Erickson et. al. (2017)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Erickson (2017): Systematic review: isocaloric ketogenic dietary regimes for cancer patients Medical Oncology. Ref-ID: 958

 

Eingeschlossen:

Fallstudien: Fearon et al. (1988), Nebeling et al. (1995), Bozzetti et al. (1996), Branca et al. (2015), Klement and Sweeny (2016)

 

Klinische Studien: Rossi-Fanelli et al (1991), Chu-Shore et al. (2010), Bozzetti et al. (2004), Schmidt et al. (2011), Fine et al. (2012), Schröder et al. (2013), Rieger et al. (2014), Champ et al. (2014), Jansen und Wallach (2016), Tan-Shalaby et al. (2016)

Systematisches Review

 

Suchzeitraum: Oktober 2016

 

Datenbanken: Medline, Embase; Cinahl, Eric, PsychInfo und Socindex durch Ebsco

 

Einschlusskriterien: Klinische Studien, Fall-Kontrollstudien, Kohortenstudien veröffentlicht zwischen Januar 1980 und Oktober 2016, jedoch auch Suche nach RCTs, nicht-randomisierte Studien, kontrollierte Studien, unkontrollierte Studien und Beobachtungsstudien

 

Studieneinschluss n=15; nur Studien mit isokalorischer Diät

 

Insgesamt n=330, davon 177 in Interventionsgruppe, 67/177 schlossen Diät ab (keine Daten von n=18)

Verschiedene Krebsentitäten

 

Stichprobe: Kinder und Erwachsene

Interventionsarten:

Isonitrogene, isokalorische ketogne Diät; 60% MCT Öl und 10% LCT-basierte Ketogene Diät; TPN: 28kcal Fett/kg/Tag, 1.5g Protein/kg/Tag, 40g Glokose/Tag; Ketogene Diät reich an Olivenöl und Vitamin D3 Supplemente (10,000 IU/Tag); ketogene Diät mit 50g CHO/Tag; einmalige 3-Stunden Glukose- oder Lipidbasierte parenterale Lösung; Ketogene Diät mit weniger als 70g CHO am Tag mit Möglichkeit zur Zubereitung eines Protein/Fat-Shakes; Ketogene Diät mit 60g Cho am Tag; modifizierte Atkins Diät mit 20-40g Kohlenhydrate

 

Dauer/ Range: von einmaliger 3-Stunden Glukose- oder Lipidbasierte parenterale Lösung, zu 4 – 5 ½ jähriger Diät

 

Teilweise mit Supervision, aber auch einfache Instruktionen für Patienten alle Studien sehr heterogen in den Diäten

1. Tumorwachstum

 

2. Durchführbarkeit/ Adherenz

 

3. QoL

 

 

1. 1 Studie: keine Korrelation zwischen klinischer Tumorantwort und Ketose oder Glykämie (Tan-Shalaby);

1 Studie: Ausmaß der Ketose (unabhängig von Kaloriendefizit oder Gewichtsverlust) korrelierte mit „nicht Fortschreiten der Erkrankung“ oder partieller Remission (n=10, Fine et al.); 1 Studie: kein Unterschied zwischen verschiedenen Diätformen (TPN, Rossi et al.); 2 Studien keine Schlüsse möglich (Champ et al.); 1 Fallbericht: keine Veränderung des Tumorvolumens (Bozetti et al. 1996)

 

2. 1 Studie fand, dass 6 von 53 Patienten die Diät ohne große Komplikationen absolvierten (Champ et al.); 2 Studien positive Ergebnisse für Durchführbarkeit (Schmidt et al., bei n=6; Rieger et al.), 1 Studie zeigte gute Toleranz der Intervention ohne Gewichtsverlust (Bozetti et al., 1996)

 

3. 1 Studie positive Ergebnisse für QoL bei n=6 (Schmidt et al.)

 

Zusammenfassung der Autoren: „In contrast, to the considerable attention from researchers,

physicians and the media for its potential role in cancer

treatments, evidence on benefits regarding tumor development

and progression as well as reduction in side effects

of cancer therapy is missing.“

Nebeling et al.: Autoren empfehlen keine ketogene Diät bei Patienten unter RTx oder CTx, die Nahrungsaversionen, Leber- und Nierenprobeme oder Übelkeit oder Erbrechen zeigen; Rossi-Fanelli et al: Lymphozytenanzahl signifikant geringer in Interventionsarm; Chu-Shore: 1/5 hat Diät abgebrochen aufgrund von kognitiven Veränderungen; Schmidt et al.: andauernder Gewichtsverlust, temporäre Verstopfung und Fatigue; Fine et al.: im Mittel 4% Gewichtsverlust; Schröder et al.: verringerter Range der Glukose Plasma Amplituden ohne hypoglykämische Episoden; Rieger et al.: Abbruch von 3 Probanden (von 20); Champ et al.: Gewichtsverlust, Verstopfung, Fatigue, Hypoglykämie, tiefe Venenthrombose, Nephrolithiasis; Tan-Shalaby et al.: 8/11 (73%) erlebten Gewichtsverlust, 7/11 (64%) erlebten Hyperurikämie und weitere verschiedenste Nebenwirkungen wurden berichtet

Interessenskonflikte: „Nicole Erickson has received a speaker honorarium

from B. Braun, CSL-Behring and Fresenius Kabi. The content

of these talks was not related to the content of this article.

A. Boscheri, B. Linke and J. Huebner declare no conflict of interest.“

PRO:

Detaillierte Auflistung der Studien und Nebenwirkungen

 

 

3a

Erickson (2017): In diesem systematischen Review wurden 15 Studien aufgenommen. Die Anzahl der Teilnehmer in den Studien war meist sehr gering, so dass zusammen nur 177 Teilnehmer (von 330) eine Diät in Form von Ketogener Diät oder einer abgewandelten Form dieser absolvierten. Die Diäten waren alle als isokalorisch ausgelegt. Dies bedeutet, dass trotz Diät genug Kalorien aufgenommen werden sollten, um einen Gewichtsverlust zu vermeiden. Die eingeschlossenen Studien untersuchten zum Beispiel die grundsätzliche Durchführbarkeit der Diät bei Krebspatienten, die Lebensqualität der Patienten, den Einfluss der Diät auf den Tumor und die Nebenwirkungen der Diät. Es zeigten sich durchmischte Ergebnisse für die Durchführbarkeit, wenige Ergebnisse für die Lebensqualität und nur eine Studie fand einen Effekt für einen positiven Einfluss der Diät auf das Tumorwachstum. Insgesamt wurden viele Nebenwirkungen der Diät berichtet mit unter Anderem Fatigue, Gewichtsverlust, Verstopfung und kognitiven Veränderungen.