Leitlinienprogramm OnkologiePalliativmedizin

20. Todeswünsche – Palliativmedizin

Version 3.0 · Juli 2026 · AWMF 128-001OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

AG-Leiter: Reinhard Lindner, Raymond Voltz

20.1 Einleitung

Das Phänomen „Todeswunsch“ wird in der Praxis und Literatur unterschiedlich verstanden und beschrieben. Todeswünsche stehen in einem komplexen Bezug zur Suizidalität, der in dieser Leitlinie definiert werden soll. Damit soll der Bandbreite dieses Phänomens Rechnung getragen werden.  

Definition „Todeswunsch“ in dieser Leitlinie

„Todeswünsche“ im Kontext dieser Leitlinie beschreiben den Wunsch nach baldigem Sterben bzw. dem Wunsch danach, tot zu sein bei Menschen mit einer lebenslimitierenden, progressiven Erkrankung. Todeswünsche reichen von der Akzeptanz des Todes im Sinne von Lebenssattheit, dem Hoffen auf baldigen Beginn des Sterbeprozesses mit oder ohne Wunsch nach Beschleunigung bis hin zur akuten (bewusst geplanten) Suizidalität mit einem zunehmenden Handlungsdruck, je drängender und akuter der Wunsch nach selbst herbeigeführtem Sterben ist. Dabei kann auch eine andere Person um Assistenz gebeten werden.

Ein internationaler und für die Palliativmedizin repräsentativer Expertenkreis hat im Konsensus den „Wish To Hasten Death“ (Wunsch nach Beschleunigung des Sterbens) definiert als „eine Reaktion auf ein Leiden im Kontext einer lebensbedrohenden Erkrankung, bei der der Patient keinen anderen Ausweg sieht als ein beschleunigtes Sterben. Dieser Wunsch kann spontan oder auf Nachfrage geäußert werden und muss unterschieden werden von der Akzeptanz des bevorstehenden Todes und dem Wunsch möglichst rasch auf natürliche Weise zu sterben. Der Wunsch den Tod zu beschleunigen kann durch einen oder mehrere Faktoren entstehen. Hierzu gehören: physische Symptome (entweder aktuell oder antizipiert), psychologischer Distress (z. B. Depression, Hoffnungslosigkeit, Angst), existenzielles Leiden (z. B. Verlust von Lebenssinn) oder soziale Aspekte (z. B. das Gefühl eine Last zu sein)“ [1926].

In dieser Leitlinie wird unter Todeswünschen jedoch zusätzlich zum Wunsch nach Beschleunigung des Sterbens die Dimension der Akzeptanz des Todes im Sinne einer Lebenssattheit aufgeführt. Damit wird deutlich, wie facettenreich Todeswünsche sein können, und dass die verschiedenen Formen fließende Übergänge haben und sich im Zeitverlauf in alle Richtungen verändern können.

Die Prävalenz des Todeswunsches wird bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung mit einer großen Spannweite angegeben [1927], [1928], [1929], [1930]. Sie reicht in einem neueren Systematic Review etwa von 1 bis 40 % [1930]. Diese Schwankungen sind durch unterschiedliche Ausprägungen erklärbar: In einer Studie mit 377 teilnehmenden onkologischen Patient:innen zufolge geben 69,5 % an, keinen Todeswunsch zu haben, 18,3 % äußern gelegentliche Gedanken diesbezüglich und 12,2 % nennen einen ernsthaften Todeswunsch [1931].

Zum Umgang mit allgemeinen Fragen der Suizidalität auch außerhalb der palliativen Situation wird auf die entsprechende S3-Leitlinie verwiesen (AWMF Leitlinienregister).

20.2 Das Phänomen Todeswunsch

20.2.1 Differenzierung: Formen von Todeswünschen

20.1 · Evidenzbasiertes Statement · geprüft 2026

Todeswünsche von Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung sind als komplexes Phänomen mit individuell unterschiedlichen Ursachen, Ausprägungen und Konsequenzen zu betrachten.

Evidenzlevel
4

Literatur ergänzt

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[443] [1930] [1932]

Hintergrund

Patient:innen drücken einen Todeswunsch auf unterschiedliche Weise aus. Im Alltag begegnet uns sozusagen ein "Chor" von Patient:innenaussagen [1933]. Beispiele sind folgende: „Ich möchte sterben“, „Bitte geben Sie mir etwas, um das Leben zu beenden“, „Ich möchte in die Schweiz fahren, um zu sterben“. Solche Aussagen drücken zwar einen ähnlichen Wunsch aus, bergen aber ein komplexes Phänomen, das in seinen Ursachen, Bedeutungen und Konsequenzen sehr unterschiedlich zu betrachten ist.

Die Literatur der letzten Jahre spiegelt vermehrt den Versuch wider, die Hintergründe dieses Phänomens zu untersuchen und besser zu verstehen. Für dieses Unterkapitel wurde eine systematische Literaturrecherche nach Systematic Reviews durchgeführt (mit Aktualisierung im Jahr 2025). Es konnten drei Systematic Reviews identifiziert und zur Evidenzbasierung herangezogen werden [443], [1930], [1932]. Zusätzlich zu den identifizierten Systematic Reviews werden in diesem Kapitel weitere Literaturquellen angegeben, die zum vertieften Verständnis von Todeswünschen beitragen. Diese zusätzlichen Literaturquellen wurden durch Experten der Leitliniengruppe beigesteuert.

Das Systematic Review von Rodriguez-Prat et al. [443] schließt qualitative Studien ein (deskriptive Literatur, Oxford LoE 3). Die Einbeziehung qualitativer Literatur ist damit begründet, dass dieses Unterkapitel das Ziel verfolgt, Todeswünsche in ihren unterschiedlichen Formen, Ursachen, Funktionen und Dynamiken zu beschreiben und zu versuchen, es konzeptuell vollständiger aufzuarbeiten. Hierzu bieten sich am besten qualitative Studienergebnisse an. [443] versuchen in ihrem Review die Hintergründe des Todeswunsches in fünf Themenbereiche zu systematisieren: das Leiden, die Gründe für Todeswünsche, die Bedeutungen von Todeswünschen, deren Funktionen und das konkrete Erleben der eigenen Endlichkeit. Als Gründe für Todeswünsche identifizierten sie physische, psychologisch-emotionale, soziale Faktoren und ein Gefühl des Verlustes der Selbstwirksamkeit. Als mögliche Bedeutungen von geäußerten Todeswünschen können verstanden werden: der Schrei nach Hilfe, die Situation aktiv zu beenden, der Wunsch bestehendes Leid und Schmerzen nicht länger ertragen zu müssen, Angehörigen nicht zur Last zu fallen, der Wunsch weiter zu leben, aber nicht auf diese Weise und der Wunsch bis zum Lebensende selbstwirksam zu bleiben. Die Autoren unterteilen die Funktionen von Todeswünschen in den Erhalt der Kontrolle über die Selbständigkeit und die Möglichkeit der Verbalisierung von Wünschen, Gefühlen und Gedanken. Um die Komplexität des Phänomens gänzlich erfassen zu können, muss auch das konkrete Erleben der eigenen Endlichkeit der Patient:innen und das Gefühl der ablaufenden Zeit beachtet werden. Dies zeigt die Bandbreite des Phänomens und ihrer Ursachen, wie im einleitenden Statement festgehalten (SIGN LoE 3). Um der Komplexität und Mehrdimensionalität des Phänomens vollständig gerecht zu werden ist es wichtig, das Leid der Patient:innen als übergeordneten Nenner für die Gründe, Bedeutungen und Funktionen von Todeswünschen und das konkrete Erleben der eigenen Endlichkeit zu sehen [443].

Die weitere systematische Übersichtsarbeit von [1930] liefert eine extensive Synthese von hauptsächlich quantitativer Literatur unter Einbeziehung von 11 systematischen Übersichtsarbeiten und 35 Primärstudien, davon 34 quantitative Studien (1 RCT, 2 Kohortenstudien) und 1 qualitative Studie. Die Übersichtsarbeit unterstreicht die Komplexität des Phänomens Todeswunsch: Sie identifizierte Depression, Schmerzen, funktionelle Einschränkungen und das Gefühl, eine Belastung zu sein als Faktoren, die eine signifikante Assoziation zu Todeswunsch zeigten (Oxford 4).

Zudem identifizierten [1932] in ihrem Systematic Review vier Querschnittsstudien, in denen Demoralisierung als signifikanter Prädiktor von suizidalen Gedanken aufgezeigt wurde.

Im Folgenden werden weitere Forschungsergebnisse beispielhaft beschrieben, die nicht Ergebnis der systematischen Literaturrecherche waren, die aber dazu beitragen sollen, die Spannweite der Formen von Todeswünschen besser zu erläutern sowie ein konzeptuelles Verständnis von Todeswunsch im Zusammenhang mit suizidalem Handlungsdruck/Suizidalität zu formulieren (siehe Abbildung Formen von Todeswünschen).

1) In der Studie von Ohnsorge et al. (2014) wurden mit 30 terminal erkrankten Patient:innen, ihren professionellen Begleitern und Angehörigen insgesamt 116 semi-strukturierte Interviews durchgeführt, qualitativ ausgewertet und allgemeine Patient:innenwünsche am Ende des Lebens erhoben [1934]. Diese wurden in drei Kategorien unterteilt: die Äußerung von Lebenswunsch, die Akzeptanz des Sterbens und den Wunsch zu sterben. Die Äußerungen, die dem „Wunsch zu sterben“ zuzuordnen sind, ließen sich wiederum in drei weitere Kategorien zuordnen. In der ersten Unterkategorie wird die Hoffnung auf ein baldiges Sterben ohne den Wunsch nach einer Beschleunigung des Sterbeprozesses geäußert. In der zweiten Unterkategorie wird diese Beschleunigung gewünscht und hypothetisch im Falle von Symptomverschlechterung oder aktuell als Option in Betracht gezogen. In der dritten Unterkategorie besteht der explizite Wunsch zu sterben durch den Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen, durch Suizidhandlungen oder durch Tötung auf Verlangen. 

2) Nissim et al. (2009) führten eine Studie mit 27 ambulanten Lungentumor-Patient:innen zwischen 45-82 Jahren durch und analysierten 54 Interviews [1935]. Im Abstand von zwei Monaten baten sie die Patient:innen Fragebögen zur Selbsteinschätzung bezüglich Todeswunsch-Häufigkeit und -Intensität (SAHD) [1936], Depression (Beck Depression Inventory-II) [1937] und Hoffnungslosigkeit (Beck Hopelessness Scale) [1938] auszufüllen. Drei unterschiedliche Kategorien des Todeswunsches konnten identifiziert werden:

  • Die Kategorie des Loslassens („manifestation of letting go“) tauchte den Autor:innen zufolge besonders häufig während einer schnell fortschreitenden und finalen Sterbephase auf, die durch körperliche Beeinträchtigung und Abhängigkeit charakterisiert ist. Sie signalisiert ein Bewusstwerden der Patient:innen, dass der Tod unmittelbar und irreversibel bevorsteht. Der Tod wird als Trost betrachtet angesichts des aktuellen Leidens. Diese Phase ist nicht durch Zufriedenheit geprägt, sondern oft durch Kapitulation und emotionale Leere [1939].
  • Ein weiterer Todeswunsch wird vornehmlich als eine Reaktion auf überwältigende Gefühle von Verzweiflung, Sinnlosigkeit, Hilflosigkeit und Panik verstanden. In dieser Situation war das Gefühl von Überwältigung, Kontrollverlust und Apathie besonders stark. Diese Kategorie war häufig eine Antwort auf schlechte Nachrichten oder Erfahren von Leid. Gerade starke Schmerzen korrelierten positiv mit dieser Kategorie, Religiosität dagegen negativ.
  • Der hypothetische Fluchtplan („hypothetical exit plan“) sei die mit 89 % Häufigkeit genannte am häufigsten vorkommende Kategorie im Fall, dass alle Versuche gescheitert sind, die Krankheit zu kontrollieren und sich die Patient:in in der Situation des Dahinvegetierens empfindet [1939]. Sie gilt als Antwort auf die vielschichtigen Zukunftsängste und ermöglicht diese besser zu tolerieren, indem sie eine Art Sicherheitsnetz gewährt. Die Sterbephase wird von den Patient:innen als schmerzhaft und würdelos antizipiert und der Suizid als beste Option angesehen für den Fall des Eintretens der Befürchtungen. Diese Kategorie korrelierte mit niedrigem Alter, geringem Selbstwertgefühl und geringer Spiritualität.

3) Balaguer et al. versuchten eine Definition des Wunsches nach Beschleunigung des Sterbens („Wish To Hasten Death“) mittels eines internationalen Delphi-Prozesses zu prägen [1926]. Wie in der Einleitung bereits erläutert, in der Abbildung Formen von Todeswünschen graphisch dargestellt und wie der Begriff „Wunsch nach Beschleunigung“ es selbst ausdrückt, fasst diese Definition nicht die Akzeptanz des Todes im Sinne der Lebenssattheit und ist somit nur ein Teil des Konzeptes des Todeswunsches, das für diese Leitlinie gewählt wurde.

4) In Anlehnung an Wolfersdorf  [1940], [1941] , [1942] beschreiben Lindner et al. [1943] aus der Perspektive der Suizidologie eine ähnliche Abstufung. „Suizidalität umfasst alle Gedanken, Gefühle und Handlungen, die den eigenen Suizid betreffen. Lebensmüdigkeit beschreibt eine Form der Suizidalität ohne konkrete Vorstellungen und ohne Handlungsdruck, jedoch mit Leidenserfahrung. Die Einteilung in distanzierte, latente und akute Suizidalität charakterisiert das Kontinuum eines zunehmenden Handlungsdrucks mit immer konkreteren Suizidplänen bis hin zur gedanklichen Fixierung auf die Selbsttötung.“ [1944] Die in der Abbildung Formen von Todeswünschen dazu aufgeführten Begriffe werden wie folgt definiert [1943]:

  • Lebenssattheit – Zufrieden mit dem Erlebten und Erreichten, auch dem Sterben gegenüber ohne Groll: „C'est ici que j'attends la mort sans la desirer ny la craindre“ - Es ist hier, wo ich den Tod erwarte, ohne Verlangen und ohne Furcht (François Maynard, 1582-1646) [1945].
  • Lebensmüdigkeit – Wunsch, zu sterben, ohne eigene Aktivität: „Abends einschlafen und nicht wieder aufwachen“.
  • Distanzierte Suizidalität – Vorstellungen, Phantasien und Pläne durch eigenes Tun oder Lassen das eigene Leben zu beenden, auch ohne Behandlung der Suizidalität ist kein lebensbeendender Handlungsdruck zu erwarten.
  • Latente Suizidalität - Vorstellungen, Phantasien und Pläne durch eigenes Tun oder Lassen das eigene Leben zu beenden, ohne Behandlung ist bei (erneuter) Belastung ein deutlicher Handlungsdruck zu erwarten.
  •  Akute Suizidalität - Vorstellungen, Phantasien und Pläne durch eigenes Tun oder Lassen das eigene Leben zu beenden, es besteht aktuell ein erheblicher Handlungsdruck.
  • Perakute Suizidalität - die suizidale Person steht kurz vor (innerhalb weniger Stunden) einer potentiell tödlichen suizidalen Handlung.
  • Suizid – durchgeführte Selbsttötung, sei es mit oder ohne Assistenz von jemand anderen.

Die Ergebnisse aus den bereits aufgeführten Studien – sowohl aus der Palliativmedizin als auch aus der Suizidologie - zeigen alle ein abgestuftes Verständnis von Todeswunsch, wie in der Abbildung Formen von Todeswünschen zusammenfassend gegenübergestellt. Im Kontext dieser Leitlinie ist der Todeswunsch als Hauptkategorie zu verstehen, die Suizidalität beinhalten kann oder nicht. Ein Todeswunsch kann also auch ohne Suizidalität einhergehen, wie in der Abbildung Formen von Todeswünschen dargestellt und weiter unten ausführlicher erläutert.

Das Anliegen einer Assistenz beim Suizid kann natürlich ebenso in diese Spannbreite eingeordnet werden: Ohne Handlungsdruck (links) steht das Wissen über die Möglichkeit der Suizidassistenz, welches sich als „Exit“-Strategie in der Mitte der Grafik (Formen von Todeswünschen) als hypothetische Möglichkeit für die Zukunft z.B. durch die Mitgliedschaft in einer Sterbehilfeorganisation manifestieren kann. Steigt der Handlungsdruck weiter (nach rechts), so können die Formalitäten zur Suizidassistenz erledigt sein, ohne dass jedoch zunächst ein konkreter Termin ausgemacht sein muss. Der konkrete Durchführungstermin würde dann im Schema ganz rechts als akute Suizidalität zu verankern sein. 

Formen von Todeswünschen
Formen von Todeswünschen

Weitere Konzepte zum besseren Verständnis von Todeswunsch wurden u. a. von Voltz et al. unter Patient:innen in der Palliativversorgung [1946] und Bernhart-Just bei physisch chronisch-kranken Patient:innen [1947] erarbeitet.

Voltz et al. regten an, Todeswünsche zu unterscheiden nach: akut und nicht akut vorliegend, hypothetisch für zukünftige Situationen und einer generell dem Sterben zustimmenden Einstellung ohne aktuelle Äußerung eines Todeswunsches [1946]. Die Autor:innen schlugen vor, Todeswünsche wie folgt zu differenzieren:

  • Für eine Patient:innengruppe ist der Todeswunsch keine Option,
  • eine zweite Gruppe äußert, einen Lebenswillen zu besitzen, hält sich jedoch die Option des Todeswunsches für zukünftige Situationen offen und
  • eine dritte Gruppe möchte sterben und kämpft dennoch um das Leben.

In der Studie von Bernhart-Just et al. mit 30 Erwachsenen, die an einer nicht-heilbaren Erkrankung litten, ihren Bezugspersonen und Mitarbeiter:innen einer Suizidbeihilfeorganisation wurde in insgesamt 42 narrativen Interviews erhoben, was physisch chronisch Kranke entscheiden lässt, weiterzuleben oder nicht länger am Leben zu bleiben  [1947]. Das daraus entwickelte konzeptuelle Modell beinhaltet neun Phasen, welche Kranke im Entscheidungsprozess „weiterzuleben oder zu sterben“ durchlaufen und zahlreiche Einflussfaktoren. Aus den Phasen und den Einflussfaktoren konstituieren sich vier Konstellationen menschlichen Daseins, die den Entscheidungsprozess bedingen. Die Konstellationen (K1-3) sind eingeteilt in:

  • K1: Zurechtkommen mit seiner Daseinsweise
  • K2a: noch oder wieder zurechtkommen mit seiner Daseinsweise, solange diese erträglich ist und nicht mehr zurechtkommen, wenn ungewollte Daseinsweisen drohen
  • K2b: Ungewissheit und Schwierigkeiten mit seiner Daseinsweise zurechtzukommen
  • K3: nicht zurechtkommen mit seiner Daseinsweise

Die Konstellationen beeinflussen die Zielsetzung des Daseins einer kranken Person, den Lebenswillen, die Bereitschaft sowie den Entscheid sein Dasein weiterzuführen oder durch natürlichen Tod respektive Suizid(-beihilfe) zu sterben. Neben dem (un-) eingeschränkten bis hin zum nicht mehr bestehenden Lebenswillen zeigt sich mit Blick auf den Todeswunsch in Konstellation 1 die Bereitschaft auf natürliche Art zu sterben und in Konstellation 2a der Wille durch Suizid(-beihilfe) zu sterben, wenn ungewollte Daseinsweisen drohen. Konstellation 2b kennzeichnet die Bereitschaft der kranken Person auf natürliche Art zu sterben und das Bereit-Werden durch Suizid(-beihilfe) zu sterben, sobald ungewollte Daseinsweisen bestehen. In Konstellation 3 sind die Kranken bereit auf natürliche Art zu sterben oder bereit durch Suizid(-beihilfe) zu sterben. Mit dem Reifeprozess von der Erwägung bis zum Entschluss durch Suizid(-beihilfe) zu sterben, nimmt die Dringlichkeit zu, Maßnahmen zur Realisierung des getroffenen Entscheids zu planen und auszuführen. Verändert sich die Daseinskonstellation einer kranken Person, kann es zu Wendepunkten im Entscheidungsprozess kommen.

Briggs et al. [1948] stellten in einer psychoanalytischen Kasuistik einer Patientin mit dem Anliegen eines assistierten Suizids die hohe Bedeutung der Ambivalenz bei Todeswünschen heraus, in der in einer regressiven Destabilisierung einer Abwehr massiver Ängste und Zerstörungserfahrungen angesichts der Nähe des Sterbens ein zunehmender Druck, suizidal zu handeln entstehen kann

Die Eruierung der Komplexität von Todeswünschen ist entscheidend für die Versorgung der Patient:innen. Würden die Behandelnden die Todeswunsch-Äußerung der Patient:innen nur dem Wort nach verstehen, dann wäre dieses Verständnis in vielen Fällen verfehlt, möglicherweise dahinterliegende Motive blieben unentdeckt und in der Folge würde eine adäquate leidlindernde Behandlung nicht erfolgen können. Das Bewusstsein darüber, dass ein Todeswunsch einen anderen Sinngehalt haben kann als die wörtliche Bedeutung der Äußerung, ist wichtige Voraussetzung für eine adäquate Behandlung [1949].

20.2.2 Verhältnis von Todeswunsch und Suizidalität

Menschen können im Laufe ihres Lebens unter verschiedenen Umständen Todeswünsche entwickeln. Diese können in unterschiedlichen Kontexten des menschlichen Lebens auftreten und wurden in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen (z. B. Philosophie, Soziologie, Politik, Theologie, Psychologie, Psychiatrie, Psychosomatik, Psychoanalyse) untersucht und dabei unterschiedlichen Nomenklaturen unterworfen: „Suizidalität“ (z. B. [1950]), „suizidales Verhalten“, „selbstverletzendes Verhalten“, oder im Rahmen der Palliativmedizin als „Wish To Hasten Death“ (siehe Einleitung) – auch u. a. „Desire for hastened death“ (z. B. [1951], [1952]) genannt – untersucht.

Aus psychiatrischer Perspektive wurde Suizidalität von verschiedenen Autor:innen mit unterschiedlichen Nuancierungen definiert. Nach Lindner umfasst Suizidalität „alle Gedanken, Gefühle und Handlungen, seien sie bewusst oder unbewusst (und damit in ihrer Bedeutung dem Subjekt primär nicht zugänglich), die auf Selbstzerstörung durch selbst herbeigeführte Beendigung des Lebens ausgerichtet sind“ [1943].

Das Besondere am Phänomen Todeswunsch ist allerdings, dass er auch ohne den Wunsch, das Leben schneller beenden oder das Lebensende herbeiführen zu wollen, auftreten kann [1953]. Insofern ist er nicht automatisch gleichzusetzen mit Suizidalität, zumindest nicht mit ihren akuten, von zunehmendem Handlungsdruck geleiteten Formen, auch wenn der Todeswunsch ohne Handlungsdruck, ihm nachzukommen, ein erstes Anzeichen der Suizidalität sein kann. Ob, wann, weshalb und bei welchen Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung es zu einem „Übergang“ von einem Todeswunsch zu suizidalen Gedanken, Absichten oder Handlungen kommt, bedarf der weiteren Erforschung [1954]. Erschwerend für diese Festlegung kommt hinzu, dass weder Todeswunsch als Hauptkategorie noch Suizidalität als Teilkategorie des Todeswunsches stabile Phänomene sind. Ihr Vorhandensein kann im zeitlichen Verlauf schwanken und unterschiedliche Ausprägungen annehmen. So kann der Todeswunsch verbunden sein mit einer (sub-) akuten Absicht, das Leben enden zu lassen, oder aber eher hypothetischer Natur im Sinne des „Vorsorgens“ für eine antizipierte, zukünftige Situation [1955], [1953].

Weiterhin erschwerend für die Beschreibung des Verhältnisses von Todeswunsch und Suizidalität kommt hinzu, dass Schweizer Gesundheitsdaten keinen Rückgang der Suizide verzeichnen, obwohl dort die Zahl der getrennt erfassten assistierten Suizide deutlich ansteigt [1956], [1957]. Die Interpretation dieser Zahlen legt nahe, dass es sich bei den Personen, die Suizidversuche unternehmen und damit im Fokus der psychiatrischen Diskussion stehen, und den Patient:innen mit Todeswunsch mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung zumindest zum Teil um unterschiedliche Personengruppen handeln könnte.

Suizidalität differenziert sich durch den Handlungsdruck, Todeswünsche durch Handeln in die Tat umzusetzen. Dies kann natürlich auch die Bitte an jemand anderen einschließen, bei der Selbsttötung zu helfen. Auch das Unterlassen von lebenserhaltenden Maßnahmen kann, muss aber nicht suizidalen Ursprungs sein. Entscheidend ist dabei die emotionale und kognitive Einengung, das Vorliegen unerträglicher innerer Konflikte und ein zunehmender Handlungsdruck. Todeswünsche ohne Handlungsdruck können trotzdem als Leiden erfahren werden und bedürfen dann der Behandlung. Sie können aber auch stützend erlebt werden, wie eine „Versicherung“ („Wenn es ganz schlimm kommt, dann kann ich immer noch aussteigen“).

20.2.3 Todes- und Lebenswunsch, Dynamik und Verlauf

20.2 · Evidenzbasiertes Statement · geprüft 2026

Patient:innen mit nicht-heilbarer Krebserkrankung und einem Todeswunsch können zugleich einen Wunsch nach Leben in sich tragen.

Im Zeitverlauf und hinsichtlich der Intensität können sich Todeswunsch und Lebenswille verändern.

Evidenzlevel
4
Konsens
Konsens
Literatur
[443]

Hintergrund

Das durch die systematische Literaturrecherche identifizierte Systematic Review von Rodriguez-Prat et al. [443] nennt als mögliche Bedeutung des Todeswunsches den „Willen, weiter zu leben, aber nicht auf dieser Weise“, z. B. weil die Patient:innen aufgrund ihrer Krankheit Dinge aufgeben müssen, die für sie sinnstiftend und wertvoll sind. Manche Patient:innen empfinden dies als Paradox: einerseits weiterleben und andererseits sterben zu wollen. Bei manchen Patient:innen wird der Todeswunsch als fluktuierendes Phänomen in einem Wechselverhältnis mit dem Lebenswunsch beschrieben, das im Laufe der Zeit zu- oder abnehmen kann (Oxford LoE 4).

Weitere Literatur, die nicht im Rahmen der Literaturrecherche identifiziert wurde, unterstützt diese Ergebnisse. So definieren Ohnsorge et al. ein Lebenswunsch als ein „Wunsch, weiter am Leben zu bleiben" (an inclination for life to continue) [1934]. Beide Phänomene können ausgeprägt bei den Patient:innen nebeneinander existieren [1958], [1946]. Im Sinne der „Double Awareness“ ist es Menschen möglich, Paradoxes gleichzeitig zu denken und zu äußern [1959]. Aus psychologischer Perspektive entspricht dies einer inneren Ambivalenz aufgrund intrapsychischer Konflikte, die es anzuerkennen gilt. Dies ist – soweit sinnvoll und möglich - sorgfältig mit den Patient:innen zu erarbeiten [1942]. Es ist Aufgabe des professionellen Begleiters zu verstehen, welche Bindungen die Patient:in an das Leben hat (in der Regel sind das Beziehungen), und diese ggf. gemeinsam herauszuarbeiten, sofern der Patient davon profitieren kann. Boström et al. [1960] zeigten in ihrer prospektiven Kohortenstudie, dass der Todeswunsch und der Lebenswille zu drei Zeitpunkten bei n = 85 Patient:innen stark negativ korrelierte (Basislinie: r(65) = -0,647, p ⩽ 0,001; nach 1 Woche: r(55) = -0,457, p ⩽ 0,001 und nach 4-6 Wochen: r(43) = -0,727, p ⩽ 0,001). Eine visuelle Bewertung der Streudiagramme zeigte jedoch eine kleine, aber erhebliche Anzahl von Ausreißern. Wenn man sich auf diese Ausreißer-Patient:innen konzentrierte, zeigten sie klinisch relevante Veränderungen zwischen der Basislinie und 6 Wochen, wobei der Todeswunsch sich bei n = 9 (15% von n = 60) und der Lebenswille sich bei n = 11 (18,6% von n = 59) änderte. Die Interviewdaten von drei Ausreißerfällen veranschaulichen, dass Faktoren wie die Persönlichkeit der Patient:innen und die individuelle Situation ungewöhnliche Verläufe des Todeswunsches und des Lebenswillens beeinflussen.

Auch die Tatsache, dass Todes- und Lebenswunsch in vielen Fällen kein stabiles Phänomen sind, sondern über die Zeit in Art und Intensität fluktuieren können, wurde von weiteren Autoren beschrieben [1946], [1961], [1962], [1963]. So wurde in einer Studie von Rosenfeld et al. mit 128 terminal erkrankten Patient:innen zu zwei Messzeitpunkten die Intensität des Todeswunsches mittels SAHD (Schedule of Attitudes toward Hastened Death) gemessen und in vier Gruppen eingeteilt [1963]. 65,6% hatten einen durchgehend niedrigen und 17,2% einen hohen Todeswunsch, bei circa 17% konnten Schwankungen festgestellt werden (9,4% fallend, 7,8% ansteigend). Die Schwere der Hoffnungslosigkeit steht signifikant in Zusammenhang mit dem Verlauf des Todeswunsches, die Schwere der Depression ist dagegen kein signifikanter Einflussfaktor. Dabei steht die Zu- oder Abnahme von Todeswünschen nicht im Zusammenhang mit demographischen Daten wie Geschlecht, Alter, Ethnie oder Ausbildung. In einer Studie von Chochinov et al. wurde bei 168 teilnehmenden Patient:innen mit einer Krebserkrankung, die auf einer Palliativstation behandelt wurden, die Veränderung ihres Lebenswunsches über die Zeit untersucht [535]. Die Stärke des Lebenswunsches wurde zweimal täglich auf einer 100 mm-visuellen Analogskala durch Selbsteinschätzung gemessen (0 mm = „kein Lebenswunsch“ und 100 mm = „voller Lebenswunsch“). Anhand dessen wurden die Veränderungen des Lebenswunsches über Intervalle von 12h, 24h, 7 bzw. 30 Tagen kalkuliert. Im Median betrugen die Veränderungen weniger als 10 Punkte in allen Zeitintervallen und waren damit relativ stabil. Dagegen fielen die maximalen Veränderungen deutlich stärker aus (Mittelwert für die verschiedenen Zeitintervalle: 12h: 33,1 mm; 24h: 35,8 mm; 7 Tage: 48,8 mm; 30 Tage: 68,0 mm. In allen Zeitintervallen gab es 100 mm-Schwankungen bei einzelnen Patient:innen). Somit schließen die Autoren auf eine hohe Fluktuation des Lebenswunsches bei sterbenden Patient:innen.    

20.2.4 Ursachen, Bedeutungen und Funktionen von Todeswünschen

Ursachen

Als Ursachen oder Risikofaktoren der Entstehung von Todeswünschen bei Patient:innen mit nicht-heilbaren Krebserkrankungen sind folgende Faktoren beschrieben worden [443], [1930], [1964], [1953], [1965], [1966], [1967], [1884]:

  • körperliche Symptome
  • psychische Symptome (Depressivität, Angst, Hoffnungslosigkeit)
  • soziale Probleme (Isolation/Alleinsein)
  • Persönlichkeit (Wunsch nach Autonomie und Kontrolle, Identitätsverlust)
  • Qualität der Beziehungen der Patient:innen zu ihnen wichtigen Menschen
  • existentielle, spirituelle, lebensanschauliche Dimension.

In einer Längsschnittuntersuchung wurde gezeigt, dass Hoffnungslosigkeit und Depression die beiden wesentlichen, jedoch voneinander getrennten Prädiktoren eines Todeswunsches sind und weitere untersuchte Faktoren auf diese beiden Syndrome Einfluss haben [1966]. In dieser Untersuchung von Rodin et al. wurde auf eine mögliche Relevanz des Bindungsstils hingewiesen. In der Bindungsforschung werden vier Bindungstypen unterschieden [1968], [1968], die je nach Ausprägung u. a. beeinflussen können, inwieweit die Patient:in besser oder schlechter Hilfe (ob privat oder professionell) suchen und diese annehmen kann. Hierbei spielt der vermeidende Bindungsstil eine besonders ungünstige Rolle [1969]. Auch der eigene Bindungsstil der professionellen Begleiter:innen hat einen Einfluss auf den Umgang mit den Patient:innen [1970]. Ein sicherer Bindungsstil kann die Wahrnehmung von Distress beeinflussen und vor Depression schützen. Es gibt Hinweise darauf, dass im Bindungsstil begründete Ängste vor Ablehnung und Abhängigkeit einen starken Einfluss auf die Entwicklung von Todeswünschen und Suizidalität am Ende des Lebens haben können [1738].

Bedeutungen und Funktionen

Mit dem Begriff „Bedeutungen von Todeswünschen“ sind die subjektiven Bedeutungen angesprochen, die die Patient:in ihrem eigenen Todeswunsch zuschreibt [1953]. Funktionen eines Todeswunsches werden von Ohnsorge et al. definiert als Effekte des geäußerten Todeswunsches auf die soziale Umgebung [1953], wie auch von Coyle und Sculco dargestellt [1971].

Coyle und Sculco schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass ein geäußerter Todeswunsch eine sehr komplexe Artikulation ist und an ein oder mehrere Gegenüber (z. B. Angehörige, Ärzt:innen o. ä.) gerichtet sein kann. Sie erkennen im geäußerten Todeswunsch verschiedene Bedeutungen und kommunikative Funktionen, welche überlappend und miteinander verwoben sind [1958]. Der Studie von Coyle et al. zufolge wurden verschiedene Ausdrucksformen mit unterschiedlichen Bedeutungen und Funktionen von Todeswünschen identifiziert: 1) Patient:innen können einen Todeswunsch äußern, gleichzeitig jedoch Behandlung wünschen und durchführen lassen; 2) Der Sterbeprozess kann als so schwierig angesehen werden, dass ein vorzeitiger Tod bevorzugt wird („Ich möchte den Sterbeprozess nicht ertragen müssen und ihn abkürzen“); 3) Die aktuelle Situation ist unerträglich und erfordert sofortiges Handeln („Ich habe so oft massive Schmerzen und Qualen erlitten. Ich sage, lassen Sie mich gehen… nicht noch mehr von dieser Tortur“); 4) Das vorzeitige Sterben wird als Option gesehen einer antizipierten Qual zu entkommen („Wenn der Schmerz schlimmer wird, dann möchte ich tot sein“) (ähnlich Voltz et al. [1946]); 5) Als Ausdruck von letzter Kontrolle, die die sterbende Person ausüben kann. Kontrollverlust ist oft als Quelle des Leidens genannt worden („Wenn ich das nochmal ertragen muss, werfe ich mich vor einen Zug. Ich mache das nicht nochmal mit“); 6) Der Todeswunsch kann ein Weg der Patient:innen sein, um ihrem Umfeld erlebbar zu machen, wie verzweifelt und belastet er ist. Die Patient:in will dabei in der eigenen Person verstanden werden und sich Gehör verschaffen, nachdem jeder andere Versuch in diese Richtung fehlgeschlagen zu sein scheint (ähnlich auch Ohnsorge et al. 2014 [1934], [1953]); 7) Als Geste des Altruismus kann ein Todeswunsch erkannt werden, wenn beispielsweise dahinter das Motiv steht durch den eigenen Tod die sorgende Familie zu entlasten („Es ist besser jetzt zu sterben, als meiner Familie meinen weiteren Sterbeprozess zuzumuten“, „Warum soll ich noch hier sein, ich verursache so viel Trauer“); 8) Todeswunsch als (unbewusster) Versuch, die Familie dahingehend zu manipulieren, nicht von ihr verlassen zu werden. Durch die radikale Abwendung aus Beziehungen kann die Patient:in eine besondere Hinwendung der Familie unbewusst erzwingen werden; 9) Todeswunsch als Ausdruck von Verzweiflung angesichts der ausweglosen Situation („Warum kann ich nicht einfach sterben?“).

Somit wird deutlich, dass die meisten Todeswünsche sich auf die Befürchtung einer nicht beherrschbaren Zukunft beziehen. Viele Betroffene sehen darin eine potentielle „Exit-Strategie“, welche für einen hypothetischen Zeitpunkt in der Zukunft greifen kann [1955]. Eine derartige Aussicht auf Beendigung des Leidens kann für die Betroffenen sehr beruhigend sein. Insofern sollten Todeswünsche, die auf einen Zeitpunkt in der weiteren Zukunft orientiert sind, als Wunsch, über (zukünftige) existentielle Themen und Fragen zu sprechen, weiter differenziert werden und die Patient:innen explizit danach befragt werden. Dies kann eine Festlegung auf ein konkretes (suizidales) Handeln in der Zukunft unnötig machen. Wenn die professionellen Begleiter:innen deeskalierend wirken wollen, kann es hilfreich sein, explizit diese potenziellen „Exit-Strategien“ mit den Patient:innen zu besprechen und nach Alternativen zu suchen (siehe unten).

Auch wenn Bedeutungen und Funktionen nicht streng voneinander zu trennen sind, sind sie jedoch nicht deckungsgleich. So können Bedeutungen eines Todeswunsches folgende Aspekte umfassen: 

  • Sterben zulassen als Merkmal eines natürlichen Geschehens
  • Nicht mehr aushaltbares Leiden durch Herbeiführung des Todes beenden
  • Eine Bilanzierung mit dem Ergebnis, unnötiges Leiden zu beenden mit dem Tod als Schlusspunkt
  • Nicht abwarten wollen, bis der Tod kommt
  • Lieber die Kontrolle behalten, als diese im Sterben aufzugeben.

Funktionen eines Todeswunsches wären wie folgt zu verstehen:

  • Manifestation des Lebenswunsches
  • Im Sterbeprozess wird ein beschleunigter Tod bevorzugt
  • Die Unerträglichkeit der Situation verlangt unbedingt ein Handeln
  • Option, um einer unerträglichen Situation zu entrinnen
  • Manifest letzter Kontrolle
  • Aufmerksamkeit auf die eigene Individualität lenken
  • Geste des Altruismus
  • Versuch die Familie zu manipulieren, oder
  • Ausruf von Verzweiflung, der die aktuelle Not verdeutlichen soll
  • Abwehr massiver innerer Konflikte und Zerstörungserfahrungen.

20.2.5 Handlungskonsequenzen für Menschen mit einem Todeswunsch

Todeswünsche können zu sehr unterschiedlichen Konsequenzen für die Betroffenen führen. Ein Todeswunsch kann ein Wunsch ohne weitere Handlungskonsequenzen bleiben. Aber er kann auch klare Handlungskonsequenzen intendieren: zum Einen die Konsequenz, nichts mehr zu unternehmen, um das Sterben aufzuhalten (also Sterben zulassen, „passive Sterbehilfe“), zum Anderen auch sich selbst zu töten (Suizid), sich beim Suizid unterstützen zu lassen (assistierter Suizid), nach Tötung zu verlangen (strafrechtlich verboten) oder sich selbstschädigend zu verhalten. Im Verlauf der Erkrankung kann die Patient:in den Todeswunsch mit unterschiedlicher Intensität oder Ausprägung erleben – je nach Handlungsdruck als flüchtige oder sich aufdrängende Gedanken, Suizidabsicht, -planung bis hin zur Durchführung einer suizidalen Handlung.

20.3 Screening und Erfassung

20.3 · Evidenzbasierte Empfehlung · modifiziert 2026

Bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung soll im Verlauf das Vorhandensein von Todeswünschen aktiv erfragt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1972] [1973] [1974] [1975]
ÄnderungshinweisBei Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung sollte im Verlauf das Vorhandensein von Todeswünschen aktiv erfragt werden.
20.4 · Evidenzbasiertes Statement · modifiziert 2026

Es gibt keinen Hinweis, dass das Ansprechen von Todeswünschen einschließlich suizidaler Gedanken zu deren Entstehung oder Steigerung führt.

Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1976] [1977] [1974] [1978] [1979] [1975] [1980] [1981]
ÄnderungshinweisEs gibt keinen Hinweis, dass das Ansprechen von suizidalen Gedanken zu deren Entstehung oder Steigerung führt.
20.5 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Äußerung eines Todeswunsches bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung sollen Verlauf, Ausprägung und subjektive Anlässe sowie mögliche Suizidgedanken, Suizidabsichten und Suizidpläne erfragt werden.

Konsens
Konsens
20.6 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Für die Erfassung von Todeswünschen bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung können validierte Instrumente begleitend zum Gespräch angewendet werden.

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
3
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[1982]

Hintergrund

Für dieses Kapitel wurde zur Frage des proaktiven Ansprechens eines Todeswunsches sowie für die Anwendung von Erfassungsinstrumenten eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. Die Empfehlung zu den Inhalten der Erfassung eines Todeswunsches basiert auf der Expert:innenmeinung der Leitliniengruppe.

Sofern Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung Gedanken oder Andeutungen äußern, das Leben beenden zu wollen bzw. dass ihr Leben beendet werden solle, ist es Aufgabe der professionellen Begleiter:innen, diese Andeutungen wahrzunehmen, im gemeinsamen Gespräch zu reflektieren und zu konkretisieren. Betroffene äußern den Todeswunsch als Metaphern oder als die Vorstellung, tot zu sein bzw. so nicht mehr leben zu wollen. Es können zudem nonverbale Hinweise vorliegen, wie ein zunehmender Rückzug aus Beziehungen oder wie das Sammeln von Medikamenten mit einer suizidalen Absicht. Die klinische Erfahrung zeigt, dass Professionelle im Bereich der Palliativversorgung derartige Hinweise von Patient:innen in der Regel nicht wahrnehmen oder sie bewusst ausblenden. Studien zeigen, dass bis zu 50 % der professionellen Begleiter:innen das Thema Todeswunsch vermeiden [1951], [1983]. 

Eine systematische Literatursuche (2025 aktualisiert) wurde durchgeführt, um die Frage zu beantworten, welche Auswirkung das aktive Erfragen von Todeswünschen am Lebensende bzw. von Suizidalität auf erwachsene Patient:innen hat. Es wurden zwei Metaanalysen identifiziert, die als indirekte Evidenz im Hinblick auf eine palliative Patient:innenpopulation gelten: Beide behandelten die Frage, ob eine Suizidalitätserfassung (aktives Erfragen) das Risiko für Suizide erhöht und dies in einem breiten Patient:innenkollektiv, das aus gesunden Proband:innen (auch Kindern und Jugendlichen) bis hin zu Patient:innen in psychiatrischer Behandlung besteht [1976], [1977]. Es wurden sowohl RCTs als auch nicht-randomisierte und/oder nicht-kontrollierte Studien mit Angabe einer Effektstärke eingeschlossen (13 bzw. 18 Studien). Auch wenn die klinische und statistische Heterogenität der identifizierten Studien z. T. hoch war, sind insgesamt die Ergebnisse der beiden Metaanalysen in Bezug auf die untersuchten Outcomes konsistent: Die Erfassung oder das Thematisieren von Suizidalität führte zu keiner kurz- oder langfristigen Steigerung des Distress oder der Suizidgedanken. Die Anzahl der Studien, die den Suizidversuch als Outcome untersuchten, war klein, deshalb ist die Aussagekraft dieser Ergebnisse begrenzt. Trotzdem gaben die Studien Hinweise darauf, dass die Anzahl der Suizidversuche nach Suizidalitätserfassung (aktives Erfragen) nicht zunahmen. Im Rahmen der Leitlinien-Aktualisierung 2025 wurden keine neueren Systematic Reviews identifiziert.

Die ergänzende Suche nach Primärstudien im Rahmen der Leitlinien-Aktualisierung 2025 identifizierte zwei relevante RCTs und vier Beobachtungsstudien. Zhan et al. 2022 (Oxford 11: 3) und Bender et. al. 2019 (Oxford 11: 3) randomisierten Studierenden, um zu untersuchen, ob das Erfragen der Suizidalität einen signifikanten Einfluss auf den emotionalen Zustand, Distress oder Intensität der Suizidalität habe (gesamt N= 273) [1974], [1984]. Beide Studien zeigten das die Interventionsgruppen mit Suizidscreening keine signifikante Unterschiede zu Kontrollgruppen zeigten auf den Variabeln Suizidalität oder Distress. Bender et al. zeigte außerdem, dass Personen mit einer Vorgeschichte von Suizidversuchen vom Suizidscreening in Form einer reduzierten impliziten Suizidalität profitierten (F(1, 133) = 3.98, p = .05, ηρ2 = .03). Da diese RCTs jedoch (gesunde) Proband:innen einschloss, sind deren Aussagen als indirekte Evidenz zu bewerten – mit erforderlichem Downgrading der Evidenz (Oxford 11: 3).

Die Beobachtungsstudien schlossen Patient:innen mit fortgeschrittenen Erkrankungen ein. Die Querschnittsstudie von Bornet et. al. (2020) (Oxford 11: Level 4)  untersuchte die Prävalenz und Determinanten der Todeswünsche bei 232 älteren Patient:innen, die in der internistischen Akutmedizin hospitalisiert waren [1981]. Die Autor:innen maßen auf einer numerischen Bewertungsskala (0-10) die Intensität der Belastung, die durch die Erfassung des potentiell ausgelöst wurde. Der Median betrug 0 [IQR 0-1] bzw. 0 [IQR 0-0] für Patient:innen mit bzw. ohne Todeswunsch (Mann-Whitney-Test, P = 0,102). Die prospektive Kohortenstudie von Voltz et al. (2021) (Oxford : Level 4) bewertete die Auswirkungen von Gesprächen mit Thematisierung von Todeswünschen auf Patient:innen in der Palliativversorgung (54 der insgesamt 63 Patient:innen waren onkologische Patient*innen) [1975]. Die Studie zeigte, dass depressive Symptome nach den Gesprächen signifikant reduziert wurden (p=0.001, d=0.42). Es gab keine Verschlechterung anderer Outcomes wie Hoffnungslosigkeit oder Todesangst. Die Querschnittsstudie von Porta-Sales et al. (2019) (Oxford 11: Level 4) untersuchte, wie Patient:innen mit fortgeschrittenem Krebs auf eine proaktive Befragung zu ihrem Todeswunsch reagieren [1980]. Die Studie zeigte, dass 94,8% der 193 eingeschlossenen Patient:innen die proaktive Thematisierung ihres Todeswunschs nicht als belastend empfanden. Ebenso gaben 79,3% an, es sei wichtig, dass dieses Thema im klinischen Kontext adressiert wird – unabhängig davon, ob sie selbst einen Todeswunsch hatten oder nicht. Die Proof-of-Concept-Studie von Crespo et al. (2021) [1979] (Oxford 11: Level 4) zeigte, dass die Einführung eines strukturierten Assessments des Todeswunsches bereits im ersten palliativmedizinischen Gespräch praktikabel und von den Patient:innen akzeptiert wird. 87% der 30 befragten Patient:innen gaben an, dass die Befragung zu ihrem Todeswunsch nicht störend war. Zudem bewerteten 80% das Gespräch als hilfreich. Insgesamt weisen die Ergebnisse daraufhin, dass Gespräche über den Wunsch zu sterben, sogar zu einem frühen Zeitpunkt, unter Anleitung geschulter Fachkräfte nicht schädlich sind und möglicherweise eine therapeutische Wirkung haben.

Die aktuelle Studienlage weist darauf hin, dass die Erfassung bzw. das Thematisieren von Suizidalität oder eines Todeswunsches zu keiner Steigerung der suizidalen Gedanken führt und nicht mit einem erhöhten Distress einhergeht. Die Aussagekraft der Evidenz bleibt dennoch begrenzt, da keine der eingeschlossenen RCTs – weder in den beiden o.g. Metaanalysen noch in unserer Suche nach Primärstudien – Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung untersuchten. Allerdings gibt es neuere Beobachtungsstudien, die sich auf den palliativmedizinischen Bereich konzentrieren. Diese Studien liefern zusätzliche Hinweise dafür, dass die Erfassung und das Thematisieren der Todeswünsche auch bei palliativmedizinischen Patient:innen durchführbar und sicher ist. Zudem weist die Kohortenstudie von Voltz et al. darauf hin, dass die Erfragung der Todeswünsche sogar zu einen positiven Effekt im Sinne einer Reduktion depressiver Symptome führt. Insgesamt bleibt dennoch die Aussagekraft der Evidenz begrenzt aufgrund der geringen Stichprobengrößen und des Studiendesigns.

Es ist in der Psychiatrie klinische Praxis, mögliche Suizidalität in der psychiatrischen Anamnese direkt anzusprechen [1985], [1986] [1987]. Denn gerade ein Vermeiden des Ansprechens kann den Patient:innen in ihrer Ausweglosigkeit bekräftigen, wenn er sich nicht gehört und verstanden fühlt [1985]. So wird auf der Basis des Expertenkonsenses und der bestehenden Studien davon ausgegangen, dass das proaktive Ansprechen von Suizidalität diese nicht erhöht [1740], [1988], [1989], [1990], [1991], sondern im Gegenteil eher entlastend wirkt. Erste Erfahrungen zeigen, dass dies auch für das Ansprechen von Todeswünschen im Bereich der Palliativmedizin gilt. Bei den bisher durchgeführten, deskriptiven Studien, in deren Rahmen das Thema von Todeswünschen proaktiv angesprochen wurde, kam es zu keinen negativen Folgen. Meist empfand der Patient das Ansprechen des eigenen Todeswunsches als entlastend [1946], [1955], [1992], [1993].

Mögliche eröffnende Fragen können sein:

  • Wie sehen Sie die kommenden Wochen?
  • Haben Sie schon daran gedacht, einfach alles hinzuschmeißen?
  • Wie belastet sind Sie durch die Krankheitssituation?
  • Haben Sie Angst vor dem Sterbeprozess?
  • Haben Sie Gedanken, sich etwas antun zu wollen?
  • Haben Sie Gedanken, das Leben vorzeitig beenden zu wollen?
  • Haben Sie Sorge, mit mir über den Gedanken, Ihr Leben vorzeitig zu beenden, zu sprechen?

Der Todeswunsch kann zwar der Beginn eines suizidalen Prozesses sein [1994]. Die Kommunikation über therapeutische Optionen kann jedoch, wie Lindner et al. 2014 [1995] betonen, Suizide verhindern. Zunächst kann es hilfreich sein, den Unterschied zwischen dem Vorhandensein von Suizidgedanken und der Umsetzung dieser Gedanken in die Tat, im Sinne eines je unterschiedlich gearteten Handlungsdrucks zu betonen. Es gibt die Möglichkeit, mit den Patient:innen eine Absprache zu treffen, sich bei drängenden Suizidgedanken oder Suizidabsichten zu melden. Ob dies in Form eines „Vertrages“ oder eher als gemeinsames Einvernehmen geschieht, hängt von der Art und Tragfähigkeit der therapeutischen Beziehung und von der Krankheitssituation ab. Ohne eine vertrauensvolle und kontinuierliche Beziehung sind entsprechende „Verträge“ wenig wirksam. Wenn sie in eine fortlaufende, hilfreiche Begleitung eingebunden sind, so können sie ein Mittel der Kommunikation sein. 

Verlauf, Ausprägung und subjektive Anlässe (Ursachen) sollen beim Vorliegen von Todeswünschen erfragt werden. Todeswünsche können fluktuierend sein, mal drängend präsent, mal „vergessen“ oder ohne Handlungsdruck als „letzte Option“ im Hintergrund [1954]. Die Ausprägung des Todeswunsches bezieht sich im Wesentlichen auf die Stärke eines Handlungsdrucks, ihn umzusetzen. So kann der Todeswunsch ein Teil des Sterbeprozesses im Sinne eines Einverständnisses mit dem herannahenden Tod sein oder geht bis hin zur akuten Suizidalität, bei der der Mensch von Affekten, von Überlegungen zu konkreten Plänen und zur aktuellen Durchführung beherrscht wird [1996]. Der Anlass für Todeswünsche (aber auch für Suizidalität) liegt im aktuellen Erleben und kann, bei wertschätzender professioneller Beziehung, von Patient:innen direkt geäußert werden. Die Hintergründe liegen oftmals in lebensgeschichtlichen Beziehungserfahrungen und Erfahrungen des Umgangs mit existentiell erschütternden Ereignissen begründet und sind nicht einfach zu erfragen, sondern in einer Zusammenschau verschiedener Faktoren (Art des Todeswunsches, zugrundeliegende körperliche Erkrankung und funktionelle Einschränkung, Beziehungsstil und Art und Weise der konkreten Gestaltung der Beziehung mit den professionellen Begleiter:innen) zu erschließen [1943].

Das Erfassen von Todeswünschen erfolgt im klinischen Alltag in der Regel im Rahmen von Gesprächen. Wissenschaftliche Fragestellung, ggf. aber auch die Fort- und Weiterbildung in Gesprächsführung zum Todeswunsch kann aber auch auf operationalisierte und vialidierte Instrumente zurückgreifen. Ein systematisches Review von Messinstrumenten des Todeswunsches („wish to hasten death“) bei Patient:innen mit einer fortgeschrittenen Erkrankung bildet die Evidenzgrundlage dieses Kapitels [1982]. Unter den sieben Instrumenten, die in den 50 eingeschlossenen Studien beschrieben wurden, sind das SAHD (Schedule of Attitudes toward Hastened Death) und das DDRS (Desire for Death Rating Scale) – bzw. modifizierte Formen davon – die am meisten verwendeten Instrumente (SIGN LoE 3). Erst kürzlich wurde eine an mehr als 1.100 PalliativPatient:innen in drei Ländern validierte Kurzform (SAHD-10) veröffentlicht [1997]. Der SAHD dient an erster Stelle Forschungszwecken, während das DDRS zunächst für das klinische Interview entwickelt wurde. Drei der sieben Instrumente wurden speziell für die Ziele eines Forschungsvorhabens entwickelt und finden darüber hinaus keine Anwendung. Die Autor:innen heben die mangelnde konzeptuelle Klarheit des Begriffs „wish to hasten death“ und die daraus resultierenden inhomogenen Inhalte der Messinstrumente hervor. Aus der Suizidologie ist bekannt, dass objektivierende und quantifizierende Instrumente eine hohe individuelle Fehlerquote haben und klinisch allenfalls zu Lernzwecken einzusetzen sind [1998], [1999]. Da diese Instrumente besonders für die Forschung entwickelt wurden, ist es Aufgabe des Klinikers jeweils zu erwägen, ob die Verwendung von standardisierten Instrumenten gerade bei einem solchen persönlichen und existentiellen Thema hilfreich oder eher kontraproduktiv ist. Kein Instrument ersetzt das empathische professionelle Gespräch. Im Zweifel ist das vertrauensvolle professionelle Beziehungs- und Gesprächsangebot einer objektivierenden Messung vorzuziehen.

Die Dokumentation von geäußerten Todeswünschen ist für die weitere Behandlung der Patient:innen im interdisziplinären Team von besonderer Bedeutung. Die juristische Praxis zeigt, dass Strafverfolgungsbehörden und arztrechtliche Gremien besonderen Wert auf die Dokumentation von Suizidalität legen. Strafrechtlich relevant ist nicht der Irrtum, sondern die unterlassene Diagnostik und Therapie, welche durch Dokumentation nachgewiesen wird. Davon unabhängig ist das auch bei Suizidalität bestehende Ärzt:innengeheimnis, resp. Seelsorgegeheimnis. Dies zu brechen bedarf des Vorliegens einer akuten Lebensgefahr. Somit ist es immer ärztliche, seelsorgerische und juristische Aufgabe, abzuschätzen, wie bedrohlich die Suizidalität ist. Hier kann psychiatrische Expertise hilfreich sein. Auch bezüglich des Seelsorgegeheimnisses gibt es klare Positionierungen: „Der Seelsorgeperson muss (…) zugetraut werden, dass sie einschätzen kann, was der absoluten Geheimhaltung bedarf und was ihr mutmaßlich unter diesem Vorzeichen anvertraut wurde...“ [2000].

20.4 Umgang mit Patient:innen mit Todeswünschen

20.4.1 Begriffe

Professionelle Haltungen umfassen alle Affekte, Gefühle, Gedanken und das Verhalten des professionellen Begleitenden in Bezug auf die Patient:innen, welche in der Behandlungssituation gezeigt werden und einen Einfluss auf den Behandlungsprozess haben [2001].

Professionelle Strategien basieren auf den grundsätzlichen theoretischen Annahmen über Kommunikation in helfenden Beziehungen.

Professionelle Techniken sind theoriebasierte (verbale oder non-verbale) Aktivitäten in verschiedenen, meist kritischen Situationen der Behandlung.

20.4.2 Ziele

Wie oben angeführt ist der Todeswunsch ein differenziertes Phänomen, so dass sich zunächst die Frage stellt, welche Ziele im Umgang mit Patient:innen, die einen Todeswunsch äußern, verfolgt werden sollen. Eine vierstufige Zielsetzung wird empfohlen:

  • Wahrnehmen und Erkennen: Die Äußerung eines Todeswunsches von Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung ist von den professionellen Begleitenden wahrzunehmen und zu erkennen.
  • Verstehen: Damit verbunden ist das Verstehen des Todeswunsches vor dem Hintergrund der medizinischen und psychischen Situation, der Persönlichkeit und Lebenserfahrung der Patient:innen. Es geht um einen empathischen, bedeutungsfindenden Prozess von Seiten der professionellen Begleitenden im Gespräch mit den Patient:innen, ggf. auch unter Einbezug der Angehörigen.
  • Kompetent begleiten: Daraufhin ist es Aufgabe des professionell Begleitenden die Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und einem Todeswunsch zu begleiten, was nicht zwangsläufig das Ergreifen von direkten Maßnahmen, sondern womöglich „nur“ das aktive Aushalten des Leides bedeutet, ohne eine Antwort darauf geben zu können oder gar den Todeswunsch zu beurteilen. In allen Situationen, wo dies möglich und erwünscht ist, soll das im Todeswunsch enthaltene Leid durch konkrete Strategien und Techniken erzielt werden.   
  • Suizidprävention: Die Prävention von (assistierter) Selbsttötung ist ein viertes Ziel im Umgang mit Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und einem Todeswunsch. 

20.4.3 Haltungen

Das Gespräch über Todeswünsche soll in einer von Offenheit, Interesse und Respekt geprägten Grundhaltung für das Denken, Erleben und Handeln der Patient:innen durchgeführt werden. Die Haltung des Respekts beinhaltet nicht notwendigerweise eine Zustimmung zur aktiven Beendigung des Lebens.

Die grundsätzliche therapeutische Haltung jeder professionell begleitenden Person gegenüber Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung mit Todeswunsch sollte zugewandt, interessiert und von Respekt geprägt sein. Dabei ist Respekt nicht gleichzusetzen mit Zustimmen in die gewünschte Lebensbeendigung. Vielmehr basiert die respektvolle Haltung auf der grundsätzlichen Annahme, dass jeder Mensch in eine Situation kommen kann, in der er keinen anderen Ausweg aus einer als unerträglich erlebten Situation sieht, als der, möglichst bald aus diesem Leben zu scheiden [2002]. Respekt bedeutet, dass die Professionellen sich ein Stück weit mit dem Wunsch der Patient:innen identifizieren müssen, um den emotionalen Gehalt des Todeswunsches auch erfassen zu können, wobei ein „rein intellektuelles Respektieren“ nicht ausreichend ist. Die in der Empfehlung gemeinte Haltung des Respekts fragt nach den Auslösern und Ursachen dieses Wunsches und versucht diese zu bestimmen. Die Kenntnis dieser Hintergründe, so die Annahme, kann u.U. neue und bisher nicht erwogene Handlungs- und Behandlungsoptionen eröffnen. Respektieren bedeutet dabei nicht, zuzustimmen, dass die Auslöser und die Ursachen für den Todeswunsch als handlungsleitend akzeptiert werden und das Lebensende jetzt herbeigeführt werden müsse [1996]. 

Wesentliche Grundlage für den Umgang mit Todeswünschen sind der Aufbau und die Aufrechterhaltung der Beziehung von professionellen Begleitenden und Patient:innen [1951]. Hilfreich ist es, die folgenden Strategien und Techniken im Umgang mit Todeswünschen zu berücksichtigen: Aufbauen einer vertrauensvollen Beziehung zu den Patient:innen als Kernaufgabe der professionellen Begleitenden, proaktives Ansprechen statt zu ignorieren, sich vorher mit der Thematik persönlich auseinandersetzen; Offenheit entwickeln, um die Sicht der Patient:innen als ihre Wahrnehmung und Wirklichkeit anzuerkennen, offen mit den Patient:innen über Möglichkeiten zu diskutieren, mit ihrem Leidensdruck umzugehen sowie solide Kenntnis der Hilfsmöglichkeiten und der rechtlichen Situation in Deutschland.

Es ist wichtig, dass die professionell Begleitenden ihre eigenen Gefühle und Phantasien im Umgang mit den Patient:innen reflektieren. Es gilt, sich selbst gegenüber nicht wertend auch alle negativen Gefühle und Gedanken über eine:n Patient:in bewusst werden zu lassen und nicht zu leugnen, sondern sie als Teil der professionellen Beziehung zu verstehen. Diese müssen nicht den Patient:innen gegenüber ausgesprochen werden, aber können dazu dienen, zu erkennen, wie die Patient:in fühlt. Was die professionell Begleitenden fühlen, wird oftmals von Patient:innen unbewusst ausgelöst. Das dahinterstehende Konzept von Übertragung und Gegenübertragung ist ein zentrales Konzept psychoanalytischer Therapie [1943].

20.4.4 Strategien und Techniken

20.7 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Äußerung eines Todeswunsches durch Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung soll das Vorliegen von Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Aussichtslosigkeit, Demoralisation und Glaubensverlust sowie Depressivität und ggf. Suizidalität erfasst und behandelt bzw. Unterstützung angeboten werden. 

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4

Literatur ergänzt

Konsens
Konsens
Literatur
[443] [1930] [1932]
20.8 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Siehe Empfehlung [18.4] aus Kapitel Depression:

Zur Erkennung einer Depression bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung kann das 2-Fragen-Screening eingesetzt werden:
1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?
2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Empfehlungsgrad
0: offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = kann
Evidenzlevel
4
Konsens
Konsens
Evidenztabellen (1)Depression: Primärstudien nach Aktualisierung 2025
20.9 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Wenn Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung einen Todeswunsch haben, sollten mit ihnen Bewältigungsstrategien erarbeitet werden, wie sie mit ihrer Situation umgehen können.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3
Konsens
Konsens
Literatur
[1699] [2003] [2004] [2005] [2006]
20.10 · Konsensbasierte Empfehlung · neu 2026

Die Kommunikation mit Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und Todeswünschen sollte folgenden Prinzipien folgen:
(1) wiederholte Thematisierung von Therapiezielen und daraus folgenden Therapieentscheidungen;
(2) den Patient:innen möglichst viel Entscheidung und Kontrolle über die (Symptom)Behandlung, die Gestaltung des Alltags, der Ernährung, der Ruhe- und Schlafenszeiten, der Besuche, der Gesprächsinhalte ermöglichen;
(3) Todeswünsche aushalten und verstehend begleiten.

Konsens
Starker Konsens
20.11 · Evidenzbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Gerade bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und Todeswunsch sollen unzureichend beherrschte Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Angst, Depression usw. bestmöglich behandelt werden.

Empfehlungsgrad
A: Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
Evidenzlevel
4
Konsens
Starker Konsens
Literatur
[443] [1930]
20.12 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Ein:e psychiatrische:r/ psychotherapeutische:r Expert:in soll in folgenden Fällen hinzugezogen werden:

  • bei Unsicherheit in der Diagnose einer psychiatrischen Erkrankung sowie in deren Behandlungsplanung
  • bei (per)akuter Suizidalität
  • beim Wunsch nach Beratung der professionell Begleitenden, z. B. bei schwierigen Gesprächen im Umgang mit dem Todeswunsch.
Konsens
Starker Konsens

Hintergrund

Eine systematische Literaturrecherche nach RCTs wurde durchgeführt, um die Frage der Wirksamkeit von Interventionen und Verfahren zur Linderung eines Todeswunsches zu beantworten. Es konnte zudem ein Systematic Review qualitativer Evidenz identifiziert werden, das u.a. zur Grundlage der evidenzbasierten Empfehlungen herangezogen wird [443]. Die Aktualisierung der systematischen Literaturrecherche 2025 identifizierte keine neuen RCTs, jedoch systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen, die wertvolle Erkenntnisse zu Interventionen im Umgang mit Todeswünschen liefern. Insbesondere wurde ein Fokus auf psychosoziale und psychotherapeutische Ansätze gelegt, die in der palliativmedizinischen Versorgung Anwendung finden können. Da Todeswünsche im palliativmedizinischen Kontext noch wenig untersucht sind, können noch nicht viele Strategien und Techniken mit einer Studienevidenz-Basierung  empfohlen werden. Vielmehr ist für die Empfehlungen zu dem Umgang mit Todeswunsch die klinische Expertise die wesentliche Grundlage.  

Die Handlungsstrategien orientieren sich an diagnostischen und therapeutischen Aspekten. Schon ein diagnostisches Gespräch kann Klarheit und Ruhe in einem therapeutischen Sinn vermitteln. Diagnostisch ist es wichtig, 

  • zwischen Auslösern und Ursachen des Todeswunsches zu unterscheiden. Auslöser sind die aktuellen Gründe für den Todeswunsch, die die Patient:in den professionellen Begleitenden mitteilt. Ursachen hingegen sind z. T. unbewusste Hintergründe und Bedingungen, die u. U. schon früh in der Kindheit und lebenslang in schweren Krisensituationen, unerträglich erlebten psychischen Zuständen und Erfahrungen in schwer belastenden Beziehungen entwickelt wurden und nun wieder zum Tragen kommen [1943].
  • Zudem sollten die professionell Begleitenden eigene Gefühle und Vorstellungen/ Phantasien wahrnehmen, die im Gespräch mit und im Nachdenken über die Patient:innen auftauchen und überlegen, wie diese mit den Patient:innen, ihrer Lebensgeschichte (soweit bekannt), ihren Beziehungen und ihrer Art über das Lebensende nachzudenken, verbunden sind.
  • Aus der Art und Weise, wie Patient:innen und professionelle Begleitende miteinander umgehen, kann geschlossen werden, wie die Qualität der Beziehung gestaltet ist, wie offen, vertrauensvoll und verbunden, aber auch abweisend, mißtrauisch und zurückgezogen die Patient:innen sich fühlen und handeln.
  • Einzelne und/ oder kombinierte Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Angst, Depressivität und ggf. Suizidalität detailliert und holistisch, z.B. nach dem Konzept des Total Oain, zu betrachten: Diese Herangehensweise ermöglicht es, ein umfassendes Bild über einen geäußerten Todeswunsch, seine Bedeutung und Funktion sowie beeinflussende physische, psychologisch-emotionale und soziale Faktoren als Grund zu erhalten [2007].

Folgende Strategien und entsprechende Techniken finden im Umgang mit Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und einem (potentiellen) Todeswunsch Anwendung (siehe Tabelle Strategien und Techniken im Umgang mit (potentiellen) Todeswünschen).

Tabelle 70: Strategien und Techniken im Umgang mit (potentiellen) Todeswünschen

Strategie  Technik
1. Das psychische und spirituelle Befinden der Patient:innen erkunden  Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Aussichtslosigkeit, Demoralisation und Glaubensverlust, aber auch Dauerhaftigkeit und Alternativlosigkeit des Todeswunsches sind zu erfassen und zu klären [443]. So können sowohl von Patient:innen als auch von den Behandelnden ausgehend, Lösungsmöglichkeiten aufkommen, erwogen und entschieden werden. Es kann allerdings nötig sein, eine Zeit der Ratlosigkeit und Unentschiedenheit auszuhalten, dabei aber im Gespräch mit dem Ziel einer Lösung zu bleiben (siehe [20.7] und Punkt 7 der Tabelle; siehe Evidenzzusammenfassung weiter unten). 
2. Hinweise auf eine Depression oder eine andere schwere psychiatrische Störung, die das Urteilsvermögen nachhaltig einschränken, erfassen und abklären 

Die aktuelle Depressivität oder eine andere schwere psychiatrische Störung sollten erfasst und in ihrer Schwere abgeklärt werden. Für die Erfassung der Depressivität steht ein 2-Fragen-Screening zu Verfügung (siehe Empfehlung [20.8]).

Bei Unsicherheiten, ob die Patient:in aufgrund der psychischen Störung in ihrer Entscheidungsfähigkeit massiv eingeschränkt ist, ist eine psychiatrische Untersuchung zu empfehlen.

3. Die eigenen Gefühle im Gespräch mit den Patient:innen wahrnehmen. Eigene Angst, Bedrängnis, Ärger, plötzliche, unvorhersehbare Gefühle, Gedanken oder körperliche Zustände (z. B. Müdigkeit, Irritation, Abwesenheit, oder auch der plötzliche Wunsch, die Patient:in möge tot sein) gilt es wahrzunehmen, zu definieren und zunächst auszuhalten, um (s.o.) über ihren Hinweischarakter auf die Situation der Patient:innen nachdenken zu können (siehe Konzept der Übertragung im Abschnitt Haltungen; Kapitel Angst).
4. Gibt es Hinweise auf Todeswünsche (durch Patient:innen oder Erleben der professionell Begleitenden), so sollen diese proaktiv angesprochen werden, auch dann, wenn die Patient:innen dies nicht von sich aus initiieren In diesem Zusammenhang kann eine herantastende Gesprächsführung sinnvoll sein. („Denken Sie darüber nach, sich ganz aufzugeben?“ „... alles hinzuschmeißen?“ „Wünschen Sie sich, am liebsten tot zu sein?“ „Denken Sie daran Ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen?“ (Ansprache möglicher Suizidalität)). Zieht die Patient:in sich in dieser Situation zurück oder fühlt die professionelle Person sich gehemmt, kann hinterfragt werden: „Habe ich Sie richtig verstanden...?“, „Mögen Sie mir noch mal genauer sagen, wie Sie über Ihre Situation denken?“ (siehe Abschnitt Screening und Erfassung).
5. Angehörige einbeziehen Mit Zustimmung der Patient:innen (Vorsicht: evt. bestehen innerfamiliäre Konflikte) ist es sinnvoll mit den Angehörigen über das Vorliegen von Todeswünschen zu beraten, ihre Sicht darüber und über die Patient:in zu erfassen und sie in ihrer Position ernst zu nehmen (siehe Abschnitt Angehörige).  
6. Bewältigungsstrategien erarbeiten, wie die Patient:innen mit ihrer Situation umgehen können Eine positive Bewältigung der eigenen (nicht-heilbaren) Krebserkrankung kann ein Prädiktor von geringeren depressiven Symptomen und höherer Lebensqualität sein [2008], [2009]. Als Beispiele für Techniken der Krankheitsbewältigung können existentielle Verfahren wie die sinn- oder würdezentrierte Therapie genannt werden, deren Wirksamkeit hinsichtlich eines Todeswunsches in Studien geprüft wurde (siehe Evidenzzusammenfassung weiter unten). Sie zielen darauf, das spirituellen Wohlbefinden der Patient:innen am Lebensende durch die Auseinandersetzung mit dem subjektiven Lebenssinn bzw. der eigenen Würde zu fördern (siehe Empfehlung [20.9]). 
7. Wunsch nach persönlicher Einflussnahme und Kontrolle explorieren, fördern, zurückgewinnen Reflexion über eigene (Patient:in) Kontrollmöglichkeiten der Situation (gemeinsam) fördern. Bei Bedarf sind konkrete Schritte der Verbesserung der Kontrolle einzuleiten und deren unter Umständen Unerfüllbarkeit im Gespräch mit den Patient:innen aushalten (siehe Empfehlung [20.10]; siehe auch Kapitel Angst, speziell dignity therapy). 
8. Aushalten bzw. Ertragen des nicht zu umgehenden Leidens

Im wiederholten Gespräch mit den Patient:innen können Situationen entstehen, in denen eine Abhilfe/Linderung von Symptomen oder Leidenszuständen nicht ausreichend möglich ist. Es gilt, sich in dieser Situation immer wieder den Patient:innen (und den eigenen Gefühlen) zur Verfügung zu stellen, sie auszuhalten, zu besprechen und nach Lösungen zu suchen (siehe Empfehlung [20.11]).

Bei Persistenz des Todeswunsches ist es notwendig in der helfenden Beziehung Reflexionsräume zu eröffnen. In solchen Situationen stellen gerade das Dabeibleiben und – wenn gewünscht und möglich – das Gespräch das Angebot dar. Dieses Aushalten ist nicht mit einem passiven Hinnehmen oder Ignorieren gleichzusetzen.

9. Therapiezieländerung und Entscheidung über Beginn, Fortsetzen und Beendigung lebenserhaltender medizinischer Maßnahmen Eine mögliche Änderung des Therapieziels und der daraus resultierenden Entscheidung über Beginn, Fortsetzung und Beendigung medizinischer Maßnahmen sowie deren Bedingungen, technischen Durchführung und Folgen sind behutsam mit den Patient:innen anzusprechen und gemeinsam mit ihm zu entscheiden. Ein solches Gespräch kann an sich für die Patient:innen eine Form der Auseinandersetzung mit ihren Todeswünschen und den sie bedingten Gründen darstellen (siehe Empfehlung [20.12]). Siehe dazu auch Kapitel Therapiezielfindung und Kriterien der Entscheidungsfindung.
10. Symptomkontrolle Unzureichend beherrschte Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Angst, Depression spielen eine wichtige Rolle in der Entstehung eines Todeswunsches, indem sie auf der physischen, psychosozialen und existentiellen Ebene der Person interagieren [443] (siehe Evidenzzusammenfassung weiter unten). Dabei ist eine bestmögliche Symptomlinderung Teil der Betreuung von Patienten mit einem Todeswunsch (siehe Empfehlung [20.13]).
11. Supervision und Fallbesprechungen durchführen In Druck-, Konflikt- und Dilemmasituationen sind Supervision oder Fallbesprechungen, z. B. eine ethische Fallbesprechung ein probates Mittel, um durch Hinzuziehen Dritter neue Gedanken und Optionen zu finden (siehe Abschnitt Behandlungsteam und -personen).
12. Hinzuziehen weiterer Fachleute Bei besonderen Fragestellungen (genauere psychiatrische Diagnostik, religiöse Konflikte u. a.) sind weitere Expert:innen hinzuzuziehen (psychiatrische:r/ psychotherapeutische:r Expert:inen, Sozialarbeiter:innen, Seelsorger:innen, Künstlerische Therapeut:innen (Kunst-, Musik-, Tanz-, Theatertherapie u.a.) ) (siehe Empfehlung [20.14]).

 

Zu den Punkten 1 und 10 (Das psychische und spirituelle Befinden der Patient:innen erkunden; Symptomkontrolle)

Rodriguez-Prat et al. (2017) weisen in ihrem Review auf die Verbindung zwischen dem physischen und spirituellen Befinden und der Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Alternativlosigkeit als Grund eines geäußerten Todeswunsches von Patient:innen hin [443]. Die Ergebnisse aller eingeschlossenen 14 qualitativen Studien mit insgesamt 255 befragten Patient:innen zeigen, dass Schmerzen und Leid ein übergeordnetes Thema darstellen. Differenziert betrachtet äußerten die befragten Patient:innen die Ungewissheit, was die Zukunft birgt, den zunehmenden Kontrollverlust über Körperfunktionen und mögliche damit einhergehende Schmerzen als ursächlich. Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Alternativlosigkeit resultiere aus Patient:innensicht aus dem Wissen an einer progressiven Erkrankung zu leiden, die mit Schmerzen und Kontrollverlust einhergeht und letztendlich zum Tod führt. Die Erfassung und Klärung eines geäußerten Todeswunsches hinsichtlich psychischer und emotionaler Faktoren ermöglicht es den Behandelnden somit individuell, passende Bewältigungs- und Behandlungsstrategien auszuwählen (deskriptive Evidenz, OLoE 4). 

Rodríguez-Prat et al. (2024) lieferten eine extensive Synthese von quantitativer und qualitativer Literatur unter Einbeziehung von 11 systematischen Übersichtsarbeiten und 35 Primärstudien (Oxford 11: 4), davon 1 qualitative Studie und 34 quantitative Studien (1 RCT) [1930]. Sie betonen in ihrer systematischen Übersichtsarbeit, dass die Erfahrung eines geäußerten Todeswunsches eng mit multiplen Faktoren wie Depression, Schmerz, funktioneller Beeinträchtigung und einem reduzierten Lebenssinn zusammenhängt. Dies zeigt, dass eine präzise Erfassung und standardisierte Instrumente zur Bewertung notwendig sind, um eine bessere klinische und individualisierte Betreuung zu ermöglichen.

Wang et al. (2023) fanden in ihrer systematischen Überprüfung eine hohe Prävalenz von Demoralisierung bei Krebspatienten (bis zu 49,4 %), wobei demoralisierten Patient:innen häufiger Suizidgedanken äußerten (zwei Studien: Beta = .10, P < .05; Beta = 2.3074, P < .001) (Oxford 11: 4) [1932].  

Evidenzzusammenfassung zu Punkt 6 (Bewältigungsstrategien): 

In den letzten Jahrzehnten wurden Interventionen in der Palliativversorgung entwickelt, die eine bessere Krankheitsbewältigung angesichts des nahenden Sterbens und Todes erzielen. Einige davon wurden auf ihre Wirksamkeit im Rahmen von randomisierten Studien mit Messung des Todeswunsches als Outcome geprüft, wobei es sich immer um einen sekundären Endpunkt handelte. Eine systematische Literaturrecherche nach Systematic Reviews und RCTs/ CCTs (2025 aktualisiert, wobei keine neuen RCTs identifiziert wurden), die die Effektivität von Interventionen jeglicher Art auf das Outcome Todeswunsch bei Patienten in der Palliativversorgung untersuchen, ergab fünf RCTs, die zwei verschiedene psychotherapeutische Verfahren untersuchten: eine sinnzentrierte [2003], [2004], [2005] und eine würdezentrierte Therapie [1699], [2006]. Breitbart et al. unter-suchte in zwei RCTs mit moderatem Risiko für Bias (n = 253 bzw. n = 321) sowie in einer Pilot-RCT eine achtwöchige, sinnzentrierte individuelle [2003], [2004] oder Gruppen-Psychotherapie [2005] bei Patient:innen mit einem Stadium-IV-Tumor (SIGN LoE 1+). Die Gruppentherapie zeigte eine signifikante Interaktion von Gruppe und Zeit auf die Reduktion des Todeswunsches (Outcome-Messung mittels SAHD, Schedule of Attitudes toward Hastened Death)  [2003]. Die individuelle, sinnzentrierte Therapie konnte einen kleinen, dennoch signifikanten Therapie-Effekt auf die Reduktion von Todeswünschen (SAHD) nachweisen [2005]. Die von Chochinov et al. entwickelten Würdezentrierte Therapie (Kurzintervention) konnte in einer großen RCT mit moderatem Risiko für Bias (n = 441) keinen signifikanten Effekt auf den Todeswunsch (Messung mittels Item des „Structured Interview for Symptoms and Concerns“) feststellen  [1699]. In einem kleineren RCT mit höherem Risiko für Bias wurden Patient:innen mit einem höheren Niveau von Distress zu Beginn der Studie eingeschlossen [2006]. Hier konnte eine knapp signifikante Reduktion der Prävalenz von Todeswunsch (Messung mittels DDRS, Desire for Death Rating Scale) nachgewiesen werden (Prävalenz 0 % nach Würdezentrierte Therapie versus 14,3 % in der Kontrollgruppe = Standard Palliative Care, p = 0.054; SIGN LoE 1-). 

Da die Leitliniengruppe Bewältigungsstrategien im Allgemeinen und nicht speziell die sinn- und würdezentrierte Therapie empfiehlt, wird die Evidenz als indirekt betrachtet und so ein downgrading des Evidenzniveaus vorgenommen (SIGN LoE 3). Dieses Vorgehen entspricht der klinischen Praxis. Existentielle Fragen zu erörtern und Aspekte menschlicher Würde im Gespräch mit schwerst Kranken und Sterbenden zu beachten, fördert, so lassen die dargestellten Forschungsergebnisse resümieren, ein Erleben, das Wünsche relativiert und mindert, besonders rasch und evt. auch durch eigene Hand zu sterben. 

Trotz der klinischen Relevanz existenzieller Themen am Lebensende liegt bislang nur eine begrenzte Zahl manualisierter psychodynamischer oder würdezentrierter Therapiekonzepte vor, die im Rahmen randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) evaluiert wurden, und signifikante Effekte zeigen. Diese Rückmeldung wurde auch durch die Expert:innen der Leitliniengruppe bestätigt. Wie die systematische Übersichtsarbeit von [2010] zeigt, existiert zwar eine Vielzahl an beschreibenden Studien, qualitativen Analysen und Einzelfallberichten zum Einsatz psychodynamischer Ansätze bei existenzieller Not in der Palliativversorgung – methodisch hochwertig evaluierte Interventionen fehlen jedoch weitgehend [2011]. Unter den 18 in der Review eingeschlossenen Studien fanden sich keine RCTs; die meisten Arbeiten waren qualitative Studien oder Fallberichte. Dennoch legen die Ergebnisse nahe, dass psychodynamisch orientierte Interventionen von Patient:innen als hilfreich erlebt werden – insbesondere durch die Unterstützung bei der Bewältigung von Schuld- und Sinnfragen, dem Umgang mit Kontrollverlust und der Gestaltung eines tragfähigen therapeutischen Raums. Der Einsatz erfolgt jedoch stark individualisiert und kontextsensitiv, was eine Standardisierung und Manualisierung bisher erschwert. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Dignity Therapy: Obwohl sie Gesprächsprozesse fokussiert, die Aspekte von Würde am Lebensende adressieren, bleibt sie – wie andere Verfahren – in ihrer Umsetzung schwer vollständig manualisierbar. Aktuell laufende Forschungsprojekte lassen jedoch erwarten, dass künftig fundiertere evidenzbasierte Einschätzungen möglich sein werden.

Evidenzzusammenfassung zu Punkt 7 (Wunsch nach persönlicher Einflussnahme und Kontrolle explorieren, fördern, zurückgewinnen):

Die systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von Zhang et al. (2024) (Oxford 11: 3) untersuchte Bildungsinterventionen zum Thema Tod bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs in der Palliativversorgung [1978]. Von den 22 eingeschlossenen Studien konzentrierten sich zwei CCTs (N=134 bzw. N=118) mit hohem Risiko für Bias explizit auf die kognitive Auseinandersetzung mit Tod und Sterben hinsichtlich suizidaler Tendenzen. Suizidale Tendenzen waren geringer in der Interventionsgruppe mit einer gepoolten Effektgröße von 0,38 [95% CI (0,17, 0,84)], p = 0,002. Diese beiden CCTs und vier weitere RCTs (mit moderatem zu hohem Risiko für Bias) konnten in der Meta-Analyse signifikante Verbesserungen bei negativen Einstellungen gegenüber dem Tod im Allgemeinen festgestellt werden. Der gepoolte Schätzwert zeigte einen Reduktionsfaktor von 0,52 [95% CI (0,45, 0,61), p < 0,01], was darauf hinweist, dass der Anteil negativer Todeswahrnehmungen in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich niedriger war. Dabei umfassten die negativen Einstellungen Aspekte wie Angst, Verzweiflung und suizidale Tendenzen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Studienpopulation ausschließlich aus China stammt, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere kulturelle Kontexte erschwert. Zudem weisen die Interventionen erhebliche methodische Heterogenität auf, sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch der Formate und Messmethoden.

20.4.5 Besondere Maßnahmen

20.13 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei perakuter Suizidalität, d.h. wenn die suizidale Handlung unmittelbar bevorsteht und nicht durch andere Maßnahmen vermieden werden kann, soll unter kritischer Abwägung von Nutzen und Schaden die Indikation für eine Einweisung in eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie geprüft werden.

Konsens
Konsens
20.14 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Patient:innen mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und unzureichend beherrschbaren Symptomen mit daraus resultierendem Todeswunsch kann eine gezielte (palliative) Sedierung zur Symptomkontrolle angeboten werden. 

Konsens
Starker Konsens
20.15 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Siehe Empfehlung [21.34] aus Kapitel Sterbephase:

Die gezielte (palliative) Sedierung soll durch erfahrene und kompetente Ärzt:innen und Pflegefachpersonen der spezialisierten Palliativversorgung erfolgen.

Konsens
Konsens
20.16 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Die an der Behandlung einer Patient:in mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung Beteiligten sollen in Bezug auf Todeswünsche über die (berufs-)rechtlichen Rahmenbedingungen und die relevanten Begrifflichkeiten fortgebildet sein.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund

Bei akuter Suizidalität mit akutem Handlungsdruck ist ein:e psychiatrische:r oder psychotherapeutische:r Expert:in hinzuziehen, wenn die Patient:innen sich von diesen Absichten oder Plänen nicht glaubhaft distanzieren können. Unter „Distanzieren" ist weniger der bloße Akt eines Versprechens zu verstehen, sich „nichts anzutun“, als die Einschätzung der professionell Begleitenden, dass der Druck, suizidal zu handeln nicht so groß ist, dass keine anderen gegenläufigen, lebenserhaltenden Phantasien mehr Raum finden und die Patient:innen auf die alsbaldige Ausführung des Suizids eingeengt sind [2012].   

Perakute Suizidalität ist gegeben, wenn die Patient:innen drohen, sich das Leben unmittelbar zu nehmen: Beispielsweise kündigen die Patient:innen an, aus der Klinik zu gehen und sich jetzt von einer Brücke zu stürzen oder auch, sich in zwei Tagen zu töten. Angesichts eines solchen imperativen Suizidwunsches werden die professionell Begleitenden unter Druck gesetzt zu handeln. Die Tatsache, dass sie in den akuten Suizidplan einbezogen werden, weist darauf hin, dass nicht nur der Suizid real bevorsteht, sondern dass er mit einer helfenden Person kommuniziert wird, die etwas unternehmen kann, um den Suizid zu unterbinden. Das allein weist auf eine Ambivalenz hin.

Bei perakuter Suizidalität in der palliativmedizinischen Situation ist die Indikation zur Einweisung in eine psychiatrische Klinik gegen den Willen der Patient:innen kritisch zu prüfen. Eine Zwangsunterbringung in diesem Kontext ist sehr selten und wird zudem in den meisten Fällen nur als eine kurzfristige psychiatrische Behandlungsmaßnahme (1-2 Tage) vorgenommen. Bei der Entscheidung zu einer solchen Unterbringung ist der körperliche Zustand der Patient:in zu berücksichtigen. Je fortgeschrittener die Krebserkrankung ist, desto seltener fällt die Entscheidung zu einer Zwangseinweisung.

Je nach Wunsch der Patient:innen, aber auch abhängig von den Möglichkeiten der Professionellen bieten sich mehrere weiterführende Behandlungsoptionen an: Beratung und Kriseninterventionen als kürzere, und dicht am aktuellen Erleben und seiner Bewältigung orientierte Interventionen, aber auch Psychotherapien (unterschiedlicher Schulen), in denen zugrundeliegende existentielle Konfliktthemen besprochen werden können [2013]. Eine psychopharmakologische Behandlung kann u. U. auch indiziert sein. Hier kann z. B. ein Benzodiazepin unter Abwägung möglicher Kontraindikationen (z. B. Sturzgefahr, Sedierung) bei suizidgefährdeten Patient:innen in Betracht gezogen werden (siehe Empfehlung 3-120 der S3-Leitlinie Unipolare Depression [1650]). Siehe auch S3-Leitline Umgang mit Suizidalität, AWMF Leitlinienregister - Geplante Fertigstellung: 2026. Je nach subjektiven Anlässen des Todeswunsches stellen spirituelle und soziale Angebote weitere wertvolle Möglichkeiten dar, die Patient:innen zu begleiten und zu unterstützen.

Kultur, Spiritualität und Religion prägen Vorstellungen und Praktiken des Sterbens. Sie zu kennen und bei den jeweiligen Patient:innen zu beachten, ist ein wichtiger Aspekt einer helfenden Beziehung am Lebensende, besonders wenn es sich um den Umgang mit Todeswünschen handelt (siehe auch Kapitel Grundsätze der Palliativversorgung). Da es unterschiedliche, kulturell oder religiös motivierte Haltungen und Bewertungen zum Todeswunsch bei schwerer körperlicher Erkrankung gibt, gilt diese Empfehlung zunächst einmal nur für die Notwendigkeit, sich damit auseinanderzusetzen. Ob die kulturellen oder religiösen Aspekte dann handlungsleitend werden oder nicht, hängt von einer Vielzahl an medizinischen und psychologischen Faktoren ab. Hier sollte ggf. sowohl mit den Patient:innen, ihren Angehörigen, aber auch den Behandelnden nach einem Konsens gesucht werden [1884].

Belastende Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Unruhe, Angst u.a. können auch Grund für einen geäußerten Todeswunsch sein (z. B. „Ich will so (= mit diesen Schmerzen) nicht leben!“). Deshalb ist eine gute Symptomkontrolle auch aus diesem Grund ein wichtiges Angebot. In seltenen Fällen gibt es Symptome, die durch eine primäre Symptomkontrolle nicht ausreichend gelindert werden können, d. h. unzureichend beherrschbar sind. Wenn dies zu einer Belastung führt, dass dies ein wesentlicher Grund für einen geäußerten Todeswunsch ist, dann kann auch eine palliative Sedierung erwogen werden. Die palliative Sedierung beinhaltet den überwachten Einsatz von Medikamenten für Patient:innen, die unter therapierefraktären Symptomen leiden (zur palliativen Sedierung, siehe auch den Abschnitt Medikamente und Maßnahmen in der Sterbephase/Absetzen von Medikamenten und Maßnahmen  im Kapitel Sterbephase).

Genauere Kenntnisse über die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sind im Umgang mit Patient:innen mit einem Todeswunsch unerlässlich und sollen ein Fortbildungsthema für die Personen sein, die solche Patient:innen behandeln. Die zentralen Themen sind in Tabelle Rechtliche Rahmenbedingungen am Lebensende aufgeführt. Zu den Hintergründen, zur ethischer Bewertung und zum Umgang mit freiwilligem Verzicht auf Essen und Trinken (FVET) – auch als Sterbefasten oder freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit bezeichnet – wird auf ein Positionspapier der DGP verwiesen [2014].

Tabelle 71: Rechtliche Rahmenbedingungen am Lebensende (Stand vom 09.02.2026)

Form der Sterbehilfe bzw. -begleitung

Rechtliche Situation

Tötung auf Verlangen

Die Tötung auf Verlangen ist eine besondere Form der Tötung und verboten. Voraussetzung ist, dass der Täter durch ein ausdrückliches und ernstliches (freiverantwortliches) Verlangen der Patient:in zu dieser Tötungshandlung veranlasst wird und sich diesem Willen beugt. Das Verkürzen des Lebens ist beabsichtigt und primäres Ziel der Intervention. Hier liegt die sogenannte Tatherrschaft nicht bei den Patient:innen: die Person, die zum Handeln veranlasst wurde, beherrscht das Geschehen und führt die zum Tode führende Maßnahme aus. Das typische Beispiel ist das Setzen einer tödlich wirkenden Spritze bei Patient:innen. Die Tötung auf Verlangen ist in Deutschland gemäß §216 StGB gesetzlich verboten und kann mit 6 Monaten bis zu 5 Jahren Freiheitsentzug bestraft werden. 

Assistierter Suizid/ Beihilfe zur Selbsttötung

Laut Bundesverfassungsgericht umfasst das allgemeine Persönlichkeitsrecht ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben – d.h. auch ein Recht darauf, sich das Leben zu nehmen und hierzu Hilfe in Anspruch zu nehmen (Urteil vom 26.02.2020). Durch diesen Urteil wurde der seit 2015 geltende § 217 StGB für verfassungswidrig erklärt. Laut § 217 StGB war eine geschäftsmäßige, d. h. auf Wiederholung gerichtete Förderung von Suizid verboten. Eine neue Regelung der Suizidbeihilfe steht noch aus.

Wer einen nicht frei verantwortlichen Suizid unterstützt, kann je nach den Umständen des Einzelfalls wegen unterlassener Hilfeleistung (§ 323c StGB), Tötung durch Unterlassen (§§ 212, 13 StGB), u.U. auch wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Tötung (§ 222 oder § 212 StGB) angeklagt werden.

Für Ärzt:innen gelten zum Zeitpunkt der Leitlinienerstellung darüber hinaus die Vorgaben des Berufsrechts: Das Gespräch mit Patient:innen über Todeswunsch und Suizidabsicht gehört zu den Aufgaben der Ärzt:innen. Die Assistenz beim Suizid ist nicht ärztliche Aufgabe. Das Berufsrecht der Ärzt:innen verbietet ihnen aber nicht die Assistenz beim Suizid [2015].

Therapien am Lebensende (früher: indirekte Sterbehilfe)

Therapien am Lebensende sind alle medizinischen, das heißt auch palliativmedizinischen Maßnahmen, die in der letzten Phase des Lebens erfolgen mit dem Ziel, Leiden zu lindern. Sie sind – wie alle medizinischen Maßnahmen - erlaubt, wenn sie indiziert sind, die Patient:innen nach sorgfältiger Aufklärung einwilligen und sie fachgerecht durchgeführt werden. Dazu gehören auch Maßnahmen, bei denen die Möglichkeit besteht, dass der natürliche Prozess des Sterbens verkürzt wird, sei es durch eine hochdosierte Schmerzmedikation oder eine starke Sedierung, ohne die die belastenden Symptome nicht beherrscht werden können. Dienen diese Maßnahmen der Symptomlinderung, sind sie mit Blick auf dieses Ziel indiziert und haben die sorgfältig aufgeklärten Patient:innen darin eingewilligt, darf die Nebenwirkung „Lebensverkürzung“ in Kauf genommen werden. Unter diesen Voraussetzungen sind auch solche Therapien am Lebensende nicht verboten, sondern unter Umständen sogar ethisch und rechtlich geboten.

Sterben zulassen (früher: passive Sterbehilfe)

Das Zulassen des Sterbens durch Nichtaufnahme oder Beendigung lebensverlängernder bzw. –erhaltender Maßnahmen ist erlaubt und sogar ethisch und rechtlich geboten, wenn diese Maßnahmen nicht bzw. nicht mehr indiziert sind oder die Patient:innen nicht bzw. nicht mehr darin einwilligen. Hierzu gehören beispielsweise künstliche Beatmung oder künstliche Ernährung, die entweder nicht begonnen oder beendet werden. Die Verpflichtung zur palliativen Begleitung des Sterbenden besteht selbstverständlich weiter [506].

Palliative Sedierung

Definiert als der überwachte Einsatz von Medikamenten mit dem Ziel einer verminderten oder aufgehobenen Bewusstseinslage (Bewusstlosigkeit), um die Symptomlast in anderweitig therapierefraktären Situationen in einer für Patient:innen, Angehörige und Mitarbeitende ethisch akzeptablen Weise zu reduzieren [2016]. Die Sedierung kann intermittierend oder dauerhaft eingesetzt werden. Die angestrebte Sedierungstiefe kann von flacher Sedierung bis zum dauerhaften Ausschalten des Bewusstseins reichen.

Die palliative Sedierung ist erlaubt, wenn sie indiziert ist, die Patient:innen nach sorgfältiger Aufklärung einwilligen und sie fachgerecht durchgeführt wird.

 

20.5 Angehörige

20.17 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Bei Vorliegen eines Todeswunsches sollten die Angehörigen im Einvernehmen mit den Patient:innen in das Gespräch hierüber mit einbezogen werden.

Konsens
Konsens

Siehe auch Kapitel Angehörige

Hintergrund

Sehr häufig fällt es Angehörigen schwer, über Todeswünsche ihrer kranken Verwandten und Freund:innen zu sprechen, sowohl mit dem/der Träger:in des Todeswunsches, als auch mit anderen Angehörigen. Andererseits tragen Angehörige auch Wünsche nach Lebensbeendigung aus unterschiedlichen Motivationslagen an die Professionellen heran. Die Angehörigenarbeit erfordert große Sensibilität. Zunächst bedarf es eines Einverständnisses der Patient:innen, mit Angehörigen über die Todeswünsche sprechen zu dürfen. Dabei ist sowohl auf die Qualität der Beziehung zwischen Patient:in und Angehörigen, wie auch auf die Belastungen, denen die Angehörigen gerade durch den geäußerten Todeswunsch ausgesetzt sind, zu achten. Im Gespräch mit den Angehörigen ist, ähnlich wie mit den Patient:innen, darauf zu achten, keine wertenden Äußerungen zu machen. Die Komplexität der Gefühle und Phantasien von Angehörigen von Patient:innen mit Todeswunsch hat auch unbewusste Dimensionen, die das Denken und Handeln beeinflussen können: Hierzu zählen Schuldgefühle, Verlustängste, Bestrafungs- und Todeswünsche. Das Gespräch ist auch deshalb wichtig, damit Angehörige nicht ohne Alternativen aufzeigende und Hintergründe benennende Beratung und Unterstützung sind, falls sie darüber nachdenken Beihilfe zum Suizid zu leisten. 

Der besonderen Beachtung bedürften bewusste Tötungs- und Mordwünsche aus niedrigen Motiven (wie Rache oder finanziellen Interessen). Sollten derartige Motive offensichtlich werden, so kann die Beantragung einer Betreuung von Seiten der professionell Begleitenden, jedoch auch eine juristische Verfolgung der Personen mit Tötungs- und Mordwünschen ein sinnvolles Vorgehen sein. Ist diese Person bereits als gesetzliche:r Betreuer:in tätig, so soll eine Überprüfung beantragt werden.

20.6 Behandlungsteam und -personen

20.18 · Konsensbasierte Empfehlung · geprüft 2026

Geeignete Reflexionsräume wie Fallbesprechungen, Seelsorge und Supervision (z. B. bei interaktionellen Problemen mit den Patient:innen), sowie Ethikberatung (z. B. bei ethischen Fragestellungen) und Fortbildungen sollen für Teams, die Patient:innen mit einem Todeswunsch begleiten, angeboten werden. 

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund

Supervision, Ethikberatung und Balintgruppen helfen, die eigene Einschätzung von Patient:innen und ihren Todeswünschen zu reflektieren, zu prüfen, gegenüber eigenen Vorstellungen, Wünschen und Phantasien abzugrenzen und zu einer veränderten Betrachtung zu kommen [2017]. Den psychologisch-psychodynamischen Hintergrund bieten dafür unter anderem Konzepte der Übertragung und der Verarbeitung als unerträglich erlebter psychischer Zustände des Leidens und des Todesverlangens zwischen Patient:in und professionell Begleitenden [2018]. 

Die Differenzierung zwischen ethischer und supervisorischer Beratung ist manchmal schwer zu ziehen. Daher sollte eine ethische Fallbesprechung von geschulten und evt. qualifizierten Moderator:innen geleitet werden. Sollte ein zunächst ethisch erscheinendes Problem einen dynamischen, interaktionellen Hintergrund haben, wird dieser in einer Supervision besser erkannt und besprochen. Empfehlenswert ist ein pragmatisches Vorgehen.

Die Arbeit mit Patient:innen mit Todeswunsch bei einer nicht-heilbaren Krebserkrankung kann in den professionell Begleitenden Gefühle, Erinnerungen und andere psychische Leidenszustände auslösen, die nicht im Rahmen des kollegialen Austausches, von Supervisionen und Fallkonferenzen geklärt, verstanden und überwunden werden können. In dieser Situation kann eine eigene Psychotherapie für die professionell Begleitenden eine angemessene und hilfreiche Lösung sein. Dies bedarf einer offenen, unterstützenden Haltung der palliativmedizinischen Institution, da es sich sowohl um eine selbstfürsorgliche als auch um eine qualitätssichernde Maßnahme handelt. 

Evidenztabellen

Depression: Primärstudien nach Aktualisierung 2025
17. Depression

17.1                      Screening, Diagnose und Assessment

17.1.1                  Systematic Reviews

Study

Type of study

(SR=Systematic Review; MA=Meta-analysis);

Aim of study

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O=primary outcome;

2.O= secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Meijer,

PLoS ONE

2011 [Meijer, A. et al. 2011]

SR; no MA
to evaluate the potential benefits of depression screening in cancer patients

19 studies (sample size ranged from 16 to 361)

 

 

8 studies of patients with breast cancer.

11 studies of patients with mixed cancer sites across the spectrum of cancer stages. Number of cases of major depressive disorder (MDD) ranged from 6 to 74 (median=17).

Screening instrument vs. a valid MDD criterion standard

§ HADS;-D

§ EPDS

 

Assessing accuracy with:

§ Sensitivity

§ Specificity

§ PPV

§ NPV

(95%  CI)

·   The main finding of this systematic review was that there are no RCTs that have evaluated whether screening for depression among cancer patients would improve depression outcomes.

·   The result shows that the recommendation statement of the NIH panel, IOM, clinical guideline of NCCN and NICE are not supported by evidence from RCTs that screening cancer patients for depression would improve patients’ mental health beyond existing psychological services that are offered in oncology settings.

 

1-

Mitchell,

J Clin Oncol

2007 [Mitchell, A. J. et al. 2007]

 

SR, MA;
Accuracy of distress thermometer (DT) and other ultra-short methods of detecting cancer-related mood disorders

38 analyses about diagnostic validity studies

Cancer settings

N=6,414 patients

Ultra-short screening tools (DT, single-question, VAS) involving fewer than five questions

Utilizing an accepted psychiatric interview or a standardized ratings scale for assessing:

§ Depression

§ Anxiety

§ Distress

 

Pooled ability of ultra-short methods to detect depression was given by:

§ Sensitivity=78.4%

§ Specificity=66.8%

§ PPV=34.2%

§ NPV=93.4%

Thus these tools were very good at excluding possible cases of depression but poor at confirming a suspected diagnosis. Their rule-in ability was poorer than their rule-out ability.

 

Ultra-short methods

cannot be used alone to diagnose depression, anxiety, or distress in cancer patients but they may be considered as a first-stage screen to rule out cases of depression.

 

1+

Mitchell,

Brit J Cancer

2008 [Mitchell, A. J. et al. 2008]

SR, MA;
to examine the value of one or two simple verbal questions in the detection of depression

17 analyses were found. Of these, 13 were conducted in late stage palliative settings.

Cancer settings

§ Single depression question

§ Single interest question

§ Two questions (low mood and low interest)

The majority of studies defined depression using a psychiatric interview (applied in a semi-structured or clinical interview) but a minority utilized standardized rating scales.

(1) Single depression question (9 studies): prevalence of depression = 16%, sensitivity = 72%, specificity = 83%. PPV = 44%, NPV =94%.

(2) Single interest question (3 studies):

Prevalence=14%, sensitivity= 83%, specificity=86%, PPV= 48%, NPV =97%.

(3) Two questions (5 studies): prevalence=17%, sensitivity= 91%, specificity= 86%, PPV = 57%, NPV =98%.

 

Simple verbal methods perform well at excluding depression in the non-depressed but perform poorly at confirming depression. The ‘two question’ method is significantly more accurate than either single question but clinicians should not rely on these simple questions alone and should be prepared to assess the patient more thoroughly.

 

1+

Mitchell, 

J Affect Disorders

2010 [Mitchell, A. J. et al. 2010]

 

SR, MA;
to examine the validity of the HADS in the identification of psychiatric complications of cancer, as defined by robust criterion standard

50 analyses

Cancer and palliative setting

50 analyses tested the HADS-S (depression), HADS-A (anxiety) or HADS-T (both) against syndromal (clinical) depression (n=22), syndromal anxiety (n=4) or any mental ill health/distress, all defined by semi-structured psychiatric interview.

1.O:

Syndromal (clinical) depression defined by ICD10 or DSM-IV.

2.O:

Syndromal anxiety disorder defined by ICD10 or DSM-IV.

3.O:

Any mental ill health (usually distress or adjustment disorder) defined by ICD 10 or DSM-IV.

Overall it appeared to perform marginally better in non-palliative cancer settings.

In the identification of depression the HADS-T, HADS-D and HADS-A had a pooled sensitivity and specificity of 82.0%, 77.0%; 71.6%, 82.6% and 80.5%, 77.8%, respectively. All versions performed poorly in case-finding but well in a screening capacity.

 

For the identification of depression, anxiety or distress in cancer settings, the HADS

(including subscales) is not recommended as a case-finding instrument but it may, subject to

concerns about its length, be a suitable addition to screening program.

 

1+

Mitchell,

J Affect Disord

2012 [Mitchell, A. J. et al. 2012]

SR, MA;
to examine the validity of screening and case-finding tools used in the identification of depression as defined by an ICD 10/DSM-IV criterion standard.

Plus panel recommendation of Depression in Cancer Care consensus group

63 studies involving 19 tools

Cancer patients in

§ Palliative settings

§ Non-palliative settings

To examine the validity of screening and case-finding tools used in the identification of depression as defined by an ICD10/DSM-IV criterion standard.

§ BDI

§ BDI fast screen

§ DT

§ EPDS

§ PHD

§ PHQ-2

§ Two stem questions

§ GHQ-12 and GHQ-24

§ CES-D

§ Zung

§ HADS

§ HDS

§ Several other tools

Validation of diagnostic accuracy

with:

§ Sensitivity

§ Specificity

§ I2

§ Bayesian plot (post-test and pre-test probabilities)

Across 16 analyses (n=4,138) the weighted prevalence of depression in palliative settings was 19% (CI95% CI=17.5-19.5).

In terms of case-finding, the two stem questions had level 1b evidence and one stem question had level 2b evidence.

We gave both methods a grade B recommendation. Two stem questions also had level 1b evidence in screening and also had high acceptability.

For every 100 people screened in advanced cancer, the two questions would accurately detect 18 cases, while missing only 1 and correctly reassure 74 with 7 falsely identified.

The main cautions are the reliance on DSM-IV definitions of major depression, the large number of small studies and the paucity of data for many tools in specific settings.

1+

Nelson,

J Clin Oncol

2010 [Nelson, C. J. et al. 2010]

SR; no MA
to determine which depression instruments are appropriate

53 depression scales were identified, 8 tools were selected

Geriatric cancer patients

Patient reported scales

§ BDI

§ BSI-18

§ CES-D

§ GDS-15

§ HADS

§ PHQ-9

§ POMS-SF

§ Zung SDS

§ General properties: conceptual framework

§ Instrument development

§ Validation and psychometric properties

§ Symptom profile analysis

 

We could not locate any validation or psychometric information of these measures specifically in elderly patients with cancer.

The validation evidence for use of common depression instruments in geriatric patients with cancer is lacking.

 

1+

Vodermaier,

Support Care Cancer

2011 [Vodermaier, A. et al. 2011]

 

SR, MA;
to examine the scale’s accuracy in assessing any type of clinically relevant mental disorder in cancer patients, as well as determining cut-off rates for clinical use.

28 studies

Cancer

Mixed cancer sites:

10 studies, N=2,828

Breast cancer:

8 studies, N=1,407

Mixed cancer sites in palliative settings: 3 studies

N=388

Lung cancer:

3 studies, N=219

Head and neck cancer: 2 studies, N=167

Laryngeal cancer:

1 study, N=250

Otolaryngologic cancer: 1 study, N=50

§ HADS total and its subscale scores

against

§ semi-structured or structured clinical interview as a reference standard with regard to its screening efficacy for any mental disorders and depressive disorders alone

§ Sensitivity

§ Specificity

on the HADS total and/or subscales and had any type of mental disorder and/or any type of depressive disorder as the criterion.

Respective thresholds for depression screening were 15 for the HADS total (sensitivity 0.87; specificity 0.88), 7 for the HADS depression subscale (sensitivity 0.86; specificity 0.81), and 10 or 11 for the HADS anxiety subscale (sensitivity 0.63; specificity 0.83).

The HADS anxiety subscale performed worse than the total and the depression subscales for both indicators. Diagnostic accuracy varied widely by threshold but was consistently superior for depression screening than for screening of any mental disorder.

 

1+

Wasteson,

Palliative Med

2009 [Wasteson, E. et al. 2009]

SR; no MA
Assessment tools and classification systems

202 full-length articles:

§ 128 observational studies

§ 61 prevalence studies

§ 42 intervention studies (depression outcome)

§ 46 validation studies (depression assessment)

§ 27 validation studies (other assessment)

§ 15 intervention studies (other outcome)

§ 18 other or not specified studies

Palliative cancer care patients

§ What are the assessment methods that have been used according to the type of study, year of study, sample size and geographical region?

§ In studies that report on depression cases, what are the classification systems that have been used to define caseness and how have the criteria of duration and functional consequences of symptoms been met?

§ Assessment methods

§ Type of study

§ Sample size

§ Geographical region

§ Classification systems

§ Duration and functional consequences

§ Criteria modification

Large number of assessment methods in identified papers for depression (N=106), many of which were unique to one paper (N=65). The content of the assessment methods varied greatly and included different types  (i.e. structured diagnostic interviews, specific questionnaires, general questionnaires). All together, the HADS was the most commonly used assessment method. There were regional differences: HADS dominated in Europe it was quite seldom used in Canada or in the USA. Few prevalence and intervention studies used assessment methods with an explicit reference to a diagnostic system. There were in total few case definitions of depression. Among these, the classifications were in general based on cut-off scores (77%) and not according to diagnostic systems. The full range of the DSM-IV diagnostic criteria was seldom assessed, i.e. less than one-third of the assessments in the review took into account the duration of symptoms and 18% assessed consequences and impact upon patient functioning. Although heterogeneity in assessments was expected the diversity in the reviewed papers was pronounced. Depression and distress are rarely conceptualized explicitly and it is often unclear why a given measure was chosen.

 

1+

17.2                      Nicht-medikamentöse Verfahren: Aktualisierung 2019

17.2.1                  Systematic Review

Study

Type of study

(SR=Systematic Review; MA=Meta-analysis);

Aim of study

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O=primary outcome;

2.O= secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Fulton,

J Palliat Med

2018 [Fulton, J. J. et al. 2018]

 

MA
to examine the effect of psychotherapy on depression and anxiety among individuals with any condition appropriate for palliative care

32 RCT with 36 samples including n=1,536 participants

§ psychotherapy that involved at least two sessions or a minimum of 60 minutes of intervention

§ randomized design

 

 

Palliative patients (cancer, MS, HIV/AIDS, advanced illness)

 

 

Psychotherapy focusing on marital functioning, physical symptom reduction (e.g. pain, or health behavior change)

Psychotherapy type:

CB-based Therapies (CBT, PST problem solving therapy, IPT interpersonal therapy), existential therapies (DT dignity therapy, legacy, LR  life review, MM meaning making therapy), other therapies (ACT, MBSR, supportive expressive therapy, outlook intervention)

Treatment modality

§   Individual

§   Group

§   Family

1.O: reduce depression symptoms (large effect)

2.O: reduce anxiety symptoms (small effect)

 

1.O: Improve quality of life (small effect)

Depression and anxiety: The mean effect was significant: Depression (n=35): mean ES (effective size) -0.82 <0.001,  95% CI -1.02 to -0.62), anxiety (n=21): Mean ES -0.38 p<0.001, 95% CI -0.52 to -0.24, QoL (n=9): Mean ES 0.47 p<0.01, 95% CI 0.17 to -0.78 Cancer: ES by class -0.80; wthin class effect 81.83,  p<0.001

Limited methodological quality of research designs and reporting, quality rating is medium

 

1+

17.3                      Medikamentöse Therapie

17.3.1                  Antidepressiva

17.3.1.1                  Systematic Reviews

Study

Type of study

(SR=Systematic Review; MA=Meta-analysis);

Aim of study

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O=primary outcome;

2.O= secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Rayner,

Cochrane

2010 [Rayner, L. et al. 2010]

SR; MA
to determine the efficacy of antidepressants in the treatment of depression in patients with a physical illness

51 RCTs included in qualitative analyses (n=3,603; adults older than 18 years with depression in the context of a physical illness) 

44 studies (n=3,372) contributed data towards the efficacy analyses included in quantitative synthesis of primary outcome

· 11 trials (stroke)

· 7 trials (HIV/AIDS)

· 6 trials (Parkinson’s disease)

· 4 trials (cancer)

· 3 trials (COPD)

· 3 trials (diabetes)

· 3 trials (myocardial infarction

· 2 trials (renal failure)

· 1 trial ( rheumatoid arthritis)

· 1 trial  with: brain injury/ asthma/ coronary artery disease/ chronic heart failure/ epilepsy/ chronic prostatitis

· 3 trials with mixed diagnoses

Average age: 33-82 years

All types of antidepressants were eligible for inclusion in this review:

·   Selective serotonin reuptake inhibitors

·   Tricyclic antidepressants

·   Monoamine oxidase inhibitors

·   Serotonin noradrenaline reuptake inhibitors

·   Noradrenergic specific serotonergic antidepressant

·   Serotonin² antagonists

·   Noradrenaline reuptake inhibitor

·   Norepinephrine and dopamine reuptake blockers

·   Tetracyclic antidepressants

·   Heterocyclic antidepressants

Control condition was placebo

1.O:

· Antidepressant efficacy at  6-8 weeks after randomization

· dichotomous outcome of individuals who attained a 50% improvement of depressive symptomatology at 6 to 8 weeks from randomization (HDRS, MADRS, HADS)

· continous measures of depression expressed as mean values at 6 to 8 weeks from randomization (HDRS, MADRS, HADS)

2.O:

·   Depression scores and symptomatology defined by validates measures

·   Number of dropouts

·   Number of adverse events

1.O:

· response to treatment: Odds of response were greater with antidepressants than with placebo (OR 2.33, 95CI 1.8 to 3.0, p<0.00001; 25 studies involving 1,674 patients)

· Antidepressants were also more efficacious than placebo at the other time-points.

· Mean depression score: Antidepressants were more efficacious than placebo in reducing depressive symptoms (SMD -0.66, 95% CI -0.94 to -0.38, p<0.00001; 22 studies involving 1,214 patients).

 

2.O:

· Mean depression score (4-5 weeks): Antidepressants were more efficacious than placebo in reducing depressive symptoms (SMD -0.46, 95% CI -0.88 to -0.04, p=0.03; 6 studies, n=365)

· Number of dropouts (4 to 5 weeks): Similar numbers of patients dropped out of the treatment and control group (OR1.11, 95% CI 0.48 to 2.57, p=0.86; 5 studies, n=365)

· Tolerability: dizziness, dry mouth, headache, nausea, constipation, insomnia, sexual dysfunction, sedation, hypotension, appetite change.

 

1++

Rayner,

Pall Med

2011 [Rayner, L. et al. 2011]

SR; MA
to determine the efficacy of antidepressants for the treatment of depression in palliative care

SR: 25 studies

MA: 21 studies

· 7 trials (HIV/AIDS)

· 6 trials (Parkinson's disease)

· 4 trials (cancer)

· 3 trials (COPD)

· 2 trials (multiple sclerosis)

· 2 trials (renal failure)

· 1 trial (chronic heart failure)

Antidepressants vs. placebo in the treatment of depression in palliative care

1.O:

· Efficacy assessed using dichotomous and continuous measures of depression: dichotomous outcome response to treatment is defined conventionally and widely reported as a 50% or greater improvement in depressive symptomatology according to a validated scale, such as the HDRS, the MADRS or the HADS. Continuous measures expressed as mean depression score values and standard deviations, according to a validated scale. Outcomes were assessed at three time-points: 4–5 weeks, 6–8 weeks and 9–18 weeks from randomization.

2.O:

· Acceptability, tolerability, quality of life and functional status.

At each time-point antidepressants were more efficacious than placebo: 4–5 weeks odds ratio (OR)

1.93 (1.15–3.42) p=0.001; 6–8 weeks OR 2.25 (1.38–3.67) p=0.001; 9–18 weeks OR 2.71 (1.50–4.91) p=0.001.

This review provides evidence that antidepressants are effective in treating depression in palliative care. Their superiority over placebo is apparent within 4–5 weeks and increases with continued use.

· It is probable that the effect sizes yielded in this review overestimate the efficacy of antidepressants due to biases such as selective reporting and publication.

· the magnitude and consistency of the effect suggests genuine benefit.

1++

Ujeyl,

Schmerz

2012 [Ujeyl, M. et al. 2012]

SR; MA
Aim was to assess the evidence of the efficacy and safety of different classes of antidepressants depending on the type and severity of physical illness.

 

40 trials:

· 35 double-blind RCTs

· 3 double-blind crossover RCTs

· 1 single-blind RCT

· 1 CT not blinded

· 3 trials (multiple sclerosis; n=133)

· 6 trials (Parkinson's disease; n=187)

· 7 trials (Alzheimer's disease; n=625)

· 8 studies (cancer; n=819)

· 11 studies (HIV/AIDS; n=664)

· 5 studies (COPD/CHF; n=568)

· Nonselective monoamine reuptake inhibitors (tri- and tetracyclics)

· Selective serotonin reuptake inhibitors

· mirtazapine

· nefazodone

· trazodone

compared with placebo, other antidepressants, benzodiazepines, psycho-stimulants or psychotherapy

Outcomes:

· response rate

· change from baseline

· remission rate

Due to heterogeneous study designs no conclusions can be drawn if efficacy or tolerability of AD is de­pendent on disease severity. In most cases, studies might have been too small to detect limited treatment effects. As a lack of superi­ority over placebo was predominantly shown in larger trials, publication bias might have been present. In most of the reviewed inter­nal medicine diseases study results were het­erogeneous. In contrast to the popularity of the treatment approach, results suggest that SSRIs are not effective in Alzheimer’s disease. In Parkinson’s disease, negative studies are too small to prove lack of efficacy of SSRIs as present in the majority of trials.

This review al­lows only limited conclusions concerning the use of antidepressants in physical illness at the end of life. The reviewed evidence does not allow direct conclusions to be drawn con­cerning the use of antidepressants in differ­ent disease severities and its benefits com­pared to other treatment options (psycho­therapy, benzodiazepines etc.).

1+

17.3.2.1                  Systematic Reviews

Study

Type of study

(SR=Systematic Review; MA=Meta-analysis);

Aim of study

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O=primary outcome;

2.O= secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Ostuzzi,

Cochrane,

2018 [1859]

SR

to assess the efficacy, tolerability and acceptability of antidepressants for treating depressive symptoms in adults

10 RCTs (n=885)

§   7 of which contributed to the meta-analysis for the primary outcome

§   4 of these compared antidepressants and placebo,

§   2 compared two antidepressants,

§   1 three-armed study compared two antidepressants and placebo 

This update included one additional unpublished study. These new data contributed to the secondary

analysis, while the results of the primary analysis remained unchanged.

Patients with

primary diagnosis

of cancer (confirmed with appropriate clinical and instrumental

assessment)

and depression (including major depressive disorder, adjustment disorder, dysthymic

disorder or depressive symptoms in the absence of a formal diagnosis; Diagnostic systems DSM/ICD, Hamilton Rating Scale for Depression (HRSD), Beck Depression Inventory  (BDE), Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS), or the Hospital Anxiety and Depression  Scale (HADS)

 

Age ≥18 years

In- and outpatients

 

 

 

Antidepressants for the treatment of depression in people with cancer

 Antidepressants, reported in the Anatomical Therapeutic Chemical/Defined Daily Dose (ATC/DDD) Index (updated to December 2017) from the World Health

Organization (WHO) Collaborating Centre for Drug Statistics Methodology website (www.whocc.no)

 

1.O:Efficacy as a continuous outcome

2.O:Efficacy as a dichotomous outcome

Social adjustment

Health-related quality of life

Dropouts:

Acute Phase:

For acute-phase treatment response (6 to 12 weeks), no difference between antidepressants as a class and placebo on symptoms of depression measured both as a continuous outcome (standardised mean difference (SMD) −0.45, 95% confidence interval (CI) −1.01 to 0.11, 5 RCTs (n=266 participants); very low certainty evidence) and as a proportion of people who had depression at the end of the study (risk ratio (RR) 0.82, 95% CI 0.62 to 1.08, 5 RCTs, 417 participants; very low certainty evidence). No trials reported data on follow-up response (more than 12 weeks).

In head-to-head comparisons where only retrieved data for selective serotonin reuptake inhibitors (SSRIs) vs. tricyclic antidepressants, showing no difference between these two classes (SMD −0.08, 95% CI −0.34 to 0.18, 3 RCTs (n=237 participants); very low certainty evidence).

No clear evidence of a beneficial effect of antidepressants versus either

placebo or other antidepressants emerged from our analyses of the secondary efficacy outcomes (dichotomous outcome, response at 6 to 12 weeks, very low certainty evidence). In terms of dropouts due to any cause, no difference between antidepressants as a class compared with placebo (RR 0.85, 95% CI 0.52 to 1.38, 7 RCTs (n=479 participants); very low certainty evidence), and between SSRIs and tricyclic antidepressants (RR 0.83, 95% CI 0.53 to 1.30, 3 RCTs (n=237 participants).

Downgrading of the certainty (quality) of the evidence because the included studies were at an unclear or high risk of bias due to poor reporting, imprecision arising from small sample sizes and wide confidence intervals, and inconsistency due to statistical or clinical heterogeneity.

 

 

1++

17.3.2                  Andere Wirkstoffe

17.3.2.1                  Systematic Reviews

Study

Type of study

(SR=Systematic Review; MA=Meta-analysis)

Included studies

Population

Which interventions were evaluated?

Outcomes

(1.O=primary outcome;

2.O= secondary outcome)

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Abbasowa,

Nord J Psychiatry

2013 [Abbasowa, L. et al. 2013]

SR/no MA
Exploring the efficacy of psychostimulants (PS) in the treatment of major depressive disorder (MDD) to clarify the current empirically founded evidence for clinical approaches

18 RCTS (N=1,407)

Patients suffering from

§ MDD (n=1,038)

§ Bipolar depressed patients (n=342)

§ Mixed samples of bipolar and unipolar patients (n=27)

§ Modafinil

§ Methylphenidate

§ Dexamphetamine

§ Methylamphetamine

§ Pemilone

were administered orally/intravenously, as monotherapy/adjunct therapy and in comparison to placebo (n=1,311) or to antidepressants/mood stabilizers (n=96)

 

A priori defined efficacy measures (change and scores) of:

§ HAM-D

§ MADRS

§ ESS

§ IDS

and non-predefined efficacy outcomes

 

§ Two studies examining modafinil demonstrated significant ameliorating characteristics pertaining to symptoms of depression.

§ No clear evidence for the effectiveness of traditional PS in the therapeutic management of MDD was found.

§ In general, the quality of included trials was poor since the majority was of short-term duration, comprising relatively small sample sizes and some, especially older studies, were methodologically flawed.

§ Clearly larger well designed placebo-controlled studies with longer follow-up accompanied by evaluations of tolerance/ dependence are warranted before PS can be recommended in routine clinical practice for the treatment of MDD.

1-

Candy,

Cochrane

2008 [Candy, M. et al. 2008]

SR (24 RCTs); MA (13 trials)
to determine the effectiveness of PS in the treatment of depression and to assess adverse events associated with PS.

24 RCTs

· 15 parallel design

· 9 cross-over design

Patients (>16 years) receiving psychostimulants as a treatment of depression (diagnosis was made according to any edition of DSM or ICD or when a clinician made the diagnosis)

Psychostimulants (PS):

· dexamphetamine

· methylphenidate

· methylamphetamine

· pemoline

· modafinil (trials using modafinil were evaluated separately)

Main comparisons:

· PS vs. monotherapy vs. placebo

· PS vs. monotherapy vs. other treatment (medication, psychological therapy)

· PS vs. other treatment as a adjunctive treatment

 

 

                                         

 

1.O:

Examine the effectiveness of PS on depressive symptoms or diagnosing using:

·   Continous measures (Hamilton Depression Scale or Montgomery Asberg Scale)

·   Dichotomous measures (proportion of people who respond to treatment (categorization of HAM-D score or any other validated depression scale into a 50 response or less.

2.O:

· Changes in other symptoms associated with depression

· Remission criteria

· Social adjustment and functioning

· HRQL

· acceptability

§ 3 trials (n=62) demonstrated that oral psychostimulants, as a monotherapy, significantly reduced short term depressive symptoms in comparison with placebo (SMD -0.87, 95% CI -1.4, -0.33) with non-significant heterogeneity.

§ Similar effect was found for fatigue.

§ No statistically significant difference in depression symptoms was found between modafinil and placebo.

· 15 trials were performed over 20 years ago.

· 4 trials declared pharmaceutical funding or interests.

· Some evidence in the short-term, PS reduce symptoms of depression. Whilst this reduction is statistically significant, the clinical significance is less clear.

· Larger high quality trials with longer follow-up and evaluation of tolerance and dependence are needed to test the robustness of these findings and to explore which PS may be more beneficial and in which clinical situations they are optimal.

1+

17.3.2.2                  Primärstudie

Study

Type of study/

Design

(RCT/CCT, blinded, cross-over/parallel)

Number of included patients/ Dropouts

 

Patients characteristics

Intervention/ control

Outcomes (1.O=primary outcome; 2.O= secondary outcome)

Outcome measure

Follow up

Results

Comments

Level of Evidence

SIGN

Kerr,

J Pain Symptom Manag

2012 [Kerr, C. W. et al. 2012]

RCT, double-blind, placebo-controlled
to evaluate the response of fatigue and depression in patients with advanced illness

n=34

4 dropouts:

· 3 died

· 1 withdrew

 

Hospice patients

· 12 male; 18 female

· diagnosis of terminal illness including cancer (n=26) and noncancer  diseases (n=4)

· absence of significant cognitive impairment

· presence of fatigue for at least two weeks

1st arm: 5mg methylphenidate twice a day

2nd arm: placebo

Doses were titrated every three days according to response and adverse effects

Influence of methylphenidate on the symptom of fatigue on

§   Piper-Fatigue-Scale (PFS)

§   VAS-F

§   ESAS

and on depression with

§   ESAS

§   CES-D

§   BDI-II

from days 0-14

Fatigue:

§ PFS: reduction of 66%  (day 0 mean intensity of 6.2; day 14=2.1±2.5)

§ VAS-F: reduction of 55% (day 0=4.9±2.7; day 14=2.2±3.1), although significant was noted until day 7 (P=0.05) ad day 14 (P=0.0007)

§ ESAS: reduction of 64% from baseline index of fatigue (day 0=7.4±2.0 and day 14=2.7±1.3)

Depression:

§ ESAS: reduction of 35%, P=0.002 (day 0=2.9±3.1 and day 14=1.9±2.0)

§ CES-D: reduction of 33%, P=0.002 (day 0=25.0, day 14=16.7±9.5

· BDI-II: reduction of 22%, P=0.028 (day 0=15.1, day 14=11.8±9.1)

 

1-

Primärstudien nach Aktualisierung 2025

Study

Type of study/Design

(RCT/CCT, blinded, cross-over/parallel)

Number of included patients/ Drop-outs

Patients characteristics

Intervention/control

Outcomes (1. O=primary outcome; 2. O= secondary outcome)

Outcome measure

Follow up

Results

Comments

Level of Evidence

Oxford 2011

Spathis,

J Clin Oncol,

2014 [1066]

RCT, double-blind, placebo-controlled, parallel

208 randomized (modafinil: 104, placebo: 104); 160 included in analysis

Patients with advanced NSCLC, fatigue ≥5/10 on NRS, WHO PS 0–2, no chemo-/radiotherapy in last 4 weeks

Modafinil 100 mg (day 1–14), 200 mg (day 15–28) vs. placebo

1.O: Change in FACIT fatigue (baseline to day 28);

2.O: Sleepiness (ESS), depression (HADS), QoL (QOL-LAS), adverse events 

Outcome measures: FACIT fatigue (0–52), ESS, HADS, QOL-LAS 

Follow-up: 28 days

Improvement in both groups in FACIT-F (modafinil: +5.29, placebo: +5.09); no significant difference (Δ=0.20; p=0.92). No significant group differences in secondary outcomes. HADS depression scores remained stable in both groups without statistically significant changes.

Clinically relevant within-group improvement likely due to placebo effect; modafinil well tolerated

1

Stone,

J Clin Oncol,

2024 [1875]

RCT, double-blind, placebo-controlled, multicenter

162 randomized (Methylphenidate: 84, Placebo: 78); 159 included in analysis

Advanced cancer, fatigue >3/10, receiving palliative care; multiple tumor types; ECOG 0–3

Individually titrated methylphenidate (start 5 mg BID, max 20 mg TID) vs. placebo for 6 weeks

1.O: Difference in FACIT-F at 6±2 weeks;

2.O: QoL (EORTC QLQ-C15-PAL), HADS, AE, patient satisfaction, survival 

Outcome Measures: FACIT-F (0–52), EORTC QLQ-C15-PAL, HADS, EQ-5D-5L, AE reporting

Follow-up: 10 weeks (6-week titration, 2-week maintenance, 1-week taper, 1-week washout)

FACIT-F: +1.97 in methylphenidate vs. placebo (95% CI: –0.95 to 4.90, p=0.186); no MCID reached. Nominally significant reduction in HADS depression in methylphenidate group (Δ= –1.35; 95% CI: –2.41 to –0.30). No differences in other secondary outcomes or adverse events.

No superiority of methylphenidate over placebo; well tolerated; effect did not reach clinical relevance

1

Boele,

Neuro Oncol,

2013 [1067]

RCT, double-blind, placebo-controlled, parallel

37 randomized (modafinil: 18, placebo: 19); 1 withdrawal

Patients with primary brain tumors, experiencing significant fatigue; mean age ~47; ECOG 0–2

Modafinil 100–200 mg/day for 4 weeks vs. placebo

1.O: Fatigue reduction (MFI);

2.O: Cognitive function (neuropsychological battery), mood (HADS), QoL.

Outcome Measures: MFI-20, HADS, standardized cognitive tests, self-reports.

Follow-up: 4 weeks.

No significant difference in fatigue or cognitive outcomes between groups. HADS depression scores showed a trend toward improvement in the modafinil group, but did not reach statistical significance. Both groups showed small, non-significant reductions in depressive symptoms over time.

Pilot study with small sample; underpowered for subgroup effects. Well tolerated; suggests possible mood-related benefit deserving further research.

1

Laigle-Donadey,

Neuro-Oncol Adv,

2019 [1877]

RCT, double-blind, placebo-controlled, phase III

53 randomized (dexamphetamine: 25, placebo: 28)

Patients with primary brain tumors and fatigue; no recent anti-tumor therapy; ECOG ≤2

Dexamphetamine 10–20 mg/day for 30 days vs. placebo

1.O: FACIT-F change;

2.O: HADS (depression/anxiety), cognition, adverse events

Outcome Measures: FACIT-F, HADS, neurocognitive battery

Follow-up: 30 days

No significant improvement in fatigue or depression scores. HADS depression did not differ significantly between groups. Higher AE rate in dexamphetamine group (mostly mild to moderate).

Well-designed trial; no evidence for benefit on fatigue or mood; adverse events more common under dexamphetamine.

1

Mitchell,

J Clin Psychiatry,

2015 [1876]

RCT, double-blind, placebo-controlled

42 randomized; 36 completed

Patients with advanced cancer and fatigue; life expectancy ≥3 months

Methylphenidate up to 20 mg/day for 2 weeks vs. placebo

1.O: Fatigue (FACT-F);

2.O: Depression (CES-D), anxiety, QoL, cognition

Outcome Measures: FACT-F, CES-D, MMSE

Follow-up: 2 weeks

Modest improvement in fatigue in methylphenidate group; no significant differences in CES-D depression scores. Mood remained stable across both groups.

Small sample; short duration; no impact on depression detected; intervention well tolerated.

1

Ng,

Gen Hosp Psychiatry,

2014 [1874]

RCT, double-blind, placebo-controlled, parallel-group

88 randomized (methylphenidate + mirtazapine: 44; placebo + mirtazapine: 44); no major dropouts reported

Terminally ill cancer patients diagnosed with major depressive disorder (DSM-IV), baseline HAMD ≥18, life expectancy <6 months

Mirtazapine 30 mg/d + methylphenidate (10–30 mg/d titrated) vs. mirtazapine + placebo

1.O: Depression severity (MADRS); 2.O: Response rates (≥50% MADRS reduction), CGI-S, adverse events

Outcome Measures: MADRS, CGI-S, HAMD

Follow-up: 4 weeks

Significant reduction in depressive symptoms in the methylphenidate group as early as day 3 (MADRS Day 3: 24.3 ± 3.9 vs. 29.3 ± 4.4; p < 0.001).

Higher response rates and greater improvement in CGI-S scores. Adverse events were mild and comparable between groups.

Well-conducted RCT with strong methodology and rapid onset of antidepressant effect; short follow-up is a limitation; high relevance for palliative settings.

1

Fan,

Oncotarget,

2016 [1879] 

RCT, double-blind, placebo-controlled;
to investigate the rapid antidepressant effects of a single dose of ketamine on suicidal ideation and overall depression levels in patients newly diagnosed with cancer

n=42, no drop-outs

Hospice patients

·  17 male; 25 female

·  newly diagnosed with cancer (within 3 months): lung, gastric, bone, and pancreatic cancers

·  moderate to severe baseline depression and suicidal

1st arm: sub-anesthetic dose of racemic ketamine hydrochloride (0.5 mg/kg)

2nd arm: placebo, sub-anesthetic dose of midazolam (0.05 mg/kg)

Doses were administered intravenously over 40 minutes

Rapid antidepressant effects of a single dose of ketamine on:

1.O.: suicidal ideation in cancer patients using

·  Beck Scale for Suicidal Ideation (BSI)

· suicidal ideation section of the Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS-SI)

2.O.:

· overall depression level (MADRS)

Suicidal ideation: significantly lower scores in the ketamine group compared to the midazolam group on both day 1 (BSI: 9.53 ± 9.53 v.s. 16.79 ± 7.07, P = 0.0474; MADRS-SI: 1.69 ± 1.93 v.s. 3.42 ± 1.75, P = 0.011) and day 3 post-treatment (BSI: 9.07 ± 8.21 v.s. 16.93 ± 8.27, P = 0.0265; MADRS-SI: 1.77 ± 1.84 v.s. 3.52 ± 1.89, P = 0.0107)

Depression level: significant reduction in overall depression levels in the ketamine group on day 1 (24.46 ± 8.04 v.s. 31.89 ± 7.39, P = 0.0339), with a trend toward significance on day 3 (25.09 ± 7.07 v.s. 32.03 ± 7.21, P = 0.0546).

The effect was no longer significant by day 7 following treatment.

The study had several limitations, including the lack of long-term observations of ketamine's effect on depressive symptoms. The study also noted that chronic treatment with ketamine has been reported to prolong the antidepressant response, but the potential risk of addiction was a concern.

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