Leitlinienprogramm OnkologieSupportive Therapie

10. Ossäre Komplikationen – Supportive Therapie

Version 2.1 · Mai 2026 · AWMF 032-054OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Autor*innen: Prof. Dr. Bernd Alt-Epping, Prof. Dr. Ingo J. Diel, Prof. Dr. Petra Feyer, Prof. Dr. Bernhard Gebauer, PD Dr. Mojtaba Ghods, Prof. Dr. Dr. Knut Grötz, Dr. Dr. Maximilian Krüger, Prof. Dr. Toralf Reimer, Prof. Dr. Holger Palmedo, Prof. Dr. Daniel Vallböhmer, Prof. Dr. Bernhard Wörmann

Komplikationen im Bereich des Knochenskelettes sind häufige, für die Patient*innen äußerst belastende Ereignisse. Wir unterscheiden:

  • ossäre Manifestationen der Tumorerkrankung
  • ossäre Komplikationen der Tumortherapie, vor allem Osteoporose.

Das Risiko schwerer Komplikationen, beispielsweise pathologischer Frakturen mit ausgeprägter Schmerzhaftigkeit oder spinaler Kompressionssyndrome, erfordert eine frühzeitige Abwägung und Initiierung der geeigneten Intervention. Hier stehen interdisziplinär chirurgische, strahlentherapeutische, nuklearmedizinische und medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung.

Es erfolgt zunächst die Diskussion der ossären Manifestationen, ihrer Komplikationen (skeletal related events (SREs)) und deren Behandlungsoptionen, gefolgt von einem Abschnitt zur Therapie-assoziierten Osteoporose.

10.1 Ossäre Manifestationen

Knochenmetastasen stellen nach Leber und Lunge den dritthäufigsten Metastasierungsort solider Tumoren dar. Wirbelsäulenmetastasen machen 40 % aller Knochenmetastasen aus. Das Verteilungsmuster folgt dem des roten Knochenmarks, dementsprechend sind in absteigender Häufigkeit Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule betroffen. Die adäquate Therapie der ossären Manifestationen stellt eine Herausforderung dar, gerade auch im Hinblick auf die notwendige Interdisziplinarität.

Im Folgenden wird zusammenfassend für die Knochenmetastasen der soliden Tumoren und die Läsionen des Multiplen Myeloms der Begriff „ossäre Manifestation“ verwendet.

10.1.1 Skelettale Komplikationen/ skeletal related events (SREs)

Unter skelettalen Komplikationen oder auch skeletal related events (SREs) werden die Komplikationen einer ossären Manifestation oder die durch sie notwendigen Interventionen verstanden. Sie beinhalten [1330]:

  • pathologische Fraktur
  • spinales Kompressionssyndrom
  • Hyperkalzämie (nach Ausschluss anderer Ursachen wie einer Paraneoplasie)
  • Notwendigkeit einer Bestrahlung
  • Notwendigkeit einer chirurgischen Maßnahme

10.1.2 Risikofaktoren der ossären Manifestationen

Das Risiko einer ossären Manifestation und/oder Komplikation ist hauptsächlich durch die Grunderkrankung und Tumorart bestimmt. Weitere prädiktive Faktoren sind nicht bekannt.

10.1.3 Inzidenz ossärer Manifestationen

90 % aller Knochenmetastasen werden durch Krebserkrankungen der Mamma, der Prostata, der Lungen, der Nieren und durch das Multiple Myelom hervorgerufen. Innerhalb der jeweiligen Entität können biologisch definierte Risikofaktoren das Auftreten beeinflussen. Frühere Zahlen zu Inzidenz, Komplikationsrate und zur prognostischen Relevanz ossärer Manifestationen [1331][1332][1333] sind angesichts von Fortschritten in der prophylaktischen und interventionellen Systemtherapie nur noch eingeschränkt auf den aktuellen Versorgungskontext übertragbar.

10.1.4 Prophylaxe

Die Prophylaxe von ossären Manifestationen, also das Auftreten von ossären Manifestationen zu verhindern, ist Bestandteil der antitumorösen Therapie jeder Tumorentität und damit Bestandteil der jeweiligen organspezifischen Leitlinie. 

Die Prophylaxe von Komplikationen bei aufgetretenen ossären Manifestationen ist von ihrer Therapie nicht zu trennen, daher werden Prophylaxe und Therapie ossärer Manifestationen in einem Kapitel zusammengefasst besprochen.

10.1.5 Diagnostik ossärer Manifestationen

Radiologie und Nuklearmedizin spielen in der Diagnostik und Therapieevaluation von Knochenmetastasen eine herausragende Rolle. Vorausgehen muss eine ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung unter Beachtung möglicher neurologischer Ausfälle. Knochenschmerzen sind das häufigste und zumeist erste Zeichen einer Metastasierung.

Eine Übersicht über die verschiedene Morphologie der ossären Manifestationen, geeignete Messparameter sowie eine Gegenüberstellung der bildgebenden Verfahren in Bezug auf diese zeigt Tabelle Bildgebende Verfahren zur Messung relevanter Parameter der Skelettmetastasierung.

Tabelle 72: Bildgebende Verfahren zur Messung relevanter Parameter der Skelettmetastasierung

 

Knochenmorphologie

Knochenstoffwechsel

Knochenmarkbefall

Diffusion

Glukosestoffwechsel

Röntgen

+

 

 

 

 

CT

+

 

 

 

 

SPECT (-CT)

(+)

+

 

 

 

MRT

+

 

+

+

 

PET/CT

+

+

 

 

+

+: geeignete Messparameter; (+): eingeschränkt geeigneter Messparameter

CT - Computertomographie

SPECT - Single-Photon-Emissions-Tomographie

MRT - Magnetresonanztomographie

PET - Positronen-Emissions-Tomographie

 

Auf die detaillierte Beschreibung der einzelnen Verfahrenstechniken wird verzichtet. Angaben zur Sensitivität und Spezifität der einzelnen Untersuchungsverfahren differieren stark in der Literatur [1333].

10.1.5.1 Rationelle Reihenfolge der bildgebenden Diagnostik

Ziel einer rationellen Diagnostik ist ein überlegter, sparsamer Umgang mit Bildgebung, um den Patient*innen so wenig wie möglich den Nebenwirkungen der Verfahren auszusetzten und Ressourcen zu schonen. 

10.1 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2025

Die Ausbreitungsdiagnostik ist tumorspezifisch und damit Bestandteil des Stagings der jeweiligen Organleitlinie.

 

Konsens
Starker Konsens

Spezifische Empfehlungen bei Patient*innen mit Verdacht auf ossäre Manifestationen sind in den weiteren Empfehlungen und Statements aufgeführt.

10.2 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Verdacht auf ossäre Manifestation kann als orientierende Methode ein konventionelles Nativ-Röntgen erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Verdacht auf ossäre Manifestation (z.B. neu aufgetretene Knochenschmerzen) kann als orientierende Methode ein konventionelles Nativ-Röntgen erfolgen.
10.3 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei Verdacht auf Frakturgefährdung soll ein röntgenbasiertes Verfahren (Nativ-Röntgen/ CT) erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
10.4 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei neurologischen Ausfällen mit Verdacht auf Myelonkompression soll eine MRT zum frühestmöglichen Zeitpunkt so erfolgen, dass innerhalb von 24 Stunden eine Intervention beginnen kann.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Verdacht auf Weichteilbeteiligung oder bei neurologischen Ausfällen mit Verdacht auf Myelonkompression sollte eine MRT durchgeführt werden.
10.5 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025
Bei symptomatischen Tumorpatient*innen oder bei asymptomatischen Patient*innen mit erhöhtem Metastasierungsrisiko kann die Skelettszintigraphie als Suchverfahren zur Beurteilung des ossären Befalls verwendet werden (siehe entsprechende Organleitlinien).
Dies gilt nicht bei Patient*innen mit Multiplem Myelom.
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei symptomatischen Tumorpatienten ist die Skelettszintigraphie als Suchverfahren zur Beurteilung des ossären Befalls geeignet. (siehe entsprechende Organleitlinien) Dies gilt nicht bei Patienten mit Multiplem Myelom.

Die osteolytische Destruktion von Spongiosa und Kortikalis ist das auffälligste Merkmal in der Projektionsradiographie und in der CT. Die projektionsradiographische Diagnostik der Wirbelsäule ist allerdings bezüglich Tumordetektion, Tumorausdehnung und Charakterisierung deutlich weniger aussagekräftig als die Schnittbilddiagnostik, insbesondere die MRT [1334].

Die CT ermöglicht eine exakte Beurteilung rein knöcherner Veränderungen [1335][1333]. Insbesondere osteolytische Vorgänge, welche in der Projektionsradiographie erst ab einem Verlust von ca. 30 % der Knochensubstanz auffallen, sind in der CT deutlich früher zu sehen. Dabei dient es jedoch nicht nur zur Differenzierung von osteolytischem und osteoplastischem Läsionscharakter, sondern auch zur Stabilitätsbeurteilung bei ausgedehnter Destruktion der knöchernen Substanz.

Eine Unterscheidung zwischen stoffwechselaktiven und inaktiven Knochenläsionen ist jedoch nicht möglich, was die Verwendung zur Bewertung der Behandlungseffekte einschränkt.

Die MRT mit dem Nachweis einer Knochenmarksinfiltration als T1w hypointense Signalverhalten ist sensitiver und erfasst Metastasen in einem früheren Stadium, da die Knochenmarksinfiltration der Knochendestruktion typischerweise vorauseilt. In der T2w sind metastatische Herde signalreich, insbesondere nach Fettunterdrückung, wenn es sich um osteolytische Läsionen handelt. Osteoplastische Metastasen sind, abhängig vom Sklerosegrad, in der T2w signalgemindert. Des Weiteren erlaubt die MRT eine Abschätzung des Weichteilanteils und somit eine mögliche Vorhersage der o.g. Komplikation einer Rückenmarks- oder Nervenkompression [1334]. In einer Metaanalyse von 2020 wurde die Wirksamkeit der MRT im Vergleich zur Skelettszintigraphie bei der Früherkennung von Wirbelmetastasen untersucht und festgestellt, dass mit Hilfe der MRT-Bildgebung intramedulläre Metastasen in Wirbelkörpern früher erkannt wurden, als in der Skelettszintigraphie [1336].

Damit eignet sich die MRT sowohl zur Tumordetektion und -charakterisierung, als auch zur Beurteilung von Ausdehnung in Bezug auf den Spinalkanal und die Neuroforamina. Des Weiteren ist eine Infiltration des Knochenmarks mit der MRT nachzuweisen und sowohl geographisch, als auch quantitativ im Vergleich mit dem Signalverhalten umgebender Strukturen in gewissen Grenzen abzuschätzen [1337].

Die Skelettszintigraphie ist bei asymptomatischen Patient*innen mit intermediärem bis hohem Metastasierungsrisiko als Suchverfahren vorgesehen (siehe Organleitlinien). Insbesondere ist sie sensitiv für hypermetabole Metastasen (Prostatakarzinom, Mammakarzinom, Neuroendokrine Tumore). Außerdem findet sie Verwendung bei Patient*innen mit Fraktur unklarer Genese/pathologische Fraktur zum Nachweis bzw. Ausschluss von weiteren Metastasen bzw. Einordnung der pathologischen Fraktur. Eine Ausnahme ist der Verdacht oder das Staging beim Multiplen Myelom, denn aufgrund der Überaktivierung der Osteoklasten und Inhibierung der Osteoblasten kommt es beim Multiplen Myelom zum Knochenabbau und zu keinem Knochenumbau, der szintigraphisch nachweisbar wäre.

Im Vergleich zur Knochenszintigraphie hat die PET-Bildgebung Vorteile bei der Beurteilung von Skelettmetastasen. Sie ist genauer, hat eine höhere räumliche Auflösung und kürzere Bildgebungszeiten, ist aber nicht zu 100 % spezifisch für Skelettmetastasen. Eine Bewertung und Interpretation setzt eine sorgfältige Integration morphologischer Veränderungen im Knochen auf CT oder MRT voraus [1338], die Einschränkungen ergeben sich aus der Kostenintensität, der eingeschränkten Verfügbarkeit und Dauer des Verfahrens.

Weitere Einsatzmöglichkeiten der vorgestellten einzelnen Verfahren sind den einzelnen Organleitlinien (siehe http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Leitlinien.7.0.html) zu entnehmen. 

10.1.6 Prophylaxe und Therapie der SREs

10.6 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Die Prophylaxe und Therapie ossärer Manifestationen ist Bestandteil eines onkologischen Gesamtkonzeptes.

Das Therapiekonzept soll in Abhängigkeit von der Dringlichkeit und vom Therapieziel interdisziplinär durch Operateur*innen, Radioonkolog*innen, Nuklearmediziner*innen, internistische Onkolog*innen, onkologisch tätige Fachärzt*innen, Schmerztherapeut*innen, Palliativmediziner*innen und ggf. Vertreter*innen weiterer Fachdisziplinen festgelegt werden.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisDie Prophylaxe und Therapie ossärer Manifestationen ist Bestandteil eines onkologischen Gesamtkonzeptes und auch Bestandteil der jeweiligen organspezifischen Leitlinie. Der Vorschlag einer Therapie soll in Abhängigkeit von der Dringlichkeit und vom Therapieziel interdisziplinär durch Operateur, Radioonkologen, Nuklearmediziner, internistischen Onkologen, onkologisch tätige Fachärzte, Schmerztherapeuten und ggf. Vertreter weiterer Fachdisziplinen festgelegt werden.
10.7 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2025

Bei Patient*innen mit ossären Manifestationen stehen folgende Therapieoptionen zur Verfügung:

  • medikamentöse Schmerztherapie
  • interventionelle Verfahren wie lokale Bestrahlung oder operative Therapie
  • systemische Tumortherapie wie Zytostatika, endokrine Therapie, zielgerichtete Substanzen, Immun-modulierende Therapie, Radionuklide
  • Osteoprotektiva (Bisphosphonate bzw. RANK-Ligand-Antikörper)
  • Muskeltraining (falls keine Frakturgefährdung vorliegt) 
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Patienten mit ossären Manifestationen stehen folgende Therapieoptionen zu Verfügung: Medikamentöse Schmerztherapie Lokale Bestrahlung Operative Intervention Systemische Tumortherapie Zytostatika, Hormontherapie, zielgerichtete Substanzen, Immun-modulierende Therapie u.a. Radionuklide Bisphosphonate bzw. RANK-Ligand-Antikörper
In der unten stehenden Abbildung ist das Vorgehen bei ossären Manifestationen symptom- und lokalisationsbezogen als Übersicht dargestellt. Die einzelnen Verfahren werden ab Kapitel 10.2 näher beschrieben.
Vorgehen bei ossären Manifestationen
Vorgehen bei ossären Manifestationen

10.2 Medikamentöse Intervention

10.2.1 Schmerztherapie

10.8 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei schmerzhaften Knochenmetastasen soll eine konsequente medikamentöse Analgesie durchgeführt werden (siehe Tabelle Analgetische Therapie bei Knochenschmerzen).

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei schmerzhaften Knochenmetastasen steht an erster Stelle eine konsequente medikamentöse Analgesie.

Knochenschmerz beginnt zumeist unspezifisch und kann leicht mit degenerativen Gelenkbeschwerden verwechselt werden. Typischerweise ist die Schmerzstärke progredient und tritt unabhängig von Lageveränderungen und Tageszeit auf. In seltenen Fällen treten die ersten Schmerzen im Rahmen einer pathologischen Fraktur oder eines spinalen Kompressionssyndroms auf. Knochenschmerzen sind komplexe Schmerzsyndrome und können von mechanischen, entzündlichen und humoralen Komponenten geprägt sein. Daher ist die Behandlung von Knochenschmerzen in der Regel mehrschichtig und besteht aus unterschiedlichen Komponenten:

Tabelle 73: Analgetische Therapie bei Knochenschmerzen

Medikamentenklasse  Hinweise
Osteoprotektiva (Bisphosphonate, RANK-Ligand-Antikörper) 

Stabilisierung des Knochens, damit Wirkung auf Dehnungsrezeptoren und neuropathischen Schmerz 

Wirkung auf Anzahl und Aktivität der Osteoklasten, damit Reduktion saurer Metaboliten 

Behandlung mit Bisphosphonaten oder RANK-Ligand-Antikörpern ist eine Dauertherapie, Fortführung auch nach Reduktion der akuten Schmerzsymptomatik

eine Kombination mit anderen Schmerzmittel und tumortoxischen Therapien ist jederzeit möglich

Opioide

frühzeitiger Einsatz eines starken Opioids zur zentralen Bekämpfung der Schmerzentstehung bei starken Schmerzen

bei mittelstarken Schmerzen ist ein Versuch mit Tilidin oder Tramadol gerechtfertigt

Cyclooxygenase (COX)-1 und -2 Hemmer, z.B. Celecoxib

Therapie der inflammatorischen Komponenten aus Tumorstroma und Entzündungszellen 

Vermeidung der Sensibilisierung und Aktivierung des Nozizeptors 

Kombination mit zentral wirkenden Analgetika möglich und sinnvoll

Antikonvulsiva z.B. Pregabalin oder Gabapentin

frühzeitige Berücksichtigung als Ko-Analgetika

Ansatz an der neuropathischen Komponente des Knochenschmerzes zur Behandlung des neuropathischen Schmerzes

ggf. weitere Ko-Analgetika sinnvoll bei Angst, Depression, gastrointestinale Beschwerden u.a.

10.2.2 Osteoprotektive Therapie

10.9 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Zur Prävention von Komplikationen bei ossären Manifestationen sollte eine osteoprotektive Therapie mit Bisphosphonaten/ RANK- Ligand Antikörper unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Daten für die verschiedenen Entitäten erfolgen (siehe Organleitlinien).

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1

für Multiples Myelom, Mammakarzinom und Prostatakarzinom


2

für andere solide Tumoren

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1339] [1340] [1341] [1342] [1343] [1344] [1345] [1346] [1347] [1348] [1349] [1350] [1351] [1352] [1353] [1354] [1355] [1356] [1357] [1358] [1359] [1360] [1361] [1362] [1363] [1364] [1365] [1366] [1367] [1368] [1369] [1370] [1371] [1372]
ÄnderungshinweisZur Prävention von Komplikationen bei ossären Manifestationen sollte eine osteoprotektive Therapie mit Bisphosphonaten/Denosumab unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Daten für die verschiedenen Entitäten erfolgen (siehe Organleitlinien).
Evidenztabellen (2)Fizazi_2009; Lipton_2008

Bisphosphonate

In der ersten Fassung der Leitlinie wurden in einer de novo Recherche durch die Cochrane Haematological Malignancies Group Köln 31 Studien zum Vergleich Bisphosphonat versus Placebo und dem Endpunkt SRE gefunden. Die Mehrzahl der Studien berücksichtigte dabei Patient*innen mit Mammakarzinom, Prostatakarzinom oder Multiplem Myleom, während sich für andere Entitäten nur einzelne Studien fanden: Zwei Studien zu Lungenkarzinom und Bisphosphonaten [1365][1366], eine Studie zu Bisphosphonaten beim Nierenzellkarzinom [1369] sowie eine Studie bei Blasenkrebs [1367]. Oftmals wurden gemischte Populationen betrachtet, so enthält die Studie von Robertson et al. 1995 (n = 55) Patient*innen mit Brust-, Lungen- und Prostatakarzinom, Multiplen Myelom und anderen, nicht aufgeführten Grunderkrankungen. Insgesamt liegen damit zu 7.823 Patient*innen Daten zum Vergleich Bisphosphonat versus Kontrolle vor. Bisphosphonate reduzierten dabei die Anzahl der skeletal related events (RR 0,83; 95 % KI: 0,78 - 0,88). Auch der Endpunkt Schmerz wurde in der Mehrzahl der Studien berichtet. Bei 19 Studien wird eine signifikante Besserung der Knochenschmerzen beschrieben, 15 Studien konnten keinen signifikanten Gruppenunterschied zu Placebo zeigen, bei den übrigen wurde Schmerz nicht evaluiert. Allerdings wurde die Schmerzbeurteilung mit unterschiedlichen Skalen, zu verschiedenen Messzeitpunkten ermittelt, oder nur eingeschränkt berichtet, sodass keine Metaanalyse der Daten möglich ist. Auch eine vergleichende Bewertung der Nebenwirkungen konnte nur eingeschränkt erfolgen: So sind severe adverse events (SAE) in fünf Studien als solche berichtet, bei einem RR von 0,88 (95 % KI: 0,77 - 1,01) ist kein signifikanter Gruppenunterschied zwischen Bisphosphonaten und Kontrolle zu sehen. Auch bei Fatigue, Nausea und Fieber bestehen keine signifikanten Gruppenunterschiede, während das RR für Infusionsreaktionen unter Bisphosphonaten größer war, als für die Kontrolle (RR 2,61; 95 % KI: 1,54 - 4,42). Insgesamt überwiegt damit der Benefit der osteoprotektiven Therapie (weniger SREs, weniger Schmerzen) den möglichen Nebenwirkungen.

Da sich die Studienanzahl und damit Anzahl der untersuchten Patient*innen pro Erkrankung stark unterscheidet (Mammakarzinom n = 3.215; Blasenkarzinom n = 40) (siehe auch oben), wurde der Level of Evidence differenziert angegeben. 

Die detaillierten Ergebnisse des Vergleichs ossäre Komplikation, Endpunkt: skeletal related events (SREs), Bisphosphonat versus Kontrolle sind im Methodenreport aufgeführt.

Denosumab/Zoledronsäure

In der primären Recherche zu Denosumab im Vergleich zu Bisphosphonaten bei Patient*innen mit ossären Metastasen konnten fünf Studien identifiziert werden [1351][1371][1359][1373][1368]. Sie berücksichtigen vor allem Patient*innen mit Mammakarzinom (n = 2.300) und Prostatakarzinom (n = 1.901). Zwei weitere Studien (n = 1.887) untersuchten Patient*innen mit unterschiedlichen soliden Tumoren und Multiplem Myelom [1371][1368].

Denosumab zeigte sich effektiv in der Reduktion der SREs, es reduziert diese Ereignisse im Vergleich zu Bisphosphonaten ähnlich gut oder besser. (Lipton 2008: RR 0,58; 95 % KI: 0,26 - 1,29, Stopeck 2010: RR 0,84; 95 % KI: 0,75 - 0,95; Fizazi 2011: RR 0,88; 95 % KI: 0,79 - 0,99; Fizazi 2009: RR 0,48; 95 % KI: 0,171 - 1,38). In Henry 2011 wurde eine Nicht-Überlegenheit von Denosumab versus Zoledronsäure bezogen auf die Zeit bis zum Auftreten des ersten SREs beschrieben (Hazard Ratio 0,84; 95 % KI: 0,71 - 0,98).

Auch die Zeit bis zum Auftreten des SREs ist im Vergleich zu Bisphosphonaten signifikant länger [1374]. Nach wie vor sind die Daten zum Vergleich von Denosumab und Bisphosphonaten bei anderen soliden Tumoren in Bezug auf den Endpunkt SRE unzureichend.

2018 wurde die Studie zu Denosumab versus Zoledronsäure bei Patient*innen mit Multiplen Myelom (n = 1.718) veröffentlicht [1372]: In Raje et al. war Denosumab gegenüber Zoledronsäure hinsichtlich der Zeit bis zum ersten skelettbezogenen Ereignis nicht unterlegen (HR 0,98; 95 % KI: 0,85 - 1,14). Günstig zeigte sich bei dieser Entität ein besseres Nieren-Sicherheitsprofil von Denosumab bezüglich der Nephrotoxizität insbesondere bei Patient*innen mit einer Kreatinin-Clearance von 30 - 60 ml/min.

Bei den Outcomeparametern Schmerz und Lebensqualität ist bei Patientinnen mit Mammakarzinom ein positiver Effekt für Denosumab im Vergleich zu Bisphosphonaten beschrieben, bezüglich der Lebensqualität auch für Patienten mit Prostatakarzinom. Bei Parametern wie Rückenmarkkompression, Mortalität und Kieferosteonekrose besteht keine Evidenz für einen Unterschied.

Auch das Sicherheitsprofil von Denosumab und Zoledronsäure ist ähnlich, bei beiden treten mit einer geringen Inzidenz Hypokalzämien und Kieferosteonekrosen auf, bei Denosumab ist die Inzidenz schwerer Hypokalzämien etwas häufiger [1375]. Substanzspezifisch kommt es bei Bisphosphonaten zur Akut-Phase Reaktion.

Die detaillierte Darstellung nach GRADE für die Studien mit soliden Tumoren [1351][1371][1359][1373][1368] sind im Methodenreport zu finden.

Subgruppenanalysen der beschriebenen Studien wie Terpos et al. 2021 [1376] als Nachanalyse der Studie von Raje et al. 2018 beim Multiplen Myelom [1372] oder Scagliotti et al. 2012 [1377], die die Daten von Patient*innen mit Lungenkarzinom aus Henry et al. 2011 [1368] weiter untersuchten, diskutieren Auswirkungen von Denosumab auf das progressionsfreie Überleben oder das Gesamtüberleben. Die Verwendung der Osteoprotektiva im multimodalen (neo-)adjuvanten Therapiekonzept der einzelnen Entitäten ist nicht Bestandteil dieser Leitlinie, hier sei auf die entsprechenden Organleitlinien verwiesen.

10.2.3 Osteoprotektive Therapie - Medikamente

10.2.3.1 Bisphosphonate

In Tabelle Übersicht Bisphosphonate, mit Indikation laut Zulassung, Dosierung und Nebenwirkungsspektrum sind die verschiedenen Bisphosphonate, mit spezifischer Zulassung, Nebenwirkungsprofil, Dosierung und Dosierungsanpassungen vergleichend dargestellt.

Tabelle 74: Übersicht Bisphosphonate, mit Indikation laut Zulassung, Dosierung und Nebenwirkungsspektrum

 

Clodronat i.v.

Clodronat p.o.

Ibandronat i.v.

Ibandronat p.o.

Pamidronat i.v.

Zoledronat i.v.

Indikation

TIH

x x x x x

Prävention SRE

xa

xa

x

x

Osteolysen

x

xa, b

Osteoporosen

x x

Morbus Paget

x

Dosierung

TIH

1.500 mg/d

1.600 mg/d bzw. 1.040 mg (neue Galenik)

2 - 4 mg/d

abhängig von der Ca-Konzentration im Serum

max. 90 mg/Behandlung

4 mg als Einzeldosis

SRE

6 mg/3 - 4 Wochen 50 mg/d

90 mg/3 - 4 Wochen

in Kombination mit Calcium p.o. 500 mg/d und Vitamin D p.o. 400 IE/d

4 mg/3 - 4 Wochen

in Kombination mit Calcium p.o. 500 mg/d und Vitamin D p.o. 400 IE/d

Osteoporose

3 mg alle 3 Monate 150 mg/4 Wochen 5 mg/12 Monate

Dosisanpassung bei Nephrotoxizität

(Crea-Clearance)

50 - 80 ml/min: -25 %

12 - 50 ml/min: -25 - 50 %

< 12 ml/min: -50 %

30 - 50 ml/min: 1.200 mg/d

< 30 ml/min: 800 mg/d

50 - 80 ml/min: 6 mg

30 - 50 ml/min: 4 mg

< 30 ml/min: 2 mg

Bei einer Dosierung von 3 mg monatl. ist bis zu einer Creatinin-Clearance von 30 ml/min keine Anpassung erforderlich

Dosierung 50 mg/d:

30 - 50 ml/min: 50 mg/2d

< 30 ml/min: 50 mg monatl.

Bei einer Dosierung von 150 mg monatl. ist bis zu einer Creatinin-Clearance von 30 ml/min keine Anpassung erforderlich

Dosisanpassung bei einer Creatinin-Clearance von bis 30 ml/min nicht erforderlich

< 30 ml/min: nur Anwendung nach Nutzen-Risiko-Abwägung

maximale Infusionsgeschwindigkeit 60 mg/h empfohlen

50 - 60 ml/min: 3,5 mg

40 - 49 ml/min: 3,3 mg

30 - 39 ml/min: 3,0 mg

Nebenwirkungen klassenspezifisch

seltene NW von Aminobisphosphonaten: Kieferosteonekrosen, atypische Femurschaftfrakturen, Herzrhythmusstörungen

Nebenwirkungen substanzspezifisch

(häufig laut Fachinfo)

gastrointestinale Beschwerden

x

x

x

x

x

erhöhte Transaminasen

x

Hypokalzämie

x x x

Hypophosphatämie

x

Hautreaktion

x x x

grippeähnliche Symptome

x x x x

Kopfschmerzen

x x

Knochen-, Gelenk- und Muskelschmerzen

x x x

Schenkelblock

x

Augenerkrankungen

x x

Hypertonie

x

Anämie

x

Nierenfunktionsstörung

 

Wenn keine Hyperkalzämie vorliegt, zusätzliche Gabe von oralem Calcium und Vitamin D, um das Risiko einer Hypokalzämie gering zu halten.

TIH: Tumor-induzierte Hyperkalzämie, SRE: skeletal related event

abei Mammakarzinom und Knochenmetastasen

bMultiples Myelom

 

Sowohl unter Bisphosphonaten als auch unter Denosumab wird das Auftreten atypischer Femurfrakturen, in der Regel subtrochantär, bzw. im Bereich der Epiphyse und mit charakteristischem radiologischen Befund, beschrieben [1378]. Das absolute Risiko für das Auftreten der Femurfraktur liegt zwischen 3,2 und 50 Fällen pro 100 000 Personenjahren, steigt aber mit der Dauer der Anwendung.

Zur Antiresorptiva-assoziierten Kiefernekrose siehe Kapitel 10.2.4.

10.2.3.1.1 Applikationsintervall Zoledronsäure
10.10 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Patient*innen mit ossären Metastasen und Zustand nach einjähriger Zoledronattherapie und stabilem Befund in 4-wöchentlichen Abständen sollte die anschließende Gabe von Zoledronat alle 12 Wochen erfolgen (OFF-LABEL).

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1379] [1380] [1381] [1382] [1383] [1384] [1385]
ÄnderungshinweisBei Patienten mit ossären Metastasen bei anderen Tumorentitäten und Zustand nach einjähriger Zoledronattherapie in 4 wöchentlichen Abständen sollte die anschließende Gabe von Zoledronat alle 12 Wochen erfolgen.
Evidenztabellen (1)Himelstein_2017

Zur Frage des Dosierungsintervalles bei Bisphosphonaten sind bisher vier Studien verfügbar [1381][1382][1379][1385]. Die Studien betreffend Patientinnen mit Mammakarzinom wurden zudem in einer Metaanalyse zusammengefasst [1383]. 

In der Phase-III-, Nicht-Unterlegenheitsstudie [1381] wurde die Effektivität des verlängerten Zoledronsäure-Dosisintervalls von drei Monaten bei Frauen vornehmlich mit Mammakarzinom geprüft, die zuvor mit einer monatlichen Zoledronsäuregabe (ein Jahr) behandelt wurden (ZOOM-Studie). Die Nicht-Unterlegenheitsgrenze war mit 0,19 definiert. Es wurden 425 Patientinnen in zwei Gruppen randomisiert. Das primäre Outcome war als die Skelettmorbiditätsrate (Skelett-assoziierte Ereignisse pro Patientin pro Jahr) definiert. Im Ergebnis betrug diese in der 12-Wochengruppe 0,26 (95 % KI: 0,15 – 0,37) im Vergleich zur 4-Wochengruppe 0,22 (95 % KI: 0,14 – 0,29). Vier Patientinnen in der 12-Wochengruppe entwickelten eine Osteonekrose des Kiefers, während in der 4-Wochengruppe drei Patientinnen eine Osteonekrose entwickelten.

Wie auch in der ZOOM-Studie wurde in der OPTIMZE-2-Studie [1382] ebenfalls das Zoledronsäure-Dosisintervall im Nicht-Unterlegenheits-Design untersucht (12 Wochen vs. 4 Wochen Zoledronsäure (ZA) bei Patientinnen, die im Vorfeld monatlich eine i.v. Bisphosphonattherapie über ein Jahr oder länger erhielten). 403 Brustkrebspatientinnen mit Knochenmetastasen wurden in einem 1:1 Verhältnis in die Gruppe (n = 200) mit 4 mg Zoledronsäure alle 4 Wochen und in die andere Gruppe (n = 203) mit ZA alle 12 Wochen eingeteilt. Die Ergebnisse zeigten, dass die SREs zwischen vierwöchiger (22 %) und zwölfwöchiger ZA-Gabe (23,2 %) nahezu identisch waren. Die Differenz zwischen den SREs betrug damit 1,2 % (95 % KI: -7,5 % - 9,8 %; p = 0,724). Die Inzidenz der therapiebedingten „adverse events“ (TEAEs) war ähnlich in beiden Gruppen. 

In der dritten Studie (Alliance) [1379] mit 1.822 Patient*innen (Pat. mit Mammakarzinom n = 833, Prostatakarzinom n = 674, Myelom n = 270, andere n = 40) wurde ebenfalls überprüft, ob die Gabe von Zoledronsäure alle 12 Wochen ausreichend ist, um das Auftreten von SREs gleichermaßen zu verhindern. Als primärer Studienendpunkt wurde die Anzahl an Patient*innen erfasst, die mindestens ein SRE (Strahlentherapie oder Operation des Knochens, Frakturen, Kompression des Rückenmarks) innerhalb von zwei Jahren erlitten. Der Anteil an Patient*innen, die während des Studienzeitraums ≥ 1 SRE erlitten, war in beiden Gruppen nahezu identisch: 29 % der Patient*innen, die Zoledronsäure monatlich erhielten (260/911) und 28 % der Patient*innen mit einem dreimonatigen Applikationszyklus (95 % KI: -3,35 - 5,1 %, p = 0,79). Des Weiteren konnten innerhalb der Gruppen keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Tumorart, Schmerz-Scores, Performance-Status, Osteonekrosen des Kiefers oder Zeit bis zum Auftreten eines SREs festgestellt werden. 

Clemons et al. 2021 untersuchten bei Patient*innen mit Mammakarzinom (n = 160) und Prostatakarzinom (n = 133) sowie Knochenmetastasen unter und mit Beginn einer antiresorptiven Therapie (Zoledronat n = 63, Pamidronat n = 52 oder Denosumab n = 148) vergleichend die Gabe alle vier versus alle 12 Wochen. Auch hier war die 12-wöchentliche Gabe der 4 – wöchentlichen nicht unterlegen, auch in der hier als primären Endpunkt gewählten gesundheitsbezogenen Lebensqualität (health related quality of life, HRQoL) [1385].

10.2.3.2 RANK-Ligand-Antikörper Denosumab

In der unten stehenden Tabelle sind Dosierung, häufige Nebenwirkungen und Zulassung von Denosumab aufgeführt.

Tabelle 75: Denosumab: Dosierung, häufige Nebenwirkungen und Zulassung

Denosumab
Indikation

Prävention von SRE bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen und Knochenbefall
Riesenzelltumore des Knochens

Dosierung

Dosierung zur Prävention von SRE bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen und Knochenbefall:

120 mg s.c./alle 4 Wochen in Kombination mit täglich 500 mg Calcium p.o. und 400 IE Vitamin D p.o.

abweichende Dosierung bei Riesenzelltumoren des Knochens

häufige Nebenwirkungen gastrointestinale Beschwerden, insbesondere Diarrhoe, Hypokalzämie, Hypophosphatämie, Hyperhidrose, Kiefernekrosen, Dyspnoe, muskuloskelettale Schmerzen, neues primäres Malignom
Dosisanpassung bei Nephrotoxizität nicht erforderlich

10.2.3.2.1 Applikationsintervall Denosumab
10.11 · Evidenzbasiertes Statement · neu 2025

Aufgrund fehlender Daten ist eine Empfehlung für oder gegen die Erweiterung des Applikationsintervalls von Denosumab nach 1- jähriger Gabe nicht möglich.

Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1351] [1386] [1385]
Evidenztabellen (2)Fizazi_2009; Lipton_2008

Hierzu liegen im Gegensatz zu den Bisphosphonaten weniger Studien vor, aus den bisherigen Daten kann noch keine belastbare Aussage bezüglich einer möglichen Verlängerung des Dosierungsintervalls getroffen werden [1351][1386]. In einem systematischen Review, das verschiedene Dosierungsintervalle bei osteoprotektiver Therapie metaanalysierte, gingen 160 Patientinnen aus o.g. Studien mit Denosumab Therapie ein [1383]. Ein separates Pooling dieser beiden Studien in Hinblick auf „on study SRE“ erfolgte nicht, sondern nur zusammen mit Bisphosphonat-Dosiseskalationsstudien. Dazu kommen noch 160 Patient*innen mit Denosumab in der oben beschriebenen Studie von Clemons et al. 2021 [1385].

Leider stehen die Ergebnisse der REDUSE-Studie nach wie vor aus: in dieser Nicht-Unterlegenheitsstudie werden geplant 1.380 Patient*innen untersucht (Prevention of symptomatic skeletal events with denosumab administered every 4 weeks versus every 12 weeks: A noninferiority phase III trial) [1387]. Die Ergebnisse werden für 2026 erwartet und helfen hoffentlich dabei, eine belastbare evidenzbasierte Empfehlung zu formulieren.

10.2.3.2.2 Absetzen von Denosumab

Da es etwa zwei Jahren nach dem Absetzen von Denosumab zu einem „Rebound-Phänomen“ mit einer Steigerung der Rate multipler Wirbelkörperfrakturen kommt kommen kann, empfiehlt die DVO-Leitlinie [1388] nach dem Absetzen von Denosumab nach Erreichen des Therapieziels die Gabe von Zoledronat über 1 - 2 Jahre.

Das Absetzen von Denosumab führt zu einem „Rebound-Phänomen“ mit einer Steigerung der Rate multipler Wirbelkörperfrakturen nach etwa zwei Jahren [1389][1390][1391][1392]. Hintergrund ist eine Abnahme der Knochendichte aufgrund eines gesteigerten Knochenabbaus [1393]. Die Ursache liegt im Wirkmechanismus von Denosumab. Anders als Bisphosphonate wird Denosumab nicht in die Knochenoberfläche eingelagert, sondern hemmt u. a. die Ausreifung von Osteoklastenvorläufern. Nach Absetzen klingt dieser Effekt rasch ab und es entwickelt sich eine Phase der Knochenrekonstruktion (bone remodeling).

Die Steigerung der Rate multipler vertebraler Frakturen wurde zuerst beim Einsatz von Denosumab in der Indikation „Osteoporose“ gemacht. Inzwischen gibt es die ersten Hinweise, dass das Rebound-Phänomen auch bei Brustkrebspatientinnen unter Aromatasehemmer-Therapie auftritt [1394].

Derzeit wird eine Diskussion darüber geführt, wie dieser Rebound-Effekt und nachfolgende, klinische Symptome vermieden werden können. Voraussetzung ist, dass die Indikation zum Einsatz von Denosumab aufgrund der erreichten Verbesserung der Knochendichte und -struktur nicht mehr besteht. Publikationen zeigen die Möglichkeit des Erhalts der Knochendichte durch die Verabreichung von Zoledronsäure bei Patientinnen, nach beendeter Denosumab-Behandlung. Daten zur Frakturvermeidung liegen allerdings noch nicht vor [1395][1396][1397]. Ebenso ist unklar, wie lange eine solche Zusatzbehandlung durchgeführt werden soll. Eine pragmatische Empfehlung ist die Verabreichung eines Bisphosphonats über einen Zeitraum von 1 – 2 Jahren unter Kontrolle der Marker des Knochenstoffwechsels [1398][1399].

10.2.4 Prophylaxe der Antiresorptiva-assoziierten Kieferosteonekrose

10.12 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Zur Prävention von Kieferosteonekrosen sollen vor der Gabe von Bisphosphonaten oder Denosumab

  • eine zahnärztliche Untersuchung und die ggf. erforderliche zahnärztliche Sanierung sowie
  • eine Unterweisung und Motivation der Patient*innen zu überdurchschnittlicher (sorgfältig und regelmäßig) Mundhygiene stattfinden, 

sowie im Verlauf 

  • regelmäßige risikoadaptierte zahnärztliche Untersuchungen erfolgen.

 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1400] [1401] [1402] [1403]
Evidenztabellen (1)Ripamonti_2009

Die Häufigkeitsrate der Antiresorptiva-assoziierten Osteonekrose des Kiefers ist abhängig von der Grunderkrankung, dem zur Anwendung kommenden Wirkstoff, der Applikationsform, -dauer und –frequenz sowie von den zusätzlich verabreichten Medikamenten. Ein hohes Risiko besitzen Patient*innen mit maligner Grunderkrankung und intravenöser Verabreichung eines hochpotenten, stickstoffhaltigen Bisphosphonats, das hochfrequent und über einen längeren Zeitraum verabreicht wurde. Andere Einflussfaktoren sind weitere, die Wundheilung kompromittierende Erkrankungen bzw. medikamentöse Therapien. Für Patient*innen mit Malignomen werden daher Prävalenzen für die Osteonekrose von 1 - 19 % beschrieben [1404][1405][1406][1407].

Die Lebensqualität (QoL) wird durch eine Osteonekrose auf Basis von Minderung der Kaufunktion, Schmerzen, Sensibilitäts- und Schluckstörung, die letztendlich das QoL-Merkmal "Essen in Gesellschaft" verschlechtern, deutlich reduziert und ist vergleichbar bzw. schlechter als für Patient*innen mit Plattenepithelkarzinomen der Mundhöhle [1408].

Die Nekroseentstehung wird meist durch Entzündungen in der Mundhöhle getriggert wie Zähne mit geschädigtem Zahnhalteapparat (Parodontitis), Prothesendruckstellen als Keimeintrittspforten und Zahnextraktionen ohne Sicherheitskautelen. Eine präventive Vorstellung bei der Zahnärztin bzw. dem Zahnarzt mit entsprechender zahnärztlicher Therapie wirkt dem entgegen und reduziertn die Rate an Neuerkrankungen deutlich.

Ziel der zahnärztlichen Anbindung ist eine Prophylaxe vor und eine Prävention unter bzw. nach Bisphosphonattherapie sowie die Früherkennung von Osteonekrosen der Kiefer [1401][1403]. Aus diesem Grund ist eine Absprache zwischen Bisphosphonatverordnung und der Zahnärztin bzw. dem Zahnarzt sehr zu empfehlen. Als Kommunikationsbasis kann der Laufzettel „Überweisung/ Konsil vor antiresorptiver Therapie des Knochens (Bisphosphonate, Denosumab)“ der AGSMO herangezogen werden (www.agsmo.de).

Für weitere Informationen, insbesondere zu Therapieoptionen, sei auf die S3-Leitlinie Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrosen oder die internationalen Leitlinien der MASCC/ISOO/ASCO verwiesen [1404][1409].

10.3 Chirurgische Intervention

10.3.1 Indikation zur chirurgischen Therapie ossärer Manifestationen

10.3.1.1 Bioptische Sicherung

10.13 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Eine bioptische Sicherung bei Verdacht auf ossäre Manifestationen soll bei Therapiekonsequenz durchgeführt werden, wenn radiologische und/ oder klinische Befunde nicht in Einklang mit der Diagnose einer Knochenmetastase zu bringen sind.

 

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisEine bioptische Sicherung bei V.a. ossäre Manifestationen soll bei Therapiekonsequenz durchgeführt werden wenn: Radiologische und/ oder klinische Befunde nicht in Einklang mit der Diagnose einer Knochenmetastase zu bringen sind (Differentialdiagnosen sind zu bedenken)

In Fällen, in denen klinisch und radiologisch nicht eindeutig zu klären ist, ob es sich um eine Knochenmetastase oder eine andere Entität handeln könnte (z.B. Lymphom, Sarkom), oder auch wenn es notwendig ist, die Biologie der Metastasen spezifischer zu charakterisieren, besteht die Indikation zu einer Biopsie. Diese kann minimalinvasiv (Stanze/ Feinnadel) oder mittels Inzisionsbiopsie erfolgen. Die Durchführung der Biopsie muss immer gemäß der Regularien aus der Sarkomchirurgie erfolgen [1410]. Letztlich muss insbesondere vermieden werden, dass bei einer singulären Osteolyse eine chirurgische (intraläsionale) Therapie erfolgt, ohne ein Sarkom ausgeschlossen zu haben. Auch bei Patient*innen mit einem bekannten Primärtumor kann durchaus ein Zweittumor z.B. in Form eines Sarkoms oder eines Lymphoms vorliegen.

Benigne Knochentumoren (z.B. das Enchondrom), tumor-like lesions (z.B. die Fibröse Dysplasie) oder Knocheninfarkte stellen keine seltenen Zufallsbefunde in der Ausbreitungsdiagnostik (z.B. Skelettszintigraphie oder CT-Untersuchungen) bei Tumorpatient*innen dar. Eine fälschliche Einordnung dieser Befunde als Knochenmetastase kann für die einzelne Patientin bzw. den einzelnen Patienten gravierende therapeutische Konsequenzen nach sich ziehen. Die Mehrzahl der oben genannten benignen Läsionen können radiologisch eindeutig hinsichtlich Entität und Dignität klassifiziert werden und bedürfen nur in Ausnahmefällen einer bioptischen Sicherung. Im Zweifel empfiehlt sich eine Vorstellung der Patientin bzw. des Patienten in einem auf die Behandlung von Knochentumoren spezialisierten Zentrums.

10.3.1.2 Operative Therapie von ossären Manifestationen

10.14 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2025

Indikationen zur chirurgischen Therapie von ossären Manifestationen können sein:

  • Myelonkompression mit neurologischen Symptomen, 
  • pathologische Fraktur,
  • drohende Fraktur (Frakturrisiko z.B. über Mirel-Score, Spinal Instability Neoplastic Scale (SINS)),
  • solitäre Spätmetastase,
  • Osteolysen mit Progress nach Strahlentherapie,
  • therapieresistente Schmerzen.

 

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisIndikationen zur chirurgischen Therapie von ossären Manifestationen können sein: Myelonkompression mit neurologischen Symptomen, Pathologische Fraktur, Drohende Fraktur (Frakturrisiko z.B. über Mirel Score, Spinal Instability Neoplastic Scale (SINS)) , Solitäre Spätmetastase, Strahlenresistente Osteolysen, Therapieresistente Schmerzen.

Im Falle des Vorliegens ossärer Metastasen ist bei vielen Tumorerkrankungen von einem generalisierten Krankheitsgeschehen auszugehen, sodass ein kuratives Vorgehen meist nicht möglich erscheint. Bei solitären (Spät-) Metastasen oder Oligometastasen von Nierenzell-, Brust- und Schilddrüsenkarzinomen wird diskutiert, ob durch eine R0-Resektion eine kurative Therapie möglich ist (siehe unten) [1411].

Bei palliativem Therapiecharakter stehen in Abhängigkeit von der Entität und dem Krankheitsstadium konservative Maßnahmen wie Strahlen-, Radionuklid-, und medikamentöse Tumortherapien im Vordergrund des Behandlungskonzeptes [1412]. Eine operative Therapie intendiert bei Patient*innen mit Skelettmetastasen zumeist eine Verbesserung der Lebensqualität durch eine Wiederherstellung bzw. den Erhalt der Mobilität (z.B. operative Stabilisierung einer (drohenden) pathologischen Fraktur) und durch Schmerzreduktion.

Die bereits eingetretene pathologische Fraktur stellt im Bereich der Extremitäten die wesentliche Indikation für eine chirurgische Therapie dar. Bei einer pathologischen Fraktur der unteren Extremitäten besteht bei mobilen, nicht präfinalen Patient*innen eine Indikation zur operativen Therapie.

Einschätzung des Frakturrisikos 

Bei drohenden Frakturen der Extremitäten kann die Frakturgefahr mithilfe des Mirels-Scores abgeschätzt werden [1413]. Dieser Score berücksichtigt neben der Lokalisation der Metastase, den Schmerz, die Tumormatrix (osteolytisch versus osteoplastisch oder gemischt) und die Größe der Manifestation. So besteht z.B. ab neun Punkten eine 33 %ige Frakturwahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten sechs Monate (Tabelle Mirels Score zur Einschätzung des Frakturrisikos bei Extremitäten- Läsionen). Auch wenn zwischenzeitlich diverse Scoringsysteme, z.B. unter Beihilfe genauerer CT-Messwerte entwickelt wurden, können diese nur als Orientierungshilfe in der Indikationsstellung dienen [1412][1414][1415]. Die Entscheidung für oder gegen eine prophylaktische Stabilisierung ist individuell zu treffen. Zu vermeiden ist eine langfristige Immobilisierung der Patientin bzw. des Patienten bei ausgeprägter Frakturgefahr, wenn durch eine Stabilisierung eine zügige Wiederherstellung der Mobilität und Verbesserung der Lebensqualität zu erzielen wäre.

Tabelle 76: Mirels-Score zur Einschätzung des Frakturrisikos bei Extremitäten - Läsionen

Faktor  1 2  3 
Lokalisation obere Extremität untere Extremität peritrochantär
Schmerz gering mäßig belastungsabhängig
Läsion osteoplastisch gemischt osteolytisch
Größe  < 1/3 der kortikalen Zirkumferenz 1/3 - 2/3 der kortikalen Zirkumferenz > 2/3 der kortikalen Zirkumferenz

Das Pendant zum Mirels-Score stellt für Wirbelsäulenmetastasen die Spinal Instability Neoplastic Scale (SINS) dar, welche anhand einer CT-Bildgebung erfasst werden kann [1416]. Auch dieser Score beurteilt die Instabilität der Wirbelsäule anhand eines Punktesystems. Neben der Frage, ob es sich um eine osteolytische, gemischt lytisch/ plastisch oder osteoplastische Metastase handelt, fragt er detailliert die Lokalisation der Metastase in der Wirbelsäule und im Wirbelkörper, die Schmerzintensität und das spinale Alignement (normal/ Subluxation/ Translation/ de-novo Deformität) ab (Tabelle Spinal Instability Neoplastic Scale (SINS) zur Einschätzung des Frakturrisikos bei Wirbelsäulenmetastasen). Ein möglicherweise schon eingetretener Wirbeleinbruch (nicht vorhanden/ unter oder über 50 %) und eine Beteiligung der Wirbelkörperhinterkante (uni- oder bilateral) werden dokumentiert. Die Wirbelsäule gilt als stabil zwischen 0 - 6 Punkten, fraglich stabil zwischen 7 - 12 und sicher instabil zwischen 13 - 18 Punkten.

Tabelle 77: Spinal Instability Neoplastic Scale (SINS) zur Einschätzung des Frakturrisikos bei Wirbelsäulenmetastasen

SINS Klassifikation

Score

Lage

junktional (Hinterkopf- C2, C5–C7, T11-L1, L5-S1)

3

mobiler Rücken (C3-C6, L2-L4)

2

halbsteif (T3-T10)

1

steif (S2-S5)

0

Schmerz1

ja

3

vereinzelt Schmerzen, aber nicht mechanisch

1

schmerzfreie Läsionen

0

Knochenläsionen

lytisch

2

gemischt (lytisch/plastisch)

1

plastisch

0

radiographische spinale Ausrichtung

Subluxation/ Translation eingestellt

4

de-novo Deformation (Kyphose/ Skoliose)

2

normale Ausrichtung

0

Wirbelkörpereinbruch

> 50 % Zerfall

3

< 50 % Zerfall

2

kein Zerfall von > 50 % des Körpers involviert

1

keine der bereits oben genannten

0

posterolateraler Einfluss auf spinale Elemente²

bilateral

3

unilateral

1

weder noch

0

1Schmerzverbesserung im Ruhezustand und/ oder Schmerz im Bewegungszustand/ bei Rotation

2Frakturen des Wirbelkörpers, der Gelenkfortsätze oder kostovertebralen Gelenken oder Ersatz mit Tumor

nach Fisher et al.2010 [1416]

 

Einschätzung der Prognose

Die individuelle Einschätzung der Prognose einer Patientin oder eines Patienten mit einer Knochenmetastasierung ist trotz verschiedener Scoresysteme weiterhin als schwierig zu bezeichnen. Während für Metastasen der langen Röhrenknochen Scoresysteme nur selten zur Anwendung kommen, wie beispielsweise ein Tool der Scandinavian Sarcoma Group [1417], so sind u.a. die von Tokuhashi et al. [1418] sowie Tomita et al. [1419] entwickelten Scoresysteme zur Beurteilung der präoperativen Evaluation der Prognose bei Metastasen der Wirbelsäule schon häufig im klinischen Einsatz. Anhand dieser Scores wird je nach erreichter Punktzahl eine konservative oder operative Therapieempfehlung ausgesprochen. Es bleibt aber immer kritisch anzumerken, dass die Scores anhand retrospektiver Daten mit kleinen Fallzahlen entwickelt wurden. Dennoch können sie Anhaltspunkte für oder gegen eine chirurgische Therapie bieten [1415]. 

Zwar sollte das Ausmaß der operativen Maßnahme von der 3-S-Regel geprägt sein: „save, short & simple“, d. h., dass in den meisten Fällen einem kurzen, sicheren und einfachen Verfahren der Vorzug zu geben ist [1412]. Zu betonen ist in diesem Zusammenhang aber insbesondere die „sichere“ chirurgische Therapie. Das oberste Ziel muss es sein, bei Patient*innen Revisionsoperationen z.B. durch Materialversagen oder Tumorrezidiv zu vermeiden. Das Risiko für eine solche Komplikation stellt neben dem gewählten Operationsverfahren an sich insbesondere die fehlerhafte Einschätzung der Prognose der Patientin oder des Patienten dar. Je länger eine Patientin oder ein Patient mit Knochenmetastasen überlebt, desto höher ist das Risiko für o.g. Komplikationen. Gerade bei Patient*innen mit guter Prognose, aber strahlenresistenten Osteolysen sollten auch resezierende Verfahren angedacht werden, um mittelfristige Probleme wie ein Implantatversagen zu vermeiden [1412].

10.3.2 Operationsverfahren

10.3.2.1 Operationsverfahren an den Extremitäten

10.15 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei der Wahl des geeigneten Operationsverfahrens bei ossären Manifestationen im Bereich der Extremitäten sollte neben der Entität und Strahlensensibilität des Tumors, die Prognose der Patientin bzw. des Patienten berücksichtigt werden.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei der Wahl des geeigneten Operationsverfahrens bei ossären Manifestationen im Bereich der Extremitäten ist neben der Entität und Strahlensensibilität des Tumors, die Prognose des Patienten zu berücksichtigen.

Bei der Wahl des Operationsverfahrens gilt, dass neben der Entität und Strahlensensibilität des Tumors, die Prognose der Patientin bzw. des Patienten Berücksichtigung findet.

Eine weite Tumorresektion (R0-Resektion) und zumeist Implantation einer Tumorprothese ist bei Patient*innen zu bevorzugen, welche eine gute Prognose aufweisen (insbesondere singuläre Spätmetastasen bei Mamma- und Nierenkarzinom). Auch singuläre Schilddrüsenkarzinommetastasen, welche nicht mittels konservativer Therapiemaßnahmen zu kontrollieren sind, können eine Indikation zu einer R0-Resektion darstellen. Neben der Prognoseverbesserung, die die Patient*innen hierdurch erfahren, ist mit diesem Vorgehen auch am ehesten sichergestellt, dass es auch nach Jahren zu keinem lokalen Tumorprogress kommen wird.

Ratasvuori et al. (2014) konnten anhand der Daten des Knochenmetastasenregisters der Scandinavian Sarcoma Group zeigen, dass bei Patient*innen mit einer solitären Metastase eines Nierenzellkarzinoms eine R0-Resektion im Gegensatz zu einer intraläsionalen Resektion mit einem 4-fach längeren Gesamtüberleben assoziiert war [1420].

Bei Vorliegen einer deutlich eingeschränkten Lebenserwartung wird eher eine intraläsionale Resektion erfolgen und nach Möglichkeit auf die Implantation einer Tumorendoprothese verzichtet werden. Eine Ausnahme können Nierenkarzinommetastasen aufgrund ihrer relativen Strahlenresistenz darstellen. Des Weiteren kann die Implantation einer Tumorprothese trotz intraläsionalem Vorgehen bei einem ausgedehnten Knochensubstanzverlust notwendig werden, bei dem auch eine konventionelle Endoprothese nicht mehr ausreicht.

Die Wahl des geeigneten Osteosyntheseverfahrens hängt neben der Prognose der Patient*innen von einer Reihe anderer Faktoren ab, wie zum Beispiel der Lokalisation der Fraktur, dem Knochensubstanzverlust und der Strahlensensibilität des Tumors. Prinzipiell kommen die Platten- und tendenziell häufiger die Marknagelosteosynthese zum Einsatz. Bei der Wahl des Operationsverfahrens ist zu berücksichtigen, dass der tumorkontaminierte Knochen häufig keine Frakturheilung zeigt [1421]. So ermittelten Gainor und Buchert, dass nach einer pathologischen Fraktur in 50 % der Fälle keine Frakturheilung mehr eintritt [1422]. Daher ist bei der Wahl der Operationsmethode zu bedenken, dass die Osteosynthese für den Rest des Lebens die komplette Lastübertragung der betroffenen Extremität übernehmen muss. Aufgrund der fehlenden Knochenheilung erfolgt daher in der Regel nach der Kürettage des Tumors eine Verbundosteosynthese mittels Knochenzement. Die exotherme Polymerisation des Knochenzementes übt einen zusätzlichen tumortoxischen Effekt aus. 

Bei gelenknahen Frakturen wird in der Regel die Implantation einer zementierten Endoprothese durchgeführt, wenn eine sichere Fixation der Osteosynthese zum Gelenk hin nicht mehr möglich ist [1423]. Bei fehlendem Nachweis einer Arthrose der Hüftpfanne kommt eine Hemiarthroplastik zur Anwendung. Bei Vorliegen von ausgeprägten arthrotischen Veränderungen oder einer simultanen Osteolyse des Acetabulums erfolgt die simultane Implantation einer Hüftpfanne (gegebenenfalls mit einer Pfannendachplastik bei einer Osteolyse des Acetabulums).

10.3.2.2 Therapieverfahren an der Wirbelsäule

Die Wahl des geeigneten Therapie- oder Operationsverfahrens richtet sich zuallererst nach der Indikation für den operativen Eingriff. Die Therapieentscheidung kann nur individuell für jede Patientin bzw. jeden Patienten anhand der klinischen Gesamtkonstellation unter besonderer Berücksichtigung der Prognose der Patientin bzw. des Patienten getroffen werden.

10.3.2.2.1 Stabile Wirbelkörpermetastasen oder -manifestationen ohne Myelonkompression
10.16 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei nicht stabilitätsbedrohenden ossären Manifestationen inklusive Wirbelkörpermanifestationen ohne Nachweis einer Myelonkompression sollte eine konservative Therapie (systemische Tumortherapie, Radionuklidtherapie, Bisphosphonat/ RANK-Ligand-Antikörper) oder lokale Bestrahlung einer operativen Therapie vorgezogen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
5
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei stabilen Wirbelkörpermetastasen oder Manifestationen ohne Nachweis einer Myelonkompression ist die konservative Therapie (systemische Tumortherapie, Radiotherapie, Radionuklidtherapie, Bisphosphonat/ RANK-Ligand-Antikörper) der operativen vorzuziehen.

Stabile Wirbelkörpermetastasen oder Manifestationen ohne Nachweis einer Myelonkompression werden, wenn möglich, konservativ (systemische Tumortherapie, Strahlentherapie, osteoprotektive Medikation) therapiert.

Siehe Kapitel 10.4.1 Indikation zur Strahlentherapie ossärer Manifestationen.

Gegebenenfalls kann zur Schmerzreduktion die Ruhigstellung in einer Rumpforthese erfolgen. Die Indikation für eine Orthesenbehandlung insbesondere im Bereich des thorakolumbalen Übergangs zur Verhinderung oder Stabilisierung einer bereits eingetretenen pathologischen Fraktur ist aufgrund des mechanisch nicht nachgewiesenen Effektes kritisch zu stellen.

Das oberste Ziel einer operativen Behandlung von Wirbelsäulenmetastasen oder Manifestationen besteht in der korsettfreien Mobilisation der Patientin bzw. des Patienten [1424][1425]. Zur Erreichung dieses Ziels muss die Operation eine weitestgehende Schmerzfreiheit ohne relevante neurologische Defizite gewährleisten. 

Eine R0-Resektion in Form einer en-bloc Spondylektomie wird bei Vorliegen einer solitären Knochenmetastase analog zu den Extremitäten angestrebt. Die Hauptindikation stellt in der Regel die solitäre Nieren- und Mammakarzinommetastase dar [1426]. Neben einer möglichen Verlängerung der Überlebenszeit der Patient*innen, besteht das wesentliche Ziel der Operation in der Verhinderung des Lokalrezidivs [1424].

10.3.2.2.2 Kompressionsfraktur (drohend bzw. eingetreten) mit therapierefraktären Schmerzen
10.17 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Chirurgische Maßnahmen wie eine perkutane Zementaugmentation oder eine Vertebro- oder Kyphoplastie können bei therapierefraktären Schmerzen mit drohender bzw. eingetretener Kompressionsfraktur eines oder mehrerer Wirbelkörper im Bereich der BWS und LWS ohne Einbruch des Tumors in den Spinalkanal eingesetzt werden, um eine zügige Schmerzreduktion zu erreichen.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1427] [1428] [1429] [1430]
ÄnderungshinweisBei therapierefraktären Schmerzen mit drohender bzw. eingetretener Kompressionsfraktur eines oder mehrerer Wirbelkörper im Bereich der BWS und LWS ohne Einbruch des Tumors in den Spinalkanal kann durch eine perkutane Zementaugmentation durch eine Vertebro- oder Kyphoplastie eine zügige Schmerzreduktion erreicht werden.
Evidenztabellen (2)Berenson 2011; Eck 2008

In einer multizentrischen, randomisierten klinischen Studie verglichen Berenson et al. (2011) Patient*innen mit einer tumorbedingten Kompressionsfraktur der Wirbelsäule (Befall von 1 - 3 Wirbelkörpern), die sich entweder einer Kyphoplastie (n = 70) oder einer konservativen Therapie (n = 64) unterzogen. Das Alter der Fraktur lag in beiden Gruppen zusammen geschätzt im Median bei 3,5 Monaten [1427]. 

Die Studie konnte zeigen, dass der Roland-Morris disability Score (RDQ) innerhalb eines Monats in der Kyphoplastie-Gruppe von durchschnittlich 17,6 auf 9,1 Punkte reduziert werden konnte (95 % KI: -6,4 - -10,2; p < 0,0001). Demgegenüber blieb der Punktwert in der Kontrollgruppe mit einer Reduktion von 18,2 auf 18,0 Punkte nahezu unverändert (95 % KI: -0,8 – 1,0; p = 0,83). Auch der SF-36 Score und die Schmerzen (backpain NRS) konnten in der Kyphoplastie-Gruppe signifikant reduziert werden. Der Schmerz war in der Kyphoplastie-Gruppe schon nach sieben Tagen signifikant gegenüber der Kontrollgruppe reduziert (p < 0,0001). Aufgrund des fehlenden Therapieerfolges in der Kontrollgruppe erfolgte bei 34 Patient*innen nach einem Monat eine Kyphoplastie mit einem ebenfalls ähnlichen Therapieerfolg. Der unmittelbar durch die Kyphoplastie einsetzende Therapieerfolg konnte auch noch 12 Monate postoperativ bestätigt werden.

Diese Daten wurden mittlerweile in weiteren prospektiven Studien bestätigt [1430][1429]. So beschreibt der EVOLVE-Trial bei 354 Patient*innen mit schmerzhafter vertebraler - Osteoporose- und/oder Metastasen-bedingter Kompressionsfraktur, einen deutlichen Rückgang der Schmerzsymptomatik (NRS von 8,7 auf 2,7; Oswestry Disability Index: ODI von 63,4 auf 27,1; Verbesserung des Short Form-36 Questionnaire Physical Component Summary SF-36 PCS von 24,2 auf 36,6).

Neben unabhängig von der Tumorerkrankung bestehenden substantiellen Komorbiditäten kann eine zu ausgedehnte knöcherne Destruktion des Wirbelkörpers und insbesondere eine Beteiligung der Hinterkante des Wirbelköpers in der CT-Bildgebung eine Kontraindikation für Vertebro- oder Kyphoplastie darstellen [1427]. Bei kleineren Arrosionen der Hinterkante muss individuell mit einem Wirbelsäulenchirurgen über das Risiko des Zementaustritts in den Spinalkanal diskutiert werden. Eck et al. ermittelten in einer Metaanalyse bei einem von einer Metastase infiltrierten Wirbelkörper den Nachweis eines Zementaustritts in 19,7 % der Fälle nach einer Vertebroplastie im Vergleich zu 7,0 % nach einer Kyphoplastie (p < 0,001) [1428]. Symptomatische Zementaustritte wurden allerdings nur in 1,6 % der Fälle nach Vertebro- und 0,3 % nach Kyphoplastie dokumentiert (p < 0,01). In der Studie von Berenson et al. traten keine symptomatischen Zementaustritte auf [1427].

10.3.3 Chirurgische Verfahren in Kombination mit Strahlentherapie

10.3.3.1 Instabile Wirbelkörpermetastasen/ - manifestation, Myelonkompression

10.18 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025
Bei Patient*innen mit einer akut aufgetretenen, funktionell relevanten kompressionsbedingten Rückenmarkschädigung bei gutem Allgemeinzustand und ausreichender Überlebensprognose soll zum frühestmöglichen Zeitpunkt innerhalb von 24 Stunden eine notfallmäßige Dekompression erfolgen, um bleibende neurologische Defizite zu minimieren.
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Patienten mit einer akut aufgetretenen, funktionell relevanten Rückenmarksschädigung (z.B. Beinparese, Blasen-Mastdarmstörung) in gutem Allgemeinzustand und ausreichender Überlebensprognose soll eine notfallmäßige Dekompression erfolgen, um bleibende neurologische Defizite zu minimieren. Siehe auch 10.3.3
10.19 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei der kombinierten Therapie (Chirurgie + Radiotherapie) soll zunächst der chirurgische Eingriff durchgeführt werden, gefolgt von der Radiotherapie.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1
Literatur
[1431]
ÄnderungshinweisDer chirurgischen Dekompression sollte sich eine postoperative fraktionierte Strahlentherapie anschließen. Siehe auch 10.3.3
Evidenztabellen (1)Patchell 2005

Bei Patient*innen mit einem akut aufgetretenen, funktionell relevanten Querschnitt steht die Indikation für eine notfallmäßige Dekompression, um neurologische Defizite zu verhindern oder zu reduzieren. Entscheidend sind der allgemeine Zustand und die OP-Fähigkeit der Patientin bzw. des Patienten, die Erkrankungssituation und deren Überlebensprognose.

Die 360°-Dekompression beinhaltet dabei ein sofortiges Tumordebulking um den gesamten Duraschlauch herum. In der Regel schließt sich an die Dekompression noch eine dorsale oder ventrale Stabilisierung - in Abhängigkeit der Lokalisation der Metastase und der Destruktion des Wirbelkörpers - an. So kann ein Wirbelkörperersatz bei einer ausgedehnten Destruktion des Wirbelkörpers notwendig werden, da die alleinige dorsale Instrumentation mit Pedikelschrauben in der prognostizierten verbleibenden Lebenszeit mit hoher Wahrscheinlichkeit mechanisch versagen würde.

Entscheidend für das neurologische Outcome ist eine frühestmögliche Intervention, anzustreben innerhalb von 24 Stunden. Voraussetzung dafür sind zügige Absprachen im interdisziplinären Behandlungsteam.

In der Benchmark Studie von Patchell et al. (2005) wurden Patient*Innen mit einer im MRT nachgewiesenen Myelonkompression aufgrund einer oder mehrerer Wirbelsäulenmetastasen und zumindest einem neurologischen Symptom, inklusive Schmerzen, randomisiert prospektiv verglichen [1431]. 51 Patient*innen wurden einer Strahlentherapie von insgesamt 30 Gy (30 Gy/10 Fraktionen) und 50 Patient*innen einer operativen 360°-Dekompression mit 14 Tage postoperativ anschließender Strahlentherapie (30 Gy/10 Fraktionen) unterzogen. Die Operation erfolgte innerhalb von 24 Stunden nach der Randomisation, eine Spezifikation der Operation hinsichtlich des Zugangswegs, der Technik der Dekompression und eventueller zusätzlicher Instrumentierung der Wirbelsäule bestand nicht. Die Einschlusskriterien waren eine geschätzte Überlebenszeit von > 3 Monaten, eine Kompression des Rückenmarks auf einer Ebene, vollständige Querschnittslähmung < 48 Stunden und keine vorherige Bestrahlung des Zielgebiets.

Den primären Endpunkt der Studie - die Gehfähigkeit, definiert als Möglichkeit zumindest vier Schritte ohne Hilfe zu absolvieren - erreichten 84 % der Patient*innen aus der Kombinations-Gruppe Chirurgie gefolgt von Bestrahlung (42/50) und nur 57 % aus der Gruppe mit alleiniger Strahlentherapie (29/51) (OR 6,2; 95 % KI: 2,0 – 19,8; p = 0,001). Zudem zeigten sich statistische Vorteile in der Länge der Gehfähigkeit (median 122 Tage vs. 13 Tage, p = 0,003). Bei Betrachtung der 32 Patient*innen mit einer vor der jeweiligen Intervention nicht mehr bestehenden Gehfähigkeit zeigte sich, dass 62 % (10/16) in der Chirurgie+ Strahlentherapie-Gruppe und nur 19 % (3/16) in der Strahlentherapie-Gruppe eine (partielle) Gehfähigkeit wiedererlangten (p = 0,01). Die Aufrechterhaltung der Kontinenz und die Schmerzreduktion waren ebenso besser. Patient*innen aus der kombinierten Gruppe wiesen eine geringere 30-Tages Mortalität gegenüber der Strahlentherapie-Gruppe auf (6 % vs. 14 %, p = 0,32) und auch der Krankenhausaufenthalt war durch die Operation nicht verlängert.

Eine spätere Matched-Pair-Analyse für ein größeres Patient*innenkollektiv (n = 324) konnte die Vorteile für eine Kombination Chirurgie + Strahlentherapie gegenüber alleiniger Strahlentherapie (unterschiedliche Schemata, überwiegend 10 x 3 Gy, 15 x 2,5 Gy, 20 x 2 Gy) nicht nachvollziehen [1432]. Eine Gehfähigkeit nach Therapie wurde in 69 % nach Kombinationsbehandlung und in 68 % nach alleiniger Strahlentherapie erreicht (p = 0,99). Nach sechs Monaten betrug die lokale Kontrolle 96 % bzw. 98 % (p = 0,48), das Gesamtüberleben 59 % bzw. 57 % (p = 0,50). In keiner Subgruppe (Dekompression mit Stabilisierung, alleinige Laminektomie, solider Primärtumor, solider Primärtumor mit Dekompression und Stabilisierung, solider Tumor mit Laminektomie) fand sich ein signifikanter Vorteil der Kombinationsbehandlung.

George et al. stellten in einem Cochrane-Review von 2015 [1433] bezüglich der Fragestellung Chirurgie + Radiotherapie versus Radiotherapie bei Myelonkompression zusätzlich eine sehr kleine Studie mit 29 Teilnehmer*innen und methodisch geringer Qualität vor, hier erbrachte die Laminektomie plus Bestrahlung keinen Vorteil gegenüber der Bestrahlung alleine. Die Einbeziehung der Daten von Patchell [1431] führten in der Diskussion und Bewertung dennoch zu einem Vorteil der chirurgischen Dekompression in Kombination mit Strahlentherapie für ein mit Bedacht ausgewähltes Patient*innenenkollektiv. 

Bei Patient*innen mit längerer Überlebensprognose liegt somit die höchste Evidenz für eine Kombination aus operativer Dekompression mit anschließender Strahlentherapie (Standarddosierung 10 x 3 Gy) vor.

Für Patient*innen mit besonders schlechter Prognose ist eine alleinige Strahlentherapie mit einem verkürzten Schema (5 x 4 Gy oder 1 x 8 Gy) bedenkenswert.

Bezüglich Dosierungs- und Fraktionierungsschemata sowie alleinger Strahlentherapie siehe Kapitel 10.4 Strahlentherapeutische Intervention.

10.3.3.2 Intraläsionale operative Eingriffe und Strahlentherapie

10.20 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Nach intraläsional und marginal durchgeführtem operativem Verfahren an ossären Manifestation sollte eine postoperative Strahlentherapie erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisNach intraläsional und marginal durchgeführtem operativem Verfahren an ossären Manifestation sollte eine lokale Bestrahlung erfolgen.
Das lokale Fortschreiten der Erkrankung zu verringern und damit das Risiko einer Prothesenverschiebung und Notwendigkeit einer Re-Operation zu reduzieren sind Gründe für eine lokale Bestrahlung nach jedem intraläsional und marginal durchgeführtem Verfahren [1412][1434]. Über die Frage des Beginns der adjuvanten Strahlentherapie existieren keine prospektiv-randomisierten Studien, sodass nur allgemeine Empfehlungen abgegeben werden können [1435]. Nach Abschluss der Wundheilung - in der Regel nicht vor Abschluss der ersten oder zweiten postoperativen Woche - ist der Beginn der Strahlentherapie möglich [1435]. Nach R0-Resektion einer Knochenmetastase ist die Notwendigkeit einer adjuvanten Strahlentherapie nicht belegt.
Bei einer schon präoperativ applizierten Strahlentherapie muss sowohl an den Extremitäten als auch an der Wirbelsäule eine erhöhte Rate an Wundheilungsstörungen in Kauf genommen werden. Eine präoperative Bestrahlung ist daher zu vermeiden [1436].

10.4 Strahlentherapeutische Intervention

10.4.1 Indikation zur Strahlentherapie ossärer Manifestationen

10.21 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2025

Indikationen zur lokalen perkutanen Strahlentherapie bei Knochenmetastasen können sein:

  • lokale Schmerzsymptomatik,
  • Bewegungseinschränkung,
  • Stabilitätsminderung (Frakturgefahr),
  • Zustand nach operativer Stabilisierung,
  • drohende oder bestehende neurologische Symptomatik (z. B. Rückenmarkkompression).
Konsens
Starker Konsens
10.22 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Die Indikationsstellung soll interdisziplinär, insbesondere zur Abklärung einer möglichen chirurgischen Intervention, erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisDie Indikation soll immer interdisziplinär, insbesondere in Abwägung einer potentiell chirurgischen Intervention, erfolgen.

Effektivität der Strahlentherapie von Skelettmetastasen: Die Wirksamkeit der palliativen Strahlentherapie von Skelettmetastasen wurde mehrfach in Metaanalysen randomisierter Studien mit Vergleich unterschiedlicher Bestrahlungsprotokolle betrachtet, so von Chow et al. unter Erfassung von 25 randomisierten Studien mit insgesamt 5.617 Patient*innen [1437]. Eingeschlossen wurden Studien zur Strahlentherapie sog. unkomplizierter Skelettmetastasen (Ausschluss von bereits vorliegender pathologischer Fraktur oder Rückenmarkkompression). Dabei wurden folgende Endpunkte betrachtet: Gesamtschmerzansprechen, komplettes Schmerzansprechen, Re-Bestrahlungsrate, Rückenmarkkompression im Verlauf, Rate pathologischer Frakturen und Akutnebenwirkungen. Das Schmerzansprechen war in den einzelnen randomisierten Studien unterschiedlich definiert, für die Metaanalyse wurde die jeweilige Definition übernommen. Die üblichste Definition gemäß eines internationalen Konsens zu Endpunkten in der palliativen Strahlentherapie von Skelettmetastasen aus 2002 [1438] lautet: komplettes Schmerzansprechen: Schmerz-Score von 0 an bestrahlter Stelle auf visueller Analogskala von 0 bis 10 ohne gleichzeitige Steigerung der vorbestehenden Schmerzmedikation; partielles Schmerzansprechen: Reduktion des Schmerz-Scores an bestrahlter Stelle um mindestens 2 (Skala 0 bis 10) ohne Steigerung der Schmerzmedikation oder Reduktion der Schmerzmedikation um mindestens 25 % bei konstanter Schmerzsymptomatik an bestrahlter Stelle.

Das Gesamtschmerzansprechen umfasst somit das komplette sowie das partielle Schmerzansprechen und wurde durch die Bestrahlung der Skelettmetastasen in 60 % der untersuchten Patient*innen erreicht (Einzeitbestrahlung 1.696 von 2.818, 60 %, fraktionierter Bestrahlung bei 1.711 von 2.799, 61 %). Zehn Studien berichteten die Rate pathologischer Frakturen, die 3,3 % (71 von 2.120 mit Einzeitbestrahlung) bzw. 3,0 % (65 von 2.159 mit fraktionierter Bestrahlung) betrug. Auch die geringe Anzahl von Rückenmarkkompressionen nach abgeschlossener Bestrahlung, 41 von 1.443 (2,8 % bei Einzeitbestrahlung) bzw. 28 von 1.443 (1,9 % bei fraktionierter Bestrahlung), berichtet in sechs Studien, zeigt die Wirksamkeit von Strahlentherapie in diesem Setting.

Die aktualisierte systematische Übersichtsarbeit zu dieser Fragestellung von Rich et al. (2018) [1439] bestätigt diese Ergebnisse: Schmerzreduktion durch Bestrahlung der Skelettmetastasen 61 % (1867/3059) bei den Patient*innen in der Einzeitbestrahlung und 62 % (1890/3040) für die Patient*innen mit fraktionierter Bestrahlung.

In Einzelfällen kann eine intensivierte Strahlentherapie einer oder weniger ossärer Metastasen in Kombination mit einer Systemtherapie zum Langzeitüberleben beitragen (solitäre Skelettmetastase, Oligometastasierung). Die Indikation hierzu ist u. a. abhängig von der Tumorentität und nicht Gegenstand dieser Leitlinie.

10.4.2 Rückenmarkschädigung, Kombination chirurgische und strahlentherapeutische Interaktion

10.23 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025
Bei Patient*innen mit einer akut aufgetretenen, funktionell relevanten kompressionsbedingten Rückenmarkschädigung bei gutem Allgemeinzustand und ausreichender Überlebensprognose soll zum frühestmöglichen Zeitpunkt innerhalb von 24 Stunden eine notfallmäßige Dekompression erfolgen, um bleibende neurologische Defizite zu minimieren.
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Patienten mit einer akut aufgetretenen, funktionell relevanten Rückenmarksschädigung (z.B. Beinparese, Blasen-Mastdarmstörung) in gutem Allgemeinzustand und ausreichender Überlebensprognose soll eine notfallmäßige Dekompression erfolgen, um bleibende neurologische Defizite zu minimieren. Siehe auch 10.3.3
10.24 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei der kombinierten Therapie (Chirurgie + Radiotherapie) soll zunächst der chirurgische Eingriff durchgeführt werden, gefolgt von der Radiotherapie.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
1
Literatur
[1431]
ÄnderungshinweisDer chirurgischen Dekompression sollte sich eine postoperative fraktionierte Strahlentherapie anschließen. Siehe auch 10.3.3
Evidenztabellen (1)Patchell 2005

10.4.3 Bestrahlungsschemata (Einzeit , fraktionierte Bestrahlung)

10.25 · Evidenzbasiertes Statement · modifiziert 2025

Zur Schmerztherapie bei unkomplizierten Knochenmetastasen (ohne bereits eingetretene Rückenmarkkompression oder Fraktur) erreicht eine Einzeitbestrahlung mit 1 x 8 Gy eine gleich gute Reduktion wie fraktionierte Bestrahlungsserien (5 x 4 Gy oder 10 x 3 Gy).

Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1437] [1439]
ÄnderungshinweisZur Schmerztherapie bei unkomplizierten Knochenmetastasen (ohne bereits eingetretene Rückenmarkskompression oder Fraktur) erreicht eine Einzeitbestrahlung mit 1 x 8 Gy eine gleich gute Reduktion wie fraktionierte Bestrahlungsserien (5 x 4 Gy oder 10 x 3 Gy). Nach fraktionierter Bestrahlung wird jedoch seltener eine Re-Bestrahlung im weiteren Verlauf erforderlich.
Evidenztabellen (1)Chow 2012
10.26 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Fraktionierte Bestrahlungskonzepte sollten bei Patient*innen mit günstiger Prognose bevorzugt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1437] [1440] [1439]
ÄnderungshinweisDie Gesamtprognose des Patienten sollte bei der Wahl des Bestrahlungsschemas für Knochenmetastasen berücksichtigt werden. Fraktionierte Bestrahlungskonzepte (z.B. 5 x 4 Gy oder 10 x 3 Gy) sollten bei Patienten mit günstigerer Prognose bevorzugt werden. Eine Rekalzifizierung einer osteolytischen Metastase ist frühestens ca. 3 Monate nach Strahlentherapie zu erwarten.
Evidenztabellen (1)Chow 2012

In der Metaanalyse von Chow et al. wurden 2.818 Patient*innen aus Therapiearmen mit Einzeitbestrahlung (ganz überwiegend 1 x 8 Gy, vereinzelt höhere Dosen) mit 2.799 Patient*innen aus Armen mit fraktionierter Bestrahlung (am häufigsten 10 x 3 Gy, 6 x 4 Gy und 5 x 4 Gy, in nur einer Studie 20 x 2 Gy) verglichen. Der Zeitpunkt der Auswertung des Schmerzansprechens lag in den meisten Studien zwischen vier Wochen und drei Monaten nach Ende der Radiotherapie. Ein Gesamtschmerzansprechen wurde nach Einzeitbestrahlung in 60 % der Fälle und nach fraktionierter Bestrahlung in 61 % der Fälle erreicht (gepoolte OR 0,98; 95 % KI: 0,95 - 1,02). Ein komplettes Schmerzansprechen wurde nach Einzeitbestrahlung in 23 % der Fälle und nach fraktionierter Bestrahlung in 24 % erreicht (OR 0,97; 95 % KI: 0,89 - 1,06). Nach erfolgter Einzeitbestrahlung wurde häufiger eine Re-Bestrahlung durchgeführt als nach fraktionierter Bestrahlung und zwar in 20 % vs. 8 % (p < 0,00001; OR 2,6; 95 % KI: 1,92 - 3,47). Die berichteten Raten im Verlauf aufgetretener pathologischer Frakturen waren mit beiden Strategien gleich (3,3 % nach Einzeit- und 3,0 % nach fraktionierter Bestrahlung, OR 1,10; 95 % KI: 0,65 - 1,86). Eine sekundäre Rückenmarkskompression wurde in 2,8 % nach Einzeitbestrahlung und 1,9 % nach fraktionierter Bestrahlung beobachtet (p = 0,13; OR 1,44; 95 % KI: 0,90 - 2,30). Bei Betrachtung nur von Patient*innen mit bestehender Wirbelkörpermetastasierung betrug das Risiko der Rückenmarkskompression 5,7 % (Einzeitbestrahlung) vs. 4,1 % (fraktioniert) (OR 1,40; 95 % KI: 0,73 - 2,67). Die Toxizitäten wurden nicht metaanalysiert, von den Autor*innen aber in Tabellenform dargestellt und als generell gleich zwischen beiden Strategien eingeschätzt [1437].

Auch hier werden die beschriebenen Daten im Update bestätigt: Rich et al. (2018) [1439] beschreiben keinen Unterschied im Ansprechen, es wurde kein signifikanter Unterschied im Risiko einer pathologischen Fraktur, in der Häufigkeit einer Rückenmarkkompression an der Indexstelle oder in akuten Toxizitäten festgestellt. Lediglich die Rate der Re-Bestrahlung war in der Gruppe mit nur einer Fraktion signifikant häufiger. 20 % erhielten eine zusätzliche Re-Bestrahlung nach Einzeitradiatio, gegenüber 8 % in der Gruppe mit mehreren Fraktionen (p < 0,01).

Zusammenfassend ist im Vergleich der Einzeitbestrahlung mit der fraktionierten Bestrahlung von Skelettmetastasen davon auszugehen, dass beide Ansätze äquivalent gute analgetische Effekte erzielen. Nach Einzeitbestrahlung tritt signifikant häufiger die Notwendigkeit einer Re-Bestrahlung auf, was - zusammen mit dem leicht aber nicht signifikant erhöhten Risiko einer sekundären Rückenmarkkompression - auf eine schlechtere lokale Tumorkontrolle im palliativ bestrahlten Skelettabschnitt hinweist. 

Die Rekalzifizierung und konsekutive Stabilisierung nach palliativer Strahlentherapie von Skelettmetastasen wurde in der Metaanalyse von Chow et al. nicht betrachtet. Einzelne randomisierte Studien zum Vergleich Einzeitbestrahlung vs. fraktionierte Bestrahlung betrachten aber diesen Endpunkt. So zeigte sich in einer deutschen randomisierten Studie nach Bestrahlung mit 10 x 3 Gy im Vergleich zur Einzeitbestrahlung mit 8 Gy in der CT-basierten Nachuntersuchung eine signifikant verbesserte Rekalzifizierung [1440]. Aus systematischen radiologischen Verlaufsbeobachtungen instabiler osteolytischer Metastasen ist bekannt, dass eine Stabilisierung erst in den ersten drei bis sechs Monaten nach Ende der Strahlentherapie zu erwarten ist 

Somit stellt die Einzeitbestrahlung bei Patient*innen mit sehr kurzer Überlebensprognose und dem primären Ziel der Schmerzkontrolle eine sinnvolle Option dar. Ein systematischer Review der Einzeitbestrahlungsarme randomisierter Studien kam zu dem Schluss, dass 8 Gy die optimale Dosis der Einzeitbestrahlung darstellt [1441]. Diese Daten wurden mittlerweile in weiteren Studien bestätigt, so im SCORAD Trial [1442]: Verglichen wurde randomisiert eine einmalige Strahlentherapie mit 8 Gy (n = 345) mit einer fraktionierten Strahlentherapie 5 x 4 Gy (n = 341) bei Patient*innen mit ossären Metastasen mit Kompression des Spinalkanals oder Cauda-equina-Syndrom und kurzer Überlebensprognose. Die Einzeitbestrahlung zeigte keinen Unterschied in Bezug auf den primären Endpunkt, den ambulanten Status in Woche 8 oder das Overall Survival.

In einer prospektiven, nicht randomisierten Studie an 265 Patient*innen zum Einsatz verschiedener Dosierungs- und Fraktionierungsschemata bei metastatischer Rückenmarkkompression ohne Operation zeigte sich, dass längere und höher dosierte Bestrahlungsschemata (10 x 3 Gy bis 20 x 2 Gy) im Vergleich zu kurzen Schemata (1 x 8 Gy oder 5 x 4 Gy) höhere Raten der langfristigen Lokalkontrolle erreichten (nach einem Jahr 81 % vs. 61 %, p = 0,005) erreichten, bei vergleichbarer Effektivität bezüglich der Verbesserung der motorischen Funktion (29 % vs. 28 %, p = 0,95) [1443].

Bei Patient*innen mit etwas besserer Prognose treten die mittelfristigen Ziele der Stabilisierung bzw. des Stabilitätserhalts und die Vermeidung von Komplikationen (Rückenmarkkompression, Fraktur) sowie Vermeidung einer nochmaligen Bestrahlung in den Vordergrund. Hier ist die fraktionierte Strahlentherapie (Standardschemata 10 x 3 Gy und 5 x 4 Gy) besser als die Einzeitbestrahlung.

10.4.4 Re-Bestrahlung von Knochenmetastasen nach Vorbestrahlung

10.27 · Evidenzbasiertes Statement · modifiziert 2025

Mit hochkonformalen Bestrahlungstechniken ist eine erneute palliative Bestrahlung von Skelettmetastasen nach Vorbestrahlung möglich.

Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1444]
ÄnderungshinweisMit modernen Bestrahlungstechniken kann in der Regel eine erneute palliative Bestrahlung von Skelettmetastasen nach Vorbestrahlung durchgeführt werden und erreicht in etwa der Hälfte der Fälle ein gutes Schmerzansprechen.
Evidenztabellen (1)Chow 2014

Eine Re-Bestrahlung von Skelettmetastasen nach Vorbestrahlung bei rezidivierender Schmerzsymptomatik ist möglich. Hierzu wurde 2014 eine randomisierte Studie publiziert [1444]. Dabei wurden 850 Patient*innen (jeweils ca. 25 % Prostata-, Lungen- und Mammakarzinom) mit weiterhin unkomplizierter Skelettmetastase (keine Fraktur, keine Rückenmarkkompression) eingeschlossen. Das Zeitintervall ab Erstbestrahlung musste mindestens vier Wochen betragen, Patient*innen durften an Rippen, Extremitäten oder dem Hüftgelenk mit typischen Dosiskonzepten von 1 x 8 Gy bis 10 x 3 Gy vorbehandelt sein, im Becken oder an der Wirbelsäule jedoch nur mit 1 x 8 Gy oder 5 x 4 Gy (nicht mit 10 x 3 Gy, im Hinblick auf potentielle Darm- oder Rückenmarktoxizität). Patient*innen wurden auf zwei verschiedene Konzepte der Re-Bestrahlung randomisiert: Einzeitbestrahlung mit 8 Gy oder fraktionierte Bestrahlung mit Gesamtdosis 20 Gy (Standard 5 x 4 Gy, bei Vorbestrahlung an Wirbelsäule oder Becken jedoch 8 x 2,5 Gy). Primärer Endpunkt war das Schmerzansprechen nach zwei Monaten, zu diesem Zeitpunkt waren nur noch 61 % der Patient*innen auswertbar (Per-Protokoll-Analyse). Von den auswertbaren Patient*innen hatten 45 % (Arm 1 x 8 Gy) bzw. 51 % (Arm 20 Gy fraktioniert) ein Schmerzansprechen nach zwei Monaten (p = 0,17). Die Akuttoxizität nach 14 Tagen, insbesondere Appetitverlust, war höher im fraktionierten Arm (p = 0,011). Spätschäden am Rückenmark (Myelopathien) wurden in keinem Fall beobachtet. Frakturen traten in 7 % vs. 5 % auf (OR 1,54; p = 0,15), Rückenmarkkompression in 2 % vs. < 1 % (OR 3,54 vs. 0,094). Das Gesamtüberleben war in beiden Armen gleich, mit 9,3 vs. 9,7 Monaten im Median. Formal wurde in der Studie keine Nicht-Unterlegenheit der Einzeitbestrahlung bezüglich der Schmerzkontrolle nachgewiesen, sodass die fraktionierte Re-Bestrahlung mit 20 Gy als leicht überlegen angesehen werden muss.

Bei Vorbestrahlung von Skelettmetastasen, deren Gesamtdosis oberhalb der in der randomisierten Studie betrachteten lag, ist bei einer Re-Bestrahlung der Einsatz hochkonformaler Bestrahlungstechniken mit selektiver Schonung von Risikoorganen zu prüfen (z. B. intensitätsmodulierte Radiotherapie, IMRT, oder stereotaktische Techniken, jeweils mit Rückenmarksentlastung).

10.4.5 Kombination Strahlentherapie und osteoprotektive Therapie

10.28 · Evidenzbasiertes Statement · modifiziert 2025

Eine Strahlentherapie von ossären Metastasen ist parallel zu einer Therapie mit antiresorptiven Substanzen (Bisphosphonate, RANK-Ligand-Antikörper) möglich.

Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1445] [1446]
ÄnderungshinweisEine Strahlentherapie von ossären Metastasen kann parallel zu einer Therapie mit antiresorptiven Substanzen (Bisphophonate, RANK-Ligand-Antikörper) durchgeführt werden.
Evidenztabellen (1)Hoskin 2015

Sowohl die lokale Strahlentherapie schmerzhafter ossärer Metastasen als auch die systemische Therapie mit osteoprotektiven Substanzen, z. B. Bisphosphonaten oder RANK-Ligand-Inhibitoren Antikörper, können ein Schmerzansprechen erreichen. Die Effektivität der beiden einzelnen Modalitäten scheint dabei vergleichbar zu sein, bei leichten Vorteilen für die Radiotherapie: In einer randomisierten Studie an 470 Patient*innen mit schmerzhaften Skelettmetastasen wurden im Arm mit Einzeitbestrahlung mit 8 Gy bzw. im Arm mit Infusion von Ibandronat 6 mg Schmerzansprechraten nach vier Wochen von 53,1 % vs. 49,5 % (WHO-Score; p = 0,49) bzw. 60,2 % vs. 52,7 % (Effective Analgesic Score; p = 0,14) beobachtet [1445]. Inwiefern bei Kombination von Strahlentherapie und osteoprotektiven Substanzen beide Modalitäten synergistisch wirken, ist aus der derzeitigen Studienlage nicht ableitbar. Retrospektive Studien beschreiben eine hohe Effektivität der Kombination aus Strahlentherapie und Bisphosphonaten (Schmerzkontrolle 90 - 100 %) [1446], die oberhalb der Effektivität der Einzelmodalitäten [1445] zu liegen scheint. Somit kann ein Verzicht auf eine indizierte Radiotherapie bei gleichzeitigem Einsatz osteoprotektiver Substanzen derzeit nicht empfohlen werden (siehe auch Kapitel zur medikamentösen Schmerztherapie bei ossären Komplikationen).

10.5 Radionuklidtherapie

Die Radionuklidtherapie mit Beta- oder Alpha-Strahlern kommt bei Patient*innen mit multifokaler, schmerzhafter Knochenmetastasierung zum Einsatz. Durch diese Therapieform ist eine effektive Reduktion der Schmerzsymptomatik und teilweise auch des Schmerzmittelverbrauchs möglich. Weitere detaillierte Ausführungen zur Therapie finden sich in den entsprechenden Organleitlinien.

10.29 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Schmerzsymptomatik mit Refraktärität gegenüber konventionellen tumorgerichteten Therapiemaßnahmen kann bei definierten Tumorentitäten eine Radionuklidtherapie erfolgen, siehe Organleitlinien.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
1

Für Prostata-, Mamma- und Lungenkarzinom


5

Für andere solide Tumoren

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1447] [1448] [1449] [1450]
ÄnderungshinweisEine Radionuklidtherapie mit Samarium-153 kann bei Patienten mit multifokalen ossären Metastasen solider Tumoren und Radium-223 beim kastrationsresistenten Prostatkarzinom zur Reduktion der Schmerzsymptomatik durchgeführt werden.
Evidenztabellen (2)Roqué i Figuls 2011; Sartor 2014

Bei Berücksichtigung der Kontraindikationen ist das Nebenwirkungsprofil der Radionuklidtherapie günstig und die Behandlung für die Patient*innen wenig belastend [1451][1452]. Beim Einsatz der Beta-Strahler stehen die hämatologischen Nebenwirkungen mit moderatem Abfall der Thrombozyten- und Leukozytenzahlen im Vordergrund. Beim Einsatz von Alpha-Strahlern sind die hämatologischen Auswirkungen geringer ausgeprägt, teilweise können Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe in geringer Ausprägung auftreten. Die genannten Blutbildveränderungen sind reversibel. Bei Patient*innen mit sehr ausgedehnter disseminierter Knochenmetastasierung sollte ggf. eine Reduktion der Aktivitätsdosis erfolgen.

Folgend sind beispielhaft Einzelstudien unterschiedlicher Entität aufgeführt. Zu entitätsspezifischen Informationen sei auf die entsprechenden Organleitlinien verwiesen.

Es wurde eine Metaanalyse sowie eine randomisierte Studie zur Radionuklidtherapie und Knochenschmerzen gefunden. Dabei ist zu beachten, dass ein Großteil der untersuchten Patient*innen die Diagnose eines Prostatakarzinoms hatte. In der Arbeit von Agarwal et al. (2015) wurden darüber hinaus Brustkrebspatientinnen eingeschlossen [1447]. Die 44 Patient*innen umfassende Studie vergleicht den Effekt von 177Lu-EDTMP in unterschiedlichen Dosen (1,295MBq vs. 2,590MBq) - bei geringer Fallzahl allerdings mit verringerter Aussagekraft. Die Metaanalyse von Roqué i Figuls et al. (2011) schließt 15 randomisierte Studien (n = 1.146) mit unterschiedlichem Primärtumor, hauptsächlich Prostata- und Mammakarzinom, ein [1449]. Die Interventionsgruppen wurden mit unterschiedlichen Radioisotopen behandelt (89Sr, 153Sm, 186Re, 188Re und 32P). Die Kontrollgruppe erhielt je nach Vergleich ein Placebo, ein anderes Radioisotop oder das gleiche Radioisotop in veränderter Dosis. Außerdem testeten drei Studien den Effekt von zusätzlicher Bestrahlung. Als primärer Endpunkt wurde der Rückgang des Schmerzes erfasst. In der Metaanalyse von Roqué i Figuls et al. ist bezüglich des kompletten und partiellen Ansprechens des Schmerzes ein signifikanter Unterschied zu Gunsten der Radionuklidgruppe, im Vergleich zur Placebogruppe, festzustellen. In der Metaanalyse nicht erfassten Arbeit von Agarwal et al. wurde darüber hinaus festgestellt, dass es sowohl bei geringer als auch bei höherer Dosis des Isotopes zu einem signifikanten Rückgang des Schmerzes kommt, aber der Unterschied zwischen den Gruppen nicht relevant ist [1447].

Die multizentrische, randomisierte und placebokontrollierte Doppelblindstudie von Sartor und Parker et al. untersucht den Effekt von Radium-223 bei 921 Prostatakarzinompatienten [1448][1450]. Diese hatten zwei oder mehr szintigraphisch gesicherte Knochenmetastasen und eine Kastrationsresistenz. Die Interventionsgruppe erhielt alle vier Wochen eine von insgesamt sechs intravenösen Injektionen Radium-223 (50 kBq/kg KG). In gleicher Periodik wurde den Patienten der Kontrollgruppe ein Placebo verabreicht. Als relevanter Studienendpunkt wurden symptomatische SREs betrachtet. Darunter fällt auch die Notwendigkeit einer Bestrahlung aufgrund von Knochenschmerzen. Unter der Therapie mit Radium-223 tritt dies seltener auf, als in der Kontrollgruppe (186/614 [30 %] vs. 105/307 [34 %]; OR 0,84; 95 % KI: 0,62 - 1,12). Der Unterschied ist jedoch nicht ausreichend, um signifikant zu sein. 

10.6 Therapie-assoziierte Osteoporose

Das Risiko, eine Osteoporose zu erleiden, ist bei Patient*innen mit Tumorerkrankung erhöht. Dabei gilt, dass das Risiko für das Ereignis osteoporotische Fraktur umso höher ist, je höher das prävalente Risikoprofil für eine primäre Osteoporose bereits zum Zeitpunkt der Tumordiagnose ist. Hier reiht sich das Risiko für eine Tumortherapie-assoziierte Osteoporose in die anderen vorhandenen Risiken für eine Osteoporose ein und trägt einen Teil zum Gesamtrisiko bei.

Das Kapitel Therapie-assoziierte Osteoporose baut damit, aus dem Blickwinkel der Tumorpatientin/ des Tumorpatienten und seinem speziellen Risikoprofil heraus, auf den Empfehlungen des Dachverbandes Osteologie (DVO) auf, so orientiert sich die Zusammensetzung der Basisdiagnostik, allgemeine Risikofaktoren und Indikationen für eine spezifische medikamentöse Osteoporosetherapie an Empfehlungen der DVO [1388].

10.6.1 Inzidenz der Therapie-assoziierten Osteoporose

Die Inzidenz der Therapie-assoziierten Osteoporose lässt sich indirekt ableiten aus der erhöhten Inzidenz der Manifestation von Folgeerkrankungen bei Patient*innen, die eine Tumorerkrankung überlebt haben. Die Inzidenz der Osteoporose, ausgedrückt als Hazard Ratio bei 26.213 Menschen, die eine Krebserkrankung fünf Jahre und mehr überlebten, wurde mit 1,26 für Patientinnen mit Brustkrebs, 1,41 für Patient*innen mit kolorektalen Karzinomen und 2,49 für Patienten mit Prostatakarzinomen angegeben [1453]. 

Die Prävalenz von Knochenverlust und Frakturen bei Aromatasehemmer-Therapie wurde aus einer Kohorte von 12.368 Brustkrebspatientinnen untersucht. Hier identifizierte man 1.354 Patientinnen ohne prävalente Osteoporose und ohne Knochenmetastasen, deren relatives Risiko für Knochenverlust verglichen mit einer Kontrollgruppe 1,3 betrug, das Risiko für Frakturen war um 1,4 erhöht [1454]. Goldvaser et al. (2018) konnten in einer Metaanalyse eine ähnliche Risikosteigerung für Frakturen unter Aromatase-Inhibitoren von 1,34 (95 % KI: 1,16 - 1,55) zeigen [1455]. Eine Verlängerung der Therapie erhöht das Risiko für Frakturen (Relatives Risiko: 1,59) [1456].

Von 50.613 Männern mit Prostatakarzinom, die fünf Jahre und länger überlebten, hatten 19,4 % derjenigen mit Androgendeprivationstherapie (ADT) Frakturen erlitten, hingegen nur 12,6 % derjenigen ohne ADT. Das Risiko stieg mit der Dauer und Dosis der ADT und war am höchsten bei Orchiektomie mit einer OR von 1,54, bei Langzeittherapie mit GnRH-Agonisten 1,45 [1457][1458][1459]. In einer Langzeitstudie wurde beobachtet, dass die Diagnose Osteoporose – hier ausschließlich gestellt durch eine Knochendichte (bone marrow density = BMD) < -2,5 – im Laufe der Therapie drastisch anstieg. Die Inzidenz betrug 35,4 % in hormonnaiven Patienten, 42,9 % nach zwei Jahren ADT, 49,2 % nach vier Jahren ADT, 59,5 % nach sechs Jahren ADT, 65,7 % nach acht Jahren und 80,6 % nach zehn oder mehr Jahren ADT [1460]. Der Knochenverlust unter ADT tritt schnell ein und beträgt bereits bis zu 4,6 % innerhalb des ersten Jahres. Insgesamt wird konstatiert, dass Männer unter ADT ein 2- bis 5-fach erhöhtes Frakturrisiko haben und einer entsprechenden Diagnostik, Prävention und Therapie zugeführt werden sollten [1461][1462][1458][1459][1463][1464]. Auch hier gilt, dass ein prävalentes Risiko für die Osteoporose das Risiko einer Therapie-assoziierten Osteoporose weiter erhöht [1465]. 

In der besonderen Situation einer externen Bestrahlungstherapie (allerdings mit älteren Bestrahlungstechniken retrospektiv erhoben) der Region erhöht sich das Risiko für eine hüftnahe Fraktur um 76 %, in Kombination aus Radiatio und ADT um 145 %. Neuere Bestrahlungstechniken haben das Risiko substantiell verringert, es bleibt aber noch immer relevant [1466][1458] [1459]. Auch bei Patient*innen mit differenziertem Schilddrüsenkarzinom und TSH-Suppression ist, insbesondere bei Frauen in der Menopause, das erhöhte Risiko für eine Therapie-assoziierten Osteoporose belegt [1432][1467][1445].

10.6.2 Risikofaktoren einer Tumortherapie-assoziierten Osteoporose

10.30 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2025

Das Risiko einer Tumortherapie-assoziierten Osteoporose wird durch folgende Faktoren erhöht: 

  • Tumorspezifische Therapie: 
    • frühe Therapie-induzierte Menopause
    • Androgen-supprimierende Therapie beim Prostatakarzinom
    • Östrogen-supprimierende Therapie beim Mammakarzinom 
    • längerfristige Glukokortikoid-Therapie (Frakturrisiko steigt mit Dosis und Dauer)
    • Tumor-assoziierte Kachexie mit Muskelsubstanzverlust

Diese Risikofaktoren werden wirksam vor dem Hintergrund des prävalenten Risikoprofils der primären Osteoporose, das u.a. folgende Risikofaktoren beinhaltet (Siehe auch Tabelle Allgemeine Risikofaktoren für das Entstehen einer Osteoporose)

  • niedriger „bone marrow density“ BMD T-score 
  • höheres Lebensalter 
  • Rauchen 
  • längerfristige Immobilität
  • Malnutrition
  • Malabsorption
  • positive Familienanamnese für Osteoporose
  • prävalente Fragilitätsfrakturen
Konsens
Starker Konsens

Das Risiko des Auftretens einer Tumortherapie-assoziierten Osteoporose ist eine Kombination aus der Risikosteigerung, die einer tumorspezifischen Therapie zugrunde liegt, wie zum Beispiel einer antihormonellen Maßnahme oder einer chronisch intermittierenden Glukokortikoid-Therapie, mit dem genuin vorhandenen persönlichen Risikoprofil, das die bzw. der Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose eines Tumors bereits mitbringt [1468].

Allgemeine Risikofaktoren

Die allgemeinen Risikofaktoren, wie sie in der DVO-Leitlinie für die Altersgruppe > 50 dargestellt sind, sind in der unten stehenden Tabelle aufgeführt [1388].

Eine spezifische Frakturrisikoschwelle zur Basisdiagnostik wird in der aktualisierten Fassung nicht festgelegt, eine Zusammenschau der Risikofaktoren unter Einbezug des Alters und der klinischen Gesamtsituation gibt den Ausschlag zur Initiierung einer Osteoporose Diagnostik.

Tabelle 78: Allgemeine Risikofaktoren für das Entstehen einer Osteoporose, Übersicht nach DVO-Leitlinie 2023

Risikofaktor

 Alter 70 Faktor Alter 50 - 90

pro Gruppe nur den stärksten Risikofaktor einsetzen, 2. Risikofaktor muss aus anderer Gruppe kommen

Wirbelfraktur(en)

Wirbelfraktur(en) im letzten Jahr

2,9 3,0 --> 2,5

Wirbelfraktur(en) > 12 Monate Zeitabstand

1 osteoporotischer Wirbelbruch

2,0 2,0

2 osteoporotische Wirbelbrüche

2,9 3,0 --> 2,5

3 oder mehr osteoporotische Wirbelbrüche

5,0 5,4 --> 3,8

Wirbelbruch Schweregrad max. Grad 1Genant

2,0 2,0

Wirbelbruch Schweregrad max. Grad 2 Genant

2,9 3,0 --> 2,5

Wirbelbruch Schweregrad max. Grad 3 Genant

5,0 5,3 --> 4,1

Hüftfraktur und andere Frakturen

Hüftfraktur im letzten Jahr (1-Jahres RR)

4,1 3,8 --> 5,1

Hüftfraktur > 12 Monate Zeitabstand

2,5 2,4 --> 2,8

Humerusfraktur

1,7 1,7

Handgelenksfraktur

1,6 1,5 --> 1,7

Beckenfraktur

1,7 1,5 --> 2,2
allgemeine Risikofaktoren
Mutter oder Vater mit Hüftfraktur (für Betroffene bis zum Alter von 75 Jahren berücksichtigen) 1,3 1,2 --> 1,5
erheblicher Alkoholkonsum (ab 50 g/d) 1,9 1,9 --> 1,8
Rauchen (aktuell > 10 Zigaretten/d) oder 1,5 1,5
chronische obstruktive Lungenerkrankung 1,3 1,3
Body-Mass-Index (BMI)
< 15 kg/m2 2,2 2,0 --> 2,9
15 - 18,5 kg/m2 1,7 1,6 --> 2,0
18,5 - <20 kg/m2 1,3 1,3 --> 1,4
Rheumatologie und Glukokortikoide
axiale Spondyloarthritis 1,6 1,7 --> 1,3
rheumatoide Arthritis 2,7 2,7 --> 2,5
Prednisolonäquivalent bis 2,5 mg/d > 3 Monate 1,4 1,4 --> 1,2
Prednisolonäquivalent 2,5 - 7,5 mg/d  > 3 Monate 2,3 2,3 --> 2,0
Prednisolonäquivalent > 7,5 mg/d  > 3 Monate 4,0 4,3 --> 3,0
Prednisolonäquivalent ab 7,5 mg/d, neu im letzten Jahr (1-Jahres RR) 4,9 5,4 --> 3,4
Sturzrisiko assoziierte
> 1 Sturz im letzten Jahr (1-Jahres RR) 2,0 1,9 --> 2,1
1 Sturz im letzten Jahr 1,6 1,6
chronische Hyponatriämie 1,4 1,3 --> 1,7
Depression / Antidepressiva 1,3 1,3
Epilepsie 1,2 1,2 --> 1,4
Immobilität (angewiesen sein auf eine Gehhilfe) 1,7 1,7 --> 1,8
Morbus Alzheimer / Demenz 1,6 1,5 --> 2,1
Morbus Parkinson 1,7 1,5 --> 2,2
Multiple Sklerose 2,1 2,0 --> 2,7
Opioide 1,4 1,3 --> 1,7
Schlaganfall 1,6 1,4 --> 2,0
Timed up and Go Test > 12 sek. 1,8 1,6 --> 2,4
Endokrinologie
Diabetes mellitus Typ I 2,5 2,2 --> 3,3
Diabetes mellitus Typ II, seit 5 - 10 Jahren 1,1 1,1 --> 1,3
Diabetes mellitus Typ II,  > 10 Jahren 1,6 1,4 --> 2,0
primärer Hyperparathyreoidismus 2,2 2,4 --> 1,5
TSH 0,1 - 0,45 mU/l 1,2 1,2 --> 1,3
TSH < 0,1 mU/l 1,2 1,2 --> 1,4
weitere Erkrankungen/ Medikationen
chronische Herzinsuffizienz 1,5 1,5
MGUS (monoklonale Gammopathie unkl. Signifikanz) 2,0 2,1 --> 1,7
Niereninsuffizienz CKD 3a, 3b, 4 1,6 1,5 --> 1,8
Protonenpumpenhemmer > 3 Monate 1,4 1,4
TBS (Trabecular Bone Score)
TBS Z-Score: -1,0 SD 1,3 1,3
TBS Z-Score: -1,5 SD 1,4 1,4
TBS Z-Score: -2,0 SD 1,6 1,6
TBS Z-Score: -2,5 SD 1,8 1,8

 

Tumortherapie-spezifische Risikofaktoren, Risikoindikatoren

Eine Therapie mit Aromatasehemmern erhöht das Risiko einer Osteoporose [1388]. Neuere Untersuchungen ergeben, dass das Risiko eine Fraktur zu erleiden, nach Diagnose und Therapiebeginn sehr schnell einsetzt. Die Frakturen ereignen sich bereits bei noch relativ hoher Knochendichte, eine positive Familienanamnese und prävalente Frakturen erhöhen das Risiko deutlich [1455][1456].

Tumortherapie-spezifische Risikofaktoren, die darüber hinaus zum Tragen kommen können, sind das frühe Eintreten der Menopause durch Chemotherapie oder antihormonelle Maßnahmen im Konzept der Tumorbehandlung, die in der Hauptsache bei Frauen mit Brustkrebs und bei Männern mit Prostatakrebs zum Einsatz kommen, Reduktion der körperlichen Aktivität bis hin zur relativen Immobilisierung und in Einzelfällen eine Tumor-assoziierte Kachexie mit Sarkopenie. 

Sofern die tumorspezifischen Therapieregimes den Einsatz von Glukokortikoiden beinhalten, ist auch das als Risiko zu interpretieren. 

Zu weiteren Risikofaktoren kann im Rahmen eines Tumorleidens die Tumor-assoziierte Kachexie mit Muskelsubstanzverlust gezählt werden. Eine solche Kachexie in Zusammenwirken mit einem niedrigen Karnofsky-Index führt in der Regel zu einer relativen Immobilisation, die ein begünstigender Faktor für die Ausprägung einer Osteoporose ist [1469]. Ein BMI unter 20, der häufig daraus resultiert, ist im Sinne des Untergewichts ein weiterer Risikofaktor für die Osteoporose.

Männlicher Hypogonadismus durch hormonablative Therapie und Aromatasehemmer mit Beginn der Therapie werden in der aktuellen DVO-Leitlinie als Risikoindikatoren gewertet, damit besteht, auch ohne weitere Risikofaktoren, die Indikation zur Durchführung der Basisdiagnostik [1388]. Weitere Indikatoren sind z.B. BII Magenresektion, Gastrektomie oder bariatrische Operation, männlicher Hypogonadismus anderer Ursache, Cushing-Syndrom und subklinischer Hyperkortisolismus, Wachstumshormonmangel bei Hypophyseninsuffizienz, Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, systemischer Lupus erythematodes oder HIV.

Risikofaktoren für Frakturen

Risikofaktoren für Frakturen sind zum Beispiel prävalente frühere Frakturen, niedrige Knochendichte, das Alter, erniedrigter Body-Mass-Index, eine positive Familiengeschichte, häufige Stürze, Rauchen und bestimmte Medikamente. Die Reduktion endogener Östrogene im Gefolge einer intensiven Chemotherapie (frühe Menopause), GnRH-Analoga und Aromatasehemmer erhöht das Frakturrisiko vor diesem Hintergrund zusätzlich [1470]. Der Knochenverlust durch Aromatase-Inhibitoren ist beispielsweise mit einem zwei- bis dreifach erhöhten Risiko verbunden im Vergleich mit gleichaltrigen postmenopausalen Frauen. 

10.6.3 Diagnostik

10.6.3.1 Indikation einer Basisdiagnostik

10.31 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Eine Basisdiagnostik zur Osteoporose bei Patient*innen mit Krebserkrankung unter Tumortherapie soll erfolgen bei: 

  • Einleitung einer antihormonellen Maßnahme 
  • Therapie-induzierter früher Menopause
  • längerfristiger Glukokortikoidtherapie

Weitere Indikationen ergeben sich aus einem prävalenten Risikoprofil (siehe Tabelle Allgemeine Risikofaktoren für das Entstehen einer Osteoporose).

Konsens
Starker Konsens

Bei Einleitung einer antihormonellen Maßnahme gilt grundsätzlich die Indikation zur Durchführung einer Basisdiagnostik. Auch das Risiko einer Osteoporose bei reduzierter/ verkürzter Östrogenexposition bei prämenopausalen Frauen ist als solches definiert [1471][1472].

Die klinische Situation einer Tumordiagnose, Chemotherapie mit Verlust der Ovarfunktion bei prämenopausalen Frauen und antihormonelle Maßnahmen bei Frauen und bei Männern jeder Lebenssituation beinhaltet somit ein Risiko für die Osteoporose-Entstehung, das ein entsprechendes diagnostisches Programm (Basisdiagnostik) rechtfertigt.

Unabhängig von den einzelnen Risikofaktoren empfiehlt der Dachverband eine Basisdiagnostik bei allen Frauen ab dem 70. Lebensjahr und bei Männern ab dem 80. Lebensjahr sofern sich aus einer Evaluation auch Konsequenzen im Sinne von Prävention und Therapie ergeben.

10.6.3.2 Bestandteile der Basisdiagnostik

10.32 · Konsensbasiertes Statement · geprüft 2025

Die empfohlene Basisdiagnostik bei bestehendem Risikoprofil besteht aus: 

  • Anamnese und klinischer Untersuchung
  • DXA-Knochendichtemessung
  • Basislabor (Serum Calcium, Serum Phosphat, Serum Natrium, alkalische Phosphatase, Gamma-GT; Kreatinin Clearance, CRP; Blutbild, Serum-Eiweißelektrophorese, TSH, fakultativ Vitamin D3)
  • ggf. einer bildgebenden Diagnostik bei klinischen Hinweisen auf osteoporotische Wirbelkörperfrakturen
  • fakultativ Sturz-Assessment, immer bei Patient*innen ab einem Alter > 70 Jahre
Konsens
Starker Konsens

Standard zur Knochendichtemessung ist die Osteodensitometrie mittels der „Dual-X-Ray-Absorptiometrie“ (DXA) an der Lendenwirbelsäule und beidseits am proximalen Femur [1473].  

25-Hydroxy-Vitamin D wird fakultativ, z.B. bei Hinweis auf Osteomalazie, gemessen. Eine 25-Hydroxy-Vitamin D gesteuerte, gezielte Vitamin D-Supplementierung als Alternative zu einer pauschalen Vitamin D-Supplementierung ist umstritten, da sie kostenintensiv ist und bei unzureichend standardisierten Messmethoden eine Schwankungsbreite von bis zu 30 % aufweist [1474].

In der besonderen Situation einer Tumordiagnose wird bei pathologischen Befunden der Basisuntersuchungen zur muskulären Performance empfohlen, eine erweiterte Muskeldiagnostik einzuleiten, sofern der klinische Verdacht auf eine Tumor-assoziierte Kachexie mit Sarkopenie entsteht [1469].

Überprüfung des Sturzrisikos

Ab einem Alter von 70 Jahren wird eine jährliche Sturzanamnese empfohlen. Sie beinhaltet eine Überprüfung der Einnahme sturzbegünstigender Medikamente, fachärztliche und hausärztliche Untersuchung zur Ursache von Schwindel, zur Visuskontrolle und zur Verbesserung des Wohnumfeldes. 

10.6.4 Prophylaxe und Therapie der Therapie-assoziierten Osteoporose

10.33 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025
Patient*innen sollten zu Maßnahmen und Verhaltensweisen, die der Prophylaxe einer Tumortherapie-assoziierten Osteoporose dienen, informiert werden:

  • regelmäßige körperliche/ sportliche Aktivität 
  • Vermeidung von Immobilisation 
  • Verzicht auf Rauchen
  • Reduktion übermäßigen Alkoholkonsums
  • Vermeidung von Untergewicht (BMI unter 20)
  • Ernährung mit ausreichend Calcium und Vitamin D
Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1475] [1476] [1477] [1478] [1479] [1480] [1481] [1482] [1483]
ÄnderungshinweisZur Prophylaxe der Tumortherapie assoziierten Osteoporose stehen zur Verfügung: Regelmäßige körperliche/sportliche Aktivität Vermeidung von Immobilisation Verzicht auf Rauchen Reduktion übermäßigen Alkoholkonsums Vermeidung von Untergewicht (BMI unter 20) Vermeidung hoch dosierter und unnötiger Supplemente Ernährung mit ausreichend Calcium
Evidenztabellen (5)Johannsson 2019; Zhao 2017; Zhang 2015; Vestergaard 2003; Ensrud 2000
10.34 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2025

Die Therapie der Tumortherapie-assoziierten Osteoporose beinhaltet:

Fortführung der Basismaßnahmen:

  • regelmäßige körperliche/ sportliche Aktivität 
  • Vermeidung von Immobilisation 
  • Verzicht auf Rauchen
  • Reduktion übermäßigen Alkoholkonsums
  • Vermeidung von Untergewicht (BMI unter 20)
  • Ernährung mit ausreichend Calcium und Vitamin D

Und zusätzlich: 

  • Einnahme von Vitamin D (800 - 1.000 IE/d)
  • kritische Indikation knochenschädlicher und sturzfördernder Medikamente
  • antiresorptive Therapie (Bisphosphonate/ RANK-Ligand Antikörper)
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisDie Therapie der Tumortherapie assoziierten Osteoporose beinhaltet: Fortführung der Basismaßnahmen: Regelmäßige körperliche/sportliche Aktivität Vermeidung von Immobilisation Verzicht auf Rauchen Reduktion übermäßigen Alkoholkonsums Vermeidung von Untergewicht (BMI unter 20) Vermeidung hoch dosierter und unnötiger Supplemente Ernährung mit ausreichend Calcium Und zusätzlich: Ausreichende Einnahme von Vitamin D (800-1000 units/day) Kritische Indikation knochenschädlicher und sturzfördernder Medikamente Antiresorptive Therapie (Bisphosphonate/ RANK- Ligand Antikörper)

Regelmäßige körperliche/ sportliche Aktivität 

Empfehlenswert ist eine regelmäßige körperliche Aktivität mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordination zu fördern [1484]. Im höheren Lebensalter findet sich eine inverse Assoziation zwischen einer körperlichen Betätigung und der Inzidenz von Hüftfrakturen. Diverse Metaanalysen von kontrollierten Studien legen einen günstigen Effekt von kontrollierten Trainingsprogrammen auf das Frakturrisiko nahe [1485][1486]. Sportliche Aktivitäten haben allerdings dem funktionellen Zustand angemessen und risikobewusst zu erfolgen. 

Körperliche Aktivität reduziert bei vielen Tumorarten die Tumor-assoziierte Fatigue [1487] und verbessert die Lebensqualität bei Männern unter ADT [1488] und bei Frauen mit Brustkrebs [1489]. Die Studien bestätigen grundsätzlich die Durchführbarkeit und Sicherheit der beschriebenen Aktivitätsprogramme, wobei allerdings kritische Metaanalysen die Notwendigkeit weiterer kontrollierter Studien bescheinigen [1490]. In den meisten Studien sind durch entsprechende Trainingsprogramme Zuwächse an Muskelmasse und Muskelkraft zu erreichen gewesen, die Verbesserungen bei alltäglichen Aktivitäten und in der Selbständigkeit generieren. Deren Auswirkungen sind jedoch diesbezüglich nicht quantifiziert. So gibt es Daten darüber, dass bei Patient*innen, die ein Multiples Myelom überlebt haben, ein Muskelkraftzuwachs durch entsprechende Trainingsprogramme zu erreichen ist [1491]. Eine direkte Verbesserung der Knochendichte durch Trainingsprogramme ist aktuell noch nicht eindeutig belegt, die Daten beziehen sich vor allem auf Frauen mit Mammakarzinom [1492][1493][1494][1495][1496].   

Vermeidung von Immobilisation

Körperliche Immobilität führt zum Abbau von Muskulatur; verringerte Muskelkraft sowie ungenügende Gangkoordination erhöhen das Risiko für Stürze und die Art des Falles [1497]. Immobilisation gilt es zu vermeiden. Sportliche Aktivitäten sind an den klinischen funktionellen Zustand und an das Risiko in der jeweiligen individuellen Situation anzupassen. Eine Metaanalyse kontrollierter Studien und überzeugende Originaldaten legen bei Nicht-Tumorpatient*innen einen günstigen Effekt von kontrollierten Trainingsprogrammen auf Frakturen nahe [1485][1498].

Untergewicht und Kachexie

Untergewicht (BMI < 20 kg/m2) wird als ein Risikofaktor für osteoporotische Frakturen gewertet [1481][1480]. Eine ausreichende kalorische Ernährung mit dem vorrangigen Ziel, Muskelmasse zu erhalten, wird daher empfohlen. Diese Empfehlung wird in der Population von Krebspatient*innen unter Therapie noch verstärkt auszusprechen sein, da Tumorkachexie und Tumortherapie-assoziierter Muskelverlust diesen Risikofaktor wesentlich verstärken.

Nikotinkonsum

Nikotinkonsum ist ein unabhängiger Risikofaktor für Frakturen [1477][1476]. Diese Aussage muss auch für die Population der Krebspatient*innen aufrechterhalten werden. Sie erfährt durch die Tatsache, dass Nikotinkonsum als Krebsrisikofaktor gilt, noch eine Aufwertung.

Sturz- bzw. Osteoporose-fördernde Medikamente

Medikamente, die eine Osteoporose und/oder Stürze begünstigen können, sind in der DVO-Leitlinie aufgelistet [1388]. Für die Population der Krebspatient*innen gilt, auch mit Blick auf Glukokortikoide und psychotrope Medikamente, eine kritische Überprüfung der Medikamentenliste durchzuführen. Auch der Gebrauch von Protonenpumpen-Inhibitoren, vor allem in der Dauertherapie, sollte kritisch hinterfragt werden. Opiate und Opioide, die für die Schmerzmedikation verwendet werden, fördern zum Teil und je nach Dosierung die Fallneigung und müssen daher mit Augenmaß für die unerwünschten Wirkungen eingesetzt werden.

10.6.4.1 Medikamentöse Prophylaxe

10.6.4.1.1 Vitamin-D-Supplementation
10.35 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Zur Prophylaxe einer Tumortherapie-assoziierten Osteoporose sollte eine tägliche Vitamin-D-Supplementation mit 800 bis 1.000 Einheiten Vitamin D3 oder eine wöchentliche Vitamin-D-Supplementation mit 10.000 Einheiten Vitamin D3 erfolgen.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1499] [1388]
ÄnderungshinweisZur Prophylaxe einer Tumortherapie assoziierten Osteoporose sollte eine tägliche Vitamin-D-Supplementation mit 800 bis 1.000 Einheiten Vitamin D3 erfolgen.
Evidenztabellen (1)Liu 2020

Die Supplementation mit Vitamin D 800 - 1.000 Einheiten pro Tag gehört zu den Grundlagen der Prophylaxe und der Basistherapie der Osteoporose [1499]. Die Inzidenz des Vitamin D-Mangels bei Patient*innen mit Tumorerkrankungen ist eher höher als in der allgemeinen Bevölkerung. Bei unterschiedlichen Tumorentitäten wird eine Prävalenz von bis zu > 90 % Vitamin D-Insuffizienz und Vitamin D-Defizienz berichtet [1500]. Die Prävalenz von Vitamin-D-Mangel bei Patient*innen mit Knochenmetastasen und Multiplem Myelom ist ebenfalls erschreckend hoch [1501]. 

Die Dosierung der Vitamin-D-Supplementation von 800 IE basiert auf den Empfehlungen des Institute of Medicine, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Endocrine Society und der Osteoporosis Foundation IOF, gemäß denen mit 800 IE Cholecalciferol bei 97 % der Betroffenen ein Vitamin D-Mangel korrigiert werden kann, auch wenn diese Aussage primär für Menschen > 65 Jahren gilt [1502].

10.6.4.1.2 Calciumsupplemente
10.36 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Zur Prophylaxe einer Tumortherapie-assoziierten Osteoporose sollte eine tägliche Gesamtzufuhr von 1.000 mg bis maximal 1.500 mg Calcium gewährleistet sein (besonders unter antiresorptiver Therapie).

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
1
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1388] [1499]
ÄnderungshinweisZur Prophylaxe einer Tumortherapie assoziierten Osteoporose sollte eine tägliche Gesamtzufuhr von 1.000 mg bis maximal 1.500 mg Kalzium gewährleistet sein (besonders unter antiresorptiver Therapie). Dies sollte nach Möglichkeit über die Ernährung erfolgen. Eine zusätzliche Supplementierung wird nur empfohlen, wenn die Zufuhr über die Ernährung nicht ausreichend sichergestellt werden kann.
Evidenztabellen (1)Liu 2020
10.37 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei antiresorptiver Therapie soll eine regelmäßige Kontrolle der Calcium-Werte erfolgen, um eine Hypokalzämie zu vermeiden. Bei diesen Patient*innen soll eine adäquate Calcium-Gesamtzufuhr gewährleistet sein.

Konsens
Starker Konsens

Die empfohlene Zufuhr von 1.000 mg Calcium täglich für Patient*innen mit Osteoporose erfolgt möglichst über die Nahrung [1499][1388]. Wenn die empfohlene Calciumzufuhr über die Nahrung nicht erreicht wird, stehen Calcium-Supplemente zur Verfügung. Wichtig ist diesbezüglich eine Ernährungsberatung, die unter anderem die Calcium-Zufuhr über die Nahrung ermittelt. Diverse „Calciumrechner“ stehen im Internet zur Verfügung, z.B. unter www.gesundheitsinformation.de. Auch hier kann die Calciumversorgung über die Nahrung abgeschätzt werden. 

Besonders wichtig ist eine gute Versorgung mit Calcium und Vitamin D bei Patient*innen unter osteoprotektiver Therapie. Auch in Osteoporose-Dosierung waren unter Denosumab [1503] genauso wie unter parenteralen Bisphosphonaten [1504] Hypokalzämien aufgetreten, wenn auch nur in seltenen Fällen schwer. Viele Therapiestudien wurden daher unter Supplementierung von Calcium und Vitamin D durchgeführt. Eine Hypokalzämie ist kontroindikativ bei der Anwendung von Bisphosphonaten und Denosumab.

Die gleichzeitige Einnahme von Calcium und Vitamin D kann das Frakturrisiko für Hüftfrakturen und auch alle anderen Frakturen senken. Die Vorteile der Therapie sollten gegenüber den möglichen Risiken, wie z. B. Nierensteine oder Nierenerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen oder auch Herzerkrankungen, abgewogen werden [1505]. Wegen der Gefahr der Entstehung von Hyperkalzämien bei Knochenmetasten, sowie wegen der Gefahr von Hypokalzämien bei Anwendung starker Antiresorptiva, ist eine regelmäßige Überprüfung von Serum-Calcium-Werten indiziert.

 

10.6.4.1.3 Vitamin B12 und Folsäure

Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 und Folsäure mit der Nahrung wird bei primärer Osteoporose empfohlen [1388]. Für Krebspatient*innen gibt es hierzu wenig Information, eine epidemiologische Studie kam sogar zu dem Schluss, dass der Gebrauch von Supplementen wie zum Beispiel Multivitaminsupplementen und besonders Folsäure bei Krebsüberlebern zu einer höheren Mortalitätsrate bei älteren Frauen geführt hat [1506]. Zusätzlich findet eine Studie in einem Tiermodell, dass Folsäuresupplementation Brustkrebs fördert [1507]. Somit soll die Aussage bestehen bleiben, dass Folsäuremangel ein Risikofaktor für die primäre Osteoporose darstellt, aus der Tumorsituation heraus kann keine Empfehlung abgeleitet werden, dass der Gebrauch von Supplementen einen Zusatzeffekt hätte.

10.6.4.1.4 Osteoporose-spezifische Medikamente
10.38 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2025

Zur Therapie der Tumortherapie-assoziierten Osteoporose stehen Bisphosphonate und RANK-Ligand Antikörper zur Verfügung.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisZur Therapie der Tumortherapie assoziierten Osteoporose stehen Bisphosphonate und Denosumab zur Verfügung.

Bezüglich der Wirksamkeit der antiosteoporotischen Therapie kann generell die Evidenz der Wirksamkeit für die primäre Osteoporose zugrunde gelegt werden [1388]. Zusätzliche Evidenz für die Wirksamkeit in der hier beschriebenen Patient*innenpopulation von Krebspatient*innen mit antihormonellen Maßnahmen oder hohem Frakturrisiko werden im Folgenden angeführt. Bei der Anwendung von Denosumab in der Osteoporose-Dosierung und bei Bisphosphonaten sind selten Fälle von Hypokalzämien beschrieben worden (siehe oben). Für die Anwendung von Bisphosphonaten und Denosumab ist eine vorbestehende Hypokalzämie eine Kontraindikation.

Eine gute Versorgung mit Calcium und Vitamin D bei Patient*innen unter antiosteoporotischer Therapie ist daher wichtig: Die Fortführung der Basistherapie mit 800 IE/d Vitamin D und ausreichend Calcium (1.000 mg/d) über die Nahrung mit regelmäßigen Kontrollen des Calciumspiegels und ggf. Supplementierung.

Anmerkung: Im Gegensatz zur Fachinformation für Denosumab bei ossären Metastasen ist in der Fachinformation für Denosumab in der Osteoporose-Dosierung keine fixe Gabe von täglich mindestens 500 mg Calcium und 400 IE Vitamin D aufgeführt.

Antiresorptive Therapien in der adjuvanten Therapiesituation beim Mammakarzinom sind mittlerweile fester Bestand des onkologischen Gesamtkonzeptes, hierzu wird auf die entsprechenden Organleitlinien verwiesen [1330][1508][1509].

Bisphosphonate:

Es liegen zahlreiche Daten vor für die Prävention des Knochenverlustes unter Aromatase-Inhibitoren für Ibandronat, Risedronat und Zoledronat vor [1510][1511][1512][1513][1514][1515][1516][1517][1518]. Die meisten Studien berichten eine Zunahme der Knochendichte gegenüber dem Ausgangswert, die Auswirkung auf Frakturen wird selten berichtet [1519]. Auch wenn die Änderungen der Knochendichte als Endpunkt nicht ideal sind, lassen Daten aus einer Meta-Regression den Schluss zu, dass Verbesserungen im Bereich der Knochendichte ein nützlicher Surrogatparameter für Frakturen sein können [1520]. In einer Beobachtungsstudie von 2019 mit 36.472 Patient*innen und einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren wurde dargestellt, dass die Inzidenzrate von Frakturen bei Patient*innen, die mit oralen Bisphosphonaten behandelt wurden, um 30 % niedriger war (HR 0,69; 95 % KI: 0,48 - 0,98) [1521]. Zoledronat erreichte einen Anstieg der Knochendichte von Baseline um 6 % an der LWS und um 2,6 % an der Gesamthüfte während einer maximalen Nachbeobachtung von 60 Monaten. Daten der AZURE-Studie mit 3.359 Teilnehmerinnen berichten In einer sekundären Endpunktanalyse eine signifikante Reduktion der 5-Jahres Frakturrate unter Zoledronsäure (3,9 % vs. 5,8 %) [1522].

Bei Männern mit Prostatakarzinom und ADT wurde eine ganze Reihe von Studien durchgeführt, die den Nachweis für die Erhaltung der Knochendichte unter ADT erbrachten [1464]. Eine Metaanalyse fasste die Kernaussage dieser Studien zusammen mit der Schlussfolgerung, dass Bisphosphonate in dieser Situation effektiv sind und eine Risikoreduktion für Frakturen von 0,8 erbringen, für die Entstehung einer Hochrisikosituation für Fragilitätsfrakturen eine relative Risiko-Reduktion von 0,39 [1523]. Zoledronat erbrachte hierbei die niedrigste number needed to treat (NNT) von 14,9, während eine orale Alendronattherapie eine NNT von 41,6 erreichte [1524]. 

Bisphosphonate unterliegen sowohl bei parenteraler als auch bei oraler Verabreichung einer Einschränkung in der Anwendung bei Niereninsuffizienz und müssen gemäß der jeweiligen Fachinformation für das Präparat eingesetzt werden. 

Denosumab

Denosumab ist klinisch erprobt als wirksames Medikament zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose, der Osteoporose des Mannes, zur Prävention der Therapie-assoziierten Osteoporose bei Männern mit Prostatakarzinom unter antihormoneller Therapie und bei Frauen unter Therapie mit Aromatasehemmern [1510][1525][1526][1527][1528].

Bei 1.468 Männern mit nicht-metastasiertem Prostatakarzinom unter ADT zeigte sich mit Denosumab eine deutliche Erhöhung der Knochendichte an der LWS um > 5,6 % verglichen mit einem Verlust um 1,0 % bei den Patienten mit Placebo. Die Denosumab Therapie war auch mit einem signifikanten Anstieg der Knochendichte an der gesamten Hüfte, am Oberschenkelhals und im distalen Drittel des Radius verbunden. Die Inzidenz neuer Wirbelfrakturen nach 36 Monaten war unter Denosumab signifikant geringer (1,5 % gegenüber 3,9 % unter Placebo; relatives Risiko, 0,38; 95 % KI: 0,19 bis 0,78; p = 0,006) [1526].

Die ABCSG-18-Studie [1441][1529] untersuchte 3.420 postmenopausale Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs, unter Aromatasehemmern, die randomisiert 60 mg Denosumab oder Placebo erhielten. In der Denosumab-Gruppe verzögerte sich die Zeit bis zur ersten klinischen Fraktur signifikant (HR, 0,50; 95 % KI: 0,39 bis 0,65; p  = 0,001). Die insgesamt geringere Anzahl von Frakturen in der Denosumab-Gruppe (n = 92) und in der Placebogruppe (n = 176) war in allen Patientinnenuntergruppen ähnlich, sowohl bei Patientinnen mit Ausgangsknochendichte < -1,0 bei Einschluss als auch bei Patientinnen mit T-Scores > -1. Diese Studie zeigt die Wirksamkeit der Behandlung mit Denosumab unabhängig von der zugrundeliegenden Ausgangsknochendichte und unterstreicht somit die klinische Relevanz des erhöhten Frakturrisikos unter Aromatase-Inhibitoren.

Auch die FREEDOM-Studie [1525] randomisierte Denosumab 60 mg oder Placebo subkutan alle sechs Monate über 36 Monate, und konnte einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Frakturen belegen, z.B. bei Wirbelfrakturen (2,3 % vs. 7,2 %; RR, 0,32; 95 % KI: 0,26 - 0,41). Eine langfristige Erweiterung der FREEDOM-Studie, bei der die Patient*innen bis zu 10 Jahre lang mit Denosumab (60 mg alle sechs Monate) beobachtet wurden, schätzte das relative Risiko von neuen Wirbelfrakturen auf 0,62 (95 % KI: 0,47 - 0,80) und für nicht-vertebrale Frakturen auf 0,54 (95 % KI: 0,43 - 0,68) [1530][1531][1532].

Denosumab hat somit sehr gute Daten sowohl für die primäre Osteoporose als auch für die Situation der antihormonellen Therapie bei Männern und Frauen. Die Behandlung in der Osteoporose-Dosierung mit 60 mg s.c. alle sechs Monate ist somit eine sehr gute Option, unabhängig davon, ob eher eine primäre Osteoporose mit einer sekundären Komponente durch antihormonelle Therapie vorliegt oder umgekehrt. Denosumab kann unabhängig von der Nierenfunktion verabreicht werden.

Alle weiteren zugelassenen Osteoporose-Therapeutika sind in der hier diskutierten Situation entweder kontraindiziert oder nur unter besonderen Kautelen anwendbar. Selektive Estrogenrezeptormodulatoren (SERMs) sind in der Situation der AI-Therapie additiv nicht sinnvoll, beim Mann nicht zugelassen. Formationsstimulierende Verfahren wie Teriparatid oder Strontiumranelat sind kontraindiziert. 1-alpha-hydroxylierte Vitamin D Präparate können theoretisch als Second-Line-Medikamente in besonderen Situationen eingesetzt werden, müssen aber wegen der Gefahr der Hyperkalzämie intensiver überwacht werden.

10.6.5 Indikationsstellung zur Einleitung einer anti-osteoporotischen Therapie

10.39 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei Patient*innen mit einer östrogen- und androgensuppressiven Therapie soll eine antiresorptive Therapie bei einem „bone marrow density“ DXA-T-Score < -1,5 eingeleitet werden.

Konsens
Starker Konsens

Der Beginn der Therapie wird bei vielen internationalen Empfehlungen mit Leitliniencharakter mit dem Beginn der antihormonellen Therapie gleichgesetzt. Die DVO-Leitlinie wertet das Vorliegen einer antihormonellen Therapie als Basisindikator, der eine Basisdiagnostik inklusive Messung der Knochendichte impliziert [1388].

Östrogen- und androgensuppressive Therapien bei bestehender reduzierter Knochendichte gelten dann als Indikator für eine medikamentöse Osteoporosetherapie, ähnlich der Therapie mit Glukokortikoiden ≥ 7,5 mg Prednisolonäquivalent täglich länger als drei Monate, bei gleichzeitig reduziertem T-Score < -1,5 an der LWS oder dem Schenkelhals oder dem Gesamtfemur individuell auch bei einem T-Score > -1,5 oder bei bereits aufgetretenen niedrigtraumatischen Wirbelkörperfrakturen oder multiplen peripheren Frakturen.

In Tabelle Indikation für eine medikamentöse Osteoporosetherapie sind die generellen Indikationen für eine medikamentöse Osteoporosetherapie nach DVO-Leitlinie aufgeführt.

Tabelle 79: Generelle Indikation für eine medikamentöse Osteoporosetherapie – Therapieindikation durch Risikokonstellation gegeben

Generelle Indikation für eine medikamentöse Osteoporosetherapie

Liegt eine dieser im Folgenden genannten Konstellationen vor, dann ist keine weitere Frakturrisikoberechnung zur Kalkulation der Therapieschwelle notwendig.

Dies ist gegeben bei:

1.        nach niedrigtraumatischer singulärer Wirbelkörperfraktur 2. oder 3. Grades oder nach multiplen Wirbelkörperfrakturen 1. bis 3. Grades, wenn andere Ursachen nicht wahrscheinlicher sind, unabhängig vom Knochendichteergebnis, nach erfolgter Differentialdiagnostik, rasch und ohne Verzögerung nach Frakturereignis

2.        nach proximaler Femurfraktur unabhängig vom Knochendichteergebnis nach erfolgter Differentialdiagnostik, rasch und ohne Verzögerung nach Frakturereignis

3.        bei bestehender oder geplanter Therapie mit Glukokortikoiden ≥ 7,5 mg Prednisolonäquivalent täglich für > 3 Monate, wenn:

a)        T-Score < -1,5 an der LWS oder dem Schenkelhals oder dem Gesamtfemur individuell auch bei einem T-Score > -1,5

b)        niedrigtraumatische Wirbelkörperfrakturen oder multiple periphere Frakturen unabhängig vom T-Score.

Ein endogenes Cushing-Syndrom ist äquivalent zu bewerten.

analog zur Glukokortikoid-induzierten Therapie:

Bei östrogen- und androgensuppressiven Therapie und  T-Score < -1,5 eingeleitet werden.

T-Score: Vergleichsmaß der Knochendichte

 

Die prävalente Risikosituation addiert sich zu den Risikofaktoren bei Tumorerkrankung, mögliche Risikofaktoren und ihre Wichtung sind im Kapitel 10.6.2 aufgeführt. So ist bei bestehenden Risikofaktoren ggf. auch bei höherem BMD eine Osteoporosetherapie indiziert [1330][1519].

Am Ende der antihormonellen Therapie bleibt das Gesamtrisiko neu zu überprüfen, da ein wichtiger Risikofaktor neutralisiert ist.

Evidenztabellen

Fizazi_2009

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Fizazi

 

2009

 

J Clin Oncol

randomized, open-label, multicenter study

 

26 centre

 

N = 111

 

Europe and North America

histologically confirmed malignancy, ≥ 1 bone metastases, and uNTx levels higher than 50 nmol/L bone collagen equivalents (BCE)/mM creatinine despite IV BPs

 

IV BP Q4W

N = 37

Women: n= 18 (49%)

Median age, years: 61

 

Denosumab

N = 74

Women: n= 38 (51%)

Median age, years: 63

denosumab (n = 74)

 

denosumab sc 180 mg every 4 wks or denosumab 180 mg every 12 wks for 25 wks

 

daily supplements of calcium (500 mg) and vitamin D (≥ 400 U).

IV BP Q4W (n = 37)

 

continue IV BPs every 4 wks (zoledronic acid or pamidronate)

 

 

daily supplements of calcium (500 mg) and vitamin D (≥ 400 U).

primary endpoint: the proportion of patients with uNTx lower than 50 nmol/L/mM creatinine (uNTx < 50) at week 13.

 

Secondary efficacy endpoints: proportion of pts with uNTx < 50 at week 25; time to reduction of uNTx to < 50; duration of uNTx <50; percent change of sCTx from baseline to week 25; percent change of uNTx from baseline to week 25; incidence of hypercalcemia; proportion of patients experiencing SREs, and the time to first on-study SRE

uNTx < 50 at week 13

denosumab arms:  49/69 pts (71%; 95% CI, 59% to 81%)

IV BP arm: 10/35 pts (29%; 95%CI, 15% to 46%)

P < 0.001

uNTx < 50 at week 25

denosumab arms: 64%

IV BP arm: 37%

P = 0.01

 

Estimated median time to reduction of uNTx < 50:

denosumab arms: 9 days (95% CI, 9 to 10)

IV BP arm: 65 days (95% CI, 10 to 115)

 

Median duration of maintenance was not reached

 

incidence of SREs

denosumab group: 6/73 pts (8%)

IV BP group: 6/35 pts (17%)

(OR, 0.31;

95% CI, 0.08 to 1.18)

 

BP Q4W vs. all Denosumab

 

Any adverse event: 34 (97%) vs. 70 (96%)

 

Serious adverse events: 19 (54%) vs. 37 (51%)

Supported by Amgen Inc, Thousand Oaks, CA

2b

no information about method of randomisation and allocation concealment
no blinding

small sample size of patients with multiple myeloma and other solid tumors

20% of pts in the denosumab arms and 27% in the IV BP arm completed the 32-week follow-up period
industry funding

 

"Among patients with elevated uNTx despite ongoing IV BP therapy, denosumab normalized uNTx levels more frequently than the continuation of IV BP. Fewer patients receiving denosumab experienced on-study SREs than those receiving IV BPs."

 

Lipton_2008

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Lipton

 

2008

 

Clin Cancer Res

phase II, randomized, partially double-blinded, active-controlled, international, multicenter, multidose, parallel group study

 

n = 255

 

Europe, North America, and Australia

 

i.v. bisphosphonate (IV BP) - naive patients with breast cancer-related bone metastases

 

IV BP: n = 43

Age in years - mean (SD): 52 (11)

 

all Denosumab: n = 212

 

Age in years - mean (SD): 58 (11)

denosumab s.c. injections every Q4W (30, 120, or 180 mg) or every 12 wk (Q12W; 60 or 180 mg)

 

option of receiving IV BP

open-label IV BP (zoledronic acid, pamidronate, or ibandronate) every 4 wk

primary endpoint:

uNTx/Cr - percentage change from baseline to week 13

 

additional efficacy endpoints:

 

uNTx/Cr:

percentage change from baseline to week 25

 

the proportion of patients who achieved a >65% reduction from baseline

 

the median time to achieve this reduction

uNTx/Cr at week 13

median - percentage change from baseline

pooled denosumab cohort: -73%

IV BP cohort: -78%

uNTx/Cr at week 25 - percentage change from baseline

 

denosumab-treated pts: -75%

 IV BP group: -71%

 

>65% uNTx/Cr reduction

patients with ≥1postbaseline measurement of uNTx at week 25

 

denosumab-treated pts: 52% (109 of 208)

IV BP-treated pts: 46% (19 of 41)

 

On-study SREs denosumab-treated pts: 12% (26 of 211)

IV BP-treated pts: 16% (7 of 43)

 

overall rates of adverse events: 95% in denosumab and IV BP groups

 

No denosumab-related serious or fatal adverse events occurred.

 

This trial was sponsored byAmgen, Inc.

The costs of publication of this article were defrayed in part by the payment of page charges. This article must therefore be hereby marked advertisement in accordance with 18 U.S.C. Section 1734 solely to indicate this fact

2b
randomisation method not described
no information about the allocation concealment
no placebo control
industry funding

 

"In IV BP - naive breast cancer patients with bone metastases, denosumab suppresses bone turnover and seems to reduce SRE risk similarly to IV BPs, with a safety profile consistent with an advanced cancer population receiving systemic therapy."

 

Himelstein_2017

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Himelstein

 

2017

 

JAMA

randomized, open-label clinical trial

 

269 academic and community sites

 

N  = 1822 pts

 

United States

 

05/2009 – 04/2012

metastatic breast cancer, metastatic prostate cancer, or multiple myeloma who had at least 1 site of bone involvement

 

median age: 65 years

 

Women: 980 [53.8%]

 

breast cancer: 855

prostate cancer: 689 multiple myeloma: 278

zoledronic acid iv every 4 weeks (n = 911) for 2 years

zoledronic acid iv every 12 weeks (n = 911) for 2 years

primary endpoint: proportion of pts having at least 1 skeletal-related event within 2 years after randomization

 

secondary endpoints:

proportion of pts with at least 1 skeletal-related event by disease type, pain,

performance status, incidence of osteonecrosis of the jaw, kidney dysfunction, skeletal morbidity rate suppression of bone turnover

at least 1 skeletal-related event within 2 years of randomization

 

zoledronic acid every 4-week: 260 pts (29.5%)

every 12-week:  253 patients (28.6%)

(risk difference of −0.3% [1-sided 95%CI, −4% to ∞]; P < 0.001 for noninferiority)

at least 1 skeletal-related event within 2 years of randomization

 

zoledronic acid 4-week group vs. the 12-week group

 

breast cancer (between-group difference, −0.02 [99.9%CI, −0.13 to 0.09]; P = 0.50)

prostate cancer (between-group difference,0.02

[99.9%CI, −0.10 to 0.14]; P = 0.59)

Multiple myeloma (between-group difference,0.06

[99.9%CI, −0.12 to 0.24]; P = 0.14)

 

Zoledronic Acid Dose Group

every 4 wk vs. every 12 wk

(Zoledronic Acid 4-wk minus 12-wk Dose Group (95% CI))

Average pain: 0.011 vs. 0.008 0.003 (−0.014 to 0.02); 0.75

 

Osteonecrosis of the jaw,

18/911 pts (2.0%) vs. 9/911 pts (1.0%) (1.0 (−0.2 to 2.2)); 0.08

 

Increased creatinine level vs baseline level

 

174/875 pts (19.9%) vs. 137/882 pts (15.5%) (4.4 (0.7 to 8.0)); 0.02

 

This research was supported by grants UG1CA189823 (awarded to the Alliance for Clinical

Trials in Oncology), U10CA016359, U10CA037404, U10CA037447, U10CA059518, U10CA180790, U10CA045418, U10CA180866, and UG1CA189819 from the National Cancer Institute, National Institutes of Health. The C-terminal telopeptide assays were supported by grant UL1TR001070 from the National Center for Advancing Translational Sciences, National Institutes of Health.

2

no blinding
30% dropout rate
noninferiority design
lack of long-term Data

 

"Among patients with bone metastases due to breast cancer, prostate cancer, or multiple myeloma, the use of zoledronic acid every 12 weeks compared with the standard dosing interval of every 4 weeks did not result in an increased risk of skeletal events over 2 years. This longer interval may be an acceptable treatment option."

 

Ripamonti_2009

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Ripamonti

 

2009

 

Annals of Oncology

retrospective review

 

n = 966

 

Italy

 

01/ 1999 -02/2007

bone metastases from solid tumors

 

treated for the first time with BPs

 

Pamidronate: 601 (62.2)

Zoledronic acid: 244 (25.3)

Pamidronate followed by zoledronic acid: 78 (8.0)

Clodronate: 43 (4.5)

 

Gender, N (%)

Female: 787 (81.5)

Male: 179 (18.5)

Median age (range): 62.5 (21.4–90.4)

 

 

n = 812 pts

 

retrospective group (PRE-Group)

 

BP treatment from 01/1999 – 04/2005

 

follow up until discontinued their BP or until 02/2007

 

no preventive dental care.

 

 

n = 154 pts

 

prospective group (POST-Group)

 

dental prevention programme

 

baseline mouth assessment

 

 

first BP treatment 04/2005 – 02/2007

 

dental care required before BP treatment

1. Avulsion of parodontopathic teeth with marked tooth mobility (grades 3–4), which would be likely avulsed within the subsequent 24 months.

2. Correction of treatable parodontal conditions.

3. Performance of both superficial and deep oral hygiene treatments with professional root scaling

incidence of ONJ (Incidence proportion and incidence rate (IR))

 

 

ONJ: 28 pts (2.9%);

 

Any bisphosphonate,

N = 966

ONJ IR (3.2% in the PRE-Group vs. 1.3% in the POST-Group; NS); IR ratio of 0.49 (95% KI 0.056–1.96).

 

 

Zoledronate or pamidronate +

zoledronate, N = 322

 

ONJ IR (7.8% in the PRE-Group vs. 1.71% in the POST-Group; P = 0.016); IR ratio of 0.30 (95% KI 0.03–1.26).

-

3b
retrospective and nonsystematic data collection
limited follow-up time
lack of a control group
no information about funding
no conflict of interest declared

 

"ONJ is a manageable and preventable condition. Our data confirm that the application of preventive measures can significantly reduce the incidence of ONJ in cancer patients receiving BPs therapy. Dental exams combined to the identification of patients at risk in cooperation with the Dental Team can improve outcomes and increase the number of ONJ-free patients."

 

Berenson 2011

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Kontrolle

Zielgröße

Primary Endpoint

Secondary Endpoint

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Berenson

2011

Lancet Oncol.

Multicenter (22 sites), Randomized, Controlled trial, Two arms

N=134,

Australia, Canada, Europe, USA

May 16, 2005- March 11, 2008

Multiple Myeloma, breast, lung, prostate, other  (colorectal, ovarian, oesophageal, bladder) cancer

Cancer and one to three painful VCF’s (T5- L5)

NRS ≥4

RDQ ≥10

I: 64,8 (37,6- 88,0) years

C: 63 (39,5-83,4) years

m/f

Exclusion:

osteoblastic tumours,

primary bone tumours (eg, osteosarcoma), or a

plasmacytoma at the index VCF

 

N= 65

balloon kyphoplasty with introducer tools, inflatable bone tamps, and polymethylmethacrylate bone cement and delivery devices (Medtronic Spine, Sunnyvale, CA, USA), by a percutaneous, bilateral, transpedicular, or extrapedicular method

N=52

reduce pain (with analgesics, bed rest, and radiation therapy), improve functional status (with orthotic devices), and prevent future fractures (with antiresorptive therapy)

 

back-specific functional status measured by Roland-Morris disability questionnaire (RDQ) score at 1 month,

SF-36,

KPS,

NRS,

Adverse events

RDQ

Baseline

I: 17,6

C:18,2

At 1 month

I: 9,1 (mean change from baseline -8,3 points, 95% CI -6,4 to -10,2; p<0,0001

C: 18,0 ( mean change from baseline 0,1 points; 95% CI -0.8 to 1,0; p=0,83

1- month treatment effect -8,4 points (95% CI -7,6 to -9,2; p<0,0001)

 

SF-36 improvement of 8,4 points (95% CI 7,7-9,1; p<0,0001) at 1 month compared with the control group

SF-36 mental component summary score: improvement of 11,1 points (95% CI 10,7–11,5; p<0,0001) compared with the control group

KPS score improvement of  15,3 points (95% CI 13,5–17,1; p<0,0001) compared with the control group

change from baseline in reduced activity caused by back pain of –6,3 days (95% CI −6,8 to −5,8; p<0,0001) compared with those in the control group

NRS

Baseline both groups 7,33

−3,5 points (95% CI −3,8 to −3,2; p<0,0001) at 7 days and −3,3 points (−3,6 to −3,0; p<0,0001) at 1 month compared with control group

vertebral height treatment effect of 3,1 mm (95% CI 2,1-4,1; p<0,0001)

None of the serious adverse events that resulted in death were judged to be related to kyphoplasty

One patient had a fracture to the adjacent disc that was device related

Medtronic Spine LLC.

1b/1+

“For painful VCFs in patients with cancer, kyphoplasty is an effective and safe treatment that rapidly reduces pain and improves function.“

 

 

Eck 2008

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Kontrolle

Zielgröße

Primary Endpoint

Secondary Endpoint

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Eck

2008

Spine J

Meta-analysis

168 studies

(103 vertebroplasty,

33 kyphoplasty,

34 case reports)

(prospective randomized, prospective not randomized and retrospective studies)

N1= 3321

(pain vertebroplasty)

N2= 1006

(pain kyphoplasty)

N3= 4266

(complications vertebroplasty)

N4= 957

(complications kyphoplasty)

May 15, 2006

Vertebral compression fractures

(VAS score evaluated, Exclusion: other pain scales (e.g. SF-36)

N1= 3321

N3= 4266

Vertebroplasty

(Percutaneous injection of PMMA into the vertebral body)

N2= 1006

N4= 957

Kyphoplasty

(Insertion of a balloon into the vertebral body, inflation to create a cavity, after removal of the balloon, PMMA is injected)

Pain relief (VAS)

Complications

Pain relief (VAS):

Vertebroplasty

Preoperative:

8,36 ± 0,78

Postoperative:

2,68 ± 1,09

p<0,001

mean improvement:

5,68 ± 1,24

Kyphoplasty

Preoperative:

8,06 ± 0,86

Postoperative:

3,46 ± 2,16

p<0,001

mean improvement:

4,60 ± 2,61

Significant greater improvement of the VAS score after vertebroplasty (p<0,001)

Complications:

Cement leakage:

I: 1838/9330 (19,7%)

C: 213/3034 (7%)

Significant difference (p<0,001)

Symptomatic cement leakage:

I: 65/4125 (1,6%)

C: 3/963 (0,3%)

Significant difference (p<0,01)

Prevalence of new compression fractures:

I: 565/3159 (17,9%)

C: 134/947 (14,1%)

Significant difference (p<0,01)

Prevalence of myocardial infarction:

I: 1/1938 (0,05%)

C: 5/951 (0,5%)

Significant difference (p<0,01)

Prevalence of pulmonary embolus:

I: 33/3601 (0,9%)

C: 2/565 (0,4%)

No significant difference (p=0,2)

“Nothing of value received from a commercial entity related to this manuscript.”

3a

not only RCTs, but also retrospective and case reports

“Both vertebroplasty and kyphoplasty provided significant improvement in VAS pain scores. Vertebroplasty had a significantly greater improvement in pain scores but also had statistically greater risk of cement leakage and new fracture.”

 

Patchell 2005

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Kontrolle

Zielgröße

Primary Endpoint

Secondary Endpoint

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Patchell

2005

Lancet Oncol.

Multicenter, Randomized, Non-blinded trial

Two arms

N= 101

USA

Sept 1, 1992 –

Dec 31, 2002

Lung, Breast, Prostate, Other genitourinary, Gastrointestinal, Melanoma, Head and neck, Unknown, Other cancer

at least 18 years old with a tissue-proven diagnosis of cancer (not of CNS or spinal column origin) and MRI evidence of MESCC

one neurological sign or symptom (including pain) and not have been totally paraplegic for longer than 48h before study entry

radiosensitive tumours (lymphomas, leukaemia, multiple myeloma, germ-cell tumours) excluded

60 years

(m/f)

 

N= 50

Surgery followed by RT,

100 mg dexamethasone immediately, then 24 mg every 6h until start of surgery,

then reduced and continued until completion of radiotherapy

operated within 24h after randomisation.

No specific operative technique or fixation devices

the aim was to provide immediate direct circumferential decompression of the spinal cord

radiotherapy within 14 days after surgery (30Gy/10 fractions, 3Gy x 10 fractions).

N= 51 

RT alone,

100 mg dexamethasone immediately, then 24 mg every 6h until start of RT,

then reduced and continued until completion of radiotherapy,

radiotherapy was started within 24 h after randomisation. The total dose was 30 Gy given in ten fractions (3Gy x 10 fractions).

delivered to a port that encompassed one vertebral body above and below the visible lesion

ability to walk.

(patient was deemed ambulatory if he or she could take at least two steps with each foot unassisted (4 steps total))

Secondary endpoints:

urinary continence, muscle strength and functional status, the need for corticosteroids and opioid analgesics, and survival time,

Pain relief was assessed by calculating and comparing mean daily morphine equivalent doses.

retained ability to walk

I: 122 days

C: 13 days

p=0,003

post-treatment ambulatory rate

I: 84% (42/50)

C: 57% (29/51)

Cochran-Mantel- Haenszel

OR: 6,2 (95% CI 2,0- 19,8) p=0,001

patients who could walk at study entry:

ability to walk

I: 94 % (32/34)

C: 74% (26/35)

p=0,024

I= 153 days

C=54 days

OR= 1,82 (95% CI 1,08-3,12) p=0,024

Unable to walk at study entry:

Ability to walk

I= 62% (10/16), C= 19% (3/16), p=0,012

I=59 days, C=0 days, p=0,04

Maintenance of continence

I= 156 days

C=17 days

RR= 0,47 (95% CI 0,25-0,87) p= 0,016

Maintenance of ASIA score

I= 566 days

C=72 days

RR=0,28 (95% CI 0,13-0,61) p=0,001

Maintenance of Frankel score

I= 566 days

C= 72 days

RR=0,24 (95% CI 0,11-0,54) p=0,0006

Survival time

I=126 days

C=100 days

RR=0,60 (95% CI 0,38-0,96) p=0,033

Mean daily morphine equivalent doses:

I: 0,4 mg (0-60)

C: 4,8 mg (0-200)

p=0,002

National Cancer Institute

National Institute for Neurological Disorders and Stroke

1b/1+

„Direct decompressive surgery plus postoperative radiotherapy is superior to treatment with radiotherapy alone for patients with spinal cord compression caused by metastatic cancer.“

 

 

Chow 2012

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Kontrolle

Zielgröße

Primary Endpoint

Secondary Endpoint

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Chow

2012

Clinical Oncology

25 randomized trials,

2-3 arms

N=5617

N2= 5263

Jan 1950 – Nov 2010

Palliation of uncomplicated bone metastases

Exclusion criteria: patients with complicated bone metastases (for example, SCC, cauda equine syndrome, pathological fracture)

N= 2818

Single fraction conventional external beam radiotherapy

(5-15Gy, most frequently 8Gy)

 

N= 2799

Different schedules of multiple fraction conventional external beam radiotherapy

(15-40Gy / 3-20 fractions)

Complete response (CR) and overall response (OR) rates as reported and defined by respective trials

Secondary endpoints:

Retreatment rates, SCC, pathological fracture rates and acute toxicities

Intention-to-treat

Overall response rates

I: 1696/2818 (60%)

C: 1711/2799 (61%)

Pooled odds ratio: 0,98 (95% CI 0,95-1.02)

17 studies reported complete response

I: 620/2641 (23%)

C: 634/2622 (24%)

Pooled OR: 0,97

(95% CI 0,89-1,06)

assessable response

Overall response rate

I: 1696/2354 (72%)

C: 1701/2284 (74%)

Pooled OR: 0,96

(95% CI 0,93-1,00)

complete response

I: 620/2178 (28%)

C: 637/2110 (30%)

Pooled OR: 0,94

(95% CI 0,86-1,02)

12 studies reported retreatment rates

I: 473/2323 (20%), C: 178/2309 (8%), (p < 0,00001)

„Patients who were randomized to the single fraction arm were 2.6 times more likely to require retreatment“

RR 2,6 (95% CI 1,92-3,47)

Ten studies reported pathological fracture rates

I: 71/2120 (3,3%), C: 65/2159 (3,0%), (p = 0,72)

overall OR: 1,1 (95% CI 0,65-1,86)

six studies reported SCC rates

I: 41/1443 (2,8%), C: 28/1443 (1,9%), (p=0,13)

Overall OR: 1,44, (95% CI 0,90-2,30)

three studies reported SCC for patients with spinal metastases

I: 21/371 (5,7%), C: 15/368 (4,1%), Pooled OR: 1,4 (95% CI 0,73-2,67)

„We thank the Michael and Karyn Goldstein Cancer Research Fund for support“

 

 

1a/1++

 

 

 

„Overall and complete response rates were similar.... ...provided equal pain relief; ...significantly higher retreatment rates occurred in those receiving single fractions.
“

 

 

Chow 2014

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Kontrolle

Zielgröße

Primary Endpoint

Secondary Endpoint

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Chow

2014

Lancet Oncol.

Multicenter, non-blinded, randomized, controlled trial,

two arms

N= 850

Canada, Australia, New Zealand, USA, Israel, Switzerland, UK, Netherlands, France

Jan 7, 2004-

May 24, 2012

Prostate, Breast, Lung, Kidney, Colon, Oesophagus, Rectum, Other, Unknown cancer

I: 64,6 yrs

C: 65,3 yrs

m/f

bone metastases that had previously received radiation

 

N= 425

(258 assessable)

8Gy single fraction

Two- dimensional or three-dimensional planning

Prophylactic antiemetic was recommended for patients receiving radiation to fields that included the epigastrium, lumbar spine, or pelvis.

Bone-modifying agents and systemic therapy were allowed at the discretion of the treating physicians

N= 425 

(263 assessable)

20Gy in five fractions

20Gy in eight fractions if: Target field was the spine or the whole pelvis, and previous radiation therapy consisted of 18Gy/4 fractions or 20Gy/5 fractions.

Two- dimensional or three-dimensional planning

Prophylactic antiemetic was recommended for patients receiving radiation to fields that included the epigastrium, lumbar spine, or pelvis.

Bone-modifying agents and systemic therapy were allowed at the discretion of the treating physicians

Overall response to treatment in terms of pain relief

sum of complete [CR] and partial response [PR] after 2 months,

CR: BPI worst-pain score zero + no associated increase in daily oral morphine equivalent consumption

PR: pain that persisted after treatment, either with a worst-pain score reduction of 2 or more and no increase in daily oral morphine equivalent consumption, or no increase in pain and a reduction in daily oral morphine equivalent consumption of at least 25%

Secondary endpoints:

Freedom from pain progression in all patients that had an overall pain response at 2 months, Reduction in functional interference of daily activities, QoL, incidence of acute radiation-related side effects, incidence of in-field pathological fractures and SCC.

Intention-to-treat (overall response)

I: 118/425 (28%)

C: 135/425 (32%)

(p=0.21, response difference 4%, upper limit of the 95% CI 9,2)

Per-protocol

I: 116/258 (45%)

C: 135/263 (51%)

(p=0.17, response difference 6%, upper limit of the 95% CI 13,2)

 

Freedom from pain progression (hazard ratio [HR]) :

20Gy vs. 8Gy

1,07 (95% CI 0,56-2.07)

Reduction in functional interference: no significant differences

QoL (QLQ-C30)

I:  79/230 (34%) improved and 73/230 (32%) were worse

C: 83/234 (35%) improved and 69/234 (29%) were worse

p=0,87

Patients assigned to the 20 Gy group were significantly less fatigued than those in the 8 Gy group (p=0,03)

Acute radiation-related side effects: 

Skin reddening (7days)

I: 49/312 (16%)

C: 68/308 (22%) p=0,033

lack of appetite (14 days)

 I: 201/358 (56%)

C: 229/349 (66%) p=0,011

Vomiting (14 days)

I: 47/357 (13%)

C: 82/349 (23%) p=0,001

diarrhoea (14 days)

I: 81/357 (23%)

C: 108/349 (31%) p=0,018

Skin reddening (14 days)

I: 44/305 (14%)

C: 75/308 (24%) p=0,002

Other AE’s

1 coronary thrombosis (grade 4 cardiac ischaemia or infarction)

No treatment-related death

In-field pathological fractures

I: 30/425 (7%)

C: 20/425 (5%)

OR 1,54 (95% CI 0,85- 2,75, p=0,15)

SCC or cauda equina compression

I: 7/425 (2%)

C: 2/425 (<1%)

OR 3,54 (95% CI 0,73-17,15 p=0,094)

Canadian Cancer Society Research Institute, US National Cancer Institute, Cancer Council Australia, Royal

Adelaide Hospital, Dutch Cancer Society, and Assistance Publique-Hopitaux de Paris.

1b/1+

 

 

 

“…treatment with 8Gy in a single fraction seems to be non-inferior and less toxic than 20Gy in multiple fractions; however, as findings were not robust in a per-protocol analysis, trade-offs between efficacy and toxicity might exist”

 

Hoskin 2015

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Kontrolle

Zielgröße

Primary Endpoint

Secondary Endpoint

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Hoskin

2015

Radiother Oncol

Randomized, multicenter trial

Two-arms (Four-arms planned)

N= 651

UK, Austria, India, Spain, Mexico, Algeria, Egypt, Tunisia, Lithuania, Serbia, Brazil

22 Jan 2008- 31 Aug 2012

Breast, Lung, Prostate, Gastrointestinal, Kidney, Head & Neck, Bladder, Endometrial and other cancer

I: 56 yrs. (25-87)

C: 58 yrs. (25-88)

m/f

≥ 18 years

Histological diagnosis of malignancy

Radiological evidence of painful bone metastasis

Life expectancy ≥ 12 weeks

Two groups:

Group A: single site of bone pain

Group B: Multiple sites of bone pain

(study with Group B closed, not enough patients)

Exclusion criteria:

Primary myeloma, previous RT or radionuclide therapy, complicated bone metastasis (MSCC, pathological fractures)

N= 326 (in analysis (week 4): 260 for CS and VAS, 264 for combined pain relief)

4Gy single fraction RT

Single, parallel opposed or tangential fields were used depending on the region.

2 cm margin on each side of the bone metastasis.

Spine: affected vertebra and one above and below.

Soft tissue extension: 2 cm margin.

Re-treatment with 8Gy if moderate or severe pain persisted or recurred at 4 weeks or more, second re-treatment could be given using the same criteria.

Follow-up at 4, 8, 12, 24, 52 weeks

N=325 (in analysis (week 4): 274 for CS, 275 for VAS, 281 for combined pain relief)

8Gy single fraction RT

Single, parallel opposed or tangential fields were used depending on the region.

2 cm margin on each side of the bone metastasis.

Spine: affected vertebra and one above and below.

Soft tissue extension: 2 cm margin.

Re-treatment with 8Gy if moderate or severe pain persisted or recurred at 4 weeks or more, second re-treatment could be given using the same criteria.

Follow-up at 4, 8, 12, 24, 52 weeks

Pain relief

Four point categorical scale (CS; none, mild, moderate or severe), VAS (10 cm)

OR= CR+PR

CR: no pain on CS and VAS 0

PR: improvement ≥ 1 category or 10 mm on VAS.

NR: no change in category or change of < 10 mm on VAS

Combined pain relief:

Pain category +  analgesic requirement (none, non-opiates, weak opiates, strong opiates)

CR: no pain

PR: improvement ≥ 1 pain category and no analgesics or decreased or stable analgesics

Progression:

Increase of pain ≥1 category and stable or increased analgesics or stable pain and increased analgesics

Per-protocol

Pain relief

At 4 weeks

CS:

I: CR 87/260 (33%), PR 99/260 (38%), OR 186/260 (71%)

C: CR 95/274 (35%), PR 132/274 (48%), OR 227/274 (83%)

CR p=0,8, OR p< 0,002

Significant difference in overall response, but no significant difference in CR

VAS:

I: CR 10/260 (4%), PR 203/260 (78%), OR 213/260 (82%)

C: CR 28/275 (10%), PR 209/275 (76%), OR 237/275 (86%)

CR p=0,006, OR p=0,2

Significant difference in CR, but no significant difference in OR

At 8 weeks

CS:

I: CR 46%, PR 38%, OR 83%

C: CR 56%, PR 34%, OR 91%

CR p=0,03, OR p<0,03

VAS:

I: CR 8%, PR 78%, OR 86%

C: CR 10%, PR 81%, OR 91%

CR p=0,5, OR p=0,1

All follow ups

CS:

I: CR 48%, PR 32%, OR 80%

C: CR 53%, PR 35%, OR 88%

CR p=0,02, OR p<0,0001

VAS:

I: CR 8%, PR 78%, OR 86%

C: CR 11%, PR 79%, OR 90%

CR p=0,05, OR p=0,01

Significant differences in CS and VAS

Combined pain relief at 4 weeks

CS:

I: CR 17%, PR 29%, OR 46%

C: CR 26%, PR 31%, OR 57%

CR p<0,0001

VAS:

I: CR 2%, PR 70%, OR 72%

C: CR 6%, PR 65%, OR 71%

CR p=0,02

Significant difference in CR (CS,VAS)

Intention-to-treat

Pain relief at 4 weeks

CS:

I: CR 87/326 (27%), PR 99/326 (30%), OR 186/326 (57%)

C: CR 95/325 (29%), PR 132/325 (41%), OR 227/325 (70%)

CR p=0,47

VAS:

I: CR 10/326 (3%), PR 203/326 (62%), OR 213/326 (65%)

C: CR 28/325 (9%), PR 209/325 (64%), OR 237/325 (73%)

CR p=0,004

Significant difference in CR

Re-treatment rate

I: 72/326 (22%)

C: 45/325 (14%)

p=0,01

Significant difference

International Atomic Energy Agency, Austria

“The funding body had no role in the analysis, interpretation of the data, in the writing of the report, or in the decision to submit the paper for publication.”

1b/1+

 

 

“There was a marked consistent difference in pain relief at all time points in favour of 8 Gy. These data reinforce the case for single dose 8 Gy radiotherapy to be recommended for metastatic bone pain in all healthcare settings.”

 

Roqué i Figuls 2011

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Kontrolle

Zielgröße

Primary Endpoint

Secondary Endpoint

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Roqué i Figuls

2011

Cochrane Database of Systematic Reviews

15 randomized, controlled trials (14 in the statistical analysis),

2-3 arms,

N= 1146

MEDLINE (1966- Oct week 3 2010), EMBASE ( 1974- 2010 week 43), CENTRAL ( issue 1, 2003- issue 4, 2010), PaPaS Trials Register (up to July 2008)

Any primary cancer, defined by Technetium-99m bone scan, MRI, or other imaging modality, (mainly prostate and breast), any age, metastatic bone pain,

m/f

N= 802 active treatment,

Radioactive isotopes, alone or chelated with a bisphosphonate,

Versus placebo (eight studies), or comparison between radiopharmaceuticals (three studies), or dose-comparison (four studies),

89Sr, 153Sm, 186Re, 188Re and 32P,

Versus placebo: 89Sr, 186Re, 153Sm,

Head-to-head:

89Sr vs. 153Sm, 89Sr vs. 186Re, 89Sr vs. 32P,

dose-comparison:

1,0 and 0,5mCi of 153Sm, 188Re,

One study single vs. two injections,

Follow-up 4 weeks- 36 months,

Rescue medication, steroids or palliative RT allowed as co-intervention, for both groups.

N= 344 placebo

Non radioactive placebo,

Follow-up 4 weeks- 36 months,

Rescue medication, steroids or palliative RT allowed as co-intervention, for both groups.

Pain relief (VAS or nominal scales of four to five categories), complete reduction of pain (reduction from baseline 100%), complete/partial reduction (reduction ≥50%), any reduction in pain,

 

Secondary endpoints:

Reduction in analgesia consumption, rescue medication at baseline and post-intervention, complications due to bone metastases, disease progression, quality of life, side effects, hospitalisation due to side effects, length of improvement

Pain relief:

Eight studies with sufficient data (499 patients),

Pain control at short-term (one month, four studies), medium-term (three to six months, three studies) and long-term (12 months, one study)

Long-term study not significant, short- and medium-term studies showed beneficial effect for radioisotopes,

Complete relief: RR 2,1 (95% CI 1,32-3,35),

NNT= 5 (2-44)

Complete/partial relief: RR 1,72 (95% CI 1,13-2,63),

NNT= 8 (1-54)

I2= 0%

Small but significant improvement in pain in the radioisotope group,

Any reduction of pain results were heterogeneous (I²=68%) and not significant (RR 1,36, 95% CI 0,77-2,40),

Two studies measured pain in a continuous fashion, the first was not significant, the second showed a significant effect for radioisotopes, number of response days, (RR 3,14, 95% CI 2,47-3,81)

Head-to-head comparison (three studies):

No significant difference in pain alleviation,

Dose-comparisons (two studies, 153Sm, 0,5 vs. 1,0 mCi):

No significant differences in the frequency of pain relief, although the higher dose showed greater reduction of mean VAS, no changes in analgesia use (pain change mean difference 2,73; 95% CI 1,96-3,50),

Single vs. two injections of 188Re (one study):

No significant difference complete pain relief RR 0,17 (95% CI 0,01-3,34), complete/partial pain relief RR 0,52 (95% CI 0,19-1,39)

Radioisotopes adjuvant to RT:

Complete relief RR 2,55 (95% CI 0,52-12,63)

Complete/partial relief RR 1,64 (95% CI 1,05-2,55)

Any relief MD 8,71 (95% CI 7,27-10,16)

 

Analgesia use:

No conclusive evidence that radioisotopes modify the use of analgesia with respect to placebo.

Complications due to bone metastases:

 two studies, 240 participants

SCC:

No significant effect of radioisotopes on the prevention of SCC (RR 1,10; 95% CI 0,39-3,07; I²= 0%)

Pain flares:

No significant effect (RR 0,74; 95% CI 0,27-2,06; I²= 20%)

Quality of life:

Four studies assessed QoL or performance status, no adequate data for analysis,

Mortality:

Three studies, 237 patients

No significant differences (RR 1,14; 95% CI 0,27-4,77; I²= 57%)

Adverse events:

Grade III to IV

Leucocytopenia

RR 5,90 (95% CI 1,62-21,47; I²= 0%)

NNH= 14 (95% CI 9-25)

Significant higher with radioisotopes,

Thrombocytopenia

RR 2,21 (95% CI 0,98-4,99; I²= 0%)

Not significant,

Severe anaemia

RR 1,09 (95% CI 0,47-2,56; I²= 0%)

Not significant,

Head-to-head comparison (three studies):

No significant differences between 89Sr and other radioisotopes

Dose-comparisons (two studies, 153Sm, 0,5 vs. 1,0 mCi):

No significant differences,

Single vs. two injections of 188Re (one study):

No significant differences

“The original review was funded by Agencia Evaluación Tecnologías Sanitarias, Fondo de Investigaciones Sanitarias FIS (grant 00/10011) and Instituto de Salud Carlos III (grants 01/A060 and 01/F070).”

1a-/1-

only two studies with low risk of bias

 

„…There is some evidence indicating that radioisotopes may provide complete reduction in pain over one to six months with no increase in analgesic use, but severe adverse effects (leucocytopenia and thrombocytopenia) are frequent.”

 

Sartor 2014

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Kontrolle

Zielgröße

Primary Endpoint

Secondary Endpoint

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Sartor

2014

Lancet Oncol.

 

Parker

2013

N Engl J Med

Phase III, randomized, double-blind, placebo-controlled, multicenter trial,

Two-arms,

N=921 ,

19 countries,

June 12, 2008- Feb 1, 2011

Metastatic castration resistant prostate cancer, symptomatic, two or more bone metastases (on bone scintigraphy), no visceral metastases, testosterone≤ 50 ng/dL, PSA ≤5 ng/mL, ECOG ≤2, at least 6 months life expectancy, docetaxel y/n, bisphosphonates y/n

 

 

Exclusion criteria:

Hemibody RT, radioisotope within 24 weeks, visceral metastases, imminent or established SCC

I: 71 (49-90) yrs.

C: 71 (44-94) yrs.

N=614

Prostate cancer

Six intravenous injections of radium-223 (50 kBq/kg), one injection every four weeks, plus best standard of care (defined as the routine care provided at each center)

Planned follow-up period 3 three years

N=307 

Prostate cancer

Six intravenous injections of Placebo, one injection every four weeks, plus best standard of care (defined as the routine care provided at each center)

Planned follow-up period 3 years

Overall survival (time from randomization to the date of death)

Secondary endpoints:

Time to an increase in the total alkaline phosphatase level, a total alkaline phosphatase respone, time to first symptomatic skeletal event (first use of external-beam RT, new symptomatic pathologic bone fractures, SCC, tumor-related orthopedic surgical intervention), normalization or the total alkaline phosphatase level,  time to an increase in the PSA level

Median overall survival:

I: 14,9 months

C: 11,3 months

RR 30% (hazard ratio, 0,70; 95% CI 0,58-0,83, p<0,001)

528 patients in the intention-to-treat population died

I: 333/614 (54%)

C: 195/307 (64%)

Time to first symptomatic skeletal event:

Median:

I: 15,6 months (95% CI 13,5-18,0)

C: 9,8 months (95% CI 7,3-23,7)

Hazard ratio 0,66 (95% CI 0,52-0,83, p=0,00037)

Symptomatic skeletal events (one or more):

I: 202/614 (33%)

C: 116/307 (38%)

Need for RT for bone pain:

I: 186/614 (30%)

C: 105/307 (34%)

HR 0,67 (95% CI 0,53-0,85, p=0,00117)

Symptomatic pathological bone fracture:

I: 32/614 (5%)

C: 20/307 (7%)

HR 0,62 (95% CI 0,35-1,09, p=0,10)

SCC:

I: 25/614 (4%)

C: 21/307 (7%)

HR 0,52 (95% CI 0,29-0,93, p= 0,03)

Time to increase in the total alkaline phosphatase level:

Hazard ratio 0,17 (95% CI 0,13-0,22, p<0,001)

Time to increase in the PSA level:

Hazard ratio 0,64 (95% CI 0,54-0,77, p<0,001)

Significant higher response according to the total alkaline phosphatase level in the radium-223 group (>30% reduction, p<0,001) and normalization of this level (p<0,001)

≥30% reduction in PSA level at week 12:

I: 16%; C: 6%, (p<0,001)

Adverse events:All

I: 558/600 (93%)

C: 290/301 (96%)

Grade 3 or 4

I: 339/600 (56%)

C: 188/301 (62%)

Serious

I: 281/600 (47%)

C: 181/301 (60%)

Study-drug discontinuation because of adverse events

I: 99/600 (16%)

C: 62/301 (21%)

Improvement in Quality of life (FACT-P):

(Increase:  ≥10 points, 0-156, higher score indicates better QoL)

I: 25%, C: 16%, p=0,02

Algeta and Bayer HealthCare Pharmaceuticals

1b/1+

 

 

“…radium-223 improved overall survival.“

„Radium-223 should be considered as a treatment option for patients with castration-resistant prostate

cancer and symptomatic bone metastases“.

 

Johannsson 2019

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Johansson Bone Marrow Transplant 2019

- 1 Zentrum,

- randomised,

- unblinded,

- 2 arms: to receive either 2 or 7 h of cryotherapy

- Controlled

- N= 50 in each arm

- Sweden

- Zeitraum 2014-2018

Patienten mit Multiplem Myelom und ASCT

7h Kryotherapie,

n=50

2h Kryotherapie,

n=50

Non-inferiority: primary: incidence of grade 3 and grade 4 oral mucositis according to the WHO criteria

Secondary: the incidence of oral ulcers graded according to the OMAS; the incidence and duration of TPN; the incidence of use of opioid analgesics; the incidence of bacteraemia and fever (body temperature
38 °C); and the duration of the hospital stay.

 

No significant differences

No significant differences

Healthcare Com- mittee, Region Västra Götaland (Grant number VGFOUREG-64832)

 

2 for the non-inferiority of 2h cryotherapy versus 7h cryotherapy

 

Zhao 2017

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Zhao

 

2017

 

International Journal of Epidemiology

 

Ashburn, 2007, UK

Bischoff-Ferrari, 2010, Switzerland

Chan, 2004, China

Ebrahim, 1997, UK

Haines, 2009, Australia

Iliffe, 2014, UK

Karinkanta, 2007, Finland

Kemmler, 2010, Germany

Korpelainen, 2010, Finland

Mcmurdo, 1997, UK

Preisinger, 1996, Australia

Robertson, 2001, NewZealand

Smulders, 2010, Netherlands

Swanenburg, 2007, Switzerland

Zeng, 2009, China

meta-analysis

 

15 RCTs

n =  3.636

 

8 countries

 

China

 

electronic database search up to 1

 September 2015

fall-related fractures in older people

 

age: 53.6 - 85.1 y

Exercise interventions

Retention of daily physical  activities

primary outcome: treatment effects on fall-related fractures

 

treatment effects on falls, leg strength and balance

15 RCTs

Exercise had a beneficial effect on reduction of fall-related fractures

pooled estimates of RR  0.604 (95% CI 0.453- 0.840, P=0.003, I2=0%)

 

potentially affected by exercise interventions:

12 RCTs: rate of falls: RaR 0.856, 95% CI 0.778-0.941, P=0.001, I2=45%

 

4 RCTs: leg strength: SMD 0.613, 95% CI 0.119- 1.107, P=0.015

 I2=76.7%

 

5 RCTs: marginally beneficial effect on balance: SMD 0.468, 95% CI 0.011– 0.947, P=0.055,

 I2=93.6%).

This study was based upon work funded by the Zhejiang Provincial Natural Science Foundation of China under grant No. LY14H070001.

1

limitations:
most studies reported fractures as a secondary endpoint or a simple observation
classification of exercise types with overlapping categories
relative small sample size and low study quality in some trials

 

"Our findings implied that exercise interventions were effective in preventing fall-related fractures and reducing risk factors of fall-related fractures in older people."

 

Zhang 2015

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Zhang

 

2015

 

Osteoporos Int

meta-analysis (prospective cohort studies)

 

18 prospective cohort studies

n = 3,730,424 pts

n =  26,168 hip fracture cases.

 

China

 

PubMed (1966 to January 1, 2014)

EMBASE (1980 to  January 1, 2014)

light alcohol consumption:0.01–12.5 g/day

 

moderate alcohol consumption: 12.6–49.9 g/day)

 

heavy alcohol consumption: ≥50 g/day)

 

Non-drinkers

 

 

relationship between alcohol consumption and the risk of hip fractures

hip fractures

any drinkers vs. non-drinkers

alcohol consumption: RR 1.03 (95 % CI, 0.91–1.15), with high heterogeneity between studies (P<0.001,I2=72.6%).

 

nonlinear relationship between alcohol consumption and the risk of hip fracture: Pnonlinearity=0.003

 

 

hip fractures compared with non-drinkers

 

light alcohol consumption (0.01–12.5 g/day): RR 0.88 (95 % CI, 0.83–0.89)

 

moderate alcohol consumption (12.6–49.9 g/day): RR 1.00 (95 % CI, 0.85–1.14)

 

heavy alcohol consumption (≥50 g/day): RR 1.71 (95 % CI, 1.41–2.01)

This study supported by the Fund for Key National Basic Research Program of China (grant no. 2012CB619101 and 81401852), Natural Science Foundation of Science and Technology Commission of Shanghai Municipality (14ZR1424000), Major Basic Research of Science and Technology Commission of Shanghai Municipality (grant no. 11DJ1400303). The funding sources had no role in the study design, collection, analysis, or interpretation of data, or writing of the report

2a

limitations:
moderate heterogeneity in terms of moderate alcohol consumption - variation in study designs + the quality of the analyzed studies


lifetime exposure to alcohol were not included in this meta-analysis


methodological differences among the studies


scarcity of data: most causes of heterogeneity could not be explored, and the inadequate controls of confounding factors


only four studies were included in the stratified analysis

 

"There was no evidence of publication bias. In conclusion, a nonlinear association between alcohol consumption and the risk of hip fracture was observed in this meta-analysis. Further, light alcohol consumption was inversely significantly associated with hip fracture risk, whereas heavy alcohol consumption was associated with an elevated hip fracture risk."

 

Vestergaard 2003

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Vestergaard

 

2003

 

Journal of Internal Medicine

Systematic review (Cohort, case–control, and cross-sectional studies)

 

50 studies

n= 12 399

 

Denmark

 

PubMed: 1966–2002

EMBASE: 1980–2002

 

Pts with hip, wrist, spine fracture

 

smokers vs. non-smokers

 

 

Fracture occurrence in current, previous, and never smokers.

Fracture risk

 

current smokers

all fracture types: pooled RR 1.26, 95% CI 1.12–1.42

hip: 1.39, 95% CI 1.23–1.58

spine fractures: 1.76, 95% CI 1.10–2.82

wrist fractures: 0.86, 95% CI 0.46–1.60

 

previous smokers vs. current smokers

all types of fractures: 1.02, 95% CI 0.85–1.22, P = 0.03

hip fractures: 1.19, 95% CI 1.06–1.34, P = 0.04)

 

All types

Women Current: 1.33(1.14–1.54) <0.01

Men Current: 1.60(1.11–2.30) <0.01

 Women Previous: 1.18(1.12–1.36) <0.01

Men Previous: 1.38(1.10–1.75) 0.12

 

No major difference was present between male and female current smokers (P = 0.18 by univariate Poisson analysis) and previous smokers (P =0.11 by univariate Poisson regression).

 

Funding: none.

3a

Limitations:
lack of studies from countries outside Europe and North America


number of studies in men is limited


no possibility to specifically analyse the effects of time since cessation of smoking and the effects of serum oestrogen or vitamin D levels


studies were also heterogeneous regarding age, gender, age, treatment and purpose for publication.

 

"Smoking is associated with an increased overall fracture risk, an increased risk of hip and spine but not wrist fractures. Cessation of smoking seems associated with a decrease in fracture risk. The impact of smoking varied geographically with an increase with latitude."

 

Ensrud 2000

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Ensrud

 

2000

 

Ann Intern Med.

Prospective cohort study

 

4 center

 

N = 9704

 

USA

 

09/1986 – 10/1988

N = 9.704 women at least 65 years of age

 

Mean age 6 SD, y: 76.5 ± 4.7

 

 

Age, n (%)

69±74 y: 2282 (42)

75±79 y: 1871 (34)

80±84 y: 890 (16)

≥85 y: 409 (8)

Dietary calcium intake <400 mg/d

Dietary calcium intake > = 400 mg/d

Thesis: low fractional calcium absorption in women with low calcium intake increases the risk for subsequent hip and other nonspine fractures.

average of 4.8 years

at least one nonspine fracture: 729 women (13%)

 

hip fractures: 153/729

 

Association between Fractional Calcium  Absorption and Fracture

Fracture

Any nonspine (n=729): 1.09 (1.01±1.18)

Hip (n=153): 1.24 (1.05±1.48)

Any nonhip (n= 588): 1.05 (0.96±1.14)

Wrist (n= 133): 0.95 (0.80±1.14)

Humeral (n= 99): 1.04 (0.85±1.27)

 

Fractional Calcium Absorption and Risk for Hip Fracture according to Risk Subgroup

 

Age <75 y: Hip Fractures: 31; RR 0.94 (0.66±1.33)

Age ≥75 y: Hip Fractures: 122; RR 1.51 (1.25±1.82)

Dietary calcium intake

<400 mg/d: Hip Fractures: 52; RR 1.60 (1.16±2.19)

≥400 mg/d: Hip Fractures: 101; RR 1.10 (0.90±1.36)

Current use of supplemental calcium

No: Hip Fractures: 84; RR 1.33 (1.05±1.68)

Yes: Hip Fractures: 69; RR 1.15 (0.89±1.48)

Current use of supplemental vitamin D

No: Hip Fractures: 92; RR 1.29 (1.03±1.62)

Yes: Hip Fractures: 61; RR 1.18 (0.90±1.55)

 

Association between Fractional Calcium Absorption and Hip Fracture, Stratified by Dietary Calcium Intake and Use of Vitamin D Supplements

 

Women who did not use Vitamin D Supplements

Dietary Calcium Intake

<400 mg/d: 1.53 (1.06±2.22)

≥400 mg/d: 1.16 (0.87±1.54)

Women who used Vitamin D Supplements

Dietary Calcium Intake

<400 mg/d: 1.85 (1.00±3.40)

≥400 mg/d: 1.04 (0.76±1.41)

Grant Support: By the National Institutes of Health and by grants from the Public Health Service (AG05407, AR35582, AG05394, AR35584, and AR35583).

3b

limitations:
participants were elderly, community-dwelling white volunteers; may not apply to other populations


spine radiographs were not obtained at the fourth examination or during follow up.


limited range of supplemental vitamin D doses used by the women


power for subgroup analyses was limited
fractional calcium absorption may affect risk for hip fracture through several mechanisms


Measurements of mediating factors, such as 1,25-dihydroxyvitamin D, endogenous estrogen levels, and renal calcium excretion, were not available for a sufficient number of participants

"In elderly women, low fractional calcium absorption in the setting of low calcium intake increases the risk for hip fracture. Our findings support the hypothesis of type II osteoporosis, which postulates that decreased calcium absorption is an important risk factor for hip fracture in older persons."

 

Liu 2020

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Liu

 

2020

 

Food Funct.

 

Dawson et al. 1997 US

Lau et al. 2002 China

Grados et al. 2003 France

Chee et al. 2003 Malaysia

Porthouse et al. 2005  England

Moschonis et al. 2006 Greece

Jackson et al. 2006 US

Karkkainen et al. 2010 Finland

Moschonis et al.(A)* 2010 Greece

Moschonis et al.(B)* 2010 2Greece

Salovaara et al. 2010 Finland

Moschonis et al. 2011 Greece

Bolland et al. 2011 New Zealand

Sullivan et al.(<40) 2017 US

Sullivan et al.(40–49) 2017 US

Sullivan et al.(≥50) 2017 US

Bolton et al. 2007 England

Dawson et al. 2000 US

systematic review and meta-analysis

 

15 RCTs

 

N = 78206

 

PubMed, Cochrane library, Web of science and EMBASE databases up to Feb, 2020

postmenopausal women with osteoporosis

 

 

Age: 50 – 79 years

intervention group: 37.412

 

calcium combined with vitamin D

control group: 40.794

 

 

osteoporosis patients, who supplemented placebo or without intervention

Outcomes:

baseline and endpoint values for BMD changes, the incidence of fractures.

Combined calcium and vitamin D significantly increased

  • total bone mineral density (BMD): SMD = 0.537; 95% CI: 0.227 - 0.847)

  • lumbar spine BMD: SMD = 0.233; 95% CI: 0.073 - 0.392; P < 0.001

  • arms BMD: SMD = 0.464; 95% CI: 0.186 - 0.741

  • femoral neck BMD: SMD = 0.187; 95% CI: 0.010 - 0.364

 

reduced the incidence of hip fracture: RR = 0.864; 95% CI: 0.763 - 0.979 – sign.

 

combined calcium and vitamin D

 

vitamin D intake more than 400 IU d−1; increased femoral neck BMD: SMD = 0.335; 95% CI: 0.113 to 0.558 – sign.

 

more than 400 IU d−1; increased femoral neck BMD: SMD = −0.098; 95% CI: −0.109 to 0.305 – not sign.

 

dairy products fortified with calcium and vitamin D

total BMD: SMD = 0.784; 95% CI: 0.322 to 1.247) – sign.

lumbar spine BMD: SMD = 0.320; 95% CI: 0.146 to 0.494 – sign.

 

This study was funded by the National Basic Research Program of China (973 Program: 2015CB553604); by National Natural Science Foundation of China (NSFC: 81773433); and by the Key Scientific Research Projects in Shandong Provence China (2017YYSP007). The funders have no role in study design, data collection and analysis, decision to publish, or preparation of the manuscript

1

limitations: (1) some studies had relatively small sample size (3 studies contained less than 50 participants in each group); (2) there were obvious between study heterogeneity concerning the effect of vitamin D on
femoral neck BMD.

 

"Dairy products fortified with calcium and vitamin D have a favorable effect on bone mineral density. Combined calcium and vitamin D supplementation could prevent osteoporosis hip fracture in postmenopausal women."

 

Literaturhinweise

[1330] Coleman, R, Hadji, P, Body, JJ, Santini, D, Chow, E, Terpos, E, et.al. Bone health in cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines., Ann Oncol, 2020. 31 (12)(12): p. 1650-1663., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32801018/

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[1332] Kyle, R. A., Gertz, M. A., Witzig, T. E., Lust, J. A., Lacy, M. Q., Dispenzieri, A., et.al. Review of 1027 patients with newly diagnosed multiple myeloma, Mayo Clin Proc, 2003. 78: p. 21-33.

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