Leitlinienprogramm OnkologieHarnblasenkarzinom

12. Nachsorge des Harnblasenkarzinoms – Harnblasenkarzinom

Version 3.1 · Juli 2026 · AWMF 032-038OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

12.1 Nachsorge des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms

12.1.1 Einleitung

In etwa 75% der Fälle ist bei Patienten mit einem Harnblasenkarzinom die Erkrankung auf die Mukosa (Ta, Cis) oder Submukosa (T1) beschränkt. Beim nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom (NMIBC) ist die krankheitsspezifische Mortalität verglichen mit den invasiven Harnblasenkarzinomen (T2-4) gering [1325][1326].

Aufgrund der Rezidivneigung und des Progressionsrisikos der NMIBC sollte jedoch eine regelmäßige Tumornachsorge erfolgen. Goldstandard ist die Zystoskopie. Ergänzend werden bildgebende Verfahren wie die Sonographie, das Ausscheidungs-Urogramm, die Urinzytologie oder auch urin-basierte Marker in Abhängigkeit vom Risikoprofil des NMIBC durchgeführt.

Das Nachsorgeschema und die Untersuchungsintervalle werden nach den Kriterien der EORTC (European Organisation for Research and Treatment of Cancer) gewählt [3].

12.1.2 Risikoklassifikation

12.1 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Nach Diagnose eines nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinoms soll eine Risikoklassifikation des Tumors (low, intermediate, high risk) entsprechend dem Rezidiv- und Progressions-Risiko nach den EORTC-Kriterien durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (97,3%)

Hintergrund zu 12.1
Es wurde keine systematische Literaturrecherche für diese Fragestellung durchgeführt. Stattdessen erfolgte eine Adaptation der NICE-Leitlinien-Literaturrecherche (NICE Bladder cancer, 2015, Kapital 4.4) mit Übernahme der Evidenztabellen auf der Basis einer systematischen Literaturrecherche [1327].  
In einer Meta-Analyse wurden insgesamt 2596 Patienten aus sieben EORTC-Studien mit nicht-muskelinvasivem Urothelkarzinom der Harnblase (Ta, T1, Cis) zusammengefasst und im Hinblick auf ihr Rezidiv- und Progressionsrisiko analysiert.  Das sich daraus ergebende EORTC Scoring-System basiert auf 6 klinischen und pathologischen Faktoren [3]:

  • Anzahl der Tumoren (solitär vs. multipel)
  • Tumorgröße (< 3 cm vs. > 3 cm)
  • Rezidivrate (primär vs. >/< 1 Rezidiv pro Jahr)
  • T-Kategorie (pTa vs. pT1)
  • Begleitendes CIS
  • Tumor Grading (WHO 1973).

Die Risikotabellen der EORTC (www.eortc.org, Prognostic Calculator Software) lassen eine gute Risikoabschätzung zu und wurden auch in anderen Leitlinien (EAU, NICE) implementiert.

Tabelle 58: Berechnung des Rezidiv- und Progressions-Scores nach Sylvester et al., 2006

Aspekt Rezidiv-Score Progressions-Score
 Anzahl der Tumoren
1 0 0
2-7 3 3
>=8 6 3
 Tumordurchmesser 
< 3cm 0 0
> 3cm 3 3
 Rezidivfrequenz 
Primärer Tumor 0 0
< 1 Rezidiv/Jahr 2 2
> 1 Rezidiv/Jahr 4 2
 pT-Kategorie
Ta 0 0
T1 1 4
 Begleitendes pTis 
Nein 0 0
Ja 1 6
 Grading (WHO 1973) 
G1 0 0
G2 1 0
G3 2 5
Gesamt-Score 0-17 0-23

Quelle: [3]

Tabelle 59: Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms entsprechend dem Rezidiv-Score (nach Sylvester, 2006) und Zuordnung der Risikogruppen

Rezidiv-Score

Rezidiv-Wahrscheinlichkeit nach 1Jahr

Rezidiv-Wahrscheinlichkeit nach 5 Jahren

Risikogruppe für ein Rezidiv des NMIBC

 

%

(95% CI)

%

95% CI)

 

0

15

(10-19)

31

(24-37)

Low risk

1-4

24

(21-26)

46

(42-49)

Intermediate risk

5-9

38

(35-41)

62

(58-65)

Intermediate risk

10-17

61

(55-67)

78

(73-84)

High-risk

Quelle: [3]

Tabelle 60: Wahrscheinlichkeit der Progression des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms entsprechend dem Progressions-Score (nach Sylvester, 2006) und Zuordnung der Risikogruppen

Rezidiv-Score

Rezidiv-Wahrscheinlichkeit nach 1Jahr

Rezidiv-Wahrscheinlichkeit nach 5 Jahren

Risikogruppe für ein Rezidiv des NMIBC

 

%

(95% CI)

%

95% CI)

 

0

0,2

(0-0,7)

0,8

(0-1,7)

Low risk

2-6

1

(0,4-1,6)

6

(5-8)

Intermediate risk

7-13

5

(4-7)

17

(14-20)

High-risk

14-23

17

(10-24)

45

(35-55)

High-risk

Quelle: [3]

Die EORTC-Risikotabellen

Die EORTC Risikotabellen von der Arbeitsgruppe Sylvester wurden in mehreren Studien validiert [3], [437], [1328],  [1329][1330], [1331]

Es konnte gezeigt werden, dass die Tabellen eine sinnvolle Stratifizierung der Patienten mit NMIBC in Risikogruppen für die Progression und das Auftreten eines Rezidivs ermöglichen. In prospektiven und retrospektiven Validierungsstudien konnte beobachtet werden, dass generell das Risiko eines Rezidivs in allen Risikogruppen und das Progressionsrisiko in der high-risk Gruppe überschätzt wird [1332], [1328], [1329], [1330], [1333], [1331].

Für BCG-behandelte Patienten wurde durch eine spanische Arbeitsgruppe (CUETO, Club Urologico Espaniol de Tratamento Oncologico) ein modifiziertes Bewertungssystem entwickelt. Bei Verwendung dieser Tabellen errechnet sich ein niedrigeres Risiko im Vergleich zu den EORTC-Tabellen für die Wahrscheinlichkeit der Progression bei Patienten in der high-risk Gruppe [1287]. Diese Tabellen und ein Risikokalkulator können online heruntergeladen werden: https://aeu.es/Calculadoras.aspx 


Weitere Risikofaktoren des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms

a.) Lymphovaskuläre Invasion

Kleinere retrospektive Studien deuten darauf hin, dass das Vorhandensein einer lymphovaskulären Invasion das Rezidiv- und Progressionsrisiko erhöhen sowie das krankheitsspezifische Überleben negativ beeinflussen kann [511][1334]. Die lymphovaskuläre Invasion ist in Standardfärbungen jedoch schwer erkennbar und bedarf zusätzlicher immunhistochemischer Spezialfärbungen. Daher ist dieser histologische Parameter bislang nicht in die diagnostische Routine eingegangen.


b.) Histologische Varianten

Mehrere retrospektive Studien konnten zeigen, dass Urothelkarzinome mit speziellen histologischen Varianten mit einem höheren Rezidiv- und Progressionsrisiko assoziiert sind. Dazu gehören Urothelkarzinome mit plasmazytoider, plattenepithelialer, mikropapillärer, sarkomatoider oder kleinzelliger Komponente und/ oder nested Variante [202][1335][1336][1337][1338][1339].


Definition der Risikogruppen des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms

In Adaptation an die NICE Leitlinie wurde eine modifizierte Einteilung der Risikogruppen des NMIBC entwickelt. Auf dieser Grundlage beruhen die folgenden praxisrelevanten Empfehlungen für die Nachsorge des NMIBC.

Tabelle 61: Übersicht konsensbasierte Definition der Risikogruppen des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms

Risikogruppe Tumorstadien
Low-risk NMIBC

Solitär pTa G1/2 low grade <3 cm

PUNLMP (papillary urothelial neoplasm of low malignant potential)

Intermediate-risk NMIBC

Solitär pTa G1/2 low grade >3 cm

Multifokal pTaG1

Jeder pTaG2 (low grade + high grade, auch multifokal)

Jedes Karzinom aus der Low-risk-Gruppe, das innerhalb von 12 Monaten rezidiviert

High-risk NMIBC

Alle Karzinome mit folgenden Kriterien:

Alle T1 Tumoren

Alle G3 (high grade) Tumoren

Jedes Cis

Multiple rezidivierende und große Tumoren (> 3 cm) pTa G1/G2 (wenn die genannten Vorraussetzungen gleichzeitig vorliegen)

Aggressive histologische Varianten des Urothelkarzinoms mit lymphoepithelialer, plasmazytoider, plattenepithelialer, mikropapillärer und / oder kleinzelliger Komponente sowie „nested“ Variante

 

12.1.3 Risikoadaptierte Nachsorge des NMIBC

Die Nachsorge des NMIBC erfolgt stratifiziert nach der Risikogruppen-Einteilung in low-, intermediate- und high-risk NMIBC.

12.1.3.1 Nachsorge des low-risk NMIBC

12.2 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Patienten mit einem low-risk nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinom sollten nach Erstdiagnose und transurethraler Resektion eine Zystoskopie nach 3 und 12 Monaten erhalten. Bei Rezidiv-Freiheit sollte das Zystoskopie-Intervall auf einmal pro Jahr erweitert werden. Wird kein Rezidiv festgestellt, sollte die urologische Nachsorge nach 5 Jahren beendet werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2+
Konsens
Starker Konsens (97,2%)
Literatur
[1327]
12.3 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Beim Erstbefund eines low-risk nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinoms sollte keine routinemäßige bildgebende Verlaufskontrolle des oberen Harntrakts in der Nachsorge erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)

12.1.3.2 Nachsorge des intermediate-risk NMIBC

12.4 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Patienten mit einem intermediate-risk nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinom sollen eine Zystoskopie im 1. Jahr alle drei Monate, im 2. und 3. Jahr alle 6 Monate und ab dem 4. Jahr einmal jährlich erhalten.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2++
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1327]
12.5 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei Patienten mit einem intermediate-risk nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinom soll die Urinzytologie ergänzend zur Zystoskopie in der Nachsorge eingesetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (96,0%)
12.6 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Wenn eine bildgebende Abklärung des oberen Harntraktes in der Verlaufskontrolle bei nicht-muskelinvasivem Blasenkarzinom indiziert ist, dann sollte bevorzugt eine Dünnschicht-CT-Urographie mit multiplanaren Rekonstruktionen durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
12.7 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Alternativ zur CT-Urographie kann ein MRT mit mehreren Untersuchungszeitpunkten vor und nach Kontrastmittelapplikation durchgeführt werden.

Konsens
Konsens (90,0%)

12.1.3.3 Nachsorge des high-risk NMIBC

12.8 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Patienten mit einem high-risk nicht muskelinvasiven Blasenkarzinom sollen eine Zystoskopie in den ersten 2 Jahren alle 3 Monate, im 3. und 4. Jahr alle 6 Monate und ab dem 5. Jahr einmal jährlich erhalten.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2+
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[1327]
12.9 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei Patienten mit einem intermediate risk oder high-risk nicht muskelinvasiven Blasenkarzinom soll die Zystoskopie in der Nachsorge nicht durch Urinmarker ersetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (97,1%)
12.10 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2025

Die Urinzytologie ist eine hochspezifische urinbasierte Diagnosemethode für high-grade nicht muskelinvasives Blasenkarzinom in der Nachsorge von Urothelkarzinomen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
12.11 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2025

Eine positive Urinzytologie sollte eine weitere Abklärung via Zystoskopie indizieren. Ist die Zystoskopie auffällig, sollte ein Fluoreszenz-gestütztes (PDD) Mapping inkl. Abklärung der prostatischen Harnröhre sowie des oberen Harntraktes mittels Schnittbildgebung mit urographischer Phase erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
12.12 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei Patienten mit einem high-risk nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinom sollte die Urinzytologie ergänzend zur Zystoskopie in der Nachsorge eingesetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
12.13 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Wenn eine bildgebende Abklärung des oberen Harntraktes in der Verlaufskontrolle bei nicht-muskelinvasivem Blasenkarzinom indiziert ist, dann sollte bevorzugt eine Dünnschicht-CT-Urographie (mit multiplanaren Rekonstruktionen) durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
12.14 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Alternativ zur CT-Urographie kann ein MRT mit mehreren Untersuchungszeitpunkten vor und nach Kontrastmittelapplikation durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (97,0%)

Die Nachsorge des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms soll sich an der Tabelle zur Nachsorge des nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinoms orientieren.

Tabelle 62: Überblick der Untersuchungen in der Nachsorge des nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinoms

Risikogruppe/ Untersuchung

Zeitpunkt nach TURB/ Erstdiagnose

 

3 Mon.

6 Mon.

9 Mon.

1 J.

2 J.

3 J.

4 J.

5 J.

> 5 Folgejahre

Low risk

Zystoskopie

x

-

-

x

x

x

x

x

-

Urinzytologie

-

-

-

-

-

-

-

-

-

Bildgebung

 

-

-

-

-

-

-

-

-

Intermediate risk

Zystoskopie

x

x

x

x

2x

2x

1x

1x

1x

Urinzytologie

x

x

x

x

2x

2x

1x

1x

1x

Bildgebung

-

-

-

-

-

-

-

-

-

High risk

Zytoskopie

x

x

x

x

4x

2x

2x

1x

1x

Urinzytologie

x

x

x

x

4x

2x

2x

1x

1x

Bildgebung

x

-

-

-

x

x

x

x

x

Mon.= Monate; J. = Jahr€

Hintergrund

Zystoskopie in der Nachsorge des NMIBC

Hintergrund zu 12.2, 12.4 und 12.8

Es wurde keine systematische Literaturrecherche für diese Fragestellung durchgeführt. Eine Adaptation der NICE-Leitlinien-Literaturrecherche (NICE Bladder cancer, 2015, Kapital 4.4) mit Übernahme der Evidenztabellen auf der Basis einer systemischen Literaturrecherche wurde vorgenommen [1327].

In der NICE-Leitlinie von 2015 wurde folgende Frage gestellt: Welche Zystoskopie-Intervalle sollten bei der Nachsorge des NMIBC (low-, intermediate- und high-risk) eingehalten werden?

In der NICE Leitlinie erfolgt die Qualitätsbewertung der Evidenz nach der GRADE Methodik [813]. Diese Endpunkte bezogene Methodik kategorisiert die Evidenz in hohe, moderate, niedrige und sehr niedrige Qualität. Zum Beispiel bedeutet eine hohe Qualität der Evidenz, dass auf der Grundlage der systematischen Literaturrecherche ein hohes Vertrauen in die Studienergebnisse gestellt wird.

In der Literaturrecherche der NICE Leitlinie zur Frage der Zystoskopie-Intervalle in der Nachsorge des NMIBC konnten insgesamt 6 Studien identifiziert werden. Eine randomisierte Studie von Olsen und Genster wurde in ihrer Qualität als moderat eingestuft [1340]. Zusätzlich wurden 5 Beobachtungsstudien mit jeweils nur niedriger Qualität aufgenommen [1302], [1341][1342][1343]

In einer randomisierten Studie mit 97 Patienten konnte nicht bewiesen werden, dass ein Zystoskopie-Intervall von 3 Monaten in der Nachsorge des low risk NMIBC effektiver ist als ein Intervall von 6 Monaten in Bezug auf die Endpunkte Rezidiv- und Progressionsrate sowie Gesamtüberlebenszeit. Die Studie wurde in Ihrer Qualität als moderat bewertet.

In 5 Beobachtungsstudien wurde bei Patienten mit einem low-grade NMIBC die Rezidivraten in der Langzeitnachsorge untersucht. Die Qualität der Evidenz  wird für diese Studien als niedrig eingestuft. Zwei der Arbeiten mit insgesamt 470 Patienten zeigten, dass die zystoskopische Detektion eines Tumors in der ersten Nachsorge verglichen mit tumorfreien Patienten in der ersten Zystoskopie mit einem deutlich höheren Rezidivrisiko in den Folgeuntersuchungen assoziiert war [1341]. [1302] Alle Studien konnten jedoch zeigen, dass das Rezidivrisiko  mit der Länge des rezidivfreien Nachsorgeintervalls abnimmt. Zwei Beobachtungsstudien legen nahe, dass das Rezidivrisiko nach einer Zeitspanne von 5 oder mehr rezidivfreien Jahren minimiert ist [1341][1342]. In der Arbeit von Mariappan und Kollegen wurde nach 5 Jahren Rezidivfreiheit lediglich bei einem Patienten (0,9%) ein erstes Rezidivereignis festgestellt. Hingegen konnten in der Studie von LeBlanc deutlich höhere Spätrezidivraten von annähernd 30% beobachtet werden, auch wenn Patienten in der Nachsorge zwischen zwei und zehn Jahren zunächst tumorfrei gewesen waren [1340][1343].

Ebenso zeigte eine Beobachtungsstudie von Thompson eine hohe Rezidivrate auch nach einem längeren tumorfreien Nachsorgeintervall. Insgesamt hatten 20 Patienten mit einem initialen Ta-T1 Tumor ein rezidivfreies Intervall von 5 Jahren. In der weiteren Langzeitbeobachtung entwickelten jedoch sieben Patienten (35%) eine Tumorprogression und hatten ein muskelinvasives Karzinom [1344].   

Bei insgesamt 542 Patienten mit einem intermediate oder high-risk NMIBC, die eine BCG-Therapie erhalten hatten, zeigte sich in einer retrospektiven Analyse, dass 338/542 (62%) nicht über eine Zeitdauer von 5 oder mehr Jahren tumorfrei waren und es früher zu Rezidiven kam [1307].  Lediglich  22/204 (10,8%)  waren über ein Zeitintervall von 5 oder mehr Jahren tumorfrei. Innerhalb der ersten fünf Jahre nach BCG-Therapie verstarben 57 Patienten (10,5%) an ihrem Blasenkarzinom. In den folgenden 6 bis 25 Jahren verstarben weitere 32 Patienten (5,9%) an ihrer Tumorerkrankung. Es zeigt sich also mit der Zeit eine Abnahme der krankheitsspezifischen Mortalität nach BCG-Therapie [1307].  

Die systematische Literaturrecherche konnte leider keine Aussage zur risikoadaptierten Zystoskopiefrequenz in der Tumornachsorge machen. Die NICE Leitlinie entwickelte daher auf der Grundlage der EORTC Risikotabellen von Sylvester eine neue Modellberechnung unter Berücksichtigung von ökonomischen Aspekten (NICE Leitlinie, Kapitel 4.4, Seite 244-246) [3]. Nach dieser Modellberechnung wird die Nachsorgestrategie in 3 Kategorien für die Häufigkeit der Nachsorgezystoskopien eingeteilt: Klassische Zystoskopie-Intervalle, leicht reduzierte Zystoskopie-Intervalle und reduzierte Zystoskopie-Intervalle [1307]. Hieraus entwickelte die NICE-Leitlinie ihre Empfehlungen zur Zystoskopie-Frequenz in Abhängigkeit vom Rezidiv- und Progressionsrisiko des NMIBC.


Urinzytologie und urinbasierte Tests

Hintergrund zu 12.3, 12.5, 12.9 – 12.12

Urinzytologie und andere zellbasierte Verfahren

Für die Nachsorge hat die Urinzytologie einen wichtigen Stellwert. Zur Methodik, Sensitivität und Spezifität der Urinzytologie und andere zellbasierte Verfahren sei auf das Kapitel 5.2. verwiesen.

Bei unauffälliger Zytologie ist ein low grade Karzinom nicht ausgeschlossen, bedarf also weiterhin der zystoskopischen Diagnostik. Ein entdifferenziertes high grade Karzinom liegt jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vor, was ein prognostisch bedeutsamer Befund ist [1345]. Die Urinzytologie hat den Vorteil, dass der Befund den oberen Harntrakt mit einbezieht. Eine positive Urinzytologie bei negativer Zystoskopie erfordert daher die umfassende Diagnostik des oberen Harntraktes.

Die Anwendung von Immunzytologie (UCyt+) kann die Sensitivität in der Nachsorge erhöhen. Ein Vergleich von Urinzytologie und UCyt+ in der Tumornachsorge ergab folgende Sensitivitäten/Spezifitäten: Urinzytologie: 23%/93%;  Immunzytologie: 81%/75%; Kombination beider Verfahren: 81%/73% [1346]. In einer prospektiven Studie mit Urinzytologie und uCyt+™ mit über 2.200 Patienten  wurden Sensitivitäten von 34,5% (Urinzytologie), 68,1% (uCyt+) und 72,8% (Testkombination) erzielt, bei Spezifitäten von 97,9% (Urinzytologie), 72,3% (uCyt+) und 71,9% (Testkombination) [1347]. Die kombinierte Sensitivität beider Tests in Abhängigkeit vom Tumorgrading war 59%, 77% und 90% (Grade 1-3, WHO 1973). Eine kombinierte Nachsorge mittels Urinzytologie und Immunzytologie erreicht demnach in der Nachsorge eine hohe Sensitivität und Spezifität bei der Erkennung schlecht differenzierter Rezidive.

In mehreren Untersuchungen wurde der prädiktive Wert einer positiven Urinzytologie und eines positiven FISH-Testes für das Vorhandensein oder das spätere Auftreten eines Rezidivs dargestellt, wobei ein enger Zusammenhang zwischen Zytologie und FISH mit 100% FISH-Positivität von zytologischen G3-Karzinomen besteht [1348][1349].

Für den FISH-Test allein wurde in mehreren Studien eine relativ niedrige Sensitivität in der Nachsorge des NMIBC berichtet. Dies wird zum Teil als „antizipatorische positive Ergebnisse“ interpretiert, wobei der FISH-Nachweis dem endoskopischen Nachweis von Rezidiven vorausgehen kann [1350][1351]. In einer Studie wurde bei 89% der Patienten mit falsch-positivem Ergebnis innerhalb von 12 Monaten eine positive Blasenbiopsie festgestellt, in einer anderen ebenfalls in 85% der Fälle [1352][1353]. Ähnliches wurde für den NMP22 Test, für UCyt+™ und für die Urinzytologie berichtet [1354], [1354]. Diese Beobachtungen lassen sich aufgrund der geringen Datenlage und aus Gründen der Kosteneffizienz gegenwärtig nicht in praktische Empfehlungen umsetzen. Für FISH besteht eine FDA-Zulassung in der Nachsorgeindikation.

Nach intravesikaler BCG-Therapie kann die Urinzytologie Therapieversager identifizieren; die Hazard-Ratio der Vorhersage unterscheidet sich dabei nur unwesentlich von dem der FISH-Untersuchung (HR 5.1 vs. HR 5.6) [1349]. FISH alleine kann zur Vorhersage des Ansprechens auf die BCG-Therapie benutzt werden [1355].

Urinmarker

Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen uringebundenen molekularen Marker findet sich im Kapitel 5.2 und 5.3.

Die Nachsorge nach NMIBC ist eine Indikation, für die die FDA den BTA-Test in Verbindung mit der Zystoskopie zugelassen hat. In der Metaanalyse von van Rhijn et al. wurden 1.377 Patienten in dieser Indikation mit dem BTA STAT und 360 mit dem BTA TRAK Test untersucht. Die mediane Sensitivität war beim BTA TRAK höher als beim BTA STAT (71% vs. 58%), die mediane Spezifität umgekehrt beim BTA STAT höher (73% bei 2.084 Tests) als beim BTA TRAK (66% bei 195 Testungen). Beide Verfahren zeigten eine niedrigere Sensitivität bei gut differenzierten Rezidivtumoren und 75% bzw. 74% Sensitivität bei Grad 3 (high grade) Tumoren [279].

Für NMP22 wurde in der Nachsorge eine höhere Sensitivität im Vergleich zur Urinzytologie (78,8% vs. 44,2%) bei niedrigerer Spezifität (69,6% vs. 83,7%) ermittelt, wobei der NMP22 Test deutlich besser in der Gruppe der gut und intermediär differenzierten Rezidive abschnitt [1314]. Für CYFRA 21-1 wurde in der Nachsorgesituation eine Sensitivität von 85% (156 Fälle) und eine Spezifität von 82% bei 323 zystoskopisch negativen Kontrollen berichtet.

In einer prospektiven Studie mit 200 Patienten wurden verschiedene Nachsorgestrategien (Zystoskopie vs. Zystoskopie/NMP22 vs. Zystoskopie/FISH vs. Zystoskopie/Urinzytologie vs. Zystoskopie + positiver NMP22 verifiziert durch FISH) verglichen. Im Ergebnis (Detektionsraten 52% vs. 56% vs. 72% vs. 60% vs. 56%) war die alleinige Zystoskopie die kosteneffektivste Nachsorgestrategie [1355]. In einer Studie mit über 2.000 Probanden in der Nachsorge und negativer Urinzytologie wurden Zystoskopie und NMP22-Test eingesetzt. Es wurde ein Risiko-stratifiziertes Modell für die Notwendigkeit einer Zystoskopie entwickelt, welches allerdings darauf basiert, welches Risiko eines nicht entdeckten Rezidivs man einzugehen bereit ist [284].

Bildgebende Diagnostik

Hintergrund zu 12.3, 12.6, 12.7, 12.13 und 12.14

Die Inzidenz von synchronen, nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinomen und Malignomen des oberen Harntrakts ist gering und liegt insgesamt zwischen 0.3-2.3% [338][1356][340]. In der NICE Leitlinie (2015) werden Rezidivraten im Bereich des oberen Harntrakts in 5 relevanten Beobachtungsstudien zwischen 2,6% und 5,5% angegeben. Drei Arbeiten geben eine mittlere Zeit bis zum Auftreten eines Rezidivs im Bereich des oberen Harntrakts von 22 bis 33 Monaten an [1301], [1357][1358].

In einer Untersuchung zeigte es sich, dass von 18 Rezidiven im Bereich des oberen Harntrakts nur 2 Rezidive durch ein routinemäßig durchgeführtes klassisches Ausscheidungs-Urogramm (AUG) im Rahmen der Nachsorge aufgefallen waren. Die anderen 16 Patienten stellten sich mit für ein Rezidiv im oberen Harntrakt typischen Symptomen vor, bevor diese dann durch eine Bildgebung bestätigt wurde [1357]. 

In der multivariaten Analyse von 28 Patienten mit einem synchronen Tumor des oberen Harntrakts von insgesamt 1529 Patienten mit einem nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom konnte die Lokalisation im Bereich des Trigonum als statistisch unabhängiger Prognosefaktor (RR 5.8, p<0.0005) identifiziert werden [340]. Bei Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms im Bereich des Trigonum steigt entsprechend die Inzidenz eines Malignoms des oberen Harntrakts auf 7% an. Wenn die Durchführung einer bildgebenden Abklärung des oberen Harntrakts auf Patienten mit einem Harnblasenkarzinom im Bereich des Trigonums beschränkt wird, reduziert sich die Durchführung der Bildgebung auf ca. 10% aller Patienten mit einem nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom. Allerdings werden dann auch nur ca. 41% der synchronen Tumoren des oberen Harntrakts diagnostiziert. Wird die Indikation für die Abklärung des oberen Harntraktes zusätzlich auf die Patienten mit einem multifokalen Harnblasenkarzinom ausgedehnt, so werden 69% der synchronen Tumoren diagnostiziert [340].

Vor einer stadien- und risikoadaptierten Behandlung eines Harnblasenkarzinoms ist ein an den Befund angepasste Bildgebung nötig. Der gesamte Harntrakt sollte untersucht werden, um synchrone Zweittumoren erkennen zu können. Bezüglich der Untersuchung des gesamten Urothels wird ein mehrphasiges CT mit Kontrastmittel mit CT-Urographie empfohlen (siehe Kapitel 5.5). Alternativ kann ein MRT mit Kontrastmittel und eine MR Urographie durchgeführt werden, jedoch liegen hierfür weniger Studien mit kleineren Studienkollektiven vor (siehe Kapitel 5.5).

Die Sonographie der Nieren kann als indirektes Screeningverfahren Hinweise auf Abflussstörungen und damit auf Tumoren im Bereich des oberen Harntrakts liefern. Bei auffälligen Befunden in der Sonographie sollte eine Schnittbildgebung veranlasst werden.

Bildgebung bei Rezidivtumoren des NMIBC

Rezidivtumoren bei Patienten mit einem high-risk NMIBC haben ein hohes Progressionsrisiko mit der Gefahr der Tumorinfiltration in die Blasenmuskulatur [506]. Zusätzlich sollte bei Rezidivtumoren von high-risk NMIBC ggf. eine Ausbreitungsdiagnostik zum Ausschluss einer lymphogenen oder viszeralen Metastasierung durchgeführt werden. Sämtliche Kriterien sind nicht nur für die Prognose bedeutsam, sondern haben auch Einfluss auf die weitere Behandlung.

Die Infiltrationstiefe in der Harnblasenwand kann nur beurteilt werden, wenn bei gut gefüllter Harnblase eine Schnittebene senkrecht zur Tumorbasis vorliegt. Eine primär freie Schichtführung mit obliquen Schichtführungen war zunächst nur in der MRT möglich [343]. Im CT sind hierzu in den meisten Fällen multiplanare Rekonstruktionen erforderlich. Das ist mit modernen Mehrzeilen-Spiral-CTs möglich. Sie erreichen mit einer submillimeter Kantenlänge der Voxel eine gute Auflösung auch in der Z- oder Längsachse [330][344][345][1359]. Eine Differenzierung von unterschiedlichen Wandschichten ist zwar, anders als in der kontrastmittel-unterstützten MRT, im CT nicht möglich, jedoch wird diese Information durch die zystoskopische Resektion des Tumors geliefert [346]. Eine perivesikale Infiltration kann in der CT gut erfasst werden. In einer Studie an 201 Patienten mit gesichertem Urothelkarzinom der Harnblase fanden Rajesh et al. bei 5,5% (11 von 201) der Patienten Fernmetastasen. Bei 9 dieser Patienten lag eine Muskelinfiltration, bei den übrigen beiden Patienten eine nur oberflächliche Biopsie ohne Muskelanteile. Daraus wird gefolgert, dass bei Patienten mit tiefer Biopsie mit Muscularis und darin erkennbar nicht muskelinvasivem Tumor auf ein Ganzkörper CT verzichtet werden kann [347].

Die MRT hat neben einem hohen Weichteilkontrast auch die Möglichkeit von frei wählbaren Schichtebenen. Dadurch können auch ohne 3D Sequenzen geeignete Schnittführungen erreicht werden. Dieser, z.B. von Narumi et al. untersuchte Vorteil, wird durch die moderne CT mit multiplanarer Rekonstruktion oder durch 3D Sequenzen im MRT überwunden. Die Treffsicherheit für das lokale Staging im MRT wird in einem Review von Dighe et al. mit 73 % bis 96 % angegeben [344]. In einer nicht systematischen Literaturanalyse zeigt Green et al. für die Differenzierung von muskelinvasivem vs. nicht muskelinvasivem Tumor Treffsicherheiten zwischen 64% und 98% mit einer Sensitivität von 76-94% und einer Spezifität zwischen 55-100% [348]. Die eingesetzten Techniken variieren jedoch. So wird in einigen Studien eine dynamische kontrastmittelunterstützte T1-w Untersuchung, in anderen eine ergänzende Spätserie und in anderen eine diffusionsgewichtete Bildgebung durchgeführt.

Die Inzidenz von Lymphknotenmetastasen beim high-risk NMIBC in der Rezidivsituation lässt sich nur bedingt anhand der vorhandenen Literatur belegen. In einer retrospektiven Fallserie von 46 Patienten, bei denen eine Zystektomie im Falle eines Rezidivs eines high-risk NMIBC durchgeführt wurde, fanden sich bei 6 Patienten (13%) histologisch gesicherte Lymphknotenmetastasen [1360]. In einer weiteren retrospektiven Auswertung fanden sich bei 6% der Patienten Lymphknotenmetastasen zum Zeitpunkt der Zystektomie, die aufgrund eines BCG-Versagens bei high-risk Patienten durchgeführt wurde [507]. In beiden Arbeiten wird jedoch nicht berichtet, ob diese Lymphknotenmetastasen präoperativ bereits klinisch, z.B. in der Bildgebung, detektiert werden konnten. 
Eine lokale Lymphadenopathie kann im CT und im MRT alleine durch die Beurteilung des axialen Durchmessers und die Form des Lymphknotens beurteilt werden [349]. Spezifische lymphogene MR-Kontrastmittel haben sich, trotz zunächst vielversprechender Studien, nicht in der Routine etablieren können.

Die Sonographie der Nieren kann als indirektes Screeningverfahren Hinweise auf Abflussstörungen und damit auf Tumoren im Bereich des oberen Harntrakts liefern. Bei auffälligen Befunden in der Sonographie sollte eine Schnittbildgebung veranlasst werden.

12.2 Nachsorge des muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms

12.2.1 Einleitung

Die Nachsorgeprogramme bei muskelinvasiven Blasenkarzinom-Patienten richten sich zunächst nach der Wahl der kurativ intendierten Behandlung. Das Nachsorgeschema für Patienten nach radikaler Zystektomie und Harnableitung unterscheidet sich deutlich von der Nachsorge für Patienten nach Radio-(Chemo-) Therapie der Harnblase.

Zudem muss das Nachsorgeprogramm von muskelinvasiven Blasenkarzinom-Patienten mehrere medizinische Bereiche abdecken. Dazu gehören:

  • Früherkennung von Tumorrezidiven: Dazu gehören Lokalrezidive, Urethrarezidive nach Zystektomie, Rezidive des oberen Harntraktes und Fernmetastasen
  • Metabolische Veränderungen
  • Funktionelle Störungen 
  • Psychoonkologisch-sozialer Status

 

12.2.2 Nachsorge von Blasenkarzinom-Patienten nach kurativ intendierter Zystektomie

12.15 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei Patienten nach radikaler Zystektomie und Harnableitung soll eine regelmäßige Nachsorge erfolgen, um sowohl Tumorrezidive als auch funktionelle Störungen, wenn behandlungsrelevant, erfassen zu können.

Konsens
Starker Konsens (100%)
12.16 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Die Nachsorge-Intervalle zur Detektion von Tumorrezidiven mittels Bildgebung sollten bei Patienten nach radikaler Zystektomie und Harnableitung in Abhängigkeit vom Tumorstadium erfolgen. 

Lokal begrenzte Blasentumoren (< pT2pN0cM0): 

  • Erste Nachsorge nach 3-6 Monaten
  • 1. bis 2. Nachsorgejahr: 6-Monatsintervalle
  • 3. bis 5. Nachsorgejahr: 12-Monatsintervalle
  • Ab 6. Nachsorgejahr: Bei neuer Hydronephrose oder positiver Urinzytologie

Lokal fortgeschrittene Blasentumoren (> pT3 und/oder pN1): 

  • Erste Nachsorge nach 3-6 Monaten
  • bis 3. Nachsorgejahr: 6-Monatsintervalle
  • 4. bis 5. Nachsorgejahr: 12-Monatsintervalle
  • Ab 6. Nachsorgejahr: Bei neuer Hydronephrose oder positiver Urinzytologie
Konsens
Starker Konsens (100%)
12.17 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Die Nachsorge-Intervalle zur Detektion von funktionellen Störungen sollten bei Blasentumor-Patienten nach radikaler Zystektomie und Harnableitung langjährig erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
12.18 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

In der Nachsorge von Blasentumor-Patienten nach radikaler Zystektomie soll zur Detektion von Tumorrezidiven eine Computertomographie des Abdomens und des Thorax mit Kontrastmittel inkl. urographischer Phase durchgeführt werden. 

Konsens
Starker Konsens (97,0%)
12.19 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

In der Nachsorge von Blasentumor-Patienten nach radikaler Zystektomie soll zur Detektion von Tumorrezidiven im oberen Harntrakt eine zellbasierte Urinuntersuchung (Urinzytologie, FISH) durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (97,1%)
12.20 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

In der Nachsorge des Harnröhrenstumpfes nach radikaler Zystektomie sollen  eine Urethroskopie und eine Urin-Spülzytologie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (97,1%)
12.21 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Die Nachsorge sollte gemäß den folgenden Tabellen 63 und 64 zum Tumorstadium < pT2 pN0 cM0 und Tumorstadium > pT3 und / oder pN+ erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisDie Nachsorge sollte gemäss den folgenden Tabellen zum Tumorstadium < pT2 pN0 cM0 und Tumorstadium > pT3 und / oder pN+ erfolgen.

Tabelle 63: Tumorstadium ≤ pT2 pN0 cM0

Diagnostik

Zeit nach Zystektomie in Monaten

 

 

3

6

12

18

24

30

36

42

48

54

60

Kontrollen

jährlich

Labor & Blutgasanalyse

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

Urinkultur

X

X

X

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X

X

X

X

X

X

X

Urinzytologie

 

X

X

X

X

 

X

 

X

 

X

X

Spülzytologie Urethra *

 

 

X

 

X

 

X

 

X

 

X

 

Vitamin B12**

 

 

 

 

 

 

X

 

X

 

X

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Sonographie

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X

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CT Thorax/ Abdomen inkl. Urographie

(X)

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X

 

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X

X***

Stomakontrolle

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

Anamnese Kontinenz und Sexualfunktion

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

Anamnsese Psycho- onkologischer Sozialstatus

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

Legende: CT = Computertomographie; * = defunktionalisierte Urethra;  ** = nur bei kontinenter Ableitung

Tabelle 64: Tumorstadium ≥ pT3 und / oder pN+

Diagnostik

Zeit nach Zystektomie in Monaten

 

 

3

6

12

18

24

30

36

42

48

54

60

Kontrollen

jährlich

Labor & Blutgas-analyse

X

X

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Urinkultur

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Urinzytologie

 

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Spühl- zytologie

Urethra*

 

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Vitamin B12***

 

 

 

 

 

 

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Sonographie

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CT Thorax/ Abdomen inkl. Urographie

(X)

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X**

Stoma- kontrolle

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Anamnese Kontinenz und Sexualfunktion

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Anamnese Psycho- onkologischer Sozialstatus

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X

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X

X

X

X

X

Legende: CT = Computertomographie; * = defunktionalisierte Urethra und Tumorinfiltration Blasenhals/Prostata; ** = nur bei kontinenter Ableitung

Hintergrund

Methodik 

Es wurde keine systematische Literaturrecherche für diese Fragestellung durchgeführt. Eine Adaptation der NICE-Leitlinien-Literaturrecherche (NICE Bladder cancer, 2015, Kapital 5.4) [1327] mit Übernahme der Evidenztabellen auf der Basis einer systemischen Literaturrecherche wurde vorgenommen.

In der NICE-Leitlinie von 2015 wurde folgende Frage gestellt: Welches Nachsorgeschema ist für Patienten mit einem muskelinvasivem Harnblasenkarzinom optimal?

In der NICE Leitlinie erfolgt die Qualitätsbewertung der Evidenz nach der GRADE Methodik. In der Literaturrecherche der NICE Leitlinie zur Frage des Nachsorgeschemas für muskelinvasive Blasenkarzinom-Patienten nach radikaler Zystektomie konnten insgesamt 8 Studien mit 6.398 Patienten identifiziert werden. Bei allen Studien handelt es sich um Beobachtungsstudien. Nach der GRADE Methodik wurden die Studien mit jeweils sehr niedriger bis niedriger Qualität bewertet [1327]

Einleitung

Ein Nachsorgeprogramm von muskelinvasiven Blasenkarzinom-Patienten nach radikaler Zystektomie und Harnableitung dient der frühzeitigen Erkennung von Tumorrezidiven sowie von metabolischen Veränderungen, funktionellen Störungen inkl. Harnableitung und Stoma der Erfassung des psychoonkologisch-sozialen Status. 

Hintergrund zu 12.15 – 12.17

Nachsorge zur Detektion von Tumorrezidiven nach radikaler Zystektomie:

Die Inzidenz von Tumorrezidiven bei Patienten mit einem muskelinvasiven Blasenkarzinom und Zustand nach radikaler Zystektomie wird entscheidend von den histopathologischen Risikofaktoren beeinflusst. Prädiktive Faktoren für eine erhöhte Inzidenz an Tumorrezidiven sind das lokal fortgeschrittene Tumorstadium (> pT3) und/oder der Lymphknotenbefall (pN+) [518][1361]. Zusätzlich muss bei Tumorrezidiven nach ihrer Lokalisation und Ausdehnung differenziert werden. Hierzu gehören Lokalrezidive, Urethrarezidive nach Zystektomie,  Rezidive des oberen Harntraktes sowie Fernmetastasen. 

Lokalrezidive im Becken werden in retrospektiven Zystektomieserien mit einer Häufigkeit von 5% bis 15% beschrieben. Sie treten meist in den ersten 24 Monaten nach chirurgischer Therapie auf [1362].

Urethrakarzinomrezidive nach radikaler Zystektomie werden in retrospektiven Zystektomieserien bei Männern mit einer Häufigkeit von 1.5% bis 6% beschrieben mit einem medianem rezidivfreien Intervall zwischen 13.5 und 39 Monaten. In retrospektiven Studien lag die mediane Gesamtüberlebenszeit zwischen 28 und 38 Monaten, wobei über 50% aller Patienten letztlich an den Folgen von Fernmetastasen verstarben [780][787][1363][800], [4]. Urethrakarzinomrezidive nach radikaler Zystektomie werden in retrospektiven Zystektomieserien mit Neoblasen bei Frauen mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.83% bis 4.3% beschrieben [216][615][777]. Retrospektive Studien konnten zeigen, dass bei Blasentumorpatienten mit orthotoper Harnableitung das Rezidiv-Risiko im Bereich der Urethra signifikant niedriger war (Rezidivrisiko 0.9% bis 4%) als bei Tumorpatienten mit inkontinenter Harnableitung (Rezidivrisiko 6.4% bis 11.1%) [783][1364]

Rezidive des oberen Harntraktes werden in retrospektiven Zystektomieserien mit einer Häufigkeit von 1.8% bis 6% beschrieben. In retrospektiven Studien lag die mediane Gesamtüberlebenszeit zwischen 10 und 55 Monaten, wobei 60% bis 67% aller Patienten letztlich an den Folgen von Fernmetastasen verstarben [1365]. Eine Meta-Analyse mit insgesamt 13.185 Patienten ergab, dass nur 38% der Rezidive im oberen Harntrakt durch das reguläre Nachsorgeschema entdeckt wurden. Somit wurden 62% aller Tumorrezidive ausschließlich über klinische Symptome erkannt. Patienten mit histologisch positiven Absetzungsrändern an den Ureteren oder Urethra haben ein 7-fach erhöhtes Risiko, an einem Tumorrezidiv im oberen Harntrakt zu leiden [1366].

Fernmetastasen finden sich in bis zu 50% aller Zystektomieserien [517]. Differenziert man nach der Tumorausdehnung und dem Lymphknotenstatus, so entwickeln 32% bis 62% aller Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Tumor (pT3/T4) sowie 52% bis 70% mit einem positiven Lymphknotenstatus Fernmetastasen [1361]. Die häufigsten Metastasenlokalisationen sind Lymphknoten, Lunge, Leber und Knochen [1367]. Fernmetastasen treten in bis zu 90% aller Fälle innerhalb der ersten 3 Jahre nach radikaler Zystektomie auf, der Hauptanteil bereits in den ersten 24 Monaten. Die mediane Gesamtüberlebenszeit von metastasierten Blasenkarzinompatienten nach cisplatin-haltiger Kombinationstherapie liegt zwischen 9 und 24 Monaten [1224][1368][1369]. 

Die Inzidenz von Knochenmetastasen beim muskelinvasiven Harnblasenkarzinom wird in der Literatur zwischen 2%  und 12% angegeben [350][351]. Taher et al. untersuchten 179 Patienten mit einem muskelinvasiven Blasenkarzinom im Hinblick auf Knochenmetastasen. Von den 179 Patienten zeigten 26 Patienten (14,5%), bereits bei Erstdiagnose der Erkrankung eine Skelettmetastasierung [352]. Die kumulative 3-Jahres-Inzidenz für Knochenmetastasen bei den verbleibenden 153 Patienten nach Therapie betrug 19,4 %. Die kumulative 3-Jahres-Inzidenz für Knochenmetastasen stieg mit der Höhe des klinischen Stadiums an: 8,4% für Stadium II, 49,1 % für Stadium IV. Shinagare und Mitarbeiter untersuchten die Inzidenz an Knochenmetastasen von muskelinvasiven Blasenkarzinomen (pT2 bis pT4) bei 150 Patienten [353]. Die klinischen Stadien bei den 150 Patienten waren: 43 pT2, 66 pT3 und 41 pT4. Knochenmetastasen wurden in dieser Gruppe bei 71 Patienten (47%) gefunden. Wallmeroth et al. fanden in einer Autopsiestudie bei 367 Patienten mit muskelinvasivem Blasenkarzinom (pT2-4) Knochenmetastasen bei 32% der Patienten. Sengelov et al. untersuchten 240 Patienten mit rezidivierendem oder metastasiertem Urothelkarzinom. Knochenmetastasen fanden sich bei 35% der Patienten.

Klinische Relevanz der Nachsorgeschemata zur Detektion von Tumorrezidiven 

Die klinische Relevanz einer frühzeitigen Detektion von asymptomatischen Metastasen im Rahmen einer engmaschigen Nachsorge wird in der Literatur kontrovers diskutiert. In der NICE Leitlinie konnten 4 Beobachtungsstudien in der systematischen Literaturrecherche identifiziert werden, die den Anteil an asymptomatischen Tumorrezidiven durch ein standardisiertes Nachsorgeprogramm untersucht haben. Der Anteil an asymptomatischen Tumorrezidiven lag zwischen 10% und 34%. Letztlich wurde der Hauptanteil an Rezidiven durch spezifische klinische Symptome entdeckt [1370][1371][1372][1373]. In einer Beobachtungsstudie von Giannarini et al. wurden 479 Blasentumorpatienten nach einem standardisierten, engmaschigen Nachsorgeprogramm untersucht. Die 5-Jahres Gesamtüberlebensrate lag bei 61.9% und die 5-Jahres tumorspezifische Überlebensrate betrug 69.8% [1374]. In einer weiteren Beobachtungsstudie mit insgesamt 1599 Patienten zeigten Boorjian und Mitarbeiter, dass Patienten mit einem symptomatischen Tumorrezidiv eine niedrigere 5- und 10-Jahresüberlebensrate (22% und 10%) aufweisen im Vergleich zu der Patientengruppe mit einem asymptomatischen Rezidiv (46% und 26%) [1370]. Ähnliche Studienergebnisse konnten in der Studie von Nieuwenhuijzen et al. mit 343 Patienten bestätigt werden. Patienten mit symptomatischen Tumorrezidiven hatten eine signifikant kürzere Gesamtüberlebenszeit im Vergleich zu der asymptomatischen Gruppe (HR 1.58, p=0.013) [1371]. Bisher liegen jedoch keine prospektiv, randomisierten Studien vor, die eine Verlängerung des Gesamtüberlebens von Blasentumorpatienten durch den Einsatz eines standardisierten Nachsorgeprogramms beweisen konnten. Kritiker befürworten daher eine symptomorientierte Nachsorge und explizit kein standardisiertes Schema [1372][1374]. Befürworter argumentieren jedoch, dass eine frühzeitige Detektion von asymptomatischen Rezidiven eher ein multimodales Therapiekonzept zulässt. Kleinere retrospektive Fallserien zeigten, dass durch den frühzeitigen Einsatz eines multimodalen Konzeptes inkl. Metastasenresektion nach Chemotherapie die 5-Jahresüberlebensraten zwischen 28% und 35% erhöht werden konnte [1224][1226]. Obwohl nach der GRADE Methodik die Studien mit jeweils sehr niedriger bis niedriger Qualität bewertet wurden, empfehlen die NICE Leitlinien eine eingeschränkte Nachsorge zur Detektion von Tumorrezidiven: Nach radikaler Zystektomie wird nach 6, 12 und 24 Monaten eine Computertomographie des Thorax, Abdomens und Beckens empfohlen. Demgegenüber empfiehlt eine Arbeit von Soukup und Mitarbeiter eine risikoadaptierte Nachsorge: In ihrem Review beschreiben sie zur Nachsorge ein Intervall von 3 Monaten im ersten Halbjahr und folgend 6-monatige Nachsorgeintervalle bis zum Abschluss des 5. Jahres. Anschließend wird eine jährliche Nachsorge empfohlen. In Bezug auf die Bildgebung wird zudem zwischen lokal begrenzten (pT2N0) und fortgeschrittenen Blasentumoren (>pT3 oder pN+) unterschieden [1365].

Zusammenfassend beruhen alle Empfehlungen zur Nachsorge auf klinischen Erfahrungen und Expertenmeinungen. 

Hintergrund zu 12.18

Bildgebende Diagnostik in der Nachsorge zur Detektion von Tumorrezidiven:

Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT):

In der Nachsorge umfasst die Bildgebung die Computertomographie (CT) inklusive urographischer Phase bzw. Magnetresonanztomographie (MRT) sowie eine Knochenszintigraphie. Eine ausführliche Beschreibung der bildgebenden Verfahren mittels CT bzw. MRT wurde im Kapitel 5 dargestellt.

Bei Verdacht auf ein Rezidiv sollte das gesamte Abdomen und der Thorax untersucht werden, um das verbliebene Urothel und die typischen Metastasierungswege abzubilden.  Vor einer Entscheidung über das weitere therapeutische Vorgehen sollte der aktuelle Ausbreitungsstatus bekannt sein. Eine lokale Infiltration in die Umgebung der Harnblase muss bei einem Staging und Restaging erfasst werden, da lokale Komplikationen wie z.B. Organinfiltrationen in das Rektum oder Infiltration in große Gefäße sowie Thrombosen auftreten können. Neben Lokalrezidiven können Rezidive auch im oberen Harntrakt auftreten. Deshalb ist die Abklärung des gesamten Harntraktes nötig. In einer Nachsorgestudie von Meissner et al. wurden bei 4,7% (15 von 322) Patienten mit Zustand nach Zystektomie Urothelkarzinome im verbliebenen oberen Harntrakt gefunden [1375]. Zur Beurteilung der ableitenden Harnwege nach Zystektomie ist eine Information über die OP-Technik und ggf. eine Anpassung der CT-Urographie nötig [1376][1377]. Über die lymphogene Metastasierung hinaus kommt vor allem eine pulmonale, ossäre oder hepatische Metastasierung vor. Die Prognose verschlechtert sich beim Vorliegen von lymphogenen Metastasen und Organmetastasen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit ein Schnittbildverfahren im Abdomen und ergänzend im Thorax einzusetzen. Dabei bestehen die meisten Erfahrungen für das Staging mit der Computertomographie mit Kontrastmittel [347]. Alternativ kann ein MRT mit Kontrastmittel durchgeführt werden [1376]. Beide Untersuchungen stellen in dieser Indikation Standardverfahren dar. Für den Einsatz von intravenösem Kontrastmittel sollten die Leitlinie der European Society of Urogenital Radiology  (ESUR) beachtet werden [1378]. Beide Untersuchungen stellen in dieser Indikation Standardverfahren dar. Für den Einsatz von intravenösem Kontrastmittel sollten die Leitlinie der European Society of Urogenital Radiology (ESUR) beachtet werden [1378].

FDG-PET und PET/CT:

Zum Nutzen der FDG-PET und PET/CT bei der Rezidivdiagnostik liegt ein systematischer Review mit Meta-Analyse vor [358]. Lu et al. geben eine Übersicht über die Testgüteparameter der FDG-PET und PET/CT zur Beurteilung der Rezidivdignostik. Die Studien zeigten variable Ergebnisse für die getesteten Parameter der PET/CT für das Re-Staging. Die gepoolte Sensitivität / Spezifität der FDG-PET und PET/CT für das Re-Staging von metastatischen Läsionen von Urothelkarzinomen war 82% (95 %, Konfidenzintervall: 72% – 89%) und 89% (95 %, Konfidenzintervall: 81% – 95%). Es liegen keine Studien vor, in denen prospektiv der Zusatznutzen der PET oder PET/CT im Vergleich zur CT untersucht wurden. Ein Zusatznutzen der PET oder PET/CT zum CT ist durch prospektive Studien zurzeit nicht belegt.

Knochenszintigraphie:

Die Knochenszintigraphie repräsentiert ein standardisiertes Verfahren zur Diagnose und zur Verlaufskontrolle von Skelettmetastasen. Die Skelettszintigraphie wird standardmäßig zur Diagnostik von Knochenmetastasen eingesetzt, auch aufgrund ihrer vergleichsweise niedrigen Kosten und der allgemeinen Verfügbarkeit. Bei Knochenschmerzen oder unklaren Anstieg bzw. einer Erhöhung der alkalischen Phosphatase wird die Durchführung einer Skelettszintigraphie empfohlen. Wird zusätzlich zur Ganzkörperszintigraphie eine SPECT bzw. SPECT/CT (Schichtaufnahme) durchgeführt, so können nach Expertenkonsens Sensitivität und Spezifität erhöht werden [356]. Trotz fehlender wissenschaftlicher Evidenz sollten unklare skelettszintigraphische Befunde durch MRT oder CT abgeklärt werden. Für kleine Knochen und die langen Röhrenknochen ist hingegen die konventionelle Röntgenaufnahme zu bevorzugen. Zeigt der Befund der Skelettszintigraphie eine Frakturgefahr, so wird der Befund durch CT weiter abgeklärt. Dieses Vorgehen entspricht Good-Clinical-Practice [356].

Hintergrund zu 12.19 und 12.20

Urindiagnostik und Endoskopie in der Nachsorge zur Detektion von Tumorrezidiven:

Zur Methodik, Sensitivität und Spezifität der Urinzytologie und andere zellbasierte Verfahren sei auf das Kapitel 5.2 verwiesen. 

In der Nachsorge nach Zystektomie mit Harnableitung dient die urinbasierte Diagnostik der Nachsorge des oberen Harntraktes und der männlichen Urethra, falls diese belassen wurde. Für diese Nachsorgeindikationen ist die Urinzytologie am besten untersucht.

Für die Diagnose eines Rezidivs im oberen Harntrakt nach Zystektomie wurde in einer retrospektiven Serie Urinzytologie und FISH verglichen. Sensitivität, Spezifität, positiv prädiktiver Wert und negativ prädiktiver Wert für Urinzytologie respektive FISH lagen bei 80,0%, 85,6%, 10,7%, und 99,5% bzw. bei 85,7%, 86,5%, 23,1% und 99,2% [1379]. Hingegen zeigte der NMP22 Test bei Darminterponaten im Harnleiter eine falsch-positive Detektionsrate von nahezu 100%. 

In der Nachsorge des Harnröhrenstumpfes bei Männern werden die Spülzytologie und die Urethroskopie empfohlen. In einer retrospektiven Serie wurde gezeigt, dass eine frühe Diagnose von Urethrastumpfrezidiven durch Urinzytologie die Prognose und Überlebenszeit signifikant verbesserte [1370]. Hauptrisikofaktoren für urethrale Tumorrezidive ist die Infiltration des Prostatastromas bzw. Blasenhalses bei der Frau durch das Urothelkarziom. Bei den genannten Risikofaktoren ist mindestens die jährliche Urethroskopie inkl. Spülzytologie für die ersten 5 Nachsorgejahre zu empfehlen [1365].

Hintergrund zu 12.21

Nachsorge zur Detektion von funktionellen und metabolischen Störungen nach radikaler Zystektomie und Harnableitung

Ein Nachsorgeschema von Blasenkarzinom-Patienten nach radikaler Zystektomie umfasst neben der Erkennung von Tumorrezidiven ebenso die Untersuchung von metabolischen Veränderungen und funktionellen Störungen der ableitenden Harnwege inkl. Stomakomplikationen.

Funktionelle Störungen nach radikaler Zystektomie und Harnableitung

Die Komplikationsrate im Bereich der Harnableitungen nach radikaler Zystektomie nimmt im Verlauf der Nachsorgezeit zu. Die häufigsten Komplikationen sind symptomatische Harnwegsinfektionen, Steinbildung im oberen Harntrakt und in der Neoblase, Stenosen im Bereich der ureterointestinalen Anastomose mit potentieller Einschränkung der Nierenfunktion, Refluxnephropathie, Einziehungen und Stenosen am Stoma von Ileum/Colon-Conduits sowie Hyper- und Inkontinenz bei Neoblasen. In einer retrospektiven Studie zeigten 45% aller Patienten mit einem Ileum conduit funktionelle Störungen in den ersten 5 Jahren. Die Komplikationsrate der Lanzeitüberlebenden erhöht sich nach 10-, 15- und > 15 Jahren auf jeweils 50%, 54% und 94%. Daher ist die Sonographie bei jeder Nachsorge obligater Bestandteil und dient in erster Linie zur Überprüfung von funktionellen Störungen des gesamten Harntraktes und Harnableitungen nach radikaler Zystektomie [872]. 

Spezifische Nachsorge der verschiedenen Harnableitungsformen

Bei den inkontinenten Harnableitungsformen ist neben der Sonographie zum Ausschluss von Funktionsstörungen und konsekutiven Harnstauungsnieren eine qualifizierte Stomaberatung essentiell. Im Rahmen der Nachsorge sollten Stomapatienten eine dauerhafte Anbindung an qualifizierte, anerkannte Pflegekräfte ("Stomatherapeuten", z. B. Pflegeexperten Stoma, Kontinenz und Wunde) erhalten. 

1. Ureterokutaneostomie

Das Hauptproblem bei dieser Harnableitung sind die Ureterobstruktionen im Hautniveau. In der Regel ist eine Versorgung mit Harnleiterschienen erforderlich. Daher sollte eine regelmäßige Kontrolle des Hautstomas im Rahmen der Nachsorge erfolgen [1365].

2. Ileum- und Kolon-Conduit

Die häufigste inkontinente Harnableitung ist das Ileum-Conduit mit Verwendung des präterminalen Ileums. Typische Komplikationen beinhalten die Ausbildung von Stomastenosen, Stomaprolaps, peristomale Hautirritationen, parastomale Hernien, Elongation mit Abknickung und Obstruktion der oberen Harnwege. Azidotische Stoffwechselveränderungen kommen ebenfalls vor. Eine regelmäßige Untersuchung auf Zweitmalignome bei Conduits aus Sigma- und Kolonanteilen wird bei geringer Inzidenz nicht empfohlen [1380].

Zu den häufigsten kontinenten Harnableitungsformen zählen der orthotope Blasenersatz mit urethralem Anschluss und der Pouch mit katheterisierbaren Stoma, eher selten wird der Sigma-Rektum-Pouch gewählt. Entsprechend den inkontinenten Harnableitungsformen ist bei Patienten mit katheterisierbarem Pouch eine Anbindung an qualifizierte Stomatherpeuten erforderlich.

1. Orthotoper Blasenersatz mit urethralem Anschluss

In der Nachsorge ist die anamnestische Erhebung einer möglichen Hyperkontinenz bzw. Inkontinenz fester Bestandteil. Entsprechend den inkontinenten Harnableitungsformen ist bei Patienten mit Kontinenzstörungen oder dem Bedarf des (intermittierenden) Katheterismus eine Schulung und Anbindung an qualifizierte Stomatherpeuten zeitweise nötig. Zusätzlich bedarf es einer regelmäßigen Sonographie zum Ausschluss von Harnstauungsnieren, Restharnen und Neoblasen-Steinen. In seltenen Fällen werden je nach Indikation auch Darmsegmente aus Ileumzökum und Sigma gewählt. In diesen Fällen sollte ab dem 5. Nachsorgejahr eine jährliche Pouchoskopie erfolgen, da die Gefahr von Sekundärmalignomen erhöht sein kann [1380][1365].

2. Pouch mit katheterisierbarem Stoma

Vorrausetzung für die Anlage eines kontinenten Pouches ist die Fähigkeit der Patienten einen hygienischen, regelmäßigen Einmalkatheterismus durchführen zu können. Zudem sollten Patienten angeleitet werden, wie der Pouch einmal täglich bei Bedarf von Darmschleim gespült und gereinigt wird. Regelmäßige sonographische Kontrollen sind zum Ausschluss von Pouchsteinen wichtig. In retrospektiven Serien zeigte sich eine Stomainkontinenz in 1% bis 29% der Fälle und Stomastenosen in 1 % bis 32% [1365][1381].

3. Sigma-Rektum Pouch (Mainz-Pouch II)

Aufgrund des Zweitmalignomrisikos ist eine jährliche Koloskopie nach dem 5. Nachsorgejahr erforderlich. Ein besonderer medizinischer Fokus sollte auf  fieberhaften Harnwegsinfektionen sowie Störungen der Elektrolyte und des Säure-Basen Haushaltes gelegt werden [1365][1380].

Spezifische Nachsorge von Sexualfunktionsstörungen 

Eine fortlaufende Beratung zu dieser Thematik sollte durch ein multiprofessionelles Team angeboten werden.

Weitere Ausführungen zu Angeboten, Therapie und Beratung bei  Sexualfunktionsstörungen beim Mann siehe Kapitel 10.1. Bei der Frau siehe Kapitel 10.4.

Metabolische Störungen nach radikaler Zystektomie und Harnableitung

Zu den wichtigsten metabolischen Veränderungen gehören die metabolische Azidose und der Vitamin-B12-Mangel (zu metabolischen Veränderungen siehe Kapitel 10.1-10.4).

Metabolische Azidose

Die Häufigkeit und der Schweregrad einer metabolischen Azidose hängen von der Art und Länge des ausgeschalteten Darmsegmentes für die Harnableitung ab. Andererseits beeinflussen Komorbiditäten, Nierenfunktion und das Alter des Patienten auch den Grad der metabolischen Entgleisung. Eine metabolische Azidose ist bei ca. 15% aller Patienten mit einem Ileum-Conduit und bei fast 50% der Patienten mit einer kontinenten Harnableitung zu erwarten. Das Risiko steigt signifikant bei zusätzlichen Komorbiditäten, dazu gehören Harnwegsinfektionen, Restharnbildungen und Nierenfunktionseinschränkungen [1382].  Klinische Zeichen einer metabolischen Azidose sind Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Fatigue und körperliche Schwäche. Eine chronische, langjährige Azidose kann zusätzlich eine Knochendemineralisierung induzieren. Daher ist die Durchführung einer Blutgasanalyse fester Bestandteil der Nachsorge. Die Frequenz einer Blutgasanalyse ist dabei individuell an den Säure/Basen-Haushalt des einzelnen Patienten anzupassen. In den ersten 12 Monaten bedarf es einer engmaschigen Kontrolle. Ab dem 2. bis 5. Nachsorgejahr sind mindestens sechsmonatige Intervalle zu empfehlen [1365].

Vitamin B12 Mangelsyndrom

Die Verwendung des terminalen Ileums für den Blasenersatz birgt die Gefahr eines späteren Vitamin B12 Mangelsyndroms. Die Folgen sind eine megaloblastäre Anämie und irreversible neurologische Störungen. Bei einer Ileumresektion über 20 cm Länge ist eine regelmäßige Vitamin B12 Bestimmung im Nachsorgeprogramm erforderlich. Aufgrund der hohen Vitamin B12 Speicherung im Körper ist die erste Laborbestimmung erst 3 bis 5 Jahre nach der radikalen Zystektomie und Harnableitung erforderlich. Die Vitamin B12 Bestimmung sollte dann in einem 12-18 monatigen Intervall wiederholt werden [1383]. 

Gallensäureverlustsyndrom 

Ab einer Resektionslänge von 60-80 cm Ileum kann es zu einem Gallensäureverlust kommen. Dies führt zu einer Reizung des Kolons sowie zur Malabsorption von Fetten und verminderter Resorption von fettlöslichen Vitaminen. In der Nachsorge sollte daher explizit nach einer chronischen Diarrhoe gefragt werden. Bei chologener Diarrhoe werden orale Gallensäurebinder (Cholestyramin) und ggf. mittelkettige Fettsäuren und fettlösliche Vitamine empfohlen. [1384]

Nachsorge zur Erfassung von psychoonkologisch-sozialen Veränderungen nach radikaler Zystektomie und Harnableitung

Die Nachsorge nach radikaler Zystektomie beinhaltet auch die Erfassung von psychoonkologisch-sozialen Veränderungen. Die ausführliche Patientenanamnese ist hier von zentraler Bedeutung. Die Erfassung und Begleitung von psychosozialen und psychoonkologischen Veränderungen erfordert ein multiprofessionelles Team. In Kapitel 10.1 (Rehabilitation nach Zystektomie und Harnableitung), 10.3 (Erfassung der Lebensqualität bei Blasenkarzinompatienten) und 10.4 (Psychosoziale Aspekte: Beratung, Begleitung und Behandlung) wurden diese Themengebiete unter verschiedenen Gesichtspunkten detailliert beschrieben.

12.2.3 Nachsorge bei Patienten mit Urothelkarzinom der Harnblase nach erfolgreicher Radiotherapie/Radiochemotherapie-basierter multimodaler Therapie

12.22 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Blasentumor-Patienten nach multimodaler organerhaltender Therapie mit einer bestätigten Komplettremission sollten lebenslange Kontrollzystoskopien durchgeführt werden:

  • 1. bis 3. Nachsorgejahr: 3-Monatsintervalle
  • 4. bis 5. Nachsorgejahr: 6-Monatsintervalle
  • Ab 6. Nachsorgejahr: 12-Monatsintervalle

 

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisBei Blasentumor-Patienten nach multimodaler organerhaltender Therapie mit einer bestätigten Komplettremission sollten lebenslange Kontrollzystoskopien durchgeführt werden: 1. bis 3. Nachsorgejahr: 3-Monatsintervalle 4. bis 5. Nachsorgejahr: 6-Monatsintervalle Ab 6. Nachsorgejahr: 12-Monatsintervalle
12.23 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

In der Nachsorge von Blasentumor-Patienten nach multimodaler organerhaltender Therapie sollte bei suspekten Befunden in der Kontrollzystoskopie Biopsien oder eine erneute transurethrale Resektion durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
12.24 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

In der Nachsorge von Blasentumor-Patienten nach multimodaler organerhaltender Therapie sollte eine Urinzytologie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Hintergrund

Prospektiv, randomisierte Studien zur Effektivität spezieller Nachsorgeuntersuchungen nach multimodaler organerhaltender Therapie fehlen, so dass sich die Empfehlungen an den Ergebnissen und klinischen Erfahrungen der publizierten Daten orientieren müssen. Eine gut strukturierte Zusammenfassung gibt die Übersichtsarbeit von Sapre et al [862]. Für Patienten die nach der organerhaltenden Therapie eine komplette Remission ihrer Erkrankung erreichen, besteht im Vergleich zur Zystektomie ein höheres Risiko ein Lokalrezidiv zu erleiden. Dieses Risiko wird in den großen monoinstitutionellen Serien und prospektiven Studien mit 13-40% angegeben. Die meisten Rezidive ereignen sich in den ersten 3 Jahren [529], [530], [532], [533], [534], [536], [543], [811], [812], [837], [842], [852], [857], [834], [1385], [1386], [1387]. Die publizierten Nachsorgestrategien der oben genannten Serien beinhalten allesamt die regelmäßige Zystoskopie in Intervallen von zunächst 3 Monaten über 2-4 Jahre, danach halbjährlich bzw. jährlich. Des Weiteren empfahlen die meisten Autoren gezielte Biopsien aus den ehemaligen Tumorarealen, um frühzeitig Rezidive aufzudecken. Dagegen zeigt eine Umfrage unter britischen Urologen, dass diese im Alltag in 91% wegen des Aufwands und der potentiellen Morbidität auf eine Biopsie verzichten [1388]. In fast allen Serien zur multimodalen Therapie gehört die Urinzytologie zum geforderten Nachsorgeprogramm, ohne dass Daten zur Effektivität vorliegen [862]. 

Zusammenfassend sollten alle Patienten nach multimodaler organerhaltender Therapie und bestätigter Komplettremission in den ersten 3 Jahren alle 3 Monate eine Zystoskopie erhalten. Danach halbjährig bis zum 5 Jahr. Anschließend sind lebenslange jährliche Zystoskopien zu empfehlen. Eine Biopsie soll aus jedem rezidiv-verdächtigen Befund entnommen werden. Die Aussagekraft einer zusätzlichen Urinzytologie bleibt offen. 

Die weitergehende bildgebende Nachsorge wurde in den zahlreichen Behandlungsserien und prospektiven Studien nicht präzisiert und sollte sich den allgemeinen stadienabhängigen Nachsorgeempfehlungen anschließen. Eine ausführliche Beschreibung zur Indikation und Art der Bildgebung sowie deren Intervalluntersuchungen in der Nachsorge findet sich in Kapitel 7.11.

12.3 Nachsorge des metastasierten Harnblasenkarzinoms

12.3.1 Nachsorge im metastasierten Stadium

Hintergrund 

Postoperativ nach radikaler Zystektomie kommt es, abhängig vom Tumorstadium,  innerhalb der ersten 18 Monate in bis zu 15% der betroffenen Patienten zu einem lokalen Rückfall und in bis zu 35% in den ersten 24 Monaten zum Auftreten einer Fernmetastasierung [517][527][1389][1236]. Als Hauptrisikofaktor liess sich hierbei in großen, retrospektiven Studien vor allem ein lokal fortgeschrittenes Tumorstadium bei Erstdiagnose sowie ein Lymphknotenbefall dokumentieren [517][527][1389][1236]. Kommt es zu einer Fernmetastasierung beim muskelinvasiven Blasenkarzinom, so ist insbesondere auch das Skelettsystem betroffen. So finden sich in bis zu 40% der Patienten mit metastasiertem Blasenkarzinom Skelettmetastasen [1236]. 

Für Patienten mit Rezidivtumor nach radikaler Zystektomie, die an einer standardisierten Nachsorge teilgenommen hatten, konnte in retrospektiven Studien mit teils über 2500 Fällen kein Überlebensvorteil dokumentiert werden [1365][1372]. Dies gilt insbesondere für die palliative Situation, wo keine konkreten Nachsorgemaßnahmen evaluiert wurden und daher keine konkreten Nachsorgemaßnahmen empfohlen werden können. Dies beinhaltet insbesondere den Einsatz von sog. Bio- oder Tumormarkern zum Screening der palliativen Systemtherapie, auch wenn aktuell unterschiedliche Methoden zur Detektion von Prognosemarkern oder Gensignaturen im Blut und Urin untersucht werden [1390][1391][1392]. Die Verlaufsbeurteilung und Überwachung von Patienten mit metastasiertem Blasenkarzinom sollte daher individuell erfolgen und sollte symptombezogen unterschiedliche diagnostische Methoden mit einbeziehen. Daher kann ein allgemein standardisiertes Vorgehen nicht empfohlen werden 

Wünscht ein asymptomatischer Patient jedoch eine regelmäßige Nachschau, so kann sich diese an den Empfehlungen des lokal-fortgeschrittenen Urothelkarzinoms der Harnblase orientieren.

Bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand und Operabilität sowie lokalisierter Metastasierung kann in Einzelfällen eine Metastasen-Resektion zur Prognoseverbesserung beitragen (siehe Kapitel 9.8) [1226][1224][1393].

12.3.2 Bildgebende Diagnostik beim metastasierten Harnblasenkarzinom

Grundsätzlich sollte eine Diagnostik nur durchgeführt werden, wenn sich hieraus eine therapeutische Konsequenz ergibt. Vor einer Entscheidung über das weitere therapeutische Vorgehen sollte allerdings der aktuelle Ausbreitungsstatus bekannt sein.  Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, ein Schnittbildverfahren im Abdomen und Thorax einzusetzen [347]. Hier bestehen die meisten Erfahrungen für das Staging mit der Computertomographie mit Kontrastmittel. Alternativ kann ein MRT mit Kontrastmittel durchgeführt werden. Bei bekannter Metastasierung sollten alle Lokalisationen, insbesondere unter laufender palliativer Systemtherapie, im Verlauf kontrolliert werden.

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