Leitlinienprogramm OnkologieDiffuses großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL)

9. Rehabilitation und Nachsorge – Diffuses großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL)

Version 1.0 · Oktober 2022 · AWMF 018/038OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Arbeitsgruppenleitung: Julia Thiemer, Ulrich Dührsen

Weitere Autor*innen: Lale Umutlu, Bettina Toth, Thorsten Persigehl, Frank-Michael Köhn, Sabine Kliesch, Ulrike Holtkamp, Dirk Hellwig, Carsten Kobe, Markus Dietlein, Geothy Chapurakal, Bettina Böttcher, Walter Baumann

9.1 Rehabilitation

Julia Thiemer, Walter Baumann

9.1 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Alle Patient*innen sollen während oder nach der Akutbehandlung eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms über die Durchführung einer ambulanten oder stationären Rehabilitationsmaßnahme beraten werden.

Konsens
Starker Konsens
9.2 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom sollen frühzeitig eine Beratung im Hinblick auf die sozialrechtlichen Folgen eines Reha-Antrages und die Gewährleistung ihrer sozialen Sicherung erhalten.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Patient*innen, die aufgrund eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL) behandelt werden, haben in der Regel eine gute Prognose. Nach Abschluss der Akutbehandlung stehen jedoch häufig lang anhaltende Folgestörungen im Vordergrund, die sich beispielsweise in Form einer verringerten Leistungsfähigkeit, neurologischen Problemen wie polyneuropathischen Beschwerden, Depression oder einer Fatigue-Symptomatik oder kardialen und endokrinologischen Störungen äußern. Diese führen oft zu einer verminderten Lebensqualität im Alltag und können zu einer Erwerbsminderung oder Pflegebedürftigkeit führen.

Eine medizinische Rehabilitation kann in erheblichem Maße dazu beitragen, dass Patient*innen mit DLBCL krankheits- und therapiebedingte (somatische, psychische, soziale) Funktionseinschränkungen überwinden und in ihren beruflichen, sozialen und familiären Alltag zurückkehren können. Insbesondere die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit von Krebspatient*innen kann dadurch unterstützt werden [606]. Die Rückkehr in das Berufsleben verbessert umgekehrt die Lebensqualität von Krebsüberlebenden.

Eine medizinische Rehabilitationsleistung ist indiziert, wenn dadurch eine Verringerung dieser Funktionseinschränkungen (im Sinne einer positiven Rehabilitationsprognose) zu erwarten ist. Patient*innen müssen ausreichend belastbar, selbsthilfefähig und motiviert sein, um an den rehabilitativen Therapieangeboten zielgerichtet mitwirken zu können.

Eine medizinische Rehabilitation wird beantragt, wenn die Erst- oder Rezidivbehandlung eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms abgeschlossen ist.  Ggfls. noch weiterlaufende Therapien sind kein Ausschlussgrund für die Beantragung. Auch nach einer Stammzelltransplantation oder CAR T-Zell-Therapie ist eine Rehabilitation möglich und sinnvoll [607]. Bei der Auswahl der Einrichtung ist es erforderlich, auf einen entsprechenden Schwerpunkt der Rehabilitationsklinik zu achten [608].

Eine sozialrechtliche Beratung im Zusammenhang mit einem Rehabilitationsantrag ist für Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom frühzeitig erforderlich. Die Beantragung wird innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Akutbehandlung gestellt. Die rechtlichen Grundlagen für die Durchführung von Rehabilitationsmaßnahmen sind an verschiedenen Stellen im Sozialgesetzbuch hinterlegt [609]. In den meisten Fällen wird der Antrag an die gesetzliche Rentenversicherung als Rehabilitationsträger zu richten sein, denn bei onkologischen Erkrankungen gilt ausnahmsweise deren Zuständigkeit neben erwerbstätigen Versicherten auch für Rentenbeziehende und Familienangehörige. Ggfls. wird auch die gesetzliche Krankenkasse oder der Unfallversicherungsträger (bei anerkannter Berufskrankheit) angesprochen. Die Antragsberatung berücksichtigt die sozialrechtlichen Konsequenzen für andere Leistungsbereiche (z.B. ggf. Umdeutung in Rentenantrag). Für Verbeamtete gelten vergleichbare Regelungen, bei nicht gesetzlich versicherten Patient*innen werden die spezifischen Leistungsvoraussetzungen geklärt. In Nordrhein-Westfalen erfolgen Anträge über die Arbeitsgemeinschaft Krebsbekämpfung.

Die medizinische Rehabilitation wird in der Regel in Rehabilitationskliniken durchgeführt, die auf die Versorgung von hämatologisch-onkologischen Patient*innen spezialisiert sind und vom zuständigen Kostenträger vorgeschlagen werden. Die regelhafte Dauer von 3 Wochen kann je nach Funktionseinschränkung verlängert werden. Eine ambulante Durchführung ist wegen der geringen Zahl von wohnortnahen Angeboten nur im Ausnahmefall möglich. 

Aufgrund der hohen Variabilität der Erkrankung durch ein diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom und dessen Behandlungsverlaufs richten sich auch die rehabilitativen Therapieangebote an den spezifischen Beeinträchtigungender Patient*innen aus. Zu diesem Zweck werden für jede*n Patient*in die spezifischen Rehabilitationsziele definiert und in einem individuellen Reha-Therapieplan umgesetzt. Der Therapieplan beinhaltet ein multiprofessionelles Behandlungskonzept und setzt sich aus Sport- und physiotherapeutischen Trainingsprogrammen, ergotherapeutischen Behandlungen, psychoonkologischen Gesprächs- und Therapieangeboten (Krankheitsbewältigung, Entspannungstechniken), Veranstaltungen zur Edukation von Patient*innen und Beratung in Bezug auf sozialrechtliche Themen (Schwerbehinderung, Leistungen aus der Pflegeversicherung, etc.) und ggf. über die Versorgung mit Hilfsmitteln zusammen.

Im Rahmen der ärztlichen Aufnahmeuntersuchung in der Rehabilitationseinrichtung werden erkrankungs- und therapiebedingte Funktionsstörungen erfasst und in einem individuellen Behandlungsplan berücksichtigt. Wichtig dabei ist, dass die Funktionsstörungen des*der Patient*in ganzheitlich angegangen werden, um so nicht nur somatische Beschwerden oder Beeinträchtigungen zu behandeln, sondern den*die Patient*in in die Lage zu versetzen, für seinen*ihren Alltag, berufliche Tätigkeit, persönlichen Beziehungen und emotionales Erleben Handlungsfähigkeit wiederzuerlangen und umzusetzen.

Ein besonders wichtiger Aspekt bei der Betreuung von Krebsüberlebenden im Erwerbsalter liegt in der Tatsache, dass Patient*innen mit malignen Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für Armut haben. Erkrankungs- und therapiebedingte Funktionsstörungen führen häufig zu Arbeitslosigkeit, Frühberentung, geringerem Einkommen und niedrigerem sozioökonomischem Status ([610][611]). Im Rahmen der Rehabilitationsmaßnahme ist daher erforderlich zu prüfen, welche Möglichkeiten zur medizinisch-beruflichen Rehabilitation erforderlich sind (beispielsweise Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben).

Der ärztliche Entlassungsbericht der Rehabilitationsklinik beinhaltet bei Patient*innen im erwerbsfähigen Alter auch eine sozialmedizinische Beurteilung in Bezug auf die bisherige berufliche Tätigkeit und die Erwerbsprognose auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt hinsichtlich erkrankungs- bzw. therapiebedingter Einschränkungen und des zeitlichen Umfangs der beruflichen Tätigkeit.

Je nach Einschätzung wird auf Grundlage dieser Beurteilung eine Umdeutung in einen Rentenantrag durch den Rentenversicherungsträger vorgenommen.
 

9.2 Nachsorge zur Erkennung von Rezidiven

Ulrich Dührsen

9.2.1 Routinemäßige Kontrolluntersuchungen

9.2.1.1 Zeitliches Intervall

9.3 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Bei asymptomatischen Patient*innen mit erfolgreich behandeltem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom sollten in den ersten beiden Jahren nach Therapieende Kontrolluntersuchungen alle 3 Monate, im dritten bis fünften Jahr alle 6 Monate und ab dem sechsten Jahr alle 12 Monate durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Die erste Zeit nach Erreichen einer Remission ist durch die Erholung von den Nebenwir- kungen der Behandlung und die Wiedereingliederung in das soziale Umfeld gekenn- zeichnet. Um diese Vorgänge zu überwachen und ärztlich zu unterstützen, erscheinen Nachsorgeuntersuchungen in dreimonatigen Abständen sinnvoll [612][55]. Die meisten Krankheitsrückfälle ereignen sich beim DLBCL innerhalb der ersten zwei Jahre [613]. Daher werden die 3-Monatsintervalle in den ersten beiden Jahren nach Therapieende beibehalten. Bei zufriedenstellender Erholung von der Behandlung und fehlenden Hinweisen auf einen Krankheitsrückfall werden die Nachsorgeintervalle in den folgenden drei Jahren auf 6 Monate und ab dem sechsten Jahr auf 12 Monate verlängert [55][612]. Dies sind auf klinischer Erfahrung beruhende Empfehlungen. Systematische Untersuchungen zu den Nachsorgezeitpunkten liegen nicht vor [614]

9.2.1.2 Diagnostik

9.4 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Bei jeder Kontrolluntersuchung sollten eine ausführliche Anamnese (neu aufgetretene Beschwerden, z.B. Schmerzen oder B-Symptome, von Patient*innen bemerkte körperliche Veränderungen, z. B. Lymphknotenschwellungen), eine körperliche Untersuchung und eine Bestimmung des Blutbilds und der Laktatdehydrogenase-Aktivität im Serum erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
9.5 · Evidenzbasierte Empfehlung 2022

In der Nachsorge asymptomatischer Patient*innen in kompletter metabolischer Remission sollte außerhalb klinischer Studien auf eine routinemäßige Bildgebung mit CT oder PET/CT verzichtet werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
⊕⊝⊝⊝

Gesamtüberleben


⊕⊝⊝⊝

Rezidiverkennung


⊕⊝⊝⊝

Rezidivfreies Überleben

Konsens
Starker Konsens
Literatur
[615] [616] [617] [618] [619] [620]
Evidenztabellen (2)Verzicht auf routinemäßige Bildgebung; Bewertung der Evidenz: Verzicht auf routinemäßige Bildgebung
9.6 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Bei fehlender kompletter metabolischer Remission sollte eine weitere Abklärung, z.B mittels Biopsie oder einer weiteren Bildgebung mit CT oder PET/CT zur Anwendung kommen.

CAVE: Eine PET/CT in der Nachsorge ist im ambulanten Sektor kein Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert, Stand März 2022).

Konsens
Starker Konsens
9.7 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

In klinischen Studien mit zeitabhängigen Endpunkten (z.B. Zeit bis zur Progression, progressionsfreies Überleben) kann in der Nachsorge eine Bildgebung mit CT oder PET/CT durchgeführt werden.

CAVE: Eine PET/CT in der Nachsorge ist im ambulanten Sektor kein Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert, Stand März 2022).

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Aufgrund der raschen Tumorzellvermehrung manifestiert sich ein DLBCL-Rückfall häufiger zwischen als an den geplanten Nachsorgezeitpunkten. In sieben 30-113 Rezidivpatient*innen umfassenden Studien lag der Anteil an Rückfällen, die aufgrund von Angaben von Patient*innen diagnostiziert wurden, im Median bei 86% (Spannbreite: 60-91%) [621][622][623][624][625][626][627]. Exemplarisch ist eine Studie von 30 DLBCL-Patient*innen, die nach einer Standard-Immunchemotherapie eine komplette Remission erreichten und während einer konsequent durchgeführten Routinenachsorge einen Rückfall erlitten [621]. Acht Patient*innen (27%) stellten sich aufgrund von neuen Krankheitserscheinungen außerplanmäßig beim Onkologen, fünf (17%) in der Notaufnahme und drei (10%) bei ihren Hausärzt*innen vor. Zehn Patient*innen (33%) berichteten beim planmäßigen Termin über neue Krankheitserscheinungen, die auf ein Rezidiv zurückzuführen waren. Nur bei vier (asymptomatischen) Patient*innen (13%) war die routinemäßige Diagnostik selbst für die Rezidiverkennung verantwortlich, in zwei Fällen die körperliche Untersuchung (7%) und in je einem Fall die Computertomographie bzw. das Blutbild (3%) [621]. In vier 30-113 Rezidivpatient*innen umfassenden Studien wurden die von den Patient*innen selbst bemerkten Krankheitserscheinungen spezifiziert: Lymphknotenschellungen oder andere körperliche Veränderungen (23-47%) waren am häufigsten, gefolgt von Schmerzen (23-45%), respiratorischen Symptomen (3-18%), B-Symptomen (0-14%), zentralnervösen Symptomen (0-13%) und gastrointestinalen Beschwerden (0-7%) [621][624][625][627]

Angesichts der hohen Rate zwischen den Terminen manifest werdender Rezidive liegt der Wert der Nachsorgeuntersuchungen in erster Linie in einer stabilen Bindung mit den Patient*innen mit ständiger Verfügbarkeit eines*einer mit dem Krankheitsverlauf vertrauten Arztes*Ärztin. Bei den planmäßigen Nachsorgeterminen werden die Anamnese und die körperliche Untersuchung in den hierzu vorliegenden Studien nicht in Frage gestellt. Die Lugano-Leitlinie empfiehlt darüber hinaus bei jeder Vorstellung orientierende Laboruntersuchungen (Blutbild, Kreatinin, Elektrolyte, Blutzucker, LDH) [55]. Blutbildveränderungen geben Hinweise auf Knochenmarkrezidive und therapieinduzierte Myelodysplasien und Leukämien. Die LDH zeichnete sich in einer älteren Studie durch eine recht hohe Sensitivität (65%) und Spezifität (85%) für ein Rezidiv aus [627]. Ihre Bedeutung wird in einer anderen Studie in Frage gestellt [621].

Eine im Jahre 2016 publizierte, 11 retrospektive Lymphomstudien umfassende Metaanalyse kommt zu dem Schluss, dass eine routinemäßige Bildgebung (meist CT) in der Nachsorge nicht zu empfehlen ist [614]. In sämtlichen Studien war der Anteil klinisch manifest werdender Rezidive höher als der Anteil durch Routinebildgebung erkannter Rückfälle. In keiner Studie fand sich ein Überlebensvorteil zugunsten der Routinebildgebung. Dies galt auch, wenn nur Studien zum DLBCL [615][616][618][628], DLBCL und follikulärem Lymphom Grad 3 [625], aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen [624] oder aggressiven Non-Hodgkin- und Hodgkin-Lymphomen [617] berücksichtigt wurden. In der größten, 1221 DLBCL-Patient*innen umfassenden Studie lag das 3-Jahres-Gesamtüberleben bei klinischer Diagnose eines Rezidivs bei 91% und bei Rezidiventdeckung durch Routinebildgebung (CT oder PET/CT) bei 92% [616]. Ein Vorteil der Routinebildgebung ließ sich weder für günstige noch für ungünstige Risikogruppen des Internationalen Prognostischen Index nachweisen.

Die routinemäßige Nachsorge mittels PET/CT war in den vorliegenden Studien durch einen hohen negativen (99-100%) und einen niedrigen positiven prädiktiven Wert (25-77%) gekennzeichnet [629][620][630] Letzteres beruhte auf einer Häufung falsch-positiver Befunde, die weitere, manchmal belastende diagnostische Maßnahmen nach sich zogen. In der jüngsten, 118 DLBCL-Patient*innen umfassenden Studie lag der positive prädiktive Wert der Nachsorge-PET/CT bei 52%, d.h. fast die Hälfte der pathologischen PET/CT-Befunde war nicht auf ein Lymphomrezidiv zurückzuführen [620]. Ein Vergleich von 41 mittels PET/CT überwachten Patient*innen mit 41 Patient*innen gleichen Ausgangsrisikos ohne Routinebildgebung erbrachte keine signifikanten Unterschiede im rezidivfreien Überleben oder Gesamtüberleben [620]. In einem entscheidungsanalytischen Modell ergab sich unter vorteilhaften Annahmen für die bildgebenden Verfahren für eine Kohorte 55-jähriger DLBCL-Patient*innen in kompletter Remission ein durchschnittlicher Überlebensgewinn von 11 bzw. 15 Tagen, wenn in den ersten beiden Jahren der Nachsorge zusätzlich zur Vorstellung bei einem*einer Arzt*Ärztin Routine-CT- oder -PET/CT-Untersuchungen in halbjährlichen Abständen angeordnet wurden [619]. Die Routine-Bildgebung war mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Die Untersuchung berücksichtigte nicht, dass CT- und PET/CT-Untersuchungen mit wiederkehrender Angst und Verunsicherung [631] und einer nicht unerheblichen Strahlenexposition verbunden sind [632].

Die effektive Strahlendosis einer Kontrastmittel-CT zeigte in einer 2009 in den USA durchgeführten Studie in Abhängigkeit von Gerätetyp, Untersuchungsdauer und Körperbau starke Schwankungen (Median [Spannbreite] für ein CT des Kopfes: 2 mSv [0,3-6]; Hals: 4 mSv [0,7-9]; Thorax: 8 mSv [2-19]; Abdomen und Becken: 16 mSv [4-45]) [632]. Eine PET entsprach in einer 2005 in Deutschland durchgeführten Studie einer effektiven Dosis von 5,7-7,0 mSv [68]. Eine gleichzeitig durchgeführte Low-Dose-CT erhöhte die Dosis um 1,3-4,5 mSv, eine diagnostische Kontrastmittel-CT um 14,1-18,6 mSv. Schätzungen zufolge liegt die durchschnittliche Rate CT-bedingter Neoplasien bei 1:1000 pro 10 mSv, wobei etwa die Hälfte der Erkrankungen letal verläuft [71]. Das Risiko für die CT-bedingte Auslösung eines Malignoms ist bei jungen Menschen höher als bei alten. Frauen sind gefährdeter als Männer [633]. Die genannten Berechnungen beruhen auf Beobachtungen nach dem Atombombeneinsatz in Hiroshima und Nagasaki und sind hinsichtlich des tatsächlichen Risikos unsicher [634] Einen negativen Einfluss radiologischer Strahlenexposition auf die Gesundheit legt eine Studie von 4874 Patient*innen mit kurativ behandelten Non-Hodgkin-Lymphomen nahe, in der die Zweitmalignom-Inzidenz mit der Anzahl durchgeführter CTs korrelierte [635]. Eine deutsche Studie zur kumulativen Strahlenexposition von 99 Patient*innen mit Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphom ermittelte in einer Modellrechnung aus den zusammengetragenen individuellen Dosisdaten der Strahlendiagnostik von initialer Diagnostik bis fünf Jahre nach Therapieabschluss eine Rate von einem zusätzlichen Zweitmalignom pro 100 Fällen durch die Strahlendiagnostik [636].

Zum Wert konventioneller radiologischer und sonografischer Untersuchungen in der Nachsorge existieren keine Daten. Prinzipiell erlauben diese Methoden eine Orientierung über Bereiche, die der körperlichen Untersuchung nicht zugänglich sind. Eine Röntgenuntersuchung des Thorax scheint insbesondere bei ausgedehnter Primär-Manifestation im Brustkorb geeignet, um die Stabilität einer Remission zu dokumentieren. Aufgrund der – wenn auch geringen – Strahlenbelastung (effektive Dosis 0,02-0,04 mSv) [637] wird die Indikation streng gestellt. Die Ultraschalluntersuchung ist geeignet, asymptomatische Krankheitsrückfälle in Abdomen und Retroperitoneum ohne Gefährdung der Patient*innen zu erkennen. Etwa zwei Drittel bis drei Viertel aller Rezidive ereignen sich im Bereich einer Primärmanifestation[622][627]

Bei Patient*innen, die unter der Therapie keine komplette metabolische Remission erreichen, ist die Rückfallgefahr groß. Wenn eine Klärung des Restbefundes durch eine Biopsie und/oder andere diagnostische Verfahren nicht gelingt, kann ein vom Vorgehen bei kompletter Remission abweichendes Verhalten gewählt werden, das kürzere Kontrollintervalle und bildgebende Verfahren mit CT oder PET/CT einschließen kann.

Unsere Erkenntnisse zum Verlauf des DLBCL stammen zum großen Teil aus Behandlungsstudien, in denen das Auftreten oder Ausbleiben einer Progression oder eines Rezidivs durch systematisch durchgeführte bildgebende Untersuchungen, insbesondere CT, dokumentiert wird. Auch der Nutzen neuer Medikamente wird meist durch bildgebende Verfahren definiert. Im Nachsorgeteil von Behandlungsstudien sind daher bild- gebende Untersuchungen unverzichtbare Protokollkomponenten zur Dokumentation des Studienziels. Sofern der*die Patient*in in die Studienteilnahme und die bildgebenden Verfahren einwilligt, können diese in der Nachsorge eingesetzt werden.

9.2.2 Rezidivverdacht

9.8 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Bei Hinweisen (klinisch, laborchemisch, bildgebend) auf ein Rezidiv soll eine Biopsie mit dem Ziel einer histologischen Sicherung erfolgen.

Konsens
Starker Konsens
9.9 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Sofern zur Lokalisation eines vermuteten Rezidivs bildgebende Verfahren erforderlich sind, sollten diese so gewählt werden, dass der Ort der Biopsie bei möglichst geringer Belastung der Patient*innen rasch festgelegt werden kann.

Konsens
Starker Konsens

In der Nachsorge neu entdeckte Raumforderungen sind vieldeutig. Neben einem DLBCL-Rezidiv können eine Zweitneoplasie oder anderweitige mit Lymphknotenschwellungen einhergehende Erkrankungen, z.B. eine Sarkoidose, Tuberkulose oder HIV-Infektion, vorliegen. Daher werden neue Läsionen vor der Einleitung therapeutischer Maßnahmen histologisch geklärt.

Bei klinischen Hinweisen auf ein Rezidiv ohne Nachweis von Raumforderungen in der körperlichen Untersuchung (z. B. thorakale, abdominelle oder lumbale Schmerzen, Ikterus, B-Symptome, erhöhte Laktatdehydrogenase-Aktivität) ist der Einsatz bildgebender Verfahren zur Lokalisation des vermuteten Rezidivs erforderlich. Diese werden so gewählt, dass bei möglichst geringer Belastung der Patient*innen rasch eine Biopsie erfolgen kann. Die Wahl des bildgebenden Verfahrens hängt von den Befunden und der vermuteten Rezidivlokalisation ab. Ein Standardvorgehen kann nicht definiert werden.

9.3 Nachsorge zur Erkennung therapiebedingter Schäden

Anmerkung der Redaktion: Zur Verwendung der Sprache in diesem Kapitel siehe "Besonderer Hinweis" zu Beginn dieser Leitlinie.

Frank-Michael Köhn, Sabine Kliesch, Bettina Toth, Ulrich Dührsen, Bettina Böttcher

9.3.1 Organtoxizität

9.3.1.1 Allgemeine Empfehlungen

9.10 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

In der Nachsorge sollen Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom zu einer gesunden Lebensweise angehalten werden.

Konsens
Konsens
9.11 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Die Nachsorge von Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom soll zur Erkennung und ggf. Behandlung von Organtoxizitäten genutzt werden.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Zur Erhaltung der Gesundheit empfiehlt die amerikanische Krebsgesellschaft langzeit-überlebenden Patient*innen, auf vier Dinge zu achten: regelmäßiges körperliches Training von mindestens 2 ½-stündiger Dauer pro Woche, Normalgewicht (Body-Mass-Index <25 kg/m2), Verzehr von mindestens 5 Frucht- oder Gemüseportionen pro Tag sowie Nikotinabstinenz. Bei einer Untersuchung von 566 durchschnittlich 15 Jahre überlebenden Non-Hodgkin-Lymphom-Patient*innen erfüllten nur 11 % diese Vorgaben vollständig [638]. Von 25% der Patient*innen wurden drei, von 39% zwei und von 23% eine oder keine der Empfehlungen befolgt. Dementsprechend waren 64% der Langzeitüberlebenden übergewichtig oder adipös, 56% konsumierten weniger als 5 Frucht- oder Gemüseportionen pro Tag, 52% erfüllten das geforderte Trainingspensum nicht und 6% rauchten. Patient*innen, die drei oder vier Empfehlungen erfüllten, zeichneten sich in einer Fragebogenerhebung durch bessere Lebensqualität aus als Patient*innen, die den Empfehlungen nicht folgten. Gute Lebensqualität korrelierte insbesondere mit körperlicher Ertüchtigung und Verzicht auf Nikotin. Hohe mentale Lebensqualität korrelierte mit dem Verzehr der empfohlenen Mengen an Obst und Gemüse.

Durch die DLBCL-Behandlung können zahlreiche gesundheitliche Schäden induziert werden, die bis in die Zeit der Nachsorge reichen oder erst dann manifest werden. Hierzu gehören neben Sekundärmalignomen (s. 10.3.2.) u.a. periphere Neuropathien (insbesondere nach Vincristin und Platin), Hörminderung (Platin), Nierenfunktionseinschränkungen (Platin), Infertilität (Alkylantien, Bestrahlung), kardiale Störungen (Anthrazykline, Bestrahlung), Zytopenien und Immundefekte (Alkylantien, Rituximab), Hypothyreose (Bestrahlung) und Fatigue (alle Behandlungsmaßnahmen) [639][640]. Jede gesundheitliche Störung lässt differentialdiagnostisch an eine Spätfolge der Behandlung denken.

In einer 18047 DLBCL-Patient*innen umfassenden Studie waren nach einer maximalen Beobachtungszeit von 11 Jahren 76% der 8274 Todesfälle auf das DLBCL und 24% auf andere Krankheiten zurückzuführen [641]. Gegenüber der Normalbevölkerung waren Todesfälle an kardiovaskulären Erkrankungen 1,3-fach, Infektionen 3,1-fach, gastrointestinalen Erkrankungen 2,5-fach und Blutkrankheiten (z.B. Anämien, Thrombozytopenien, Gerinnungsstörungen) 4,6-fach erhöht. Zumindest ein Teil der Todesfälle beruhte auf therapiebedingter Organtoxizität.

9.3.1.2 Infertilität

9.12 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Nach der Therapie sollte die Notwendigkeit einer Verhütung bzw. einer Hormonersatztherapie individuell evaluiert werden.

Konsens
Starker Konsens
9.13 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

In der Nachsorge kann weiblichen Patienten eine Überprüfung der hormonellen Situation bzw. der Ovarfunktion und männlichen Patienten eine Überprüfung der Hodenfunktion angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Während einer erfolgreichen Behandlung mit CHOP wiesen in einer 36 Patientinnen umfassenden Studie 33% einen normalen Zyklus, 17% einen irregulären Zyklus und 50% eine Amenorrhoe auf [166]. In anhaltender kompletter Remission normalisierte sich der Menstruationszyklus bei vielen Patientinnen. Bei 61% bestand ein normaler Zyklus, bei 34% ein irregulärer Zyklus und bei 5% eine Amenorrhoe. Ein einheitliches therapeutisches Vorgehen ist in der Nachsorge nicht festzulegen. Je nach individueller Situation (Alter, Status der Erkrankung, prämature Ovarialinsuffizienz, Wechselbeschwerden, Vorhandensein eines*einer Partners*Partnerin…) ist das Angebot entweder einer (hormonellen) Verhütung oder einer Hormonersatztherapie, sowie Nachkontrollen zur Evaluation des Hormonstatus und Festlegen des weiteren Procedere möglich.

Onkologische Therapien können beim Mann in unterschiedlichem Ausmaß die Fruchtbarkeit und auch die Sexualität beeinflussen und beeinträchtigen. Aus diesem Grund werden diese Aspekte individualisiert gezielt angesprochen. Im Falle von Fertilitätseinschränkungen oder Einschränkungen der Sexualität, die auch durch hormonelle Veränderungen bedingt sein können, wie z.B. einen Testosteronmangel, sind Andrologen und Urologen die Ansprechpartner, die entsprechende Beratungs- und Behandlungsangebote bereithalten.

Bei männlichen Patienten lag unmittelbar nach einer Behandlung mit CHOP in einer 71 Patienten umfassenden Studie ausnahmslos Azoospermie vor [642]. Im weiteren Verlauf kam es bei den meisten Patienten zu einer Normalisierung des Spermiogramms. Nach 5 Jahren wiesen 67% eine Normo-, 5% eine Oligo- und 28% eine Azoospermie auf. Eine Chemotherapie mit CHOP bedeutet für die meisten Patienten keine anhaltende Zeugungsunfähigkeit. Grundsätzlich ist im Verlauf eine Überprüfung der Hodenfunktion im Hinblick auf die Hormonbildung, insbesondere Testosteron, und die Samenproduktion im Falle eines Kinderwunsches sinnvoll. 

9.3.1.3 Kardiovaskuläre Störungen

9.14 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom soll in der Nachsorge zur Wahrnehmung des gesetzlich vereinbarten Gesundheits-Check-Ups geraten werden.

Konsens
Starker Konsens
9.15 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom sollen in der Nachsorge auf die Bedeutung der Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren hingewiesen werden.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Anthrazykline begünstigen die Entwicklung einer Herzinsuffizienz [643][640]. Eine Mediastinalbestrahlung kann – oft nach jahrzehntelanger Latenz – eine koronare Herzkrankheit sowie Herzmuskel- oder -klappenschäden induzieren [639]. Gefäßnahe Bestrahlungen können Stenosen zur Folge haben. Auch Reizleitungs- und Rhythmusstörungen können nach kardiotoxischen Behandlungen auftreten.
In einer Studie von 476 Patient*innen mit aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen, von denen alle eine Doxorubicin-haltige Primärtherapie, 65% zusätzlich eine Bestrahlung und 51% eine Salvage-Chemotherapie erhalten hatten, lag die kumulative Inzidenz kardiovaskulärer Krankheiten nach 5 Jahren bei 12% und nach 10 Jahren bei 22% [644]. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 8,4 Jahren war die Inzidenz einer Herzinsuffizienz gegenüber der Normalbevölkerung um das 5,4-fache, eines Herzinfarkts um das 1,2-fache und eines Schlaganfalls um das 1,8-fache erhöht. Bei alleiniger Chemotherapie war nur die Herzinsuffienzrate erhöht (3,1-fach). Bei zusätzlicher Mediastinalbestrahlung mit >40 Gy stieg die Herzinsuffizienzrate auf das 32-fache, gleichzeitig waren Herzinfarkte 7,5-mal häufiger als in der Normalbevölkerung. Niedrigere Strahlendosen hatten keine oder nur geringe ungünstige Auswirkungen, wobei zu beachten ist, dass kardiale Strahlenschäden sich oft erst nach sehr langer Latenz manifestieren. Eine zervikale Bestrahlung war mit einer 2,3-fach erhöhten Schlaganfallinzidenz vergesellschaftet. Die wichtigsten Risikofaktoren für eine therapieinduzierte Herzinsuffizienz waren junges Alter (<55 Jahre) und arterielle Hypertonie. Daneben wirkten sich Rauchen, Salvage- und Hochdosistherapien sowie Mediastinalbestrahlung ungünstig aus. Bei Hypertoniker*innen und Raucher*innen kamen auch Herzinfarkte und Schlaganfälle vermehrt vor.

In einer Register-Studie von 9438 DLBCL-Patient*innen ≥65 Jahre war das Risiko der Entwicklung einer Herzinsuffizienz nach Doxorubicin-Behandlung im Vergleich zu anderweitig behandelten Patient*innen um 29% erhöht [645]. Das Vorliegen einer arteriellen Hypertonie steigerte das Risiko der Doxorubicin-induzierten Herzinsuffizienz auf das 1,8-fache. In einer 2508 langzeitüberlebende Non-Hodgkin-Lymphom-Patient*innen umfassenden Studie war das Herzinsuffizienzrisiko nach Anthrazyklin-Exposition gegenüber 7399 Personen aus der Normalbevölkerung bei einer medianen Beobachtungszeit von 30 Monaten um 42% erhöht [646]. Risikofaktoren waren kumulative Anthrazyklin-Dosis >100 mg/m2, Alter, männliches Geschlecht, kardiovaskuläre Risikofaktoren und vorbestehende Herzkrankheiten (außer Gefäßkrankheiten).

Die Kardiotoxizität von Doxorubicin kann sich bereits frühzeitig manifestieren. In einer retrospektiven Studie von 135 Patient*innen mit aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen wurden innerhalb des ersten Jahres nach Therapieende 14 (davon drei tödlich verlaufende) Fälle mit klinisch manifester Herzinsuffizienz (10%) und 13 Fälle mit asymptomatischer linksventrikulärer Dysfunktion (10%) beobachtet [647]. Risikofaktoren waren Alter >50 Jahre und kumulative Anthrazyklin-Dosis >200 mg/m2. Die Therapie der manifesten Anthrazyklin-induzierten Herzinsuffizienz unterscheidet sich nicht von der Therapie der Herzinsuffizienz anderer Ursache [643].

Bereits vor der Entwicklung einer manifesten Anthrazyklin-induzierten Herzinsuffizienz lassen sich mit bildgebenden Verfahren kardiale Funktionsstörungen nachweisen. In einer Studie von 141 mit Doxorubicin behandelten Lymphompatient*innen zeigten sich bei 39 Patient*innen (28%) echokardiographische Anomalien, die auf eine subklinische Kardiomyopathie hindeuteten [648]. Die mediane kumulative Doxorubicin-Dosis betrug 300 mg/m2. Risikofaktoren für subklinische kardiale Funktionsstörungen waren männliches Geschlecht, Übergewicht, Alter >47 Jahre, höhere Doxorubicin-Dosen und zusätzliche Strahlentherapie. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich in einer 155 asymptomatische, langzeitüberlebende Lymphompatient*innen umfassenden Studie, in der 21% echokardiographisch detektierbare Funktionsstörungen aufwiesen [649]. Die Häufigkeit korrelierte mit der kumulativen Anthrazyklin-Dosis (< bzw. ≥250 mg/m2: 5- bzw. 8-fach erhöhte Inzidenz gegenüber der Normalbevölkerung). Serologische Marker waren zur Früherkennung kardialer Schäden nicht geeignet. Ob die frühzeitige Erkennung einer asymptomatischen Anthrazyklin-induzierten Herzinsuffizienz für den Patient*innen von Vorteil ist, ist nicht bekannt [639]

Die Manifestation kardialer Schäden durch Anthrazykline und Bestrahlung wird durch kardiovaskuläre Risikofaktoren (Übergewicht, Hyperlipidämie, Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, Rauchen) begünstigt. Bei Anthrazyklin-induzierten Schäden spielt die Hypertonie eine herausragende Rolle. Zur Erkennung der Risikofaktoren dienen u.a. die gesetzlich vereinbarten Gesundheits-Check-Ups [612]. Es ist erforderlich, die Patient*innen auf die Bedeutung von Nikotinabstinenz, normalem Körpergewicht und diätetischer und/oder medikamentöser Einstellung anderer Risikofaktoren hinzuweisen. Einleitung und Kontrolle der hierzu erforderlichen Therapiemaßnahmen liegen oft in der Hand der Hausärzt*innen oder entsprechend spezialisierter Internist*innen.

9.3.1.4 Infektionen, Immundefekte und Autoimmunerkrankungen

9.16 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Aufgrund konstitutioneller, lymphom- oder therapiebedingter Anomalien des Immunsystems sollen Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom im Hinblick auf Infektionen, Immundefekte und Autoimmunkrankheiten überwacht werden.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Während der Nachsorge sind DLBCL-Patient*innen durch Infektionen besonders gefährdet [641]. In den ersten Jahren tragen hierzu chemotherapieinduzierte Zytopenien bei, die sich im weiteren Verlauf oft normalisieren. Darüber hinaus besteht ein weitgehend therapieunabhängiger Immundefekt, der sich gegenüber anderen Krebserkrankungen in einer etwa 2-fach gesteigerten Rate bakterieller, 5-fach gesteigerten Rate viraler und 8-fach gesteigerten Rate mykotischer Pneumonien ausdrückt [650]. Eine Influenza tritt bei erfolgreich behandelten DLBCL-Patient*innen in der Nachsorge etwa doppelt so häufig auf wie bei anderen Krebspatient*innen. Quantitativ fassbar ist ein humoraler Immundefekt mit verminderten Immunglobulinkonzentrationen, der bei etwa 15% der Patient*innen vorbestehend ist, unter einer Rituximab-haltigen Behandlung bei weiteren 39% therapiebedingt auftritt [651] und beim DLBCL etwa 20-mal so häufig in der Nachsorge beobachtet wird wie bei anderen Krebskrankheiten [650]

Neben Infektionen und Immundefekten werden in der Nachsorge des DLBCL auch gehäuft Autoimmunkrankheiten beobachtet, vor allem, aber nicht ausschließlich autoimmunhämolytische Anämien, Immunthrombozytopenien und Sicca-Syndrome [650]. Es wird vermutet, dass das Lymphom und die Autoimmunphänomene auf eine vorbestehende Anomalie des Immunsystems zurückgehen, die nach der Lymphombehandlung persistiert.

Es ist erforderlcih, Infektionen und Autoimmunphänomene zu erkennen und adäquat zu behandeln. Zur Prophylaxe muss den Patient*innen geraten werden, die von der Ständigen Impfkommission für die Allgemeinbevölkerung und für bestimmte Risikogruppen empfohlenen Impfungen durchführen zu lassen (siehe Kapitel 11.1.1.).

9.3.1.5 Hypothyreose nach zervikaler Bestrahlung

9.17 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Zur frühzeitigen Erkennung einer strahleninduzierten Hypothyreose sollte nach einer zervikalen Bestrahlung jährlich die Serumkonzentration des Thyroidea-stimulierende Hormons (TSH) bestimmt und ggfls eine Levothyroxin-Substitution eingeleitet werden.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Nach einer Strahlentherapie des Halses kommt es bei etwa der Hälfte der Patient*innen innerhalb von 20 Jahren zu einer Hypothyreose [652]. Zur frühzeitigen Erkennung wird einmal im Jahr die TSH-Konzentration im Serum bestimmt. Erhöhte Konzentrationen weisen auf eine Hypothyreose hin [639][640].

9.3.1.6 Psychische, psychosomatische und psychosoziale Belastungen

Empfehlungen zu psychischen, psychosomatischen und psychosozialen Belastungen finden sich in Kapitel 11.1.5. und 11.2.

9.3.2 Sekundärneoplasien

9.3.2.1 Allgemeine Empfehlungen

9.18 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Die Nachsorge von Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom soll zur Erkennung und ggf. Behandlung von Sekundärneoplasien genutzt werden.

Konsens
Starker Konsens
9.19 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Da Rauchen gesundheitsschädlich ist und bei Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom das Zweitmalignomrisiko steigert, soll Raucher*innen geraten werden, den Zigarettenkonsum zu beenden.

Konsens
Starker Konsens
9.20 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Patient*innen mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom soll in der Nachsorge in besonderer Weise zur Wahrnehmung der gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen geraten werden.

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
In einer Metaanalyse von 23 zwischen 1985 und 2008 publizierten Studien, in die 61-109451 Patient*innen mit unterschiedlichen, zwischen 1935 und 2004 diagnostizierten Non-Hodgkin-Lymphomen eingingen, fand sich gegenüber der Normalbevölkerung ein 1,88-fach gesteigertes Risiko (95% Konfidenzintervall [KI]: 1,58-2,22) zur Entwicklung von Zweitmalignomen [653]. Das Risiko war für junge Patient*innen höher als für alte. Es war statistisch signifikant erhöht für Chemotherapie allein (1,49-fach; 95%-KI: 1,11-2,10), alkylierende Substanzen (1,43-fach; 95%-KI: 1,07-1,90) und die Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie (1,50-fach; 95%-KI:1,03-2,20), und nicht-signifikant erhöht für CHOP (1,28-fach; 95%-KI: 0,79-2,05) und alleinige Strahlentherapie (1,18-fach; 95%-KI: 0,84-1,64). Der Einschluss einer Ganzkörperbestrahlung ins Therapiekonzept ging mit einem deutlich erhöhten Zweitmalignom-Risiko einher (11,96-fach [95%-KI: 2,36-60,70] versus 1,99-fach [95%-KI: 1,26-3,13] für Patient*innen ohne Ganzkörperbestrahlung). Bei einer Ganzkörperbestrahlung mit üblichen Dosen von 10-16 Gy werden die im Strahlenfeld gelegenen Zellen geschädigt, sie können aber oft mit den gesetzten genetischen Schäden weiterleben und Malignome hervorrufen. Lokal angewendete Strahlendosen von 30-45 Gy töten dagegen die im Strahlenfeld gelegenen Zellen ab, was die geringere und in manchen Studien vollkommen fehlende karzinogene Wirkung erklärt [654]. Auf karzinogene Eigenschaften von Rituximab ergaben sich in einer neun randomisierte Studien umfassenden Metaanalyse keine Hinweise [655].

Die oben genannte, 23 Studien umfassende Metaanalyse ergab ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für folgende Sekundärneoplasien [653]: Myeloische Leukämien (11,1-fach), Hodgkin-Lymphom (7,0-fach), Leukämien allgemein (3,21-fach), Schilddrüsenkarzinom (3,55-fach), Knochentumoren (3,49-fach), Nasen(nebenhöhlen)karzinom (2,78-fach), Weichteilsarkom (2,14-fach), Oropharynx- (2,11-fach), Speicheldrüsenkarzinom (2,02-fach), Melanom (1,85-fach), Hirntumoren (1,84-fach), Hodenkarzinom (1,78-fach), multiples Myelom (1,74-fach), Zungen- (1,67-fach), Lungen- (1,53-fach), Leber- (1,47-fach), Harnblasen- (1,42-fach), Magen- (1,33-fach), Kehlkopf- (1,20-fach) und Kolonkarzinom (1,16-fach). Nach einer Strahlentherapie verdoppelt sich das Risiko für Mesotheliome [656]. Neben Melanomen werden auch nicht-melanomatöse Hauttumoren (z.B. Plattenepithelkarzinome und Basaliome) vermehrt beobachtet, was auf gemeinsamen ätiologischen Faktoren oder Lymphom-assoziierter Immunsuppression beruhen könnte [657][658][659].

Myeloische Leukämien und Myelodysplasien werden in erster Linie durch Alkylantien und Topoisomerase-II-Hemmstoffe (vor allem Etoposid, seltener Anthrazykline) ausgelöst. Durch eine zusätzliche Strahlentherapie wird das Risiko erhöht. Die durch diese Substanzen induzierten Krankheiten unterscheiden sich deutlich [660]. Alkylantien-induzierte Neoplasien entstehen nach einer medianen Latenz von 5-7 Jahren. Sie beginnen oft als Myelodysplasie und sind durch komplette oder partielle Chromosomenverluste (insbesondere 5 und 7) gekennzeichnet. Durch Topoisomerase-II-Hemmstoffe ausgelöste Neoplasien haben eine kurze Latenz von median 2-3 Jahren, manifestieren sich fast immer als Leukämie und weisen genetische Anomalien in der Chromosomenregion 11q23 auf.

Solide Sekundärneoplasien treten meist spät auf. Eine ätiologische Besonderheit ist die Auslösung von Harnblasenkarzinomen durch Cyclophosphamid, dessen toxischer Metabolit Acrolein in den Harn ausgeschieden wird [661]. Lokale Bestrahlung wird insbesondere mit Sarkomen, Mesotheliomen sowie Lungen- und Harnblasenkarzinomen in Verbindung gebracht [662][661][656]. Das Risiko für Mammakarzinome ist in der Gesamtgruppe behandelter Patientinnen nicht erhöht. Dies wird auf eine therapieinduzierte Ovarialinsuffizienz mit verminderter Hormonproduktion zurückgeführt [640][656]. Bei Patientinnen <25 Jahre mit Mediastinalbestrahlung besteht allerdings ein 5-fach erhöhtes Mammakarzinom-Risiko [656]. Dies gilt bei Frauen <30 Jahre auch nach einer Ganzkörperbestrahlung als Vorbereitung auf eine autologe oder allogene Transplantation [663].

In einer 748 Patient*innen mit aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen umfassenden retrospektiven Studie lag die Inzidenz solider Zweitmalignome nach einer medianen Beobachtungszeit von 9,4 Jahren nach 10 und 15 Jahren bei 5% bzw. 11% [664]. Zu den gleichen Zeitpunkten hatten 1% bzw. 3% der Patient*innen eine Myelodysplasie oder akute myeloische Leukämie entwickelt. Alle Patient*innen hatten primär eine Chemotherapie mit CHOP erhalten, in 65% ergänzt um eine lokale Strahlentherapie mit 20-60 Gy und in 14% um eine Hochdosistherapie. Bei 51% wurde eine Salvage-Chemotherapie durchgeführt. Risikofaktoren für solide Zweitmalignome waren Alter <45 Jahre, Zigarettenkonsum und Salvage-Chemotherapie. Der einzige Risikofaktor für myeloische Neoplasien war Alter <45 Jahre. Aufgrund der Steigerung des Zweitmalignomrisikos wird Raucher*innen geraten, den Zigarettenkonsum zu beenden.

Zur frühzeitigen Erkennung solider Tumoren wird DLBCL-Patient*innen geraten, die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen (Zervix, Mamma, Prostata, Kolon, Haut) wahrzunehmen. Ob sich darüberhinausgehende Maßnahmen vorteilhaft auf das weitere Leben auswirken, ist nicht bekannt [612].

9.3.2.2 Mammakarzinom-Screening nach thorakaler Radiotherapie

9.21 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Bei erwachsenen Patientinnen mit thorakaler Bestrahlung vor Vollendung des 30. Lebensjahres sollte acht Jahre nach der Bestrahlung ein jährliches Mammakarzinom-Screening beginnen.

CAVE: Das Magnetresonanztomographie-Screening ist unabhängig vom Lebensalter und das Mammographie-Screening ist vor dem 50. und nach dem 69. Lebensjahr nicht Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert).

Konsens
Starker Konsens
9.22 · Konsensbasierte Empfehlung 2022

Bei Patientinnen mit thorakaler Bestrahlung ≥10 Gy vor dem 18. Lebensjahr sollte ein jährliches Mammakarzinom-Screening im Alter von 25 Jahren beginnen.

CAVE: Das Magnetresonanztomographie-Screening ist unabhängig vom Lebensalter und das Mammographie-Screening ist vor dem 50. und nach dem 69. Lebensjahr nicht Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (Kostenübernahme nicht gesichert).

Konsens
Starker Konsens

Hintergrund:
Nach einer thorakalen Bestrahlung vor Vollendung des 30. Lebensjahres entwickelt etwa jede dritte Patientin bis zu ihrem 50. Lebensjahr ein Mammakarzinom. Nach einer internationalen Richtlinie werden diese Patientinnen ab dem achten Jahr nach der Bestrahlung einem jährlichen Mammakarzinom-Screening unterzogen, sofern die applizierte Strahlendosis mindestens 10 Gy betrug [665]. In der Richtlinie empfohlene Maßnahmen sind Mammographie und Magnetresonanztomographie, die komplementäre Informationen liefern. Die Mammographie geht mit einer geringen zusätzlichen Strahlenbelastung (effektive Dosis: 0,2-0,4 mSv) einher [637]. In Analogie zu den Daten in der allgemeinen Bevölkerung wird angenommen, dass das Mammakarzionom-Screening die Prognose betroffener Patientinnen verbessert. Studien, die dies für thorakal bestrahlte Patientinnen nachweisen, fehlen allerdings [665]. Das Risiko einer für die Patientinnen nachteiligen Überdiagnose wird als gering eingeschätzt (<1%), da indolente Parenchymveränderungen, die mit einem Mammakarzinom verwechselt werden können, in dieser Altersgruppe selten sind [665]. Die Magnetresonanztomographie ist für Hodgkin-Lymphom-Patientinnen mit Mediastinalbestrahlung im Kindes- und Jugendalter von den gesetzlichen Krankenkassen zugelassen und wird für andere Patientengruppen mit vergleichbarem Mammakarzinom-Risiko beantragt.

Die Nachsorge von Patient*innen mit Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter erfolgt im Erwachsenenalter oft durch nicht-pädiatrische Hämatologen und Onkologen. Bei einer thorakalen Bestrahlung im Kindes- und Jugendalter wird empfohlen, das jährliche Mammakarzinom-Screening im Alter von 25 Jahren zu beginnen

Bezüglich der Brustkrebsvorsorgeuntersuchung bei anderen DLBCL-Patientinnen siehe Abschnitt 10.3.2.1.

Evidenztabellen

Verzicht auf routinemäßige Bildgebung

Referenz/ Studientyp

Untersuchte Population

Interventionen

untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

methodische Bemerkungen

El-Galaly 2015

Retrospective study

N= 1221 pts with DLBCL with CR

·  Median age: 57 years

·  Stage: III-IV: 50%

 

Inclusion criteria:

·  Pts from Danish and Swedish lymphoma registries with newly diagnosed DLBCL from 2007 to 2012

·  age 18 to 65 years

·  CR after R-CHOP/ CHOEP +-consolidating RT and/or CNS prophylaxis

 

Exclusion criteria:

·  Pts with incomplete data

A: Pts from Danish registry (follow-up incl. routine surveillance imaging (usually CT every 6 months for 2 years))

B: Pts from Swedish registry (follow-up excl. routine surveillance imaging unless relapse is clinically suspected)

·OS

·OS (3-year): 92% (A) vs. 91% (B), p=0.7

 

Conclusion of the authors:

„Imaging-based follow-up strategy had no impact on survival, […].“

Study Duration: (diagnosis between 2007 and 2012)

Follow-up: Median 51 months

ITT: NA

Randomisation: NA

Blinding: NA

Funding: NR

Other limitations: none

Suh 2019

Retrospective study

N= 118 pts with DLBCL in first remission (82 pts in matched cohort: 41 pts with and 41 pts without PET/CT)

·  Median age: 59 years (A), 57 years (B)

·  Stage: I-IV

 

Inclusion criteria:

·  Pts newly diagnosed with DLBCL between January 2005 and January 2015

·  at Seoul National University Hospital (SNUH) and Seoul National University Boramae Medical Center (SNU-BMC)

 

Exclusion criteria: NR

A: surveillance PET/CT

B: no surveillance PET/CT

·OS

·RFS (relapse-free survival)

·Sensitivity

·Specifictiy

·Positive predictive value

·Negative predictive value

 

·OS (median): „similar between groups“, A vs. B, p=0.542

·RFS (median): „similar between groups“, A vs. B, p=0.133

·Sensitivity of PET/CT (recurrence): 1

·Specificity of PET/CT (recurrence): 0.75

·Positive predictive value of PET/CT (recurrence): 0.52

·Negative predictive value: 1

Study Duration: (diagnosis between January 2005 and January 2015)

Follow-up: Median 54 months (A), 32 months (B)

ITT: NA

Randomisation: NA

Blinding: NA

Funding: NR

Other limitations: none

Huntington 2015

Cost-effectiveness study

Markov Model:

·  Baseline patient cohort constructed to mirror CORAL study

·  Pts entered model at 55-years in first complete remission

 

Baseline clinical assumptions:

·  „baseline model favours surveillance imaging strategies by associating asymptomatic relapse with greater likelihood of lower sAA-IPI and improved survival following autologous stemm-cell transplantation“

A: routine clinical follow-up without serial imaging

B: routine clinical follow-up + CT scan every 6 months for 2 years

C: routine clinical follow up + PET/CT scan every 6 months for 2 years

·Survival after 5 years

·Proportion alive after 5 years:

A: 0.826

B: 0.827

C: 0.828

Model duration: lifetime perspective

Follow-up: NA

ITT: NA

Randomisation: NA

Blinding: NA

Funding: Celgene, Seattle Genetics, MedImmune, Amgen, Humana, Merck, Pfizer, PhRMA, National Pharmaceutical Council

Other limitations: none

 

Cheah 2013

Retrospective cohort study

N= 116 pts with DLBCL in CMR

·  Median age (range): 59 years (16 – 85 years)

·  Stage: NR

 

Inclusion criteria:

·  Pts with newly diagnosed DLBCL between 01/2002 – 12/2009 at study centre

·  Pts had achieved CMR at completion of primary therapy

·  Underwent at least one surveillance PET/CT scan

 

Exclusion criteria:

·  End of treatment positive for another reason

·  Prior chemotherapy at another institution

·  Palliative management only

·  Histological transformation from indolent lymphoma subtypes

PET/CT scans for patients in complete metabolic remission (CMR):

·  Once every 6 months for first 2 years

·  Annually until 5 years after completion of therapy

 

·Number of scans needed to detect one relapse

·Number of clinically detected relapses

·Total number of relapses

Number of scans needed to detect one subclinical relapse:

IPI <3: 92 scans

IPI ≥3: 22 scans

 

 

Number of scans needed to detect one (clincally suspected) relapse:

Regardless of baseline IPI: 170

 

Total number of relapses: n = 13 (11.2%)

 

Number of clinically detected relapses: n = 7 (54%)

 

Study Duration: (treated at centre between 1st Januar 2002 – 31st December 2009)

Median follow-up (range): 53 months (8 – 133 months)

ITT: NA

Randomisation: NA

Blinding: NA

Funding: Victorian Cancer Agency, Haematology Society of Australia and New Zealand

Other limitations: none

Hong 2014

Retrospective cohort study

N = 106 pts diagnosed with DLBCL in complete remission (CR) with a total of 856 visits (823 planned for A and B)

·  A: 501 planned visits

·  B: 322 planned visits

·  C: 33 visits

 

·  Median age (range): 54 years (22 – 85 years)

·  Stage: III/IV 36.8%

 

Inclusion criteria:

·  Diagnosed with DLBCL according to 2008 WHO criteria

·  ≥ 20 years old

·  Achieved CR as demonstrated by FDG PET/CT

·  After receiving R-CHOP with/without consolidative therapy

·  At least one outpatient department (OPD) visit for relapse monitoring

·  Complete set of data for analysis

 

Exclusion criteria:

·  NR

 

A: planned visit with routine imaging

·  CT or FDG PET/CT planned at least 2 months prior to scan

 

B: planned visit without routine imaging

 

(C: symptom-directed unplanned early OPD visits)

·Survival

·Relapse detection

 

Survival:

„Due to the small number of patients, determining whether routine imaging can prolong the survival of relapsed patients with DLBCL was impossible“

 

Relapse detection:

(Patients may have both PET/CT and CT)

Symptoms-/relapse+:

A: CT: 2, PET/CT: 2

B: 0

Symptoms-/relapse-:

A: CT: 397, PET/CT: 163

B: 316

 

A:

CT abnormal: 7 without relapse, 3 with relapse

CT normal: 397 without relapse, 0 with relapse

 

PET/CT abnormal: 23 without relapse, 3 with relapse

PET/CT normal: 142 without relapse, 0 with relapse

 

„Relapse was detected by routine imaging in only one out of eight patients who experienced relapse within 24 months after completing the treatment“

Study Duration: 5/2004 – 2/2012

Median follow-up: 38.1 months from diagnosis, 30.0 months from achievement of CR

ITT: NA

Randomisation: NA

Blinding: NA

Funding: NR

Other limitations: none

Goldschmidt 2011

Retrospective cohort study

N = 125 pts with HL/A-NHL (66% A-NHL of that 97.6% DLBCL)

 

·  Mean age (range): 50 years (18 – 90 years)

·  Stage: NHL I/II 35%, III/IV 65%

 

Inclusion criteria:

·  Patients with HL or A-NHL

·  Relapsed at least 1 month after achieving first CR

·  >18

·  Treated at Hadassah-Hebrew University Medical Center

 

Exclusion criteria:

·  Patients transferred to center at time of relapse

·  Patients transferred to center following initiation of first-line treatment

 

A: clinical diagnosis of relapse (patients’ symptoms or clinical signs)

 

B: routine imaging (asymptomatic relapse)

·Survival

·Relapse detection

 

Survival:

B vs. A: HR 1.2 (95% CI: 0.69 – 2.08)

 

„The overall survival after relapse of the 125 patients did not differ significantly whether they were diagnosed by imaging or clinical signs or symptoms“

 

Relapse detection:

A: 62% of all pts

B: 38% of all pts

 

Pretreatment characteristics vs. Modality of relapse detection:

A-NHL: p < 0.05

A: 58 (46.4% of whole study population)

B: 25 (20.0% of whole study population)

Study Duration: (treated between 01/1993 – 12/2008)

Median follow-up: NR

ITT: NA

Randomisation: NA

Blinding: NA

Funding: NR

Other limitations: none

 

Bewertung der Evidenz: Verzicht auf routinemäßige Bildgebung

Startpunkt der Bewertung

Design

Endpunkt

Verzerrungsrisiko

Inkonsistenz

Indirektheit

Impräzision

Weitere Überlegungen

Gesamtqualität

Low

4 retrospective cohort studies

Relapse detection (Number of scans needed to detect one relapse, number of relapses, PPV, NPV, Sensitivity, Specificity)

/

/

- 1 (one study without comparison of strategies, one study with low share of DLBCL)

/

/

⊕⊝⊝⊝

Very low

Low

3 retrospective cohort studies, 1 cost-effectiveness study

(Overall) survival

-1 (Markov model used in one study, two cohorts from potentially different populations (i.e. from Swedish or Danish registers) in another study)

/

/

/

/

⊕⊝⊝⊝

Very low

Low

1 retrospective cohort study

Relapse-free survival

/

/

/

-1 (only one study with small sample size of 82 pts)

/

⊕⊝⊝⊝

Very low

 

Literaturhinweise

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