Leitlinienprogramm OnkologieAdulte Weichgewebesarkome

12. Forschungsfragen – Adulte Weichgewebesarkome

Version 1.1 · Juni 2022 · AWMF 032-044OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Die Leitliniengruppe sieht in einigen Bereichen der Diagnostik und Therapie des Weichgewebesarkoms Forschungsbedarf. Hier aufgeführt sind diejenigen Fragen, die unmittelbar die Leitlinie selbst oder in der Leitlinie besprochene Themen betreffen.

12.1 Versorgungsforschung

Es ist erforderlich zu überprüfen, inwieweit die Leitlinieninhalte zur Anwendung kommen und welchen Einfluss dies auf die Versorgung der Patienten hat.

Die Leitliniengruppe befürwortet deshalb sehr die Etablierung von Evaluations­programmen der Leitlinienanwendung. Welche Hindernisse können für die Etablierung der S3-Leitlinie identifiziert werden? Insbesondere die Mitglieder der Steuergruppe und die Patientenvertreter stehen bei der Konzeption von Evaluationsstudien gerne beratend zur Verfügung. Dies beinhaltet auch gesundheitsökonomische Analysen der verschiedenen Primärtherapieverfahren.

Es besteht Forschungsbedarf zur Versorgung der geriatrischen Patienten vor allem hinsichtlich der Angebots der Therapiestandards und zeitlicher Verzögerungen in der Behandlung, z. B. durch eingeschränkte Mobilität für die Koordination oder Durchführung der Therapie. Die Möglichkeiten der Videokommunikation sollten in dieser teilweise auch vulnerablen Patientengruppe evaluiert werden. Die Leitliniengruppe sieht Forschungsbedarf auch in der Analyse der Behandlungsindikationen, da diese Patientengruppe ja meist von Zulassungsstudien ausgeschlossen wird.

12.2 Pathomorphologische Untersuchungen

Die Leitliniengruppe befürwortet Studien zur Sicherung der Bewertung von Biopsien (Größe, Zahl, Lokalisation im Tumor von Stanzbioptaten).

Histologische Marker zur Bewertung der Aggressivität von Sarkomen im Verhältnis von klinischen Parametern (z. B. Sarculator) könnten eine wichtige Säule für Indikations­stellung zu adjuvanten Systemtherapien darstellen, siehe auch unten in anderen Zusammenhängen.

Insbesondere der Stellenwert der frühen Anwendung eines Next Generation Sequencing Panels (NGS) im Vergleich zu einer gestuften (immun-)histologischen Diagnostik stellt ein wichtiges Anliegen dar, das sowohl einen zeitlichen Bezug zur Therapie als auch ökonomische und Verfügbarkeitsaspekte beinhaltet.

12.3 Diagnostik und Therapie des lokal begrenzten und lokal fortgeschrittenen Weichgewebesarkoms

Die Leitliniengruppe sieht therapeutisch vor allem Forschungsbedarf bei der neoadjuvanten Therapie hinsichtlich der Frage nach dem Stellenwert der neoadjuvanten Chemotherapie und der Kombination aus Chemotherapie und Operation auch in der metastasierten Situation.

Es besteht dringender Forschungsbedarf in einer besseren Definition von Patienten, die ein hohes Risiko für ein systemisches Tumorrezidiv haben und so von einer adjuvanten systemischen (Chemo-)Therapie profitieren können. Dazu gehören sowohl eine Validierung von prognostischen Nomogrammen in Deutschland (z. B. Sarculator) aber auch von deutlich verbesserten Nachverfolgungsdaten aus Klinischen Krebsregistern.

12.4 Diagnostik und Therapie des Tumorrezidivs

Es besteht Forschungsbedarf in der Klärung inwieweit molekulare Prognosemarker für Sarkome oder auch einzelne Subgruppen definiert werden können. Dies betrifft vor allem auch die Analyse von cDNA Befunden zur Definition eines Tumorrezidivs und zur Überprüfung inwieweit derartige Befunde zur frühzeitigen Erkennung eines Tumorrezidivs vor der Manifestation in der Bildgebung eingesetzt werden können. Angesichts der relativ hohen Häufigkeit von Immunphänomenen in der Nachbarschaft zu Sarkomen, müssen sarkomspezifische Immunmarker besser erforscht werden, um ggf. auch die Diagnose des Tumorrezidivs zu verbessern.

12.5 Diagnostik und Therapie des metastasierten Weichgewebesarkoms

Die Therapie des Weichgewebssarkoms konnte in den letzten Jahren ihr Portfolio erweitern. Die Entwicklung verschiedener Chemotherapieregime konnte jedoch nicht zum Prognosesprung bei diesen Entitäten führen. Der Mangel an spezifischen Therapien unterstreicht klar den Bedarf an neuen Formen der Behandlung. Die Transition der differenzierten molekularen Diagnostik hin zu spezifischen Therapien ist ein relevanter Fokus klinischer Forschung und sollte ausgebaut werden.

Folglich besteht Forschungsbedarf in der Verbesserung der Erstlinientherapie beim metastasierten Weichgewebesarkom. Bei der Zweitlinien- und Folgetherapie ist es wichtig die Sequenzabfolge dieser Therapien zu untersuchen und zu optimieren. Zudem können sarkomtypspezifische Therapien weiter differenziert werden und so neue Therapien entwickelt werden.

12.6 Tumorigenese und Risikofaktoren

Es besteht Forschungsbedarf in der Klärung der Entstehung von Sarkomen, sowohl durch genetische Voraussetzungen (Neurofibromatose, Li-Fraumeni Syndrom – siehe australische KINDRED Studie). Die bisherige Rate der Abklärung genetischer Risikofaktoren liegt noch nicht im erwünschten Rahmen.

Auch iatrogene Faktoren (postradiogenes Angiosarkom nach Mammakarzinom, viszerale Sarkome nach Ganzkörperstrahlentherapie) sind bisher nur unzureichend hinsichtlich Häufigkeit und Entstehungsmechanismen erforscht, z. B. zum kombinierten Einfluss von Chemo- und Radiotherapie.

Forschungsbedarf besteht auch für das Problem der Feldkanzerisierung von dedifferenzierten Liposarkomen des Retroperitoneums, für die auch Umwelteinflüsse in der Entstehung denkbar sind (z.B. lipotrophe Chemikalien).

12.7 Follow-up: Länge und Intensität der Nachsorge

Daten zur Nachsorge von Patienten sind rar. Die Unterscheidung verschiedener klinischer Szenarien für eine differenzierte Empfehlung in der Untersuchungssequenz stellt eine Datenlücke dar. Studien zur Modellierung von risikoadaptierten Nachsorgekonzepten sind daher notwendig.