11. Palliativmedizin – Maligne Ovarialtumoren
Der richtige Zeitpunkt zum Einsatz palliativmedizinischer Maßnahmen hängt in erster Linie vom Bedürfnis der Patientin und dem individuellen krankheitsabhängigen Bedarf ab.
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- Starker Konsens
Patientinnen, die in erster Linie einen palliativmedizinischen Betreuungsbedarf haben, sollten einem Programm der spezialisierten Palliativversorgung zugeführt werden.
- Konsens
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Palliativmedizinische Versorgung umfasst medizinische Symptomkontrolle, Palliativpflege und psychosoziale Begleitung bis zum Tod. Sie erfolgt bedarfsgerecht als allgemeine oder spezialisierte Palliativversorgung.
- Konsens
- Starker Konsens
In der Palliativsituation sollten alle erforderlichen Maßnahmen an den individuellen Therapie- und Lebenszielen der Patientin orientiert werden.
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Die bedarfsgerechte Verfügbarkeit palliativer Versorgungsangebote ist Ergebnis langjähriger Konsentierungsprozesse auf internationaler und nationaler Ebene. Dabei soll eine abgestufte Palliativversorgung die Behandlungsintensität entsprechend der Symptombelastung variieren können und gleichzeitig eine Kontinuität der palliativen Unterstützung gewährleisten.
Medizinische Symptomkontrolle, Palliativpflege und psychosoziale Begleitung stehen dabei für drei Dimensionen palliativer Behandlung, die in jedem qualifizierten palliativen Betreuungsangebot enthalten sein müssen, unabhängig davon, auf welcher Ebene der Spezialisierung das Angebot angesiedelt ist. Unter Palliativpflege wird ein palliativ spezifisch erweitertes Tätigkeitsfeld pflegerischer Interventionen verstanden [654], [655]. Für weitergehende Angaben zur Frage der Versorgungsstrukturen wird auf die S3-Leitlinie zur onkologischen Palliativmedizin im Leitlinienprogramm Onkologie verwiesen (https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/palliativmedizin/).
Palliativmedizinische Ansätze bei Ileus, Aszites und Pleuraerguss
Eine operative Intervention bei Darmobstruktionen kann sinnvoll sein, sollte jedoch nur eingesetzt werden, wenn ein signifikanter Nutzen für die Patientin zu erwarten ist.
Der Einsatz folgender Substanzkategorien kann die Symptome von Ileus verbessern:
- Antiemetika
- Antisekretorika
- Analgetika
- Kortikosteroide
Klinische Ziele bei Ileus bzw. Subileus sind die Kontrolle von Nausea und Emesis und das Vermeiden einer nasogastralen Sonde durch den Einsatz von Kortikosteroiden, Antiemetika, Analgetika und Antisekretorika. Die Applikation sollte unter Umgehung der gastrointestinalen Route parenteral (intravenös, subcutan, transdermal und/oder transmukosal) erfolgen [610]. Ziel einer medikamentösen Therapie bei (Sub-)ileus sollte klar als entweder prokinetische Stimulation oder antisekretorische Therapie definiert sein, da sich die zugrunde liegenden pharmakotherapeutischen Ansätze nicht immer sinnvoll ergänzen. Bei operativen Interventionen von Darmobstruktionen ist mit relevanten Komplikationsraten zu rechnen, daher sollten diese nur durchgeführt werden, wenn ein klinisch signifikanter Nutzen zu erwarten ist. Bisher konnte nicht aufgezeigt werden, dass eine operative Intervention einer konservativen Behandlung sowohl hinsichtlich Überlebenszeit als auch hinsichtlich Symptomkontrolle überlegen ist [656]. Zur Behandlung stehen systemtherapeutisch in Abhängigkeit vom Platinsensitivitätsstatus oben genannte Chemotherapien bzw. Kombinationen zur Verfügung (vgl. 9.2 Systemische Rezidivtherapie).
Zur lokalen Therapie des systemtherapeutisch refraktären Pleurergusses wurde in einer Metaanalyse gezeigt, dass die Talkumpleurodese der Pleurodese mit Mitoxantron oder Tetracyclinen überlegen ist [657]. Neben Talkum besteht unter anderem auch die Möglichkeit der Therapie mit Silbernitrat, Povidon-Iod oder Dauerdrainagesystemen [610], [656], [658], [659], [660].
Generell soll für die palliativmedizinische Versorgung die S3 Leitlinie Palliativmedizin für Menschen mit unheilbarer Krebserkrankung zur Anwendung kommen (https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/palliativmedizin/).
Literaturhinweise
[654] Radbruch, Payne, Standards und Richtlinien für Hospiz- und Palliativversorgung in Europa, Weißbuch zu Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Palliative Care (EAPC): Teil 2, Z Palliativmed, 2011. 12: p. 260 - 270.
[655] Radbruch, Payne, Standards und Richtlinien für Hospiz- und Palliativversorgung in Europa, Weißbuch zu Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Palliative Care (EAPC): Teil 1, Z Palliativmed, 2011. 12: p. 216 - 227., https://www.dgpalliativmedizin.de/images/Radbruch_2010_Standards_Norms_DeutschTeil1_ZPallMed.pdf
[610] Scottish Intercollegiate Guidelines Network, SIGN #75: Epithelial ovarian cancer. A national clinical guideline.Scottish Intercollegiate Guidelines Network,, 2003., https://www.sign.ac.uk/media/1073/sign135_oct2018.pdf
[656] Kucukmetin, A., Naik, R., Galaal, K., Bryant, A., Dickinson, H. O., Palliative surgery versus medical management for bowel obstruction in ovarian cancer, Cochrane Database Syst Rev, 2010. p. CD007792., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20614464/
[657] Shaw, P., Agarwal, R., Pleurodesis for malignant pleural effusions, Cochrane Database Syst Rev, 2004. p. CD002916., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14973997/
[658] Terra, R. M., Kim, S. Y., Pego-Fernandes, P. M., Teixeira, L. R., Vargas, F. S., Jatene, F. B., Is silver nitrate pleurodesis for patients with malignant pleural effusion feasible and safe when performed in an outpatient setting?, Ann Surg Oncol, 2011. 18(4): p. 1145-50., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21161728/
[659] Neto, J. D., de Oliveira, S. F., Vianna, S. P., Terra, R. M., Efficacy and safety of iodopovidone pleurodesis in malignant pleural effusions, Respirology, 2010. 15(1): p. 115-8., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19947987/
[660] Sioris, T., Sihvo, E., Salo, J., Rasanen, J., Knuuttila, A., Long-term indwelling pleural catheter (PleurX) for malignant pleural effusion unsuitable for talc pleurodesis, Eur J Surg Oncol, 2009. 35(5): p. 546-51., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18644696/