15. Forschungsfragen – Follikuläres Lymphom
Leitung: Oliver Weigert
Ko-Leitung: Alexandra Nieters
Christiane Pott, Klaus Herfarth, Michael Unterhalt, Kai Hübel, Peter Dreger, Christian Buske, Eva Hoster, Andreas Schüring, Christoph Dietrich, Wolfgang Hiddemann
In vielen Bereichen der Diagnostik und Therapie des follikulären Lymphoms besteht Forschungsbedarf, der von onkologisch tätigen Ärzten und Patienten unterstützt werden sollte.
- Konsens
- Konsens
Hintergrund
Es wurden Fragen priorisiert, die unmittelbar die Leitlinie selbst oder in der Leitlinie besprochene Themen betreffen. Fragen zur Grundlagenforschung konnten in diesem Rahmen nicht berücksichtigt werden. Die Leitliniengruppe verweist ausdrücklich auf die Konsensus-Empfehlungen der American Society of Hematology [439] und der European Hematology Association [440].
15.1 Versorgungsforschung
Es ist nicht geklärt, inwieweit die Leitlinieninhalte in der Praxis umgesetzt werden und welchen Einfluss dies auf die Versorgung hat. Die Leitliniengruppe befürwortet deshalb die Entwicklung von Evaluationsprogrammen zur Leitlinienanwendung, inklusive gesundheitsökonomischer Analysen und den Aufbau von Registern und sogenannter „Survivor-Kohorten“.
15.2 Therapieindikation
Die Leitliniengruppe sieht weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich robuster, klinisch relevanter Kriterien zur Entscheidungsfindung bzgl. Therapiebedarfs.
15.3 Biobanking
Eine besondere Herausforderung ist die zunehmende Verfügbarkeit zahlreicher neuer therapeutischer Substanzen und Therapieverfahren. Die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten und langen Behandlungszeiträume übersteigen die Kapazität dessen, was in klinischen Studien realistisch und zeitnah getestet werden kann. Um die vielversprechendsten Therapieoptionen priorisieren zu können, bedarf es überzeugender präklinischer Modelle. Die Leitliniengruppe befürwortet deswegen eine Ausweitung von Biobanking-Programmen (inkl. longitudinaler Asservierung von primärem Patientenmaterial im Krankheitsverlauf) und eine Stärkung translationaler Forschungsinitiativen.
15.4 Patientenstratifikation
Die außergewöhnlich unterschiedlichen individuellen Krankheitsverläufe stellen eine weitere Herausforderung dar. Die Leitliniengruppe sieht dringenden Forschungsbedarf, Algorithmen zur risikoadaptierten Patientenstratifikation zu entwickeln. Die Leitliniengruppe unterstützt außerdem translationale Forschungsprogramme mit dem Ziel, biologieadaptierte Therapiealgorithmen zu entwickeln.
Hinsichtlich folgender Fragen besteht aktuell vorrangiger Forschungsbedarf:
- Identifikation, Exploration und Validierung von Biomarkern hinsichtlich ihrer prognostischen und prädiktiven Vorhersagekraft.
- Stellenwert und optimierte Methodik zur Diagnostik der minimalen Resterkrankung (MRD) sowie der funktionellen Bildgebung (inkl. neuer und innovativer Ansätze), zu Beginn, während, und nach Abschluss der Therapie.
- Vergleichende und integrative Analysen verschiedener prädiktiver/prognostischer (Bio-)Marker, insbesondere auch hinsichtlich klinischer Praktikabilität und unter ökonomischen Gesichtspunkten.
15.5 Beurteilung des Therapieerfolgs
Aufgrund des oftmals indolenten Krankheitsverlaufs befürwortet die Leitliniengruppe die weitere Entwicklung und systemische Evaluation innovativer, klinisch relevanter Surrogatmarker zur zeitnahen Beurteilung des Therapieerfolgs und ggf. zur Therapiesteuerung.
15.6 Diagnostik und Therapie limitierter Stadien des follikulären Lymphoms
Die Leitliniengruppe sieht vorrangig Forschungsbedarf hinsichtlich folgender Themen:
- Vergleichende Studien zur Definition der optimalen Strahlentherapie (Bestrahlungsmodalität, -dosis, und -feld) in Kombination mit systemischer Therapie in Hinblick auf Wirksamkeit, (Langzeit-) Toxizität und Lebensqualität, auch unter ökonomischen Gesichtspunkten.
- Stellenwert einer Erhaltungstherapie.
15.7 Diagnostik und Therapie fortgeschrittener Stadien des follikulären Lymphoms
Die Leitliniengruppe sieht vorrangig Forschungsbedarf hinsichtlich folgender Themen:
- Modifikation der Therapie im Verlauf aufgrund von funktioneller Bildgebung oder Biomarkerdynamik.
- Individualisierung und Optimierung der Erhaltungstherapie.
- Explorative Studien zur Wirksamkeit und Toxizität chemotherapiefreier Therapieregime.
- Vergleichende Studien zur optimalen Integration molekular-zielgerichteter Therapieoptionen in etablierte Therapiealgorithmen.
- Entwicklung stratifizierter Studienkonzepten mit dem Ziel, Übertherapien von Patienten mit günstigem Risiko zu vermeiden und alternative Therapieoptionen bei Patienten mit ungünstigem Risiko zu priorisieren.
- Beurteilung des Stellenwerts der autologen Stammzelltransplantation für ausgewählte Patienten mit Hochrisikoerkrankung.
15.8 Diagnostik und Therapie des Rezidivs
Die Leitliniengruppe sieht vorrangig Forschungsbedarf hinsichtlich folgender Themen:
- Identifizierung wirksamer Therapiestrategien für Patienten, die nicht auf eine initiale Immunchemotherapie ansprechen oder mit frühem Progress nach Erstlinientherapie.
- Definition von Subgruppen, die besonders oder kaum von molekular-zielgerichteten Therapien profitieren.
- Stellenwert der autologen und allogenen Stammzelltransplantation im Kontext moderner Therapieoptionen.
- Definition der optimalen Sequenz verschiedener Therapieoptionen.
15.9 Diagnostik und Therapie von Subgruppen
Die Leitliniengruppe sieht vorrangig Forschungsbedarf hinsichtlich folgender Themen:
Definition der klinischen Relevanz von Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Subgruppen und den typischen Formen des follikulären Lymphoms.
Literaturhinweise
[439] Weinstock, D. M., Dalla-Favera, R., Gascoyne, R. D., Leonard, J. P., Levy, R., Lossos, I. S., et.al. A roadmap for discovery and translation in lymphoma, Blood, 2015. 125(13): p. 2175-7., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25814490
[440] Engert, A., Balduini, C., Brand, A., Coiffier, B., Cordonnier, C., Dohner, H., et.al. The European Hematology Association Roadmap for European Hematology Research: a consensus document, Haematologica, 2016. 101(2): p. 115-208., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26819058