Leitlinienprogramm OnkologieSupportive Therapie

12. Paravasate – Supportive Therapie

Version 2.1 · Mai 2026 · AWMF 032-054OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Autor*innen: Prof. Dr. Maike de Wit, Prof. Dr. Heinrich Dickel, PD Dr. Mojtaba Ghods, Dr. Wilfried Grothe, Dr. Burkhard Kreft, Dr. Tilman Schöning, Prof. Dr. Daniel Vallböhmer, Prof. Dr. Tim Vilz

12.1 Inzidenz von Paravasaten

Paravasate von Tumortherapeutika sind eine sehr gefürchtete, z. T. sehr schwerwiegende, aber in den allermeisten Fällen vermeidbare Komplikation in der Hämatologie und Onkologie. In der Literatur findet sich eine geschätzte Häufigkeit für alle Paravasationen von 0,1 % bis max. 6,5 % [2368][2369]. In neueren Untersuchungen werden deutlich niedrigere Inzidenzen angegeben [2370][2371].

Aufgrund einer fehlenden zentralen Dokumentation ist die wahre Inzidenz weiterhin unklar und liegt vermutlich höher als angenommen [2372].

Im Jahr 2017 wurde durch die Oncology Nursing Society (ONS) versucht, eine nationale Benchmark für Chemotherapie-Paravasate zu definieren. Für die mehr als 700.000 ausgewerteten Infusionen wurde eine Paravasate-Inzidenz von 0,09 % ermittelt [2373].

Kommt es zu einer Paravasation bei zentral implantierten Venenzugängen, sind diese mit z.T. schwerwiegenderen Komplikationen assoziiert. Hierfür finden sich in der Literatur Inzidenz-Angaben von 0,26 % bis 4,7 % [2374][2375][2376].

 

12.2 Definition und Schädigungstypen

Bei einem Paravasat kommt es definitionsgemäß entweder zu einem Austritt des Tumortherapeutikums aus einem Gefäß in das umliegende Gewebe oder das Tumortherapeutikum wird versehentlich direkt in das Gewebe injiziert [2377]. Die Gewebeschädigung kann von einer lokalen Entzündung bis zu einer Nekrose reichen. Bei Zerstörung von Nerven und Muskulatur kann es in der Folge zu einem vollständigen Funktionsverlust der betroffenen Extremität und sogar zur Amputation kommen [2378].

12.1 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2025

Verbreitet ist die Einteilung von Paravasaten in drei Schädigungstypen:

  1. gewebenekrotisierend (Vesicans)
  2. gewebereizend (Irritans)
  3. nicht gewebeschädigend (Non Vesicans/Neutrals)
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisVerbreitet ist die Einteilung von Paravasaten in 3 Schädigungstypen: 1. Gewebenekrotisierend (Vesicans) 2. Gewebereizend (Irritans) 3. Nicht gewebeschädigend (Non Vesicans/Neutrals)

Der Umfang der lokalen Schädigung hängt in erster Linie von der Art des Tumortherapeutikums ab. Es werden drei Schädigungs-Typen unterschieden (siehe Tabelle Einteilung der Substanzen nach ihrem Schädigungsmuster) [2379][2380][2381][2382][2383][2377]:

1. Gewebenekrotisierender Schädigungstyp (Vesicans): Ein nekrotisierendes Agens (Vesicans) kann zur Blasenbildung und letztendlich zum lokalen Gewebsuntergang mit Nekrosen und Ulzerationen führen. Dieser Schädigungstyp kann in Nicht-DNS-bindende und DNS-bindende Substanzen weiter unterteilt werden:

Nicht DNS-bindenden Substanzen, z.B. Taxane und Vincaalkaloide, werden im Gewebe metabolisiert und neutralisiert.

DNS-bindende Substanzen, vor allem die Anthrazykline, aber auch Alkylanzien, verbleiben über längere Zeit im Gewebe und verursachen einen anhaltenden Schädigungszyklus mit entsprechend ausgedehnteren Gewebeschäden.

2. Gewebereizender Schädigungstyp (Irritans): Gewebereizende Tumortherapeutika führen meistens zu Schmerzen an der Injektionsstelle oder im Venenverlauf mit oder ohne lokale Inflammation. Es findet sich in der Regel keine Nekrose. Bei Austritt großer Mengen kann es allerdings zu kleineren Ulzerationen im Weichteilgewebe kommen.

3. Nicht gewebeschädigender Schädigungstyp (Non Vesicans bzw. Neutrals): Nicht gewebeschädigende Tumortherapeutika verursachen normalerweise keine lokalen Reaktionen. Einige von ihnen, wie beispielsweise Bleomycin und Methotrexat, können sogar intramuskulär verabreicht werden [2384].

Die Zuordnung der einzelnen Substanzen zu einem der drei Schädigungsmuster erfolgt auf einer teilweise sehr schmalen Datenbasis, wie einzelnen Fallberichten, Fallserien oder Herstellerangaben. Teils wurde die Verwendung unterschiedlicher Konzentrationen nicht berücksichtigt, teils entsprechen die Substanz-Eigenschaften nicht direkt den Schädigungstypen, sondern liegen zwischen diesen (z.B. Taxane und Oxaliplatin). Entsprechend bestehen teils erhebliche Abweichungen der Listen, die im Zeitverlauf von unterschiedlichen Iokalen, nationalen und internationalen Institutionen erstellt wurden.

Die in der Tabelle Einteilung der Substanzen nach ihrem Schädigungsmuster dargestellte Einteilung der Substanzen kann daher nur eine Orientierung bieten, die auf einer aktuellen Literatur-Recherche und dem Konsens der Arbeitsgruppe beruht.

Tabelle 94: Einteilung der Substanzen nach ihrem Schädigungsmuster

Vesicants

Irritants

Neutrals

Amsacrin

Arsentrioxid

Aflibercept

Carmustin

Bendamustin

Aldesleukin

Cisplatin > 0,4 mg/ml1

Busulfan

Alemtuzumab

Dactinomycin

Cabazitaxel

Amivantamab

Daunorubicin

Carboplatin1

Asparaginase

Doxorubicin

Cisplatin < 0,4 mg/ml1

Atezolizumab

Epirubicin

Dacarbazin

Avelumab

Idarubicin

Daunorubicin/Cytarabin (liposomal)2

Bevacizumab

Mechlorethamine

Docetaxel

Bleomycin

Mitomycin-C

Doxorubicin (pegylated and liposomal)2

Blinatumomab

Mitoxantron

Enfortumab-Vedotin

Bortezomib

Paclitaxel

Etoposidphosphat

Brentuximab-Vedotin

Trabectedin

Etoposid

Carfilzomib

Vinblastin

Floxuridin

Cemiplimab

Vincristin1

Fluorouracil1, 3

Cetuximab

Vincristin liposomal2

Fotemustin

Cladribin

Vindesin

Gemcitabin

Clofarabine

Vinflunin

Ifosfamid

Cyclophosphamid

Vinorelbin

Irinotecan

Cytarabin

 

Irinotecan (liposomal)2

Cytarabin liposomal

Ixabepilon

Daratumumab

 

Loncastuximab-Tesirin

Decitabin

 

Lurbinectedin

Denosumab

 

Melphalan

Dinutuximab

 

Paclitaxel-nab

Dostarlimab

 

Oxaliplatin

Durvalumab

Sacituzumab-Govitecan

Eculizumab

 

Streptozocin

Elotuzumab

 

Temozolomid

Emapalumab

 

Teniposid

Eribulin

 

Topotecan

Fludarabin

Trastuzumab-Emtasin

Gemtuzumab-Ozogamicin

 

Treosulfan

Inotuzumab-Ozogamicin

 

 

Ipilimumab

 

 

Isatuximab

 

 

Methotrexat

 

Mosunetuzumab

 

Naxitamab

 

 

Nelarabin

Nivolumab

 

Obinutuzumab

 

 

Ofatumumab

 

 

Panitumumab

 

 

Pembrolizumab

 

 

Pemetrexed

 

 

Pentostatin

 

 

Pertuzumab

 

 

Pixantron

 

 

Polatuzumab-Vedotin

 

 

Pralatrexate

 

 

Raltitrexed

 

 

Ramucirumab

 

 

Rituximab

 

 

Siltuximab

 

Tafasitamab

 

Tagraxofusp

 

Tebentafusp

Teclistamab

 

Temsirolimus

 

 

Thiotepa

 

 

Tisotumab-Vedotin

 

 

Trastuzumab

 

 

Trastuzumab-Deruxtecan

Tremelimumab

1Höhere Konzentrationen sind mit einem höheren Risiko für Gewebeschäden verbunden.

2Die Erfahrungen mit liposomalen Substanzen sind begrenzt. Im Allgemeinen werden Gewebeschäden im Vergleich zu nicht liposomalen Substanzen als weniger wahrscheinlich angesehen.

3Hohes Risiko einer Venenentzündung bei kontinuierlicher Infusion.

Zu berücksichtigen ist die Limitation der Klassifikation aufgrund der wenigen Daten zu Paravasaten, insbesondere bei neueren Substanzen

 

12.3 Stadien-Einteilung von Paravasatschäden

Die Beurteilung der Schädigung erfolgt an Hand von fünf Kriterien: Schmerz, Ödem, Zeit bis zur kapillären Füllung, Hauttemperatur und Hautintegrität.

Eine einheitliche Dokumentation erleichtert die Vergleichbarkeit der Schädigungen. Nach Millam (1988) können vier Stadien unterschieden werden [2385][2386][2387].

Tabelle 95: Stadien-Einteilung von Paravasatschäden (nach Millam 1988)

Stadium 1

Stadium 2

Stadium 3

Stadium 4

Schmerzen an der Punktionsstelle

Spülung mit Schwierigkeit

kein Erythem oder Schwellung

Schmerzen an der Punktionsstelle

leichte Schwellung

leichte Rötung

keine Blässe

rasche kapilläre Füllung unter dem Infiltrat

gutes Pulsvolumen unter dem Infiltrat

Schmerzen an der Punktionsstelle

deutliche Schwellung

Abblassung

Kälte

rasche kapilläre Füllung unter dem Infiltrat

gutes Pulsvolumen unter dem Infiltrat

Schmerzen an der Punktionsstelle

sehr ausgeprägte Schwellung

Abblassung

Kälte

kapilläre Füllung nach > 4 Sekunden

schwacher oder fehlender Puls

Zerfall der Haut

Nekrose

 

Der Nutzen einer einheitlichen Stadien-Einteilung von Paravasat-Verletzungen zur Dokumentation, Einordnung von Fallberichten und für die Beurteilung therapeutischer Maßnahmen im Rahmen von Forschungsprojekten wird in der neueren Literatur an vielfacher Stelle betont [2388][2389][2390].

Neben Adaptionen der auf Millam (1988) zurückzuführenden Stadien-Einteilung findet eine Einteilung nach den Common Terminology Criteria for Adverse Events (NCI CTCAE, Version 5.0) Anwendung. Diese nominal fünfgradige Einteilung besteht de facto aus zwei Stadien: Grad 2 - Lokalreaktion und Grad 3 - Ulzeration oder Nekrose und impliziert bei Grad 3 Verletzungen ein chirurgisches Vorgehen. Diese Einteilung kann alternativ zu den Millam-Stadien verwendet werden [2391]

Unverändert werden die Stadieneinteilungen in Praxis und Publikationen nur selten eingesetzt: In einer britischen Befragung unter Kinderonkolog*innen aus dem Jahr 2018 wurde in nur 5 von 13 führenden onkologischen Abteilungen per Protokoll eine Stadien-Einteilung zur Beurteilung des Schweregrades einer Paravasation verwendet [2389]. In einem systematischen Review von 26 Studien über Paravasationen bei Kindern wurde das Ausmaß der Schädigung nur bei 197 der 728 eingeschlossenen Kinder (27 %) festgehalten [2392]. Die Einordnung von Fallberichten und der Vergleich von Studienergebnissen werden hierdurch beeinträchtigt.

12.4 Klinischer Verlauf eines Paravasates

Frühe Symptome sind meistens eine Lokalreaktion mit Schmerzen unterschiedlicher Intensität. Diese treten normalerweise sofort, seltener zeitlich verzögert erst nach Tagen und sehr selten nach Wochen auf [2393]. Im Folgenden ist der zeitliche Verlauf einer typischen Anthrazyklin-Paravasation dargestellt [2379][2372][2391]:

Sofort nach Paravasation treten brennende, stechende Schmerzen mit lokaler Schwellung und Rötung auf.

Stunden später folgt meistens ein Ödem mit zunehmenden Schmerzen und lokaler Rötung.

Innerhalb von Tagen kommt es zu einer Induration mit Thrombosierung von Kapillaren mit Nekrobiose von Kollagen.

Nach mehreren Wochen können nach wie vor Schmerzen vorhanden sein. Im Wundgebiet können Sklerosierungen, Hautatrophien und möglicherweise Exulzerationen auftreten. Ulzera entwickeln sich schleichend und dringen bis in die tieferen Hautschichten vor.

Erst nach Wochen und Monaten kommen die Ulzerationen zum Stillstand. Eine langsame Abheilung beginnt nach ca. sechs Monaten. Hauttransplantate werden häufig abgestoßen. Als Dauerschäden können Kontrakturen mit Dauerschmerzen auftreten. In Ausnahmefällen kann eine Amputation der betroffenen Extremität notwendig werden.

12.5 Differenzialdiagnosen

In Abgrenzung zu einem Paravasat müssen verschiedene Differenzialdiagnosen in Erwägung gezogen werden.

12.2 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Paravasaten sollen die wesentlichen Differenzialdiagnosen berücksichtigt werden.

Dazu zählen die Thrombophlebitis, lokale und systemische Hypersensitivitätsreaktionen, das Recall-Phänomen und die Photosensitivität.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Paravasaten sollen die wesentlichen Differentialdiagnosen berücksichtigt werden. Dazu zählen die Thrombophlebitis, lokale und systemische Hypersensitivitätsreaktionen, das Recall-Phänomen und die Photosensibilisierung.

12.5.1 Thrombophlebitis

Die Thrombophlebitis zählt zu den häufigsten lokalen Komplikationen bei der Applikation von Tumortherapeutika. Der Entstehungsmechanismus liegt zum einen in einer lokalen Infektion durch unsteriles Arbeiten und zum anderen in einer Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber dem Tumortherapeutikum begründet. Erklärbar ist diese Überempfindlichkeitsreaktion auch durch geringe Tumortherapeutikum-Mengen, die in das Endothel der Venenwand eindringen. In den allermeisten Fällen ist nicht das Tumortherapeutikum für die Thrombophlebitis verantwortlich, sondern die Trägersubstanz. Beispiele dafür sind Carmustin, Dacarbacin, Docetaxel, Fotemustin, Melphalan, Paclitaxel und Teniposid [2372].

12.5.2 Lokale Hypersensitivitätsreaktion

Bei der lokalen Hypersensitivitätsreaktion handelt es sich um einen immunologisch bzw. nicht-immunologisch vermittelten Prozess. Typischerweise treten Schmerzen im proximalen Verlauf der zur Injektion verwendeten Vene, Erytheme, urtikarielle Effloreszenzen mit Juckreiz oder äußerst selten eine Systemreaktion unter dem klinischen Bild einer Anaphylaxie auf. Die lokalen Symptome lassen meist innerhalb einer Stunde nach Beendigung der Infusion und Spülen des Gefäßes spontan nach. Die topische Applikation von potenten Glukokortikoiden, z.B. Clobetasolproprionat, wird manchmal als wirksam beschrieben. Eine lokale Hypersensitivitätsreaktion tritt besonders beim Einsatz von u. a. Asparaginase, Bleomycin, Melphalan und Cisplatin auf [2372][2394][2395]. Des Weiteren finden sich derartige lokale Hypersensitivitätsreaktionen auch bei der Applikation von Bendamustin. 

Davon abzugrenzen ist der sog. „Adriamycinflare“, der bei ca. 3 % der Doxorubicin-Applikationen vorkommen kann [2396][2397]. Klinisch finden sich Erytheme sowie Verhärtungen entlang des Venenverlaufes. Die Symptomatik bleibt auch nach Abbruch der Infusion bestehen [2372].

12.5.3 Systemische Hypersensitivitätsreaktionen

Allergische (anaphylaktische) bzw. nicht-allergische (anaphylaktoide) systemische Hypersensitivitätsreaktionen können grundsätzlich bei der zielgerichteten Antikörpertherapie, aber auch bei anderen Tumortherapeutika auftreten. Der zugrundeliegende Pathomechanismus ist in einem Teil der Fälle IgE-vermittelt und dann als immunologisch-vermittelte Soforttypallergie zu werten. Aber auch durch eine unspezifische, IgE-unabhängige Freisetzung von Anaphylaxie-Mediatoren - vordergründig Histamin - können gleichartige systemische Hypersensitivitätsreaktionen auftreten. Das klinische Bild reicht von einer generalisierten Urtikaria bis zum lebensbedrohlichen Schock. Häufiger beobachtet wurde dieses Phänomen z. B. bei Rituximab oder Paclitaxel [2398][2399].

12.5.4 Recall-Phänomen

Als Recall-Phänomen nach vorangegangener Chemotherapie wird das erneute Auftreten einer dermalen Reaktion an der ursprünglichen Paravasatstelle bei erneuter korrekter Applikation einer Chemotherapie beschrieben. Für Zytostatika ist dieses Phänomen in einigen Fallserien v. a. für Anthrazykline, Gemcitabin und Taxane beschrieben [2400][2382].

Als Recall-Phänomen nach vorangegangener Radiatio wird das Auftreten einer Chemotherapie-induzierten dermalen Reaktion an der ursprünglichen Stelle der Radiatio beschrieben. Dieses Phänomen wird v. a. bei der Applikation von Anthrazyklinen, Taxanen, Etoposid, Gemcitabin, Methotrexat, Vinblastin und Bleomycin beobachtet. Das Phänomen kann mit einer Latenz von bis zu 15 Jahren nach Abschluss der Bestrahlung auftreten [2401] und wurde offenbar auch nach Applikation neuer zielgerichteter Therapien und Immuncheckpoint-Inhibitoren beobachtet [2402][2403][2404][2405][2406][2407].

12.5.5 Photosensitivität

Generell sind alle Tumortherapeutika in der Lage die Photosensitivität, d.h. die Lichtempfindlichkeit zu erhöhen. Dabei können sie sowohl phototoxisch als auch photoallergisch wirken. Klinisch findet sich das Bild eines „Sonnenbrandes“ (Dermatitis solaris) mit Erythem, Ödem- bis hin zur Blasenbildung. Stark ausgeprägte Hautreaktionen konnten nach der Applikation von Dacarbazin beobachtet werden, aber auch Bleomycin, Dactinomycin, 5-FU, Methotrexat und Vinblastin können eine pathologisch erhöhte Lichtempfindlichkeit verursachen [2408]. Auch bei neueren Präparaten in der Tumortherapie kann eine erhöhte Lichtempfindlichkeit auftreten. Bekannt ist dies insbesondere für den BRAF-Inhibior Vemurafenib [2409].

12.6 Risikofaktoren

In den allermeisten Fällen ist ein Paravasat vermeidbar. Vor Applikation von Tumortherapeutika ist es sinnvoll, das Risiko für das Auftreten einer Paravasation anhand bestimmter Risikofaktoren zu bestimmen. Ein entsprechender Score existiert nicht. Es werden folgende Risikofaktoren unterschieden: iatrogene, Patient*innen-, Wirk- oder Hilfsstoff- und Katheter-assoziierte Risikofaktoren (Tabelle Zusammenfassung der wesentlichsten Risikofaktoren für das Auftreten einer Paravasation) [2379][2410][2372][2381]. 

Tabelle 96: Zusammenfassung der wesentlichsten Risikofaktoren für das Auftreten einer Paravasation

Iatrogen

Patient*innen-assoziiert

Wirk-/ Hilfsstoff-assoziiert

Katheter-assoziiert

nicht-qualifiziertes oder übermüdetes Personal

unangemessenes Umfeld bei der Punktion:

Zeitdruck

fehlende Ruhe und Platz

fehlende Lagerungsmöglichkeit für den Unterarm

Venenbeschaffenheit (fragile oder sklerosierte Gefäße)

gewebeschädigendes Potential und Menge der eingesetzten Substanz

mangelhafte Fixierung des Zugangs bzw. der Portnadel

Venenpunktionstechnik (z.B. multiple Punktionen)

(Thrombo-)Phlebitis

Konzentration des Wirkstoffes in der Zytostatika-Zubereitung

zu tief implantierte Portsysteme, ungünstige Stelle

Selektion des Punktionsortes:

Unterarm →

Handrücken →

Ellenbeuge (am unsichersten)

Veränderungen der venösen Zirkulation (z.B. Leberzirrhose)

unphysiologischer pH-Wert und Osmolarität

Katheter-Fehllagen

Bolus-Injektionen

generalisierte Gefäßerkrankungen

applizierte Menge und Konzentration der beigesetzten Hilfsstoffe

Thrombosen der Portspitze

unzureichende Überwachung der Punktionsstelle bei laufender Infusion

Intransparentes Verbandsmaterial

verminderte Lymphdrainage nach axillärer Lymphknoten-dissektion

Vasoaktivität

lang einliegende Kathetersysteme und damit Verschleiß des Kathetermaterials

unzureichende Patient*innenaufklärung über die Wichtigkeit der Angabe von Schmerzen

vorbestehende Polyneuropathie und damit einhergehendes vermindertes Schmerzempfinden

direkter zytotoxischer Effekt (DNS-bindend und Nicht-DNS-bindend)

Port Diskonnektionen/ Ruptur des Portschlauches

Nichtbeachten von Patient*innenangaben über Schmerzen etc.

motorische Unruhe

 

 

 

eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit (ältere, jüngere Patient*innen, Patient*innen mit kultureller und/oder sprachlicher Barriere)

 

 

 

Adipositas

 

 

 

12.6.1 Katheter-assoziierte Risikofaktoren (Portsysteme, zentralvenöse Katheter)

Bei Patient*innen mit schlechten Venenverhältnissen bietet es sich an, vor Beginn einer Chemotherapie ein zentrales Kathetersystem zu implantieren. Damit kann das Risiko für eine Paravasation gesenkt werden. Falls es jedoch zur Paravasation bei zentralen Zugängen kommt, ist mit einem größeren Ausmaß an Gewebeschädigung zu rechnen. Des Weiteren gestaltet sich die Behandlung derartiger Paravasate z.T. sehr schwierig. Bei Portsystem-assoziierten Paravasaten kann es zu einer Schädigung von Thoraxwand, mediastinalen Strukturen und des Pleuraraumes kommen [2411]. Die Injektion von Zytostatika über ein Port-System oder einen zentralvenösen Katheter gegen erhöhten Widerstand ist zu vermeiden, da Fehllagen bzw. Diskonnektionen des Portschlauches mit entsprechender Paravasation beschrieben sind [2412]. In solchen Verdachtsfällen muss eine Röntgen-Kontrastmitteldarstellung unter Durchleuchtung erfolgen.

12.7 Prophylaxe von Paravasaten

Um das Risiko für eine Paravasation von Tumortherapeutika zu minimieren oder gänzlich zu verhindern, steht die Prophylaxe von Paravasaten im Vordergrund. Vor der Applikation von Tumortherapeutika ist es wichtig, den Wirkstoff hinsichtlich seines Gefahrenpotenzials bei Paravasation zu kategorisieren (siehe Tabelle Einteilung der Substanzen nach ihrem Schädigungsmuster).

Damit das Personal geschult ist und eingearbeitet bleibt, wird eine regelmäßige z.B. jährliche Schulung zu dem Thema empfohlen [2413].

12.3 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2025
Folgende Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Paravasaten sind zu beachten:
1. Verabreichung nur durch geschultes Personal
2. Aufklärung der Patientin/ des Patienten über die Möglichkeit eines Paravasates mit den entsprechend einhergehenden Symptomen (Schmerz, Schwellung, Rötung) und Aufforderung zu vorsichtigem Verhalten
3. Anlage eines Gefäßzuganges in einem angemessenen Umfeld, möglichst in Unterarmmitte, keine Mehrfachpunktionen derselben Vene
4. möglichst Verwendung flexibler Kanülen (keine Stahlkanülen)
5. sichere Fixierung des Gefäßzuganges, möglichst mit Einsicht auf die Punktionsstelle (transparentes Verbandsmaterial)
6. Lagekontrolle: Aspiration von Blut, Spülung des Zuganges mit NaCl 0,9 % (außer Oxaliplatin: 5%ige Glukose), bei zentralvenösen Kathetern bei Bedarf zusätzlich Lagekontrolle mittels Röntgen-Thorax oder ggf. Kontrastmitteldarstellung
7. Applikation: nicht gegen einen Widerstand, Eile bei der Applikation vermeiden, regelmäßige Kontrolle des Zugangs
8. Spülung nach Ende der Applikation, um Substanzrückstände im umliegenden Gewebe zu verhindern
9. Besonderheiten bei nekrotisierenden Substanzen:
  • bei Polychemotherapie zuerst Gabe des Vesicans
  • keine Applikation mit Spritzenpumpe
  • keine Dauerinfusion über einen peripher venösen Zugang
  • bei Bolus-Injektion vorzugsweise Applikation via Y-Stück
10. bei geplanter wiederholte Gabe von nekrotisierenden Substanzen Anlage eines Dauerkatheters (z.B. venösen Portsystem) in Erwägung ziehen
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisFolgende Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Paravasaten sind zu beachten: Verabreichung nur durch geschultes Personal, Aufklärung des Patienten über die Möglichkeit eines Paravasates mit den entsprechenden einhergehenden Symptomen (Schmerz, Schwellung, Rötung), Anlage eines Gefäßzuganges möglichst in Unterarmmitte, keine Mehrfachpunktionen derselben Vene möglichst Verwendung flexibler Kanülen (keine Stahlkanülen), sichere Fixierung des Gefäßzuganges möglichst mit Einsicht auf die Punktionsstelle, Lagekontrolle: Aspiration von Blut, Spülung des Zuganges mit NaCl 0,9 % (außer Oxaliplatin: 5 %ige Glucose), bei zentralvenösen Kathetern zusätzlich Lagekontrolle mittels Röntgen-Thorax oder ggf. Kontrastmitteldarstellung Applikation: nicht gegen einen Widerstand, Eile bei der Applikation vermeiden, regelmäßige Kontrolle des Zuganges, Spülung nach Ende der Applikation, um Substanzrückstände im umliegenden Gewebe zu verhindern, Besonderheiten bei nekrotisierenden Substanzen: bei Polychemotherapie zuerst Gabe des Vesikans, keine Applikation mit Perfusor, keine Dauerinfusion über peripher venösen Zugang, bei Bolus-Injektion vorzugsweise Applikation via Y-Stück.

In der Literatur gibt es keine eindeutigen, wissenschaftlich belegten Informationen zur Verwendung von Infusionspumpen. Die internationalen Empfehlungen sind widersprüchlich. Auch ohne den Einsatz von Infusionspumpen ist ein Paravasat möglich. Vorstellbar ist, dass Infusionspumpen mit einem sensiblen Alarmsystem größere Paravasate verhindern. Allerdings liegen keine vergleichenden Studien vor. Werden Spritzenpumpen eingesetzt, ist auf einen minimalen Infusionsdruck und niedrige Druckgrenzen zu achten, um einen frühzeitigen Alarm mit Förderstopp auszulösen.

12.8 Allgemeine therapeutische Maßnahmen bei Paravasation

Sobald das Auftreten eines Paravasates bemerkt wird, ist umgehend eine entsprechende Therapie einzuleiten [2414][2383].

12.4 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2025

Sofortmaßnahmen:

1. Kanüle oder Portnadel belassen
2. sofortiges Beenden der Infusion
3. Paravasat-Notfallset besorgen
4. Handschuhe anziehen
5. keinen Druck auf Paravasatstelle ausüben
6. mit einer 10 ml Spritze so viel wie möglich des Paravasates ohne Druck von außen aspirieren
7. anschließend Kanüle oder Portnadel unter Aspiration entfernen
8. Hochlagerung und Ruhigstellung der betroffenen Extremität
9. Applikation einer entsprechenden Analgesie (falls erforderlich)
10. Applikation von trockener Kälte oder Wärme (falls indiziert, siehe Kapitel 12.10)
11. Applikation eines Antidots (falls indiziert, keinesfalls über den gleichen Zugang, siehe Kapitel 12.11)
12. Konsultation einer Chirurgin/ eines Chirurgen (falls indiziert, siehe Kapitel 12.13)
13. Sorgfältige Dokumentation der Paravasation
  • Markierung der Paravasatstelle
  • wenn möglich Fotodokumentation
  • ggf. weitere Bildgebung
  • Verwendung eines standardisierten Dokumentationsbogens
  • wiederholte Kontrollen und Dokumentation in Abhängigkeit der Symptomatik
14. keine Okklusivverbände oder Alkoholumschläge
15. Aufklärung der Patientin/ des Patienten über das stattgefundene Paravasat und Aufforderung zur Selbstbeobachtung (Schmerz, Schwellung, Rötung)
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisSofortmaßnahmen: Kanüle oder Portnadel belassen, sofortiges Beenden der Infusion, Paravasat-Notfallset besorgen, Handschuhe anziehen, keinen Druck auf Paravasatstelle ausüben, mit einer 10 ml Spritze so viel wie möglich des Paravasates aspirieren, anschließend Kanüle oder Portnadel unter Aspiration entfernen, Hochlagerung und Ruhigstellung der betroffenen Extremität, Applikation einer entsprechenden Analgesie (falls erforderlich), Applikation von trockener Kälte oder Wärme (falls indiziert, Siehe 11.9), Applikation eines Antidots (falls indiziert, keinesfalls über gleichen Zugang Siehe 11.10), Konsultation eines Chirurgen (falls indiziert, Siehe 0), sorgfältige Dokumentation der Paravasation (Markierung der Paravasatstelle; wenn möglich Fotodokumentation, ggf. weitere Bildgebung, Dokumentationsbogen ausfüllen), wiederholte Kontrollen und Dokumentation in Abhängigkeit der Symptomatik. keine Okklusivverbände oder Alkoholumschläge Aufklärung des Patienten über das stattgefundene Paravasat und Aufforderung zur Selbstbeobachtung (Schmerz, Schwellung, Rötung)

12.9 Substanz-spezifische Therapie bei Paravasation

Nach Durchführung allgemeiner therapeutischer Maßnahmen ist in Abhängigkeit der ausgetretenen Substanz eine spezifische Therapie zu initiieren. Das Therapieprinzip richtet sich nach dem Schädigungstyp der jeweiligen Substanz (siehe Kapitel Definition und Schädigungstypen).

DNS-bindende Substanzen: („Localise and Neutralise Strategy“):

Einsatz trockner Kälte um die Verteilung des Vesicans und die zelluläre Wiederaufnahme zu behindern.

Zusätzlich Einsatz eines substanzspezifischen Antidots.

Nicht-DNS-bindende Substanzen: („Disperse and Dilute Strategy“):

Einsatz von trockener Wärme zur Vasodilatation und damit Verbesserung der Durchblutung.

Zusätzlicher Einsatz substanzspezifischer Therapeutika mit dem Ziel der Steigerung der Reabsorption.

12.10 Lokale Thermotherapie

12.10.1 Trockene Wärme

12.5 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Paravasation von Vincaalkaloiden und Oxaliplatin sollte trockene Wärme 4-mal täglich für 20 min über 24 - 48 Stunden zusätzlich zu den anderen Maßnahmen appliziert werden.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Paravasation von Vincaalkaloiden sollte trockene Wärme 4mal täglich für 20 min über 24-48 Stunden zusätzlich zu den anderen Maßnahmen appliziert werden.

Durch die Applikation von Wärme kommt es zu einer Vasodilation und in der Folge zu einem gesteigerten Abtransport der toxischen Substanz aus dem Gewebe, eine Wirksamkeit wurde bei Paravasaten mit Vincaalkaloiden aber auch Oxaliplatin gezeigt [2415][2416][2417][2378][2383].

Für die Paravasation anderer Zytostatika finden sich in der Literatur keine Angaben, sodass bezüglich der Applikation von Wärme bei anderen Substanzen keine Aussage möglich ist.

12.10.2 Trockene Kälte

12.6 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Paravasation von Amsacrin, Cisplatin, Dactinomycin, nicht-liposomalen Anthrazyklinen, Mitoxantron und Mitomycin sollte trockene Kälte 4-mal täglich für mindestens 15 Minuten über 24 - 48 Stunden zusätzlich zu den anderen Maßnahmen angewendet werden.

Für die Applikation von trockener Kälte bei Paravasation anderer Zytostatika finden sich in der Primärliteratur keine Angaben. In Analogie zu anderen Leitlinien kann die Applikation von Kälte empfohlen werden (nicht bei Vincaalkaloiden und Oxaliplatin).

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisFür die Applikation von trockener Kälte bei Paravasation anderer Zytostatika finden sich in der Primärliteratur keine Angaben. In Analogie zu anderen Leitlinien kann die Applikation von Kälte empfohlen werden (nicht bei Vincaalkaloiden).

Der Wirkmechanismus von trockener Kälte beruht auf der Vasokonstriktion von Gefäßen und damit der verminderten Ausbreitung der Zytostatika im Gewebe [2418]. Dieser Mechanismus konnte in einzelnen in vitro Versuchen belegt werden [2415][2417]. Des Weiteren konnte in einzelnen Fallberichten durch die Applikation von Kälte oder Wärme eine Ulzeration verhindert werden [2417]. Die Applikation erfolgt grundsätzlich trocken, da beim Einbringen von Feuchtigkeit die Gefahr der Mazeration besteht [2419].

12.11 Antidota

In der Literatur finden sich nur belastbare Daten über die Wirksamkeit der substanzspezifischen Antidota Dexrazoxan, Dimethylsulfoxid (DMSO), Hyaluronidase und Dexamethason.

12.11.1 Dexrazoxan

Dexrazoxan ist ein wasserlösliches Analogon des Eisenchelators Ethylenamintetraessigsäure (EDTA) sowie ein Inhibitor der Topoisomerase II [2380][2378]. Es wurde 2007 für die Behandlung von Anthrazyklin-Paravasaten zugelassen. Bei rechtzeitigem Einsatz ist es in der Lage eine Nekrose zu verhindern. Generell auftretende Nebenwirkungen sind Myelotoxizität, Nausea, Alopezie, Mukositis und ein Anstieg der Transaminasen.

12.7 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Paravasation von Anthrazyklinen (liposomale Anthrazykline ausgeschlossen) sollte die Applikation von Dexrazoxan erfolgen.

Vorgehen:

  • Infusion von Dexrazoxan über eine Vene der nicht betroffenen Extremität
  • Dosierung: Tag 1 und 2: 1.000 mg/m², Tag 3: 500 mg/m² (Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz, siehe Fachinformation)
  • Applikation möglichst früh innerhalb von 6 Stunden nach Paravasation

Infusionsdauer: 1 - 2 Stunden

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
2
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[2420] [2421]
ÄnderungshinweisBei Paravasation von Anthrazyklinen (liposomale Anthrazykline ausgeschlossen) sollte die Applikation von Dexrazoxan erfolgen. Vorgehen: · Infusion von Dexrazoxan über eine Vene der nicht betroffenen Extremität · Dosierung: Tag 1 und 2: 1000 mg/m², Tag 3: 500 mg/m² (Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz, s. Fachinformation) · Applikation möglichst früh innerhalb von 6 h nach Paravasation Infusionsdauer: 1-2 h LoE: 0 Bei sehr kleinen Paravasaten und fehlender klinischer Symptomatik (z. B. Schmerz, Schwellung) kann darauf verzichtet werden.
Evidenztabellen (2)Mouridsen et al. 2007; Fontaine 2012
12.8 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei sehr kleiner Paravasation von Anthrazyklinen und fehlender klinischer Symptomatik (z. B. Schmerz, Schwellung) kann auf die Applikation von Dexrazoxan verzichtet werden.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Paravasation von Anthrazyklinen (liposomale Anthrazykline ausgeschlossen) sollte die Applikation von Dexrazoxan erfolgen. Vorgehen: · Infusion von Dexrazoxan über eine Vene der nicht betroffenen Extremität · Dosierung: Tag 1 und 2: 1000 mg/m², Tag 3: 500 mg/m² (Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz, s. Fachinformation) · Applikation möglichst früh innerhalb von 6 h nach Paravasation Infusionsdauer: 1-2 h LoE: 0 Bei sehr kleinen Paravasaten und fehlender klinischer Symptomatik (z. B. Schmerz, Schwellung) kann darauf verzichtet werden.

Diese Empfehlungen beruhen v. a. auf den beiden prospektiven, multizentrischen, Open-label Phase-II- und III-Studien TT01 und TT02, die einarmig durchgeführt wurden. Die TT01-Studie war eine dänische Multicenter-Studie, in die insgesamt 23 Patient*innen eingeschlossen wurden. Die TT02- Studie mit insgesamt 57 Patient*innen mit Paravasation wurde als internationale Multicenter-Studie u. a. in Deutschland und Italien durchgeführt. Alle Patient*innen, bei denen eine Paravasation mit Anthrazyklinen beobachtet wurde, erhielten einmal tägliche eine intravenöse Infusion mit Dexrazoxan für insgesamt drei Tage. Die beteiligte sichtbare Hautoberfläche betrug in TT01 23 cm² und in TT02 39 cm². In beiden Studien konnte bei 98,2 % der Fälle eine chirurgische Intervention durch Behandlung mit Dexrazoxan verhindert werden. Bei 75 % der Patient*innen konnte die Chemotherapie nach Paravasation zeitgerecht fortgeführt werden [2421]. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch Fontaine et al. in einer retrospektiven Analyse mit 41 Patient*innen, die nach Extravasation von u.a. Anthrazyklinen mit Dexrazoxan (Savene®) behandelt wurden: Durch die Applikation von Dexrazoxan wurde ein chirurgisches Debridement nach Paravasation von Anthrazyklinen bei 95 % der betroffenen Patient*innen verhindert [2420].

12.11.2 Dimethylsulfoxid (DMSO)

DMSO als bipolares Lösungsmittel ist ein potenter Radikalfänger [2422]. Die Wirksamkeit von DMSO bei Paravasation von Zytostatika wurde zunächst in zahlreichen Tierversuchen sowie Fallbeschreibungen nachgewiesen [2423][2424][2425]. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind lokale Schmerzen (Brennen), Juckreiz, selten Blasenbildung und ein knoblauchartiger Mundgeruch [2426][2424].

12.9 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Amsacrin-, Cisplatin-, Dactinomycin- und Mitomycin C-Paravasaten sollte die Paravasatstelle mit Dimethylsulfoxid (DMSO) 99 % betupft werden. 

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[2377] [2382] [2414] [2426] [2427]
ÄnderungshinweisBei Amsacrin-, Cisplatin-, Dactinomycin- und Mitomycin C-Paravasaten sollte die Paravasatstelle mit Dimethylsulfoxid (DMSO) 99 % betupft werden. Empfehlungsgrad A: Bei Anthrazyklin-Paravasaten, bei denen kein Dexrazoxan appliziert wurde, soll die Gabe von DMSO erfolgen. Vorgehen: Applikation aller 8 Stunden für mindestens 7-14 Tage Tupfen, nicht reiben oder Druck ausüben Paravasatstelle nach DMSO-Applikation nicht abdecken, da DMSO an der Luft trocknen sollte Bei gleichzeitiger lokaler Therapie mit Kälte zeitliches Intervall von mind. 15 min einhalten.
Evidenztabellen (2)Bertelli 1995; Olver 1988
12.10 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025
Bei Anthrazyklin-Paravasaten, bei denen kein Dexrazoxan appliziert wurde, soll die Gabe von DMSO erfolgen.

Vorgehen:

  • Applikation alle acht Stunden für mindestens 7 - 14 Tage
  • Tupfen, nicht reiben oder Druck ausüben
  • Paravasatstelle nach DMSO-Applikation nicht abdecken, DMSO trocknet an der Luft

Bei gleichzeitiger lokaler Therapie mit Kälte zeitliches Intervall von mind. 15 min einhalten.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
3
Literatur
[2426] [2382] [2427] [2377] [2414]
ÄnderungshinweisBei Amsacrin-, Cisplatin-, Dactinomycin- und Mitomycin C-Paravasaten sollte die Paravasatstelle mit Dimethylsulfoxid (DMSO) 99 % betupft werden. Empfehlungsgrad A: Bei Anthrazyklin-Paravasaten, bei denen kein Dexrazoxan appliziert wurde, soll die Gabe von DMSO erfolgen. Vorgehen: Applikation aller 8 Stunden für mindestens 7-14 Tage Tupfen, nicht reiben oder Druck ausüben Paravasatstelle nach DMSO-Applikation nicht abdecken, da DMSO an der Luft trocknen sollte Bei gleichzeitiger lokaler Therapie mit Kälte zeitliches Intervall von mind. 15 min einhalten.
Evidenztabellen (2)Bertelli 1995; Olver 1988
12.11 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei Paravasation eines liposomalen Anthrazyklins soll die Applikation von DMSO nicht erfolgen.

Konsens
Starker Konsens

Diese Empfehlungen beruhen u. a. auf einer prospektiv, einarmig durchgeführten Studie. Dabei wurden zwischen 1991 und 1994 insgesamt 144 Patient*innen mit einer Paravasation von Doxorubicin, Epirubicin, Mitomycin, Mitoxantron, Cisplatin, Carboplatin, Ifosfamid und Fluorouracil eingeschlossen. Die Patient*innen erhielten topisch eine hochkonzentrierte Lösung von DMSO (99 %) alle acht Stunden für sieben Tage sowie eine lokale Kältetherapie dreimal täglich. Nur eine Person entwickelte im Verlauf eine Ulzeration [2426]. Zu ähnlichen Ergebnissen kam Olver in seiner einarmigen Studie von 1988. Dabei wurden 20 Patient*innen mit Paravasation von Anthrazyklinen mit hochkonzentriertem DMSO behandelt. Das betroffene Areal wurde alle sechs Stunden mit DMSO betupft. Die Behandlung wurde über 14 Tage fortgesetzt. Die Nachbeobachtung erfolgte über drei Monate, wobei bei keiner Person eine chirurgische Intervention erforderlich war. Es zeigte sich bei zehn Patient*innen lediglich eine vermehrte Pigmentation der ehemaligen Paravasatstelle [2427]. Seit Einführung von Dexrazoxan ist die Applikation von DMSO bei Paravasation von Anthrazyklinen in den Hintergrund getreten.

Bei Paravasation von liposomalen Anthrazyklinen ist die Applikation von DMSO kontraindiziert. DMSO ist aufgrund seiner lipidlöslichen Eigenschaften in der Lage, Anthrazykline aus den Liposomen freizusetzen. Eine erhebliche Gewebeschädigung ist möglich [2428]. Aufgrund der Seltenheit von Paravasationen von Zytostatika, wenigen therapeutischen Optionen bei iatrogenem Schaden und geringem Schadenspotential von DMSO erfolgte die Empfehlung durch die Leitliniengruppe.

12.11.3 Hyaluronidase

Hyaluronidase ist ein Enzym, das Bindegewebe auflösen kann und daher bei der Therapie bestimmter Paravasate eingesetzt wird. Dabei verbessert es die Absorption und die Verteilung ausgetretener Substanzen in das Gewebe [2429]. Die Angaben zur Dosierung schwanken in der Literatur zwischen 100 und 1.500 IE, sie richtet sich nach der Größe des Paravasates [2430]. Die Abbildung Applikation von Hyaluronidase durch periläsionale Injektionen zeigt die Applikation von Hyaluronidase durch periläsionale Injektionen.

12.12 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Paravasation von Vincaalkaloiden sollte die Paravasatstelle mit Hyaluronidase subkutan oder intradermal periläsional umspritzt werden (Cave: OFF-LABEL)*.

Vorgehen:

  • Dosierung: 1 - 10 Ampullen à 150 IU (Angaben schwanken in der Literatur zwischen 100 und 1.500 IU)
  • Lösung der Hyaluronidase in 1ml Lösungsmittel (z. B. NaCl 0,9 %)
  • Bei der Gabe ist auf eine ausreichende lokale Analgesie zu achten (z.B. Lidocain 1 %).

* Die Indikation zur Nutzung der Hyaluronidase bei Paravasaten wurde im November 2017 in der Fachinformation zu Hyaluronidase der Firma Riemser gestrichen. Im Zuge der Nachzulassung des Medikamentes wurde diese Änderung vorgenommen, da präklinische Daten aus Zell- und Tiermodellen vermuten lassen, dass Hyaluronidasen Einfluss auf das Wachstum und die Ausbreitung von Tumoren haben könnten. Es existieren jedoch weder klinische Studien, die eine erhöhte Metastasierungsrate belegen, noch gibt es Berichte zu diesen Nebenwirkungen bei der Applikation von Arzneimitteln, die Hyaluronidase in höheren Konzentrationen enthalten und die über längere Zeit appliziert werden. Der Einsatz von Hyaluronidase bei einem Paravasat wird als einmalige Applikation durchgeführt und ist keine Dauermedikation.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[2382] [2414] [2429]
ÄnderungshinweisBei Paravasation von Vincaalkaloiden sollte die Paravasatstelle mit Hyaluronidase* subkutan oder intradermal periläsional umspritzt werden. Vorgehen: Dosierung: 1-10 Ampullen à 150 IU (Angaben schwanken in der Literatur zwischen 100 bis zu 1500 IU) Lösung der Hyaluronidase in 1ml Lösungsmittel (z. B. NaCl 0,9 %) Bei der Gabe ist auf eine ausreichende lokale Analgesie zu achten (z.B. Lidocain 1 %). * Die Anwendung von Hyaluronidase wird aktuell durch die AG-Paravasate geprüft, da in der geänderten Fachinformation zu Hyaluronidase der Firma Riemser von 11/2017 die Indikation zur Nutzung bei Paravasaten gestrichen und die Anwendung bei Tumorpatienten wegen fehlender Langzeit-Untersuchungen und damit nicht sicherem Ausschluss eines erhöhten Metastasierungsrisiko als Gegenanzeige aufgeführt wird.
Evidenztabellen (1)Bertelli 1994

In der Arbeit von Bertelli et al. (1994) wurde bei sieben Patient*innen nach Paravsation von Vincaalkaloiden Hyaluronidase als Antidot appliziert. Bei allen Patient*innen konnte so eine Nekrose verhindert werden [2429].

12.13 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Paravasation von Paclitaxel kann die Paravasatstelle mit Hyaluronidase subkutan oder intradermal periläsional umspritzt werden (Cave: OFF-LABEL)*.

Vorgehen:

  • Dosierung: 1-10 Ampullen à 150 IU (Angaben schwanken in der Literatur zwischen 100 und 1.500 IU)
  • Lösung der Hyaluronidase in 1 ml Lösungsmittel (z.B. NaCl 0,9 %)
  • Bei der Gabe ist auf eine ausreichende lokale Analgesie zu achten (z.B. Lidocain 1 %).

* Die Indikation zur Nutzung der Hyaluronidase bei Paravasaten wurde im November 2017 in der Fachinformation zu Hyaluronidase der Firma Riemser gestrichen. Im Zuge der Nachzulassung des Medikamentes wurde diese Änderung vorgenommen, da präklinische Daten aus Zell- und Tiermodellen vermuten lassen, dass Hyaluronidasen Einfluss auf das Wachstum und die Ausbreitung von Tumoren haben könnten. Es existieren jedoch weder klinische Studien, die eine erhöhte Metastasierungsrate belegen, noch gibt es Berichte zu diesen Nebenwirkungen bei der Applikation von Arzneimitteln, die Hyaluronidase in höheren Konzentrationen enthalten und die über längere Zeit appliziert werden. Der Einsatz von Hyaluronidase bei einem Paravasat wird als einmalige Applikation durchgeführt und ist keine Dauermedikation.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[2382] [2414] [2431]
ÄnderungshinweisBei Paravasation von Paclitaxel-Paravasaten kann die Paravasatstelle mit Hyaluronidase* subkutan oder intradermal periläsional umspritzt werden. Vorgehen: Dosierung: 1-10 Ampullen à 150 IU (Angaben schwanken in der Literatur zw. 100 bis zu 1500 IU) Lösung der Hyaluronidase in 1ml Lösungsmittel (z. B. NaCl 0,9 %) Bei der Gabe ist auf eine ausreichende lokale Analgesie zu achten (z.B. Lidocain 1 %). Cave: Die Anwendung von Hyaluronidase wird aktuell durch die AG-Paravasate geprüft, da in der geänderten Fachinformation zu Hyaluronidase der Firma Riemser von 11/2017 die Indikation zur Nutzung bei Paravasaten gestrichen und die Anwendung bei Tumorpatienten wegen fehlender Langzeit-Untersuchungen und damit nicht sicherem Ausschluss eines erhöhten Metastasierungsrisiko als Gegenanzeige aufgeführt wird
Evidenztabellen (1)Bertelli 1997
Applikation von Hyaluronidase durch periläsionale Injektionen
Applikation von Hyaluronidase durch periläsionale Injektionen

aus: Schmoll et al. 2006 [2432], Kompendium für internistische Onkologie, mit freundlicher Genehmigung durch den Springer Verlag
 

12.11.4 Natriumthiosulfat

12.14 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Bei Auftreten eines Paravasates soll Natriumthiosulfat nicht gegeben werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[2433] [2372] [2434] [2435] [2384]
Evidenztabellen (1)Jimenez-Pulido 2024

Bei Natriumthiosulfat handelt es sich chemisch um das Natriumsalz der in freiem Zustand instabilen Thioschwefelsäure. Im Mausmodell war Natriumthiosulfat in der Lage, die toxische Wirkung von Mechlorethamin zu neutralisieren und so eine Schädigung der Haut zu verhindern [2433]. Zu ähnlichen Ergebnissen kam die Arbeitsgruppe um Marshall 2000 bei Tierversuchen an Ratten [2434]. Ausgehend von diesen Ergebnissen wurde zunächst extrapolierend von einer Wirksamkeit von Natriumthiosulfat bei Paravasation bei Menschen ausgegangen. Aufgrund der fehlenden klinischen Daten zur Wirksamkeit beim Menschen, der invasiven Applikation und der ebenbürtigen Wirksamkeit von DMSO soll die Anwendung nicht erfolgen.

 

12.11.5 Glukokortikoide

12.15 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Glukokortikoide sollten weder systemisch noch lokal eingesetzt werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[2436] [2437] [2438] [2439] [2440]
ÄnderungshinweisZur Therapie eines Paravasates sollen Steroide weder systemisch noch lokal verwendet werden.
Evidenztabellen (2)Ohisa 2022; Kretzschmar 2003
12.16 · Evidenzbasierte Empfehlung · neu 2025

Als Ausnahme kann bei größeren Paravasaten mit Oxaliplatin der Einsatz systemischer Glukokortikoide erwogen werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[2437] [2438] [2439] [2436]
Evidenztabellen (1)Kretzschmar 2003

Glukokortikoide wirken antiinflammatorisch. Ihr Einsatz bei Paravasaten wird sehr kontrovers diskutiert, da ein Paravasat nur in Ausnahmefällen von einer entzündlichen Reaktion begleitet wird [2372]. Bei Paravasaten von Anthrazyklinen und Vincaalkaloiden wurde in Einzelfällen über klinische Erfolge berichtet. Im Tierexperiment führte der Einsatz von Glukokortikoiden allerdings zu einer erhöhten Toxizität [2436][2441]. Zusammenfassend kann der Einsatz von Glukokortikoiden bei Paravasation aus pharmakologischer Sicht nicht generell empfohlen werden.

Eine Ausnahme stellt der Einsatz von Glukokortikoiden bei größeren Oxaliplatin-Paravasaten dar. Dieser wird sowohl in der Akut-Situation als auch bei anhaltenden fibrosierenden Prozessen im zeitlichen Intervall in der aktuellen Literatur wieder aufgegriffen und zusammenfassend positiv bewertet. Allerdings liegen nur Fallberichte mit sehr kleinen Fallzahlen vor (n = 2 - 5) [2437][2438][2439].

12.12 Zusammenfassung der substanzspezifischen Maßnahmen

In der Tabelle Zusammenfassung der Zytostatika und ihrer substanzspezifischen Maßnahmen sind diejenigen Zytostatika angegeben, bei denen substanzspezifische Maßnahmen beschrieben sind. Für die anderen Tumortherapeutika sind die allgemeinen Maßnahmen zu beachten.

Tabelle 97: Zusammenfassung der Zytostatika und ihrer substanzspezifischen Maßnahmen

applizierte Substanz

Antidot

Thermotherapie erforderlich

Amsacrin

DMSO 99 % 3-mal täglich für mind. 7 - 14 Tage

trockene Kälte

Anthrazykline

(Ausnahme: liposomale Anthrazykline)

Dexrazoxan für 3 Tage

wenn keine Dexrazoxan-Gabe:

DMSO 99 % 3-mal täglich für mind. 7 - 14 Tage (nicht zusammen mit Dexrazoxan)

trockene Kälte (muss mind. 15 min vor der Dexrazoxan Applikation beendet werden; keine Kälte während der Dexrazoxan Applikation)

Cisplatin

DMSO 99 % 3-mal täglich für mind. 7 - 14 Tage

trockene Kälte

Dactinomycin

DMSO 99 % 3-mal täglich für mind. 7 - 14 Tage

trockene Kälte

Etoposid

keine

trockene Wärme

Mitomycin C

DMSO 99 % 3-mal täglich für mind. 7 - 14 Tage

trockene Kälte

Mitoxantron

DMSO 99 % 3-mal täglich für mind. 7 - 14 Tage

trockene Kälte

Oxaliplatin

Systemische Dexamethason-Gaben bei größerem Paravasat oder andauernder Fibrosierung

(z.B. 2 x 8 mg Dexamethason bis zu 14 Tage)

trockene Wärme

Paclitaxel

Hyaluronidase kann gegeben werden (1 - 10 Ampullen à 150 IE)

keine Thermotherapie erforderlich

Vinca Alkaloide

Hyaluronidase sollte gegeben werden (1 - 10 Ampullen à 150 IE)

trockene Wärme

 

12.13 Chirurgische Therapie

12.17 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Eine Chirurgin/ ein Chirurg soll konsultiert werden bei:

  • klinisch relevanter Paravasation eines Vesicans (z.B. Ulzeration und Nekrose)
  • größerer Paravasat-Menge mit im Verlauf zu befürchtender höhergradiger Schädigung
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei beginnenden Nekrosen oder beginnendem Kompartment-Syndrom soll unmittelbar ein Chirurg konsultiert werden.

Das Zeitintervall zur Konsultation einer Chirurgin/ eines Chirurgen wird in der Literatur unterschiedlich diskutiert. In den meisten Fallbeschreibungen u.a. von Heimburg et al. und Napoli et al. erfolgte die Vorstellung der Patient*innen zeitverzögert oft erst nach mehreren Tagen [2442][2443]. Im Regelfall, v.a. bei eher asymptomatischen Patient*innen, ist eine konservative Behandlung ausreichend. Jedoch kann es durch die Paravasation nekrotisierender Substanzen in der Folge zu Ulzerationen und Fibrosierungen im Bereich der betroffenen Extremität kommen, die zu Kontrakturen der Extremitäten bis hin zum völligen Funktionsverlust des betroffenen Areals führen können.

Ist eine chirurgische Intervention erforderlich, so empfiehlt sich in der Regel ein zweizeitiges Vorgehen mit initial großzügigem Debridement und sekundär plastischer Deckung des Defektes.

In mehreren Fallberichten und retrospektiven Analysen konnte mit Hilfe sogenannter „SWOP“ (saline wash out procedere) -Techniken ein chirurgisches Debridement nach Paravasation von Zytostatika verhindert werden [2388][2389][2444]. Dabei wird das defekte Areal zunächst mit 5 - 10 ml eines Lokalanästhetikums infiltriert und mit einer 14 oder 16 G Kanüle mehrere Kanäle geschaffen. Anschließend erfolgt die Spülung mit bis zu 500 ml einer 0,9%igen Kochsalzlösung (bei Port-Paravasaten bis zu 1.500 ml) [2445]. In der Arbeit von Steiert et al. wurde bei insgesamt 13 Patientinnen die Spülung mit 0,9 % Kochsalzlösung angewendet [2446]. Bei zwei der Patientinnen zeigte sich eine prolongierte Induration und Entzündung; eine chirurgische Intervention konnte jedoch in allen Fällen verhindert werden. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich auch in anderen Fallberichten [2442][2443][2445]. Aufgrund der fehlenden randomisierten Studien und bei nachgewiesener Wirksamkeit von Dexrazoxan in der randomisierten Studie von Mouridsen et al. [2421] spielt die SWOP-Technik aktuell keine Rolle. Als Ausnahme wären Einzelfallentscheidungen in versierten Zentren und bei Unverträglichkeit von Dexrazoxan oder Port-Paravasaten denkbar.

12.14 Therapeutisches Vorgehen bei zentralvenösen Kathetern

Subkutane Paravasate im Bereich von Hals und Thorax, z.B. nach einer Port-Nadel-Dislokation, werden analog einer peripheren Paravasation behandelt.

Über einen zentralvenösen Katheter kann eine mediastinale Paravasation mit Anreicherung der Substanz im Mediastinum oder der Pleurahöhle auftreten [2375][2381]. In der Folge imponieren z.T. heftigste thorakale Schmerzen. Zur genauen Bestimmung des Ausdehnungsgrades der Paravasation ist die Durchführung einer entsprechenden Schnittbildgebung (CT/MRT) hilfreich [2447][2448][2380][2449]. 

12.18 · Konsensbasiertes Statement · modifiziert 2025

Bei Auftreten einer Paravasation im Mediastinum oder der Pleurahöhle bei liegendem zentralvenösem Katheter sind folgende therapeutische Maßnahmen durchzuführen:

1. sofortiges Beenden der Infusion
2. Handschuhe anziehen
3. zentralen Katheter oder Portnadel belassen
4. keinen Druck auf die Paravasatstelle ausüben
5. mit einer 10 ml Spritze so viel wie möglich aspirieren
6. Paravasat-Notfallset besorgen
7. Applikation einer entsprechenden Analgesie (falls erforderlich)
8. Applikation von trockener Kälte oder Wärme (falls indiziert, siehe Kapitel 12.10)
9. Applikation eines Antidots (falls indiziert, siehe Kapitel 12.11, nicht über den zentralen Zugang)
10. anschließend Portnadel oder zentralvenösen Katheter unter Aspiration entfernen
11. umgehend Thorax-Chirurgie konsultieren (ggf. Drainage, Thorakoskopie oder –tomie nach entsprechender Bildgebung)
12. ausreichende Analgesie, Volumen- und Sauerstoffgabe (falls erforderlich)
13. Antiinfektive Therapie in Erwägung ziehen
14. sorgfältige Dokumentation der Paravasation
- ggf. weitere Bildgebung, wenn möglich,
- Verwendung eines standardisierten Dokumentationsbogens
15. wiederholte Kontrollen und Dokumentation in Abhängigkeit der Symptomatik
Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisBei Auftreten einer Paravasation im Mediastinum oder der Pleurahöhle bei liegendem zentralvenösem Katheter sind folgende therapeutische Maßnahmen durchzuführen: 1. Sofortiges Beenden der Infusion 2. Handschuhe anziehen 3. Zentralen Katheter oder Portnadel belassen 4. Keinen Druck auf die Paravasatstelle ausüben 5. Mit einer 10 ml Spritze so viel wie möglich aspirieren 6. Applikation einer entsprechenden Analgesie (falls erforderlich) 7. Applikation von trockener Kälte oder Wärme (falls indiziert, siehe 12.10) 8. Applikation eines Antidots (falls indiziert, siehe 12.11, nicht über den zentralen Zugang) 9. Anschließend Portnadel oder zentralvenösen Katheter unter Aspiration entfernen 10. Umgehend Thorax-Chirurgen konsultieren (ggf. Drainage, Thorakoskopie oder –tomie nach entsprechender Bildgebung) 11. Ausreichende Analgesie, Volumen- und Sauerstoffgabe (falls erforderlich) 12. Antiinfektive Therapie in Erwägung ziehen 13. Sorgfältige Dokumentation der Paravasation - Ggf. weitere Bildgebung, wenn möglich, - Verwendung eines standardisierten Dokumentationsbogens 14. Wiederholte Kontrollen und Dokumentation in Abhängigkeit der Symptomatik

12.15 Paravasat-Notfallset

Ein Paravasat-Notfallset ist so vorrätig zu halten, dass jederzeit ein sofortiger Zugriff möglich ist [2384][2417][2382].

12.19 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Ein Notfallset bei Paravasation von Zytostatika sollte folgende Bestandteile enthalten:

1. Einmalspritzen (1 ml, 2 ml, 5 ml, 10 ml)
2. Flexülen
3. Einmalkanülen (z. B. 21G)
4. (sterile) Handschuhe
5. sterile Kompressen und Tupfer
6. NaCl 0,9 %
7. Glukose 5 % (bei Oxaliplatin-Paravasat: wenn Spülung indiziert, dann nicht mit NaCl)
8. Kälte-/ Wärmepackungen
9. DMSO 99 %
10. Hyaluronidase 1.500 IE
11. Lidocain 1 % Ampulle
12. Wirkstoffliste mit Schädigungspotenzial (siehe Tabelle Einteilung der Substanzen nach ihrem Schädigungsmuster in Kapitel 12.2)
13. Anleitung: Vorgehen bei Paravasaten
14. Dokumentationsbogen (Beispiel: Vorlage vom Springerverlag [2372])
15. Hinweis auf Dexrazoxan Verfügbarkeit (Ort, Telefonnummer)
16. Wasserfester Stift zur Markierung des Paravasates
17. nicht okkludierendes Verbandsmaterial
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[2372]

12.16 Dokumentation von Paravasaten

12.20 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2025

Nach Akutversorgung der Paravasatstelle soll eine ausführliche, unverzügliche Dokumentation auf einem standardisierten Dokumentationsbogen erfolgen:

  1. Name der Patientin/ des Patienten
  2. Datum und Zeit des Auftretens der Paravasation
  3. Position der Kanüle bzw. Angabe des zentralvenösen Zugangs
  4. Wie häufig und wo wurden Venenpunktionen durchgeführt?
  5. appliziertes Zytostatikum (Name, Volumen)
  6. vermutetes Volumen des Paravasates
  7. Beschreibung der Paravasatstelle (Rötung, Schwellung, Blässe, Kälte, Blasenbildung, Größe, Nekrose etc.)
  8. mögliche Differenzialdiagnosen
  9. applizierende Person
  10. Person, die das Paravasat festgestellt hat
  11. allgemein eingeleitete Maßnahmen zum Management des Paravasates
  12. Wurde ein Antidot oder eine lokale Thermotherapie appliziert?
  13. Vorstellung in der Chirurgie erfolgt
  14. Markierung der Paravasatstelle und wenn möglich fotographische Dokumentation
  15. Verlaufsdokumentation
Konsens
Starker Konsens

12.17 Verlaufskontrolle

Zur Festlegung der Nachsorgeintervalle sind das Schädigungspotenzial der extravasierten Substanz sowie das klinische Ausmaß der Paravasation zu berücksichtigen [2382]. 

12.21 · Konsensbasierte Empfehlung · modifiziert 2025

Bei Paravasation von nekrotisierenden Substanzen (Vesikantien) soll eine engmaschige klinische Kontrolle mindestens bis zum Abklingen der akuten lokalen Reaktion erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
ÄnderungshinweisZwei Empf. kombiniert: Bei Paravasation von nekrotisierenden Substanzen sollte eine engmaschige klinische Kontrolle erfolgen. Die Nachsorge soll bis zum Abklingen der akuten lokalen Reaktion erfolgen.

In den aktuellen Publikationen finden sich sehr unterschiedliche Angaben für Nachsorge-Intervalle. Generell erfolgt eine Verlaufskontrolle in Anpassung an das individuelle Beschwerdebild und den Ausprägungsgrad der Paravasation bis zum Abklingen der akuten lokalen Reaktionen der Paravasation.

 

Evidenztabellen

Mouridsen et al. 2007

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Zielgröße

Primary Endpoint

Nebenwirkungen Dexrazoxane

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bemerkungen

Mouridsen et al.

2007

Annals of Oncology

2 prospective, non-randomized multicentre phase II-III, open label,    single-arm studies

TT01: Danish multicentre study,

n=23

TT02: international multicentre study (Germany, Netherland, Italy, Poland, Denmark), n=57

 

indication: biopsy-verified anthrazykline extravasation

TTO1:

assessable n = 18, m/f = 5/13,  median age 56,6

TT02: assessable n=36,

m/f = 12/24, median age 55,1

Dexrazoxane (Savene®/Totect®)

1000 mg/m2 iv d1, 1000 mg/m2 iv d2, 500 mg/m2 iv d3 for 1-2 h once daily, first dose max 6 h after extravasation (max. total doses of 2000/2000/ 1000mg)

local cooling permitted but removed 15 min before dexrazoxane infusion

efficacy and tolerability:

 - surgery

 - necrosis

 - treatment

delay

 - hospitali-sation

 - sequelae

 

follow-up at 24/48 h, weekly for following month, on day 90

TT01:

surgery -> no patient;

necrosis -> infection with Staph. aureus in biopsy area but no surgery (n=1);

treatment delay -> 33% (n=6); hospitalisation -> 50% (n=9)

TTO2:

surgery -> n=1;

necrosis -> 2,8% (n=1) with swelling & redness (area 253 cm2), blistering (on days 2-11), necrosis (on day 11);

treatment delay -> 27,8% (n=10); hospitalisation -> 36,1% (n=13)

TT01/TT02:

mild sequelae -> sensory disturbances 16,7%, skin atrophy 9,3%, pain 18,5%, disfigurement 2,8%, limitation of movement 5,6%);

massive sequelae -> cosmetic changes, sensory disturbances, limitation of movement mainly due to surgery (n=1, TTO2)

clinical adverse events (TTO1/TTO2) n =80, CTC grade 1-3:

injection site reaction -> 27,5% (n=22); wound infections ->  10% (n=8);

nausea -> 18,8% (n=15); 

vomiting -> 7,5% (n=6);

other side effects -> superficial phlebitis, fever without neutropenia, fatigue, alopecia, diarroea, stomatitis/ pharyngitis, febrile neutropenia

 

laboratory test outcome (TTO1/TTO2) n=80, CTC grade 2-4:

decrease of: haemoglobin 42,5% (n=34),

WBC 72,5% (n=58), neutrophils 61,5% (n=48), platelets 26,3% (n=21),  further: sodium/potassium

increase of:

AST 36,8% (n=21), ALT 23,9% (n=17), further: bilirubin/creatinine/ potassium/alkaline phosphatase/lactate hydrogenase

Co-Author was from TopoTarget A/S

 

1b

conclusion of authors: “…dexrazoxane treatment is highly effective..and has manageable toxicity”

 

Fontaine 2012

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Zielgröße

Primary Endpoint

Nebenwirkungen Dexrazoxane

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bemerkungen

Fontaine 2012

Supportive Care in Cancer

retrospective study by using a questionnaire (44 hospitals)

n=41(from 29 centres)

Belgium

2007-2010

indication: anthracycline extravasation(68% from central venous catheters)

no further informations known

 

Dexrazoxane (Savene®/ Totect®)

1000 mg/m2 iv d1, 1000 mg/m2 iv d2, 500 mg/m2 iv d3 for 1-2 h once daily, first dose max 6 h after extravasation

local cooling permitted but removed 15 min before dexra infusion

no DMSO

 

efficacy/ safety:

- need of surgery

- delay of planned chemotherapy

 

follow-up for efficacy for   48 h & weekly until resolution

 

no surgery -> 95% (n=39); maintenance of planned chemotherapy -> 73% (n=30)

local wound infection -> with Staph. aureus after anthracycline extravasation but no surgery (n=1)

subcutaneous local fibrosis -> not related to tissular necrosis (n=1)

 

8 (9,8%) adverse events in n=4, CTC grade 1-3:

nausea, neutropenia/ leucopenia, pancytopenia, impaired hepatic function, arm pain

-

4

conclusion of authors: “confirm efficacy &safet profile of Savene®…for treatment of anthracyclíne extravasation”

 

Bertelli 1995

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Zielgröße

Primary Endpoint

Nebenwirkungen DMSO

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bemerkungen

Bertelli, 1995

Journal of Clinical Oncology

prospective clinical study

n = 144 (assessable n=127)

June 1991 – December 1994

extravasation with following vesicants: doxorubicin (n=11), epirubicin (n=46), mitomycin (n=5), mitoxantrone (n=13),

cisplatin (n=44), carboplatin (n=6), ifosfamide (n=14), fluoruracil (n=5)

m/f 53/91

age 23-78 y

99% DMSO:

every 8 h for 1 week (within 10-60 min after exravasation)

local cooling: for 60 min, every 8 h for  3 d

evaluation of effectiveness & tolerability of DMSO:

- toxicity

- prevention of ulceration

- prevention of ulceration:

patients with extravasations of doxorubicin /epirubicin/ mitomycin: n=58

  • 68,9% (n=40) rest. ad int. after 1 week 
  • 29,3% (n=17) continued DMSO for up to 6 weeks
  • 1,7%  (n=1, epirubicin extravasation): recall reaction 1 month later with ulceration after another epirubicin chemotherapy
  • 1,7% (n=1, mitomycin extravsation): painful swelling treated with antibiotics -> complete healing

patients with extravasations of mitoxantrone/cisplatin/ carboplatin/ifosfamide/FU):  n=69

  • 91,3% (n=63) rest. ad int. within 1 week
  • 5,7% (n=4, cisplatin) & 2,8% (n=2, FU) DMSO for 2-4 weeks
  • no ulceration occurred

- toxicity:

local mild burning: 5,5% (n=8)

characteristic breath odor: 27,5% (n=35)

-

2b?

conclusion of authors: “topical DMSO is an effective & safe antidote that may be used with local cooling...”

Ergebnissenur von auswertbaren Patienten (n=127)

 

Olver 1988

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

Patientenmerkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w), CTX

Intervention

Zielgröße

Primary Endpoint

Nebenwirkungen DMSO

Finanzierung

Evidenzstufe (CEBM levels/ SIGN)

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bemerkungen

Olver 1988

Journal of Clinical Oncology

prospective/ pilot study

single arm

n=20

USA, Australia

1983-1987

anthracycline extravasation

m/w, age unknown

99% DMSO:

every 6 h for 14 d (median of 25 min between extravasation & DMSO)

n=1: not treated until 1 week after extravasation:

air dry without dressing

 

avoid morbidity of debridement & skin grafting

continuation of planned chemotherapy

follow-up: 24/48 h, 7/14 d, 1/2/3 months (3 months follow-up for n=16 because of death/lost to follow-up)

  • no ulceration/no surgery necessary (ulceration rate between 0% & 17% with a 95% CI)
  • n=6: no sign of residual damage
  • n=10: pigmented induration remained
  • n=2: recall reaction (when further i.v. doxorubicin administered)

burning feeling with itch, erythema, mild scaling

blistering: n=4

characteristic breath odor: n=6

-

4

authors conclusion: “topical DMSO appears to be a safe and effective treatment for anthra-cycline extravasation”

 

Bertelli 1994

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Bertelli

 

1994

 

J Cancer Res Clin Oncol

 

clinical report

 

n = 7

 

Italy

extravasation of vincristine, vinblastine, or vinorelbine

1. Try to evacuate the extravasated fluid by aspiration through the original needle. This was not done in all cases, since the needle is sometimes removed when the extravasation is recognized.

2. Administer 250 units of byaluronidase (Jaluran, Bioindustria S.p.A.,

Novi Ligure, Italy) diluted in 6 ml normal saline through the indwelling needle if still in place, or otherwise by six subcutaneous injections with a 25-gauge needle around the extravasation area.

3. Do not inject steroids or apply cold packs. Do not use dressings or apply pressure over the area of the extravasation.

4. Follow up the patient to monitor the disappearance of symptoms. Refer the patient to a plastic surgeon in any case of persistent worsening of

symptoms.

subcutaneous hyaluronidase and were followed as described

1 vinblastine, 1 vincristine and 4 vinorelbine extravasation

 

10 min of the intravenous administration of the drugs

 

Pain and other symptoms subsided in the days following the extravasation

 

No patient needed to be referred to the plastic surgeon

 

1 pts: 3 months after the extravasation of vincristine, an area of mildly painful induration was present, without functional impairment.

 

Hyaluronidase administration was not complicated by any apparent side-effect

 

-

4

small sample size
no blinding
no randomisation

 

"Clinical experience with hyaluronidase as an antidote after Vinca alkaloid extravasation has not yet been published. Our experience with seven patients strongly suggests that the use of hyaluronidase may be of great value. Several potential antidotes to extravasations of vesicant antineoplastic agents have been experimentally validated, but clinical testing in controlled trials is still lacking (Dorr 1990). Treatment guidelines are, therefore, based largely upon the results obtained in animal models. More clinical reports such as those described here are needed to confirm the rationale and the positive findings of the preclinical studies."

 

Bertelli 1997

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Fallbeschreibung

Angaben für Intervention

 

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Bertelli

 

1997

 

Cancer

case series

 

N = 7

 

Italy

extravasations

paclitaxel diluted in 1 L of normal saline

 

n = 5

Hyaluronidase (250 units diluted in 6 mL normal saline) subcutan

into and around the extravasation site with a 25-gauge needle; no hot or cold packs

final drug concentrations: 0.18, 0.195, 0.24, 0.25, and 0.315 mg/mL

 

follow-up: 21 weeks (range, 10–47 weeks)

 

local symptoms of extravasation (pain, swelling, and erythema) subsided without the need for further treatment

 

2 pts: repeated paclitaxel administration 1 more cycle

1 pts: repeated paclitaxel administration patient 3 more cycles,

No observed reaction at the site of previous extravasation

 

2 pts: extravasations of docetaxel (diluted in 250 mL of 5% dextrose in water, infused over 1 hour into a peripheral vein of the forearm, final concentrations equal to 0.78 and 0.64 mg/mL)

<![if !supportLists]>·        <![endif]>1 pts: all local symptoms disappeared rapidly, no skin ulceration, death of disease progression 8 weeks later.

<![if !supportLists]>·        <![endif]>1 pts: pain, swelling, erythema, and hypoesthesia at the site of extravasation 1 week after the extravasation, slowly subsided in the following days; 3 wks later: another course of docetaxel; after 9 wks: nearly complete resolution of local symptoms with slight dyscromia and hypoesthesia, no ulceration or tissue necrosis during the rest of follow-up (17 weeks).

-

4

small sample size
no blinding
no randomization

"Although of limited extent, our case series supports the experimental data of R. T. Dorr et al. The results may be considered encouraging, as none of the patients had skin ulceration after the extravasation of taxanes or suffered recall reactions when exposed to repeated administrations of the same cytotoxic agent."

 

Jimenez-Pulido 2024

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Jiménez-Pulido

 

2024

 

J Oncol Pharm Practice

survey results

 

N = 68 surveys

 

Health institution type:

General: 63/68 (92.6%)

Children: 0/68 (0%)

Oncological: 3/68 (4.4%)

Others: 2/68(2.9%)

 

Spain

 

04/13/2021 to 05/23/2021

clinical practice in the extravasation management of antineoplastic agents

 

online survey:

standard operational protocol (SOP) of extravasation, tissue damage risk classification, and specific measures of extravasation management

 

Vesicant/ Irritant/ High-risk irritant/ Low-risk

Irritant/ Nonirritant/no damage/ Not evaluated/not included

Aflibercept: 0 (0)/ 1 (1.8)/ 0 (0)/ 0 (0)/ 28 (50)/ 26 (46.4)

Busulfan: 10 (17.9)/ 8 (14.3)/ 9 (16.1)/ 7 (12.5)/ 1 (1.8) /20 (35.7)

Carboplatin: 0 (0)/ 21 (37.5)/ 1 (1.8)/ 16 (28.6)/ 16 (28.6)/ 0 (0)

Carmustine: 17 (30.4)/ 19 (33.9)/ 3 (5.4)/ 10 (17.9)/ 1 (1.8)/ 4 (7.1)

Cisplatin: 25 (44.6)/ 15 (26.8)/ 13 (23.2)/ 1 (1.8)/ 1 (1.8)/ 0 (0)

Dacarbazine: 6 (10.7)/ 26 (46.4)/ 10 (17.9)/ 12 (21.4)/ 1 (1.8)/ 0 (0)

Daunorubicin liposomal: 8 (14.3)/ 14 (25)/ 12 (21.4)/ 0 (0)/ 0 (0)/ 21 (37.5)

Docetaxel: 10 (17.9)/ 22 (39.3)/ 22 (39.3)/ 1 (1.8)/ 0 (0)/ 0 (0)

Doxorubicin liposomal: 8 (14.3)/ 24 (42.9)/ 15 (26.8)/ 6 (10.7)/ 0 (0)/ 1 (1.8)

Estreptozocin: 17 (30.4)/ 12 (21.4)/ 7 (12.5)/ 4 (7.1)/ 1 (1.8)/ 13 (23.2)

Etoposide: 2 (3.6)/ 29 (51.8)/ 1 (1.8)/ 22 (39.3)/ 1 (1.8)/ 0 (0)

Etoposide phosphate: 0 (0)/ 6 (10.7)/ 0 (0)/ 7 (12.5)/ 0 (0)/ 39 (69.6)

5-fluorouracil: 0 (0)/ 26 (46.4)/ 1 (1.8)/ 21 (37.5)/ 6 (10.7)/ 1 (1.8)

Mitoxantrone: 43 (76.8)/ 9 (16.1)/ 1 (1.8)/ 1 (1.8)/ 0 (0)// 1 (1.8)

Nab paclitaxel: 9 (16.1)/ 15 (26.8)/ 9 (16.1)/ 3 (5.4)/ 0 (0)/ 18 (32.1)

Trastuzumab Emtansine: 3 (5.4)/ 13 (23.2)/ 9 (16.1)/ 3 (5.4)/ 7 (12.5)/ 19 (33.9)

Treosulfan: 2 (3.6)/ 3 (5.4)/ 3 (5.4)/ 0 (0)/ 0 (0)/ 45 (80.4)

 

 

management of extravasations:

application of physical measures (cold/heat) and/or pharmacological measures (antidotes): 62/68 (91.2%)

observation: 3/68 (4.4%)

saline washout or Gault technique: 1/68 (1.5%).

 

Hyaluronidase dosage

Hyaluronidase 150 IU/ml, six punctures of 0.2 −0.5 ml. (Total dose 180 IU–450 IU): 27 (48.2%)

Hyaluronidase up to 1500 IU around the affected area: 10 (17.9%)

Hyaluronidase 50 IU/ml, six punctures of 0.5 ml. (Total dose 150 IU): 8 (14.3%)

Hyaluronidase 1500 IU/ml, six punctures of 0.1 ml. (Total dose 900 IU): 7 (12.5%)

Hyaluronidase 250 IU, in six punctures: 1 (1.8%)

 

DMSO 99% mainly recommended

Mitomycin: 94,6%

Mitoxantrone: 82,1%

nonliposomal anthracycline extravasations: 80,4%

 

criteria to establish the dosage of DMSO99%

By volume (1–2 ml): 39.3% (22/56),

depending on the affected surface area (2 drops/4cm2 or 4 drops/10 cm2): 30.4% (17/56)

by saturation (soaked gauze): 10.7% (6/56)

 

Sodium thiosulfate

Aflibercept: 0 (0)

Arsenic trioxide: 0 (0)

Cabazitaxel: 0 (0)

Carboplatin: 11 (19.6)

Cisplatin: 13 (23.2)

Dacarbazine: 30 (53.6)

Daunorubicin liposomal: 1 (1.8)

Docetaxel: 0 (0)

Doxorubicin liposomal: 0 (0)

Etoposid: 0 (0)

Fluorouracil: 0 (0)

Fotemustine: 1 (1.8)

Gemcitabin: 0 (0)

Nab paclitaxel: 0 (0)

Paclitaxel: 0 (0)

Topotecan: 0 (0)

Trastuzumab emtansine: 0 (0)

 

The author(s) received no financial support for the research, authorship, and/or publication of this article.

4
online survey

 

"The results of this study highlight the involvement of Spanish pharmacists in extravasation management, the application of physical measures and/or pharmacological measures as the method of choice in extravasation management, as well as the existing discrepancies in tissue damage risk classification and management recommendations."

 

 

Ohisa 2022

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Intervention

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven bzw. therapeutischen Maßnahme

Kontrolle

Fallzahl n, Beschreibung der präventiven Maßnahme bzw. therapeutischen Maßnahme

Zielgrößen

Primärer Endpunkt

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Primärer Endpunkt

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Sekundäre(r) Endpunkt(e)

Angaben für Intervention vs. Kontrolle

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Ohisa

 

2022

 

Eur J Oncol Nurs

retrospective cohort study

 

n = 704 hospitals

 

Japan

 

07/2010 – 03/2019

pts who had received vesicant anticancer
drugs

N = 7284

 

Age (years), mean: 66.5y

 

Sex

Male: 3362 (46%)

 

Type of vesicant drug

Anthracyclines: 1391 (19%)

Vinca alkaloid: 483 (7%)

Taxane: 1963 (27%)

Other: 335 (5%)

Mixed: 3112 (43%)

N = 3571

subcutaneous steroid injections and local anesthetic + topical steroids

N = 3713

topical steroids alone

incidence of skin surgical procedures

surgical procedures: 214 of 7284 patients (2.9%)

steroid injection group: 3.1%

control group: 2.8%

 

exposure vs.  control groups

incidence of skin ulcers requiring surgical procedures

vinca alkaloids: 5% vs. 1%, P = 0.031

anticancer agents: 13% vs. 2%, P < 0.001

 

subcutaneous steroid injection was significantly associated with a higher incidence of skin surgery (odds ratio, 1.61; 95% confidence interval, 1.14-2.26; P = 0.007)

 

Barthel Index, type of cancer, and type of vesicant drugs were also associated with surgery.

This work was supported by grants from the Ministry of Health, Labour and Welfare, Japan (21AA2007 and 20AA2005) and the Ministry of Education, Culture, Sports, Science, and Technology, Japan (20H03907).

3

vesicant drug extravasation defined on the basis of drug prescription data
database did not provide data on the amount of leakage or the size of the affected area
multiple vesicant anticancer drugs were used on the same day - unable to determine when and which drug leaked

 

"Subcutaneous steroid injections after extravasation of vesicant anticancer drugs are associated with more frequent skin surgery. Randomized controlled trials are required to evaluate the safety and effectiveness of steroid injection."

 

Kretzschmar 2003

Referenz

(Autor, Jahr, Journal)

Studientyp

Mono- vs. Multizentrisch, Verblindung, Randomisierung, Arme, Fallzahl n, Land, Zeitraum

 

Patienten-merkmale

Indikation, Alter, Geschlecht (m/w)

Umstände der Extravasation

Klinischer Befund

Behandlung

Ergebnis

Finanzierung

Evidenzstufe

Bei Abwertung: Angabe von Gründen

Bewertung des Autors

Kretzschmar

 

2003

 

Journal of Clinical Oncology

Single centre

 

5 Case Reports

 

N = 11

 

Germany

 

08/ 1996 -03/2002

extravasations of oxaliplatin

 

1. 55 y, male; diabetes type 2; metastatic colon cancer; antiemetic prophylaxis with

20 mg dexamethason

 

 

 

 

 

 

2. 69 y, male; diabetes type 2; metastatic colon cancer; antiemetic prophylaxis with

20 mg dexamethason

 

 

 

 

 

 

 

 

3. 46 y, male; metastatic rectal

cancer; antiemetic prophylaxis with 20 mg dexamethason

 

 

 

 

 

 

 

4. 42 y, male; metastatic rectal

cancer and local

recurrence; antiemetic

prophylaxis with 20 mg

dexamethason

 

 

 

 

 

5. 54 y, female; recurrent lymph

node metastases from

coecum cancer; antiemetic prophylaxis with granisetrone, no dexamethason

 

 

 

 

1. Planned: 120 mg oxaliplatin in 500 mL dextrose 5% (0.24 mg/mL); about 400 mL extravasated after disconnection of IV-port needle (96 mg oxaliplatin)

 

 

2. Planned: 300 mg oxaliplatin in 500 mL dextrose 5% (0.6 mg/mL); about 150 mL extravasated after disconnection of IV-port

needle (90 mg oxaliplatin)

 

 

 

 

3. Planned: 250 mg oxaliplatin in 500 mL dextrose 5% (0.5 mg/mL); about 200 mL extravasated after disconnection of IV-port needle (100 mg oxaliplatin)

 

 

4. Planned: 100 mg oxaliplatin in

250 mL dextrose 5% (0.4 mg/mL); about 100 mL infused to cubita region after displacement of venous cannula (40 mg

oxaliplatin)

 

5. Planned: 130 mg oxaliplatin in

500 mL dextrose 5% (0.26 mg/ml); about 400 mL extravasated after disconnection of IV-port needle (104 mg oxaliplatin)

 

 

 

 

1. Initially palpable swelling, pain

only on pressure. After 3 days, pain, swelling, heat, redness, and impairment of right shoulder movement

 

2. Initially palpable swelling, pain

only on pressure. After 2 days, pain, swelling, heat redness, and fever. Severe impairment of right arm due

to pain

 

 

3. Initially palpable swelling, pain only on pressure. After 2 days, light pain, swelling

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Initially palpable swelling (10 x 6 x 2 cm), no pain (strong analgesics to treat pain from local recurrence). After 3 hours, redness, and pain

 

 

5. Initially palpable swelling, discomfort only on pressure. After 2 days, pain, swelling and redness of the entire breast

 

 

 

 

1. Initially no instillation of fluids, local cool packs, light pressure, 50 mg indometacin tid days 3 to 10, then on demand

 

 

 

 

 

2. Local cool packs, 50 mg indometacin tid days 2 to 20, local diclofenan ointment, oral morphine. Due to clinical picture of erysipelas, clindamycin days 2 to 7. Painkillers on demand from day 20

 

3. Dexamethason 8 mg bid day 2 to 10, indometacin 50 mg bid on demand, coolpacks

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Dexamethason 8 mg bid day 1 to 14, (patient took opioids, NSAIDs, and comedication for pre-existing pain), coolpacks

 

 

 

 

 

 

5. Due to clinical picture of erysipelas, clindamycin days 2 to 7, with no effect. DMSO ointment locally. Patient denied analgesics for moderate pain

 

 

 

 

1. After 10 weeks, only palpable tumor of 10 x 10 x 2 cm, little symptoms. After 8 months, no sequelae

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. After 6 weeks, still moderate impairment. Ultrasound showed inflammation. After 10 months, little sequelae

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. After 3 weeks only moderate pain on pressure (without medication), 1 x 6 x 8 cm palpable subcutaneous tumor, no sequelae after 3 months

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Moderate impairment of using his crutches for 1 week, palpable tumor with pain on pressure for 4 weeks, little sequelae thereafter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. After 3 weeks, platelike palpable induration of the breast lasting for 4 months. Patient died after 5 months due to subarachnoidal bleeding not relat

 

-

4

small sample size
no blinding
no randomization

 

"In conclusion, we cannot confirm the observation by Bauer et al. that the extravasation of larger amounts of oxaliplatin leads to tissue necrosis requiring plastic surgery. In our experience, the clinical picture resembles an erysipelas, and we assume that an aseptic inflammation of the involved subcutaneous tissue is responsible for the symptoms. Anti-inflammatory drugs are useful for symptomatic treatment. The early administration of high-dose dexamethason seems to have a positive influence on the further course and should be considered a therapeutic intervention in cases of extravasation of oxaliplatin. The long-term outcome was good and without sequelae in all our patients; plastic surgery was not necessary in any of the cases. The harm of extravasation of even greater amounts ofoxaliplatin is not comparable to that of classic vesicants like anthracyclines or vinca alkaloids."

 

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