Leitlinienprogramm OnkologieMagenkarzinom

19. Forschungsfragen – Magenkarzinom

Version 3.1 · Oktober 2025 · AWMF 032-009OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Tabelle 20: Forschungsfragen der Version 3

Nr.

Forschungsfragen

1. Mechanismen der Therapieresistenz

1.

Molekulare Mechanismen:  Welche genetischen, epigenetischen oder metabolischen Veränderungen führen zur primären oder erworbenen Resistenz gegenüber systemischer Chemotherapie?

2.

Tumorheterogenität:  Wie trägt die intratumorale Heterogenität dazu bei, dass nur ein Teil der Tumorzellen auf die Behandlung anspricht?

3.

Mikroumgebung: Wie beeinflusst die Tumormikroumgebung (z. B. Immunzellen, Fibroblasten, Hypoxie) die Resistenz gegenüber Chemo- und/oder Strahlentherapie?

2. Optimierung der neoadjuvanten Therapie

1.

Timing und Sequenz: Was ist der optimale Zeitpunkt für und die ideale Sequenz von Chemotherapie, Radiotherapie und chirurgischem Eingriff?

2.

Therapieintensität:  Wie kann die Dosisintensität angepasst werden, um maximale Wirksamkeit bei minimalen Nebenwirkungen zu erzielen?

3.

Prädiktive Marker (neo-adjuvant/peri-operativ): Welche Biomarker können das Ansprechen auf neoadjuvante Therapien vorhersagen und Patientengruppen identifizieren, die am meisten profitieren?

3. Kombinationstherapien

1.

Immuntherapie-Kombinationen:  Kann die Kombination von neoadjuvanter Chemotherapie oder Radiochemotherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (z. B. Anti-PD-1/PD-L1) die Wirksamkeit erhöhen?

2.

Kombination von Immun- und zielgerichteter Therapie:  Welche molekularen Marker können die Kombination von zielgerichteten Therapien (z. B. HER2-, FGFR-, oder VEGF-Inhibitoren) mit Immuntherapien in fortgeschrittenen Stadien leiten?

3.

Neoantigen-Ansätze:  Wie können personalisierte Neoantigen-basierte Impfstoffe oder Zelltherapien (z. B. CAR-T-Zellen) in Kombination mit bestehenden Therapien eingesetzt werden?

4.

Dual-Checkpoint-Blockade:  Kann die Kombination von Anti-CTLA-4- und Anti-PD-1/PD-L1-Therapien eine synergistische Wirkung bei gastroösophagealen Tumoren erzielen?

5.

Immunmodulation durch Strahlentherapie:  Kann die Strahlentherapie so eingesetzt werden, dass sie Immunantworten verstärkt (z. B. durch Abscopal-Effekte)?

6.

Tumor-Mikroumgebung:  Wie können kombinatorische Ansätze die Immununterdrückung in der Tumormikroumgebung überwinden und gleichzeitig die antitumorale Immunität fördern?

7.

Prädiktive Biomarker-Identifikation (palliativ): Welche Biomarker können die Effektivität von Immun- und molekularen Kombinationstherapien vorhersagen?

8.

Mikrobiom-Modulation:  Kann die Modulation des Mikrobioms z.B. durch Probiotika oder Antibiotika die Wirksamkeit von Chemo- oder Radiotherapie steigern?

4. Personalisierung der Therapie

1.

Patientenstratifizierung: Welche molekularen Profile (z. B. Genom-, Transkriptom- oder Proteomanalysen) können zur Stratifizierung von Patienten herangezogen werden, um die Therapie besser anzupassen?

2.

Therapieabbruch oder Eskalation:  Wie können Patienten identifiziert werden, die auf eine deeskalierte Therapie ansprechen oder diejenigen, die von einer intensiveren Behandlung profitieren würden?

5. Radiochemotherapie-spezifische Fragen

1.

Sensitizer-Strategien:  Welche Wirkstoffe können als Radiosensitizer eingesetzt werden, um die Wirksamkeit der Strahlentherapie zu erhöhen?

2.

Nebenwirkungsmanagement:  Wie können Strahlenschäden an umliegenden Organen minimiert werden (z. B. Lunge, Herz bei Radiotherapie des gastroösophagealen Übergangs, Rektum bei Rektal- oder Analkarzinom)?

3.

Adaptive Strahlentherapie:  Welche Vorteile bietet eine adaptive Strahlentherapie, die auf Bildgebung basiert, um Tumorveränderungen während der Therapie zu berücksichtigen?

6. Langzeitwirkungen und Lebensqualität

1.

Langzeitauswirkungen der Chemotherapie:  Welche langfristigen Nebenwirkungen (z. B. neurokognitive Defizite, Kardiotoxizität) treten bei Patienten auf, die sich einer Chemotherapie oder Radiochemotherapie unterzogen haben?

2.

Postoperative Lebensqualität:  Wie beeinflussen neoadjuvante Therapien die postoperative Lebensqualität, insbesondere bei radikalen Resektionen wie Ösophagektomien?

3.

Ernährungsstatus:  Wie kann der Ernährungsstatus während und nach neoadjuvanten Therapien optimiert werden, um postoperative Komplikationen zu vermindern und die postoperative Genesung zu fördern?

4.

Ernährungsstatus: Klinischer Nutzen der Ernährungstherapie beim Magenkarzinom im Rahmen eines multimodalen Konzepts und Chirurgie im ERAS-Programm-Bedeutung einer Prähabilitation vor Gastrektomie

5.

Ernährungsstatus: Nutzen der Supplementierung mit einzelnen oder kombinierten immunmodulierenden Substraten einschließlich Synbiotika bei Magenkarzinom - knüpft an in verschiedenen chirurgischen Subgruppen

6.

Ernährungsstatus:  Beginn einer supplementierenden parenteralen Ernährung nach Gastrektomie

7.

Ernährungsstatus: Bedeutung der Ernährungstherapie in der poststationären ambulanten Phase nach Gastrektomie - Ernährungsstatus, PROMS

7. Therapieversagen und Metastasenbildung

1.

Mikrometastasen:  Wie können neoadjuvante Therapien besser auf Mikrometastasen abzielen, die nicht durch bildgebende Verfahren erkannt werden?

2.

Minimal Residual Disease (MRD):  Wie kann MRD nach neoadjuvanter Therapie zuverlässig detektiert und behandelt werden (liquid biopsy)?

3.

Metastase-präventive Ansätze:  Welche Strategien können die Ausbreitung von Tumorzellen während oder nach der neoadjuvanten Therapie verhindern?

8. Rolle von Organoiden und präklinischen Modellen

1.

Therapieansprechen vorhersagen:  Können patientenspezifische Organoide verwendet werden, um das Ansprechen auf Therapien vorherzusagen?

2.

High-throughput-Screening:  Können Organoide genutzt werden, um neue Kombinationsansätze für Therapien zu identifizieren?

9. Palliative Therapie

1.

Lebensqualität:  Welche Ansätze können die Lebensqualität von Patienten mit fortgeschrittenem gastroösophagealen Krebs verbessern?

2.

Ernährungsunterstützung:  Können mit enteraler oder parenteraler Ernährung in der palliativen Phase Gewichtsverlust und insbesondere Muskelverlust verhindert werden?

3.

Stoffwechselmodulation:  Können medikamentöse Ansätze einen Gewichts- und Muskelverlust verhindern?

4.

Multimodale Therapie:  Können multiprofessionelle Ansätze einschl. Ernährung, Bewegung und psychosozialer Unterstützung einen Gewichts- und Muskelverlust verhindern.

5.

Symptomkontrolle:  Welche medikamentösen oder nicht-medikamentösen Ansätze sind am wirksamsten bei der Kontrolle von Symptomen wie Dysphagie, Übelkeit oder gastrointestinalen Blutungen?

6.

Therapieentscheidung:  Wie kann eine ausgewogene Gewichtung zwischen Therapieintensität und Patientenwünschen in der palliativen Behandlung erreicht werden?

10. Nachsorge

1.

Minimal Residual Disease (MRD):  Wie effektiv ist die Detektion von minimaler Resterkrankung (MRD) durch Flüssigbiopsien und zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) für die Prognose und das Management von Rezidiven?

2.

Langzeitüberwachung von Nebenwirkungen:  Wie können langfristige Nebenwirkungen (z. B. Kardiotoxizität, neurokognitive Defizite) systematisch überwacht und rechtzeitig behandelt werden?

3.

Tumormarker-Überwachung:  Welche Rolle spielen Tumormarker (z. B. CEA, CA 19-9) in der Nachsorge zur frühzeitigen Erkennung von Rezidiven oder Progression?

11. Prävention und Screening

1.

Prävention:  Unter welchen Bedingungen wäre ein bevölkerungsbasiertes oder zielgerichtetes Screen-and-Treat von H. pylori in Deutschland kosteneffektiv.

2.

Früherkennung:  Welche Kriterien können helfen, Individuen zu identifizieren, die von einer Vorsorgegastroskopie profitieren.