Leitlinienprogramm OnkologieEndometriumkarzinom

15. Anhang – Endometriumkarzinom

Version 4.1 · Juli 2026 · AWMF 032-034OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

15.1 Kriterien zur Lynch-Syndrom-Diagnostik: extrakolonische Manifestationen

15.1.1 Amsterdam-II-Kriterien

Alle Kriterien müssen zutreffen:

  1. Mindestens drei Familienangehörige mit histologisch gesichertem kolorektalem Karzinom oder einem Karzinom des Endometriums, Dünndarms, Ureters oder Nierenbeckens, davon einer mit den beiden anderen erstgradig verwandt; FAP muss ausgeschlossen sein.
  2. Wenigstens zwei aufeinander folgende Generationen sind betroffen.
  3. Bei mindestens einem Patienten Diagnosestellung vor dem Alter von 50 Jahren.

Quelle: [852], Institut für Humangenetik Bonn: https://www.humangenetics.uni-bonn.de/de/beratung/diagnostik/Molekulargenetische-Diagnostik/hereditaeres-nicht-polypoeses-kolonkarzinom-hnpcc-lynch-syndrom/klinische-kriterien-fuer-hnpcc; Abruf am 24.08.2017.

 

15.1.2 Revidierte Bethesda-Kriterien

Tumoren von Patienten sollten auf das Vorliegen einer Mismatch-Reparatur-Defizienz in folgenden Fällen untersucht werden:

  1. Patienten mit kolorektalem Karzinom vor dem 50. Lebensjahr.
  2. Patienten mit synchronen oder metachronen kolorektalen Karzinomen oder anderen HNPCC-assoziierten Tumoren*, unabhängig vom Alter.
  3. Patienten mit kolorektalem Karzinom mit MSI-H Histologie** vor dem 60. Lebensjahr.
  4. Patient mit kolorektalem Karzinom (unabhängig vom Alter), der einen Verwandten 1. Grades mit einem kolorektalen Karzinom oder einem HNPCC-assoziierten Tumor vor dem 50. Lebensjahr hat.
  5. Patient mit kolorektalem Karzinom (unabhängig vom Alter), der mindestens zwei Verwandte 1. oder 2. Grades hat, bei denen ein kolorektales Karzinom oder ein HNPCC-assoziierter Tumor (unabhängig vom Alter) diagnostiziert wurde.

*zu den HNPCC-assoziierten Tumoren gehören Tumoren in: Kolorektum, Endometrium, Magen, Ovarien, Pankreas, Urothel, Gallengang, Dünndarm und Gehirn (meist Glioblastome wie bei Turcot-Syndrom) sowie Talgdrüsenadenome und Keratoakanthome (bei Muir-Torre-Syndrom)

**Vorliegen von Tumor-infiltrierenden Lymphozyten, Crohn-ähnlicher lymphozytärer Reaktion, muzinöser/Siegelring-Differenzierung, oder medullärem Wachstumsmuster.

Quelle: [689], Institut für Humangenetik Bonn: https://www.humangenetics.uni-bonn.de/de/beratung/diagnostik/Molekulargenetische-Diagnostik/hereditaeres-nicht-polypoeses-kolonkarzinom-hnpcc-lynch-syndrom/klinische-kriterien-fuer-hnpcc; Abruf am 24.08.2017.

15.2 Änderungen in der Version 4

Tabelle 20: Übersicht der Änderungen in Version 4

Version 3.0

Version 4.01

Änderung

 

3.17

neu 2025

 

Die Destruktion des Endometriums mittels Endometriumablation oder Endometriumresektion ist mit einem reduzierten Risiko für das Auftreten eines Endometriumkarzinoms assoziiert.

4.6

4.6

modifiziert 2025

Bei asymptomatischen Patientinnen unter einer Tamoxifentherapie soll die transvaginale Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung eines Endometriumkarzinoms nicht durchgeführt werden.

Bei asymptomatischen Patientinnen unter einer Tamoxifentherapie soll die transvaginale Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung eines Endometriumkarzinoms nicht durchgeführt werden. Dies gilt auch für die verlängerte Therapie über 10 Jahre.

 

4.7

neu 2025

 

Asymptomatischen postmenopausalen Frauen sollte im Fall einer transvaginalsonographischen Verdachtsdiagnose eines verdickten Endometriums >10 mm eine histologische Abklärung angeboten werden.

 

4.8

neu 2025

 

Asymptomatischen postmenopausalen Frauen kann im Fall der transvaginalsonographischen Verdachtsdiagnose eines Endometriumpolypen abhängig von der Sonomorphologie und vom individuellen Risikoprofil eine Hysteroskopie und Abrasio bzw. Resektion angeboten werden. Bei sonographisch unauffälligen Endometriumpolypen sollte in Abwesenheit relevanter Risikofaktoren konservativ vorgegangen werden.

 

4.30

modifiziert 2025

 

Aufgrund einer möglichen therapeutischen Konsequenz sollte beim serösen Endometriumkarzinom im primär fortgeschrittenen Stadium oder im Rezidivfall eine immunhistochemische Bestimmung des HER2-Status erfolgen.

 

4.37

neu 2025

 

Zur besseren Fixierung des Uterus kann das Präparat ,mercedesstern-förmig‘ aufgeschnitten werden, um ein besseres Eindringen des Fixierungsmittels in das Endometrium zu gewährleisten.

4.35

4.38

modifiziert 2025

Der Befundbericht eines Hysterektomiepräparates beim Endometriumkarzinom soll folgende Angaben beinhalten:      histologischer Typ nach WHO (bei gemischten Tumoren Komponenten in %)     Grading     Staging (pT)     Nachweis/Fehlen von Lymph- oder Blutgefäßeinbrüchen (L- und V-Status)     Nachweis/Fehlen von Perineuralscheideninfiltraten (Pn-Status)     metrische Angabe der Invasionstiefe im Verhältnis zur Myometriumdicke in cm/mm     metrische Angabe der größten Tumorausdehnung in cm/mm     bei vorliegender Scheideninfiltration metrische Angabe des minimalen Abstandes zum vaginalen Resektionsrand    R-Klassifikation (UICC)

Der Befundbericht eines Hysterektomiepräparates beim Endometriumkarzinom soll folgende Angaben beinhalten:

  •          histologischer Typ nach WHO (bei gemischten Tumoren Komponenten in %)
  •          Grading
  •          Staging (pT)
  •          Nachweis/Fehlen von Lymph- oder Blutgefäßeinbrüchen (L- und V-Status)
  •          Nachweis/Fehlen von Perineuralscheideninfiltraten (Pn-Status)
  •          metrische Angabe der Invasionstiefe im Verhältnis zur Myometriumdicke in cm/mm
  •          metrische Angabe der größten Tumorausdehnung in cm/mm
  •          bei vorliegender Scheideninfiltration metrische Angabe des minimalen Abstandes zum vaginalen Resektionsrand
  •          R-Klassifikation (UICC)

 

4.39

neu 2025

 

Die FIGO-Klassifikation 2023 sollte als Teil der Information zum Tumorrisiko angegeben werden.

4.37

4.41

modifiziert 2025

Eine routinemäßige immunhistochemische Analyse der MMR-Proteine soll bei einer Endometriumhyperplasie nicht erfolgen.

Eine routinemäßige immunhistochemische Analyse der MMR-Proteine sollte bei histologischem Nachweis einer atypischen Endometriumhyperplasie nicht erfolgen.

4.38

4.42

modifiziert 2025

Die MSI-Analyse beim Endometriumkarzinom soll primär immunhistochemisch erfolgen.  Der primäre Einsatz von zwei Antikörpern (MSH-6 und PMS-2) ist möglich, mit Ergänzung des jeweiligen Partnerantikörpers (MSH2 bzw. MLH1) bei negativem Ergebnis.  Die immunhistochemische Analyse der MMR-Proteine soll indikationsbezogen durch molekularpathologische Methoden (MLH-1-Promotormethylierung, MSI-PCR) ergänzt werden.  Eine alleinige Verwendung molekularpathologischer Methoden soll nicht erfolgen.  Die kombinierte Analyse mittels Immunhistochemie und Molekularpathologie soll nicht routinemäßig erfolgen.

Die MSI-Analyse beim Endometriumkarzinom soll primär immunhistochemisch erfolgen.

Der primäre Einsatz von zwei Antikörpern (MSH-6 und PMS-2) ist möglich, mit Ergänzung des jeweiligen Partnerantikörpers (MSH2 bzw. MLH1) bei negativer immunhistochemischer Reaktion gegenüber MSH-6 bzw. PMS-2.

Die immunhistochemische Analyse der MMR-Proteine soll indikationsbezogen durch molekularpathologische Methoden (MLH-1-Promotormethylierung, MSI-PCR) ergänzt werden.

Eine alleinige Verwendung molekularpathologischer Methoden soll nicht erfolgen.

Die kombinierte Analyse mittels immunhistochemie und Molekularpathologie soll nicht routinemäßig erfolgen.

4.39

4.43

modifiziert 2025

Jedes neu diagnostizierte Endometriumkarzinom soll unabhängig vom Alter und dem histologischen Subtyp auf MMR-Defekt/MSI untersucht werden.     Die MMR-/MSI-Analyse dient somit auch der Identifikation von Patientinnen, denen eine humangenetische Beratung angeboten werden soll.

Jedes neu diagnostizierte Endometriumkarzinom soll unabhängig vom Alter und dem histologischen Subtyp auf MMR-Defekt/MSI untersucht werden.

4.41

4.45

modifiziert 2025

Bei G3 oder bei intermediate, high intermediate und high risk Endometriumkarzinom soll eine Mutationsanalyse der Exonuclease-Domäne von POLE durchgeführt werden.

Eine Mutationsanalyse der Exonuclease-Domäne von POLE soll bei den molekularen Subtypen p53mt/abn und MMRd durchgeführt werden.

4.42

4.46

modifiziert 2025

Die molekulare Klassifikation (P53 und MMR-Defizienz) soll präoperativ erfolgen, d. h. am Abradat oder der Endometriumbiopsie.

Die immunhistochemische Analyse von p53 und der MMR-Proteine soll präoperativ am Abradat oder der Endometriumbiopsie erfolgen.

 

5.5

neu 2025

 

Bei Vorliegen einer atypischen Endometriumhyperplasie kann im Rahmen der Durchführung einer Hysterektomie eine Sentinel-Lymphadenektomie durchgeführt werden.

 

5.12

neu 2025

 

Eine fertilitätserhaltende hormonelle Therapie einer atypischen Endometriumhyperplasie sollte mit einem Levonorgestrel-abgebenden Intrauterinpessar (52 mg) für die Dauer von mindestens 6 Monaten erfolgen. Alternativ können auch Medroxyprogesteronacetat 200-250 mg/d/p.o.) oder Megestrolacetat (160-200 mg/d/p.o.) verwendet werden.

 

5.14

neu 2025

 

Frauen <45 Jahren mit Endometriumkarzinom sollen über das hohe Risiko eines gleichzeitig bestehenden Ovarialkarzinoms bzw. einer Ovarialmetastasierung aufgeklärt werden.

5.13

5.15

modifiziert 2025

Bei Frauen mit nicht abgeschlossener Familienplanung und Endometriumkarzinom und Wunsch nach Fertilitätserhalt können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn die Patientin darüber aufgeklärt wurde, dass die fast immer zur Heilung führende Standardbehandlung die totale Hysterektomie ist und die Patientin auf die kurative Behandlung eines Malignoms vorübergehend auf eigene Verantwortung verzichtet, in Kenntnis der möglicherweise fatalen Folgen (Progression der Erkrankung, Metastasierung), selbst wenn eine Schwangerschaft ausgetragen wird.

Bei Frauen mit nicht abgeschlossener Familienplanung und Endometriumkarzinom mit niedrigem Risiko (low risk entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) und Wunsch nach Fertilitätserhalt können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn die Patientin darüber aufgeklärt wurde, dass die fast immer zur Heilung führende Standardbehandlung die totale Hysterektomie ist und die Patientin auf die kurative Behandlung eines Malignoms vorübergehend auf eigene Verantwortung verzichtet, in Kenntnis der möglicherweise fatalen Folgen (Progression der Erkrankung, Metastasierung), selbst wenn eine Schwangerschaft ausgetragen wird.

5.14

5.16

modifiziert 2025

Bei Wunsch nach Uteruserhalt können bei Vorliegen eines frühen Endometriumkarzinoms Uterus und Adnexe erhalten werden, wenn der Patientin eine Beratung durch einen Reproduktionsmediziner zur Beurteilung der Chancen der Erfüllung eines Kinderwunsches empfohlen wurde.

Bei Wunsch nach Uteruserhalt können bei Vorliegen eines Endometriumkarzinoms mit niedrigem Risiko (low risk entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) Uterus und Adnexe erhalten werden, wenn der Patientin eine reproduktionsmedizinische Beratung zur Beurteilung der Chancen der Erfüllung eines Kinderwunsches empfohlen wurde.

5.15

5.17

modifiziert 2025

Bei Wunsch nach Uteruserhalt und frühem Endometriumkarzinom können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn die Patientin mit engmaschiger Kontrolle einverstanden ist und die Aufklärung über die Notwendigkeit der Hysterektomie nach Erfüllung oder Aufgabe des Kinderwunsches erfolgt ist.

Bei Wunsch nach Uteruserhalt und Vorliegen eines  Endometriumkarzinoms mit niedrigem Risiko (low risk entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn die Patientin mit engmaschigen Kontrollen einverstanden ist und eine Aufklärung über die Notwendigkeit der Hysterektomie nach Erfüllung oder Aufgabe des Kinderwunsches erfolgt ist.

5.16

5.18

modifiziert 2025

Bei frühem Endometriumkarzinom und Wunsch nach Erhalt der Fertilität können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn durch eine Hysteroskopie mit gezielter Biopsie oder mit Abrasio und Beurteilung durch einen in gynäkologischer Pathologie erfahrenen Pathologen die Diagnose eines gut differenzierten (G1) endometrioiden EC, das Progesteronrezeptoren exprimiert, gestellt wurde.

Bei Endometriumkarzinom mit niedrigem Risiko (low risk entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) und Wunsch nach Erhalt der Fertilität können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn durch eine Hysteroskopie mit gezielter Biopsie oder mit Abrasio und pathologischer Beurteilung die Diagnose eines low risk Endometriumkarzinoms (entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) gestellt wurde.

5.17

5.19

modifiziert 2025

Bei frühem Endometriumkarzinom (pT1a, G1) und Wunsch nach Erhalt der Fertilität können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn durch Laparoskopie mit vaginalem Ultraschall oder mit MRT ein Adnexbefall bzw. eine myometrane Infiltration soweit wie möglich ausgeschlossen wurde.

Bei Endometriumkarzinom mit niedrigem Risiko (low risk entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) und Wunsch nach Erhalt der Fertilität können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn durch Laparoskopie mit vaginalem Ultraschall oder mit MRT ein Adnexbefall bzw. eine myometrane Infiltration so weit wie möglich ausgeschlossen wurde.

5.18

5.20

modifiziert 2025

Bei frühem Endometriumkarzinom und Wunsch nach Fertilitätserhalt können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn eine suffiziente medikamentöse Behandlung mit Medroxyprogesteronacetat oder Megestrolacetat oder einem Levonorgestrel-IUP erfolgt.

Bei Endometriumkarzinom mit niedrigem Risiko (low risk entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) und Wunsch nach Fertilitätserhalt können Uterus und Adnexe belassen werden, wenn eine suffiziente medikamentöse Behandlung mit einem Levonorgestrel-IUP (52 mg) oder Medroxyprogesteronacetat 200-250 mg/d/p.o.) oder Megestrolacetat (160-200 mg/d/p.o.) erfolgt.

5.19

5.21

modifiziert 2025

Wenn nach sechsmonatiger konservativer Behandlung eine komplette Remission des Endometriumkarzinoms zu verzeichnen ist, sollte ggf. in Kooperation mit einem Reproduktionsmediziner (m/w/d) die geplante Schwangerschaft angestrebt werden.

Wenn nach zumindest sechsmonatiger konservativer Behandlung eine komplette Remission des Endometriumkarzinoms zu verzeichnen ist, sollte ggf. in Kooperation mit einem/r Reproduktionsmediziner/in die geplante Schwangerschaft angestrebt werden.

5.20

5.22

modifiziert 2025

Bei EC-Patientinnen (pT1a ohne Myometriuminfiltration, G1) ohne aktuellen Kinderwunsch sollte eine Erhaltungstherapie (Levonorgestrel-IUP, orale Kontrazeptiva, zyklische Gestagene) erfolgen und alle 6 Monate eine Endometriumbiopsie durchgeführt werden.

Bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom mit niedrigem Risiko (low risk entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) ohne aktuellen Kinderwunsch sollte eine Erhaltungstherapie (Levonorgestrel-IUP, orale Kontrazeptiva, zyklische Gestagene) erfolgen und alle 6 Monate eine Endometriumbiopsie durchgeführt werden.

 

5.24

neu 2025

 

Bei Fertilitätserhalt im Fall eines Endometriumkarzinoms mit niegrigem Risiko (laut ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation) kann eine L1CAM-Bestimmung am Tumorgewebe zur weiteren Differenzierung der Prognose durchgeführt werden.

5.22

5.25

modifiziert 2025

Bei Wunsch nach Uteruserhalt können bei Vorliegen eines endometrioiden Adenokarzinoms des Endometriums cT1A, G1 ohne Hinweis auf Myometriuminfiltration, mit Expression des Progesteronrezeptors Uterus und Adnexe belassen werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:   Information, dass die fast immer zur Heilung führende Standardbehandlung die totale Hysterektomie ist, Einverständnis mit engmaschiger Nachsorge, Aufklärung über Notwendigkeit der Hysterektomie nach Erfüllung oder Aufgabe des Kinderwunsches, zur Diagnosesicherung Hysteroskopie mit gezielter Biopsie oder Abrasio, Laparoskopie mit vaginalem Ultraschall oder mit MRT zum Ausschluss eines Adnexbefalls/einer myometranen Infiltration, Diagnose durch einen in der gynäkologischen Pathologie erfahrenen Pathologen gestellt oder bestätigt, Behandlung mit MPA oder MGA oder LNG-IUD, nach 6 Monaten erneute Hysteroskopie mit Abrasio sowie Bildgebung. Wenn kein Ansprechen, Hysterektomie, bei kompletter Remission Anstreben der Schwangerschaft (Reproduktionsmediziner), falls aktuell kein Kinderwunsch besteht: Erhaltungstherapie und alle 6 Monate Endometriumbiopsie, nach Erfüllung oder Aufgabe des Kinderwunsches: totale Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation empfehlen.

Bei Wunsch nach Uteruserhalt können bei Vorliegen eines Endometriumkarzinoms mit niedrigem Risiko (low risk entsprechend ESGO/ESTRO-Risikoklassifikation) Uterus und Adnexe belassen werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  •          Information, dass die fast immer zur Heilung führende Standardbehandlung die totale Hysterektomie ist,
  •          Einverständnis mit engmaschiger Nachsorge,
  •          Aufklärung über Notwendigkeit der Hysterektomie nach Erfüllung oder Aufgabe des Kinderwunsches,
  •          zur Diagnosesicherung Hysteroskopie mit gezielter Biopsie oder Abrasio,
  •          Laparoskopie mit vaginalem Ultraschall oder MRT zum Ausschluss eines Adnexbefalls/einer myometranen Infiltration,
  •          Diagnose durch eine/n in der gynäkologischen Pathologie erfahrenen Pathologen/in gestellt oder bestätigt,
  •          Behandlung mit LNG-IUD (52 mg) oder MPA oder MGA,
  •          nach 6 Monaten erneute Hysteroskopie mit Abrasio sowie Bildgebung. Wenn kein Ansprechen, Hysterektomie,
  •          bei kompletter Remission Anstreben der Schwangerschaft (Reproduktionsmediziner (m/w/d)),
  •          falls aktuell kein Kinderwunsch besteht: Erhaltungstherapie und alle 6 Monate Endometriumbiopsie,
  •          nach Erfüllung oder Aufgabe des Kinderwunsches: totale Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation empfehlen.

6.1

6.1

modifiziert 2025

Beim Endometriumkarzinom cT2 bzw. pT2 (mit histologischem Nachweis eines Befalls des Zervixstromas) ohne klinischen Verdacht auf eine Parametrieninfiltration soll keine radikale Hysterektomie (Parametrienresektion) durchgeführt werden.

Beim Endometriumkarzinom cT2 bzw. pT2 (mit histologischem Nachweis eines Befalls des Zervixstromas) ohne klinischen Verdacht auf eine Parametrieninfiltration soll keine radikale Hysterektomie durchgeführt werden.

6.2

6.2

modifiziert 2025

Alle suspekten oder palpatorisch bzw. makroskopisch vergrößerten Lymphknoten sollen entfernt werden.

Bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom sollen Lymphknoten, die bei der laparoskopischen oder offenen Inspektion der Bauchhöhle vergrößert erscheinen und/oder palpatorisch auffällig sind („bulky nodes“), entfernt werden.

6.4

6.3

modifiziert 2025

Wenn bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom ein operatives LK-Staging durchgeführt wird, soll dies nicht als Sampling durchgeführt werden, sondern als systematische LNE oder Sentinel-Node-Biopsie.

Wenn bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom ein operatives LK-Staging durchgeführt wird, soll dies nicht als Sampling durchgeführt werden, sondern als Sentinel-Lymphadenektomie oder als Sentinel-gestützte systematische LNE oder als systematische LNE.

 

6.4

neu 2025

 

Beim low risk Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation), kann eine Sentinel-Lymphadenektomie durchgeführt werden.

 

6.5

neu 2025

 

Beim intermediate risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) soll eine Sentinel-Lymphadenektomie durchgeführt werden.

 

6.6

neu 2025

 

Beim high-intermediate risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) soll eine Sentinel-Lymphadenektomie durchgeführt werden.

 

6.7

neu 2025

 

Beim high risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) soll eine Sentinel-Lymphadenektomie oder, falls der Sentinel nicht dargestellt werden kann, eine Sentinel-gestützte systematische pelvine und paraaortale Lymphadenektomie durchgeführt werden.

 

6.10

neu 2025

 

Bei Karzinosarkomen des Uterus soll eine Sentinel-Lymphadenektomie oder eine Sentinel-gestützte systematische pelvine und paraaortale Lymphadenektomie LNE durchgeführt werden.

 

6.13

neu 2025

 

Nach Sentinel-Lymphadenktomie mit Nachweis von metastatischem Tumorbefall (Makro- oder Mikrometastasen) soll keine pelvine Komplettierungslymphadenektomie durchgeführt werden.

 

6.14

neu 2025

 

Derzeit kann aufgrund der Datenlage keine Empfehlung für oder gegen einer paraaortalen Komplettierungslymphadenektomie bei metastatischem Tumorbefall im/in den Sentinel-Lymphknoten gegeben werden.

 

6.15

neu 2025

 

Bei low-risk-Endometriumkarzinom, intermediate-risk-Endometriumkarzinom und high-intermediate risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) im vermuteten Frühstadium soll die Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation durch ein laparoskopisches, robotisch assistiertes oder laparoskopisch assistiertes vaginales Verfahren erfolgen.

 

6.16

neu 2025

 

Bei high-risk-Endometriumkarzinom (entsprechend ESGO/ESTRO-Klassifikation) sollte im vermuteten Frühstadium die Hysterektomie und beidseitige Adnexexstirpation durch ein laparoskopisches, robotisch assistiertes oder laparoskopisch assistiertes vaginales Verfahren erfolgen.

 

7.2

neu 2025

 

Patientinnen mit low-risk-Endometriumkarzinom nach ESGO/ESTRO-Kriterien sollen keine adjuvante Strahlen- oder Chemotherapie erhalten.

 

7.3

neu 2025

 

Patientinnen mit intermediate-risk-Endometriumkarzinom nach ESGO/ESTRO-Kriterien sollen eine adjuvante vaginale Brachytherapie erhalten.

 

7.4

neu 2025

 

Patientinnen mit high-intermediate-risk-Endometriumkarzinom nach ESGO/ESTRO-Kriterien sollen eine adjuvante perkutane Strahlentherapie des kleinen Beckens erhalten.

 

7.5

neu 2025

 

Patientinnen mit high-intermediate-risk-Endometriumkarzinom nach ESGO/ESTRO-mit allen folgenden Kriterien: IB, G3, LVSI negativ/fokal, MMRd/NSMP, N0, können alternativ zur Beckenbestrahlung eine vaginale Brachytherapie erhalten.

 

7.6

neu 2025

 

Patientinnen mit high-risk-Endometriumkarzinom nach ESGO/ESTRO-Kriterien sollen eine adjuvante Chemotherapie mit 6 Zyklen Carboplatin (AUC 5 oder 6) und Paclitaxel (175 mg/m2) oder eine kombinierte Strahlen-Chemotherapie nach dem PORTEC-III-Schema erhalten.

 

7.8

neu 2025

 

Bei Patientinnen mit endometrioidem Endometriumkarzinom und positiven LK, Befall der uterinen Serosa, der Adnexe, der Vagina, der Blase oder des Rektums (Stadien III-IVA) kann alternativ zu einer systemischen Chemotherapie bzw. einer simultanen Radiochemotherapie gefolgt von einer systemischen Chemotherapie nach dem PORTEC-III-Schema auch eine systemische Chemotherapie in Kombination mit einer vaginalen Brachytherapie oder einer sequenziellen perkutanen Radiotherapie erfolgen.

7.20

7.9

modifiziert 2025

Bei Kombination einer Chemotherapie mit alleiniger vaginaler Brachytherapie  kann die Brachytherapie nach oder zwischen den Chemotherapiegaben erfolgen.

Bei Kombination einer Chemotherapie mit alleiniger vaginaler Brachytherapie kann die Brachytherapie nach oder zwischen den Chemotherapiegaben erfolgen.

 

7.11

neu 2025

 

Bei Nachweis von Mikrometastasen in einem Sentinellymphknoten kann eine adjuvante Therapie entsprechend den Empfehlungen für das high-risk Endometriumkarzinom nach ESGO/ESTRO-Kriterien erfolgen.

 

7.12

neu 2025

 

Der alleinige Nachweis von isolierten Tumorzellen (ITCs) in einem Sentinellymphknoten stellt aktuell keine Indikation für eine adjuvante Therapie dar.

9.3

8.3

modifiziert 2025

Bildgebende Untersuchungen und Tumormarkerbestimmungen sollten bei asymptomatischen Patientinnen nicht durchgeführt werden

Bildgebende Untersuchungen, vaginale Zytologie und Tumormarkerbestimmungen sollten bei asymptomatischen und bei klinisch unauffälligen Patientinnen nicht durchgeführt werden.

9.10

8.10

modifiziert 2025

Sofern eine komplette Resektion des Rezidivtumors erreichbar scheint und die Schnittbildgebung keinen Hinweis auf eine Fernmetastasierung ergeben hat, kann eine operative Therapie des Endometriumkarzinom-Rezidivs durchgeführt werden.

Sofern eine komplette Resektion des Rezidivtumors erreichbar scheint und die Schnittbildgebung keinen Hinweis auf eine Fernmetastasierung ergeben hat, sollte eine operative Therapie des Endometriumkarzinom-Rezidivs durchgeführt werden.

9.11

8.11

modifiziert 2025

Es ist nicht belegt, dass eine Exenteration bei Frauen mit Rezidiv nach Endometriumkarzinom gegenüber anderen Therapien oder Best Supportive Care zu einer Verbesserung der Überlebensdauer, der Überlebensrate oder des progressionsfreien Überlebens führt.

Eine operative Zytoreduktion bei Frauen mit Rezidiv nach Endometriumkarzinom kann im Falle einer resttumorfreien Operation zu einer Verbesserung der Überlebensdauer, der Überlebensrate und des progressionsfreien Überlebens führen.

9.19

8.14

modifiziert 2025

Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem  Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-stabilem/mismatch-repair funktionellem Tumorgewebe und Progression nach mindestens einer Linie  Chemotherapie sollte eine kombinierte Immun- und Multikinase-Inhibitortherapie  mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 oder 400 mg i.v. d1, q42) und  Lenvatinib (20 mg p.o. 1 x tgl.) durchgeführt werden. Die hohe Toxizität ist zu  beachten.

Bei Patientinnen mit primär fortgeschrittenem oder rezidiviertem Endometriumkarzinom soll bei Progression nach mindestens einer Linie Chemotherapie eine kombinierte Immun- und Multikinase-Inhibitortherapie mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 oder 400 mg i.v. d1, q42) und Lenvatinib (20 mg p.o. 1 x tgl.) durchgeführt werden, insbesondere im Falle eines mikrosatelliten-stabilen/mismatch-repair funktionellen Rezidivs. Die hohe Toxizität ist zu beachten.        

 

8.16

neu 2025

 

Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem, nicht tumorfrei resektablem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-stabilem/mismatch-repair-profizientem Tumorgewebe (MSS, MSI-L oder pMMR) ohne platinhaltige Vortherapie bzw. mit einem Chemotherapie-freien Intervall >12 Monate soll eine platinbasierte Chemotherapie mit Carboplatin (AUC 5 oder 6) und Paclitaxel (175 mg/m2) in Kombination mit einer Immuntherapie mit Durvalumab (1120 mg, d1, q21) durchgeführt werden, im Fall des Ansprechens gefolgt von Durvalumab (1500 mg, d1, q28) und Olaparib (300 mg 2 x 1 tgl.) in der Erhaltung.

 

8.17

neu 2025

 

Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem, nicht tumorfrei resektablem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-instabilem/mismatch-repair-defizientem Tumorgewebe (MSI-H oder dMMR) ohne platinhaltige Vortherapie, bez. mit einem Chemotherapie-freien Intervall > 12 Monate soll eine platinbasierte Chemotherapie mit Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) in Kombination mit einer Immuntherapie mit Durvalumab (1120 mg, d1, q21), im Fall des Ansprechens gefolgt von Durvalumab (1500 mg, d1, q28) durchgeführt werden.

9.20

8.18

modifiziert 2025

Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem  Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-instabilem/mismatch-repairdefizientem Tumorgewebe (MSI-H oder dMMR) kann nach einer Vorbehandlung  durch eine platinbasierte Chemotherapie eine Immuntherapie mit Dostarlimab (4  Zyklen 500mg i.v. d1, q3w gefolgt von 1000mg i.v. d1, q6w) oder mit  Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 oder 400 mg i.v. d1, q42) durchgeführt  werden. Angesichts der hohen Toxizität der Kombinationstherapie mit einem  Multikinase-Inhibitor kann die Monotherapie bei diesen Patientinnnen bevorzugt  eingesetzt werden.

Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem, nicht tumorfrei resektablem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-instabilem/mismatch-repair-defizientem Tumorgewebe (MSI-H oder dMMR) ohne platinhaltige Vortherapie, bez. mit einem Chemotherapie-freien Intervall > 6 Monate, bzw. >12 Monate, soll eine platinbasierte Chemotherapie mit Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) in Kombination mit einer Immuntherapie mit Dostarlimab (4 Zyklen 500 mg i.v. d1, q21 gefolgt von 1000 mg i.v. d1, q6w als Erhaltungstherapie) oder mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 während der Chemotherapie und 400 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) durchgeführt werden.

9.20

8.19

modifiziert 2025

Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-stabilem/mismatch-repair-profizientem Tumorgewebe (MSI-L oder pMMR) ohne platinhaltige Vortherapie, sollte eine platinbasierte Chemotherapie mit Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) in Kombination mit einer Immuntherapie mit Dostarlimab (4 Zyklen 500 mg i.v. d1, q21 gefolgt von 1000 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) oder mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 während der Chemotherapie und 400 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) durchgeführt werden.

Bei Patientinnen mit rezidiviertem oder primär fortgeschrittenem, nicht tumorfrei resektablem Endometriumkarzinom mit mikrosatelliten-stabilem/mismatch-repair-profizientem Tumorgewebe (MSI-L oder pMMR) ohne platinhaltige Vortherapie bzw. mit einem Chemotherapie-freien Intervall > 6 Monate, bzw. >12 Monate, sollte eine platinbasierte Chemotherapie mit Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175 mg/m2) in Kombination mit einer Immuntherapie mit Dostarlimab (4 Zyklen 500 mg i.v. d1, q21 gefolgt von 1000 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) oder mit Pembrolizumab (200 mg i.v. d1, q21 während der Chemotherapie und 400 mg i.v. d1, q42 als Erhaltungstherapie) durchgeführt werden.

Literaturhinweise

[852] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft e.V.; Stiftung Deutsche Krebshilfe; Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V.),, Entwicklung von leitlinienbasierten Qualitätsindikatoren. Methodenpapier für das Leitlinienprogramm OnkologieLeitlinienprogramm Onkologie, 2017. 2017:, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Methodik/QIEP_OL_2017_Version_2.1.pdf

[689] Pagon, R. A., Adam, M. P., Ardinger, H. H., Wallace, S. E., Amemiya, A., Bean, L. J. H., et.al. GeneReviewsUniversity of Washington, Seattle, 1993.