Freedland et. al. (2020)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Freedland (2020): A Randomized Controlled Trial of a 6-month low carbohydrate intervention

on disease progression in men with recurrent prostate cancer: Carbohydrate and

Prostate Study 2 (CAPS2)

Clin Cancer Res. Ref.ID: 947

Multizentrisch

 

Offen

 

Randomisiert

 

2 Arme

 

Eingeschlossene Teilnehmer N=57, Ausgewertet N= 45 (Probanden die Studie abgeschlossen haben in Interim Analyse), Drop-Out 13% in Arm A (4x), Arm B 31% (8x)

 

USA, Zeitraum: keine Angabe

 

Anmerkung:
Interim Analyse nach 45 Probanden, von geplanten 60, jedoch nur als Abstract veröffentlicht: Interim analysis of a prospective randomized trial of dietary carbohydrate restriction for men with a rising PSA after failed primary treatment: carbohydrate and Prostate Study 2 (CAPS2)

Prostatakarzinom mit biochemischem Rezidiv nach lokaler Behandlung

 

BMI ≥24 kg/m2

 

Nach Prostatektomie oder definitiver RTx (externe Strahlung und/oder Brachytherapie) oder Kombination

 

Geschlecht: 100% männlich

 

Alter (Median; Range): 72 (66-74) Jahre

Arm A:

N= 31

Kohlenhydratarme Diät (≤20g pro Tag); Betreuung durch Diätassistenten telefonisch wöchentlich in den ersten 3 Monaten und dann alle 2 Wochen in den letzten 3 Monaten

 

Arm B:

N= 26

Kontrollgruppe (keine Diät)

 

Dauer: 6 Monate

 

 

 

T0: Baseline

T1: nach 3 Monaten

T2: nach 6 Monaten

 

Primäre Endpunkt:

1. PSA Verdoppelungszeit

 

Des Weiteren untersucht wurden Gewicht, Nüchternblutzucker, Insulin, HbA1c, CRP

 

Zu 1.

Keine signifikanten Gruppenunterschiede in der mittleren PSA-Verdoppelungszeit (Arm A 21 vs. Arm B 15 Monate; p=0.446)

 

Post-Hoc Analyse:

Nach Adjustierung für wichtigste demographische Variablen und den möglicherweise durch den Gewichtsverlust und damit einhergegangener veränderter Hämokonzentration verringerten PSA-Wert Messung: in Arm A verlangsamte PSA Verdoppelung im Vergleich zu Arm B; jedoch fragwürdig

 

Zusammenfassung der Autoren: „Among biochemical recurrence patients, low carbohydrate diet induced weight loss and metabolic benefits with acceptable

safety without affecting PSA-doubling time suggesting low carbohydrate diet does not adversely affect prostate cancer growth

and is safe.“

Arm A Gewichtsverlust im Vergleich zu Arm B (-12.1 vs. -0.50kg; p<0.001)

 

Weitere Nebenwirkungen: 1x moderate Übelkeit in Arm A und B;

Weitere Milde Symptome waren erbrechen, Diarrhöe, Verstopfung, Kopfschmerzen, Fatigue, Schwächegefühl (Asthenie) Baseline: Arm A 19x vs. Arm B 18x, keine Unterschiede zwischen Gruppen; Anzahl stieg in Arm A zu T1 an auf 30 aber kehrte zu T2 wieder auf 19 zurück, in Arm B stieg die Anzahl auf 19 zu T1 und sank wieder auf 15 zu T2; Mehr Verstopfung und Fatigue in Arm A zu T1 aber sank wieder auf Baseline-niveau zu T2

Keine Angabe zu CoI

 

Finanzierung: „This work was supported by NCI K24 CA160653 and the Hartford Foundation.”

PRO:

Entsprechend Ethik-Guideline der U.S. Common Rule

 

Stratifizierte Randomisierung (Zentrum und BMI)

 

Testung der Compliance mit Ketonen im Urin wöchentlich

 

Umfangreiche und adäquate Analyse mit Einbezug der wichtigsten Faktoren

 

Poweranalyse

 

CONTRA:
Kleine Stichprobe

 

Keine Trennung von Einfluss von Gewichtsverlust und Kohlenhydratdefizit möglich

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

1b-

Freedland (2020): In dieser Studie wurden 57 Patienten mit Prostatakarzinom zufällig in 2 Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe sollte sich dann über 6 Monate an eine kohlenhydratarme Diät halten, während die andere Gruppe keine Veränderungen in der Ernährung durchführen sollte. Untersucht wurde die PSA- Verdoppelungszeit. Bei einer Zwischenanalyse wurden dann Daten 45 von den 57 Patienten ausgewertet. Es zeigte sich nach 6 Monaten kein Unterschied zwischen den Gruppen für die PSA-Verdoppelungszeit. In einer nachgeschobenen Analyse konnte nach der Anpassung des Modells an wichtige Charakteristika der Probanden dann doch ein Unterschied gefunden werden, mit einem Vorteil für die Diätgruppe im Sinne einer langsameren Verdoppelungszeit. Da diese Analyse allerdings nicht auf vorher formulierten Hypothesen beruht, sondern eine explorative Analyse darstellt, können die Ergebnisse nicht als zuverlässig betrachtet werden. Die Studie überzeugt mit statistischer Sorgfalt und detaillierten Beschreibungen der Studie. Insgesamt ist jedoch die Stichprobe als klein zu betrachten und es kann nicht klar getrennt werden zwischen dem Einfluss des Kohlenhydratdefizits im Körper oder dem damit einhergegangenem bedeutsamen Gewichtsverlust in der Diätgruppe.