Leitlinienprogramm OnkologiePsychoonkologie

2. Einführung – Psychoonkologie

Version 2.1 · August 2023 · AWMF 032-051OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

2.1 Geltungsbereich und Zweck

2.1.1 Zielsetzung und Fragestellung

Die Leitlinie gibt Empfehlungen für die psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung bei erwachsenen Krebspatient*innen (≥18 Jahre) im gesamten Verlauf einer Krebserkrankung sowie in allen Sektoren der medizinischen Versorgung. Sie stellt die Grundlage für die Implementierung von psychoonkologischen Versorgungsangeboten in allen Sektoren dar. Insbesondere steht im Fokus:

  • Die Leitlinie soll die Notwendigkeit einer flächendeckenden psychoonkologischen Basisdokumentation aufzeigen
  • Es soll eine Abgleichung mit Zielen zur psychoonkologischen Versorgung des Nationalen Krebsplans stattfinden [1]
  • Die Leitlinie soll zu einer regionalen sektorenübergreifenden Netzwerkbildung anregen
  • Es sollen Merkmale der Qualität psychoonkologischer Angebote erhoben werden, mit deren Hilfe man die Arbeit seitens der Leistungsanbietenden bewerten kann

Die psychoonkologischen Belange von Krebspatient*innen (Kinder und Jugendliche) unter 18 Jahren werden in einer eigenen S3-Leitlinie für pädiatrische Onkologie (https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/025-002.html) dargestellt. Basis der Empfehlungen für die hier vorliegende Leitlinie bilden Studiendaten, die im Rahmen von systematischen Literaturrecherchen identifiziert wurden. In Bereichen, wo keine Literaturrecherchen möglich waren, wurde mittels formaler Konsensustechniken ein Expert*innenkonsens angestrebt.

2.1.2 Adressaten

Die Leitlinie richtet sich an alle in der Psychoonkologie sowie Onkologie tätigen Berufsgruppen wie zum Beispiel Ärzt*innen, Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Sozialarbeiter*innen und -pädagog*innen. Weiterhin sind die Patientinnen und Patienten eine wichtige Zielgruppe dieser Leitlinie, wobei für diese Zielgruppe eine spezielle Patient*innenleitlinie im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie angeboten wird.

2.1.3 Gültigkeitsdauer und Aktualität

Die S3-Leitlinie ist bis zur nächsten Aktualisierung gültig. Die Gültigkeitsdauer ist auf 5 Jahre ab dem Datum der Veröffentlichung der aktualisierten Version (2.0) festgelegt. Vorgesehen sind regelmäßige Aktualisierungen. Kommentare und Hinweise für den Aktualisierungsprozess sind ausdrücklich erwünscht und können an die folgende Adresse gesendet werden: psychoonkologie@leitlinienprogramm-onkologie.de

2.2 Grundlagen der Methodik

2.2.1 Schema der Evidenzgraduierung

Die Bewertung und Klassifikation der berücksichtigten Studien erfolgte mit Ausnahme der Studien zu Screeningverfahren nach dem System des Oxford Centre of Evidence Based Medicine (siehe Tabelle 4).

Tabelle 4: Schema der Evidenzgraduierung (in Anlehnung an das Schema des Oxford Centre of Evidence-Based Medicine [vollständig verfügbar unter: www.cebm.net, Version 2009])

Studien zu Therapie, Prävention, Ätiologie

Studien zu Güte diagnostischer Testverfahren 

1a

Qualitativ hochwertiger Systematischer Review (SR) von randomisiert-kontrollierten Studien (RCT) mit geringem Risiko für Verzerrungen

Qualitativ hochwertiger Systematischer Review (SR) von Validierungs-Kohortenstudien mit geringem Risiko für Verzerrungen

1b

Einzelne RCT mit geringem Risiko für Verzerrungen

Einzelne Validierungs-Kohortenstudie mit geringem Risiko für Verzerrungen

1c

„Alle oder Keine*r“-Prinzipa

Absolute SpPins und SnNoutsb

2a

SR von Kohortenstudien mit geringem Risiko für Verzerrungen

SR von explorativen Kohortenstudien

2b

Einzelne Kohortenstudie mit geringem Risiko für Verzerrungen

Explorative Kohortenstudie

2c

Ergebnisforschung; ökologische Studien

 

3a

SR von Fallkontrollstudien

SR von 3b und besseren Studien

3b

Einzelne Fallkontrollstudie

Kohortenstudie Studie mit Risiko für Verzerrungen (z. B. nicht-konsekutiv oder ohne Konsistenz der angewendeten Referenzstandards)

4

Fallserie

Diagnostische Fallkontrollstudie

5

Expert*innenmeinung oder basierend auf pathophysiologischen Modellen oder experimenteller Grundlagenforschung oder „Grundprinzipien“

a Dramatische Effekte, z. B. alle Patienten starben, bevor die Therapie verfügbar war und nach Einführung der Therapie überlebten einige

b „Absolute SpPin“: Spezifität des Tests ist so hoch, dass ein positives Ergebnis die Diagnose sicher einschließt. „Absolute SnNout“: Sensitivität des Tests ist so hoch, dass ein negatives Ergebnis die Diagnose ausschließt

 

2.2.2 Schema der Empfehlungsgraduierung

Die Methodik des Leitlinienprogramms Onkologie sieht eine Vergabe von Empfehlungsgraden durch die Leitlinien-Autoren im Rahmen eines formalen Konsensusverfahrens vor. Dementsprechend wurden durch die AWMF moderierte, nominale Gruppenprozesse bzw. strukturierte Konsensuskonferenzen durchgeführt (siehe AWMF-Regelwerk Leitlinien). Im Rahmen dieser Prozesse wurden die Empfehlungen von den stimmberechtigten Mandatsträger*innen formal abgestimmt. Die Ergebnisse der jeweiligen Abstimmungen (Konsensstärke) sind entsprechend den Kategorien in der Tabelle zur Konsensstärke den Empfehlungen zugeordnet.

In der Leitlinie werden zu allen evidenzbasierten Statements (siehe Kapitel 2.2.3) und Empfehlungen das Evidenzlevel (siehe Kapitel 2.2.1) der zugrunde liegenden Studien sowie bei Empfehlungen zusätzlich die Stärke der Empfehlung (Empfehlungsgrad) ausgewiesen. Hinsichtlich der Stärke der Empfehlung werden in dieser Leitlinie drei Empfehlungsgrade unterschieden (siehe die folgende Tabelle), die sich auch in der Formulierung der Empfehlungen jeweils widerspiegeln.

Schema der Empfehlungsgraduierung

Empfehlungsgrad 

Beschreibung 

Ausdrucksweise

A

Starke Empfehlung 

soll

B

Empfehlung 

sollte

0

Empfehlung offen

kann

Konsensstärke

Prozentuale Zustimmung

Starker Konsens

> 95% der Stimmberechtigten

Konsens

>75 – 95% der Stimmberechtigten

Mehrheitliche Zustimmung

50 – 75% der Stimmberechtigten

Keine mehrheitliche
Zustimmung

<50% der Stimmberechtigten

2.2.3 Statements

Als Statements werden Darlegungen oder Erläuterungen von spezifischen Sachverhalten oder Fragestellungen ohne unmittelbare Handlungsaufforderung bezeichnet. Sie werden entsprechend der Vorgehensweise bei den Empfehlungen im Rahmen eines formalen Konsensusverfahrens verabschiedet und können entweder auf Studienergebnissen oder auf Expert*innenmeinungen beruhen.

2.2.4 Expertenkonsens

Als ‘Expert*innenkonsens (EK)’ werden Empfehlungen bezeichnet, zu denen keine Recherche nach Literatur durchgeführt wurde. In der Regel adressieren diese Empfehlungen Vorgehensweisen der guten klinischen Praxis, zu denen keine wissenschaftlichen Studien notwendig sind bzw. erwartet werden können. Für die Graduierung der EKs wurden keine Symbole verwendet, die Stärke der Empfehlung ergibt sich aus der verwendeten Formulierung (soll/sollte/kann) entsprechend der Abstufung in Kapitel 2.3.1.

2.2.5 Unabhängigkeit und Darlegung möglicher Interessenkonflikte

Die Deutsche Krebshilfe stellte über das Leitlinienprogramm Onkologie (OL) die finanziellen Mittel zur Verfügung. Diese Mittel wurden eingesetzt für Personalkosten, Büromaterial, Lizenzgebühren und Literaturbeschaffung sowie die externe Unterstützung bei der Aktualisierung der Patientenleitlinie. Die Erarbeitung der Leitlinie erfolgte in redaktioneller Unabhängigkeit von der finanzierenden Organisation. Es gab keine zusätzlichen Sponsor*innen. Eine standardisierte Erklärung über Interessenskonflikte wurde von allen Mitgliedern der Leitliniengruppe eingeholt. Diese wurden durch die Mitglieder der AG Interessenskonflikte (Prof. Dr. Joachim Weis, Dr. Markus Follmann, Dipl. Psych. Thorsten Kreikenbohm) gesichtet und bewertet. In einzelnen Fällen erfolgte eine Rücksprache mit den jeweiligen Mandatsträger*innen. In keinem Fall bestand jedoch eine Notwendigkeit, eine*n Mandatsträger*in wegen Befangenheit von der Abstimmung über Inhalte der Leitlinie auszuschließen. Die Ergebnisse der Überprüfung der erklärten Interessenkonflikte sind im Leitlinienreport zu dieser Leitlinie (https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/psychoonkologie/) aufgeführt.

An dieser Stelle möchten wir allen Mitarbeiter*innen für ihre ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeit an dem Projekt danken.

Literaturhinweise

[1] Bundesgesundheitsministerium, Nationaler Krebsplan: Handlungsfelder, Ziele und Umsetzungsempfehlungen, Januar 2012., https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Praevention/Broschueren/Broschuere_Nationaler_Krebsplan-Handlungsfelder_Ziele_und_Umsetzungsempfehlungen_2012.pdf