Leitlinienprogramm OnkologieZervixkarzinom

9. Operative Therapie – Zervixkarzinom

Version 3.0 · Oktober 2026 · AWMF 032-033OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Wesentliche Neuerungen im Kapitel Operative Therapie

Das Kapitel wurde auf Grund der aktuell publizierten Ergebnisse operativer Studien (e.g.LACC, SHAPE, Senticol II, PHENIX) komplett überarbeitet. Neue Statements / Empfehlungen betreffen die präoperative Konisation vor geplanter Operation, die einfache Hysterektomie beim frühen Zervixkarzinom, das Lymphknotenstaging vor Radiochemotherapie. Bezüglich des operativen Zugangswegs und den Einsatz des Sentinellymphknotenbiopsie wurden die Statements auf Grund der neuen Evidenz modifiziert. Die operativen Therapiekonzepte beim Fertilitätserhalt werden in diesem Kapitel diskutiert.

In diesem Kontext wird darauf hingewiesen, dass sich die Therapieempfehlungen basierend auf die FIGO Klassifikation von 2009 beruhen. Dies bedeutet, dass Studienergebnisse nur zum Teil auf Patientinnen übertragen werden können, sofern die neue FIGO-Klassifikation herangezogen wird. Dies gilt vor allem für die Stadien IA2 und IB2 sowie FIGO IIIC1/2 (FIGO 2018) (siehe auch Tabelle 20). 

T. Fehm, D. Denschlag, P. Hillemanns, H. Hertel, M.W. Beckmann, F.A. Stübs, P. Wimberger

9.1 Therapieprinzpien beim frühen Zervixkarzinom (FIGO I bis FIGO IIA)

9.1 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

In den Stadien ≤ FIGO-Stadium IIA (FIGO 2009) sollte bei nicht zu erwartender adjuvanter Therapie (fehlende präoperative Risikofaktoren) die primär operative Therapie erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
Änderungshinweisverlegt aus Kapitel 8

Bei der systematischen Suche konnte keine Literatur identifiziert werden, die eine Aussage dazu möglich macht, ob in den Stadien IB2 und IIA (FIGO 2009) die operative Therapie und die Radiochemotherapie onkologisch gleichwertig sind. Somit bleibt diese Frage ungeklärt.

In den aktualisierten NCCN Guidelines sowie europäischen Leitlinien wird bereits die neue FIGO Klassifikation (FIGO 2018) eingesetzt [90] [291]. Beide Leitlinien sehen beim Stadium FIGO IB3 und FIGO IIa – auf Grund der fehlenden Evidenz - sowohl die operative Therapie als auch die Radiochemotherapie als gleichwertige Optionen an, über die in einem interdisziplinären Tumorboard unter Berücksichtigung der Patientinnenpräferenz entschieden werden soll.
Ziel der operativen Therapie des frühen Zervixkarzinoms ist die Kuration unter Vermeidung einer multimodalen Therapie, sprich eine adjuvante Radiochemotherapie. Zudem gilt es die operative Morbidität gering zu halten. Aus diesem Grund ist das präoperative Staging essentiell, um entscheiden zu können, ob alle Voraussetzungen für eine operative Therapie erfüllt sind und ob ggf. eine Reduktion der operativen Radikalität ermöglicht werden kann (e.g. einfache Hysterektomie, Sentinellmyphknotenbiopise) (siehe Kap. 9.5., Kap. 9.7.1.). Die Radikalität der Hysterektomie ist vom FIGO Stadium abhängig. Ab FIGO Stadium IA2 mit zwei Risikofaktoren ist die radikale Hysterektomie als operatives Standardverfahren definiert. Das Lymphknotenstaging kann bei Tumoren ≤ 2cm und unauffälligen klinischen Lymphknoten als Sentinellmyphknotenbiopsie erfolgen (Empfehlung Kap. 9.7.1.).

9.2 Operatives Vorgehen

Die klassische Operationstechnik ist die radikale Hysterektomie. Die Radikalität hängt von der Tumorgröße und Ausdehnung ab. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Klassifikationen, die im klinischen Alltag Verwendung finden. Die älteste Klassifikation und am häufigsten verwendete ist die Piver-Rutlede-Smith-Klassifikation [292]. Davon wird die Klassifikation der European Organization for Research and Treatment of Cancer-Gynecological Cancer Group (EORTC-GCG) [293] und die Klassifikation von Querleu-Morrow unterschieden [294]. Die Querleu-Morrow ist die aktuellste, am weitesten entwickelte Klassifikation. Sie kann für verschiedene operative Zugangswege verwendet werden: abdominal, vaginal, laparoskopisch und robotisch [90]. Diese Klassifikation wird als Standard im Update der 2023 Version der ESGO-Guideline empfohlen  [90] . In den aktuell vorliegenden Studien wird auf unterschiedliche Klassifikationen verwiesen, so dass dies im Einzelfall berücksichtig werden muss

Die Klassifikation nach Piver et al. unterscheidet fünf Grade der Radikalität der Hysterektomie [292]:

Tabelle 14: Klassifikation der radikalen Hysterektomie nach Piver-Rutlede-Smith-Klassifikation (Modifiziert 2026)

Piver-Rutledge-Smith-Klassifikation 
Piver I: extrafasziale Hysterektomie (keine nennenswerte Mobilisierung der Ureteren).
Piver II:                            

(modifiziert-radikale Hysterektomie): Absetzen der A. uterina an der Überkreuzung des Ureters. Absetzen der Ligg. uterosacralia und cardinalia auf halben Weg zum Kreuzbein bzw. zur Beckenwand. Resektion des oberen Vaginaldrittels. Präparation der Ureteren ohne Herauslösen aus dem Lig. pubovesicale. Letztlich handelt es sich um eine extrafasziale Hysterektomie mit Resektion der Parametrien medial der Ureteren.

Piver III:

(„klassische“ radikale Hysterektomie): Absetzen der A. uterina am Ursprung (A. iliaca interna o. A. vesicalis sup.). Absetzen der Ligg. uterosacralia und cardinalia nahe an ihren Ursprüngen (Os sacrum, Beckenwand). Resektion des oberen Vaginaldrittels (bis Vaginalhälfte). Präparation der Ureteren bis zur Einmündung in die Blase unter Schonung eines kleinen lateralen Anteils des Lig. pubovesicale.

Piver IV: (erweiterte radikale Hysterektomie): Wie Piver III, jedoch mit kompletter Herauslösung der Ureteren aus dem Lig. pubovesicale, Resektion der A. vesicalis superior, Resektion von bis zu ¾ der Vagina.
Piver V: Resektion von Teilen der Blase und des distalen Ureters mit Ureterneuimplantation.

Tabelle 15: Klassifikation der radikalen Hysterektomie nach EORTC-GCG-Klassifikation (Neu 2026)

EORTC-GCG-Klassifikation 
Typ I: Einfache Hysterektomie
Typ II:

modifiziert-radikale Hysterektomie:

  • Ureter werden bis zu ihrem Einmünden in die Blase präpariert
  • Absetzen der proximalen Ligg. Uterosacralia
  • Absetzen der medialen Hälfte der Ligg. Cardinalia
  • Absetzen von 1-2cm der oberen Vagina
Typ III:            

radikale Hysterektomie:

  • Absetzen der kompletten Ligg. uterosacralia
  • Resektion der kompletten Parametrien
  • Absetzen des oberen Drittels der Vagina
Typ IV:

erweiterte radikale Hysterektomie: Wie Typ III, jedoch mit Absetzen von Dreiviertel der Vagina und des paravaginalen Gewebes.

Typ V:

Partielle Exenteration: Der distale Ureter oder ein Segment der Blase oder des Rektums wird mit dem Uterus und den Parametrien (oberhalb des M. levator) reseziert.

Typ II-V:             

Hysterektomie wird mit einer systematischen bilateralen pelvinen Lymphonodektomie, bis zur Hälfte A. iliaca communis, durchgeführt, es werden auch die präsakralen Lymphknoten, die Lymphknoten zwischen A. und V. ilialca und die Lymphknoten in der Fossa obturatoria entfernt. Die  Ovarektomie ist nicht zwingend Bestandteil der radikalen Hysterektomie.

Tabelle 16: Klassifikation der radikalen Hysterektomie nach Querleu-Morrow (Neu 2026)

Klassifikation der radikalen Hysterektomie nach Querleu-Morrow
Typ der radikalen Hysterektomie Parazervix oder laterales Parametrium Ventrales Parametrium   Dorsales Parametrium
Typ A: Auf der Hälfte zwischen Zervix und Ureter (medial des Ureters, dieser wird identifiziert aber nicht mobilisiert) Minimale Exzision Minimale Exzision
Typ B1: Auf Höhe der Ureteren (Ureteren werden von der Zervix und dem lateralen Parametrium mobilisiert) Partielle Resektion der Ligg. vesicouterinum Partielle Resektion der Ligg. Uterosacralia
Typ B2: Wie B1, zusätzlich parazervikale Lyphonodektomie ohne Resektion der Gefäße und Nerven Partielle Resektion der Ligg. vesicouterinum Partielle Resektion der Ligg. Uterosacralia
Typ C1:  Transversal der Iliakal-Gefäße (der kaudale Teil bleibt erhalten) Resektion der Ligg. Vesicouterinum auf Höhe der Blase. Proximaler Teil der Ligg vesicovaginale (Nerven der Blase werden dargestellt und erhalten) Auf Höfe des Rektums (Plexus hypogastricus wird dargestellt und geschont)
Typ C2: Auf Höhe des medialen Abschnitts der Iliakal-Gefäße (der kaudale Teil wird reseziert). Auf Höhe der Blase (Nerven werden mit reseziert) Auf Höhe des Os sacrum (Plecus hypogastricus wird reseziert)
Typ D: Auf Höhe der Beckenwand, einschließlich der internen Iliakal-Gefäße und/oder Teilen der Beckenwände Auf Höhe der Blase (entfällt bei Exenteration) Auf Höhe des Os sacrum (entfällt bei Exenteration)
9.2 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

In der Postmenopause sollte bei makroinvasivem Karzinom eine beidseitige Adnexektomie im Rahmen einer Hysterektomie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens

Eine Entfernung der Eileiter scheint keinen negativen Folgen für die ovarielle Funktion zu haben [295], [296], vermag aber potentiell das Risiko für die Entstehung eines Ovarial- oder Tubenkarzinoms zu reduzieren [297] [298]. Schätzungen zufolge könnte die Rate an High-Grade serösen Ovarialkarzinomen in den nächsten 20 Jahren um 40 % reduziert werden, wenn im Rahmen einer Hysterektomie beide Eileiter mit entfernt würden  [298]. Zudem scheint diese Prozedur nicht mit einer erhöhten Morbidität für die Patientin einherzugehen [299]. Von daher sollte diese zusätzliche Maßnahme bzw. deren potentieller Benefit mit der Patientin individuell diskutiert werden.

Insgesamt ist die Inzidenz von ovariellen Metastasen beim Zervixkarzinom sehr gering [300]. Beim Plattenepithelkarzinom der Zervix liegt die Inzidenz ovarieller Metastasen in der größten diese Thematik behandelnden Studie (n = 3.471) stadienabhängig bei 0,22 % (Ib), 0,75 % (IIa) bzw. bei 2,2 % (IIb). Beim Adenokarzinom lag die Rate bei 3,72 % (Ib), 5,26 % (IIa) bzw. 9,85 % (IIb) [301]. In einer weiteren Meta-Analyse mit 12 Studien (n=18.389) wurden bei 1,46% aller Plattenepithelkarzinome und bei 3,61 % der Adenokarzinome ovarielle Metastasen nachgewiesen (OR 3,89, 95% KI 2,62–5,78; P< 0,001). Hauptrisikofaktoren für die ovarielle Metastasen sind pelvine Lymphknotenmetastasen, Lymphgefäßinfiltration und Parametriuminfiltration [300]. Daher empfiehlt die Leitliniengruppe die Adnexektomie für alle postmenopausalen Patientinnen ab Stadium IB1 und bei prämenopausalen Patientinnen mit einem Adenokarzinom im Stadium IB2, IIA2 und IIB (siehe Empfehlungen 9.2.).

9.3 Zugangsweg bei der operativen Therapie

9.3 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Patientinnen mit Tumoren bis FIGO Stadium IB1 (FIGO 2009) bei denen eine radikale Hysterektomie geplant ist, sollen diese per Laparotomie erhalten.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1+
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[302] [303] [304] [305] [306] [307]
ÄnderungshinweisDie offene radikale Hysterektomie sollte den Patientinnen bis FIGO IB1 angeboten werden.
Evidenztabellen (6)Ramirez et al 2024; Smith et al 2020; Hwang 2021; Sun et al 2022; Yu et al 2022; Nasioudis et al 2021
9.4 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Patientinnen mit Tumoren ≤2cm und Vorliegen der SHAPE-Kriterien (zervikale Stromainfiltration unter 1 cm im Konus/LEEP oder unter 50% im MRT, keine Lymphknotenmetastasen) bei denen eine einfache Hysterektomie geplant ist, sollten diese per Laparotomie erhalten.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[308]
ÄnderungshinweisUnter Studienbedingungen kann ein minimal-invasiver Zugang gewählt werden.
Evidenztabellen (1)Plante et al 2024

Die Frage, ob die radikale Hysterektomie bei Frauen mit einem Zervixkarzinom im Frühstadium (< FIGO IIB) minimal-invasiv (laparoskopisch/robotisch) oder als offene radikale Hysterektomie durchgeführt werden sollte, ist weiterhin nicht eindeutig zu beantworten. Es zeichnen sich zwei zentrale, teils widersprüchliche Tendenzen ab: eine betrifft die onkologischen Langzeitergebnisse, die andere die perioperativen Resultate und die Lebensqualität.

Onkologische Sicherheit des Zugangsweges bei radikaler Hysterektomie

Hinsichtlich der onkologischen Sicherheit stellt die randomisiert-kontrollierte LACC-Studie von Ramirez et al. die Evidenz mit dem höchsten Evidenzniveau dar [309] . 2024 wurde die finale Analyse mit dem Krankheitsfreien- (DFS) bzw. Gesamtüberleben (OS) nach 4,5 Jahren veröffentlicht, welches abschließend bei 85,0 % in der minimal-invasiven Gruppe und bei 96 % in der offenen Gruppe lag (DFS). Die Gesamtüberlebensrate nach 4,5 Jahren betrug 90,6 % in der minimal-invasiven Gruppe und 96,2 % in der offenen Operationsgruppe. In der Subgruppe mit vorangegangener Konisation fand sich allerdings kein Unterschied im krankheitsfreien Überleben zwischen dem offen und dem minimal-invasiven Vorgehen. Allerdings waren in dieser Subgruppe meist kleinere und oberflächliche Tumoren, so dass angesichts dieses Selection Bias keine Schlussfolgerungen abzuleiten sind.

Die höhere onkologische Sicherheit beim offenen Zugangsweg wird durch mehrere Metaanalysen gestützt, die ebenfalls auf ein erhöhtes Risiko für Krankheitsprogression oder Tod bei minimal-invasivem Vorgehen hindeuten (z. B. [304]). Besonders hervorzuheben ist die Analyse von Nasioudis et al. (2021), die diesen Überlebensnachteil selbst in der Niedrigrisikogruppe von Patientinnen mit Tumoren <2 cm nachweist [310].

Im Widerspruch dazu stehen andere Metaanalysen, die keine signifikanten Unterschiede im Gesamt- oder krankheitsfreien Überleben zwischen den beiden Operationsverfahren feststellen konnten (z. B. [311] [312] [313] ). Diese Arbeiten legen eine onkologische Äquivalenz der operativen Zugangswege nahe.

Die Analyse von Song et al. postuliert zudem, dass technische Modifikationen wie eine protektive Kolpotomie den potenziellen onkologischen Nachteil der minimal-invasiven Chirurgie aufheben könnten, was jedoch auf retrospektiven Daten mit niedriger Evidenz basiert [313].

 

Perioperative Komplikationen in Abhängigkeit vom operativen Zugangsweg

Im Gegensatz zu den umstrittenen onkologischen Ergebnissen zeigt sich bei den perioperativen Endpunkten ein Vorteil für die minimal-invasive Hysterektomie. Über mehrere Studien und Metaanalysen hinweg ist diese mit einem signifikant geringeren intraoperativen Blutverlust und einer kürzeren Krankenhausverweildauer assoziiert [314] [315] [312] [316]. Die Operationsdauer ist hingegen tendenziell länger. Das Komplikationsprofil ist uneinheitlich: Während einige Analysen ein geringeres Risiko für postoperative Komplikationen berichten [317] [312], zeigen andere keine signifikanten Unterschiede in der Rate schwerer oder intraoperativer Komplikationen [318] [315]. Die peri- und postoperative Komplikationen sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität waren durch die Wahl des Operationsverfahrens in der Subanalyse der LACC-Studie nicht wesentlich beeinflusst [314].

Zusammenfassende Bewertung der Evidenzlage

Die derzeitige Evidenzlage wird auch nach der Erstveröffentlichung von der LACC-Studie als einzigem großem RCT angeführt und spricht dafür, dass die minimal-invasive radikale Hysterektomie im Vergleich zur offenen Operation mit unterlegenen onkologischen Langzeitergebnissen (Gesamt- und krankheitsfreies Überleben) bei vergleichbarer per- und postoperativer Lebensqualität assoziiert ist. Dem stehen perioperative Vorteile wie ein geringerer Blutverlust und eine kürzere Hospitalisierung gegenüber. Die hohe Heterogenität der Metaanalysen und methodische Limitationen vieler eingeschlossener retrospektiver Studien erfordern jedoch eine kritische Bewertung [319] [320].

Derzeit sind zahlreiche RCTs initiiert worden, um den optimalen Zugangsweg bei radikaler bzw. einfacher Hysterektomie zu evaluieren: ROCC (NCT04831580), RACC (NCT03719547), sowie drei chinesische RCTs (NCT03739944, NCT03955185, NCT04999696).

In Deutschland und Italien läuft derzeit die „G-LACC“ Studie (NCT06489795l), in der die minimalinvasive (laparoskopische oder robotische) radikale Hysterektomie unter Anwendung protektiver Manöver mit der offenen radikalen Hysterektomie verglichen wird (einschließlich der Option der einfachen Hysterektomie bei Zervixkarzinom unter 2 cm; SHAPE-Kriterien).

Bei Tumoren größer FIGO IB1 liegen keine Studien vor, die das minimal-invasive  mit dem offenen operativen Verfahren verglichen haben. Aus diesem Grund ist hier das offene Vorgehen der Standard.

Operativer Zugangsweg bei Tumoren ≤ 2cm und einfacher Hysterektomie

Es gibt nur sehr wenige Studien, die die Sicherheit minimalinvasiver Operationen bei Patientinnen mit Läsionen ≤ 2 cm im Rahmen einer einfachen Hysterektomie spezifisch untersuchen. Die verfügbaren Studien sind meist retrospektiv und weisen erhebliche Verzerrungen auf [321] [322] [323]. Obwohl das Rezidivrisiko nach minimal-invasiver einfacher Hysterektomie nach Konisation gering erscheint (<1 %), gibt es bisher keine ausreichend prospektive Evidenz, die die Sicherheit dieser Methode eindeutig belegt.

Analysen aus früheren Studien (e,g. ConCerv, GOG-278, SHAPE) deuten darauf hin, dass eine Konisation mit tumorfreien Resektionsrändern vor der einfachen Hysterektomie die Prognose verbessert und intraoperatives Tumorverschleppen reduziert [208] [324].

Die 2024 veröffentlichte SHAPE-Studie zeigte erstmalig im Rahmen eines RCTs, dass in einem niedrig Risikokollektiv (Tumorgröße <2 cm, geringe Invasionstiefe von < 10mm, keine Lymphknotenmetastasen, MRT < 50% Zervixstromainvasion) zumindest die einfache Hysterektomie eine onkologisch gleichwertige Alternative zur radikalen Hysterektomie darstellt bei besserem Outcome in Bezug auf die Lebensqualität [324]. In Bezug auf den operativen Zugangsweg (minimalinvasiv versus offen) kann aber auch die SHAPE-Studie keine Antworten geben. Sie war nicht darauf ausgelegt die Frage nach dem operativen Zugangsweg zu beantworten, da dies kein Stratifizierungsfaktor/ Randomisierungsfaktor im Studiendesign war. In einer post-hoc Analyse des SHAPE-Kollektivs wurden univariate und multivariate Cox-Modelle verwendet, um die minimalinvasive mit der offenen Operation hinsichtlich klinisch-onkologischer Ergebnisse zu vergleichen [308].

Insgesamt wurde eine einfache Hysterektomie bei 338 Patientinnen durchgeführt. Davon wurden 281 (83%) minimalinvasiv und 57 (17%) offen operiert. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 4,5 Jahren traten 12 (4,3%) Rezidive in der minimalinvasiven Gruppe, gegenüber 3 (5,3%) in der offenen Gruppe auf (p = 0,73).  Zwar haben Plante et al. keinen signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben bzw. im progressionsfreien Überleben feststellen können, aber einschränkend wurde festgehalten, dass es sich um eine post-hoc Analyse handelte. Dies trifft auch auf die zweite differenzierte Auswertung in Abhängigkeit einer vorangegangenen Konisation in sano der SHAPE Studie [325]. Die geringen Fallzahlen und wenigen Rezidive insgesamt lassen keine zuverlässigen Aussagen zur Gleichwertigkeit zu. Alle Todesfälle (n=4) und 6 der insgesamt 7 Fälle von extrapelvinen Rezidiven (Peritonealkarzinose) traten allerdings in der minimal-invasiven Gruppe auf, obwohl statistisch nicht signifikant.

Auf Grund der derzeitigen Evidenzlage sind weitere prospektive Studien notwendig, um die Gleichwertigkeit der minimal-invasiven einfachen Hysterektomie im Vergleich zur offenen Operation bei Tumoren ≤ 2cm und einfacher Hysterektomie prospektiv zu belegen.

In der aktuellen G-LACC Studie (NCT06489795) wird im Stratum < 2cm (SHAPE-Kriterien) die offene mit der minimal-invasiven einfachen Hysterektomie randomisiert verglichen. Die LASH-Studie (NCT06416748) soll gezielt die Sicherheit der minimal-invasiven einfachen Hysterektomie bei Patientinnen mit SHAPE-Kriterien untersuchen. In dieser prospektiven, einarmigen klinischen Studie sollen 974 Patientinnen eingeschlossen und einer einfachen, minimalinvasiven Hysterektomie zugeführt werden. Primärer Endpunkt ist 3-Jahres-rezidivfreies Überleben.

9.4 Konisation vor Hysterektomie

9.5 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Patientinnen mit Tumoren bis FIGO Stadium IB1 (FIGO 2009) sollte vor einer geplanten radikalen Hysterektomie eine Konisation angeboten werden, wenn tumorfreie Resektionsränder nach klinischer und bildgebender Einschätzung (MRT) möglich erscheinen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[326] [327] [328] [309]
Evidenztabellen (4)Ramirez et al 2024; Han et al 2023; Zhu et al 2024; Wang et al 2023

Die herkömmliche Indikation zur Konisation besteht in der Regel bei bioptisch gesichertem CIN III bzw. V.a. invasives Karzinom im Stadium IA (mikroskopische Ausdehnung).

Trotz des Mangels an prospektiver Evidenz häuft sich jedoch zunehmend retrospektive Evidenz, welche eine prä-operativ durchgeführte Konisation auch im Stadium IB mit einer verbesserten Prognose – auch multivariat – assoziieren. So existieren bereits neben einer randomisiert kontrollierten Studie (LACC) mit explorativer Subgruppenanalysen insgesamt 3 systematische Reviews und Metaanalysen diverser retrospektiver Studien [302].

Die postulierten Vorteile einer prä-operativ durchgeführten Konisation bestehen zum einen in einer exakteren Einschätzung der Tumorbiologie (z.B. Tumorgröße, Vorliegen eines Lymphgefäßeinbruchs), bzw. zum anderen in einer theoretischen Risikominimierung der Tumorzellverschleppung sollte eine komplette Entfernung des Tumors bereits durch die Konisation gelingen (R0).

In der finalen Analyse der LACC-Studie zeigte sich insgesamt ein signifikanter Vorteil der offenen gegenüber der minimal-invasiven radikalen Hysterektomie hinsichtlich Gesamtüberleben (OS), krankheitsfreiem Überleben (DFS) und progressionsfreiem Überleben (PFS) [302]. In einer Subgruppenanalyse war der negative Effekt der minimal-invasiven Operation auf das DFS bei Patientinnen ohne vorangegangene Konisation besonders ausgeprägt (HR 5,85 [2,47–13,9]), während bei Patientinnen mit präoperativer Konisation kein signifikanter Unterschied zwischen den Operationsmethoden bestand (HR 1,27 [0,39–4,17]). Diese Ergebnisse deuten auf einen potenziell protektiven Effekt der Konisation hin, wenngleich die Aussagekraft durch das explorative Design und fehlende Randomisierung für diesen Subgruppenvergleich eingeschränkt ist.

Drei systematischen Übersichtsarbeiten stützen den möglichen Nutzen der Konisation auf Basis retrospektiver Daten [326] [327] [328].

Han et al. zeigten in ihrer Metaanalyse einen signifikanten Vorteil für die präoperative Konisation hinsichtlich DFS (HR 0,23 [0,12–0,44]), OS (HR 0,54 [0,33–0,86]) und Rezidivrate (OR 0,29 [0,17–0,48]) [326].

Zhu et al. bestätigten die Reduktion der Rezidivrate (HR 0,48 [0,36–0,62]) in zehn eingeschlossenen Studien, betrachteten jedoch keine weiteren patientenrelevanten Endpunkte [327].

Wang et al. (2023) ermittelten lediglich eine signifikante Verbesserung des DFS (HR 0,28 [0,19–0,41]) aber keine für das OS (HR 0,55 [0,24–1,27]). Intra- und postoperative Komplikationen wurden nur vereinzelt und ohne signifikante Unterschiede berichtet [328].

Die Qualität der Evidenz aus den systematischen Reviews ist insgesamt limitiert durch das retrospektive Studiendesign, fehlende Berücksichtigung wichtiger Endpunkte (wie z. B. perioperative Komplikationen, Blutverlust, etc.) und methodische Einschränkungen der Übersichtsarbeiten (z.B. durch heterogene Kollektive).

Insgesamt deuten die verfügbaren Daten auf einen potenziellen onkologischen Vorteil einer präoperativen Konisation bei frühem Zervixkarzinom hin, insbesondere hinsichtlich der Reduktion von Rezidiven. Die Aussagekraft ist jedoch durch das vorwiegend retrospektive Design der Evidenzbasis und die explorative Natur der Subgruppenanalyse in der LACC-Studie begrenzt.

Von daher erscheint es sinnvoll, die möglichen Vorteile einer präoperativen Konisation vor radikaler Hysterektomie mit den betroffenen Patientinnen zu diskutieren, um ein individuell optimal abgestimmtes operatives Therapiekonzept gemeinsam festzulegen.

9.5 Einfache Hysterektomie als operative Therapie des frühen Zervixkarzinom

9.6 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Patientinnen mit Tumoren ≤2 cm und Vorliegen der SHAPE-Kriterien (zervikale Stromainfiltration unter 1 cm im Konus/LEEP oder unter 50% im MRT, keine Lymphknotenmetastasen) sollte eine einfache Hysterektomie empfohlen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[324] [321] [323]
Evidenztabellen (3)Plante et al 2024; Taliento et al 2024; Zeng et al 2024

Die radikale Hysterektomie ist das Standardverfahren beim frühem Zervixkarzinom ab Stadium FIGO Ia2 mit zwei Risikofaktoren.  Diese ist gegenüber der einfachen Hysterektomie mit einer erhöhten Morbidität verbunden. Zur Beantwortung der Frage, ob eine einfache Hysterektomie im Vergleich zur radikalen Hysterektomie bei Patientinnen mit Zervixkarzinom im FIGO-Stadium ≤IB1 (FIGO 2009) hinsichtlich onkologischer und operativer Endpunkte gleichwertig oder überlegen ist, liegen mehrere randomisierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten vor.

Im Rahmen der SHAPE-Studie (NCT01658930) wurden Patientinnen mit einem low-risk Plattenepithel-, Adenokarzinom oder Adenosquamösen Zervixkarzinom randomisiert, entweder für die Durchführung einer radikalen Hysterektomie oder einer einfachen Hysterektomie. Einschlusskriterien waren Stadium IA2 bis IB1 (FIGO 2009) (≤ 2 cm). Die Stromainvasion im Rahmen einer LEEP/Konisation musste < 10 mm, die Stromainvasion im präoperativen MRT < 50 % betragen [324]. In beiden Armen erfolgte eine systematische pelvine Lymphadenektomie, optional mit vorheriger zusätzlicher Sentinel-Lymphknotenbiopsie. Primärer Endpunkt war die pelvine Rezidivrate nach 3 Jahren. Es zeigte sich eine Nicht-Unterlegenheit für die einfache Hysterektomie im Vergleich zur radikalen Hysterektomie.

Nach 3 Jahren lag die pelvine Rezidivrate für die einfache Hysterektomie bei 2,52 % und bei der radikalen Hysterektomie bei 2,17 % (HR 1,12; p = 0,79). Das rezidivfreie Überleben war 96,3 % nach einfacher Hysterektomie und 97,8 % nach radikaler Hysterektomie. Extra-pelvine Rezidive fanden sich in 2,0 % nach einfacher und in 0,6 % nach radikaler Hysterektomie. Todesfälle wurden jeweils zu 2 % in beiden Therapiearmen beschrieben (HR 1.09; 95 % CI: 0.38-3.14). Am Zervixkarzinom verstarben im Verlauf 1,1 % nach einfacher und in 0,3 % nach radikaler Hysterektomie.

Urologische operative Komplikationen waren bei der einfachen Hysterektomie seltener. Die Patientinnen nach radikaler Hysterektomie wiesen signifikant häufiger Blasenentleerungsstörungen und Harninkontinenz auf. Nach über 4 Wochen wurde eine Harninkontinenz in 4,7 % bei einfacher Hysterektomie versus 11 % nach radikaler Hysterektomie (p = 0.003), sowie ein Harnverhalt zu 0,6 % vs. 9,9 % (p < 0,001) beschrieben. Es zeigte sich eine bessere Lebensqualität und Sexualfunktion nach einfacher Hysterektomie [329].

Im Rahmen der SHAPE-Studie konnte somit belegt werden, dass unter bestimmten Voraussetzungen die einfache Hysterektomie der radikalen bezüglich der onkologischen Sicherheit nicht unterlegen ist. Da nur 14 % der Patientinnen G3-Tumoren sowie nur 12,9 % eine Lymphangiosis hatten, kann allerdings beim Vorliegen dieser Risikokonstellationen keine valide Aussage zur onkologischen Sicherheit der einfachen HE getroffen werden kann.  Berücksichtigt werden muss auch, dass die Patientinnen alle eine komplette pelvine LNE erhielten, während mittlerweile in dieser Konstellation die Sentinellymphknotenbiopise der Standard ist.

Die onkologische Sicherheit und die geringere Morbidität der einfachen Hysterektomie bei frühen Zervixkarzinomstadien wurde mittlerweile durch mehrere Metaanalysen und Reviews bestätigt [321] [322] [323] [330].

Die Metaanalyse von Taliento et al. zeigte keinen signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben oder in der Lokalrezidivrate zwischen einfacher und radikaler Hysterektomie bei Patientinnen mit Zervixkarzinom im FIGO-Stadium IA2–IB1 (FIGO 2009) [321]. Hingegen waren das Risiko intraoperativer Blasenverletzungen und postoperative Blasenfunktionsstörungen unter einfacher Hysterektomie signifikant geringer.

Der Review von Wu et al. untersuchte 21 Studien (davon 3 RCTs) mit breiter Heterogenität hinsichtlich Studiendesign, Tumorstadium und Methodik [322]. Eine formale Metaanalyse unterblieb, stattdessen erfolgte eine narrative Synthese. Die größte populationsbasierte Studie von Sia et al. zeigte im Stadium IA2 kein Überlebensunterschied, jedoch ein signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko für die einfache Hysterektomie im Stadium IB1 (FIGO 2009) . Auch beim rezidivfreien Überleben zeigten sich widersprüchliche Ergebnisse, wobei kleinere Tumoren tendenziell keine Nachteile durch einfache Hysterektomie aufwiesen. Komplikationen traten unter einfacher Hysterektomie seltener auf.

Die Metaanalyse von Zeng et al. basierend auf neun Studien (davon vier RCTs), bestätigte die Gleichwertigkeit von einfacher und radikaler Hysterektomie hinsichtlich Gesamtüberleben, krankheitsfreiem und zervixkarzinomspezifischem Überleben sowie Rezidivrate [323]. Postoperative Komplikationen waren unter einfacher Hysterektomie signifikant seltener, allerdings benötigten mehr Patientinnen postoperativ eine adjuvante Therapie.

Zusammenfassend zeigen alle Arbeiten eine vergleichbare onkologische Sicherheit von einfacher gegenüber radikaler Hysterektomie bei Patientinnen mit niedrigem Risikoprofil, insbesondere im Stadium <= FIGO IA2 (FIGO 2009. Die operative Morbidität ist unter einfacher Hysterektomie konsistent geringer.

Bezüglich des optimalen operativen Zugangsweges kann auf Grund der derzeitigen Evidenzlage keine Aussage getroffen werden (siehe auch Empfehlung 9.3).

Konisation vor geplanter einfacher Hysterektomie beim frühen Zervixkarzinom

Bei low-risk-Karzinomen (siehe Empfehlung 9.6.) kann auch eine einfache Hysterektomie angeboten werden basierend auf den Daten der SHAPE-Studie   [324]. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Ergebnisse der SHAPE-Studie für die Frage des Benefits einer Konisation vor Hysterektomie auch nur indirekte Hinweise liefern konnten [325]. Es zeigten sich keine extrapelvinen Rezidive oder Todesfälle bei Patientinnen mit präoperativer Konisation und tumorfreien Resektionsrändern unabhängig vom operativen Vorgehen. Allerdings kann bei stattgefundener Konisation mit Ro-Resektion aber somit die definitive Tumorgröße festgelegt werden und damit bei nachgewiesener Low-Risk-Situation entsprechend der SHAPE-Kriterie eine einfache Hysterektomie anstatt einer radikalen Hysterektomie erfolgen.  

9.6 Operative Verfahren zum Fertilitätserhalt beim Zervixkarzinom

9.7 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Frauen mit Zervixkarzinom im Frühstadium (Tumoren bis 2 cm, nodalnegativ, Plattenepithel- oder Adenokarzinom sowie adenosquamöses Karzinom) und Kinderwunsch sollen Fertilitätserhaltende Therapieoption angeboten bekommen.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisFrauen mit Zervixkarzinom im Frühstadium und Kinderwunsch sollen Fertilitätserhaltende Therapieoption angeboten werden.
9.8 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

In Abhängigkeit des Stadiums soll folgendermaßen fertilitätserhaltend therapiert werden:

FIGO (2009) IA1 ohne Risikofaktoren oder mit LVSI:

- Konisation (in sano) mit Zervixkürettage.

- bei positiven Rändern im Konisat (R1), Wiederholung der Konisation oder

  Durchführung einer Trachelektomie (in sano, mit prophylaktischer  

   Permanentcerclage

 

FIGO IA1 (2009) mit mindestens 2 Risikofaktoren oder IA2 mit bis zu einem Risikofaktor (Voraussetzung histologisch negativen Lymphknoten nach operativem Staging mittels SNB):                                           

- Konisation mit Zervixkürettage oder

- einfache / radikale Trachelektomie mit prophylaktischer Permanentcerclage.

 

FIGO (2009) IB1 und IIA1 ohne Risikofaktoren (Voraussetzung: Tumoren ≤ 2cm, histologisch negativen Lymphknoten nach operativem Staging mittels SNB:

-  einfache / radikale Trachelektomie mit prophylaktischer Permanentcerclage.

 

FIGO (2009) IA2 mit mindestens 2 Risikofaktoren oder FIGO IB1 / FIGO IIA1 mit 1-2 Risikofaktoren:

-  Keine fertilitätserhaltenden Operationen empfohlen

 

 

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisIn Abhängigkeit des Stadiums soll folgendermaßen fertilitätserhaltend therapiert werden: FIGO IA1 ohne Risikofaktoren oder mit LVSI - Konisation (in sano) mit Zervixkürettage. - bei positiven Rändern im Konisat (R1), Wiederholung der Konisation oder Durchführung einer Trachelektomie (in sano, mit prophylaktischer Permanentcerclage FIGO IA1 mit mindestens 2 Risikofaktoren oder IA2 mit bis zu einem Risikofaktor (Voraussetzung histologisch negativen Lymphknoten nach operativem Staging mittels SNB): - Konisation mit Zervixkürettage oder - radikale Trachelektomie mit prophylaktischer Permanentcerclage. FIGO IB1 und IIA1 ohne Risikofaktoren (Voraussetzung: Tumoren <= 2cm, histologisch negativen Lymphknoten nach operativem Staging mittels SNB: - radikale Trachelektomie mit prophylaktischer Permanentcerclage. FIGO IA2 mit mindestens 2 Risikofaktoren oder FIGO IB1 / FIGO IIA1 mit 1-2 Risikofaktoren: - Keine fertilitätserhaltenden Operationen empfohlen

Bei Patientinnen mit Plattenepithel- oder Adenokarzinom der Zervix im Stadium FIGO (2009) IA1 L1 V0, Stadium IA2 V0 oder Stadium IB1 und IIA1 V0 < 2 cm und Kinderwunsch stellt die radikale Trachelektomie mit Permanentcerclage ein fertilitätserhaltendes Verfahren dar [90]. Der histopathologische Nachweis tumorfreier pelviner Lymphknoten ist eine Voraussetzung für diese Therapie. Neuroendokrinen Zervixkarzinome sind häufiger mit Rezidiven, Fernmetastasen und niedriger 5-Jahres-Überlebensrate assoziiert und daher nicht für die radikale vaginale Trachelektomie (RVT) geeignet (siehe Kapitel 23)

Onkologische Sicherheit fertilitätserhaltender Operationen

Die ausreichende onkologische Sicherheit der RVT im Vergleich zur radikalen Hysterektomie (rHE) ist durch mehrere retrospektiven Studien belegt [331] [332]. Im Vergleicht zur rHE ist die OP-Dauer bei einer radikalen Trachelektomie (RT) deutlich verlängert. Es konnte kein signifikanter Unterschied in Bezug auf Blutverlust, Komplikationsraten, OS, DFS und Rezidivrate gezeigt werden [333][334]. Die abdominale radikale Trachelektomie (ART) kann zu einer größeren parametranen Breite im Vergleich zur RVT führen [335]. Allerdings findet sich eine parametrane Infiltration in nur 0,4 – 0,6% bei Zervixkarzinomen unter 2 cm mit N0 L0 V0 und Stromainfiltrationen unter 10 mm [336]. Daher bleibt fraglich, ob die Länge der resezierten Parametrien eine entscheidende Rolle in diesen Stadien spielt und ob die RT einen Vorteil gegenüber einer einfache Trachelektomie oder Konisation bietet.

Verschiedene kleinere Studien zur einfachen Trachelektomie bzw. Konisation berichten von einer insgesamt niedrigen Rezidivrate [337] [338]. In einer retrospektiven Studie von Kohler et al. Wurden 471 Frauen mit RVT bei Zervixkarzinom FIGO 2009 IA1-IIA retrospektiv ausgewertet. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 159 Monaten war das OS 97,5% und das DFS 96,2%. Die Rezidive traten im Mittel nach 52 Monaten auf [339]. In einer internationalen retrospektiven Studie (International Radical Trachelectomy Assessment Study) wurde der Einfluss des operativen Zugangswegs (offen vs. Minimalinvasiv (laparoskopisch oder robotisch)) bei einer radikalen Trachelektomie untersucht. Das primäre Endziel war das DFS nach 4,5 Jahren. 358 Frauen wurden offen und 288 minimalinvasiv operiert. In beiden Armen waren die mediane Tumorgröße (15 mm vs. 12 mm) und die Rate an pelvinen LK-Metastasen (5,3% vs. 4,9%) ähnlich. Das DFS nach 4,5 Jahren war 94,3% für die offene Trachelektomie und 91,3% für die minimalinvasive Trachelektomie (95% KI 87,6 – 95,6; P= 0,37). Das OS nach 4,5 Jahren war 99,2% für die offene Trachelektomie und 99,0% für die minimalinvasive Trachelektomie [340]. Auch in einem Systematic Review mit 1079 Frauen konnte kein signifikanter Unterschied zwischen einem offenen und minimalinvasiven Zugangsweg bei der Trachelektomie in Bezug auf das OS, die Rezidivrate und Anzahl an Todesfällen gezeigt werden [341]. Ein fester Bestandteil der Trachelektomie ist die Anlage einer Permanentcerclage zum Verschluss des Uterus und der Möglichkeit eine Schwangerschaft auszutragen. 

Schwangerschaftsraten:

Die Schwangerschaftsraten nach radikaler Trachelektomie beim Zervixkarzinom variieren zwischen 24 % und 73 % in der Literatur. Dies beruht auf unterschiedlichen verwendeten Techniken in den Analysen und der Anzahl der Frauen, die tatsächlich eine Schwangerschaft nach einer radiaklen Trachelektomie anstreben. Laut Speiser et al. [342] ist die Schwangerschaftsraten nach RVT nicht signifikant verändert im Vergleich zu nicht voroperierten Patientinnen. 50 von 76 Frauen, die nach RVT schwanger werden wollten, wurden schwanger (65,8 %). In einem systematischen Review von Bentivegna et al. [343] betrug die Fertilitäts- und Lebendgeburtenraten bei 2.777 Patientinnen mit 944 Schwangerschaften nach radikaler Trachelektomie 55 % und 70 %. Die Lebendgeburtenrate unterschied sich nicht hinsichtlich der angewandten Technik der Trachelektomie (67 % (308/460) RVT, 68 % (120/175) ART oder 78 % (50/649 roboter-assistierten Trachelektomie). In der retrospektiven multizenter FERTISS Studie wurden 733 Frauen aus 44 Zentren eingeschlossen. Von 49,7% der Frauen, die während der 72-monatigen Nachbeobachtungszeit eine Schwangerschaft anstrebten, sind 22,6% (166/733) schwanger geworden. Die Rate an Schwangerschaften war nach nicht radikaler Operation (Konisation und einfache vaginale Trachelektomie) deutlich höher als (63,2%; 122/193) als nach radikaler Trachelektomie (25,7%; 44/171, p <0.001). 89,5% der Frauen wurden spontan schwanger [344]. Die Rezidivrate war 3x höher in Tumoren >2cm unabhängig von der Radikalität der Operation. Auch in der Gruppe der nicht-radikal operierten Patientinnen hatte die Radikalität keinen Einfluss auf die Rezidivrate [345].

Komplikationen der Trachelektomie

Hauptrisiko nach radikaler Trachelektomie ist eine erhöhte Rate an Fehlgeburten und Frühgeburten durch Auftreten eines vorzeitigen Blasensprungs bei Chorioamnionitis. Das Risiko für eine Frühgeburt liegt bei 26,6% - 57% mit einem signifikant höheren Risiko nach ART [343]. Nach einer radikalen Trachelektomie besteht aufgrund des verkürzten Gebärmutterhalses während einer Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko einer aufsteigenden Infektion und einer Zervixinsuffizienz mit Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt. Zervixstenosen treten in 15% der Fälle auf mit Problemen einer Hämatometra aber auch eingeschränkter Fertilität [346] [347]. In der FERTISS-Studie war eine Geburt vor der 38 Woche deutlich häufiger nach radikaler vs. nicht-radikaler Operation (76,5% vs. 57,7%, p=0,15) [344]. In der Studie von Kohler et al. wurde die Frühgeburtlichkeit mit 46% angegeben [339].  

Konisation zum Fertilitätserhalt

Im FIGO-(2009) Stadium IA1 und IA2 (unter Berücksichtigung der Risikofaktoren) kann auch eine Konisation mit Zervixkürettage oder einfache Trachelektomie erfolgen. Die Schwangerschaftsraten liegen bei  71 %  - 75 % mit einem erhöhtem Risiko für Fehlgeburten im zweiten Trimester im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung (6% gegenüber 1,6%) [337]. Die Rate an Frühgeburten scheinen nach Konisation/einfacher Trachelektomie deutlich geringer im Vergleich zur radikalen Trachelektomie. In einer Metaanalyse mit 347 Frauen betrug das Frühgeburtlichkeitsrisiko 6,8% (1,5% - 15,5%) vs. 26.6 % (19.6% - 34.2%) [331].

Neoadjuuvante Therapie vor operativer Therapie

Bei Zervixkarzinom FIGO (2009) IB1 von ≥ 2cm wird zunehmend der Einsatz von neoadjuvanten Chemotherapien (NACT) gefolgt von Konisation oder Trachelektomie mit pelviner Lymphonodektomie zum Organerhalt untersucht. In einer Analyse von Pareja R. et al. [348] wurden 394 Patientinnen mit Zervixkarzinomen von 2 bis 4 cm und radikaler Trachelektomie eingeschlossen. Die Rezidivrate nach ART lag bei 3,8 % bezogen auf alle Größen und bei 6 % bei Tumoren über 2cm, nach radikaler vaginaler Trachelektomie bei 4,2 % (alle Tumorgrößen eingeschlossen) und bei 17 % bei Tumoren über 2cm, sowie nach neoadjuvanter Chemotherapie gefolgt von einer radikalen Trachelektomie bei 7,6 %. Die höchsten Schwangerschaftsraten wurden nach neoadjuvanter Chemotherapie und radikaler Trachelektomie erzielt (30,7 % NACT+RT vs. 24 % VRT vs. 16,2 % ART. In einem systematischen Review von Bentivegna et al. konnten nach NACT und Konisation eine Schwangerschaftsrate von 49 % (22/61) und nach radikaler Trachelektomie von 38 % (39/61) erzielt werden. Es zeigte sich zudem, dass die Frühgeburtlichkeitsrate bei Patientinnen mit NACT geringer war als nach VRT oder ART (11/71 [15 %] vs. 113/285 [39 %] und 59 /104 [57 %]; P < 0,001) [343]. In einem Systematic Review van Kol et al. wurden bei 328 Patientinnen Schwangerschaftsraten und Rezidivraten zwischen NACT+ART und ART verglichen. In der NACT+ART-Gruppe wurden 70% der Frauen schwanger (63% Lebendgeburten). Die Rezidivrate betrug 10% und 2,9% der Frauen verstarben. In der ART-Gruppe wurden 21% der Frauen schwanger (42% Lebendgeburten). Die Rezidivrate betrug 6,9% und 3,4% Frauen verstarben [349]. Die neoadjuvante Chemotherapie kombiniert mit einer fertilitäserhaltenden Operation (Konisation/einfache Trachelektomie oder radikale Trachelektomie) bei Zervixkarzinomen mit 2 – 4 cm Durchmesser stellt aktuell keinen Standard dar bei noch geringen Fallzahlen und fehlendem Langzeit Follow-up Daten. Die Methode kann jedoch als experimentelles Verfahren in Einzelfällen bei Frauen mit Kinderwunsch diskutiert werden.

Im Rahmen der CONTESSA/NEOCON-F Studie (NCT04016389) wurden Patientinnen mit Stadium IB2 und Wunsch nach Fertilitätserhalt eingeschlossen. Im Anschluss erhielten diese eine fertilitätserhaltende operative Therapie sofern ein Therapieansprechen vorlag. Die Daten aus dieser prospektiven Phase III-Studie werden allerdings erst 2029 vorliegen.

9.7 Operative Therapie der Lymphknoten

9.9 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Bei Patientinnen mit Tumoren ≤  Stadium IIA (FIGO 2009) (Ausnahme: Stadium IA1 ohne Lymphangiosis carcinomatosa), welche für eine primäre operative Therapie geplant sind, soll bei klinisch unauffälligen Lymphknoten ein operatives Lymphknoten-Staging zum Ausschluss einer Lymphknotenmetastasierung durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens

Um einen Lymphknotenbefall auszuschließen, der die Indikation zu einer primären Radiochemotherapie bedeuten würde, muss vor geplanter Hysterektomie ein operatives Lymphknotenstaging erfolgen [90] [291]. Ausnahme sind pT1a1-Tumoren ohne Lymhangiosis. Hier ist die Wahrscheinlichkeit eines Lymphknotenbefalls so gering, dass ein Lymphknotenstaging nicht indiziert ist. Die bildgebenden Verfahren CT, MRT oder FDG-PET-CT weisen keine ausreichende Sensitivität und Spezifität zur sicheren Detektion von Lymphknotenmetastasen auf (siehe Kapitel 6 Diagnostik).

Auch beim Zervixkarzinom wird die Sentinellymphknotenbiopsie zur Evaluation des Lymphknotenstatus eingesetzt sofern die Einschlusskriterien erfüllt sind (Kap. 9.7.1). Liegen diese nicht vor muss eine systematische pelvine LNE durchgeführt werden. Diese umfasst die Entfernung sämtlicher Lymphknoten und des Fettgewebes im Bereich der Beckengefäße. Entfernt werden die Lymphbahnen und die Lymphknoten medial und lateral der Arteria iliaca externa und interna, um die Arteria iliaca communis sowie im Bereich der Arteria und Vena obturatoria bis zum Beckenboden. Sollten sich im Schnellschnitt positive pelvine Lymphknoten ergeben, muss eine paraaortale Lymphonodektomie erfolgen (siehe auch operatives Lymphknotenstaging Kap. 9.7.2.). Bei positiven paraaortalen Lymphknoten muss im Rahmen der notwendigen Radiochemotherapie das paraaortale Feld mitbestrahlt werden (Kap. Strahlentherapie).

Davon zu differenzieren ist das operative Lymphknotenstaging, welches bei bereits geplanter definitiver Radiochemotherapie durchgeführt wird, um das Strahlenfeld definitiv festzulegen (Kap. 9.7.2)

In einzelnen Fällen wird vor geplanter Radiochemotherapie trotz per Bildgebung nachgewiesenen Lymphknotenbefalls (Kap. 9.7.3.) ein Lymphknotendebulking durchgeführt, um die Effektivität der Radiotherapie zu erhöhen. Ein onkologischer Nutzen ist derzeit nicht belegt.

9.7.1 Sentinellymphknotenbiopsie

9.10 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Bei Patientinnen mit Tumoren ≤ 2cm (Ausnahme: Stadium IA1 (FIGO 2009) ohne Lymphangiosis carcinomatosis), soll auf Grund der geringeren Morbidität bei gleicher onkologischer Sicherheit das Lymphknotenstaging als alleinige bilaterale Sentinellymphknotenbiopsie durchgeführt werden.

Sofern eine Sentinellymhpknotenbiopsie nicht erfolgreich auf beiden Seiten durchgeführt werden kann, soll eine beidseitige systematische pelvine Lymphonodektomie erfolgen.



Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2

OS


2

QoL

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[350] [351] [352] [353] [354] [355]
Evidenztabellen (6)Favre et al 2021; Mathevet et al 2021; Gianoni et al 2020; Ronsini et al 2022; Tu et al 2025; Chiyoda et al 2022
9.11 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Wenn die alleinige Sentinellymphknoten-Exstirpation durchgeführt wird, sollen folgende Färbemethoden angewendet werden:

  • Anfärbung, Darstellung bzw. Detektion mittels Indocyaningrün 

          oder

  •  Anfärbung, Darstellung bzw. Detektion mittels Patentblau und radioaktivem Tracer (Technetium 99m)
Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
2++
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[356] [354] [350] [357]
Evidenztabellen (2)Favre et al 2021; Chiyoda et al 2022

Onkologische Sicherheit der Sentinellymphknotenbiopsie

Studien zum Sentinellymphknotenkonzept bei Patientinnen mit frühen Zervixkarzinom haben gezeigt, dass bei Tumoren ≤ 2cm eine sichere Detektion und hohe Sensitivität erreicht wird [358] [359] [360]. Auf diesen Erfahrungen und auf der umfassenden Analyse der aktuellen Studienlage basierend, stellt die alleinige Sentinellymphknotenentfernung (SNB) eine onkologisch sichere Alternative zur systematischen pelvinen Lymphadenektomie (PLND) bei Patientinnen mit frühen Zervixkarzinom (vorzugsweise ≤ 2cm) dar. Sie ist mit einer signifikant geringeren Morbidität für die Patientinnen verbunden.

Die bisherige Evidenz hierfür liefern die randomisierte, multizentrische von Tu et al . (PHENIX-Studie) und die SENTICOL-2-Studie. Die PHENIX-Studie vergleicht bei Frühstadien des Zervixkarzinoms (FIGO 2009 IA1 mit LVSI, IA2, IB1, IIA1, <3 cm) die alleinige SNB mit der SNB+PLND [355]. Es zeigte sich beim DFS kein Nachteil für die alleinige SLNB- (96,9 % vs. 94,5 %; HR 0,61 [0,33–1,14], die Gesamtmortalität war numerisch niedriger (2,1 % vs. 4,1 %; RR 0,53 [0,24–1,17]), die krebsbedingten Todesfälle signifikant seltener (1,4 % vs. 3,8 %; HR 0,37 [0,15–0,95]). Retroperitoneale Rezidive traten unter alleiniger SLNB nicht auf (0 % vs. 2,2 %; RR 0,05 [0,003–0,897]). Insgesamt stützt die Studie für Patientinnen mit kleinen Tumoren die Schlussfolgerung, dass SLN-Biopsie ohne systematische LND onkologisch (über DFS) nicht unterlegen und hinsichtlich Morbidität klar überlegen ist.

In der randomisiert-kontrollierte SENTICOL-2-Studie (NCT01639820 wurde die diagnostische und onkologische Wertigkeit der alleinigen SLNB (n=105), für frühe Zervixkarzinome, erstmals prospektiv randomisiert mit der SLNB + PLND (n=101) untersucht [350]. Es wurden 206 Patientinnen eingeschlossen. Bei 28 Patientinnen lag ein Tumor < 2cm, bei 176 Patientinnen ein Tumor > 2cm vor. Die durchschnittlichen Tumorgrößen waren jedoch kleiner 2cm und zwar in der SLNB Gruppe 18,4 (+/-9,3) mm und in der SLNB + PLND-Gruppe 16,9 (+/-8,7) mm [351] [350]. Das krankheitsfreie Überleben nach 4 Jahren betrug für die SLNB-Gruppe (n=105) 89,51% und für die SLNB + PLND-Gruppe (n=101) 93,1% (p=0,53). Die Gesamtüberlebensraten nach vier Jahren in den SLNB und SLNB + PLND-Gruppen lagen bei 95,2% bzw. 96% (p=0,97). Die univariaten und multivariaten Analysen ergaben keine prognostischen Faktoren. Die Rezidivrate war in der SLN-Gruppe numerisch höher (10,5% vs. 6,9%; p=0,37), mit einer Lymphknotenrezidivrate von 1/10. Allerdings war die Senticol-2 Studie nicht gepowert, um die Gleichwertigkeit zu belegen. Diese onkologische Gleichwertigkeit der SNLB wurden durch die Metaanalysen von Rosini et al. (2022) und Chiyoda et al. (2022) bestätigt, die ebenfalls keine Nachteile in Bezug auf die Überlebensraten konnten [353] [354].

In der Metaanalyse von Ronsini et al. wurden vier Studien (incl. Senticol-2) mit insgesamt 1952 Patientinnen eingeschlossen. 383 Patientinnen unterzogen sich einer SLNB und 1569 einer SLNB + PLND. Das 4,5-jährige DFS lag zwischen 85,1% und 93,8 % für die SLNB-Gruppe und zwischen 80,4 % und 93,1 % für die SLNB + PLND-Gruppe und zeigte damit keine signifikanten Unterschiede in der onkologischen Sicherheit zwischen diesen beiden Techniken. In dieser Metaanalyse waren auch Patientinnen bis 4 cm Tumorgröße eingeschlossen [353].

Die Metaanalyse von Chiyoda T. et al. ergab aus Daten der randomisiert kontrollierten Senticol-2 Studie mit fünf weiteren Studien, dass die alleinige SLNB im Vergleich zur SLNB +PLND weder das rezidivfreie Überleben noch das Gesamtüberleben beim Zervixkarzinom im Frühstadium mit einer Tumorgröße von ≤2–4cm beeinträchtigt. Es wurde geschlussfolgert, dass die SLNB im Frühstadium mit einer Tumorgröße von ≤4cm, vorzugsweise ≤2cm, in Betracht gezogen werden kann [354].

Für Tumoren <4cm Tumorgröße erfolgen zurzeit die Auswertungen der prospektiv randomisierten Senticol-III-Studie (NCT03386734). Als primäre Ziele der Studie gelten das 3-Jahres krankheitsfreie Überleben und die Lebensqualität bei Patientinnen mit frühem Zervixkarzinom <4cm Tumorgröße nach alleiniger SLNB. Dafür wurden die Patientinnen 1:1 in zwei Gruppen randomisiert: SLNB vs. SLNB plus kompletter pelviner Lymphonodektomie (SLNB + PLND). Insgesamt wurden 950 Patientinnen eingeschlossen.

Diese Studie wird die Frage, ob die alleinige SLNB für Patientinnen <4cm Tumorgröße ebenfalls möglich ist, auf höchster Evidenz-Ebene beantworten. Derzeit muss der Einsatz der Sentinellymphknotenbiopsie auf Tumoren ≤2cm außerhalb von Studien beschränkt werden.

Morbidität und Lebensqualität bei Sentinellymphknotenbiopsie

Die derzeitige Evidenz belegt eindeutige Vorteile der alleinigen Sentinel-Node-Biopsie hinsichtlich der postoperativen Morbidität. Die PHENIX-Studie zeigte für die alleinige SLNB deutliche Vorteile bei der Morbidität im Vergleich zur SLNB+PLND: Lymphödem (5,2 % vs. 19,1 %), Lymphozysten (8,3 % vs. 22,0 %), Infektionen (4,0 % vs. 7,4 %), Parästhesien (4,0 % vs. 8,4 %) und Schmerzen (2,6 % vs. 7,9 %). Die Operationsdauer war kürzer (189 ± 57 vs. 222 ± 60 min), Blutverlust und Verweildauer geringfügig reduziert [355]. Die SENTICOL-2-Studie zeigte eine signifikant niedrigere Rate an lymphatischen Komplikationen (31,4% vs. 51,5%) und postoperativen neurologischen Symptomen (7,8% vs. 20,6%), wenn auf die systematische Ausräumung der pelvinen Lymphknoten verzichtet wurde [351].

Auch die Lebensqualität war in den ersten Monaten nach der Operation in der Sentinel-Gruppe besser, was sich insbesondere in den Bereichen körperliche Funktionsfähigkeit und allgemeine Gesundheit äußerte [352].

Der systematische Review von Chiyoda et al. untermauert diese Beobachtung und fand ein signifikant reduziertes Risiko für die Entwicklung eines Lymphödems oder neurologische Symptome [354]. Zusammenfassend lässt die Datenlage den Schluss zu, dass die Sentinellymphknoten-Biopsie bei Frauen mit einem Zervixkarzinom ≤ 2 cm der systematischen Lymphadenektomie hinsichtlich der Morbidität überlegen ist.

Markierungsmethoden für die Sentinellymphknotenbiospie

Für die Sicherheit und diagnostische Genauigkeit der Sentinellymphknotenbiopsie sind die Markierungsmethode entscheidend. Derzeit werden vor allem Technetium in Kombination mit einem Farbstoff oder Indocyaningrün eingesetzt.

Technetium +/-Patentblau

Die größten Erfahrungen liegen mit der kombinierten Methode aus blauem Farbstoff und Radiokolloid-Tracer vor. Diese Markierungsmethode wurde bisher ausschließlich in Studien zur Untersuchung der onkologisch sicheren Anwendung der SLNB beim frühen Zervixkarzinom angewendet [350] [361] [357].

In einer Metanalyse mit 3453 Patientinnen aus 58 Studien wurde in den meisten Studien die kombinierte Methode aus blauem Farbstoff und Radiokolloid-Tracer angewendet, gefolgt von ausschließlich blauem Farbstoff oder alleinigem Radiokolloid-Tracer. Die kombinierte Methode zeigte eine höhere Gesamtnachweisrate (93%) im Vergleich zur Blaufarbstoff- (74%) oder Radiokolloid-Technik (88%). Andererseits weist die Radiokolloid-Technik die höchste Gesamtsensitivität (96%) und die niedrigste Falsch-Negativ-Rate (4,4 %) auf als die kombinierte Methode (Sensitivität 91%; Falsch-Negativ-Rate 8,6%) oder die alleinige Anwendung von Blaufarbstoff (Sensitivität 88%; Falsch-Negativ-Rate 12%) [357].

Indocyaningrün

Mittlerweile gewinnt die Sentinelmarkierung mit Indocyanin zunehmend an Bedeutung, Die derzeitigen Metaanalysen und systematischen Reviews weisen auf eine tendenziell höhere Detektionsrate des mit ICG-markierten Sentinellymphknotens auf.

Die systematische Übersichtsarbeit von Baeten et al. untersuchte die Effektivität von Indocyaningrün (ICG) im Vergleich zur konventionellen Kombination aus Technetium-99m (99mTc) mit blauer Farbe hinsichtlich der Detektionsrate von Sentinel-Lymphknoten bei Patientinnen mit Zervixkarzinom im Frühstadium [356]. In die Analyse flossen sieben Studien mit insgesamt 589 Patientinnen ein, darunter vorwiegend retrospektive Kohortenstudien. Während die Gesamtdetektionsrate in beiden Gruppen hoch war (98,7 % mit ICG vs. 95,6 % mit 99mTc + Blau), ergab sich ein signifikanter Vorteil zugunsten von ICG hinsichtlich der bilateralen Detektion (90,3 % vs. 73,5 %; Risikodifferenz 16,6 %). Dieser Vorteil blieb in einer Sensitivitätsanalyse bestehen, war dort jedoch statistisch nicht mehr signifikant.

T. Chiyoda et al. fand ebenfalls höhere Detektionsraten für ICG im Vergleich zur radioaktiven Markierung. Die Detektionsrate der SLNB lag im unilateralen Becken im Median bei 95,7% bzw. 100% und im bilateralen Becken im Median bei 80,4% bzw. 90% für Technetium mit/ohne blauen Farbstoff bzw. ICG allein. Es wurde geschlussfolgert, dass sowohl die radioaktive Markierung mit und ohne blauen Farbstoff als auch ICG geeignete Tracer für die SLNB sind [354].

In der prospektiven, multizentrischen Kohortenstudie SENTIREC wurden 130 Frauen mit Tumorgröße ≤ 2 cm in die SLNB-Subgruppe eingeschlossen. Diese Frauen erhielten ausschließlich ein SLN-Mapping mittels Indocyaningrün (ICG) im Rahmen einer robotisch-assistierten Operation. Die Detektionsrate des SLN-Mappings in dieser Subgruppe war mit 97,7 % sehr hoch, die bilaterale Detektionsrate lag bei 83,1 % [362].

Prospektive Untersuchungen zur onkologischen Sicherheit (Sensitivität, Spezifität, NPV, PPV zur Vorhersage des pelvinen Lymphknotenstatus) der alleinigen Markierung mit ICG, im Vergleich zur kombinierten Markierungsmethode mit Technetium, bestehen nicht. Die sichere Anwendbarkeit von ICG als alleinige Markierungsmethode für die SLNB beim frühen Zervixkarzinom kann nur aus den in Metaanalysen bestätigten positiven Ergebnissen zu den Detektionsraten abgeleitet werden. Daher sind derzeit beide Markierungsmethoden empfohlen.



9.7.2 Operatives Lymphknotenstaging vor geplanter definitiver Radiochemotherapie

9.12 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2026

Bei Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem Zervixkarzinom (FIGO 2009 IIB-IVA) oder die bereits auf Grund von Vorliegen mehrerer Risikofaktoren eine Indikation zu einer definitiven Radiochemotherapie aufweisen, kann ein operatives paraaortales Lymphknotenstaging zur genaueren Beurteilung der Notwendigkeit der Bestrahlung des paraaortalen Feldes eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[363] [364] [365]
Evidenztabellen (3)Delara et al 2020; Thelissen et al 2022; Marnitz et al 2020

In einigen Fällen steht auf Grund des Tumorstadiums (FIGO 2009 IIB-IVA) oder beim Vorliegen mehrerer Risikofaktoren (e.g. L1, V1, tiefe Stromainavsion, G3) bereits die Indikation zu einer definitiven Radiochemotherapie. Diese beinhaltet normalerweise die Radiatio der pelvinen und paraaortalen Region. Sofern die paraaortalen Lymphknoten frei sind, kann das Strahlenfeld auf die pelvinen Lymphknoten mit deutlich geringerer Morbidität beschränkt werden. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die gängigen bildgebenden Verfahren wie CT, MRT und PET-CT einen Lymphknotenbefall unterschätzen und die Patientin somit nur eine Strahlentherapie des pelvinen Feldes erhalten würde (siehe Kap. Diagnostik [364]). Den diagnostischen Zusatznutzen einer paraaortalen Lymphonodektomie belegt auch die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Thelissen et al. (2022) [365]  bei Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem Zervixkarzinom (FIGO-Stadium 2009 IB2–IVA), bei denen prätherapeutisch keine paraaortalen Lymphknotenmetastasen in der Bildgebung (PET-CT, CT oder MRT) festgestellt wurden. Insgesamt wurden 16 Studien eingeschlossen. Im Mittelpunkt der Analyse stand die Upstaging-Rate, also der Anteil an Patientinnen, bei denen trotz negativer Bildgebung histologisch positive paraaortale Lymphknoten festgestellt wurden. Diese lag bei 12 % (95 %-KI: 10–15 %) nach negativer PET oder PET-CT, bei 11 % (95 %-KI: 8–16 %) nach negativer CT oder MRT, und bei 21 % (95 %-KI: 17–26 %) bei Patientinnen mit positiven pelvinen, aber negativ paraaortalen Lymphknoten im PET-CT. Diese Daten stützen die Hypothese, dass operatives Staging eine präzisere Risikostratifikation ermöglichen könnte. Das Lymphknotenstaging sollte minimalinvasiv erfolgen auf Grund der geringeren Morbidität gegenüber dem offenen Vorgehen sowie um eine schnelle Rekonvaleszenz für die geplante Rdiochemotherapie zu ermöglichen.

Diagnostische Metaanalysen wie Thelissen 2022, Wu 2024 oder Xiao 2020 liefern relevante Informationen zur eingeschränkten Sensitivität bildgebender Verfahren, insbesondere bei paraaortalen Lymphknoten (z. B. Sensitivität PET/CT 20–38 %). Die Upstaging-Rate trotz negativer Bildgebung beträgt bis zu 21 %, was auf eine relevante falsch-negative Rate hindeutet.

Der onkologische Nutzen eines operativen Lymphknotenstagings vor geplanter Radiochemotherapie wurde im Rahmen der UTERUS-11-Studie (NCT01049100) evaluiert [364]. Insgesamt wurden 240 Frauen mit histologisch gesichertem Zervixkarzinom im FIGO-Stadium 2009 IIB–IVA im Verhältnis 1:1 randomisiert. Die Interventionsgruppe (N=121) erhielt ein operatives Staging, das in der Regel laparoskopisch durchgeführt wurde und eine systematische pelvine und paraaortale Lymphadenektomie bis zu den Nierengefäßen umfasste. Bei vergrößerten oder suspekten Lymphknoten war die Entfernung obligat. Die Kontrollgruppe (N=119) erhielt ein rein klinisch-bildgebendes Staging sowie – bei suspekten Lymphknoten – einer CT-gesteuerten Biopsie mit histologischer Sicherung. Bei paraaortal unauffälligen Lymhknoten erfolgte lediglich die Bestrahlung des pelvinen Feldes. Primärer Endpunkt war das krankheitsfreie Überleben (DFS). Trotz unauffälliger Bildgebung wiesen 33% der Patientinnen im experimentellen Arm einen Lymphknotenbefall auf. Ein Vorteil des operativen Stagings im Gesamtkollektiv zeigte sich für das krankheitsfreie Überleben nicht (HR 0,71; 95 %-KI: 0,48–1,05; p = 0,084). In der Subgruppenanalyse war jedoch ein signifikanter Vorteil zugunsten des operativen Stagings bei Patientinnen im FIGO-Stadium IIB erkennbar (HR 0,51; 95 %-KI: 0,30–0,86; p = 0,011), während kein Vorteil im FIGO-Stadium III nachweisbar war (HR 1,24; 95 %-KI: 0,67–2,28; p = 0,50). Zwar zeigte sich kein signifikanter Vorteil des operativen Stagings im Gesamtkollektiv hinsichtlich des krankheitsfreien Überlebens (DFS; HR 0,71 [0,48–1,05]; p = 0,084), jedoch deutet die Subgruppenanalyse bei Patientinnen im FIGO-Stadium IIB auf einen möglichen Überlebensvorteil hin (HR 0,51 [0,30–0,86]; p = 0,011). Andere patientenrelevante Endpunkte wie Komplikationen, falsch-negative Rate, Sensitivität oder Detektionsrate wurden nicht erhoben.

Die systematische Übersichtsarbeit von Delara et al. (2020) [363] untersuchte ebenfalls den Einfluss der bildgebenden versus operativen Lymphknotenbeurteilung auf das Überleben bei Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem Zervixkarzinom im FIGO-Stadium IB2–IVA. Insgesamt wurden fünf Studien eingeschlossen. Verglichen wurden bildgebende Verfahren (CT, MRT, PET/CT) mit operativem Staging mittels pelviner und/oder paraaortaler Lymphadenektomie (offen, laparoskopisch oder robotisch). Für das OS ergab sich ein gepoolter HR von 1,06 (95 %-KI: 0,66–1,69), für das PFS ein HR von 1,13 (95 %-KI: 0,73–1,74). Es ergaben sich somit keine signifikanten Unterschiede im Überleben zwischen bildgebender und operativer Lymphknotenbeurteilung. Darüber hinaus wurden in einzelnen Studien die diagnostische Genauigkeit der Bildgebung erfasst. Für pelvine Lymphknoten lag die Sensitivität bei 88,9 % und die Spezifität bei lediglich 22,2 % (nur eine Studie). Für paraaortale Lymphknoten wurde eine Sensitivität im Bereich von 33,0 % bis 62,5 % und eine Spezifität von 92,0 % bis 95,5 % berichtet (zwei Studien).

9.7.3 Lymphknotendebulking vor geplanter Radiochemotherapie

9.13 · Konsensbasiertes Statement · neu 2026

Der Nutzen eines operativen Lymphknotendebulkings beim Vorliegen von Bulky Nodes vor einer geplanten Radiochemotherapie ist unklar

Konsens
Starker Konsens

Bei makroskopisch vergrößerten und in der Bildgebung eindeutig suspekten Lymphknoten kann bereits eine Indikation zur Radiochemotherapie gestellt werden. Eine histologische Sicherung des Lymphknotenbefalls mittels Operation ist nicht obligat. Alternativ kann eine interventionelle Diagnostik wie z.B. eine CT-, MRT- oder sonographiegesteuerte Stanzbiopsie oder Feinnadelzytologie diskutiert werden, um metastasenverdächtige Läsionen histologisch abzuklären. Gegenstand aktueller Diskussionen ist die Frage, ob Patientinnen von einer Entfernung von Bulky nodes (≥ 2 cm) vor geplanter Radiochemotherapie profitieren. Die Datenlage bezüglich des onkologischen Nutzens ist sehr heterogen und beruht meist auf retrospektive Analysen [366] [367] [368]. Diese Frage wird derzeit in einer aktuellen prospektiv randomisierten Phase III-Studie DEBULK (NCT05421650) der koreanischen Studiengruppe (KGOK) untersucht [369] . Insgesamt ist es geplant, 240 Zervixkarzinompatientinnen mit pelvinen oder paraaortalen Bulky Nodes (> 2cm) oder mindestens 3 Lymphknoten >1 cm einzuschliessen. Alle Patientinnen erhalten eine entsprechende Radiochemotherapie. Im experimentellen Arm erfolgt zusätzlich ein operatives Lymphknotendebulking. Primärer Endpunkt ist das 3-Jahres-progressionsfreie Überleben. Ein ähnlicher Ansatz wird in einer chinesischen Phase III-Studie CQGOG0103 (NCT04555226) verfolgt. Allerdings müssen hier die Patientinnen (n=450 geplant) nur vergrößerte Lymphknoten mit einem Durchmesser von 1,5 cm aufweisen. Darüber hinaus erhalten die Patientinnen eine komplette Lymphonodektomie. Für beide Studien werden Ergebnisse Ende 2029 / 2030 erwartet.

9.8 Vorgehen nach primärer Radio(chemo)therapie

9.14 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2026

Die Wertigkeit der sekundären einfachen oder radikalen Hysterektomie nach primärer Radio(chemo)therapie bezogen auf die Lokalrezidivrate, das krankheitsfreie Überleben, das metastasenfreie Überleben oder das Gesamtüberleben ist unklar. 

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisDie Wertigkeit der sekundären nach primärer Radio(chemo)therapie bezogen auf die Lokalrezidivrate, das krankheitsfreie Überleben, das metastasenfreie Überleben oder das Gesamtüberleben ist unklar.

Die Datenlage zur Beantwortung der Frage des Einflusses einer sekundären einfachen Hysterektomie nach primärer Radio(chemo)therapie ist gering. Es existiert nur eine kleine und vorzeitig abgebrochene randomisierte Studie (n=61), welche eine alleinige Radio(chemo)therapie mit einer R(CH)T gefolgt von einer einfachen Hysterektomie untersuchte. Diese zeigte für die Stadien IB2/II in der kombinierten Gruppe (R(CH)T plus OP) eher ein schlechteres Ergebnis im Vergleich zur alleinigen Radio(chemo)therapie (Ereignisfreies Überleben nach 3 Jahren 72 % [Standardabweichung 9 %] vs. 89 % [Standardabweichung 6 %] und Gesamtüberleben nach 3 Jahren 86 % [Standardabweichung 6 %] vs. 97 % [Standardabweichung 3 %]; nicht signifikant) [370]. Auch die wenigen anderen Studien zeigten keinen Überlebensvorteil durch die sekundäre Hysterektomie nach Radio(chemo)therapie [371][372].

In einer aktuellen Meta-Analyse von 2021 mit 14 eingeschlossenen Studien (2 prospektive RCT) (n=3.859), die eine alleinige RCHT mit einer RCHT gefolgt von einer Hysterektomie verglich, konnte ein OS-Vorteil für Frauen mit einer RCHT und sekundären Hysterektomie in einer gepoolten Auswertung für 12 der eingeschlossenen Studien gezeigt werden (HR, 0,72; 95% KI, 0,56 – 0,91; I2=19%; P=0,007). In der Subgruppenanalyse zeigte sich ein signifikanters OS nur für die retrospektiven Studien und nicht für die beiden RCT. Wenn man nur die Studien berücksichtig hat, die eine Brachytherapie i.R.d. RCHT durchgeführt haben, zeigte sich kein Überlebensvorteil. Dieses Muster wurde auch in Bezug auf das DFS beschrieben. Es konnte auch kein Unterschied in Bezug auf Mortalität gezeigt werden. Die Kombination aus RCHT und HE zeigte weniger Rezidive im Vergleich zur alleinigen RCHT. Dieser Effekt war unabhängig vom Einsatz einer Brachytherapie und konnte ebenfalls nur in den retrospektiven Studien nachgewiesen werden  [373]. Eine Hysterektomie nach primärer Radio(chemo)therapie bei klinischer und bildgebender Komplettremission hat eine höhere Morbidität im Vergleich zur alleinigen primären Radio(chemo)therapie [370][374][375][376]. In retrospektiven Analysen zeigten sich vornehmlich symptomatsische Lymphozelen, Blutungen, Blasen- und Ureterverletzungen, sowie Fistelbildung und Blasen- und Beckenentzündungen. Des Weiteren sind Lymphozelen, Abszesse, Chylaszites, Inkontinenz und Wundheilungsstörungen (z.B. auch Dehiszenzen des Vaginalstumpfs) beschrieben. Weniger häufig traten Verletzungen des Darms ebenfalls mit Fistelbildung und Lungenembolien auf [370][374][375][376]. Dennoch kann eine einfache Hysterektomie für größere Tumoren (> 4 cm) nach primärer R(CH)T erwogen werden, insbesondere dann, wenn der primär kurative Effekt einer alleinigen R(CH)T als nicht erreicht eingeschätzt wird [375]. Dabei erlaubt die gegenwärtige Datenlage keine Empfehlung hinsichtlich der zu wählenden operativen Radikalität (einfache HE versus radikale HE).

Ob eine solche Hysterektomie nach primärer Radio(chemo)therapie ohne klinische Komplettremission mit histologischem Tumornachweis Vorteile in Bezug auf das krankheitsfreie Überleben oder das Gesamtüberleben hat ist unklar (EK nach systematischer Recherche). Dennoch hat in diesem Fall die in der Mehrzahl durchgeführte Komplettierungsoperation zum Ziel die komplette Entfernung noch vorhandener Tumorreste. Zur Fragestellung der adjuvanten Hysterektomie nach Radiochemotherapie in Kombination mit einer Immuntherapie konnte die Leitliniengruppe keine Literatur identifizieren. 

Evidenztabellen

Ramirez et al 2024

Evidenztabelle zu Ramirez 2024

Ramirez PT, Robledo KP, Frumovitz M, Pareja R, Ribeiro R, Lopez A, et al. LACC Trial: Final Analysis on Overall Survival Comparing Open Versus Minimally Invasive Radical Hysterectomy for Early-Stage Cervical Cancer. J Clin Oncol. 2024;42(23):2741-6
Outcome Open Surgery N=312 Minimally Invasive Surgery N=319 Effect Estimate
Overall Survival, Time To Event N=312 [; ] 10 (3.21%) N=319 [; ] 28 (8.78%) HR 2.71 [1.32; 5.59] p=0.007
Disease-Free Survival, Time To Event N=312 [; ] 11 (3.53%) N=319 [; ] 43 (13.48%) HR 3.91 [2.02; 7.58] p<0.0001
Subgruppe Previous conization  
Yes N=136 [; ] N=128 [; ] HR 1.27 [0.39; 4.17] p=0.69
No N=176 [; ] N=191 [; ] HR 5.85 [2.47; 13.9] p<0.0001
Disease-Free Survival, Time To Event1 N=199 [; ] 6 (3.02%) N=211 [; ] 21 (9.95%) HR 5.43 [2.22; 13.2]
Disease-Free Survival, Time To Event2 N=282 [; ] 11 (3.9%) N=295 [; ] 43 (14.58%) HR 4.06 [2.08; 7.93] p<0.0001
Progression-Free Survival, Time To Event N=312 [; ] 12 (3.85%) N=319 [; ] 48 (15.05%) HR 3.99 [2.12; 7.51] p<0.001
Recurrence Rate N=312 11 (3.53%) N=319 37 (11.6%) [; ] p=0.0004  
 
1: Adjusted for age, BMI, stage of disease, depth of cervical invasion, LVSI, lymph node involvement, and ECOG status 2: Adjusted for age, BMI, stage of disease, LVSI, lymph node involvement, and ECOG status because of large amounts of missing data for depth of cervical invasion and tumor size.
DFS: Disease-Free Survival; OS: Overall Survival; PFS: Progression-Free Survival
Smith et al 2020

Evidenztabelle der Überlebensendpunkte zum systematischen Review von Smith 2020

Smith AJB, Jones TN, Miao D, Fader AN. Minimally Invasive Radical Hysterectomy for Cervical Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis. J Minim Invasive Gynecol. 2021;28(3):544-555
Eingeschlossene Publikationen RCT: Ramirez 2018
Prospektive Kohortenstudien: Estape 2009, Gil-Moreno 2018, Lim 2019
Retrospektive Kohortenstudien: Alfonzo 2019, Anchora 2019, Brandt 2020, Cantrell 2010, Chen 2020, Corrado 2018, Cusimano 2019, Ditto 2015, Diver 2017, Doo 2019, Eoh 2020, Gortchev 2012, Guo 2018, Kanao 2019, Kim 2019, Kong 2014, Laterza 2016, Li 2007, Liu 2019, Malzoni 2009, Matanes 2019, Melamed 2018, Mendivil 2016, Nam 2012, Pahisa 2010, Paik 2019, Sert 2016, Shah 2017, Steed 2004, Suh 2015, Toptas 2014, Uppal 2020, Wallin 2017, Yuan 2019, Zhang 2017
N = 10 Publikationen
Outcome Studien Effektschätzer:
Minimal-invasive radikale Hysterektomie vs. offene radikale Hysterektomie
Heterogenität Anmerkungen
Overall Survival, Time To Event N=14 HR 0.94 [0.66; 1.35]
Random effects model
I2=72.0%  
Progression-free Survival, Time To Event N=14 HR 1.55 [1.24; 1.94]
Random effects model
I2=25.1%  
HR: Hazard Ratio
Hwang 2021

Evidenztabelle der Überlebensendpunkte zum systematischen Review von Hwang 2020

Hwang JH, Kim BW. Comparison of Survival Outcomes after Laparoscopic Radical Hysterectomy versus Abdominal Radical Hysterectomy in Patients with Cervical Cancer. J Minim Invasive Gynecol. 2021;28(5):971-981
Eingeschlossene Publikationen Retrospektive Studien: Sharma 2006, Li 2007, Sobiczewski 2009, Malzoni 2009, Pahisa 2010, Choi 2012, Toptas 2014, Laterza 2015, Cai 2016, Mendivil 2016, Zhang 2017, Zhu 2017, Diver 2017, Corrado 2018, Guo 2018, Lim 2019, Kanao 2019, Kim 2019, Hu 2019, Cusimano 2019, Liu 2019, Wang 2019, Wenzel 2020, Chen 2020, Pedone Anchora 2020
Propensity Matched Studien: Jackson 2004, Lee 2011, Nam 2012, Bogani 2014, Suh 2015, Ditto 2015, Wang 2016, Paik 2019, Yuan 2019, Bogani 2020
N = 36 Studien (36 Publikationen)
Outcome Studien Effektschätzer:
Minimal-invasive radikale Hysterektomie vs. offene radikale Hysterektomie
Heterogenität Anmerkungen
Overall Survival, Time To Event1 N=9 OR 1.27 [1.04; 1.56] p=0.02 I2=45,5%  
Disease-Free Survival, Time To Event N=36 OR 1.24 [1.09; 1.41] p=0.001 I2=37,5%  
OR: Odds Ratio
Sun et al 2022

Evidenztabelle der Überlebensendpunkte zum systematischen Review von Sun 2022

Sun S, Cai J, Li R, et al. A meta-analysis of survival after minimally invasive radical hysterectomy versus abdominal radical hysterectomy in cervical cancer: center-associated factors matter. Arch Gynecol Obstet. 2022;306(3):623-637
Eingeschlossene Publikationen RCT: Pedro 2018, Gil-Moreno A 2019, Bogani G 2014
Retrospektive Studien: Gennari P 2021, Kim S 2021, Levine M 2021, Li L 2021, Rodriguez J 2021, Zaccarini F 2021, Bogani G 2020, Brandt B 2020, Chen B 2020, Chen C 2020, Chen X 2020, Chiva L 2020, Dai D 2020, Eoh K 2020, Guo C 2020, He J 2020, Hu T 2020, Qin M 2020, Uppal S 2020, Wenzel H 2020, Yang J 2020, Yang W 2020, Yuce T 2020, Alfonzo E 2019, Cusimano M 2019, Doo D 2019, Kanao H 2019, Kim J 2019, Kim S 2019, Liu Y 2019, Matanes E 2019, Paik E 2019, Ratiu D 2019, Yuan Z 2019, Alexander M 2018, Corrado G 2018, Guo J 2018, Driver 2017, He H 2017, Shah C 2017, Wallin E 2017, Mendivil A 2016, Sert B 2016, Wang W 2016, Zanagnolo V 2016, Ditto A 2015, Xiao M 2015, Yang L 2015, Toptas T 2014, Park J 2013, Choi C 2012, Nam J 2012, Lee E 2011, Yang Z 2011, Cantrell L 2010, Malzoni M 2009, Sobiczewski P 2009
N = 61 Publikationen
Outcome Studien Effektschätzer:
Minimal-invasive radikale Hysterektomie vs. offene radikale Hysterektomie
Heterogenität Anmerkungen
Overall Survival, Time To Event N=N/A
Patientenzahl: 39.809
HR 1.124 [1.013; 1.248] p=0.028
Random effects model
I2=66.4%  
Progression-free Survival, Time To Event N=N/A Patientenzahl: 31.676 HR 1.209 [1.102; 1.327] p<0.001
Random effects model
I2=54.0% Gepoolt aus progressions- und rezidiv-freiem Überleben
HR: Hazard Ratio
Yu et al 2022

Evidenztabelle der Überlebensendpunkte zum systematischen Review von Yu 2022

Yu Y, Deng T, Gu S. Minimally invasive surgery and abdominal radical hysterectomy in patients with early-stage cervical cancer: A meta-analysis. Int J Gynaecol Obstet. 2022;157(2):255-264
Eingeschlossene Publikationen Beobachtungsstudien: Wang 2016, Sert 2016, Shah 2017, Hu 2019, Chen 2019, Doo 2019, Kim 2019, Paik 2019, Yuan 2019, Uppal 2019, Melamed 2019, Cusimano 2019, Lim 2019, Alfonzo 2019, Ramirez 2019, Hans 2020, He 2020, Monica 2020, Chen 2020, Qin 2020, Anchora 2020, Chiva 2020
N = 22 Publikationen
Outcome Studien Effektschätzer:
Minimal-invasive radikale Hysterektomie vs. offene radikale Hysterektomie
Heterogenität Anmerkungen
Overall Survival, Time To Event N=20 HR 1.23 [1.03; 1.43]
Fixed effects model
I2=16.2%  
Disease-free Survival, Time To Event N=10 HR 1.25 [1.07; 1.42] Fixed effects model I2=30.3%  
HR: Hazard Ratio
Nasioudis et al 2021

Evidenztabelle der Überlebensendpunkte zum systematischen Review von Nasioudis 2021

Nasioudis D, Albright BB, Ko EM, et al. Oncologic outcomes of minimally invasive versus open radical hysterectomy for early stage cervical carcinoma and tumor size <2 cm: a systematic review and meta-analysis. Int J Gynecol Cancer. 2021;31(7):983-990
Eingeschlossene Publikationen Chen C 2020, Chen X 2020, Chiva 2020, Hu 2020, Kim 2019, Nam 2012, Paik 2019, Rodriguez 2021, Uppal 2020, Yang 2020
N = 10 Publikationen
Outcome Studien Effektschätzer:
Minimal-invasive radikale Hysterektomie vs. offene radikale Hysterektomie
Heterogenität Anmerkungen
Overall Survival, Time To Event N=5 HR 1.64 [1; 2.68]
Random effects model
I2=15%  
Progression-free Survival, Time To Event N=10 HR 1.68 [1.2; 2.36]
Random effects model
I2=26%  
HR: Hazard Ratio
Plante et al 2024

Evidenztabelle zu Plante 2024

Plante M, Kwon JS, Ferguson S, et al. Simple versus Radical Hysterectomy in Women with Low-Risk Cervical Cancer. N Engl J Med. 2024;390(9):819-829
Outcome Simple hysterectomy N=350 Radical hysterectomy N=350 Effect Estimate
Todesrate ohne Rezidive (ITT) N=350 7 (2%) N=350 7 (2%) HR 1.09 [0.38; 3.14]
Todesrate ohne Rezidive (PP) N=317 3 (0.9%) N=312 4 (1.3%) HR 0.71 [0.16; 3.21]
Intraoperative Komplikationen N=338 24 (7.1%) N=344 22 (6.4%) RR 1.11 [0.635; 1.941] p=0.77
Postoperative Komplikationen1 N=338 181 (53.6%) N=344 208 (60.5%) RR 0.89 [0.777; 1.01] p=0.08
Postoperative Komplikationen2 N=338 144 (42.6%) N=344 174 (50.6%) RR 0.84 [0.716; 0.99] p=0.04  
Pelvine Rezidivrate N=350 2.52% N=350 2.17% ∆=0.35% [-1.62; 2.32]
Datenschnitt: unbekannt
1: >4 Wochen nach der Operation 2: ≤4 Wochen nach der Operation
AE: Adverse Events; ITT: Intention-to-treat; OS: Overall Survival; PP: per protocol; TAE: Treatment-related Adverse Events
Han et al 2023

Evidenztabelle zum systematischen Review von Han 2023

Han L, Chen Y, Zheng A, Chen H. Effect of preoperative cervical conization before hysterectomy on survival and recurrence of patients with cervical cancer: A systematic review and meta-analysis. Gynecol Oncol. 2023;174:167-74
Eingeschlossene Publikationen Chacon 202, Chang 2022, Ding 2022, Gennari 2022, Kim 2022, Klapdor 2021, Li 2021, Bizzarri 2021, Casarin 2020, Benoit 2020 Samlal 1997
N=11
Outcome Studien Effektschätzer:
pre-operative conization before radical hysterectomy vs. no pre-operative conization before radical hysterectomy
Heterogenität Anmerkungen
Krankheitsfreies Überleben (DFS) N=7 HR 0.23 [0.12; 0.44] I2= 57.0%; p=0.030  
Gesamtüberleben (OS) N=4 HR 0.54 [0.33; 0.86] I2= 0.0%; p=0.597  
Rezidive N=5 OR 0.29 [0.17; 0.48] I2= 0.0%; p=0.434  
Intraoperative Komplikationen N=3 OR 0.81 [0.18; 3.70] I2= 14.2%; p=0.312  
Postoperative Komplikationen N=3 OR 1.24 [0.54; 2.85] I2= 43.5%; p=0.170  
 
Zhu et al 2024

Evidenztabelle zum systematischen Reviews von Zhu 2024

Zhu X, Ye L, Fu Y, You B, Lu W. Radical Hysterectomy With Preoperative Conization in Early-Stage Cervical Cancer: A Systematic Review and Pairwise and Network Meta-Analysis. J Minim Invasive Gynecol. 2024;31(3):193-9
Eingeschlossene Publikationen Ding 2022, Bogani 2019, Li 2021, Uppal 2020, Casarin 2020, Bizzarri 2021, Klapdor 2022, Kim 2022, Gennari 2022, Chacon 2022, Rodriguez 2020, Chen 2020, Baiocchi 2022, Kim 2022, Yang 2022
N=15
Outcome Studien pro Endpunkt Effektschätzer:
pre-operative conization before radical hysterectomy vs. no pre-operative conization before radical hysterectomy
Heterogenität Anmerkungen
Rezidivrate N=10 HR 0.48 [0.36; 0.62] I2= 0.0%; p=0.708 Nur indirekte Erfassung des DFS
Anmerkung: Die weiteren 5 Publikationen, die nicht in die Rezidivrate eingingen, wurden für die hier wegen methodischer Mängel nicht dargelegte Netzwerk-Metaanalyse herangezogen.
Wang et al 2023

Evidenztabelle zum systematischen Reviews von Wang 2023

Wang Y, Ma B, Li W, Li P. The efficacy of pre-operative conization in patients undergoing surgical treatment for early-stage cervical cancer: A meta-analysis. Eur J Surg Oncol. 2023;49(11):106995
Eingeschlossene Publikationen Kim, S. I. 2019, Bogani, G. 2020, Casarin, J. 2020, Uppal, S. 2020, Benoit, L. 2021, Bizzarri, N. 2021, Casarin, J. 2021, Li, J. 2021, Sert, B. M. 2021, Chacon, E. 2022, Gennari, P. 2022, Kim, S. I. 2022
N=12
Outcome Studien pro Endpunkt Effektschätzer:
pre-operative conization before radical hysterectomy vs. no pre-operative conization before radical hysterectomy
Heterogenität Anmerkungen
Krankheitsfreies Überleben (DFS) N=10 HR 0.28 [0.19; 0.41] I2= 39.2%; p=0.096  
Gesamtüberleben (OS) N=3 HR 0.55 [0.24; 1.27] I2= 48.6%; p=0.143  
Taliento et al 2024

Evidenztabelle zum systematischen Review von Taliento 2024

Taliento C, Scutiero G, Arcieri M, et al. Simple hysterectomy versus radical hysterectomy in early-stage cervical cancer: A systematic review and meta-analysis. Eur J Surg Oncol. 2024;50(4):108252
Eingeschlossene Publikationen RCTs: Plante 2023, Carneiro 2023, Chen 2018, Landoni 2012
Retrospektive Kohortenstudien: Wang 2017, Sia 2019, Liu 2021
Outcome Studien Effektschätzer:
Einfache Hysterektomie vs. Radikale Hysterektomie
Heterogenität Anmerkungen
Overall Survival N=7 OR 1.23 [0.69; 2.19] p=0.48 I2=40%  
Recurrence Rate N=6 OR 0.88 [0.5; 1.57] p=0.68 I2=0%  
Bladder Injury N=3 OR 0.28 [0.08; 0.94] p=0.04 I2=0%  
Major vessel injury N=3 OR 1.54 [0.14; 17.22] p=0.74 I2=38%  
Ureteral injury N=3 OR 0.55 [0.15; 2.04] p=0.37 I2=0%  
Bladder dysfunction N=3 OR 0.1 [0.02; 0.53] p=0.007 I2=0%  
OR: Odds Ratio
Zeng et al 2024

Evidenztabelle zum systematischen Review von Zeng 2024

Zeng S, Xiao S, Xu Y, et al. Efficacy and safety analysis of non-radical surgery for early-stage cervical cancer (IA2 ~ IB1): a systematic review and meta-analysis. Front Med (Lausanne). 2024;11
Eingeschlossene Publikationen RCTs: Landoni 2012, Wang 2017, Chen 2018, Carneiro 2023
Retrospektive Kohortenstudien: Tseng 2018, Sia 2019 1, Sia 2019 2, Liu 2021, Du 2022
Outcome Studien Effektschätzer:
Einfache Hysterektomie vs. Radikale Hysterektomie
Heterogenität Anmerkungen
Gesamtüberleben (OS) N=7 HR 1.04 [0.86; 1.27] p=0.671
Fixed effects model
I2=33.8%  
Krankheitsfreies Überleben (DFS) N=2 HR 1.39 [0.59; 3.29] p=0.456
Fixed effects model
I2=0%  
Zervixkarzinom-spezifisches Überleben (CCSS) N=2 HR 1.11 [0.8; 1.54] p=0.519
Fixed effects model
I2=11.9%  
Postoperative Komplikationen N=4 RR 0.36 [0.21; 0.59] p<0.001 I2=0%  
HR: Hazard Ratio; OR: Risk Ratio
Favre et al 2021

Evidenztabelle zu Favre 2021

Favre G, Guani B, Balaya V, Magaud L, Lecuru F, Mathevet P. Sentinel Lymph-Node Biopsy in Early-Stage Cervical Cancer: The 4-Year Follow-Up Results of the Senticol 2 Trial. Front Oncol. 2021;10:621518
Outcome Nur Sentinel-Lymphknoten-Detektion
N=105
Sentinel-Lymphknoten-Detektion plus systematische pelvine Lymphadenektomie
N=101
Effect Estimate
Overall Survival N=105 100 (95.2%) N=101 97 (96.0%) RR 0.99 [0.936; 1.051] p=0.97
Disease-Free Survival , Time To Event N=105 94 (89.5%) N=101 91 (90.1%) RR 0.99 [0.906; 1.089] p=0.53
Subgruppe Adjuvante Radiotherapie            
Ja N=71 11 (15.5%) p=0.02  
Nein N=135 7 (5.2%)
Datenschnitt: unbekannt
Mathevet et al 2021

Evidenztabelle zu Mathevet 2021

Mathevet P, Lécuru F, Uzan C, et al. Sentinel lymph node biopsy and morbidity outcomes in early cervical cancer: Results of a multicentre randomised trial (SENTICOL-2). Eur J Cancer. 2021;148:307-315
Outcome Nur Sentinel-Lymphknoten-Detektion
N=105
Sentinel-Lymphknoten-Detektion plus systematische pelvine Lymphadenektomie
N=101
Effect Estimate
Lymphatische Morbidität
(alle Grade, 6 Monate)
N=105 33 (31.4%) N=101 56 (55.5%) RR 0.57 [0.40; 0.82] p=0.0046
Lymphatische Major-Komplikationen
(Grad III–V)
N=83 1 (1.2%) N=102 6 (5.9%) RR 0.20 [0.03; 1.54] p=0.061
Lymphatische Minor-Komplikationen
(Grad I–II)
N=105 32 (30.5%) N=101 50 (49.5%) RR 0.61 [0.42; 0.87], =0.007
Postoperative neurologische Symptome
(1 Monat)
N=103 8 (7.8%) N=97 20 (20.6%) RR 0.38 [0.17; 0.86] p=0.01
Signifikantes Lymphödem (Grad ≥ II, 6 Monate) N/A 2 (2.2%) N/A 0 (0%) N/A  
Rezidive gesamt (innerhalb 3 Jahre) N/A 8 (7.6%) N/A 5 (5.0%) RR 1.52 [0.55–4.19], p=0.35
Krankheitsfreies Überleben (3 Jahre) N/A 92.0% N/A 94.4% NA p=0.48  
Gianoni et al 2020

Evidenztabelle zu Gianoni 2020

Gianoni M, Mathevet P, Uzan C, et al. Does the Sentinel Lymph Node Sampling Alone Improve Quality of Life in Early Cervical Cancer Management?. Front Surg. 2020;7:31
Outcome Nur Sentinel-Lymphknoten-Detektion N=105 Sentinel-Lymphknoten + pelvine LND N=101 p-Wert (Signifikanztest) Art des Werts
SF-36: Physical Functioning (V0) 53.5 51.73 0.3258 Absolutwert
SF-36: Physical Functioning (V1 – Veränderung zu V0) −0.50 −0.97 0.0099 Δ zu V0
SF-36: General Health (V1 – Veränderung zu V0) −0.23 −0.56 0.0398 Δ zu V0
SF-36: Physical Functioning (V2 – Veränderung zu V0) −0.01 −0.54 0.0091 Δ zu V0
SF-36: General Health (V2 – Veränderung zu V0) 0.01 −0.37 0.0564 Δ zu V0
SF-36: Mental Health (V2 – Veränderung zu V0) −0.48 −1.04 0.0131 Δ zu V0
SF-36: PCS (V0) 53.5 51.73 0.3258 Absolutwert
SF-36: PCS (V1) 41.49 39.42 0.1081 Absolutwert
SF-36: PCS (V2) 47.52 44.10 0.0736 Absolutwert
SF-36: PCS (V3) 50.48 48.67 0.5177 Absolutwert
SF-36: MCS (V0) 41.75 39.19 0.1813 Absolutwert
SF-36: MCS (V1) 41.88 38.73 0.1275 Absolutwert
SF-36: MCS (V2) 45.75 40.50 0.0106 Absolutwert
SF-36: MCS (V3) 42.99 43.82 0.8357 Absolutwert
Beinbeschwerden – Schwere (VAS) 0.66 1.39 0.0482 Absolutwert
Beinbeschwerden – Müdigkeit (VAS) 0.20 0.96 0.0190 Absolutwert
Beinumfang-Zunahme (Oberschenkelmitte, rechts) +3.92 % +5.39 % 0.0784 Δ zu V0 (max)
Beinumfang-Zunahme (Oberschenkel oben, rechts) +2.35 % +4.00 % 0.1742 Δ zu V0 (max)
Ronsini et al 2022

Evidenztabelle zum systematischen Review von Rosini 2022

Ronsini C, De Franciscis P, Carotenuto RM, Pasanisi F, Cobellis L, Colacurci N. The Oncological Implication of Sentinel Lymph Node in Early Cervical Cancer: A Meta-Analysis of Oncological Outcomes and Type of Recurrences. Medicina (Kaunas). 2022;58(11):1539
Eingeschlossene Publikationen Prospektiv randomisiert: Favre 2021 (SENTICOL II)
Retrospektiv (Fall-Kontroll-Design): Balaya 2022 (post-hoc SENTICOL I & II), Gortzak-Uzan 2010, Lennox 2016
Eingeschlossen, aber nicht gepoolt: Guani 2019 (SENTICOL Trial), Sponholtz 2021 (SENTIREC trial), Yahata 2018, Cibula 2018, Sartori 2007, Ayhan 2004, Cibula 2012 (ultrastaging study), Cibula 2020 (SENTIX trial, prospektiv multizentrisch)
Outcome Studien Effektschätzer:
Bildgebende nodale Diagnostik vs. Operatives Staging
Heterogenität Anmerkungen
Overall Suvival   OR 0.99 [0.46; 2.45] p=0.456
Fixed effects model
I2=46%  
Disease-Free Survival N=5 OR 1.04 [0.66; 1.66] p=0.85
Fixed effects model
I2=33%  
OR: Odds Ratio
Tu et al 2025

Evidenztabelle zu Tu 2025

Tu H, Huang H, Li Y, Chen X, Wang C, Zheng M, et al. Sentinel-Lymph-Node Biopsy Alone or with Lymphadenectomy in Cervical Cancer. N Engl J Med. 2025;393(15):1463-74. doi: 10.1056/NEJMoa2506267. PubMed PMID: 41092328.
Outcome Biopsy Only N=420 Lymphadenectomy N=418 Effect Estimate  
Disease-Free Survival, Time To Event2 N=420 [; ] 407 (96.9%) N=418 [; ] 395 (94.5%) HR 0.61 [0.33; 1.14] p<0.001 RR 1.03 [0.996; 1.055]
Krebsbedingte Todesfälle N=420 6 (1.4%) N=418 16 (3.8%) HR 0.37 [0.15; 0.95] p=0.9981 RR 0.37 [0.147; 0.944]
Nicht-krebsbedingte Todesfälle N=420 3 (0.7%) N=418 1 (0.2%) RR 2.99 [0.312; 28.588] p=0.3426
Todesfälle (Insgesamt) N=420 9 (2.1%) N=418 17 (4.1%) RR 0.53 [0.238; 1.169] p=0.1149
Retroperitoneale Rezidizve N=420 0 (0.0%) N=418 9 (2.2%) RR 0.05 [0.003; 0.897] p=0.0419
Breast-conserving surgery5 N=420 5 (1.2%) N=418 16 (3.8%) RR 0.31 [0.115; 0.841] p=0.0214
Adverse Events (Gesamt) N=420 244 (58.1%) N=418 298 (71.3%) RR 0.81 [0.736; 0.902] p=0.0001
Adverse Events (Hypoalbuminämie) N=420 27 (6.4%) N=418 54 (12.9%) RR 0.5 [0.32; 0.774] p=0.0020
Adverse Events (Infektionen) N=420 17 (4.0%) N=418 31 (7.4%) RR 0.55 [0.307; 0.971] p=0.0393
Adverse Events (Lymphozysten) N=420 35 (8.3%) N=418 92 (22.0%) RR 0.38 [0.263; 0.545] p=0.0000
Adverse Events (Lyphödeme) N=420 22 (5.2%) N=418 80 (19.1%) RR 0.27 [0.174; 0.43] p=0.0000
Adverse Events (Parästhesien) N=420 17 (4.0%) N=418 35 (8.4%) RR 0.48 [0.275; 0.849] p=0.0114
Adverse Events (Schmerzen) N=420 11 (2.6%) N=418 33 (7.9%) RR 0.33 [0.17; 0.648] p=0.0012
Kontinuierliche Endpunkte
Operationsdauer [min] N=420 189 ± 57 N=418 222 ± 60    
Intraoperativer Blutverlust [ml] N=420 130 ± 99 N=418 159 ± 142    
Dauer der Hospitalisierung [d] N=420 6.3 ± 2.5 N=418 6.6 ± 2.6    
Dauer der Antibiose [d] N=420 3.4 ± 2 N=418 3.7 ± 2.1    
 
Chiyoda et al 2022

Evidenztabelle zum systematischen Review von Zhang 2021

Chiyoda T, Yoshihara K, Kagabu M, et al. Sentinel node navigation surgery in cervical cancer: a systematic review and metaanalysis. Int J Clin Oncol. 2022;27(8):1247-1255
Eingeschlossene Studien: RCT (SENTICOL-2): Mathevet 2021; Favre 2021 (zwei Publikationen derselben RCT).
Prospektive Kohorten: Niikura 2012; Devaja 2020.
Retrospektive Kohorten: Yahata 2018; Gil-Ibañez 2020; Lennox 2017
Diagnostische Studien: Chéreau 2012, Devaja 2012, Niikura 2012, Bats 2013, Hoogendam 2013, Martínez 2013, Klapdor 2014, de Freitas 2015, Kato 2015, Imboden 2015, Wuntakal 2015, Buda 2016, Deng 2017, Di Martino 2017, Cusimano 2017, Buda 2018, Sonoda 2018, Cea García 2018, Yahata 2018, Diaz-Feijoo 2019, Togami 2020, Dostalek 2020, Devaja 2020, Slama 2012, Sniadecki 2014, Allameh 2015, Schaafsma 2012, Umemura 2015, Beavis 2016, Kim 2018, Papathemelis 2020, Santoro 2020, Bizzarri 2021, Lu 2017, Wang 2020, Ya 2020
Outcome Studien Effektschätzer Heterogenität Anmerkungen
Overall Survival (OS) N=2 95.2 % (SNB) vs. 96.0 % (SNB+PLND); p = 0.97 – Nur ein RCT; Nachbeobachtung ~50 Monate
Disease-Free Survival (DFS) N=7 89.5 % (SNB) vs. 93.1 % (SNB+PLND); p = 0.53 –  
Detektionsrate (bilateral) N=36 ICG: 90 %; Tc±Blau: 80.4 %; Blau: <80 %; ≤2 cm: 93.4 % vs. >2 cm: 73.9 % hoch (Tracer, Tumorgröße) Bei Tumoren ≤2 cm höhere Raten (93.4 % vs. 73.9 % bei >2 cm)
Sensitivität (diagnostische Genauigkeit) N=36 Tc±Blau: 0.829; ICG: 0.836; ≤2 cm: 0.947 vs. >2 cm: 0.817 methodisch bedingt variabel (Tracer, Bilateralität, Referenzstandard) Validierung gegen PLND; bessere Performance bei Tumoren ≤2 cm
Spezifität (diagnostische Genauigkeit) N=36 Tc±Blau: 0.987; ICG: 0.980 methodisch bedingt variabel (Tracer, Bilateralität, Referenzstandard) Validierung gegen PLND; sehr hohe Spezifität insgesamt
Falsch-negative Rate (FNR) N=36 ≤2 cm: ~5 %; >2 cm: ~18 % (berechnet aus Sensitivität) – FNR korreliert mit Tumorgröße; bei ≤2 cm niedrig
Lymphödem N=4 OR 0.12 [95 % KI 0.03–0.49] nicht berichtet Signifikant seltener nach SNB
OP-Zeit einzelne Studien Median kürzer bei SNB (keine gepoolte Schätzung berichtet) – Heterogene Berichte, keine gepoolten Effekte
Komplikationen gesamt N=4 SNB reduziert Lymphozelen, neurologische Symptome, Blutverlust (keine gepoolte Zahl) nicht berichtet Konsistenter Vorteil für SNB
Delara et al 2020

Evidenztabelle zum systematischen Review von Delara 2020

Delara R, Yang J, Buckner-Petty S, Magtibay P, Butler K. Surgical or imaging lymph node assessment in locally advanced cervical cancer: a systematic review and meta-analysis. J Gynecol Oncol. 2020;31(6):e79
Eingeschlossene Publikationen RCT: Lai 2003
Post-hoc-Analyse von RCT-Daten: Gold 2008
Retrospektive Kohortenstudien: Yang 2020, Gonzalez-Benitez 2019, Pomel 2016
Outcome Studien Effektschätzer:
Bildgebende nodale Diagnostik vs. Operatives Staging
Heterogenität Anmerkungen
Overall Survival, Time To Event N=5 HR 1.06 [0.66; 1.69] I2=75%  
Progression-Free Survival, Time To Event N=5 HR 1.13 [0.73; 1.74] I2=75%  
Outcome Studien Bildgebung vs. Referenz (pelvin) Heterogenität Anmerkungen
Sensitivität N=1 88.9% N/A Keine Metaanalyse, Einzelwert
Spezifität N=1 22.2% N/A Keine Metaanalyse, Einzelwert
Outcome Studien Bildgebung vs. operativer Befund (Referenz) Heterogenität Anmerkungen
Sensitivität N=2 33.0 – 62.5% N/A Keine Metaanalyse, deskriptive Range
Spezifität N=2 92.0 – 95.5% N/A Keine Metaanalyse, deskriptive Range
HR: Hazard Ratio, HR>1 zugunsten der Bildgebung
Thelissen et al 2022

Evidenztabelle zum systematischen Review von Thelissen 2022

Thelissen AAB, Jürgenliemk-Schulz IM, van der Leij F, et al. Upstaging by para-aortic lymph node dissection in patients with locally advanced cervical cancer: A systematic review and meta-analysis. Gynecol Oncol. 2022;164(3):667-674
Eingeschlossene Publikationen prospektive, nicht-randomisierte Studien: Hertel 2002, Yildirim 2007, Ramirez 2011, Gil-Moreno 2011, Perez-Medina 2019, Gouy 2013
Retrospektive Kohortenstudien: Wright 2005, Mortier 2008, Leblanc 2011, Uzan 2011, Fastrez 2013, Margulies 2013, Vázquez-Vicente 2018, Mezquita 2019, De Cuypere 2020, Gouy 2021
Endpunkt1 PALN-Dissektion nach negativer PET oder PET-CT PALN-Dissektion nach negativer MRI oder CT PALN-Dissektion bei pos. pelvinen LK und neg. PALN in PET-CT
Upstaging-Rate 0.12 [0.10–0.15] 0.11 [0.08–0.16] 0.21 [0.17–0.26]
Sensitivität 20–38% 19–38% nicht berichtet
Spezifität 88–100% 78–94% nicht berichtet
PPV 24–71% 24–60% nicht berichtet
NPV 83–92% 84–95% 91% (min)
Komplikationsrate 0–16% 0–16% 0–16%
1: Alle diagnostischen Parameter wurden studienweise berichtet; eine Metaanalyse erfolgte nur für die Upstaging-Raten.
CT: Computed Tomography; MRI: Magnetic Resonance Imaging; PET-CT: Positron Emission Tomography – Computed Tomography
Marnitz et al 2020

Marnitz S, Tsunoda AT, Martus P, et al. Surgical versus clinical staging prior to primary chemoradiation in patients with cervical cancer FIGO stages IIB-IVA: oncologic results of a prospective randomized international multicenter (Uterus-11) intergroup study. Int J Gynecol Cancer. 2020;30(12):1855-1861 [63]

Outcome

Chirurgischer Arm

N=121

Klinischer Arm

N=119

Effektschätzer

Disease-Free Survival, Time To Event

N=130

[; ]

N=125

[; ]

HR 0.71 [0.48; 1.05]
p=0.084

Subgruppe FIGO Stadium

 

 

 

 

 

 

IIB

N=0

[; ]

N=0

[; ]

HR 0.51 [0.3; 0.86]
p=0.011

III

N=0

[; ]

N=0

[; ]

HR 1.24 [0.67; 2.28]
p=0.50

Disease-Free Survival, Time To Event1

N=130

[; ]

N=125

[; ]

HR 0.73 [0.49; 1.08]
p=0.12

Disease-Free Survival, Time To Event2

N=130

[; ]

N=125

[; ]

HR 0.74 [0.5; 1.1]
p=0.13

1: adjustiert nach FIGO-Stadium
2: stratifiziert nach FIGO-Stadium

Literaturhinweise

[90] Cibula, D, Raspollini, MR, Planchamp, F, Centeno, C, Chargari, C, Felix, A, et.al. ESGO/ESTRO/ESP Guidelines for the management of patients with cervical cancer - Update 2023., Int J Gynecol Cancer, 2023. 33 (5)(5): p. 649-666., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37127326/

[291] Abu-Rustum, NR, Yashar, CM, Arend, R, Barber, E, Bradley, K, Brooks, R, et.al. NCCN Guidelines® Insights: Cervical Cancer, Version 1.2024., J Natl Compr Canc Netw, 2023. 21 (12)(12): p. 1224-1233., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38081139/

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[295] Morelli, M., Venturella, R., Mocciaro, R., Di Cello, A., Rania, E., Lico, D., et.al. Prophylactic salpingectomy in premenopausal low-risk women for ovarian cancer: primum non nocere, Gynecol Oncol, 2013. 129(3): p. 448-51., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23558052

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[300] Fan, Y, Wang, MY, Mu, Y, Mo, SP, Zheng, A, Li, JK, Ovarian metastasis in women with cervical carcinoma in stages IA to IIB: A systematic review and meta-analysis., Medicine (Baltimore), 2020. 99 (31)(31): p. e21146., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32756092/

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[302] Ramirez, PT, Robledo, KP, Frumovitz, M, Pareja, R, Ribeiro, R, Lopez, A, et.al. LACC Trial: Final Analysis on Overall Survival Comparing Open Versus Minimally Invasive Radical Hysterectomy for Early-Stage Cervical Cancer., J Clin Oncol, 2024. 42 (23)(23): p. 2741-2746., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38810208/

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