Leitlinienprogramm OnkologieOro- und Hypopharynxkarzinom

9. Behandlungsempfehlungen Residualtumor, Rezidiv, Zweitkarzinom und rezidivierende Metastasierung – Oro- und Hypopharynxkarzinom

Version 1.0 · März 2024 · AWMF 017-082OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

Bei der Behandlung von lokalen bzw. lokoregionären Rezidiven, Zweitkarzinomen oder Residuen von Plattenepithelkarzinomen des Oro- Hypopharynx nach einer Primärtherapie ergeben sich unterschiedliche Ausgangsituationen. Bei der Majorität der Patienten mit lokoregionären Rezidiven ist eine Vorbehandlung, bestehend aus Operation und/oder postoperativer Radio- bzw. Radiochemotherapie oder eine primäre Radio- bzw. Radiochemotherapie, erfolgt. Soweit es sich nicht um ein seltenes Zweitkarzinom an anderer (neuer) Lokalisation handelt (definiert nach den auch heute gültigen Kriterien von Warren und Gates, 1932: 1: jeder der Tumoren ist bösartig, 2: jeder muss midestens 3 cm örtlich vom Erstkarzinom entfernt sein und 3: die Wahrscheinlichkeit, dass einer eine Metastasierung des anderen ist, muss ausgeschlossen werden. Zu berücksichtigen ist auch die Feldkanzerisierung, die mittlerweile molekularbiologisch charakterisiert wurde. Übersicht: [562]), sprechen wir in der Regel von einem erneuten Tumorwachstum in vorbehandeltem Gebiet, das in besonderer Weise für die Therapieentscheidung berücksichtigt werden muss. Nach der kürzlich vorgelegten Odense-Birmingham Definition werden für den Rezidivtumor folgende Kriterien vorgeschlagen: 1: Gleiche anatomische Unterregion oder angrenzende Unterregion innerhalb von 3 cm von der primären Läsion, 2: Zeitintervall des Auftretens nicht mehr als 3 Jahre (ab abgeschlossener Behandlung der primären Läsion) und 3: gleicher p16-Status für oropharyngeale Karzinome [563]. Ein Zweitkarzinom kann eine Zwischenposition einnehmen, da es sich häufig um eine Manifestation mit genügend örtlichem Abstand zum Erstkarzinom nach mehr als 3 Jahren handelt, aber dennoch  innerhalb des Strahlenfeldes der primären Läsion oder des in der Primärtherapie ausgedehnteren Operationsfeldes auftreten kann.

Die biologischen Hintergründe der Gewebeveränderungen nach Vorbehandlung sind vielfältig. Am häufigsten wachsen die lokoregionären Rezidive in hochdosiert vorbestrahlten Bereichen, weniger aber auch in lediglich voroperiertem, nicht-bestrahlten Gebiet und stellen in der Regel für die weitere Behandlung eine besondere Herausforderung dar. Die Literatur bietet reichlich Hinweise auf die besondere Situation nach Bestrahlungen, weniger Hinweise auf die Situation nach alleiniger chirurgischer Primärtherapie. So konnte gezeigt werden, dass die in vitro Strahlenempfindlichkeit von rezidivierten Plattenepithelkarzinomen-Zelllinien, die aus einem vorbestrahlten Bereich etabliert wurden, signifikant geringer ist, als die Strahlenempfindlichkeit von primären Plattenepithelkarzinomen-Zelllinien [564]. In Tiermodellen wachsen in einem höher dosiert vorbestrahlten Gewebe (z.B. 20 - 30 Gy Einzeitdosis) per Injektion eingebrachte Tumorzellen deutlich langsamer zu einem Tumor gleicher Größe als in einem nicht vorbestrahlten Areal heran [565][566], was als Tumorbett-Effekt bezeichnet wird. Ursächlich hierfür ist eine geringe Fähigkeit des vorbestrahlten Gewebes, eine für ein schnelleres Tumorwachstum ausreichende Neoangiogenese zur Verfügung zu stellen. Dadurch neigen die Tumoren auch zur rascheren Ausbildung zentraler Tumornekrosen [567], also zur Tumorhypoxie, als in einem nicht vorbestrahlten Gewebe. Dieser Effekt kann ebenfalls zu einer verminderten Wirkung einer Strahlentherapie oder Strahlenchemotherapie beitragen. Im Tiermodell wurde dabei auch eine deutlich erhöhte Rate der Ausbildung von Fernmetastasen beobachtet [565][567]. Allerdings schwächen sich diese Tumorbett-Effekte im Mausmodell mit zunehmendem Abstand von der Vorbestrahlung ab und sind nach 200 Tagen nur noch gering ausgeprägt [565][566]. Für eine erneute Strahlentherapie von Tumoren im vorbestrahlten Gewebe besteht darüber hinaus das Problem, dass die Strahlentoleranz der Normalgewebe reduziert ist. Im Tiermodell konnte gezeigt werden, dass bei Rhesusaffen die Toleranz des zervikalen Myelons gegenüber einer erneuten Strahlentherapie mit längerem Interval wieder zunimmt und nach 12 Monaten mindestens wieder 61% der ursprünglichen Toleranz beträgt [568]. Für Re-Bestrahlungen +/- Chemotherapie von Rezidiven im vorbestrahlten Gebiet sind die Ausgangsbedingungen durch die geringere Strahlensensitivität der Tumoren bei gleichzeitiger reduzierter Toleranz der Normalgewebe in Analogie zu den vorbeschriebenen vorklinischen Beobachtungen wahrscheinlich schlechter als im Rahmen einer Primärtherapie. Bei persistierenden Tumoren im hoch dosiert bestrahlten Bereich einer Radio- oder Radiochemotherapie kommt in den ersten 3-6 Monaten eine Rebestrahlung nicht nur aufgrund der geringen Re-Toleranz der Normalgewebe, sondern auch aufgrund der offensichtlichen Resistenz der bestrahlten Tumore kaum in Frage. Mit längerem Intervall (mindestens 6 Monate, besser >1 Jahr) zur Vorbestrahlung und im Falle von unabhängigen Zweittumoren, kann man nach den Daten aus den Tiermodellen wieder von etwas günstigeren Ausgangsbedingungen für eine Rebestrahlung +/- Chemotherapie ausgehen.

Ganz generell ist festzustellen, dass die Therapie von Rezidivtumoren, Zweitkarzinomen ohne Fernmetastasen (jedes T, jedes N, nicht M1) nach abgeschlossener Primärtherapie sowohl bei Oro- (HPV-unabhängig) als auch bei Hypopharynxkarzinomen den gleichen Prinzipien - unter besonderer Berücksichtigung der veränderten Ausgangssituation in vorbehandeltem Gebiet - wie die Primärtherapie folgt (Kap. 8). Hierbei sind die Vortherapie (Chirurgie, primäre oder adjuvante Radio-, bzw. Radiochemotherapie) und die Besonderheiten des erneuten Tumorwachstums in vorbehandeltem Gebiet (Narbenrezidiv; Kap. 9.1.1) zu berücksichtigen. Leider sind Rezidive nach erfolgter Primärtherapie im Oro-, und Hypopharynx prognostisch signifikant ungünstiger als in Mundhöhle und Larynx [569][570][571][572]. Es ist also immer zu prüfen, ob eine chirurgische Therapie (R0-Resektion; Salvage-Chirurgie) und ggf. adjuvante Radio-, bzw. Radiochemotherapie bzw. definitive Radio-, bzw. Radiochemotherapie noch möglich ist. Sofern das lokoregionäre Rezidiv in einem mit höherer Dosis vorbestrahlten Bereich liegt, kann eine erneute Radio-, bzw. Radiochemotherapie nur unter Inkaufnahme eines erhöhten Risikos von Spätnebenwirkungen und mit zum Teil reduzierter Gesamtdosis erfolgen. Wenn aufgrund der Tumorausdehnung eine sinnvolle Resektion nicht mehr möglich ist, stellt die Option einer Re-Bestrahlung +/- Chemotherapie eine potentiell kurative Option dar [573][574][575][576][577][578]. Wenn weder eine Resektion +/- Radio- oder Radiochemotherapie, noch eine Radio- oder Radiochemotherapie sinnvoll möglich sind, besteht die Option einer Systemtherapie (medikamentöse Tumortherapie). Bei der medikamentösen Tumortherapie wird die Erstlinen- von der Zweit- und ggf. Drittlinientherapie unterschieden. Mittlerweile ist die Erstlinientherapie international standardisiert (Kap. 9.2.1). Im Falle von Fernmetastasen (M1) kann bei Vorliegen einzelner Metastasen (Oligometastasierung) die Resektion und gezielte Radiatio geprüft werden. Ist dies ebenfalls nicht mehr sinnvoll möglich, kommt auch in dieser Situation die medikamenöse Tumortherapie zur Anwendung. Auch kann diese bei Fernmetastasen mit gezielter Bestrahlung von Metastasen und ggf. -Resektion kombiniert werden.

Betrachtung der Gewebesituation in vorbehandeltem Gebiet: nach alleiniger OP ohne Bestrahlung

Zum Wachstumsverhalten von lokoregionären Rezidiven in nicht vorbestrahlten Geweben nach chirurgischen Eingriffen gibt es wenige Daten für Oro- oder Hypopharynxkarzinome, überwiegend für das Kehlkopfkarzinom. In einer Fallserien von 29 Rezidiven von nur chirurgisch behandelten Larynxkarzinomen wiesen die Rezidivtumoren überwiegend ein diffuses, multizentrisches, häufiger auch submuköses Wachstum in unterschiedlichen Regionen des Larynx auf und wurden in ungefähr der Hälfte der Fälle in der Bildgebung von ihrer Ausdehnung unterschätzt [579]. Es entspricht der klinischen Erfahrung und erscheint plausibel, dass dieses veränderte Wachstumsmuster von Rezidivtumoren auch bei Oro- und Hypopharynxkarzinomen bei der Mehrzahl der Fälle vorliegt und die Bestimmung der genauen Tumorausdehnung stark erschwert. Ob die Strahlensensitivität von Rezidivtumoren, die in einem nicht bestrahlten aber durch einen chirurgischen Eingriff vernarbten/veränderten Gewebe, wachsen, ist bislang wenig untersucht. Eine intrinsisch auf zellulärer Ebene verminderte Strahlenempfindlichkeit erscheint nicht plausibel. Allerdings könnten die Vernarbungen zu einer verschlechterten Durchblutung führen, wodurch die Wahrscheinlichkeit für eine Tumorhypoxie und der damit verbundenen verminderten Strahlenempfindlichkeit steigen würde. Untersuchungen an Patienten haben gezeigt, dass Keloide regelhaft hypoxisch sind und hyperplastische (rote) Narben häufig hypoxisch Areale aufweisen. Im Bereich von weißen Narben konnten dagegen keine hypoxisch Areale festgestellt werden [580] [581][582]. Die Daten sprechen dafür, dass in abgeheilten Narbengewebe nicht regelhaft hypoxischen Areale vorhanden sind. Die Ausgangsbedingungen für eine gute Wirksamkeit einer Radio- oder Radiochemotherapie sind also besser als nach Vorbestrahlung, zumal auch eine uneingeschränkte Strahlentoleranz der Normalgewebe vorliegt. Das diffuse, häufig multizentrische und submukös Tumorwachstum erhöht allerdings das Risiko, die Tumorausdehnung zu unterschätzen, was sowohl für eine Salvage-Chirurgie als auch ein Radio- oder Radiochemotherapie die Bedingungen gegenüber einer Primärtherapie in nicht vorbehandeltem Gebiet verschlechtert.

Die oberhalb beschriebenen Überlegungen sollten Angesicht des weitgehenden Fehlens von randomisierten Studien und größerer prospektiver Registerdaten bei der Therapie lokoregionär begrenzter Rezidive von Plattenepithelkarzinomen des Oro- und Hypopharynx im Einzelfall nicht unterschät werden.

Definition Salvage (Rettungs)-Chirurgie

In diesem Kontext soll der Begriff “Salvage (Rettungs)-Chirurgie” näher beleuchtet werden, da er landläufig als Rettungschirurgie nach fehlgeschlagener Strahlentherapie in Gebrauch ist. Sehr prominent ist der Begriff der Salvage-Chirurgie im Rahmen von Larynx-Organerhaltungsprogrammen geworden, bei denen nach Tumorpersistenz bzw. kurzfristigem Rezidiv nach erfolgter Radiochemotherapie dann die Laryngektomie als Salvage durchgeführt wurde. Der Begriff wird jedoch nach aktuellem wissenschaftlichen Konsens weiter gefasst: “Salvage surgery is no longer limited to patients who failed radiotherapy or radiochemotherapy, but also includes patients who previously underwent surgical treatment for tumors located from the base of the skull to the lower neck areas (including thyroid cancer)" [517]. Dies bedeutet, dass auch nach alleiniger chirurgischer Therapie des Erstkarzinoms im Kopf-Hals-Bereich bei neu aufgetretenem Rezidiv/Zweittumor bzw. lokoregionären Metastasen im ehemaligen Resektionsgebiet (Narbe) die erneute Chirurgie auch als „Salvage-Chirurgie“ bezeichnet wird.

9.1 Therapieempfehlung bei gegebener Operabilität bzw. Bestrahlungsoption

9.1 · Konsensbasiertes Statement 2024

Die biologischen Eigenschaften von Tumorrezidiven oder Zweitkarzinomen in vorbehandeltem Gebiet sind aus strahlentherapeutischer und chirurgischer Sicht nicht mit Therapie-naiven, also nicht-vorbehandelten Gewebesituationen in der Primärtherapie gleichzusetzen.

Konsens
Starker Konsens (100%)

In der besonderen Betrachtung der Rezidiv-bzw. Zweittumor-Therapie haben sich aktuell einige grundsätzliche Betrachtungen/Vorgehensweisen duchgesetzt [583], die im Folgenden aufgelistet werden.

  • Die biologischen Eigenschaften von Tumorrezidiven oder Zweitkarzinomen in vorbehandeltem Gebiet sind aus strahlentherapeutischer und chirurgischer Sicht nicht mit Therapie-naiven, also nicht-vorbehandelten Gewebesituationen in der Primärtherapie gleichzusetzen.
  • Ganz generell ist festzustellen, dass die Therapie von Rezidivtumoren, -Zweitkarzinomen ohne Fernmetastasen (jedes T, jedes N, nicht M1) nach abgeschlossener Primärtherapie eines Oro-, Hypopharynxkarzinoms bezüglich Prüfung der R0-Operabilität und Bestrahlungs-, bzw. Radiochemofähigkeit den gleichen Prinzipien - unter besonderer Berücksichtigung der veränderten Ausgangssituation in vorbehandeltem Gebiet - wie die Primärtherapie folgt.
  • Bei lokoregionären Oro-, Hypopharynxkarzinom-Rezidiven bzw. Zweitkarzinomen sollte immer die Möglichkeit einer chirurgischen Therapie bei Patienten ohne Fernmetastasen überprüft und im Falle einer wahrscheinlich erreichbaren R0 Resektion im multidisziplinären Tumorboard favorisiert werden.
  • Der Begriff „Salvage-Chirurgie“ ist nicht mehr nur auf Indikationen beschränkt, bei denen eine Strahlen- oder Radiochemotherapie versagt hat, sondern umfasst auch die Therapie von Patienten, die sich zuvor einer alleinigen chirurgischen Behandlung von Tumoren unterzogen haben.
  • Salvage-Chirurgie bei Oro-, Hypopharynxkarzinomen, insbesondere in vorbestrahltem Gebiet, unterliegt in deutlich höherem Maße Komplikationen, wie Wundheilungsstörungen, Wundinfektionen, Sekundärheilungen, persistierender Fistelbildung etc., als primäre Chirurgie in nicht-vorbehandeltem Gewebe und sollte daher Rekonstruktionen mit Transfer von nicht vorbehandeltem Gewebe beinhalten.
  • Die Ausgangsbedingungen für eine gute Wirksamkeit einer Salvage-Chirurgie, Radio- oder Radiochemotherapie bei Oro-, Hypopharynxkarzinom-Rezidiven bzw. -Zweitkarzinomen sind in alleinig voroperiertem Gebiet besser als nach zusätzlicher Vorbestrahlung bzw. primärer Radiochemotherapie, insgesamt jedoch schlechter, als in Therapie-naivem Gewebe.
  • Das diffuse, häufig multizentrische und submuköse Tumorwachstum in vorbehandeltem Gebiet erhöht das Risiko, die Tumorausdehnung und den tatsächlichen Grad der Hypoxie zu unterschätzen, was sowohl für eine Salvage-Chirurgie als auch eine Radio- oder Radiochemotherapie die Bedingungen gegenüber einer Primärtherapie verschlechtert.
  • Oft lässt sich aufgrund der Vernarbung in vorbehandeltem Gebiet („Narbenrezidiv“) die genaue Tumorausdehnung in der Bildgebung schlecht bzw. nicht darstellen. Eine bioptische Sicherung des Rezidivs kann aufgrund der diffusen Ausdehnung in vorbehandeltem Gebiet schwierig sein, da sich der Tumor oft der direkten Visualisierung im Rahmen der Panendoskopie entzieht.
  • Ist im Rahmen der Abklärung eines dringenden Oro-, Hypopharynxkarzinom-Rezidiv-/Zweittumorverdachtes in vorbehandeltem Gewebe eine gezielte Biopsie aufgrund diffuser äußerlich/endoskopisch nicht sichtbarer Tumorausbreitung nicht zielführend, kann zur histologischen Sicherung und Darstellung der Tumorausbreitung eine explorative Salvage-Chirurgie mit begrenzter Resektion suspekter Raumforderungen sowohl im vorbehandelten Primärtumor- als auch im Halsbereich durchgeführt werden.
  • Rezidive nach erfolgter Primärtherapie im Oro-, und Hypopharynx sind prognostisch signifikant ungünstiger als in Mundhöhle und Larynx.

9.1.1 Möglichkeit der Salvage Chirurgie incl. Neck dissection, adjuvanter und primärer Radio-, bzw. Radiochemotherapie

9.2 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Grundsätzlich sollte zur histologischen Sicherung eines Rezidivtumors/Zweitkarzinoms in vorbehandeltem Gebiet eine Biopsie bzw. narbenbedingt eine begrenzte Exzisionsbiopsie durchgeführt werden.

Ist im Rahmen der Abklärung eines dringenden Rezidiv-/Zweittumorverdachtes in vorbehandeltem Gewebe eine gezielte Biopsie aufgrund diffuser äußerlich/endoskopisch nicht sichtbarer Tumorausbreitung nicht zielführend, kann zur histologischen Sicherung und Darstellung der Tumorausbreitung eine explorative Salvage-Chirurgie mit begrenzter Resektion suspekter Raumforderungen sowohl in Oro-/bzw. Hypopharynx als auch im Halsbereich durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.3 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Im Falle eines lokoregionären Rezidivs im vorbehandelten Gebiet sollte geprüft werden, ob eine funktionell sinnvolle R0-Salvageresektion möglich ist.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.4 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Bei lokoregionären Rezidiven oder Zweikarzinomen im Bereich des Oro- oder Hypopharynx im voroperierten, aber nicht vorbestrahlten Gebiet, sollte bei sinnvoll möglicher R0 Resektion eine Resektion +/- adjuvanter Radio- oder Radiochemotherapie erfolgen oder eine primäre Radio- oder Radiochemotherapie durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.5 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Bei lokoregionären Rezidiven oder Zweikarzinomen im Bereich des Oro- oder Hypopharynx im vorbestrahlten Gebiet sollte bei gegebener funktionell sinnvoller R0-Resektabilität eine Salvageresektion einer nicht-operativen Therapie vorgezogen werden.

Eine postoperative Re-Bestrahlung kann insbesondere nach der Salvageresektion angeboten werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • ein langes Intervall zur 1. Bestrahlungsserie (mindestens 6 Monate)
  • keine Grad IV Spätfolgen der 1. Bestrahlungsserie im erneut zu bestrahlenden Bereich
  • keine größeren Wundheilungsstörungen nach Salvageresektion
  • wenn Risikofaktoren vorliegen (z.B. Resektion <5mm i.G., >1 befallener LK oder ECE)
Konsens
Starker Konsens (95%)
9.6 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Wenn eine postoperative Re-Bestrahlung (ggf. mit kombinierter Chemotherapie) nach Salvageresektion durchgeführt wird, sollte eine Gesamtdosis von mindestens 50 Gy (R0) – 60 Gy (R1/2) in 2 Gy Äquivalenzdosis für einen alpha/beta-Wert von 10 Gy angestrebt werden.

Das CTV sollte in dieser Situation so klein wie sinnvoll möglich gehalten werden (z.B. ehemalige Tumorregion 5-10 mm), um das Volumen im Normalgewebe, dass kumulativ >100 Gy erhält zu minimieren.

Eine simultane Chemotherapie kann analog zur primären Radiochemotherapie ausgewählt werden. Bei kurzem Intervall (6-12 Monate) zur vorherigen Chemotherapie sollte ein alternatives Chemotherapieschema bevorzugt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.7 · Konsensbasiertes Statement 2024

Im Falle eines lokoregionären Rezidivs der Halslymphknoten eines ursprünglichen Oropharynx- (unabhängig vom HPV-Status) oder Hypopharynxkarzinoms in vorbestrahltem/voroperiertem Gebiet sollte bei gegebener funktionell sinnvoller Operabilität eine Salvage-Neck dissection durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Die Empfehlung für die praktische Vorgehensweise richtet sich im Falle eines lokoregionären Rezidivs (Tumor und Halslymphknoten) nach den oben dargestellten wenigen Daten und in Lehrbüchern zusammengetragenen klinischen Erfahrungen. Leider sind die Kollektive überwiegend gemischt, also primär chirurgisch +/- adjuvante Bestrahlung bzw. Radiochemotherapie, oder strahlentherapeutisch vorbehandelt, sodass die aktuelle Datenlage keine eindeutige standardisierbare Empfehlung für die beste Therapie des lokregionären Rezidivs in vorbehandeltem Gebiet zulässt. Randomisierten Studien im direkten Vergleich von Salvage Chirurgie +/- postoperativer Radio- oder Radiochemotherapie zur Radio- oder Radiochemotherapie liegen nicht vor. Ebenso wenig sind diesbezüglich Daten aus größeren prospektiven Registerstudien verfügbar. Für die Einschätzung von Therapieeffekten verbleiben daher nur Fallsammlungen mit größtenteils kleinen Fallzahlen (30 - 250) mit gemischten Patientenkollektiven [584][572] [585][586], die im Rahmen der Primärtherapie (also nicht Rezidivtherapie) am häufigsten eine Resektion mit postoperativer Radio- oder Radiochemotherapie oder eine primäre Radio- oder Radiochemotherapie erhalten hatten, aber auch wenige Patienten alleinig chirurgisch vorbehandelt waren. Als resektabel eingestufte lokoregionäre Rezidive wurden ganz überwiegend chirurgisch behandelt, wohingegen als nicht resektabel eingestufte Rezidive mittels Radio- oder Radiochemotherapie inklusive Brachytherapie oder mit einer alleinigen Chemotherapie oder auch nur mit "Best Supportive Care" behandelt wurden. Damit liegt in diesen Fallserien ein deutliches Bias zu Ungunsten nicht-operativer Therapieverfahren vor, der bei der ohnehin spärlichen Datenlage berücksichtigt werden sollte. Wenn man aber auf dieser Basis die Ergebnisse verschiedener Therapieverfahren miteinander vergleicht, zeigt sich in Metaanalysen ein klarer Überlebensvorteil (10%-30%) für die Salvage-Chirurgie im Vergleich zu nicht operativen Therapieverfahren [587][588][589][569][590]. Dabei ist zu beachten, dass der überwiegende Anteil der Patienten in diesen Fallserien trotz Vorbestrahlung eine postoperative Radio- oder Radiochemotherapie erhalten hat. Sofern eine R0 Resektion gelingt, liegt das Gesamtüberleben 5 Jahre nach Salvage-Chirurgie in den Metaanalysen zwischen 20% - 40%  [587][587][569]  [589] und bei HPV16/p16-positiven Oropharynxkarzinomen sogar bei 50%-60% [589] und zeigt damit das hohe kurative Potential des salvage-chirurgischen Vorgehens. Im Falle einer R1-Resektion [569], oder bei Nachweis von Lymphknotenmetastasen mit extrakapsulären Wachstum, ist die Prognose deutlich schlechter [586]. Ein langes Intervall zwischen Ersttherapie und Rezidivtherapie ist dagegen ein günstiger Prognosefaktor [589]. Zweittumoren haben eine bessere Prognose als Rezidivtumoren [591].

Trotz aller zuvor beschriebenen Limitationen der Daten zur Therapie von lokoregionäre Rezidiven von Oro- und Hypopharynxkarzinomen, sollte die Möglichkeit einer chirurgischen Therapie bei Patienten ohne Fernmetastasen überprüft und im Falle einer wahrscheinlich erreichbaren R0-Resektion favorisiert werden. Bei lokoregionären Rezidiven oder Zweitumoren in nicht-vorbestrahlten Geweben stellt eine alleinige Radio- oder Radiochemotherapie sowohl bei Limitationen der Resektabilität als auch bei gegebener Resektabilität bei in der Bildgebung klar umgrenzter und bioptisch gut zu sichernder Tumorausdehnung eine sinnvolle Alternative dar.

Rezidiv bzw. Zweittumor in vorbehandeltem narbig veränderten Gewebe

Bei der chirurgischen Therapie von Tumorrezidiven oder Zweitkarzinomen in vorbehandeltem Gebiet (Narbenkarzinome) müssen also aus strahlentherapeutischer und chirurgischer Sicht die oben diskutierten Aspekte berücksichtigt werden, die bei der Primärtherapie von nicht-vorbehandelten Gewebe außer Acht gelassen werden können. Dies ist insbesondere bei größeren Resektionsarealen (Neck dissection, T2-4 Primärtumorresektion mit Rekonstruktion) zu berücksichtigen. Oft sind mit einem veränderterten Lymphabfluss des vorbehandelten Gewebes, der schlechteren Durchblutung in Narbengewebe und damit aufgrund der oft zu beobachtenden schlechteren Sauerstoffversorgung (Hypoxie) ausreichende Gründe gegeben, um eine eingeschränkte Strahleneffektivität anzunehmen (siehe Eingangstext 9.1). Auch lässt sich bei Narbenrezidiven die genaue Tumorausdehnung in der Bildgebung nicht sicher darstellen. Eine bioptische Sicherung des Rezidivs kann aufgrund der diffusen Ausdehnung in der Narbe schwierig sein, da sich der Tumor oft der direkten Visualisierung im Rahmen der Panendoskopie entzieht. Insbesondere bei Vernarbungen ist deshalb eine unkritische Direktübertragung der Prinzipien einer Primärtherapie in nicht-vorbehandeltem Gebiet nicht zu empfehlen. Daher ist im Rahmen der Abklärung einer Rezidiv-/Zweittumorausdehnung eine explorative Salvage-Chirurgie mit Resektion suspekter Raumforderungen sowohl im HNSCC-Primärtumorgebiet als auch im lokoregionären Halsbereich nach/anstatt ergebnislosem Versuch einer Biopsie aus den oben genannten Gründen zu rechtfertigen und wird von führenden Kopf-Hals-Onkologen explizit empfohlen (auch die Mandatsträger der vorliegenden Leitlinie stimmten dieser Empfehlung zu 100% zu). Oft ist die genaue Tumorausdehnung nur durch ein solches Vorgehen zu ermitteln, indem vertretbare Salvageresektionen vorgenommen werden können, ohne vorher frustrane Biopsieversuche durchzuführen (beispielsweise begrenzte Neck dissection, Resektion eines narbig veränderten Tonsillenbettes nach Voroperation etc.). In dieser besonderen Situation berührt die explorative Chirurgie diagnostische und therapeutische Kriterien gleichermaßen. Auch führt dieses Vorgehen in erfahrenen Händen zu relevanten Zeiteinsparungen eines ansonsten sehr langwierigen und durch Biopsien an falscher Stelle geprägten, nicht zielführenden Stagingverfahrens. Darüber hinaus ergibt sich aus der anschließenden histopahthologischen Ausdehnungsbeschreibung die genauere Planungsgrundlage für eine mögliche Nachresektion und gezielte adjuvante Radio-/Radiochemotherapie bzw. Re-Bestrahlung.  

Besondere Aspekte der Salvage-Laryngopharyngektomie

Die Salvage-Laryngopharyngektomie bei Rezidiven im Hypopharynx nach primärer Radio(chemo)therapie ist häufig die einzige noch kurative Therapieoption bei Patienten mit fortgeschrittenen Hypopharynxkarzinomen und stellt einen integralen Bestandteil der multimodalen Therapie fortgeschrittener Hypopharynxkarzinome dar. Die Salvage-Laryngopharyngektomie ist gekennzeichnet durch eine erschwerte intraoperative Präparation, da die Radiotherapie im Gewebe zu einer narbigen Umwandlung und Minderdurchblutung des Gewebes führt (Analogie Kap. 7.7. S3-Larynxleitlinie [2]). Salvage-Chirurgie, insbesondere in vorbestrahltem Gebiet, unterliegt in deutlich höherem Maße Komplikationen, wie Wundheilungsstörungen, Wundinfektionen, Sekundärheilungen, persistierende Fistelbildung etc., als Chirurgie in nicht-vorbehandeltem Gewebe. Ganz generell ist hier der freie und gestielte Gewebetransfer mit nicht vorbehandeltem, gut vaskularisierten Gewebe, sowie ein kompetentes Wundmanagement zu empfehlen [592][593][594][594][595][596][597][598][599]. Darüber, welcher Gewebetransfer insbesondere im Falle einer Salvage Laryngopharyngektomie bei einem Hypopharynxkarzinomrezidiv/-residualtumor nach primär erfolgter larynxorganerhaltender-multimodaler Therapie optimal ist, herrscht in der Literatur keine Einigkeit (Verweis auf Kap 7.7. S3 Larynxleitlinie [2]). Hier liegen fast ausschließlich retrospektive Kohortenstudien vor. Die meisten Studien liegen zum Pectoralis-major-Lappen vor [600][601]. In wenigen Studien erfolgt ein Vergleich zweier unterschiedlicher Lappenplastiken [601][602]. In einer retrospektiven Kohortenanalyse von 359 Patienten bezüglich Pharynxfisteln nach Salvage-Laryngektomie konnte gezeigt werden, dass die Fistelrate nach Rekonstruktion mittels Pectoralis-major-Lappen (15%) signifikant geringer war als nach Rekonstruktion mittels freiem Lappen (25%) oder primären Wundverschluss (34%). Bei Patienten, die eine Fistel entwickelten, war die Persistenz der Fistel bei Primärverschluss (14 Wochen) signifikant länger im Vergleich zu Rekonstruktion mittels Pectoralis-major-Lappen (9 Wochen) oder freien Lappen (6,5 Wochen) [601]. In einer jüngeren Arbeit von Piazza et al. [603] konnten beeindruckend niedrige Fistelraten nach Salvage-Chirurgie mit freiem Gewebetransfer beschrieben werden:  In die Studie wurden 55 Patienten (Durchschnittsalter 66 Jahre; Männer-zu-Frau-Verhältnis 8:1) einbezogen. Vorherige Behandlungen waren Bestrahlung bei 22 (40%) Patienten, Radiochemotherapie bei 21 (38,2%) und eine Kehlkopfteilresektion, gefolgt von einer adjuvanten (C)RT bei 12 (21,8%). Die Rekonstruktion wurde bei 16 (29,1%) bzw. 39 (70,9%) Patienten durch radiale Unterarm- und anterolaterale Oberschenkellappenplastiken (ALT) erreicht. Die Erfolgsquote der Lappenplastik betrug 98,2% bei lediglich drei pharyngokutanen Fisteln (5,4%) und einer pharyngo-ösophagealen Stenose (1,8 %) [603].

So kann geschlussfolgert werden, dass im Rahmen der Salvage-Laryngopharyngektomie das Einbringen von Gewebe aus dem nicht bestrahlten Bereich das Fistelrisiko signifikant senken kann, wobei keine Evidenz zur Art des Gewebetransfers vorliegt [601][604][605][606][607]. Aus zahlreichen jüngeren Mitteilungen wissen wir heute, dass ein prinzipiell resektables Hypopharynxkarzinom nach erfolgter primärer Radiochemotherapie nicht zwangsläufig salvage-operabel sein muss. Nach neuen Mitteilungen erwiesen sich lediglich weniger als die Hälfte der zuvor resektablen Tumoren nach Radiochemotherapie als nicht mehr resektabel/operabel [608].  Weitere Hinweise zu den aktuellen Techniken der rekonstruktiven Kopf-Hals-Chirurgie wurden in Kap 8.1.1 und 8.2.1. gegeben.

Für die Rezidiverkennung von Oro- und Hypopharynxkarzinomen im Allgemeinen zeigten die wenigen vom IQWiG identifizierten verwertbaren Studien beim Technologievergleich PET vs. Kombination aus CT und/oder MRT, dass die PET eine deutlich höhere gepoolte Sensitivität als die Kombination aus CT und/oder MRT hatte. Hierbei wird die Spezifität durch falsch positive Befunde infolge einer Anreicherung in entzündlichen Läsionen reduziert. Für die FDG-PET ergab sich jedoch eine höhere Zuverlässigkeit mit einer Sensitivität von 100% und einer Spezifität von 61- 71% als für die CT und/oder MRT [172]. (Kap. 7.3).

Eine besondere Situation stellt die geplante Neck dissection nach definitiver Radiochemotherapie bei nodalpositiven Oropharynx- und Hypopharynxkarzinomen dar. Hier sollte eine Salvage-Neck dissection nur dann im unmittelbaren Nachgang der Primärtherapie erwogen werden, wenn die FDG-PET-CT sich als positiv erweist. Hintergrund und Empfehlungen wurden in Kap. 7.3. detailliert ausgeführt (siehe Empfehlungen 7.14 - 7.16, [202]).

Postoperativen Radiochemotherapie nach Salvage-Chirurgie

Der Stellenwert einer postoperativen Radiochemotherapie nach Salvage-Chirurgie wurde in einer kleineren randomisierten Studie (n=130) untersucht [609]. Dabei konnte ein statistisch signifikanter und klinisch relevanter Vorteil bei der lokoregionären Tumorkontrolle und dem rückfallfreien Überleben durch die adjuvante Radiochemotherapie nachwiesen werden. Ein statistisch signifikanter Überlebensvorteil konnte bei der kleinen Fallzahl nicht nachgewiesen werden. Die Radiochemotherapie wurde dabei mit dem in Europa kaum genutzten Chicago-Schema mit 60 Gy in 30 Fraktion über 11 Wochen in Kombination mit simultanen 5-Fluorouracil und Hydroxyurea appliziert. In einer multiinstitutionellen Auswertung einiger US Zentren (216 Patienten) konnten eine postoperative Strahlentherapie +/- Chemotherapie (70%, vorwiegend Cisplatin basiert) mit Gesamtdosen >60 Gy kein Nutzen gegenüber Gesamtdosen von 40 Gy – 60 Gy in Bezug auf das Überleben und die lokoregionäre Rückfallrate nachgewiesen werden [610]. Die Rate von >= Grad 3 Spätnebenwirkungen lag bei Gesamtdosen <60 Gy bei 24% im Vergleich zu 32% bei Gesamtdosen oberhalb von 60 Gy. Die überwiegende Anzahl der Patienten in dieser Fallserie wurden mit 5 x 1,8-2,0 Gy pro Woche bestrahlt, ein kleinerer Anteil mit 2 x 1,5 Gy pro Tag 5 x pro Woche. Bezüglich der lokoregionären Rückfallrate ergab sich ein Trend (13% geringer) zugunsten der hyperfraktionierten Strahlentherapie. Eine elektive Bestrahlung nicht befallener angrenzender Lymphknotenlevel führte zu keiner Verbesserung der Ergebnisse.

Radio- oder Radiochemotherapie bei funktionell nicht sinnvoller R0-Resektabilität

Sofern eine R0-Resektion bei lokoregionären Rezidiven und Zweitkarzinomen nicht sinnvoll möglich erscheint, sollte bei Patienten ohne Fernmetastasen die Möglichkeit einer Radio- oder Radiochemotherapie überprüft werden. Für vorbestrahlte Patienten, die mit Re-Bestrahlung (z.T. auch mit Brachytherapie) +/- Chemotherapie ohne vorhergehende Salvage-Chirurgie therapiert wurden, wurde in Metaanalysen ein Gesamtüberleben nach 2 Jahren von 30%  [611][584] bis 41% [612] und nach 5 Jahren von 16% [587] berichtet. Dabei wurden in der überwiegenden Anzahl der Fallserien Gesamtdosen von 45 Gy - 70 Gy (im median 60 Gy) in konventioneller Fraktionierung (1,8 - 2 Gy Einzeldosis) oder in einigen Serien auch hyperfraktionierte Strahlentherapien mit 2 x 1,5 Gy pro Tag erreicht. In mehreren Fallserien wurden ein besseres Überleben und eine geringere lokoregionäre Rückfallrate mit Gesamtdosen von >50 Gy [613] bzw. >60 Gy [577] dargestellt. Ein Vorteil für hyperfraktionierte Strahlentherapien mit 2 x 1,5 Gy pro Tag wurde dabei nicht gesehen. In einer größeren Fallserie (n=216) wurde der Effekt einer elektiven Bestrahlung von angrenzenden, nicht befallenen Lymphknotenregionen untersucht [577] und kein Nutzen gefunden. Aus kleineren Fallserien zum Einsatz der hypofraktionierten stereotaktischen Radiotherapie mit Gesamtdosen von 10 - 50 Gy in 1- 8 Fraktionen wurden vergleichbare Überlebensraten berichtet wie mit der konventionellen Fraktionierung [611]. Insgesamt liegen aber deutlich mehr Erfahrungen mit der konventionell fraktionierten Rebestrahlung vor. Eine Re-Bestrahlung mit Protonen hat bezüglich der Dosisverteilung theoretische Vorteile gegenüber einer Therapie mit Photonen. Die erste größere publizierte Fallserie (n=242) zeigte Ergebnisse, die im oberen Bereich der mit Photonentherapie publizierten Daten liegen [614]. Simultan zur Re-Bestrahlung wurde bei dem überwiegenden Teil der Patienten in vorgenannten Fallserien eine Systemtherapie mit Cisplatin, Carboplatin, Cetuximab, Docetaxel, Paclitaxel, 5-FU, Capecitabin, Hydroxyurea oder Zweierkombination aus den genannten Substanzen eingesetzt. Welche Substanzen in Kombination mit Rebestrahlung am effektivsten sind und ob überhaupt ein Nutzen besteht, ist nicht bekannt. Wegen der Limitation der Gesamtdosis und des Volumens bei einer Rebestrahlung wird eine zusätzliche Systemtherapie aber als sinnvolle Option angesehen und wurde dementsprechend häufig in den zitierten Fallserien benutzt. Insbesondere wenn kein Cisplatin während der Primärbehandlung eingesetzt wurde, liegt es nahe, eine cisplatinhaltige Chemotherapie auch in Kombination mit der Rebestrahlung zu applizieren. Für den Einsatz von Induktionstherapien vor einer Rebestrahlung +/- simultaner Chemotherapie und dem Einsatz von Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Re-Bestrahlung gibt es bisher keine belastbaren Daten.

Die akute Toxizität einer Re-Bestrahlung +/- Chemotherapie unterscheidet sich nicht wesentlich von der Toxizität der Therapie bei nicht vorbestrahlten Patienten. Allerdings ist mit einem erhöhten Risiko von Spättoxizitäten zu rechnen. Die publizierten Raten von >=3 Spätfolgen liegen in den meisten Studien zwischen ca. 10% und 40% [611][615] [612] [591]. Zu den häufigeren Grad 3-4 Spätfolgen gehören Trismus, Fibrosen, Pharynxstenosen und Fisteln sowie Osteoradionekrose (bis zu 17%) [609]. Therapiebedingte Todesfälle wurden mit diesen Therapien bei 0,1% - 8,4% der Patienten beobachte [611][615]. Massenblutungen aus der A. carotis (carotid blowout syndrome) machen nur einen kleinen Anteil dieser Todesfälle aus, sofern nicht die A. carotis weitgehend vom Rezidivtumor umwachsen wird [616]. Die Grad 3-4 Spätnebenwirkungen sind häufig mit einer, aufgrund überwiegend schlechteren Schluckfunktion, verminderten Lebensqualität verbunden. Gesamtdosen der Re-Bestrahlung von mehr als 60 Gy in konventioneller Fraktionierung sind sowohl bei der postoperativen Bestrahlung als auch bei der definitiven Bestrahlung mit einem ca. 10% erhöhten Risiko von Grad 3-4 Spätfolgen verbunden [577]. In den Kollektiven, die eine postoperative Re-Bestrahlung +/- Chemotherapie erhalten haben, sind die Grad 3-4 Spätfolgen durchschnittlich um ca. 5-20% höher als bei alleiniger Re-Bestrahlung +/- Chemotherapie [609][577]. Bei der Entscheidung, welche Patienten für eine Re-Bestrahlung +/- Chemotherapie geeignet sind, ist zu beachten, dass bei allen hier berichteten Studien und Fallserien Patienten mit Grad 4 Spätfolgen der Vorbestrahlung nicht mit einer Re-Bestrahlungen behandelt wurden. Darüber hinaus lag der Abstand von der ersten Bestrahlung bei fast allen Patienten bei >6 Monaten.

Es gibt Hinweise aus einigen Fallserien, dass in Geweben, die mit kumulativ mehr als 120 Gy (2 Gy Äquivalenzdosis mit dem alpha/beta Wert des jeweiligen Normalgewebes) belastet wurden, häufiger Grad 4 Nebenwirkungen auftreten [617]. Das gilt auch für das “carotid blowout syndrome“. Volumina, die kumulative Gesamtdosen von >120 Gy erhalten, sollten daher so klein wie möglich gehalten werden. Gesamtdosen von kumulativ >130 Gy bis maximal 137 Gy wurden in den verfügbaren Fallserien nur in Ausnahmefällen berichtet [612]. Je größer der Abstand von der Vorbestrahlung ist und je weniger Spätfolgen von den Vortherapien vorhanden sind, desto geringer ist das Risiko für schwere Spätfolgen einzuschätzen. Ergänzende Hinweise zu diesem Themenkomplex hat die „American Radium Society“ publiziert [575]. Der Einfluss einer zusätzlichen simultanen Chemotherapie auf die höhergradigen Spätfolgen eine Re-Bestrahlung ist unzureichend in den Fallserien dokumentiert, um eine diesbezügliche abschließenden Abschätzung vorzunehmen.

Radio-oder Radiochemotherapie bei nicht vorbestrahlten Patienten mit Rezidiven nach alleiniger chirurgischer Therapie

Sehr wenig Daten liegen für den Effekt einer primären Radio-oder Radiochemotherapie bei nicht vorbestrahlten Patienten mit Rezidiven nach alleiniger chirurgischer Therapie vor. In einer Fallsammlung (n=75) von lokoregionären Rezidiven von Hypopharynx- und Larynxkarzinomen [618] wurde eine 5-Jahresüberlebensrate von 76% nach ca. 70 Gy in 2 Gy Einzeldosis +/- cisplatinhaltiger Chemotherapie beobachtet. Dieses Ergebnis liegt nur geringfügig unterhalb der für das behandelte Patientenkollektiv erwarteten Ergebnissen bei nicht vorbehandelten Patienten. In dieser Situation sollte die Radio- oder Radio-Chemotherapie nach den gleichen Grundsätzen und Empfehlungen wie bei der Primärtherapie erfolgen (siehe Kapitel 8), wobei der durch den chirurgischen Eingriff möglicherweise veränderter Lymphabfluss und die Narbensituation (wie oben ausführlich ausgeführt) berücksichtigt werden sollte. In dieser besonderen Situation sollte also auch einer Salvage-Chirurgie +/- adjuvanter Radio- bzw. Radiochemotherapie der Vorzug gegeben werden, soweit dies sinnvoll möglich erscheint.

9.1.2 Strahlenreserve, Reiradiation

9.8 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Die Patienten sollen im Falle eine Re-Bestrahlung  über das deutlich erhöhte Risiko von Grad IV Spätfolgen der Strahlentherapie aufgeklärt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.9 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Bei lokoregionären Rezidiven oder Zweitkarzinomen im Bereich des Oro- oder Hypopharynx im vorbestrahlten Gebiet, bei denen eine R0-Resektion nicht sinnvoll möglich ist, kann eine Re-Bestrahlung möglichst in Kombination mit einer simultanen Chemotherapie erfolgen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • ein langes Intervall zur 1. Bestrahlungsserie (mindestens 6 Monate)
  • keine Grad IV Spätfolgen der 1. Bestrahlungsserie im erneut zu bestrahlenden Bereich

Die simultane Chemotherapie kann analog zur primären Radiochemotherapie ausgewählt werden. Bei kurzem Intervall (6-12 Monate) zur vorherigen Chemotherapie sollte ein alternatives Chemotherapieschema bevorzugt werden.

 

Konsens
Starker Konsens (91%)
9.10 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Wenn eine Re-Bestrahlung in kurativer Intention bei einem lokoregionären Rezidiv/Zweitkarzinom durchgeführt wird, sollte eine Gesamtdosis von ca. 60 Gy (2 Gy Äquivalenzdosis für einen alpha/beta-Wert von 10 Gy) angestrebt werden.

Das CTV sollte in dieser Situation so klein wie sinnvoll möglich gehalten werden (z.B. GTV + 5 mm), um das Volumen im Normalgewebe, dass kumulativ >100 Gy erhält zu minimieren.

Die Patienten sollen im Falle eine Re-Bestrahlung über das deutlich erhöhte Risiko von Grad IV Spätfolgen der Strahlentherapie aufgeklärt werden.

 

Konsens
Starker Konsens (100%)

9.2 Therapieempfehlung bei nicht gegebener Operabilität bzw. Bestrahlungsoption

Patienten mit gutem Allgemein- und Leistungszustand sollen einer palliativen, in der Regel Cisplatin-basierten, Systemtherapie zugeführt werden, wenn die Möglichkeiten der Salvagechirurgie und/oder Radio-, bzw. Radiochemotherapie ausgeschöpft, bzw. nicht mehr möglich sind. Bei Patienten mit einem fortgeschrittenen, rezidivierten oder metastasierten Oro- oder Hypopharynxkarzinom können mit einer palliativ intendierten Chemotherapie, ggf. in Kombination mit Immuno-Checkpointinhibitoren Ansprechraten von 10-43% erzielt werden [619] [620]. Die Auswahl der einzusetzenden Wirkstoffe richtet sich aktuell nach der Expression von PD-L1 im Tumorgewebe (CPS, TPS relevant für den Immuno-Checkpointinhibitor Pembrolizumab; siehe Kap. 7.5.2), nach dem Remissionsdruck zum Zeitpunkt der Therapieindikation und der Frage, ob bereits eine Cisplatin-basierte Radiochemotherapie innerhalb der letzten 6 Monate stattgefunden hat. Bei mehr als 6 Monaten Abstand zur vorausgegangenen platinhaltigen Erstlinien-Kombination kann auch eine erneute Platin-Therapie (ggf. auch als Kombination) in Erwägung gezogen werden [621].

Besondere Betrachtung der medikamentösen Systemtherapie beim rezidivierten oder metastasierten Oropharynxkarzinom: Einfluss des HPV-Status:

Bei Patienten mit metastasiertem/rezidiviertem Oropharynxkarzinom zeigt sich unter Chemotherapie mit Docetaxel + Cisplatin + Cetuximab (TPEx) ein Überlebensvorteil für Pat. mit p16-positiven im Vergleich zu Pat. mit p16-negativen Tumoren (HR 0,61) [622]. Für die Kombination FU + Cisplatin + Cetuximab (EXTREME) ist auf Grund zu geringer Fallzahlen ein Unterschied im Überleben zwischen Patienten mit p16-positiven versus p16-negativen Tumoren nicht belegt [623]. Da die Studien nicht auf diese Fragestellung gepowert waren, ist die Aussagekraft begrenzt [624]. Bei Patienten mit metastasiertem/rezidiviertem Oropharynxkarzinom zeigte sich unter Immuntherapie mit PD1- oder PD-L1-Inhibitoren (Nivolumab, Pembrolizumab, Durvalumab) bis lang kein Unterschied zwischen Patienten mit p16-positiven und p16-negativen Tumoren bzgl. des Endpunkts "Gesamtüberleben". Das Ansprechen auf die Immuntherapie ist aber generell bei p16-positiven Tumoren besser als bei p16-negativen Tumoren [625] [626] [627].

9.2.1 "First line" medikamentöse Tumortherapie

9.11 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Der gegen den PD-1-Rezeptor gerichtete Antikörper Pembrolizumab soll bei Patienten mit metastasiertem oder nicht lokal therapierbarem rezidivierten Oro-, Hypopharynxkarzinom mit PD-L1-exprimierenden Tumor- und Immunzellen (CPS ≥ 1) als first-line Monotherapie (vor allem bei CPS ≥ 20 und bei geringer Krankheitslast) oder in Kombination mit Platin und 5-Fluorouracil eingesetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.12 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Nach 4-6 Zyklen einer solchen Kombinationstherapie (Empfehlung 9.11) soll bei nicht progredienter Erkrankung eine Erhaltungstherapie bis zum Progress oder Unverträglichkeit mit Pembrolizumab bei PD-L1 positiven Patienten bzw. bei negativem PD-L1 Status (CPS < 1) mit Cetuximab nach EXTREME/TPEx-Protokoll erfolgen.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.13 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Bei Patienten mit metastasiertem oder nicht lokal therapierbarem rezidivierten Oro-, Hypopharynxkarzinom in gutem Allgemeinzustand (ECOG PS ≤ 1), die immunhistologisch keine PD-L1 exprimierenden Tumor- oder Immunzellen (CPS < 1) aufweisen, sollte Cetuximab als first-line Therapie in Kombination mit Platin (vorzugsweise Cisplatin) und 5-Fluorouracil (EXTREME-Protokoll) oder mit Docetaxel an Stelle von 5-FU (TPEx-Protokoll) eingesetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.14 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Nach einer platinbasierten Vortherapie kann insbesondere bei Patienten, die für eine kombinierte Chemo(immun)therapie nicht geeignet sind oder bei denen ein geringer Remissionsdruck besteht, anstelle einer Monotherapie mit Pembrolizumab auch Nivolumab als first-line Monotherapie (unabhängig von der PD-L1 Expression) erwogen werden.

Konsens
Starker Konsens
9.15 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Bei Patienten mit metastasiertem oder nicht lokal therapierbarem rezidivierten Oro-, Hypopharynxkarzinom mit CPS < 1, die für eine Kombinationstherapie mit Cisplatin oder mit 5-FU ungeeignet sind, kann eine Kombinationstherapie mit Docetaxel (oder Paclitaxel) und Cetuximab, oder Nivolumab Monotherapie (nach vorheriger Platin-basierter Radio-Chemo-, oder alleiniger Platin-basierter Chemotherapie) eingesetzt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.16 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Bei Patienten mit metastasiertem oder nicht lokal therapierbarem rezidivierten Oro-, Hypopharynxkarzinom in reduziertem Allgemeinzustand (ECOG PS ≥ 2) und gegebenen Kontraindikationen zur Immuntherapie sollte primär eine Monotherapie, beispielsweise mit Docetaxel oder Cetuximab (off label), erwogen und gegen eine alleinige symptomorientierte Supportivtherapie abgewogen werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Bei Pat. mit Frührezidiv nach einer Cisplatin-basierten Radiochemotherapie wird die Auswahl zwischen entweder einer Immuntherapie mit Nivolumab [625] oder Pembrolizumab oder einer Monochemotherapie, beispielsweise mit Docetaxel oder Paclitaxel, getroffen. Nivolumab kann hier unabhängig von einer PD-L1 Expression verabreicht werden (Zulassung 2017). Bei Patienten mit Rezidiv nach (mehr als) 6 Monaten bzw. Patienten mit Erstdiagnose R/M HNSCC ohne kurative Option und CPS ≥ 1 (Nähere Erklärung CPS in Kap. 7.5.2) wird Pembrolizumab als Monotherapie oder in Kombination mit Chemotherapie (Platin und 5-FU) verabreicht. Die Pembrolizumab-Monotherapie kommt bei Pat. mit einer PD-L1-Expression von CPS ≥ 1 (Nähere Erklärung CPS in Kap. 7.5.2) in Frage, wenn kein hoher zeitlicher Remissionsdruck besteht.

In der Keynote-048-Studie wurde das EXTREME-Protokoll mit anschließender Cetuximab-Erhaltungstherapie gegen den PD1-Inhibitor Pembrolizumab alleine sowie gegen die Kombination aus Pembrolizumab, Cisplatin und 5-FU mit anschließender Pembrolizumab-Erhaltungstherapie randomisiert geprüft [620]. Hierbei betrug die Subgruppe von Patienten mit Oro- und Hypopharynxkarzinomen ca. 48 %. Pembrolizumab allein zeigte gegenüber EXTREME in einer Population mit einem CPS ≥ 1 ein verbessertes Gesamtüberleben von 12.3 versus 10.4 Monaten. Pembrolizumab in Kombination mit Chemotherapie verbesserte in der Population mit einem CPS ≥ 1 das Gesamtüberleben um 3 Monate (13.6 versus 10.6 Monate). Pembrolizumab führte als Monotherapie bei Pat. mit hoher PD-L1-Expression (CPS ≥ 20) zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens von 10,7 auf 14,9 Monate, bei deutlich besserem Nebenwirkungsprofil. Da mehr Patienten unter Pembrolizumab-Monotherapie als unter der gleichzeitigen oder alleinigen Chemotherapie primär progredient waren, wird bei hohem zeitlichem Remissionsdruck typischerweise eine Kombination von Pembrolizumab mit Cisplatin und 5-FU verabreicht. Dieses Protokoll entspricht dem aktuellen First-Line-Standard und hat für die Gruppe der Patienten mit CPS ≥ 1 den bisherigen Standard (EXTREME-Protokoll) auf höchstem Evidenzniveau (Evidenzgrad A1) abgelöst [620].

Mit der Kombination aus Pembrolizumab, Cisplatin und 5-FU wird im Vergleich zum EXTREME-Protokoll bei Pat. mit einer PD-L1-Expression CPS ≥ 1 eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens bei vergleichbarer Remissionsrate erreicht. Allerdings ist die Rate an Nebenwirkungen vergleichbar mit dem EXTREME-Protokoll und deutlich höher als mit Pembrolizumab alleine. Die Rate an Nebenwirkungen der Kombination von Pembrolizumab mit Platin/5-FU ist vergleichbar mit der Nebenwirkungsrate im EXTREME-Arm und deutlich höher als unter der Monotherapie mit Pembrolizumab. Letale therapiebedingte unerwünschte Ereignisse bei Gabe von Pembrolizumab ergaben sich in 1% (Monotherapie) bzw. in 4% (in Kombination mit Chemotherapie) sowie in 3% bei Gabe von Cetuximab in Kombination mit Chemotherapie [620]. Auch die kombinierte Chemo-Immuntherapie nach Protokoll der KN048-Studie hat sich gegenüber dem bisherigen EXTREME-Standard durchgesetzt und diesen auf höchstem Evidenzniveau (Evidenzgrad A1) [628] abgelöst.

Hinsichtlich der Cisplatin-basierten kombinierten Systemtherapie galt die Kombination von Platin mit dem monoklonalen EGFR-Antikörper Cetuximab und 5-Fluorouracil (mit anschließender Cetuximab-Erhaltungstherapie) aufgrund der Daten der randomisierten Phase III-Studie EXTREME seit 2008 als Standard in dieser Situation [623], bevor auf Basis der Keynote 048-Studie die oben genannte Pembrolizumab Mono- oder Chemokombinationstherapie 2019 zugelassen wurde. Die EXTREME-Dreier-Kombination zeigte als erste überhaupt gegenüber Platin in Kombination mit 5-FU eine signifikant gesteigerte Ansprechrate, progressionsfreies- und Gesamtüberleben (10,1 vs 7,4 Monate mit einer HR von 0.8) und war somit in allen Effektivitätsparametern positiv. Die Lebensqualität der Pat. konnte im Verlauf der Therapie bei allenfalls unwesentlicher Zunahme der Toxizität verbessert und die tumorbedingten Symptome reduziert werden [629]. Die Erhaltungstherapie mit Cetuximab war gut verträglich in dieser Phase-III-Studie. Ein prädiktiver Biomarker zur Selektion der Patienten für diese Therapie ließ sich bis heute nicht identifizieren [624] [630]. Weitere EGFR-Antikörper wie Panitumumab oder der VEGF-Antikörper Bevacizumab konnten die Ergebnisse der EXTREME-Studie nicht erreichen, sodass Cetuximab bislang der einzige zugelassene EGFR-Antikörper in Kombination mit platinhaltiger Chemotherapie in der palliativen Erstlinien-Therapie des rezidivierten oder metastasierten Plattenepithelkarzinoms der Kopf-Hals-Region ist.

In der randomisierten Phase-II-Studie TPExtreme [622] wurde das lange gültige Standardprotokoll EXTREME mit einer Kombination von Cisplatin, Docetaxel und Cetuximab (TPEx) verglichen. Bei 541 randomisierten Pat. konnte gezeigt werden, dass durch den Ersatz von 5-FU durch Docetaxel eine signifikant bessere Verträglichkeit und Therapiedurchführbarkeit erreicht werden kann, ohne dass die Wirksamkeit verringert wird. Die Chemotherapie wurde bei TPEx von 6 Zyklen auf 4 Zyklen verkürzt und die Cisplatin-Gesamtdosis gegenüber dem EXTREME-Protokoll um 50% reduziert. Seit der Publikation dieser Studienergebnisse gilt TPEx als valide Alternative zum EXTREME-Protokoll. Die prophylaktische Gabe von G-CSF wird dabei als Standard empfohlen. Beide Protokolle gelten bei Pat. mit einer PD-L1-Expression von CPS < 1 aktuell immer noch als Erstlinienstandard.

Bei Pat. mit reduziertem Allgemeinzustand sollte eine Monotherapie erwogen werden. Es wurde gezeigt, dass eine alleinige Chemotherapie mit Cisplatin im Vergleich zu einer Behandlung mit Methotrexat zu einer längeren Überlebenszeit führt, aber eine höhere Toxizität aufweist [631]. Tyrosinkinaseinhibitoren wie Gefitinib, Erlotinib und Afatinib konnten weder als Monotherapie noch in Kombination mit Chemotherapie einen signifikanten Nutzen in der palliativen systemischen Behandlung des rezidivierten oder metastasierten Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinoms erzielen.

Regelmäßige Schnittbildgebungen sollten bei Patienten mit rezidiviertem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom der Kopf-Hals-Region unter laufender Therapie alle 6-12 Wochen erfolgen, um rechtzeitig einen Therapiewechsel auf eine Zweitinientherapie vornehmen zu können.

9.2.2 "Second line" medikamentöse Tumortherapie

9.17 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Nach Versagen einer primären platinhaltigen Kombinationstherapie mit Cetuximab sollte eine Zweitlinientherapie mit einem Checkpoint-Inhibitor (Pembrolizumab [TPS>/=50%] oder Nivolumab als Monotherapie) durchgeführt werden

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.18 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Nach Versagen einer primären platinhaltigen Kombinationstherapie mit Pembrolizumab kann eine Zweitlinientherapie mit Docetaxel oder Paclitaxel, ggf. in Kombination mit Cetuximab (off label), durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.19 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Nach Versagen einer Erstlinientherapie mit Pembrolizumab oder Nivolumab als Monotherapie kann eine Zweitlinientherapie mit Platin/5-FU und Cetuximab oder mit Docetaxel bzw. Paclitaxel und Cetuximab durchgeführt werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)
9.20 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Bei Patienten, die unter einer Zweitlinientherapie unter Einschluß von Cetuximab oder Pembrolizumab oder Nivolumab keine Tumorprogredienz zeigen, soll eine Fortführung der Therapie mit der jeweils eingesetzten Substanz bis zum Therapieversagen (Progredienz oder Unverträglichkeit) angeboten werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

Für Pat. mit Progress nach platinhaltiger Chemotherapie konnte mit dem PD1-Checkpointinhibitor Nivolumab das Überleben mit 7,5 versus 5,1 Monate im Vergleich zu einer Monotherapie mit einem Taxan, Methotrexat oder Cetuximab signifikant verlängert werden (HR 0,70 p=0,01) [625]. Nivolumab ist unabhängig vom PD-L1 Status im Progress nach platinhaltiger Therapie seit 2017 zugelassen.

Im analogen Studiendesign wurden für den PD1-Inhibitor Pembrolizumab ähnliche Ergebnisse erreicht, wobei hier für Pat. mit einem PD-L1 TPS ≥ 50% die höchste Signifikanz erreicht wurde [632]. Für Patienten mit einem PD-L1 TPS ≥ 50% war das mediane Gesamtüberleben mit 11,6 Monate unter Pembrolizumab versus 6,6 Monate mit Taxan, MTX oder Cetuximab hoch signifikant besser, so dass eine vergleichsweise strenge Zulassung nur für Patienten mit TPS ≥ 50% bei Progreß nach platinhaltiger Vortherapie 2018 erfolgte.

Insofern sollte bei fehlenden Kontraindikationen gegen einen Checkpointinhibitor in der Zweitlinientherapie nach platinbasierter Therapie (EXTREME oder TPEx) mit Nivolumab (unabhängig von der PD-L1-Expression) oder Pembrolizumab (TPS ≥ 50%) behandelt werden. Nach einer Erstlinientherapie mit Pembrolizumab mono oder Platin-5-FU-Pembrolizumab gibt es keine durch Studien etablierte Standardtherapie.

In der Literatur gibt es einige weitere Therapeutika, die teilweise nicht in der EU zugelassen sind, aber zur Anwendung bei rezidivierten/metastasierten Oro-, bzw. Hypopharynxkarzinomen diskutiert werden (NCCN Guidelines Version 2.2023).

Kombinationstherapien

  • Cisplatin/Cetuximab [633]
  • Cisplatin oder Carboplatin/docetaxel [634] oder Paclitaxel [635]
  • Cisplatin/5-FU [635] [619]
  • Cisplatin oder Carboplatin/docetaxel/cetuximab [622]
  • Cisplatin oder Carboplatin/paclitaxel/cetuximab [636]
  • Pembrolizumab/Platinum (Cisplatin oder Carboplatin)/Docetaxel [620],[634]
  • Pembrolizumab/Platinum (Cisplatin oder Carboplatin)/Paclitaxel [635]

Monotherapie

9.3 Supportive Therapie

Dieses Kapitel bezieht sich in enger Anlehnung auf die umfangreichen und überwiegend mit der Betrachtung des Oro-, Hypopharynxkarzinoms kompatiblen Ausführungen der beiden S3-Leitlinien Larynx-, und Mundhöhlenkarzinom [1][2].

Beim Oro- und Hypopharynxkarzinom interagieren die verschiedenen Therapiemöglichkeiten untereinander und mit vielen verschiedenen Normalgeweben. Potentielle Nebenwirkungen (beispielsweise Organverlust durch OP im Falle einer Laryngopharyngektomie bei einem fortgeschrittenen Hypopharynxkarzinom, Fibrose nach Radiotherapie) haben Einfluss auf die Therapie – bei der primären Entscheidung, der Kombinierbarkeit und der Prognose. Vermeidung, Behandlung und Unterstützung im Management von Therapiefolgen haben einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten mit und nach Oro-, Hypopharynxkarzinom. Deshalb werden die Nebenwirkungen auch in den anderen Kapiteln dieser Leitlinie verschiedentlich angerissen. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit Prophylaxe und Therapie einzelner Nebenwirkungen der Therapie des Oro-, Hypopharynxkarzinoms, und generell unterstützenden Maßnahmen, die im weiteren Sinne als Supportivtherapie zu verstehen sind.

Grundsätzlich muss bei Nebenwirkungen unterschieden werden zwischen denen, die während und unmittelbar nach der Therapie auftreten und solchen, die entweder sofort auftreten und langanhaltend sind oder im längeren Verlauf nach einer Therapie auftreten – letztere sind besonders nach Strahlentherapie zu beobachten.

An dieser Stelle sei auf die S3-Leitlinie Supportivmaßnahmen in der Onkologie verwiesen, die in der aktuellen Version Februar 2020 vorliegt [647] Viele spezifische Nebenwirkungen sind dort ausführlich ausgearbeitet und mit Empfehlungen versehen dargestellt. Um Aktualisierungs-Überschneidung vorzubeugen, sollen folgende Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie hier nicht kommentiert werden, auch wenn sie relevant sind:

  • Anämie / Neutropenie
  • Nausea/Emesis
  • Diarrhoe
  • Orale Mucositis durch Chemotherapie
  • Tumortherapie-induzierte Hauttoxizität
  • Chemotherapie-induzierte Neurotoxizität (CIPN)
  • Supportive Therapie in der Radioonkologie
    • Radiodermatitis
    • Radiogene Osteonekrose
    • Radiogene Mucositis
    • Radiogene Xerostomie
    • Strahlenfolgen an Hirn und Rückenmark

Die Diagnose eines Oro-, oder Hypopharynxkarzinoms ist für die meisten Patienten schockierend und kann die Lebensplanung mit einem Schlag schwerwiegend verändern. Nach dem Schock der Krebsdiagnose und der Aufklärung über die zu erwartende Therapie einschließlich der weiteren postoperativen Behandlungen muss der Patient die Aufklärung über die möglichen Veränderungen bezüglich Schluckfunktion, Stimmbildung, Atmung, fazio-oraler Funktionen (Riechen, Pusten) und stigmatisierende Veränderungen im Bereich des Halses (Stoma) verarbeiten. Deshalb ist es wichtig, dem Patienten von Anfang an Rehabilitations- und Unterstützungsmöglichkeiten durch Sozialdienst, Pflegepersonal, Logopädie, Physiotherapie, physikalische Therapie, psychosoziale Dienste und dem frühen Kontakt mit Selbsthilfegruppen aufzuzeigen. All diese Maßnahmen sind als wesentlicher Bestandteil einer Supportivtherapie zu sehen, die sich nicht auf medikamentöse Behandlung aufgetretener Normalgewebsreaktionen begrenzt.

9.3.1 Prävention, Nebenwirkungen und deren Behandlung

9.3.1.1 Spezifische Supportivmaßnahmen nach Operation

Im Gegensatz zu Komplikationen sind Therapiefolgen typische Erscheinungen nach Operationen, mit denen immer zu rechnen ist, auch wenn sie in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Die operative Therapie des Oro- bzw. Hypopharynxkarzinoms führt meistens zu funktionellen Beeinträchtigungen unterschiedlichen Grades.

Die geringsten funktionellen Störungen entstehen nach transoralen Operationstechniken (TLM, TORS) von T1 Karzinomen des Oro-, und Hypopharynx. Die danach auftretende Dysphonie bzw. Dysphagie bildet sich meist nach wenigen Wochen, unterstützt durch logopädische Behandlung deutlich zurück. Bei größeren Resektionen im Oropharynx kann es zu bleibenden Funktionsstörungen der Zunge, des Gaumenschlusses, des Schluckaktes und der Stimmbildung bzw. Artikulation kommen.

Da der Kehlkopf den Luft- vom Speiseweg trennt, ist eine der häufigen Nebenwirkungen nach ausgedehnteren Teilresektionen bei kleineren Hypopharynxkarzinomen die Aspiration, da die Schutzmechanismen des Kehlkopfeinganges eingeschränkt sind. Dieses Problem tritt bei der vollständigen Entfernung des Kehlkopfes nicht auf, da in dieser Situation der Luft- vom Speiseweg getrennt wird. Wird eine Stimmprothese eingesetzt, besteht die Gefahr der Bildung einer pharyngo-trachealen Fistel. Nach der Anlage von Stimmprothesen treten Aufweitungen der tracheoösophagealen Fisteln in frühen, aber auch späten Stadien auf.

Bei manchen, ausgedehnten Eingriffen kann Luftnot aufgrund von glottisnahen Gewebeschwellungen eine typische Nebenwirkung sein, die eine temporäre oder gar eine permanente Tracheotomie erfordert.

Nach einer Laryngopharyngektomie entstehen ein Geruchsverlust aufgrund der fehlenden Nasenatmung und die Gefahr einer rezidivierenden Entzündung der Luftröhre durch den Wegfall der Nase als Filter und Luftbefeuchter. Dadurch kann sich eine verborkende Tracheitis entwickeln, die einer intensiven stationären Behanlung bedarf. Nach Laryngektomie ist ferner die Bauchpresse z.B. beim Anheben von schweren Lasten nicht möglich. Als einer der schweren Nebenwirkungen muss der Verlust der Stimme nach Laryngektomie angesehen werden, der naturgemäß durch die Entfernung des Stimmorgans sich primär nicht vermeiden lässt. Allerdings stehen verschiedene Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung, wieder eine Ersatzstimme zu entwickeln. Die spezifischen Supportivmaßnahmen nach Laryngektomie (Luftbefeuechtung, pflegerischer Umgang mit Tracheostoma, Trachealkanülen, Reanimation bei Patienten mit Tracheostoma) werden in Kap. 7.9.1.1 der S3-Leitline Larynxkarzinom [2] ausführlich dargestellt. 

Eine seltener zu beobachtende funktionelle Störung nach Laryngektomie besteht in der Stenose des Hypopharynx, die insbesonders nach ausgedehnteren Resektionen des Hypopharynx und adjuvanter Strahlentherapie auftreten und dann zu erheblicher Dysphagie, bis zur Aphagie führen kann.

Viele dieser typischen Nebenwirkungen lassen sich durch intensives Schluck- oder Stimmtraining beseitigen bzw. verringern. Eine medikamentöse oder operative Behandlung von Nebenwirkung ist in vielen Fällen nicht möglich. In Einzelfällen können postoperative Verwachsungen der Zunge operativ gelöst und relevante hypopharyngeale Stenosen durch Bougierung oder Erweiterungsplastiken beseitigt werden.

Nach einer Neck dissection kann es zu Schwellungen im Kopf- und Halsbereich kommen bedingt durch einen Stau und Abflussstörungen in den Lymphgefäßen. Auch die Bewegungen des Kopfes, z. B. Drehen und Neigen, können eingeschränkt sein. Dies kann hauptsächlich nach adjuvanter Strahlentherapie und einsetzender Strahlenfibrose aber auch nach Läsionen des N. accessorius entstehen. Physikalische und physiotherapeutische Behandlungen können zu einer Besserung führen, wobei es keine Studien gibt, die den Effekt einer Lymphdrainage belegen. Ferner können Schädigungen weiterer Nerven (N. hypoglossus, N. lingualis, N. vagus, Grenzstrang und N. phrenicus) auftreten [2].

9.3.1.2 Nebenwirkungen und deren Behandlung nach Radio(Chemo)therapie

Während einer Radio(chemo)therapie stehen die oben aufgezählten akuten Nebenwirkungen im Vordergrund (Hautreaktion, Mukositis, Xerostomie, Strahlenfolgen an Nervengewebe). Hinzu kommen Geschmacksverlust, Übelkeit/Erbrechen, Fatigue und Schwäche. Nicht selten führen ausgeprägte Nebenwirkungen zum Wunsch des Patienten, die Therapie abzubrechen oder zu pausieren, beides kompromittiert die Wirkung der Therapie deutlich. Optimale Prophylaxe und Therapie sind wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Tumortherapie. Die supportiven Maßnahmen in der Radioonkologier werden ausführlich in Kap.12 der [647] beschrieben.

Weiterhin gibt es chronische Nebenwirkungen, die potentiell im Langzeitverlauf auftreten, deren Wahrscheinlichkeit aber – zumindest teilweise – durch adäquate Prophylaxe gesenkt werden kann. Dies betrifft insbesondere die Veränderungen an Zähnen und Kiefer, aber auch die chronische Xerostomie und Trismus. Hinzu kommen weitere chronische Nebenwirkungen der kombinierten Therapie wie das Lymphödem, die funktionellen Einschränkungen von Nacken- und Halsmuskulatur sowie chronisch verzögerte Wundheilung mit der Neigung zu Vernarbung und Fistelbildung. Eine Vielzahl verschiedener Veränderungen kann chronische Schluckstörungen, Aspirationen oder Heiserkeit auslösen – hier seien beispielhaft genannt die progrediente Fibrose der Schlundmuskulatur; chronische Schleimhautödeme im Bereich des Kehlkopfeingangs, der ariepiglottischen Falte und der Taschenfalten; Spätödeme im Bereich des gesamten Larynx [648]; Neuropathien und Vernarbungen der Mukosa; Fibrosen des gesamten Oropharynxbereichs sowie der Kaumuskulatur mit konsekutiven Mundöffnungsschwierigkeiten; Knorpelnekrosen im Larynxbereich.

All diese Nebenwirkungen erfordern eine engmaschige Betreuung der Patienten, optimalerweise durch ein interdisziplinäres Team. Wichtig ist dabei auch die Sequenz der Maßnahmen – die Zahnsanierung muss vor Beginn der Radiotherapie erfolgen, dennoch sollte das Zeitfenster von OP zu adjuvanter Therapie nicht ohne zwingenden Grund länger als 6 Wochen betragen. Wenn die präoperative Vorstellung beim Zahnarzt stattfindet, können ggf. Zahnextraktionen während der Narkose zur Tumorresektion erfolgen. Auch hilft es bei der Adhärenz, wenn Patienten von allen mitbetreuenden Ärzten und anderen Berufsgruppen gleiche Pflegehinweise bekommen. Der Nutzen einer frühzeitigen Einbindung von Ernährungstherapie und Stimmrehabilitation wurde an anderer Stelle beschrieben. Somit ist ein koordiniertes Management erforderlich.

Einmal aufgetretene chronische Veränderungen bleiben in der Regel bestehen, ihre Häufigkeit nimmt im Langzeitverlauf zu und Literatur zu Inzidenz und Therapie gibt es wenig. Insgesamt wird empfohlen, Patienten mit neu aufgetretenen Symptomen nach onkologischer Therapie einschließlich Radiotherapie beim Strahlentherapeuten vorzustellen, um ggf. einen Zusammenhang festzuhalten und über Therapieoptionen aufzuklären [2]

9.3.1.3 Nebenwirkungen und deren Behandlung nach medikamentöser Tumortherapie

Sehr häufig erfolgt die Gabe von Chemotherapie simultan zur Bestrahlung (primär oder adjuvant) und in palliativen Therapiesituation auch alleinig. Ferner kommen Substanzen aus der Immunonkologie und des EGFR-Targeting zur Anwendung (Kap. 9.2.). Die häufigsten potentiellen Nebenwirkungen der verwendeten Substanzen (Tumortherapie indizierte Nausea und Emesis, Diarrhoe, veränderte Blutbildung, orale Mucositis durch systemische Tumortherapie, Hauttoxizitäten, Nephrotoxizität, Chemotherapie injduzierte periphere Neuropathie, ossäre Komplikationen, Paravasate) werden ausführlich exklusive der spezifischen Toxizitäten der bislang zugelassenen Checkpoint-Inhibitoren (Pembrolizumab, Nivolumab) in der oben erwähnten S3-LL Supportivtherapie [647].

Spezifische Toxizitäten und deren Therapie der PD-1-Inhibtoren Pembrolizumab und Nivulomab

Immunvermittelte Nebenwirkungen, einschließlich schwerer Fälle mit teils tödlichem Ausgang, traten bei Patienten unter Pembrolizumab bzw. Nivolumab auf. Die meisten immunvermittelten Nebenwirkungen, die während der Behandlung mit PD-1-Inhibitoren auftraten, waren reversibel und durch Unterbrechung der Therapie mit Pembrolizumab, Gabe von Kortikosteroiden und/oder unterstützende Maßnahmen beherrschbar. Immunvermittelte Nebenwirkungen traten auch nach Gabe der letzten Dosis des PD-1-Inhibitors auf. Immunvermittelte Nebenwirkungen können gleichzeitig in mehr als einem Organsystem auftreten. Übersicht unter [649].

Bei Verdacht auf immunvermittelte Nebenwirkungen sollte eine angemessene Abklärung zur Bestätigung der Ätiologie oder zum Ausschluss anderer Ursachen sichergestellt werden. Entsprechend des Schweregrades der Nebenwirkung sollte die Gabe von PD-1-Inhibitoren unterbrochen werden und Kortikosteroide gegeben werden. Bei Besserung auf Grad 1 oder weniger sollte mit der Reduktion der Kortikosteroid-Dosis begonnen und über mindestens einen Monat ausgeschlichen werden. Basierend auf limitierten Daten aus klinischen Studien mit Patienten, bei denen die immunvermittelten Nebenwirkungen nicht mit Kortikosteroiden kontrolliert werden konnten, kann die Gabe von anderen systemischen Immunsuppressiva erwogen werden. Die Behandlung mit PD1-Inhibtoren sollte nicht fortgesetzt werden, solange der Patient immunsuppressive Dosen von Corticosteroiden oder andere Immunsuppressiva erhält. Prophylaktisch sollten Antibiotika gegeben werden, um opportunistische Infektionen bei Patienten zu verhindern, die immunsuppressiv behandelt werden. Die Therapie mit Pembrolizumab/Nivolumab kann innerhalb von 12 Wochen nach der letzten Dosis wieder aufgenommen werden, wenn sich die Nebenwirkung auf Grad 1 oder weniger bessert und die Kortikosteroid-Dosis auf ≤ 10 mg Prednison oder eines entsprechenden Äquivalents pro Tag reduziert wurde. PD-1-Inhibitoren sind dauerhaft abzusetzen, falls eine weitere Episode jeglicher Grad-3-immunvermittelter-Nebenwirkung erneut auftritt oder bei Auftreten jeglicher Grad-4-immunvermittelter-Toxizität, außer es handelt sich um Endokrinopathien, die mit Hormonsubstitutionstherapie kontrolliert werden können.

Immunvermittelte Pneumonitis

Pneumonitis wurde bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet. Patienten sollten auf Anzeichen und Symptome einer Pneumonitis überwacht werden. Ein bestehender Verdacht auf Pneumonitis sollte durch eine radiologische Untersuchung bestätigt und andere Ursachen sollten ausgeschlossen werden. Kortikosteroide sollten ab Grad ≥ 2 Ereignissen gegeben werden (Anfangsdosierung 1-2 mg/kg/Tag Prednison oder eines Äquivalents mit anschließendem Ausschleichen). Die Therapie mit PD-1-Inhibitoren sollte bei Grad-2-Pneumonitis unterbrochen und bei Grad-3-, Grad-4- oder wiederholter Grad-2-Pneumonitis dauerhaft abgesetzt werden.

Immunvermittelte Kolitis

Kolitis wurde bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet. Patienten sollten auf Anzeichen und Symptome einer Kolitis überwacht und andere Ursachen ausgeschlossen werden. Kortikosteroide sollten ab Grad ≥ 2 Ereignissen gegeben werden (Anfangsdosierung 1-2 mg/kg/Tag Prednison oder eines Äquivalents mit anschließendem Ausschleichen). Die Therapie mit  PD-1-Inhibitoren sollte bei Grad-2- oder Grad-3-Kolitis unterbrochen und bei Grad-4- oder wiederholt Grad-3-Kolitis dauerhaft abgesetzt werden. Das potenzielle Risiko einer gastrointestinalen Perforation sollte in Betracht gezogen werden.

Immunvermittelte Hepatitis

Hepatitis wurde bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet. Patienten sollten auf Abweichungen der Leberfunktion (zu Behandlungsbeginn, in regelmäßigen Abständen während der Behandlung und wenn bei entsprechender klinischer Bewertung angezeigt) und auf Anzeichen einer Hepatitis überwacht werden und andere Ursachen einer Hepatitis sollten ausgeschlossen werden. Kortikosteroide sollten mit einer Anfangsdosierung von 0,5-1 mg/kg/Tag Prednison oder eines Äquivalents bei Grad-2-Ereignissen und 1-2 mg/kg/Tag Prednison oder eines Äquivalents ab Grad ≥ 3 Ereignissen mit anschließendem Ausschleichen gegeben werden. Entsprechend des Schweregrads der Leberenzymerhöhung sollte die Therapie mit PD-1-Inhibitoren unterbrochen oder dauerhaft abgesetzt werden.

Immunvermittelte Nephritis

Nephritis wurde bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Patienten sollten auf Abweichungen der Nierenfunktion überwacht werden und andere Ursachen einer Nierenfunktionsstörung sollten ausgeschlossen werden. Kortikosteroide sollten ab Grad ≥ 2 Ereignissen gegeben werden (Anfangsdosierung 1-2 mg/kg/Tag Prednison oder eines Äquivalents mit anschließendem Ausschleichen). Entsprechend des Schweregrads der Serumkreatininerhöhung sollte die Therapie mit PD-1-Inhibitoren bei Grad-2-Nephritis unterbrochen und bei Grad-3- oder Grad-4-Nephritis dauerhaft abgesetzt werden.

Immunvermittelte Endokrinopathien

Schwere Endokrinopathien, einschließlich Nebenniereninsuffizienz, Hypophysitis, Typ-1-Diabetes- mellitus, diabetischer Ketoazidose, Hypothyreose und Hyperthyreose wurden unter Behandlung mit PD-1-Inhibitoren beobachtet. Bei Fällen von immunvermittelten Endokrinopathien kann eine dauerhafte Hormonsubstitutionstherapie notwendig sein. Nebenniereninsuffizienz (primäre und sekundäre) wurde bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet. Hypophysitis wurde bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren ebenfalls berichtet. Patienten sollten auf Anzeichen und Symptome einer Nebenniereninsuffizienz und einer Hypophysitis (einschließlich einer Unterfunktion der Hypophyse) überwacht und andere Ursachen sollten ausgeschlossen werden. Sofern klinisch indiziert, sollten Kortikosteroide zur Behandlung der Nebenniereninsuffizienz und andere Hormone zur Substitution gegeben werden. Die Therapie mit PD-1-Inhibitoren sollte bei Grad-2-Nebenniereninsuffizienz oder -Hypophysitis unterbrochen werden, bis diese mit Hormonsubstitutionstherapie unter Kontrolle ist. Bei Grad-3- oder Grad-4-Nebenniereninsuffizienz oder symptomatischer Hypophysitis sollten PD-1-Inhibitoren unterbrochen oder dauerhaft abgesetzt werden. Eine Wiederaufnahme der Therapie mit PD-1-Inhibitoren kann nach Ausschleichen der Kortikosteroidtherapie, falls notwendig, erwogen werden. Die Hypophysenfunktion sowie die Hormonspiegel sollten überwacht werden, um eine angemessene Hormonsubstitution sicherzustellen.

Typ-1-Diabetes-mellitus, einschließlich diabetischer Ketoazidose, wurde bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet. Patienten sollten auf Hyperglykämie sowie auf andere Anzeichen und Symptome von Diabetes überwacht werden. Bei Typ-1-Diabetes sollte Insulin gegeben werden. Bei Fällen von Typ-1-Diabetes in Verbindung mit Grad ≥ 3 Hyperglykämie oder Ketoazidose sollte die Therapie mit Pembrolizumab unterbrochen werden, bis der Stoffwechsel unter Kontrolle ist.

Störungen der Schilddrüsenfunktion, einschließlich Hypothyreose, Hyperthyreose sowie Thyreoiditis, wurden bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet und können zu jeder Zeit während der Behandlung auftreten. Hypothyreose wird bei Patienten mit Oro-, Hypopharynxkarzinomen und vorheriger Strahlentherapie häufiger berichtet. Die Patienten sollten auf Änderungen der Schilddrüsenfunktion (zu Behandlungsbeginn, in regelmäßigen Abständen während der Behandlung und wenn bei entsprechender klinischer Bewertung angezeigt) und auf klinische Anzeichen und Symptome einer Erkrankung der Schilddrüse überwacht werden. Eine Hypothyreose kann mit einer Hormonsubstitutionstherapie behandelt werden und erfordert keine Therapieunterbrechung oder Kortikosteroidgabe. Eine Hyperthyreose kann symptomatisch behandelt werden. PD-1-Inhibitoren sollten bei Grad ≥ 3 Hyperthyreose bis zur Besserung auf Grad ≤ 1 unterbrochen werden. Die Schilddrüsenfunktion sowie die Hormonspiegel sollten überwacht werden, um eine angemessene Hormonsubstitution sicherzustellen.

Bei Patienten mit Grad-3- oder Grad-4-Endokrinopathien, die sich auf Grad 2 oder weniger gebessert haben und die, falls angezeigt, mit Hormonsubstitutionstherapie unter Kontrolle sind, kann eine Wiederaufnahme der Therapie mit PD-1-Inhibitoren nach Ausschleichen der Kortikosteroidtherapie, falls notwendig, erwogen werden. Ansonsten sollte die Behandlung abgesetzt werden.

Immunvermittelte Nebenwirkungen an der Haut

Immunvermittelte schwere Hautreaktionen wurden bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Patienten sollten hinsichtlich verdächtiger schwerer Hautreaktionen überwacht werden und andere Ursachen schwerer Hautreaktionen sollten ausgeschlossen werden. Entsprechend des Schweregrads der Nebenwirkung sollte die Gabe von PD-1-Inhibitoren bei Grad-3-Hautreaktionen bis zur Besserung auf Grad ≤ 1 unterbrochen oder bei Grad-4-Hautreaktionen dauerhaft abgesetzt werden und Kortikosteroide sollten gegeben werden.

Fälle von Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und toxischer epidermaler Nekrolyse (TEN) wurden bei Patienten unter PD-1-Inhibitoren berichtet. Bei Verdacht auf SJS oder TEN sollte die Gabe von PD-1-Inhibitoren unterbrochen und der Patient zur Beurteilung und Behandlung an eine entsprechende medizinische Fachabteilung überwiesen werden. Bei Bestätigung des Verdachts auf SJS oder TEN sollten PD-1-Inhibitoren dauerhaft abgesetzt werden. Vorsicht ist geboten, wenn die Anwendung von PD-1-Inhibitoren bei einem Patienten in Betracht gezogen wird, bei dem bereits unter einer vorhergehenden Behandlung mit anderen immunstimulierenden Arzneimitteln zur Krebsbehandlung eine schwere oder lebensbedrohliche Nebenwirkung an der Haut auftrat.

Andere immunvermittelte Nebenwirkungen

Folgende weitere klinisch relevante immunvermittelte Nebenwirkungen wurden in klinischen Studien oder nach Markteinführung der PD-1-Inhibitoren berichtet: Uveitis, Arthritis, Myositis, Myokarditis, Pankreatitis, Guillain-Barré-Syndrom, Myasthenie-Syndrom, hämolytische Anämie, Sarkoidose, Enzephalitis, Myelitis, Vaskulitis, sklerosierende Cholangitis, Gastritis, nicht-infektiöse Zystitis und Hypoparathyreoidismus.

Entsprechend des Schweregrads und der Art der Nebenwirkung sollte die Therapie mit PD-1-Inhibitoren bei Grad-2- oder Grad-3-Ereignissen unterbrochen und es sollten Kortikosteroide gegeben werden.

Die Therapie mit PD-1-Inhibitoren kann innerhalb von 12 Wochen nach der letzten Dosis wieder aufgenommen werden, wenn sich die Nebenwirkung auf Grad 1 oder weniger bessert und die Kortikosteroid-Dosis auf ≤ 10 mg Prednison oder eines entsprechenden Äquivalents pro Tag reduziert wurde.

Die Behandlung mit PD-1-Inhibitoren ist dauerhaft abzusetzen, wenn jegliche Grad-3-immunvermittelte-Nebenwirkung erneut auftritt und bei jeglicher Grad-4-immunvermittelter- Nebenwirkung.

Bei Grad-3- oder Grad-4-Myokarditis, -Enzephalitis oder -Guillain-Barré-Syndrom sind PD-1-Inhibitoren dauerhaft abzusetzen.

Ausführliche Informationen zu PD1-Inhibitoren Pembrolizumab und Nivolumab sind auf den Internetseiten der Europäischen Arzneimittel-Agentur (www.ema.europa.eu); [650] [651] verfügbar. Weitere Informationen finden sich auch in der speizifischen ESMO-Guideline [652]

9.3.1.4 Supportivtherapie Zähne und gnatologisches System

Bei der Therapie eines Oro-, bzw. Hypopharynxkarzinoms spielt die Erhaltung und Sanierung eines funktionsfähigen stomatognathen Systems (Zähne, Mundhöhle, Kiefer) für die Erhaltung der Lebensqualität eine wichtige Rolle. Bei der Vorbereitung eines Patienten zur operativen oder Strahlen-Therapie sollte eine Keimreduktion der Mundhöhle durch zahnärztliche professionelle Entfernung von weichen und harten Zahnbelägen erfolgen. Im Fall einer geplanten Strahlentherapie der Oro-, bzw. Hypopharynxregion ist (abhängig von der Ausdehnung des Tumors und der befallenen Lymphabfluswege) mit einer unterschiedlichen Strahlenbelastung am Unterkiefer und an den Zähnen zu rechnen. Daraus folgt die Einstufung dieser Patienten in die „Risikogruppen“ nach Studer et al. [653]. Die empfohlenen Prophylaxemaßnahmen für das stomatognathe System wahrgenommen werden [654] [655] [647].

Zur weiteren Information über spezifische zahnärztliche Supportivmaßnahmen wird auf Kap. 7.9.1.4. der S3-Larynxleitlinie verwiesen [2].

9.21 · Evidenzbasierte Empfehlung 2024

Patienten, die wegen eines Oro-, Hypopharynxkarzinoms operiert und/oder bestrahlt worden sind, sollten eine Wiederherstellung ihrer Kaufähigkeit durch eine kaufunktionelle Rehabilitation durch Implantat- bzw. konventionell prothetische Versorgung erhalten. Weiterhin sollte bei diesen Patienten eine regelmäßige zahnärztliche Überwachung erfolgen. Zahnärztlich-chirurgische Maßnahmen sollten bei diesen Patienten durch mit diesem Krankheitsbild erfahrene Fachkollegen vorgenommen werden.

Empfehlungsgrad
B: Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
Evidenzlevel
3

S3 Leitlinienadaptierung - Mundhöhlenkarzinom, Version 3.0 202 (9.2)

Konsens
Starker Konsens (100%)
Literatur
[656] [657] [658] [659] [660] [661] [1]
9.22 · Konsensbasierte Empfehlung 2024

Bei geplanter Radio- bzw. Radiochemotherapie des Oro-, Hypopharynxkarzinoms (primär oder adjuvant) sollte eine zahnärztliche Kontrolle vor Therapiebeginn erfolgen. Der Patient sollte über Prophylaxemaßnahmen informiert werden.

Konsens
Starker Konsens (100%)

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