8. Rezidivtherapie – Diffuses großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL)
Anmerkung der Redaktion: Das folgende Kapitel enthält zum Teil Empfehlungen, die sich an Empfehlungen im Rahmen der Erstlinientherapie orientieren. Weitere Details zur zugrundeliegenden Evidenz, die über die Informationen im Hintergrundtext und in den verknüpften Evidenztabellen hinausgehen, finden sich im Kapitel Erstlinientherapie.
Arbeitsgruppenleitung: Bertram Glass, Viola Pöschel, Bastian von Tresckow, Björn Chapuy, Nicole Skoetz, Peter Borchmann
Weiterer Autor: Dirk Hellwig
8.1 Einleitung, Definition von Populationen von Patient*innen
Durch die Einführung der kombinierten Chemo- und Immuntherapie mit dem anti-CD 20 Antikörper Rituximab konnte in allen Alters- und Risikogruppen die Häufigkeit des primären Therapieversagens und der Rezidive entscheidend vermindert werden[265][318][112][201][109]. Dennoch stellt sich weiterhin für 30-40% der Patient*innen die Frage nach einer wirksamen Therapie des rezidivierten oder primär progedienten Lymphoms. Für Patient*innen mit aggressivem B-NHL ist das Therapieziel in der Rezidivbehandlung das Erzielen von langfristigen Remissionen bis hin zur Kuration.
Die Auswahl der Therapie erfolgt individualisiert. Die Indikationsstellung richtet sich hierbei vor allem nach dem vorherigen Verlauf der Erkrankung, den Vortherapien, dem Alter und den Komorbiditäten des*der Patient*in, wobei das spezifische Risiko-Nutzen Verhältnis der verschiedenen Therapieverfahren beachtet werden muss.
Unter den Risikofaktoren ist die Dauer der ersten Remission in mehreren Studien als wesentlicher prognostischer Faktor für die Prognose von Patient*innen im ersten Rezidiv / Progress unter der bisherigen Standardtherapie definiert worden (z.B. CORAL-Studie [539] und ORCHARRD-Studie [540]). Patient*innen mit einer primären Remissionsdauer unter 1 Jahr nach Abschluss der Erstlinientherapie weisen ein ereignisfreies Überleben von 20% auf und sind somit ein Höchstrisikokollektiv für ein Versagen der Zweitlinientherapie [540]. Der Abschluss der Erstlinientherapie ist mit dem Datum des Re-Stagings eindeutig zu definieren.
Die Rezidivtherapie des DLBCL hat in den letzten wenigen Jahren mehrere Neuzulassungen erfahren, welche zusätzlich zur etablierten konventionellen Chemotherapie zur Verfügung stehen. Während die Polychemotherapie sehr belastend sein kann, haben die neuen Therapieverfahren ein vollständig anderes Nebenwirkungsprofil, so dass die etablierte Einteilung der Patient*innen in „transplant eligible“ (Hochdosis-fähig) und „non-transplant eligible“ (nicht Hochdosis-fähig) nicht mehr zielführend ist, jedoch weiterhin verwendet wird. Die Nutzen-Risiko Abwägung der einzelnen Optionen ist somit per se komplexer, was durch oftmals fehlende direkte Vergleiche der Wirkstoffe in kontrollierten Studien zusätzlich erschwert wird. Überdies wurden einigen Studien der neuen Wirkstoffe in Gruppen untersucht, deren Definition auf den herkömmlichen Chemotherapie-basierten Kriterien beruhte, obwohl ihr Nebenwirkungsprofil hierzu keinen Anlass bietet. Aus diesen Gründen muss aktuell in der Regel eine individuelle Therapie-Indikation gestellt werden, für die noch keine Evidenz aus prospektiv randomisierten Studien existieren kann.
8.1.1 Definition der Gruppen von Patient*innen nach Eignung für eine Hochdosischemotherapie
Seitdem 1995 die Hochdosischemotherapie mit autologem Stammzell-Support (HDCT mit autoSZT) als Standard für die Rezidivtherapie etabliert worden war [541], wurde die Eignung der Patient*innen für die HDCT das entscheidende Kriterium für die Indikation. International wurde der Terminus „transplant eligible“ (transplantations-geeignet) eingeführt, ohne dass dafür eine einheitliche und scharfe Definition vorlag. Eine solche Definition gibt es unverändert nicht, auch gibt es keine prospektiven Studien, die die Bedeutung der individuellen Resilienz für die Machbarkeit der HDCT untersucht hätten. Zur Abschätzung der behandlungsbezogenen Mortalität nach HDCT und autoSZT bietet der Hematopoietic Cell Transplantation Comorbidity Index (HCT-CI) eine Möglichkeit. Der Index wurde zunächst für ältere Patient*innen nach allogener Stammzelltransplantation entwickelt [542] und später für diesen Bereich validiert [543]. Eine Analyse bei Patient*innen mit Multiplem Myelom und Lymphomen nach toxizitätsgeminderter Konditionierung und allogener Stammzelltransplantation zeigt für die drei definierten Risikogruppen eine Non-Relapse Mortality (NRM) von jeweils 6% versus 15% versus 20% nach 1 Jahr. Der HCT-CI hat in dieser Situation prognostischen Wert für das Gesamtüberleben nach allogener Stammzelltransplantation [544]. Es liegen Daten für die Verwendung nach autologer Stammzelltransplantation vor, sie zeigen auf niedrigerem Niveau eine Diskrimination vor allem zwischen den Patient*innen der niedrigen und intermediären Gruppe auf der einen Seite und den Patient*innen mit hohem Risikoindex auf der anderen Seite. Für Patient*innen mit Lymphomen beträgt die NRM nach 100 Tagen 4,5% versus 6,1% versus 12,7% in den drei Risikogruppen. Der Index besitzt prognostische Signifikanz für das Gesamtüberleben in dieser Gruppe nach einem und drei Jahren mit Werten von 77% versus 85% und 61% versus 72% für hohen versus niedrigem und intermediärem HCT-CI. Das kalendarische Alter, eingeteilt in Patient*innen < 55 und > 55 Jahre zeigte in der multivariaten Analyse einen vom HCT-CI unabhängigen prognostischen Wert [545]. In der Praxis werden Patient*innen in Abhängigkeit vom behandelnden Arzt oder Zentrum und von Komorbiditäten bis zu einem Alter von 70-75 Jahren als „transplantations-geeignet“ eingeschätzt.
In Abgrenzung zur Gruppe der „transplant-eligible“ Patient*innen gab und gibt es die Gruppe der „non-transplant elilgible“ Patient*innen, für die sehr intensive genotoxische Polychemotherapien (HDCT) ein ungünstiges Nutzen-Risiko Verhältnis haben und daher nicht in Betracht kommen.
8.2 Diagnostik des ersten Rezidivs
8.2.1 Histologische Sicherung einer rezidivierten oder primär progredienten Erkrankung
Bei Hinweisen (klinisch, laborchemisch, bildgebend) auf ein Rezidiv soll eine Biopsie mit dem Ziel einer histologischen Sicherung erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
Wegen der Möglichkeit, dass im Rezidiv der rezidivierte Lymphomanteil eine andere histologische Charakteristik aufweist, als in der primären Diagnostik festgestellt und dies Konsequenzen für die weitere Therapie haben kann, soll, soweit klinisch vertretbar, eine erneute histologische Diagnostik erfolgen. Auch die Abgrenzung eines Rezidivs gegenüber anderen malignen und nicht-malignen raumfordernden Prozessen ist in der Regel sinnvoll zur Festlegung des therapeutischen Konzepts. Es gelten insgesamt hierzu die Hinweise zur primären Diagnostik.
8.2.2 Bildgebende Verfahren bei rezidivierter oder primär progredienter Erkrankung
Wenn nicht anders angegeben, bezieht sich der Begriff "Positronen-Emissions-Tomographie (PET)" im folgenden Kapitel auf PET mit dem Tracer F-18-Fluordesoxyglucose (FDG).
Als Ausgangsbefund vor Rezidivtherapie und zur Stadienbestimmung eines rezidivierten oder eines persistierenden DLBCL sowie zur Kontrolle des Ansprechens im Verlauf soll bei potentiell kurativem Therapiekonzept eine PET/CT durchgeführt werden.
CAVE: Die PET-Untersuchung ist im ambulanten Sektor kein Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert, Stand März 2022).
- Konsens
- Konsens
Hintergrund:
In der Therapie des rezidivierten aggressiven B-NHL stellt das Therapieergebnis nach der Zweitlinientherapie ein wesentliches Entscheidungskriterium für die Wahl entweder einer nachfolgenden Konsolidierung oder anderer Therapiemodalitäten in der Drittlinientherapie dar. Um das Ansprechen auf die Zweitlinientherapie adäquat beurteilen zu können, sind zur Ausbreitungsdiagnostik die gleichen Untersuchungsmethoden zu verwenden [546]. Ein klinischer Nutzen der PET-basierten Diagnostik besteht wie in der Erstlinie in der umfassenden und sensitiven bildgebenden Darstellung des Knochenmarks, so dass für die exakte Stadienbestimmung auf eine Knochenmarkbiopsie verzichtet werden kann, wenn eine PET/CT vorliegt.
8.2.3 Beurteilung des Therapieansprechens
Die Beurteilung des Therapieansprechens sollte in Anlehnung an die Lugano Klassifikation erfolgen.
- Konsens
- Starker Konsens
„Stable disease“ und „Progressive Disease“ als Ansprechen auf mindestens zwei Zyklen einer Immunchemotherapie sollen bei Beibehaltung eines kurativen Therapiekonzepts als Grundlage genommen werden, die Therapie umzustellen.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Die Empfehlungen basieren auf den allgemeinen Empfehlungen zur Diagnostik aggressiver B-Zell Lymphome (s. Kapitel 4 und 5). Die FDG-PET/CT ist bei dieser PET-aviden Erkrankung die Methode der Wahl zur Bestimmung des Lymphombefalls [55] Die Studienlage im zweiten und höheren Rezidiv ist nicht ausreichend belastbar, Daten existieren nur im ersten Rezidiv für das Kollektiv der transplantationsfähigen Patient*innen [547][548].[548]Für die Konsolidierungstherapie mit einer SZT [547][549] besitzt das PET/CT einen besseren prognostischen Wert als CT-basierte Diagnostik [46]. Das bedeutet auch, dass Ergebnisse neuerer Studien nur bei Verwendung dieser Diagnostik für den*die individuelle*n Patient*in angemessen bei der Therapieauswahl berücksichtigt werden können. Die Beurteilung des metabolischen Ansprechen nach den Lugano-Kriterien entspricht dem internationalen Standard.
Die Bezeichnung „persistierendes Lymphom“ in der bildgebenden Untersuchung entspricht in der international akzeptierten Lugano Klassifikation „stable disease“ als bestes Ansprechen auf die vorherige Therapie. Hierbei handelt es sich um eine unveränderte PET Anreicherung mit Deauville Score 4 oder 5 und einer Tumormassenreduktion von < 50%, ohne dass Kriterien für einen Progress vorliegen [55]. Klinisch wird diese Situation als unzureichendes Ansprechen gewertet. Im zweiten und höheren Rezidiv des DLBCL ist diese Situation allenfalls von sehr kurzer Dauer und der bildgebende Progress muss nicht abgewartet werden, falls Therapiealternativen vorliegen. Die Datenlage zu dieser Einschätzung ist sehr begrenzt. In Therapiestandard-definierenden Studie der Kombination von Rituximab mit Gemcitabin und Oxaliplatin beim rezidivierten oder refraktären DLCBL in der Zweitlinie war ein Therapiewechsel bei Lymphompersistenz nach 2 von geplanten 4 Zyklen erforderlich [550]. Dieses Studiendesign entspricht der klinischen Erfahrung, dass im Rezidiv des DLBCL nur ein metabolisches und morphologisches Ansprechen klinisch relevanten Nutzen für den*die Patient*in hat. Diese Studie wurde bei Patient*innen durchgeführt, die sich für eine Hochdosistherapie nicht geeignet hatten. In der Zweitlinientherapie des DLBCL bei Hochdosistherapie-fähigen Patient*innen gilt bei metabolischer SD nach 2 Zyklen einer Induktionstherapie die Fortführung mit der Konsolidierung als nicht ausreichend, sondern erfordert ebenfalls eine Umstellung der Therapiestrategie [540]. Zusammenfassend wird also im Allgemeinen im Rezidiv eines DLBCL eine metabolische SD als Therapieversagen gewertet und erfordert eine Diskussion alternativer Therapieoptionen.
8.3 Zweitlinientherapie rezidivierter oder primär progredienter Erkrankung
Die Auswahl der Therapie im ersten Rezidiv richtet sich insbesondere nach der Vortherapie, der Zeit bis zum Rezidiv, dem Alter und den Komorbiditäten der Patient*innen. Die zahlreichen verfügbaren Therapieoptionen erfordern eine individuelle Nutzen-Risiko Abwägung, die durch oftmals fehlende direkte Vergleiche der Wirkstoffe in kontrollierten Studien zusätzlich erschwert wird. Nur kontrollierte Studien können hier zukünftig ausreichende Evidenz generieren.
Vor Therapiebeginn soll für Patient*innen der Zweitlinientherapie geprüft werden, ob eine Behandlung in einer klinischen Studie erfolgen kann.
- Konsens
- Starker Konsens
8.3.1 Zweitlinientherapie Hochdosis-fähiger Patient*innen
Standardtherapie für Patient*innen, die sich für eine Transplantation eignen, war bisher (2021) eine Platin-basierte Induktionstherapie, gefolgt von einer Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation. Diese Standardtherapie wurde durch die CAR T-Zelltherapie in drei randomisierten Studien herausgefordert (Belinda NCT03570892, Transform NCT03575351, ZUMA-7 NCT03391466), deren Ergebnisse 12/2021 erstmals präsentiert wurden. Einschlusskriterium für diese Studien war eine Hochrisiko-Konstellation, die durch die Zeit bis zum Rezidiv/Progress definiert wurde. Daher ist nun bei der Indikationsstellung in der Zweitlinientherapie Hochdosis-fähiger Patient*innen zwischen primär progredienten/früh rezidivierten (< 1 Jahr nach Abschluss der Primärtherapie, Hochrisiko) und spät rezidivierten Patient*innen (> 1 Jahr nach Abschluss der Primärtherapie, nicht Hochrisiko) zu unterscheiden.
8.3.1.1 Zweitlinientherapie Hochdosis-fähiger Patient*innen mit frühem Rezidiv in kurativer Intention
Hochdosis-fähige Patient*innen mit frühem Rezidiv sollten eine gegen CD19 gerichtete CAR T-Zelltherapie mit Axicabtagen Ciloleucel oder Lisocabtagen Maraleucel erhalten.
CAVE: Die EMA Zulassung für Lisocabtagen Maraleucel steht noch aus (Stand Q3/2022).
Hintergrund:
Der bisherige Standard in dieser Situation war eine Platin-basierte Induktions-Chemotherapie, die bei Ansprechen (PR oder CR) mittels einer HDCT und autoPBSCT konsolidiert wurde. Dieser Standard wurde in drei prospektiv randomisierten Studien von drei verschiedenen CAR T-Zelltherapien herausgefordert. Alle Studien wurden in einer Hochrisikopopulation von Patient*innen mit primärem Progress oder frühem Rezidiv durchgeführt (Tisagenlecleucel, NCT03570892, BELINDA Studie; Axicabtagen Ciloleucel, NCT03391466, ZUMA-7 Studie, Lisocabtagen Maraleucel, NCT0357535, TRANSFORM Studie). Ausreichende Nachbeobachtung für eine gute Beurteilung von Überlebensparametern bieten Stand Q1/2022 die BELINDA und die ZUMA-7 Studie. Die Belinda Studie hat ein negatives Ergebnis für den primären Endpunkt EFS [553]. Die ZUMA-7 Studie hat ein positives Ergebnis für den primären Endpunkt EFS, in den neben dem PFS (also Progress, Rezidiv oder Tod) noch der Start einer neuen Therapielinie als Ereignis gewertet wurde [551].
Der Standardarm bestand aus einer Platin-haltigen Induktion gefolgt von HDCT und autoPBSCT. Ein cross-over war in der Studie nicht vorgesehen. Bis zum 18.3.21 waren insgesamt 359 Patient*innen eingeschlossen worden. Das mediane Alter betrug 59 Jahre (Spanne 21-81 Jahre; 30 % ≥65 Jahre). Insgesamt hatten 74 % der Patient*innen eine primär refraktäre Erkrankung und 46 % hatten einen hohen sAAIPI (2-3). Von 180 Patient*innen, die in den axi-cel Arm randomisiert wurden, wurden 170 (94%) infundiert; von 179 Patient*innen, die in den Standardarm (SOC) randomisiert wurden, erreichten 64 (36%) eine HDCT mit autoSZT nach Zweitlinien-Induktionstherapie. Der primäre Endpunkt des ereignisfreien Überlebens (EFS) wurde erreicht (HR: 0,398; P<.0001). Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 24,9 Monaten war das mediane EFS mit axi-cel im Vergleich zu SOC signifikant länger (8,3 Monate [95 % KI: 4,5-15,8] bzw. 2 Monate [95 % KI: 1,6-2,8]), und die Kaplan-Meier-Schätzungen der 24-Monats-EFS-Raten waren mit axi-cel signifikant höher (41 % gegenüber 16 %). Bei den randomisierten Patient*innen waren die ORR- und CR-Raten mit axi-cel höher als mit SOC (ORR: 83% vs. 50%, Odds Ratio: 5,31 [95%-KI: 3,1-8,9; P<.0001]; CR: 65% vs. 32%). Das mediane OS, das als vorgeplante Zwischenanalyse ausgewertet wurde, sprach für axi-cel gegenüber SOC, obwohl es keine statistische Signifikanz erreichte (nicht erreicht bzw. 35,1 Monate; HR: 0,730; P=.027). Im SOC-Arm erhielten 100 (56 %) eine kommerziell erhältliche oder eine CAR T-Zelltherapie außerhalb des Protokolls als Folgetherapie. Unerwünschte Ereignisse vom Grad ≥3 traten bei 155 (91%) und 140 (83%) Patient*innen auf, und therapiebedingte Todesfälle traten bei 1 bzw. 2 Patient*innen im axi-cel- bzw. SOC-Arm auf. Bei den mit axi-cel behandelten Patient*innen trat ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) des Grades ≥3 bei 11 (6%) Patient*innen auf (mediane Zeit bis zum Auftreten 3 d; mediane Dauer 7 d) und neurologische Ereignisse (NEs) des Grades ≥3 bei 36 (21%) Patient*innen (mediane Zeit bis zum Auftreten 7 d; mediane Dauer 8,5 d). Es traten keine CRS oder NEs des Grades 5 auf. Insgesamt wurde damit die Überlegenheit des neuen Therapieprinzips gegenüber der Standardtherapie bei relativ guter Verträglichkeit klar gezeigt.
Die Q1 2022 verfügbaren Daten für Lisocabtagen Maraleucel aus der TRANSFORM Studie sind mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von etwa 6 Monaten hinsichtlich der Überlebensparameter noch eingeschränkt sicher beurteilbar [552].
Insgesamt wurden 184 Patient*innen randomisiert, davon 92 Patient*innen in jeder Gruppe. Von 91 behandelten Patient*innen in Arm A (Standardtherapie) erhielten 43 Patient*innen eine HDCTx mit BEAM + autoSZT, von denen 28 eine CR erreichten. Fünfzig Patient*innen wechselten zur Behandlung mit Liso-Cel. In Arm B (experimenteller Arm) erhielten 90 Patient*innen eine Liso-Cel-Infusion; 58 Patient*innen (63 %) erhielten eine Überbrückungstherapie. Für die Arme A und B betrug das mediane EFS 2,3 vs. 10,1 Monate (HR, 0,349; P < 0,0001), das mediane PFS 5,7 vs. 14,8 Monate (HR, 0,406; P = 0,0001), und die CR-Rate lag bei 39 % vs. 66 % (P < 0,0001). Die OS-Daten waren zum Zeitpunkt dieser Analyse mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6,2 Monaten (Bereich, 0,9-20,0) noch nicht ausgereift. In Arm B wurde bei 49 % der Patient*innen ein CRS beliebigen Grades festgestellt, bei 37 % ein CRS Grad 1 und bei 11 % ein CRS des Grad 2. Nur 1 Patient*in hatte ein CRS Grad 3 (Beginn an Tag 9, das sich innerhalb von 2 Tagen auflöste). NEs jeglichen Grades wurden bei 12 % der Patient*innen gemeldet und waren ebenfalls überwiegend von niedrigem Grad (Grad 3, 4 %). Es wurden keine CRS oder NEs der Grade 4 oder 5 gemeldet. In Arm B erhielten 24 % der Patienten Tocilizumab, 17 % erhielten Kortikosteroide, und keiner erhielt Vasopressoren. Die häufigsten TEAEs in beiden Armen waren Zytopenien. Anhaltende Zytopenien in Arm B (d. h. Grad ≥ 3 nach 35 Tagen nach der Infusion) wurden bei 43 % der Patient*innen gemeldet; die Mehrheit erholte sich innerhalb von 2 Monaten nach der Infusion. Auch in dieser Studie konnte die Überlegenheit der experimentellen Therapie gegenüber der Standardtherapie klar gezeigt werden.
Tisagenlecleucel hat in der BELINDA Studie hingegen keinen EFS Vorteil gegenüber der Standardtherapie gezeigt, so dass dieses Produkt in der Zweitlinientherapie nicht angeboten wird [553]. Diese große randomisierte Phase 3 Studie hatte ein Design gewählt, innerhalb dessen bis zur HDCTx im Standardarm oder bis zur CAR T-Zelltherapie mit Tisagenlecleucel im experimentellen Arm bis zu 12 Wochen mit unterschiedlichen Therapien vergehen konnten. Die Leitliniengruppe hat die Einschätzung, dass keine Aussagen auf Basis dieser Studie gemacht werden können.
8.3.1.2 Zweitlinientherapie Hochdosis-fähiger Patient*innen mit spätem Rezidiv in kurativer Intention
Hochdosisfähige Patient*innen sollten im Spätrezidiv eine intensive platinhaltige Induktionstherapie in Kombination mit dem CD-20 Antikörper Rituximab (z.B. R-GDP, R-DHAP, R-ICE) erhalten.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝
Gesamtüberleben
⊕⊕⊝⊝Progressionsfreies Überleben
⊕⊕⊝⊝unerwünschte Ereignisse
⊕⊕⊝⊝Lebensqualität
⊕⊕⊝⊝Ansprechraten
⊕⊕⊝⊝Transplantationsraten
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [554] [539] [540]
Patient*innen, die nach 2-3 Zyklen Induktionstherapie PET/CT-basiert mindestens eine partielle Remission erzielen, sollen eine Hochdosischemotherapie und autologe Stammzelltransplantation erhalten.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
1995 konnte gezeigt werden, dass eine Hochdosischemotherapie gefolgt von einer autologen Transplantation einer alleinigen Immunchemotherapie bei der Zweitlinienbehandlung aggressiver NHL überlegen ist. Der Erfolg hängt von den auch aus der primären Therapie bekannten klinischen Risikofaktoren des IPI und dem Zeitpunkt des Rezidivs nach Erstlinientherapie ab [541][555][556]. Es ist Praxis, vor HDCT eine konventionelle Salvagetherapie zur Verminderung der Tumormasse durchzuführen. Die etablierten Protokolle zur Induktionsbehandlung in der Zweitlinie enthalten Substanzen, die in der Primärtherapie nicht verwendet wurden oder wirksame Substanzen der primären Therapie in veränderter Dosierung und Applikationsform (z.B. Dauerinfusion anstelle von Bolusgabe). Als Standard gilt eine Platin-basierte Polychemotherapie.
Nach dem Wirksamkeitsnachweis für Rituximab in der Primärtherapie wurden auch die konventionellen Chemotherapiekombinationen der Salvagetherapie mit dem Antikörper Rituximab kombiniert.
In einer randomisierten Studie wurde nachgewiesen, dass bei Patient*innen, die ohne Rituximab vorbehandelt waren, die Anwendung einer solchen Kombination der alleinigen Salvage-Chemotherapie überlegen ist [557]. Es ist ungeklärt, ob bei Vorbehandlung mit Rituximab eine Re-Therapie mit dem Antikörper sinnvoll ist und ein erneutes Ansprechen erwartet werden kann. Obwohl nicht eindeutig durch prospektiv randomisierte Studien als unterlegen bewiesen, findet in der Praxis keine Verwendung reiner Chemotherapie-Protokolle zur Induktion in der 2. Therapielinie mehr statt, sondern es erfolgt die kombinierte Gabe mit dem CD-20 Antikörper Rituximab.
Drei prospektiv-randomisierte Studien untersuchten die Modalitäten der Salvagetherapie. Die erste dieser Studien war internationale CORAL-Studie. Im Rahmen dieser Studie wurden zwei Rituximab- und platinhaltige Salvageprotokolle (R-DHAP und R-ICE) miteinander verglichen. Nach einer einheitlichen Hochdosistherapie mit BEAM wurde mit einer zweiten Randomisierung der Stellenwert einer Erhaltungstherapie mit Rituximab ermittelt. Die beiden Salvage-Regime sind hinsichtlich der erzielten Remissionsraten gleichwertig. In der langfristigen Beobachtung werden mit R-DHAP tendenziell etwas bessere Ergebnisse erzielt. Etwa die Hälfte der Patient*innen erhielt eine Primärtherapie, die auch Rituximab beinhaltete. Bei diesen Patient*innen wurde eine Gesamtansprechrate der Salvagetherapie von 51% erzielt. Die weit überwiegende Mehrzahl der Patienten mit Rituximab-Primärtherapie hatte eine primäre Remissionsdauer von weniger als 12 Monaten. In dieser Untergruppe beträgt das progressionsfreie Überleben nach 36 Monaten weniger als 20% [539].
Ein weiterer randomisierter Vergleich im Kontext der autologen SZT zwischen zwei platinhaltigen Salvagetherapien verglich das etablierte R-DHAP Schema mit einer Kombination aus Rituximab, Gemcitabin, Dexamethason und Cisplatin (R-GDP). Hierbei erwiese sich R-GDP als gleich effektiv aber deutlich weniger toxisch als R-DHAP, so dass R-GDP gegenwärtig als Standard der Induktionstherapie in der Zweitlinie angesehen werden kann [554]. Für Patient*innen mit vorgeschädigter Niere stehen als Alternativen R-ICE mit Carboplatin oder R-GemOx(aliplatin) zur Verfügung.
Ein Versuch, Rituximab durch den alternative anti-CD 20 Antiköper Ofatumumab zu ersetzen, erbrachte keine positiven Resultate [540].
Patient*innen, die mindestens eine partielle Remission nach Induktionstherapie erzielen, erhalten in der Regel eine konsolidierende Hochdosistherapie und autologe Stammzelltransplantation.
Patient*innen, die keine Remission nach Induktionstherapie erzielen, erhalten wegen mangelnder Erfolgsaussichten in der Regel keine Hochdosistherapie und autologe Stammzelltransplantation. Die meisten prospektiven Studien die in diesem Bereich verschiedene Modalitäten der Induktionstherapie oder den Stellenwert der autologen Stammzelltransplantat selbst untersuchten, führten diese nur bei Vorliegen einer partiellen oder vollen Remission durch. Nicht gesichert, weil nicht extensiv untersucht, ist der Stellenwert einer autologen Stammzelltransplantation bei Patient*innen, die nur eine stabile Erkrankung bei aber guter Krankheitskontrolle erreicht haben. In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass solche Patient*innen unter Umständen nach einer weiteren, differenten Immunchemotherapie nach einer autologen SZT längerfristige Remissionen in mehr als 40% der Fälle erreichen konnten [558].
Da durch eine alleinige Immunchemotherapie in der Zweitlinientherapie keine befriedigenden Ergebnisse erzielt werden können, erhalten Patient*innen mit rezidiviertem DLBCL nach erfolgter Induktionstherapie eine Hochdosischemotherapie (HDCT) mit nachfolgender autologer Stammzelltransplantation (autoPBSCT). Eine Vielzahl von nicht-randomisierten Studien ergab sehr gute Resultate für das progressionsfreie Überleben, die eine Überlegenheit von HDCT und autoPBSCT gegenüber einer konventionellen Chemotherapie vermuten ließen [559][560][561][562]. Die PARMA-Studie verglich bei Patient*innen mit gutem Ansprechen (CR, PR) auf eine Vorphase mit 2 Zyklen DHAP die Wirksamkeit von 3 weiteren Zyklen DHAP mit einer HDCT (BEAC: BCNU, Etoposid, ARA-C, Cyclophosphamid) und zeigte einen signifikanten Vorteil für die Hochdosistherapie in Bezug auf das progressionsfreie Überleben und das Überleben. Dieser Vorteil konnte auch in einer langfristigen Nachbeobachtung der Patient*innen bestätigt werden.
Die HDCT gilt seither als Standardvorgehen für alle Patient*innen mit chemotherapie-sensiblem Rezidiv eines aggressiven NHL.
Zu den am meisten verwendeten HDT-Protokollen zählen BEAM (BCNU, Etoposid, ARA-C, Melphalan) und CVB (Cyclophosphamid, Etoposid, BCNU). Im Fall von Versorgungsengpässen kann BCNU durch Thiotepa ersetzt werden [563]. Protokolle unter der Verwendung von Ganzkörperbestrahlung (TBI-Cyclophosphamid) sind wegen der in der Primärtherapie durchgeführten Radiatio häufig nicht anwendbar. Busulfan-haltige Protokolle zeigen in nicht-randomisierten Studien eine angemessene Aktivität gegen NHL [564][565].
Ob in dieser Situation einen gegen CD19 gerichtete CAR T-Zelltherapie Überlebensvorteile bieten könnte, kann aus den aktuell verfügbaren randomisierten Studien bei Patient*innen mit frühem Rezidiv oder Progress nicht sicher abgeleitet werden. Diese Frage sollte in Studien geklärt werden.
8.3.2 Zweitlinientherapie nicht Hochdosis-fähiger Patient*innen
Die Prognose von Patient*innen nach Rezidiv bzw. Progress eines DLBCL, die sich nicht für eine Stammzelltransplantation eignen, war in der Vergangenheit wegen fehlender gut verträglicher und zugleich wirksamer Therapieoptionen begrenzt. Die Patient*innen mit primär refraktärer Erkrankung wiesen dabei ein besonders ungünstigen Krankheitsverlauf auf. Die mediane Überlebenszeit wurde in einer Analyse aus einer prospektiv randomisierten Erstlinien-Studie in dieser Situation mit weniger als 6 Monaten ermittelt [566]. Mit der Einführung neuer Therapiemodalitäten wie der Therapie mit Antikörpern, „antibody-drug conjugates“ (ADC), CAR T-Zellen oder zukünftig bispezifischen Antikörpern kann jetzt aber auch vielen älteren Patient*innen mindestens eine Therapieoption angeboten werden, die zumindest Aussicht auf eine langanhaltende Remission bieten kann.
8.3.2.1 Systemische Therapieoptionen in der Zweitlinie
Für Patient*innen, die sich nicht für eine Hochdosischemotherapie eignen, soll zur Remissionsinduktion eine Therapie mit
- weniger intensivem Immunchemotherapieprotokoll (z.B. R-GemOx) oder
- Polatuzumab in Kombination mit Bendamustin und Rituximab oder
- Tafasitamab und Lenalidomid
angeboten werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝
[PolaBR] Gesamtüberleben
⊕⊕⊝⊝[PolaBR] Progressionsfreies Überleben
⊕⊕⊝⊝[PolaBR] Gesamtansprechrate (ORR)
⊕⊕⊝⊝[PolaBR] Sicherheit
⊕⊝⊝⊝[TafaLen] Gesamtüberleben
⊕⊝⊝⊝[TafaLen] Progressionsfreies Überleben
⊕⊝⊝⊝[TafaLen] Gesamtansprechrate (ORR)
⊕⊝⊝⊝[TafaLen] Kontrolle
⊕⊝⊝⊝[TafaLen] Gesamtüberleben
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [567] [568] [569] [570]
Hintergrund:
Es gibt mehrere zugelassene und verfügbare Optionen in der Therapie von nicht Hochdosis-fähigen Patient*innen in der Zweitlinie, die nicht gegeneinander in prospektiven Studien getestet wurden, so dass keine Aussagen zu den jeweiligen Nutzen-Risiko Profilen im Vergleich untereinander gemacht werden kann. Somit stehen in dieser Situation Therapien zur Verfügung, die einerseits anhand des spezifischen Nebenwirkungsprofils und des individuellen Risikos für diese Nebenwirkungen und andererseits im Hinblick auf ihre Auswirkung für nachfolgende Therapieoptionen evaluiert werden müssen. Da diese Optionen nicht hinsichtlich Ihrer Wirksamkeit gewichtet werden können, werden sie im Folgenden in der historischen Reihenfolge ihrer Verfügbarkeit dargestellt.
Als Standardtherapie von Patient*innen mit rezidiviertem DLBCL, die sich nicht für eine HDCT und autoPBSCT Stammzelltransplantation eignen, hat sich die Kombination von Rituximab, Gemcitabin und Oxaliplatin etabliert [550][571]. Die Kombination Bendamustin und Rituximab (BR) hat im klinischen Alltag bei sehr alten und komorbiden Patient*innen zur Remissionsinduktion vor allem wegen der guten ambulanten Durchführbarkeit einen Stellenwert erlangt [572][573]. Die relativ guten Ansprechraten (Overall Response Rate 32% - 61%) werden allerdings nur vereinzelt von längerfristigen Remissionen begleitet, so dass die Kombination BR in der Regel in palliativer Intention verabreicht wird. Die Kombination ist nicht in prospektiv randomisierten Studien geprüft.
Mit Polatuzumab Vedotin ist ein weiteres neues Therapieprinzip („antibody-drug-conjugate“, ADC) für die Behandlung von Patient*innen mit rezidiviertem/refraktärem DLBCL zugelassen. Das Kollektiv ist beschränkt auf Patient*innen, die sich nicht für einen primär kurativen Therapieansatz mit HDCT und autoPBSCT eignen. Der Zulassung liegt eine randomisierte Phase II Studie zugrunde, in der die Behandlung mit Polatuzumab Vedotin in Kombination mit Bendamustin und Rituximab (Pola-BR) gegenüber der alleinigen Therapie mit BR zu einer Steigerung der Rate kompletter Remissionen (40,0% vs 17,5%), einer Verlängerung des medianen progressionsfreien Überlebens von 3.7 Monaten (95%-KI: 2.1 - 4.5) auf 9,5 Monate (95%-KI: 6.2 - 13.9) und der medianen Gesamtüberlebenszeit von 4.7 Monaten (3.7 - 8.3) auf 12.4 Monaten (9.0 to NE) geführt hat [570]. Bei Volltextpublikation waren im Kombinationsarm mit Polatuzumab vedotin noch 7 (18%) aller ansprechenden Patient*innen in anhaltender Remission bei einer medianen Nachbeobachtung von 20 Monaten (von 20.0 bis 22.5 Monaten) für diese Patient*innen. Ein Plateau ist in den PFS und OS Kurven nicht zu erkennen, so dass ein kuratives Potential in der dritten oder höheren Linie für einen relevanten Teil der Patient*innen nicht angenommen werden kann. Belastende Nebenwirkung ist eine periphere Polyneuropathie, die durch die aktive Substanz MMAE (monomethyl auristatin E), ein Tubulininhibitor) bedingt ist und die zur Dosisreduktion führen kann. Daneben ist die Kombination vorwiegend hämatotoxisch. Pola-BR-Patienten hatten höhere Raten von Grad 3-4 Neutropenie (46,2% vs. 33,3%), Anämie (28,2 % vs. 17,9 %) und Thrombozytopenie (41 % vs. 23,1 %), aber ähnliche Grad 3-4 Infektionen (23,1 % vs. 20,5 %), gegenüber der BR-Gruppe. Die mit Polatuzumab Vedotin verbundene periphere Neuropathie (43,6 % der Patient*innen) war Grad 1-2 und bildete sich bei den meisten Patient*Innen zurück. Polatuzumab vedotin ist grundsätzlich ambulant durchführbar, was in der palliativen Therapiesituation günstig ist. Zur besseren Bewertung des Nutzens sind Daten mit deutliche mehr Patient*innen, längerer Nachbeobachtungszeit und Daten zur Lebensqualität erforderlich. Patient*innen-abhängige Faktoren für die Indikationsstellung sollten eine eventuell bestehende Polyneuropathie und eingeschränkte Knochenmarkreserve beinhalten, da diese Faktoren einen komplizierten Therapieverlauf begünstigen.
Ein Update der Studie 2022 hat bei den randomisierten Patient*innen mit einer medianen Nachbeobachtung von 48 Monaten den PFS Vorteil tendenziell bestätigt mit 9,2 Monaten versus 3,7 Monaten und einem medianen OS Unterschied zugunsten von Pola-BR von 12,4 Monaten vs. 4,7 Monaten. In der nicht randomisierten Extensionskohorte betrug das mediane PFS allerdings nur 6,6 Monate für Pola-BR. Das OS lag hier bei 12,5 Monaten [569].
Problematisch bei der Anwendung des Schemas in der Zweitlinie kann sein, dass vornehmlich durch Bendamustin die Zahl vermehrungsfähiger T-Lymphozyten massiv vermindert wird [574][575], so dass bei der Herstellung von CAR T-Zellen für eine weiterführende Therapie Probleme bei der Herstellung auftreten können und somit die Drittlinientherapie beschränkt werden kann.
Eine prospektiv randomisierte Studie der Kombination von Polatuzumab plus R-GemOx (Rituximab, Gemcytabine, Oxaliplatin) gegen das etablierte konventionelle R-GemOx Schema (NCT04182204, Polargo Studie) für nicht Hochdosistherapie-fähige Patient*innen rekrutiert derzeit und hat den Vorteil eines allgemein akzeptierten Standardarms [576]. Diese Studie wird wichtige zusätzliche Information zum Nutzen-Risiko von Polatuzumab im Rezidiv des DLBCL bei nicht Hochdosis-fähigen Patient*innen liefern können.
Der anti-CD19 Antikörper Tafasitamab hat als Monosubstanz bei rezidivierten DLBCL Patient*innen, die sich nicht für eine Hochdosis-Chemotherapie und autoSZT eignen, eine Gesamtansprechrate von 26% bei guter Verträglichkeit gezeigt, was Anlass zur Weiterentwicklung geboten hat [577]. Diese erfolgte dann aufgrund präklinischer Daten in Kombination mit Lenalidomid in der L-MIND Studie [567][578]. In dieser multizentrischen, offenen, einarmigen Phase-2-Studie wurden Patient*innen über 18 Jahre mit histologisch gesichertem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom rekrutiert, die nach einer vorangegangenen Behandlung mit ein bis drei systemischen Therapien (mit mindestens einer anti-CD20-Therapie) ein Rezidiv oder eine refraktäre Erkrankung hatten, die keine Kandidaten für eine Hochdosischemotherapie und konsolidierende autologe Stammzelltransplantation waren, einen Eastern Cooperative Oncology Group-Performance-Status von 0-2 hatten und bei Studienbeginn eine messbare Erkrankung aufwiesen. Die Patient*innen erhielten Tafasitamab intravenös (12 mg/kg) und orales Lenalidomid (25 mg/Tag) für bis zu 12 Zyklen (je 28 Tage), gefolgt von einer Tafasitamab-Monotherapie (bei Patient*innen mit stabiler Erkrankung oder besser) bis zum Fortschreiten der Erkrankung. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patient*innen mit einem objektiven Ansprechen gemäß den Ansprechkriterien der International Working Group für maligne Lymphome von 2007, also nicht PET-basiert [54]. Zwischen 01.2016 und 11.2017 wurden 156 Patient*innen gescreent, 81 wurden rekrutiert, von denen 80 mindestens eine Dosis von sowohl Tafasitamab als auch Lenalidomid erhielten. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 13,2 Monate und 48 (60%; 95%-KI: 48-71) von 80 auswertbaren Patient*innen hatten ein objektives Ansprechen: 34 (43%; 95%-KI: 32-54) eine komplette Remission und 14 (18%; 95%-KI: 10-28) eine partielle Remission. Die häufigsten behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse ≥ Grad 3 waren Neutropenie (48%), Thrombozytopenie (17%) und febrile Neutropenie (12%), was allein durch die Komedikation mit Lenalidomide erklärbar ist. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten bei 41 (51 %) von 81 Patient*innen auf. Unter den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen waren Lungenentzündung (6%), febrile Neutropenie (6%), und Lungenembolie (4%). Aufgrund der L-MIND Ergebnisse wurde die Zulassung bei der EMA beantragt, es erfolgte im Juni 2021 eine positive Begutachtung und Empfehlung durch das „Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP)“, so dass die Zulassung in 2021 erfolgt ist.
Von großem Interesse sind Überlebensdaten. Auch wenn sich die üblichen Risikofaktoren für Überlebensparameter auch innerhalb der L-MIND Studie wiederfinden, so scheint sich nach etwa 30 Monaten ein Plateau für das PFS und OS in dieser Studie zu bilden [579] [568].
Das mediane PFS betrug 11,6 Monate (95%-KI: 6,3-45,7); und das mediane OS betrug 33,5 Monate (95%-KI: 18,3-NR). In der Subgruppenanalyse hatten Patienten mit CR als bestes objektives Ansprechen bessere Ergebnisse als solche mit PR: 24-Monats-OS-Rate, 90,6% vs. 42,7%. Patienten mit einer vorangegangenen Therapielinie (n=40) hatten einen Trend zu besseren Ergebnissen als diejenigen mit ≥2 vorangegangenen Therapielinien (n=40): medianes PFS 23,5 Monate (95%-KI: 7,4-NR) vs. 7,6 Monate (95%-KI: 2,7-NR) [580].
Viele Faktoren erschweren leider die Beurteilbarkeit der Studie im Kontext alternativer therapeutischer Optionen. Es handelt sich in der L-MIND Studie um ein gemischtes Kollektiv von Patient*innen, das vom ersten bis jenseits des dritten Rezidivs reicht, hingegen refraktäre Patient*innen mit einer Remissionsdauer < 3 Monaten vollständig und Patient*innen mit einer Remissionsdauer < 6 Monaten auf die vorherige Therapie in einem Amendment ausgeschlossen hat, was zur Unterrepräsentation refraktärer Patient*innen und eine Selektion von Patient*innen mit tendenziell günstiger Prognose zur Folge hat. Studien mit einem vergleichbaren Kollektiv von Patient*innen gibt es für alle anderen hier aufgeführten Optionen nicht. Eine Langzeitbeobachtung liegt vor. Nach einer Nachbeobachtungszeit von ≥35 Monaten betrug die objektive Ansprechrate bei 57,5 % (n=46/80), darunter ein komplettes Ansprechen bei 40,0 % der Patient*innen (n=32/80) und ein partielles Ansprechen bei 17,5 der Patient*innen (n=14/80). Die mediane Dauer des Ansprechens betrug 43,9 Monate (95 % Konfidenzintervall [95 % CI]: 26,1 - nicht erreicht), das mediane Gesamtüberleben betrug 33,5 Monate (95% CI: 18,3 - nicht erreicht) und das mediane progressionsfreie Überleben betrug 11,6 Monate (95 % KI: 6,3 - 45,7)[569]. Das Nutzen-Risiko Verhältnis scheint relativ günstig und die Therapie ist ambulant durchführbar, was bei palliativer Therapieintention erwünscht ist. Aktuell sind keine Krankheits- oder Patienten-assoziierten Faktoren bekannt, die die Selektion von Patient*innen in einem positiven oder negativen Sinn begründen könnte.
Für Patient*innen mit Befall in prinzipiell bestrahlbarer Lokalisation, die sich nicht für eine systemische Therapie eignen, soll die Möglichkeit einer lokalen Strahlentherapie angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Entsprechend der Empfehlung der International Lymphoma Radiation Group (ILROG) lassen sich Patient*innen, bei denen eine systemische Therapie aufgrund hohen Alters und/oder relevanter Komorbiditäten nicht möglich ist, zur Palliation einer Strahlentherapie zuführen [581].
8.3.3 Konsolidierende Strahlentherapie
Patient*innen mit einem PET-positiven Restbefall nach systemischer Zweitlinientherapie sollten eine konsolidierende Bestrahlung erhalten.
- Empfehlungsgrad
- B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊝⊝⊝
Gesamtüberleben
⊕⊝⊝⊝Zeit zur Progression
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [256]
Hintergrund:
Retrospektive Analysen von Studien aus der prä-Rituximab und prä-PET Ära haben Hinweise erbracht, dass PatientInnen von einer konsolidierenden Strahlentherapie profitieren können [541][582]. Prospektiv randomisierte Daten existieren zu dieser Frage mit den aktuellen Therapien nicht. Die Empfehlung basiert daher auf den aus der Erstlinientherapie des DLBCL gewonnenen Erkenntnissen (siehe Kapitel 6).
8.4 Therapie des ≥ 2. Rezidivs
Nach Versagen der Erstlinientherapie des DLBCL besteht die Option einer Therapiestrategie in primär kurativer oder in primär palliativer Intention. Tatsächlich können kurativ intendierte Therapien rasch versagen und palliativ intendierte Therapien in Einzelfällen zu sehr langen Remissionen führen. Dies gilt insbesondere jenseits der Zweitlinientherapie. Die Darstellung der Therapieoptionen erfolgt somit nur zur besseren Übersicht nach diesen klinisch relevanten Kategorien. Zur besseren Übersichtlichkeit sind die Empfehlungen in der nachfolgenden Abbildung graphisch dargestellt. Die Kriterien zur Wahl dieser Strategien sind vielfältig und müssen im individuellen Fall abgewogen werden. Für alle Situationen gilt, dass weitere Evidenz zur besseren Beurteilbarkeit der verschiedenen Optionen generiert werden sollte und die Behandlung der Patient*innen im Rahmen klinischer Studien hierfür geeignet ist. Alternativ kann auch durch die Dokumentation der Regelversorgung in Registern Evidenz gewonnen werden.
1 Es gibt keine validierte Methode, um die Eignung für HDCT (Hochdosis-Chemotherapie) festzustellen. Die mit HDCT assoziierte Mortalität kann mit HCT-CI (Hematopoietic Cell Transplantation-specific Comorbidity Index) festgestellt werden [Berro et al. 2017].
2 Definiert als Rückfall oder Fortschreiten der Krankheit innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der Erstlinientherapie.
3 Es gibt keinen direkten Vergleich der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten. Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung ist bei Festlegung der Indikation notwendig. Der Einsatz von verschiedenen CAR T-Zell Behandlungen hängt vom Zulassungsstatus ab.
4 Patient*innen mit einem PET-positiven Restbefall nach systemischer Zweitlinientherapie erhalten eine konsolidierende Bestrahlung.
5 Ansprechen ist definiert als komplette oder partielle metabolische Remission, entsprechend den Lugano-Kriterien.
6 Bei Chemotherapie-sensitiver Erkrankung besteht die Option zur Konsolidierung mit autologer oder allogener Stammzelltransplantation.
7 In der Drittlinie und späteren Linien ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Bewertung notwendig, diese beeinflusst die Reihenfolge der Behandlungsempfehlungen.
ABPSCT = autologe periphere Blutstammzelltransplantation; Anti-CD19 CAR T-cell-T = gegen CD19 gerichtete CAR (chimärer Antigenrezeptor) T-Zelltherapie; FU = Follow-up; HDCT = Hochdosis-Chemotherapie; Pola-BR = Polatuzumab vedotin, Bendamustin, Rituximab; R-Gem-Ox = Rituximab, Gemcitabin, Oxaliplatin; Tafa-Len = Tafasitamab, Lenalidomid
8.4.1 Therapie des ≥ 2. Rezidivs in primär kurativer Intention
Die im Folgenden diskutierten Therapieoptionen wurden bisher nicht direkt gegeneinander oder gegen einen gemeinsamen Standardarm getestet, weshalb definitive Aussagen zur relativen Wirksamkeit nicht möglich sind. Im klinischen Alltag sind deshalb bei der Indikationsstellung verschiedene Patienten- und Krankheitsabhängige Faktoren individuell abzuwägen.
Bei primär kurativer Therapieintention soll bei Patient*innen im ≥ 2. Rezidiv oder Progress eines DLBCL eine CAR T-Zelltherapie durchgeführt werden, falls diese nicht in der Zweitlinientherapie erfolgt ist.
- Konsens
- Starker Konsens
CAR (chimärer Antigen Rezeptor) T-Zell Produkte sind mit Phase II Studien zugelassen worden. Eine prospektiv randomisierte Studie mit einem Standardtherapiearm nach Versagen von mindestens zwei systemischen Vortherapien war zum Zeitpunkt der Zulassungsstudien aufgrund des Fehlens einer Standardtherapie nicht möglich. Es sind aktuell (Stand Q3/2022) drei Produkte in Deutschland in der Klinik verfügbar, Tisagenlecleucel (Tisa-cel), Axicabtagen Ciloleucel (Axi-cel) und Lisocabtagen Maraleucel (Liso-cel). Der Aufbau der beiden CAR Konstrukte ist unterschiedlich. Sie nutzen unterschiedliche transmembranäre oder kostimulatorische Domänen (4-1BB für Tisa-cel und CD28 für Axi-cel), was biologisch und klinisch relevant sein kann. Präklinische Daten zeigen auf der einen Seite, dass 4-1BB im Vergleich zu CD28 zu einer geringeren Erschöpfung der CAR T-Zellen führt [583]. Auf der anderen Seite scheinen CAR T-Zellen mit CD28 als kostimulatorischer Domäne bei geringer Antigenexpression auf Tumorzellen mindestens in vitro besser zu wirken als CAR T-Zellen, welche 4-1BB basiert sind [584]. Liso-cel nutzt als einziges der drei Präparate eine definierte CD4 zu CD8 Ratio (1:1) im Produkt. Die Verhältnisse bei der Anwendung im Menschen sind komplex und unverstanden, so dass die Ergebnisse der klinischen Studien nicht hinreichend durch die präklinischen Untersuchungen und Erkenntnisse erklärt werden können. Es gibt für detailliertere Informationen zu diesen Produkten zahlreiche Reviews, weshalb wir uns an dieser Stelle auf die klinischen Daten fokussieren [585][586].
In den zulassungsrelevanten Phase-II Studien JULIET (Tisagenlecleucel) und ZUMA-1 (Axicabtagen Ciloleucel) wurden insgesamt 115 bzw. 111 Patient*innen mit DLBCL, tFL oder PMBL (nur ZUMA-1 Studie) behandelt [407][587]. In beiden Studien zeigte sich ein deutliches Therapieansprechen mit einer Gesamtansprechrate (komplette und partielle Remissionen) von 59% respektive 82% und einer kompletten Remissionsrate von 43% respektive 49% bei Patient*innen mit DLBCL in der dritten oder höheren Therapielinie. Im indirekten Vergleich hierzu liegt bei Patient*innen mit r/r DLBCL bereits in der Zweitlinientherapie mit konventioneller Immunchemotherapie das Gesamtansprechen bei lediglich 26% und die Rate an kompletten Ansprechen bei 7% [588]. Diese indirekten Vergleiche sind mit großer Vorsicht zu interpretieren. Der Unterschied in der Rate kompletter Remissionen ist jedoch so groß, dass er wahrscheinlich klinisch relevant ist. Es ist auch zu konstatieren, dass die CR Rate nur ein Surrogatparameter für die klinisch relevanten Überlebensendpunkte PFS und OS ist. Diesbezüglich sind Langzeitdaten mit einer mittleren Nachbeobachtung von mindestens 3 Jahren bisher leider nur als Abstrakt publiziert [589][590]. In der ZUMA-1 Studie (medianes FU, 39.1 Monate), betrug das mediane OS in der Population aller behandelten Patient*innen (101/111) 25,8 Monate und die geschätzte 4-Jahres OS Rate lag bei 44% [590]. In der JULIET Studie betrug das mediane OS aller behandelten Patient*innen (115/164) 11,1 Monate. Nach 36 Monaten betrug die OS Rate 36%. Unter den Patient*innen mit einer CR an Monat 6 (34/115) konnten 86% diese Remission noch nach 36 Monaten halten.
Die Daten zeigen insgesamt das Potential dieser Therapieform, eine komplette Remission bei Patient*innen mit DLBCL auch in der dritten und höheren Therapielinie zu erzielen und langfristig zu erhalten, andererseits aber auch, dass die Mehrzahl der Patient*innen nicht dauerhaft hiervon profitiert. Es ist auch zu beachten, dass die Zahl der behandelten Patient*innen nicht der Zahl der eingeschlossenen Patient*innen entspricht. Der Unterscheid ist insbesondere in der JULIET Studie von Tisagenlecleucel groß. Ein Selektionsbias erscheint jedoch auch in der ZUMA-1 Studie durch die in dieser Studie angewendete fixe Slotvergabe möglich.
Quantitative, nicht jedoch qualitative Unterschiede der Produkte im Nebenwirkungsspektrum deuten sich im indirekten Vergleich an. CRS (Cytokine Release Syndrome) und ICANS (Immune effector Cell-Associated Neurotoxicity Syndrome) stehen für beide Konstrukte im Vordergrund [407][587]. Ein direkter Vergleich der CRS und ICANS Raten ist nicht möglich, da unterschiedliche Klassifikationen zur Einteilung herangezogen wurden. Während in der JULIET Studie ein CRS ≥ Grad 3 in 22% der Patienten bzw. ein ICANS ≥ Grad 3 in 12% der Patient*innen berichtet wurde, lag in der ZUMA-1 Studie die Rate des CRS ≥ Grad 3 bei 13% bzw. die Rate des ICANS ≥ Grad 3 bei 21%. In der ZUMA-1 Studie kam es zu einem Todesfall aufgrund eines Hämophagozytose-Syndroms. Die real-world Daten zu Tisagenlecleucel aus den USA, welche in 47 Patient*innen aus 26 Zentren erhoben wurden, zeigen sowohl für das CRS als auch ICAN ≥ Grad 3 eine Rate von je 4,3%. Dem gegenüber stehen die ebenfalls in den USA erhobenen real-world Daten zu Axi-cel, welche in 76 Patient*innen erhoben wurden. Hier zeigte sich in 17% ein CRS ≥ Grad 3 bzw. in 38% ein ICANS ≥ Grad 3. Berichtet wurden außerdem zwei CRS bedingte Todesfälle und ein ICANS bedingter Todesfall [590][591]. Im Hinblick auf die befürchtete, dauerhafte B-Zell Aplasie durch die Eliminierung der gesunden B-Zellen nach Behandlung mit anti-CD19 CAR T-Zellen geben Langzeitdaten zu Axi-cel und Tisa-cel keinen Anlass zu der Annahme, dass hierdurch häufig sehr schwere Nebenwirkungen entstehen. Bei den Patient*innen mit einem dauerhaften Ansprechen zeigen sich bisher kaum relevante Nebenwirkungen durch eine B-Zell Aplasie, wobei auch hier nur Informationen in Form von Abstracts vorliegen und Volltextpublikationen abgewartet werden sollten [589][590]. Zusammengefasst zeigt sich nach Behandlung mit anti-CD19 gerichteten CAR T-Zellen ein überwiegend sehr gut kontrollierbares spezifisches Nebenwirkungsspektrum mit einer allenfalls sehr geringen Therapie-assoziierten Mortalität und mittelfristig bereits auch relativ geringen Therapie-assoziierten Morbidität. Aus diesem Grund gilt das Nutzen-Risikoverhältnis eher als günstig, wobei ausstehende Langzeitdaten noch keine abschließende Beurteilung erlauben.
Liso-cel wurde in einer sehr großen Phase I/II Studie evaluiert, bei der 344 Patient*innen gescreent wurden und 269 Patient*innen mindestens eine Dosis Liso-cel erhalten haben. Die Patient*innen hatten im Median drei vorangegangene systemische Behandlungen erhalten, wobei 260 (97 %) Patient*innen mindestens zwei Behandlungslinien erhalten hatten. 112 (42 %) der Patient*innen waren 65 Jahre oder älter, 181 (67 %) hatten eine chemotherapierefraktäre Erkrankung, und sieben (3 %) hatten eine sekundäre ZNS-Beteiligung. Die mediane Nachbeobachtungszeit für das Gesamtüberleben aller 344 Patient*innen, die eine Leukapherese erhielten, betrug 18,8 Monate. Die empfohlene Dosis betrug 100 × 106 CAR+ T-Zellen (50 × 106 CD8+ und 50 × 106 CD4+ CAR+ T-Zellen). Von 256 Patient*innen, die in die Gruppe der für die Wirksamkeit auswertbaren Patient*innen aufgenommen wurden, erreichten 186 (73 %, 95 % CI 66-8-78-0) ein objektives Ansprechen und 136 (53 %, 46-8-59-4) eine komplette Remission. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse vom Grad 3 oder höher waren hämatologischer Natur: Neutropenie bei 161 (60%) Patient*innen, Anämie bei 101 (37%) und Thrombozytopenie bei 72 (27%). Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) und neurologische Ereignisse (NE) traten bei 113 (42 %) bzw. 80 (30 %) Patient*innen auf; CRS und NE Grad 3 oder höher traten bei sechs (2 %) bzw. 27 (10 %) Patient*innen auf. Neun (6 %) Patient*innen hatten eine dosislimitierende Toxizität, darunter ein Patient, der nach einer Dosis von 50 × 106 CAR+ T-Zellen an einer diffusen Alveolarschädigung starb.
Eine Priorisierung der zugelassenen Produkte ist nicht möglich, da kein direkter Vergleich vorliegt und der indirekte Vergleich aufgrund unterschiedlicher Ein- und Ausschlusskriterien und unterschiedlicher Klassifikationssysteme für die Erfassung und Therapie von CAR-spezifischen Nebenwirkungen nicht möglich ist. Die Indikation muss individuell gestellt werden. Die Anwendung kann in Deutschland nur durch ein durch die Hersteller zertifiziertes Zentrum erfolgen. Die Anwendung in diesen Zentren ist überdies durch einen Kriterienkatalog des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) reglementiert. Die Indikationsstellung wird durch einen Indikationskriterienkatalog, der vom Kompetenzzentrum Onkologie (KCO) des Medizinischen Dienst der Kassen erstellt wurde, begleitet. Der Indikationskriterienkatalog ist nicht rechtswirksam, sondern dient den behandelnden Zentren als Anhalt für mögliche Regressforderungen durch die Krankenkassen.
Die zugelassenen Produkte sind für erwachsene Patient*innen mit rezidiviertem oder refraktärem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom nach zwei oder mehr Linien einer systemischen Therapie zugelassen. Aufgrund des unterschiedlicher Ein- und Ausschlusskriterien umfasst die FDA- und EMA-Zulassung von Axicabtagen Ciloleucel und Lisocabtagen Maraleucel auch die Behandlung von Patient*innen mit PMBL sowie mit transformiertem follikulärem Lymphom nach Rezidiv oder refraktärem Krankheitsverlauf nach mindestens zwei Linien Chemoimmuntherapie. Dementsprechend ist das Label bei der Indikationsstellung zu berücksichtigen.
Die Selektion von Patient*innen, die sich für diese Therapie mehr oder weniger eignen, kann nicht gut begründet werden. In beiden Zulassungsstudien haben die aus der Chemotherapie bekannten und etablierten Risikofaktoren keine Prädiktion auf das Ansprechen zugelassen. Dies gilt insbesondere für das Alter mit einem Grenzwert von 60 Jahren sowie die genetisch determinierten COO Subgruppen (GCB und non-GCB) oder Risikofaktoren („double hit lymphoma“). Auch Chemotherapie-refraktäre Patient*innen können durch CAR T-Zelltherapie eine komplette Remission erreichen. Im weiteren Verlauf wurde für beide Produkte eine erhöhte LDH, die bereits als Risikofaktor aus dem IPI bekannt ist, als relevanter Risikofaktor beschrieben, ohne dass ein Therapieansprechen hierdurch ausgeschlossen und eine Selektion ermöglicht würde [589].
Insgesamt gibt es für dieses Therapieprinzip im Vergleich zu anderen Optionen in dieser klinischen Situation die meisten Daten aus prospektiv kontrollierten Studien, weshalb die Empfehlung zur Evaluation dieser Therapie relativ gut begründet ist. Krankheits-assoziierte Risikofaktoren für das Versagen der CAR T-Zelltherapie sind auch für alle anderen Therapieoptionen relevante Risikofaktoren, so dass die bekannten Risikofaktoren in der Abwägung verschiedener Therapieoptionen keinen Anhalt bieten. Klinisch relevante Unterschiede bestehen hinsichtlich der Verträglichkeit der verschiedenen Optionen. Bei kurativem Therapieziel ist hier insbesondere die allogene Stammzelltransplantation zu diskutieren.
Unabhängig von diesen Überlegungen ist durch die positiven ZUMA-7 und TRANSFORM Studien bereits in der Zweitlinientherapie die CAR T-Zelltherapie bei Hochdosis-fähigen Patient*innen indiziert. Sollte eine gegen CD19 gerichtetet CAR T-Zelltherapie bereits in der Zweitlinientherapie durchgeführt worden sein, so gibt es keine belastbaren Daten für den Stellenwert der Wiederholung dieses Therapieprinzips.
Bei primär kurativer Therapieintention für Patient*innen im ≥ 2. Rezidiv oder Progress eines DLBCL und nach erfolgter CAR T- oder nicht durchführbarer CAR T-Zelltherapie soll die Möglichkeit einer allogenen Stammzelltransplantation angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Daten zur allogenen Stammzelltransplantation (alloSZT) in der dritten oder höheren Therapielinie im Hinblick auf Sicherheit und Effektivität im Vergleich zu einer Standardtherapie aus prospektiv randomisierten Studien existieren nicht. Dieser Umstand ist der Tatsache geschuldet, dass es bis zur Zulassung der CAR T-Zelltherapie in dieser Situation keine Standardtherapie gab. Es gibt Daten aus einer einzigen prospektiv randomisierten, kontrollierten Studie [592]. Daten dieser Studie sind ein wichtiger Teil der Grundlage des GBA-Beschlusses „Allogene Stammzelltransplantation (SZT) bei aggressiven B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen (B-Zell-NHL) Stand: 19. Dezember 2019“. Die Randomisierung betraf ausschließlich die Hinzunahme von Rituximab in die Therapiestrategie, so dass auch in dieser Studie kein Arm ohne alloSZT enthalten ist. Insgesamt wurden 84 Patient*innen in dieser DSHNHL R3 Studie behandelt, von denen 61 ein B-Zell NHL hatten. Es wurde eine myeloablative Konditionierung verwendet. Die hohe Inzidenz an akuter GvHD (graft versus host disease) während der laufenden Studie erforderte ein Amendement, mit dem ATG (Anti-Thymozytem Globulin) zur aGvHD Prophylaxe eingeführt wurde. Alle Patienten hatten zumindest 3 Therapielinien erhalten (Median 4), etwa die Hälfte eine autologe SZT. Kein*e Patient*in in dieser Studie war älter als 60 Jahre. Als ein relativ homogenes Subkollektiv kann die Kohorte von DLBCL mit Rezidiv nach autoSZT gelten, auch wenn deren Gesamtzahl eher klein ist (n=38, von denen n=22 ein Rezidiv nach autoSZT innerhalb von 12 Monaten hatten und somit als refraktär gelten). Die Auswertung dieser 38 DLBCL Patient*innen nach autoSZT erbrachte folgende Ergebnisse, die die Wirksamkeit in etwa abschätzen lassen: Das Gesamtüberleben betrug nach 1 Jahr: 50% [33; 65] und nach 5 Jahren 34% [20; 49]. Das mediane Überleben lag bei 15,2 Monaten [6,5; 41,3], was auch durch die frühe „non-relapse mortality“ (NRM, im Wesentlichen Therapie-assoziierte Mortalität) zu erklären ist. So betrug die NRM ohne ATG 1 Jahr nach alloSZT 57% (95%-KI: 42–73), wohingegen sie bei den Patient*innen mit ATG bei nur 10% (95%-KI: 4–25, n= 44) lag. Risikofaktoren innerhalb dieser Studie für das Therapieversagen war die Länge des Intervalls zwischen der auto- und alloSZT und das vorherige Ansprechen auf Chemotherapie („Chemo-Sensitivität“). Es ist auch zu beachten, dass das Alter per se, also unabhängig von Komorbiditäten, ein Risikofaktor für NRM bei der alloSZT in dieser Indikation ist [593]. Zudem ist der Allgemeinzustand als Risikofaktor beschrieben. Grundsätzlich wurde das kurative Potential der alloSZT in dieser Indikation in einer großen US amerikanischen Registeranalyse in ähnlichem Ausmaß beschrieben [594]. Die alloSZT kann somit ausgewählten Patient*innen mit aggressiven B-NHL und einem Rezidiv nach autologer SZT oder nach mehr als 2 systemischen Vortherapien eine potenziell kurative Behandlungsoption bieten, wobei das Nutzen-Risiko Verhältnis unter der Annahme eines andernfalls rasch fatalen Verlaufs akzeptabel erscheint [595]. Bei der Indikationsstellung sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Das kurative Potential der alloSZT wurde in der DSHNHL R3 Studie für eine myeloablative Konditionierung beschrieben. Die Evidenz für den Nutzen der alternativen nicht-myeloablative Konditionierung (reduced intensity conditioning, RIC) in diesem Kollektiv ist nur aus Registeranalysen zu evaluieren. Eine EBMT Analyse hat für die RIC ähnliche Ergebnisse wir für die myeloablative Konditionierung gezeigt, die jedoch den Ergebnissen der autoSZT unterlegen waren [596]. In dieser EBMT Analyse waren jedoch Risikofaktoren in den Gruppen ungleich verteilt, so dass daraus keine allgemeinen Empfehlungen abgeleitet werden sollten. Hinsichtlich der Konditionierung ist die RIC eine Option bei alloSZT, die insbesondere bei älteren und komorbiden Patienten erwogen werden muss. Es gibt unterschiedliche Schemata. In retrospektiven Registeranalysen scheint Fludarabin in Kombination mit intravenösem Busulfan (6,4 mg/kg) insgesamt eine relative gute Lymphomkontrolle und geringe non-relapse mortality (NRM) Rate zu zeigen, wobei zahlreiche andere Schemata in klinischer Anwendung sind (zum Beispiel Fludarabine-Melphalan (Flu-Mel140), Fludarabine-Cyclophosphamid (Flu-Cy) mit oder ohne 2 Gy Ganzkörperbestrahlung (TBI). Es ist jedoch mit einer NRM nach 3 Jahren zwischen 20% und 40% zu rechnen [597]. Ein wesentlicher Faktor ist neben dem Alter der Patient*innen auch das Vorliegen von Begleiterkrankungen, die mittels HCT-CI evaluiert und in die Indikationsstellung einbezogen werden sollten [598][599][600].
Bei einem kurativen Potential der alloSZT, das im indirekten Vergleich in der Drittlinientherapie ähnlich zu dem der CAR T-Zelltherapie zu bewerten ist, sollte die Inzidenz von Langzeitfolgen wie chronischer GVHD in die Indikationsstellung einbezogen werden. In der DSHNHL-R3 Studie lag die kumulative Inzidenz einer ausgedehnten chronischen Graft-versus-Host-Erkrankung (extensive cGVHD) nach 3 Jahren bei 41% (95%-KI 30-52) in der Gruppe ohne Rituximab und 33 % (20-46) in der Rituximab-Gruppe (HR 0.91, 95%-KI 0.52-1.60; log-rank p=0.28). Somit ist dies eine sehr häufige langfristige Nebenwirkung, die in dieser Art bei der CAR T-Zelltherapie nicht existiert. Chronische GVHD ist sowohl mit Multimorbidität als auch mit eingeschränkter Lebensqualität vergesellschaftet und somit als sehr schwerwiegende Nebenwirkung zu beurteilen [601].[601]Ähnliche schwerwiegende Ereignisse sind in den CAR T-Zellstudien bisher nicht beschrieben.
Für Patient*innen im ≥ 2. Rezidiv oder Progress eines DLBCL und bei primär kurativer Therapieintention soll bei Hochdosistherapie-fähigen Patient*innen die Möglichkeit einer weiteren konventionellen Immunchemotherapie zur Remissionsinduktion angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Für Hochdosistherapie-fähige Patient*innen sollte bei Erreichen einer partiellen oder kompletten metabolischen Remission des DLBCL durch eine konventionelle Immunchemotherapie auch jenseits der Zweitlinientherapie eine konsolidierende Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Die Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation (autoSZT) hat bei Chemotherapie-sensitiver Erkrankung ein kuratives Potential. Das Versagen einer Zweitlinien Salvage-Therapie kann durch eine weitere Salvage-Therapie in manchen Fällen überkommen werden. Ist dies der Fall, kann die konsolidierende Hochdosischemotherapie langfristige Remissionen ermöglichen. Daten, die diese Annahme unterstützen, kommen aus einer retrospektiven Analyse der CORAL Studie [558]. In der Intent-to-treat-Analyse der Patienten ohne Ansprechen auf die erste Salvage Therapie lag die Gesamtansprechrate auf die Drittlinien-Chemotherapie (entsprechend der zweiten Salvage Therapie) bei 39 %, wobei 27 % eine CR oder unbestätigte CR und 12 % eine PR aufwiesen. Von den 203 Patient*innen wurden schließlich 64 (31,5 %) transplantiert (autoSZT 56, alloSZT 8). Das mediane Gesamtüberleben (OS) der gesamten Population betrug 4,4 Monate. Das OS verbesserte sich signifikant bei Patient*innen mit einem niedrigeren tertiären International Prognostic Index (IPI), bei Patient*innen, die auf eine Drittlinienbehandlung ansprachen, und bei transplantierten Patient*innen mit einem 1-Jahres-OS von 41,6 % im Vergleich zu 16,3 % bei den nicht transplantierten Patient*innen (P<0,0001). In der multivariaten Analyse sagten IPI bei Rückfall (Hazard Ratio (HR) 2,409) und Transplantation (HR 0,375) unabhängig voneinander das Gesamtüberleben voraus. Die Relevanz dieser Studie für heutige Therapieentscheidungen ist jedoch unklar, da mehr als ein Drittel aller Patient*innen in der CORAL Studie in der Erstlinientherapie keine kombinierte Immunchemotherapie mit Rituximab erhalten hatten. Nach der heute bei allen Patient*innen angewendeten kombinierten R-CHOP basierten Erstlinientherapie sind die Rezidive jedoch erheblich schwieriger zu behandeln und daher der Salvagetherapie-Wechsel wahrscheinlich nicht mehr vergleichbar effektiv. Hingegen sind verfügbare alternative therapeutische Optionen tendenziell weniger effektiv, je später im Verlauf sie eingesetzt werden. Die Frage des Salvage-Wechsels und der Hochdosistherapie mit autoSZT bei refraktären Patient*innen ist klinisch nicht sehr relevant, da in der Vorbereitung auf eine alternative Drittlinientherapie mit alloSZT oder CAR T-Zellen bei unzureichendem Ansprechen auf die erste Salvage Therapie eine Bridging Therapie erfolgen muss. Diese Bridging Therapie ist in der Regel eine zweite Salvage Therapie, so dass den Patient*innen in jedem Fall die Chance eines Ansprechens auf eine erneute Salvage Therapie ermöglicht und eine Konsolidierung dieses Ansprechens in jedem Fall erfolgen wird.
8.4.2 Therapie des ≥ 2. Rezidivs in primär palliativer Intention oder zur Remissionsinduktion vor einer geplanten Therapie in kurativer Intention („Bridging“)
In diesen Therapiesituationen gibt es viele Optionen, die konventionelle Immunchemotherapie, „antibody-drug conjugates“ (ADC), Antikörper und zielgerichtete Substanzen („small molecules“) umfassen. Da es keine vergleichenden Studien mit einer gemeinsamen Standardtherapie gibt, sind Aussagen zur relativen Wirksamkeit der verschiedenen Optionen mit großer Unsicherheit behaftet. Im klinischen Alltag müssen deshalb bei der Indikationsstellung verschiedene Patienten- und Krankheitsabhängige Faktoren individuell abgewogen werden. Ziel einer systemischen Therapie des DLBCL in palliativer Intention ist die Remissionsinduktion zur Kontrolle oder Minderung Krankheits-bedingter Beschwerden. In der palliativen Situation erscheint es oft angemessen, eine Therapie mit einer möglichst geringen Belastung der Patient*innen zu wählen. Ziel einer systemischen Therapie des DLBCL zur Remissionsinduktion vor einer geplanten Therapie in kurativer Intention ist die Überbrückung der Wartezeit bis zur Durchführung der geplanten Therapie („Bridging“). Sowohl die CAR T-Zelltherapie als auch die allogene SZT benötigen in der klinischen Praxis oft mehrere Wochen bis zur Anwendbarkeit. Diese Zeit muss möglichst ohne weiteren Progress der Grunderkrankung gestaltet werden, um das Potential der kurativ intendierten Therapie voll auszuschöpfen. In dieser Indikation ist das Potential zur Remissionsinduktion relativ zur Verträglichkeit tendenziell höher zu bewerten.
Für Patient*innen im ≥ 2. Rezidiv oder Progress eines DLBCL und bei primär palliativer Therapieintention oder zur Remissionsinduktion vor einer geplanten Therapie in kurativer Intention („Bridging“) soll eine Therapie mit
- Polatuzumab in Kombination mit Bendamustin und Rituximab oder
- Tafasitamab und Lenalidomid oder
- einer konventionellen Immunchemotherapie oder
- zielgerichteten Substanzen oder
- einer Bestrahlung
angeboten werden.
CAVE: Beim off-label use von zielgerichteten Substanzen ist die Kostenübernahme nicht gesichert.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Grundsätzlich sind keine prospektiv vergleichenden Studien zu den verschiedenen Therapiepotionen verfügbar, so dass für jede*n Patient*in das Nutzen-Risiko Verhältnis aller Optionen individuell abzuwägen ist.
Die Datenlage zu Polatuzumab Vedotin in Kombination mit Bendamustin und Rituximab, sowie für Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid ist in der Zweitlinientherapie beschrieben und diskutiert (siehe Kapitel 8.3.2).
Die Indikation zu einer erneuten Immunchemotherapie ist vor allem von der Art der Vortherapien und der Dauer der letzten Remission abhängig. Es gibt keine Hinweise, dass eine Polychemotherapie in einer palliativen Therapiesituation einen Vorteil hinsichtlich Überlebensendpunkten oder Lebensqualitätsaspekten gegenüber einer Monotherapie, jeweils in Kombination mit einem CD20 Antikörper, hat. Polychemotherapien sind jedoch regelhaft toxischer als Monotherapien, so dass die Indikation für eine Polychemotherapie mit Blick auf das palliative Therapieziel in der Regel kritisch zu stellen ist.
Es gibt zahlreiche verfügbare geno- und zytotoxische Medikamente, die hier nicht alle diskutiert werden können. Unterschiede liegen in der Applikationsform (intravenös zum Beispiel Pixantrone, Gemcitabin, Bendamustin oder oral zum Beispiel Etoposid oder Trofosfamid), und vor allem dem Nebenwirkungsspektrum. Die Indikation für einen bestimmten Wirkstoff wird durch viele Faktoren beeinflusst. Sie richtet sich in der Regel nach den bereits stattgehabten Therapien, um erfolglose Wiederholungen zu vermeiden, nach bestehenden Komorbiditäten, deren Verschlechterung durch bekannte Nebenwirkungen zu erwarten wäre, und nach Alter, Allgemeinzustand und zu erwartender Überlebenszeit, um die Therapieintensität an diese Gegebenheiten anzupassen. In der größten Studie wurde die Kombination von Pixantrone und Rituximab gegen Gemcitabin und Rituximab prospektiv randomisiert geprüft [602]. Diese Arbeit bietet einen Anhalt, welche Ergebnisse mit diesem palliativen Ansatz zu erwarten sind. Insgesamt wurden 312 Patient*innen randomisiert (mittleres Alter 73 Jahre). Das mediane PFS betrug 7,3 Monate mit Pixantron + Rituximab (PIX + R) und 6,3 Monate mit Gemcitabin + Rituximab. Das mediane OS betrug 13,3 Monate mit PIX + R und 19,6 Monate mit GEM + R. Die ORR betrug 61,9% bzw. 43,9% und die CR-Rate 35,5% bzw. 21,7%. Bendamustin in der Kombination mit Rituximab erscheint im indirekten Vergleich etwas weniger effektiv [572]. In einer Phase II Studie betrug die ORR 45,8% (CR Rate 15,3%, PR Rate 30,5%). Das mediane PFS lag bei 3,6 Monaten. Zu den hämatologischen Toxizitäten der Grade 3 oder 4 gehörten Neutropenie (36 %), Leukopenie (29 %), Thrombozytopenie (22 %) und Anämie (12 %). Die Toxizität ist abhängig von der Dosierung, die hier bei 120 mg/m²/d an 2 Tagen lag. Die Möglichkeit einer geringeren Dosierung von 90 mg/m²/d ist in palliativer Intention zu bedenken.
Insbesondere bei Chemotherapie-refraktären Patient*innen ist die Anwendung einer erneuten Immunchemotherapie auch bei Substanzklassenwechsel in der Regel erfolglos. Die CR Rate in dieser Situation liegt deutlich unter 10% [588]. Insofern wären grundsätzlich von der konventionell genotoxischen Chemotherapie unterschiedliche Therapieansätze eine wünschenswerte Option. Das molekulare Verständnis des DLBCL hat neben prognostischen Faktoren (zum Beispiel double hit DLBCL, s. Kapitel 5) auch potentiell prädiktive Faktoren für zielgerichtete Substanzen identifiziert. Hierbei handelt es sich jedoch um ein sehr aktives Forschungsfeld, welches hier nur kursorisch abgebildet werden kann.
Ein wichtiges molekular identifiziertes Ziel ist die onkogene Aktivierung des B-Zell-Rezeptor (BCR) Signalweges. Der ABC-COO Subtyp des DLBCL erwirbt selektiv Mutationen, die eine chronisch aktive BCR-Signalübertragung zur Folge haben. Ibrutinib, ein Inhibitor der BCR-Signalübertragung, hat in einer klinischen Phase 1/2 Studie, an der 80 Patient*innen mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL teilnahmen, bei 37% (14/38) der Patient*innen mit ABC-DLBCL zu einem vollständigen oder teilweisen Ansprechen geführt, aber nur bei 5% (1/20) der Patienten mit GCB-DLBCL (P = 0,0106)[589]. ABC-type DLBCL mit Mutationen in CD79A/B sprachen häufig auf Ibrutinib an (5/9; 55,5%), insbesondere solche mit gleichzeitigen MYD88 Mutation (4/5; 80 %), was sich durch die Kooperation zwischen den BCR- und toll-like Rezptor-Signalwegen vereinbar ist. Absolut die meisten Remissionen traten jedoch bei ABC-DLBCL auf, die keine BCR-Mutationen aufwiesen (9/29; 31 %), was darauf hindeutet, dass die onkogene BCR-Signalübertragung bei ABC keine BCR-Mutationen erfordert und durch nicht genetische Mechanismen ausgelöst werden kann. Die Verträglichkeit von Ibrutinib in dieser Studie unterschied sich nicht von dem bekannten Verträglichkeitsprofil aus dem zugelassenen Bereich, so dass für selektionierte ABC oder non-GCB DLBCL Patienten Ibrutinib eine gute Option zur Remissionsinduktion sein kein. Die Remissionen sind in der Regel nicht dauerhaft und sind von weiteren Maßnahmen zu konsolidieren. Ibrutinib ist in dieser Indikation nicht zugelassen (off-label use), so dass die Kostenübernahme nicht gesichert ist.
Ebenfalls tendenziell beim non-GCB DLCBL etwas wirksamer als beim GCB-type scheint Lenalidomid zu sein. In einer randomisierten Studie erhielten 102 DLBCL-Patient*innen (nach IHC: non-GCB, n = 54; GCB, n = 48) erhielten 1 Dosis Lenalidomid oder eine Therapie nach Maßgabe des Behandlers („investigator´s choice“, IC) [603]. Insgesamt hatten Lenalidomid-behandelte Patient*innen eine ORR von 27,5 % gegenüber 11,8 % bei IC (die ORRs waren unabhängig vom IHC-definierten DLBCL-Subtyp ähnlich). Das mediane PFS war bei Patient*innen, die Lenalidomid (13,6 Wochen) im Vergleich zu IC (7,9 Wochen; P = 0,041) länger. Im Gegensatz zur BTK Inhibition mit Ibrutinib ist Lenalidomid bei GCB-type DLBCL nicht wirkungslos. Für die Kombination von Lenalidomid und Ibrutinib wurden bei non-GCB DLBCL Patient*innen ebenfalls Ansprechraten im oben genannten Bereich berichtet [604]. Lenalidomid ist in dieser Indikation nicht zugelassen (off-label use), so dass die Kostenübernahme nicht gesichert ist. Durch die Zulassung von Lenalidomid in Kombination mit Tafasitamb in frühere Linien, wird es selten zu der Fragestellung kommen, Lenalidomid als single agent in dieser späten Linein kommen.
Unabhängig vom der COO ist die Blockade des nukleären Exports ein neues Wirkprinzip, bei dem das Exportin1-Protein (XP01) inhibiert wird. Der oral verfügbare Inhibitor Selinexor bindet an XP01 und stoppt blockiert somit den Export von Tumorsuppressoren aus dem Zellkern [605]. Selinexor ist durch die FDA seit 2021 für das rezidivierte oder refraktäre DLBCL zugelassen. Die FDA Zulassung basiert auf der SADAL Studie, einer multizentrischen, einarmigen, offenen Studie bei Patient*innen mit DLBCL, die zuvor 2 bis 5 Therapien erhalten hatten. An der Studie nahmen 134 Patient*innen teil, die wöchentlich 60 mg Selinexor erhielten [588]. Die wichtigsten Endpunkte waren die Gesamtansprechrate (ORR) und die Dauer des Ansprechens. Die ORR für die Behandlung betrug 29%, wobei 13% der Patienten eine CR erreichten. Von den 39 Patient*innen, die zumindest eine PR erreichten, hielten 38% die Dauer des Ansprechens mindestens 6 Monate lang aufrecht, und 15% hatten eine Dauer von mindestens 12 Monaten. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind bei DLBCL Patienten Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Verstopfung, Erbrechen und Pyrexie. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei fast der Hälfte aller Patietn*innen auf (46%), am häufigsten waren dies Infektionen. Selinexor ist aktuell nicht (Stand 01/2022 ) durch die EMA zugelassen (off-label use), so dass die Kostenübernahme nicht gesichert ist.
Die Überlegung, bei ausgewählten Patient*innen mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL eine Strahlentherapie (RT) als Teil des Salvage-Programms in Betracht zu ziehen, stützt sich auf Daten zu den Rückfallmustern und auf retrospektive Serien, die eine verbesserte lokale Kontrolle und bessere klinische Ergebnisse bei Patient*innen zeigen, die eine RT im Rahmen einer autoSZT erhalten haben. Bei Patient*innen, die für eine Transplantation nicht in Frage kommen, kann die RT eine wirksame Linderung von Lymphom-bedingten Beschwerden bewirken, wenn die rezidivierte/refraktäre Erkrankung lokalisiert ist. Es wurden in einer größeren retrospektiven Arbeit 370 Anwendungen palliativer RT bei 217 Patient*innen ermittelt. Die Analyse dieser RT zeigte ein klinisches und/oder radiologisches Ansprechen bei 230 (83%) der 276 Behandlungen. Die lokale Kontrolle nach palliativer RT betrug nach 6 Monaten 66,7 %. Das Ansprechen auf eine Erstlinien-Chemotherapie und eine geringere Läsionsgröße waren mit besseren lokalen Progressionsraten verbunden (HR, 0,2; P < .001 bzw. HR, 0,5; P = .020). Die Faktoren der RT-Dosisfraktionierung waren in keiner Analyse signifikant. Die Strahlentherapie kann somit als eine geeignete Methode zur lokalen Krankheitskontrolle in palliativer Situation gelten.
Evidenztabellen
CAR T-Zelltherapie
|
Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
|
Locke 2021 ZUMA-7 trial
Randomised controlled trial |
N= 359 pts with large B-cell lymphoma (69% DLBCL)
· Median age (range): 59 years (21 – 81) · Stage: I/II: 21%, III/IV: 79%
Inclusion criteria: · ≥18 years old · Histologically confirmed large B-cell lymphoma · Refractory in first-line treatment or relapsed from complete remission · Relapsed ≤12 months after completion of first-line therapy (incl. Anti-CD20 monoclonal antibody and anthracycline-containing regimen)
Exclusion criteria: · NR
|
A: Axicabtagene ciloleucel treatment strategy B: Standard care
|
· OS · PFS · EFS · safety |
OS: A vs. B: HR 0.73 (95% CI: 0.53 – 1.01)
Median OS (months): A: not reached (95% CI: 28.3 – could not be estimated) B: 35.1 (95% CI: 18.5 – could not be estimated)
PFS: A vs. B: HR 0.49 (95% CI: 0.37 – 0.65)
Median PFS (months): A: 14.7 (95% CI: 5.4 – could not be estimated) B: 3.7 (95% CI: 2.9 – 5.3)
EFS: A vs. B: HR 0.4 (95% CI: 0.31 – 0.51), p < 0.001
Median EFS (months): A: 8.3 (95% CI: 4.5 – 15.8) B: 2.0 (95% CI: 1.6 – 2.8)
Safety: AE ≥grade 3: A: 91%, B: 83% most common: neutropenia: A: 69%, B: 41%
SAE any grade: A: 50%, B: 46% cytokine release syndrome: A: 92% (≥grade 3: 6%) |
· Study Duration: 01/2018 – 10/2019 · Median follow-up/data cutoff: 24.9 months · ITT: NR · Randomisation: yes · Blinding: blinded assessment of EFS, otherwise NR · Funding: Kite · Other limitations: none |
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Kamdar 2022 TRANSFORM trial
Randomised controlled trial |
N= 184 pts with large B-cell lymphoma A: n = 92 pts (65% DLBCL) B: n = 92 pts (62% DLBCL)
· Median age (range): A: 60 years (20 - 74 years) B: 58 years (26 – 75 years) · Stage: NR
Inclusion criteria: · Adult patients ≤75 years · Eligible for ASCT · Large B-cell lymphoma · Refractory or relapsed ≤12 months after first-line therapy · ECOG ≤1 · Adequate organ function
Exclusion criteria: · Prior gene or anti-CD19 targeted therapy · Active infection · Primary cutaneous large B-cell lymphoma, EBV positive DLBCL, Burkitt lymphoma, transformation from chronic lymphocytic leukemia/small lymphocytic lymphoma · Subjects with prior history of malignnancies other than R/R NHL · Treatment with any prior gene therapy product · History of cardiovascular conditions within the past 6 months prior · History or presence of clinically relevant CNS pathology · Pregnant or nursing (lactating) women
|
A: Lisocabtagene maraleucel treatment strategy B: Standard care
(cross-over from B to A allowed) |
· OS · PFS · EFS · complete response · safety |
Median OS (months): A: not reached (95% CI: 15.8 – not reached) B: 16.4 (95% CI: 11.0 – not reached) p = 0.026
OS at 12 months: A: 79.1% (95% CI: 67.1% - 91.1%) B: 64.2% (95% CI: 50.5% - 77.9%)
Median PFS (months): A: 14.8 (95% CI: 6.6 – not reached) p = 0.0001
PFS at 12 months: A: 52.3% (95% CI: 36.7% - 67.9%) B: 33.9% (95% CI: 20.1% - 47.7%)
Median EFS (months) A: 10.1 (95% CI: 6.1 – not reached) B: 2.3 (95% CI: 2.2 – 4.3) p < 0.0001
EFS at 12 months: A: 44.5% (95% CI: 29.4% - 59.6%) B: 23.7% (95% CI: 13.4% - 34.1%)
Complete response: A: 66% (95% CI: 55.7% - 75.8%) B: 39% (95% CI: 29.1% - 49.9%) p < 0.0001
Safety: Any AE grade ≥3: A: 92%, B: 87% Serious AE ≥ grade 3: A: 34%, B: 43% Death due to AE grade ≥3: A: 1%, B: 2%
most common AEs grade ≥ 3: neutropenia: A: 80%, B: 51% anaemia: A: 49%, B: 49% thrombocytopenia: A: 49%, B: 64%
|
· Study Duration: since 10/2018 · Median follow-up/data cutoff (IQR): 6.2 months (4.4. - 11.5) · ITT: yes, for survival outcomes · Randomisation: yes · Blinding: yes, for outcome assessment · Funding: Celgene · Other limitations: none |
Bewertung der Evidenz: CAR T-Zelltherapie
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Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamtqualität |
|
High |
2 RCTs |
OS |
-1 (potentially carryover due to cross-over design) |
/ |
-1 (less than 80% DLBCL pts in all RCTs) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
2 RCTs |
PFS |
-1 (potentially carryover due to cross-over) |
/ |
-1 (less than 80% DLBCL pts in all RCTs) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
2 RCTs |
EFS |
-1 (potentially carryover due to cross-over) |
/ |
-1 (less than 80% DLBCL pts in all RCTs) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
1 RCT |
response |
-1 (potentially carryover due to cross-over) |
/ |
-1 (less than 80% DLBCL pts in RCT) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
2 RCTs |
safety |
/ |
/ |
-1 (less than 80% DLBCL pts in all RCTs) |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊝ |
Hochdosisfähige Patient*innen im Spätrezidiv
|
Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
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Gisselbrecht 2009
Planned interim analysis of ongoing RCT (CORAL study) |
N = 396 pts with DLBCL · Median age: 55 years · Stage: III-IV: 60.6% · CORAL study (from ClinicalTrials.gov): Inclusion criteria: · First relapse or refractory after first line therapy · Aged 18-65 years · Eligible for transplant
Exclusion criteria: · Burkitt, mantle-cell, t-cell lymphoma, CD20- · Documented infection with HIV or HBV · CNS or meningeal involvement by lymphoma · Prior transplantation · Contra-indication to any drug in chemotherapy regimens · Treatment with any investigational drug within 30 days before/during study · Any serious active disease, co-morbid condition, poor renal function · pregnancy |
First randomization: A1: rituximab (R) + DHAP B1: R-ICE
Responding patients received HDT (BEAM) and ASCT Second randomization: A2: observational group B2: maintenance with rituximab (injection every 2months for 1 year)
|
·OS ·EFS ·AEs ·response |
ITT analysis: ·3-yrs OS (A1 vs. B1): 51% vs. 47% (p = 0.5) ·3-yrs EFS (A1 vs. B1): 35% vs. 26% (p = 0.6) ·Affecting EFS: prior treatment with R: 21% vs. 47% (p < 0.0001)
Toxicities (AEs): A1: 120 SAEs B1: 90 SAEs 14 deaths (group NR)
“Longer follow up is necessary to evaluate the second randomization”
Overall response: 63% A1: 62.8% (95% CI: 55% - 69%) B1: 63.5% (95% CI: 56% - 70%) Complete remission: 38% Affecting response rate: prior exposure to R: 51% vs. 83% (p < 0.0001)
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Study Duration: since 2003 (ongoing) Follow-up: NR ITT: yes, for OS, EFS, toxicities Randomisation: yes, but method or allocation concealment NR Blinding: NR Funding: NR Other limitations: none |
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Crump 2014
Randomized controlled trial |
N= 619 pts with relapsed/refractory aggressive lymphomas (71% DLBCL) · Median age: 55 years · Stage: III-IV: A: 70%, B: 68% · Inclusion criteria: · 18 years or older · Aggressive-histology lymphoma according to WHO classification · Histologic diagnosis documented by biopsy before initial therapy · DLBCL, peripheral T-cell lymphoma, anaplastic large-cell lymphoma: received previous treatment with one anthracycline-containing chemotherapy regimen · Exclusion criteria: · NR |
A: GDP (pts with B-cell lymphoma also received rituximab (R)) B: DHAP (pts with B-cell lymphoma also received R)
· Responding patients proceeded to stem-cell collection and ASCT
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·OS ·EFS ·Treatment toxicitiy/AEs ·QoL ·Response ·Transplantation rate
|
4-yrs OS (A vs. B): HR 1.03 (0.83 – 1.28, p = 0.78)
4-yrs EFS (A vs. B): HR 0.99 (0.82 – 1.21, p = 0.95)
Grade 3 or 4 AEs (A vs. B): 47% vs. 61% (p < 0.001)
QoL (FACT-Total scores): ·less deterioration among pts allocated to GDP ·significant differences observed: end of first cycle of treatment, midpoint of cycle 2 ·midpoint of cycle 2: improved clinically meaningful change score A vs. B: 18% vs. 11% worse clinically meaningful change score: A vs. B: 33% vs. 41%, p = 0.04
ITT: ·Response rate after 2 cycles: A 45.1%, B 44.1% (p = 0.84) ·Successful stem cell mobilization: A 87.9%, B: 82.2% (p = 0.14)
Transplantation rates: A: 52.1%, B: 49,3%, p = 0.44 |
Study Duration: August 2003 – November 2011 Median follow-up: 53 months ITT: yes, for response and stem cell mobilization Randomisation: yes Blinding: NR Funding: Roche Canada Other limitations: none |
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Van Imhoff 2017
Randomized controlled trial |
N = 447 pts in first relapse or non-responding to first-line treatment (n = 416 DLBCL) · Median age: 57 years · Stage: III-IV: 63%
Inclusion criteria: · 18 years or older · Histologically confirmed CD20+ DLBCL, follicular lymphoma grade 3b · First relapse or non-responding to first-line treatment · Eligible for salvage treatment and ASCT · Minimum first-line treatment: 6+ cycles of R-CHOP or 3+ cycles of R-CHOP with radiotherapy · FDG-PET positive measurable disease at entry · ECOG status 0 – 2
Exclusion criteria: · NR/recorded elsewhere |
A: Rituximab + DHAP (R-DHAP) B: Ofatumumab + DHAP (O-DHAP) |
·OS ·PFS ·EFS ·AEs ·Transplantation rates |
ITT (n = 445): 2-year OS: HR 0.9 (95% CI: 0.7 – 1.5, p = 0.38) Median OS: A 13.2 months, B 13.9 months 2-year PFS: HR 1.12 (95% CI: 0.89 – 1.42, p = 0.33) 2-year EFS: HR 1.10 (95% CI: 0.9 – 1.36, p = 0.35)
Pts who underwent ASCT (n = 156): 2-year OS: HR 0.84 (95% CI: 0.47 – 1.51, p = 0.57) 2-year PFS: HR 1.07 (95% CI: 0.67 – 1.72, p = 0.77) Completion of ASCT: A 37%, B 33%, OR 0.84 (95% CI: 0.56 – 1.27, p = 0.45)
AEs: “the majority of pts in both treatment groups reported at least one grade ≥3 adverse event” · Grade 4 thrombocytopenia: A 35%, B 35% · Grade 4 neutropenia: A 26%, B 22%) · 52% (n = 233) had one or more SAE, incidence similar between treatment arms
ASCT completed: · A: n = 83, 37% · B: n = 74, 33%
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Study Duration: March 2010 – December 2013 Median follow-up: 10.9 months (discontinued, because approx. 88% of expected PFS events + 80% of expected deaths had already occurred) ITT: yes Randomisation: yes Blinding: NR Funding: GlaxoSmithKline, Genmab A/S, Novartis AG Other limitations: none |
Bewertung der Evidenz: Hochdosisfähige Patient*innen im Spätrezidiv
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Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamtqualität |
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High |
3 RCTs |
Overall survival |
/ |
/ |
-1 (studies compare different treatments, not necessarily R vs. no R) |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊝ Moderate |
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High |
3 RCTs |
Progression-free/event-free survival |
-1 (no blinding) |
/ |
-1 (studies compare different treatments, not necessarily R vs. no R) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
3 RCTs |
Adverse events |
-1 (no blinding) |
/ |
-1 (studies compare different treatments, not necessarily R vs. no R, AEs not specified in 1 study) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
1 RCT |
Quality of life |
-1 (no blinding possible) |
/ |
-1 (studies compare different treatments, not necessarily R vs. no R) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
2 RCTs |
Response |
-1 (no blinding) |
/ |
-1 (studies compare different treatments, not necessarily R vs. no R) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
2 RCTs |
Transplantation rates |
-1 (no CI in one of 2 studies) |
/ |
-1 (studies compare different treatments, not necessarily R vs. no R) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
Nicht-hochdosisfähige Patient*innen (PolaBR)
|
Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
|
GO29365 (Daten aus Nutzenbewertung für Orphan Drugs, Gemeinsamer Bundesausschuss, Berlin 2020)
Gemischtes Design |
Phase Ib (Dosisfindung, A vs. C): A: n = 6 pts, C: n = 6 pts Phase II (A vs. B): A: n = 40 pts, B: n = 40 pts Phase II (Expansion, nicht kontrolliert): C: n = 21 pts
· Medianes Alter (min – max): A: 67.0 Jahre (33 – 86 Jahre) · Stadium bei Studieneinschluss: A: I/II 15%, III/IV 85%
Wichtigste Einschlusskriterien: · Histologisch bestätigte DLBCL · Mind. eine vorherige Therapie für DLBCL, Patient*in hat Rezidiv/Refraktärität entwickelt, kommt nicht für HSCT in Frage · Personen, für die Zweit-/Drittlinie oder höher nicht in Frage kam: - progressive Erkrankung/kein Ansprechen, <6 Monate nach Beginn der Ersttherapie - Krankheitsrezidiv nach anfänglichem Ansprechen, ≥6 Monate nach Beginn der Ersttherapie · Zuvor Bendamustin erhalten: Ansprechdauer >1 Jahr · Mind. zweidimensional messbare Läsion auf Bildgebungsscan, ≥1.5cm in ihrer längsten Dimension · Lebenserwartung mind. 24 Wochen · ECOG PS 0, 1 oder 2 · Adäquate hämatologische Funktion
Wichtigste Ausschlusskriterien: · Vorgeschichte schwerer allergischer oder anaphylaktischer Reaktionen auf humanisierte/murine MAbs oder bekannte Empfindlichkeit/Allergien gegen murine Produkte · Kontraindikation für Bendamustin, Rituximab, Obinutuzumab · Empfindlichkeit gegenüber Mannit · Vorheriger Gebrauch eines MAb, Radioimmunkonjugats oder ADC innerhalb von 5 Halbwertszeiten/4 Wochen · Anwendung von Kortikosteroiden >30mg/Tag Prednison oder gleichwertige Präparate für andere Zwecke als Kontrolle der Lymphomsymptome · Abschluss der autologen SCT innerhalb von 100 Tagen · Eignung für autologe SCT · Vorherige allogene SCT · Geschichte einer Transformation der Indolenzkrankheit in DLBCL · Primäres oder sekundäres Lymphom des ZNS · Aktueller Grad >1 PN · Abnormale Laborwerte
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Alle Patienten: 90mg/m2 bendamustine, zwei Mal pro Zyklus
A: Pola-BR (randomisiert) Zusätzlich: rituximab IV 375mg/m2, polatuzumab vedotin IV 1.8mg/kg
B: BR (randomisiert) Zusätzlich: rituximab IV 375mg/m2
(C: Pola-BG (nicht kontrolliert) Zusätzlich: obinutuzumab IV 1000 mg, polatuzumab vedotin IV 1.8mg/kg)
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· OS · Sicherheit |
Datenschnitt 11.10.2018 (90 Tage)
Medianes OS (min – max): A: 12.4 Monate (9.0 – 28.0 Monate) B: 4.7 Monate (3.7 – 8.3 Monate) stratifizierte HR (Stratifizierung: Dauer des Ansprechens auf die letzte vorangegangene Therapie ≤12 vs. >12 Monate): A vs. B: HR 0.40 (95% CI: 0.23 – 0.7), p = 0.0011
Sicherheit (Population n = 78, A: n = 39, B: n = 39) Personen mit mind. 1 UE: A: 100%, B: 97.4% HR 0.7 (95% CI: 0.43 – 1.14), p = 0.1483 UE Grad 3: A: 76.9%, B: 69.2% HR 0.83 (95% CI: 0.48 – 1.43), p = 0.5037) UE Grad 4: A: 56.4%, B: 43.6% HR 0.99 (95% CI: 0.52 – 1.89), p = 0.9699 UE Grad 5: A: 23.1%, B: 25.6% HR 0.77 (95% CI: 0.29 – 2.05), p = 0.6062
Personen mit mind. 1 SUE: A: 66.7%, B: 61.5% HR 0.62 (95% CI: 0.35 – 1.11), p = 0.1021
prä-spezifizierte UE von besonderem Interesse Neutropenie (inkl. febrile Neutropenie): A: 64.1%, B: 53.8%, HR 0.95 (95% CI: 0.53 – 1.74), p = 0.8797
Periphere Neutropenie: A: 43.6%, B: 7.7%, HR 5.52 (95% CI: 1.61 – 18.86=, p = 0.0022
Infektionen: A: 53.8%, B: 51.3%, HR 0.58 (95% CI: 0.30 – 1.12), p = 0.0986
Hepatische Toxizität A: 17.9%, B: 10.3%, HR 1.21 (95% CI: 0.34 – 4.33), p = 0.7666
Genotoxizität/Karzinogenität: A: 2.6%, B: 5.1%, HR 0.18 (95% CI: 0.02 – 2.01), p = 0.1184
Infusionsbedinge Reaktionen: A: 33.3%, B: 23.1%, HR 1.31 (95% CI: 0.55 – 3.10), p = 0.5455
Gastrointestinale Toxizität A: 82.1%, B: 66.7%, HR 1.10 (95% CI: 0.65 – 1.86), p = 0.7258
Kardiale Toxizität und Arrythmien: A: 0%, B: 12.8%, HR < 0.01 (95% CI: 0.00 – nicht angegeben), p = 0.0137
Fatigue und Asthenie A: 46.2%, B: 48.7%, HR 0.71 (95% CI: 0.37 – 1.36), p = 0.2944
Anämie A: 53.8%, B: 25,6%, HR 1.81 (95% CI: 0.85 – 3.86), p = 0.1203
Thrombozytopenie A: 51.3%, B: 33.3%, HR 1.31 (95% CI: 0.65 – 2.64), p = 0.4524
Renale Toxizität: A: 10.3%, B: 12.8%, HR 0.44 (95% CI: 0.10 – 1.87), ß = 0.2543
Pulmonale Toxizität: A: 5.1%, B: 2.6%, HR 1.50 (95% CI: 0.14 – 16.51), p = 0.7401
Gelenkschmerz, Arthralgie, Skelettschmerz: A: 15.4%, B: 2.6%, HR 5.17 (95% CI: 0.62 – 43.13), p = 0.0903
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Studiendauer: 2014 - 2021 Medianes follow-up: 22.3 Monate ITT: Ja, für Mortalität Randomisierung: Ja, für A vs. B Verblindung: keine Finanzierung: NR Andere Limitationen: keine |
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Sehn 2022 (in addition to Sehn 2020) Mixed design (run-in phase followed by 1 cohort and 2 randomly assigned groups) |
Phase Ib: C vs. A: n = 12 pts Phase II: C: n = 20 pts A + B: n = 80 pts Expansion cohort (A): n = 106 pts · Median age (range): A: 67 years (33 – 86 years) B: 71 years (30 – 84 years) C: 66 years (26 – 86 years) · Stage III/IV: A: 85.0% B: 90.0% C: 85.2%
Reported inclusion criteria: · 18 years and older · Biopsy confirmed DLBCL · After ≥1 prior line of therapy · ECOG status of 0-2 · Grade ≤1 peripheral neuropathy · Considered transplantation ineligible
Reported exclusion criteria: · NR
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All patients: 90mg/m2 bendamustine, twice per cycle
A: Pola-BR (randomized) Additionally: rituximab IV 375mg/m2, polatuzumab vedotin IV 1.8mg/kg
B: BR (randomized) Additionally: rituximab IV 375mg/m2
(C: Pola-BG (cohort)) Additionally: obinutuzumab IV 1000mg, polatuzumab vedotin IV 1.8mg/kg)
|
· OS · PFS · Safety, tolerability · Objective response rate
|
Median OS: A: 12.4 months (95% CI: 9.0 – 32.0 months) B: 4.7 months (95% CI: 3.7 – 8.3 months) C: 10.8 months (95% CI: 5.8 – 33.8 months) OS A vs. B: HR 0.42 (95% CI: 0.24 – 0.75, p = 0.002)
Median PFS: IRC assessed: A: 9.2 months (95% CI: 6.0 – 13.9 months) B: 3.7 months (95% CI: 2.1 – 4.5 months) C: 6.3 months (95% CI: 3.5 – 30.4 months) PFS A vs. B: HR 0.36 (95% CI: 0.2 – 0.57, p < 0.001)
INV assessed: C: 5.4 months (95% CI: 2.8 – 30.4 months) A: 7.6 months (95% CI: 6.0 – 17.0 months) B: 2.0 months (95% CI: 1.5 – 3.7 months) PFS A vs. B: HR 0.34 (95% CI: 0.2 – 0.57, p < 0.001)
Safety: Treatment delivery + AEs were similar in phase Ib A + B and in phase II B
most common AEs grades 3-4 (A, B): Anemia (12.6%, 17.9%) Neutropenia (32.5%, 33.3%) Thrombocytopenia (20.5%, 23.1%) Lymphopenia (12.8%, 0%) Febrile neutropenia (10.3%, 12.8%) Peripheral neuropathy (31.1%, 7.7% all grades; 2.0%, 0% Grade 3/4) Infections (21.9%, 20.5%)
Fatal AEs: A: 9 pts, B: 11 pts (infections as most common cause, 4pts in each group)
Objective response: Independent review committee (IRC) assessed: A: 45% B: 17.5% C: 40.7%
Investigator (INV) assessed: A: 47.5% B: 17.5% C: 37.0% |
Study Duration: 2014 - 2019 Median follow-up: 48.9 months ITT: no Randomisation: yes, for A and B Blinding: none (open label) Funding: F.Hoffmann-La Roche Other limitations: none |
Bewertung der Evidenz: Nicht-hochdosisfähige Patient*innen (PolaBR)
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Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamtqualität |
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High |
1 mixed design study |
Overall survival |
/ |
/ |
/ |
-1 (only one small study with 80 pts) |
/ |
⊕⊕⊕⊝ Moderate |
|
High |
1 mixed design study |
Progression-free survival (PFS) |
-1 (no blinding) |
/ |
/ |
-1 (only one small study with 80 pts) |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
1 mixed design study |
Safety, tolerability |
-1 (no blinding) |
/ |
/ |
-1 (only one small study with 80 pts) |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
|
High |
1 mixed design study |
Objective response rate |
-1 (no measures of certainty given, no blinding) |
/ |
/ |
-1 (only one small study with 80 pts) |
/ |
⊕⊕⊝⊝ Low |
Nicht-hochdosisfähige Patient*innen (TafaLen)
|
Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
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L-MIND Studie (Daten aus Nutzenbewertung für Orphan Drugs, Gemeinsamer Bundesausschuss, Berlin 2020)
Kohortenstudie (offene Phase II-Studie) |
n = 81 pts mit B-Zell Lymphom
· Medianes Alter (min – max): 72 Jahre (41 – 86 Jahre) · Stadium: I/II 24.7%, III/IV 75.4% · Anzahl systemischer DLBCL-Vortherapien zu Studienbeginn: ≥2 50.6%
Wichtigste Einschlusskriterien: · Alter >18 Jahre · Histologisch bestätigte Diagnose DLBCL NOS, T-Zell/histozytenreiches großzelliges B-Zell-Lymphom, Epstein-Barr-Viurs positives DLBCL älterer Menschen, follikuläres Lymphom Grad 3b, Komposit-Lymphom mit einer DLBCL-Komponente mit anschließendem DLBLC-Rezidiv · Frisches Tumorgewebe steht zur Verfügung · Rezidivierende und/oder refraktäre Erkrankung · Mind. eine zweidimensional messbare Krankheitsstelle (größter Querdurchmesser ≥1.5cm,
Wichtigste Ausschlusskriterien: · Jede andere Art eines Lymphoms, einschließlich mediastinales großes B-Zell-Lymphom und Burkitt-Lymphom · Primäres refraktäres DLBCL · Geschichte der „Doppel-/Dreifach-Treffer“-Genetik DLBCL · Innerhalb von 14 Tagen vor Interventionsbeginn: CD20-gerichtete Therapie, Chemotherapie, Strahlentherapie, studienmedikamentöse Krebstherapie, andere lymphomspezifische Therapie; parenterale antomokrobielle Therapie für aktive, interkurrente Infektionen benötigt · Nicht ausreichend von schädlichen toxischen Wirkungen früherer Therapien erholt · Zuvor mit CD19-gerichteter Therapie behandelt · Vorgeschiche von Überempfindlichkeit gegen Verbidnungen mit ähnlicher biologischer oder chemischer Zusammensetzung · Innerhalb eines Zeitraums ≤3 Monate einer ASZT unterzogen · Frühere allogene Stammzelltransplantation · Tiefe Venenthrombose/-embolie, drohende Thromboembolie, bekannte Thrombophilie, hohes Risiko für thromboembolisches Ereignis · Gleichzeitig andere Krebsbehandlungen oder experimentelle Behandlungen · Vorgeschichte von anderen bösartigen Tumoren als DLBCL · ZNS-Lymphom (gegenwärtig oder frühere Anamnese) · Vorgeschichte oder Nachweis einer klinisch bedeutsamen Herz-Kreislauf-, ZNS-, andere systemische Erkrankung · Gastrointestinale Anomalien Leberfunktionsstörung |
Tafasitamab (12mg/kg) + Lenalidomid (ab 25mg), 12 Zyklen
nach 12 Zyklen: Tafasitamab Monotherapie |
· OS · Sicherheit |
Datenschnitt 30.10.2020
Gesamtüberleben (Patienten mit zentral bestätigter DLBCL, n = 70)
Medianes OS (min-max): 26.4 Monate (14.9 Monate – nicht erreicht) 12 Monate OS: 71.1% (95% CI: 58.5% - 80.5%) 24 Monate OS: 53.7% (95% CI: 40.9% - 65.0%) 36 Monate OS: 44.2% (95% CI: 31.8% - 55.9%)
Sicherheit (Sicherheitspopulation n = 81) Mind. 1 UE: 100% Mind. 1 UE Grad ≥3: 77.8% Mind. 1 SUE: 53.1%
UE Grad ≥3: Erkrankung des Blutes und Lymphsystems: 56.8% Infektionen, parasiäre Erkrankungen: 29.6% Herzerkrankungen: 9.9% Allgemeine Erkrankungen: 8.6% Stoffwechsel, Ernährungsstörungen: 8.6% Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums: 8.6% Erkrankungen der Haut: 8.6% Skelettmuskulatur-, Bindegewebserkrankungen: 6.2% Gefäßerkrankungen: 6.2%
SUE: Infektionen, parasitäre Erkrankungen: 25.9% Erkrankungen des Nervensystems: 8.6% Erkrankungen des Blutes, Lymphsystems: 7.4% Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums: 7.4% Herzerkrankungen: 7.4% Gutartige, bösartige und unspezifische Neubildungen: 7.4%
Präspezifizierte UEs von besonderem Interesse: Tumor-Flare-Reaktion: 3.7% Tumorlysesyndrom: 0% Zytokin-Freisetzungssyndrom: 0% Überdosen: 0%
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Studiendauer: März 2016 – voraussichtlich November 2022 Medianes follow-up (min – max): OS 42.7 Monate (36.7 – 47.2 Monate) ITT: NR Randomisierung: NA Verblindung: keine Finanzierung: NR Andere Limitationen: keine |
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Salles 2020 Prospective single-arm study |
N = 81 pts with r/r DLBCL · Median age (range): 72 years (62 – 76 years) · Stage: I/II 25%, III/IV 75%
Inclusion criteria: · Older than 18 years · Histologically confirmed DLBCL · Relapsed or refractory to at least one, but no more than 3 systemic regimens · At least one anti-CD20 therapy · Not candidates for high-dose chemotherapy or ASCT · Adequate organ function · ECOG 0-2 · Measurable disease at baseline · Neutropil count 1.5x109/L · Platelet count 90.109/L · Total serum bilirubin concentration <2.5 times upper limit of normal (ULN) · Alanine transaminase, asparte aminotransferase, alkaline phosphatase concentrations up to 3 times ULN · Serum creatinine clearance at least 60mL per min
Exclusion criteria: · Other histological type of lymphoma · History of double-hit/triple-hit DLBCL if already known · Previous treatment with anti-CD19 therapy or immunomodulatory drugs · Primary refractory DLBCL · History of malignancies other than DLBCL (unless disease free for at least 5 years) · Seropositivity for Hepatitis B, C or HIV · CNS lymphoma involvement · History/evidence of clinically significant cardiovascular, CNS or other systemid dissease that would preclude or compromise study participation |
Tafasitamab (T) + Lenalidomide (L) (up to 12 28-day-cycles) T monotherapy until disease progression
Dosage: T: 12mg/kg over ~2hrs, weekly for cycles 1-3, additional loading dose day 1, every 14 days for cycles 4 onwards L: self-administered capsules, 25mg daily on day 1-21 on each cycle
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· OS · PFS · AEs · Objective response (OR) · Disease control |
OS · Median OS: not reached (95% CI: 18.3 months – not reached) · 12 months: 74% (95% CI: 62% - 82%) · 18 months: 64% (95% CI: 51% - 74%)
PFS · Median PFS: 12.1 months (95% CI: 5.7 – not reached) · 12 months: 50% (95% CI: 38% - 61%) · 18 months: 46% (95% CI: 33% - 57%)
AEs: · Treatment-emergend AEs of any grade: all pts · Neutropenia (any grade): 49% · Neutropenia ≥ grade 3: 48% · Most common ≥grade 3: thrombocytopenia, febrile neutropenia, leukopenia, anaemia, pneumonia · Non-haematological: majority grade 1 and 2: diarrhoea most common · SAEs: 51% (pneumonia 6%, febrile neutropenia 6%, pulmonary embolism 4%, bronchitis 2%, atrial fibrillation 2%, congestive cardiac failure 2% · SAEs suspected to be treatment-related: 19%
OR: · 60% (95% CI: 48% - 71%)
Disease control: · 74% (95% CI: 63% - 83%)
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Study Duration: January 2016 – November 2017 Follow-up (range): 13.2 months (7.3 – 20.4 months) ITT: NR Randomisation: NA Blinding: none (open-label phase 2 trial) Funding: MorphoSys. Other limitations: none |
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Duell 2021 Long-term outcomes of Salles 2020 (prospective single arm study) |
N = 81 pts with r/r DLBCL · Median age (range): 72 years (62 – 76 years) · Stage: I/II 25%, III/IV 75%
Inclusion/exclusion criteria: see Salles 2020 |
Tafasitamab (T) + Lenalidomide (L) (up to 12 28-day-cycles) T monotherapy until disease progression
Dosage: see Salles 2020 |
· OS · PFS · AEs · Objective response (OR) |
At FU ≥35 months: OS: Median OS: 33.5 months (95% CI: 18.3 – not reached)
In pts with CR: Median: not reached 18 months: 96.9% (95% CI: 79.8% - 99.6%) 24 months: 90.6% (95% CI: 73.7% - 96.9%) 36 months: 81.3% (95% CI: 62.9% - 91.1%)
In pts with PR: Median: 22 months (8.6 – not reached) 18 months: 59.8% (95% CI: 28.5% - 81%) 24 months: 42.7% (95% CI: 15.9% - 67.5%) 36 months: 34.2% (95% CI: 10.7% - 59.8%)
Median PFS: 11.6 months (95% CI: 6.3 – 45.7 months)
AEs: · 42 pts (51.9%) died: 9.9% on-treatment, 42.0% post-treatment · Treatment-emergend AEs consistent in incidence and severity with primary analysis (see Salles 2020)
OR: 57.5% (95% CI: 45.9% - 68.5%) |
Study Duration: January 2016 – November 2020 Median follow-up: for OS: 42.7 months, for PFS 33.9 months ITT: NR Randomisation: NA Blinding: none (open-label phase 2 trial) Funding: MorphoSys. Other limitations: none |
Bewertung der Evidenz: Nicht-hochdosisfähige Patient*innen (TafaLen)
|
Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamtqualität |
|
Low |
1 prospective single-arm study |
Overall survival |
/ |
/ |
/ |
-1 (only one study with small study size of 81 pts) |
/ |
⊕⊝⊝⊝ Very low |
|
Low |
1 prospective single-arm study |
Progression-free survival |
-1 (no blinding, but assessment by independent review committee) |
/ |
/ |
-1 (only one study with small study size of 81 pts) |
/ |
⊕⊝⊝⊝ Very low |
|
Low |
1 prospective single-arm study |
Adverse events |
/ |
/ |
/ |
-1 (only one study with small study size of 81 pts) |
/ |
⊕⊝⊝⊝ Very low |
|
Low |
1 prospective single-arm study |
Overall response rate |
-1 (no blinding, but assessment by independent review committee) |
/ |
/ |
-1 (only one study with small study size of 81 pts) |
/ |
⊕⊝⊝⊝ Very low |
|
Low |
1 prospective single-arm study |
Disease control |
-1 (no blinding, but assessment by independent review committee) |
/ |
/ |
-1 (only one study with small study size of 81 pts) |
/ |
⊕⊝⊝⊝ Very low |
Bestrahlung
|
Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
|
Freeman 2021
Retrospective cohort study |
N = 723 pts with advanced-stage DLBCL
· Median age (range): 65 years (18 - 89 years) · Stage III/IV: 74%
Inclusion criteria: · advance-stage DLBCL · treated with at least 6 cycles of R-CHOP · underwent EOT PET
Exclusion criteria: · disease progression during therapy · HIV-positive · underlying indolent lymphoproliferative disorder · CNS involvement at diagnosis · primary-mediastinal B-cel lymphoma · treated with <6 cycles of R-CHOP · had RT · had additional anti-neoplastic agents during initial R-CHOP
|
PET-negative pts: A: observed
PET-positive pts, offered consolidative RT when feasible: B1: observed, no RT B2: consolidative RT |
· OS · TTP |
3-year OS: A: 87% (95% CI: 84% - 90%) B1: 44% (95% CI: 34% - 54%) B2: 80% (95% CI: 71% - 87%)
3-year TTP: B1: 34% (95% CI: 25% - 44%) B2: 76% (95% CI: 66% - 83%) |
Study Duration: 01/2005 – 03/2017 Median follow-up: 4.3 years (0.9 - 14.2 years) ITT: NR Randomisation: NA Blinding: NR Funding: NR Other limitations: none
|
Bewertung der Evidenz: Bestrahlung (analog DLBCL, NOS) (Rezidiv)
|
Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamt-qualität |
|
Low |
1 retrospective cohort study |
Overall survival |
/ |
/ |
-1 (study included pts with newly diagnosed DLBCL who had received initial treatment with R-CHOP) |
/ |
/ |
⊕⊝⊝⊝ Very low |
|
Low |
1 retrospective cohort study |
Time-to-progression |
/ |
/ |
-1 (study included pts with newly diagnosed DLBCL who had received initial treatment with R-CHOP) |
/ |
/ |
⊕⊝⊝⊝ Very low |
Literaturhinweise
[265] Pfreundschuh, M, Kuhnt, E, Trümper, L, Osterborg, A, Trneny, M, Shepherd, L, et.al. CHOP-like chemotherapy with or without rituximab in young patients with good-prognosis diffuse large-B-cell lymphoma: 6-year results of an open-label randomised study of the MabThera International Trial (MInT) Group.The Lancet, Lancet Oncol, 2011. 12(11): p. 1013-22., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21940214 /
[318] Pfreundschuh, M, Schubert, J, Ziepert, M, Schmits, R, Mohren, M, Lengfelder, E, et.al. Six versus eight cycles of bi-weekly CHOP-14 with or without rituximab in elderly patients with aggressive CD20+ B-cell lymphomas: a randomised controlled trial (RICOVER-60).The Lancet, Lancet Oncol, 2008. 9(2): p. 105-16., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18226581 /
[112] Pfreundschuh, M, Trümper, L, Osterborg, A, Pettengell, R, Trneny, M, Imrie, K, et.al. CHOP-like chemotherapy plus rituximab versus CHOP-like chemotherapy alone in young patients with good-prognosis diffuse large-B-cell lymphoma: a randomised controlled trial by the MabThera International Trial (MInT) Group.The Lancet, Lancet Oncol, 2006. 7(5): p. 379-91., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16648042 /
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