Leitlinienprogramm OnkologieEndometriumkarzinom

6. Operative Therapie des Endometriumkarzinoms – Endometriumkarzinom

Version 4.1 · Juli 2026 · AWMF 032-034OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

6.1 Grundlagen der operativen Therapie

Die Grundlage der operativen Therapie des EC ist die totale Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation. In Ausnahmefällen kann auf die operative Entfernung der Ovarien verzichtet werden.

6.1.1 Parametrienresektion

6.1 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Beim Endometriumkarzinom cT2 bzw. pT2 (mit histologischem Nachweis eines Befalls des Zervixstromas) ohne klinischen Verdacht auf eine Parametrieninfiltration soll keine radikale Hysterektomie durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[465] [466] [467] [273]
ÄnderungshinweisBeim Endometriumkarzinom cT2 bzw. pT2 (mit histologischem Nachweis eines Befalls des Zervixstromas) ohne klinischen Verdacht auf eine Parametrieninfiltration soll keine radikale Hysterektomie (Parametrienresektion) durchgeführt werden.

Hintergrund

Traditionell wurde beim EC des Stadiums pT2 (Befall des Zervixstromas) die radikale Hysterektomie mit (Resektion der Parametrien) empfohlen [466]. Diese Empfehlung basierte auf kleinen Fallserien, wie z. B. Tamussino et al. [467], die bei 2 von 16 Patientinnen mit Zervixbefall ein kontinuierliches Vorwachsen des Karzinoms vom Zervixstroma in die Parametrien fanden. Die japanische GOTIC-Studiengruppe [273] analysierte retrospektiv die Daten von 300 EC-Patientinnen mit Verdacht auf Zervixbefall. 74 Frauen erhielten eine radikale, 112 eine modifiziert radikale und 114 eine einfache Hysterektomie. Der Typ der Hysterektomie hatte keinen Einfluss auf die Rate an Lokalrezidiven, das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben, selbst wenn ein Zervixbefall am Hysterektomiepräparat nachgewiesen wurde. Bei den Gruppen mit radikaler bzw. modifiziert radikaler Hysterektomie fanden sich allerdings signifikant häufiger intraoperative Komplikationen und postoperative Miktionsstörungen.

Eine Metaanalyse von 10 retrospektiven Kohortenstudien mit 2.866 EC-Patientinnen zeigte ebenfalls keinen signifikanten Vorteil der radikalen Hysterektomie für das Gesamtüberleben (HR 0,92; 95 % CI 0,72-1,16; P = 0,484) oder das progressionsfreie Überleben (HR 0,75; 95 % CI 0,39-1,42; P = 0,378). Auch nach Berücksichtigung einer adjuvanten Strahlentherapie ergab sich kein Vorteil einer radikalen Hysterektomie [465]. Bei Befall der Parametrien liegt ein Stadium pT3b vor, das unter dem Aspekt der unimodalen Therapie mit einer primären Radiochemotherapie behandelt werden sollte, falls der Parametrienbefall präoperative bekannt ist bzw. intraoperative festgestellt wird.

6.2 Systematische Lymphadenektomie und Sentinel-Lymphadenektomie

6.2 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom sollen Lymphknoten, die bei der laparoskopischen oder offenen Inspektion der Bauchhöhle vergrößert erscheinen und/oder palpatorisch auffällig sind („bulky nodes“), entfernt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisAlle suspekten oder palpatorisch bzw. makroskopisch vergrößerten Lymphknoten sollen entfernt werden.
6.3 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Wenn bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom ein operatives LK-Staging durchgeführt wird, soll dies nicht als Sampling durchgeführt werden, sondern als Sentinel-Lymphadenektomie oder als Sentinel-gestützte systematische LNE oder als systematische LNE.

Konsens
Starker Konsens (100%)
ÄnderungshinweisWenn bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom ein operatives LK-Staging durchgeführt wird, soll dies nicht als Sampling durchgeführt werden, sondern als systematische LNE oder Sentinel-Node-Biopsie.
6.4 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Beim low risk Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation), kann eine Sentinel-Lymphadenektomie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[203]
ÄnderungshinweisBeim low risk Typ-I-Endometriumkarzinom pT1a, G1/2, keine bulky nodes, soll keine systematische Lymphadenektomie durchgeführt werden.
6.5 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Beim intermediate risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) soll eine Sentinel-Lymphadenektomie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[203]
6.6 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026
Beim high-intermediate risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) soll eine Sentinel-Lymphadenektomie durchgeführt werden.
Konsens
Starker Konsens (96,8%)
Literatur
[203]
ÄnderungshinweisLiegt präoperativ ein Typ-I-Endometriumkarzinom cT1a, G3, oder cT1b, G1/2 und keine p53-Mutation (d.h. mindestens ein intermediate risk Endometriumkarzinom) vor, kann die Sentinel-Node-Biopsie durchgeführt werden, ggf. gefolgt von einer systematischen LNE Auf eine primäre systematische LNE sollte verzichtet werden.
6.7 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Beim high risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) soll eine Sentinel-Lymphadenektomie oder, falls der Sentinel nicht dargestellt werden kann, eine systematische pelvine und paraaortale Lymphadenektomie durchgeführt werden.

Konsens
Konsens
Literatur
[203]
6.8 · Evidenzbasiertes Statement · geprüft 2026

Liegen bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom bulky nodes vor, so ist die Sentinel-Lymphadenektomie nicht mehr aussagekräftig

Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[468] [469] [470]
6.9 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Wenn eine paraaortale systematische Lymphadenektomie indiziert ist, soll diese bis infrarenal paraaortal durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[471] [472] [473] [474] [475]
ÄnderungshinweisWenn eine systematische LNE indiziert ist, sollte sie pelvin und infrarenal-paraaortal durchgeführt werden.
6.10 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Bei Karzinosarkomen des Uterus soll eine Sentinel-Lymphadenektomie oder eine Sentinel-gestützte systematische pelvine und paraaortale Lymphadenektomie LNE durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[476]
ÄnderungshinweisLiegt beim Endometriumkarzinom Typ I Stadium I, pT1a G1-G3, pT1b G1/G2, eine substanzielle Lymphgefäßinvasion (mindestens high-intermediate rsik group) vor, soll, auch wenn keine weiteren Risikofaktoren vorliegen, eine systematische LNE durchgeführt werden. Liegt ein negativer Sentinel vor, kann auf eine LNE verzichtet werden
6.11 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2026

Die Kombination aus systematischer LNE und Sentinel-Lymphadenektomie (das heißt sentinelgestützte LNE) kann die Detektion von positiven Lymphknoten verbessern.

Evidenzlevel
3
Konsens
Konsens
Literatur
[477] [398] [478] [479] [397]
ÄnderungshinweisDie alleinige Sentinel-Lymphknotenbiopsie beim Endometriumkarzinom soll nur im Rahmen von kontrollierten Studien durchgeführt werden.
6.12 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Wird die Sentinel-Lymphadenektomie durchgeführt, sollte diese nach dem folgenden Algorithmus durchgeführt werden:

  1. Laparoskopie und Darstellen des Situs (ggf. Adhäsiolyse)
  2. Intrazervikale Injektion von ICG
  3. Ggf. Nachinjektion von ICG
  4. Wenn trotz Nachinjektion von ICG nur einseitige Darstellung eines Sentinels möglich ist, sollte eine systematische pelvine LNE auf der ICG-negativen Seite erfolgen (außer bei pT1a/G1-2)
  5. Aufarbeitung des Sentinel LK mittels Ultrastaging (Details s. Hintergrundtext)
Konsens
Starker Konsens
6.13 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Nach Sentinel-Lymphadenektomie mit Nachweis von metastatischem Tumorbefall (Makro- oder Mikrometastasen) soll keine pelvine Komplettierungslymphadenektomie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[480]
6.14 · Konsensbasiertes Statement · neu 2026

Derzeit kann aufgrund der Datenlage keine Empfehlung für oder gegen einer paraaortalen Komplettierungslymphadenektomie bei metastatischem Tumorbefall im/in den Sentinel-Lymphknoten gegeben werden.

Evidenzlevel
Konsens
Mehrheitliche Zustimmung (86%)
Literatur
[481] [482] [483] [484]

Hintergrund

Von großer Bedeutung sowohl für die operative Therapie als auch für die adjuvante Therapie ist die Risikoklassifikation der European Society of Gynaecological Oncology (ESGO), der European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO) und der European Society of Pathology (ESP), die 2021 publiziert wurde. Diese Klassifikation unterscheidet 5 Risikoklassen: EC mit niedrigem Risiko (,low risk‘), EC mit intermediärem Risiko (,intermediate risk‘), EC mit hoch-intermediärem Risiko (,high-intermediate risk‘) und EC mit hohem Risiko (,high risk‘) [203] (siehe Abbildung unten). Die ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation integriert molekulare und klassische Prognosemarker und hat sich seit ihrer Publikation international durchgesetzt. Die ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation wird im Sinne eines molekular-basierten individualisierten Ansatzes zur Risikoabschätzung und Therapieplanung verwendet.

ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation des Endometriumkarzinoms
ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation des Endometriumkarzinoms

In der aktuellen S3-Leitlinie Endometriumkarzinom wird angesichts des internationalen Konsensus hinsichtlich der Verwendung der ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation des EC und der Vereinfachung der Therapiealgorithmen in der täglichen Praxis die adjuvante Strahlen- und Chemotherapie anhand der ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation ausgerichtet.

Die Therapieempfehlungen der aktuellen S3-Leitlinie Endometriumkarzinom berücksichtigen neben den molekularen und klassischen Risikofaktoren, die in der ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation des EC integriert wurden, auch die relevanten einschlägigen Therapiestudien, insbesondere die Studien PORTEC-III, GOG-258 und GOG-249.

Anmerkung zu Abbildung 8: die aktuelle ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation aus dem Jahr 2025 wurde in der aktuellen Version der Leitlinie noch nicht berücksichtigt.

Risikoklassen

1. Low-Risk/Niedriges Risiko

Diese Kategorie umfasst alle EC im FIGO-Stadium I und II mit nachgewiesener POLE-Ɛ-Mutation, die somit eine sehr günstige Prognose aufweisen, sowie endometrioide Adenokarzinome G1/2 der molekularen Klassen MMRd und NSMP im FIGO-Stadium IA, wenn keine oder lediglich eine fokale LVSI vorliegt. EC dieser Low-Risk-Gruppe weisen eine sehr günstige Prognose auf [203]. Eine adjuvante Therapie ist daher bei diesen Patientinnen nicht gerechtfertigt. Entsprechend den ESGO/ESTRO/ESP-Empfehlungen empfiehlt auch die aktuelle S3-Leitlinie Endometriumkarzinom in diesen Fällen keine adjuvante Therapie.

 

2. Intermediate Risk/Intermediäres Risiko

Diese Kategorie umfasst alle endometrioiden EC der molekularen Klassen MMRd und NSMP im FIGO-Stadium 1A G3, wenn keine oder lediglich eine fokale LVSI vorliegt sowie 1B G1/2, wenn keine oder lediglich eine fokale LVSI vorliegt. Hinzu kommen alle nicht-endometrioiden EC der molekularen Klasse p53mt des FIGO-Stadiums 1A ohne myometrane Invasion, z.B. mit Nachweis in einem Endometriumpolypen. Patientinnen mit Intermediate Risk-EC weisen eine etwas ungünstigere Prognose auf als Patientinnen mit Low-Risk-EC [203]. Daher ist eine vaginale Brachytherapie empfehlenswert. Da alle Patientinnen dieser Risikoklasse definitionsgemäß pelvin/Sentinel-nodal negativ sind, soll keine Beckenbestrahlung oder extrapelvine Bestrahlung erfolgen. Im Falle einer NX-Situation soll ebenfalls entsprechend den Daten der PORTEC-II-Studie eine vaginale Brachytherapie erfolgen.

 

3. High Intermediate Risk/Hoch-Intermediäres Risiko

Diese Kategorie umfasst alle endometrioiden EC der molekularen Klassen MMRd und NSMP im FIGO-Stadium 1 A/B, wenn eine substanzielle LVSI vorliegt bzw. alle 1B G3-Fälle sowie alle endometrioiden Fälle des FIGO-Stadiums II. Da diese Patientinnen bereits eine deutliche ungünstigere Prognose aufweisen [203], wird eine externe Beckenbestrahlung empfohlen. Da in diesen Fällen definitionsgemäß nach leitlinienkonformem Staging eine N0-Situation vorliegt, soll keine über das Becken hinausgehende Bestrahlung erfolgen. Im Falle einer NX-Situation soll in Ermangelung kontrollierter Studiendaten ebenfalls eine externe Beckenbestrahlung erfolgen.

 

4. High Risk/Hohes Risiko

Diese Kategorie umfasst alle endometrioiden EC der molekularen Klassen MMRd und NSMP der FIGO-Stadien III/IV bzw. mit seröser, undifferenzierter Histologie oder Karzinosarkome sowie alle EC der molekularen Klasse p53mt (mit Ausnahme der IA-Fälle ohne myometrane Invasion). EC dieser Risikoklasse weisen eine ungünstige Prognose auf [203]. Es wird daher entweder entsprechend dem Standardarm der GOG-258-Studie eine adjuvante Chemotherapie mit 6 Zyklen Carboplatin (AUC 6) und Paclitaxel (175 mg/m2) empfohlen oder eine kombinierte Radio-Chemotherapie entsprechend dem PORTEC-III-Schema. Falls eine Patientin mit einer adjuvanten behandelt wird, kann eine zusätzliche Brachytherapie zur Senkung der Rate an vaginalen Rezidiven als individualisiertes Therapiekonzept diskutiert werden.

Die Stadieneinteilung des EC basiert auf dem Ergebnis der Stagingoperation (FIGO 2020), siehe auch Kapitel Aufarbeitung des Gewebes. Die Entfernung von Lymphknoten aus dem Lymphabflussgebiet des Tumors dient der Detektion vom tumorbefallenen Lymphknoten zwecks a) Bestimmung der Prognose, b) Identifikation von Patientinnen in einem fortgeschrittenen Stadium, die eine adjuvante systemische Therapie benötigen und c) eventuell therapeutischen Zwecken durch die Entfernung makroskopischer bzw. okkulter Metastasen.

Über alle Stadien besteht eine ca. 15%-ige Wahrscheinlichkeit einer Lymphknotenmetastasierung, bei der Erstdiagnose eines EC [485]. Diese Häufigkeit variiert je nach Ausmaß von myometraner Infiltration Grading, Lymphgefäßinvasion, histologischem Typ und molekularer Klassifikation zwischen <1% und >30 % [486]. Die Lymphnotenmetastasierung ist ein prognostischer Faktor, wobei eine zunehmende absolute Zahl an LK-Metastasen, das Verhältnis von positiven LK zur Gesamtzahl entfernter LK und die Lokalisation der LK-Metastasen mit der Prognose korrelieren [487], [488]. Ca. 22 % der Patientinnen im präoperativ vermuteten Stadium I haben nach operativem Staging aufgrund von Lymphknotenmetastasen ein höheres Tumorstadium [489].

Basierend auf den vorliegenden Daten hat die pelvine Lymphadenektomie keinen nachweisbaren therapeutischen Wert. Eine Cochrane-Metaanalyse fasste die Ergebnisse der beiden einzigen prospektiv randomisierten Studien zur Durchführung einer Lymphadenektomie beim frühen EC zusammen. Der ASTEC-Trial untersuchte die Überlebensrate von Standardchirurgie (HE plus bilaterale Salpingo-Oophorektomie [BSO]) versus Standardchirurgie plus Lymphadenektomie bei Patientinnen mit in der präoperativen Diagnostik auf das Korpus beschränktem EC. Insgesamt wurden 1.408 Patientinnen in einem Standardchirurgiearm (n = 704) und einem Lymphadenektomiearm (n = 704) randomisiert.

Die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate (OS) betrug im Standardarm 81 % (95 % CI 77 %–85 %) und im Lymphadenektomiearm 80 % (95 % CI 76 %–84 %). Die rezidivfreie 5-Jahres-Überlebensrate (RFS) lag im Standardarm mit 79 % (95 % CI 75 %–83 %) höher als in der Lymphadenektomiegruppe (73 % [95 % CI 69 %–77 %], war jedoch nicht signifikant unterschiedlich.

Die zweite randomisierte Studie von Benedetti Panici et al. [480] untersuchte 514 Patientinnen mit einem endometrioiden oder adenosquamösen EC im präoperativen FIGO (1988)-Stadium I. Sie wurden in einen Lymphadenektomiearm (n = 264) und einen Kontrollarm ohne Lymphadenektomie (n = 250) randomisiert. Standardtherapie in beiden Armen war die Hysterektomie mit BSO.

Das 5-Jahres-OS war in der Lymphadenektomiegruppe niedriger als in der Gruppe ohne Lymphadenektomie (85,9 % versus 90,0 %), der Unterschied zwischen beiden Gruppen war nicht statistisch signifikant (relatives Todesfallrisiko 1,16; 95 % CI 0,67–2,02; p = 0,59). Das 5-Jahres-DFS zeigte zwischen den beiden Gruppen mit 81,0 % bzw. 81,7 % ebenfalls keinen signifikanten Unterschied (RR 1,20; 95 % CI 0,75–1,91; p = 0,41).

Eine molekulare Klassifizierung mit Identifizierung von Hochrisikopatientinnen, z.B. p53mut/abn, bzw. von Patientinnen mit sehr günstiger Prognose, z.B. POLE-ultramutiert, wurde n den beiden zitierten Studien nicht durchgeführt. Insofern ist die externe Validität der Studienergebnisse angesichts der heute verfügbaren Diagnose- und Therapiemöglichkeiten als eingeschränkt zu betrachten.

In einer Arbeit aus der Mayo-Klinik zeigte die Arbeitsgruppe um Podratz [490], die eine qualifizierte pelvine und paraaortale systematische LNE durchführte, dass bei Patientinnen mit Stadium pT1c oder G3 oder mit Durchmesser des Tumors > 2 cm 63 von 281 (22 %) Patientinnen Lymphknotenmetastasen aufwiesen. Davon waren in 51 % sowohl pelvine als auch paraaortale Lymphknoten betroffen, in weiteren 16 % nur paraaortale Lymphknoten. Lediglich 33 % hatten einen isolierten Befall der pelvinen Lymphknoten.

Viele Autoren verstehen unter einer paraaortalen LNE die Entfernung der Lymphknoten bis zur Arteria mesenterica inferior und haben deutlich niedrigere Raten positiver paraaortaler Lymphknoten. Autoren, die bis zum Nierenstiel lymphadenektomieren, haben ähnliche Zahlen wie die Gruppe um Podratz [490], da die Mehrzahl der paraaortalen Lymphknotenmetastasen in der Gegend des Nierenstiels liegen. Unter dieser Prämisse wurde in den beiden oben randomisierten Studien wahrscheinlich nur ein Drittel der tatsächlich nodal-positiven Patientinnen komplett lymphadenektomiert. In der italienischen Studie wurden im Mittel 30 pelvine Lymphknoten entfernt [480]. Im ASTEC-Trial wurden in 60 % der Operationen weniger als 15, in 35 % der Fälle weniger als zehn Lymphknoten entfernt. In beiden Studien fanden sich zudem zahlreiche Patientinnen mit Low-risk-Tumoren (49 % im Nicht-LNE-Arm der ASTEC-Studie).

Eine weitere Metaanalyse, die neben den oben diskutierten zwei RCTs 7 weitere Beobachtungsstudien einschloss, zeigte, dass die Durchführung einer systematischen Lymphadenektomie (unsystematische Lymphadenektomie definiert als die Entfernung von ≤ 10–11 Lymphknoten, systematische Lymphadenektomie ≥ 10–11 LK) das OS bei Patientinnen mit Intermediate- und High-risk- EC verbesserte [491]. Kritisch anzumerken ist, dass die Metaanalyse ganz erheblich von den nicht prospektiv erhobenen SEER-Daten [423], die je nach Unterauswertung in dieser Arbeit zwischen 62 % und 72 % der Patientinnen beisteuern, beeinflusst wird.

Zusammenfassend erscheint es sinnvoll einerseits die Vorgangsweise hinsichtlich der Lymphadenektomie an der Wahrscheinlichkeit von metastatisch befallenen Lymphknoten zu orientieren und andererseits die Morbidität des operativen Stagings durch großzügigen Einsatz der Senitnel-Node-Biopsie so gering wie möglich zu halten. Aus diesem Grund soll in der vorliegenden Leitlinie die ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation als aktueller, international anerkannter Standard der Risikoeinschätzung von Patientinnen mit EC zur Entscheidungsfindung für Indikation, Art und Ausmaß der Lymphadenektomie herangezogen werden. Das operative Staging wird im Rahmen der vorliegenden Leitlinie als Instrument einer möglichst präzisen Stadienerfassung angesehen. Ein Studiennachweis der therapeutischen Effizienz des operativen Stagings, insbesondere der Lymphadenektomie, liegt derzeit aus Sicht der Leitlinienautoren/ Innen nicht vor.

In praktischer Hinsicht ist zu beachten, dass vor der Hysterektomie in vielen Fällen nicht alle Informationen zur Bestimmung der ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation vorliegen. Z. B. liegt die Information hinsichtlich der Lymphgefäßinvasion in der Regel erst nach der Hysterektomie vor. Da allerdings die meisten Informationen (Grading, histologischer Subtyp, molekulare Klassifikation mit p53 und MMR sowie klinisches Stadium) bereits vor der Hysterektomie vorliegen, ist es sinnvoll, die ESGO/ESTRO-Klassifikation zur bestmöglichen Risikoeinschätzung und Individualisierung der operativen Vorgangsweise zugrunde zu legen.

6.2.1 Lymphadenektomie beim fortgeschrittenen Endometriumkarzinom

Hintergrund

Es gibt keine kontrollierten Studien, die sich explizit mit der Rolle der Lymphadenektomie beim fortgeschrittenen EC beschäftigen. Viele retrospektive Studien adressierten jedoch die Vorteile einer „optimalen“ zytoreduktiven Chirurgie bei Patientinnen mit EC im Stadium III und IVA [469], [470].

Diese Studien konnten einen statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich des PFS und OS zeigen, wenn eine optimale Zytoreduktion erreicht wurde.

Für die Empfehlung einer sentinelgestützten systematischen Lymphadenektomie bei Patientinnen mit High-Risk-EC entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation existiert in der aufgefundenen Literatur keine direkte Evidenz. Die Empfehlung beruht auf der als ungünstig eingeschätzten Prognose und der Annahme einer höheren Detektionsrate von Lymphknotenmetastasen durch dieses Verfahren und einer damit einhergehenden höheren Wahrscheinlichkeit eines Vorteils durch eine adjuvante Therapie.

6.2.2 Lymphadenektomie bei high-risk Endometriumkarzinom entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation

Hintergrund

Vormals als Typ-II-Karzinome bezeichnete EC sind schlechter differenziert und haben eine schlechtere Prognose als Typ-I-Karzinome. Im Verhältnis zum Anteil an allen EC (10–20 % der Fälle) haben sie einen überproportional hohen Anteil an EC-bedingten Todesfällen (40 %) [492].

Da Typ-II-EC in der aktuellen ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation als high-risk-EC klassifiziert werden, gelten für Typ-II-EC die Empfehlungen für diese Risikogruppe, d.h. die Durchführung einer Sentinel-Biopsie oder einer Sentinel-gestützten systematischen pelvinen und paraaortalen Lymphadenektomie (siehe oben).

Keine in der Literatursuche aufgefundene Studie berichtet separat über den Effekt einer systematischen LNE versus keine Lymphadenektomie bei Patientinnen mit Typ-II-EC, da diese meist in der Gruppe der sog. „High-risk“-Karzinome mit fortgeschrittenen oder metastasierten EC aufgehen. Allein in der SEPAL-Studie wurden die Typ-II-EC (n = 55) stadienabhängig in eine Gruppe mit intermediärem (FIGO I und II) bzw. hohem Rezidivrisiko (FIGO III u. IV) eingegliedert. Wie weiter unten dargestellt wird, zeigte die pelvine und paraaortale LNE bei EC mit hohem Risiko verglichen mit alleiniger pelviner LNE eine Verringerung des Sterberisikos. [471]. Zudem wiesen Patientinnen mit Typ-II-EC und nachgewiesener pelviner Metastasierung (FIGO IIIC1) im Ultrastaging der paraaortalen LK häufiger okkulte Metastasen als Patientinnen mit Typ-I-EC auf [471].

Für die Empfehlung einer sentinelgestützten systematischen Lymphadenektomie bei Patientinnen mit Typ II-EC existiert in der aufgefundenen Literatur keine Evidenz aus randomisierten Studien. Die Empfehlung beruht auf der als ungünstig eingeschätzten Prognose und der Annahme einer höheren Detektionsrate von Lymphknotenmetastasen durch dieses Verfahren und einer damit einhergehenden höheren Wahrscheinlichkeit eines Vorteils durch eine adjuvante Therapie.

6.2.3 Systematische Lymphadenektomie

Hintergrund

Der Effekt der Durchführung einer paraaortalen Lymphadenektomie auf das Überleben beim EC wurde in einer retrospektiven Kohortenanalyse, der SEPAL-Studie, untersucht [471].

Untersucht wurden retrospektiv 671 Patientinnen mit EC, die an zwei Tertiärzentren mit einer kompletten systematischen pelvinen (n = 325 Patientinnen) oder kombinierten pelvinen und paraaortalen Lymphadenektomie behandelt wurden (n = 346) (Januar 1986 bis Juni 2004). Patientinnen mit intermediärem oder hohem Rezidivrisiko wurde eine adjuvante Radio- oder Chemotherapie angeboten. Primäres Outcome war das OS. Dabei war das OS in der pelvinen und paraaortalen signifikant besser als in der pelvinen LNE-Gruppe (HR = 0,53, 95 % CI 0,38–0,76; p = 0,0005). Die kombinierte pelvine und paraaortale LNE hatte einen positiven Effekt bei 407 Patientinnen mit intermediärem oder hohem Rezidivrisiko (p = 0,0009), aber nicht bei Low-risk-Patientinnen. In der multivariaten Analyse führte die pelvine und paraaortale LNE bei intermediate und high-risk verglichen mit alleiniger pelviner LNE zu einer Verringerung des Sterberisikos (0,44, 0,30–0,64; p < 0,0001). Die Analyse von 328 Patientinnen mit intermediärem oder hohem Risiko, die mit einer adjuvanten Radio- oder Chemotherapie behandelt wurden, zeigte, dass sowohl die pelvine und paraaortale LNE (0,48, 0,29–0,83; p = 0,0049) als auch die adjuvante Chemotherapie unabhängig voneinander jeweils zu einem längeren Überleben beitrugen (0,59, 0,37–1,00; p = 0,0465).

Es muss kritisch angemerkt werden, dass der Unterschied zwischen nur pelviner versus pelviner + paraaortaler LNE hinsichtlich der HRs in der SEPAL-Studie wesentlich größer ausfällt als in den Studien, die LNE versus keine LNE untersuchten, sodass die Gefahr einer erheblichen Verzerrung durch die besonderen Charakteristika des untersuchten Studienkollektivs besteht [471].

Odagiri et al. [472] führten bei 266 Patientinnen mit EC eine systematische LNE vom Anulus femoralis bis zur Vena renalis durch. Es wurden im Mittel 62,5 Lymphknoten entfernt (range 40–119). 42 Frauen (15,8 %) hatten Lymphknotenmetastasen, davon 16 (38 %) ausschließlich pelvin, 7 (16,7 %) ausschließlich paraaortal und 19 (45,2 %) pelvin plus paraaortal. Ca. 60 % der Frauen mit Lymphknotenmetastasen waren daher paraaortale Lymphknoten befallen. 11 % der positiven Lymphknoten wurden oberhalb der Arteria mesenterica inferior gefunden [472].

Alay et al. [473] führten bei 204 EC-Patientinnen eine systematische pelvine plus paraaortale Lymphadenektomie bis zum Nierenstiel durch. Im Mittel wurden 69,1 Lymphknoten entfernt (range 33–122). 44 Patientinnen (21,6 %) hatten Lymphknotenmetastasen, davon 27 paraaortal. 11 von diesen Frauen hatten ausschließlich paraaortale Metastasen oberhalb der Arteria mesenterica inferior, 4 ausschließlich unterhalb dieses Gefäßes und 12 in beiden Lokalisationen [473].

Die genannten und weitere retrospektive Analysen [472] zeigen, dass bei EC mit Lymphknotenmetastasen in mindestens 50 % auch die paraaortalen Lymphknoten befallen sind. Entsprechend dem Lymphabfluss des Corpus uteri, der nicht unwesentlich entlang der Ovarica-Gefäße erfolgt, sind bei Lymphknotenbefall in relevanter Häufigkeit die Lymphknoten zwischen Arteria mesenterica inferior und dem Nierenstiel betroffen.

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von acht Studien und 2.793 Patientinnen zeigte, dass die paraaortale plus pelvine LNE im Vergleich zur alleinigen pelvinen LNE bei Patientinnen mit intermediate und high risk EC zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens führte (HR= 0,52¸95 % CI = 0,39-0,69, P < 0,001) [474]. Bei Patientinnen mit low risk EC führte die zusätzliche paraaortale LNE bis zum Nierenstiel zu keiner signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens. Allerdings fordern die Autoren der Metaanalyse angesichts der inhärenten Limitationen retrospektiver Studien eine Validierung der Ergebnisse durch ausreichend große RCTs [474].

Eine weitere Analyse von 3.650 Frauen mit Lymphknoten-positiven EC aus der SEER-Datenbank zeigte, dass im Vergleich zu den Patientinnen mit alleiniger pelviner LNE, diejenigen mit zusätzlicher paraaortaler LNE eine niedrigere Gesamt- (HR= 0,74;95 % CI= 0,63-0,88) und EC-spezifische Mortalität hatten (HR= 0,79; 95 % CI = 0,66-0,95) [475].

Eine weitere Metaanalyse von 13 retrospektiven Studien mit 7349 EC-Patientinnen ergab, dass die kombinierte pelvine und paraaortale LNE im Vergleich zur alleinigen pelvinen LNE das Risiko für Tod (HRo,54 ,95%CI 0,35-0,83) und Rezidiv (HR 0,51,95% CI 0,28-0,93) signifikant reduzierte  [493].

6.2.4 Lymphadenektomie bei high-risk Endometriumkarzinom entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation bzw. bei Karzinosarkomen des Uterus

Hintergrund

Die operative Therapie des uterinen Karzinosarkoms entspricht traditionell der der übrigen EC und sollte die Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation beinhalten [494].

Da Karzinosarkome des Uterus in der aktuellen ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation als high-risk-EC klassifiziert werden, gelten für Karzinosarkome des Uterus die Empfehlungen für diese Risikogruppe, d.h. die Durchführung einer Sentinel-Biopsie oder einer Sentinel-gestützten systematischen pelvinen und paraaortalen Lymphadenektomie (siehe oben).

Nemani et al. analysierten 2008 die Verläufe von 1.855 operierten Patientinnen mit uterinen Karzinosarkomen der Stadien I (n = 1.099), II (n = 245) und III (n = 353) aus der SEER-Datenbank. 965 Frauen (57 %) hatten eine Lymphadenektomie erhalten. Im Median waren 12 Lymphknoten entfernt worden. 119 (14 %) der lymphadenektomierten Patientinnen hatten positive Lymphknoten. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben war bei den Patientinnen mit LNE signifikant besser als bei den nicht lymphadenektomierten (49 % versus 35 %). Das mediane Überleben betrug 54 Monate (CI 44–72) versus 25 Monate (CI 22–29). Eine adjuvante Strahlentherapie brachte keine Verbesserung des Gesamtüberlebens.

Die Studie ist, wie viele retrospektive Analysen der SEER-Datenbank (s. o.), mit einem erheblichen Risiko für Verzerrung belastet. Nicht plausibel ist z. B. der Befund, dass die Zahl der entfernten Lymphknoten (< 12 versus > 12) keinen Effekt auf die Verbesserung des Überlebens hatte. Die Patientinnen mit positiven Lymphknoten wurden als Stadium IIIC gewertet, was zu einer Stage-Migration führt (Verbesserung sowohl im Stadium I durch Entfernung der pN1-Patientinnen als auch im Stadium III durch Aufnahme der Patientinnen, die vermeintlich im Stadium I waren, aber mikroskopisch als pN1 einzustufen waren). Da aber beim uterinen Karzinosarkom in mehr als 10 % der Fälle Lymphknotenmetastasen gefunden werden, erscheint eine systematische Lymphadenektomie eine sinnvolle Maßnahme.

Eine retrospektive Analyse von 1.140 Frauen mit uterinen Karzinosarkomen aus niederländischen Datenbanken zeigte eine Verbesserung des Gesamtüberlebens, wenn mehr als zehn Lymphknoten entfernt worden waren (HR = 0,67; 95 % CI = 0,50-0,89; P= 0,006 in der multivariaten Analyse). Eine zusätzliche adjuvante Strahlen- und/oder Chemotherapie erbrachte bei nodal-positiven Patientinnen oder solchen ohne LNE eine Verbesserung des Gesamtüberlebens, nicht jedoch bei nodal-negativen Patientinnen [495].

Für die Empfehlung einer sentinelgestützten systematischen Lymphadenektomie bei Patientinnen mit Karzinosarkom des Uterus existiert in der aufgefundenen Literatur keine Evidenz aus randomisierten Studien. Die Empfehlung beruht auf der als ungünstig eingeschätzten Prognose und der Annahme einer höheren Detektionsrate von Lymphknotenmetastasen durch dieses Verfahren und einer damit einhergehenden höheren Wahrscheinlichkeit eines Vorteils durch eine adjuvante Therapie.

6.2.5 Technik und prognostische Wertigkeit der Sentinel-Lymphadenektomie

Hintergrund

Die Sentinel Node Biopsie (SNB) ist ein bei vielen Tumoren etabliertes Konzept zur sicheren Detektion tumorbefallener Lymphknoten und hat aufgrund des geringeren Traumas Vorteile gegenüber einer konventionellen systematischen Lymphonodektomie. In Studien wurde die SNB als Alternative und auch additiv zur systematischen LND untersucht.

Verschiedene Markierungsverfahren und Injektionstechniken zur intraoperativen Identifikation der Sentinel-Lymphknoten wurden bisher beim EC überwiegend in unizentrischen Studien evaluiert, s. dazu etwa [496], [497] bzw. die wichtigste multizentrische Studie hierzu, die Sentiendo-Studie [498], [499], [500], [501]. Die bei intrauteriner oder zervikaler Injektion erzielten Detektionsraten variierten zwischen 35 und 100 %. Eine Metaanalyse, die 1.385 Patientinnen einschließt, zeigt eine Sensitivität der Methode von 81 % sowie eine falsch-negativ-Rate von 19 % [502]. Durch Algorithmen, die eine vollständige pelvine Lymphadenektomie des jeweiligen Hemibeckens bei fehlender unilateraler Detektion vorsehen, konnte die Sensitivität auf 95 % erhöht und die Falsch-negativ-Rate auf 5 % reduziert werden.

Der FIRES-Trial ist eine multizentrische prospektive Kohortenstudie zum Einsatz des SNB-Verfahrens beim frühen EC [397]. An den 10 teilnehmenden US-Kliniken wurden 385 Patienten im klinischem Stadium 1 durch eine zervikale Injektion mit Indocyanin-Grün markiert. In der anschließenden Operation wurden die anreichernden SLN-LK detektiert, entfernt und eine pelvine +/- paraaortale Lymphonodektomie durchgeführt. Ein SLN-Mapping mit kompletter pelviner Lymphonodektomie wurde bei 340 und eine zusätzliche paraaortale Lymphonodektomie bei 196 (58 %) Patientinnen durchgeführt. Bei 293 (86 %) der Patientinnen wurde zumindest ein SLN-LK dargestellt. 41 (12 %) Patientinnen hatten befallene LK, von denen 36 zumindest einen markierten SLN LK aufwiesen. Metastasen in SLN-LK wurden bei 35 (97 %) der 36 befallenen Patientinnen detektiert resultierend in einer Sensitivität von 97,2 % (95 % CI 85,0-100), und einem negativen prädiktiven Wert von 99,6 % (97·9-100) für die Detektion einer LK-Metastasierung. Die Autoren schlussfolgern, dass aufgrund der diagnostischen Genauigkeit bei der Detektion befallener LK die SNB eine sichere Alternative zur systematischen LND beim EC darstellt.

Etwa 4,1 bis 5,6 % aller unselektierten Patientinnen mit low-risk EC haben Lymphknotenmetastasen [486].

In der retrospektiven Analyse von Mueller und Abu-Rustum et al. [503] wurden 959 Patientinnen mit klinischem Stadium I eines endometrioiden EC ausgewertet.

Bei Grad 1 und pT1a hatten 4,5 % (9/202) und bei Grad 1 und pT1b 10 % (6/62) positive SLNs.

Bei Grad 2 und pT1a waren es 4 % (3/76) und bei Grad 2 und pT1b 20 % (8/41).

Bei Grad 3: 5 % (1/20) mit nicht-invasivem EC, 3 %(1/31) mit Einbruch in die innere Myometriumschicht und 24 % (4/17) mit Einbruch in die äußere Myometriumschicht hatten positive SLNs.

Die Sentinellymphadenektomie ist mit einer niedrigen Morbidität und Mortalität verbunden, ermöglicht jedoch auch in der Gruppe der EC mit niedrigem Risiko ein besseres Staging [397]; [504].

In einer retrospektiven Studie wurde ein möglicher Benefit der SNB bei frühen EC gezeigt. 279 Patienten mit einem EC mit geringem Risiko für ein Rezidiv (FIGO-Stadium 1, endometrioide Histologie, Grad 1 und 2) wurden in drei Gruppen eingeteilt: 103 (36,9 %) hatten keine Lymphadenektomie, 118 (42,3 %) eine SLN-Entfernung und bei 58 (20,8 %) Patientinnen wurde eine pelvine- und/oder paraaortale Lymphadenektomie durchgeführt. Nach einem mittleren Follow-up von 33 Monate zeigte die SNB-Gruppe, im Vergleich zur Gruppe, in der keine Lymphadenektomie durchgeführt wurde, einen Trend zu einem besseren rezidivfreien- und Gesamt-Überleben. Beim Vergleich der perioperativen Morbiditäten konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen der Gruppe ohne Lymphadenektomie und jener mit SLN-Entfernung festgestellt werden [504].

Beim EC mit geringem Rezidivrisiko ermöglicht es die SLN-Entfernung somit den niedrigen Prozentsatz der Patientinnen zu identifizieren, welche möglicherweise von einer adjuvanten Therapie profitieren könnten, ohne die Morbidität zu erhöhen.

Eine aktuelle Analyse der SEER-Datenbank zeigte bei 11.603 Patientinnen mit EC im Stadium IA G1– G3, dass weder die systematische LNE noch die SNB das Überleben verbesserte [505].

Eine weitere Analyse der SEER-Datenbank verglich 6019 EC-Patientinnen mit SNB und 6019 EC-Patientinnen mit systematischer pelviner Lymphadenektomie [506]. In der Analyse des 1-Jahres-Gesamtüberlebens zeigte sich ein gleichwertiges Ergebnis (98.7% vs. 98%). Statistisch zeigte sich sogar aufgrund der hohen Fallzahl ein statistisch signifikanter Vorteil für die SNB (HR 1.61; 95% KI 1.17-2.21; p=0.004). Dieser geringe Vorteil zugunsten der SNB war sowohl bei Adenokarzinomen G1/2 als auch bei Adenokarzinome G3 und anderen Histologien sichtbar. Diese Daten legen nahe, dass die SNB der systematischen Lymphadenektomie hinsichtlich des kurzfristigen Gesamtüberlebens nicht unterlegen ist und sogar einen geringen Vorteil aufweist. Eine weitere Analyse der SEER-Daten von 10349 EC-Patientinnen zeigte bei pT1a/b-EC eine Erhöhung sowohl der Rate an ITCs um bis zu 3% als auch der Rate an Mikrometastasen um bis zu 3% und der Rate an Makrometastasen um bis zu 2% [507].

Durch Ultrastaging können die identifizierten Wächterlymphknoten intensiv pathologisch aufgearbeitet werden. Dadurch werden im Niedrigrisikokollektiv in bis zu 5 % Lymphknotenmetastasen detektiert, die bei konventioneller pathologischer Begutachtung nicht identifiziert würden. Die Bedeutung der so identifizierten Mikrometastasen und Einzelzellmetastasen ist jedoch unklar. Die Durchführung einer SNB erscheint auch in frühen Stadien (FIGO I, G1/G2), in der die Wahrscheinlichkeit einer lymphogenen Metastasierung gering ist, als sicher, führt nicht zu einer höheren operativen Morbidität und kann die adjuvante Therapie beeinflussen. Eine Verbesserung der onkologischen Prognose besteht ggf. für Fälle mit LVSI [504].

Gerade bei low und intermediate risk EC werden durch Ultrastaging mehr positive Sentinel Nodes detektiert [395], [397], [398]. In gut der Hälfte der Fälle der positiven Sentinel Nodes beruhen diese auf isolierten Tumorzellen (ITC) oder Mikrometastasen [395], [397], [398] deren Relevanz für die Prognose zumindest unklar, möglicherweise sogar irrelevant ist [395], [398]. Die großzügige Durchführung einer SNB mit Ultrastaging kann deshalb auch zu einem unnötigen Upstaging und der Einleitung von adjuvanten Therapien führen, die nur die Morbidität erhöhen, ohne die Prognose zu verbessern [395], [398]. Mikrometastasen (>0,2 mm bis ≤ 2 mm, pN1 (mi)) werden von den meisten Experten als metastatischer Befall gewertet, der eine adjuvante Therapie indiziert [394], [203].

In einer retrospektiven Studie konnte gezeigt werden, dass Patientinnen mit Mikrometastasen dasselbe DFS haben wie nodal-negative Frauen, wenn die als nodal-positiv geltenden Mikrometastasen adjuvant behandelt wurden [394]. Ob dies auf einen therapeutischen Effekt oder auf die fehlende Relevanz der Mikrometastasen zurückzuführen ist, kann durch diese Studie nicht geklärt werden.

Die prognostische Aussage von ITCs (pN0 (i+)) ist unklar [203]. Eine adjuvante Therapie wird nur empfohlen, wenn zusätzliche Risikofaktoren (z. B. LVSI, p53 Mutation, Typ II Karzinom) vorliegen [468], [203], [395], [398], [478].

Die definitive Einteilung eines EC in die „Niedrig-Risiko-Gruppe“ erfolgt postoperativ nach Erhalt des definitiven pathologischen Berichtes. Ein Teil der EC wird dementsprechend postoperativ in eine „Hochrisiko-Gruppe“, mit einem Risiko für Lymphknotenmetastasen von bis zu 40 % eingeteilt [508]. Das Fehlen der Information über den Lymphknotenstatus führt bei diesen Patientinnen oft zu einer großzügig indizierten adjuvanten Strahlentherapie, welche, bei entsprechenden Kenntnissen über den Lymphknotenstatus, weggelassen worden wäre [509], [510]; Sharma et al. 2011; [511]. Unter anderem haben deshalb Sinno et al. vorgeschlagen, bei bilateraler Identifikation der SNL, auf einen Schnellschnitt des Uterus, um die Infiltrationstiefe zu bestimmen, zu verzichten [512], [504].

In einer multiinstitutionellen retrospektiven Studie wurden die Langzeitergebnisse nach LND, LND plus SNB und alleiniger SNB verglichen [478]. Durch Anwendung eines propensity score matching Algorithmus wurden 180 Patientinnen mit SNB-LND (90 alleinige SNB, 90 SNB plus LND) identifiziert und mit 180 Patientinnen mit systematischer Lymphonodektomie verglichen. 10 % aller Patientinnen hatten metastatisch befallene LK. Der Vergleich des DFS und OS ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen den drei Gruppen, auch nicht, wenn die Kohorte in Low-, Intermediate- und High-risk-EC aufgeteilt wurde. Die Hinzunahme der SNB erlaubte eine bessere Detektion nodal-positiver Patientinnen als die systematische LND allein. In der Kohorte mit SNB plus Lymphonodektomie (17 % LK-positiven Patientinnen) wurden 16 % in einem SLN-LK diagnostiziert und lediglich 1 % in Lymphknoten, die durch die systematische Lymphonodektomie entfernt wurden.

Ein ähnliches Ergebnis fand eine prospektive Multicenter-Kohorten-Studie (SENTOR-Studie) bei Patientinnen mit Intermediate bis High-Grade-EC [513]. 156 Patientinnen, darunter 126 mit High-Grade-EC, wurden eingeschlossen. Bei allen wurde eine SNB und pelvine LND, bei 101 Patientinnen (80 %) mit High-Grade-EC zusätzlich die paraaortale LND durchgeführt. Die SLN-Detektionsrate lag bei 97,4 % pro Patientin (95 % CI, 93,6 %-99,3 %), 87,5 % pro Hemipelvis (95 % CI, 83,3 %-91,0 %), und 77,6 % bilateral (95 % CI, 70,2 %-83,8 %).

Von den 27 Patientinnen (17 %) mit LK-Metastasen wurden 26 korrekt durch den SLNB-Algorithmus identifiziert, was in einer Sensitivität von 96 % (95 % CI, 81 %-100 %), einer falsch-negativen Rate von 4 % (95 % CI, 0 %-19 %), und einem negativen prädiktiven Wert von 99 % (95 % CI, 96 %-100 %) resultierte. Lediglich eine Patientin (0,6 %) wurde durch den SNB-Algorithmus falsch klassifiziert. Sieben der 27 nodal-positiven Patientinnen (26 %) wurden außerhalb der üblichen Lymphonodektomie-Bereiche oder erst durch Immunhistochemie gefunden, so dass als Schlussfolgerung die Verwendung des SNB-Verfahrens die Detektion von LK-Metastasen bei High-Grade-EC verbessern kann.

Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass bis zu über 50 % der positiven Sentinel-Nodes auf Mikrometastasen oder isolierte Tumorzellen (ITC) zurückzuführen sind, deren klinische Relevanz unklar bzw. fraglich ist [395], [396], [398], [395], [479], [513], [478]. Außerdem wurden in den Studien, die eine höhere Sensitivität der SNB zeigten, in den Vergleichsgruppen die systematische LNE nach US-amerikanischen Standards durchgeführt (11–20 LK, keine präsakrale LNE, keine LNE oberhalb der Art. mesenterica inferior). Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass in diesen Regionen positive Sentinel-Nodes gefunden wurden, die bei der „systematischen“ LNE übersehen wurden [397], [479], [398], [513].

Eine retrospektive Kohortenstudie bei Patientinnen mit Typ 2 EC versuchte die Frage zu beantworten, ob die SNB auch eine Alternative zur systematischen pelvinen und paraaortalen LND beim klarzelligen oder serösen EC (Typ II) mit hohem Risiko für eine lymphogene Metastasierung darstellen kann [514]. Bei Patientinnen, die zwischen 2006 und 2013 am Memorial Sloan KetteringCancer Center operiert wurden (n = 118), wurde das LK-Staging durch SNB durchgeführt, bei Patientinnen an der Mayo-Klinik zwischen 2004 und 2008 per systematischer Lymphonodektomie (n = 96). Auch wenn das Gesamtüberleben sich nicht signifikant unterschied, hatte die nodal-negative SNB-Gruppe ein schlechteres DFS als die systematische lymphonodektomierte nodal-negative Gruppe.

Die Metaanalyse von 582 EC-Patientinnen aus 15 retrospektiven Studien fand, dass bei einer SNB der intraoperative Blutverlust signifikant geringer war als bei einer systematische LNE. Die intraoperativen Komplikationen waren allerdings nicht unterschiedlich. Bei der SNB wurden mehr positive pelvine und gleich viel paraaortale Lymphknoten gefunden. Progressionsfreies und Gesamtübeleben unterschieden sich zwischen SNB und systematischer LND nicht [515].

Eine Metaanalyse von Marchocki et al [516] analysierten die Daten von 429 Patientinnen, mit high grade EC aus 16 retrospektiven Studien. Sie fanden eine Sensitivität von 92%, eine falsch negativ-Rate von 8% und einen negativen prädiktiven Wert von 97%.

Ein Cochrane Review bescheinigt der SNB bei Patientinnen mit  EC eine hohe Sensitivität, hebt aber hervor, dass die klinische Relevanz des Verfahrens bis heute nicht belegt ist und fordert entsprechende RCTs [517].

Die Hinzunahme einer SNB zu einer systematischen pelvinen Lymphadenektomie (sog. Sentinel-gestützte systematische Lymphadenektomie) kann die Detektion von Metastasen verbessern. So ergab z.B. ein retrospektiver Vergleich von 193 EC-Patientinnen mit systematischer Lymphadenektomie und 250 EC-Patientinnen mit SNB+systematischer Lymphadenektomie einen signifikanten Überlebensvorteil zugunsten der Kombination aus SNB und systematischer Lymphadenektomie (90% vs. 81%; p=0.009). Auch das progressionsfrei Überleben war in der Gruppe SNB+systematische Lymphadenektomie besser (85% vs. 75%; p=0.01) [479].

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass es derzeit bei Patientinnen mit EC keinen direkten Nachweis eines Vorteils der SNB oder der sentinelgestützten Lymphadenektomie hinsichtlich des rezidivfreien bzw. des Gesamtüberlebens gegenüber einer systematischen Lymphadenektomie gibt. Auch für die therapeutischen Konsequenzen der Diagnose von Mikrometastasen und isolierten Tumorzellen in Sentinel-Lymphknoten fehlen kontrollierte Studiendaten. Es ist nicht in prospektiv-randomisierten Studien belegt, ob eine adjuvante Chemotherapie, Strahlentherapie oder eine kombinierte Chemo-Strahlentherapie bei Vorliegen von Mikrometastasen oder isolierten Tumorzellen in Sentinel-Lymphknoten hinsichtlich des rezidivfreien bzw. des Gesamtüberlebens vorteilhaft ist.

Technik der Sentinel-Lymphadenektomie

Der Eingriff sollte mit der Laparoskopie beginnen. Erst nachdem allfällige Adhäsionen oder andere Pathologien entfernt wurden, sollte das ICG injiziert werden. 

Zeigt sich bei der LSK der V.a. auf „Bulky nodes“, ist die Injektion von ICG nicht mehr sinnvoll.

Es muss allerdings angemerkt werden, dass in vielen Zentren auch die Injektion von ICG, gefolgt von einer Laparoskopie etabliert ist, umso mehr als bei einer robotisch-assistierten Operation diese Abfolge sinnvoll ist, um ein zweimaliges Andocken zu vermeiden.

Das ICG-Pulver (25 mg/Ampulle) wird in 10 ml Aqua für Injektionszwecke gelöst, dies ergibt eine Lösung von 2,5 mg/ml. Die zervikale Injektion ist der hysteroskopischen peritumoralen Injektion überlegen [518]. Verschiedene Injektionstechniken sind in der Literatur beschrieben. Bewährt hat sich die Injektion von jeweils 1ml (0,5 ml submukös und 0,5 ml stromal) an 2 (bei 3 und 9 Uhr) oder 4 (2, 4, 8, 10 Uhr) Stellen im Bereich der Zervix. Die pelvine Ausbreitung des ICGs entlang den Lymphgefäßen ist nach 6 bis 10 Minuten klar identifizierbar. Falls es nicht zu einer bilateralen Verteilung des ICGs kommt und der SLN auf einer Seite des Beckens nicht identifiziert werden kann, kann ICG nachinjiziert werden. Die tägliche Gesamtdosis soll jedoch unter 5 mg/kg KGW liegen.

In der Literatur und in der klinischen Praxis werden unterschiedliche ICG-Konzentrationen und Applikationsarten beschrieben bzw. genutzt. Insbesondere eine übermäßige IGC-Fluoreszenz tritt in der Praxis u.U als Problem auf, sodass in vielen Kliniken Dosisreduktionen (z.B. 2 statt 4 Zervixapplikationen oder eine ICG-Verdünnung von 1:20 statt 1:10) vorgenommen werden. Ein allgemeinverbindliches, evidenzbasiertes ICG-Applikationsschema existiert nicht.

Sollte es auch bei wiederholter Injektion nur zu einer einseitigen Darstellung des Sentinels kommen, wird auf der ICG-negativen Seite eines systematische pelvine LNE empfohlen (außer beim low-risk Ia, G1-2-EC).

Verschiedene Markierungsverfahren und Injektionstechniken zur intraoperativen Identifikation der Sentinel-Lymphknoten wurden bisher beim EC überwiegend in unizentrischen Studien evaluiert, s. dazu etwa [496], [497]. Zur wichtigsten multizentrischen Studie hierzu, der Sentiendo-Studie (ClinicalTrials.gov, number NCT00987051), s. [498], [499], [500], [501]. Die bei intrauteriner oder zervikaler Injektion erzielten Detektionsraten variierten zwischen 35 und 100 %. Eine Metaanalyse, die 1.385 Patienten einschließt, zeigt eine Sensitivität der Methode von 81 % sowie eine falsch-negativ-Rate von 19 % [502]. Durch Algorithmen, die eine vollständige pelvine Lymphadenektomie des jeweiligen Hemibeckens bei fehlender unilateraler Detektion vorsehen, konnte die Sensitivität auf 95 % erhöht und die Falsch-negativ-Rate auf 5 % erniedrigt werden. In der schwedischen prospektiven SHREC-Studie an 257 Patientinnen mit high-risk EC konnte mit intrazervikaler Injektion von ICG eine Sensitivität von 98 % und ein negativer prädiktiver Wert von 99,5 % erzielt werden. Die bilaterale Anfärbungsrate betrug 95 % [519].-Die kanadische prospektive SENTOR-Studie fand bei 156 Patientinnen mit intermediate und high risk EC nach intrazervikaler ICG-Injektion eine Sensitivität von 96 % und einen negativen prädiktiven Wert von 99 % [513].

6.2.6 Komplettierungs-Lymphadenektomie nach Sentinel-Lymphknotenbiopsie

Hintergrund

Die pelvine Lymphadenektomie beim EC stellt eine diagnostische Intervention dar. Sie hat nachweislich keinen therapeutischen Wert per se [480], [483], [484]. Die Konsequenzen aus einem metastatischen Tumorbefall des/r Sentinellymphknoten sind eine lokoregionäre Bestrahlung bzw. eine Chemotherapie oder Chemo-Immuntherapie. Diese Interventionen sind unabhängig von der Zahl der befallenen pelvinen Lymphknoten. Eine pelvine Komplettierungslymphadenektomie ändert daher die Indikation, Auswahl und Ausprägung der adjuvanten Therapie nicht. Aus diesem Grund soll nach Sentinel-Biopsie mit Nachweis von metastatischem Tumorbefall (Makro- oder Mikrometastasen) keine pelvine Komplettierungslymphadenektomie durchgeführt werden.

Die paraaortale Lymphadenektomie dient der möglicherweise therapeutisch relevanten Entfernung von Lymphknotenmetastasen sowie der genaueren Definition des adjuvanten Strahlentherapiefeldes. Allerdings ist der therapeutische Wert der paraaortalen Bestrahlung bei EC mit pelvinem und/oder paraaortalem Lymphknotenbefall umstritten. Prospektiv-randomisierte Studien zu dieser Fragestellung existieren nicht. Mehrere retrospektive Studien fanden keinen therapeutischen Effekt einer paraaortalen Bestrahlung bei Patientinnen mit befallenen pelvinen Lymphknoten [481], [482]. Studien zur spezifischen Fragestellung der paraaortalen Bestrahlung nach chirurgischer paraaortaler Lymphadenektomie fehlen bisher. Eine paraaortale Komplettierungs-Lymphadenektomie alleine zur Definition des Strahlenfeldes erscheint daher aufgrund der Daten in der Literatur nicht gerechtfertigt.

Auch der therapeutische Wert der paraaortalen Lymphadenektomie ist umstritten. Retrospektive Studien deuten an, dass die paraaortale Lymphadenektomie eventuell einen therapeutischen Wert haben könnten, andere Studien zeigen diesen Effekt nicht bzw. führen ihn auf eine in diesen Fällen ebenfalls durchgeführte systemische Chemotherapie zurück. Die prospektiv-randomisierte ECLAT-Studie wird mehr Klarheit in dieser Fragestellung bringen. Aus den genannten Gründen kann nach Sentinel-Biopsie mit Nachweis von metastatischem Tumorbefall (Makro- oder Mikrometastasen) eine paraaortale Komplettierungslymphadenektomie durchgeführt werden, nachdem die Patientin über den fraglichen Wert dieser Intervention aufgeklärt wurde.

6.3 Laparoskopische Operation

6.15 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Bei low-risk-Endometriumkarzinom, intermediate-risk-Endometriumkarzinom und high-intermediate risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) im vermuteten Frühstadium soll die Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation durch ein laparoskopisches, robotisch assistiertes oder laparoskopisch assistiertes vaginales Verfahren erfolgen.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[520] [521] [522]
6.16 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Bei high-risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) sollte im vermuteten Frühstadium die Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation durch ein laparoskopisches, robotisch assistiertes oder laparoskopisch assistiertes vaginales Verfahren erfolgen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[523] [524]

Hintergrund

Die US-amerikanische Gynecologic Oncology Group (GOG) führte eine große prospektiv randomisierte kontrollierte Studie (LAP 2) [525] durch, bei der 1.682 Patientinnen mit EC im klinischen Stadium I und IIA laparoskopisch und 909 durch Laparotomie operiert wurden. Es erfolgte eine extrafasziale Hysterektomie, eine beidseitige Adnexexstirpation und eine pelvine und paraaortale Lymphadenektomie.

Nach den Regeln der GOG wurden die pelvinen Lymphknoten ventral des Nervus obturatorius und die paraaortalen Lymphknoten bis zur Arteria mesenterica inferior entfernt. In 246 Fällen (14,6 %) erfolgte eine Konversion von der Laparoskopie zur Laparotomie wegen Expositionsproblemen (57 % der insgesamt Konvertierten). Die Laparoskopie hatte weniger mittelschwere bis schwere postoperative Komplikationen (14 % versus 21 %; p < 0, 001), aber vergleichbare Raten intraoperativer Komplikationen. Bei den postoperativen Komplikationen fand sich nur in der Summe, aber nicht bei einzelnen Komplikationen ein signifikanter Unterschied [525]. Die Studie war als Non-inferiority Trial ausgelegt, das zeigen sollte, dass das Rezidivrisiko bei Laparoskopie maximal 40 % höher ist als bei offener Operation.

Nach einer Nachbeobachtungszeit von 59 Monaten waren 229 der 1.682 Patientinnen in der Laparoskopiegruppe und 121 der 909 EC-Patientinnen, die offen operiert worden waren, verstorben. Die Hazard Ratio für ein Rezidiv betrug 1,14 zuungunsten der Laparoskopie. Das Konfidenzintervall reichte von 0,92 bis 1,46. Damit ist ein 46 % schlechteres rezidivfreies Überleben nach Laparoskopie nicht ausgeschlossen und die Laparoskopie damit nicht „non inferior“. Damit war die Studie formal negativ.

Die Rezidivrate nach 3 Jahren betrug 11,4 % nach Laparoskopie und 10,2 % nach Laparotomie. Das 5-Jahres-Überleben betrug in beiden Armen etwa 89,8 %. Etwa 69 % der Patientinnen hatten ein Stadium IA und 12,5 % ein Stadium IB, so dass überwiegend Low-risk-Endometriumkarzinom-Patientinnen untersucht worden waren [526].

Die Cochrane Collaboration führte mit dieser und einigen anderen deutlich kleinerer RCTs, die auch fast nur frühe EC mit niedrigem Rezidivrisiko untersucht hatten, eine Metaanalyse durch [522]. Sie fanden keine signifikanten Unterschiede im Gesamt- und progressionsfreien Überleben.

Die Laparoskopie hatte weniger operative Morbidität und führte zu kürzeren Krankenhausaufenthalten. Es fanden sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich der schweren postoperativen Morbidität. Die Autoren weisen explizit darauf hin, dass die onkologische Sicherheit nur für Patientinnen mit frühem EC vorliegt [521].

Die Metaanalyse von Bartels et al. [527] zeigt, dass bei minimal invasiver Hysterektomie (frühe EC, benigne Indikationen) im Vergleich zu einer abdominalen Operation einige Lebensqualitätsparameter kurzfristig signifikant verbessert werden. Nach 3 bzw. 6 Monaten fanden sich jedoch keine Unterschiede mehr [527].

Eine aktuelle Metaanalyse [520] zeigt eine non-inferiority bezüglich disease-free und overall survival der laparoskopischen Hysterektomie im Vergleich zur totalen abdominalen Hysterektomie beim EC im frühen Stadium. Die intraoperativen Komplikationen zeigten keine Unterschiede, die postoperativen waren nach Laparoskopie signifikant geringer. Bis auf wenige Ausnahmen sind EC-Patientinnen mit EC des Stadium I analysiert worden. Nur wenige erhielten eine paraaortale LNE und wenn, dann nur bis zur Arteria mesenterica inferior. Studien, die die onkologische Sicherheit der Laparoskopie bei EC mit höherem Rezidivrisiko überprüfen, wurden bisher nicht durchgeführt [528].

Eine retrospektive Analyse von 494 Patientinnen mit high intermediate risk EC, die postoperativ eine Brachytherapie erhalten hatten, zeigte, dass die minimal invasiv operierten Frauen (n = 363) ein signifikant erhöhtes Rezidivrisiko (HR = 2,29; 95 % CI = 1,07-4,92; P = 0,034) im Vergleich zu den über Laparotomie operierten hatten [529]. Das Risiko für lokoregionäre Rezidive war bei den minimal invasiv operierten Frauen viermal so hoch (HR= 4,18; 95 % CI= 1,44-12,1; P = 0,008).

Die konventionelle Laparoskopie ist das Standardverfahren für die Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation im klinischen Stadium I (Frühstadium). Unerwartet intraoperativ festgestelltes metastasiertes EC, ein hoher BMI und ein Alter über 63 Jahre waren in der LAP-2-Studie Risikofaktoren für die Konversion zur Laparotomie. Da sich ein Morcellement in der freien Bauchhöhle verbietet, ist bei Patientinnen mit einem aufgrund der Größe vaginal nicht zu bergenden Uterus eine Laparotomie erforderlich, solange Verfahren zum laparoskopischen Morcellement vom malignen veränderten Uterus in Beuteln nicht validiert sind. Grundsätzliche Kontraindikationen gegen eine Laparoskopie sind auszuschließen, andernfalls sind die vaginale oder abdominale Hysterektomie mit beidseitiger Adnexexstirpation oder nicht chirurgische Verfahren zu erwägen.

Eine Metaanalyse von 3 Studien, die zwischen 2013 und 2017 publiziert worden waren, fand bei insgesamt 1171 Patientinnen mit EC keinen Effekt der Verwendung eines Uterusmanipulators auf die Rezidivrate [530].

Eine aktuelle retrospektive Analyse der spanischen Gesellschaft für gynäkologische Onkologie von 2.661 Frauen mit EC der Stadien I und II zeigte allerdings, dass bei Verwendung eines Uterusmanipulators (n = 1756) das Rezidivrisiko signifikant höher war, als bei Verzicht auf dieses Instrument (n = 905) (HR = 2,31; 95 % CI01,27-4,20; P = 0,006). Das disease free survival war signifikant verkürzt, das Risiko zu versterben war signifikant erhöht [531].

Zwei Metaanalysen retrospektiver Studien fanden keinen negativen Einfluss der laparoskopischen Hysterektomie im Vergleich zur offenen Hysterektomie bei Patientinnen mit high-risk-EC [524] [523]

6.4 Roboterunterstützte Operationsverfahren

6.17 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Roboterunterstützte laparoskopische Verfahren können in gleicher Weise wie die konventionelle Laparoskopie zur Operation des Endometriumkarzinoms eingesetzt werden. Möglicherweise bieten sie Vorteile bei morbid adipösen Patientinnen.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[532] [533] [534] [535]
ÄnderungshinweisRoboterunterstützte laparoskopische Verfahren können in gleicher Weise wie die konventionelle Laparoskopie zur Operation des EC eingesetzt werden

Hintergrund

Die roboterassistierte Laparoskopie zeigte bereits in der Lernphase vergleichbar gute Ergebnisse wie die nicht roboterassistierte Laparoskopie in der perioperativen sowie unmittelbaren postoperativen Phase [536]. Eine 2015 publizierte Studie an 16.980 Patientinnen, die zwischen 2008 und 2010 in USA am EC per Laparotomie oder roboterassistierter Laparoskopie operiert wurden, konnte ebenfalls bereits damals eine Absenkung der perioperativen Komplikationen durch roboterassistierte Laparoskopie um mehr als die Hälfte (20,5 % versus 8,3 %) und eine Reduktion der perioperativen Mortalität von 0,8 % auf 0 % zeigen. Eine jüngere Metaanalyse aus 2014 [537] schloss 22 prospektive und retrospektive Kohortenstudien mit 4.420 Patientinnen ein, die entweder eine roboterassistierte versus nicht assistierte Laparoskopie (n = 3.403) oder eine roboterassistierte Laparoskopie versus Laparotomie (n = 1017) erhielten. Im Vergleich zur Laparotomie waren die Komplikationsrate, die stationäre Aufenthaltsdauer, der Blutverlust und die Transfusionshäufigkeit signifikant niedriger. Im Vergleich zur nicht assistierten Laparoskopie waren ebenfalls die Komplikationsrate, der Blutverlust und die Konversionsrate signifikant niedriger für die roboterassistierte Operation. Besonders deutlich ist die Reduktion der Komplikationsrate gegenüber der nicht roboterassistierten Laparoskopie bei sehr adipösen Patientinnen (8 % robotisch, 13 % laparoskopisch [23 % Laparotomie]) [538].

Bezüglich des onkologischen Outcomes gibt es zahlreiche Analysen, die alle keinen Nachteil gegenüber der Laparoskopie oder Laparotomie zeigen, aber keine prospektiv randomisierten Daten wie für die nicht roboter-assistierte Laparoskopie [539].

Eine aktuelle Metaanalyse von 36 Studien (33 davon retrospektiv) verglich die roboterunterstützte mit der konventionellen laparoskopischen Operation des Endometriumkarzinoms und fand keine Unterschiede in der OP-Dauer. Der Krankenhausaufenthalt nach roboterunterstützter OP war jedoch kürzer, der Blutverlust geringer, die Konversion zur Laparotomie und allgemeine Komplikationen seltener. [534].

Eine Metaanalyse von 51 Beobachtungsstudien mit insgesamt 10.800 adipösen EC-Patientinnen zeigte, dass Roboter-unterstützte und konventionelle laparoskopische Hysterektomien sich bezüglich intraoperativer Komplikationen nicht unterschieden. Auch die Konversionsrate zur Laparatomie unterschied sich zwischen beiden OP-Verfahren nicht. Allerdings war bei konventionell laparoskopischer OP eine Intoleranz gegenüber der Trendelenburglagerung in 31 %, bei der roboterunterstützten OP in 6 % die Ursache für die Konversion der OP-Technik. [532].

Da die roboterassistierte Laparoskopie eine technisch unterstützte „einfachere“ Laparoskopie darstellt, ist es nicht vernünftig, ein schlechteres onkologisches Outcome als für die technisch schwierigere Laparoskopie anzunehmen. Daher wird konsequenterweise die roboterassistierte Laparoskopie der nicht assistierten in Bezug auf die Indikation beim EC gleichgestellt. Allerdings fehlen prospektive randomisierte Studien, die die Vorteile der roboterunterstützten Operationsverfahren gegenüber der konventionellen Laparoskopie tatsächlich belegen. [540].

Im folgenden Algorithmus ist die operative Vorgangsweise in Abhängigkeit vom klinisch-molekularen Risikoprofil dargestellt.

Schema operatives Vorgehen und Adjuvanz bei Primärsituation
Schema operatives Vorgehen und Adjuvanz bei Primärsituation

6.5 Tumorreduktion bei fortgeschrittenen Endometriumkarzinomen

6.18 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei fortgeschrittenen Endometriumkarzinomen (inklusive Karzinosarkomen) kann eine operative Tumorreduktion mit dem Ziel der makroskopischen Tumorfreiheit durchgeführt werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[541] [542] [543]
6.19 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei fortgeschrittenen, primär inoperablen Endometriumkarzinomen kann eine neoadjuvante platinhaltige Chemotherapie mit anschließender zytoreduktiver Operation erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[543]

Hintergrund

Barlin et al. [542] analysierten die Daten von 14 retrospektiven Fallsammlungen mit 672 Patientinnen mit fortgeschrittenem oder rezidiviertem (n = 157) EC. Sie fanden, dass eine komplette Zytoreduktion das Überleben signifikant verbesserte (pro 10 % Patientinnen mehr mit optimaler Zytoreduktion Verbesserung des Gesamtüberlebens um 9,3 Monate p = 0,04).

Auch eine postoperative Strahlentherapie verbesserte das Überleben (pro 10 % Patientinnen mehr als mit Strahlentherapie 11 Monate; Verbesserung p = 0,004). Eine Chemotherapie hingegen verschlechterte das Überleben (pro 10 % mehr Patientinnen mit Chemotherapie Abnahme des Überlebens um 10,4 Monate; p = 0,007). Die Autoren mutmaßen schon selbst, dass die Patientinnen, die Chemotherapie erhielten, vermutlich a priori eine schlechtere Prognose hatten [542].

Hier ist natürlich das Risiko für starke Verzerrungen der retrospektiven Fallserien hoch: Es wurden diejenigen Patientinnen tumorfrei operiert, die fit waren und bei denen Tumorfreiheit erzielt werden konnte. Gelang eine solche OP, erfolgte eine Nachbestrahlung. Gelang sie nicht oder war sie von vornherein aussichtslos, wurde eine Chemotherapie gemacht.

Eine spätere Fallserie mit 58 Patientinnen mit EC Stadium IV enthielt 9 Patientinnen, die tumorfrei operiert wurden, 32, die operiert wurden, aber einen Tumorrest > 1 cm hatten, und 6, bei denen keine Zytoreduktion versucht wurde.

Das mediane Gesamtüberleben betrug 42,2 Monate (CI nicht berechenbar) für die tumorfreien Patientinnen, 18 Monate (CI = 13,9–24,1) für Patientinnen mit Tumorrest und 2,2 Monate (CI = 0,1–42) für diejenigen Frauen, bei denen eine OP gar nicht erst versucht wurde. Von den 9 tumorfrei Operierten hatten 7 makroskopische Netzmetastasen, die durch die Omentektomie komplett entfernt werden konnten. Eine Patientin hatte eine Metastase im Sigmamesenterium, die durch eine anteriore Resektion entfernt wurde. Eine Patientin hatte eine singuläre Lymphmetastase [470]. Hier ist nun offenkundig, dass die Patientinnen tumorfrei operiert wurden, bei denen dies einfach möglich war.

Die gleiche Gruppe publizierte eine ähnliche retrospektive Fallserie zu uterinen Karzinosarkomen des Stadiums III (n = 14) und IVB (n = 30). Makroskopische Tumorfreiheit konnte in 57 % erreicht werden. Diese Patientinnen hatten ein Gesamtüberleben von 52,3 Monaten, während diejenigen mit makroskopischem Tumorrest nur 8,6 Monate im median lebten.

Patientinnen, die in der Lage waren, eine adjuvante Therapie zu erhalten (Chemotherapie ± Bestrahlung), hatten ein Gesamtüberleben von 30 Monaten versus 4,7 Monaten (ohne adjuvante Therapie). Auch hier sind starke Verzerrungen offenkundig.

Eine Autorengruppe aus den Niederlanden, Belgien und Kanada analysierte retrospektiv die Daten von 102 Patientinnen mit EC, die primär, soweit fortgeschritten waren, dass sie inoperabel waren. Sie erhielten eine neoadjuvante Chemotherapie und bei Ansprechen, eine sekundäre zytoreduktive Operation. 44 Patientinnen (43 %) hatten ein endometrioides EC, 44 (43 %) ein seröses und der Rest andere Typ-II-EC. Von den Patientinnen mit endometrioiden EC hatten drei eine komplette und 28 (63,6 %) eine partielle radiologische Remission. Die Frauen mit serösen EC hatten 1 komplette und 35 (79,5 %) partielle Remissionen. Ein komplettes Intervalldebulking wurde in 62 % der Frauen mit endometrioidem EC und in 56 % der Frauen mit serösen EC erreicht. In weiteren 31 % bzw. 28 % der sekundär operierten Fälle konnte ein Tumorrest < 1 cm (optimal Debulking) erzielt werden. Bei den komplett und optimal operierten Patientinnen traten in 56 % bzw. 67 % Rezidive auf. Das progressionsfreie Überleben betrug 18 Monate (endometrioide EC) bzw. 13 Monate (seröse EC). Das mediane Gesamtüberleben betrug 41 Monate nach komplettem und optimalem Debulking,16 Monate bei inkomplettem Debulking und 13 Monate bei den Patientinnen, die nicht sekundär operiert wurden. Zwischen endometrioiden und serösen EC fanden sich bezüglich der Überlebensdaten keine Unterschiede [543].

Eine retrospektive Analyse der SEER-Daten von 1978 Patientinnen mit neu diagnostiziertem, primär fortgeschrittenem EC des Stadiums IVb ergab, dass Frauen, die vor oder nach einer Chemotherapie eine palliative totale Hysterektomie erhalten hatten, signifikant länger überlebten, als diejenigen, die nur eine palliative Chemotherapie erhielten [544].

 

Literaturhinweise

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