5. Diagnostik II – Staging und andere prätherapeutische Maßnahmen – Diffuses großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL)
Arbeitsgruppenleitung: Ulrich Dührsen, Dirk Hellwig
Weitere Autor*innen: Bettina Böttcher, Markus Dietlein, Jirka Grosse, Pia Heußner, Ulrike Holtkamp, Sabine Kliesch, Carsten Kobe, Frank-Michael Köhn, Thorsten Persigehl, Bettina Toth, Lale Umutlu, Ulrich Wedding
5.1 Maßnahmenplanung
Ulrich Dührsen, Ulrich Wedding
5.1.1 Dringlichkeit
Nach Vorliegen der histologischen Diagnose eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms sollen diagnostische Maßnahmen zur Festlegung des Ausbreitungsstadiums, Erkennung von Risikofaktoren und Beurteilung wichtiger Organfunktionen durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Nach Vorliegen der histologischen Diagnose eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms sollten bei nicht abgeschlossener Familienplanung fertilitätserhaltende Maßnahmen angeboten werden (siehe Kapitel 5.5.).
- Konsens
- Starker Konsens
Nach histologischer Diagnosesicherung sollten die Ausbreitungsdiagnostik, Risikobeurteilung und Organfunktionsdiagnostik innerhalb von 2 Wochen und eventuelle fertilitätserhaltende Maßnahmen (siehe Kapitel 5.5.) innerhalb von 4 Wochen abgeschlossen sein.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Das DLBCL ist eine rasch voranschreitende, unbehandelt oft in wenigen Wochen zum Tode führende Erkrankung. Um das Risiko nach Diagnosestellung auftretender Schäden zu minimieren und eine rasche Therapieeinleitung zu gewährleisten, wird die Diagnostik bei kurativem Therapiekonzept so früh wie möglich abgeschlossen. Da junge DLBCL-Patient*innen in der Mehrzahl geheilt werden, werden bei nicht abgeschlossener Familienplanung fertilitätserhaltende Maßnahmen eingeleitet, sofern die Krankheitsentwicklung dies ohne Gefährdung der Patient*innen zulässt.
5.1.2 Ausbreitungsdiagnostik und Risikobeurteilung
Die Ausbreitungsdiagnostik und Risikobeurteilung soll Anamnese, körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren (siehe Kapitel 5.2.) und ggf. weitere Maßnahmen inklusive Biopsien und/oder Punktionen umfassen.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund
Anamnese
Die Anamnese erfasst die klinischen Symptome, insbesondere eine evtl. vorhandene B-Symptomatik [38]:
- nicht anderweitig erklärbares Fieber über 38°C,
- nicht anderweitig erklärbarer Nachtschweiß (Wechsel der Nachtwäsche),
- nicht anderweitig erklärbarer Gewichtsverlust von mehr als 10% des Körpergewichtes innerhalb von 6 Monaten.
Der Allgemeinzustand wird entsprechend dem Aktivitätsindex der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dokumentiert:
Tabelle 5: Aktivitätsindex der Weltgesundheitsorganisation
|
Aktivitätsindex nach WHO |
Definition |
|
0 |
normale Aktivität, asymptomatisch |
|
1 |
leichte Arbeit möglich, symptomatisch |
|
2 |
Selbstversorgung möglich, <50% der Tageszeit bettlägerig |
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3 |
begrenzte Selbstversorgung möglich, >50% der Tageszeit im Bett / Sessel |
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4 |
vollständig pflegebedürftig |
Darüber hinaus werden in der Anamnese schwere Begleiterkrankungen und Funktionseinschränkungen erfragt. Die Familienanamnese dient der Erfassung einer familiären Prädisposition für Lymphome und Leukämien [39]. Die Sozialanamnese dient der Abschätzung, ob die bei dem*der Patient*in geplanten medizinischen Maßnahmen in seinem*ihren sozialen Umfeld durchführbar sind.
Körperliche Untersuchung
Die körperliche Untersuchung ist Teil der Ausbreitungsdiagnostik und schließt die Untersuchung peripherer Lymphknoten und des Abdomens ein. Sie gibt darüber hinaus Hinweise auf den Zustand und die Funktion von Herz, Lunge, Leber, Haut, Nervensystem und anderen Organen.
Labordiagnostik
Laboruntersuchungen erfassen die Aktivität des Lymphoms, die für die Therapietoleranz wichtige Knochenmarkfunktion und Blutgerinnung, die für die Medikamenten-Elimination wichtige Nieren- und Leberfunktion, therapierelevante chronische Infektionen und eine etwaige Schwangerschaft. Die Kenntnis der Schilddrüsenfunktion ist wichtig für behandlungsbedingte Störungen (z.B. Jod-induzierte Hyperthyreose, Strahlen-induzierte Hypothyreose). Folgende Untersuchungen eignen sich für die Ausgangsdiagnostik:
- Blutbild mit Differentialverteilung
- Blutgerinnungsuntersuchungen (Fibrinogen, INR, PTT)
- Klinische Chemie (Kreatinin, Harnsäure; Bilirubin, alkalische Phosphatase, Gamma-GT, Laktatdehydrogenase [LDH], GOT, GPT; TSH basal)
- Serologische Untersuchungen auf HIV1/2 (Antikörpersuchtest), Hepatitis B (Hbs-Antigen, Hbs- und Hbc-Antikörper, ggf. HBV-DNA) und Hepatitis C (HCV-Antikörper)
- bei gebärfähigen Frauen: b-HCG
Weitere Maßnahmen inklusive Biopsien und/oder Punktionen
Über die genannten Untersuchungen und bildgebende Verfahren (s. 5.2.1) hinaus können in Abhängigkeit von der klinischen Symptomatik weitere Maßnahmen zur exakten Festlegung des Ausbreitungsstadiums erforderlich sein. So bieten sich bei Verdacht auf zentralnervöse oder gastrointestinale Manifestationen MRT- bzw. endoskopische Untersuchungen an. Aufgrund der physiologisch hohen Glukoseaufnahme in Hirn und Darmwand ist die Aussagekraft der FDG-PET in diesen Bereichen beschränkt. Um einen Lymphombefall von Körperhöhlen zytologisch nachzuweisen, können Punktionen indiziert sein (z.B. Liquor cerebrospinalis, Aszites, Pleura- und Perikardergüsse). Der Goldstandard für den Nachweis eines Lymphombefalls ist die Biopsie, die ebenso wie die zuvor genannten Maßnahmen insbesondere dann zu erwägen ist, wenn aus dem Ergebnis therapeutische Konsequenzen erwachsen. Zur Knochenmarkbiopsie siehe Abschnitt 5.2.2.
5.1.3 Organfunktionsdiagnostik
Die der Beurteilung der Therapietoleranz und therapiebedingter Toxizitäten dienende Organfunktionsdiagnostik soll die Blutbildung, das Herz, die Leber, die Nieren, das Nervensystem und – je nach Komorbidität – weitere Organsysteme umfassen.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Zur Beurteilung der Therapietoleranz durch Anamnese, körperliche Untersuchung und Laboruntersuchungen siehe Hintergrundinformationen in Kapitel 5.1.2.
Zur genaueren Beurteilung der Herz- und Lungenfunktion und als Ausgangsbefund für etwaige Nebenwirkungen der Behandlung bieten sich darüber hinaus ein Elektrokardiogramm (EKG), eine Echokardiographie und eine Lungenfunktionsuntersuchung an.
Bezüglich der prätherapeutischen Überprüfung der Gonadenfunktion bei nicht abgeschlossener Familienplanung siehe Kapitel 5.5.
5.1.4 Geriatrisches Assessment
Bei älteren Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom sollte vor Therapiebeginn ein geriatrisches Assessment mit dem Ziel durchgeführt werden, die Therapieverträglichkeit und die Prognose besser abschätzen und damit die Therapieentscheidung auf eine bessere Grundlage stellen zu können, indem die Patient*innen als ‚fit‘, ‚unfit‘ und ‚frail‘ klassifiziert werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Beim prätherapeutischen geriatrischen Assessment sollten insbesondere die Komorbidität, kognitive, lokomotorische und nutritive Defizite sowie Autonomiedefizite unter Verwendung dazu geeigneter Testinstrumente beziffert werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Für das geriatrische Assessment kann ein 2-stufiges Vorgehen (geriatrisches Screening, z.B. mittels G8, gefolgt von einem umfassenden Assessment bei Einschränkungen im Screening) gewählt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Das DLBCL wird überwiegend im fortgeschrittenen Lebensalter diagnostiziert. In Großbritannien betrug das mediane Alter zum Zeitpunkt der Diagnose in den Jahren 2004-2009 70 Jahre. Etwa ein Viertel der Patient*innen war älter als 75 Jahre [40]. Mit zunehmendem Alter steigt die Inzidenz kontinuierlich an [41]. Auf Grund des Alters ist die Einteilung der Patient*innen in drei Gruppen zu empfehlen: bis 60-65 Jahre, 60-65 bis 80 Jahre und über 80 Jahre.
Ältere Patient*innen mit DLBCL (ab einem Alter von 60-65 Jahren) und insbesondere hochaltrige Patient*innen (ab einem Alter von 80 Jahren) bilden eine sehr heterogene Gruppe bezüglich des Vorliegens von alternstypischen Problemen. Zu den Problemen gehören Multimorbidität und Polypharmazie, kognitive Defizite (Delir, Demenz, Depression), lokomotorische Defizite (inklusive Sturzneigung), chronische Schmerzen und Wunden, nutritive Störungen (Mangelernährung, Dehydratation, Sarkopenie, Dysphagie), Inkontinenz sowie Herabsetzung der Fähigkeit, die Aktivitäten des täglichen Lebens (Körperhygiene, Nahrungszufuhr und -ausscheidung, Haushaltsführung) selbständig durchzuführen. Existierende Prognose-Scores, die das numerische Alter als Parameter integrieren, haben diese altersassoziierten Veränderungen nicht untersucht, da die Informationen meist nicht systematisch erhoben werden. Es bleibt daher offen, ob das numerische Alter allein ein relevanter Prognosefaktor bleibt, wenn altersassoziierte Veränderungen, wie sie im geriatrischen Assessment systematisch erfasst werden, in die Prognose einfließen.
In einer systematischen Übersichtsarbeit zum DLBCL wurden fünf prospektive und zwei retrospektive, 73-1353 Patient*innen umfassende Studien referiert, in denen sich die Items des geriatrischen Assessments bei alten DLBCL-Patient*innen als prognostisch relevant erwiesen [42]. Neben dem Alter enthielt das Comprehensive Geriatric Assessment (CGA) insbesondere Instrumente zur Erfassung von Komorbiditäten (‚Cumulative Illness Rating Score for Geriatrics‘, CIRS-G), eigenständiger Grundversorgung (‚Activity of Daily Living‘, ADL), Alltagskompetenz (‚Instrumental Activity of Daily Living’, IADL) und geriatrischen Syndromen [43]. Auf Grundlage des CGA wurden die Patient*innen in den meisten Studien in die Kategorien ‚fit‘, ‚unfit‘ und hinfällig (‚frail‘) eingeteilt [42]. Je nach Patientenkollektiv und verwendeten Instrumenten lag der Anteil fitter Patient*innen bei 41-70%, unfitter Patient*innen bei 16-38% und hinfälliger Patient*innen bei 13-38%. In allen Studien korrelierte das Ergebnis des CGA mit dem Gesamtüberleben, in drei Studien zusätzlich mit dem progressions- oder ereignisfreien Überleben, in je zwei Studien mit der kompletten Remissionsrate bzw. Toxizität und in einer Studie mit der standardisierten Mortalitätsrate.
Basierend auf Alter, Komorbiditäten sowie ADL- und IADL-Score empfiehlt die italienische Lymphom-Studiengruppe die Einteilung der Patient*innen ab 65 Jahre in drei Gruppen [44]. Die Kategorien ‚fit‘ (55% von 1163 untersuchten Patient*innen), ‚unfit‘ (28%) und ‚frail‘ (18%) gingen mit 3-Jahres-Überlebensraten von 75%, 58% und 43% einher. Hierbei wurden fitte Patient*innen am häufigsten mit einer voll dosierten (≥70%), unfitte Patient*innen mit einer voll dosierten oder reduzierten Anthrazyklin-haltigen Therapie und hinfällige Patient*innen mit einer reduzierten Anthrazyklin-haltigen oder nicht-Antrazyklin-haltigen palliativen Therapie behandelt. Aufgrund der retrospektiven Natur der Studie blieben die Gründe für die Auswahl unterschiedlicher Therapieintensitäten innerhalb der gleichen CGA-Gruppe unklar. Welche Art der Behandlung für die einzelnen CGA-Gruppen am besten geeignet ist, muss in zukünftigen Studien systematisch untersucht werden.
Tabelle 6: Vorschlag der Fondazione Italiana Linfomi zur Einteilung der Patient*innen-Fitness
|
sCGA- Gruppe |
Einteilungsinstrumente |
Therapie- intensität |
3-Jahres-Überleben |
|||
|
Alter |
CIRS-G |
ADLs |
IADLs |
|||
|
‚Fit‘ |
< 80 |
0 Score = 3-4, ≤ 8 Score = 2 |
≥ 5 |
≥ 6 |
FD: 86% RD: 13% PT: <1% |
75% |
|
‚Unfit‘ |
< 80 |
≥ 1 Score = 3-4, > 8 Score = 2 |
< 5 |
< 6 |
FD: 48% RD: 36% PT: 16% |
58% |
|
≥ 80 |
0 Score = 3-4, < 5 Score = 2 |
6 |
8 |
|||
|
‚Frail‘ |
≥ 80 |
≥ 1 Score = 3-4, ≥ 5 Score = 2 |
< 6 |
< 8 |
FD: 16% RD: 37% PT: 47% |
43% |
Abkürzungen: sCGA: simplified Comprehensive Geriatric Assessment. CIRS-G: Cumulative Illness Rating Score for Geriatrics; CIRS-G-Kategorien: (a) kardial, (b) vaskulär, (c) hämatologisch, (d) respiratorisch, (e) Hals, Nase, Ohren, (f) oberer Gastrointestinaltrakt, (g) unterer Gastrointestinaltrakt, (h) hepatobiliär, (i) renal, (j) urogenital, (k) muskuloskeletal/Haut; (l) neurologisch, (m) endokrin/Brustdrüse, (n) psychiatrisch. Score 2 bedeutet tägliche Behandlungsbedürftigkeit oder mäßiggradige Behinderung/Morbidität. Score 3 bedeutet schlechte Kontrolle mit der Erstlinien-Therapie, ausgeprägte Behinderung, schwere Störung oder Organversagen. ADL: Activity of Daily Living; ADL-Punktvergabe (maximal 6): Selbständigkeit (a) zu baden, (b) sich anzuziehen, (c) zur Toilette zu gehen, (d) ins Bett zu gehen und das Bett zu verlassen, (e) Kontinenz, (f) Nahrungsaufnahme. IADL: Instrumental Activity of Daily Living; IADL-Punktvergabe (maximal 8): Selbständigkeit (a) ein Telefon zu benutzen, (b) einzukaufen, (c) ein Essen zuzubereiten, (d) Arbeiten im Haus zu erledigen, (e) Wäsche zu waschen, (f) Transportmittel zu benutzen, (g) seine Medikamente einzunehmen, (h) Geldangelegenheiten zu regeln. Therapieintensität: FD: Full Dose (≥70% der üblichen Dosis einer Anthrazyklin-haltigen Therapie, z.B. R-CHOP); RD: Reduced Dose (<70% der üblichen Dosis einer Anthrazyklin-haltigen Therapie, z.B. R-miniCHOP); PT: Palliative Therapy (keine Anthrazyklin-haltige Therapie)
Die Daten zeigen, dass die qualitative und quantitative Erfassung der genannten alternstypischen Probleme bei individuellen Patient*innen grundsätzlich durch ein geriatrisches Assessment in Ergänzung zur Anamnese und körperlichen Untersuchung gelingt. Besonders wichtige Komponenten des geriatrischen Assessment sind die IADL und die mittels CIRS-G erfassten Komorbiditäten.
Zur Vereinfachung des Vorgehens kann ein geriatrisches Screening, z.B. mit dem ‚Geriatric 8‘ (G8)-Score (8), empfohlen werden, um dann nur Patient*innen mit Einschränkungen im Screening einem umfassenderen Assessment zuzuführen. Screening-Instrumente wurden beim DLBCL in verschiedenen Studien erfolgreich eingesetzt [45][46]. Der G8-Score eignet sich gut zur Vorhersage schwerwiegender hämatologischer und nicht-hämatologischer therapiebedingter Toxizität einschließlich febriler Neutropenie. In einer 398 Patient*innen im Alter von 65-96 Jahren umfassenden retrospektiven Studie ereigneten sich schwere Nebenwirkungen bei Patient*innen mit einem G8-Score ≤11 (von maximal 17 Punkten; 55% der Patient*innen) etwa doppelt so häufig wie bei Patient*innen mit einem Score >11 (45% der Patient*innen). Am häufigsten traten schwere Nebenwirkungen unter R-CHOP oder R-CHOP-artigen Protokollen im ersten Therapiezyklus auf (G8-Score ≤11: 52%; >11: 24%). In den nachfolgenden 7 Zyklen reduzierte sich die Häufigkeit in beiden Gruppen auf etwa die Hälfte. Der Vorteil eines hohen G8-Scores im Hinblick auf schwere Nebenwirkungen blieb aber unverändert bestehen [46].
5.2 Bildgebende Verfahren, Knochenmarkbiopsie und Stadieneinteilung
Ulrich Dührsen, Dirk Hellwig, Thorsten Persigehl, Lale Umutlu
5.2.1 Bildgebende Verfahren
5.2.1.1 Positronenemissionstomographie/Computertomographie
Bei kurativem Therapiekonzept soll zur Festlegung des Ausbreitungsstadiums des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms eine Positronenemissionstomographie/Computertomographie (PET/CT) durchgeführt werden.
Hintergrund:
Die Größe nodaler und extranodaler Lymphommanifestationen wird mit Hilfe der CT, ihre metabolische Aktivität mit Hilfe der PET ermittelt. Soweit nicht anders angegeben, wird hierzu der Tracer [18F]Fluordesoxyglukose (FDG) verwendet. Fast alle DLBCL reichern vermehrt FDG an. In Studien von 51 und 222 Patient*innen lag der Anteil FDG-positiver Lymphome bei 100% bzw. 97% [50][51]. Die FDG-Anreicherung ist meist kräftig, mit einem maximalen Standardized Uptake Value (SUV) im Median um 20 [52][53].
Aufgrund ihrer Sensitivität wird die PET/CT in internationalen Leitlinien (‚Cheson-Leitlinien‘) seit 2007 zum Staging des DLBCL empfohlen [54]. Seit 2014 gilt sie in der neuesten Version, der ‚Lugano-Leitlinie‘, als ‚Goldstandard‘ der Bildgebung [55]. Eine sichere Unterscheidung limitierter und fortgeschrittener Stadien ist wichtig, da sich die Therapie unterscheidet [56][57]. Die PET/CT-Diagnostik für die initiale Ausbreitungsdiagnostik aggressiver Non-Hodgkin-Lymphome ist seit März 2020 eine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Die PET/CT ist der CT bei der Stadieneinteilung überlegen. In einer 72 DLBCL-Patient*innen umfassenden prospektiven randomisierten Studie, die eine Kontrastmittel-unterstützte Volldosis-PET/CT mit einer Kontrastmittel-unterstützten 64-Schichten-Multidetektor-CT verglich, wurde bei 72% der Teilnehmer*innen das Ann Arbor-Stadium mit beiden Methoden korrekt zugeordnet (Referenzstandard hier und in den meisten anderen Studien: alle klinischen Informationen einschließlich Bildgebung und weiterem Krankheitsverlauf) [47]. Im Vergleich zur CT besaß die PET/CT eine wesentlich höhere Sensitivität bei der Erkennung von Knochenmarkmanifestationen (67% versus 17%).
Weitere Hinweise auf die Überlegenheit der PET/CT gegenüber der Kontrastmittel-CT ergeben sich aus zahlreichen prospektiven und retrospektiven Studien, in denen die beiden Verfahren beim DLBCL [48][50], bei aggressiven Non-Hodgkin- und Hodgkin-Lymphomen [49][58][59] oder bei Lymphomen im Allgemeinen verglichen wurden [60][61][62][63]. In einer 28 Patient*innen umfassenden retrospektiven DLBCL-Studie, in der in limitierten Stadien eine Low-dose-PET/CT ohne Kontrastmittel mit einer Kontrastmittel-CT verglichen wurde, wurden mit der PET/CT 14% mehr nodale und 7% mehr extranodale Manifestationen entdeckt [48]. Andererseits ließ sich bei 7% der Patient*innen ein aufgrund der CT angenommenes fortgeschrittenes Stadium nicht bestätigen. So wurde mit Hilfe der PET/CT bei 4% der Patient*innen ein höheres (‚upstaging‘) und bei 18% ein niedrigeres Ann Arbor-Stadium (‚downstaging‘) diagnostiziert, was bei 11% zu einer Therapieänderung führte. In einer zweiten retrospektiven Studie, die 38 DLBCL-Patient*innen unterschiedlicher Stadien umfasste, änderte sich das Ausbreitungsstadium aufgrund der Low-dose-PET/CT gegenüber der Kontrastmittel-CT bei 16% der Patient*innen [64]. Die CT versagte insbesondere bei der Erkennung knöcherner Manifestationen. Die Überlegenheit der PET/CT bei der Erkennung von Knochenläsionen ergibt sich auch aus einer 16 DLBCL-Patient*innen umfassenden Studie [65]. Die PET/CT zeigte bei allen Patient*innen, die CT dagegen nur bei 7 (44%) einen pathologischen Befund. Eine gezielte Knochenbiopsie ergab in 7 von 7 PET/CT-positiven Fällen eine Lymphominfiltration (100%). Die CT erbrachte keinerlei Informationen, die über die Informationen der PET/CT hinausgingen.
In Zusammenschau der für Lymphome vorliegenden Studien beruht die höhere Sensitivität der PET/CT gegenüber der Kontrastmittel-CT vor allem auf einer zuverlässigeren Erkennung extranodaler Manifestationen [47][64][58][60][61][63]. Im Vergleich zur Kontrastmittel-CT lassen sich mit der PET/CT diffuse Infiltrationen ohne Veränderung von Form und/oder Größe der betroffenen Organe besser erkennen [63]. In die größte Studie, eine prospektive Registerstudie, gingen 520 Patient*innen mit aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen, davon 308 mit DLBCL, ein, bei denen aufgrund der CT ein limitiertes Stadium als sicher oder fraglich angenommen wurde. Bei Patient*innen mit vermeintlich sicher limitiertem Stadium führte die PET/CT in 28%, bei Patient*innen mit fraglich limitiertem Stadium in 56% der Fälle zur Korrektur in ein fortgeschrittenes Stadium, was bei 13% zu einer Therapieänderung führte [49] Gegenüber einer ausschließlich mit Kontrastmittel-CT untersuchten historischen Kontrolle führten die Stadieneinteilung mittels PET/CT und die daraus resultierenden Therapieänderungen zu einer signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens (Hazard ratio [HR] 0,63, p<0,05).
In den genannten Studien wurde die CT-Komponente der PET/CT entweder in Low-dose-Technik ohne oder in Full-dose-Technik mit Kontrastmittel eingesetzt. Das letztgenannte Verfahren erlaubt eine bessere anatomische Zuordnung der metabolischen Lymphomaktivität sowie eine bessere Beurteilung der Organe und weiterer Pathologien [66][67], ist aber mit einer deutlich höheren Strahlenexposition und Kontrastmittelbelastung verbunden [68][69]. Wenn bereits eine im Zuge der vorhergehenden Diagnostik angefertigte Kontrastmittel-CT vorliegt, kann die PET/CT-Ausbreitungsdiagnostik in Low-dose-Technik durchgeführt werden. Bei Fehlen einer separaten Kontrastmittel-CT werden die Bedingungen der PET/CT individuell festgelegt. In vergleichenden Studien unterschieden sich die mit beiden Methoden erzielten Ergebnisse bei Lymphomen nur geringfügig [60][66][67]. Die ‚Lugano-Leitlinie‘ beschränkt den Wert der Full-dose-PET/CT auf die sichere Differenzierung intraabdomineller Lymphknoten und Darmschlingen, die Erkennung von Gefäßkompressionen und Thrombosen, die anatomische Planung einer Strahlentherapie und die exakte Lymphknotenvermessung im Rahmen klinischer Studien [55].
5.2.1.2 Andere bildgebende Verfahren
Bei Verzicht auf eine PET/CT soll das Ausbreitungsstadium bei kurativem Therapiekonzept durch eine Ganzkörper-Magnetresonanztomographie (MRT) festgelegt werden.
CAVE: Eine Ganzkörper-MRT ist im abulanten Setting kein Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert).
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊝⊝
Stadieneinteilung
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [70]
Bei Verzicht auf eine PET/CT und Verzicht auf eine Ganzkörper-MRT soll das Ausbreitungsstadium bei kurativem Therapiekonzept durch eine Kontrastmittel-CT festgelegt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Gründe für einen Verzicht auf die PET/CT können u.a. fehlende Verfügbarkeit, Dringlichkeit des Therapiebeginns oder eine schwer kontrollierbare diabetische Stoffwechsellage mit Nüchternblutzucker-Konzentrationen über 200 mg/dl sein. Eine Alternative ist die Ganzkörper-MRT, deren Sensitivität sich bei aggressiven Non-Hodgkin- und Hodgkin-Lymphomen in einer 8 Studien umfassenden Metaanalyse nicht von der Sensitivität der PET/CT bei der Erkennung von Krankheitsmanifestationen unterschied [70]. Ein wesentlicher Vorteil der MRT ist die fehlende Strahlenbelastung. Nachteile sind begrenzte Verfügbarkeit, lange Untersuchungszeiten, eingeschränkte Eignung für Patient*innen mit Klaustrophobie und Metallimplantaten und fehlende Standardisierung der Datenerhebung und -interpretation bei Lymphomen. Die Ganzkörper-MRT ist nicht Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kostenübernahme ist daher nicht gesichert.
Vor Verfügbarwerden umfangreicher Daten zur PET/CT wurde in einer Metaanalyse die Kontrastmittel-CT als Standardverfahren für die Ausbreitungsdiagnostik bei Lymphomen bestätigt [71]. In diese Untersuchung gingen 3 CT-, 17 PET- und 4 PET/CT-Studien ein. Bei Lymphomen ohne vermehrte Glukoseaufnahme (überwiegend indolente Lymphome) gilt die Kontrastmittel-CT in der ‚Lugano-Leitlinie‘ weiterhin als Methode der Wahl [55] und wird daher auch beim DLBCL eingesetzt werden, wenn eine PET/CT oder Ganzkörper-MRT nicht durchführbar sind.
5.2.1.3 Empfehlungen bei nicht kurativem Konzept
Bei nicht kurativem Therapiekonzept können die Maßnahmen der Ausbreitungsdiagnostik reduziert werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Bei nicht kurativem Therapiekonzept ist es sinnvoll, die Beeinträchtigung der Patient*innen durch diagnostische Maßnahmen auf ein Minimum zu beschränken. Anstelle der zuvor genannten bildgebenden Verfahren können hier insbesondere konventionelle Röntgenuntersuchungen und Sonographien zum Einsatz kommen.
5.2.2 Knochenmarkbiopsie
5.2.2.1 Situationen mit einer Empfehlung gegen eine Knochenmarkbiopsie
Bei Einsatz der PET/CT zur Stadieneinteilung soll bei kurativem Konzept in folgenden Situationen auf eine Knochenmarkbiopsie verzichtet werden:
- Nachweis einer Knochenmarkbeteiligung durch die PET/CT
- Fortgeschrittenes Ausbreitungsstadium (Ann Arbor-Stadium III oder IV; s. 5.2.3.1)
- Limitiertes Ausbreitungsstadium (Ann Arbor-Stadium I oder II) mit ‚bulky disease‘ (s. 5.3.2.1.) und/oder ≥ 1 ungünstigem Faktor des altersadjustierten ‚Internationalen Prognostischen Index‘ (IPI) (s. 5.3.1.2).
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝
Gesamtüberleben
⊕⊕⊕⊝Progressionsfreies Überleben
⊕⊕⊕⊝Ereignisfreies Überleben
⊕⊕⊕⊝Sensitivität (Stadieneinteilung)
⊕⊕⊕⊝Spezifität (Stadieneinteilung)
⊕⊕⊝⊝Positiver Vorhersagewert (Stadieneinteilung)
⊕⊕⊕⊕Negativer Vorhersagewert (Stadieneinteilung)
⊕⊕⊕⊝Stadieneinteilung
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [72] [73] [74] [75] [76] [77] [78]
Hintergrund:
Bei Einsatz der PET/CT zur Stadieneinteilung wird in der ‚Lugano-Leitlinie‘ eine Knochenmarkbiopsie bei den meisten DLBCL-Patient*innen für nicht erforderlich gehalten [55]. Diese Empfehlung beruht auf der größeren Sensitivität der PET/CT gegenüber der Knochenmarkbiopsie und der Tatsache, dass eine durch die PET/CT nicht erfasste Knochenmarkbeteiligung in den meisten Fällen keinen Einfluss auf die Therapie hat. Der Verzicht auf eine Knochenmarkbiopsie erspart Schmerzen, die in einer 235 Patient*innen umfassenden Studie von 70% der Teilnehmer*innen in unterschiedlicher Intensität angegeben wurden [79], und Komplikationen, insbesondere Blutungen und Infektionen, die zwar selten auftreten, in Einzelfällen aber tödlich verlaufen können [80].
Formen der Knochenmarkbeteiligung
In dreizehn 54–530 DLBCL-Patient*innen umfassenden Studien ließ sich mit PET/CT und Knochenmarkbiopsie bei median 27% der Patient*innen (Spannbreite: 15–50%) eine Knochenmarkbeteiligung nachweisen [74][75][78][76][81][82][83][84][85][86][87][88][88][89]. Goldstandard war der Nachweis eines Knochenmarkbefalls mittels PET/CT und/oder Knochenmarkbiopsie, der in den meisten Studien durch gezielte Biopsien, weitere bildgebende Verfahren und Verlaufsuntersuchungen (Rückgang der mit der PET/CT identifizierten FDG-Anreicherung unter Therapie) ergänzt wurde. Mit der PET/CT allein wurde eine Knochenmarkbeteiligung bei median 24% (Spannbreite: 9–44%), mit der Knochenmarkbiopsie allein bei 13% der Patient*innen (Spannbreite: 6–25%) nachgewiesen. Neben übereinstimmenden Befunden wurden in unterschiedlichem Maße diskrepante Befunde erhoben, in denen entweder nur die PET/CT (median 15% der Patient*innen [Spannbreite: 4–29%]) oder nur die Knochenmarkbiopsie (median 4% [Spannbreite: 1–11%]) ein positives Ergebnis erbrachten [74][75][78][76][81][82][83][84][85][86][88][89].
In sieben 54–327 Patient*innen umfassenden Studien stellte sich das Befallsmuster in der PET/CT in median 79% der Fälle (Spannbreite: 59–94%) als uni- oder multifokal und in median 21% der Fälle (Spannbreite: 6–41%) als diffus dar (mit oder ohne zusätzliche Foci) [75][78][81][83][85][86][88]. Fokale Manifestationen werden in der Literatur immer als Knochenmarkbefall gewertet, bei diffusem Befall ist die Zuordnung nicht einheitlich. In Zusammenschau von vier Studien führte eine gezielte Biopsie aus insgesamt 34 mit der PET/CT identifizierten Foci in 33 Fällen (97%) zum Nachweis einer Lymphominfiltration [65][81][84][90]. Der einzige Patient mit fehlendem Lymphomnachweis litt zusätzlich an einer myeloproliferativen Erkrankung, die die erhöhte FDG-Aktivität erklärte [84]. Eine ungezielte Beckenkammbiopsie erbrachte in sechs Studien, in denen 10–68 Patient*innen mit fokalem Knochenmarkbefall untersucht wurden, nur in median 26% der Fälle (Spannbreite: 0–36%) einen Lymphomnachweis[65][75][81][83][85][86]. Bei diffusem Knochenmarkbefall in der PET/CT war die Beckenkammbiopsie in fünf 2–18 Patient*innen umfassenden Studien in median 75% (Spannbreite: 22–100%) positiv [75][81][83][85][86]. Die Daten belegen, dass eine fokale FDG-Anreicherung im Knochenmark fast immer und eine diffuse Anreicherung in den meisten Fällen einem DLBCL-Befall entspricht. Bei fokalem Befall außerhalb des Beckenkamms zeigt sich in der Beckenkammbiopsie dagegen nur selten eine Lymphominfiltration. Die eingeschränkte Aussagekraft der Knochenmarkbiopsie beim DLBCL wird durch die Tatsache unterstrichen, dass die Häufigkeit des Lymphomnachweises mit der Länge der Knochenstanze korreliert [91] und sich in drei 107-170 Patient*innen umfassenden Studien um median 38% (Spannbreite: 4–50%) erhöhte, wenn statt einseitig beidseitig biopsiert wurde [92][93][94]. Um eine einzige Knochenmarkinfiltration zu erkennen, die der PET/CT entgangen ist, mussten sich in einer 169 Patient*innen umfassenden Studie 85 Patient*innen einer Beckenkammbiopsie unterziehen. Demgegenüber waren nur 9 PET/CT-Untersuchungen erforderlich, um einen bioptisch nicht nachweisbaren Knochenmarkbefall zu erkennen [81].
Histologisch besteht das Knochenmarkinfiltrat bei je etwa der Hälfte der DLBCL-Patient*innen aus großen Zellen, die dem DLBCL zuzuordnen sind (‚konkordanter Befall‘), bzw. kleinen Zellen, die an ein indolentes Lymphom denken lassen (‚diskordanter Befall‘) [78][76][83][91][95][96][97]. Der Infiltrationsgrad ist bei konkordantem Befall meist höher als bei diskordantem [63][69]. In drei Studien, in denen 14–88 Patient*innen mit histologisch nachgewiesener Knochenmarkbeteiligung untersucht wurden, ließ sich ein konkordanter Befall in median 75% (Spannbreite: 56–86%), ein diskordanter dagegen nur in 36% (Spannbreite: 29–40%) mit der PET/CT nachweisen [76][83][98]. Insbesondere bei einem Infiltrationsgrad <10–20% ist ein konkordanter Befall nicht immer darstellbar [75][99]. Ein konkordanter Knochenmarkbefall geht im Hinblick auf das progressionsfreie Überleben (‚progression-free survival‘, PFS) [91][97] und Gesamtüberleben (‚overall survival‘, OS) [91][95][96][97] mit einer schlechten Prognose einher. Ein diskordanter Befall hat dagegen keine prognostische Bedeutung. Der Krankheitsverlauf ist ähnlich wie bei DLBCL-Patient*innen ohne Knochenmarkbeteiligung [91][95][96][97].
Leistungsverhalten von PET/CT und Knochenmarkbiopsie
In einer Metaanalyse von sechs bis 2013 durchgeführten Studien, die insgesamt 599 Patient*innen einschlossen, ergab sich für die PET/CT für die Erkennung von Knochenmarkmanifestationen eine Sensitivität von 89% (95%-Konfidenzintervall [KI]: 83–93%) und eine Spezifität von 100% (95%-KI: 99–100%) [74]. Bei 13% der Patienten (95%-KI: 8–17%) war die PET/CT positiv, obwohl die Beckenkammbiopsie keinen Befall zeigte, und bei 3% (95%-KI: 2–5%) entging der PET/CT ein durch die Biopsie nachgewiesener Befall. Die verlässliche Erkennung von Knochenmarkmanifestationen durch die PET/CT wurde in den folgenden Jahren in mehreren großen Studien (>150 DLBCL-Patient*innen) bestätigt [75][78][76][81][72]. In der bisher größten Studie, in die neben 896 DLBCL-Patient*innen auch 20 Patient*innen mit primär mediastinalem B-Zell-Lymphom und 14 Patient*innen mit follikulärem Lymphom Grad 3b eingingen, ergaben sich für PET/CT und Knochenmarkbiopsie folgende Testeigenschaften [77]:
Tabelle 7: Erkennung von Knochenmarkmanifestationen mittels PET/CT oder Beckenkammbiopsie bei 930 Patient*innen, die in der PETAL- oder OPTIMAL>60-Studie behandelt wurden
|
Testparameter |
PET/CT |
Knochenmarkbiopsie |
|
Sensitivität |
84% (95%-KI: 78–88) |
38% (95%-KI: 32–45) |
|
Spezifität |
100% (95%-KI: 99–100) |
100% (95%-KI: 99–100) |
|
Positiver prädiktiver Wert |
100% (95%-KI: 98–100) |
100% (95%-KI: 96–100) |
|
Negativer prädiktiver Wert |
95% (95%-KI: 93–97) |
84% (95%-KI:81–86) |
|
Quelle: [77] |
||
Klinische Konsequenzen einer Knochenmarkbeteiligung
Durch den Nachweis einer Knochenmarkbeteiligung führte die PET/CT in sechs 130–327 Patient*innen umfassenden Studien bei Berücksichtigung aller Stadien bei median 7% der Teilnehmer (Spannbreite: 1–13%) zu einem höheren Krankheitsstadium, bei ursprünglicher Annahme eines limitierten Stadiums sogar bei bis zu 21% [75][78][81][72][84][85]). Eine Studie berichtete über hierdurch begründete Änderungen der Behandlung, die über alle Stadien verteilt bei 3% und bei ursprünglich limitiertem Stadium bei 11% der Patient*innen erfolgten [84]. Umgekehrt wurde durch die Knochenmarkbiopsie das Krankheitsstadium in sieben 130–530 Patient*innen umfassenden Studien bei median 2% der Patient*innen (Spannbreite: 0–9%) erhöht, in limitierten Stadien bei median 3% (Spannbreite: 0–8%) [75][78][76][81][72][84][85]. Das Infiltrationsmuster war bei den meisten Patient*innen diskordant und damit prognostisch irrelevant (alle Stadien: 69%; limitierte Stadien: 75%) [76]. In einer Studie ergaben sich aus dem bioptischen Nachweis einer Knochenmarkinfiltration bei einem von 155 Patient*innen (<1%) therapeutische Konsequenzen [78]. In einer anderen, 113 DLBCL-Patient*innen umfassenden Studie, in der die Lymphomausbreitung mittels Kontrastmittel-CT (ohne PET) und Knochenmarkbiopsie definiert wurde, führte die Biopsie bei 9 Teilnehmer*innen (8%) zu einem erhöhten Ann Arbor-Stadium [100]. Trotz Änderung des Krankheitsstadiums blieb die Behandlung bei allen Patient*innen unverändert.
Die prognostische Bedeutung der mittels PET/CT oder Beckenkammbiopsie diagnostizierten Knochenmarkbeteiligung wird unterschiedlich beurteilt. Im Hinblick auf PFS, ereignisfreies Überleben (‚event-free survival‘, EFS) und/oder OS besaßen in manchen Studien die PET/CT [76][81][88] und in anderen die Biopsie prognostische Bedeutung [74][72][83][85]. In einer Studie waren beide [84] und in einer anderen war keine der beiden Methoden prognostisch bedeutsam [89]. In einer weiteren Studie beeinflusste ein Knochenmarkbefall die Prognose nur dann, wenn er sowohl mit der PET/CT als auch mit der Biopsie nachgewiesen wurde [75].
Bei kurativem Konzept ist die empfohlene Primärtherapie des DLBCL – abgesehen von limitierten Krankheitsstadien ohne IPI-Risikofaktoren oder ‚bulky disease‘[56] – für alle Patient*innen gleich. Sofern die PET/CT ein limitiertes Stadium ohne die genannten Risikofaktoren ausschließt, ist daher eine Knochenmarkbiopsie aus therapeutischer Sicht nicht erforderlich. Auch als Ausgangsbefund für die Abschlussuntersuchung erscheint sie verzichtbar. In einer 1080 DLBCL-Patient*innen umfassenden retrospektiven Studie fand sich bei 69 Patient*innen (6%) bei Erstdiagnose in der Beckenkammbiopsie eine konkordante Knochenmarkinfiltration [101]. Bei der Abschlussuntersuchung stimmten die Ergebnisse von PET/CT und Beckenkammbiopsie bei allen Patient*innen überein (positiver und negativer prädiktiver Wert der PET/CT jeweils 100%). Selbst wenn sich ein konkordantes Infiltrat mit der PET/CT nicht darstellen sollte, ist die unilokuläre Beckenkammbiopsie aufgrund ihrer geringen Sensitivität (häufige falsch negative Befunde) von zweifelhaftem Wert [91][92][93][94].
5.2.2.2 Situationen mit einer Empfehlung für eine Knochenmarkbiopsie
In limitierten Ausbreitungsstadien ohne ‚bulky disease‘ und ohne ungünstige Faktoren des altersadjustierten ‚Internationalen Prognostischen Index‘ sollte bei kurativem Konzept zur Stadieneinteilung eine Knochenmarkbiopsie durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Bei Verzicht auf eine PET/CT in der Ausbreitungsdiagnostik sollte bei kurativem Konzept zur Stadieneinteilung eine Knochenmarkbiopsie durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
In limitierten Ausbreitungsstadien ohne IPI-Risikofaktoren oder ‚bulky disease‘ ergibt eine auf 4 Chemotherapiezyklen reduzierte Behandlung gleich gute Ergebnisse wie die in fortgeschrittenen Stadien übliche Behandlung mit 6 Zyklen. In der der Empfehlung einer verkürzten Chemotherapie zugrunde liegenden randomisierten Studie wurde das limitierte Stadium u.a. mittels Knochenmarkbiopsie definiert [56] Da in limitierten PET/CT-Stadien etwa 3% der Knochenmarkbeteiligungen bildmorphologisch nicht erkannt werden [84], erscheint zum Ausschluss eines fortgeschrittenen Stadiums eine Knochenmarkbiopsie sinnvoll. Diese Forderung wird durch 3 Beobachtungen entschärft, die im Einzelfall ein abweichendes Verhalten rechtfertigen können:
1. In einer Studie von 209 Patient*innen mit limitierten PET/CT-Stadien wurde das Stadium bei 12 Patient*innen (6%) durch die Knochenmarkbiopsie zugunsten eines fortgeschrittenen Stadiums korrigiert. Nur bei 3 Patient*innen (1%) lag jedoch ein konkordanter, prognostisch relevanter Knochenmarkbefall vor [78]
2. Nach den Ergebnissen einer 192 Patient*innen umfassenden Studie kann das Vorliegen einer Knochenmarkinfiltration in limitierten Stadien vorhergesehen werden [102]. Wenn zumindest einer der drei Faktoren ‚bulky disease >7cm‘, ‚Hämoglobin <10 g/dl‘ oder ‚Leukozyten <4/nl‘ vorliegt, beträgt das Risiko eines Knochenmarkbefalls 8%. Fehlen die genannten Risikofaktoren, reduziert sich das Risiko auf <1% (negativer prädiktiver Wert: 99,2%). Bei Patient*innen in limitierten Stadien ohne IPI-Risikofaktoren und ohne die genannten Risikofaktoren für eine Knochenmarkbeteiligung ist der Nachweis einer Lymphominfiltration in der Beckenkammbiopsie sehr unwahrscheinlich.
3. In einer 896 DLBCL-Patient*innen umfassenden Studie wies kein*e einzige*r Patient*in mit negativer Knochenmark-PET/CT und positiver Knochenmarkbiopsie ein limitiertes PET/CT-Stadium ohne IPI-Risikofaktoren oder ‚bulky disease‘ auf [77]. In der für eine verkürzte Chemotherapie qualifizierenden DLBCL-Subgruppe dürfte der alleinige Nachweis einer Knochenmarkbeteiligung durch die Biopsie eine Rarität darstellen.
Die Kontrastmittel-CT ist zur Erkennung einer Knochenmarkbeteiligung nicht geeignet [47][63]. Bei Anwendung der Kontrastmittel-CT anstelle der PET/CT ist eine Knochenmarkbiopsie daher zur Stadieneinteilung zu empfehlen. Die MRT scheint eine Knochenmarkbeteiligung bei Lymphomen ähnlich gut zu erkennen wie die PET/CT [103][104]. Dies gilt auch für die in Erprobung befindliche FDG-PET/MRT [105]. Da die bisher vorliegenden Daten beschränkt sind und sich auf Lymphome im Allgemeinen und nicht speziell auf das DLBCL beziehen, ist auch bei der Stadieneinteilung mittels MRT eine Knochenmarkbiopsie zu empfehlen.
5.2.2.3 Knochenmarkbiopsie bei nicht kurativem Therapiekonzept
Bei nicht kurativem Therapiekonzept kann unabhängig von den eingesetzten bildgebenden Verfahren auf eine Knochenmarkbiospie verzichtet werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Bei nicht kurativem Therapiekonzept ist es sinnvoll, die Beeinträchtigung des*der Patient*in durch diagnostische Maßnahmen auf ein Minimum zu beschränken. Dies gilt auch für die meist als schmerzhaft empfundene Knochenmarkbiopsie. In manchen Situationen kann sich eine Knochenmarkbiopsie allerdings auch bei nicht kurativem Konzept anbieten (z.B. Stellung der DLBCL-Diagnose, Abklärung einer peripheren Zytopenie zur Erkennung von Zweiterkrankungen und Abschätzung der Therapietoleranz).
5.2.3 Stadieneinteilung
5.2.3.1 Ann Arbor-Klassifikation
Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom soll entsprechend seiner Ausbreitung nach der Lugano-Modifikation der Ann Arbor-Klassifikation in Stadien eingeteilt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Wesentliches Ziel der im Jahre 1971 publizierten Ann Arbor-Klassifikation war die Unterscheidung von Lymphomstadien, die entweder für eine Strahlen- oder eine Chemotherapie geeignet waren [38]. In den darauffolgenden Jahrzehnten etablierte sich die Immunchemotherapie für alle Stadien, wobei sich die Anzahl erforderlicher Therapiezyklen als stadienabhängig erwies. Die Bedeutung der Strahlentherapie wurde geringer. Mit dem Einzug der PET/CT in die Diagnostik wird die Bestrahlung in zunehmendem Maße auf FDG-positive Restmanifestationen beschränkt, die nach Abschluss der Chemoimmuntherapie persistieren.
Die Ann Arbor-Klassifikation ist von therapeutischer und prognostischer Bedeutung. Um ihrem Anspruch als Therapiesteuerungselement gerecht zu werden, wurde sie immer wieder an die aktuelle Therapie angepasst. Die jüngste Änderung in Form der ‚Lugano-Kriterien‘ gruppiert die 4 Stadien der Ann Arbor-Klassifikation in ‚limitierte‘ (I, II) und ‚fortgeschrittene‘ Stadien (III, IV), beschränkt extranodale Manifestationen auf die Stadien I und II und ‚bulky disease‘ auf das Stadium II und verzichtet bei Non-Hodgkin-Lymphomen auf die Angabe von B-Symptomen [55].
Tabelle 8: Lugano-Modifikation der Ann Arbor-Klassifikation
|
Stadium |
Nodaler Befall |
Extranodaler (E) Befall |
|
Limitiert |
||
|
I |
Ein einzelner Lymphknoten oder eine Gruppe benachbarter Lymphknoten |
Eine einzelne extranodale Läsion ohne Lymphknotenbeteiligung |
|
II |
Zwei oder mehr befallene Lymphknotengruppen auf der gleichen Seite des Zwerchfells |
Stadium I oder II bezüglich nodalem Befall mit unmittelbar angrenzender extranodaler Beteiligung |
|
II ‚bulky disease‘ |
Längster Durchmesser >6–10 cm* |
Nicht anwendbar |
|
Fortgeschritten |
||
|
III |
Lymphknoten auf beiden Seiten des Zwerchfells; Lymphknoten oberhalb des Zwerchfells mit Beteiligung der Milz |
Nicht anwendbar |
|
IV |
Zusätzliche, nicht unmittelbar an einen nodalen Befall angrenzende extralymphatische Beteiligung |
Nicht anwendbar |
|
Quelle: [55] * In Deutschland übliche Definition von ‚bulky disease‘: ≥7,5 cm Längsdurchmesser |
||
Extranodale Manifestationen werden durch Hinzufügen des Buchstabens ‚E‘ zu den Ann Arbor-Stadien I und II kenntlich gemacht (IE, IIE).
Nach PET-Kriterien gilt eine unphysiologisch erhöhte fokale FDG-Aufnahme als Lymphknoten- oder Organbefall, sofern sie prinzipiell mit einer Lymphommanifestation vereinbar ist [55]. Thymus, Waldeyerscher Rachenring, Peyersche Plaques, Appendix und Milz gelten als lymphatisches Gewebe und werden entsprechend als Lymphknoten gewertet. Bei Milz, Leber und einigen anderen Organen gelten sowohl fokale als auch diffuse Mehranreicherungen als Lymphombefall [55][63]. Auch nicht messbare Läsionen (z.B. Haut- oder Darmbefall) werden bei der Stadieneinteilung berücksichtigt.
Nach CT-Kriterien wird als Lymphknotenbefall eine Lymphknotenvergrößerung >1,5 cm definiert, als extranodaler Befall eine Läsion >1 cm. Eine Milzbeteiligung wird ab einem Längsdurchmesser von 13 cm angenommen. Der Nachweis nodulärer oder miliarer Herde in Milz oder Leber gilt ebenfalls als Befall. Die Definition von ‚bulky disease‘ ist bei aggressiven Lymphomen nicht einheitlich und schwankt zwischen 6 cm und 10 cm [55]. In Deutschland wird ‚bulky disease‘ üblicherweise als Längsdurchmesser ≥7,5 cm definiert [56][106].
5.2.3.2 B-Symptome
Das Vorliegen oder Fehlen von B-Symptomen sollte durch den Zusatz A (keine B-Symptome) oder B (B-Symptome) kenntlich gemacht werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
In ihrer ursprünglichen Form beinhaltete die Ann Arbor-Klassifikation die Unterscheidung von A- und B-Stadien [38]. Entgegen den Empfehlungen der Lugano-Modifikation [55] erscheint die Angabe von B-Symptomen nicht nur beim Hodgkin-Lymphom, sondern auch beim DLBCL weiterhin sinnvoll. Bei nicht kurativem Therapiekonzept kann das Vorliegen von B-Symptomen eine Behandlungsindikation darstellen. Bei kurativer Behandlung kann das Wiederauftreten von B-Symptomen das erste Anzeichen eines Krankheitsrückfalls sein. Da das Vorliegen von B-Symptomen therapeutische und diagnostische Konsequenzen haben kann, wird es dokumentiert.
5.3 Prognostische und prädiktive Faktoren
Ulrich Dührsen, Dirk Hellwig, Thorsten Persigehl, Lale Umutlu
5.3.1 Klinische Prognose-Scores
5.3.1.1 Internationaler Prognostischer Index
Zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs soll bei Erstdiagnose eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms der ‚Internationale Prognostische Index‘ herangezogen werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Das DLBCL ist eine biologisch heterogene Krankheit. Der Krankheitsverlauf wird in entscheidendem Maße durch die Therapie bestimmt. Zur Abschätzung der Prognose unter einer Anthrazyklin-haltigen Therapie wurde im Jahre 1993 anhand der damals verfügbaren Daten der IPI entwickelt, der das am häufigsten verwendete Prognoseinstrument darstellt [International Non-Hodgkin's Lymphoma Prognostic Factors Project et al. 1993]. Die im Folgenden genannten Überlebensdaten beziehen sich auf die heute übliche Behandlung mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison (R-CHOP) oder R-CHOP-ähnlichen Therapievarianten.
Für den Endpunkt Gesamtüberleben werden im IPI fünf voneinander unabhängige dichotome Faktoren unterschieden, die bei ungünstiger Ausprägung den Verlauf negativ beeinflussen:
- Alter ≥60 Jahre
- Aktivitätsindex nach WHO (Performance Status) ≥2
- Ann Arbor-Stadium III oder IV
- Extranodal-Befall ≥2 Manifestationen
- Laktatdehydrogenase-Aktivität (LDH) >oberer Normwert
In Abhängigkeit von der Anzahl ungünstiger Faktoren werden vier Risikogruppen unterschieden:
- 0–1 Faktor: niedriges Risiko
- 2 Faktoren: niedrig-intermediäres Risiko
- 3 Faktoren: hoch-intermediäres Risiko
- 4–5 Faktoren: hohes Risiko
Der IPI behält auch unter einer Rituximab-haltigen Therapie seine Gültigkeit und sagt nicht nur das OS, sondern auch das PFS und EFS voraus [108]. Zusätzlich zu Progression, Rückfall und Tod jeglicher Ursache wurden beim EFS jegliche über die Primärtherapie hinausgehenden Therapiemaßnahmen als Ereignis gewertet. Hierbei ergaben sich in einer Gruppe von 1062 unter Studienbedingungen behandelten Patient*innen folgende 3-Jahres-Überlebensraten:
Tabelle 9: 3-Jahres-Überlebensraten (95%-Konfidenzintervall) von Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom unter einer Rituximab-haltigen Therapie in Abhängigkeit von der IPI-Risikogruppe
|
IPI-Risikogruppe
|
Anteil von Patient*innen |
Gesamt- überleben |
Progressionsfreies Überleben |
Ereignisfreies Überleben |
|
Niedrig |
52 % |
91,4 % (88,9–93,9) |
87,0 % (83,9–90,1) |
81,3 % (77,8–84,8) |
|
Niedrig-Intermediär |
21 % |
80,9 % (75,4–86,4) |
74,7 % (68,6–80.8) |
68,5 % (62,0–75,0) |
|
Hoch-intermediär |
17 % |
65,1 % (57,7–72,6) |
58,6 % (50,8–66,4) |
53,2 % (45,4–61,0) |
|
Hoch |
10 % |
59,0 % (49,2–68,8) |
55,8 % (45,8–65,8) |
49,5 % (39,5–59,5) |
|
Alle Gruppen |
100 % |
81,5 % (79,0–84,0) |
76,4 % (73,7–79,1) |
70,5 % (67,6–73,4) |
|
Quelle: [108] |
||||
Vier der fünf IPI-Faktoren spiegeln zumindest partiell die Gesamttumormasse wider [109], zu der einzelne, besonders große Lymphommanifestationen insbesondere in limitierten Stadien in entscheidendem Maße beitragen können. Diese Erkenntnis war Grundlage der zusätzlichen Berücksichtigung der ‚bulky disease‘ in der Ann Arbor-Klassifikation [110]. Zwischen 5 cm und 10 cm Längsausdehnung steigt der negative Einfluss der ‚bulky disease‘ auf das Behandlungsergebnis kontinuierlich an [111]. In Deutschland wurde zur Definition von ‚bulky disease‘ beim DLBCL eine Längsausdehnung ≥7,5 cm gewählt [56][106]. Patient*innen ohne Risikofaktoren des altersadjustierten IPI (s. 5.3.1.2) und ohne ‚bulky disease‘ stellen eine besonders günstige Subgruppe dar [112], bei der die Therapie ohne Wirkungseinbuße reduziert werden kann [56]. Zur Therapiesteuerung sind daher sowohl der IPI als auch ‚bulky disease‘ erforderlich. Patient*innen im Alter von über 80 Jahren waren in diesen Studien ausgeschlossen, so dass ein Alter von über 80 Jahren nicht als eigenständiger Prognosefaktor untersucht werden konnte.
5.3.1.2 Varianten des Internationalen Prognostischen Index
Über den ursprünglichen ‚Internationalen Prognostischen Index‘ hinaus können zur Krankheitsvorhersage IPI-Varianten verwendet werden (z.B. ‚age-adjusted‘ IPI, E-IPI, EPI, ‚stage-adjusted‘ IPI, NCCN-IPI).
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Eine bereits in der Primärpublikation des IPI genannte Variante ist der altersadjustierte IPI (aaIPI), der nur die Risikofaktoren Ann Arbor-Stadium III/IV, Aktivitätsindex ≥2 und LDH >oberer Normbereich enthält und ursprünglich nur für Patient*innen <60 Jahre entwickelt wurde [International Non-Hodgkin's Lymphoma Prognostic Factors Project et al. 1993]. Anhand dieser Faktoren lassen sich 4 Prognosegruppen (0–3 Risikofaktoren) mit unterschiedlicher Überlebenswahrscheinlichkeit definieren. Der aaIPI kann auch auf Patient*innen ≥60 Jahre angewendet werden [113].
Speziell für Patient*innen ≥60 Jahre wurde der ‚Elderly IPI‘ (E-IPI) entwickelt, bei dem die Altersgrenze nicht bei 60, sondern bei 70 Jahren liegt [113]. Die im E-IPI vorgeschlagene Altersgrenze trägt dem Umstand Rechnung, dass sich die Therapietoleranz älterer Patienten in Abhängigkeit der vorliegenden Altersgruppe deutlich unterscheidet. Unter Beibehaltung der vier Risikogruppen des IPI führt der E-IPI zu einer Verschiebung der Patient*innen im Alter von 60–70 Jahren in günstigere Stadien, was zu einer besseren Aufspreizung der Überlebenskurven führt.
Der ‚Elderly Prognostic Index‘ (EPI) kombiniert den IPI mit der Hämoglobin-Konzentration und der in Abschnitt 5.1.4. dargestellten Einteilung alter DLBCL-Patienten in ‚fit‘, ‚unfit‘ und ‚frail‘ [44]. Er wurde für geriatrische Patient*innen mit und ohne höhergradige Einschränkungen entwickelt. IPI 1, Hämoglobin ≥12 g/dl und ‚fit‘ werden mit jeweils 0 Punkten, IPI 2 und Hämoglobin <12 g/dl mit je 1 Punkt, IPI 3-5 und ‚unfit‘ mit je 3 Punkten und ‚frail‘ mit 4 Punkten gewichtet. Durch Addition der Punktzahlen ergeben sich die Risikogruppen niedrig (0-1 Punkte; 23% von 1065 untersuchten Patient*innen), intermediär (2-5 Punkte; 48%) und hoch (≥6 Punkte; 29%), die mit 3-Jahres-Überlebensraten von 87%, 69% und 42% korrelieren. Die Primärtherapie war bei 89%, 70% und 37% der Patient*innen der drei EPI-Risikogruppen voll dosiert (≥70% der üblichen Dosis), bei 10%, 24% und 35% dosisreduziert und bei <1%, 7% und 28% auf nicht kurative Maßnahmen beschränkt.
Speziell für limitierte Stadien (I und II) wurde der ‚stage-adjusted‘ IPI entwickelt, in dem die Ann Arbor-Stadien I und II als günstig bzw. ungünstig klassifiziert werden. Die Berücksichtigung zweier unterschiedlicher limitierter Stadien führt bei Anwendung des IPI zu einer genaueren Vorhersage des Krankheitsverlaufs in limitierten Stadien [114]. Patient*innen im Stadium I oder IE ohne Risikofaktoren zeichnen sich durch eine ausgezeichnete Prognose aus.
Ein Nachteil des IPI ist die dichotome Einteilung der Variablen, die quantitative Unterschiede in der Ausprägung eines Risikofaktors unberücksichtigt lässt. Eine vom ‚National Comprehensive Cancer Network‘ (NCCN) an über 1500 Patient*innen entwickelte und an einer fast gleich großen Zahl anderer Patient*innen validierte IPI-Variante erlaubt eine feinere Unterscheidung [115]. Anstelle von zwei wurden das Alter in vier (≤40 Jahre: 0 Punkte, 41–60 Jahre: 1 Punkt; 61–75 Jahre: 2 Punkte; >75 Jahre: 3 Punkte) und die LDH-Aktivität in drei Risikogruppen eingeteilt (Quotient Messwert/obere Normgrenze ≤1: 0 Punkte; Quotient 1–3: 1 Punkt; Quotient >3: 2 Punkte). Außerdem wurden extranodale Manifestationen nur dann als Risikofaktor (mit 1 Punkt) berücksichtigt, wenn sie das Knochenmark, das zentrale Nervensystem, den Gastrointestinaltrakt, die Leber oder die Lunge betrafen. Das Ann Arbor-Stadium und der Performance Status entsprechen der dichotomen Einteilung im ursprünglichen IPI. Statt maximal fünf Punkte für ungünstige Ausprägungen ergeben sich im NCCN-IPI maximal acht Punkte. Der NCCN-IPI wurde für das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben entwickelt, enthält wie der ursprüngliche IPI vier Risikogruppen und eignet sich insbesondere zur Erkennung von Gruppen mit besonders guter oder besonders schlechter Prognose.
Tabelle 10: 5-Jahres-Raten insgesamt überlebender (overall survival, OS) und progressionsfrei überlebender Patient*innen (PFS) in den vier Risikogruppen des ursprünglichen IPI und des NCCN-IPI
|
Risikogruppe |
IPI |
NCCN-IPI |
||||||
|
Punkte |
Patient*innen |
OS |
PFS |
Punkte |
Patient*innen |
OS |
PFS |
|
|
Niedrig |
0 – 1 |
38% |
90% |
85% |
0 – 1 |
19% |
96% |
91% |
|
Niedrig-intermediär |
2 |
26% |
77% |
66% |
2 – 3 |
42% |
82% |
74% |
|
Hoch-intermediär |
3 |
22% |
62% |
52% |
4 – 5 |
31% |
64% |
51% |
|
Hoch |
4 – 5 |
14% |
54% |
39% |
6 – 8 |
8% |
33% |
30% |
|
Quelle: [115] |
||||||||
IPI und NCCN-IPI behalten ihre prognostische Aussagekraft bei Einsatz der heute üblichen PET/CT anstelle der früher zur Stadieneintelung verwendeten bildgebenden Verfahren [87].
5.3.1.3 Internationaler Prognostischer Index für zentralnervöse Rückfälle
Zur Abschätzung des Risikos eines Rückfalls des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms im zentralen Nervensystem (ZNS) sollte der ‚Internationale Prognostische Index für zentralnervöse Rückfälle‘ (ZNS-IPI) verwendet werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Bei hohem ZNS-IPI-Risiko sollten eine zerebrale Magnetresonanztomographie und eine Liquorpunktion erfolgen, um eine manifeste, das Therapiekonzept verändernde zentralnervöse Beteiligung nachzuweisen.
- Konsens
- Starker Konsens
Bei intermediärem ZNS-IPI-Risiko können eine zerebrale Magnetresonanztomographie und eine Liquorpunktion erfolgen, um eine manifeste, das Therapiekonzept verändernde zentralnervöse Beteiligung nachzuweisen.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Bei Erstdiagnose nicht vorhandene zentralnervöse Krankheitserscheinungen manifestieren sich meist frühzeitig während oder kurz nach der Primärtherapie. Dies legt die Vermutung nahe, dass in manchen Fällen bereits bei Diagnosestellung ein subklinischer ZNS-Befall vorlag. Da die in der Standardtherapie verwendeten Medikamente die Blut-Hirn-Schranke nur in geringem Maße überwinden, könnte es wichtig sein, Patient*innen mit großem ZNS-Rückfallrisiko frühzeitig zu identifizieren, um zusätzlich zur Standardtherapie prophylaktisch liquorgängige Medikamente einzusetzen. Da eine Verbesserung der Behandlung durch diese Maßnahme nicht gesichert ist, sind die therapeutischen Konsequenzen aus einem hohen ZNS-Rezidiv-Risiko nicht klar definiert.
Ein an über 2000 Patient*innen entwickeltes und an einer fast genauso großen Zahl an Patient*innen validiertes Prognose-Instrument ist der ZNS-IPI, der außer den fünf im IPI enthaltenen Risikofaktoren das Vorliegen eines Nieren- oder Nebennierenbefalls berücksichtigt, der besonders häufig mit einem ZNS-Rückfall vergesellschaftet ist [116].
Tabelle 11: 2-Jahres-ZNS-Rückfallrisiko (95%-Konfidenzintervall) von Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom in Abhängigkeit von der ZNS-IPI-Risikogruppe
|
ZNS-IPI-Risikogruppe |
Risikofaktoren |
Anteil von Patient*innen |
ZNS-Rückfallrisiko |
|
Niedrig |
0 – 1 |
46 % |
0,6 % (0–1,2) |
|
Intermediär |
2 – 3 |
42 % |
3,4 % (2,2–4,4) |
|
Hoch |
4 – 6 |
12 % |
10,2 % (6,3–14,1) |
| Quelle: [116] | |||
Die Häufigkeit eines klinisch noch inapparenten, zyto- und/oder bildmorphologisch aber bereits nachweisbaren ZNS-Befalls dürfte mit zunehmendem ZNS-Rückfall-Risiko steigen. Zur Behandlung bereits nachweisbarer zentralnervöser Lymphom-Manifestationen gilt die Standardtherapie als ungeeignet. Zur weiteren Abklärung werden daher bei hohem Risiko einer klinisch noch inapparenten, aber bereits eingetretenen ZNS-Beteiligung eine Magnetresonanztomographie und eine Liquorpunktion (Zellzahl, Zytomorphologie, ggf. Durchflusszytometrie) durchgeführt [117]. Bei intermediärem Risiko werden diese Maßnahmen ebenfalls erwogen. Der Nachweis zentralnervöser Lymphom-Manifestationen hat Auswirkungen auf die Therapie.
5.3.2 Radiologische und nuklearmedizinische Prognosefaktoren
5.3.2.1 ,Bulky disease´
Zur Abschätzung der Prognose und Therapiesteuerung des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms soll mittels bildgebender Verfahren der Prognosefaktor ‚bulky disease‘ ermittelt werden.
- Empfehlungsgrad
- A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
- Evidenzlevel
- ⊕⊕⊕⊝
Gesamtüberleben
⊕⊕⊕⊝Progressionsfreies Überleben
⊕⊕⊕⊝komplette Remissionsrate
- Konsens
- Starker Konsens
- Literatur
- [118] [119]
Evidenztabellen (2)
Prognosefaktor ,bulky disease'; Bewertung der Evidenz: Prognosefaktor ,bulky disease'Hintergrund:
Unter ‚bulky disease‘ versteht man eine einzelne zusammenhängende Lymphommanifestation, die üblicherweise eindimensional in ihrer größten Längsausdehnung gemessen wird. Bei Behandlung mit R-CHOP und Beschränkung auf die limitierten Stadien I und II ist ‚bulky disease‘ in der Regel ein vom IPI unabhängiger Prognosefaktor für PFS, EFS und insbesondere OS ([112][120][121]), während dies bei Berücksichtigung sämtlicher Ann Arbor-Stadien oft nicht der Fall ist [International Non-Hodgkin's Lymphoma Prognostic Factors Project et al. 1993][122][123][124]. Offensichtlich kommt der negative Einfluss einer einzelnen großen Lymphommanifestation insbesondere bei ansonsten geringer Tumormasse zum Tragen [111]. In einer 802 junge DLBCL-Patient*innen in limitierten Stadien umfassenden prospektiven Studie stieg der negative Einfluss der ‚bulky disease‘ ab 5 cm Längsausdehnung kontinuierlich an, mit statistisch signifikanten Unterschieden gegenüber Patient*innen ohne ‚bulky disease‘ ab einer Länge von 10 cm für das EFS und ab einer Länge von 6 cm für das OS [111]. In zwei Studien mit 96 bzw. 76 DLBCL-Patient*innen in limitierten extranodalen Stadien erwies sich ‚bulky disease‘ 7,5 cm als prognostisch ungünstig für PFS und OS [120][121]. In einer 82 Patient*innen mit aggressiven B-Zell-Lymphomen (77 DLBCL) umfassenden Studie war die komplette Remissionsrate bei Vorliegen von ‚bulky disease‘ (6 cm³) statistisch signifikant erniedrigt [119].
In den in Deutschland durchgeführten Studien wird ‚bulky disease‘ als Lymphommanifestation ≥7,5 cm definiert. Der Nachweis einer entsprechend definierten ‚bulky disease‘ hat therapeutische Konsequenzen. Bei DLBCL-Patient*innen ohne IPI-Risikofaktoren und ohne ‚bulky disease‘ kann die Therapie verkürzt werden [56]. Alte Patient*innen mit ‚bulky disease‘ scheinen – zumindest bei CT-basierter Abschlussuntersuchung ohne PET – von einer Bulk-Bestrahlung zu profitieren [106].
5.3.2.2 Totales metabolisches Tumorvolumen
Zur Abschätzung der Prognose des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms kann das totale metabolische Tumorvolumen (TMTV) mit Hilfe der initialen PET/CT bestimmt werden.
Hintergrund:
Mit Hilfe der PET/CT lässt sich die Gesamttumormasse mit geringerem Aufwand abschätzen als mit anderen bildgebenden Verfahren. Trotz großer prognostischer Bedeutung hat das TMTV bisher keinen Einfluss auf die Therapieplanung. Seine Eignung als Therapiesteuerungselement muss in zukünftigen Studien untersucht werden.
Die Unterscheidung von Lymphom und Normalgewebe erfolgt mit unterschiedlichen Methoden, die sich im Hinblick auf die ermittelten Tumorvolumina z.T. erheblich, im Hinblick auf ihre prognostische Aussage dagegen nur geringfügig unterscheiden [109][125][128]. Meist werden Verfahren angewendet, die das Gesamttumorvolumen als Lymphommanifestationen oberhalb einer festen (z.B. 2,5 oder 4,0) oder relativen SUV-Grenze definieren (z.B. 41% des SUVmax jeder Läsion).
In einer Metaanalyse von zwölf Studien zu 13 Patientenkollektiven mit 20–181 Patient*innen erwies sich eine dichotome Einteilung des TMTV (niedrig versus hoch) beim DLBCL als prädiktiv für PFS (HR 2,93; 95%-KI 2,29-3,73; p<0,001) und OS (HR 3,52; 95%-KI 2,67-4,64; p<0.001) [125]. Die Studienergebnisse zeichneten sich durch geringe Heterogenität aus, wurden in ähnlicher Form in prospektiven und retrospektiven Studien erhoben und galten für Messverfahren mit festen und relativen SUV-Grenzwerten. Die Multiplikation des TMTV mit dem mittleren SUV jeder Läsion, die die Gesamt-FDG-Aufnahme als ‚total lesion glycolysis‘ (TLG) abschätzt, ergab keinen Vorteil gegenüber dem TMTV allein als Prognoseinstrument. Die Ergebnisse der sieben TLG-Studien (mit acht Patientenkohorten) waren durch größere Heterogenität gekennzeichnet als die zwölf TMTV-Studien (mit 13 Patientenkohorten). Eine zuvor publizierte, 4 TMTV- und 3 TLG-Studien umfassende Metaanalyse zeigte eine deutliche Überlegenheit des TMTV gegenüber der TLG bei der Vorhersage von PFS und OS [126].
Die Ergebnisse der erstgenannten Metaanalyse (88) wurden in elf nachfolgend publizierten, 82–510 Patient*innen umfassenden Studien bestätigt [129][119][123][124][127][130][131][132][133][134][135]. Neben PFS und OS ließen sich auch die Endpunkte komplette Remissionsrate, EFS und Progressionsfreiheit (‚time-to-progression‘, TTP) durch das TMTV vorhersagen. In den beiden größten Studien war das TMTV bei multivariater Analyse dem IPI, NCCN-IPI und den IPI-Einzelfaktoren bei der Vorhersage von PFS, OS und TTP überlegen [129][135]. In einer Studie besaß das TMTV keine Vorhersagekraft [136].
Die prognosebestimmende Grenze zwischen niedrigem und hohem TMTV hängt u.a. von der untersuchten Population, dem gewählten Endpunkt, der TMTV-Messmethode und der gewählten Grenzwertberechnung ab. Eine Standardisierung der TMTV-Messmethode mit verbindlichen Grenzwerten zwischen prognostisch günstigen und prognostisch ungünstigen TMTV-Werten wurde bisher nicht vereinbart [137]. Anhaltspunkte für zwei häufig verwendete Messmethoden (relative Grenze bei 41% des SUVmax absolute Grenze bei SUV4) ergeben sich aus der größten vorliegenden Studie, in die prospektiv 510 Patient*innen aller IPI-Risikogruppen im Alter von 18–80 Jahren eingeschlossen wurden [129]. Die mit dem besten Verhältnis von Sensitivität und Spezifität einhergehenden Grenzwerte zwischen niedrigem und hohem TMTV lagen mit der für solide Tumoren empfohlenen SUV41%max-Methode [138] bei einem Volumen von 328 cm3 und mit der SUV4-Methode bei einem Volumen von 345 cm3.
Tabelle 12: 2-Jahres-Raten (95%-Konfidenzintervall) progressionsfreier (time-to-progression, TTP), progressionsfrei überlebender (PFS) und insgesamt überlebender Patient*innen (overall survival, OS) mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom in Abhängigkeit vom totalen metabolischen Tumorvolumen (TMTV) bei Erstdiagnose – Vergleich zweier TMTV-Messmethoden
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Endpunkt |
SUV41%max (Grenze: 328 cm3) |
SUV4 (Grenze: 345 cm3) |
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TMTV niedrig |
TMTV hoch |
TMTV niedrig |
TMTV hoch |
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Anteil von Patient*innen |
62% |
38% |
58% |
42% |
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TTP |
92,9% (89,3-95,3) |
62,3% (54,9-68,9) |
93,5% (89,8-95,8) |
64,4% (57,3-70,5) |
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PFS |
89,2% (85,2-92,2) |
57,5% (50,4-64,4) |
89,9% (85,7-92,8) |
59,8% (52,8-66,0) |
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OS |
94,1% (90,9-96,3) |
72,2% (65,2-78,0) |
93,7% (90,2-96,0) |
74,8% (68,3-80,1) |
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Quelle: [109] |
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Im Gegensatz zum TMTV wird die prognostische Bedeutung des Ausgangs-SUVmax kontrovers beurteilt. Während sich in einer Metaanalyse von vier 20-110 Patient*innen umfassenden Studien Hinweise auf einen ungünstigen Einfluss eines hohen SUVmax auf das PFS ergaben [126], konnte dieser Zusammenhang in nachfolgenden, 60-141 Patient*innen umfassenden Studien nicht bestätigt werden [119][123][132][133][139]. In einer 52 Patient*innen umfassenden Studie erwies sich ein hoher SUVmax sogar als prognostisch günstig [140]. Der Ausgangs-SUVmax ist kein zuverlässiger Prognosefaktor.
5.3.3 Prognostische und prädikative genetische Faktoren
5.3.3.1 Patientenabhängige genetische Faktoren
Die Prognose des DLBCL ist bei Männern etwas schlechter als bei Frauen. Unter einer Rituximab-haltigen Standardtherapie ist dieser Unterschied für EFS, PFS und OS jenseits des 60. Lebensjahres statistisch signifikant [141]. Unter einer in Studien geprüften Rituximab-Erhaltungstherapie, die gegenüber der Standardbehandlung keine Vorteile erbrachte, zeigten Männer weniger Nebenwirkungen als Frauen [142]. Geschlecht und Alter sind damit prädiktive Faktoren für die Wirkungen und Nebenwirkungen von Rituximab. Dies korreliert mit Unterschieden in der Pharmakokinetik des Antikörpers [141][143].
Keimbahnpolymorphismen in Genen der DNA-Reparatur, der Glukoseaufnahme sowie des Komplement- und Immunsystems scheinen ebenfalls Einfluss auf den Verlauf des DLBCL zu nehmen [144][145][146][147]. Handlungsempfehlungen ergeben sich hieraus nicht.
5.3.3.2 Lymphomabhängige genetische Faktoren
Somatische Mutationen und Anomalien der Genexpression in Lymphomzellen und ihre Bedeutung für die Diagnostik werden in Kapitel Diagnostik I beschrieben.
5.4 Therapieplanung
Ulrich Dührsen
5.4.1 Therapieziel
Das Therapiekonzept soll von einem*einer in der Behandlung diffuser großzelliger B-Zell-Lymphome erfahrenen*erfahrener Arzt*Ärztin geplant werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Nach Aufklärung über die Erkrankung und die Möglichkeiten und Risiken der Behandlung (siehe Kapitel 5.7.) sollte das Therapieziel im Hinblick auf ein kuratives oder nicht kuratives Konzept gemeinsam von dem*der Patient*in und einem*einer in der Behandlung diffuser großzelliger B-Zell-Lymphome erfahrenen*erfahrener Arzt*Ärztin festgelegt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Das DLBCL kann mit den zur Verfügung stehenden Chemoimmuntherapien bei vielen Patient*innen geheilt werden. Insbesondere bei Fehlen wesentlicher Komorbidität ist ein kuratives Behandlungskonzept die Regel [18]. Da die Erkrankung mit fortschreitendem Alter an Häufigkeit zunimmt [41] und altersbedingte Organfunktionseinschränkungen und Komorbiditäten oder der Wunsch der Patient*innen einen kurativen Behandlungsansatz unmöglich machen können, kann im Einzelfall ein nicht kuratives Therapiekonzept zur Anwendung kommen.
Bei der Festlegung des Therapieziels wird der*die Patient*in von seinem*ihren behandelnden*behandelnder Arzt*Ärztin unterstützt, der*die ihn*sie über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Vorgehensweisen in einem partizipativen Entscheidungsprozess unterrichtet. Ist der*die Patient*in aufgrund der Schwere der Erkrankung, der Komorbidität oder der Alters nicht in der Lage, selbst eine Entscheidung zu fällen, sind Bevollmächtigte und Vertrauenspersonen (z.B. Familie, Freunde) in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Einzelheiten zur Therapiezielfindung sind der S3-Leitlinie ‚Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung‘ zu entnehmen.
5.4.2 Behandlungsplan
5.4.2.1 Tumor-Board
Der Behandlungsplan für das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom sollte in einem interdisziplinär besetzten Tumor-Board diskutiert und verabschiedet werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Die Vorstellung in einem Tumor-Board hat das Ziel, den letztendlich zur Anwendung kommenden Behandlungsplan vor Therapieeinleitung, sofern klinisch möglich, im interpersonellen und interdisziplinären Dialog zu entwickeln und zu verabschieden. Hierbei arbeiten Fachärzt*innen für Pathologie, Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie, Hämatologie/internistische Onkologie, und anderer Disziplinen zusammen.
5.4.2.2 Behandlung in klinischen Studien
Vor Therapiebeginn sollte geprüft werden, ob die Behandlung in einer klinischen Studie erfolgen kann.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Klinische Studien sind eine unabdingbare Voraussetzung für medizinischen Fortschritt, insbesondere für die Evaluation neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren. Der Entschluss von Patient*innen zur Teilnahme an einer klinischen Studie wird in entscheidendem Maße von einer adäquaten Aufklärung über Ziele, Nutzen und Risiken bestimmt. Die Häufigkeit einer Studienteilnahme korreliert mit dem Kenntnisstand über das Wesen klinischer Studien [148].
Wesentliche Beweggründe für Patient*innen, an einer Studie teilzunehmen, sind die Hoffnung auf eine Verbesserung der eigenen Behandlung und der Wunsch, die medizinische Forschung zu unterstützen und damit die Behandlung nachfolgender Patient*innen zu verbessern [148][149]. Mangels fehlender oder unzureichender Aufklärung nehmen nur wenige erwachsene Patient*innen an klinischen Studien teil [148][149]. Die meisten Patient*innen sind mit der Behandlung unter Studienbedingungen zufrieden, aber etwa jeder fünfte ist enttäuscht [149].
In einer 57 Teilnehmer*innen umfassenden skandinavischen Studie waren die meisten Ärzt*innen und Pflegekräfte der Überzeugung, dass die Behandlung innerhalb einer klinischen Studie bessere Therapieergebnisse liefert als die Behandlung außerhalb einer Studie [150]. Die Verbesserung könne direkt durch die in der Studie geprüfte Intervention und/oder indirekt durch kompetentere und konstantere medizinische Betreuung, häufigere Kontrolluntersuchungen oder stärkere Zuwendung zustande kommen. Im Gegensatz zu dieser Auffassung ergaben systematische Untersuchungen keine Hinweise auf die Existenz eines ‚positiven Studien-Effekts‘ [150][151][152]. In einer mehrere Tausend Patient*innen umfassenden Untersuchung beim Hodgkin-Lymphom beruhte die Beobachtung besserer Therapieergebnisse bei Studienpatient*innen nicht auf dem Inhalt oder den Rahmenbedingungen der Studien, sondern auf einer Selektion prognostisch besonders günstiger Patient*innen [153]. Auch bei aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen hatten in Studien eingeschlossene Patient*innen wesentlich günstigere Ausgangseigenschaften als Patient*innen, die außerhalb von Studien behandelt wurden [154].
Da überzeugende Hinweise auf eine Behandlungsverbesserung durch Studienteilnahme fehlen, ist diese in erster Linie als altruistischer Akt zu werten, mit dem die Patient*innen den medizinischen Fortschritt unterstützen, um die Behandlung nachfolgender Generationen zu verbessern [148][149][150].
5.4.3 Therapiebeginn und -durchführung
5.4.3.1 Therapiebeginn bei kurativem Konzept
Bei kurativem Konzept soll die Behandlung des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms nach Vorliegen der histologischen Diagnose und Durchführung ergänzender diagnostischer Maßnahmen unverzüglich begonnen werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Das DLBCL ist eine rasch fortschreitende Erkrankung. Bei kurativem Behandlungskonzept ist es dennoch meist möglich, die Ergebnisse der Ausbreitungsdiagnostik, Risikobeurteilung und Organfunktionsdiagnostik und die Einleitung fertilitätserhaltender Maßnahmen abzuwarten, bevor die Therapie begonnen wird. Die molekulare Subtypisierung ist zeitaufwendig. Da sie keinen gesicherten Einfluss auf die Wahl der Primärtherapie hat, braucht sie bei Behandlungsbeginn nicht vorzuliegen.
In großen Studien lag das mediane Intervall zwischen Diagnose und Therapiebeginn bei etwa 2-3 Wochen [155][156][157]. In Einzelfällen kann der Schweregrad der Erkrankung es erforderlich machen, die Behandlung vor Komplettierung der ergänzenden Diagnostik zu beginnen. Die Notwendig eines umgehenden Therapiebeginns ist prognostisch ungünstig. Das Intervall zwischen Diagnose und Therapiebeginn korreliert mit dem Langzeitergebnis der Behandlung. Je länger es sein kann, d.h. je weniger aggressiv die Erkrankung verläuft, desto größer ist der Anteil langfristig überlebender Patient*innen [155][156][157].
5.4.3.2 Therapiebeginn bei nicht kurativem Konzept
Bei nicht kurativem Konzept sollte die Behandlung des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms bei Beschwerden und/oder Auftreten von drohenden Komplikationen, die günstig beeinflusst werden können, begonnen werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Bei nicht kurativem Therapiekonzept ist es wichtig, potentiellen Nutzen und Schaden einer Behandlung gegeneinander abzuwägen. Ziel der Behandlung ist die Linderung krankheitsbedingter Beschwerden. Erfolgreiche Palliation bedeutet, dass der Schaden durch die Behandlung geringer ist als der Schaden durch die Erkrankung.
5.4.3.3 Therapiedurchführung
Behandlung und Nachsorge von Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom sollten multidisziplinär und multiprofessionell durchgeführt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Für die adäquate Versorgung von DLBCL-Patient*innen ist eine multidisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit notwendig. So sind an der Diagnostik, Therapieplanung und Therapiedurchführung ärztliche und nicht-ärztliche Mitarbeiter*innen insbesondere aus den Bereichen Hämatologie, Onkologie, Pathologie, Psychoonkologie, Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie, Physiotherapie und Sozialarbeit beteiligt. Bei der Nachsorge sind zusätzlich die Hausärzt*innen und – in Abhängigkeit therapiebedingter Spätfolgen, insbesondere Infertilität, Sekundärneoplasien und kardiovaskulären Störungen – weitere medizinische Disziplinen involviert. Bei der Versorgung in nicht kurativer Intention erfolgt in komplexen Situationen eine spezialisierte palliativmedizinische Mitbetreuung.
5.5 Planung therapiebegleitender Maßnahmen
Bettina Böttcher, Bettina Toth, Sabine Kliesch, Frank-Michael Köhn
5.5.1 Verhütung
Bettina Böttcher, Bettina Toth
Während der Therapie sollte eine sichere Verhütungsmethode gewählt werden, die zuverlässig angewendet wird.
- Konsens
- Starker Konsens
Bei der Wahl der Verhütungsmethode sollten individuelle Risikofaktoren beachtet werden (insbesondere Thromboserisiko).
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Sowohl Chemo- als auch Strahlentherapien können eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung eines ungeborenen Kindes haben (Teratogenität). Somit ist eine sichere Verhütung unter Beachtung der jeweiligen Kontraindikationen, insbesondere Risikofaktoren für eine Thrombose/ Embolie, erforderlich und Teil der Beratung. Falls Erbrechen und Diarrhoe als Nebenwirkungen der zytotoxischen Therapie zu erwarten sind, wird von einer oralen hormonellen Kontrazeption Abstand genommen und z.B. eine transdermale oder vaginale Kontrazeption gestartet oder ein Kondom (zusätzlich) benutzt. Falls eine Blutungsfreiheit bei zu erwartender Thrombozytopenie angestrebt wird oder eine Hypermenorrhoe vermieden werden soll, kommt die Gabe von ‚Gonadotropin Releasing Hormone‘ (GnRH)-Analoga in Kombination mit der kombinierten Pille [158] oder die Anwendung der kombinierten Pille im Langzyklus in Betracht (off-label). Das Blutungsrisiko unter GnRH-Analoga ist geringer als unter der Gabe von reinen Gestagenpräparaten [159].
5.5.2 Fertilitätserhalt
Anmerkung der Redaktion: Zur Verwendung der Sprache in diesem Kapitel siehe "Besonderer Hinweis" zu Beginn dieser Leitlinie.
5.5.2.1 Weibliche Patienten
Bettina Böttcher, Bettina Toth
Patientinnen im reproduktiven Alter, die einer potentiell gonadotoxischen Chemo- oder Strahlentherapie ausgesetzt sind, sollen über alle derzeit verfügbaren fertilitätserhaltenden Maßnahmen aufgeklärt werden.
Leitlinienadaptation S2k-Leitlinie Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen
- Konsens
- Starker Konsens
Patientinnen im reproduktiven Alter, die Immuntherapien oder zielgerichtete Therapien erhalten, sollten über das unklare Risiko einer Ovarialinsuffizienz und fertilitätserhaltende Maßnahmen aufgeklärt werden.
Leitlinienadaption S2k-Leitlinie Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen
- Konsens
- Starker Konsens
Die jeweiligen fertilitätsprotektiven Maßnahmen sollen je nach individueller Situation (Stadium, Begleiterkrankungen, Operationsrisiko, zeitlicher Rahmen etc.) und im Rahmen einer interdisziplinären Entscheidungsfindung in Betracht gezogen werden. Es sollen folgende medikamentöse und reproduktionsmedizinische Verfahren angeboten werden:
1. Medikamentöse Maßnahmen
‚Gonadotropin Releasing Hormone‘ (GnRH)-Analoga, ggf. kombiniert mit der ‚Pille‘
2. Kryokonservierung von befruchteten und/oder unbefruchteten Eizellen
3. Kryokonservierung von Ovargewebe
4. Transposition der Ovarien
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Risiken für die Fertilität
Bei nicht abgeschlossener Familienplanung spielt das Risiko der Infertilität für Frauen im reproduktiven Alter eine wesentliche Rolle. Dieses Risiko ist von verschiedenen Faktoren wie u.a. der Anzahl und Art der Chemotherapiezyklen, der Strahlendosis im Falle einer Radiatio im Beckenbereich oder Ganzkörperbestrahlung, dem Alter (insbesondere >35 Jahre), der individuellen ovariellen Reserve und dem Vorliegen von Grunderkrankungen abhängig. Die individuelle ovarielle Reserve kann z.B. durch Messung des Anti-Müller-Hormon (AMH)-Wertes gemeinsam mit der Bestimmung des antralen FollikelCount per vaginalem Ultraschall abgeschätzt werden.
Mögliche fertilitätsprotektive Maßnahmen sind vor Therapiebeginn Teil der Aufklärung. Patientinnen mit Non-Hodgkin-Lymphom haben ein geringes Risiko für Fertilitätseinschränkungen [160]. Wenn jedoch alkylierende Substanzen, eine vorbereitende Therapie zur Knochenmarktransplantation oder eine Ganzkörperbestrahlung Teil der Therapie sind, steigt dieses Risiko exponentiell an [161][162]. Aber auch in diesen Fällen sind einzelne Schwangerschaften im Anschluss an die onkologische Behandlung beschrieben [162][163][164]. Zur detaillierten Information über fertilitätsprotektive Maßnahmen sei auf die S2k-Leitlinie ‚Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen‘ [165] unter der Führung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Urologie verwiesen.
Risiken durch Chemotherapie
Das Risiko einer Ovarialinsuffizienz ist von der Art und Dosis der Zytostatika sowie von individuellen Faktoren wie dem Alter der Patientin abhängig. Bei Patientinnen, die mit CHOP behandelt wurden, ist ein vergleichsweise niedriges Risiko für eine Ovarialinsuffizienz beschrieben: 95% der Patientinnen mit aggressivem Non-Hodgkin-Lymphom unter 40 Jahren berichteten beim Follow-up nach durchschnittlich 84 Monaten über regelmäßige Zyklen [166]. Im Gegensatz dazu hatten in einer anderen Studie 44% der Patientinnen mit Non-Hodgkin-Lymphom eine Ovarialinsuffizienz [167]. Insgesamt ist die Datenlage im Vergleich zu anderen Karzinomentitäten sehr limitiert.
Nach einer allogenen Stammzelltransplantation sind Beeinträchtigungen der Fertilität in mehr als 83% der betroffenen Frauen im reproduktiven Alter beschrieben[168][169][170]. Wesentliche Risikofaktoren hierfür sind die Gabe von Busulfan oder Cyclophosphamid, die dosisabhängig eine hohe Gonadotoxizität aufweisen, sowie eine Ganzkörperbestrahlung[168][169][171]). Schwangerschaften in diesen Fällen gelten als Rarität [168][170].
Risiken durch Strahlentherapie
Das Risiko einer Ovarialinsuffizienz ist von Strahlendosis, Alter bei Exposition und bestrahltem Ovarialvolumen abhängig [167]. Die effektive sterilisierende Dosis (Strahlendosis, nach der die Follikelreserve unter 1000 fällt) ist altersabhängig. Sie liegt mit 10 Jahren bei 18,4 Gy, mit 30 Jahren bei 14,3 Gy und mit über 40 Jahren bei 6 Gy [172]. Die Eileiter können ebenso in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Zudem kommt ein Effekt auf den Uterus, insbesondere durch eine Ganzkörperbestrahlung, hinzu. Eine Dosis von 12 Gy ist mit einem erhöhten Risiko von Fehl- und Frühgeburten und geringem Geburtsgewicht assoziiert [173]
Risiken durch Immuntherapie
Die Datenlage für die Einschätzung der gonadotoxischen Effekte durch Immuntherapien oder zielgerichtete Therapien auf die Fertilität ist nicht ausreichend.
Empfohlene Maßnahmen zur Fertilitätsprotektion
Grundsätzlich können Patientinnen mit DLBCL alle derzeitigen Methoden der Fertilitätsprotektion (GnRH-Agonisten, Kryokonservierung von Ovargewebe, Oozyten und/oder befruchtete Eizellen sowie die Transposition von Ovarien) sowie eine Kombination der Methoden angeboten werden [165] [174][175][176]). Im Rahmen der Entscheidungsfindung werden verschiedene Faktoren in interdisziplinärer Zusammenarbeit diskutiert: Stadium, Begleiterkrankungen, Operationsrisiko, Zeit bis zum Beginn der onkologischen Therapie, Vorhandensein eines*einer Partners*Partnerin und, dass die Kostenübernahme für diese Therapien uneinheitlich geregelt ist und ein Teil der Gesamtkosten von der Patientin selbst getragen werden muss.
Medikamentöse Maßnahmen: GnRH-Analoga
Die Gabe von GnRH-Analoga während der Dauer der Chemotherapie wird seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. Für eine ausführliche Betrachtung sei an dieser Stelle auf die Leitlinie ‚Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen‘ verwiesen [165] Auch im Hinblick auf verschiedene Tumorentitäten sind unterschiedliche protektive Effekte mit verschiedenen Endpunkten (Amenorrhoe, vorzeitige Menopause, Schwangerschaften) beschrieben. Für Non-Hodgkin-Lymphome und das DLBCL gibt es keine verlässlichen Daten. Zwei Studien analysierten die prämature Ovarialinsuffizienz (POI) nach autologer Stammzelltransplantation mit und ohne Gabe von GnRH-Analoga in unterschiedlichen Studiendesigns [177][178]. Unter der wiederholten Gabe von GnRH-Analoga zeigte sich bei 83 untersuchten Patientinnen eine Reduktion der Gonadotoxizität und POI von 82% auf 33% im Vergleich zu Frauen, die keine GnRH-Analoga erhalten hatten. Dies war bei Patientinnen mit Lymphom, jedoch nicht mit Leukämie der Fall [177]. In der zweiten Studie zeigte sich bei 44 untersuchten Frauen kein protektiver Effekt von GnRH-Analoga, nur 16% der Patientinnen litten nicht unter einer POI [178]. Allerdings war in dieser Studie keine wiederholte Gabe von GnRH-Analoga erfolgt und die Patientinnen hatten teilweise schon vorherige Chemotherapien und/oder Strahlentherapien erhalten. Entsprechend der Leitlinie ‚Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen‘ [165] ist der Nutzen von GnRH-Analoga widersprüchlich zu bewerten und als alleinige fertilitätsprotektive Maßnahme nicht zu empfehlen.
Kryokonservierung von befruchteten und/oder unbefruchteten Eizellen
Die Kryokonservierung von befruchteten und/oder unbefruchteten Eizellen stellt eine etablierte Methode im Rahmen der künstlichen Befruchtung dar. Üblicherweise erfolgt eine ovarielle Stimulation über 10-14 Tage, die zyklusunabhängig begonnen werden kann. Für die Kryokonservierung befruchteter Eizellen ist das Vorhandensein eines Partners erforderlich. Die Erfolgsrate bei der Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen ist im Vergleich hierzu geringer und von der Einfriermethode abhängig. Falls ausreichend Eizellen gewonnen werden, kann auch ein Teil befruchtet und ein Teil unbefruchtet eingefroren werden (sog. splitting), um im weiteren Verlauf unabhängig von der weiteren Entwicklung der Partnerschaft einen Fertilitätserhalt zu ermöglichen. Die In-Vitro-Maturation (IVM) unbefruchteter Eizellen hat den Vorteil, weniger Zeit in Anspruch zu nehmen. Die Erfahrungen sind jedoch noch limitiert bzw. wird eine IVM nur an wenigen Zentren im deutschsprachigen Raum angeboten.
Kryokonservierung von Ovargewebe
Die Kryokonservierung von Ovargewebe hat den Vorteil, dass es zu einer sehr geringen zeitlichen Verzögerung der onkologischen Therapie kommt. Der laparoskopische Eingriff kann meist tagesklinisch durchgeführt werden. Ein Teil des Ovars wird kryokonserviert und kann, sofern nach einem rezidivfreien Intervall eine POI vorliegt, transplantiert werden. Mittlerweile sind nach Anwendung dieser Methode weltweit über 130 Lebendgeburten beschrieben [179]. Allerdings besteht das Risiko der Reimplantation maligner Zellen. Dieses Problem stellt sich insbesondere bei hämatologisch-onkologischen Erkrankungen [180]. Bei Non-Hodgkin-Lymphomen ist ein mittleres Risiko für die Transplantation maligner Zellen beschrieben, so z.B. bei 6% von insgesamt 32 Patientinnen, deren Ovargewebe immunhistochemisch auf ‚minimal residual disease‘ (MRD) untersucht wurde [180]. Bei einem erhöhten Risiko für eine ovarielle Lymphommanifestation sind vor Transplantation daher MRD-Untersuchungen erforderlich (144-146). Nach einer Kombination verschiedener Methoden bis hin zur Xenotransplantation des Gewebes in immundefiziente Mäuse sind erfolgreiche Geburten ohne bisherige Tumorzellübertragung beschrieben [181][182]. Experimentelle Methoden wie die IVM oder ein artifizielles Ovar könnten hier langfristig Perspektiven darstellen, um das Risiko der Übertragung maligner Zellen zu verringern [183]. Momentan ist das erhöhte Risiko der Rückübertragung maligner Zellen unabdingbarer Bestandteil der Aufklärung. Eine vorherige Chemotherapie gilt nicht als Kontraindikation, da auch in diesen Fällen eine Schwangerschaft nach Ovarkryokonservierung und Transplantation beschrieben ist [184].
Transposition der Ovarien
Eine operative Transposition eines Ovars oder beider Ovarien mit Fixierung an der Beckenwand dient der Verlagerung des Ovargewebes aus dem Strahlenfeld heraus. Dieses Verfahren kommt beim DLBCL nur zum Einsatz, wenn die Erkrankung im Genitalbereich lokalisiert ist und eine Radiatio des kleinen Beckens geplant ist [185]. Die stark schwankenden Erfolgsraten dieser Maßnahme sind davon abhängig, wie gut die Ovarien aus dem Bestrahlungsfeld herausmobilisiert werden können [186].
5.5.2.2 Männliche Patienten
Sabine Kliesch, Frank-Michael Köhn
Patienten, die bei einer Chemotherapie oder Strahlentherapie dem Risiko einer Gonadenschädigung ausgesetzt sind, sollen über fertilitätserhaltende Maßnahmen aufgeklärt werden.
Leitlinienadaptation S2k-Leitlinie Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen
- Konsens
- Starker Konsens
Im Fall einer prätherapeutischen Azoospermie soll über die Möglichkeit der testikulären Spermiengewinnung und -kryokonservierung aufgeklärt werden.
Leitlinienadaptation S2k-Leitlinie Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Schädigung der Spermatogenese durch Lymphomerkrankungen und ihre Therapie
Untersuchungen von Männern mit Non-Hodgkin-Lymphom zeigen, dass 60-80% vor Beginn der Therapie eine normale Spermienqualität haben [187][188][189]. Allerdings beeinflusst die Aggressivität des Tumortyps die Spermienzahl negativ. In Abhängigkeit von der Intensität der durchgeführten Therapie und der Verwendung alkylierender Substanzen tritt in einem variablen Prozentsatz eine überwiegend irreversible Azoospermie (kein Nachweis von Spermien im Ejakulat) ein. Nach einer Standardtherapie erreichen die Spermienzahlen bei der Mehrzahl der behandelten Patienten innerhalb von 18 Monaten wieder nahezu die Ausgangswerte [188][189][190]. Bei Einsatz nicht-alkylierender Therapien ist die passagere Azoospermie, die ein Drittel der Patienten betrifft, in der überwiegenden Zahl innerhalb von 18 Monaten nach Therapieende reversibel. Bei bis zu 8% der 222 in eine Studie eingeschlossenen Patienten bestand nach Abschluss des Follow-up aber auch nach 2 Jahren noch eine Azoospermie [189].
Die Häufigkeit einer Azoospermie erhöht sich weiter, wenn eine Radiatio der Beckenregion erfolgt. Müssen intensivere Behandlungsregime als die Standardtherapie und zusätzlich eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden, entwickeln zwei Drittel der Männer eine (überwiegend irreversible) Azoospermie [189].
Nachuntersuchungen von Männern, die in der Kindheit eine Behandlung bei verschiedenen Lymphomen (davon 83 Männer mit B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen) erhielten, zeigten unter Berücksichtigung der Serum-FSH-Werte, dass die Beeinträchtigung testikulärer Funktionen von der Dosis alkylierender Substanzen, nicht aber von der Diagnose abhängig war [191].
Kryokonservierung von Spermien bei Männern mit DLBCL
Gezielte Untersuchungen zur Kryokonservierung von Spermien bei Männern mit DLBCL liegen nicht vor. Da eine bleibende Schädigung der Spermatogenese durch die Therapie nicht ausgeschlossen ist (siehe oben), beruhen die Empfehlungen zur Fertilitätsprotektion für Männer mit DLBCL überwiegend auf Studien, die Patienten mit anderen malignen Erkrankungen einschließen.
Die Kryokonservierung von Spermien in flüssigem Stickstoff ist ein Standardverfahren in der Behandlung von Tumorpatienten (sowohl Adoleszenten als auch Erwachsenen) [165]. In einer Vergleichsstudie bei Patienten mit Non-Hodgkin- oder Hodgkin-Lymphomen zeigte sich eine Verminderung der Samenqualität gegenüber gesunden Kontrollen vor der Kryokonservierung und nach dem Auftauen [192]. Solange vitale Spermien gewonnen werden können, wird die Kryokonservierung unabhängig von der Spermienqualität durchgeführt, da letztlich eine geringe Anzahl vitaler Spermien für eine Therapie mittels der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion ausreichend ist. Die Schwangerschaftsraten mit kryokonservierten Ejakulatspermien sind vergleichbar mit denen frisch aufbereiteter Spermien aus dem Ejakulat [193].
Fertilitätsprotektion bei Azoospermie
Bei prä-oder posttherapeutischer Azoospermie besteht die Möglichkeit einer testikulären Spermienextraktion (TESE), um auf diese Weise bei fokal erhaltener Restspermatogenese doch noch Spermien zu gewinnen, zu kryokonservieren und für eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion einzusetzen. Die Wahrscheinlichkeit für das Auffinden von Spermien beträgt bei Patienten mit verschiedenen malignen Erkrankungen einschließlich Non-Hodgkin-Lymphomen ca. 40-45% [194]. Die Zahl der erfassten Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen ist aber gering; Angaben zu Männern mit DLBCL sind nicht verfügbar. Die Methode der Spermiengewinnung (TESE oder mikrochirurgische TESE mit Kryokonservierung von Spermien) ist als Standardtherapie bei Männern mit testikulärem Schaden etabliert und wird in den Leitlinien sowohl der AWMF als auch der European Association of Urology (EAU) bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen empfohlen [165][195][196][197]. Aktuelle Studien bei Tumorpatienten sowohl vor als auch nach onkologischer Therapie sowie eine aktuelle Metaanalyse zur TESE und ihrem Outcome im Hinblick auf Schwangerschaften belegen die Effizienz dieser Therapieform, so dass diese Daten auch für Empfehlungen in dieser Leitlinie verwendet werden können [198][199][200].
Kostenübernahme der Kryokonservierung von Spermien und Keimzellgewebe
Gesetzlich Versicherte können ab dem 1. Juli 2021 vor einer potentiell keimzellschädigenden Therapie eine Kryokonservierung und die dazugehörigen medizinischen Maßnahmen in Anspruch nehmen.
Basis für diese Leistung ist die Richtlinie zur Kryokonservierung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die die Details des Leistungsanspruchs regelt. Sie war am 22. Februar 2021 in Kraft getreten.
Das Beratungsverfahren ist mit der vorliegenden Erstfassung dieser Richtlinie zum Zeitpunkt der Formulierung der S3-Leitlinie DLBCL noch nicht abgeschlossen (https://www.g-ba.de/themen/methodenbewertung/ambulant/kryokonservierung-von-ei-und-samenzellen/).
5.5.3 Psychische, psychosomatische und psychosoziale Belastungen
Empfehlungen zu psychischen, psychosomatischen und psychosozialen Belastungen finden sich in Kapitel 11.1.5. und 11.2.
5.6 Untersuchungen im Rahmen wissenschaftlicher Projekte außerhalb klinischer Studien
Ulrich Dührsen
Die Patient*innen sollten darüber informiert werden, dass sie ihre Untersuchungs- und Behandlungsdaten und/oder im Zuge der Behandlung gewonnene Materialien wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung stellen können.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Da prospektive klinische Studien Ein- und Ausschlusskriterien definieren und ausgewählte Interventionen prüfen, bilden sie die Behandlungsrealität unvollständig ab. Zur Prüfung der Allgemeingültigkeit von Studienergebnissen sind Beobachtungen von Krankheitsverläufen außerhalb klinischer Studien erforderlich. Umgekehrt können Beobachtungen aus der allgemeinen Krankenversorgung erste Hinweise auf bisher unbekannte epidemiologische, ätiologische, diagnostische, therapeutische oder andere Zusammenhänge liefern, die nachfolgend systematisch in Studien geprüft werden können. Dieser grundlegende Aspekt medizinischer Forschung ist Teil der Aufklärung von Patient*innen. Sofern die Bereitstellung von Daten und/oder Materialien nicht gesetzlich geregelt ist, ist das schriftliche Einverständnis der Patient*innen zu ihrer wissenschaftlichen Nutzung erforderlich.
5.7 Mitteilung der Diagnose und Aufklärung der Patient*innen
Pia Heußner, Ulrike Holtkamp
Die ärztliche Aufklärung soll Informationen über die Krankheit, erhobene Befunde, die Prognose, therapeutische Optionen, zu erwartende Nebenwirkungen und ihren möglichen Einfluss auf die Lebensplanung und -qualität umfassen.
- Konsens
- Starker Konsens
Die Vermittlung von Informationen und die Aufklärung der Patient*innen soll nach den Grundprinzipien einer patientenzentrierten Kommunikation erfolgen:
- Vermeidung von medizinischem Fachvokabular, ggf. Erklärung von Fachbegriffen
- Strategien zur Verbesserung des Verständnisses: Wiederholung, Zusammenfassung, Nutzung von Graphiken u. ä.
- Ermutigung, Fragen zu stellen
- Ermutigung zum Ausdruck von Befürchtungen und Ängsten
- Anbieten weiterführender Hilfen
- Konsens
- Starker Konsens
Im ärztlichen Gespräch sollen die individuellen Präferenzen, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste der Patient*innen eruiert und berücksichtigt werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Die Möglichkeit zu weiteren Gesprächen zur Vertiefung der Inhalte soll aktiv angeboten werden.
- Konsens
- Starker Konsens
Hintergrund:
Nach klinischer und histologischer Sicherung der Diagnose eines DLBCL werden Patient*innen von dem*der vom behandelnden Arzt*Ärztin umfassend, verständlich und vollständig aufgeklärt. Notwendige Inhalte der Aufklärung sind Informationen über Dignität, Therapieziele, therapeutische Optionen und Prognose der Erkrankung.
Die individuelle körperliche, psychische und soziale Situation der Patient*innen wird berücksichtigt. Die Patient*innen werden auf die Möglichkeit hingewiesen, Vertrauenspersonen zu diesem Gespräch hinzuziehen zu können. Der vollständige Umfang der Aufklärung und die verständliche Informationsvermittlung haben eine wichtige Bedeutung für die Arzt-Patienten-Beziehung, den Krankheitsverlauf und die Erreichung möglicher Therapieziele. Eine ergebnisoffene Aufklärung der Patient*innen in Kombination mit einer gemeinsamen, partizipativen Entscheidungsfindung ermöglicht eine möglichst optimale Betreuung der Patient*innen.
Die Aufklärung wird durch Ärzt*innen mit Erfahrung in der Betreuung von Patient*innen mit malignen Lymphomen durchgeführt. Das gilt für alle Phasen im Verlauf der Erkrankung und wird an die jeweilige Krankheitssituation angepasst. Dazu gehört auch die Erklärung über die Notwendigkeit von Verlaufskontrollen und Therapieadhärenz. So ist eine optimale Informationsvermittlung über Dignität, Verlauf, therapeutische Optionen und Prognose gewährleistet. Die Aufklärung durch den spezialisierten Arzt erfolgt umfassend, wahrheitsgemäß und vollständig hinsichtlich Art der Maßnahmen, Zweck, Nutzen und Risiken und insbesondere verständlich. Ein besonderer Aspekt in der Betreuung von Patient*innen mit DLBCL ist die Vermittlung der Information, dass es sich um eine prinzipiell heilbare, unbehandelt jedoch rasch tödlich verlaufende Erkrankung handelt. Patient*innen bekommen die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und die erhaltenen Informationen in weiteren Gesprächen zu vertiefen. Außerdem wird die Option einer Zweitmeinung angesprochen.
Zur Unterstützung des Aufklärungsprozesses und der Entscheidungsfindung stehen auch andere geeignete Medien zur Verfügung.
Fragen zu Themen wie ‚Was kann ich selbst tun?‘ sowie Inhalte der komplementären und integrativen Medizin werden in weiteren Gesprächen aktiv angesprochen (siehe auch Kapitel 11). Den Rahmen eines ersten, gut zu verarbeitenden Aufklärungsgespräches würden diese Themen in aller Regel überschreiten.
Bei Wunsch nach weiteren Informationen und Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen werden Patient*innen Adressen von Selbsthilfeorganisationen wie z.B. der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe (https://www.leukaemie-hilfe.de) angeboten.
Empfehlungen zur Therapie finden in einem vertrauensvollen und respektvollen Umfeld statt, um eine gemeinsame und partizipative Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Im Sinne einer wirksamen Einwilligung (‚informed consent‘) ist es dazu nötig, die Gründe für die Therapieempfehlung, insbesondere im progredienten Erkrankungsverlauf bei einem Wechsel der Therapiestrategie (kurativ/nicht kurativ) verständlich aufzuzeigen. Dazu gehört auch die Option des Therapieverzichts, vor allem im Verlauf der Erkrankung.
Evidenztabellen
PET/CT
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Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
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Gomez Leon 2018 Randomized controlled trial |
N= 72 pts with DLBCL · Median Age: NR · Stage: NR
Inclusion criteria: · Adults (18+) · Histological diagnosis of DLBCL · Not previously treated for lymphoma · Without prior imaging of staging Exclusion criteria: · Chronic renal failure · HIV infection · Granulomatous/ inflammatory disease · Life expectancy <3 months · Allergy to iodinated contrasts · Positive pregnancy test · Suspicion/confirmation of substance abuse |
A: 18-Full-dose PET/CT contrast-enhanced B: 64-Slice Multidetector contrast-enhanced CT (Reference standard included clinical data, complementary tests and follow-up) |
Sensitivity (agreement with reference standard in initial and end-of-treatment-staging) |
·Initial staging: k=0.5 (95% CI: 0.2–0.9; p = 0.002) (A) vs k=0.6 (95% CI: 0.1–0.9; p = 0.009) ·End-of-treatment restaging: k=0.7 (95% CI: 0.4–0.9; p = 0.001) [91.67%] (A) vs k=0.4 (95% CI: 0.1-0.8; p = 0.01) [86.43%] (B); A superior to B
k indicates the agreement with the reference standard which is equal between A and B for initial staging, but superior for A vs. B for end-of-treatment staging |
· Study Duration: NA · Follow-up: median 14 months, range 1–36 months · ITT: NA · Randomisation: Randomly allocated pts · Blinding: Yes · Funding: NR · Other limitations: none |
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Metser 2019 Prospective register study |
N = 520 pts with aggressive NHL (n=308 with DLBCL) · Median Age: men/women: 64/66 years · Stage: Presumed limited (I–II) based on clinical data and CT staging or with equivocal CT findings for advanced stage (III–IV)
Inclusion criteria: · Adults (18+) · Histological diagnosis of HL/ANHL · LS (stage I-II) based on clinical data/CT staging · Advanced stage (stage III-IV) based on CT findings · Consideration for front-line, curative-intent therapy
Exclusion criteria: · NR
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A: PET/CT B: CT (historic control) |
·Mortality ·PET/CT-based upstaging ·PET/CT-based adaptation of treatment |
·Mortality at 1 year: 6% (A) vs. 14.2% (B); HR 0.63 (95% CI: 0.40-1.0, p < .05) “Participants with (aggressive NHL) whose first-line therapy was guided by PET/CT had significantly better survival compared with participants whose treatment was guided by CT”
·PET/CT-based upstaging: ·PET/CT-based adaptation of treatment: 12.6% |
· Study Duration: NA · Follow-up: NA · ITT: NA · Randomisation: NA · Blinding: NA · Funding: Ontario Ministry of Health and Long-Term Care · Other limitations: none |
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Sabate-Llobera 2016 Retrospective study |
N = 28 pts with DLBCL · Median Age (range): 59 year · Stage: I: 57%; II: 43%
Inclusion criteria: · Adults (18+) · Diagnosed with DLBCL · Localised stage according to PET/CT Exclusion criteria: · NR |
A: Low-dose PET/CT B: Contrast-enhanced CT |
·Detection of lesions ·Staging ·Adaptation of treatment |
·Detection of lesions: ·PET/CT-based upstaging: 4% ·PET/CT-based downstaging: 18% ·PET/CT-based adaptation of treatment: 11% |
· Study Duration: NA · Follow-up: NA · ITT: NA · Randomisation: NA · Blinding: NA · Funding: no external sources · Other limitations: none |
Bewertung der Evidenz: PET/CT
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Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungs-risiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamt-qualität |
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High |
1 observational study (prospective register study) |
OS (1 year) |
/ |
/ |
/ |
-1 (only few events (death): 122 in 520 pts; wide CI: HR 0.63 (95% CI: 0.40-1.0)) |
/ |
⊕⊕⊕⊝ Moderate |
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High |
1 RCT, 2 observational studies (1 prospective register study, 1 retrospective study) |
Staging (sensitivity/ specificity of staging/ detection of lesions) |
/ |
/ |
/ |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊕ High |
Ganzkörper-MRT
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Untersuchte Studien |
(verglichene) Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Ergebnisse |
methodische Bemerkungen |
Literaturbelege/ |
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Wang 2018 SR/MA |
Diagnostic accuracy studies · Searched until December 2016 · MEDLINE, EMBASE, CENTRAL
Inclusion criteria: · Studies evaluating the diagnostic accuracy of WB-MRI using 18F-FDG PET/CT as the comparator test in patients with histologically proven lymphoma Exclusion criteria: · lacked a diffusion-weighted sequence · included previously reported cases · reported only on the detection of bone marrow involvement · focused only on restaging or response assessment · used 18F-FDG PET/CT as the only reference standard · had a sample size smaller than 10 · included patients with other malignancies or hematologic disorders |
A: Whole Body-MRI B: F-FDG PET/CT |
· Sensitivity |
8 studies reporting on 338 pts with histologically proven lymphoma (219 with HL or aggressive NHL)
Descriptive statistics: · Age: 15-88 · Sex (male/female): 185/153 · Stage: NR
Results (patients with HL and aggressive NHL): · Staging accuracy: 98% (95% CI: 94-100%), I²: 28.42% (A) vs. 98% (95% CI: 94-100%), I²: 0.00% (B) |
Methodological quality of studies according to the authors: „In the participant-selection domain, the risk of bias in five studies was judged to be unclear because it was not clear whether a consecutive sample of patients had been enrolled. In the index-test domain, all studies were considered to be at low risk of bias. In the reference-standard domain, the study by Ferrari et al was at high risk of bias because the reference standard had not been clearly described. We considered the remaining eight studies to be at low risk of bias. In the flow-and-timing domain, all studies were considered to be at low risk of bias. In our assessment of applicability concerns, we were highly concerned that in one study the target condition as defined by the reference standard did not match the review question.“
Overall confidence in results of SR (AMSTAR-2): Moderate
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Abdulqadhr 2011 Albano 2016 Ferrari 2014 Gu 2011 Lin 2012 Mayerhoefer 2014 Stecco 2015 Stéphane 2013 |
Bewertung der Evidenz: Ganzkörper-MRT
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Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamtqualität |
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High |
SR (diagnostic test accuracy) |
Sensitivity (staging accuracy) |
/ |
/ |
-1 (data is combined for HL and aggressive NHL) |
-1 (data is based on only 219 pts) |
/ |
⊕⊕⊝⊝ low |
Verzicht auf Knochenmarkbiopsie - Systematische Übersichtsarbeiten
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Referenz/ |
Untersuchte Studien |
(verglichene) Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Ergebnisse |
methodische Bemerkungen |
Literaturbelege/ |
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Adams 2014 SR/MA |
Diagnostic accuracy studies · Searched until June 13 2012 · PubMed/Medline, Embase
Inclusion criteria: · Studies investigating the diagnostic performance of FDG PET/CT in detecting bone marrow involvement in patients with newly diagnosed DLBCL · English, Spanish, French Italian, German or Dutch language Exclusion criteria: · Review articles, metaanalyses, (conference) abstracts, editorials or letters, case reports, guidelines for management, studies including ten or fewer patients with DLBCL, studies performed in animals · ex vivo studies · studies that did not allow separate extraction of data relating to patients with newly diagnosed DLBCL from previously treated patients with DLBCL or other non-Hodgkin lymphoma subtypes · studies that used a stand-alone PET system · Studies in which the FDG PET/CT field of view included less than the area from the base of the skull to the pubic symphysis used as (part of) the reference standard · Studies which provided both insufficient data to construct a 2×2 contingency table to calculate sensitivity and specificity for detecting lymphomatous bone marrow involvement, and insufficient data to calculate proportions of discrepancies between the FDG PET/CT and BMB results among all patients |
A: FGD-PET/CT B: BMB (studies using at least both BMB and follow-up FDG-PET/CT as reference standard) |
· Sensitivity · Specificity |
6 studies reporting on 599 pts with DLBCL
Descriptive statistics: · Age: 18-87 · Sex (male/female): 227/209 · Stage: I-IV
Results: · FDG-PET/CT sensitivity to detect bone marrow involvement: 88.7% (95% CI: 82.5-93.3) · FDG-PET/CT specificity to detect bone marrow involvement: 99.8 (95% CI: 98.8-100) · Weighted summary proportion (random effects model) of FDG PET/CT-positive pts with negative BMB findings: 12.5 % (95 % CI: 8.4 – 17.3 %), I²=58.1 · Weighted summary proportion (fixed effects model) of FDG PET/CT-negative pts with positive BMB findings: 3.1% (95 % CI: 1.8-5.0%), I²=41.1 |
Methodological quality of studies (assessed using QUADAS-2 tool) according to the authors: „In general, the included studies were of moderate methodological quality“
Overall confidence in results of SR (AMSTAR-2): Moderate |
Khan 2013 Cortes-Romera 2013 Berthet 2013 Hong 2012 Pelosi 2011 Ribrag 2008 |
Verzicht auf Knochenmarkbiopsie - Einzelstudien
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Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
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Kaddu-Mulindwa 2021 pooled analysis of 2 RCTs (PETAL and OPTIMAL>60) |
N = 930 (n = 896 DLBCL) participating in PETAL or OPTIMAL>60 trials with BMB or FDG PET/CT data available
· Median age (range): 68 years (18 – 80 years) · Stage: III/IV 54% (n = 501)
Inclusion criteria (for analysis): · Biopsy proven and centrally confirmed diagnosis of DLBCL, primary mediastinal B-cell lymphoma (PMBCL), follicular lymphoma grade 3b (FL3b)
Exclusion criteria (for analysis): · Diagnosis could not be confirmed by reference pathology · BMB or FDG-PET/CT not done or data unavailable
Additional exclusion criteria PETAL: · Burkitt's lymphoma · Primary central nervous system lymphoma · Previous chemo- and/or RT · Other cancer in past 5 years · HIV infection, active hepatitis, active serious infctions · Other medical conditions precluding administration of planned therapy
Additional exclusion criteria OPTIMAL>60: · Lymphoma therapy already initiated · Serious accompanying disorder/impaired organ function · HIV-positivity, active hepatitis, active serious infections · Hypersensitivity to medications used · Prior chemotherapy, long-term use of corticosteroids, anti-neoplastic drugs for previous disorder · Tumour disease in past 5 years · CNS involvement
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A: FDG PET/CT B: BMB C: reference standard (a positive BMB, a positive FDG PET/CT in discordant cases confirmed by targeted biopsy or complementary CT imaging/targeted MRI/concurrent disappearance of focal FDG PET-avid lesions in BM with other lymphoma manifestations after immunochemotherapy) |
· Sensitivity · Specificity · Positive predictive value · Negative predictive value
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Sensitivity BMB: 38% (95% CI: 33% - 45%) FDG PET/CT: 84% (95% CI: 78% - 88%)
Specificity BMB: 100% (95% CI: 99% - 100%) FDG PET/CT: 100% (95% CI: 99% - 100%)
PPV: BMB: 100% (95% CI 96% - 100%) FDG PET/CT: 100% (95% CI: 98% - 100%)
NPV BMB: 84% (95% CI: 81% - 86%) FDG PET/CT: 95% (95% CI: 93% - 97%) |
Study Duration: · PETAL: 10 years (11/2007 – 3/2017) · OPTIMAL>60: ongoing, start 11/2011 Follow-up: NA ITT: NA Randomisation: NA Blinding: NA Funding: NR Other limitations: none |
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Cerci 2014 Prospective cohort study |
N = 327 pts with DLBCL, staging PET/CT scan and BMB
· Median age: 55 years (quartiles: 44 years, 63 years) · Stage: I/II 35%, III/IV 65%
Inclusion criteria: · Pts with DLBCL · Aged 16 or older · Informed consent before chemotherapy
Exclusion criteria: · CNS involvement · Cancer within preceding 5 years · Steroid therapy before starting scan |
Staging PET/CT scan, BMB
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· OS · EFS · Identification of marrow disease · Staging accuracy |
Prognosis: „no significant difference in EFS or OS between cases with no evidence of marrow disease and those with marrow involvement identified by either PET or BMB alone“ Double positive vs. Uninvolved: 2-year EFS: HR 2.67 (95% CI: 1.48 – 4.79) 2-year OS: HR 3.94 (95% CI: 1.93 – 8.06)
Identification of marrow disease: Of 82/327 (35%) with marrow involvement: 57% identified by PET alone 12% identified by BMB alone 30% identified by both PET + BMB Normal marrow on PET: 4% BMB+ (60% of those <10% infiltrate of DLBCL cells)
Staging accuracy: Stage IV identified by BMB: 45% 23 pts upstaged by PET identified marrow involvement not identified by BMB No pts increased staging by BMB
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Study duration: 2008 - 2011 Median follow-up: 35 months ITT: NA Randomisation: NA Blinding: NR Funding: IAEA, each participating centre Other limitations: none |
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Chen-Liang 2015 Retrospective cohort study |
N = 372 pts with HL (n = 140) or HG B-NHL (n = 232, n = 155 pts with DLBCL)
· For HG B-NHL: Median age (range): 58 years (18 – 85 years) · Stage: I/II 24.6%, III/IV 75.4%
Inclusion criteria: · 18 years or older · Both MBM + PET/CT performed simultaneously (max. 30 days apart) · Newly diagnosed HL or HG B-NHL
Exclusion criteria · Received chemotherapy or corticosteroids · Concomitant malignancy known to be present at time of both procedures |
PET/CT, BMB |
· Sensitivity · NPV · Accuracy · Impact on staging |
Results for DLBCL group only:
Sensitivity: BMB: 62.5% (95% CI: 44.2% - 80.8%) PET/CT: 65.6% (95% CI: 47.6 – 83.6)
NPV: BMB 91.1% (95% CI: 85.9% - 96.3%) PET/CT 91.7% (95% CI: 86.7% - 96.8%)
Accuracy: BMB 92.3% (95% CI: 87.7% - 96.8%) PET/CT 92.9% (95% CI: 88.5% - 97.3%)
Results for HG B-NHL group: Impact on staging: BMB avoided understaging of 25 patients: PET/CT: 29.7% stage III 45.7% stage IV
BMB: 52.5% stage III 25.4% stage IV
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Study duration: 2009 - 2014 Median follow-up: NR ITT: NA Randomisation: NA Blinding: pathology + PET/CT results unknown to each specialist Funding: NR Other limitations: none |
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Chen-Liang 2017 Retrospective cohort study |
N = 268 pts with DLBCL
· Median age (range): 61 years (18 – 85 years) · Stage: I/II 25%, III/IV 75%
Inclusion criteria: · 18 years or older · Both MBM + PET/CT performed simultaneously (max. 30 days apart) · Newly diagnosed DLBCL
Exclusion criteria: · Received chemotherapy or corticosteroids · Concomitant malignancy known to be present at time of both procedures
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PET/CT, BMB |
· OS · PFS · Sensitivity · Specificity · NPV · Accuracy · Impact on staging · BMI characteristics |
PFS: BMI by PET/CT: p = 0.121 BMI by BMB: HR 3.6 (95% CI: 1.7 – 7.6, p < 0.001)
OS: BMI by PET/CT: p = 0.018 (> p = 0.015) BMI by BMB: p = 0.326
Sensitivity: PET/CT: 68.6% (95% CI: 51.8% - 85.4%) BMB: 40% (95% CI: 26.8% - 53.3%)
Specificity: PET/CT: 84.5% (95% CI: 79.7% - 89.4%) BMB: 94.7% (95% CI: 91.4% - 98.0%)
NPV: PET/CT: 94.7% (95% CI: 91.4% - 98.0%) BMB: 84.5% (95% CI: 79.7% - 89.4%)
Accuracy: PET/CT: 82.5% (95% CI: 77.7% - 87.2%) BMB: 82% (95% CI: 77.7% - 87.2%)
Impact on staging: PET/CT: 14 pts upstaged BMB: 5 pts upstaged
BMI characteristics: BMI detected by BMB: 13.1% BMI detcted by PET/CT: 22,4% (5.6% of all pts diffuse, 16.8% of all pts focal) |
Study duration: 08/2007 – 06/2015 Median follow-up: 25 months (1 – 91 months) ITT: NA Randomisation: NA Blinding: pathology + PET/CT results unknown to each specialist Funding: NR Other limitations: none |
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Alzahrani 2016 Retrospective cohort study |
N = 530 pts with newly diagnosed DLBCL who underwent staging PET/CT and BMB
· Median age (range): 65 years (16 – 90 years) · Stage: I/II 37%, III/IV 63%
Inclusion criteria: · Newly diagnosed DLBCL · Underwent staging PET/CT and unilateral iliac crest BMB
Exclusion criteria: · Previous diagnosis of iNHL · Composite histology in diagnostic biopsies
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PET/CT, BMB |
· OS · PFS · Staging accuracy · Sensitivity · Specificity · PPV · NPV |
2-year OS: Negative PET/CT: 79% (95% CI: 71% - 87%) Positive PET/CT: 63% (95% CI: 53% - 73%) P < 0.0001 Negative PET/CT + negative BMB: 82% (95% CI: 72% - 92%) Positive PET/CT or positive BMB: 65% (95% CI: 57% - 73%) P = 0.003
2-year PFS: Negative PET/CT: 74% (95% CI: 64% - 84%) Positive PET/CT: 53% (95% CI: 43% - 63%) P < 0.0001 Negative PET/CT + negative BMB: 75% (95% CI: 65% - 85%) Positive PET/CT or positive BMB: 57% (95% CI: 49% - 65%)
Staging accuracy: 36% of positive PET/CT had positive BMB 9% of negative PET/CT had negative BMB BMB upstaged 12/209 (6%) stage I/II pts to IV (incl. 3 pts with DLBCL) upstaged 14/92 (16%) stage III pts to IV (incl. 5 pts with DLBCL)
PET/CT: Sensitivity 60% (95% CI: 49% - 70%) Specificity 79% (95% CI: 75% - 83%) PPV 36% (95% CI: 28% - 44%) NPV 91% (95% CI: 88% - 94%)
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Study duration: 2009 - 2014 Median follow-up (range): 2 years (3 months – 6.5 yars) ITT: NA Randomisation: NA Blinding: „blind unilateral posterior iliac crest trephine biopsy and aspirate were carried out routinely upon diagnosis of DLCBL“ Funding: none Other limitations: none |
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Liang 2016 Retrospective cohort study |
N = 169 pts with newly diagnosed DLBCL
· Median age (range): 55 years (18 – 85 years) · Stage: III/IV 64%
Inclusion criteria: · Newly diagnosed DLBCL · Both PET/CT and BMB at baseline · No other malignancy present at time of examination
Exclusion criteria: · Chemotherapy before scan · Hematopoietic growth factor before scan · Interval between BMB and PET/CT >30 days
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PET/CT scan, BMB
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· OS · PFS · Staging accuracy · BMI characteristics |
PFS: Positive PET/CT vs. Negative PET/CT: HR 3.96 (95% CI: 2.38 – 6.59, p < 0.001) Positive BMB vs. Negative BMB: HR 4.49 (95% CI: 2.53 – 7.89, p < 0.001)
OS: Positive PET/CT vs. Negative PET/CT: HR 6.73 (95% CI: 3.40 – 13.34, p < 0.001) Positive BMB vs. Negative BMB: HR 6.24 (95% CI: 3.06 – 12.73, p < 0.001)
Staging accuracy: Upstaging by BMB: 1 pt upstaged from II to IV, 1 pt upstaged from III to IV
BMI (bone marrow involvement) detection: Positive BMI detected by BMB: 20 pts (11.8%) Positive BMI detected by PET/CT: 35 pts (20.7%), 33 focal, 2 diffuse
BMI characteristics found by PET/CT: Among 33 focal PET/CT: 45.4% bilateral iliac crest + other bone/bone marrow involvement (also found by BMB) 18.2% unilateral iliac crest + other involvement (33% also found by BMB) 36.4% only other than iliac crest
Positive BMB: 51.4% of pts with positive PET/CT 1.5% of pts with negative PET/CT
|
Study Duration: 04/2005 – 07/2014 Median follow-up: 38 months (12 – 113 months) ITT: NA Randomisation: NA Blinding: scans examined by radiologist unaware of clinical + BMB findings, inconsistent results re-examind by other radiologist blinded to PET/CT + histopathology results Funding: Priority Academic Program Development of Jiangsu Higher Education Institute, Project of National Key Clinical Specialty, National Science & Technology Pillar Program, Jiangsu Provincial Special Program of Medical Science Other limitations: none |
Bewertung der Evidenz - Verzicht auf Knochenmarkbiopsie
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Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamtqualität |
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High |
1 prospective cohort study, 3 retrospective cohort studies |
Overall survival (OS) |
/ |
/ |
-1 (no comparison of tests) |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊝ moderate |
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High |
3 retrospective cohort studies |
Progression-free survival (PFS) |
/ |
/ |
-1 (direct comparison of tests missing) |
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/ |
⊕⊕⊕⊝ moderate |
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High |
1 prospective cohort study |
Event-free survival (EFS) |
/ |
/ |
/ |
-1 (only one study with 300 pts) |
/ |
⊕⊕⊕⊝ moderate |
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High |
1 SR, 1 pooled analysis of RCTs, 3 retrospective cohort studies |
Sensitivity (staging accuracy) |
/ |
-1 (moderate heterogeneity in results) |
/ |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊝ moderate |
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High |
1 SR, 1 pooled analysis of RCTs, 2 retrospective cohort studies |
Specificity (staging accuracy) |
/ |
-1 (moderate heterogeneity in results) |
/ |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊝ moderate |
|
High |
1 pooled analysis of RCTs, 1 retrospective cohort study |
PPV (staging accuracy) |
/ |
-1 (substantial heterogeneity in results) |
-1 (no comparison of tests) |
/ |
/ |
⊕⊕⊝⊝ low |
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High |
1 pooled analysis of RCTs, 3 retrospective cohort studies |
NPV (staging accuracy) |
/ |
/ |
/ |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊕ high |
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High |
1 prospective cohort study, 4 retrospective cohort studies |
Staging (identification of marrow disease, impact on staging) |
/ |
-1 (heterogeneity in results) |
/ |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊝ moderate |
|
High |
1 prospective cohort study |
Event-free survival (EFS) |
/ |
/ |
/ |
-1 (only one study with 300 pts) |
/ |
⊕⊕⊕⊝ moderate |
Prognosefaktor ,bulky disease'
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Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
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Song 2012 Retrospective study |
N= 169 pts with DLBCL receiving R-CHOP · Median age: 61.0 years · Stage: nodal stage II-III (Ann Arbor), stage II n = 100, stage III n = 69 Inclusion criteria: · Pts with primary nodal localization as a de novo DLBCL histotype · stage II or III (Ann Arbor), staging available for follow-up Exclusion criteria: · any extranodal involved site · DLBCL secondary to low-grade NHL, or other treatment, including radiotherapy after RCHOP · therapy or autologous stem cell transplantation · discrepancy in the LNs between PET and CT · uncontrolled diabetes mellitus, evidence of infection at the time of diagnosis, especially active tuberculosis, or antibodies against human immunodeficiency virus |
A: low MTV B: high MTV (bulky disease) |
·OS ·PFS ·Prognosis (univariate analysis) |
·OS (3-year): 93.2% (A) vs. 58.0% (B), p<0.001 ·PFS (3-year): 89.8% (A) vs. 55.6% (B), p<0.001 ·Prognosis (high MTV): ·OS: HR 8.097 (95% CI: 3.395-19.309), p<0.001 ·PFS: HR 5.797 (95% CI: 2.787-12.055), p<0.001 |
Study Duration: July 2004- November 2008 Follow-up: Median 36 months ITT: NA Randomisation: NA Blinding: NA Funding: Ministry for Health, Welfare and Family affairs, Republic of Korea Other limitations: none |
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Parvez 2018 Retrospective study |
N= 82 pts (n=77 with DLBCL) with aggressive BCL receiving first line therapy · Median age: 55 years · Stage: I/II 58.5%, III/IV 41.5% Inclusion criteria: · Pts with biopsy-proven aggressive NHL · who underwent staging with 18F-FDG PET/CT (PET) at baseline, with available clinical and imaging follow-up data after the end of first-line therapy. · Acceptable imaging follow-up at the end of therapy was PET or CT for patients with no residual morphological mass ≥ 1.5 cm (if end of therapy PET was not available) and PET for patients with residual masses at the end of therapy with primary nodal localization as a de novo DLBCL histotype Exclusion criteria: · Pts with incomplete clinical and imaging datasets or those in whom disease status could not be confirmed at the end of therapy |
A: no bulky disease B: bulky disease |
·Prognosis of CR (bulky disease >6cm) |
·Prognosis of CR (bulky disease >6cm at baseline): 75% in non-responders vs. 42% in responders, p=0.026 |
Study Duration: May 2012- May 2016 (initial staging) Follow-up: Median 18 months ITT: NA Randomisation: NA Blinding: NA Funding: NR Other limitations: none |
Bewertung der Evidenz: Prognosefaktor ,bulky disease'
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Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamtqualität |
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High |
1 retrospective cohort study |
Overall survival (OS)
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/ |
/ |
/ |
-1 (single study with small sample size, 169 pts) |
/ |
⊕⊕⊕⊝ Moderate |
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High |
1 retrospective cohort study |
Progression free survival (PFS) |
/ |
/ |
/ |
-1 (single study with small sample size, 169 pts) |
/ |
⊕⊕⊕⊝ Moderate |
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High |
2 retrospective cohort studies |
Prognosis, remission |
/ |
/ |
/ |
-1 (small sample size, 251 pts) |
/ |
⊕⊕⊕⊝ Moderate |
Prognosefaktor totales metabolisches Tumorvolumen - Systematische Übersichtsarbeiten
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Referenz/ |
Untersuchte Studien |
(verglichene) Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Ergebnisse |
methodische Bemerkungen |
Literaturbelege/ |
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Guo 2019 SR/MA |
Cohort studies on prognosis by TMTV · Searched until May 1, 2018 · PubMed, Embase, Cochrane
Inclusion criteria: · observational studies (retrospective or prospective) or clinical trials · limited to lymphoma · 18F-FDG PET was used as an initial imaging tool · Pts had not undergone chemotherapy, immunechemotherapy or RT before the 18F-FDG PET scan · volume of the lymphoma was measured · survival data was reported Exclusion criteria: · case reports, case series, review articles, editorials, letters or comments · survival data unavailable or insufficient to perform meta-analysis · data specifically for HIV-associated lymphoma, pediatric lymphoma, primary central nervous system lymphoma, primary testicular lymphoma, or PMBCL · overlapping pts and data |
Prognostic value of TMTV in pts treated with R-CHOP A: High TMTV B: Low TMTV |
· OS · PFS |
27 studies on 2729 pts with lymphoma (13 studies on 1233 pts with DLBCL included in MA for OS; 12 studies for PFS) Descriptive statistics: · Age: NR · Sex (male/female): NR · Stage: NR
Results: · OS: A vs. B: HR 3.52 (95% CI: 2.67-4,.64), p<0.001, I²: 0% · PFS: A vs. B: HR 2.93 (95% CI: 2.29-3.73), p<0.001, I²: 0% |
Methodological quality of studies (assessed using Newcastle-Ottawa-Scale) according to the authors: “The study quality assessed by means of the NOS was fair, with a median quality score of 8 (range 5–9 [potential range: 0-9]).“
Overall confidence in results of SR (AMSTAR-2): Moderate
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Song 2012 Oh 2013 Esfahani 2013 Sasanelli 2014 Gallicchio 2014 Kim 2014 Adams 2015 Schoder 2015 Mikhaeel 2016 Cottereau 2016 Zhou 2016 Song 2016 Chang 2017 |
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Xie 2015 SR/MA |
Retrospective studies on prognositc significance of quantitative metabolic parameters · Searched 1/2000 - 10/2014 · PubMed, Embase, Cochrane, American Society of Hematology
Inclusion criteria: · Relevant clinical studies on predictive value of baseline F-18 FDG PET/CT quantisation parameters · ≥20 pts with DLBCL · F-18 FDG PET/CT scan prior to treatment · R-CHOP as first-line chemotherapy · Reported in English · Reporting of at least one form of survival data Exclusion criteria · NR |
Predictive value of quantisation parameters of baseline F-18 FDG PET/CT
A: high MTV B: low MTV
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· OS · PFS |
7 studies on 703 pts with DLBCL for PFS 6 studies on 681 pts with DLBCL for OS Descriptive statistics: · Age: Medians betwen 56 – 69 years · Sex (male/female): 35 – 61% male · Stage: I – IV
Results: · OS: A vs. B: HR 2.99 (95% CI: 1.91 – 4.69, p = 0.000) · PFS: A vs. B: HR 2.18 (95% CI: 1.46 – 3.25, p = 0.000) · 3-year OS: A vs. B: OR = 5.4 (95% CI: 3.14 – 9.29, p = 0.000) · 3-year PFS: A vs. B: OR = 3.69 (95% CI: 2.29 – 5.94, p = 0.000)
|
Overall confidence in results of SR (AMSTAR-2): Low (no RoB/quality assessment, little discussion of heterogeneity)
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Adams 2014 Sasanelli 2014 Esfahani 2013 Song 2012 Kim 2013 Oh 2012 Chihara 2011 |
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Prognosefaktor totales metabolisches Tumorvolumen - Einzelstudien
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Referenz/ Studientyp |
Untersuchte Population |
Interventionen |
untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
methodische Bemerkungen |
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Schmitz 2020 Cohort study (post-hoc analysis of pts in RCT) |
N= 510 pts with DLBCL participating in PETAL trial (RCT) · Median age: 62 years · Stage: III-IV: 58%
Inclusion criteria: · DLBCL · Baseline PET available for post-hoc TMTV analysis: 62 years · (PETAL; ClinicalTrials.gov): · Aggressive B-cell or T-cell NHL · Pathological pre-treatment PET scan · ECOG 0-3 · Age 18 - 80 years
Exclusion criteria (ClinicalTrials.gov): · Burkitt's lymphoma · Primary central nervous system lymphoma · Previous chemo- and/or RT · Other cancer within preceding 5 years · HIV infection, active viral hepatitis or other uncontrolled infection · Other medical conditions precluding administration of planned therapy · Pregnancy or lactation |
Combined analysis of pts in all treatment groups
Pts with positive interim-PET: A1: 6 cycles (R)-CHOP A2: 6 blocks B-ALL Pts with negative interim PET: B1: 4 cycles (R)-CHOP B2: 4 cycles (R)-CHOP + 2 doses rituximab |
· OS · PFS · Time-to-progression (TTP) |
Cox regression modeling of the effect of PET-derived factors on: ·OS (by log baseline TMTV in cm³, SUV4max): HR 1.47 (95%CI: 1.25-1.73), p< 0.0001 ·PFS (by log baseline TMTV in cm³, SUV4max): HR 1.42 (95% CI: 1.24-1.63), p<0.0001 ·TTP (by log baseline TMTV in cm³, SUV4max): HR 1.54 (95% CI: 1.29-1.83), p<0.0001)
“TMTV and iPET response were correlated with TTP, PFS, and OS, and remained the only independent outcome predictors [age, ECOG performance status, Ann Arbor stage, elevated LDH, extranodal sites] in Cox regression analysis.”
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Study Duration: NA Follow-up: Median 4.4 years ITT: NA Randomisation: NA Blinding: NA Funding: German cancer aid, Amgen, Roche Other limitations: none |
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Parvez 2018 Retrospective study |
N = 98 pts with aggressive NHL (n = 77 pts with DLBCL) who underwent baseline 18-F FDG PET/CT
· Median age (range): 55 years (18 – 86 years) · Stage: I/II 59%, III/IV 41%
Inclusion criteria: · Biopsy-proven aggressive NHL · Baseline 18-F FDG PET/CT · Available clinical and imaging data after end of first-line therapy
Exclusion criteria: · Incomplete clinical and imaging datasets · Disase status could not be confirmed at end of therapy |
Quantitative parameters of baseline FDG PET/CT
MTV: threshold SUV3 = 3.0 and SUV6 = 6.0 |
·OS ·Response to therapy
|
OS (at median 18 months (range 3 – 54 months)): Predictors of OS: SUV3 (p = 0.0028), SUV6 (p = 0.012)
SUV3: Nonresponders mean (SD): 1145mL (1848.8mL) Responders mean (SD): 360.3mL (481.8mL) P = 0.0147
SUV6: Nonresponders mean (SD): 460 mL (625.5mL) Responders mean (SD): 208.7mL (303.2mL) P = 0.009 |
Study Duration: 4 years (5/2012 – 5/2016) Follow-up: NR ITT: NA Randomisation: NA Blinding: NA Funding: NR Other limitations: none
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Gupta 2020 Prospective cohort study |
N = 89 pts with DLBCL, referred for FDG-PET/CT scan at staging
· Mean age (range): 56.3 (11-84) · Stage: NR
Inclusion criteria: · Pts with DLBCL · Referred for FDG PET/CT scan
Exclusion criteria: · NR
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Measures of whole-body PET-CT at staging
TMTV: threshold of 42% of SUVmax
|
·Recurrence ·Disease persistance |
MTV cut-off: 185.63cm3 A: MTV >185.63cm3 B: MTV <185.63cm3
Sensitivity of staging MTV: A vs. B: 86.67% Specifictiy of staging MTV: A vs. B: 84.75%
Recurrence/persistent disease: n = 26 A: n = 22 B: n = 4
Disease free: n = 51 A: n = 9 B: n = 42 |
Study Duration: NR Follow-up: median 48 months ITT: NA Randomisation: NA Blinding: NA Funding: NR Other limitations: none
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Bewertung der Evidenz: Prognosefaktor totales metabolisches Tumorvolumen
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Startpunkt der Bewertung |
Design |
Endpunkt |
Verzerrungsrisiko |
Inkonsistenz |
Indirektheit |
Impräzision |
Weitere Überlegungen |
Gesamtqualität |
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High |
2 SRs, 2 retrospective cohort studies |
Overall survival (OS) |
/ |
/ |
/ |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊕ High |
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High |
2 SRs, 1 retrospective cohort study, 1 prospective cohort study |
Progression (PFS, time-to-progression, disease persistance, recurrence) |
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/ |
/ |
/ |
/ |
⊕⊕⊕⊕ High |
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High |
1 retrospective cohort study |
Response to therapy |
/ |
/ |
/ |
-1 (small sample size with 98 pts) |
/ |
⊕⊕⊕⊝ Moderate |
Literaturhinweise
[38] Carbone, PP, Kaplan, HS, Musshoff, K, Smithers, DW, Tubiana, M, Report of the committee on Hodgkin's disease staging classification.Cancer Research, Cancer Res, 1971. 31(11): p. 1860-1., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/5121694 /
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