Leitlinienprogramm OnkologieÖsophaguskarzinom

13. Forschungsfragen – Ösophaguskarzinom

Version 4.0 · Dezember 2023 · AWMF 021-023OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Erstmals werden, auf Initiative der Koordinatoren Prof. M. Ebert und Prof. R. Porschen, mit dieser Version der Leitlinie Forschungsfragen formuliert und in die Leitlinie integriert. Dazu wurden die Arbeitsgruppen mit deren Leitungen gebeten, Evidenzlücken in den verschiedenen Abschnitten der Leitlinien zu identifizieren. Ziel dieser Initiative ist es nun, aus den Beratungen und Diskussionen zu den Empfehlungen Evidenzlücken zu erkennen und diese in Forschungsfragen zu formulieren. Damit soll die Grundlage gelegt werden für die Entwicklung geeigneter Studien und deren Finanzierung, um zukünftig diese Evidenzlücken zu schließen.

Tabelle 12: Forschungsfragen

Nr. Forschungsfrage Kurze Erläuterung Vorgeschlagene Studienkonzeption / Interventionsstudie / RCT / Register / etc. (PICO: Population / Intervention / Kontrollgruppe / Endpunkt)
AG 1
1 Inwieweit haben körperliche Bewegung/ Sport einen präventiven Effekt auf die Entstehung von Ösophagus-karzinomen? Bislang gibt es keine prospektiv erhobenen Daten, die den Effekt von Bewegung/Sport (ähnlich wie beim kolorektalen oder Mammakarzinom) beim Ösophaguskarzinom belegen. Evtl. müsste man die Studie auf Risikopatienten, z.B. Patienten mit Barrett-Ösophagus ohne Dysplasien, eingrenzen.
2 Wieweit können körperliche Bewegung/ Sport die Prognose von Patienten mit Ösophagus-karzinom beeinflussen? Bislang gibt es keine prospektiv erhobenen Daten, die den Effekt von Bewegung/Sport (ähnlich wie beim kolorektalen oder Mammakarzinom) beim Ösophaguskarzinom belegen Zu erfassen wären neben Gesamtüberleben und tumorbezogenen Überleben auch die Lebensqualität mit entsprechenden Scores.
AG 2
1 Gibt es Möglichkeiten, das Ansprechen auf eine neoadjuvante Therapie vorherzusagen? Die Prognose von Patienten, die nicht auf eine neoadjuvante Therapie ansprechen, ist deutlich schlechter. Basierend auf einer zuverlässigen Prädiktion könnten Therapiekonzepte angepasst werden. Molekulare / Morphologische Studie an prätherapeutischem Biopsiematerial (ggf. retrospektiv aus multizentert Studien)
2 Identifizierung molekularer Alterationen, die als potentielle therapeutische Targets infrage kämen Verbesserung der therapeutischen Optionen. Anwendungsorientiert (Analyse von Gewebeproben) Umfassende molekulare Analysen von Tumorgewebe (Screening Ansatz); In vivo Studien zur Überprüfung der biologischen Relevanz identifizierter Targets
3 Verbessert eine strukturierte Nachsorge das Gesamtüberleben im Vergleich zu einer allein sympt. orientierten Nachsorge? Bislang gibt es keine prospektiv erhobenen Daten, die die Überlegenheit einer strukturierten Nachsorge beim Ösophaguskarzinom belegen RCT, Arm A: strukturierte Nachsorge vs. Arm B: sympt. orientierte Nachsorge nach kurativer Therapie lokal fortgeschrittener Tumore, primärer Endpunkt: Gesamtüberleben
4 Verbessern neue endoskopische Hochauflösungsverfahren (TXI, EDOF) die Früh-Diagnostik beim Ösophagus – Karzinom? Neue Weißlicht-Konturverbesserung (TXI) und die räumliche Bild - Vergrößerung (EDOF) ermöglichen eine viel bessere Detailbetrachtung RCT: Testgruppe mit TXI/EDOF-Endoskopie vs. Kontrolle mit Standardverfahren / alternativ Registerstudie
Endpunkt: Aufdeckung Dysplasien / Frühkarzinome
AG 3
1 Klinisch komplette Remission (cCR) nach Chemoradiotherapie beim lokal fortgeschrittenen SCC des intrathorakalen Ösophagus: Definition der cCR, Durchführung einer geplanten OP vs. einer watch & wait Strategie und Prognose der Patienten beider Behandlungsoptionen In der S3-Leitlinie der AWMF zum Ösophaguskarzinom werden beim lokal fortgeschrittenen SCC die präoperative CRT mit geplanter OP und im Falle einer cCR der Verzicht auf OP mit Einleitung einer w&w Strategie als Behandlungsoptionen genannt. Er ist derzeit unklar, welche Optionen in der Standardversorgung nach Diagnose einer cCR empfohlen werden und ob die Prognose der Patienten vergleichbar ist. Prospektive Kohortenstudie mit Patienten die in der Regelversorgung eine kombinierte Chemoradiotherapie erhalten, nach der eine cCR diagnostiziert wird. Datenerhebung der Untersuchungstechniken mit der die cCR definiert wird. Vergleich der Überlebenszeiten (DFS und OS) dieser Patienten, die im Anschluss an die CRT eine geplante OP erhalten mit Patienten, die keine OP erhalten, sondern in ein w&w Programm aufgenommen werden.
AG 4
1 Welche molekularen Mechanismen liegen einer klinischen Resistenz gegenüber Checkpoint-Inhibitoren zugrunde? Obwohl der Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren die Effektivität der palliativen Systemtherapie von Patienten mit Adeno- oder Plattenepithelkarzinomen des Ösophagus deutlich verbessert hat, erleiden die meisten Patienten im Verlauf der Therapie eine Tumorprogression. Die Identifizierung der tumoralen Resistenz-Mechanismen gegenüber Checkpoint-Inhibitoren könnte zu einer Verbesserung der Behandlungsergebnisse führen. Molekulare Untersuchungen an Tumorgewebe (ggfs Liquid Biopsy) von Patienten, die eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren erhalten.
2 Versorgungforschung: Wie viele Patienten mit einem fortgeschrittenen oder metastasierten Ösophaguskarzinom werden in den verschiedenen Therapielinien leitliniengerecht behandelt? Verbesserung der medizinischen Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenen Adeno- oder Plattenepithelkarzinomen des Ösophagus, Erfassung der onkologischen Versorgungssituation Multizentrische Registerstudie
3 Kann eine Kombination aus SEMS und palliativer Radiatio eine Verbesserung der Dysphagie ohne Zunahme der Komplikationen erzielen? Die Daten aus den bisherigen Studien sind widersprüchlich bezüglich der Dysphagieverbesserung und Komplikationen bei SEMS und Radiatio Prospektiv-randomisierte Multicenter-Studie mit einer Gruppe SEMS und einer Gruppe SEMS plus Radiatio
4 Kann in der palliativen Therapie mit der Kryospray-Therapie eine Verbesserung der Dysphagie erreicht werden? Erste Kohortenstudien legen nahe, dass mit der Kryospray-Therapie eine Verbesserung der Dysphagie ähnlich wie bei SEMS-Anlage erreicht werden kann. Prospektive multizentrische Kohortenstudie