Nguyen et. al. (2012)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Nguyen (2012): Randomized, double-blind, placebo-controlled trial of polyphenon E in prostate cancer patients before prostatectomy: evaluation of potential chemopreventive activities.

Cancer prevention research. Ref.ID: 801

 

Prospektiv

 

Mono- oder Multizentrisch: k.A.

 

Doppelt verblindet

 

Randomisiert

 

2 Arme

 

Anzahl eingeschlossener Teilnehmer: N=50 (Anzahl Teilnehmer, die die Studie beendet haben: N=48, Attrition: N=1 in jedem Arm, OP abgesagt, Drop-Out: 2-23% fehlende Daten)

 

USA, März 2007 bis Juli 2010

Prostatakrebs

 

Prä-OP (Radikale Prostatektomie)

 

Geschlecht: 100% männlich

 

Alter:

Arm A:

MW=63.4; SD=5.9,

Arm B:

MW=61.3;

SD=5.7,

Gemeinsamer MW=62.35

Arm A:

N=25,

Polyphenon E (inkl. 800mg EGCG), 4 Kapseln (a 200mg EGCG) jeden Morgen zum Essen

 

Arm B:

N=25,

Placebo, Einnahme s.o.

 

Dauer: für 3 bis 6 Wochen vor der OP

T0: Baseline,

T1: nach der Intervention

 

Sekund. Endpunkt:

1. Serum-PSA-Wert

 

Weiterhin erhoben wurden Bioverfügbarkeit von Grünteepolyphenolen im Prostatagewebe nach Intervention (als eigentlich primärer Endpunkt der Studie), Plasmakonzentration und weitere systemische und Gewebe-Biomarker.

Zu 1.

PSA-Werte zeigten eine stärkere Verringerung in Arm A als in Arm B, diese waren aber statistisch nicht signifikant (Arm A: -0.66±2.56, Arm B: -0.08±1.28ng/ml; p=0.26);

N (%), Reduzierung des PSA Arm A: 14 (58.3), Arm B: 8 (36.4), kein signifikanter Gruppenunterschied (p=0.15)

 

Zusammenfassung der Autoren: "In dieser Studie fanden wir heraus, dass die Bioverfügbarkeit von Polyphenolen im Prostatagewebe gering war […] die Polyphenon E-Intervention in Tablettenform wurde mit minimalen Nebenwirkungen gut vertragen."

Beschreibung und Einstufung mittels NCI CTCAE Version 3.0, Häufigkeit mittels Tagebucheintragungen

 

NW waren alle Grad I oder II

 

Insgesamt traten 18 (Arm A) und 39 (Arm B) NW auf. Zusammenfassung der NW, die bei mehr als 4% der Patienten in Arm A und B auftraten, unabhängig von der Zuordnung (Anzahl der Nebenwirkungen (Anzahl der betroffenen Patienten in %)):

Arm A:

Übelkeit: 4 (16)

Durchfall: 2 (8)

Kopfschmerzen: 1 (4)

Fieber: 0 (0)

Gliederschmerzen: 0 (0)

Muskelschmerzen: 0 (0)

 

Arm B:

Übelkeit: 4 (16)

Durchfall: 5 (20)

Kopfschmerz: 2 (8)

Fieber: 3 (12)

Gliederschmerzen: 2 (8)

Muskelschmerzen: 2 (8)

Laut Angabe keine CoI

 

Finanzielle Unterstützung der Arbeit durch das National Cancer Institute und das Arizona Cancer Center

 

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PRO:

Ethikvotum

 

Wash out: Patienten, die innerhalb eines Monats nach Einschreibung regelmäßig Tee getrunken haben, wurden ausgeschlossen

 

Kontrolle der Therapieadhärenz (Kapselzahl und Einnahmekalender)

 

Testung der Normalverteilung der Daten und Anwendung adäquater Tests

 

CONTRA:

Insgesamt kleine Stichprobengröße (Post-hoc Poweranalyse durchgeführt und Kriterien nicht erfüllt)

 

Intention-to-treat Auswertung der NW (Unterschätzung von NW, per-protocol wäre besser, aber nur 4% haben die Studie nicht beendet)

 

Per-protocol Auswertung der Endpunkte (intention-to-treat wäre besser)

 

Unklarer Randomisierungsprozess („participants were randomized…“; „the two groups were well matched…“)

 

Keine Korrektur für multiples Testen für Vergleich zwischen Gruppen für Veränderungen (aber zumindest Einsicht dessen und vorsichtige Interpretation)

 

Keine Angabe des Erhebungsortes

 

Keine Erläuterungen zur Verblindung

2b

Nguyen (2012): In dieser Studie wurden 50 Patienten mit Prostatakrebs zufällig in eine von zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe nahm täglich jeden Morgen vier Polyphenon E Kapseln (insgesamt 800mg EGCG) ein, die andere Gruppe bekam ein passendes Placebo. Weder die Teilnehmer noch die Studienleiter wussten, ob sie die Kapsel mit oder ohne Wirkstoff einnahmen. Die Patienten nahmen die Kapsel so lange ein bis ihre Prostata operativ entfernt wurde. Danach wurde unter anderem das Prostatagewebe untersucht und verschiedene Laborparamater ausgewertet. Der Wirkstoff (Intervention) war nur in geringem Ausmaß im Prostatagewebe nachweisbar. Der PSA-Wert wurde zu Beginn der Studie und nach der Intervention bestimmt. Hierbei zeigte sich eine stärkere Abnahme des Serum-PSA-Wertes in der Polyphenon E-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe, dieser Unterschied ist jedoch nicht statistisch signifikant. Insgesamt traten hauptsächlich gering bis mäßig starke Nebenwirkungen auf (Grad I und II nach CTCAE), worunter Übelkeit die häufigste Nebenwirkung darstellte. Kritisch anzumerken ist die kleine Stichprobengröße. Außerdem wurden alle Patienten in die Auswertung der Nebenwirkungen miteinbezogen, auch wenn sie die Studie gar nicht abgeschlossen haben. Dies kann zur Unterschätzung von Nebenwirkungen führen, allerdings ist nur jeweils ein Studienteilnehmer pro Gruppe ausgeschieden. Insgesamt lässt die Berichterstattung etwas zu wünschen übrig.