waren tumorfrei [480].
Zerbi et al. berichteten über die Resektion von Pankreasmetastasen bei 23 von 36 Patienten. Diese 23 Patienten gehörten gemäß den Kriterien des MSKCC in die günstige Risikogruppe. Bei einer Morbidität von 48 % betrug das 5-Jahres-Überleben 88 % (im Vergleich dazu 47 % für die nicht-operierten Patienten). Das mediane krankheitsfreie Überleben betrug 44 Monate bei den operierten Patienten im Vergleich zu 27 Monaten bei den nicht-operierten Patienten [481].
In einem Review von Reddy und Wolfgang zur Resektion isolierter Pankreasmetastasen handelte es sich in 150 Fällen um Metastasen von Nierenzellkarzinomen, was den größten Anteil im Vergleich zu anderen Primärtumordiagnosen darstellte. 11 Artikel enthielten Langzeitdaten. In sieben Arbeiten wurde ein 5-Jahres-Überleben von mehr als 80 % angegeben. Die Auswertung aller 150 Patienten ergab ein 5-Jahres-Überleben von 66 % und ein medianes Überleben von 8,8 Jahren. Patienten mit metachronen Metastasen zeigten einen Trend zum besseren Überleben als solche mit synchronen Filiae (Median 105 vs. 31,5 Monate; p=0,05) [482].
Die gleichen günstigen prognostischen Faktoren (solitäre Läsionen, langes krankheitsfreies Intervall), die bei der Metastasektomie eine Rolle spielen, rechtfertigen prinzipiell abhängig von der Lokalisation und der Resektabilität der Metastasen als Alternative eine hochdosierte Radiotherapie mit dem Ziel einer lang anhaltenden Tumorkontrolle [400], [391], [398]. Insgesamt sind jedoch die Erfahrungen zur Pankreasstereotaxie von Nierenzellkarzinommetastasen auf Einzelfallberichte begrenzt.
8.4 Stellenwert der perioperativen Systemtherapie bei Metastasenchirurgie
Zur perioperativen Systemtherapie im Zusammenhang mit einer geplanten Metastasenresektion gibt es keine Daten aus prospektiv randomisierten Studien.
- Konsens
- Starker Konsens
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