7. Ernährungsmedizinische Versorgung – Ösophaguskarzinom
Die ernährungsmedizinische Versorgung von Patienten/innen mit Ösophaguskarzinom sollte ein integraler Bestandteil der onkologischen Diagnostik, Therapie und Nachsorge sein und eine interdisziplinäre Aufgabe sein.
- Konsens
- Starker Konsens (95%)
Hintergrund
Patienten mit Ösophaguskarzinom weisen nicht zuletzt aufgrund einer mechanischen Behinderung der Nahrungspassage sehr frühzeitig einen Gewichtsverlust auf [250]. Hierbei korreliert das Ausmaß der Dysphagie mit dem Ernährungsdefizit [247]. Der Gewichtsverlust kann bereits bei mehr als der Hälfte der Patienten bei der stationären Aufnahme zur Operation über 5 % des gewohnten Körpergewichts und in 40 % über 10 % des gewohnten Körpergewichts betragen. Bei 30 % findet sich ein Serumalbumin <30g/l [246].
Trotz krankheitsassoziiertem Gewichtsverlust kann der Körpermassenindex (BMI) bei Patienten mit vorbestehendem Übergewicht präoperativ deutlich über der von der World Health Organization (WHO) als kritisch definierten Grenze von 18.5 kg/m2 liegen. Der Gewichtsverlust für sich bedeutet jedoch eine Veränderung der Körperzusammensetzung, die ein „metabolisches Risiko“ nach sich zieht, welches bei Patienten vor und während der Behandlung insbesondere auch bei der Operation berücksichtigt werden muss [248].
Metabolisch handelt es sich um Hochrisikopatienten [249]. Dies gilt umso mehr für den Fall einer palliativen Therapie, wo das Aufhalten eines Gewichtsverlusts die Therapietoleranz erhöhen, Nebenwirkungen und Fatigue reduzieren und die Lebensqualität erhöhen kann (Leitlinie nicht-chirurgische Onkologie). All dies legt eine Erfassung und Beobachtung des Ernährungsstatus, beginnend bei der stationären Aufnahme oder dem ersten Patientenkontakt nahe und erfordert lokale klare Zuständigkeiten mit transparenten klinische Ablaufstandards (SOP) wie für die Indikation zur perkutanen Endoskopischen Gastrostomie (PEG) [245] (siehe auch Empfehlungen 8.14.-8.17., 8.21., 8.39.).
Literaturhinweise
[250] Weimann, A., Meyer, H. J., Muller, M. J., Stenkhoff, P., Miholic, J., Jahne, J., et.al. Significance of preoperative weight loss for perioperative metabolic adaptation and surgical risk in patients with tumors of the upper gastrointestinal tract, Langenbecks Arch Chir, 1992. 377(1): p. 45-52., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1569804/
[247] Saito, T., Kuwahara, A., Shigemitsu, Y., Kinoshita, T., Shimoda, K., Miyahara, M., et.al. Factors related to malnutrition in patients with esophageal cancer, Nutrition, 1991. 7(2): p. 117-21., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1802192/
[246] Falkner, D., Plato, R., Weimann, A., Die Wertigkeit der Feinnadelkatheterjejunostomie in der postoperativen enteralen Ernährung nach Ösophagusresektion. Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 131. Kongress der Dt. Gesellschaft für Chirurgie. Berlin 25.-28.03.2014.
[248] van Stijn, M. F., Korkic-Halilovic, I., Bakker, M. S., van der Ploeg, T., van Leeuwen, P. A., Houdijk, A. P., Preoperative nutrition status and postoperative outcome in elderly general surgery patients: a systematic review, JPEN J Parenter Enteral Nutr, 2013. 37(1): p. 37-43., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22549764/
[249] Weimann, A., Breitenstein, S., Breuer, J. P., Gabor, S. E., Holland-Cunz, S., Kemen, M., et.al. Clinical nutrition in surgery. Guidelines of the German Society for Nutritional Medicine, Chirurg, 2014. 85(4): p. 320-6., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24718444/
[245] Arends et al. S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Klinische Ernährung in der nicht-chirurgischen Onkologie. Aktuel Ernährungsmed in press, 2015.