12. Forschungsfragen – Prostatakarzinom
Die Leitliniengruppe sieht in vielen Bereichen Forschungsbedarf. Im Rahmen einer Bedarfsanalyse zu dieser Aktualisierung wurden die Nutzer der Leitlinie um konkrete Forschungsfragen gebeten. Hier aufgeführt sind nach Auswahl durch die Steuergruppe diejenigen Fragen, die unmittelbar die Leitlinie selbst oder in der Leitlinie besprochene Themen betreffen. Fragen der Grundlagenforschung wurden nicht berücksichtigt.
1. Versorgungsforschung
Es ist nicht geklärt, inwieweit die Leitlinieninhalte zur Anwendung kommen und welchen Einfluss dies auf die Versorgung hat.
Die Leitliniengruppe befürwortet deshalb die Entwicklung von Evaluationsprogrammen der Leitlinienanwendung, in welche auch die Perspektive der Betroffenen einbezogen wird. Insbesondere die Mitglieder der Steuergruppe und die Patientenvertreter stehen bei der Konzeption von Evaluationsstudien gerne beratend zur Verfügung. Dies beinhaltet auch gesundheitsökonomische Analysen der verschiedenen Primärtherapieverfahren sowie (sektorübergreifender) Versorgungspfade. Regionale oder sektorale Herausforderungen sowie die Qualität der Versorgung werden ebenso als relevante Bestandteile der Evaluation gesehen.
2. Epidemiologie
Die Leitliniengruppe befürwortet Studien zur Inzidenz und Prävalenz der unterschiedlichen Formen des Prostatakarzinoms sowie zur Häufigkeit des Einsatzes der unterschiedlichen Therapieformen. Zudem wird eine Relevanz gesehen bei der Einschätzung sekundär entwickelter Krebserkrankungen nach Therapiebeginn, wobei Einflussfaktoren und Präventionsmöglichkeiten und -erfolge hervorgehoben werden.
3. Pathologisch-anatomische Diagnostik
Die Leitliniengruppe befürwortet Studien zur Sicherung der Biopsiebewertung und zu Markern für die Aggressivitätsbeurteilung der Karzinome.
Für Patienten mit familiärer Tumordisposition wird Forschungsbedarf hinsichtlich der unterschiedlichen Früherkennungsmaßnahmen gesehen, um im Rahmen der Prävention einer Prostatakarzinomerkrankung konkretere Empfehlungen formulieren zu können.
4. Diagnostik und Therapie des lokal begrenzten und lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
Die Leitliniengruppe befürwortet Studien zu bildgebenden Verfahren, insbesondere Ultraschall- und MRT-Techniken, in denen vergleichbare technische Standards eingesetzt und validiert werden und die klinisch relevante Endpunkte haben.
Die Leitliniengruppe sieht Forschungsbedarf hinsichtlich geeigneter Komorbiditätsklassifikationen zur Entscheidungsfindung im Hinblick auf Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms.
5. Diagnostik und Therapie des Rezidivs
Die Leitliniengruppe sieht vorrangig Forschungsbedarf hinsichtlich folgender Fragen:
- Nutzen der PET/CT bei einem biochemischen Rezidiv (PSA-Wert >1 ng/ml) vor einer Salvage-Strahlentherapie oder vor einer Salvage-Lymphadenektomie
- Nutzen und Schaden der operativen Therapie eines Rezidivs nach perkutaner Strahlentherapie
- Stellenwert der HIFU bei der Behandlung des Rezidivs
- Therapie der regionalen Lymphknotenprogression
6. Diagnostik und Therapie des metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom
Die Leitliniengruppe sieht Forschungsbedarf zu folgenden Themen:
- Bildgebung zur Diagnostik von Metastasen
- Sequenztherapie verschiedener Therapieoptionen
- Head-to-head-Vergleiche der unterschiedlichen Therapieoptionen
7. Die Leitlinie begleitende Dokumente und Tools
Die Entwicklung, Evaluation und Weiterentwicklung von Praxishilfen sowie Entscheidungshilfen für Betroffene wird durch die Leitliniengruppe als elementarer Bestandteil einer erfolgreichen Implementierung der Leitlinieninhalte gesehen. Die Produkte sollen dabei integraler Bestandteil der Leitlinie sein und beispielsweise auf Übersichtsdarstellungen und den Empfehlungen der Leitlinie beruhen. Daher wird die Evaluation, Weiterentwicklung und Bekanntmachung beispielsweise im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung durch die Leitliniengruppe befürwortet.