Kottschade et. al. (2011)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Kottschade (2011): The use of vitamin E for the prevention of chemotherapy-induced peripheral neuropathy: results of a randomized phase 3 clinical trial. Support Care Cancer.

Ref.ID: 505

Multizentrisch

doppelt,

randomisiert,

Phase 3,

2 Arme

 

Eingeschlossen: N = 207, Ausgewertet: N = 189

 

Land: kA, 12.06-12.07

Verschiedene Karzinomarten (Mammakarzion: 61%, Bronchialkarzionom: 3%, Sonstige: 36%)

 

82% weiblich,

Alter: ≤ 50: 39%, > 50: 61%

 

CTX: Taxan (58%), Cisplatin (4%), Carboplatin (1%), Oxaliplatin (26%), Kombination (11%)

Arm A:

N = 96

CTX + Vitamin E, DL-alpha-Tocopherol, oral, 300mg, 2x täglich, Beginn: innerhalb Tag 1-4 CTX

Dauer: bis 1 Monat post-CTX

 

Arm B:

N = 93

CTX + Placebo

Prim. Endpunkt

1. Inzidenz sensorische Neuropathie (SN) (≥ Grad 2 nach CTCAE und eingeschätzt durch Patienten mithilfe Symptom Experience Diary und Neuropathy Specific Question): Baseline, vor jeder CTX, 1 und 6 Mon. post-CTX

Sek. Endpunkte

2. Symptombeginn der SN

3. Dauer SN (Symptombeginn bis Symptomrückgang SN ≥ Grad 1)

4. Häufigkeit der Dosisreduzierung und/oder -unterbrechung

Zu 1.

Anzahl in % (95% KI)

A: 34 (25.0, 44.8)

B: 29 (20.1, 39.4); p = 0.43

 

Auch keine sign. Unterschiede, wenn Subgruppenanalyse nach Geschlecht, Alter, Anzahl CTX-Zyklen und Arten der CTX (p jeweils > 0.05)

 

Keine sign. Unterschiede zw. selbstberichteten Problemen durch neuropath. Symptome wie Taubheit, Kribbeln usw. (p = 0.11-0.88)

 

Zu 2.

Median in Tagen (95% KI)

A: 58 (43.0, 97.0); B: 69 (49.0, 105.0); p = 0.58

 

Zu 3.

Median in Tagen (95% KI)

A: 36 (28.0, 44.0); B: konnte nicht berechnet werden, da nur bei 27 Pat. Symptomrückgang

 

Zu 4.

nicht berichtet

 

Zusammenfassung der Autoren:

“Vitamin E did not appear to reduce the incidence of sensory neuropathy in the studied group of patients receiving neurotoxic chemotherapy.”

Laut Angabe keine mit Vitamin E assoziierten NW

 

Keine sign. Unterschiede hinsichtlich Toxizität Pat. mit schwerwiegende NW: A: Grad 3. N = 2 (Thrombozytopenie; Hypersensitivität, beide höchstwahrscheinlich CTX assoziiert), B: Grad 4 ZNS Blutung

Keine Angaben zu den CoI

PRO:

Ethikvotum

Doppelte Verblindung

Intention-to-treat-Analyse

CONTRA:

Weniger Patienten als in Poweranalyse berechnet

Hoher Dropout im Laufe der Studie (direkt nach Randomisierung: A: 7%, B. 11%; weiterer Dropout im Laufe der Studie (trotzdem Teil der ITT-Analyse: A: 35%; B: 42% (Gründe: Treatmentabbruch (N = 29), NW (N = 11), Treatmentveränderung (N = 6), sonst. med. Probleme (N = 6), Tod (N = 1), Sonstiges (N = 9)

Schlechte Berichtqualität (z.B. nicht alle Ergebnisse berichtet, die im Methodenteil geplant waren, keine Angaben zur Compliance)

 

2b

Kottschade (2011): In dieser Studie wurde die Wirksamkeit von Vitamin E hinsichtlich der Prävention chemotherapie-induzierter peripheren Polyneuropathie untersucht. Der Vitamin E-Arm nahm täglich parallel zur Chemotherapie bis einen Monat nach der Chemotherapie zweimal täglich Vitamin E ein, der Kontrollarm bekam stattdessen nur ein Placebo. Laut Autoren fanden sich so gut wie keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den beiden Armen. Einzige Ausnahme war die Symptomdauer der peripheren Neuropathie. IM Vitamin E Arm sind bei der Hälfte der Patienten (d.h. bei 48 Patienten) die Symptome nach 36 Tagen zurückgegangen, im Kontrollarm konnten nur bei 27 von 93 Patienten während der Studiendauer ein Rückgang festgestellt werden. Positiv an dieser Studie waren die doppelte Verblindung (d.h. Patienten und Untersucher wussten nicht, in welchem Arm Patienten waren). Negativ war die hohe Ausfallrate der Patienten im Laufe der Studie, die meisten davon wurden jedoch trotzdem in die Analysen miteinbezogen.